Nawrocki hat Zelensky den Orden entzogen | Vitaly Portnikov. 20.06.2026.

Der polnische Präsident Karol Nawrocki hat die Entscheidung getroffen, seinem ukrainischen Amtskollegen Volodymyr Zelensky den Orden des Weißen Adlers abzuerkennen.

Bekanntlich hatte Nawrocki zuvor darauf bestanden, dass Zelensky seine Entscheidung rückgängig macht, einer ukrainischen Militäreinheit den Ehrennamen der Helden der Ukrainischen Aufstandsarmee zu verleihen. Und es ist vollkommen offensichtlich, dass Zelensky – wie jeder andere Staatschef eines souveränen Staates – einem solchen Ultimatum nicht zustimmen konnte. Aus dem einfachen Grund, dass Entscheidungen über das historische Gedächtnis des ukrainischen Volkes in Kyiv und nicht in Warschau getroffen werden müssen. Und schon gar nicht unter äußerem Druck.

Die Entscheidung des polnischen Präsidenten wirkt jedoch vor allem wie ein unverantwortlicher populistischer Schritt, der nicht einmal in erster Linie auf eine Verschlechterung der ukrainisch-polnischen Beziehungen abzielt, sondern darauf, diese Beziehungen zu einem Thema der innenpolitischen Auseinandersetzung in Polen zu machen. Nicht zufällig betont Nawrocki, dass nun auch der polnische Ministerpräsident Donald Tusk seine Entscheidung über die Aberkennung des Ordens für den Präsidenten der Ukraine bestätigen müsse.

Man könnte sagen, dass der Streit zwischen den beiden politischen Lagern in Polen – wie schon seit vielen Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten – zu ernsthaften Herausforderungen nicht nur für die Beziehungen zwischen dem polnischen und dem ukrainischen Volk, sondern auch für die staatliche Entwicklung Polens selbst führt.

Die Entscheidung des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki, dem Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky den Orden des Weißen Adlers abzuerkennen, muss klar und eindeutig bewertet werden. Nicht nur als persönlicher Affront gegen das Oberhaupt eines Nachbarstaates, sondern auch als offensichtliche Respektlosigkeit gegenüber dem ukrainischen Volk.

Denn Nawrockis Vorgänger Andrzej Duda zeichnete mit der Verleihung des Ordens des Weißen Adlers an Volodymyr Zelensky in dessen Person das ukrainische Volk aus. So war es übrigens auch bei fast allen Vorgängern Zelenskys im Amt des ukrainischen Staatsoberhauptes: bei Leonid Krawtschuk, Leonid Kutschma, Wiktor Juschtschenko und Petro Poroschenko.

Doch heute hat diese Auszeichnung eine besondere Bedeutung, weil sie einem Volk verliehen wurde, dessen Land gegen einen brutalen Aggressor kämpft. Und dieser Aggressor verfolgte bekanntlich immer imperialistische Pläne nicht nur gegenüber der Ukraine, sondern auch gegenüber Polen. Er war mit diesen Plänen sogar erfolgreich, indem er die Existenz der polnischen Staatlichkeit selbst und die Möglichkeit ihrer unabhängigen Entwicklung auslöschte – so wie es nach dem Zweiten Weltkrieg geschah.

Im Lager der polnischen Rechten herrscht heute die Illusion, dass Warschau im Falle einer Niederlage Kyivs durch neue europäische und euro-atlantische Bündnisse gerettet würde – obwohl deren Belastbarkeit bereits durch den Nahostkonflikt und die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, israelische Interessen hintanzustellen, infrage gestellt wurde. Manche hoffen sogar, besondere Beziehungen zu Moskau aufbauen zu können – Hoffnungen, die ein Teil der polnischen Politik schon immer hegte und die das polnische Volk letztlich immer wieder unter das russische Joch führten.

Betrachtet man die Situation jedoch nicht aus der Perspektive jener, die weiterhin unrealistischen Wunschvorstellungen anhängen, wird deutlich, dass die Zukunft Polens vom Erfolg der Ukraine im Krieg gegen Russland abhängt. Ebenso wird klar, dass der wirksame Widerstand der Ukraine gegen die russische Aggression von der Unterstützung ihrer europäischen Verbündeten und vor allem Polens abhängt.

Wie also soll man aus der Situation herauskommen, die durch die unverantwortlichen Handlungen des polnischen Staatsoberhauptes geschaffen wurde?

  • Erstens muss man anerkennen, dass Warschau das volle Recht hat, seine eigene Bewertung historischer Erinnerung vorzunehmen. 

Niemand in Kyiv kann den Polen vorschreiben, wie sie die Armia Krajowa, die Ukrainische Aufstandsarmee oder irgendeine polnische oder ukrainische historische Persönlichkeit bewerten sollen. Aber ebenso muss man in Warschau akzeptieren, dass die Ukraine exakt dieselben Rechte besitzt. Und wenn jemand mit historischen Interpretationen unzufrieden ist, dann ist das eine Angelegenheit des Dialogs zwischen Wissenschaftlern und nicht von politischen Strafaktionen.

Die Außenministerien beider Staaten können ihre Einschätzungen zu Entscheidungen äußern, die die Verleihung von Auszeichnungen oder die Umbenennung militärischer Einheiten betreffen. Wenn jedoch Entscheidungen über die Aberkennung staatlicher Auszeichnungen getroffen werden, wirken sie weniger wie der Versuch, eine Position zur historischen Erinnerung auszudrücken, sondern vielmehr wie ein bewusster Versuch, die Beziehungen zu jenem Staat zu verschlechtern, gegen dessen Präsidenten sich solche Maßnahmen richten.

Schließlich gab es bisher keine Präzedenzfälle, in denen polnische Staatsoberhäupter den Orden des Weißen Adlers aberkannt hätten. Vorschläge dazu hatte es sowohl gegenüber dem ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko als auch gegenüber Petro Poroschenko gegeben. Doch die Vorgänger Karol Nawrockis im Amt des polnischen Präsidenten erwiesen sich schlicht als verantwortungsbewusste Staatsmänner. Zudem gab es bislang überhaupt keinen Fall, in dem einem Staatsoberhaupt, das den Orden des Weißen Adlers erhalten hatte, diese Auszeichnung wieder entzogen wurde.

Die Liste der Träger dieses Ordens ist gut bekannt. Aber erstens hielt niemand es für notwendig, historische Entscheidungen der Vergangenheit zu revidieren. Und zweitens war man offenbar der Ansicht, dass die Auszeichnung eines Politikers – selbst eines so umstrittenen wie des faschistischen italienischen Regierungschefs Benito Mussolini – in erster Linie dem Respekt gegenüber dem Staat und nicht gegenüber der konkreten Person galt.

Warum hat diese einfache Überlegung im Fall Volodymyr Zelenskys nicht funktioniert?

Nun, vielleicht deshalb, weil der polnische Präsident weiterhin in Wahlkampf- und Nachwahlkategorien denkt und nicht in Kategorien staatlicher Verantwortung.

  • Zweitens muss man sich bewusst machen, dass es sowohl in der ukrainischen als auch in der polnischen Gesellschaft Millionen von Menschen gibt, die sich eine Fortsetzung enger Beziehungen zwischen der Ukraine und Polen, zwischen dem ukrainischen und dem polnischen Volk wünschen.

Die Hilfe, die Polen der Ukraine in den ersten Monaten und Jahren des russisch-ukrainischen Krieges geleistet hat, war ein offensichtlicher Ausdruck eben dieses Volksgeistes und nicht das Ergebnis unverantwortlicher Politiker, die schwierige Kapitel der Geschichte beider Völker für ihren eigenen politischen Erfolg ausnutzen.

Genau dieser gesellschaftliche Dialog muss das Hauptziel der weiteren Entwicklung der Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten sein, deren Existenz auf der politischen Landkarte der Welt angesichts der gefährlichen Entwicklungen, die wir in Europa beobachten, keineswegs selbstverständlich ist.

Gerade die Gesellschaften der Ukraine und Polens müssen ihren politischen Vertretern zeigen, dass es notwendig ist, nicht nach Wegen zu suchen, die einen Graben zwischen dem ukrainischen und dem polnischen Volk schaffen, sondern nach Wegen der Annäherung.

Und aus dieser Perspektive ist es natürlich sehr wichtig, dass Politiker, die historische Probleme in Instrumente ihrer eigenen politischen Kampagnen verwandeln wollen und deren Aktionen mit jeder Aberkennung eines Ordens oder jeder lautstarken Rede zunehmen, keinen Platz in den ernsthaften Amtsstuben haben sollten, in denen wichtige Entscheidungen getroffen werden.

Das ist natürlich keine Aufgabe eines Tages oder eines Jahres. Doch ein Modell, in dem besonnene Menschen Entscheidungen treffen, die ihre Staaten und Völker vor dem Verschwinden, vor militärischen Prüfungen und Tragödien bewahren sollen, muss das Wesen der Beziehungen zwischen der Ukraine und Polen in den kommenden stürmischen und möglicherweise kriegerischen Jahrzehnten voller Herausforderungen sein.

Dass man dies in Warschau nicht begreift, ist eine große Tragödie für das polnische Volk.

Dass man dies erst jetzt in Kyiv zu begreifen beginnt, könnte vielleicht das größte Kapital für unseren Beitrag zu den ukrainisch-polnischen Beziehungen in den kommenden schwierigen Zeiten sein.

Jetzt gilt es, mit aller Klarheit die Bereitschaft zu zeigen, die ukrainisch-polnischen Beziehungen weiterzuentwickeln, ohne Bedingungen zu schaffen, unter denen die Ukraine in diesen Beziehungen gedemütigt werden kann, indem man die schwierige Lage unseres Staates infolge des jahrelangen Krieges mit Russland ausnutzt.

