Geheime Verhandlungen zwischen Russland und den USA | Vitaly Portnikov. 18.08.2026.

Die britische Zeitung Financial Times hat Einzelheiten über den geheimen Besuch des amerikanischen Vertreters Rodney Cook, des Vorsitzenden der US-Kommission für Kunst, in der Russischen Föderation erfahren. Cook, der zugleich den Bau von Donald Trumps berühmtem Ballsaal betreut, reiste nach Russland, um zu versuchen, den amerikanisch-russischen Dialog über ein Ende des Krieges in der Ukraine wiederzubeleben.

Das Erstaunlichste daran ist, dass Cooks Reise gar nicht verheimlicht wurde, denn er war Gast des St. Petersburger Wirtschaftsforums und damit der erste US-Beamte, der diese russische Veranstaltung besuchte, nachdem amerikanische Vertreter russische Foren seit 2018 boykottiert hatten. Als Cook jedoch im Sitzungssaal des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg erschien, begannen amerikanische Regierungsvertreter so zu tun, als wüssten sie nichts über seine Mission. Und US-Außenminister Marco Rubio versuchte den Eindruck zu erwecken, die Reise nach St. Petersburg sei eine private Initiative des Vorsitzenden der Kunstkommission gewesen.

Jetzt wissen wir, dass alles ganz anders war. Cook führte im Vorfeld des St. Petersburger Wirtschaftsforums Gespräche mit hochrangigen russischen Regierungsvertretern und hoffte auf eine Belebung der Kontakte zwischen der Russischen Föderation und den Vereinigten Staaten. Die Liste von Cooks Gesprächspartnern wird nicht veröffentlicht. Doch gerade heute betonte der außenpolitische Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow, dass die Vereinigten Staaten und Russland die sogenannte stille Diplomatie fortsetzen.

Und man muss sich darüber im Klaren sein, dass diese stille Diplomatie genau das ist, was der russische Präsident Putin braucht, um bis zum Ende von Donald Trumps Amtszeit Zeit zu schinden. Denn offensichtlich hat Putin zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht die Absicht, mit diesem amerikanischen Präsidenten ernsthafte Vereinbarungen über irgendetwas zu treffen. Gleichzeitig hofft er jedoch, mithilfe dieser stillen Diplomatie neue ernsthafte amerikanische Sanktionen gegen die russische Wirtschaft zu verhindern.

Und was ist mit Cook? Seine Reise nach Russland war ein anschauliches Beispiel für den Dilettantismus und das mangelnde Verständnis der politischen Lage in der Welt, die Donald Trumps Administration seit der Rückkehr des Republikaners ins Oval Office generell an den Tag legt. Cook versuchte, seine russischen Gesprächspartner davon zu überzeugen, dass man mithilfe der Kunst einen Dialog aufbauen könne. Er wollte sie dazu bewegen, für ihn privat Dmitri Schostakowitschs Leningrader Symphonie aufführen zu lassen, die der berühmte russische Komponist während der Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg geschrieben hatte.

Wir wissen nicht, was Cooks russische Gesprächspartner ihm antworteten, doch offensichtlich waren auch sie von der Megalomanie des Ballsaal-Bauleiters überrascht. Jedenfalls kamen die 150 Musiker, die Cook sehen wollte, um sich diese Symphonie im Konzertsaal anzuhören, letztlich nicht zusammen, um den kulturellen Appetit des amerikanischen Vertreters zu befriedigen.

Was die tatsächlichen politischen Folgen des Besuchs betrifft, wissen wir nur eines: Infolge dieser Reise des Vorsitzenden der US-Kunstkommission gab es keinerlei Veränderungen im Verhandlungsprozess zwischen der Ukraine und Russland. Auch Cooks Kompliment an den russischen Präsidenten Putin zeigte keine Wirkung. Direkt im Sitzungssaal des Internationalen Wirtschaftsforums übermittelte der Ballsaal-Bauleiter Putin Grüße von dessen Freund Donald Trump.

Der russische Präsident blieb seiner Politik der Eskalation und des Zeitgewinns in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation hinsichtlich der Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges treu. Aber wir verstehen, dass all diese Ereignisse immer einen doppelten Boden haben.

