Die Ukraine führt Krieg gegen die Sowjetunion. Vitaly Portnikov. 25.10.26.

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Am 70. Jahrestag des Ungarischen Volksaufstands sollten wir uns bewusst machen, dass auch unser Krieg ein regelrechter Krieg gegen die Sowjetunion ist, deren größtes verbliebenes Stück die Russische Föderation ist.

Man könnte mir entgegnen, dass auch die Ukraine ein solches Stück ist. Aber auch Ungarn gehörte zum sozialistischen Lager. Die Entscheidung zur Invasion wurde genau in dem Moment unausweichlich, als Ungarn begann, die kommunistischen Institutionen abzubauen und die Möglichkeit eines NATO-Beitritts zu betonen.

Die Ukraine war aus institutioneller Sicht lange Zeit einfach eine umbenannte Sowjetrepublik, und der Kreml war damit zufrieden. Schon die Möglichkeit, ein Assoziierungsabkommen zu unterzeichnen, brachte die Gefahr mit sich, dass ein Teil der postsowjetischen Institutionen aufgegeben würde. Der Sieg des Maidan 2013–2014 überzeugte Putin davon, dass sich diese Entwicklung auf politischem Wege nicht mehr aufhalten ließ.

Was haben wir heute? Staatliche Institutionen, die gezwungen sind, europäische Gesetze zu verabschieden, während Russland selbst das Postsowjetische beseitigt, das es ein klein wenig vom Sowjetischen entfernt hatte. Den SBU und andere Geheimdienste, die gezwungen sind, mit westlichen Nachrichtendiensten zusammenzuarbeiten und Teil von ihnen zu sein, während der FSB in Russland ein Klon des KGB ist. Eine Kirche unter dem Omophorion des Patriarchen von Konstantinopel, während die russische Kirche eine Institution ist, die in Stalins Arbeitszimmer gebilligt wurde, eine Organisation, in der zu Sowjetzeiten 100 Prozent der Priester mit dem KGB verbunden waren. Und selbst wenn wir den nationalen Konflikt ausklammern, von dem ich ständig spreche, müssen wir verstehen, dass Russland schlicht nicht zulassen kann, dass all dies an seinen Grenzen existiert. Schließlich gab es zwischen Russen und Ungarn keinen nationalen Konflikt. Es gab lediglich den Wunsch, keinen Präzedenzfall in der eigenen Einflusssphäre zuzulassen.

Wenn Putin also von Entnazifizierung, der russischen Sprache und der Kirche Gundjajews spricht, macht er keine Witze. Die Wiederherstellung sowjetischer Institutionen in der Kolonie ist ebenfalls ein Weg zu ihrer endgültigen Unterwerfung. Nur durften die Bürger Ungarns nach der Besetzung ihres Landes unter der Herrschaft einer Kollaborationsregierung Ungarn bleiben. Den Ukrainern verweigert der Kreml, wie Sie von Putin schon mehrfach gehört haben, sogar das.


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Art der Quelle: Social Media

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 25.10.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump, Putin und Xi: Eine neue Ordnung | Vitaly Portnikov. 25.10.2026.

Der Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow, sagte heute, dass man sich in Washington, Moskau und Peking auf ein trilaterales Treffen zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump, dem Präsidenten der Russischen Föderation Putin und dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping vorbereite. Und obwohl es von chinesischer Seite keinerlei Bestätigung dieser Informationen aus dem Kreml und auch aus dem Weißen Haus gibt – denn ich erinnere daran, dass auch Trump von der Möglichkeit eines solchen Treffens gesprochen hat –, wird das, was bis vor Kurzem noch als politische Fantasie gelten konnte, dennoch tatsächlich zur Realität unseres politischen Lebens. Trump, Putin und Xi Jinping könnten sich zu dritt in Shenzhen während des APEC-Gipfels treffen, um die Wahnvorstellungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten darüber, wie die Welt in naher Zukunft aussehen wird und wie die Länder aussehen sollen, die sich um diese Welt kümmern sollen, anschaulich vorzuführen.

Das heißt, drei starke Führer, die Führer von Atommächten, treffen sich, um über die Stabilität in dieser Welt zu sprechen. Das ist die Logik, von der Donald Trump natürlich geleitet wird. Das ist auch die Logik Putins, der natürlich ebenfalls gerne als gleichberechtigter Teilnehmer an einem solchen Format beteiligt wäre. Und das, obwohl die Wirtschaft der Russischen Föderation, gelinde gesagt, den Volkswirtschaften der Vereinigten Staaten von Amerika und der Volksrepublik China unterlegen ist.

Aber schauen wir uns an, wie realistisch die Hoffnungen sowohl des amerikanischen als auch des russischen Präsidenten überhaupt sein können, dass der Gipfel in Shenzhen, den sie, ich würde sagen, so beharrlich vorbereiten, mit irgendeinem tatsächlichen Ergebnis endet.

Ich möchte Sie davon überzeugen, dass auf dem Gipfel in Shenzhen keinerlei tatsächliche Entscheidungen zu der Frage getroffen werden, die Putin interessieren könnte, nämlich zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu russischen Bedingungen, also zur Kapitulation unseres Staates und seinem allmählichen Verschwinden von der politischen Weltkarte. Solche Entscheidungen wird es auf dem Gipfel in Shenzhen nicht geben, weil Putin von Trump mehr verlangt, als Trump ihm zu geben bereit ist.

Der amerikanische Präsident hat tatsächlich absolut nichts dagegen, selbst während des Krieges mit der Russischen Föderation Handel zu treiben. Er hat absolut nichts dagegen, die Sanktionen gegen die Russische Föderation aufzuheben, obwohl ihm dabei bereits die amerikanische Gesetzgebung im Weg stehen wird. Er hat absolut nichts dagegen, ukrainische Gebiete für die Beendigung des Krieges zu opfern und sogar, wie wir wissen, den russischen Status der besetzten ukrainischen Krim anzuerkennen. Er hat absolut nichts gegen die Neutralität der Ukraine und eine Garantie dafür, dass unser Land ebenso wie die anderen ehemaligen Sowjetrepubliken nicht der NATO beitreten wird. All das ist, wie mir scheint, verständlich. All das ist seit einem Jahrzehnt Teil von Trumps Außenpolitik und nicht erst seit den letzten zehn Monaten.

Womit Trump sich aber einfach nicht einverstanden erklären kann, ist die Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit. Das kann er Putin nicht geben.

Xi Jinping ist erstens ebenfalls nicht daran interessiert, sich zur Beseitigung irgendeines Staates zu verpflichten. Genau deshalb ist er ein Garant für die Existenz von Belarus als unabhängigem Staat, der besondere Beziehungen zu Russland unterhält. Und es liegt überhaupt nicht im Interesse Xi Jinpings, als Garant irgendwelcher Vereinbarungen in Europa aufzutreten, denn wenn Russland diese Vereinbarungen verletzt, könnte das für China ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten in den Beziehungen zu europäischen Ländern schaffen, falls Peking nicht angemessen auf Putins Verhalten reagiert.

Nun, auch das ist, wie mir scheint, völlig offensichtlich. Und übrigens verstehen sogar die Russen selbst sehr gut, dass man sich von einer Zusammenarbeit mit Trump in der Ukraine-Frage nicht allzu viel erwarten sollte. In eben jener Erklärung, in der es um die trilaterale Zusammenarbeit in Shenzhen ging, begann Uschakow völlig unerwartet über die Europäer und die europäische Position zu sprechen. Ich werde versuchen, das zu zitieren, damit wir genau verstehen, was er sagt: „Früher, nach Anchorage, entstand der Eindruck, dass die amerikanische Regierung etwas diktieren und Kyiv zwingen könnte, es umzusetzen. Aber bislang hat das irgendwie nicht funktioniert, denn es reicht nicht aus, nur mit Kyiv zu sprechen. Man muss mit ganz Europa sprechen, das Kyiv vollständig unterstützt. Und möglicherweise kommt der Position Europas hier eine Schlüsselrolle zu.“

Wir sehen also die Verärgerung und Enttäuschung der russischen Führung. Vor dem Gipfel mit dem amerikanischen Präsidenten in Anchorage glaubte Putin tatsächlich aus Gründen, die ich nicht verstehe – vielleicht deshalb, weil auch er in einer völlig erfundenen Realität lebt –, dass Trump, wenn er sich mit ihm auf etwas einigen würde oder ihm zumindest etwas verspräche, selbst etwas, dem Putin nicht zustimmt, über klare Instrumente verfüge, um die ukrainische Führung dazu zu zwingen, so zu handeln, wie es, wenn schon nicht Putin, dann wenigstens Trump gefällt. Jetzt wird völlig offensichtlich, dass der amerikanische Präsident nicht nur keine wirksamen Druckmittel gegenüber seinem russischen Kollegen besitzt, sondern dank der europäischen Haltung auch keine wirksamen Druckmittel gegenüber der Ukraine.

Deshalb kann Putin von Trump bei dem Treffen in Shenzhen natürlich verlangen, nicht nur Druck auf Kyiv, sondern auch auf Europa auszuüben. Dazu ist Trump selbstverständlich ebenfalls nicht in der Lage. Er verfügt über keine derart wirksamen Instrumente, die die politische Landschaft Europas verändern könnten, solange in den europäischen Ländern nicht Politiker des ultrarechten, antieuropäischen Lagers an die Macht kommen, mit denen natürlich sowohl Trump als auch JD Vance und andere führende Vertreter der amerikanischen ultrarechten Konservativen sympathisieren. Aber auch sie können für diese Politiker keine Wunder vollbringen. Und vor allem beginnen diese Politiker, selbst wenn sie an die Macht kommen, in den Kategorien der nationalen Interessen ihrer eigenen Staaten zu denken und nicht in den Kategorien der Geschäftsinteressen der Familie Trump.

Das beste Beispiel dafür ist, wie mir scheint, Giorgia Meloni, die italienische Ministerpräsidentin. Ich erinnere Sie daran, dass sie die Vorsitzende der Partei Fratelli d’Italia, Brüder Italiens, ist. Das ist eine ultrarechte politische Kraft, die in Italien vor Melonis Wahl zur Ministerpräsidentin als postfaschistisch bezeichnet wurde. Während solche Bezeichnungen für den Rassemblement National der Französin Marine Le Pen eher beleidigend sind, waren sie im Fall der Brüder Italiens schlicht eine Feststellung jener, ich würde sagen, politischen Wurzeln, die diese Formation geprägt haben. Und was geschah? Sie haben gesehen, dass zwischen Trump und Meloni ziemlich schwierige Beziehungen entstanden, sobald sich herausstellte, dass Trump die nationalen Interessen Italiens faktisch nicht berücksichtigt. Und das, obwohl er mit ihr aufrichtig sympathisierte und Meloni eine der wenigen Politikerinnen und Politiker aus anderen Ländern war, die zur nicht öffentlichen Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten eingeladen worden waren. Diese fand geradezu in einer Atmosphäre des Triumphs der postfaschistischen Welt statt, denn dort waren ausschließlich ultrarechte Gäste mit einem tadellosen Ruf als Erben gerade der postfaschistischen Ideologie anwesend, beispielsweise der amtierende Präsident Argentiniens Javier Milei und Giorgia Meloni.

Aber zwischen Trump und Milei gibt es angesichts ihrer Ansichten über Lateinamerika wesentlich weniger Meinungsverschiedenheiten als zwischen Trump und Meloni. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass Trump versucht, Putin zu unterstützen, der im Grunde ein Albtraum Europas ist. Und Russland, daran möchte ich Sie erinnern, war während seiner gesamten Existenz auf der Landkarte des europäischen Kontinents ausschließlich ein Albtraum Europas. Etwas anderes war es niemals. Wenn Sie sich alte Archive, alte Artikel und alte politische Karikaturen ansehen, werden Sie immer wieder feststellen, dass auf diesen Karikaturen in europäischen Zeitschriften und Zeitungen russische Zaren, sowjetische Generalsekretäre und Putin stets mit irgendeinem blutigen Dolch in der Hand oder mit Blut an den Händen dargestellt wurden. Putin ist hier, würde ich sagen, ein würdiger Erbe der anderen Henker Europas aus Moskau oder Sankt Petersburg. Es geschieht nichts Besonderes. Nun, vielleicht mit Ausnahme der Zeit des Zweiten Weltkriegs, als die Sowjetunion in dessen letzten vier Jahren gegen das nationalsozialistische Regime kämpfte. Ich erinnere daran, dass Stalin und die Sowjetunion in den ersten beiden Jahren dieses Krieges aktive und wichtige Verbündete und Brüder der Nationalsozialisten waren. Sie veranstalteten gemeinsame Paraden mit ihnen. Auch das ist klar.

Zu behaupten, Putin könne Trump dazu zwingen, Einfluss auf die Europäer auszuüben, und das auch noch gemeinsam mit Xi Jinping, ist also ebenfalls eine ziemlich selbstüberschätzende und merkwürdige Vorstellung. Aber dass die Russen begonnen haben, über die Europäer zu sprechen, bedeutet im Grunde, dass auch sie allmählich begreifen, dass sie mit den europäischen Staats- und Regierungschefs über die Zukunft des Kontinents, über die Unterstützung der Ukraine und darüber sprechen müssen, welche Angriffe die Ukraine gegen Russland führen wird, um die Wirtschaft dieser terroristischen Formation zu zerstören, die sich nur als Staat ausgibt. Und solche Angriffe werden, wie wir sehen, durchgeführt. Experten sagen bereits, dass die Ukraine, obwohl sie derzeit auf Angriffe gegen die Ölraffinerien der Russischen Föderation verzichtet und damit einer Laune des gierigen Trump nachkommt, zugleich Schwachstellen im russischen Energiesektor findet, die im Grunde ebenfalls die Existenz des russischen Ölraffineriekomplexes infrage stellen, ohne die Raffinerien selbst anzugreifen. Denn die jüngsten Angriffe auf Fabriken, die einen wichtigen Teil der für die russische Ölverarbeitung benötigten Produkte herstellen, schaffen für Russland ohnehin Probleme, die sich im Fall der vollständigen Zerstörung dieser Fabriken – es gibt davon insgesamt nur vier, glaube ich, und ich hoffe, dass sie in nächster Zeit einfach in Flammen aufgehen – auf keine Weise mehr lösen lassen, selbst wenn die Ölverarbeitung weiterbesteht.

Das ist eine erfreuliche Nachricht, denn wir verstehen, dass die Verwandlung Russlands in einen Staat ohne Energiewirtschaft und der Zusammenbruch der russischen Wirtschaft der sichere Weg zu einem wirklichen Frieden auf der ganzen Welt sind. Wer die russische Wirtschaft, die Ölraffinerien und die Ölindustrie zerstört und Russland in die Knie zwingt, sodass es 30 Jahre brauchen wird, um wieder aufzustehen, wird sowohl der gesamten Menschheit als auch dem russischen Volk einen großen Dienst erweisen. Denn dieses Volk muss endlich lernen, wirklich zu arbeiten, statt von Energieeinnahmen sowie von Mord, Vergewaltigung und Diebstahl zu leben. Alles so, wie sie es lieben. Aber das liegt in der Zukunft.

Jetzt möchte ich das Thema des Gipfels in Shenzhen fortsetzen. Für Trump ist es auf diesem Gipfel in Wirklichkeit nicht so wichtig, sich mit Putin über das Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu einigen, wie sich mit Xi Jinping über nukleare Abrüstung zu verständigen. Das ist eine alte Idee Trumps: Er will mit den Chinesen darüber sprechen, dass sie nuklear abrüsten sollen. Was erwartet den amerikanischen Präsidenten auf diesem Weg? Ein vorprogrammiertes Fiasko. Die Chinesen wollen darüber überhaupt nicht sprechen. Sollte die Frage zugespitzt werden, dass dies das Hauptthema des Gipfels sein müsse, wird das trilaterale Treffen überhaupt nicht stattfinden. Xi Jinping wird es boykottieren. China vertritt eine ziemlich einfache Position, die auch jetzt in führenden chinesischen Publikationen zum Ausdruck kommt. Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Russische Föderation verfügen über ein wesentlich größeres Atomwaffenpotenzial als die Volksrepublik China. Allerdings müssen wir ehrlich sein: Wir wissen nicht, wie groß Chinas Atomwaffenpotenzial derzeit ist. Was bedeutet das in der Praxis? In der Praxis sagen die Chinesen, dass sie erst dann bereit sein werden, mit Russland und Amerika über nukleare Abrüstung zu sprechen, wenn Chinas Atomwaffenpotenzial dem russischen und dem amerikanischen entspricht.

Der Ausweg ist also einfach: Entweder rüsten die Chinesen auf die Zahl der Atomraketen auf, über die Amerika und Russland verfügen, oder diese Länder rüsten auf das chinesische Niveau ab, das niemand genau kennt. Die Russen sind, wie Sie verstehen, derzeit nicht bereit abzurüsten. Sie steuern auf eine weitere Eskalation ihrer Beziehungen zum Westen zu, denn sie bereiten sich auf große Kriege vor, um die demokratischen Zivilisationen zu zerstören und Russland die Herrschaft über Europa zu sichern. Das ist die Idee der russischen Tschekisten. Sie leben für diesen Krieg und seine Vorbereitung. Und wir werden möglicherweise in den kommenden, ich würde sagen, schwarzen Jahrzehnten eines Dritten Weltkriegs Zeugen dieses Grauens werden, wenn Putin nicht gestoppt wird. Aber Xi Jinping hat ganz sicher kein Interesse daran, darüber zu sprechen. Zumal wir verstehen, dass Putin Trump ganz sicher nicht unterstützen wird, weil er schlicht nicht über die operativen Möglichkeiten verfügt, Trump in einer solchen Situation zu unterstützen.

Außerdem gibt es noch einen weiteren wichtigen Punkt. Der Gipfel in Shenzhen wird erst nach den Zwischenwahlen zum Kongress stattfinden. Und seine Teilnehmer werden genau wissen, wie Trumps Position im Kongress insgesamt aussieht. Und sie werden sehr gut wissen, dass die Demokraten, wenn sie in beiden Kammern oder auch nur im Repräsentantenhaus die Mehrheit erhalten, die außenpolitische Strategie der Regierung ziemlich stark beeinflussen können. Wir wissen im Grunde bereits, wie. Erstens erinnere ich Sie daran, dass die Demokraten bereits die Initiative zur Verabschiedung eines Gesetzes zur Unterstützung der Ukraine ergriffen haben. Dieses Dokument liegt jetzt im Senat. Wenn sie im Senat die Mehrheit erhalten – auch hier steht alles fünfzig zu fünfzig, aber ihre Chancen sind derzeit größer als jemals zuvor –, werden sie dieses Gesetz im Senat verabschieden. Und wenn Trump versucht, es nicht zu unterzeichnen, werden sie das Veto dieses aufgeblasenen Putin-Anhängers überstimmen. Und Putin versteht sehr gut, dass er bereits im Januar oder Februar mit einer umfangreichen, bedeutenden militärischen Unterstützung der Ukraine und einer Verschärfung der Sanktionen gegen sein terroristisches Konglomerat konfrontiert sein könnte. Worüber sollte er dann mit Trump verhandeln?

Auch für China ist die bevorstehende Veränderung wichtig, denn es ist offensichtlich, dass der Kongress Trumps Operationen gegen den Iran unter seine Kontrolle bringen wird. Um den Krieg gegen den Iran unter Bedingungen fortsetzen zu können, in denen die amerikanische Armee bei früheren Spezialoperationen schwere Verluste erlitten hat, braucht Trump eine erhebliche Aufstockung des Militärhaushalts. Der entsprechende Antrag liegt bereits jetzt im Repräsentantenhaus. Und es bestehen durchaus Chancen, dass die derzeitige Zusammensetzung des Kongresses, in der die Republikaner die Mehrheit haben, nicht dafür stimmen wird. Denn es gibt zahlreiche unzufriedene Republikaner, die nicht mehr von Trump abhängig sind, weil sie nicht erneut kandidiert haben oder die Wahlen am 3. November verlieren werden. Und diese Menschen sagen, dass sie einer solchen Aufstockung des Militärhaushalts nicht zustimmen werden, bevor die Unterstützung für unser Land wieder aufgenommen wird. Wenn der Kongress bereits im Januar von den Demokraten kontrolliert wird, kann Trump sich dieses Geld abschminken.

Für China mit seiner Haltung zur Unterstützung des Iran ist das ein sehr wichtiger Punkt, denn dadurch können die chinesischen Einflüsse im Nahen Osten in wesentlich größerem Umfang wiederhergestellt werden, zumal die Verbündeten der Vereinigten Staaten in der entstandenen Situation mit ernsthaften Problemen konfrontiert sind. Und in dieser Hinsicht können sie, wie wir sehr gut verstehen, aufhören, eine geopolitische Alternative zu den chinesischen, russischen und iranischen Bestrebungen nach Vorherrschaft in der Region zu sein, wenn die Amerikaner nicht über ausreichende Mittel verfügen, um die Konfrontation mit dem iranischen Regime fortzusetzen – mit jener anonymen Junta, die an die Stelle des getöteten Ajatollahs Chamenei getreten ist.

Ein weiterer Punkt, der diese gesamte Politik völlig verändern wird, ist, dass die Demokraten offenbar bereit sind, die Hilfe für Israel erheblich einzuschränken, wenn die kritischen Sicherheitsfragen im Nahen Osten, die heute vor allem mit der Palästinenserfrage zusammenhängen, nicht gelöst werden. Genau das will der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kategorisch nicht tun. Er hofft, am 27. November sein Amt zu behalten und mit Unterstützung der ultrarechten und ultrareligiösen Kräfte des Landes, die in den vergangenen Jahren in den kritischsten Momenten der Existenz des jüdischen Staates seine Verbündeten waren, eine neue israelische Regierung zu bilden.

Man muss aber verstehen, dass sich der jüdische Staat in all diesen kritischen Jahren auf die Unterstützung beider Regierungen verlassen konnte, sowohl der Regierung Joseph Bidens als auch der Regierung Donald Trumps. Und beiden Regierungen gelang es auf die eine oder andere Weise, den Kongress von der Notwendigkeit zu überzeugen, diese Unterstützung fortzusetzen. Erinnern Sie sich daran, dass das letzte Gesetz zur Unterstützung der Ukraine, über das noch unter Joseph Biden abgestimmt wurde, die Unterstützung sowohl der Ukraine als auch Israels und Taiwans umfasste. Damals gab es einen sehr interessanten Moment: Die Mehrheit der Republikaner stimmte nicht für die Unterstützung der Ukraine, im Gegensatz zu praktisch allen Demokraten, die dafür stimmten. Jetzt ist bei dem neuen Gesetz zur Unterstützung der Ukraine praktisch dieselbe Situation eingetreten. Ein großer Teil der Republikaner stimmte paradoxerweise nicht für die Hilfe für Taiwan, während ein großer Teil der Demokraten nicht für die Unterstützung Israels stimmte.

Jetzt wächst diese mangelnde Bereitschaft, Israel zu unterstützen, auch in den Reihen der Republikaner. Wir sehen, wie sich beispielsweise enge Mitstreiter Donald Trumps wie Vizepräsident JD Vance zu dieser Situation äußern. Und auch das ist ein ziemlich wichtiger politischer Punkt, der für Russland und China hinsichtlich ihrer Positionierung von entscheidender Bedeutung ist.

Wenn sich also herausstellt, dass Trumps wichtigste politische Prioritäten – die Ukraine möglichst wenig zu unterstützen, Geld für den Krieg gegen den Iran zu finden und Israel intensiv zu unterstützen – in der neuen Zusammensetzung des Kongresses keine Unterstützung finden werden, worüber sollte man dann in den kommenden zwei Jahren mit dem amerikanischen Präsidenten sprechen? Was kann er in einer solchen Situation überhaupt tun? Das ist doch eine gute Frage, nicht wahr? Wenn wir über die Kongresswahlen sprechen, konzentrieren wir uns ständig darauf, dass sich der Kongress in eine große Untersuchungskommission verwandeln wird, die sich mit Korruptionsmissbrauch beschäftigen wird. Übrigens sind 70 Prozent der Amerikaner unzufrieden mit diesen Korruptionsmachenschaften, die mit dem Namen Donald Trump, den Mitgliedern seiner Familie und dem engsten Umfeld des amerikanischen Präsidenten verbunden sind, mit diesem kollektiven Witkoff und Kushner.

Und je tiefer wir in den Wald vordringen, desto deutlicher sehen wir, wie sehr sich eben dieser Kushner, Trumps Schwiegersohn, in völlig undurchsichtige Geschäfte verstrickt hat, die bereits mehr als ein Land der Welt destabilisieren. Gerade jetzt dauern in Albanien die Massenproteste an, wo er Ferienanlagen bauen wollte. Ich denke, das ist erst der Anfang des Niedergangs dieses Mannes. Genauso wie wir jetzt den Beginn des Niedergangs des berüchtigten Multimilliardärs Elon Musk beobachten können, der versucht, sich in seinem eigenen sozialen Netzwerk, das er gekauft hat, um Trump an die Macht zu bringen, für die Drosselung der Starlink-Geschwindigkeit für die ukrainische Armee zu rechtfertigen.

Aber das ist natürlich noch nicht alles. Denn offensichtlich geht es nicht nur darum, dass irgendwelche Dinge untersucht werden, um ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump einzuleiten. Oder vielleicht hoffen die Demokraten, den Präsidenten der Vereinigten Staaten unter der Last von Anschuldigungen, die weniger für ihn selbst als für die Republikanische Partei völlig unerträglich werden könnten, dazu zu zwingen, das Weiße Haus von sich aus zu verlassen. All das können Berechnungen sein, die sich übrigens auch als falsch erweisen können. Denn wissen Sie, zu sagen: „Jetzt wird eine Untersuchung stattfinden, und dann werden wir dies und jenes erfahren, und sie werden dies und jenes herausfinden, das ist sehr gut“ – das sind alles Gespräche ohne konkrete Fakten. Das sind Hoffnungen. Aber es gibt politische Faktoren.

Und diese politischen Faktoren, von denen ich spreche, sind keine Hoffnungen mehr, sondern Dinge, die tatsächlich umgesetzt werden. Das heißt, die Demokraten unterscheiden sich von den Republikanern, ich würde sagen, die Demokraten unterscheiden sich von den Trumpisten durch eine ziemlich, ich würde sagen, unterschiedliche Haltung zu den wichtigsten außenpolitischen Herausforderungen: zur Ukraine, zu Europa, zum Iran, zu Israel. Das bedeutet, wie Sie verstehen, nicht, dass die Demokraten für die Wiederherstellung guter Beziehungen zum Iran eintreten. Nein, sie könnten einfach der Ansicht sein, dass die Konfrontation mit dem Iran angesichts der Tatsache, dass sich irgendein Pete Hegseth darum kümmert, der bereits zum Symbol der Inkompetenz im Verteidigungsministerium geworden ist, schlicht unprofessionell geführt wird und die Besonderheiten dieses Landes, die Besonderheiten und Möglichkeiten seines Regimes und so weiter nicht berücksichtigt. Und dass sie mit vergeblichen Hoffnungen verbunden ist, wie etwa der vergeblichen Hoffnung, dass die Tötung Chameneis und seines engsten Umfelds sowie seiner Familienangehörigen zum Zusammenbruch des Regimes führen würde. Wir verstehen doch inzwischen, dass genau darin Trumps Hauptidee bestand.

Und dieser unglaubliche, ich würde sagen, dem Abenteurertum Putins ähnliche Ansatz, der glaubte, sein Blitzkrieg werde unbedingt erfolgreich enden, er werde in der Ukraine eine Marionettenregierung einsetzen, die ihrerseits die Einverleibung unseres Landes fördern werde, die Durchführung von Referenden in den ukrainischen Regionen über ihre Ausrufung zu unabhängigen Staaten und anschließend über ihren Beitritt zur Russischen Föderation. Das war doch ein so einfacher Plan, geradezu elementar. Er sollte bereits im März 2022 mit einem Triumph des russischen Präsidenten enden. Und man möchte Putin fragen: „Na und? Wie steht es um den Triumph, Herr Oberbefehlshaber einer Armee, die seit viereinhalb Jahren die Grenzen des Donezker Gebiets nicht erreichen kann und gezwungen ist, Donald Trump um Hilfe zu bitten, damit er den Ukrainern sagt, sie sollten diese Gebiete kampflos verlassen? Was ist denn das für eine Berechnung?“

Aber erstaunlich ist, dass Trump, obwohl er von diesem, ich würde sagen, beschämenden Abenteurertum Putins wusste, das sein Land, wie ich hoffe, in einen geopolitischen Zusammenbruch geführt hat, der so oder so eintreten wird, für die Vereinigten Staaten von Amerika genau denselben Weg eingeschlagen hat. Er ist in demselben Schlamm stecken geblieben, und für Trump ist das für immer, in dem jener von Trump erfundene russische General stecken geblieben ist, der von der wunderbaren Autobahn abbog, die eigens für russische Panzer gebaut worden war, damit sie nach Kyiv gelangen konnten. Einfach nur lächerlich.

Um bei unserem heutigen Tag zu bleiben, möchte ich Ihnen sagen, dass ich noch mit Ihnen über die Wahlprozesse sprechen wollte, die buchstäblich vor unseren Augen in für uns wichtigen europäischen Ländern stattfinden. Heute fand in Bulgarien die erste Runde der Präsidentschaftswahlen statt. In Serbien finden Parlamentswahlen statt, bei denen für den ehemaligen Präsidenten des Landes, Aleksandar Vučić, viel auf dem Spiel steht, weil er versucht, durch die Bildung einer Regierung unter seiner eigenen Führung an der Macht zu bleiben. Und in diesen Stunden dauern wegen der Zeitverschiebung zwischen Europa und Amerika auch noch die Präsidentschaftswahlen in Brasilien an.

Es liegen also die Ergebnisse der Wahlen in Bulgarien vor, die anders ausgegangen sind, als die Meinungsforscher vorhergesagt hatten. Bei diesen Wahlen gab es zwei Hauptbewerber. Ilijana Jotowa, die Vizepräsidentin des ehemaligen Präsidenten Rumen Radew, der für seine prorussische Politik bekannt ist und sein Amt als Präsident Bulgariens vorzeitig niedergelegt hatte, um an den Parlamentswahlen teilzunehmen, so wie Aleksandar Vučić in Serbien, und eine neue Regierung des Landes unter seiner Führung zu bilden. All das ist ihm gelungen.

Ilijana Jotowa, die nach Radews Rücktritt die Amtsgeschäfte der Präsidentin des Landes führte, galt als sichere Siegerin bei der Wahl des Staatsoberhaupts. Doch es kam anders als gedacht. Zwischen Ilijana Jotowa und ihrem wichtigsten Konkurrenten, dem proeuropäischen und proukrainischen Kandidaten Andrej Gjurow, besteht nur ein sehr geringer Abstand. Ilijana Jotowa hat derzeit ungefähr 35,7 Prozent der Wählerstimmen, Andrej Gjurow 31,8 Prozent. Das heißt, den gewissermaßen prorussischen und den proeuropäischen Kandidaten trennen faktisch nur wenige Prozentpunkte. Auf dem dritten Platz liegt mit zwölf Prozent allerdings ein offen prorussischer und antiukrainischer Kandidat. Ein Mann, dem sogar die Einreise in die Ukraine verboten ist, ein Mann, der faktisch die Existenz des ukrainischen Volkes selbst leugnet, der Vorsitzende der Partei Wiedergeburt, Kostadinow. Für ihn ist das ein geradezu geniales Ergebnis, denn bei früheren Wahlen hatte er nie mehr als zwei Prozent erhalten. Und natürlich könnte man annehmen, dass Jotowa damit den Sieg praktisch schon in der Tasche hat, weil Kostadinows Wähler ihre Stimmen ganz sicher ihr geben könnten. Aber so einfach ist die Lage dort nicht, würde ich sagen. Es ist eine ziemlich komplizierte Situation, weil die Wahlbeteiligung bei diesen Wahlen sehr, sehr niedrig war.

Man muss verstehen, dass bei den bulgarischen Präsidentschaftswahlen nur 22 Prozent der potenziellen Wähler in die Wahllokale gekommen sind. Das heißt, dieses gesamte Ergebnis und all diese Zahlen beruhen auf einer Wahlbeteiligung von 22 Prozent. Können Sie sich das vorstellen? Deshalb kann man im Grunde nicht mit Sicherheit sagen, dass die zweite Wahlrunde genauso ausgehen wird wie die erste, und zwar aus einem einfachen Grund: Die Wahlbeteiligung kann erheblich steigen. Für Jotowa und Gjurow wird jetzt entscheidend sein, inwieweit es ihnen gelingt, die Beteiligung ihrer eigenen Wähler zu erhöhen. Und das ist ein sehr wichtiger Prozess, der so oder so anders enden könnte, als Rumen Radew es sich erhofft. Zumindest wünschen wir Andrej Gjurow einen erfolgreichen Wahlkampf, zumal sich der Abstand zwischen ihm und Jotowa inzwischen sogar verringert hat. Nach Auszählung von bereits 95 Prozent der Stimmzettel hat Jotowa jetzt 34,9 Prozent der Stimmen und Gjurow 32,1 Prozent. Sie trennen also faktisch drei Prozentpunkte. Und Kostadinow ist tatsächlich bei seinen 12,5 Prozent geblieben. Die Frage ist, ob seine Wähler in der zweiten Runde tatsächlich für Jotowa stimmen werden oder ob sie sich einfach der Wahl enthalten.

Jetzt möchte ich zu den serbischen Wahlen übergehen, falls es dort bereits Ergebnisse gibt. Im Grunde werden sie in 30 Minuten vorliegen, sodass wir nicht mehr rechtzeitig darüber sprechen können. Aber für Vučić ist diese Abstimmung tatsächlich ein ziemlich wichtiger Moment. Nach den letzten Meinungsumfragen erhält die sogenannte Studentenliste, die die Anhänger der monatelangen Studentenproteste in Serbien und die Oppositionsparteien vereint hat, 42,8 Prozent der Stimmen. Das Bündnis Vereinigtes Serbien, das versucht, die prorussische Herrschaft in Serbien zu zementieren, erhält 40,34 Prozent.

So sieht die Verteilung aus. Ungefähr dieselben Ergebnisse gab es auch bei anderen Meinungsforschern. Hier eine weitere Umfrage: 44,5 Prozent für die Studenten, 42,7 Prozent für Vučić. Aber hier wird entscheidend sein, welche anderen Parteien die Sperrklausel überwinden können. Natürlich gibt es auch Umfrageergebnisse, die vom prorussischen Sputnik Serbien veröffentlicht wurden. Dort erhält Vučić 47 Prozent und die Studenten 40 Prozent. Aber ich denke, Sie verstehen, was Sputnik als Datenquelle bedeutet. Wir müssen nur noch eine halbe Stunde auf diese Ergebnisse warten. Dann können wir bereits genauere Prognosen zur Situation in Serbien machen und dazu, inwieweit es Vučić gelingen wird, seine Macht in diesem Land zu bewahren. Vielleicht schaffen wir es sogar noch, darüber zu sprechen. Aber ich bin überhaupt nicht sicher, dass wir diese Ergebnisse noch abwarten können. Wir werden zumindest versuchen, darauf zu warten.

Die Wahlen in Brasilien sind überhaupt einer der wichtigsten Punkte für Trump. Diese Wahlen dauern derzeit noch an, und ich hoffe, dass wir in einigen Stunden ihre vorläufigen Ergebnisse erfahren werden. Es handelt sich um die zweite Wahlrunde, und das ist tatsächlich der wichtigste Moment, den es derzeit in Lateinamerika gibt, denn Brasilien ist, wie Sie wissen, der führende Staat des Kontinents. Und dass an der Spitze Brasiliens ein linker Präsident stand, der, ich würde sagen, bessere Beziehungen zu Putin als zu Trump und zu Xi Jinping als zu Trump unterhielt, war für Trump ein regelrechter, ich würde sagen, Schlag gegen seine Position. In der ersten Runde trat Flávio Bolsonaro, der Sohn des früheren brasilianischen Präsidenten, der im Gefängnis saß und sich inzwischen aus gesundheitlichen Gründen unter Hausarrest befindet, gegen Präsident Lula an, der das Land bereits zum dritten Mal führt. Er wurde für zwei Amtszeiten gewählt, schied dann aus dem Amt aus, saß später wegen Korruptionsvorwürfen im Gefängnis und wurde anschließend freigesprochen, weil die Straftaten, die er begangen hatte, nicht in dem Bundesstaat begangen worden waren, dessen Gericht ihn verurteilt hatte, damit Sie das verstehen. Das war der Grund. Und er kehrte in die Politik zurück und besiegte Jair Bolsonaro, der für eine zweite Amtszeit kandidierte. Und Trump unterstützte natürlich die ganze Zeit gerade Jair Bolsonaro und anschließend demonstrativ dessen Sohn Flávio Bolsonaro. Flávio besiegte Lula in der ersten Runde.