Und man sollte auf jene Menschen setzen, die verstehen, dass Demütigung im bilateralen Dialog nicht nur der Ukraine schadet, sondern vor allem Polen selbst.


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Titel des Originals: Навроцький відібрав орден у Зеленського |Віталій Портников. 20.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 20.06.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Solowjow vertreibt die Russen aus Russland | Vitaly Portnikov. 18.06.2026.

Der abscheuliche russische Propagandist Wladimir Solowjow erklärte, dass jene Bürger der Russischen Föderation, denen die Einschläge ukrainischer Drohnen auf die Ölraffinerien des Landes nicht gefallen, die sich über Brände, Benzinmangel und den sinkenden Lebensstandard empören, Russland verlassen könnten. Denn in einer solchen Situation würden sie sich in Verräter, Wlassow-Anhänger verwandeln.

Man könnte mir entgegenhalten, dass ich Solowjow zu Unrecht kritisiere, weil auch ich von der Möglichkeit spreche, dass ukrainische Bürger ihr Land verlassen dürfen. Doch hier gibt es einen grundlegenden Unterschied in den Ansätzen.

Ich habe gesagt, dass ukrainische Bürger das Recht haben, sich vor dem Krieg zu retten, den Russland entfesselt hat – wenn es um Frauen und Kinder geht, deren Häuser von Putins Luftwaffe bombardiert werden. Ich habe gesagt, dass ukrainische Bürger, wenn sie nicht bereit sind, gegen die Korruption im eigenen Land zu kämpfen, im Ausland leicht einen Staat mit geringerem Korruptionsniveau finden können, dabei jedoch auf ihre staatsbürgerliche Zugehörigkeit verzichten.

Solowjow hingegen fordert, dass Bürger, die die Folgen der Aggression ihres eigenen Staates am eigenen Leib spüren, eben diesen Staat verlassen sollen.

Und darin liegt, wie mir scheint, eine erstaunliche propagandistische Absurdität. Zunächst beginnt Russland einen Angriffskrieg gegen einen Nachbarstaat, tötet, verbrennt, vergewaltigt, plündert, versucht die ukrainische Infrastruktur zu zerstören und die Zivilbevölkerung erfrieren zu lassen. Und als die Ukraine beginnt, auf diese Angriffe zu antworten und dadurch Probleme für das Leben in Russland selbst entstehen, verlangt ihr wichtigster staatlich lizenzierter Propagandist nicht die Beendigung des Krieges, sondern die Ausreise all jener, die die Folgen dieser Aggression nicht ertragen wollen.

Die ukrainischen Bürger, die sich nach dem 24. Februar 2022 irgendwo auf unsicherem Gebiet ihres Landes befanden, hatten praktisch keine Wahl. Entweder sie retteten sich vor dem Krieg oder sie versuchten, sich an Beschuss und die Zerstörung der Infrastruktur anzupassen.

Die Russen hingegen haben eine Wahl.

Wenn sie nicht inmitten von Bränden, Benzinknappheit und einer sich verschlechternden Wirtschaftslage leben wollen, dann könnten sie einfach aufhören zu schießen, den Krieg gegen das Nachbarland beenden, auf fremde Gebiete verzichten und das tun, was jeder Staat tut, der die Sinnlosigkeit eines Krieges als Fortsetzung der Politik erkannt hat. Das tun letztlich sogar Aggressoren, wenn sie begreifen, dass sie ihr gewünschtes Ziel nicht erreichen können.

Doch Putins Russland rennt mit der Beharrlichkeit eines Schizophrenen gegen eine verschlossene Tür.

Übrigens versucht genau das der amerikanische Präsident Putin seit einem ganzen Jahr zu erklären: „Du schlägst dir die Stirn wund und erreichst nichts. Nimm lieber das Geld.“

Aber Putin braucht kein Geld. Er will eine irgendwo in einer Petersburger Hinterhofgasse erfundene imperiale Größe demonstrieren. Und ein anderer Stammgast eben dieser halb betrunkenen Hinterhofwelt, Solowjow, fällt ihm dabei eifrig bei.

Und nun stellt sich heraus, dass nicht nur die Ukrainer den russischen Chauvinisten und dieser kriminellen Bande, die unser Land überfallen hat, missfallen.

Jetzt missfallen ihnen auch die Russen. Weil sie sich nicht darüber freuen, was sie in Kapotnja sehen. Was sie in Tscheboksary sehen. Was sie in Sankt Petersburg sehen. Weil sie nicht in einem Land leben wollen, in das Drohnen und Raketen einschlagen. Weil sie nicht an Tankstellen Schlange stehen und um einen zusätzlichen Liter Benzin betteln wollen.

Es gab einst die Legende, Adolf Hitler sei mit dem deutschen Volk unzufrieden gewesen, weil es nicht in der Lage gewesen sei, alle seine Pläne zu verwirklichen. Das war eher ein Mythos der sowjetischen Propaganda als eine reale Tatsache, die von Menschen bestätigt wurde, die in den letzten Wochen seines Lebens an der Seite des nationalsozialistischen Führers standen.

Doch Wladimir Putin scheint die Verkörperung eben dieses propagandistischen Mythos geworden zu sein. So wie dem von sowjetischen Propagandisten erfundenen Hitler die Deutschen nicht gefielen, die sein Vertrauen enttäuscht hatten, so gefallen dem realen, nicht erfundenen Putin die Russen nicht, die sein Vertrauen enttäuschen.

Und Solowjow, der offensichtlich sämtliche propagandistischen Anweisungen aus dem Kreml ausführt, beginnt nun von eben diesen Russen zu verlangen, die Putins Erwartungen nicht erfüllen, dass sie aus ihrem eigenen Staat verschwinden sollen.

Aber warum eigentlich?

Warum sollte man statt der Ausreise nicht Putin, Solowjow, Beloussow und Patruschew zum Ausgang bitten? Die gesamte Bande von Leuten, die diesen Angriffskrieg entfesselt und ihrem eigenen Volk Leid und Probleme eingebrockt haben. Von der Bevölkerung der Ukraine ganz zu schweigen, die zum ersten Opfer dieser Kaskade von Kriegsverbrechen geworden ist.

Warum sollte man keinen anderen Ausweg finden?

Warum sollte man sich nicht endlich von Wladimir Solowjows lästigem Geschwätz auf sämtlichen vom Kreml kontrollierten Medienplattformen der Russischen Föderation befreien?

Natürlich sind das alles rhetorische Fragen.

Aber ich denke, vielen Einwohnern der Russischen Föderation wird bald selbst klar werden: Wenn sie wirklich Frieden wollen und keine Brände, dann brauchen sie Putin nicht. Dann brauchen sie Solowjow nicht. Dann brauchen sie Beloussow nicht. Dann brauchen sie Schoigu nicht. Dann brauchen sie Patruschew nicht. Dann brauchen sie diese gesamte gerontokratisch-propagandistische Gesellschaft inkompetenter Betrüger nicht, die lediglich versucht, ihre Macht zu verlängern, indem sie tötet, plündert, vergewaltigt und schamlos über die Ursachen dessen lügt, was in der Russischen Föderation geschieht.

Und in der Russischen Föderation geschieht seit 26 Jahren vor allem eines: Putin.

Früher oder später musste das in großen Bränden enden.


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Titel des Originals: Соловьев выгоняет русских из России |Виталий Портников. 18.06.2026.
Autor/Kanal: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 18.06.2026.
Originalsprache: ru/ en]
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Der Zweite Weltkrieg wurde für die Zweite Polnische Republik zu einem Stresstest. Maxim Mayorov. Istoravda.com.ua. 17.06.2026. 

Друга світова стала для Другої Речі Посполитої краш-тестом. Максим Майоров. Istoravda.com.ua. 17.06.2026.

In meinem Feed tauchte eine aktuelle Veröffentlichung des polnischen Instituts für Nationales Gedenken (IPN) auf, in der erklärt wird, warum ein Vergleich zwischen der Armia Krajowa (AK) und der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) unzulässig sei.

Demnach sei die AK die offizielle Streitmacht des polnischen Untergrundstaates gewesen, ein Teil der Polnischen Streitkräfte, die innerhalb der Anti-Hitler-Koalition kämpften.

Die UPA hingegen sei eine illegale bewaffnete Formation radikaler Kämpfer der OUN gewesen. Und so weiter und so fort.

Ich wollte dieses Thema eigentlich nicht ansprechen, aber mit der Legitimität und der staatsrechtlichen Kontinuität des polnischen Untergrundstaates und seiner militärischen Formationen ist bei weitem nicht alles so eindeutig, wie es dargestellt wird.

Vor dem Krieg wurde Polen vom politischen Regime der „Sanacja“ regiert – den Nachfolgern von Józef Piłsudski.

Die einflussreichste Persönlichkeit und faktischer Staatsführer war Oberbefehlshaber Edward Rydz-Śmigły. Präsident der Republik war Ignacy Mościcki, Ministerpräsident Felicjan Sławoj-Składkowski – beide enge Verbündete Rydz-Śmigłys.

Nach der Flucht der polnischen Staatsführung ins Ausland im September 1939 wurden die führenden Politiker interniert und waren nicht in der Lage, ihre Aufgaben im Exil wahrzunehmen. Nach der Verfassung konnte der Präsident allein seinen Nachfolger bestimmen. Genau das tat er, indem er Bolesław Wieniawa-Długoszowski aus dem Lager der „Sanacja“ ernannte.

Frankreich führte jedoch rasch eine faktische Übernahme der polnischen Exilregierung durch und zwang Mościcki, seine Entscheidung zugunsten von Władysław Raczkiewicz zu ändern.

Der neue Präsident Raczkiewicz ernannte umgehend den französischen Protegé Władysław Sikorski – einen Gegner der „Sanacja“, der während des unabhängigen polnischen Staates zehn Jahre im Exil in Paris verbracht hatte – zum Regierungschef und Oberbefehlshaber. Die spätere Übertragung weiterer Präsidentenbefugnisse an Sikorski erfolgte bereits offen verfassungswidrig.