  • Erstens wissen wir nicht, worüber Donald Trumps Vertreter bei seinen Gesprächen tatsächlich gesprochen hat. Wenn man sich im Weißen Haus nichts von seiner Reise versprochen hätte, hätte man Cook keinen Diplomatenpass ausgestellt und ihm keine detaillierten Anweisungen für seinen Aufenthalt in den russischen Hauptstädten gegeben.
  • Zweitens sehen wir erneut, dass die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht auf Professionalität, sondern auf Dilettantismus setzt. In dieser Hinsicht ähnelt sie leider auch den ukrainischen Unterhändlern bei den Verhandlungen über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges, die ebenfalls nicht begreifen können, dass nur ein professioneller Umgang mit Politik und Diplomatie überhaupt konkrete Ergebnisse bringen kann, wenn auch vielleicht erst in Zukunft.

Trump hat schon früher auf Dilettanten gesetzt, etwa auf seinen Geschäftspartner aus dem Immobilienhandel Steve Witkoff, der weiterhin als informeller Außenminister der Vereinigten Staaten fungiert und die wichtigsten Verhandlungen im Namen des US-Präsidenten führt. Oder auf seinen Schwiegersohn Jared Kushner, der ebenfalls vor allem in den Verhandlungsprozess im Nahen Osten eingebunden ist und dort keine Ergebnisse erzielen kann, die auf reale Chancen für eine langfristige Beilegung der Krisen in der Region hindeuten würden.

Dass neben diesen beiden Personen, die offensichtlich weder etwas von den Regionen verstehen, mit denen sie sich befassen, noch von Diplomatie als solcher, nun auch noch der Vorsitzende der Kunstkommission auftaucht, der für Kultur zuständig sein und sich um den Ballsaal kümmern sollte, falls dieser überhaupt gebaut werden darf, statt mit Putins Regierungsvertretern zu sprechen, ist eine Fortsetzung derselben Logik, die nur dazu führen kann, dass Putins Appetit auf eine Fortsetzung der Kampfhandlungen und der Konfrontation mit dem Westen weiter wächst.

  • Drittens, und auch das ist ein wichtiger Punkt, muss sich die Administration darüber klar werden, was sie tatsächlich will: den Präsidenten der Russischen Föderation dazu zu bewegen, den Dialog wieder aufzunehmen, der letztlich zu nichts führen wird, solange der russisch-ukrainische Krieg nicht beendet ist, oder tatsächlich ein Ende dieses Krieges zu erreichen.

Denn es entsteht der Eindruck, dass das Hauptziel der amerikanischen Vertreter, die sich in Russland aufhalten, darin besteht, herauszufinden, was sich in den Wirtschaftsbeziehungen mit der Russischen Föderation verdienen ließe, wenn der Krieg einmal beendet ist. Sie hören sich die Versprechen russischer Regierungsvertreter an, die den amerikanischen Dilettanten unglaubliche Bilder eines gemeinsamen wirtschaftlichen Erfolgs ausmalen. Doch die Antwort auf die entscheidende Frage – wie und wann der russisch-ukrainische Krieg überhaupt enden wird und ob dies während Donald Trumps Amtszeit im Weißen Haus geschehen kann – bleibt weiterhin ohne jedes konkrete Ergebnis.

Und dann stellt sich die Frage: Warum sollten Witkoff oder Cook mit russischen Regierungsvertretern über Geld sprechen, wenn sie bis zum Ende des Krieges keinen Zugang zu diesem Geld haben werden? Und was dieses Ende des Krieges betrifft, können sie nicht einmal den Hauch eines Fortschritts erzielen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Таємні переговори Росіі і США | Віталій Портников. 18.08.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 18.08.2026.
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Noch ein Krieg: Kann Russland das gesamte Territorium der Ukraine erobern und ihre Regionen zu Föderationssubjekten der Russischen Föderation erklären? Vitaly Portnikov. 17.08.2026.

Ще одна війна: чи може Росія захопити всю територію України та оголосити її області субʼєктами Російської Федерації? 17.08.2026.

Es scheint, als würden viereinhalb Jahre des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine und zwölf Jahre des Konflikts zwischen den beiden Ländern eine klare Antwort auf diese Frage geben: Nein, Russland verfügt nicht über die dafür notwendigen Ressourcen. Aber können wir davon ausgehen, dass Putin das nicht versteht?

Der russische Präsident führt gegen die Ukraine einen weitaus komplexeren Krieg. Die Krim oder der Donbas sind in einem solchen Krieg Brückenköpfe für Angriffe auf das von der legitimen Regierung kontrollierte Territorium der Ukraine und zugleich ein Vorwand für die Fortsetzung des Krieges.