Nun, in der Geschichte Brasiliens seit der Wiederaufnahme freier Präsidentschaftswahlen, ich glaube 1988, ich kann mich natürlich irren, aber mir scheint, es war 1988, nach der Zeit der Militärdiktaturen, gab es noch keinen Fall, in dem der Sieger der ersten Runde in der zweiten verloren hätte. Deshalb sind viele Beobachter der Ansicht, dass Flávio Bolsonaro den Sieg bereits in der Tasche hat. Zumal es zwischen der ersten und der zweiten Wahlrunde politische Skandale gab, die eindeutig nicht zu Lulas Gunsten waren. Aber Sie verstehen, dass bei Wahlen, in denen die Kandidaten sehr dicht beieinanderliegen – denn die Umfragen vor der zweiten Runde gaben Flávio Bolsonaro einen Vorsprung von zwei Prozent –, das überhaupt nichts bedeutet. Deshalb kann man nicht so sicher sagen: Der Sieg ist in der Tasche, und morgen früh werden wir sehen, dass Flávio Bolsonaro Präsident Brasiliens ist. Es könnte auch anders kommen. Vieles hängt von der Mobilisierung der Wähler ab, von der Wahlbeteiligung und davon, in welchen Provinzen die Menschen zur Wahl gehen. Wie stark ist Brasilien zwischen rechten und linken Provinzen gespalten? Inwieweit wird es Lula gelingen, diese Wählerschaft zu mobilisieren?

Wenn er verliert, wird das natürlich ein großer Sieg für die Vereinigten Staaten sein, der zeigen wird, dass Lateinamerika nach Trumps Sieg nach rechts rückt und dass die Zeit der linken Staats- und Regierungschefs, die zu einem bestimmten Zeitpunkt, ich würde sagen, zwei Drittel des Kontinents kontrollierten – Brasilien, Argentinien, Chile, Venezuela, alles war im Grunde links oder sogar linksradikal wie Venezuela –, zumindest vorerst zu Ende geht. Und dass Menschen mit solchen, ich würde sagen, rechten Ansichten unter Bedingungen ernsthafter wirtschaftlicher Probleme durchaus die Möglichkeit haben, von den Wählern unterstützt zu werden. Das begann vor allem mit dem triumphalen Wahlsieg Javier Mileis in Argentinien, als er die Peronisten, eine linksradikale Formation unterschiedlicher Art, im Grunde von der Macht im Land verdrängte und ihre völlige Unfähigkeit bewies, sich um die argentinische Wirtschaft zu kümmern. Ich bin kein Anhänger von Mileis Methoden, aber ich kann nicht umhin anzuerkennen, dass die Menschen, die Argentinien vor ihm regierten, echte korrupte Populisten waren. Und das ging viele Jahre hintereinander so. Nun, Sie sehen, dass es derzeit in Lateinamerika viele Präsidenten gibt, die mit dem Trumpismus als Ideologie verbunden sind.

Ich sage Ihnen eines: Der Trumpismus kann in den Vereinigten Staaten enden und in Lateinamerika überleben. Für uns wird ein Führungswechsel in Brasilien nicht besonders viel bedeuten, denn angesichts der wirtschaftlichen Lage des Landes wird Flávio Bolsonaro es sich kaum leisten können, die Beziehungen zu China und Russland aufs Spiel zu setzen und aus den BRICS auszutreten. Er wird seine Politik gegenüber der Ukraine wohl kaum abrupt ändern. Wir wissen, dass Lula weiterhin gute Beziehungen zu Putin unterhielt. Und Bolsonaro wird sich an den amerikanischen Rechtskonservativen, an den Trumpisten orientieren, die, wie Sie wissen, ebenfalls nicht gerade begeistert von unserem Land sind.

Und hier wird Trumps Haltung entscheidend sein. Sie haben doch gesehen, dass Javier Milei, der Zelensky küsste und ihm eine Tora schenkte, als der ukrainische Präsident zu seiner Amtseinführung nach Buenos Aires kam, seine Haltung gegenüber der Ukraine schlagartig änderte, als er sah, dass Trump kein großer Anhänger unseres Landes ist. Das war also keine prinzipielle Haltung, sondern eine Haltung, die sich jederzeit ändern konnte, je nachdem, was die Ultrarechten in Amerika denken. Nun, andererseits braucht Argentinien Geld von Trump. Milei kann angesichts der wirtschaftlichen Lage seines Landes kein Risiko eingehen. Brasilien dagegen braucht Geld aus China und die Zusammenarbeit mit Moskau. Das sind also solche objektiven Faktoren, über die man ebenfalls sprechen muss. Aber in jedem Fall wird das Gewicht der offen prorussischen und prochinesischen Kräfte auf dem Kontinent zugunsten der Vereinigten Staaten verringert werden, ob unter Trump oder ohne Trump, ich würde sagen, zugunsten der amerikanischen Position auf dem Kontinent überhaupt.

Das sind also die drei wichtigen Wahlereignisse, die derzeit stattfinden. Und wir werden natürlich noch darauf zurückkommen.

Ich werde einige Fragen beantworten, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Was hat Trump mit seinen Geschäften mit Putin tatsächlich erreicht? Er hat sich selbst ins Bein geschossen, die ohnehin geringen Chancen der Republikaner bei den Wahlen begraben und riskiert obendrein, den Senat zu verlieren.

Portnikov: Nun, ich denke, Trump sieht das ganz anders. Er glaubt, dass er mit seinem Dieselgeschäft mit Putin mehrere für ihn wichtige Dinge erreicht hat. Erstens hat er seine Bereitschaft demonstriert, nach Auswegen aus der Situation zu suchen, um Dieselkraftstoff billiger zu machen. Vergessen Sie nicht, dass es die Realität gibt, dass es Trumps Realität gibt und dass es die Realität der Trump-Anhänger gibt, die einfach wollen, dass er ihnen etwas zeigt, woran sie glauben können. Und diese Basis Trumps, diese traditionellen evangelikalen Gemeinschaften, haben dieses Geschäft mit Freude aufgenommen, als Beleg dafür, dass Trump verschiedene Anstrengungen unternimmt. Zweifeln Sie nicht daran, dass es so ist.

Der zweite Punkt, der für Trump möglicherweise nicht weniger wichtig ist als die Wahlen, besteht darin, dass er unter Berufung auf die nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten die Möglichkeiten für Russland, ein halbes Jahr lang Öl zu verkaufen, faktisch und auf legalem Wege wieder freigegeben hat. Damit hat er auch für sich selbst und für ihm nahestehende Personen die Möglichkeit eröffnet, mit Russland Energiegeschäfte zu vereinbaren, während Russland sein Öl verkaufen kann.

Ich sage Ihnen noch einmal, dass Trump nicht nur in Wahlkategorien denkt. Trump denkt auch daran, dass er bereits erkennen könnte, dass er das Repräsentantenhaus verliert und dass er bestimmte Maßnahmen ergreifen muss, die er nicht mehr ergreifen kann, wenn die Demokraten auch nur eine Kammer des Kongresses kontrollieren. Er hat es einfach eilig. Und deshalb hat er das erreicht: Er konnte die Ölsanktionen gegen die Russische Föderation lockern.

Und dabei geht es nicht nur um die Unterstützung Russlands im Krieg. Es geht vor allem um die Beteiligung irgendwelcher amerikanischer oder mit Amerika verbundener Firmen an der Energiezusammenarbeit mit der Russischen Föderation. Das ist, denke ich, das Wichtigste, was man sagen muss, wenn wir über dieses Geschäft sprechen. Es ist ihm ja gelungen.

Ich glaube nicht, dass sich das auf die Senatswahlen in irgendeiner Weise negativ oder positiv auswirkt. Es wirkt sich überhaupt nicht aus. Auf die Senatswahlen wirkt sich der Dieselpreis aus. Und wie Sie verstehen, ändert sich dieser durch die ukrainischen Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation und durch Trumps Geschäft nicht. Die Möglichkeiten, nach den Wahlen mit Russland Handel zu treiben, bleiben dagegen bestehen. Das heißt, Trump könnte sich gar nicht von dem Versuch leiten lassen, den Preis zu senken oder zu erhöhen, sondern von dem Versuch, Geld zu verdienen oder nicht zu verdienen. Das könnte für ihn in dieser Geschichte wichtiger sein.

Und dann vergessen Sie noch etwas nicht. Das ist ja kein Geschäft mit nur einem Schritt. Der erste Schritt: „Wir befreien Russland faktisch von den Sanktionen und erklären das mit den Bedürfnissen des Weltmarkts, mit den Bedürfnissen der amerikanischen Landwirte. Wir erzählen also diesen ganzen Unsinn, der keinerlei Logik hat.“ Und der zweite Schritt: „Wir zwingen die Ukraine, die Ölraffinerien der Russischen Föderation nicht mehr anzugreifen, damit die Russische Föderation ihren Export von Erdölprodukten und nicht nur von Rohöl wieder aufnehmen kann, vor allem von Dieselkraftstoff, und damit sie mit uns teilen kann, weil wir irgendein Konsortium oder irgendeine solche Konstruktion schaffen werden.“ Auch das ist durchaus möglich. Deshalb würde ich an Ihrer Stelle die Bedeutung dieser Situation nicht unterschätzen.

Frage: Sie sagen oft, dass Russland nicht durch Sanktionen, sondern durch Soldaten gestoppt wird. Ist es realistisch, dauerhaft motivierte Menschen für die ukrainischen Verteidigungskräfte zu mobilisieren, wenn der Personalmangel und die mangelnde Bereitschaft eines erheblichen Teils der mobilisierbaren Bevölkerung, Militärdienst zu leisten, seit Langem offensichtlich sind?

Portnikov: Wenn ich sage, dass Russland durch Soldaten gestoppt wird, meine ich keineswegs nur die Frage der Mobilisierung, obwohl dieses Problem in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges natürlich gelöst werden muss. Und glauben Sie mir, es wird auf die eine oder andere Weise gelöst werden. Jeder kriegführende Staat stößt im vierten oder fünften Kriegsjahr auf Probleme mit unzureichender Mobilisierung und falscher Organisation und findet Methoden, um die gesamte Situation zu verbessern. Selbst wenn diese Methoden einem erheblichen Teil der Gesellschaft nicht gefallen. Damit erfindet niemand das Rad neu.

Aber ich bin eigentlich der Ansicht, dass es in diesem Fall nicht um einen Mangel an Soldaten geht, denn das ist ein Drohnenkrieg. Es geht nicht um die Zahl der Opfer. In der ukrainischen Gesellschaft geht es vor allem um eine, ich würde sagen, schreiende, zynische Ungerechtigkeit, wenn der nicht kämpfende Teil der Gesellschaft meint, der kämpfende Teil müsse für ihn kämpfen. Diese Ungerechtigkeit wird sich, glauben Sie mir, nach dem Krieg bemerkbar machen. Und jener Teil der Gesellschaft, der von seinem vermeintlichen Recht überzeugt ist, wird seine Fehler erst dann erkennen, wenn es bereits zu spät sein wird, sie zu erkennen.

Aber vorerst befinden wir uns dort, wo wir uns befinden. Und es geht nicht um Mobilisierung. Um Drohnen und Raketen gegen Betriebe der Russischen Föderation einzusetzen, braucht man keine umfangreiche Mobilisierung. Man braucht eine gut funktionierende ukrainische Rüstungsindustrie und die Hilfe der Verbündeten. Dieser Krieg wird schon lange nicht mehr allein an der Frontlinie entschieden. Obwohl auch die Frontlinie und die Art, wie die ukrainische Armee sie hält, eine wahre Heldentat sind.

Er wird ausschließlich durch die Zerstörung des wirtschaftlichen Potenzials des Aggressorstaates entschieden. Denn wenn Russland über ausreichendes wirtschaftliches Potenzial verfügt, um die Kampfhandlungen fortzusetzen, wird es ewig Krieg führen. Es gibt überhaupt keine Voraussetzungen für irgendwelche wirklichen Verhandlungen mit Russland, solange es die Kraft hat, Krieg zu führen. Das muss jeder begreifen. Überhaupt keine. Null. Null. Ich würde sogar sagen: minus fünf. Wenn wir dagegen die Ölverarbeitung zerstören, beginnt sich alles der Null zu nähern. Und wenn Russland nicht mehr genug Geld und Ressourcen hat, beginnt sich alles der Eins zu nähern.

Davon spreche ich also. Ich spreche sowohl von dem Soldaten, der die Frontlinie verteidigt, als auch von dem Soldaten, der Raketen und Drohnen startet, die anschließend Brände in den Ölraffineriebetrieben der Russischen Föderation, in diesen Kautschukfabriken und in den Lagern von Wildberries und Ozon auslösen, die ihre Wirtschaft einfach zerstören und sie in ein Land ohne Ressourcen verwandeln. Nur ein Russland ohne Ressourcen kann für eine gewisse Zeit aufhören, die wir brauchen werden, um uns auf einen neuen Angriff vorzubereiten. Das ist alles, was ich damit meine.

Frage: Sie haben gesagt, dass es im ukrainischen Hinterland bald gefährlicher sein wird als an der Front. Erklären Sie, warum. Schließlich haben Sie auch betont, dass die große Fläche des Landes die ukrainische Infrastruktur bei Angriffen schützt.

Portnikov: Natürlich schützt die große Fläche die Infrastruktur. Aber wenn Sie sich zum Ziel setzen, ukrainische Städte unbewohnbar zu machen, greifen Sie nicht die Infrastruktur an, sondern Wohnviertel. Sie machen diese Städte einfach dem Erdboden gleich. Wie das tatsächlich aussieht, wenn es keine Luftverteidigungssysteme gibt und keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren, können Sie begreifen, wenn Sie sich Fotos von Aleppo nach den russischen Bombardierungen ansehen. Was soll man dazu noch sagen? Genau dazu möchte Putin Kyiv, Charkiw, Odessa, Dnipro und andere ukrainische Großstädte machen. Nicht die Infrastruktur zerstören, sondern die Städte selbst einfach vernichten, Sie dazu zwingen, diese Städte zu verlassen, weil sie aufgehört haben, als Städte auf der politischen Landkarte zu existieren. Das ist das Ziel des russischen Präsidenten.

Deshalb müssen wir nicht nur die Infrastruktur schützen, obwohl das sehr wichtig ist, denn im Winter sind Wärme, Strom und Wasser von entscheidender Bedeutung. Aber auch im Sommer: Wenn Sie kein Dach über dem Kopf haben, wo werden Sie dann leben? Wenn Ihr Haus zerbombt ist, Ihr Wohnviertel zerbombt ist? Russland hat bislang einfach nicht die entsprechenden Möglichkeiten. Wir haben die Möglichkeit, uns zu verteidigen. Die Russen können uns nicht mit Flugzeugen bombardieren, wie sie es in Syrien getan haben. Aber was ihre Absichten betrifft und wie sie sich die Ukraine vorstellen, daran können Sie überhaupt nicht zweifeln.

Sie können an Oleschky sehen, wie sie sich die Ukraine vorstellen. Sie verstehen doch, dass ihnen nicht einmal der Gedanke kam, die Kämpfe in Oleschky einzustellen, und dass diese Menschen dort zurückblieben, um in einer von den Russen faktisch mehrfach hintereinander zerstörten Stadt einfach zu verhungern. Als der Damm des Kachowka-Wasserkraftwerks gesprengt wurde … Die Russen hatten überhaupt nicht den Wunsch, aufzuhören. Sie waren bereit, einfach zuzusehen, wie all diese Menschen sterben. Und übrigens müssen Sie eines verstehen: Wir haben uns während dieser Sendung mit diesem Thema nicht näher beschäftigt, obwohl es eine wichtige Bilanz dieser Woche ist.

Warum haben die Russen überhaupt zugestimmt, das Feuer in Oleschky einzustellen? Der Papst rief Putin an und sprach mit ihm über Oleschky. Ein beispielloses Gespräch des Pontifex mit dem Präsidenten der Russischen Föderation. Er konnte überhaupt nichts erreichen. Null. Das Ergebnis des Anrufs des Papstes beim Präsidenten der Russischen Föderation lag bei minus eins. Genauso wie Putin Zelensky völlig egal ist, ist ihm auch der Papst völlig egal. Obwohl man meinen könnte, dass es sich um eine ernsthafte humanitäre Mission handelt und Putin sich als großer Humanist hätte präsentieren können, wie Steve Witkoff bei seinem letzten Besuch in der russischen Hauptstadt über ihn erzählte. Aber Putin will überhaupt nicht als Humanist erscheinen. Er pfeift auf den gesamten Humanismus, und zwar vom Glockenturm der Basilius-Kathedrale herab.

Warum hat er dann zugestimmt? Weil er Donald Trump vor den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten wenigstens irgendetwas geben muss, das der amerikanische Präsident als seine friedensstiftende Leistung ausgeben kann. Etwas Schönes und Wichtiges, das für Putin aber völlig unbedeutend ist, etwas, das weder die Frontlinie noch die russischen Anstrengungen noch die russischen Berechnungen verändert. Und dann wurde eine Möglichkeit gefunden: „Wir gewähren eine Waffenruhe in Oleschky, nicht ihm, sondern seiner Frau. Und das wird keine Schwäche unsererseits sein, denn es ist klar, dass jede Waffenruhe, die wir verkünden, eine Schwäche ist. Und ein russischer Mensch zeigt keine Schwäche. Aber es wird eine noble Geste gegenüber einer schwachen Frau sein. Sie hat uns darum gebeten, hat dort, sagen wir mal, geweint. Na gut, was soll’s, Putin ist ein guter Mensch, er liebt wie Stirlitz alte Menschen und Kinder über alles.“

Deshalb kam diese Waffenruhe zustande. Wenn sie in keiner Weise mit den Zwischenwahlen zum Kongress verbunden wäre und Putin nicht überlegen würde, was er Donald Trump geben muss, damit es für Trump im Wahlkampf wichtig ist und zugleich Putins gesamte Berechnungen und Pläne in keiner Weise beeinträchtigt, dann hätte Putin, wie Sie verstehen, auch Melania Trump zum Teufel geschickt. Jetzt muss er aber bestimmte Schritte unternehmen, die zeigen, was für ein Humanist er ist und wie sehr er auf Trumps Bitten hört. Zum Glück hoffe ich, dass dies den Menschen in Oleschky das Leben retten wird, wenn diese Waffenruhe tatsächlich zustande kommt. Denn Sie sehen ja, dass er sie auf den 27. verschoben hat.

Genauso wie er vor den Zwischenwahlen zum Kongress keine Verhandlungen führen will, um zu verstehen, welche Position er danach haben wird. Und sie sind wirklich sehr komisch: Sie erklären, dass sie Verhandlungen erst nach dem großen Feiertag, dem Tag der Einheit des Volkes am 4. November, führen wollen. Was für ein großes Ereignis! Heute ist der 25., und man muss bis zum 4. November warten, weil sie ihre Novemberfeiertage haben. Nun, jeder versteht doch, dass dieser Tag der Einheit des Volkes für die Russen überhaupt nichts bedeutet. Im Grunde rein gar nichts. Und dass sie ihn sozusagen nur pro forma begehen. Das ist überhaupt ein Pseudofeiertag. Und sie haben einfach beschlossen, dass sie ja nicht sagen werden: „Wissen Sie, wir wollen die erste Verhandlungsrunde, falls sie überhaupt stattfindet, vielleicht sagen wir sie auch einfach zum Teufel ab, erst nach den Zwischenwahlen zum Kongress durchführen, um zu verstehen, wie schwer Trumps Niederlage ist und ob es sich überhaupt lohnt, in den kommenden zwei Jahren mit ihm zu tun zu haben, oder ob man ihn einfach abschreiben und auf einen neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten warten kann, um gar nicht erst über all diese Geschichten sprechen zu müssen.“ So sieht es eben auch aus.

Aber bis zum 3. November dürfen sie Trump nicht allzu sehr verärgern. Deshalb haben sie Verhandlungen grundsätzlich zugestimmt. Deshalb haben sie dieser Waffenruhe in Oleschky zugestimmt. Deshalb fand übrigens auch ein Gefangenenaustausch statt. Wenn Trump will, kann er auch das für sich nutzen. Sie geben ihm also gewissermaßen Karten in die Hand: „Hier hast du jetzt Karten, mit denen du erzählen kannst, was für ein großer Friedensstifter du bist. Konkretes steckt in diesen Karten nicht, aber es gibt Verhandlungen, es gibt einen Gefangenenaustausch. Gut gemacht, Donald. Du betreibst einfach eine so wunderbare Politik.“ Das ist der ganze Kern dieser Situation.

Frage: Ist China an einer vollständigen Besetzung der Ukraine interessiert? Die Frage steht im Zusammenhang mit der Möglichkeit einer Besetzung Taiwans.

Portnikov: Aus Sicht des Völkerrechts ist Taiwan ein untrennbarer Teil Chinas. Deshalb können wir nicht von einer Besetzung Taiwans durch die Volksrepublik China sprechen, sondern davon, welche Regierung überhaupt die Souveränität über ganz China ausüben soll. In Peking ist man der Ansicht, dass dies die kommunistische Regierung ist, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Bürgerkrieg gewonnen hat. In Taipeh ist man der Ansicht, dass die Regierung der Republik China, die ganz China kontrollieren sollte, in Taipeh sitzt. Aber das ist keine Frage der Besetzung, denn Taiwan ist aus Sicht des Völkerrechts kein unabhängiger Staat, sondern eine alternative Regierung Chinas. Deshalb ist das, was mit der Ukraine geschieht, für China kein Präzedenzfall.

Würde China eine vollständige Besetzung der Ukraine durch Russland wollen? Nein, das würde es nicht. Für China wäre das eine ziemlich erhebliche Stärkung der Position der Russischen Föderation in Europa, die China nicht braucht. China würde wollen, dass sich die Ukraine gewissermaßen in ein großes Belarus verwandelt, also in ein Russland gegenüber loyales Regime, das aber Unterstützung braucht, um seine Unabhängigkeit zu bewahren. Genauso wie Belarus eine solche Unterstützung durch China braucht. Damit Xi Jinping zu Putin sagen kann: „Du kannst natürlich die Beziehungen stärken und all das, das ist euer Recht. Aber wir respektieren die unabhängige Souveränität von Belarus. Es ist eben eine begrenzte Souveränität. Das wissen wir beide. Aber es ist eine Souveränität, wenn auch eine begrenzte. Es ist jedenfalls nicht Russland, kurz gesagt, Putin.“

Dasselbe gilt übrigens auch für Kasachstan. Und der heutige Präsident Kasachstans, Kassym-Schomart Tokajew, versteht das trotz seiner gesamten Zusammenarbeit mit Moskau sehr gut. Deshalb feierte er seinen 70. Geburtstag in Gesellschaft von Xi Jinping. Das ist das Modell. Einfach dieses Modell. Und auch die Ukraine würde China genau in diesem Modell passen.

Denn eine Ukraine, die sich gegen Russland behauptet und ein wirklich unabhängiger, echter Staat wird, braucht China überhaupt nicht. Denn ein solcher Staat wird sein Fortbestehen auf der politischen Weltkarte der westlichen Unterstützung verdanken. Wer werden also die wichtigsten Investoren in die Wirtschaft dieses Landes sein? Die Amerikaner und die Europäer, die überhaupt der Ansicht sein werden, dass ihnen diese Investitionen zustehen. Und was hat China in dieser Zeit getan? Öl von Russland gekauft. „Na dann kauf eben weiter.“ Eine solche Ukraine brauchen die Chinesen ebenfalls überhaupt nicht. Das heißt, sie brauchen genau diese Variante, die sie als Berücksichtigung der Sicherheitsbedenken, der russischen Besorgnis der Russischen Föderation bezeichnen, was, wie Sie verstehen, völliger Unsinn ist. Denn all diese Gespräche über die Sicherheitsbedenken der Russischen Föderation sind einfach Demagogie russischer Chauvinisten, mit der sie den Angriff auf unseren Staat rechtfertigen.

Aber China greift, wie Sie wissen, diese russischen Narrative immer wieder konsequent auf. Und deshalb ist das genau die Vorstellung, von der ich Ihnen bereits erzählt habe. Eine Vorstellung, die damit verbunden ist, dass sie die Ukraine als Staat mit begrenzter Souveränität sehen wollen, als einen Staat, der formal unabhängig ist, gute Beziehungen zur Russischen Föderation unterhält, zugleich aber chinesische Unterstützung braucht, um diese Unabhängigkeit zu bewahren.

Nun, vielleicht können wir jetzt doch noch die vorläufigen Ergebnisse der Wahlen in Serbien erfahren. Bis 20 Uhr Belgrader Zeit haben 71,5 Prozent der Wähler an dieser Abstimmung teilgenommen. Die Menschen stehen noch immer in den Warteschlangen. Das ist also ein sehr wichtiger Moment. Jetzt müssten irgendwelche vorläufigen Ergebnisse erscheinen, aber bislang sehe ich sie noch nicht, denn mit den Umfragen habe ich Sie ja bereits vertraut gemacht. Nun, ich hoffe, dass wir irgendwann zumindest die ersten Ergebnisse der Nachwahlbefragungen sehen werden, die in Belgrad durchgeführt werden.

Der ehemalige Präsident Aleksandar Vučić hat betont, dass er den Sieg seiner Gegner anerkennt. Aber etwas zu sagen heißt noch lange nicht, es auch zu tun. Wir wissen, wie solche Menschen tatsächlich etwas anerkennen. Jetzt sind die Wahlkommissionen bereits geschlossen, aber ich weiß nicht, wie real das alles ist. Und buchstäblich in diesen Minuten werden erste Nachrichten aus den Wahllokalen kommen. Gerade hat es faktisch einen Hackerangriff auf sämtliche Websites demokratischer Organisationen Serbiens gegeben. Auch das ist ein sehr wichtiger Punkt, denn jetzt ist es nicht nur wichtig, abzustimmen, sondern auch die Abstimmungsergebnisse vor möglichen Fälschungen durch Anhänger antidemokratischer prorussischer Kräfte zu schützen.

Die Bewohner Belgrads und anderer serbischer Städte versammeln sich jetzt vor den Wahllokalen, um die Wahlurnen zu schützen. Die Wahllokale haben gerade geschlossen, und die Studentenbewegung sowie andere zivilgesellschaftliche Organisationen haben die Menschen aufgefordert, zu den Wahllokalen zu kommen, um die Sicherung der Wahlurnen zu gewährleisten. Die Teilnehmer dieses Protests teilen sich in mehrere Gruppen auf, um sämtliche Wahllokale in ihren Stadtvierteln zu schützen. An einigen Wahllokalen ist bereits die Polizei eingetroffen. Und Sie verstehen, dass auch das ein sehr dramatischer Moment ist, denn Serbien gehört gerade zu jenen Ländern, in denen nicht nur wichtig ist, wer wie abstimmt, sondern auch, wie ausgezählt wird. In dieser Hinsicht gibt es also einen ziemlich wichtigen Punkt, über den man sprechen muss: Wir wissen nicht, wann wenigstens die vorläufigen Ergebnisse dieser Wahlen veröffentlicht werden.

Bislang hat also kein einziges Meinungsforschungsinstitut solche Ergebnisse in den Medien bekannt gegeben, obwohl ich denke, dass sie buchstäblich in wenigen Minuten auch im Netz erscheinen werden. Aber wir sprechen bereits seit mehr als einer Stunde. Ich hatte aufrichtig gehofft, dass wir über die Ergebnisse dieser serbischen Wahlen sprechen können. Für mich sind sie sehr wichtig im Hinblick darauf, wie die Situation aussehen wird. Aber wir sehen, dass diese Ergebnisse, von denen ich gehofft hatte, dass sie in den nächsten 30 bis 40 Minuten vorliegen würden, leider noch immer nicht da sind.

Als ich Ihnen sagte, dass wir um 22 Uhr, also um 21 Uhr Belgrader Zeit, auf diese Ergebnisse warten würden, habe ich wiederum nicht berücksichtigt, dass es sich um ein Land handelt, in dem die Machthaber erheblichen Druck auf die Wahllokale ausüben können und versuchen werden, so auszuzählen, wie es ihnen gefällt. Auch das ist, denke ich, ein bekannter Umstand, den man immer im Hinterkopf behalten muss. Und genau deshalb könnten sie die vorläufigen Ergebnisse der Nachwahlbefragungen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückhalten, um eine mögliche Wahlfälschung, wenn Sie so wollen, nicht zu behindern.

Deshalb schaue ich jetzt auf die serbischen Informationsquellen, die ich verfolge, und sehe, dass auch sie sich in einer Art, ich würde sagen, Erwartungshaltung befinden und einfach nicht abwarten können, dass endlich etwas geschieht. Sie verstehen doch, was es für jede ernsthafte Zeitung, jedes seriöse Online-Medium bedeutet, als Erstes darüber zu berichten, wie die Wahlen ausgegangen sind, auf deren Ergebnis das ganze Land wartet. Im Moment berichten alle nur, dass die Stimmen ausgezählt werden. Und so wird möglicherweise niemand vorläufige Ergebnisse bekannt geben, von denen ich gehofft hatte, dass sie die gesamte Situation in Europa, auf dem Balkan und das Ausmaß der Unterstützung für Putin erheblich verändern könnten. Ich möchte daran erinnern, dass Serbien praktisch das einzige Land in Europa ist – und dann gibt es noch Bosnien und Herzegowina –, das bis heute als Kandidat für den Beitritt zur Europäischen Union keine Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängt hat.

Und einerseits ist der serbische Präsident Vučić in die Ukraine gereist. Sie wissen, dass er sogar an jener Sitzung der Karpaten-Gruppe teilgenommen hat, die vor Kurzem stattfand, anders als beispielsweise der ungarische Ministerpräsident Péter Magyar oder der slowakische Ministerpräsident Robert Fico, der übrigens gerade ebenfalls Kommunalwahlen in seinem Land hinter sich hat, also Lokalwahlen, bei denen er auch nichts Besonderes erreicht hat. Er hatte gehofft, die Kontrolle über die slowakische Hauptstadt Bratislava zu gewinnen, aber dort hat er nichts gewonnen.

Aber auch das war, wie Sie verstehen, ein Element des Wahlkampfs, das damit zusammenhing, zu zeigen, dass Serbien sich in Wirklichkeit von allen distanziert, die auf die eine oder andere Weise tatsächlich Einfluss auf seine außenpolitische Position nehmen könnten. Nun, daraus ist nichts geworden. Das heißt, all meine Absichten sind, wie Sie sehen, angesichts der Situation, die sich derzeit in Serbien entwickelt, ohne Ergebnis geblieben. Wir werden auf das Wahlergebnis in diesem Land warten, das uns, denke ich, schon bald zur Verfügung stehen wird.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп, Путін і Сі: новий порядок | Віталій Портников. 25.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 25.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Vučić hat die Wahlen verloren | Vitaly Portnikov. 26.10.2026.

Einer der letzten Putin-Anhänger in Europa, der ehemalige serbische Präsident Aleksandar Vučić, der versucht hatte, seine Macht zu bewahren, indem er vom Staatsoberhaupt zum Ministerpräsidenten der serbischen Regierung werden wollte, musste seine Niederlage bei den Parlamentswahlen eingestehen.

Sein Bündnis unterlag dem Bündnis „Studentenliste“ mit einem Rückstand von fast zehn Prozentpunkten. Damit kann die Opposition, deren Anhänger und Aktivisten mehrere Monate hintereinander gegen das Regime Vučićs protestiert hatten, eine Regierung bilden und ist nicht auf Koalitionspartner angewiesen. Allerdings schafften es die anderen politischen Parteien Serbiens, mit Ausnahme der Parteien nationaler Minderheiten, denen eine Vertretung in der Skupština garantiert ist, überhaupt nicht ins Parlament.

Es handelte sich um eine erbitterte Auseinandersetzung zwischen dem Studentenbündnis und Vučić. Und Vučić verlor für ihn selbst unerwartet die Macht. Übrigens hatten die Meinungsumfragen vor diesen Wahlen ein solches Ergebnis nicht erwarten lassen. Möglicherweise deshalb, weil unter den Bedingungen eines faktisch autoritären Regimes viele Menschen, die die Fragen der Meinungsforscher beantworteten, einfach Angst hatten, zu sagen, dass sie gegen Aleksandar Vučić und seine Liste stimmen würden.

Die 14-jährige Herrschaft der serbischen chauvinistischen Radikalen geht damit zu Ende. Diese politische Kraft ist ihrem Ursprung nach mit dem diktatorischen Regime von Slobodan Milošević verbunden, dem Organisator der Kriege auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens. Aleksandar Vučić war der wichtigste Propagandist dieses diktatorischen Regimes, erhielt aber im Gegensatz zu Milošević selbst und dessen Mitstreitern die Möglichkeit, seine Karriere auch nach dem Zusammenbruch der Diktatur fortzusetzen, nachdem Slobodan Milošević selbst und der Führer der serbischen Radikalen sowie politische Lehrmeister Vučićs, Vojislav Šešelj, vor dem Haager Tribunal auf der Anklagebank gelandet waren.

Vučić wird häufig mit dem ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán verglichen. Doch selbst im Vergleich zum früheren ungarischen Regierungschef erscheint Vučić als ein wesentlich vorsichtigerer und gefährlicherer Anhänger des Kremls. Anders als Orbán hat Vučić niemals Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängt, obwohl er gleichzeitig den Status Serbiens als EU-Beitrittskandidat bewahrte. Serbien ist der einzige EU-Beitrittskandidat, der sich geweigert hat, solche Sanktionen gegen den Aggressorstaat zu verhängen. Und Vučić ist bis heute stolz auf diese Leistung.

In seiner Rede, in der er die Niederlage eingestand, sagte der ehemalige serbische Präsident, seine Gegner würden schon in wenigen Monaten Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängen. Offensichtlich ist diese für ein EU-Beitrittskandidatenland notwendige Entscheidung in Vučićs Augen ein politisches Verbrechen. Und das, obwohl der überwiegende Teil der Wirtschaftsbeziehungen Serbiens keineswegs mit der Russischen Föderation besteht, sondern gerade mit der Europäischen Union.

Während Vučić die besonderen Beziehungen zu Moskau aufrechterhielt und die Sympathien der serbischen Gesellschaft für eines der abscheulichsten Länder der heutigen Welt pflegte, scheute er sich nicht, die Ukraine dafür zu benutzen, den Europäern zu zeigen, dass er ihre Einwände zur Kenntnis nimmt. Eine seiner letzten Auslandsreisen vor seinem Rücktritt vom Amt des serbischen Präsidenten führte Vučić ausgerechnet in unser Land, als er zu einem Treffen der Karpaten-Gruppe kam, das auf Initiative des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky einberufen worden war.

Wir verstehen, dass das Treffen selbst, wie viele von Kyiv organisierte Veranstaltungen, ausschließlich zeremoniellen Charakter hatte und die Gipfelteilnehmer zu keinerlei tatsächlichen Entscheidungen verpflichtete – abgesehen von der Anreise und der Anwesenheit auf dem offiziellen Gruppenfoto. Für Vučić war dies jedoch eine Gelegenheit, sowohl die europäischen Staats- und Regierungschefs als auch seine eigenen Wähler daran zu erinnern, dass er der Ukraine wohlgesinnt sei und sein Land somit im russisch-ukrainischen Krieg neutral bleibe.

Eine glatte Lüge, wenn man bedenkt, dass die Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation eine wesentlich realere und ernsthaftere Entscheidung ist als die Bereitschaft, in die Ukraine zu reisen und an protokollarischen Treffen teilzunehmen, die niemanden zu irgendetwas verpflichten.

Vučić, der seine politische Niederlage nur schwer verkraftet, macht dafür nicht nur diejenigen verantwortlich, die sich gegen sein autoritäres Regime gestellt haben, sondern vor allem die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union und sogar irgendeinen mythischen „tiefen Staat“, der sich in den Vereinigten Staaten gegen den Präsidenten dieses Landes, Donald Trump, stellt. Wie wir sehen, will Vučić selbst in seiner Rolle als serbischer Oppositionsführer weder Trump persönlich noch die amerikanische Regierung beschuldigen.

Doch hier geht es überhaupt nicht darum, wen der nunmehr ehemalige serbische Präsident, der auch nicht mehr Ministerpräsident des Landes werden wird, heute dafür verantwortlich macht, dass sich all seine Hoffnungen auf den Machterhalt als vergeblich erwiesen haben. Vielmehr geht es darum, inwieweit es der Opposition tatsächlich gelingen wird, das autoritäre Regime Vučićs abzubauen, das durch eine enorme Zahl krimineller Wirtschaftsbeziehungen mit Moskau verbunden ist. Und dabei ist es wichtig, nicht einfach nur eine neue Regierung zu bilden und mit der Veränderung des Landes zu beginnen. Hier bedarf es auch ernsthafter Antikorruptionsermittlungen gegen Aleksandar Vučić, seine Mitstreiter und die Mafia, die im vergangenen Jahrzehnt vieles im postkommunistischen Serbien bestimmt hat.

Nur wenn es gelingt nachzuweisen, dass Aleksandar Vučić nicht einfach einen autoritären Staat geschaffen hat, sondern auch ein unermüdlicher Baumeister einer kriminell-korrupten Pyramide war und nicht den Platz eines Oppositionsführers verdient, sondern einen echten Gerichtsprozess, werden wir sagen können, dass die Genesung der serbischen Gesellschaft von der Krankheit der Regime Miloševićs und Vučićs tatsächlich beginnt und Serbien eine Chance hat, in die Familie der europäischen Völker zurückzukehren, aus der seine sogenannten russischen Brüderchen es so hartnäckig herausgezogen haben – offensichtlich die größten Feinde der Entwicklung Serbiens und eines normalen Lebens in diesem Staat während der vergangenen Jahrhunderte.