So viel also zu Legitimität und Souveränität. Aber das ist nicht einmal der wichtigste Punkt.

Die Zweite Polnische Republik war ein multinationaler Staat, in dem mehr als 30 Prozent der Bevölkerung ethnischen Minderheiten angehörten.

Allein die Ukrainer machten bis zu 14 Prozent der Bevölkerung aus und verfügten über eigene kompakte Siedlungsgebiete. Sie waren nicht freiwillig Teil der polnischen Gesellschaft geworden und besaßen zu Beginn des Zweiten Weltkriegs erst seit weniger als zwanzig Jahren die polnische Staatsbürgerschaft.

Während Minderheiten vor dem Krieg zumindest teilweise im Sejm und in der Verwaltung vertreten waren, gab es in den im Exil gebildeten Regierungs- und Repräsentationsstrukturen Polens praktisch keinen Platz für Nicht-Polen.

Die Frage, wenigstens einen Ukrainer in die Regierung oder den Nationalrat aufzunehmen, wurde mehrfach diskutiert, aber jedes Mal von Nationalisten blockiert.

Noch problematischer war die Situation im bewaffneten Untergrund. Anstatt zu einer gesamtgesellschaftlichen Partisanenarmee zu werden, entwickelte sich die Armia Krajowa zu einem Akteur ethnischer Konflikte mit ehemaligen Mitbürgern – vor allem mit Ukrainern und Litauern.

Das besetzte Polen innerhalb seiner Vorkriegsgrenzen erinnerte an das ebenso zersplitterte Jugoslawien, in dem Serben gegen Kroaten kämpften, Christen gegen Muslime und so weiter.

Selbst die polnischen Juden hielten sich von den Londoner Strukturen weitgehend fern. Sie bevorzugten eigene Selbstverteidigungseinheiten und litten unter polnischem Antisemitismus – sowohl während des Krieges als auch in den ersten Nachkriegsjahren.

Man kann die OUN beliebig kritisieren. Doch warum, so müsste man die Experten des IPN fragen, sollte eine einzige Untergrundorganisation in der Lage gewesen sein, einer ganzen Staatlichkeit ihre Agenda für die zwischenethnischen Beziehungen aufzuzwingen?

Tatsächlich repräsentierten der polnische „Untergrundstaat“ und seine Exilregierung gegenüber der Anti-Hitler-Koalition nicht den früheren Staat und seine gesamte Gesellschaft, sondern vielmehr die staatenlos gewordene polnische ethnische Nation – ähnlich wie bereits während des Ersten Weltkriegs.

In diesem Sinne war die AK kaum besser als die „Armee ohne Staat“ – die UPA. Und mit den heutigen Verteidigungskräften der Ukraine ist die AK überhaupt nicht vergleichbar. In den ukrainischen Streitkräften gibt es weder ethnische Segregation noch ethnische Feindseligkeit, und Kämpfer aller nationalen Gemeinschaften sind dort würdig vertreten – selbst aus den vorübergehend besetzten Gebieten, darunter auch die Krimtataren.

Das Problem Polens vor 80 Jahren waren nicht die „bösen Banderisten“.

Der Zweite Weltkrieg war für die Zweite Polnische Republik ein Stresstest, den sie bereits bei der ersten Kollision nicht bestand. Die schlecht zusammengefügte Staatsbürgernation hörte praktisch sofort auf zu existieren, sobald der polnische Gendarm verschwunden war.

Die Ursachen dieser Fragilität liegen sowohl in der Politik Warschaus zwischen den Weltkriegen als auch in der Art und Weise, wie der polnische Staat nach mehr als einem Jahrhundert fremder Herrschaft auf die historische Bühne zurückkehrte.

Darüber sollten die Kollegen vom IPN nachdenken.


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Titel des Originals: Друга світова стала для Другої Речі Посполитої краш-тестом. Максим Майоров. Istoravda.com.ua. 17.06.2026.

Autor: Maxim Mayorov
Veröffentlichung / Entstehung: [Datum/ Epoche]
Originalsprache: 17.06.2026.
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Moskau brennt nach Drohnenangriffen | Vitaly Portnikov. 18.06.2026.

Die Außenbezirke Moskaus erwachten heute durch einen weiteren massiven Angriff ukrainischer Drohnen. Ziel war die Ölraffinerie in Kapotnja, die bereits vor einigen Tagen von ukrainischen unbemannten Fluggeräten angegriffen worden war. Erneut sah die russische Hauptstadt einen Brand über dieser Raffinerie, die schon vor diesem Angriff gezwungen gewesen war, ihren Betrieb zeitweise einzustellen.

Damit setzt die Ukraine ihren Plan fort, die Möglichkeiten des Energiesektors der Russischen Föderation einzuschränken und in Russland eine echte Treibstoffkrise herbeizuführen.

Dabei sollte man daran erinnern, dass es sich nicht einfach um Treibstoff handelt, der für die Bedürfnisse der russischen Bevölkerung und der russischen Wirtschaft verwendet wird. Es handelt sich vor allem um Treibstoff für die russische Armee, die ihre Besatzung ukrainischer Gebiete und ihre Offensive im Gebiet Donezk fortsetzt. Und natürlich verringert jeder solche Schlag gegen den Energiekomplex der Russischen Föderation diese Möglichkeiten.

Bereits nach dem ersten Angriff auf die Raffinerie in Kapotnja in den vergangenen Wochen sagte ich, dass Präsident Putin zwischen zwei Optionen wählen müsse: Entweder Ölprodukte aus anderen Regionen der Russischen Föderation abzuziehen, damit die Einwohner Moskaus die Folgen der Angriffe auf die lokale Raffinerie nicht spüren, oder Beschränkungen für den Verkauf von Benzin und Diesel an Moskauer Tankstellen einzuführen, so wie dies bereits in anderen Regionen Russlands geschehen ist.

Wie zu erwarten war, entschied sich Putin für die Befriedigung der Bedürfnisse Moskaus. Daher wurden an den Tankstellen der russischen Hauptstadt keine Beschränkungen eingeführt, obwohl die Kraftstoffpreise dort bereits zu steigen begannen.

Dass die russische Führung unter allen Umständen gerade die Interessen Moskaus bevorzugt, ist ein weiteres Zeichen jener Krise, die früher oder später in der Russischen Föderation durch den Gegensatz zwischen den Interessen Moskaus und denen der übrigen russischen Regionen entstehen wird. Denn bekanntlich begannen die Probleme jedes russischen Regimes genau in solchen Krisen, wenn sich alle in Russland davon überzeugten, dass Moskau das Wichtigste sei und die Regionen lediglich ein Anhängsel Moskaus.

Nach dem neuen Angriff auf die Raffinerie in Kapotnja stellt sich die Frage, ob die russische Führung diese Taktik weiterhin aufrechterhalten kann. Während es in den meisten Regionen der Russischen Föderation bereits Probleme mit Treibstoff gibt und an Tankstellen Beschränkungen eingeführt werden, beschränkt sich das Problem in Moskau bislang auf steigende Preise, ohne dass dort irgendwelche Verkaufsbeschränkungen notwendig wurden.

Nach diesem neuen Angriff könnte es jedoch schlicht an Benzin in Moskau fehlen. Die Logistik der Treibstofflieferungen zu den Tankstellen der Hauptstadt könnte in dieser kritischen Situation derart schwierig werden, dass man sich doch zumindest auf vorübergehende Verkaufsbeschränkungen einlassen muss – was natürlich ein ernstes Problem für die russische Führung darstellen würde.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass dies vor dem Hintergrund der Unterzeichnung eines Memorandums zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran geschieht. Dadurch entsteht die reale Möglichkeit, dass die Vereinigten Staaten die Lizenz nicht verlängern werden, die es den Staaten des Globalen Südens, insbesondere Indien, erlaubt hatte, russisches Öl zu kaufen, ohne das Risiko amerikanischer Sanktionen eingehen zu müssen.

Russland hat in den vergangenen Monaten die Folgen des amerikanisch-iranischen Krieges voll ausgenutzt und seinen Staatshaushalt mit Dutzenden Milliarden Dollar aufgefüllt, die für die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges benötigt werden.

Darüber hinaus führten die ukrainischen Angriffe auf die russischen Raffinerien zu einem erheblichen Anstieg der russischen Ölexporte in die Länder des Globalen Südens. Dieses Öl konnte auf den russischen Raffinerien nicht mehr verarbeitet werden, wohl aber exportiert werden, wodurch Russland Dollar einnahm, mit denen anschließend Erdölprodukte im Ausland gekauft werden konnten.

Doch diese Möglichkeiten könnten nun eingeschränkt werden, weil die Russische Föderation gezwungen sein wird, ihr Öl illegal zu verkaufen.

Zwar kennen wir die beträchtlichen Möglichkeiten der russischen Schattenflotte und auch die Bereitschaft der Länder des Globalen Südens, sich an Grauzonen-Geschäften beim Kauf billigen russischen Öls zu beteiligen.

  • Aber erstens bleibt ein Graumarkt ein illegaler Markt, der nicht dieselben gewaltigen Verkaufsvolumina ermöglicht, die Russland in den vergangenen Monaten erzielen konnte.
  • Und zweitens – und das ist ebenfalls ein ernstes Problem für Moskau – wird der Preis für dieses Öl deutlich niedriger sein, denn wir werden nun alle einen erheblichen Rückgang der Ölpreise auf dem Weltmarkt beobachten.

Sollten die ukrainischen Angriffe auf die Raffinerien der Russischen Föderation in den kommenden Wochen und Monaten erfolgreich bleiben, könnte dies zum Vorboten einer schweren Energiekrise in Russland werden und zu ernsthaften Problemen für die russischen Streitkräfte führen, vergleichbar mit den Schwierigkeiten, die die russische Armee nach dem Verlust des Zugangs zu Starlink erlebte.