Der Vorschlag, die Truppen aus dem von den ukrainischen Streitkräften kontrollierten Teil der Region Donezk abzuziehen, fügt sich logisch in diese Strategie ein. Wissen Sie, was passieren wird, wenn die ukrainische Regierung solchen Bedingungen zustimmt oder es der russischen Armee beispielsweise gelingt, die Kontrolle über den gesamten Donbas zu erlangen? Die Russen werden anfangen, „Pufferzonen“ einzurichten, um die Sicherheit der „neuen Territorien“ zu gewährleisten, dann auch in diesen „Pufferzonen“ Referenden über einen Anschluss an Russland abhalten und immer weiter fordern, fordern und fordern.

Im Jahr 2022 ließen sich neben der Besetzung großer Teile des ukrainischen Territoriums und einem Machtwechsel in Kyiv zwei weitere Hauptziele der russischen Führung klar erkennen: die Destabilisierung der Ukraine und die Schaffung der Voraussetzungen für eine große Migrationskrise in Europa. Putin erinnerte sich gut daran, wie vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs in Syrien und der Ankunft von Millionen Migranten aus dem Nahen Osten in Europa die Zustimmungswerte rechtsextremer Parteien, die den „Werten“ des Kremls nahestehen, wie auf Hefe zu wachsen begannen. Und man wollte, dass es mit der Ukraine genauso kommt wie mit Syrien.

Schon wenige Monate nach Beginn des großen Krieges ließ sich feststellen, dass diese Kalkulationen nicht aufgegangen waren. Die Ukrainer schlossen sich zusammen, um ihren Staat zu verteidigen. Die Europäer nahmen geflüchtete Frauen mit ihren Kindern gastfreundlich auf. Die erhoffte Krise blieb aus.

Doch die Kalkulation mit einem jahrelangen Abnutzungskrieg beruht gerade darauf, dass das, was sich nicht sofort erreichen ließ, mit der Zeit erreicht werden kann. Dass Russland durchhalten wird, während dem Gegner irgendwann die Geduld ausgeht. Und jetzt sehen wir die ersten Anzeichen dafür, dass dieser teuflische Plan des Kremls Wirklichkeit zu werden beginnt.

Wir sehen, wie sich bei einem Teil der ukrainischen Gesellschaft Panik breitmacht – sowohl angesichts der ständigen Angriffe mit ballistischen Raketen, gegen die es kaum Abwehrmöglichkeiten gibt, als auch angesichts der Erkenntnis, dass ein Ende des Krieges noch lange nicht in Sicht ist. Und das ist nicht nur eine erfolgreiche Kalkulation der russischen Führung, sondern auch eine schwere Fehleinschätzung der ukrainischen. In Kyiv betrachtete man die Hoffnung auf ein schnelles Ende des Krieges als eine Art Droge, mit der sich die Gesellschaft beruhigen und ihre Demoralisierung verhindern ließe. Doch die Wirkung jeder Droge, jedes Beruhigungsmittels lässt früher oder später nach.

Genau das ist jetzt geschehen – möglicherweise waren nicht nur die Raketen der Auslöser, sondern auch missglückte Personalentscheidungen von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Und hier zeigt sich ein Paradox: Diejenigen, die sich bereits seit 2019 der erheblichen Probleme hinsichtlich Zelenskys Fähigkeit bewusst waren, das Land im Krieg zu führen, werden heute nicht müde, an die Legitimität des amtierenden Präsidenten und daran zu erinnern, wie wichtig es ist, ihm bis zum Ende des Krieges Vertrauen entgegenzubringen. Diejenigen dagegen, die Zelensky wie eine Ikone verehrten, sind nun damit beschäftigt, nach neuen Ikonen zu suchen – was derzeit offensichtlich nicht angebracht ist.

Auch die Migrationsprobleme verschärfen sich – und das ist nur natürlich. Schließlich war selbst der 2022 eingeführte Schutz für Ukrainer nur vorübergehend gedacht – und nun zeigt sich, dass „vorübergehend“ lediglich ein Euphemismus ist, hinter dem sich ein praktisch dauerhafter Aufenthalt ukrainischer Staatsbürger in den Ländern der Europäischen Union verbirgt. Stellen wir uns nun eine neue Ausreisewelle im Winter vor. Oder versuchen wir zu verstehen, warum der europäische Steuerzahler aus eigener Tasche nicht nur Frauen mit Kindern unterstützen soll, sondern auch Männer, die illegal nach Europa gelangen, um sich ihrer verfassungsmäßigen Pflicht zu entziehen.