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Art der Quelle: ArtikelВучич програв вибори| Віталій Портников. 26.10.2026.
Titel des Originals: Вучич програв вибори| Віталій Портников. 26.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 26.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Ein anderer Donald Trump | Vitaly Portnikov. 19.10.2026.

Інший Дональд Трамп. Віталій Портников. 19.10.2026.

Schon während seiner ersten Amtszeit im Oval Office kritisierte Donald Trump Europa für den Kauf russischen Gases und betonte, dass dadurch eine gefährliche Abhängigkeit vom Kreml entstehen würde. Es gibt bekannte A ML ufnahmen, auf denen deutsche Minister zu sehen sind, die über diese Worte des amerikanischen Präsidenten lachen. Heute erscheint dieses Lachen als hervorragender Beleg für Kurzsichtigkeit und mangelndes strategisches Denken. Schließlich war Berlin davor gewarnt worden, dass die Fertigstellung der Nord-Stream-Pipelines keineswegs dazu führen könnte, Putin in große Geschäfte mit Europa einzubinden, sondern zu einem großen Krieg in Europa.

Doch derjenige, der damals auf die Gefahren der Energieabhängigkeit hinwies, verhandelt heute unter völlig veränderten Umständen mit Putin über die Lieferung russischen Dieselkraftstoffs auf die Weltmärkte. Mehr noch: Medienberichten zufolge soll die Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen nach Europa und die Nutzung des ukrainischen Gastransportsystems für diese Lieferungen zu einer wichtigen Bedingung für die Beendigung des Krieges werden.

Es entsteht der Eindruck, als würde diese Entscheidungen bereits ein anderer Donald Trump treffen – ein ganz anderer Mensch als jener, der den Europäern von den Gefahren einer Abhängigkeit von Russland erzählte. Aber warum hat sich die Haltung des amerikanischen Präsidenten gegenüber russischen Energieträgern so stark verändert? Vielleicht, weil er die Aussicht auf eine Bündelung der Kräfte und eine amerikanische Beteiligung am russischen Geschäft erkannt hat? Vielleicht erscheint eine solche Abhängigkeit gar nicht mehr als so große Abhängigkeit, wenn man nicht nur von russischen Energieträgern abhängig ist, sondern auch von amerikanischen Gewinnen aus deren Verkauf?

Doch welche Motive Donald Trump auch immer haben mag, sie dürften sich kaum auf die Beendigung des Krieges auswirken oder die Einnahmen Russlands beeinflussen.

Erstens, weil die Europäer offenbar der Ansicht Trumps zugestimmt haben – jenes Trumps, der sie davon überzeugte, sich aus der Energieabhängigkeit zu lösen, und nicht jenes Trumps, der ihnen nun anbieten könnte, diese Abhängigkeit wiederherzustellen. Der Verzicht auf russisches Gas – zumindest auf Pipelinegas – erfolgte in einem Tempo, mit dem selbst die Europäer nicht gerechnet hatten. Und selbst wenn man sich vorstellt, dass der Krieg endet und die Sanktionen gegen Russland gelockert werden: Wer sagt denn, dass Europa auf die Diversifizierung seiner Gaslieferungen verzichten wird? Schließlich hatte Trump recht: All diese Gaspipelines erwiesen sich als eine regelrechte Falle, mit deren Hilfe Putin Europa seine Bedingungen diktieren wollte – und möglicherweise noch immer diktieren will.

Zweitens: Russland hatte all das bereits. Es hatte eine Monopolstellung auf dem europäischen Markt, die durch jahrzehntelange Bemühungen sowjetischer und russischer Politiker und Energiefachleute aufgebaut worden war. Und es gab das ukrainische Gastransportsystem, das in der Lage war, größere Mengen russischen Gases zu transportieren, das in die europäischen Länder geliefert wurde.

Was tat Putin, als er gerade erst an die Macht gekommen war? Zunächst ersetzte er die Führung von Gazprom um den einflussreichen Mitbegründer des Konzerns Rem Wjachirew. Anschließend beauftragte er den neuen Gazprom-Chef Alexej Miller, der den Konzern inzwischen fast ebenso lange leitet, wie Putin Russland regiert, mit der Ausarbeitung eines Plans zum Bau sogenannter Umgehungspipelines – also eines Unterwassernetzes, das es ermöglichen sollte, auf die Dienste des ukrainischen Gastransportsystems zu verzichten. Und ungefähr zur selben Zeit begann die russische Propaganda, das mythische Bild eines Ukrainers zu erschaffen, der russisches Gas stiehlt und den man durch die Unterbrechung der Lieferungen erpressen kann. So begannen Putin und Miller, sich darauf vorzubereiten, auf die ukrainischen Dienstleistungen zu verzichten.

Mit anderen Worten: All das, was Trump Putin heute im Gegenzug für die Einstellung der Kampfhandlungen in der Ukraine und gemeinsame Energieprojekte anzubieten bereit ist, hatte Putin bereits. Und all das hat er für die Kontrolle über die Ukraine geopfert. Denn Putins politische Prioritäten unterscheiden sich erheblich von denen Trumps. Trump glaubt weiterhin an die Macht des Profits. Putin hingegen ist überzeugt, dass Profit mit Gewalt erwirtschaftet wird – genau das beweist er während seiner gesamten Herrschaft in Russland.

Deshalb wird aus den amerikanischen Vorschlägen an die Russen, Europäer und Ukrainer nichts werden. Putin will die Ukraine, und er ist überzeugt, dass er auf diese Weise auch ohne die Hilfe von Gazprom und Trump die Kontrolle über Europa erlangen wird – mit Gewalt. Die Ukrainer wiederum waren bereit, den Betrieb des Gastransportsystems sogar während des Krieges aufrechtzuerhalten, doch das hat uns nicht vor dem Krieg bewahrt.

Die Europäer haben einfach der Logik Donald Trumps vertraut, der sie vor fast zehn Jahren davon überzeugte, sich aus der Energieabhängigkeit von Russland zu lösen. Die Logik dieses „ersten“ Donald Trump gefiel uns allen besser.


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Titel des Originals: [Originaltitel]
Autor/Kanal: Інший Дональд Трамп. Віталій Портников. 19.10.2026.
Veröffentlichung: 19.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Schmutzige Tänze mit Trump | Vitaly Portnikov @tvoyemistoTV. 18.10.2026.

Moderator: Ich begrüße alle zu einem weiteren Treffen des Expertenclubs von „Tvoye Misto“. Dieses Format, zunächst Podcasts und später Treffen, wurde irgendwann im vergangenen Jahr von seiner Leiterin Svitlana Zhabjuk ins Leben gerufen, die auch Mitbegründerin und Redakteurin von „Tvoye Misto“ war.

Die Idee war, dass nicht nur zwei oder drei Menschen im Land alles kommentieren sollten – oder, wie wir heute sehen, geschieht das auch weltweit –, sondern dass Menschen, die wirkliche Fachleute und Experten in ganz unterschiedlichen Bereichen sind, die für die Entwicklung der Gesellschaft wichtig sind, gehört werden und dass Sie sich auch persönlich mit ihnen unterhalten können. So kamen wir damals zu diesem Format persönlicher Treffen, die ebenfalls aufgezeichnet werden, wie auch das heutige. Unser heutiges Treffen des Expertenclubs wird also dem Thema gewidmet sein, wie sich die Welt verändert und welche Rolle die Ukraine auf der erneuerten oder neuen Weltkarte spielt. Und ich denke, der beste Redner dafür ist natürlich Vitaly Portnikov.

Wir hatten im Frühjahr bereits ein Treffen in etwas kleinerem Kreis, bei dem Sie viel über jene geopolitischen Verschiebungen gesprochen haben, die in der Welt stattfinden. Ich denke, am besten beginnen wir unser heutiges Gespräch mit dem, was gerade aus Amerika kommt, mit den jüngsten Äußerungen von Donald Trump. Als ich hierherfuhr, fragte man mich in der Redaktion: „Was meinst du, Taras, ist das etwas Bewusstes oder sind das einfach irgendwelche Stimmungsschwankungen, eine herbstliche Verschlimmerung?“ Was meinen Sie, was geschieht heute mit Donald Trump, der noch vor wenigen Tagen, vor einigen Wochen, eine Menge positiver Dinge über die Ukraine gesagt hat und jetzt plötzlich wieder alles verändert hat?

Portnikov: Ich würde mit den globalen Gesetzmäßigkeiten beginnen, denn man kann diese Frage aus journalistischer Sicht beantworten oder aus der Perspektive jener Veränderungen, die sich vor unseren Augen im Leben und in der Geschichte der Menschheit vollziehen. Bis zu einem gewissen Grad ist es durchaus symbolisch, dass wir dieses Treffen auf dem Stanisław-Lem-Platz abhalten. Eines der letzten Bücher von Stanisław Lem war sehr populär. Ich erinnere mich, dass man damals, als es erschien, mit diesem Buch den Salon der Fluggesellschaft LOT betrat und sah, dass die Sitznachbarn in verschiedenen Reihen es ebenfalls lasen. Das war das Buch „Die Welt am Abgrund“, in dem Lem über die sehr rasche Entwicklung der Informationstechnologien, der künstlichen Intelligenz und der Biotechnologie sprach und vorhersagte – denn im Unterschied zu vielen anderen Menschen war er immer Pessimist und kein Optimist, und es wäre auch seltsam gewesen, von einem Menschen, der das Pogrom in Lwiw und die kommunistische Zeit überlebt hatte, etwas anderes zu erwarten –, dass dies sehr unerfreuliche Folgen für die Menschheit haben würde: eine schwere Krise der Zivilisation, das Auftreten von Menschen an der Spitze dieser Zivilisationen, die unfähig sind, sich von Werten leiten zu lassen, und einen solchen Triumph des lumpenproletarisierten Teils der Bevölkerung. Und all das wurde vor einigen Jahrzehnten geschrieben, und wir leben jetzt einfach darin, bereits ohne Lem, aber auf dem Lem-Platz. Und das ist tatsächlich bis zu einem gewissen Grad die Antwort auf die Frage.

Wir verstehen sehr gut, dass die jüngsten Wahlereignisse in den Vereinigten Staaten von Amerika und in vielen anderen Ländern, übrigens auch in der Ukraine, kein Triumph des politischen Wettbewerbs sind, kein Triumph des gesunden Menschenverstands, kein Wettbewerb von Werten und Ideen. Es ist ein Triumph der Informationstechnologien und des Geldes, mit dem Informationstechnologien gekauft werden. Das Ausmaß ist so gewaltig, so groß, dass Sie gesehen haben, was geschah, als ukrainische Drohnen irgendein unbedeutendes Rechenzentrum von Yandex trafen, nicht einmal das wichtigste. Plötzlich stellte sich heraus, dass die Landschaft der sozialen Netzwerke völlig anders war als das, woran wir uns im letzten Jahrzehnt gewöhnt hatten. Ich möchte Sie davon überzeugen, dass wir eine völlig andere Welt sehen würden, wenn jetzt die Rechenzentren der Russischen Föderation und der Volksrepublik China verstummen würden und wenn das Geld von Elon Musk vom Markt verschwände, das er seinerseits durch die Zusammenarbeit mit der Regierung des Präsidenten der Vereinigten Staaten erhält und für die Aufrechterhaltung der Tätigkeit dieser Regierung ausgibt.

Wir leben einfach in einer Matrix, ohne uns dessen überhaupt bewusst zu sein. Und Donald Trump ist die anschauliche Verkörperung des Sieges eben dieser Matrix. Ein Mensch ohne irgendwelche Werte, ohne irgendwelche Überzeugungen, mit einer Gier nach Bereicherung, mit der Bereitschaft, seine Interessen buchstäblich innerhalb von 24 Stunden gerade wegen dieser Gier nach Bereicherung zu ändern. Ein Mensch, der gleichsam aus den Karikaturen der Zeitschriften „Krokodil“ und „Perec“ über amerikanische Imperialisten ins Oval Office geflohen ist. Wir lachten darüber und dachten: Wie primitiv sind diese sowjetischen Propagandisten, wenn sie dieses Bild von Uncle Sam schaffen. Denn solche Menschen hatten wir nie gesehen, auch nicht in Amerika. Und plötzlich stellte sich heraus, dass man eine solche Figur buchstäblich im Reagenzglas neuer Informationstechnologien züchten und zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika machen kann. Und man kann eine riesige Zahl von Menschen dazu bringen, zu glauben, dass gerade der Erfolg einer solchen Figur ihnen selbst die Möglichkeit gibt, ihr Leben zu verbessern, obwohl es in Wirklichkeit nur schlechter wird. Und ein kleiner Spoiler: Es wird auch weiterhin schlechter werden. Das lässt uns keineswegs kalt, im Gegenteil, es ist eher schlecht als gut, denn es ist schlecht, wenn der Einfluss der Vereinigten Staaten von Amerika schwächer wird. Aber es ist nun einmal so, wie es ist.

Wenn man also sagt, Trump habe plötzlich seine Position geändert, dann muss man feststellen: Trump war vom ersten Tag seiner politischen Karriere an gegen die Ukraine. Von dem Moment an, als er ins Weiße Haus kam, versuchte er, unsere Hilfe auszusetzen. Sie müssen sich daran erinnern, dass die Geschichten über die Javelins einfach mit dem Druck des Kongresses zusammenhingen, in dem die Demokraten die Mehrheit hatten. Das geschah unter dem Druck des Kongresses. Und jetzt hoffen wir doch darauf, dass Veränderungen im Kongress zu einer Ausweitung der Hilfe für uns führen können, weil Trump gezwungen sein wird, den Kongress zu berücksichtigen, den er jetzt nicht berücksichtigt. Trump suchte während seiner ersten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten nach Vereinbarungen mit Putin. Und sein damaliges Team, auf das er noch Rücksicht nehmen musste, zog ihn an Händen und Füßen von diesen Vereinbarungen weg. Wir wissen bis heute nicht, worüber sie bei diesen Treffen gesprochen haben, weil dort kein Dolmetscher des Weißen Hauses anwesend war, sondern nur ein Dolmetscher des Kremls. Als Trump nicht mehr Präsident war, blockierte er im Kongress erfolgreich die Hilfe für die Ukraine, die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten vorgeschlagen worden war, sodass der damalige und heutige Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, die Frage dieser Hilfe einfach nicht zur Abstimmung stellte. Und die Demokraten hatten damals nicht genügend Stimmen, um diesen Widerstand des Sprechers zu überwinden.

Was geschah infolgedessen? Wir verloren Awdijiwka. Das ist eine direkte Folge der Tätigkeit von Donald Trump. Als Präsident der Vereinigten Staaten veranstaltet Trump im Oval Office hysterische Ausbrüche gegenüber Zelensky, wofür natürlich alle gemeinsam Zelensky Vorwürfe machten. Aber das war ausschließlich ein Vorwand, die Suche nach einem Vorwand, um der Ukraine nicht zu helfen. Denn Trump war sich bewusst, dass er nach der Unterzeichnung dieses unglückseligen Rohstoffabkommens nicht mehr so einfach auf diese Unterstützung verzichten könnte, und tat alles Mögliche, um die Unterzeichnung zu verhindern. Denn es gab einen Teil seines Teams, der ihn buchstäblich dazu zwang, uns zu helfen, und uns sagte, wir sollten dieses Abkommen unterzeichnen. Das war Senator Lindsey Graham, damit Trump keine Trümpfe mehr in der Hand hätte und nicht erklären könnte, warum er uns nicht hilft. Und jetzt sind wir in einer neuen Phase angekommen, in der das Gesetz von Lindsey Graham verabschiedet wurde und hier alle vor Freude tanzten. Und ich fragte die ganze Zeit: „Warum freut ihr euch denn eigentlich? Was ändert sich durch dieses Gesetz? Glaubt ihr wirklich, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, der den Zollkrieg gegen China bereits verloren hat, Sanktionen gegen die Volksrepublik China verhängen wird? Wie stellt ihr euch das vor?“ Ohne Sanktionen gegen China haben all diese Gespräche über die Bestrafung der Abnehmer russischen Öls keinerlei Bedeutung, denn alle anderen Länder beziehen wesentlich geringere Mengen russischen Öls, die keinen Einfluss auf den russischen Haushalt haben. Und wie Sie sehen konnten, hat Trump dieses Gesetz zwar unterzeichnet, tat dies aber äußerst zurückhaltend, ohne große Zeremonien, ohne Journalisten. Es wurde einfach ein Foto veröffentlicht. Obwohl er, wie Sie wissen, normalerweise aus jeder Gesetzesunterzeichnung eine Show macht.

Ich kann also nicht sagen, dass hier jetzt etwas Neues geschieht. Ich halte das, was geschieht, sogar für einen Fortschritt und nicht für einen Rückschritt. Ich kann Ihnen sagen, warum. Denn als er beim letzten Mal zu dem Schluss kam, dass er die Möglichkeit habe, unsere Hilfe zu stoppen, kündigte er das öffentlich an. Das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten unter der Leitung von Pete Hegseth erklärte, dass es die Lieferung von Geheimdienstinformationen einstelle, dass es die Waffenlieferungen einstelle – damals galt noch das Hilfspaket von Biden –, dass es alles einstelle. Jetzt schweigen sie, sie verheimlichen es.

Moderator: Nun, sie haben bereits gesagt, dass sie nichts eingestellt haben.

Portnikov: Dass sie die Lieferung von Geheimdienstinformationen nicht ausgesetzt haben. Sie werden auch sagen, dass sie Starlink nicht gedrosselt haben. Sie verhalten sich wie Saboteure im Einsatz, machen still und heimlich irgendetwas und geben es nicht zu. Und wie Sie verstehen, kann das ohnehin nicht lange so weitergehen.

Moderator: Und was kann sich ändern?

Portnikov: Nichts, alles wird zurückkehren. Entweder werden sie sagen: „Ja, wir stellen alles ein“, aber dazu werden sie nicht den Mut aufbringen, weil sie in wenigen Tagen Zwischenwahlen haben. Oder sie werden zur Normalität zurückkehren, ihnen bleibt nichts anderes übrig. Alle sagen: „Man darf Donald Trump nicht beleidigen, man muss alles tun, was er sagt, sonst wird er wütend.“ Nein, das funktioniert ganz anders. Donald Trump versteht nur Stärke und die Möglichkeit, zu verlieren. Wenn man Angst vor ihm hat, wird er einen mit Füßen zertreten, genau wie Putin. Diese Menschen verstehen nur die Sprache der Stärke. Alle haben bereits versucht, mit Donald Trump so zu sprechen: „Ach, schau mal, mein Kleiner, hier ist so ein Püppchen, schau mal.“ Alle europäischen Staats- und Regierungschefs haben vor ihm getanzt. Der NATO-Generalsekretär führte überhaupt irgendwelche akrobatischen Kunststücke auf. Und was hat das gebracht? Was hat das gebracht? Dass Trump jetzt Besprechungen über die Zukunft der NATO abhält und zu diesen Besprechungen gerade jene Länder nicht eingeladen werden, die den von Donald Trump geforderten Anteil der Verteidigungsausgaben erfüllen. Warum? Weil diese Länder in der Nähe Russlands liegen. All dieses Geld ist ihm völlig egal. Ich habe immer gesagt, dass dieses Geld für ihn ausschließlich ein Vorwand ist, um die NATO zu zerstören.

Wie Putin verlangt er von uns ständig Unmögliches, damit wir nicht zustimmen und er die Fortsetzung des Krieges legitimieren kann. „Schneidet euch doch den Kopf ab, dann kehren wir an den Verhandlungstisch zurück.“ Genauso denkt sich Trump ständig Bedingungen aus, die seine Partner seiner Meinung nach nicht erfüllen werden, damit er sagen kann: „Wir brauchen keine NATO.“ Und wenn das nicht geschieht, wenn sie alle seine Bedingungen erfüllen, stellt sich am Ende heraus, dass die NATO trotzdem nicht gebraucht wird. Und es stellt sich heraus, dass man gerade jene Länder ignorieren kann, die Donald Trumps Bedingungen erfüllen. Da haben Sie die Beispiele. Was soll man da machen? So ist diese Regierung.

Wir müssen also verstehen, dass wir erstens den 3. November 2026 erleben müssen. Das ist sehr wichtig. Danach beginnt eine neue politische Epoche, und dann werden wir sehen und entscheiden können. Wenn es einen demokratisch dominierten Kongress gibt, wenn es eine demokratische Mehrheit gibt, müssen wir mit dieser Mehrheit zusammenarbeiten, um die Regierung zu zwingen, im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten von Amerika zu handeln. Das ist unsere gemeinsame Aufgabe und die der Amerikaner. Wenn es in den Vereinigten Staaten von Amerika einen Bürgerkrieg gibt, was durchaus möglich ist, falls Trump die Wahlergebnisse nicht anerkennt – in welcher Form, weiß ich nicht, aber es kann geschehen. Und wenn Sie dem skeptisch gegenüberstehen, erinnern Sie sich daran, dass alle auch dem Sturm auf das Kapitol skeptisch gegenüberstanden. Ich erinnere mich sogar nicht nur daran, dass man skeptisch war. Ich erinnere mich, dass ich während des Sturms auf das Kapitol mit einem Kollegen irgendwo war, ich weiß nicht mehr, in irgendeinem Café, und er sagte zu mir: „Schau mal auf den Bildschirm, da besetzen irgendwelche Leute das Kapitol.“ Und ich erlebte, würde ich sagen, ganz deutlich diesen Effekt, dass ein Mensch etwas sieht und es nicht sehen will. Ich sagte zu ihm: „Das kann nicht sein.“ „Wie kann das nicht sein? Schau, sie gehen die Treppe hinauf.“ „Nein, das kann nicht sein. Dort gibt es doch Sicherheitskräfte, dort gibt es solche Sicherheitsmaßnahmen. Das kann nicht sein. Das ist irgendein Fake.“ Ich trank noch ungefähr 15 Minuten weiter meinen Kaffee. Nach 15 Minuten dachte ich: „Nein, ich muss mich zusammenreißen. Das geschieht wirklich.“

Moderator: Wenn Sie sagen, dass er schon immer so war, dass es keine Stimmungsschwankung ist, sondern eine zielgerichtete Politik seit seiner vorherigen Amtszeit: Was ist sein Endziel?

Portnikov: Das Endziel ist, die Welt unter drei starken Männern aufzuteilen: sich selbst, Putin und Xi Jinping. Wobei völlig unklar ist, wozu er diese Welt braucht, wenn er 2029 das Präsidentenamt verlassen will. Aber wir müssen verstehen, dass er in seinen Fantasien vielleicht überhaupt nicht gehen wird. Noch einmal: Dieser Mensch lebt in seiner eigenen Welt. In seiner Welt kann seine Macht niemals enden. In seiner Welt wird Donald Trump Junior der nächste Präsident sein. In seiner Welt kann alles Mögliche geschehen. Erinnern Sie sich, dass er noch vor Kurzem einen Friedensrat gründete? Das haben schon alle vergessen. Erinnern Sie sich? Und er sagte, dass er lebenslanger Vorsitzender dieses Friedensrates sein werde und der Präsident der Vereinigten Staaten diesem Friedensrat als sein Sekretär angehören werde. Das hat er doch gemacht. Warum sollten wir glauben, dass er nicht irgendwelche Möglichkeiten ausarbeitet, um nach 2029 an der Macht zu bleiben? Das alles muss nicht geschehen, aber er kann so denken.

Seine Welt ist also eine Welt, in der es drei starke Führer und drei starke Staaten gibt und alle anderen Länder ihren Willen erfüllen müssen. Kanada ist ein Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika. Es soll auf Trump hören. Die Ukraine ist eine gewöhnliche Region irgendwo am Rande Russlands. Sie soll auf Putin hören. Was gibt es da zu diskutieren? Worüber soll man da überhaupt reden? Das ist die ganze Idee. Sie ist so einfach wie die Windeln des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Falls er welche trägt, natürlich.

Moderator: Wenn wir jetzt den Atlantik überqueren und nach Europa zurückkehren: Sie haben gesagt und sehr gut bemerkt, dass die digitale Welt heute vieles entscheidet und das prägt, worin wir leben, darunter auch Rechenzentren, die einfach physische Hardware sind und von irgendjemandem gesteuert werden. Könnte es eine Situation geben, in der in Europa solche Donald Trumps auftauchen? Wir haben heute bereits von Marine Le Pen gehört, dass sie im Falle eines Sieges die Ukraine nicht militärisch unterstützen werde.

Portnikov: Sehen Sie, in Bezug auf Europa gibt es eine vollständige Übereinstimmung der Interessen zwischen der Russischen Föderation, den Vereinigten Staaten von Amerika und der Volksrepublik China. Daran darf man ebenfalls nicht zweifeln. In der Russischen Föderation hört man ständig, wie schlecht die Europäische Union sei, wie sie die nationalen Regierungen unterdrücke, wie sie Russland daran hindere, normal mit europäischen Regierungen und Völkern Handel zu treiben, wie die Europäische Kommission und Ursula von der Leyen Agenten des Weltkapitals seien. All das hören wir von russischen Beamten. In der nationalen Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten von Amerika steht ausdrücklich, dass die größte Bedrohung für Europa von transnationalen Organisationen wie der Europäischen Union ausgehe. Dort steht es schwarz auf weiß, dass die Europäische Union eine Bedrohung für Europa und die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa darstellt. Das ist der offiziell beschlossene Kurs dieser Regierung.

Die Volksrepublik China würde, wie Sie verstehen, ebenfalls lieber mit jeder einzelnen nationalen Regierung zusammenarbeiten als mit der Europäischen Union als solcher. Alle diese Akteure haben unglaubliche Anstrengungen unternommen, damit Großbritannien die Europäische Union verlässt. Das war eine echte geopolitische Katastrophe des 21. Jahrhunderts, sowohl für Großbritannien als auch für die Europäische Union. Wobei viele das bis heute noch nicht verstehen. Ganz zu schweigen davon, dass sich Großbritannien seit dem Brexit in einer permanenten politischen Krise befindet. Dort gibt es inzwischen, ich weiß nicht mehr, den siebten, achten oder wievielten Premierminister seitdem, man kann sie kaum zählen. Cameron, Theresa May, Boris Johnson, Liz Truss, Rishi Sunak, Starmer und der jetzige Premierminister. Das sind sieben. Sieben in diesem kurzen Zeitraum. So etwas hat es noch nie gegeben. Die beiden größten Parteien befinden sich in einer Krise, die Stimmungen radikalisieren sich, es gibt Probleme in der Wirtschaft. Und ich erinnere mich sehr gut daran, wie die Brexit-Befürworter an den Tagen der Brexit-Abstimmung sagten: „Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie Großbritannien aufblühen wird, wie wunderbar es sich ohne Migranten, ohne europäisches Diktat leben lässt. Niemand wird uns vorschreiben, wie wir zu leben haben.“ Ich weiß nicht, ob Sie in letzter Zeit in London oder Manchester waren, ob Sie dort Migranten gesehen haben oder nicht, aber das nur nebenbei. Ich werde diesen ganzen Unsinn nicht einmal diskutieren. Die Ergebnisse sind völlig klar. Wenn die Europäische Union heute Großbritannien umfassen würde, wäre der Einfluss der Länder des gesunden Menschenverstands in Europa wesentlich stärker. Und da man immer auf Großbritannien hören musste, um es in der Union zu halten, wäre auch die antirussische Haltung der Europäischen Union heute wesentlich entschiedener. Stattdessen haben wir die Unterstützung Großbritanniens, das aber politisch von Europa isoliert ist.

Moderator: Könnte in dieser Situation eine neue, ich weiß nicht, Sicherheitsarchitektur zwischen diesen Ländern entstehen, unabhängig von der Europäischen Union? Oder könnte Großbritannien irgendwann einen Ausstieg aus dem Brexit vollziehen und eines Tages zurückkehren?

Portnikov: Ich denke, dass es jetzt gerade Schritte geben wird, die auf die Zerstörung der Europäischen Union als solcher abzielen. Und tatsächlich werden diese Schritte sowohl von der amerikanischen Regierung als auch vom Kreml unternommen. Einer der ersten solchen Schritte ist zweifellos die technologische und finanzielle Unterstützung ultrarechter Kräfte auf dem gesamten Kontinent. Und auch das verheimlicht niemand. Führende Vertreter der Vereinigten Staaten treten in europäischen Hauptstädten mit rechtspopulistischen Manifesten auf. Sowohl JD Vance als auch Marco Rubio, und auch Elon Musk verheimlicht das nicht. Dafür werden politische Ressourcen und Geld eingesetzt, Bots, Sabotageaktionen, die Verschärfung von Migrationskrisen. All das ist der Nährboden, auf dem das Ansehen von Parteien wie der Alternative für Deutschland und von Politikern wie Marine Le Pen wächst. Das ist ein realer Einfluss von außen.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass ich 2022, vor der großen Invasion, in meinen Sendungen gerade darüber sprach, dass ich große Angst hatte, der Zustrom von Millionen Migranten aus der Ukraine könnte zu einer Migrationskrise vom Ausmaß der syrischen Krise führen und dadurch den Einfluss rechtsradikaler Kräfte in ganz Europa stärken. Das ist zum Glück nicht geschehen, aber es geschieht jetzt. Und all diese Angriffe auf die Ukraine sind ebenfalls Teil der Bemühungen, eine neue Welle der Migrationskrise auszulösen, also eine neue Migrationswelle, eine Migrationskrise zu organisieren: „Wenn man den Ukrainern jetzt nicht mehr mit derselben Begeisterung begegnet wie 2022, dann versuchen wir doch, sie noch einmal dorthin zu schicken.“ Auch das gehört zu diesem Kalkül. All das ist eine reale Gefahr.

Moderator: Und außerdem bedeutet das den Verlust von Menschen. Hier sind viele Unternehmer anwesend, die das sehr stark spüren.

Portnikov: Natürlich, und sie werden es auch weiterhin spüren, denn all das wird nicht aufhören. Auch das gehört also zu dieser Geschichte. Die Zerstörung des europäischen Projekts ist eine der wichtigen Aufgaben der rechtspopulistischen und auch linkspopulistischen Kräfte in Europa, die im Grunde Kräfte des äußeren Einflusses entlang der Achse Washington–Moskau–Peking sind. Und ich glaube, Sie können sich nicht einmal vorstellen, welche Summen dafür ausgegeben werden. Übrigens nicht nur von Amerikanern und nicht nur von Russen. Wenn Sie den Fernseher einschalten, falls Sie ihn überhaupt noch einschalten, und dort einen ukrainischen Experten sehen, der mit kluger Miene sagt: „China ist sehr daran interessiert, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine endet, und sucht nach politischen Mechanismen, während unsere Regierung keinen ernsthaften Dialog mit Peking zustande bringt“, dann wissen Sie, dass für diesen wunderbaren Menschen nicht nur ein Yuan ausgegeben wurde. Alle russischen Rubel, die zur Unterstützung der ukrainischen Pseudoelite eingesetzt wurden, sind jetzt durch chinesische Yuan ersetzt worden. Es ist im Grunde dasselbe. Oder Dollar, das spielt keine Rolle. Entscheidend ist die Herkunft dieser Währung.

Moderator: Früher gab es den Pessimisten Stanisław Lem. Jetzt haben wir den Realisten Vitaly Portnikov, der uns auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Aber vielleicht könnten wir zum Positiven übergehen, denn bei unserem vorherigen Treffen des Expertenclubs sprach Pavlo Sheremeta, der ehemalige Minister für Wirtschaft und Handel, darüber, dass es eine Studie gibt, der zufolge Optimisten im Durchschnitt acht Jahre länger leben.

Portnikov: Wenn sie überleben.

Moderator: Das klang fast optimistisch. Wenn wir nun auf unsere Eigenständigkeit schauen: Was kann die Ukraine in all dem tun? Ich erinnere mich, dass ungefähr 1990, wenn ich mich nicht irre, Dmytro Pawlytschko von der Tribüne der Werchowna Rada aus die damalige Margaret Thatcher bat, eine britische Botschaft in Kyiv, in der Ukraine, zu eröffnen. Darauf antwortete sie, dass unterworfene Länder diese Möglichkeit, dieses Recht nicht hätten, und lächelte sogar. Seitdem sind gerade einmal 35 Jahre vergangen. Im historischen Kontext ist das wahrscheinlich sehr wenig. Und wir haben nicht nur eine Botschaft, die die Ukraine aktiv unterstützt, sondern inzwischen gibt es sogar in Lwiw ein Büro des britischen Königs. Bedeutet das, dass wir in einem ziemlich kurzen Zeitraum einen Quantensprung gemacht haben, besonders in den letzten Jahren, was die Veränderung unserer Eigenständigkeit in der Welt betrifft?

Portnikov: Nun, Margaret Thatcher sagte Dmytro Pawlytschko einfach die Wahrheit. Man muss nicht mit einer Botschaft anfangen, sondern mit der eigenen Eigenständigkeit. Wenn du eigenständig bist, wirst du eine Botschaft haben. Wenn du nicht eigenständig bist, wird dir keine Botschaft helfen. Übrigens gab es damals, als Dmytro Pawlytschko sich an Margaret Thatcher wandte, bereits eine völlig vollwertige Vertretung der Ukrainischen SSR bei den Vereinten Nationen, mit eigenem Büro, einem Ständigen Vertreter und allem, was auch andere souveräne Staaten hatten, außer einer einzigen Sache: der Souveränität und der Möglichkeit, eigene außenpolitische Entscheidungen und überhaupt irgendwelche eigenen Entscheidungen zu treffen. In dieser Hinsicht war das meiner Meinung nach eine absolut nüchterne Antwort. Überhaupt erscheint vieles, was damals nüchtern war und wie Unsinn klang, heute wie eine Vorhersage, die sich bewahrheitet hat. Wir diskutieren immer als Zeichen geopolitischer, würde ich sagen, Kurzsichtigkeit die berühmte Rede des Präsidenten der Vereinigten Staaten, George Bush senior, vor der Werchowna Rada der Ukraine im August 1991, in der George Bush uns aufforderte, Gorbatschows erneuerte Union zu unterstützen. Und diese Rede wurde damals natürlich sehr kritisch aufgenommen. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass ich die Entwürfe dieser Rede noch in Moskau von dem Team sah, das George Bush begleitete, und ihnen sagte, dass es ein gewaltiger Fehler wäre, wenn er das verkünden würde. Denn wenn die Ukraine unabhängig werde – ich sagte ihnen, dass dies in den nächsten Jahren geschehen könnte, nicht in Wochen, sondern in Jahren; ich dachte nicht, dass es den Putsch des Staatskomitees für den Ausnahmezustand geben und sich dadurch alles so beschleunigen würde –, dann würde diese Rede, gelinde gesagt, strategisch nicht besonders begründet erscheinen. Und sie sagten mir, George Bush senior werde dann schon nicht mehr Präsident der Vereinigten Staaten sein, und das werde keine Bedeutung mehr haben. Niemand erwartete, dass es so unmittelbar geschehen würde.

Aber wovon ließ sich George Bush leiten, als er das sagte? Er sagte, dass im Falle der Unabhängigkeit der Ukraine große Kriege unvermeidlich seien. Er stützte sich auf die Erfahrungen des Krieges im ehemaligen Jugoslawien, der damals stattfand, und übertrug die Erfahrungen Russlands und der Ukraine auf die Erfahrungen Serbiens und Kroatiens. Das heißt, das Gefährlichste für Staaten wie die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien oder die Sowjetunion ist ein Konflikt zwischen den beiden wichtigsten Teilstaaten. Denn Konflikte zwischen kleineren Teilstaaten und sogar zwischen der Metropole und kleineren Teilstaaten erwecken den Eindruck von Stabilität. Vereinfacht gesagt erweckte die lange Krise in den Beziehungen zwischen Serbien und seiner Autonomie Kosovo nicht den Eindruck eines großen Krieges. Das, was mit den georgischen Autonomien und mit Transnistrien in Moldau geschah, erweckte nicht den Eindruck eines großen Krieges. Der Karabach-Konflikt wurde einfach als ethnischer Zusammenstoß zweier Völker wahrgenommen.

Als aber der Krieg zwischen Russland und der Ukraine begann, verstanden alle, wie die Welt und Europa künftig aussehen würden und was auf uns zukommen würde. Dasselbe geschah, als es den Krieg zwischen Serbien und Kroatien gab. Er zerriss Jugoslawien buchstäblich und weitete sich auf Bosnien aus, auf den Konflikt zwischen den Serben in Kroatien und der dortigen muslimischen Bevölkerung. Das wurde also zu einer einzigen großen Katastrophe. Und all das geschah gerade 1991. Wir müssen anerkennen, dass George Bush eine absolut richtige Prognose abgegeben hat, die sich erst später erfüllte. Sein Problem war, dass unsere Unabhängigkeit eintrat, als er Präsident war, unser Krieg aber erst stattfand, als er nicht mehr Präsident war. Wenn das unmittelbar geschehen wäre, würde seine Rede als geniale Vorhersage der Zukunft gelten, wenn Sie sie heute noch einmal lesen.