Dadurch könnte die Offensive der russischen Armee auf ukrainischem Boden verlangsamt werden, und die russische Führung würde mit realen Problemen bei der Logistik der Treibstoffversorgung der Streitkräfte der Russischen Föderation konfrontiert sein – zusätzlich zu den Schwierigkeiten für die russische Wirtschaft.

All dies schafft die Voraussetzungen für eben jene Krise, die in Zukunft reale Möglichkeiten für einen Verhandlungsprozess über die Beendigung oder zumindest Aussetzung des Krieges an der russisch-ukrainischen Front schaffen könnte.

Mit anderen Worten: Es könnte genau jenes Ergebnis erreicht werden, für das sich die ukrainische Führung bereits seit mehreren Monaten einsetzt.

Wie wir sehen, werden diese Vorschläge im Kreml bislang nicht ernst genommen.

Nicht ernst genommen werden sie gerade deshalb, weil es bislang noch Benzin gibt.


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Titel des Originals: Москва палає від дронів | Віталій Портников. 18.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 18.06.2026.
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Über Marian Gołębiewski. Volodymyr Rysenko. 13.06.2026.

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Sie haben sicherlich bereits gehört, dass die polnische Ultrarechte eine neue Stufe des Rassismus erreicht hat und nun vom polnischen Sejm Erklärungen darüber verlangt, warum sich Personen ukrainischer Herkunft in der Regierung befinden. Sie haben sich nicht verhört – genau dieselben Leute, die die Ukrainer des Nationalsozialismus beschuldigen. Und ja, des Nationalsozialismus hat sie nicht etwa ich bezichtigt, sondern Sejmmarschall Włodzimierz Czarzasty, der meint, der nächste Schritt werde das Vermessen von Schädeln und die Feststellung nationaler Reinheit sein.

Dies ist die Fortsetzung eines großen Skandals und der Angriffe auf den stellvertretenden Minister Andrzej Scheptycki (übrigens den Urenkel des Bruders von Andrej Scheptyzkyj), der es gewagt hat – o Gott! – zu erklären, dass die UPA für viele Ukrainer mit dem Kampf um die Unabhängigkeit verbunden wird.

Für viele polnische Nationalisten (nennen wir die Dinge doch endlich beim Namen) wurde dies zum Anlass für eine „Hexenjagd“ auf „Verbrecher, die den Völkermord der UPA rechtfertigen“.

Nun gut. Dann bin ich bereit, ihnen die ersten beiden Kandidaten vorzuschlagen, die man im heutigen Polen wegen „Heroisierung der UPA und Verherrlichung der Bandera-Ideologie“ ans Kreuz schlagen würde.

Wie man so schön sagt: Bleiben Sie dran, es wird interessant.

Kandidat Nr. 1. Ein Held des polnischen Volkes und des polnischen Widerstands, ein „unbeugsamer Soldat“, der in Polen verehrt wird und zugleich ein Kriegsverbrecher, auf dessen Gewissen Tausende ermordete Ukrainer lasten.

Darf ich vorstellen: Marian Gołębiewski.

Genau Marian Gołębiewski war als Kommandeur des Bezirks Hrubieszów der Heimatarmee (Armia Krajowa) Initiator einer Reihe von Angriffen auf die ukrainischen Dörfer Pryhorile, Metke, Sahryń, Schychowytschi, Terebiń, Strzyżeniec und Turkowice.

Falls Sie es nicht wissen: Diese ethnische Säuberung wird von den Polen als die „Hrubieszówer Revolution“ bezeichnet.

Allein in Sahryń ermordeten die Bauernbataillone von Stanisław Basaj „Ryś“ und das AK-Bataillon von Zenon Jachymek „Wiktor“ (über diese beiden Henker, die in Polen mit Straßennamen und Wandgemälden geehrt werden, müsste man gesondert schreiben), auf Befehl Gołębiewskis bis zu 1.200 friedliche Ukrainer auf grausamste Weise.

Danach zogen sie weiter, um weitere Dörfer niederzubrennen – ebenfalls auf seinen Befehl hin.

Nun aber zur Komplexität dieser historischen Persönlichkeit.

Nach der Besetzung Polens durch das kommunistische Regime wurde Marian Gołębiewski zu einem aktiven Befürworter der Verständigung mit den Ukrainern.

Wie er später erinnerte:

„Im September 1944 berief ich eine Besprechung von 23 Kommandeuren der Heimatarmee aus dem Cholmer Land, dem Raum Zamość und Hrubieszów ein. Ich befahl, statt Kämpfen mit den Ukrainern nach Möglichkeiten der Verständigung und Zusammenarbeit zu suchen. Unter den Anwesenden herrschte Verwunderung, denn viele hatten im Kampf gegen die Ukrainer ganze Familien verloren. Niemand sprach sich dagegen aus.“

Die Kontakte zwischen der Heimatarmee und der UPA sowie die gegenseitigen Verhandlungen führten zum Abschluss eines Waffenstillstands.

Gołębiewski schrieb über dessen wichtigstes Ergebnis – die Operation Hrubieszów:

„Unsere Vereinbarung wurde in vielen Punkten – soweit es die damaligen Möglichkeiten (1944–1947) zuließen – von beiden Seiten ehrlich umgesetzt. Der Beweis dafür ist, dass die Ukrainer, als die Notwendigkeit bewaffneter Zusammenarbeit entstand, sich in größerem Umfang am Kampf beteiligten. Dies geschah in Hrubieszów am 26. oder 28. Mai 1946, als es darum ging, 50 AK-Angehörige zu befreien, von denen mehrere von der Todesstrafe bedroht waren und deren Urteil mit Sicherheit vollstreckt worden wäre. Die damalige Führung unserer Einheiten (WiN) bat die UPA um Hilfe, und die Ukrainer beteiligten sich mit einer Truppe von 1.200 Kämpfern. Sie griffen ein NKWD-Bataillon an, während die WiN-Einheiten die Verhafteten befreiten, das Gebäude des Sicherheitsdienstes vollständig zerstörten und einen Teil der Sicherheitsbeamten sowie andere Personen ausschalteten. In Hrubieszów befanden sich neben den Sowjets ein Armeeregiment, eine Milizkompanie und bewaffnete Sicherheitskräfte, dennoch gelang die Aktion. Es war die erste so große gemeinsame Aktion seit den Zeiten von Piłsudski und Petljura.“

Der polnische Sicherheitsdienst (UB) verhaftete ihn am 21. Januar 1946 und ließ ihn erst zehn Jahre später, am 21. Juni 1956, frei.

Er hatte ein langes Leben, in dem vieles Platz hatte – antikommunistischer Widerstand, die Gründung einer Untergrundorganisation, eine zweite Haftstrafe und die Fortsetzung seines Kampfes.

Der Link zu einem Artikel über ihn 

Marian Gołębiewski 

https://pl.wikipedia.org/wiki/Marian_Go%C5%82%C4%99biewski_(%C5%BCo%C5%82nierz)

Er starb 1996.

Und nun das Wichtigste für uns.

Nicht ich schreibe das, sondern es ist ein wörtliches Zitat aus einer polnischen Quelle:

„Als einziger polnischer Veteran des Zweiten Weltkriegs sprach er sich dafür aus, den UPA-Partisanen in Polen Veteranenrechte zuzuerkennen.“

Noch einmal.

Marian Gołębiewski, Kommandeur des Bezirks Hrubieszów der Heimatarmee, sprach sich dafür aus, den UPA-Kämpfern Veteranenstatus zu verleihen – nicht in der Ukraine, sondern in Polen.

Die polnische Wikipedia schreibt wörtlich:

„Jako jedyny z polskich weteranów II wojny światowej był za przyznaniem partyzantom UPA w Polsce praw kombatanckich.“

Man stelle sich das vor – er nannte die UPA Partisanen und nicht „Schlächter“.

Überhaupt erlaubt sich die polnische Wikipedia in ihrem Artikel über Marian Gołębiewski aus heutiger polnischer Sicht erstaunlich viel:

„In der neuen Situation wurde er zu einem überzeugten Befürworter der Verständigung mit den Ukrainern, gegen die seine unterstellten Einheiten kurz zuvor noch blutige Kämpfe geführt hatten. Er stellte sein Konzept im September 1944 bei einer Besprechung der Kommandeure der Bezirke Hrubieszów, Chełm und Zamość vor. Nach der Besprechung wurde den Ukrainern ein Flugblatt übergeben, das zur Einstellung der Kampfhandlungen und zur Einheit gegen den gemeinsamen Feind aufrief. Verhandlungen auf höherer Ebene begannen erst im Mai 1945. Nach Aussage Gołębiewskis, der daran teilnahm, erkannten beide Seiten die Notwendigkeit an, den Kampf für die Unabhängigkeit ihrer Länder fortzusetzen, und erklärten ihre gegenseitige Unterstützung bei diesen Bemühungen.“

Was geht hier eigentlich vor?

Die UPA-Partisanen waren also keine Völkermörder, sondern Kämpfer für die Unabhängigkeit der Ukraine?

Die Führung der Heimatarmee erkannte ihr Recht auf die „Fortsetzung des Kampfes für die Unabhängigkeit der Ukraine“ an und unterstützte diesen Kampf?

Dann darf man in der Ukraine wohl auch Militäreinheiten nach solchen Helden benennen?

Wahrscheinlich wird man diesen Artikel bald aus der polnischen Wikipedia löschen.

Er passt nicht in die historische Hysterie – oder die hysterische Geschichtsschreibung, ich weiß nicht, was hier der treffendere Ausdruck ist.

Zur Kenntnis der polnischen Ultrarechten und von Präsident Nawrocki:

Auszeichnungen von Marian Gołębiewski:

  • Silbernes Kreuz des Ordens Virtuti Militari (1943)
  • Kampfkrüz der Polnischen Streitkräfte im Westen (1992)
  • Ritterkreuz des Ordens Polonia Restituta (1989)
  • Komturkreuz des Ordens Polonia Restituta (29. Juli 1994)
  • Komturkreuz mit Stern des Ordens Polonia Restituta (8. November 2007, posthum)

Nach ihm wurde eine Straße in Lublin benannt.

Über den zweiten Kandidaten werde ich vielleicht später schreiben.

Denn jeder von ihnen verdient einen eigenen Beitrag.

Bis dahin schlage ich den polnischen Nationalisten vor, nicht stehenzubleiben und Marian Gołębiewski wegen „Heroisierung der UPA und Verherrlichung der Bandera-Ideologie“ seine polnischen Auszeichnungen abzuerkennen und die Straße in Lublin umzubenennen.

Besonders sorgfältig sollte überprüft werden, dass auf der Straße dieses „UPA-Komplizen“ kein polnischer öffentlicher Nahverkehr mehr fährt.


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Art der Quelle: Sozialmedia

Autor: Volodymyr Rysenko
Veröffentlichung / Entstehung: 13.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Der G7-Gipfel und der Krieg in der Ukraine: Das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 17.06.2026.

Die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten, die sich in Évian zu einem Gipfeltreffen mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump, dem Präsidenten Frankreichs Emmanuel Macron, dem britischen Premierminister Keir Starmer, dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz und weiteren Spitzenpolitikern versammelt hatten, verabschiedeten die Abschlusserklärung dieses Treffens, in der den Fragen der Unterstützung der Ukraine breiter Raum eingeräumt wurde.

Bekanntlich hielten die Teilnehmer des G7-Gipfels eine Sondersitzung ab, zu der der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky eingeladen war. Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump führte zudem während des Gipfels ein kurzes Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten.

In der gemeinsamen Erklärung der G7-Staats- und Regierungschefs wird daher betont, dass sie die Ukraine in ihrem Kampf gegen die russische Aggression unterstützen, bereit sind, die Lieferung von Luftverteidigungssystemen und anderer für die Ukraine notwendiger Waffen zu erhöhen, sowie die Frage der Lizenzvergabe für die Produktion westlicher Waffen durch den ukrainischen militärisch-industriellen Komplex zu prüfen.

Die Teilnehmer dieses Treffens versprechen außerdem, der Ukraine bei der Bewältigung ihrer Energieprobleme zu helfen, damit das Land den kommenden Winter übersteht. Sie kündigen an, den Druck auf die Russische Föderation zu verstärken, unter anderem durch eine Verschärfung der Energiesanktionen gegen Moskau.

In diesem Zusammenhang wird erwähnt, dass dieser energiewirtschaftliche Druck nun infolge einer möglichen Öffnung der Straße von Hormus aufgrund der zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran erzielten Vereinbarungen noch zunehmen könnte.

Natürlich handelt es sich bislang lediglich um eine Erklärung, die noch durch keinerlei konkrete Maßnahmen untermauert wird. Um jedoch die Bedeutung dieses Dokuments zu verstehen, möchte ich daran erinnern, dass Donald Trump den vorherigen G7-Gipfel vorzeitig verlassen hatte, ohne einen offensichtlichen Grund, seine Gespräche mit den übrigen Mitgliedern dieses prestigeträchtigen Klubs der am weitesten entwickelten Volkswirtschaften der Welt abzubrechen.

Damals wurden von den Vereinigten Staaten keinerlei gemeinsame Erklärungen zur Unterstützung der Ukraine in Betracht gezogen. Entsprechend finden sich in der Abschlusserklärung des vorherigen Gipfels keine derartigen Formulierungen zur Unterstützung der Ukraine.

Darüber hinaus möchte ich daran erinnern, dass die Vereinigten Staaten bei Sitzungen der Generalversammlung der Vereinten Nationen wiederholt für von der Russischen Föderation eingebrachte Resolutionen gestimmt haben, wenn es um die russische Aggression gegen die Ukraine ging.

Nun sehen wir jedoch, dass sich der Präsident der Vereinigten Staaten eher der Position seiner westlichen Verbündeten hinsichtlich des russisch-ukrainischen Krieges annähert. Es ist wichtig zu verstehen, warum dies geschieht und welche weiteren Schritte folgen könnten.

Warum? Die Antwort ist recht einfach.

Dies hängt mit einer erheblichen Schwächung der Positionen der Vereinigten Staaten und Donald Trumps selbst auf der internationalen Bühne zusammen. Trump versteht sehr wohl die Resonanz, die die Veröffentlichung des offiziellen Memorandums ausgelöst hat, das die Vereinigten Staaten mit dem Iran abgestimmt haben, ebenso wie das weltweite Verständnis der Tatsache, dass Washington in der Konfrontation mit Teheran Zugeständnisse machen musste, damit die Straße von Hormus geöffnet wird und die Kraftstoffpreise an amerikanischen Tankstellen sinken können.

Das ist eine ernsthafte außenpolitische Niederlage für Trump. Und nun braucht er seine westlichen Verbündeten mehr, als diese ihn brauchen.

Andererseits ist diese Schwäche der Vereinigten Staaten auch für den Präsidenten der Russischen Föderation Putin und den Vorsitzenden der Volksrepublik China Xi Jinping offensichtlich.

Daher könnte der Druck auf Russland, selbst im Energiebereich, auf die Überzeugung der Russischen Föderation treffen, dass nur Erpressung im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten einem Staat wie Russland ermöglichen kann, seine gewünschten Ziele zu erreichen.

In diesem Zusammenhang nach Möglichkeiten zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu suchen, wird nicht einfach sein.

Natürlich ist es für uns wichtig, dass die Vereinigten Staaten ihre Energiesanktionen gegen die Russische Föderation wieder verschärfen. Gerade in diesen Tagen läuft die Gültigkeit einer weiteren Lizenz aus, die die Amerikaner den Russen für den Verkauf ihres Öls und die Auffüllung ihres Staatshaushalts zur Finanzierung des weiteren Krieges gegen unser Land gewährt hatten.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Vereinigten Staaten nun, nach der Unterzeichnung dieser Erklärung und vor dem Hintergrund der Erwartungen hinsichtlich der Öffnung der Straße von Hormus, keine neue Lizenz mehr erteilen werden.

Dann würde der Verkauf russischen Öls weiterhin über die Tanker der Schattenflotte abgewickelt werden. Und hier hängt vieles von den konkreten Maßnahmen der westlichen Staaten ab, die Möglichkeiten Russlands für diesen Handel einzuschränken, der auch ohne jegliche Lizenzen fortgesetzt wird.

Und natürlich wird vieles von den tatsächlichen Möglichkeiten der Ukraine abhängen, die russische Ölverarbeitung und vor allem die russischen Ölhäfen zu zerstören, über die derzeit Öl in Rekordmengen in die Länder des Globalen Südens exportiert wird und die Russland enorme Gewinne sichern.

Darüber hinaus wäre die Bereitschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten, das Gesetz zu unterzeichnen, das bereits vom Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses verabschiedet wurde und die amerikanische Unterstützung für die Ukraine wiederherstellen soll, ein konkreter Beweis für die Ernsthaftigkeit der Unterstützung der Ukraine.

Dieses Gesetz wird derzeit im Senat beraten.

Wenn Trump es wünscht, kann der Vorsitzende der republikanischen Mehrheit im Senat, Senator Thune, den Gesetzentwurf zur Abstimmung stellen. Es ist offensichtlich, dass die Mehrheit der Senatoren dafür stimmen würde, und Trump hätte dann die Möglichkeit, das Gesetz zu unterzeichnen.

Doch auch auf dem Gipfel in Évian prahlte Trump damit, dass die Vereinigten Staaten keinen einzigen Dollar mehr für die Unterstützung der Ukraine ausgeben.

Wir wissen nicht, ob er seine Position ändern wird, wonach die Vereinigten Staaten der Ukraine im russisch-ukrainischen Krieg nicht helfen sollten, nachdem er der Erklärung des G7-Gipfels zugestimmt hat.

Denn Worte sind Worte, Geld ist Geld.

Wir verstehen jedoch sehr gut, dass man einen Krieg nicht allein mit Worten gewinnen kann und dass man einen Staat, der sich gegen die Aggression eines Landes wie der Russischen Föderation verteidigen will, nicht allein mit Worten unterstützen kann.

Allein die Tatsache, dass die Erklärung des G7-Gipfels verabschiedet wurde, ist bereits ein großer diplomatischer Erfolg.

Nun bleibt nur noch zu beobachten, ob dieser diplomatische Erfolg tatsächlich durch konkrete Maßnahmen der Verbündeten der Ukraine, vor allem der Vereinigten Staaten, untermauert wird oder ob er lediglich ein Zeugnis dafür bleibt, dass der durch die Nahostkrise geschwächte Trump bereit war, seinen westlichen Kollegen und dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky zumindest rhetorisch zuzustimmen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Саміт «сімки» і війна в Україні: головне |Віталій Портников. 17.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 17.06.2026.
Originalsprache: uk/
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Erklärung des Polnischen PEN-Clubs zur Zunahme antiukrainischer Stimmungen in Polen. Von dem ukrainischen PEN-Club veröffentlicht. 16.06.2026.

Заява Польського ПЕН-клубу щодо зростання хвилі антиукраїнських настроїв у Польщі. 16.06.2026.