Dabei erwies sich sogar die von ihm genannte Ursache dieses Krieges als geniale Vorhersage der Zukunft, denn er sprach in seiner Rhetorik von nationalistischen Stimmungen in der Ukraine. Aber genau das ist doch das Wesen der russischen Haltung zu dieser Frage. Sobald die Russen sahen, dass die Ukrainer in ihrem eigenen nationalstaatlichen Paradigma leben wollten und nicht einfach ein Randgebiet der Sowjetunion und eine umbenannte Sowjetrepublik sein wollten, sobald sie sahen, dass die Ukrainer bereit waren, ihre eigene geopolitische Wahl zu treffen – was im Grunde Nationalismus ist, wenn ein Land selbst entscheiden will und nicht nach dem Diktat der Metropole –, begannen sie einen großen Krieg zur endgültigen Lösung der ukrainischen Frage und zur Vernichtung des ukrainischen Staates. Was war daran falsch? Wir wollten einfach, dass all das falsch wäre, aber es war richtig.

Die Sache ist nur, dass man Menschen mit solchen Prognosen nicht davon abhalten kann, frei sein zu wollen. Aber die Menschen verstehen manchmal nicht einmal, dass sie, wenn sie sich für die Freiheit entscheiden, zugleich eine Entscheidung zugunsten des Krieges treffen. Wann begann der russisch-ukrainische Konflikt tatsächlich, der auf keine andere Weise als durch Krieg und die gegenseitige Vernichtung dieser beiden benachbarten Völker gelöst werden konnte? Am 24. August 1991, als eindeutig erklärt wurde, dass die Ukraine und Russland zwei verschiedene Staaten sein würden. Alle Voraussetzungen für diesen Konflikt wurden damals geschaffen. Und Sie wissen, dass ich einer derjenigen war, die das schon damals verstanden und alles Mögliche zu tun versuchten, damit es nicht dazu kam.

Gerade wenn ich an diese Zeit der Auseinandersetzung zwischen Pawlytschko und Margaret Thatcher denke, erinnere ich mich daran, dass ich meiner Meinung nach der einzige Publizist im gesamten postsowjetischen Raum war, der einen großen Text gegen die Unabhängigkeit der Russischen Föderation schrieb. Denn damals entstand die, wie ich bis heute finde, völlig bizarre Idee einer Unabhängigkeit Russlands von der Sowjetunion. Wie soll das gehen? War die Sowjetunion etwa nicht Russland? Ich schrieb in Moskau einen großen Artikel für die „Nesawissimaja Gaseta“, den ich irgendwann auch auf Facebook veröffentlicht habe. Darin sagte ich, dass die Russische Föderation gemeinsam mit denen, die eine erneuerte Union schaffen wollten, eine erneuerte Union gründen müsse, gemeinsam mit denen, die mit Russland in dieser erneuerten Union zusammen sein wollten und die ihre Unabhängigkeit als solche nicht erklärt hatten. Wir wussten, wer das war. Das war die Russische Föderation, das war die Mehrheit der Länder Zentralasiens. Zumindest Kasachstan, Tadschikistan, Turkmenistan und Kirgisistan. Wahrscheinlich alle mit Ausnahme Usbekistans. Das war die Republik Belarus. Eine riesige Grundlage für eine erneuerte Union.

Und wir, die Länder, die ihren Austritt aus der Union und die Aufkündigung des Unionsvertrags erklärt hatten – Lettland, Litauen, Estland, die Ukraine, die Republik Moldau und wahrscheinlich Armenien, Georgien und Aserbaidschan –, würden unseren eigenen Weg gehen. Wobei wiederum jedes Land selbst entscheiden würde, ob es dieser erneuerten Union beitreten möchte oder nicht. Ihr schafft in eurem Staat diese erneuerte Union, und wir unterhalten gute Beziehungen zu euch als Union. Wir sind gegangen, ihr seid geblieben, alles ist in Ordnung. Von wem erklärt ihr eure Unabhängigkeit?

Und damals, ich habe das schon mehrfach erzählt, traf sich Boris Nikolajewitsch Jelzin nach diesem Artikel mit mir und sagte: „Drei Punkte, merk dir drei Punkte. Verstehst du? Erstens: Ich will Gorbatschow loswerden.“ Nun, verständlich, „er hindert mich daran, Reformen durchzuführen“. Das klingt logisch. Wir sehen heute, was das für Reformen waren. „Zweitens: Die russischen Republiken, die jetzt aus der Russischen Föderation austreten und Unionsrepubliken werden keinen Ort mehr haben, wohin sie austreten können.“ Nun, verständlich, der Tschetschenienkrieg. Wir wissen, wozu das führte. Zu zwei Tschetschenienkriegen, zu Flächenbombardements von Grosny, zum Tod Tausender Menschen. Das war der zweite Punkt. Und als dritten Punkt sagte er: „Du musst wissen, welcher der wichtigste ist.“ „Und welcher ist der wichtigste?“, fragte ich. „Mit der Ukraine“, sagte Boris Nikolajewitsch, „bin ich Präsident eines europäischen Staates, und ohne die Ukraine bin ich Präsident eines asiatischen Staates. Und Präsident eines asiatischen Staates will ich nicht sein und werde ich nicht sein.“ Und er ging.

Und das geschah noch vor dem 1. Dezember 1991. Am 1. Dezember 1991 begann die Idee, die Ukraine in eine erneuerte Union hineinzuziehen. Aber schon davor hatte der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Waschtschanow, gerade am 24. August 1991 erklärt: „Wir haben keinerlei Ansprüche gegenüber den ehemaligen Unionsrepubliken, die ihre Unabhängigkeit erklären, solange sie sich mit uns in einer Union befinden, und behalten uns das Recht auf solche Ansprüche vor, wenn sie aus einer solchen Union austreten.“ Das wurde doch alles sofort gesagt. Wir hatten, bildlich gesprochen, diesen Unabhängigkeitsakt noch nicht einmal ausdrucken können. Und sie hatten das bereits gesagt.

Nur hatten die Russen bis zum Jahr 2000 und irgendetwas, ich weiß nicht einmal genau bis wann, wahrscheinlich bis 2019, immer noch die Illusion, dass sie die Ukraine auf politischem Wege zurückholen könnten. Und selbst wenn in dieser Ukraine plötzlich Ukrainer, ukrainisch denkende Menschen, an die Macht kamen, würden sie später trotzdem Revanche nehmen. „2004 kamen sie an die Macht und veranstalteten einen Aufstand. Wir nahmen 2010 Revanche. 2014 kamen sie an die Macht und veranstalteten einen Aufstand. Wir nahmen 2019 Revanche.“ Die Erkenntnis, dass diese Revanche von 2019 keine solche Revanche war wie die von 2010 und dass Zelensky, um Putin zu zitieren, „Angst vor den Nationalisten bekam“ – das ist ein wörtliches Zitat –, bestimmte im Grunde all das voraus, worin wir heute leben. Aber wir hätten schon sehr viel früher so leben müssen, wenn sie nicht in ihren Illusionen gelebt hätten. Mehr als 30 Jahre.

Moderator: Als sie also begriffen, dass wir niemals mit ihnen zusammen sein würden, beschlossen sie im Grunde, einfach zu versuchen, uns zu vernichten.

Portnikov: Nun, wenn wir von „uns“ sprechen, nehmen wir uns wieder einmal viel zu wichtig. Die Russen brauchen uns so nötig wie ein Kropf. Sie brauchen nicht uns, sie brauchen ukrainischen Boden, Territorium. Die ukrainische Bevölkerung brauchen sie nicht. Überschätzen Sie sich nicht, sozusagen. Bei ihnen gibt es, entschuldigen Sie: „Sibirien allein – unermesslich weit! Wie viel Kerker! Wie viel Leut!“ Aber in Sibirien gibt es schon niemanden mehr. Hinter dem Ural lebt niemand. Wie groß ist der Bevölkerungsanteil der föderalen Bezirke Ural, Sibirien und dieses, wie heißt es, Fernost? Zehn, fünfzehn, zwanzig Prozent der Bevölkerung der Russischen Föderation? Alle leben dort, wo sie schon immer lebten, zwischen Wladimir, Susdal und Moskau. Aber ihr Territorium gefällt ihnen, weil dieses Territorium sie zum größten Land der Welt macht. Es erlaubt ihnen, irgendeinen Blödsinn über einen Tunnel zwischen Alaska und Tschukotka zu erzählen, verstehen Sie? Und ein solcher geopolitischer Akteur zu sein.

Um ein geopolitischer Akteur in Europa zu sein, und damit setze ich Jelzins Gedanken fort, brauchen sie ukrainisches Territorium. Je näher sie an den Orten sind, die sie mit ihren Raketen erreichen können, desto wichtiger ist ihre Rolle auf dem europäischen Kontinent. Zivilisatorisch haben sie doch nichts geschaffen außer Angst. Aber auch die Angst braucht Raum, um sich auszubreiten. Verstehen Sie, es ist eine Sache, wenn Sie es mit irgendeinem Banditen zu tun haben, der irgendwo in einer Arbeitersiedlung lebt und bei dem unklar ist, ob er mit seiner Vorortbahn überhaupt zu Ihnen gelangt. Vor allem, wenn Sie zwischen dieser Bahn und Ihrem Bahnhof Grenzbeamte und Polizei aufstellen und er ausschließlich auf seiner eigenen inneren Strecke fahren kann. Eine andere Sache ist es, wenn er den Bahnhof selbst besetzt. Die Ukraine ist für ihn ein solcher Bahnhof. Sie versuchen, ihn zu besetzen.

Moderator: Für ihn ist es so, aber für uns ist es ganz anders. Für uns sind die Menschen wichtig. Wir wissen ganz genau, dass es hier, sogar in unserem Publikum, Menschen gibt, die unglaubliche Spitzenleistungen erreichen und in ihren Geschäftsbereichen weltweit, in Europa und in der Welt, führende Positionen einnehmen. Sie kennen wahrscheinlich ebenfalls viele solche Beispiele. Bedeutet das, dass wir so etwas werden können wie, vereinfacht gesagt, Israel? Im Grunde ein kleines Land, das aber immer sehr einflussreiche Menschen hatte, natürlich auch infolge vieler schlimmer Jahrzehnte.

Portnikov: Vieler Jahrzehnte des Krieges, infolge vieler Jahrzehnte des Krieges.

Moderator: Nun, bei uns sind es auch schon zwölf Jahre, oder wenn man, wie Sie sagten, seit 1991 rechnet, dann ist es anders. Nur fand der Krieg damals wahrscheinlich auf einer anderen, kognitiven Ebene statt. Können wir genauso werden? Nicht nur, dass wir heute populär sind, dass die Ukraine populär wird, sondern können wir einflussreich werden, so wie die jüdischen oder protestantischen Gemeinschaften in Amerika oder wie es sie auch in vielen europäischen Ländern gibt? Wird die ukrainische politische Nation heute einflussreich? Und was müssen wir tun, damit wir, während der Feind hier den Boden schätzt, unsere Menschen besser wertschätzen und diese Menschen die Ukraine noch besser verteidigen können?

Portnikov: Nun, das ist eine gute Frage, weil sie die wichtigste Voraussetzung aufwirft: Wir können einflussreich sein, wenn wir den Staat bewahren. Und das sage ich den Ukrainern im Ausland ständig. Hoffen Sie nicht, dass Sie Ukrainer bleiben können, wenn es keinen Staat mehr gibt. Das wird bei den Ukrainern nicht so funktionieren wie, vereinfacht gesagt, bei den Juden oder Armeniern. Juden und Armenier sind auf die eine oder andere Weise abgeschlossene religiöse Gemeinschaften, die Armenier weniger, die Juden stärker, aber es sind trotzdem abgeschlossene religiöse Gemeinschaften, in denen schon das Gotteshaus von anderen Gotteshäusern getrennt ist. Man kann nicht einfach etwas anderes werden. Oder man muss sich selbst verändern, und nicht jeder ist dazu bereit. Die Ukrainer sind eine viel offenere Nation, weil sie Teil der allgemeinen orthodoxen und griechisch-katholischen Welt sind. Deshalb werden die Ukrainer ohne die Ukraine nicht überleben. Ich sage immer, dass man das verstehen und die Ukraine sowohl als Staat als auch als Land wertschätzen muss, das einem erlaubt, man selbst zu sein. Das ist der höchste Wert für einen Menschen: man selbst zu bleiben. Glauben Sie mir als einem Menschen jüdischer Herkunft. Das ist also der erste Punkt in Bezug auf den Einfluss.

Der zweite Punkt in Bezug auf den Einfluss ist eine realistische Haltung zum Dialog. Ich beginne ebenfalls zu denken, dass sich für uns jetzt neue Möglichkeiten eröffnen, falls es uns gelingt, in diesem Konflikt eine Art stabiles Plateau zu erreichen. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir die Möglichkeiten dieses ukrainischen Staates nutzen können, die Diaspora, die inzwischen viele Millionen Menschen umfasst. Ich sehe jetzt eine völlig neue Qualität der ukrainischen Diaspora in der Welt, in Europa, in den Vereinigten Staaten. Ich erinnere mich ganz genau daran, dass die Diaspora, der ich in den 1990er-Jahren begegnete, hinsichtlich des Einflusses und der Möglichkeiten ihrer Mitglieder nicht so war. Wenn ich mich mit der jüdischen und mit der ukrainischen Diaspora traf, verstand ich den Unterschied sehr gut. Selbst in den Vereinigten Staaten besuchte ich ukrainische Museen in Amerika und sah dort beispielsweise einen Gedenkraum für ein Mitglied irgendeiner städtischen gesetzgebenden Versammlung. Und in einem polnischen Museum gab es einen Gedenkraum für irgendeinen, sagen wir, polnischstämmigen Senator aus dem Bundesstaat Illinois. Da war also ein Pole, Senator des Bundesstaates Illinois. Das ist eine große Leistung der Diaspora.

Sie verstehen doch, dass es in einem jüdischen Museum keine Gedenkräume für Kongressabgeordnete gibt, weil man ein jüdisches Museum nicht in eine Flucht von Gedenkräumen verwandeln kann. Nun, es gab dort Kongressabgeordnete, und das war es dann auch. Wie viele es waren, werden wir nicht lange zählen. Das ist also keine Leistung. Die Leistung liegt in etwas anderem. Für Juden besteht die Leistung darin, dass die Gemeinschaft erhalten bleibt, und nicht darin, dass sie bestimmte Menschen an der Macht hat. Und das ist ein wichtiger Punkt, denn heute müssen wir darüber nachdenken, wie wir den Einfluss dieser Menschen nutzen können, die in großen Konzernen arbeiten, die übrigens Pastoren in großen Gemeinden werden. Völlig neue Menschen, völlig neue Prozesse, völlig neue Möglichkeiten. Menschen, die sich vor dem Hintergrund des ukrainischen Widerstands daran erinnern, dass sie Ukrainer sind. Im Grunde gibt der ukrainische Widerstand ihnen die Möglichkeit aufzuwachen, vielen Menschen, die sich vielleicht vorher nicht als Ukrainer empfunden haben.

Und ich sehe darin übrigens, würde ich sagen, Parallelen zum Jahr 1967 in der Sowjetunion, zu den Juden, von denen sich eine riesige Zahl einfach dafür schämte, Juden zu sein, weil man ihnen ständig sagte: „Wo wart ihr denn? Was habt ihr gemacht? Als Krieg war, haben wir alle gekämpft, und ihr wart in Taschkent, weil ihr nicht kämpfen könnt.“ Und selbst Menschen, die selbst Frontsoldaten waren, mit Orden, oder deren Großväter oder Großmütter im Krieg gefallen waren, schämten sich dafür, dass sie angeblich so unglücklich und unfähig zum Kämpfen waren, im Gegensatz zum russischen Menschen, diesem großen Krieger überhaupt. Und dann kam 1967, als Israel die sowjetischen Flugzeuge vernichtete, noch bevor sie starten konnten, sowjetische Militärinstrukteure tötete und die Armeen der Staaten vernichtete, die sich an Moskau orientierten. Das löste natürlich eine unglaubliche Welle des Antisemitismus aus, aber auch einen Aufschwung des Nationalstolzes. Die Menschen erinnerten sich daran, wer sie waren und wer sie sein konnten. Und mit den Ukrainern in der Welt geschieht jetzt ebenfalls so etwas. Das darf man nicht ungenutzt lassen, verstehen Sie?

Moderator: Aber wir sprechen heute sehr wenig über die globalen Ukrainer im positiven Sinne. Wir hören viel über das Monaco-Bataillon, wissen aber sehr wenig über jene Ukrainer, die wirklich viel erreicht haben und Unterstützung leisten.

Portnikov: Nun, es gibt bereits viele solche Ukrainer, die noch in den Vorkriegsjahren ausgewandert sind, die schon lange in verschiedenen Ländern leben, Unternehmen haben, der Ukraine helfen und vielleicht ebenfalls nicht besonders bekannt sind. Ich treffe viele solche Menschen. Und ich treffe übrigens viele Menschen, die sich bewusst für das Ukrainertum entschieden haben und die im Grunde sehr oft sogar ihre eigenen Positionen in den einen oder anderen religiösen oder politischen Gemeinschaften für ihr Ukrainertum riskieren. Ich sehe das. Wir sprechen viel über die Unterstützung für Trump, über die Evangelikalen, auf die er sich stützt. Das ist übrigens gerade ein großer Teil jener Gemeinschaften, die Israel unterstützen. Aber zugleich sehe ich jetzt, wie in diesen evangelikalen Gemeinschaften der Vereinigten Staaten echte Prozesse stattfinden, bei denen Menschen eigens ukrainische Kirchen und ukrainische Gemeinden gründen. Neue Pastoren, neue geistliche Leiter treten auf, Menschen, die riesige Summen für die Ukraine sammeln. Es gibt Menschen, die, wie ich in Portland in Oregon gesehen habe, russischsprachige protestantische Radiosender kaufen, um daraus ukrainische zu machen. Ich habe einen solchen Sender gesehen und ihm ein Interview gegeben. Er heißt jetzt Radio Maidan. Noch gestern war das ein Radiosender der slawischen Gemeinde. Aber dieser Mensch hat sein eigenes Geld investiert, verstehen Sie, weil er sich als Ukrainer empfand.

Moderator: Im Grunde beginnen wir erst langsam, das zu tun, was Russland jahrzehntelang, wenn nicht jahrhundertelang, im Informationsbereich getan hat.

Portnikov: Sowohl bei uns als auch in der ganzen Welt versuchte Russland, die Menschen davon zu überzeugen, dass nur seine Zivilisation wichtig sei. Deshalb versuche ich seit ungefähr einem Jahr – das ist natürlich keine leichte Arbeit, wenn man so herumreist wie dieser Handelsreisende Menachem Mendel von Scholem Alejchem –, aber dadurch sehe ich, welch großes Potenzial das ukrainische Volk im weitesten Sinne dieses Wortes hat. Und wie viele Menschen ihr Ukrainertum wiederfinden und es nicht verlieren, sowohl hier als auch außerhalb des Landes. Ich glaube, dass die zukünftige Ukraine gerade in dieser Symbiose existieren muss. So wie übrigens Irland existiert. Wir sprechen viel über Israel, aber Israel ist wiederum eine besondere Situation, weil es um die Entscheidung von Menschen geht, die in das Land ihrer Vorfahren gekommen sind, um einen Staat aufzubauen. Aber es gibt doch Irland, wo niemand irgendwohin gekommen ist, wo alle schon da waren, aber eine große Zahl von Menschen ausgewandert ist und Iren geblieben ist.

Moderator: Und einen Irish Pub gibt es in jedem Land, in jeder Stadt.

Portnikov: Nun, nicht nur einen Pub, sondern auch einen irischen Präsidenten. Ich erinnere mich, dass ein BBC-Korrespondent Joseph Biden nach seiner Wahl bat, zwei Worte an das BBC-Publikum zu richten. Er sagte zwei Worte. Er sagte: „Ich bin Ire.“ Denn das ist Stolz auf das Eigene, auf die eigenen Wurzeln. Und ich würde mir wünschen, dass die ukrainische Gemeinschaft genauso wäre wie die irische: global, aber verwurzelt. Dafür braucht es jedoch eine entsprechende staatliche Politik. Der Premierminister Irlands und die irischen Minister packen am St. Patrick’s Day ihre Koffer und reisen zu den irischen Gemeinschaften in aller Welt. Der Premierminister kommt, glaube ich, in die Vereinigten Staaten. Und die Iren sehen, dass der Staat sich an sie erinnert, sich um sie kümmert und sich als eine Einheit mit ihnen betrachtet.

Moderator: Das heißt, wir sollten sowohl die öffentliche als auch die nichtöffentliche Volksdiplomatie stärken.

Portnikov: Ich denke einfach, dass unsere einzige wirkliche Antwort auf Russlands Krieg gegen die Ukraine der Widerstand gegen die russische Aggression ist. Und unsere einzige wirkliche Antwort auf die „Russki Mir“, die russische Welt, ist die ukrainische Welt. Und dafür muss man sich nicht schämen. Die ukrainische Welt kann nicht weniger interessant, nicht weniger groß, nicht weniger attraktiv und nicht weniger zivilisatorisch eigenständig sein als die „Russki Mir“, vielleicht sogar noch mehr.

Moderator: Zugleich haben wir, als wir letzte Woche mit Pavlo Sheremeta über die Produktivität gesprochen haben, die unsere Verteidigungsfähigkeit erhöhen soll, gehört, dass Wettbewerb ein außerordentlich wichtiger Faktor für das Wachstum der Produktivität ist. Er sagte auch, dass das Land global mit anderen Ländern konkurrieren müsse und wir uns dann besser entwickeln würden. Und diese unsere Eigenständigkeit habe ich persönlich zum Beispiel dieses Jahr in Polen, auf der Halbinsel Hel bei Danzig, gespürt, als ich mit vielen Polen sprach. Das geschah gerade in einer Zeit, in der sich unsere Beziehungen verschärften, sowohl zwischen den Völkern auf politischer Ebene als auch in persönlichen Gesprächen. Alles begann mit historischen Fragen, aber als wir länger und eingehender miteinander sprachen, kamen wir zu dem Schluss, dass sie die Wolhynien-Frage eigentlich gar nicht so sehr ärgert. Denn hier gibt es tatsächlich viele Dinge, die sie einfach noch nicht wissen, und auch wir kennen unsere eigene Geschichte schlecht. Was sie aber sehr ärgert, und das war in jedem Gespräch deutlich zu spüren, ist, dass wir nicht mehr der kleine Bruder auf dem Weg in die EU sind, dass unser Produkt wettbewerbsfähiger ist. Und genau das beschäftigt und schmerzt sie sehr oft.

Portnikov: Nun, für jeden Staat, der sich als Zentrum einer Region betrachtet, ist es schwierig, das Auftauchen eines Konkurrenten zu erleben. Außerdem glaube ich, dass es in Polen noch ein großes Problem gesellschaftlicher Natur gibt. Es besteht darin, dass Polen nach dem Zweiten Weltkrieg, übrigens durch kommunistische Anstrengungen, und nicht zufällig, zu einem der wenigen ethnisch homogenen Länder Europas wurde. Wo gibt es solche Länder überhaupt noch? Welches Land könnte sich einer solchen, würde ich sagen, nationalen Reinheit rühmen? Nun, vielleicht die Ukraine, aber in der Ukraine gab es immerhin Millionen Russen. Bis in die 1990er-Jahre gab es dort eine große jüdische Gemeinde. Es gibt nationale Minderheiten, Ungarn, Rumänen. In Polen gab es praktisch nichts davon. Das heißt, selbst Menschen, die nationalen Minderheiten angehörten, verbargen ihre Herkunft und waren Polen. Ich kannte ethnische Ukrainer, die sich ihr ganzes Leben lang mit ukrainischer Kultur in Polen beschäftigten und sagten, sie seien Polen. Professoren der ukrainischen Literatur, die sagten, sie seien Polen. Das habe ich erlebt. Von den Juden ganz zu schweigen. Es gab Menschen, bei denen ich erst erfuhr, dass sie Juden waren – Menschen, die mir nahestanden und mit denen ich jahrzehntelang Kontakt hatte –, als sie bereits gestorben waren und ich einen Artikel in einer Enzyklopädie las. Ich dachte: „Wie kann das sein? Wir saßen doch hier, tranken bei dir zu Hause Tee, sprachen über irgendwelche jüdischen Themen, und du hast mit mir gesprochen wie ein Pole mit einem Juden. Aber du warst doch gar kein Pole.“ Die Menschen hatten also instinktiv Angst, auch nur zu erwähnen, dass sie im Grunde keine Polen waren. Nicht, dass man ihnen deswegen etwas angetan hätte. So war das gesellschaftliche Klima. Und plötzlich kommen in ein solches Land, in dem jeder Pole ein Pole ist und jeder Nichtpole ebenfalls ein Pole ist, wir alle sind Polen, eine Million Menschen, die nun einmal keine Polen sind. Man sieht, dass sie keine Polen sind. Und sie sind jetzt überall, ganz in der Nähe. Nun, da ist es klar, dass man sich an eine solche …

Moderator: Ungehörigkeit.

Portnikov: … nur schwer gewöhnen kann. Und Sie verstehen nicht einmal das ganze Ausmaß dieses Zustands, würde ich sagen, besonders in der Volksrepublik Polen, denn die polnische Kommunistische Partei war auch noch eine Partei glühender Chauvinisten. Die polnischen Dissidenten waren natürlich schon wesentlich toleranter, sie hatten eine andere Einstellung zu all dem. Aber dieses Regime, das es in Polen gab, war chauvinistisch. Nun, schließlich: Wer hat die Operation Weichsel durchgeführt?

Ich erinnere mich, wie fassungslos ich war, als ich – welches Jahr war das? 1991. Ich war gerade dabei, mein Studium beziehungsweise mein Aufbaustudium abzuschließen. Und ich war in der Redaktion einer sehr angesehenen polnischen demokratischen Zeitung. Da es ein privates Gespräch war, werde ich keine Namen nennen. Ich sitze also im Garten mit dem Chefredakteur dieser Zeitung, der für mich einfach ein Lehrer ist. Und ich frage ihn: „Wie steht es um die jüdische Gemeinde, um die jüdische Frage in Polen?“ Er sagt zu mir: „Weißt du, du kannst hier mit mir darüber sprechen, aber in der Redaktion oder auf der Straße solltest du besser nicht danach fragen.“ Ich sage: „Warum?“ Nun, ich war ja ein kleiner Junge, völlig ahnungslos. Ich war so, ich war nach Polen gekommen, „Professor Pleischner war von diesem Geschmack der Freiheit berauscht“. Vergessen Sie nicht, das war noch vor dem Putsch von 1991. Und er sagt zu mir: „Frag einfach nicht.“ Und dann vergehen 35 Jahre, und ich trinke wieder genauso Tee mit ihm. Und plötzlich erinnere ich mich an irgendein Buch mit seinen Memoiren und sage: „Warum hast du mir 1991, als ich dich nach der jüdischen Frage fragte, nicht gesagt, dass du selbst eigentlich Jude bist?“ Und er sagt: „Du hast nicht gefragt.“ Auch das muss man verstehen. Diesen inneren Zustand. Diesen inneren Zustand. Und plötzlich eine Million Ukrainer. Ich glaube, das ist sogar schlimmer als eine Million Juden. Das bleibt unter uns, man darf das niemandem erzählen, aber es ist nun einmal so.

Moderator: Und was sollen wir damit machen? Wir sind doch Nachbarn.

Portnikov: Eine gemeinsame Sprache mit den Nachbarn finden. Nun, hören Sie, was soll man denn sonst machen? Früher gab es die Stadt Lwiw in einer völlig anderen nationalen Vielfalt. Polen, Ukrainer, Juden, Armenier und Deutsche fanden hier eine gemeinsame Sprache, nicht ohne Zwischenfälle, aber im Grunde war das ein einziger Kosmos. Wenn wir an das Lwiw der Vorkriegszeit denken, erinnern wir uns an Polen, Ukrainer und Juden als Menschen dieser Stadt. Das ist einfach eine andere Kultur des Zusammenlebens. Es ist eine, wenn Sie so wollen, konfliktreiche Symbiose. Nun, wir werden mit dem polnischen Volk – das es meiner Meinung nach als unser Nachbar auf jeden Fall wert ist, denn es ist eine Zivilisation von Menschen mit Selbstachtung und Freiheitsgefühl – eine solche konfliktreiche Symbiose aufbauen müssen. Und wir müssen Verbündete finden, denn genauso wie die ukrainische Gesellschaft nicht homogen ist, ist auch die polnische Gesellschaft nicht homogen.

Die Krankheit des imperialen Chauvinismus ist dem polnischen Volk eigen, aber in wesentlich geringerem Maße als dem russischen. Denn ich würde sagen, dass in Russland die überwältigende Mehrheit am imperialen Chauvinismus leidet. Und in Polen leidet am polnischen Chauvinismus, sagen wir es vorsichtig, weniger als die Hälfte. Und auch das ist wichtig. Es gibt also immer Menschen, die zu einer solchen Symbiose bereit sind. Wichtig ist, dass auch wir bereit sind und verstehen, dass eine konfliktreiche Symbiose Zugeständnisse von unserer Seite bedeutet.

Moderator: Wie müsste diese konfliktreiche Symbiose richtig aussehen? Das heißt, wir müssen doch trotzdem unsere Position verteidigen, ohne nachzugeben. Wenn man uns beispielsweise auf politischer Ebene sagt: „Nun, vielleicht solltet ihr mit diesem Bandera, Schuchewytsch und der UPA doch ein wenig zurückhaltender sein.“ Müssen wir irgendwo einen Kompromiss suchen, oder müssen wir bei unserer Position bleiben und sie erklären? Und wie macht man das in dieser konfliktreichen Symbiose richtig, damit wir eine Win-win-Situation erreichen?

Portnikov: Nun, erstens glaube ich, dass es keine geben kann, in der ein Volk die Helden für ein anderes auswählt. Zumal auch dieses andere Volk unterschiedliche Helden hat. Wir verstehen sehr gut, dass die Bedeutung Banderas in Lwiw und die Bedeutung Banderas in Charkiw zwei verschiedene Banderas sind. Hier ist er eine historische Persönlichkeit. Dort ist er heute ein Symbol, ein abstraktes Symbol des Widerstands, und auch das nicht für alle. Und ich glaube, vieles hängt damit zusammen, dass wir unseren polnischen Nachbarn vieles nicht erklären können und sie vieles nicht hören wollen. Ich erkläre beispielsweise in polnischen Zuhörerkreisen immer, dass sie ihre Geschichte der Beziehungen zu Galizien auf die gesamte Ukraine übertragen. Aber die Menschen außerhalb der Gebiete Lwiw, Iwano-Frankiwsk, Ternopil und Wolhynien betrachten Polen, die Themen des historischen Erbes und alles andere ungefähr so wie das rumänische oder tschechische oder sogar deutsche Erbe. Das ist für sie sehr weit entfernt. All diese Tatsachen der polnischen Geschichte sind etwas sehr Fernes. Und jemand aus Charkiw oder sogar aus Kyiv kann manches einfach mit einem gewissen Abstand betrachten und verstehen.

Und ich weiß nicht, inwieweit das zutrifft, denn ich sage noch einmal, dass ich immerhin Jude bin. Und für das jüdische Volk ist die Nähe zur polnischen Kultur und zur polnischen Zivilisation wesentlich größer als für Ukrainer aus dem Osten und dem Zentrum der Ukraine. Deshalb kann auch ich mich bei dieser Distanz irren, denn mir scheint, dass meine eigene Distanz diejenige jedes Menschen in Kyiv ist, während meine Distanz in Wirklichkeit viel geringer ist. Nun, aus verschiedenen Gründen. Ich esse dieselben Kuchen, die die Menschen in Lwiw essen und die die Menschen in Krakau essen. Andere Menschen in Kyiv hatten diese Kuchen nie gesehen, bevor sie nach Lwiw kamen. Verstehen Sie, das geht sogar bis auf die Ebene der Alltagskultur und der Namensgebung. Hören Sie, meine Mutter und meine Großmutter, sie alle hatten polnische Vornamen. So etwas gibt es bei den Ukrainern nicht. Und deshalb scheint mir manchmal, dass meine Distanz die Distanz der Zentralukraine ist, aber die Zentralukraine ist eigentlich viel weiter entfernt. Und genau das muss man erklären.

Man darf der gesamten Ukraine nicht die Erfahrungen der traumatischen polnischen Beziehungen zu Galizien und Wolhynien aufzwingen. Vielleicht wird dann alles leichter zu verstehen sein. Man darf einen Menschen aus Charkiw nicht ständig dazu zwingen, sich für das zu entschuldigen, was, sagen wir, zwischen einem Menschen aus Wolhynien und einem Menschen aus dem damaligen Kleinpolen (Małopolska) geschah. Denn das wäre, wenn wir ernsthaft darüber sprechen, dasselbe, als würde man einen Menschen aus Zürich dazu zwingen, sich für die Handlungen eines Menschen aus Hamburg zu entschuldigen. Nun, beide sprechen im Grunde Deutsch, aber sie lebten in unterschiedlichen Zivilisationsräumen. Dieser Mensch aus Zürich hätte niemals einen solchen Staat gewollt wie der Mensch aus Hamburg.

Danach entstand die staatliche Symbiose, aber sie entstand erst nach all diesen Ereignissen. Tatsächlich begegneten sich die Ukrainer aus Galizien und Wolhynien und die Ukrainer aus der Zentral-, Ost- und Südukraine erst, nachdem die Geschichte der polnisch-ukrainischen Konflikte zu Ende gegangen war. Unser wirkliches gemeinsames nationalstaatliches Leben begann nach 1945. Und wie soll ein Mensch, der sein ganzes Leben im Osten der Ukraine verbracht hat, seine Zugehörigkeit zu etwas verstehen, die man ihm aufzwingt? Wie soll Zelensky das verstehen? In seinem Krywyj Rih hat überhaupt niemand jemals einen lebenden Polen gesehen. Nun, im Ernst, das ist nicht Lwiw. Und damit muss man anfangen. Man darf Konflikte, sagen wir, regionalen Charakters nicht zu einem gesamtnationalen Konflikt zwischen dem polnischen und dem ukrainischen Volk machen. Denn das ukrainische Volk ist mehr als Galizien, und das polnische Volk ist mehr als Wolhynien. Und mehr als die Operation Weichsel. Auch das ist wahr.

Und wenn wir anfangen, ernsthaft darüber zu sprechen, glaube ich, dass viele dieser Probleme verschwinden werden. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass die Zukunft Mitteleuropas von der Symbiose und dem gegenseitigen Verständnis zwischen dem polnischen und dem ukrainischen Volk abhängt. Ich bin jedenfalls ein Mensch, der immer aufrichtig an einer solchen Verständigung interessiert war, immer getan hat, was er in dieser Hinsicht konnte, und hoffe, dass ich das auch weiterhin tun werde. Obwohl das natürlich vielleicht schon das Alter ist, aber mit den Jahren beginnt mich die Frage der Entwicklung der ukrainischen Welt als solcher mehr zu interessieren als die Frage der ukrainischen Symbiose mit irgendjemandem. Vielleicht, weil ich darin heute eine größere Perspektive sehe. Und hier kündige ich gleich an, dass unsere nächste große Veranstaltung des Expertenclubs in nächster Zeit gerade dem Thema der ukrainisch-polnischen Beziehungen gewidmet sein wird, bei der wir gute Menschen von beiden Seiten einladen werden, um darüber zu sprechen.

Moderator: Aber zum Abschluss: Sie haben gesagt, wovon die Zukunft Mitteleuropas abhängt. Wovon hängt unser zukünftiger Sieg ab?

Portnikov: Unser zukünftiger Sieg hängt davon ab, dass wir die Bedrohung realistisch wahrnehmen und verstehen, wie wir mit dieser Bedrohung umgehen müssen. Denn wenn wir ernsthaft darüber sprechen, ist es uns in diesen viereinhalb Jahren tatsächlich gelungen, den Vormarsch der russischen Armee auf ukrainischem Boden aufzuhalten. Vergessen Sie nicht, dass sich die Frontlinie seit 2023 nicht bewegt. Dass die Russen, die meiner Meinung nach vorhatten, den größten Teil der Ukraine innerhalb weniger Wochen zu erobern, das Gebiet Donezk in viereinhalb Jahren nicht erobern können, ist eine wirkliche Heldentat des ukrainischen Volkes, denn die ukrainische Armee ist das ukrainische Volk. Dort kämpfen gewöhnliche Menschen, die in den letzten Jahren Teil dieser Armee geworden sind. Das sind keine Berufssoldaten, das sind keine Söldner wie in Russland, das sind unsere Verwandten, Nachbarn und Freunde. Und das ist eine Heldentat. 

Aber jetzt wird alles von der Widerstandsfähigkeit des Hinterlands abhängen. Wenn das Hinterland diesen brutalen Druck aushalten kann, wird der ukrainische Staat nicht nur erhalten bleiben, sondern sich auch weiterentwickeln. Wenn das Hinterland diese Widerstandsfähigkeit gegen eine scheinbare Ruhe eintauscht und die russische Shahed-Drohne oder die russische Rakete über dem eigenen Kopf gegen einen russischen Nationalgardisten im eigenen Treppenhaus – und genau das ist die Wahl, keine andere –, dann werden der ukrainische Staat und das ukrainische Volk verschwinden, trotz des Mutes der Armee. Denn in der Geschichte gab es viele Fälle, in denen Armeen einen Staat verteidigten, aber keinen Ort mehr hatten, an den sie zurückkehren konnten. Aber ich glaube an die erste Möglichkeit.


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Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Брудні танці з Трампом | Віталій Портников @tvoyemistoTV. 18.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 18.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Verhandlungen in Abu Dhabi: Was ist zu erwarten? | Vitaly Portnikov. 23.10.2026.