„Wir erteilen weder stillschweigende Zustimmung noch erklären wir uns mit der antiukrainischen Kampagne in Polen einverstanden. Der polnische PEN-Club protestiert gegen Verleumdungen, wonach die heutige Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk angeblich ‚ukrainischen Interessen‘ diene, weil ihr ein in Polen geborener Minister aus der Familie Scheptyzkyj angehört, ein Nachkomme Aleksander Fredros. In einem demokratischen Staat werden Minister, Beamte und Staatsbedienstete danach beurteilt, wie sie ihre Pflichten erfüllen, nicht nach ihrer ethnischen Herkunft. Nach der ethnischen Herkunft ihrer Mitbürger urteilten Anhänger und Akteure totalitärer Regime. Öffentliche Aufrufe zu einer ‚Lustration‘ nach ethnischer Zugehörigkeit wecken sofort Assoziationen an politisch motivierte Kampagnen der Ausgrenzung und Diskriminierung, wie etwa die ethnischen Säuberungen in der Volksrepublik Polen: die Aktion ‚Weichsel‘ oder der März 1968.

Der polnische PEN-Club ist eine Organisation, die die Meinungsfreiheit im Rahmen des Gesetzes verteidigt. Die Äußerung von Minister Andrzej Scheptyzkyj in einem polnischen Medium im Zusammenhang mit der tragischen Geschichte der Konflikte zwischen Polen und Ukrainern entsprach den Tatsachen und verstieß nicht gegen das Gesetz. Dennoch wurde sie von politischen Kräften für Angriffe missbraucht, die auf diese niederträchtige Weise die Unterstützung von Wählern gewinnen wollten. Entgegen den wiederholten Erklärungen der Regierung behaupten einige Politiker weiterhin gegenüber der Öffentlichkeit, ein Teil der Mittel aus dem EU-Programm SAFE werde an die Streitkräfte der Ukraine fließen, die gegen die russische Aggression kämpfen.

Fast täglich kommt es in Polen zu verbalen und physischen Angriffen gegen Ukrainer sowie gegen polnische Staatsbürger, die die Ukraine unterstützen. Dies geschieht auf den Straßen und im Sejm. Nationalisten haben in sozialen Netzwerken und in ihnen nahestehenden traditionellen Medien eine auf Lügen basierende antiukrainische Kampagne entfaltet. Diese Kampagne verstößt gegen polnisches Recht und zerstört die gesellschaftliche Debatte. Noch schlimmer ist, dass die Behörden unter dem Druck dieser schmutzigen Welle ukrainischen Flüchtlingen staatliche Hilfen entziehen, die ihnen zuvor gewährt wurden. Für von Ukrainern begangene Vergehen werden unverhältnismäßige Strafen verhängt. Es wird eine Atmosphäre der Bedrohung für 200.000 ukrainische Kinder in polnischen Schulen geschaffen.

Als Russland in die Ukraine einmarschierte, nahmen wir eine enorme Zahl von Flüchtlingen auf. Wir wurden zu einem Vorbild für die ganze Welt. Wir überwanden das tragische Erbe der Vergangenheit in den Beziehungen zwischen unseren Staaten und Völkern. Wir handelten im Geiste der Doktrin von Mieroszewski und Giedroyc, wonach es kein freies Polen ohne eine freie Ukraine geben kann.

Heute befinden wir uns auf einem Irrweg: Wir steuern darauf zu, diese Errungenschaften zu verspielen. Die extreme Rechte zieht erneut einen Teil der Gesellschaft in alte Muster antiukrainischen Hysterie hinein. Wir rufen die polnischen Behörden und alle Menschen guten Willens dazu auf, durch gemeinsame Anstrengungen von Staat und Zivilgesellschaft die ukrainische Gemeinschaft in Polen wirksamer vor der nationalistischen Kampagne aus falschen Anschuldigungen, Feindseligkeit und Vorurteilen zu schützen.“

Vorstand des Polnischen PEN-Clubs

Warschau, 15. Juni 2026, an dem Tag, an dem die Streitkräfte der Russischen Föderation die Petscherska Lawra in Kiew bombardierten.


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Art der Quelle: Sozialmedia
Titel des Originals: Заява Польського ПЕН-клубу щодо зростання хвилі антиукраїнських настроїв у Польщі. 16.06.2026.
Autor: Polnischer PEN-Club
Veröffentlichung / Entstehung: 16.06.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Die kriechende Finsternis. Dzmitry Halko. 16.06.2026.

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Es ist kaum verwunderlich, dass es Wehrdienstverweigerer gibt.

Denn Krieg ist nicht die natürliche Umgebung des Menschen.

Die natürliche Umgebung des Menschen sind das Zuhause, Freunde, Kinder, die Katze auf der Fensterbank, der nicht ausgetrunkene Kaffee und Pläne für morgen.

Seltsam wäre es, keine Angst davor zu haben, all das zu verlieren.

Krieg ist, wenn ein Mensch stundenlang in einer kalten Grube liegt und darüber nachdenkt, wie er den Abend noch erleben könnte.

Er denkt an heißes Wasser. Trockene Socken. Sein eigenes Bett. Seine Mutter. Seine Frau. Seine Kinder. An die Katze, die niemand füttern wird.

Krieg riecht nach nasser Kleidung, die man schon die dritte Woche trägt. Nach altem Schweiß. Nach Diesel. Nach Mäusen. Nach Schimmel im Bunker. Krieg riecht nach Verbranntem. Und nach Leichen.

Krieg ist, wenn du durch eine Explosion aufwachst und einige Sekunden lang nicht begreifst, ob es ein Traum war oder ob du schon nicht mehr existierst.

Wenn der Mensch, mit dem du gestern noch Kaffee getrunken hast, heute zu einem Foto auf deinem Handy geworden ist.

Wenn dein Leben davon abhängt, ob dich eine Drohne von der Größe einer gut genährten Möwe bemerkt hat.

Wenn du lernst, am Geräusch zu unterscheiden, wovor man noch weglaufen muss und wovor wegzulaufen bereits zu spät ist.

Wenn all deine großen Zukunftspläne durch einen einzigen fremden Fehler, einen einzigen Splitter oder eine einzige Sekunde Pech enden können.

Es gibt noch etwas, worüber selten gesprochen wird.

Im Krieg ist es ein seltsames Gefühl, duschen zu gehen.

Denn während du nackt unter dem Wasser stehst, sitzt irgendwo am Rand deines Bewusstseins der Gedanke: „Das wäre ein verdammt idiotischer Tod, wenn jetzt etwas einschlägt.“

Genauso seltsam ist es, sein großes Geschäft zu verrichten.

Ich mache keine Witze.

Ein Mensch kann sich an Explosionen, Feuchtigkeit und schlaflose Nächte gewöhnen. Aber der Gedanke, dass man mit heruntergelassenen Hosen getötet werden könnte, erscheint aus irgendeinem Grund besonders ungerecht.

Der Krieg besteht aus sehr seltsamen Erinnerungen.

Ich erinnere mich zum Beispiel noch gut daran, wie ich einmal unter Beschuss mit einem Teller Mivina-Nudeln herumgerannt bin.

Neben mir schlugen Mörsergranaten ein. Etwas pfiff, etwas krachte. Erdklumpen und Splitter flogen durch die Luft. Und ich schlängelte mich zwischen den Kratern hindurch, duckte mich, manövrierte, ließ aber den Teller hartnäckig nicht aus der Hand.

Damals lachten die Jungs noch: „Sieh mal einer an, die Belarussen lassen ihr Eigentum nicht los!“

Im Krieg wurde mehrmals damit gedroht, mich unter Beschuss aus dem Bunker zu werfen.

Der Grund war ernst.

Ich schnarchte.

Und genau damals verstand ich, dass zwischen Kameradschaft und dem Wunsch, einen Kameraden umzubringen, manchmal nur eine einzige schlaflose Nacht liegt.

Und ich erinnere mich noch daran, wie die Jungs lange darüber lachten, dass ich im Schlaf den Kommandeur umarmt hatte, weil es so kalt war. Das Gehirn interessiert sich nachts nicht besonders für Dienstvorschriften und Hierarchien – der Körper sucht die Nähe eines anderen warmen Körpers. Ich wachte auf, und die Jungs lachten: „Jetzt bist du verpflichtet, ihn zu heiraten!“

Ich erinnere mich auch daran, wie ein Soldat unter Beschuss seinem Sohn am Telefon Mathematik erklärte. Ringsum krachte es, und er erklärte geduldig irgendwelche     Bruchrechnungen. Als hinge das Schicksal des Universums von einer richtig gelösten Aufgabe ab.

Und vielleicht war es auch so.

Denn wenn ein Kind seine Hausaufgaben macht, bedeutet das, dass die Welt noch nicht endgültig zusammengebrochen ist.

Krieg handelt davon, wie das Leben sich hartnäckig weigert aufzuhören.

Und er spricht auch seine eigene Sprache.

An einem Ort gab es eine Stellung. Sie hieß „Himmel“.

Jemand hielt heute den Himmel. Jemand ging gestern in den Himmel. Jemand kehrte vom Himmel zurück. Jemand steckt im Himmel fest. Jemand muss im Himmel abgelöst werden. Jemand schlägt vor: „Lasst uns zum Himmel gehen.“

Ich war im Himmel.

Ich habe den Krieg bereits in seinem Entstehen gesehen. Gleich Anfang März 2014. Kaum war ich in Donezk angekommen, befand ich mich in einem Raum mit einem russischen Saboteur, der über Putin schimpfte, weil dieser „zögert, sich windet, Schiss hat“. Bei sich hatte er sechs Sprengsätze.

Ich dokumentierte russische Geheimdienste in Luhansk und Slowjansk noch vor Beginn irgendwelcher Kampfhandlungen. Sie fingen Menschen ab und schleppten sie „in den Keller“. Ich dokumentierte den Beginn ethnischer Säuberungen.

In einem Hostel in Donezk geriet ich in eine bunte Gesellschaft von Europäern. Meist Abenteurer. Sie hatten keine blasse Ahnung, was hier vor sich ging. Oft kamen sie in der Vorstellung, hier „Freiheitskämpfer“ zu sehen. Sie interessierten sich sehr für die russische Kultur.