Der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation, Peskow, betont, dass ein neues Treffen der ukrainischen, russischen und amerikanischen Delegationen über die Beendigung des Krieges, den Russland gegen die Ukraine fortsetzt, bereits in der ersten Novemberhälfte in Abu Dhabi stattfinden könnte. Peskow hält sogar die Teilnahme eines Vertreters der Europäischen Union an diesem Treffen für möglich, betont jedoch, dass dies von der Haltung Brüssels abhängen werde.

Aber die wichtigste Frage lautet: Was soll bei dieser erneuten Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses zwischen Moskau, Kyiv und Washington vor dem Hintergrund der anhaltenden Kampfhandlungen und der brutalen russischen Angriffe auf die Ukraine eigentlich besprochen werden? Die Zeitschrift The Economist berichtet unter Berufung auf ukrainische Quellen, dass die amerikanischen Unterhändler keine großen neuen Ideen hätten. Sie bestehen weiterhin darauf, dass die Ukraine auf einen NATO-Beitritt verzichten müsse, zugleich aber die Möglichkeit erhalten solle, der Europäischen Union beizutreten. Im Gegenzug für die Beendigung der Kampfhandlungen könnte die Russische Föderation Zugang zum Energiemarkt der Europäischen Union erhalten. Außerdem könnten die Sanktionen aufgehoben werden, die nach Beginn der russischen Aggression gegen die Ukraine verhängt wurden.

Schon aus den ersten Einzelheiten dieses neuen alten Plans wird deutlich, dass man in der Regierung des amerikanischen Präsidenten weniger über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nachdenkt als vielmehr über lukrative Geschäfte mit Putin. Wir verstehen inzwischen sogar, welche beiden Projekte für Witkoff und Kushner und damit auch für Trump am wichtigsten sind. Das erste ist der Kauf der Auslandsvermögenswerte des russischen Konzerns Lukoil. Und offenbar ist es genau das, worüber Witkoff während seines Aufenthalts in Russland stundenlang mit Putin und Dmitrijew spricht.

Und dann gibt es noch ein weiteres Projekt, das Projekt von Trumps Schwiegersohn Kushner. Es sieht die Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen nach Europa vor, sowohl über das ukrainische Gastransportsystem als auch über Pipelines wie Nord Stream 1 oder Nord Stream 2. Die Vereinigten Staaten sollen dabei als Garant für die Sicherheit dieser Lieferungen auftreten. Und es ist klar, dass es für die derzeitige amerikanische Regierung wichtig ist, dass der russisch-ukrainische Krieg möglichst schnell endet, damit diese Projekte verwirklicht werden können. Zumindest solange Trump noch im Weißen Haus sitzt und Putin die Interessen seines engsten Umfelds berücksichtigen kann.

Genau deshalb übt das Weiße Haus einen so intensiven Druck auf die Ukraine aus, damit der ukrainische Präsident Zugeständnisse macht und den wichtigsten russischen Forderungen für die Beendigung des Krieges zustimmt. Dazu gehören die Kontrolle über das gesamte Territorium der Gebiete Donezk und Luhansk sowie die Wiederherstellung des politischen und zivilisatorischen Einflusses Russlands auf die Ukraine.

Aber die wichtigste Frage ist hier nicht einmal, ob Zelensky bereit ist, solchen Bedingungen für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zuzustimmen. Die entscheidende Frage lautet, ob Putin bereit ist, diese Bedingungen zu akzeptieren. Und meiner Meinung nach könnte den Präsidenten der Vereinigten Staaten und seine engsten Vertrauten hier eine weitere Enttäuschung erwarten. Denn für den Präsidenten der Russischen Föderation, für sein engstes Umfeld und für alle chauvinistisch eingestellten Russen wäre allein die Tatsache, dass die Ukraine auf der politischen Weltkarte bestehen bleibt, noch dazu mit Sicherheitsgarantien des Westens, seien sie auch nur bedingt wirksam, und obendrein mit einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union, die größte staatliche Niederlage der Russischen Föderation und die größte nationale Niederlage des russischen Volkes seit dem Auftauchen des Fürstentums Moskau auf der politischen Weltkarte. Und Putin möchte wohl kaum als Anführer eines Staates in die Geschichte eingehen, der aus seiner Sicht eine derart eklatante zivilisatorische Niederlage erleidet.

Denn womit Russland derzeit beschäftigt ist, ist die Wiederherstellung seiner imperialen Macht und die Rückgewinnung seiner sogenannten historischen russischen Gebiete, zu denen selbstverständlich auch das Territorium der heutigen Ukraine gehört. Und in dieser Situation würde eine Zustimmung zu den Vorschlägen der Trump-Regierung natürlich bedeuten, all jene Anstrengungen zunichtezumachen, die die Russische Föderation in den vergangenen Jahren unternommen hat, um ihre geopolitischen Möglichkeiten auszubauen und den Prozess der sogenannten Sammlung russischer Länder einzuleiten, der 2014 mit der Annexion der ukrainischen Krim begann.

Warum sollte Putin dann überhaupt Verhandlungen in Abu Dhabi zustimmen und sogar Vertreter der Europäischen Union zu diesen Verhandlungen einladen? Die Antwort darauf ist sehr einfach und logisch. Der Präsident der Russischen Föderation arbeitet als erfahrener Geheimdienstmann mit dem Verhandlungsprozess wie mit einer Karotte, die er einem Esel direkt vor die Nase hält. Der Esel soll glauben, dass diese Karotte früher oder später zu einer wichtigen Belohnung für seine diplomatischen Bemühungen wird. Dabei weiß der Präsident der Russischen Föderation ganz genau, wann die Möglichkeiten des Esels, dem er diese Karotte vor die Nase hält, erschöpft sein werden.

Das wird Anfang 2029 geschehen, wenn Donald Trump das Oval Office verlässt und mit ihm auch seine Verwandten und Freunde ihren Einfluss verlieren. Und für Putin ist es von größter Bedeutung, diese Karotte dem amerikanischen Präsidenten und seinem engsten Umfeld so lange vor Augen zu halten, um sich vor neuen ernsthaften Sanktionen der Vereinigten Staaten zu schützen und eine Krise in den Beziehungen zwischen Amerikanern, Ukrainern und den europäischen Verbündeten Amerikas herbeizuführen.

Und jetzt sehen wir bereits die ersten Ergebnisse dieses Erfolgs von Putin. Trump versucht nicht einmal mehr, den Anschein zu erwecken, dass er daran interessiert wäre, Sanktionen gegen Russland und seine Unterstützer im Energiesektor zu verhängen. Diese Sanktionen sind im Graham-Gesetz vorgesehen, das er selbst unterzeichnet hat. Stattdessen schickt er Witkoff nach Sankt Petersburg, um nach neuen Möglichkeiten für neue Energiegeschäfte mit dem russischen Präsidenten zu suchen.

Aus dieser Sicht erscheint Putins Taktik also durchaus gerechtfertigt und logisch, wenn man berücksichtigt, wie gut er die Psychologie und die Taktik versteht, an die sich Trump selbst hält. Das Einzige, was den russischen Präsidenten bei seinem nicht besonders komplizierten, ich würde sagen, kindischen Spiel mit dem amerikanischen Staatschef aufhalten könnte, ist die Bereitschaft der Ukraine und Europas, die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Russischen Föderation zu schwächen und Donald Trump damit die Kontrolle über das Fell des noch nicht erlegten russischen Bären zu entziehen, von dessen Geld man in Washington weiterhin träumt.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Переговори в Абу-Дабі: на що чекати |
Віталій Портников. 23.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 23.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Putin–Witkoff: Erste Ergebnisse | Vitaly Portnikov. 21.10.2026.

Also, der Besuch des Vertreters des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, in Russland. Seine dreistündigen Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Putin im Konstantinpalast in Sankt Petersburg. Und all die Erklärungen, die nach diesen dreistündigen Verhandlungen abgegeben wurden, sowohl vom Vertreter des Präsidenten der Russischen Föderation, seinem außenpolitischen Berater Juri Uschakow, als auch vom norwegischen Ministerpräsidenten Støre, der Witkoff im Flugzeug traf, nachdem der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten aus Sankt Petersburg nach Oslo zurückgekehrt war.

Ich erinnere daran, dass zuvor in Oslo seine Verhandlungen mit dem ukrainischen Präsidenten, dem finnischen Präsidenten und dem norwegischen Ministerpräsidenten stattgefunden hatten. Hinzu kommt der Kommentar von Jared Kushner, dem Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, der bei diesem Treffen nicht anwesend war, sich jedoch virtuell an den Verhandlungen in Oslo beteiligte und, soweit man verstehen konnte, während der Verhandlungen zwischen Witkoff und Putin telefonisch mit Putin sprach.

Und hier sind die ersten Ergebnisse dieser Treffen, die man gewissermaßen kommentieren kann.

Erstens sind die Erklärungen auf allen Seiten optimistisch. Diese Erklärungen deuten zumindest auf eine gewisse Abschwächung, eine rhetorische Abschwächung der russischen Position hin. Der Berater des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, sagt, dass bereits im November die Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten wieder aufgenommen werden. Möglicherweise wird dies in Abu Dhabi geschehen.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass Russland zuvor kategorisch jegliche Verhandlungen mit der Ukraine abgelehnt hatte, solange die ukrainischen Truppen nicht das gesamte Gebiet der Regionen Donezk und Luhansk verlassen hätten. Wie Sie sehen, ist es Russland bisher zumindest nicht gelungen, Kramatorsk, Slowjansk und andere Städte im Gebiet Donezk einzunehmen, die von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert werden. Das wissen die Russen auch. Trotzdem stimmen sie Verhandlungen zu.

Solange sie mit Witkoff verhandelten, konnten sie diese Gespräche als etwas anderes als Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine darstellen. Wenn nun erneut Verhandlungen zwischen russischen und ukrainischen Delegationen beginnen, bedeutet das, dass sie von ihren früheren Positionen abgerückt sind und dass auch sie gezwungen sind, zumindest wieder einen Verhandlungsprozess zu simulieren.

Dass ihre Situation aus wirtschaftlicher Sicht keineswegs so makellos ist, wie Putin zu demonstrieren versucht. Dass sowohl die westlichen Sanktionen als auch unsere Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation und ihre Infrastruktur Wirkung gezeigt haben. Glauben Sie mir: Wenn es diese Angriffe nicht gegeben hätte, wenn Russland nicht brennen würde, gäbe es überhaupt keine Gespräche, nicht nur über Verhandlungen mit uns, sondern nicht einmal über Witkoff.

Das ist also der erste Punkt: die Wiederaufnahme der Verhandlungen.

Der zweite Punkt sind die Aussagen, dass das Hauptthema der Verhandlungen die Sicherheit der Ukraine und Russlands sein soll. Was bedeutet das, wenn man es aus Uschakows Sprache in eine verständliche Sprache übersetzt? Dass die Russische Föderation derzeit nicht davon ausgeht, dass sie die ukrainische Staatlichkeit als solche vernichten kann, was weiterhin Putins Hauptziel bleibt. Und damit rücken Fragen der politischen und wirtschaftlichen Unterwerfung des ukrainischen Staates in den Vordergrund.

Die Sicherheitsfragen waren im Grunde bereits in dem Schreiben klar formuliert, das das Außenministerium der Russischen Föderation 2021, vor Beginn des großen russisch-ukrainischen Krieges, an das Außenministerium der Vereinigten Staaten und die Außenministerien der NATO-Staaten richtete. Sie erinnern sich, dass der Kern dieses Schreibens ein kategorisches Verbot des NATO-Beitritts der Ukraine und anderer ehemaliger Sowjetrepubliken war.

Russland wird also als eine seiner Sicherheitsgarantien die Möglichkeit solcher verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Änderungen in der Ukraine betrachten, die jegliche Militärbündnisse unseres Landes mit anderen Staaten unmöglich machen und natürlich den euroatlantischen Ambitionen der Ukraine endgültig ein Ende setzen. Und das soll nun nicht vonseiten der NATO geschehen, denn die NATO hat schlicht nicht die rechtlichen Möglichkeiten dazu, sondern vonseiten jener Länder, die NATO-Mitglieder werden könnten: der ehemaligen Sowjetrepubliken und vor allem der Ukraine. 

Auch das kann zu den Fragen gehören, die Russland unter seiner Sicherheit versteht. Denn das ist, wie Sie verstehen, reine Demagogie. Die Ukraine hat Russland in keiner Weise bedroht und wird Russland auch künftig nicht bedrohen, wenn Russland seine aggressiven Ansprüche gegenüber unserem Staat aufgibt.

Die Frage der Sicherheit für die Ukraine ist ebenfalls eine gute Frage. Wenn Russland bereit ist, diese Frage zu erörtern, kann es natürlich der Ansicht sein, dass es selbst einer der Garanten der ukrainischen Sicherheit sein sollte. Und das ist kein Scherz. Russische Beamte sagen ständig, dass der einzige Staat, der die Sicherheit der Ukraine garantieren könne, die Russische Föderation sei.

Ich schließe nicht aus, dass aus dieser Sicht zumindest ein Teil der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen als Garanten der ukrainischen Sicherheit auftreten könnte. Und für Putin könnte das Teil jener Tagesordnung sein, die für ein trilaterales Treffen zwischen Putin, Trump und Xi Jinping vorgeschlagen wurde. Das ist im Grunde eine durchaus realistische Möglichkeit, die er vorantreiben könnte.

Wir wissen nicht, inwieweit Xi Jinping bereit sein wird, einem solchen Treffen zuzustimmen. Denn sich vorzustellen, dass diese Situation für China in einer Weise interessant wäre, dass China ein tatsächlicher Garant der ukrainischen Sicherheit sein und beispielsweise die Verantwortung für neue Phasen russischer Aggression übernehmen wollte, fällt schwer.

Aber Russland könnte versuchen, genau jenen Sicherheitsmechanismus wiederherzustellen, den es bereits während früherer Verhandlungen vorgeschlagen hatte: Es gibt Sicherheitsgaranten, aber jeder von ihnen kann die Handlungen der anderen Garanten blockieren. Das bedeutet eine Rückkehr zu Minsk und Istanbul. Das kann durchaus ein Thema dieser Verhandlungen sein.

Könnten es Verhandlungen um der Verhandlungen willen sein? Ja. Ich habe bereits mehrfach gesagt, dass Putin auch den Wunsch haben könnte, Zeit bis zum Ende der Amtszeit Donald Trumps zu schinden. Und aus Sicht der Führung der Russischen Föderation könnte es jetzt, wenn man Trump vor den Zwischenwahlen nicht wenigstens irgendetwas gibt, zu einer Abkühlung der persönlichen Beziehungen zwischen den Präsidenten und der russisch-amerikanischen Beziehungen insgesamt kommen.

Deshalb lässt Putin einen Amerikaner frei, dem die Russen vorgeworfen hatten, ukrainischer Soldat gewesen zu sein und sich der Territorialverteidigung angeschlossen zu haben. Soweit ich mich erinnere, hatten seine Angehörigen genau das bestritten. Und natürlich ist diese Freilassung eines amerikanischen Staatsbürgers ein typisches Wahlgeschenk an Trump. So handeln Diktatoren immer, oder sie machen das Gegenteil. Beispielsweise ließen die iranischen Ajatollahs die amerikanischen Diplomaten, die während der Herrschaft Ajatollah Chomeinis als Geiseln genommen worden waren, am Tag der Amtseinführung Ronald Reagans frei. Auch das ist ein ganz typisches Vorgehen. Das ist der erste Punkt.

Der zweite Punkt ist das Versprechen von Verhandlungen.

Der dritte Punkt ist die Skizzierung einer gewissen Verhandlungsagenda, die Fragen der nationalen Sicherheit Russlands und der Ukraine betrifft und bei der die territoriale Frage offenbar nicht an erster Stelle steht. Auch das ist ein wichtiger Punkt: die Territorialfrage.

Nun zum nächsten Punkt. Der norwegische Ministerpräsident sagt, dass es erstmals Verhandlungen auf hoher Ebene geben könnte. Auch das ist ein sehr wichtiger Punkt. Wir wissen wiederum nicht, was Verhandlungen auf hoher Ebene aus Sicht des norwegischen Ministerpräsidenten bedeuten. Welche Person soll nun die russische Delegation leiten?

Uschakow sagt etwas anderes. Er sagt, dass der Delegation Militärangehörige angehören könnten und dass auch Medinski dabei sein könnte. Aber natürlich werde der russische Präsident im Verlauf weiterer Konsultationen über die Zusammensetzung der Delegation entscheiden.

Einige weitere Punkte können wir schlicht nicht kennen. Denn man kann jetzt ganz eindeutig sagen, dass die Teilnehmer der Verhandlungen optimistische Prognosen äußern, diese aber gleichzeitig überhaupt nicht konkretisieren. Wir hören nach diesem Treffen keinerlei konkrete Angaben vonseiten der ukrainischen Führung. Wir haben von Witkoff keine konkreten Kommentare gehört. Wir haben von Uschakow keine konkreten inhaltlichen Kommentare gehört.

Wir können lediglich eine gewisse Zurückhaltung der russischen Seite feststellen, die nicht gleich von vornherein sämtliche Vorschläge vollständig verwirft, die während Witkoffs Treffen mit Zelensky, Stubb und Støre unterbreitet wurden. Wir sehen, dass Russland bereit ist, den Verhandlungsprozess erneut aufzunehmen.

Aber wie oft hat Russland bereits solche Verhandlungsprozesse begonnen, die zu nichts führen? Denn andererseits sehen wir, dass die russischen Angriffe auf die Ukraine weitergehen, auch in diesen Minuten.

Gerade jetzt wird der Westen der Ukraine weiter beschossen, während wir diese Sendung machen. Wir haben auch von Luftalarm in Kyiv und einem Angriff auf Hostomel gehört. Es gibt Angriffe auf Burschtyn, Halytsch, Tschortkiw und Kalusch.

Das heißt, es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass die Russen auch nur für einen Augenblick den Krieg beenden wollen, geschweige denn einem Energiewaffenstillstand zustimmen würden. Keinerlei Anzeichen. Im Gegenteil: Russland beschießt die ukrainische Energieinfrastruktur mit großer Hartnäckigkeit.

Wenn es tatsächlich auf ein Ende des Krieges hinausläuft, wie Uschakow sagt, warum sollten die Russen dann die intensiven Angriffe mit russischen Drohnen und Raketen auf die ukrainische Energieinfrastruktur fortsetzen?

Und hier wird es übrigens sehr interessant sein zu sehen, wie sich die ukrainische Seite verhält. Werden wir vor diesen sogenannten Verhandlungen, die im November stattfinden könnten, Angriffe auf die Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation selbst durchführen?

Wir verstehen sehr gut, dass die Russen jetzt ebenfalls erkennen, unter welchem Zeitdruck Donald Trump steht. Das ist nicht nur der Zeitdruck vor den Wahlen. Denn die Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten finden bereits am 3. November statt. Und bis zum 3. November lässt sich natürlich nichts entscheiden.

Aber es gibt noch einen weiteren wichtigen Zeitpunkt, an den wir denken müssen. Das ist der Januar 2027, wenn der neue amerikanische Kongress seine Arbeit aufnehmen wird. Und Trump könnte davon ausgehen, dass es ihm dann ganz sicher nicht mehr gelingen wird, vom Kongress irgendwelche Entscheidungen zu erreichen, die mit einer Verbesserung der amerikanisch-russischen Beziehungen zusammenhängen. Mehr noch: Die Kongressabgeordneten werden alles Mögliche und Unmögliche tun, um es der Regierung zu erschweren, die Beziehungen zu Russland zu normalisieren, falls der russisch-ukrainische Krieg bis dahin nicht endgültig beendet ist.

Deshalb halte ich es durchaus für möglich, dass Trump tatsächlich ein Dokument über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges vorbereiten möchte, zumindest über seine Aussetzung, und zwar für Dezember 2026, zum G20-Gipfel, der in seiner Residenz bei Miami, in Mar-a-Lago und an anderen Veranstaltungsorten im Bundesstaat Florida stattfinden wird. Und möglicherweise könnte während dieses Gipfels auch ein Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation sowie des Staatspräsidenten der Volksrepublik China stattfinden, falls zuvor bereits das Treffen in Shenzhen stattgefunden hat.

Gleichzeitig könnte aus Trumps Sicht auch irgendeine russisch-ukrainische Erklärung unterzeichnet werden. Dabei hat Trump gesagt, dass Putin und Zelensky sich für die Unterzeichnung einer solchen Erklärung keineswegs unbedingt treffen müssten. Zelensky könnte in die Vereinigten Staaten kommen und mit Trump eine entsprechende Erklärung unterzeichnen, während Trump dieselbe Erklärung mit Putin unterzeichnet.

Übrigens möchte ich Sie daran erinnern, dass dies das Format des Getreideabkommens ist. Genau so haben wir während dieses Krieges ein einziges Mal eine Vereinbarung über den Getreidekorridor getroffen. Damals trafen sich die Vertreter der Russischen Föderation und der Ukraine nicht miteinander. Sie unterzeichneten getrennte Dokumente mit identischem Inhalt mit dem Präsidenten der Republik Türkei, Recep Tayyip Erdoğan, und dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, die Garanten dieser Vereinbarung waren.

Und Trump ist offensichtlich bereit, genau diese Rolle zu übernehmen. Ich glaube nicht, dass es für ihn unbedingt notwendig ist, sich gemeinsam mit Putin und Zelensky fotografieren zu lassen. Zumal er sehr gut versteht, dass Putin ein solches gemeinsames Foto mit dem ukrainischen Präsidenten ganz sicher nicht will. Aber er braucht ein Abkommen, das die Kampfhandlungen aussetzt. Zumindest ein Waffenstillstandsabkommen, zumindest eine Vereinbarung, die auf die eine oder andere Weise als langfristiges Ende des Krieges interpretiert werden kann.

Und genau darauf möchte Trump offensichtlich den Verhandlungsprozess der nächsten Monate ausrichten. Genau deshalb übt er Druck auf die Ukraine aus und nicht auf Russland. Denn erstens verfügt er unter den Bedingungen, die nach dem Iran-Krieg auf dem weltweiten Energiemarkt entstanden sind, nicht über besonders große Möglichkeiten, Druck auf Russland auszuüben. Und das einzige Land, auf das er in dieser Situation Druck ausüben kann, ist nicht Russland, sondern die Ukraine.

Aber auch hier sind seine Möglichkeiten nicht besonders groß. Denn angesichts des Umfangs der amerikanischen Unterstützung und der Haltung der amerikanischen Gesellschaft zu dieser Unterstützung sind auch Trumps Möglichkeiten begrenzt. Sie sehen doch, dass unmittelbar nachdem der Präsident der Vereinigten Staaten mit seinen antiukrainischen Ausfällen begonnen hatte, die Geschwindigkeit von Starlink faktisch ohne förmliche Ankündigung gedrosselt wurde und eine Zeit lang keine Informationen über den Abschuss ballistischer Raketen durch die Russische Föderation weitergegeben wurden und so weiter. Der amerikanische Außenminister Marco Rubio, der sich derzeit auf einer Asienreise befindet, sprach mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky, und all diese Maßnahmen im Zusammenhang mit der amerikanischen Hilfe wurden wieder aufgenommen.

Das heißt, vor dem Hintergrund, dass die Mehrheit der Amerikaner die Unterstützung der Ukraine weiterhin befürwortet und es für völlig logisch hält, dass ihr Staat diese Hilfe leistet, können wir in einer solchen Situation davon ausgehen, dass Trump nicht lautstark über die Einstellung der Unterstützung sprechen wird. Denn das könnte sich auf die Wahlchancen der Republikaner auswirken.

Übrigens könnte er nach dem 3. November offener sein, denn dann hat er bereits das Ergebnis erhalten, das er erhalten hat. Aber hier könnte ihm seine eigene Unbeliebtheit im Weg stehen. Und vergessen Sie nicht, dass sich nach dem 3. November im noch amtierenden Kongress, nicht im bereits neu gewählten, tatsächlich eine Mehrheit bilden könnte, die aus Demokraten und jenen Republikanern besteht, die nicht mehr über ihre Wiederwahl nachdenken müssen, weil sie ihre Sitze verloren haben oder für den neuen Kongress gar nicht kandidiert haben. Auch diese Menschen werden versuchen, mögliche prorussische Maßnahmen der Regierung zu blockieren, falls es solche Maßnahmen geben sollte.

Das ist also die zeitliche Frist für die Treffen, die jetzt stattfinden, bis zum Zusammentritt des neuen Kongresses. Obwohl die Situation für Trump auch hier nicht einfach sein wird. Und wir verstehen dann, dass nun sowohl Putin als auch Trump gleichzeitig Druck auf die Ukraine ausüben werden, damit sie mehr russischen Forderungen zustimmt, als sie sonst akzeptieren könnte, um dieses Abkommen im Dezember zu erreichen.

Und natürlich bedeutet das nicht, dass tatsächlich irgendetwas unterzeichnet oder wirklich vereinbart werden kann. Denn wir kennen Putins wahre Absichten nicht. Er könnte nicht an ein Abkommen denken, sondern gerade daran, dass Russland der Ukraine solche Bedingungen stellt, die für die ukrainische Führung unannehmbar sein werden. Aber schon die bloße Tatsache, dass diese Bedingungen diskutiert und angenommen oder abgelehnt werden, könnte Möglichkeiten zur Destabilisierung des feindlichen Staates schaffen.bDenn wir müssen daran denken, dass Putins Ziel der Vernichtung der Ukraine keineswegs verschwunden ist.

Übrigens möchte ich noch etwas sagen. Wir hören ständig, dass die ukrainische Führung keine Verhandlungen mit Russland führen wolle. Unsere verschiedenen Parlamentsabgeordneten und Experten veröffentlichen Friedenspläne und kritisieren Kyiv dafür, dass es keine Friedensverhandlungen führen wolle. Als würden wir grundsätzlich darüber entscheiden, ob Verhandlungen stattfinden oder nicht. Und das, obwohl vonseiten Kyivs ständig von der Notwendigkeit gesprochen wird, Verhandlungen zu führen.

Ständig wird von der Notwendigkeit gesprochen, einen Energiewaffenstillstand zu schließen. Zelensky sagt ständig, dass er bereit ist, die Ölraffinerien der Russischen Föderation nicht zu beschießen, wenn Russland aufhört, die ukrainische Energieinfrastruktur zu beschießen. Und nun können Sie sich selbst davon überzeugen: Sobald die Russen bereit sind, mit uns zu sprechen, sind wir bereit, mit ihnen zu sprechen.nNicht an die ukrainische Führung sollte man sich mit wichtiger Miene und den Worten wenden: „Warum führen Sie keine Verhandlungen? Es ist längst Zeit, diesen Krieg zu beenden. Die Menschen haben schon genug gelitten.“

Es hängt nicht von der ukrainischen Führung ab, wann Verhandlungen stattfinden und wann der Krieg beendet wird. Die Ukraine ist in diesem Krieg aus Sicht der Durchführung von Verhandlungen kein eigenständiger Akteur. Sie ist ein Akteur, wenn sie Russland durch die Zerstörung russischer Infrastruktur zum Frieden bewegen kann. Der entscheidende Akteur ist hier aber Russland.

Sobald Russland über Frieden sprechen will, sind wir immer bereit, mit ihm zu sprechen. Nur stellt sich danach zur Enttäuschung aller Beteiligten heraus, dass Russland gar nicht über Frieden spricht, nicht einmal über Kapitulation, sondern einfach Zeit schindet, um nicht von einer weiteren Runde amerikanischer Sanktionen getroffen zu werden. Dass es seine Verhandlungen mit der Ukraine oder seine Verhandlungen mit Witkoff als eine Art Instrument benutzt, um Sanktionen zu entgehen. Und das ist alles. Auch das muss man verstehen, wenn wir miteinander über die Situation im Verhandlungsprozess sprechen.

Wir haben es also mit einigen, würde ich sagen, ziemlich widersprüchlichen Punkten zu tun. Einerseits ist offensichtlich, dass Russland seine Verhandlungsposition verändert hat und nun zu wirklichen Verhandlungen bereit ist. Wirklich nicht im Hinblick auf das Ergebnis, sondern im Hinblick auf ihre Durchführung. Und es wird sogar von der Möglichkeit gesprochen, dass diese Verhandlungen auf einer höheren Ebene stattfinden werden als die früheren Verhandlungen, bei denen Medinski die Hauptrolle spielte.

Der nächste Punkt ist, dass nicht nur in den Vereinigten Staaten optimistisch über die Möglichkeit solcher Verhandlungen gesprochen wird. Nicht nur Kushner oder Witkoff, die immer Optimisten sind und immer von der Konstruktivität solcher Verhandlungen sprechen. Wir haben solche Worte sowohl von Witkoff als auch von Kushner in ihren sozialen Netzwerken gesehen.

Aber auch der norwegische Ministerpräsident spricht davon. Und er wäre wohl kaum bereit gewesen zu sagen, dass alles so gut und so konstruktiv sei, wenn Witkoff ihm nicht irgendwelche Vorschläge unterbreitet hätte, die der norwegische Ministerpräsident als tatsächliche Veränderungen im Verlauf der Verhandlungen zumindest zwischen den Vereinigten Staaten und Russland hätte wahrnehmen können.

Andererseits kennen wir die wahren Absichten der Russischen Föderation nicht. Was strebt sie jetzt an? Einen teilweisen Waffenstillstand, das Schinden von Zeit, oder hat Putin tatsächlich beschlossen, den Krieg zu beenden oder auszusetzen?

Und übrigens: Wozu? Wenn wir ständig hören, dass Russland sich auf einen Krieg mit Europa vorbereitet und dass es die Amtszeit Trumps als günstiges Zeitfenster für einen solchen Krieg betrachten könnte, dann muss es Ressourcen freisetzen. Das ist alles.

Übrigens möchte ich noch ein paar Worte sagen, damit Sie nicht glauben, ich hätte das übersehen: über den Skandal darum, dass Witkoff Putin öffentlich einen Humanisten genannt hat. Und das am Tag, nachdem wir erneut ukrainische Kinder gesehen hatten, die bei russischen Bombardierungen getötet worden waren.

Und dieser Skandal findet keineswegs nur bei uns statt. Jetzt wurde der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, JD Vance, der bekanntlich neben Marco Rubio einer der Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikanischen Partei ist, danach gefragt.

Wie reagierte JD Vance? Erwartungsgemäß. „Ich stimme zu, dass Steve Witkoff etwas Nettes zu einem Menschen gesagt hat, der gerade eine amerikanische Geisel freigelassen hat. Unabhängig davon, ob wir dieser Meinung zustimmen oder nicht. Steve Witkoff ist Diplomat. Seine Aufgabe ist es, dorthin zu fahren und ein Ergebnis zu erzielen“, sagte Vance. Nun wird dieses weitere Kompliment Witkoffs an Putin einfach als diplomatischer Erfolg im Zusammenhang mit der Freilassung eines amerikanischen Staatsbürgers betrachtet werden.

Ich denke, Sie verstehen selbst sehr gut, dass die Freilassung des amerikanischen Staatsbürgers eine der wichtigsten Aufgaben Trumps und Witkoffs zum gegenwärtigen Zeitpunkt war. Und ich bin übrigens überzeugt, dass Trump auch die Geschichte mit dem Diesel mit der Freilassung dieses Menschen in Verbindung gebracht haben könnte. Denn er kann eine solche Freilassung immer als einen wichtigen Teil seiner Arbeit als Präsident betrachten. Und natürlich auch seines Wahlkampfs. Ich erinnere daran, dass Trump die Freilassung von Menschen erreichen kann, die von den Amerikanern als Landsleute begrüßt werden, die aus den Gefängnissen autoritärer Regime befreit werden konnten. Vor Wahlen spielt das eine wichtige Rolle.

Nun gibt es bereits einen Kommentar von Volodymyr Zelensky zum Treffen Witkoffs mit den Russen. „Russland unterstützt Verhandlungen auf Delegationsebene“, sagt der ukrainische Präsident. Russland, die Vereinigten Staaten und die Ukraine könnten bereits Anfang November trilaterale Verhandlungen führen. Die USA schlagen vor, sie so schnell wie möglich abzuhalten. Das Hauptziel besteht darin, das Ende des Krieges näherzubringen und ein Treffen der Staats- und Regierungschefs der drei Länder vorzubereiten.

Die Ukraine unterstützt einen Waffenstillstand, die Rückkehr der Gefangenen und andere humanitäre Initiativen. Aber Zelensky hat meiner Meinung nach völlig zu Recht daran erinnert, dass Russland bereits mehrfach Verhandlungen zugestimmt, danach jedoch seine Position verändert hat. Ich schließe keineswegs aus, dass es jetzt leider wieder genauso sein könnte. Und dass wir diese ganze Situation buchstäblich vor dem Hintergrund von Bombardierungen im ganzen Land diskutieren, im Süden, in Kyiv, im Westen, zeigt ebenfalls, dass es eine Sache ist, Verhandlungen auf Delegationsebene zu unterstützen, und eine ganz andere, über ein tatsächliches Ende des Krieges zu sprechen.

Nun gibt es noch eine weitere wichtige Information. Die Zeitung New York Times berichtet, dass die Kritik Volodymyr Zelenskys an Donald Trump bei Steve Witkoff und natürlich auch bei Jared Kushner Unzufriedenheit ausgelöst habe. Sie hätten dies während der Verhandlungen in Oslo angesprochen und Zelensky gesagt, dass der Präsident der Vereinigten Staaten über diese Worte geradezu unglaublich wütend gewesen sei. Und Zelensky habe angeblich aus diesen Mitteilungen von Witkoff und Kushner seine Schlüsse gezogen.

Aber mir scheint, dass der ukrainische Präsident sehr genau wusste, worauf er sich einließ, als er das Verhalten des amerikanischen Präsidenten gegenüber der Ukraine in den vergangenen Wochen charakterisierte. Und ich sage Ihnen noch mehr: Wenn es dieses Verhalten nicht gegeben hätte, wenn Trump durch sein unverantwortliches Verhalten gegenüber der Ukraine nicht buchstäblich in eine Sackgasse geraten wäre, dann wäre all das ebenfalls nicht geschehen.

Denn Trump möchte, dass er zumindest in seinen Beziehungen zu Putin alles tun kann, was ihm gerade einfällt, ohne dass irgendjemand darauf achtet. Er möchte in den Augen der amerikanischen Öffentlichkeit nicht als jemand erscheinen, der die Ukraine verraten hat, wenn der ukrainische Präsident davon spricht. Und ein großer Teil seiner Gesprächspartner könnte dem zustimmen.

Wie Sie verstehen, hätte Rubio ohne all das nicht versucht, die Situation durch seine Gespräche mit Zelensky zu korrigieren. Vance hätte nicht versucht, die Situation zu rechtfertigen, indem er in seinem eigenen Interview die Fragen zum russisch-ukrainischen Krieg so vorsichtig kommentierte. Trumps engste Mitarbeiter würden sich nicht so vorsichtig zu den Vorgängen in den ukrainisch-amerikanischen Beziehungen äußern und nicht Zelensky für alles verantwortlich machen. Und selbst der Sprecher des Repräsentantenhauses würde nicht sagen, dass die hohen Kraftstoff- und Dieselpreise durch die Straße von Hormus verursacht werden und nicht durch ukrainische Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation, wie Trump zu behaupten versucht. Das ist also eine ganz reale Sache, die im Grunde zeigt, dass man beachten muss, was Trump in dieser Situation tut.

Und natürlich: Wenn gesagt wird, dass das Hauptziel des künftigen Delegationstreffens darin besteht, ein trilaterales Treffen zwischen Trump, Zelensky und Putin vorzubereiten, wie Zelensky sagt, dann scheint mir, dass gerade das nicht die Hauptidee sein wird. Ich sehe bei Putin bisher keinerlei Begeisterung für ein Treffen mit Zelensky. Obwohl ich glaube, dass Trump ein solches Treffen gerade beim G20-Gipfel in den Vereinigten Staaten gerne durchführen würde.

Aber mir scheint, wenn er sagt, dass Putin und Zelensky sich nicht unbedingt treffen müssten, dann erkennt auch Trump, dass es ein solches Treffen möglicherweise einfach nicht geben wird. Und das könnte für ihn ebenfalls akzeptabel sein, wenn am Ende ein Friedensabkommen unterzeichnet wird.

Das ist also diese Turbulenz. Ich habe Ihnen in unseren Sendungen der vergangenen Tage mehrfach gesagt, dass wir uns in einem Zustand völliger Turbulenz befinden, dass wir noch vieles sehen und vieles hören werden. Aber vergessen Sie nicht, dass man auch im Kreml versteht, dass dies Tage der Turbulenz sind. Und dass man dort auf diese Tage der Turbulenz nicht unangemessen reagieren darf, um Trump nicht wirkliche Gründe für Unzufriedenheit zu liefern und sich beispielsweise neue Sanktionen einzuhandeln.

Das sind also die ersten Skizzen dieser Verhandlungen, die in Sankt Petersburg stattgefunden haben. Ich denke, dass wir in den nächsten Tagen noch einige Einzelheiten erfahren werden. Zumindest die amerikanische Presse wird darüber berichten.

Ich werde auf einige Fragen antworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage: Wenn die Republikaner die Wahlen verlieren, wie wahrscheinlich ist eine Untersuchung der nicht öffentlich bekannten Maßnahmen der Trump-Regierung, mit denen Druck auf die Ukraine ausgeübt wurde, und welche Folgen könnte eine solche Untersuchung haben?

Portnikov: Ich versichere Ihnen, dass es im Repräsentantenhaus Dutzende Untersuchungen zu den Handlungen dieser Regierung geben wird, wenn die Republikaner die Wahlen verlieren. Und ich schließe keineswegs aus, dass einer der Untersuchungsbereiche die Geschichte dessen sein wird, was in diesen Tagen geschehen ist. Das könnte die Beteiligten noch einholen.

Wie könnte das geschehen? Ganz einfach. Wenn jemand der Ansicht ist, dass die Regierung Russland heimlich im Krieg gegen die Ukraine unterstützt und bestimmte Hilfen für die Ukraine ohne irgendwelche Beschlüsse und schriftlichen Anordnungen heimlich zurückgehalten hat und so weiter, dann könnten Personen zur Aussage unter Eid vor den Kongress geladen werden.

Und das könnte natürlich im Falle einer Falschaussage zu einer strafrechtlichen Verfolgung des amerikanischen Verteidigungsministers, des Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs oder von Personen aus der Regierung führen. Und das könnte schwerwiegende Folgen haben, beispielsweise den Rücktritt des Verteidigungsministers oder die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen ihn.

Ich möchte Ihnen allerdings sagen, dass dies keineswegs das Hauptthema der Untersuchungen sein wird. Ich versichere Ihnen einfach, dass wir von Missständen in einem Ausmaß erfahren könnten, das wir uns nicht einmal vorstellen können.

Frage: Wir wissen, dass die Mehrheit der Amerikaner die Ukraine unterstützt. Aber wirkt sich das auf das Wahlverhalten aus? Die Demokraten sind ohnehin für uns, und die Republikaner werden sich nicht gerade wegen der Ukraine von ihren eigenen Kandidaten abwenden.

Portnikov: Erstens sollte man nicht glauben, dass jeder demokratische Wähler für uns und jeder republikanische Wähler gegen uns ist. Das ist überhaupt nicht so. Wir genießen gerade eine breite parteiübergreifende Unterstützung.

Aber die Wahrheit ist, dass die Ukraine-Frage weder für demokratische noch für republikanische Wähler an erster Stelle steht. Natürlich sage ich das immer wieder, wenn jemand behauptet: „Trump kann die Wahlsituation verändern, weil er uns nicht unterstützt.“ Das ist nicht so. Das stimmt nicht.

Die Wahrheit ist, dass sich die Unterstützung der Ukraine derzeit nicht so auf das tägliche Leben von Millionen Amerikanern auswirkt wie beispielsweise die Situation im Nahen Osten. Und übrigens versucht Trump ständig, das zu ändern. Trump selbst, wenn er sagt: „Nein, nicht der Nahe Osten ist der Grund dafür, dass Sie nicht genug Diesel oder Benzin kaufen können oder dass Sie dafür hohe Preise bezahlen. Nein, die ukrainischen Angriffe auf die russische Ölraffinerieindustrie sind die Ursache all Ihrer Probleme.“ Aber niemand glaubt das.

Und hier geht es nicht darum, ob jemand die Ukraine-Frage als vorrangig oder zweitrangig betrachtet. Es geht darum, dass die unentschlossenen Wähler, und gerade diese Menschen entscheiden die Wahlergebnisse in vielen amerikanischen Bundesstaaten, eine ganze Reihe von Fragen an Trump haben, die dazu führen könnten, dass sie nicht für einen republikanischen Kandidaten stimmen. Die Unterstützung oder Nichtunterstützung der Ukraine ist gewissermaßen ein Teil dieses gesamten Fragenkomplexes.

Frage: Wenn Marine Le Pen die Wahlen in Frankreich und die Alternative für Deutschland die Wahlen in Deutschland gewinnt, wie wird sich das auf die Unterstützung der Ukraine in Europa auswirken?

Portnikov: Bisher gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass die Alternative für Deutschland der Bildung einer Bundesregierung in Deutschland nähergekommen wäre. Erstens finden die Wahlen dort noch lange nicht statt. Zweitens haben die anderen Parteien keineswegs ihre Haltung aufgegeben, dass sie mit ihr keine Koalition bilden können.

Selbst wenn diese Partei also eine große Zahl von Stimmen im deutschen Parlament erhält, könnte sie vollständig in der Opposition bleiben. Und eine Regierung könnte beispielsweise von Christdemokraten, Sozialdemokraten und Grünen gebildet werden. Dann gäbe es eben eine Dreierkoalition statt einer Zweierkoalition, einfach um die Ultrarechten aufzuhalten. Deshalb erscheinen all diese Vorstellungen, dass die Alternative für Deutschland in Deutschland kurz vor der Machtübernahme stehe, bisher nicht realistisch.

Ein Sieg Marine Le Pens erscheint realistischer. Aber ich glaube nicht, dass es für Marine Le Pen, wenn sie Präsidentin Frankreichs wird, so einfach sein wird, den Kurs der Europäischen Union zu verändern, wenn man die wirtschaftliche Situation Frankreichs selbst und seine Abhängigkeit von den Prozessen innerhalb der Europäischen Union berücksichtigt. Der Umfang der wirtschaftlichen, finanziellen und militärischen Hilfe Frankreichs für die Ukraine ist mit dem deutschen nicht vergleichbar.

Aber Marine Le Pen könnte versuchen, Einfluss auf den Umfang der gesamteuropäischen Unterstützung zu nehmen. Das stimmt, das könnte geschehen. Aber dafür muss sie erst noch gewinnen und ihr Amt antreten. Bis dahin ist es noch sehr lange.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass der zweite Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen am 2. Mai 2027 stattfinden wird. Überlegen Sie, wann das erst sein wird, was der 2. Mai 2027 überhaupt bedeutet und wie viele Ereignisse bis dahin noch stattfinden werden. Deshalb würde ich mich mit solchen Prognosen für einen so weit entfernten Zeitraum nicht beeilen.

Wir wissen überhaupt nicht, wie Europa aussehen wird, ob nicht bis 2027 irgendein neuer Konflikt beginnt. Sie haben, denke ich, gesehen, wie sich die Situation in der Welt nach Beginn des Iran-Krieges verändert hat. Wie Sie verstehen, werden bis Mai 2027, bis zu einem Machtwechsel in Frankreich, selbst wenn Marine Le Pen gewinnt, noch viele solcher Ereignisse stattfinden, deren Ausmaß Sie sich heute nicht einmal vorstellen können. Ich werde Ihnen in dieser Sendung nicht davon erzählen. Deshalb sollten Sie sich mit Prognosen nicht beeilen.

Frage: Kehren wir wieder zum Mai 2025 zurück, als Putin vorschlug, die Verhandlungen mit Russland wieder aufzunehmen, bei denen Medinski drohen wird: „Gebt den Donbas schon heute ab, damit ihr morgen nicht noch mehr verliert“?

Portnikov: Nein, ich glaube gerade, dass es anders sein könnte. Dass Uschakows Worte über die Sicherheitsfragen der Ukraine und Russlands gerade nicht vom Donbas sprechen, sondern von einem breiteren Ausmaß des Drucks auf die Ukraine, der gemeinsam von Amerikanern und Russen ausgeübt werden könnte. Wenn es nicht um den Vorrang territorialer Fragen gehen wird, sondern um den Vorrang von Sicherheitsfragen. Darum, dass die Ukraine zustimmt, den Frieden gegen die Rolle eines russischen Satelliten einzutauschen, unter Garantien der Vereinigten Staaten, dass die Ukraine ihre Staatlichkeit nicht verlieren wird. Und möglicherweise wird man versuchen, auch China daran zu beteiligen.

Ich sage nicht, dass es so kommen wird. Ich sage, dass die Russen zumindest ein solches Modell in Betracht ziehen könnten, im vollen Bewusstsein, dass, sobald Trump nicht mehr Präsident ist, auch all diese amerikanischen Garantien verschwinden werden und nur noch die Rolle eines russischen Satelliten übrig bleibt. Und das könnte eine solche Idee sein.

Frage: Erläutern Sie bitte den Zusammenhang zwischen den gegenwärtigen Verhandlungen und den Wahlen in den Vereinigten Staaten. Es sieht so aus, als würde Putin Trump die Illusion von Fortschritten vermitteln, aber wirkliche Fortschritte wird Trump bis zum 3. November nicht erleben.

Portnikov: Wer hat Ihnen denn gesagt, dass Trump bis zum 3. November eine Illusion von Fortschritten braucht? Er muss bis zum 3. November sagen können, dass die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine unmittelbar bevorstehen, dass dabei erhebliche Fortschritte erzielt werden und dass Frieden erreicht wird. Und inzwischen hat sein Vertreter bei den Verhandlungen die Freilassung einer amerikanischen Geisel erreicht. Gut gemacht. Und Trump hat es auch gut gemacht. Und niemand außer Trump hat das geschafft.

Inzwischen liefert Russland Dieselkraftstoff auf den Weltmarkt, was die Kraftstoffpreise bereits senkt und sie auch weiterhin senken wird, noch vor Beginn der Verhandlungen. Der Prozess läuft. Er kann nicht schnell sein. Aber Trump hat von Putin die Möglichkeit bekommen, sich mit seiner Rolle als Friedensstifter zu brüsten.

Putin hat nicht abgelehnt. Der Prozess der Vorbereitung der Verhandlungen läuft. Es werden die ersten ernsthaften Verhandlungen sein, die ersten Verhandlungen auf hoher Ebene. Ich zitiere jetzt nicht Trump, sondern den norwegischen Ministerpräsidenten. Sehen wir, was Trump selbst sagen wird.

Und ich wiederhole: Trumps Zeitdruck hängt nicht nur mit dem 3. November zusammen, sondern auch mit der Zeit im November, Dezember und Anfang Januar 2027. Auch das ist eine Zeit, in der er glauben könnte, dass er seine letzten Möglichkeiten hat, bestimmte Maßnahmen in den Beziehungen zu Moskau zu ergreifen.

Frage: Wenn Russland mit Europa Krieg führen will, soll es doch Krieg führen. Warum sollen die Ukrainer ein Schutzschild sein?

Portnikov: Die Ukraine ist kein Schutzschild, sondern ein potenzielles Aufmarschgebiet für einen solchen Krieg. Um Krieg gegen Europa führen zu können, muss Russland das Territorium der Ukraine erobern und dieses Territorium von einer illoyalen Bevölkerung befreien, die nicht bereit ist, die historische Rolle Russlands anzuerkennen.

Ihre Entscheidung, verehrter Zuschauer, betrifft also nicht die Frage eines Schutzschilds. Es geht darum, ob Sie in feuchter Erde liegen werden, während in Ihrem Haus ein Besatzer lebt, der bereit ist, Krieg gegen Europa zu führen, oder ob es Ihnen gelingt, zu überleben und die Staatlichkeit der Ukraine zu verteidigen. Das ist eine sehr einfache Entscheidung, vor der Sie schon bald stehen werden.

Frage: Wenn es jetzt keine intensiven Maßnahmen gibt, um Russland zum Frieden zu zwingen, wie wahrscheinlich ist es dann, dass die Armee und andere Sicherheitsorgane Trump folgen werden, falls Trump mit allen Mitteln an der Macht festhalten will?

Portnikov: Eine solche Wahrscheinlichkeit gibt es nicht. Die amerikanischen Institutionen sehen nicht wie Institutionen aus, in denen vor allem die Sicherheitskräfte alles entscheiden. Und angesichts von Trumps gegenwärtiger Popularität: Wer von den Menschen, die in diesen Institutionen dienen oder arbeiten, würde es riskieren, ihn zu unterstützen, wenn er gegen das Gesetz verstößt?

Frage: Glauben Sie, dass Witkoffs Besuch nicht eine Fortsetzung der Vereinbarung über den Erwerb von Lukoil war, getarnt als Friedensverhandlungen?

Portnikov: Witkoffs Besuch ist natürlich, wie jeder solche Besuch, eine Fortsetzung der Suche nach Möglichkeiten, die ausländischen Vermögenswerte von Lukoil an sich zu bringen. Zweifeln Sie nicht daran, dass Witkoff und Putin während dieses dreistündigen Gesprächs darüber gesprochen haben. Außerdem erschien erstmals bei russisch-amerikanischen Verhandlungen, ich glaube, ich habe das noch nicht erwähnt, Maxim Oreschkin.

Maxim Oreschkin ist stellvertretender Leiter der russischen Präsidialverwaltung und Berater des Präsidenten der Russischen Föderation. Er war früher stellvertretender Leiter der Präsidialverwaltung der Russischen Föderation und ehemaliger Minister für wirtschaftliche Entwicklung der Russischen Föderation. Das heißt, dieser Mann ist tatsächlich für die russische Wirtschaft zuständig, denn in Russland wird, wie auch bei uns, alles vor allem in der Präsidialverwaltung entschieden.

Und nun erschien Oreschkin zum ersten Mal bei den Verhandlungen zwischen Putin und Witkoff. Das bedeutet, dass bei diesen Verhandlungen über sehr ernsthafte wirtschaftliche Fragen gesprochen wurde, wenn Putin dafür Oreschkin brauchte und nicht nur Kirill Dmitrijew. Denn Kirill Dmitrijews Aufgabe besteht darin, den Amerikanern Märchen aufzutischen, während Oreschkins Aufgabe darin besteht, konkrete wirtschaftliche Fragen zu lösen.

Sie müssen dort also über etwas sehr Ernstes gesprochen haben, wenn Oreschkin zu diesen Verhandlungen kam. Oder ist er etwa eigens nach Sankt Petersburg geflogen? Wissen Sie, dass das alles in Sankt Petersburg stattfindet? Es ist ja nicht so, dass Putin sagt: „Ach, wo ist denn unser Oreschkin? Fragen wir ihn doch mal.“ Das bedeutet, dass sie sich auf solche Verhandlungen vorbereitet haben. Und Oreschkin flog zusammen mit Putin nach Sankt Petersburg, um mit Witkoff zu sprechen.Dabei kann es um Lukoil gehen und um alles andere. 

Aber ich erinnere Sie daran, dass Witkoff ständig sagt, dass all diese Beziehungen erst nach dem Ende der Kampfhandlungen im russisch-ukrainischen Krieg zustande kommen und geregelt werden können. Das heißt, hier hat sich eine bestimmte amerikanische Position nicht verändert. Ein sehr wichtiger Punkt, wie mir scheint. Ich denke, dass auch Sie das sehr gut verstehen.

Aber dass der Wunsch, die Vermögenswerte von Lukoil zu erwerben, und überhaupt der Wunsch, irgendwelche Geschäfte mit Russland im Energiebereich und nicht nur dort zu machen, ein wichtiger Bestandteil des Handelns dieser Regierung ist, das muss ich meiner Meinung nach nicht immer wieder wiederholen. Denn das ist eine objektive Wahrheit, mit der auch wir umgehen müssen.

Und wir müssen verstehen, dass wir den Vereinigten Staaten aus Trumps Sicht trotz dieses gesamten Abkommens über ukrainische Mineralien, das bereits 2025 auf Initiative eben jenes Lindsey Graham unterzeichnet wurde, nicht so viel anbieten können, wie Putin ihnen anbieten kann.

Natürlich bedeutet etwas anzubieten noch lange nicht, dass man heiratet. Aber er bietet es an. Und wenn Trump sagt: „Wir haben der Ukraine Milliarden Dollar gegeben, und was haben wir dafür bekommen? Steigende Ölpreise?“, dann meint er genau das. Zweifeln Sie nicht daran.

Seien Sie deshalb sicher, dass dies erst der Beginn bestimmter Prozesse ist. Aber man kann nicht sagen, dass dies einfach eine Situation ist, die überhaupt zu keinen Veränderungen führen wird. Das heißt, wir spüren gewisse Korrekturen der russischen Position. Aber wir wissen nicht, womit diese Perspektiven und Korrekturen zusammenhängen. Ob tatsächlich mit dem Wunsch, die Kampfhandlungen irgendwann auf irgendeine Weise auszusetzen. Oder mit dem Wunsch, erneut Zeit zu schinden, in einer für Donald Trump so schwierigen Zeit vor den Wahlen und während der Bildung eines neuen Kongresses in den Vereinigten Staaten, der nach allen Anzeichen dem amtierenden amerikanischen Präsidenten gegenüber nicht wohlgesinnt sein wird.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін-Віткофф: перші підсумки | Віталій
Портников. 21.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 21.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Verhandlungen in Oslo: Die Ergebnisse | Vitaly Portnikov. 20.10.2026.

Heute fanden in Oslo Verhandlungen statt, bei denen der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky gemeinsam mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre und dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb mit dem Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, sprach. Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, der einigen Berichten zufolge derzeit an Grippe erkrankt ist, nahm telefonisch an diesem Gespräch teil.

Morgen wird Steve Witkoff in Sankt Petersburg mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, zusammentreffen, um ihm die abgestimmte Position der Vereinigten Staaten, der Ukraine und der europäischen Länder hinsichtlich eines möglichen Friedens in der Ukraine zu übermitteln.

Nach den Verhandlungen mit Witkoff trat Zelensky auf einer Pressekonferenz auf, auf der er sagte, dass die Versorgung der Ukraine mit Geheimdienstinformationen sowie die Geschwindigkeit von Starlink bereits wiederhergestellt seien. Er dankte der amerikanischen Seite dafür. Er betonte, dass Witkoff und, wie wir annehmen können, auch Kushner der Ukraine während der Verhandlungen in Oslo Sicherheitsgarantien angeboten hätten, die in ihrer Wirksamkeit mit Artikel 5 des NATO-Vertrags vergleichbar seien. Mir war das nie verständlich, weil ich nicht verstanden habe, warum Putin, der einem NATO-Beitritt der Ukraine gerade deshalb nicht zustimmt, damit Artikel 5 nicht zur Anwendung kommt, einer gesonderten Anwendung ähnlicher Garantien für die Ukraine zustimmen sollte. Aber das ist ein anderes Thema.

Wie dem auch sei, diese Konsultationen zwischen dem ukrainischen Präsidenten und dem amerikanischen Vermittler haben stattgefunden. Und wie man verstehen kann, soll Witkoff dem russischen Präsidenten dieselben Vorschläge unterbreiten, wenn sie sich morgen in Sankt Petersburg treffen.

Trump gibt unterdessen keine Ruhe. Als ich unser heutiges Gespräch plante, wollte ich gerade über diese Ergebnisse der Verhandlungen sprechen und darüber, dass sich die Situation, die sich nach dem bekannten Telefongespräch zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten und dem sogenannten Dieselgeschäft zwischen Donald Trump und Putin zugespitzt hatte, jetzt etwas verbessert hat. Aber wir sehen, dass Trump gerade im Oval Office spricht, und diese Rede wiederholt ihrem Inhalt nach im Grunde genau das, was er 2025 gesagt hat, als er versuchte, den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky davon zu überzeugen, den von Präsident Putin gestellten Kapitulationsbedingungen zuzustimmen. Genau dasselbe.

„Die Russen bewegten sich auf einer betonierten Autobahn mit 1.000 Panzern. Sie wären innerhalb von vier Stunden in der Ukraine gewesen, wenn sie mit der Höchstgeschwindigkeit der Panzer gefahren wären. Nichts hätte sie aufhalten können. Der Krieg wäre an einem einzigen Tag beendet gewesen. Aber dieser dumme General beschloss, nach rechts auf landwirtschaftliche Flächen abzubiegen und dann nach links in Richtung Kyiv zu fahren. Statt auf der Autobahn zu bleiben.“ Wer hat sich das für ihn ausgedacht? Warum erfindet er das ständig?

„Wir haben der Ukraine sehr viel Hilfe geleistet und dafür nichts bekommen außer Leid, Tod und kolossalen finanziellen Ausgaben. Die Ukraine sollte eine Vereinbarung anstreben, denn die USA haben dafür ein Vermögen ausgegeben, Europa hat ein Vermögen ausgegeben, Europa ist dessen bereits müde. Wenn sie keine Vereinbarung schließen, wird die Situation meiner Meinung nach letztlich viel schlimmer werden.“

Trump rechtfertigt Putin offen. „Einige Menschen leiden in einer Stadt, die von einem russischen Angriff getroffen wurde, oder so etwas, aber größtenteils sterben Soldaten.“ Im Grunde sehen wir, dass sich Trumps prorussische und völlig unrealistische Rhetorik nicht verändert. Aber Trump glaubt wahrscheinlich, dass er auf diese Weise Druck auf Zelensky ausübt, damit Zelensky gerade die russischen Friedensbedingungen akzeptiert, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt.

Und es entsteht der Eindruck, dass selbst in der Trump-Regierung bereits erkannt wird, wie gefährlich das für die Republikaner ist und wie sehr es ihre Positionen untergräbt. Deshalb sprach der amerikanische Außenminister Marco Rubio heute mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky und gab anschließend ein Interview, in dem er betonte: „Alles, was das Verteidigungsministerium in Bezug auf die Ukraine getan hat, hat sich nicht verändert, es bleibt unverändert. PURL, das Programm, bei dem Waffen an die Europäer verkauft werden und diese sie an die Ukraine weitergeben, bleibt unverändert. Der Austausch von Geheimdienstinformationen bleibt bestehen. Trump hat eindeutig erklärt, dass er keinerlei Anordnungen erteilt hat, diese Hilfe einzustellen. Nichts hat sich verändert, überhaupt nichts. Ich sehe Berichte über Veränderungen, aber das entspricht nicht der Wirklichkeit, das ist nicht wahr.“

Da haben Sie es. Eine ziemlich einfache Geschichte. „Der Ukraine wird nichts absichtlich vorenthalten. Wenn es um Patriots geht, handelt es sich einfach um eine Abwägung zwischen den Verpflichtungen gegenüber unseren Partnern und, offen gesagt, unseren eigenen Standards und Anforderungen an die Bestände.“ Und all das sagt Rubio. Während Trump erneut betont, wie es seiner Meinung nach sein sollte.

Was geschieht tatsächlich aus der Sicht der ukrainischen Position? Im Grunde befindet sich Trump in einer politischen Umklammerung. Er nähert sich den Zwischenwahlen. Und mit jedem neuen Tag sinken die Umfragewerte der Republikaner, während die der Demokraten steigen. Dabei geht es bereits nicht mehr nur um das Repräsentantenhaus, sondern auch um den Senat. Trump versteht sehr gut, dass Untersuchungen seiner Tätigkeit für ihn, seine Familienmitglieder und sein engstes Umfeld katastrophal sein könnten. Gerade deshalb können Menschen wie Rubio oder Vance, die wissen, dass sie davon nicht betroffen sein werden, es sich leisten, von Trumps Linie abzuweichen und den amerikanischen Präsidenten schon heute beinahe in seinem eigenen Schmutz zu ertränken. Stellen wir uns vor, wie sie sich morgen verhalten werden.

Trump muss etwas unternehmen. Sie könnten fragen: Was? Das ist eine gute Frage. Nun, er würde gerne die Kraftstoffpreise senken und demonstrieren, dass er ein Friedensstifter ist.

Im Nahen Osten wird das alles nicht gelingen. Dort lohnt es sich derzeit überhaupt nicht, über irgendetwas nachzudenken, zumal auch in Israel selbst jetzt, würde ich sagen, richtungsweisende Parlamentswahlen anstehen. Und Trump könnte noch befürchten, dass er Benjamin Netanjahu als Partner verliert und der nächste israelische Ministerpräsident bestimmte Bedrohungen völlig anders beurteilen könnte.

Also muss zumindest der Krieg gegen die Ukraine beendet werden. Das würde wiederum ermöglichen, die Sanktionen gegen die Russische Föderation aufzuheben, ihr Öl und ihre Erdölprodukte auf den legalen Markt zu bringen und damit die Belastung zu verringern, unter der dieser Markt aufgrund der faktischen Kontrolle Irans über die Straße von Hormus steht. Und dabei wird es sich, wie Sie verstehen, nicht mehr um die 300.000 Tonnen Kraftstoff handeln, über die Putin sich kürzlich mit Trump geeinigt hat.

Auf wen kann Donald Trump in dieser Situation Druck ausüben? Wirkliche Möglichkeiten, Druck auf Russland auszuüben, die Russland zur Beendigung des Krieges zwingen würden, hat der Präsident der Vereinigten Staaten nicht besonders viele, wie ich seit den Wahlen von 2024 immer wieder gesagt habe. Wenn wir die Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation sowie ihre Energie- und militärisch-industrielle Infrastruktur zerstören, üben wir auf Russland tatsächlich einen viel größeren Einfluss aus als alle amerikanischen Sanktionen zusammengenommen. Denn Russland pfeift auf diese Sanktionen, solange es sein Öl und Gas nach China und Indien verkaufen kann. Wenn wir aber ihre Häfen bombardieren und sie kein Öl mehr exportieren können, wenn sie ihre Bohrlöcher stilllegen müssen, wenn sie ihre Ölraffinerien lange reparieren müssen, dann ist das tatsächlich ein Problem.

Wer bleibt also in dieser Situation übrig, auf den Trump Druck ausüben kann? Die Ukraine. Trumps gesamte Rhetorik richtet sich an uns. „Los, kapituliert.“ Aber hier müsste man eine andere Frage stellen: Wie sehr brauchen der Präsident der Russischen Föderation, der russische Staat, die russische Armee und auch das russische Volk unsere Kapitulation? Ich werde nicht müde, immer wieder daran zu erinnern, dass wir nicht zwischen Widerstand und Kapitulation wählen, sondern zwischen Widerstand und Vernichtung. Vernichtung ist keine Kapitulation. Sie bedeutet Vertreibung und Tod. Mögen die Scharen russischer Bots und ukrainischer nützlicher Idioten, von denen es auf ukrainischem Boden schon immer reichlich gab, versuchen, Sie von etwas anderem zu überzeugen. Aber Sie müssen sich das für Ihr ganzes Leben merken.

Die Situation ist also die, dass Trump zur Kapitulation der Ukraine bereit ist, nicht aber zu ihrer Vernichtung, denn diese würde ihm keinerlei Vorteile bringen. Was bedeutet die Kapitulation der Ukraine aus Trumps Sicht? Die Übergabe der Kontrolle über die Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja sowie die Krim an Russland und die Anerkennung dieser Kontrolle. Die Anerkennung der russischen Souveränität über die Krim durch die Vereinigten Staaten. Trump scheut sich nicht, das zu sagen. Er sagt: „Putin wird dort einen gewissen Teil des Eigentums bekommen, das er erobert hat.“

Dazu gehört ein neutraler Status der Ukraine. Sowohl Trump als auch sein Vizepräsident JD Vance, der sich anscheinend bereits darauf vorbereitet, Trumps Platz sogar ohne Wahlen einzunehmen, sagen, dass sie nicht sicher seien, ob die Ukraine NATO-Mitglied sein sollte. Obwohl wiederum aus Sicht der formalen Logik völlig unverständlich ist, von welchen Garantien auf dem Niveau von Artikel 5 hier überhaupt noch die Rede sein kann.

Es geht um Neutralität, um die russische Sprache und die russische Kirche und um russischen Einfluss in der Ukraine. Selbst trotz dieses grausamen Krieges glaubt Trump, Zelensky müsse eine solche Kapitulation akzeptieren und die Ukrainer müssten ihr zustimmen, unter der Drohung, dass die amerikanische Unterstützung endgültig eingestellt wird.

Wir können darüber sprechen, dass ein solcher Zustand für die Ukrainer unangemessen und inakzeptabel wäre. Aber jetzt geht es nicht um die Ukrainer, die für Trump in dieser Geschichte keine eigenständigen Akteure sind. Es geht um den Menschen, den er als Akteur betrachtet. Das ist Putin. Und nun stellt sich die Frage: Braucht Putin die ukrainische Kapitulation? Nein. Putin braucht die Vernichtung der Ukraine.

Denn diese langjährigen Bemühungen dauern, wie ich Sie erinnern möchte, nicht einmal nur viereinhalb Jahre, sondern zwölf Jahre. Und nicht einmal zwölf Jahre, sondern 26 Jahre von Putins Herrschaft. Denn Putin begann buchstäblich vom ersten Tag seiner Amtszeit als Präsident der Russischen Föderation an, sich mit der Vernichtung der Ukraine zu beschäftigen.

Erinnern Sie sich: Koltschuga, Tusla, der Maidan von 2004 und der Versuch, Janukowytsch auf den Präsidentensessel zu setzen. Die Revanche von 2010. Das Jahr 2013. Die Absage an die europäische Assoziierung. Die Annexion der Krim 2014. Der Krieg im Donbas. Die Diskreditierung der Regierung nach dem Maidan und die direkte Beteiligung Putins und Russlands am politischen Prozess von 2019, als sie alles Mögliche unternahmen, um eine Revanche zu erreichen, und verloren. Das alles war Putin während dieser 26 Jahre.

Die Umgehungsgaspipelines, deren Bau Putin Alexej Miller buchstäblich vom ersten Tag an auftrug, als dieser Vorstandsvorsitzender von Gazprom wurde. Nord Stream 1, Turkish Stream, Nord Stream 2 – das alles diente der Eroberung der Ukraine. Denn diese Gaspipelines sollten Russland niemals Gewinne bringen. Sie wurden gerade dafür gebraucht, um sich später rücksichtslos in ukrainische Angelegenheiten einzumischen und der Ukraine den Verzicht auf ihre Staatlichkeit zu diktieren.

Und nun sagt man Putin nach 26 Jahren solcher Bemühungen und Niederlagen, sowohl 2004 als auch 2014 und im Grunde auch 2019: „Gut. Nimm dir die Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja zusammen mit der Krim und verschwinde wieder in deine Höhle.“

Nun, das ist eine Beleidigung, das ist einfach eine Verhöhnung durch einen alten Mann aus Washington. Der obendrein bereits seinen Einfluss verliert und in zwei Jahren nicht mehr Präsident der Vereinigten Staaten sein wird. Auf wen hören wir da? Was will er überhaupt?

Deshalb glaube ich, dass Zelensky all diesem Unsinn gegenüber Respekt gezeigt hat. Er hörte Witkoff zu. Er sagte, dass die Ukraine bereit sei, ihre Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Russischen Föderation einzustellen, falls Russland aufhöre, die Energieinfrastruktur der Ukraine anzugreifen. Kommt Ihnen das nicht bekannt vor?

Morgen wird Witkoff zu Putin reisen, sich mit ihm in Sankt Petersburg treffen, und Putin wird diesen Plänen der amerikanischen Regierung erneut nicht zustimmen. Was wird dann tatsächlich geschehen? Wie wird Trump sich verhalten? Wie werden sich die Vereinigten Staaten verhalten? Nun, das ist eine gute Frage.

Mir scheint, die wichtigste Frage ist nicht, ob es Witkoff gelingen wird, mit Putin Frieden zu vereinbaren. Ich glaube, diese Idee muss man sich als Hirngespinst aus dem Kopf schlagen, denn Putin will keinen Frieden. Mir scheint, man sollte auch nicht darüber diskutieren, ob Witkoff mit Putin über die Kapitulation der Ukraine sprechen kann. Auch diese Idee muss man als Hirngespinst verwerfen. Nicht einmal deshalb, weil wir heute eine solche Kapitulation nicht wollen, sondern weil der Präsident der Russischen Föderation, sein Volk und seine Armee sie nicht brauchen.

Unsere wichtigste Aufgabe besteht darin, zu verstehen, wie Trump handeln wird, wenn Putin ihn erneut zum Teufel schickt. Das ist das Interessanteste. Und Trump hat sich mit seinem Druck auf die Ukraine bereits richtig in Fahrt gebracht. Wird er diesen Druck einstellen? Wird er aufhören, all den erstaunlichen Unsinn zu erzählen, den er erzählt? Oder wird er weitermachen? Das ist das Interessanteste, was man in dieser Situation verstehen muss.

Denn Witkoff trifft sich mit Putin, und Putin sagt: „Nein, das ist für uns inakzeptabel.“ Der Außenminister der Russischen Föderation, Sergej Lawrow, hat bereits gesagt, dass Russland keinerlei Zugeständnisse machen werde. Keine. Sie sind absolut davon überzeugt, dass sie die Vernichtung der Ukraine erreichen und unser Territorium in ein Gebiet verwandeln werden, das für unser Leben ungeeignet, aber für das Leben russischer Siedler geeignet ist, die bereits ihre Koffer packen.

Das ist die Frage: Was geschieht danach? Denn wenn Zelensky Trump zustimmt, dass es Friedensbedingungen gibt, dass die Amerikaner diese vorschlagen und wir sie akzeptieren, dass wir zu diesem, jenem und noch anderem bereit sind, während die Russen zu überhaupt nichts bereit sind – was macht Trump dann?

Wenn er sieht, dass Putin ihn vor dem 3. November erneut durch den Dreck gezogen hat. Ihn gründlich durch den Dreck gezogen hat. Wird er dann einsehen, dass er der Ukraine doch die Patriots geben muss, die Pete Hegseth derzeit vor uns zurückhält? Natürlich nicht aus eigenem Antrieb. Wir verstehen, dass Hegseth in seinem Leben keinerlei selbstständige Entscheidungen trifft, dass das alles Trump ist.

Oder werden wir vielleicht Tomahawks bekommen? Oder wird man uns vielleicht dabei helfen, die russische Energiewirtschaft und Wirtschaft so gründlich zu zerstören, dass von ihr nichts mehr übrig bleibt, wenn Putin Trump schon auslacht? Oder wird Trump weiter auf Putin hoffen? Welchen Sinn hätte es noch, auf ihn zu hoffen?

Man muss verstehen, dass Trump nach dem 3. November, selbst bevor der neue Kongress seine Arbeit aufnimmt, nicht mehr viel Zeit dafür haben wird, Putin zu helfen. Selbst der dann noch amtierende Kongress, der sogenannte Lame-Duck-Kongress, in der Zeit von November 2026 bis Januar 2027, könnte sich bereits gegen Trump stellen.

Denn dort werden Republikaner sitzen, die verstehen, dass er ihnen nur Probleme bereitet, und die nicht wieder in den Kongress gewählt wurden. Wenn sie den Kongress verlassen müssen, werden sie wissen, dass sie nicht mehr von Trump abhängig sind. Sie können Gesetzentwürfe verabschieden, die im Grunde allen Absichten des amerikanischen Präsidenten widersprechen, auch denen im Zusammenhang mit den russisch-amerikanischen Beziehungen.

Einige Republikaner im Repräsentantenhaus verbergen ihre kämpferische Haltung nicht. Das ist, wie Sie verstehen, der interessanteste Punkt. Was wird geschehen, nachdem Putin erneut sämtliche Vorschläge Trumps zurückgewiesen hat? Das interessiert mich mehr.

Aus logischer Sicht müsste Putin Trump zumindest für eine gewisse Zeit etwas geben, das Trump als seinen Erfolg präsentieren könnte. Nun, beispielsweise könnte es um einen Energiewaffenstillstand gehen. Was verliert Putin im Grunde durch einen Energiewaffenstillstand? Eigentlich verliert er nichts, wenn man es genau betrachtet.

Nun, dann greift er drei oder vier Wochen lang die ukrainische Energieinfrastruktur nicht an. Aber auch die Ukraine wird seine Energieanlagen nicht angreifen und ihm dadurch ermöglichen, die Reparaturen zu beschleunigen und die Menge des exportierten Kraftstoffs zu erhöhen, der für die Fortsetzung des Krieges auch in den kommenden Jahren gebraucht wird. Und Trump wird als Friedensstifter dastehen.

Nach dem 3. November, nach dem 10., gut, kann man das alles wieder aufnehmen und die Ukraine beschuldigen, den Energiewaffenstillstand gebrochen zu haben. Putin beherrscht das alles.

Die Frage ist, wie weit er zu all dem bereit sein wird. Denn es gibt die Logik der Politik, und es gibt die Logik von Putins Verhalten. Er könnte der Ansicht sein, dass er Trump bereits einmal ausgenutzt hat und ihn nicht mehr braucht. Und deshalb könnte er die Gefühle seines amerikanischen Kollegen völlig ignorieren.

Und er wird nichts tun, was zeigen würde, dass Trump in dieser Angelegenheit wenigstens irgendeinen Erfolg erzielen konnte. Er wird weder als Friedensstifter dastehen, noch werden die Kraftstoffpreise sinken. Und es wird ihm schwerfallen, Zelensky die Schuld zu geben, der allen amerikanischen Vorschlägen zustimmen wird, statt Putin, der keinem dieser amerikanischen Vorschläge zustimmen wird.

Nun, im Grunde muss man sagen, dass die Teilnehmer dieser Pressekonferenz mit Zelensky, wie Sie verstehen, sehr vorsichtig waren. Der finnische Präsident sagte: „Nun ja, wir haben bestimmte Rahmenbedingungen für einen Frieden besprochen, wir werden sehr vorsichtig sein.“

Und dass Witkoff, genau das ist es, wovon ich spreche, „Putin einen Plan für einen teilweisen Waffenstillstand vorschlagen wird, der den Schutz der Energie- und Nahrungsmittelinfrastruktur vorsieht“. Also etwas, dem Putin bereits mehrfach nicht zugestimmt hat.

Ich erinnere Sie daran, dass er die Idee eines Energiewaffenstillstands als absurd bezeichnet hat. Nun stellt sich auch die Frage, inwieweit ihm diese Idee jetzt nicht mehr absurd erscheinen wird. Das ist doch die wichtigste Frage.