Später schrien einige dieser Menschen vor Glück, als sie die ukrainische Flagge sahen. Und riefen mit Akzent: „Ruhm der Ukraine!“

Denn das, was in den Gebieten geschah, die von der Besatzung erfasst wurden, war … ich weiß nicht, wie ich es besser beschreiben soll. Es war, als hätte jemand alle hellen Bestandteile des menschlichen Lebens dort ausgesaugt und den gesamten Raum stattdessen mit einer Mischung aus Angst, Verzweiflung und Ohnmacht gefüllt. Und das Schlimmste war das Gefühl, dass es dich nicht mehr gibt. Denn nun kontrollierst du nichts mehr.

Man fragt mich manchmal: Wie kannst du Menschen verurteilen, die sich dem staatlichen Zwang verweigern? Du bist doch Anarchist! Und das dann auch noch „Verrat“ nennen. Ist das nicht Ausdruck eines totalitären Bewusstseins? Zumal dieser Staat es nicht verdient, verteidigt zu werden!

Als eingefleischter alter Anarchist betrachte ich staatliche Zwangsapparate tatsächlich mit Misstrauen. Als Humanist verstehe ich die Angst biologischer Körper vollkommen, in die unmenschlichen Bedingungen des Krieges zu geraten. Und als Anhänger einer strikten Einhaltung der Menschenrechte empören mich die Missbräuche einzelner Mitarbeiter der Wehrersatzbehörden.

Früher hatten die Steppenvölker ein gutes Instrument – die „Abwanderung“.

Wenn dir etwas nicht gefiel, satteltest du dein Pferd, brachst auf, suchtest neues Land und richtetest dort dein Leben nach deinen Vorstellungen ein.

Aber freies Land gibt es nicht mehr. Alles ist besetzt.

Deshalb beginnt Freiheit heute nicht mehr mit der Flucht. Sie beginnt mit der Verteidigung jener wenigen Orte, an denen der Mensch noch sich selbst gehört.

Genau deshalb sehe ich keinen Widerspruch.

Ich kann den Staat nicht mögen. Ich kann die Bürokratie hassen. Ich kann über Beamte schimpfen.

Aber wenn Menschen kommen, die dem Menschen selbst das Recht nehmen wollen, ein Mensch zu sein, wird die Wahl sehr viel einfacher.

Das „eigene“ Land hat nichts mit Blut und Boden zu tun. Es geht um den Raum menschlicher Selbstbestimmung. Um einen Ort, an dem der Mensch Mensch bleibt.

Besatzung bedeutet nicht bloß einen Wechsel der Kulissen, sondern den Verlust des Lebensraums, der dir gehört.

Die Russen und die Belarussen haben keine eigenen Länder. (Nun, die Russen sollten auch keines haben, solange sie nicht aufhören, Russen zu sein.) Die Ukrainer haben ihr eigenes Land.

Emigration ist derselbe Verlust – nur mit der Möglichkeit, sich einen neuen Raum anzueignen. Aber das ist nicht jedem möglich. Und sie verlangt Jahre eines Daseins als „Halbmensch“. Für viele bleibt die Möglichkeit, diesen neuen Raum zu meistern, eine Illusion.

Der Mensch lebt nicht nur innerhalb seines Körpers. Der Mensch lebt innerhalb einer ganzen Welt, die um ihn herum gewachsen ist.

Die Katze auf der Fensterbank. Kinderzeichnungen am Kühlschrank. Die Schlüssel in der Tasche. Der Baum vor dem Fenster. Die Lieblingsroute durch die Stadt. Menschen, denen man nicht erklären muss, wer man ist. Die Sprache, in der man denkt. Witze, die man ohne Erklärung versteht. Die Gräber der Menschen, die man geliebt hat. All das, was dich zu dem macht, was du bist.

Deshalb ist die Verteidigung des eigenen Landes die Verteidigung des eigenen erweiterten Körpers.

Dazu gehören nicht nur Dinge und Orte, sondern auch das Netz menschlicher Beziehungen und des Vertrauens.

In Tausenden kleiner Interaktionen zwischen Menschen. Im Recht, Nein zu sagen. Im Recht, Ja zu sagen. Im Recht, sich zusammenzuschließen. Im Recht, keine Angst zu haben.

Gemeinsame Regeln. Unsichtbare Vereinbarungen. Die Gewohnheit, einander zu helfen.

Die Möglichkeit, die Regierung zu kritisieren. Die Möglichkeit, einen dummen Beitrag auf Facebook zu schreiben, ohne Gefahr zu laufen, im Keller zu landen. Die Möglichkeit, einen Journalisten, Anwalt oder Abgeordneten anzurufen. Die Möglichkeit, eine Bürgerinitiative, eine Gewerkschaft oder einen Nachbarschaftschat zu gründen.

Die Möglichkeit, Fremden ein wenig mehr zu vertrauen, als es in einem Gefängnis üblich ist.

Die Emigration schneidet weder einen Arm noch ein Bein ab. Sie schneidet einen riesigen Teil dieser erweiterten menschlichen Welt ab, den man anschließend jahrelang wieder nachwachsen lassen muss.

Die Besatzung amputiert all dies. Und lässt keine Möglichkeit zur Regeneration mehr.

Sie sind noch jung, haben einen modernen Beruf und es ist Ihnen egal, wo genau Sie leben?

Aber es gibt Millionen, denen das nicht egal ist. Die nirgendwohin gehen können. Alte Menschen. Hilfsbedürftige. Kinder. Ihre Mütter.

Und es gibt noch Hunderttausende, die bereits gefallen sind. Hunderttausende Verwundete. Hunderttausende, die seit Jahren kein friedliches Leben mehr hatten.

Jeder, der hätte bleiben können, nicht hätte fliehen oder sich entziehen müssen, es aber dennoch getan hat, hat die Lücke in der Verteidigung um einen Zentimeter vergrößert. Hat den Druck auf diejenigen erhöht, die kämpfen. Hat das Risiko für diejenigen erhöht, die nirgendwohin wegkönnen.

Jeder zusätzliche Zentimeter dieser kriechenden, toten Finsternis macht unsere ganze menschliche Welt um einen weiteren Zentimeter kleiner.


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Autor: Dzmitry Halko.
Veröffentlichung / Entstehung: 16.06.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Drohnen trafen die Moskauer Raffinerie | Vitaly Portnikov. 16.06.2026.

Am Morgen sehen die Moskauer Rauchsäulen über der wichtigsten Ölraffinerie der russischen Hauptstadt. Obwohl Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin meldet, man habe den Angriff ukrainischer Drohnen abwehren können, überzeugen eben diese Rauchsäulen die Moskauer davon, dass man von diesem Anblick nichts Gutes erwarten sollte, denn die Moskauer Ölraffinerie deckte ungefähr 35 % des Treibstoffbedarfs der russischen Hauptstadt.

Tatsächlich ermöglichten ihre Kapazitäten Moskau, bis zu 50 % seines Benzins und Dieselkraftstoffs zu beziehen. Ganz zu schweigen von den Produkten, die auf den Baustellen der russischen Hauptstadt verwendet wurden – offensichtlich entsprechend allen russischen Regeln des Lebens in einer Stadt, die schneller wächst als jede andere Ortschaft Russlands. Denn bekanntlich wollen in Russland alle, wenn schon nicht in Moskau leben, so doch zumindest dort eine Wohnung besitzen.

Und übrigens ist nicht der letzte Grund dafür die Sicherheit in der russischen Hauptstadt vor dem Hintergrund des Krieges, den Putin gegen die Ukraine begonnen hat. Es geht auch um Sicherheit im Sinne der Konzentration von Luftverteidigungskräften.

Und nun könnte eine durchaus berechtigte Frage entstehen: Warum gelingt es dieser Luftverteidigung nicht, die Sicherheit einer Ölraffinerie zu gewährleisten, die für die Bedürfnisse Moskaus so wichtig ist und sich nur 15 Kilometer vom Kreml und anderen sogenannten Entscheidungszentren der russischen Hauptstadt entfernt befindet? 

Wenn heute Drohnen den Betrieb einer Raffinerie ohne besondere Hindernisse lahmlegen konnten, bedeutet das dann nicht, dass morgen auf dieselbe Weise die Arbeit des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation oder des Generalstabs der russischen Streitkräfte, dieser offensichtlichen terroristischen Organisationen, gestoppt werden könnte?

Doch offensichtlich sorgen sich die Moskauer nicht sonderlich um das Verteidigungsministerium oder den Generalstab. Wenn sie Rauchsäulen über den Gebäuden dieser beiden kriminellen Organisationen sehen würden, würde die Mehrheit dies nicht einmal bemerken. Wenn man jedoch keine Möglichkeit mehr hat zu tanken, wird das zu einem ernsthaften Problem sowohl für das alltägliche Leben in Moskau als auch für die Moskauer Wirtschaft.

Wir verstehen, wie die russische Führung handeln wird. Für Putin ist es wichtig, dass man in Moskau keine Treibstoffkrise bemerkt, die für viele Regionen der Russischen Föderation bereits zur Alltäglichkeit wird. Und dabei geht es natürlich nicht nur um die besetzte Krim, auf der die Urlaubssaison aufgrund ihrer Isolierung vom eigentlichen russischen Territorium faktisch abgesagt wurde. Es geht zum Beispiel auch um die Republik Tatarstan, die zu den Geberregionen der Russischen Föderation und zu den wichtigsten Produzenten von Erdölprodukten für ganz Russland gehört.

Doch Tatarstan ist weit weg. Die Krim kümmert in Russland absolut niemanden und wird trotz aller Berichte der offiziellen Propaganda ohnehin nicht als echtes Russland wahrgenommen. Aber Moskau, Moskau ist eine ernste Angelegenheit – sowohl für die Bewohner der russischen Hauptstadt selbst als auch für alle, die hoffen, eines Tages dort zu leben. Wenn es in Moskau keine Sicherheit gibt, dann gibt es sie nirgendwo im Land Putins.