Jedenfalls sagt der finnische Präsident, dass die Verhandlungen zwischen Zelensky und Trumps Gesandten gut und konstruktiv gewesen seien. Niemand will sich also mit dem amerikanischen Präsidenten streiten. Alle sprechen von Fortschritten.

Übrigens könnte gerade jetzt noch ein weiteres Treffen stattfinden. Ein Treffen von Vertretern der Ukraine, Norwegens und Finnlands mit den nationalen Sicherheitsberatern der Europäischen Union, der NATO, Großbritanniens, Deutschlands und Italiens.

Das heißt, auf unserer Ebene, sagen wir, auf der Ebene der Ukraine und des Westens, gibt es Fortschritte. Auf russischer Ebene bleibt alles beim Alten. „Wir sind bereit, Ihnen zuzuhören, aber wir haben nicht die Absicht, politische Zugeständnisse zu machen“, sagt Lawrow.

Wie soll ein solcher Verhandlungsprozess überhaupt funktionieren? Nun, im Grunde müssen wir nicht lange warten. Man kann alles Mögliche tun, um Russland in der Ukraine zu entlarven, um zu zeigen, dass Putin nichts will, um Trump dazu zu bringen, unsere Unterstützung zu verstärken, weil es keine andere Alternative gibt.

Und dann kann man durch Druck auf Russland, auch durch militärischen Druck, Putin zum Abschluss eines wirklichen Friedens zwingen. Das ist die Logik der Situation, die mir am wichtigsten erscheint.

Und man sollte nicht glauben, dass in Russland alles so wunderbar läuft. Eine Nachricht, die buchstäblich in den letzten Minuten erschienen ist und auf die ich an Ihrer Stelle, liebe Freunde, aufmerksam achten würde: Russland hat angesichts des wachsenden staatlichen Haushaltsdefizits die größte Verkaufsaktion von Gold aus den staatlichen Reserven seit 1998 durchgeführt. Das sind Informationen der Zentralbank der Russischen Föderation. Im September verringerte sich der russische Goldbestand um weitere sechs Tonnen. Seit Dezember 2025 hat Russland etwa 62 Tonnen Gold verkauft. Der Gesamtumfang der Reserven sank auf den niedrigsten Stand seit Ende 2019. Die Verkäufe hängen mit der Verwendung von Mitteln des Nationalen Wohlstandsfonds zur Deckung des Haushaltsdefizits zusammen, das 2026 7,3 Billionen russische Rubel erreichen wird.

Wenn wir also sagen, Putin würde diesen Krieg gerne möglichst schnell beenden, dann sind wir der Wahrheit sehr nahe. Er könnte diesen Krieg tatsächlich gerne schneller beenden wollen. Nur besteht seine Vorstellung von einem Kriegsende darin, dass es ihm gelingt, die Ukraine schnell zu vernichten und uns schnell dazu zu zwingen, ihm unser eigenes Territorium, unser eigenes Zuhause, unser eigenes Land zu überlassen. Ihm und seinen Anhängern aus Russland.

Das ist die ganze Situation, die sich jetzt rund um dieses Treffen entwickelt. Noch einmal: Diese Situation ist nicht abgeschlossen, denn morgen werden wir über die Ergebnisse von Witkoffs Aufenthalt in Russland sprechen können. Obwohl, wie wir wissen, in der Regel keinerlei wirkliche Ergebnisse veröffentlicht werden, nachdem Witkoff sich mit Putin getroffen hat. Zumindest ist das bisher kein einziges Mal geschehen.

Und es ist klar, dass wir bis zum 3. November weiter in einer Welt unsinniger Äußerungen Trumps leben werden. Hier ist wieder eine Erklärung, die er abgegeben hat: „Ich glaube nicht, dass Zelenskys Volk das noch länger hinnehmen wird. Er muss eine Vereinbarung schließen. Zelensky hätte bereits im März 2025 eine vorteilhafte Vereinbarung schließen können. Damals hätte er viel bessere Bedingungen aushandeln können als diejenigen, mit denen er heute rechnen kann.“

„Sie erinnern sich doch, dass im März 2025 überhaupt alle Voraussetzungen für den Abschluss einer russisch-ukrainischen Vereinbarung bestanden und Putin damit einverstanden war“. Das ist reine Mythologie, aber Trump hält an dieser Mythologie fest.

Und dass er sagt, Zelenskys Volk werde das nicht hinnehmen, ist genau dieselbe russische Propaganda, die sich derzeit in den sozialen Netzwerken ausbreitet. Es sind genau dieselben berühmten Yandex-Bots und ukrainischen nützlichen Idioten, die sagen: „Man muss den Krieg unter allen Bedingungen beenden. Aber die ukrainische Regierung will ihn nicht beenden.“

Das heißt, die Geschichte mit der russischen Propaganda von 2019 wiederholt sich. Sie geben nicht einmal Geld für irgendwelche anderen Narrative aus. Sie haben lediglich gelernt, sich mithilfe künstlicher Intelligenz auf Ukrainisch auszudrücken. Und das ist im Grunde alles.

Das Einzige, was noch geschehen könnte, ist, dass Witkoff den Amerikaner Hubbard aus Moskau mitbringt, den russische Soldaten gefangen genommen haben, einen Amerikaner, der auf der Seite der Ukraine gekämpft hat. Vielleicht könnte das zu einem wirklichen Ergebnis werden. Es handelt sich um einen sehr alten Menschen, er ist 72 Jahre alt. Und natürlich ist die Freilassung jedes Amerikaners, der auf der Seite der Ukraine gekämpft hat oder sich überhaupt in einem russischen Gefängnis befindet, für Trump vor den Wahlen ein wichtiger Punkt.

Das ist eine erste Skizze dieses erneuten, würde ich sagen, Verhandlungsprozesses zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine, nicht zwischen der Ukraine, Russland und den Vereinigten Staaten.

Ich werde auf einige der Fragen antworten, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden, natürlich nur auf einige davon.

Frage: Warum ist Witkoff Ihrer Meinung nach nicht gemeinsam mit den Staats- und Regierungschefs der Ukraine, Norwegens und Finnlands zur Pressekonferenz erschienen?

Portnikov: Nun, offensichtlich, weil er nach Sankt Petersburg geflogen ist. Vielleicht hat er einen solchen Zeitplan. Und außerdem glaube ich, dass Witkoff unangenehme Fragen vermeiden wollte. Er könnte aus jener Pressekonferenz, an der er in Kyiv teilgenommen hat, seine Schlüsse gezogen haben, als ihm und Kushner sehr unangenehme Fragen gestellt wurden. Nach einer solchen kalten Dusche möchte man diesen Journalisten nicht noch einmal begegnen. Er ist schließlich nicht Trump, der auf jede Frage reagiert.

Frage: Erklären Sie, welchen Sinn all diese Verhandlungen haben, wenn doch offensichtlich ist, auf wessen Seite Trump steht. Er hat seine Maske fallen lassen, das haben Sie selbst gesagt. Was diskutieren wir hier überhaupt, worauf hoffen wir?

Portnikov: Nun, ich versuche doch schon seit 30 Minuten, das zu erklären. Erstens unterstützen die Vereinigten Staaten die Ukraine weiterhin mit Geheimdienstinformationen und Starlink, und wir sprechen weiterhin über Patriots.

Welche ideologischen Bewertungen wir auch immer über die Tätigkeit des Präsidenten der Vereinigten Staaten abgeben, er muss trotzdem die amerikanische öffentliche Meinung berücksichtigen.

Donald Trump steht seit dem ersten Tag seiner politischen Karriere auf Putins Seite. Aus der Sicht von Verschwörungstheorien, dass er dort angeworben worden sei, oder aus der Sicht dessen, worüber ich kürzlich gesprochen habe, dass er einfach ideologische Gemeinsamkeiten mit dem Präsidenten der Russischen Föderation hat.

Dass wir eine Welt erleben, in der ultrarechte Politiker bald mit ultralinken konkurrieren werden, eine Welt Adolf Hitlers und Josef Stalins, gewissermaßen ins 21. Jahrhundert übertragen.

Aber das bedeutet nicht, dass wir außer Acht lassen dürfen, dass die Vereinigten Staaten uns weiterhin wichtige Unterstützung leisten, die wir nicht zurückweisen sollten. Deshalb führen wir Verhandlungen mit Witkoff, um Trump keinen Anlass zu geben, uns die Unterstützung zu verweigern.

Wir können ganz ruhig über alles Mögliche sprechen, in dem Wissen, dass die Russische Föderation in den nächsten schweren Jahren nicht einmal daran denken wird, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Eine solche Perspektive existiert nicht.

Es sei denn, es gelingt uns, die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Russischen Föderation durch die Bombardierung ihres terroristischen Territoriums – oh, das klingt gut – so weit zu verringern, dass sie zum Frieden bereit sein wird.

Aber glauben Sie mir, wenn die Russen zum Frieden bereit sind, brauchen sie weder irgendwelche Trumps noch irgendwelche Witkoffs.

Frage: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die USA genug Verstand aufbringen, um Trump nicht zu erlauben, einen Bürgerkrieg zu entfachen?

Portnikov: Ich glaube, dass die Stärke der amerikanischen Institutionen derzeit realer ist als die Popularität Donald Trumps. Deshalb glaube ich nicht, dass es einfach so in einem Bürgerkrieg enden würde, wenn Trump beschließen sollte, die Ergebnisse der Kongresswahlen nicht anzuerkennen. Und ich glaube auch nicht, dass er überhaupt so weit gehen wird. Absichten mag es geben, Möglichkeiten gibt es nicht.

Frage: Was die Vereinigten Staaten betrifft: Warum stellen die Demokraten Ihrer Meinung nach bei Wahlen extrem linke Kandidaten auf, und das auch noch in roten Bundesstaaten, wo sie wahrscheinlich nicht gewinnen werden?

Portnikov: Nun, vielleicht stellen sie sie gerade deshalb in roten Bundesstaaten auf, wo sie nicht auf einen Sieg hoffen. Aus dem einfachen Grund, dass sie, ich würde sagen, eine Alternative zu den Alternativen zeigen wollen.

Und auch innerhalb der Demokratischen Partei verstärken sich linksradikale Stimmungen. Das ist ein völlig normales Ergebnis der Reaktion auf die Verstärkung rechtsradikaler Stimmungen in der Republikanischen Partei.

Den linksradikalen Strömungen gehört in den Vereinigten Staaten überhaupt die politische Zukunft. Denn Menschen, die bereit sind, für Rechtsradikale zu stimmen, können jederzeit für Linksradikale stimmen. So ist die menschliche Psychologie nun einmal beschaffen.

Ein roter Bundesstaat wird gerade dann blau werden, wenn ein Wähler eines rechtsradikalen Senators oder Kongressabgeordneten eine linksradikale Alternative sieht.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass Tucker Carlson einen linksradikalen demokratischen Kandidaten im Bundesstaat Michigan unterstützt. Und er sagt, dessen Programm sei der wahre Trump, während der heutige Trump nicht der wahre Trump sei.

Nun, da haben Sie die Antwort auf Ihre Frage. Wer bereit ist, für einen Ultrarechten zu stimmen, wird irgendwann zwangsläufig auch für einen Ultralinken stimmen. Das wird aus wahlstrategischer Sicht völlig richtig gemacht.

Frage: Wie viele zusätzliche Jahre hat Trump Russland durch seine Ideen ermöglicht, den Krieg fortzusetzen?

Portnikov: Ich glaube, gar keine. Denn alles hängt von der Menge der russischen Ressourcen ab. Trump hat keine der Sanktionen gegen die Russische Föderation aufgehoben, die sein Vorgänger eingeführt hatte. Das derzeitige Graham-Gesetz erlaubt es nicht, diese Sanktionen aufzuheben.

Wir haben von den Vereinigten Staaten Militärhilfe erhalten. Natürlich könnte man annehmen, dass unser Widerstand gegen die russische Offensive wirksamer gewesen wäre, wenn wir mehr Militärhilfe bekommen hätten. Aber wie Sie sehen, konzentriert sich Putin nicht besonders auf die Offensive seiner Armee. Er konzentriert sich auf die Vernichtung des Hinterlands.

Und hier verstehen wir sehr gut, dass alles davon abhängt, wie viel Geld Putin hat, um das ukrainische Territorium aus seiner Sicht bald in ein unbewohnbares Gebiet zu verwandeln.

Und dafür ist nicht Trump entscheidend, sondern China. Trump kann aber den Wirtschaftskrieg gegen China nicht gewinnen, wie wir aufgrund der kritischen Abhängigkeit der amerikanischen Wirtschaft von eben jenen chinesischen Seltenen Erden und so weiter gesehen haben.

Deshalb würde ich das alles nicht auf diese Weise in Jahren messen. Auch hier müssen wir realistisch sein.

Frage: Werden wir in den nächsten etwa 50 Jahren einen Sieg der Demokratie und der Menschen guten Willens in der westlichen Welt über die ultrarechten und ultralinken Feinde eben dieser Demokratie erleben?

Portnikov: Ich bin mir nicht sicher. Ich halte es für möglich, dass 50 Jahre sehr viele unterschiedliche Ereignisse umfassen können. Große Kriege, einen Sieg ultralinker Kräfte, was absolut realistisch ist, wenn ultrarechte Kräfte stärker werden, und neue Krisen.

Aber die menschliche Zivilisation sieht nicht vor, dass irgendjemand dauerhaft über irgendjemanden siegt. Die menschliche Zivilisation selbst ist Vielfalt. Vielfalt bedeutet, dass der Radikalismus der Mäßigung weicht, die Mäßigung dem Radikalismus weicht und der Frieden dem Krieg weicht. So wird die Menschheit in den nächsten Jahrhunderten leben.

Denn jetzt befinden wir uns gerade in der Zeit vor einem großen Krieg und danach vor einer Phase der Ruhe nach diesem großen Krieg. Wir sind einfach in eine solche unglaubliche Epoche geraten.

Das ist normal, das geschieht in der Geschichte der Menschheit alle 80 bis 90 Jahre auf verschiedenen Kontinenten. Wenn Sie also nicht wollen, dass eines Tages auf der Erde nur noch künstliche Intelligenz existiert und keine Menschen mehr, müssen Sie akzeptieren, dass die Zivilisation komplexer ist, als wir sie uns vorstellen möchten. Daran lässt sich nichts ändern. Das ist die Logik der Geschichte.

Frage: Glauben Sie, dass Trump nach den Wahlen in den Vereinigten Staaten seine Rhetorik gegenüber der Ukraine mäßigen wird?

Portnikov: Ich glaube, dass er sie mäßigen wird. Denn dann wird er sie nicht mehr besonders brauchen. Und außerdem glaube ich generell, dass Trump nach den Wahlen, besonders wenn der neue Kongress seine Arbeit aufnimmt, weder für die Ukraine noch für den Nahen Osten Zeit haben wird.

Er wird eine Million innenpolitischer Probleme lösen müssen, die mit Russland, mit Untersuchungen und mit irgendwelchen Dingen zusammenhängen, die ans Licht kommen werden, irgendwelchen Sensationen. Wir wissen nicht einmal, was. Wir können uns nicht einmal vorstellen, wovon wir erfahren könnten.

Trump spricht jetzt so energisch über die Ukraine, weil er sich erlaubt hat zu glauben, dass er bis zum 3. November ein Ergebnis erzielen wird oder zumindest bis zu dem trilateralen Treffen in Shenzhen, das möglicherweise gar nicht stattfindet.

Aber Sie haben doch gesehen, dass er schon lange nicht mehr mit einer solchen Rhetorik aufgetreten ist. Er ist wieder in den Zustand zurückgekehrt, in dem er sich 2025 befand. Deshalb bin ich nicht sicher, dass er das fortsetzen wird.

Aber ich sage noch einmal: Ich rate Ihnen, sich daran zu erinnern, dass wir uns aufgrund dieser amerikanischen Zwischenwahlen in einer Welt völliger Turbulenzen befinden.

Dass Trump angesichts ihrer möglichen Ergebnisse einfach entsetzt ist, dass er geradezu außer sich vor Wut ist, das sehen wir. Er ähnelt nicht mehr jenem selbstsicheren Trump, den wir früher gesehen haben, denn er beantwortet Fragen zur Ukraine nicht besonders sicher, er verheddert sich. Das heißt, er hat Probleme. Und das alles ist verständlich.

Frage: Welche Ereignisse werden Ende 2029 stattfinden, und warum könnte der Krieg in der Ukraine dann enden?

Portnikov: Ich verstehe nicht, warum Sie glauben, dass der Krieg in der Ukraine Ende 2029 enden müsse.

Ich sage immer wieder etwas Wichtiges. Vor den Wahlen in den Vereinigten Staaten 2028 und nach den Wahlen, wenn er den Sieger kennt, kann Präsident Putin entscheiden, was er mit dem russisch-ukrainischen Krieg weiter tun soll, falls dieser Krieg bis dahin nicht beendet ist.

Er wird den Namen des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten kennen. Er wird wissen, wie dieser Präsident zu Russland und zum russisch-ukrainischen Krieg steht. Er kann darüber nachdenken, ob es, wenn man diesen Krieg grundsätzlich aussetzen will, sinnvoller ist, ihn mit Trump auszusetzen, der offensichtlich sein Sympathisant ist, oder ob er sich ein solches Geschenk für den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten aufheben sollte.

Oder ob er davon ausgehen sollte, dass auch der neue Präsident der Vereinigten Staaten nichts ändern wird und man deshalb auch ihn überdauern kann, so wie „wir hier im Kreml schon viele amerikanische Präsidenten überdauert haben“. Denn „wir sind hier für immer, wir sind schließlich Putin, und sie sind nur für vier Jahre da“.

Ich habe lediglich gesagt, dass 2028 eine neue Phase der Überlegungen darüber beginnen könnte, wie der russisch-ukrainische Krieg fortgesetzt werden soll. Bis 2028 weiß Putin aber bereits, wie er sich verhalten soll. Für ihn gibt es nichts Unbekanntes. Er kann ganz ruhig bis 2028 Krieg führen, ohne auch nur seine Herangehensweise an das Geschehen zu korrigieren.

Wenn wir wollen, dass das früher endet, haben wir nur ein einziges Instrument, um die Situation in den kommenden Kriegsjahren zu beeinflussen: die Zerstörung des russischen Energie- und Wirtschaftspotenzials.

Niemand hat jemals ohne Geld Krieg geführt. Wenn Russland kein Geld mehr hat, wenn es kein Öl mehr verkaufen kann, wenn es keine Waffen mehr produzieren kann, könnte beim Präsidenten der Russischen Föderation der Wunsch entstehen, den Krieg früher auszusetzen, ohne auf irgendwelche amerikanischen Wahlen zu warten. Das ist eine völlig logische Sache.

Frage: Könnte Putin Trump nicht versprochen haben, den Republikanern zu helfen und sich in die Wahlen in Amerika einzumischen?

Portnikov: Ich glaube nicht, dass die Russische Föderation, zumal gerade jetzt, sich so in die Wahlen in Amerika einmischen kann, dass sie deren Ergebnis beeinflussen könnte.

Natürlich könnte Putin Trump alles Mögliche versprochen haben. Aber das Ausmaß der Einmischung …

Übrigens wurde bei dem jüngsten Referendum in der kanadischen Provinz Alberta die Frage gestellt, ob ihre Bewohner bereit wären, der Durchführung eines Referendums über die Unabhängigkeit Albertas zuzustimmen.

Und wie Sie wissen, haben die Befürworter der Unabhängigkeit gegen diejenigen, die wollen, dass Alberta zu Kanada gehört, eine vernichtende Niederlage erlitten. Die Menschen wollen nicht einmal ein Referendum darüber abhalten. Nun, nach unseren Angriffen auf die Rechenzentren von Yandex ging die Zahl der Bots, die für die Unabhängigkeit Albertas eintraten, um ein Vielfaches zurück.

Das heißt, es stellte sich heraus, dass die Russen Botfarmen nicht nur in der Ukraine unterhalten, wo Sie sehen, welches Ausmaß ihre Tätigkeit hat, und nicht nur im Nahen Osten, wo der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, dass die Aktivität antiisraelischer Bots in den weltweiten sozialen Netzwerken nach den Angriffen auf Yandex um 60 Prozent zurückgegangen sei. Sie tun das auch in Nordamerika. Und stellen Sie sich vor: Wenn sie Bots unterstützen, die für den Zusammenbruch der kanadischen Staatlichkeit und die Abspaltung Albertas eintreten, dann stellen Sie sich ihre tatsächliche mögliche Rolle in den Wahlkämpfen der Vereinigten Staaten vor.

Sie tun das ohnehin bereits. Aber ihre Aufgabe besteht nicht darin, Trump und den Republikanern zu helfen. Ihre Aufgabe, und daran müssen wir uns immer erinnern, besteht darin, die Vereinigten Staaten zu destabilisieren. Putin ist kein Verbündeter Donald Trumps. Putin ist ein Mensch, der den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, als Instrument benutzt, als eine Art Werkzeug, um die Stabilität der Welt aufzubrechen.

Und Trump zu helfen, interessiert ihn überhaupt nicht. Ihn interessiert gerade, dass Trump sich in seinen Beziehungen zum Kongress verheddert, dass er sich festfährt, dass er überhaupt nichts mehr unternehmen kann, was die Möglichkeiten und Handlungen der Russischen Föderation irgendwie beeinflussen könnte.

Genau das nutzt er aus. Nicht zum ersten Mal. Wie Sie sich erinnern, war Putins Haltung gegenüber Trump während dessen erster Amtszeit genau dieselbe. Was könnte sich jetzt verändert haben? Nun, praktisch nichts. Außer dass Putin außerdem will, dass man ihm im Krieg gegen die Ukraine freie Hand lässt.

Das hat übrigens sein Außenminister Sergej Lawrow während seines Auftritts bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen und auf seiner anschließenden Pressekonferenz in New York ganz klar gesagt, als er erklärte: „Wenn wir gute nachbarschaftliche Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika wollen und darüber Vereinbarungen treffen wollen, müssen wir die Ukraine aus unseren bilateralen Beziehungen ausklammern.“

Und ich glaube, dass Putin Steve Witkoff morgen in Sankt Petersburg genau das erneut sagen wird, wenn das Treffen zwischen dem Präsidenten der Russischen Föderation und dem amerikanischen Vermittler stattfindet. Und ich glaube, dass wir morgen natürlich unbedingt über dieses Treffen, seine Ergebnisse und überhaupt über seine Hintergründe in unserer nächsten Sendung auf diesem Kanal sprechen werden.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини в Осло: підсумки | Віталій Портников. 20.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 20.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Zelensky: Trump drängt die Ukraine zur Kapitulation | Vitaly Portnikov. 19.10.2026.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky sagt in seinem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass er den Eindruck habe, die amerikanischen Partner würden die Ukraine auf eine Kapitulation vorbereiten. Zu diesen Schlussfolgerungen kommt der ukrainische Präsident aufgrund der zahlreichen Verzögerungen bei amerikanischen Waffenlieferungen, die bereits in der Ukraine hätten eintreffen sollen. Dazu gehören auch die von den Verbündeten bereits bezahlten Raketen für die Patriot-Batterien, die sich im Pentagon befinden und für deren Versand der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, Pete Hegseth, einer der engsten Vertrauten Donald Trumps, keine Genehmigung erteilt.

Und wir wissen natürlich nicht, ob er sich dabei von der Notwendigkeit leiten lässt, Flugabwehrraketen für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten zurückzuhalten, die möglicherweise auf eine Entscheidung des Präsidenten warten, die Angriffe auf den Iran nach den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress wieder aufzunehmen, oder ob man der Ukraine auf diese Weise tatsächlich zu verstehen gibt, dass sie, wenn schon nicht auf die Bedingungen Donald Trumps, so doch zumindest auf jene Bedingungen eingehen müsse, die als Zwischenlösung für die Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen der Russischen Föderation, der Ukraine und den Vereinigten Staaten dienen sollen. Und das ist, wie wir heute wissen, nicht einmal der Abzug ukrainischer Truppen aus dem Gebiet Donezk, sondern vor allem die Einstellung ukrainischer Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation. Und meiner Meinung nach geht es dabei nicht einmal um die Dieselpreise an amerikanischen Tankstellen, sondern darum, dass Trump am Erhalt des russischen Ölraffineriesektors interessiert sein könnte, und zwar keineswegs nur für die Bedürfnisse von Lukoil.

Eine weitere Person, die am Erhalt des Ölraffineriesektors der Russischen Föderation interessiert sein könnte, ist der Staatspräsident der Volksrepublik China, Xi Jinping. Auch das vergessen wir. Wir vergessen, dass Trump seine Forderungen nach einer Einstellung der Angriffe auf den russischen Ölraffineriesektor gerade nach seinem eigenen Treffen mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China verstärkt hat.

Zumindest aus den offiziellen Mitteilungen des chinesischen Außenministeriums wissen wir, dass der Präsident der Vereinigten Staaten und der chinesische Staatspräsident die Situation im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine besprochen haben. Aber was bedeutet das? Dabei könnte es gerade um eine Diskussion der beiden Staatschefs darüber gegangen sein, dass die Zerstörung der Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation durch die Ukraine weder im Interesse Washingtons noch im Interesse Pekings liegt. Denn für Peking, das Putins Russland immer zielstrebiger in seinen eigenen Satelliten verwandelt, ist es natürlich wichtig, dass Russland eine Art Tankstelle ohne Zukunftsperspektiven bleibt. Und wenn Russland keine Ölraffinerie- und erst recht keine Ölförderindustrie mehr hat, wenn es aufgrund der Tatsache, dass Russland mehr Öl fördern wird, als es verkaufen und verarbeiten kann, seine Bohrlöcher stilllegen muss, dann ist das für China auf lange Sicht überhaupt nicht interessant.

Und das könnte auch eine gemeinsame Vorstellung des Präsidenten der Vereinigten Staaten und des Staatspräsidenten der Volksrepublik China gewesen sein: „Sie können die Ukrainer nicht grundsätzlich davon abhalten, Russland anzugreifen, aber zumindest müssen Sie dafür sorgen, dass sie nicht den wichtigsten Wert der russischen Wirtschaft angreifen: die Ölraffinerien, die Ölförderung und die Häfen, über die Öl transportiert wird, auch in die Volksrepublik China. Denn damit schaden Sie nicht nur uns, sondern auch sich selbst. Sie treiben die Ölpreise, die Benzin- und Dieselpreise in die Höhe, und das alles vor den Zwischenwahlen in Ihrem Land.“

Könnte das der Kontext des Gesprächs zwischen Trump und Xi Jinping gewesen sein? Natürlich könnte es so gewesen sein. Und übrigens könnte Putin gerade im Bewusstsein dieses Zusammenhangs einen trilateralen Gipfel der Vereinigten Staaten, Russlands und Chinas im chinesischen Shenzhen vom 17. bis 19. November anregen, wenn dort das Gipfeltreffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft stattfindet. Es wäre ein sehr seltener Fall, dass alle drei Präsidenten gemeinsam zusammentreffen, und das auch noch in China.

Und das ist tatsächlich ein interessanter Punkt. Offensichtlich könnte Putin bei seinem letzten Telefongespräch mit Trump, bei dem die Vereinbarungen über Diesel getroffen wurden, auch über ein solches trilaterales Treffen gesprochen haben. Als durch Trump bekannt wurde, dass sie die Lieferung dieser Menge an Tonnen Dieselkraftstoff vereinbart hatten, habe ich Ihnen hier auf diesem Kanal von Anfang an unter anderem gesagt, dass sie offensichtlich nicht darüber gesprochen haben. Dass Menschen nicht anderthalb Stunden oder wie lange sie dort gesprochen haben und sich nicht verabschieden wollten, über die Lieferung von lächerlichen 300 Tonnen Dieselkraftstoff sprechen können, die auf dem Weltmarkt bis zu den Zwischenwahlen überhaupt nichts verändern und auch die Haltung der amerikanischen Wähler gegenüber Donald Trump in keiner Weise beeinflussen werden. Ganz zu schweigen davon, dass es sich um Dieselkraftstoff handelt, den die Vereinigten Staaten selbst gar nicht von Russland kaufen dürfen.

Sie müssen noch über etwas anderes gesprochen haben. Und wenn nun diese Idee eines trilateralen Gipfels auftaucht, ist das ein sehr wichtiger Punkt. Und wir beginnen zu sagen: „Ein neues Jalta.“ Putin will die Welt so aufteilen, wie Franklin Roosevelt, Winston Churchill und Josef Stalin sie auf der Krim aufgeteilt haben. „Ein neues München.“ Putin will von Trump das erreichen, was Hitler von Chamberlain erreicht hat.

Das alles sind sehr interessante Szenarien. Aber man sollte an eine sehr wichtige Sache erinnern. Der Gipfel von Jalta war ein Gipfel der Sieger, die das Hitlerreich zu diesem Zeitpunkt faktisch bereits fast vernichtet hatten und die Gebiete, auf denen sich noch deutsche Truppen befanden, untereinander in Einflusszonen aufteilten. Es war klar, dass auf diesen Gebieten die Truppen der Alliierten stehen würden, und sie mussten vereinbaren, wie diese Truppen verteilt werden sollten, damit sich die Verbündeten am Ende des Krieges nicht untereinander zerstritten und damit es nicht zu einem Kampf zwischen ihnen kam. Und im Prinzip ist es ihnen gelungen, dieses Ziel zu erreichen.

Selbst wenn der Gipfel in Shenzhen stattfindet, wird es ein Gipfel Putins sein, der sich in der Ukraine festgefahren hat und in viereinhalb Jahren nicht die Ziele erreichen konnte, die er buchstäblich innerhalb weniger Monate erreichen wollte. Es wird ein Gipfel Trumps sein, der sich im Grunde im Iran festgefahren hat und nicht weiß, wie er aus dieser Situation herauskommen soll. Und der übrigens sowohl bei Putin als auch bei Xi Jinping Unterstützung dafür sucht. Und es wird ein Gipfel Xi Jinpings sein, der sich von diesen beiden Teilnehmern nur dadurch unterscheidet, dass er noch keine Schritte unternommen hat, die dazu führen könnten, dass auch er sich irgendwo festfährt. Vielleicht wird er damit auch gar nicht anfangen. Das bestreite ich nicht.

Aber das ist nicht die Situation, entschuldigen Sie, in der russische, amerikanische und chinesische Truppen auf dem Territorium der Ukraine stehen und sie unter sich aufteilen oder Europa oder irgendwelche anderen mittelgroßen Staaten aufteilen. Im Gegenteil: Die Russische Föderation und die Vereinigten Staaten haben durch ihr Handeln in der Ukraine und im Nahen Osten gezeigt, dass sich heute vieles nicht mit Gewalt entscheiden lässt. Und alle verstehen sehr gut, dass Putins terroristische, brutale Angriffe auf unser Land Angriffe aus Ohnmacht sind. Auch das ist eine vollkommen offensichtliche Sache.

Und mir scheint, dass Putin das ebenfalls sehr gut versteht. Dass er von einem trilateralen Gipfel, selbst wenn es ihm gelingt, ihn durchzuführen, keine wirklichen Vereinbarungen erwartet. Dass für Putin das Foto dieses Gipfels wichtig ist: er, Trump und Xi Jinping. Drei Staatschefs, die über das Schicksal der heutigen Welt entscheiden. Und Sie sehen ja, dass in der heutigen Politik die sogenannte PR viel mehr bedeutet als die Realität selbst. PR ist PR. Ein schönes Foto zu zeigen, ist manchmal wichtiger, als tatsächlich etwas zu tun.

Und entwickelt sich die ukrainische Politik letztlich nicht nach denselben Regeln? Ich erinnere Sie an das berühmte Friedensforum in der Schweiz. Ein wirklich prächtiges Foto. Wer darauf nicht alles zu sehen war! Es gab einen feierlichen Empfang, bei dem Zelensky gemeinsam mit der damaligen Schweizer Bundespräsidentin die Gäste begrüßte. Hatte das irgendeinen tatsächlichen Bezug zu einem wirklichen Ende des Krieges oder wenigstens dazu, dass Russland diesem Forum Aufmerksamkeit schenkte? Nein, aber es war ein diplomatischer Sieg, ein diplomatischer Sieg, der nichts mit dem tatsächlichen Kriegsverlauf zu tun hatte, denn wenn die Kanonen sprechen, schweigen die Diplomaten. Aber sie treffen sich und lassen sich fotografieren. Und auch das ist ein Merkmal unseres heutigen Lebens. Und wir sind längst diesen Weg einer solchen repräsentativen Politik gegangen, bei der die Demonstration von Möglichkeiten mehr wiegt als die Möglichkeiten selbst.

In diesem Zusammenhang habe ich an eine Äußerung von Maria Sacharowa gedacht. Als sie gefragt wurde, ob Russland ein Forum veranstalten werde, das mit der ukrainischen Krim-Plattform vergleichbar sei, sagte Maria Sacharowa meiner Meinung nach etwas ziemlich Logisches: „Wozu sollten wir ein Forum wie die Krim-Plattform veranstalten, wenn wir die Krim unter unserer Kontrolle haben?“ Nun, tatsächlich: Wenn du ein Gebiet unter deiner Kontrolle hast, über das du wirksam herrschst und das du dir sogar angeeignet und zu deinem eigenen erklärt hast, dann kann dein Feind 150.000 Foren veranstalten und alle Politiker der Welt dazu einladen. Aber wenn er dich nicht aus diesem Gebiet vertreiben kann, dann kann es dir völlig gleichgültig sein, welche Reden andere dort halten.

Und wenn Putin nun diesen Weg geht, den Weg der Demonstration von Möglichkeiten, dann zeigt das gerade, dass er keinen wirklichen Einfluss hat, sondern den Wunsch, zu zeigen, dass er auf Augenhöhe mit Trump und Xi Jinping, die immerhin Staaten mit den größten Volkswirtschaften der Welt führen, über die Probleme der Welt entscheidet. Ausschließlich durch Angst. Ausschließlich dadurch, dass alle befürchten, Putin werde nach dem Krieg in der Ukraine Europa mit strahlgetriebenen Drohnen und Raketen überziehen. Europa, das ungeachtet dessen, was Donald Trump uns erzählt, weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Sicherheit der Vereinigten Staaten selbst bleibt. Und niemand kann heute mit Sicherheit sagen, dass die Vereinigten Staaten sich aus einem Krieg in Europa heraushalten könnten. Nicht einmal Putin, nicht einmal Trump kann das, denn es gibt die öffentliche Meinung, Verpflichtungen und so weiter.

Versuchen wir einfach zu verstehen, wie die Situation im Hinblick auf die Ziele der Beteiligten aussieht, selbst wenn wir uns vorstellen, dass dieser trilaterale Gipfel stattfindet. Welche Ziele verfolgen die Vereinigten Staaten von Amerika? Wenn wir sogar mit Zelenskys Worten sagen, dass unsere Partner versuchen, uns zur Kapitulation zu drängen.

Was bedeutet Kapitulation in Trumps Sprache oder in Zelenskys Sprache? Offensichtlich, den Bedingungen Putins hinsichtlich des Abzugs ukrainischer Truppen aus dem Gebiet Donezk zuzustimmen, möglicherweise auch der Anerkennung der Gebiete Cherson und Saporischschja als russisch, wenn sie bereits in der russischen Verfassung stehen. Und dann die ideologischen Forderungen, etwa die Anerkennung des Status der russischen Sprache und der russischen Kirche auf ukrainischem Boden und so weiter.

Aber ich glaube nicht, dass es Putin darum geht. Für Putin bedeutet die Kapitulation der Ukraine ihre Beseitigung. Ich werde nicht müde, immer wieder daran zu erinnern, dass das ukrainische Volk und der ukrainische Staat nicht die Wahl zwischen Krieg und Kapitulation haben, sondern die Wahl zwischen Krieg und Vernichtung. Denn wenn die andere Konfliktpartei dein Recht, überhaupt auf diesem Gebiet zu existieren, das sie als ihr eigenes betrachtet, nicht anerkennt, von welcher Kapitulation kann dann überhaupt die Rede sein?

Nun, ich würde diesen Vergleich lieber nicht ziehen, aber ich werde ihn ziehen. Die selbsternannte Republik Bergkarabach, die während des Zerfalls der Sowjetunion ihre Unabhängigkeit von Aserbaidschan erklärte und deren Anhänger gemeinsam mit armenischen Truppen gegen Aserbaidschan kämpften, brachte nicht nur das Gebiet dieser Republik selbst unter ihre Kontrolle, sondern auch die umliegenden Bezirke. Und später, während des Zweiten Karabachkrieges, verlor sie zunächst die Kontrolle über diese Bezirke und dann auch über Karabach selbst.

Und ich erinnere mich sogar daran, wie ich in Sendungen mit aserbaidschanischen Experten und Politologen sprach, die sagten, die Armenier würden einfach als gewöhnliche Bürger Aserbaidschans in Karabach weiterleben. Sie würden dort leben und alle Rechte als Bürger Aserbaidschans haben. Nur könne es dort keine Republik geben, weil das Aserbaidschan sei, Karabach und nicht Arzach.