Der russische Präsident steht vor einer Entscheidung. Man kann natürlich Treibstoff, Diesel und andere Produkte aus anderen Regionen der Russischen Föderation abziehen und so die Voraussetzungen für eine weitere Treibstoffkrise in Russland schaffen. Und meiner Meinung nach wird genau diese Entscheidung getroffen werden, um die Moskauer nicht zu beunruhigen. Man könnte aber auch beginnen, auf den Tankstellen Moskaus Treibstoffmarken einzuführen und damit den Bewohnern der russischen Hauptstadt zeigen, dass der Krieg bereits in ihre Häuser gekommen ist und sich dort für lange Jahre der russisch-ukrainischen Konfrontation niederlassen wird.

Ihr wolltet imperiale Größe? Nun gut, dann bekommt ihr die 2020er- und 2030er-Jahre, in denen eure Autos auf eine Regelung der Situation zwischen Russland und der Ukraine in Garagen warten werden, die sich für euch zugleich in Luftschutzbunker verwandeln. Denn das sind die Realitäten eines endlosen Krieges gegen einen Nachbarstaat.

Wie wird Putins Entscheidung ausfallen? Wird sie traditionell sein, sodass Moskau verschont bleibt und alle Probleme auf die russische Provinz abgewälzt werden? Oder wird beschlossen werden, dem übrigen Russland zu zeigen, dass es auf der Welt doch noch Gerechtigkeit gibt und auch die Moskauer bereit sind, gemeinsam mit der übrigen Bevölkerung unter den Problemen dieses für das Putin-Regime so wichtigen Krieges zu leiden?

Das wird die Antwort auf die Frage sein, nach welchem Plan sich der russisch-ukrainische Krieg in den kommenden Monaten und Jahren fortsetzen wird. Denn wir verstehen immer, dass die Wahl der Gerechtigkeit die gefährlichste Wahl für jede russische Führung ist.

Ruhe in Moskau bedeutet die Möglichkeit, jegliche Maßnahmen sowohl auf außenpolitischer als auch auf innenpolitischer Ebene fortzusetzen, ohne um die Stabilität fürchten zu müssen. Hauptsache, die Moskauer fühlen sich wohl. Hauptsache, die russische Provinz weiß, dass man alle Probleme, die mit Wirtschaft, Krieg und anderen Missständen zusammenhängen, die aus den unprofessionellen Handlungen der aggressiven Tschekistenherrschaft resultieren, hinter sich lässt, sobald man nach Moskau zieht.

Doch andererseits gibt es bei dieser Entscheidung, die der russische Präsident und sein engstes Umfeld bereits heute treffen müssen, noch ein weiteres großes Problem. Diese Entscheidung hängt mit den Unzulänglichkeiten der Luftverteidigungssysteme in der russischen Hauptstadt zusammen.

Denn es ist offensichtlich, dass ganz Russland und auch Moskau sehen, dass Treffer gegen die wichtigsten strategischen Objekte der russischen Hauptstadt möglich sind, dass Moskau genauso brennen kann wie jede andere Stadt auf dem Gebiet der Russischen Föderation, dass Moskau und Krieg für die Bewohner der russischen Hauptstadt nun für viele Jahre der Konfrontation zu Synonymen werden können. Und das hat bekanntlich eine lähmende Wirkung auf das gesamte übrige Russland.

An Putins Stelle würde ich daher ernsthaft darüber nachdenken, dass er praktisch keine gute Wahl mehr hat. Aber ich befinde mich nicht an der Stelle eines Fanatikers, der bereit ist, so lange Krieg zu führen, wie ihm Kräfte und Ressourcen reichen.


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Titel des Originals: Дрони вдарили по Московському НПЗ |
Віталій Портников. 16.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 16.06.2026.
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Zelensky vor dem Treffen mit Trump | Vitaly Portnikov. 15.06.2026.

Зеленський перед зустріччю з Трампом. Vitaly Portnikov. 15.06.2026.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky nutzte den Geburtstag seines amerikanischen Kollegen, um ihm zu gratulieren und über das bevorstehende Treffen während des G7-Gipfels zu sprechen. 

Schon die Tatsache dieses Treffens ist bezeichnend. Mehr als vier Jahre nach Beginn des großen russisch-ukrainischen Krieges sind die führenden Staaten der zivilisierten Welt weder in der Lage, die Fortsetzung dieses Konflikts zu ignorieren, noch ihn zu lösen. 

Mehr noch: Der Präsident der Vereinigten Staaten ist offensichtlich daran interessiert, zumindest einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front vor den Kongresswahlen zu erreichen. Denn dies würde von ernsthaften außenpolitischen Erfolgen seiner Administration zeugen.

Die Frage ist, ob dies tatsächlich erreicht werden kann und was Trump und Zelensky bei ihrem bevorstehenden Treffen in diesem Zusammenhang besprechen werden. 

Ich habe immer gesagt, dass das Ende des Krieges in erster Linie von Putin abhängt. Denn wenn der Aggressor seine militärischen Handlungen einstellt, gibt es weder mit einem Waffenstillstand noch mit Frieden irgendwelche Probleme. 

Putin sprach ebenfalls mit Trump und gratulierte ihm zum Geburtstag. Und wir sahen erneut, dass der russische Präsident keinerlei Interesse daran hat, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Dass er daran interessiert ist, dass der Krieg weitergeht, die Ukraine zerstört wird und Zelensky gedemütigt wird. 

Denn während seines Gesprächs mit dem amerikanischen Präsidenten erinnerte dessen russischer Kollege erneut daran, dass er bereit sei, den ukrainischen Staatschef nur in der russischen Hauptstadt zu treffen. Mit anderen Worten: Er lädt Zelensky zur Kapitulation ein.

Allerdings war von Putin auch nichts anderes zu erwarten. Der russische Präsident lebt längst in seiner eigenen Realität und ignoriert beharrlich die Tatsache, dass seine Truppen die erwarteten Ergebnisse nicht erzielen können. Putin ist, wie jeder Diktator, überzeugt, dass die Zeit für ihn arbeitet und dass er es sich leisten kann, beliebig viel Zeit aufzuwenden, um genau die Ziele zu erreichen, die er sich gesetzt hat.

Doch nun hängt das Ende des Krieges nicht nur von Putin ab. Es hängt auch von Zelensky ab. Das heißt davon, wie die Streitkräfte der Ukraine in den kommenden Monaten handeln werden und ob es ihnen gelingt, das russische Wirtschafts- und Energiepotenzial zu erschüttern.

Schon jetzt hören wir Nachrichten, die es in den ersten Kriegsjahren nicht gab: von einer echten Treibstoffkrise, vom Beginn der Isolierung der besetzten Krim, von der Bedrohung jenes Landkorridors, den Russland über die besetzten ukrainischen Gebiete zur Krim geschaffen hat, von Bränden in Betrieben des militärisch-industriellen Komplexes und von Problemen in der russischen Erdölverarbeitung. Und ich habe keinen Zweifel daran, dass all diese Probleme für Russland in den kommenden Monaten und Jahren zunehmen werden.

Die Frage ist eine andere: Wie kann man die Zerstörung der Ukraine, die Vernichtung der ukrainischen Infrastruktur durch russische Angriffe sowie die wachsenden wirtschaftlichen und demografischen Probleme verhindern? Und hier wird es ohne die Hilfe der westlichen Verbündeten, ohne die Hilfe der Vereinigten Staaten, nicht gehen. 

Das ukrainische Luftverteidigungssystem arbeitet unglaublich professionell und neutralisiert faktisch die überwiegende Mehrheit der Angriffe durch Drohnen und Raketen verschiedener Typen. Gegen ballistische Raketen ist es jedoch machtlos, wenn keine Raketen für die Patriot-Systeme vorhanden sind. Und genau dies könnte übrigens ein wichtiges Thema der Gespräche zwischen Trump und Zelensky sein – damit die Ukraine vom Ende der Warteschlange für diese Raketen an die Spitze rückt.

Denn wenn man die russischen Angriffe auf die Ukraine neutralisiert und zugleich die ukrainischen Angriffe auf Russland wirksamer macht, dann ist das der Schlüssel zu einem schnellen Ende des Krieges. Wenn russische Angriffe ihre Ziele nicht erreichen und die russischen Truppen nicht vorankommen – während gleichzeitig ukrainische Angriffe die russische Wirtschaft in die Knie zwingen –, dann wird selbst ein so sturer Tölpel wie Putin gezwungen sein, über die Notwendigkeit nachzudenken, die Kampfhandlungen zu beenden. Zumindest für die Zeit, die er benötigt, um sich auf einen neuen Krieg vorzubereiten. 

Und auch diese Chance sollte man ihm nicht geben – durch die Verwandlung der Ukraine in eine Festung und den weiteren Ausbau des militärisch-industriellen Komplexes unseres Landes, im Bewusstsein, dass das Schicksal der Ukraine ihr Schutz vor Russland ist. Zumindest für die Jahrzehnte der Herrschaft dieses chauvinistischen Regimes im Nachbarland.

Wenn die Vereinigten Staaten eine solche Unterstützung jedoch nicht leisten können und stattdessen die Ukraine zu politischen Zugeständnissen gegenüber Russland und zum Verzicht auf eigene Gebiete drängen, dann wird der gegenseitige Schlagabtausch lediglich beide Länder zerstören und zu keinerlei Ergebnissen führen. Wir werden in einem Krieg leben, der sich von einem Krieg der Armeen zu einem Krieg der Raketen entwickeln kann, und beobachten, wie ballistische Raketen ukrainische Städte in Gebiete verwandeln, die zum Leben ungeeignet sind.

Und das ist ganz sicher nicht das Ende, das man weder in der Ukraine noch in den Vereinigten Staaten erreichen möchte.


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