Und wie viele Armenier blieben auf dem Gebiet dieser ehemaligen selbsternannten Republik, als Aserbaidschan die Kontrolle über seine territoriale Integrität wiederhergestellt hatte? Null. Und ich sagte diesen Experten: „Sie werden dort nicht leben. Sie können jetzt sagen, was Sie wollen, aber es ist offensichtlich, dass das Ausmaß des Konflikts zwischen Ihnen so groß ist, dass Sie erstens nicht wollen, dass sie dort weiterleben. Denn Sie betrachten sie als Agenten fremden Einflusses auf aserbaidschanischem Boden. Und sie werden nicht unter Ihrer Herrschaft bleiben, weil das Ausmaß Ihres Konflikts, ich würde sagen, Ihrer gegenseitigen Grausamkeit, der Grausamkeit eines Volkes gegenüber dem anderen, so groß ist, dass man selbstmörderisch sein müsste, um darauf zu hoffen, dass alles gut wird.“ „Wir bleiben alle hier. Und wir sind einfach Bürger Aserbaidschans.“ Wie viel Blut ist vergossen worden, wie viel ist gesagt worden. Wie viele Menschen aserbaidschanischer Herkunft wurden während des ersten Karabachkrieges vertrieben. Vielleicht wird zwischen Ihnen irgendwann nach Jahrzehnten eine Art kalter Frieden herrschen, aber das wird ganz sicher nicht für jene Menschen gelten, die in Karabach lebten.

Und ja, es gab während des Karabachkrieges und der darauffolgenden Phase ein Treffen zwischen der Führung dieser selbsternannten Republik und der aserbaidschanischen Führung. Aber worüber wurde gesprochen? Über die Ausreise. Die überwältigende Mehrheit der Menschen, praktisch alle, nahezu 100 Prozent der Menschen armenischer Herkunft, die in Karabach lebten, reisten nach Armenien aus. Vielleicht sind einige später noch irgendwo anders hingegangen. Alle, mit Ausnahme des Letzten, der über die Ausreise verhandelte, des Präsidenten der selbsternannten Republik Bergkarabach, der zusammen mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten, der im Grunde in der letzten Phase ihres Bestehens aus Moskau dorthin geschickt worden war und ein russischer Oligarch war, von aserbaidschanischen Geheimdiensten verhaftet wurde. Sie kamen vor Gericht und erhielten Urteile wegen separatistischer Aktivitäten.

Warum erzähle ich das so ausführlich? Weil es eine sehr ähnliche Analogie ist. Vielleicht verstehen die Ukrainer das nicht, weil sie sagen könnten: „Wir sind doch nicht irgendeine selbsternannte Republik und auch nicht irgendein autonomes Gebiet, das sich zur Republik erklärt hat. Wir sind ein Staat.“ Nun, das ist unsere Sichtweise. Aus russischer Sicht unterscheiden wir uns durch nichts von Karabach oder Tschetschenien. Eine separatistische Gruppierung auf historischem russischem Boden, deren Bewohner sich irgendetwas über sich selbst ausgedacht haben.

Deshalb ist das Schicksal der Ukraine, wenn sie diesen Krieg verliert, für Putin klar. Ein großer Teil der Bevölkerung, die Träger ukrainischer Überzeugungen, einer ukrainischen, ich würde sagen, Mentalität, werden vernichtet oder vertrieben. Diejenigen, die nicht im Verdacht stehen, solche ukrainischen Überzeugungen zu haben oder am bewaffneten Kampf gegen die russische Armee beteiligt gewesen zu sein, durchlaufen ein Filtrationsverfahren, um ihre Loyalität und ihre Bereitschaft, Russen zu werden, zu bestätigen, und werden größtenteils in den Fernen Osten und nach Sibirien geschickt. Menschen, die gegen die Russen zu den Waffen gegriffen haben, kommen in Konzentrationslager. Sie bilden die Grundlage für die Lagerwirtschaft der Russischen Föderation. Und die ehemaligen Gebiete der Ukraine werden Russland angeschlossen. Das bedeutet, sie werden Russland als Gebiete angeschlossen, so wie die Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja sowie die Krim. Genau das ist Kapitulation in der Vorstellung Putins und der überwältigenden Mehrheit der Russen.

Und das muss jeder Ukrainer verstehen. Ein anderes Szenario hat es in Russland nicht gegeben, gibt es nicht und wird es niemals geben. Machen Sie sich keine Hoffnungen. Das wäre so, als würde man in Stepanakert leben, entschuldigen Sie, und glauben, dass man dort eine Republik innerhalb Aserbaidschans haben werde. Nein, das ist einfach Aserbaidschan. Und euch gibt es dort einfach nicht mehr, weil ihr Armenier seid und dort jetzt Aserbaidschaner leben.

Das bedeutet, dass Putins Sichtweise in dieser Situation nicht nur von unserer abweicht, sondern auch von der Sichtweise Trumps, der glauben könnte, Putin müsse sich in diesem Krieg mit der riesigen Menge an Zugeständnissen zufriedengeben, die man ihm anbietet. Die Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja, sagen wir, die Krim, die Anerkennung dieser Gebiete als Teil der Russischen Föderation, ein neutraler Status der Ukraine, ihre Entwaffnung und die Kontrolle dieser Entwaffnung durch Russland, die russische Sprache und die russische Kirche, das klare Versprechen, dass die Ukraine niemals der NATO beitreten wird. Und all dem stimmen die Ukrainer und Europäer zu. Was soll daran schlecht sein? Die Sanktionen gegen die Russische Föderation werden aufgehoben und ihre Auslandsvermögen zurückgegeben, und Russland wird zum Energiezentrum Europas, es handelt mit Europa mit Gas und Öl. Die Amerikaner beteiligen sich daran als Garanten. Ist das etwa zu wenig?

Nun ja. Jedes andere Land, das gegen ein anderes Land Krieg führt und es viereinhalb Jahre lang nicht besiegen kann, würde das für einen geradezu unglaublichen Gewinn halten. „Wir quälen uns hier seit viereinhalb Jahren. Wir haben bereits Hunderttausende unserer Landsleute begraben. Unsere Ölraffinerien werden zerstört. Und jetzt bietet man uns so etwas an. Ein vollständiger, eindeutiger Sieg.“ Wenn du gegen ein anderes Land Krieg führst. Aber wenn du Krieg führst, um deine historischen Gebiete zurückzuholen, und ohne diese historischen Gebiete kein geopolitischer Akteur in Europa sein kannst, zumindest glaubst du das, und wenn du die „Gerechtigkeit“ wiederherstellen, die „Fehler“ von 1991 korrigieren und für dein Volk die Gebiete wieder zusammenführen willst. Und plötzlich sagt man dir: „Wladimir, statt all dessen bekommst du die Aufhebung der Sanktionen. Und irgendwelche vier läppischen Gebiete.“

„Wofür habe ich denn gekämpft? Habe ich so viele Menschen für diese läppischen vier Gebiete unter die Erde gebracht, dafür, dass ihr die Sanktionen gegen mich aufhebt und mir mein Geld zurückgebt? Ertrage ich all diese Schläge gegen die Wirtschaft etwa dafür, dass ich Donezk bekomme? Bist du verrückt geworden, alter Knacker? Verstehst du nicht, was ich brauche?“ 

Putin braucht also etwas, das Trump ihm nicht geben kann. Putin braucht die ehemalige Ukraine. Nur so: nicht eine Ukraine, die er kontrollieren wird, sondern die ehemalige Ukraine. Das Wort selbst soll abgeschafft werden, man soll sie Kleinrussland nennen. Südrussischer Föderationskreis. Neurussischer Föderationskreis. Westrussischer Föderationskreis. Das ist alles.

Wenn Trump das nicht anbietet, ist er für niemanden interessant. Trump glaubt also, dass er Putin zu solchen Vereinbarungen bewegen kann, während das für Putin einfach eine Beleidigung ist, eine Respektlosigkeit. Und er versucht ständig, Trump das zu erklären. Im Grunde ganz offen. „Wenn Sie wirklich irgendwelche Beziehungen zu uns haben wollen, dann klammern wir die Ukraine aus unseren Beziehungen aus“, sagt Sergej Lawrow, „und arbeiten normal miteinander zusammen. Wenn Sie die Ukraine aber nicht ausklammern wollen, geht es nicht einmal darum, ob Sie ihr helfen oder nicht. Wenn Sie auf ihrer Existenz bestehen, sind Sie bereits unsere Feinde. Denn das gehört uns. Wir müssen es zurückholen“. Das ist die einfache Logik.

Und jetzt betrachten wir Chinas Position in dieser Situation. China hat eine sehr einfache Position. Es braucht die Fortsetzung des Krieges. Denn dieser Krieg:

  • bringt China erstens Gewinne.
  • verschafft China zweitens geopolitischen Einfluss.
  • schwächt drittens Russland, sowohl wirtschaftlich als auch politisch.
  • schwächt viertens den Westen, ebenfalls wirtschaftlich und politisch.

Wozu sollte Xi Jinping irgendwelche Vereinbarungen treffen? Zumal Xi Jinping offensichtlich kein Interesse daran hat, dass Russland durch diesen Krieg um ukrainisches Territorium stärker wird. Er hat wiederum absolut nichts dagegen, dass der Krieg zu Trumps Bedingungen endet, wenn er denn endet, und die Ukraine zu einem gegenüber Russland loyalen Staat wird, so wie Belarus. Und China würde zum Garanten ihrer Souveränität, nun, nicht ihrer Souveränität, ich würde sagen, ihrer Unabhängigkeit, wie im Fall von Belarus. Aber Putin braucht das nicht. China braucht allerdings auch keine vollständige Niederlage Russlands in diesem Krieg. Denn eine Niederlage Russlands würde eine Stärkung des Westens und der Vereinigten Staaten bedeuten, und auch das braucht China nicht.

Deshalb kann China in der gegenwärtigen Situation, die wir beobachten, einfach den Status quo bewahren und versuchen, diese Situation in ihrer jetzigen Form fortzusetzen, in der niemand gewinnt und alle nur schwächer werden und verfallen. China beteiligt sich daran nicht, hält sich selbst aus bewaffneten Konflikten heraus und bleibt faktisch der einzige, ich würde sagen, stabile Pol in der heutigen Welt, was den Verzicht auf den aktiven Einsatz von Gewalt betrifft.

Stellen wir uns nun vor, dass diese drei Männer tatsächlich in Shenzhen zusammentreffen. Nun, sie lassen sich fotografieren, und dann beginnen sie zu sprechen. Trump beginnt, Putin alle seine Bedingungen darzulegen, in der Überzeugung, dass Putin sie akzeptieren müsse. Davon ist er schon lange überzeugt, seit anderthalb Jahren bietet er ihm das alles an. Nichts Neues, keine neuen Ideen hat er. Was sollte er ihm denn noch geben können? Putin lehnt diese Bedingungen erneut ab. 

Xi Jinping beobachtet das einfach. Er kann sich, würde ich sagen, auf seine üblichen Formulierungen beschränken, dass der Westen die Sicherheitsbedenken der Russischen Föderation berücksichtigen müsse. Trump sagt, dass er bereit sei, sie zu berücksichtigen. Er sei bereit zu garantieren, dass die Ukraine niemals NATO-Mitglied werde. Er sei sogar bereit, Waffen aus den Ländern Mitteleuropas abzuziehen. 

Xi Jinping sagt zu Putin: „Siehst du, der Präsident ist bereits bereit, über diese ernsten Themen zu sprechen.“ Was sagt Putin? „Ich werde diese Vorschläge prüfen. Wir brauchen Garantien.“ Dann zeigt er mit dem Finger auf Trump. „Und wer wird mir diese Garantien geben, wenn Sie nicht mehr Präsident der Vereinigten Staaten sind? Wir sprechen Ende 2026 miteinander. Sie haben gerade die Kongresswahlen verloren. Im Jahr 2029 wird Amerika einen neuen Präsidenten haben. Wer kann mir Garantien geben, wenn ich Ihrem Vorschlag zustimme?“, sagt Putin lächelnd. „Wenn diese Entscheidung vom Kongress als Gesetz verabschiedet und auf einem NATO-Gipfel von allen Ihren Verbündeten gebilligt wird. Sie müssen schließlich zu unserer Forderung nach Garantien zurückkehren, dass ehemalige Sowjetrepubliken nicht in die NATO aufgenommen werden und moderne Waffensysteme aus den Ländern Mitteleuropas abgezogen werden. Und das muss ein Gipfelbeschluss sein.“

Der erschrockene Trump sagt Putin, dass er das nicht tun könne, weil nicht alle Verbündeten damit einverstanden wären und weil das die NATO auseinanderbrechen ließe. Xi Jinping sagt Trump, dass Putins Argumentation logisch sei. Trump könne dem Präsidenten der Russischen Föderation, der dazu neige, über die langfristige Sicherheit seines Landes nachzudenken, keine Garantien für die Zeit bis Februar 2029 geben, wenn wir bereits November 2026 haben. Xi Jinping und Putin denken im Gegensatz zu Trump, und das sagen sie ihm ganz deutlich, nicht in Zweijahreszeiträumen. Sie wollen ihre Länder noch Jahrzehnte lang regieren, und sie wollen für diese Jahrzehnte entsprechende Sicherheit. Das ist nur eine Veranschaulichung des Verhandlungsprozesses.

Und hier zeigt sich dieses, ich würde sagen, erstaunliche unausgesprochene Missverständnis, das damit zusammenhängt, dass die Situation des russisch-ukrainischen Krieges von allen Beteiligten völlig unterschiedlich wahrgenommen wird. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sie eine gemeinsame Sprache finden werden. Deshalb sage ich noch einmal: Ich verstehe vollkommen, wozu Putin ein Treffen zu dritt in Shenzhen braucht. Ich verstehe nicht, wozu Trump und Xi Jinping es brauchen, die sich ganz ruhig zu zweit ohne Putin unterhalten können. Aber ich halte es für möglich, dass Trumps Eitelkeit, die es ihm erlauben würde, sich als Anführer dieses Dreiecks zu sehen, tatsächlich Putins Idee eines solchen Treffens begünstigen wird, das zu nichts führen wird. Das wollte ich erklären.

Ich werde einige Fragen beantworten, die bereits während dieser Sendung eingegangen sind.

Frage: Wenn die Russische Föderation keine Atomwaffen hätte, würde die NATO dann Moskau bombardieren, wie seinerzeit Belgrad?

Portnikov: Wissen Sie, es ist sehr leicht, sich vorzustellen, was wäre, wenn es irgendetwas nicht gäbe. Aber offensichtlich wäre es so, dass, wenn Russland keine Atomwaffen hätte, auch die Vereinigten Staaten keine hätten. Länder von der Größenordnung der Sowjetunion hätten zwangsläufig Atomwaffen entwickelt, weil sie über die dafür notwendigen Ressourcen verfügten, sowohl nachrichtendienstliche als auch wissenschaftlich-technische und so weiter. Alle Länder dieser Größenordnung können, wenn sie wollen, Atomwaffen entwickeln. So wie nicht nur die Sowjetunion sie entwickelt hat, sondern beispielsweise auch Indien und Pakistan. Was also wäre, wenn etwas anders wäre, wissen wir nicht. Angesichts der Größe der Russischen Föderation und so weiter glaube ich nicht, dass sie zwangsläufig ein Land geworden wäre, das man so einfach bombardieren würde.

Frage: Kann Trump die Ukraine nach dem Gipfel buchstäblich vollständig preisgeben?

Portnikov: Erstens wissen wir nicht, ob der Gipfel stattfinden wird. Wie ich bereits gesagt habe, können Trump, Putin und Xi Jinping während des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft zusammentreffen, aber dann kann sich herausstellen, dass eine Vereinbarung über ein trilaterales Treffen gar nicht zustande gekommen ist. Denn niemand bestätigt grundsätzlich, dass dieses Treffen stattfinden wird. Bestätigt wird lediglich, dass Putin sich ein solches Treffen wünschen würde. Wir sehen weder irgendwelche konkreten amerikanischen noch irgendwelche konkreten chinesischen Stellungnahmen.

Und ich erkläre Ihnen noch einmal: Trump kann die Ukraine weder nach dem Gipfel noch vor dem Gipfel vollständig preisgeben. Wie Sie sehen, übernimmt selbst jetzt, da Zelensky offen sagt, dass die Vereinigten Staaten die Unterstützung der Ukraine bremsen, keine Patriots liefern, Starlink nicht freigeschaltet haben, Starshield nicht freigeschaltet haben und nicht über Raketenangriffe informieren, niemand in den Vereinigten Staaten die Verantwortung dafür. Nun, das ist doch auch ein wichtiger Punkt, geben Sie es zu. Darüber muss man nachdenken.

Wenn Trump also selbst jetzt nicht den Mut aufbringt, zu sagen, dass er der Ukraine jede Unterstützung verweigert, so wie er es nach dem vorherigen Skandal mit Zelensky bei dessen persönlichem Besuch im Oval Office ganz gelassen getan hat, dann bedeutet das, dass seine Position nicht so stark ist. Und es bedeutet, dass seine Position darin besteht, sich um die Beendigung des Krieges zu bemühen und nicht um die Beseitigung der Ukraine.

Frage: Warum weisen Sie die Erklärung kategorisch zurück, dass Putin kompromittierendes Material über Trump besitzt und die beiden nicht einfach gemeinsame Ansichten haben?

Portnikov: Weil ich glaube, dass sie gemeinsame Ansichten haben. Und ich glaube, dass gemeinsame Ansichten in der politischen Welt viel mehr Gewicht haben als kompromittierendes Material. In der Welt von Menschen, die nicht eine solche Verantwortung tragen wie der Präsident der Vereinigten Staaten und der Präsident der Russischen Föderation, entscheidet, würde ich sagen, kompromittierendes Material über alles. Wenn Ihnen jemand androht, öffentlich zu machen, dass Sie Ihre Frau betrügen, und Sie noch nicht so weit sind, sich scheiden lassen zu wollen, dann könnten Sie diesem Erpresser entgegenkommen und einige seiner Wünsche erfüllen. Aber wenn Sie mit diesem Erpresser etwas gemeinsam haben, dann werden Sie sich eher mit ihm einigen, selbst wenn er kein Foto Ihres Seitensprungs besitzt.

Ich analysiere gerade die Gemeinsamkeit der Ansichten Trumps und Putins. Ich verstehe nicht, warum Sie das nicht glauben wollen. Das ist doch das Wichtigste, diese einfache Sache zu verstehen. Wenn der nächste Präsident der Vereinigten Staaten ein Mensch mit denselben Ansichten wie Trump sein wird, über den Putin kein kompromittierendes Material besitzt, selbst wenn Sie glauben, dass er solches Material über Trump hat, dann wird die Zusammenarbeit zwischen der Russischen Föderation und den Vereinigten Staaten genauso verlaufen wie jetzt. Was ist daran unverständlich? Staatschefs werden durch gemeinsame Prioritäten verbunden und nicht durch kompromittierendes Material. Kompromittierendes Material kann ein zusätzlicher Faktor sein, wie beispielsweise in Putins Beziehungen zu Janukowytsch, aber sie waren hinsichtlich der Zukunft Gleichgesinnte.

Frage: Glauben Sie nicht, dass alle gegen die Ukraine gerichteten Handlungen Trumps eine banale Rache an Zelensky und der Ukraine für das vom Kongress am 18. Dezember 2019 eingeleitete Amtsenthebungsverfahren sind?

Portnikov: Nein, das glaube ich nicht. Ich glaube, dass Sie die Situation ständig vereinfachen wollen, damit sie für Sie irgendwie verständlicher wird. Ich glaube, dass Trump eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation wollte. Schon bevor das Amtsenthebungsverfahren gegen ihn eingeleitet wurde und bevor er versuchte, Zelensky davon zu überzeugen, kompromittierendes Material über Biden zu finden. Da ging es übrigens tatsächlich um kompromittierendes Material.

Und er verstand sehr gut, dass die Ukraine allein durch ihre Existenz als souveräner Staat dieser Zusammenarbeit im Wege steht. Deshalb ärgerte sie ihn vom ersten Tag seiner politischen Tätigkeit an. Das beobachten wir bereits seit zehn Jahren. Warum denken Sie sich irgendwelche kindischen Gründe aus, verstehen Sie, kompromittierendes Material, Rache? Als würde das alles in irgendeiner Krimiserie stattfinden.

Trump betrachtet Putin als einen Menschen, der ihm ideologisch nahesteht. Trump glaubt, dass die Welt zwischen drei starken Staatschefs aufgeteilt werden sollte. Trump glaubt, ich habe das gestern, glaube ich, ausführlich erklärt, dass all diese mittleren und kleinen Staaten den Großen nicht ständig im Weg stehen sollten. Und das Verhalten der Ukraine selbst erscheint ihm vollkommen ungeheuerlich und idiotisch. Und Länder mit einem derart idiotischen Verhalten muss man erziehen, damit sie schließlich verstehen, wer im Haus das Sagen hat.

Und die Tatsache, dass er gezwungen ist, die Ukraine gegen Russland zu verteidigen, kann ihn schon allein deshalb rasend machen, nicht wegen Zelensky oder des Amtsenthebungsverfahrens. Und im Grunde tut er das seit zehn Jahren immer nur unter Zwang. Und so wird es weitergehen. Denn die Haltung des amerikanischen Staates als solchen, das Wesen des amerikanischen Staates und der amerikanischen Gesellschaft, unterscheidet sich von Trumps Haltung. Das ist alles.

Frage: Wird es Trump gelingen, die Macht an sich zu reißen, den Kongress geschickt zu blockieren und Putin in den nächsten zwei Jahren weiter in die Hände zu spielen? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Vereinigten Staaten als Verbündeten endgültig verloren haben?

Portnikov: Es ist sehr wahrscheinlich, dass Trump versuchen wird, Putin weiter in die Hände zu spielen. Wie gut ihm das gelingen wird, wissen wir nicht, denn Putin selbst könnte gar nicht wollen, dass Trump ihm in die Hände spielt. Trump muss auf jeden Fall irgendetwas von Putin bekommen, um zeigen zu können, dass seine Politik tatsächlich Wirkung zeigt, dass sich etwas verändert, dass irgendwelche Waffenstillstände erreicht werden. Dass irgendwelche wirtschaftlichen Kontakte mit Russland zustande kommen, dass das funktioniert.

Aber ich glaube, dass Putin nichts davon tun wird. Putin schindet einfach ganz plump Zeit bis 2029, wie ich Ihnen schon mehrfach gesagt habe. Putin will diesen russisch-ukrainischen Krieg bis Ende 2028 hinziehen, um danach zu entscheiden, falls er überhaupt zu dem Schluss kommt, dass man den Krieg bereits beenden oder aussetzen könnte, mit wem er über diese Aussetzung verhandeln soll und ob er überhaupt verhandeln soll: mit Trump oder mit Trumps Nachfolger.

Das heißt, wenn es uns nicht gelingt, das wirtschaftliche Potenzial Russlands so weit zu zerstören, dass es den Krieg nicht mehr fortsetzen kann, dann wird Putin das nächste Mal Ende 2028 entscheiden, wie es mit dem Krieg weitergehen soll. Deshalb rate ich allen, die diese Sendung verfolgen, einfach, sich für zwei Jahre darauf einzustellen und zu lernen, im Krieg zu leben, statt auf sein Ende zu warten. Ende 2028 können wir darüber sprechen, welche Aussichten es auf eine Aussetzung des Krieges gibt. Nicht früher. Jetzt sprechen wir einfach über den Prozess.

So sieht es auf dem Kalender aus. Und übrigens sollte man nicht die Augen schließen und denken: „Mein Gott, wie lange ist das denn noch?“ Das ist nicht lange. Die heiße Phase begann 2022. Und jetzt haben wir 2026. Nicht zwei Jahre, sondern viereinhalb Jahre sind seit Beginn dieser heißen Phase bereits vergangen. Nicht zwei Jahre. Und der russisch-ukrainische Konflikt dauert in dieser Phase seit dem Eindringen russischer Truppen auf unser Territorium bereits zwölf Jahre. Und Trump kam bei den Wahlen schon vor zehn Jahren an die Macht.

Nun, warum können Sie, wenn Sie sehen, dass das alles Prozesse sind, zwölf Jahre, zehn Jahre, viereinhalb Jahre, warum können Sie nicht lernen, in Jahren statt in Monaten zu denken? Das ist keine Geschichte von Monaten. Das ist, so Gott will, so Gott will, ein optimistisches Szenario. Hoffen wir, dass es eine Geschichte von Jahren und nicht von Jahrzehnten ist. Dann hätten wir einfach Glück. Es gibt schlicht keinen Grund anzunehmen, dass es um Jahre und nicht um Jahrzehnte geht. Aber hoffen wir, dass wir Glück haben.

Frage: Kann man sagen, dass die Ukraine mit ihren Angriffen auf die russische Ölindustrie wie auf einem entwickelten Film all jene Mächtigen dieser Welt sichtbar gemacht hat, die an russischem Öl interessiert sind?

Portnikov: Bis zu einem gewissen Grad ja. Aber mir scheint, dass es nicht um ein unmittelbares Interesse an russischem Öl geht, denn russisches Öl spielt auf dem Markt keine so große Rolle. Vielmehr hängt das, was geschehen ist, vor allem mit der Straße von Hormus zusammen. Es fiel einfach in die Zeit von Trumps faktischer Niederlage und der Situation in der Straße von Hormus. Dazu kamen die Befürchtung einer großen Energiekrise und die Angst vor einer Wahlniederlage. Alles kam zusammen. Die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten, die Blockade der Straße von Hormus und der Krieg in der Ukraine.

Wenn es den Krieg im Iran nicht gäbe – Sie haben doch immer gefragt, was ein schwarzer Schwan für den russisch-ukrainischen Krieg wäre. Genau das ist der schwarze Schwan. Sie verstehen doch sehr gut, dass die Situation beim Öl, bei den Patriots und überhaupt in jeder Hinsicht heute völlig anders wäre, wenn Trump nicht beschlossen hätte, den Iran anzugreifen.

Und das ist eine Situation, die durch das Zusammentreffen all dieser Faktoren entstanden ist. Deshalb braucht Trump jetzt tatsächlich die russischen Ölraffinerien, zumindest weil er über Lukoil-Aktien nachdenken könnte und darüber, dass Russland irgendwie Öl auf den Markt liefern muss, weil jedes zusätzliche Barrel wichtig ist. Und Xi Jinping braucht dieses Öl, ebenso wie Narendra Modi. Aber sie brauchten es nicht in diesem Maße, solange billiges Öl ungehindert durch die Straße von Hormus floss.

Frage: Sie haben ein optimistisches Szenario für den Gipfel beschrieben. Aber wenn Trump diese Wahlen verliert, was wird ihn dann antreiben, in welcher Stimmung wird er sein? Vielleicht braucht er einen großen Krieg, um an der Macht zu bleiben, und wird die NATO zerstören?

Portnikov: Nun, ich glaube nicht, dass Trump in solchen Kategorien denkt. Auch nach den Zwischenwahlen wird er seine Erfolge vorweisen müssen. Denn verstehen Sie, nach den Zwischenwahlen, sofern ihre Ergebnisse überhaupt anerkannt werden – denn wenn sie nicht anerkannt werden, weiß niemand, wohin Trump reisen wird und was geschehen wird. Es könnte ein solches Ausmaß an Chaos geben, dass Trump tatsächlich nicht am Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Gemeinschaft teilnehmen wird, sondern beispielsweise Vizepräsident Vance dorthin fliegt.

Wenn Trump nach einer vernichtenden Niederlage bei den Zwischenwahlen dorthin reist, falls es überhaupt zu einer solchen Niederlage kommt, denn das wissen wir ja nicht. Wenn die Republikaner den Senat gewinnen, wäre das, wie Sie verstehen, nur eine halbe Niederlage. Dann wird er an etwas ganz anderes denken. Daran, zu zeigen, dass er ein Friedensstifter ist, dass er ein Mensch ist, der bestimmte Ergebnisse erzielen kann, dass er ein Führer der Welt ist.

Im Jahr 2027 werden die Vereinigten Staaten in eine neue Phase des Wahlkampfs eintreten, die bereits mit den Wahlen von 2028 zusammenhängt. Nach Weihnachten 2027, wenn der neue Kongress seine Arbeit aufnimmt, werden die Menschen sowohl in der Republikanischen als auch in der Demokratischen Partei bereits beginnen, darauf zu schauen, wer die Vereinigten Staaten tatsächlich führen wird, wer um die Nominierung der Demokratischen und der Republikanischen Partei kämpfen wird.

Und Trump wird, wie Sie verstehen, ein existenzielles Interesse daran haben, seinen Einfluss auf das Verfahren zur Vorstellung der Bewerber zumindest innerhalb der Republikanischen Partei zu bewahren. Seine Autorität wird jedoch untergraben sein, wenn die Republikaner bei den Zwischenwahlen eine krachende Niederlage erleiden. Er wird diese Autorität also wiederherstellen müssen, und zwar bereits beginnend mit diesem Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft. Und der Wunsch, den Krieg in der Ukraine zu beenden, könnte ein Bestandteil der Wiederherstellung dieser Autorität sein. Das ist die ganze Geschichte, über die man sprechen kann.


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Titel des Originals: Зеленський: Трамп схиляє Україну до капітуляції | Віталій Портников. 19.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 19.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Das letzte Treffen | Vitaly Portnikov. 18.10.2026.

Остання зустріч. Віталій Портников. 18.10.2026.

19. November 1999, Istanbul. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Bill Clinton, trifft sich zum letzten Mal mit dem russischen Präsidenten Boris Jelzin. Die beiden Politiker pflegen seit Jahren ausgezeichnete persönliche Beziehungen – man könnte sagen, sie sind miteinander befreundet. Clinton wird Jelzin in seinen Memoiren als einen Menschen bezeichnen, der „die Demokratie im Herzen trägt“. Noch weiß er nicht, dass er ihn nie wieder als russischen Präsidenten sehen wird, denn Jelzin wird sein Amt wenige Wochen später, am 31. Dezember 1999, vorzeitig niederlegen. Doch schon bei diesem Treffen spricht Jelzin gegenüber Clinton voller Überzeugung über Putin als seinen Nachfolger. „Er ist hart“, sagt Jelzin zu Clinton. „Er hat einen starken inneren Kern. Er ist innerlich hart, und ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, damit er gewinnt – auf legalem Wege natürlich. Und er wird gewinnen. Er wird Jelzins Kurs in Demokratie und Wirtschaft fortsetzen …“

Wer heute diese Worte des ersten russischen Präsidenten liest, kann sich nur wieder einmal darüber wundern, wie wenig Menschenkenntnis Jelzin besaß und wie schlecht er andere einzuschätzen vermochte – sonst hätte er niemals einen Mann zu seinem Nachfolger bestimmt, der sein politisches Erbe zerstört hat. Doch in seiner Charakterisierung Putins als Persönlichkeit erweist sich Jelzin als erstaunlich treffsicher: Er schätzt seinen Nachfolger gerade wegen seiner Härte und nicht wegen irgendeiner anderen Eigenschaft. Und sind wir wirklich sicher, dass ein Mann, der es im sowjetischen System bis zum Kandidaten des Politbüros und zum Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU gebracht und später im Machtkampf sogar den Generalsekretär besiegt hatte, so wenig verstand, als er Putin als Fortsetzer seiner eigenen Politik betrachtete?

Das letzte Treffen zwischen Jelzin und Clinton wird abgebrochen, als der amerikanische Präsident versucht, mit seinem russischen Amtskollegen über das Grauen zu sprechen, das sich in Tschetschenien abspielt. Jelzin steht einfach auf und erklärt, dass er und Clinton bereits länger miteinander gesprochen hätten als vorgesehen. Seine Einschätzung Putins gibt Jelzin erst beim Verlassen des Verhandlungsraums ab, als Antwort auf Clintons Frage, wer die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Russland gewinnen werde.

Doch gerade während dieser Verhandlungen schlägt Jelzin Clinton allen Ernstes vor, „Europa Russland zu überlassen“. Die Präsidenten sprechen über die Stationierung von Komponenten des amerikanischen Raketenabwehrsystems auf dem europäischen Kontinent, und Jelzin ist überzeugt, dass dies den amerikanischen Einfluss stärken werde, den es in Europa seiner Ansicht nach überhaupt nicht geben sollte. „Du kannst alle anderen Länder übernehmen und für ihre Sicherheit sorgen. Ich übernehme Europa und gewährleiste seine Sicherheit. Ich meine es ernst: Überlass Europa Russland!“

Clinton reagiert auf diese Worte mit Ironie – schließlich ist er Clinton. Außerdem hört er solche Forderungen von Jelzin nicht zum ersten Mal. Im März 1997 schlägt Jelzin Clinton während des Gipfeltreffens in Helsinki vor, ein Abkommen zu unterzeichnen, in dem ausdrücklich festgehalten werden soll, dass die NATO keine ehemaligen Sowjetrepubliken in ihre Reihen aufnehmen werde – und, wohlgemerkt, vor allem nicht die Ukraine. „Wir sehen, wie Sie und die Ukrainer Ihre Beziehungen ausbauen. Das hilft uns nicht dabei, die russisch-ukrainischen Probleme zu lösen“, sagt er dem amerikanischen Präsidenten.

Clinton reagiert erneut mit einem Scherz – schließlich ist er Clinton –, stimmt aber keiner der Forderungen zu. Als Jelzin ihm vorschlägt, ein geheimes Abkommen zu schließen, das einen NATO-Beitritt ehemaliger Sowjetrepubliken ausschließen würde, erklärt er dem russischen Präsidenten ausführlich, zu welcher politischen Katastrophe dies führen könnte. Doch Jelzin lässt nicht locker …

Die vor einigen Jahren veröffentlichten Dokumente aus dem Nationalarchiv der Vereinigten Staaten – und genau aus diesen Dokumenten zitiere ich – beantworten die Frage, ob Putin Jelzins Politik fortgesetzt hat. Vorausgesetzt, wir betrachten diese Politik ohne die wohlklingenden Bezeichnungen Demokratie und Reformen, sondern als einen Kurs, der auf die Bewahrung der russischen Hegemonie ausgerichtet war. Und wir werden feststellen, dass er sie tatsächlich fortgesetzt hat – beinahe Wort für Wort.

Denn es gibt die Forderungen des russischen Außenministeriums, die 2021 an das amerikanische Außenministerium und die Außenministerien der NATO-Mitgliedstaaten übermittelt wurden. Darin wurde genau das verlangt: Die Vereinigten Staaten und die übrigen Mitglieder des Bündnisses sollten Russland garantieren, dass ehemalige Sowjetrepubliken – und vor allem die Ukraine – nicht in die NATO aufgenommen werden können. Und das wiederholt nicht nur den Verlauf des Gesprächs zwischen Jelzin und Clinton, sondern dessen genauen Inhalt. Dasselbe gilt für die Forderung des russischen Außenministeriums, moderne Waffensysteme aus den Ländern abzuziehen, die der NATO nach 1997 beigetreten sind. Was ist das anderes als die Rückkehr zur Vorstellung von Russland als Garanten der europäischen Sicherheit – weil die Amerikaner sich zurückziehen?

Daraus sollten wir einige Schlussfolgerungen ziehen. Die erste: Wir müssen uns von der Illusion verabschieden, dass das, was heute geschieht, lediglich eine Laune Putins sei. Nein, es ist die Umsetzung der russischen Politik als solcher. Jelzin hätte als bedeutender Politiker der alten sowjetischen Schule in der Situation, in der sich Putin befindet, möglicherweise innehalten können – nicht unbedingt vor dem Beginn eines Krieges selbst, denn in Tschetschenien hat er davor schließlich auch nicht zurückgeschreckt, sondern angesichts der Notwendigkeit, aus einem Konflikt auszusteigen, wenn dieser nicht nach Plan verläuft.

Doch Putin ist, wie Jelzin treffend bemerkte, hart – das heißt unflexibel und verbohrt. Und darüber hinaus bereit, alles in den Ofen seiner eigenen Begierden zu werfen. Doch so seltsam es auch klingen mag: Nicht Putin selbst ist das Problem, genauso wenig wie Jelzin das Problem war. Die russischen Präsidenten spiegeln lediglich den imperialistischen Kurs ihres Landes wider, der sich seit Jahrhunderten nicht verändert.

Das Problem ist, wer ihnen gegenübersitzt. Clinton verstand sehr genau, dass seine Aufgabe darin bestand, die imperialistischen Absichten seines Gesprächspartners einzuschränken und ihn in eine Realität zurückzuholen, in der auch andere Staaten souverän sind und das Recht haben, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Und dagegen konnte Jelzin nichts ausrichten.

Putin dagegen hat endlich einen Gesprächspartner gefunden, der die Souveränität kleinerer Staaten genauso betrachtet wie er selbst – einen Mann, der Kanada als amerikanischen Bundesstaat bezeichnen kann, verlangt, dass Grönland verkauft wird, und damit prahlt, Venezuela zu regieren. Und ja, vielleicht gefällt es Trump nicht, dass Putin seinen Krieg in der Ukraine fortsetzt. Doch für eine Einschränkung der ukrainischen Souveränität mit nichtmilitärischen Mitteln könnte er durchaus volles Verständnis aufbringen.

Ja, unser Problem und das Problem der ganzen Welt besteht nicht nur darin, dass Putin mit barbarischen Methoden die Politik Jelzins und seiner anderen Vorgänger fortsetzt.

Unser größtes Problem besteht darin, dass Trump die Politik seiner Vorgänger nicht fortsetzt.


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Titel des Originals: Остання зустріч. Віталій Портников. 18.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 18.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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