Putin kann also den „eigentlichen“ Krieg nicht gewinnen, könnte aber bei der Destabilisierung der Ukraine und des Westens erfolgreich sein? Ja, der russische Präsident bekommt dann eine Chance, wenn wir weder uns selbst noch den Menschen die Wahrheit sagen wollen. Wenn die ukrainische Führung weiterhin mit ihren Landsleuten nicht wie mit Verteidigern des Vaterlandes spricht, sondern wie mit künftigen Wählern – obwohl niemand weiß, wann der Krieg in absehbarer Zukunft enden und Wahlen stattfinden werden. Wenn europäische Politiker versuchen, ihre Bürger selbst dann zu beruhigen, wenn Raketen und Drohnen aus Russland auf ihrem Territorium einschlagen, und ihnen versichern, ihr Land sei nicht das Ziel, sondern die Einschläge seien nur Zufall. Wenn man in den Vereinigten Staaten noch immer nicht begreifen kann, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine Teil einer globalen „Spezialoperation“ zur Schwächung Amerikas ist.

Wer sich vor Ehrlichkeit und einer angemessenen Einschätzung der Realität fürchtet, öffnet der Lüge und Putin den Weg.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Ще одна війна: чи може Росія захопити всю територію України та оголосити її області субʼєктами Російської Федерації? Віталій Портников. 17.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 17.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Russland lehnt einen Waffenstillstand ab | Vitaly Portnikov. 15.08.2026.

Der Außenminister der Russischen Föderation Sergej Lawrow hat selbst die Möglichkeit einer Erörterung der Frage eines Waffenstillstands entlang der Kontaktlinie zwischen den russischen und ukrainischen Truppen kategorisch zurückgewiesen. Mehr noch: Lawrow begann jenen im Westen zu drohen, die der Ukraine weiterhin helfen, gegen die russische Aggression zu kämpfen, und betonte zufrieden, dass man dort bereits zu stöhnen beginne.

Diese Antwort des russischen Außenministers war zugleich eine Reaktion auf die öffentlichen Äußerungen vieler Politiker, selbst solcher, die der russischen Führung nahestehen, über die Notwendigkeit, den Krieg zu beenden. „So wird es nicht sein“, betonte Lawrow und reagierte damit im Grunde auf die jüngste Erklärung des kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew, der in Anwesenheit des russischen Präsidenten Putin die Notwendigkeit betonte, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, und die Frage nach den Ursachen für den Beginn dieser Tragödie stellte.

Wie wir sehen, gibt es keinerlei reale Anzeichen, die auf den Wunsch der Russen hindeuten könnten, auch nur ansatzweise zu irgendeinem Verhandlungsprozess zurückzukehren. Am selben Tag wie Lawrows Äußerungen hörten wir auch Erklärungen seiner Untergebenen, der Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa, die dem türkischen Außenminister Hakan Fidan die Möglichkeit eines Waffenstillstands auf See kategorisch verweigerte und nicht nur die Notwendigkeit eines solchen Waffenstillstands für Russland selbst, sondern auch die Haltung der Türkei ziemlich skeptisch charakterisierte, die, wie Sacharowa betonte, die ukrainischen Angriffe auf russische Schiffe nicht verurteilt.

Das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation betonte gleichzeitig, dass es beabsichtige, die Ukraine in diesem Winter erfrieren zu lassen und die Angriffe auf das feindliche Land zu verstärken, das weiterhin das Hauptziel für den russischen Präsidenten Putin, seine Armee und die chauvinistisch aufgeladene Gesellschaft bleibt.

All diese Erklärungen und die Art und Weise, wie Lawrow die Notwendigkeit des Krieges begründet – er ist bereits so weit gegangen, die Notwendigkeit einer Fortsetzung des Krieges mit dem sogenannten Andenken an die Vorfahren zu begründen und den Russen zu raten, sich keine Sorgen darüber zu machen, dass der Krieg in ihre Häuser gekommen ist, weil es um die Geschichte Russlands und seine staatlichen Möglichkeiten gehe –, all das zeugt davon, dass das russische Regime die Eskalation endgültig als Instrument seines Drucks sowohl auf die Ukraine und ihr Volk als auch auf die westlichen Partner gewählt hat.

Aus dieser Perspektive gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass angesichts derart harter Äußerungen russischer Beamter die Bemühungen der Vereinigten Staaten um eine Wiederaufnahme der Verhandlungen, von denen der Leiter des amerikanischen Außenministeriums Marco Rubio vor Kurzem gesprochen hat, zu irgendwelchen realistischen Ergebnissen führen könnten. 

Selbst wenn man sich vorstellt, dass die amerikanischen Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner, die damit beschäftigt sind, dass es ihnen nicht gelingt, die Probleme im Nahen Osten zu lösen, ihre vergeblichen Bemühungen in dieser Region unterbrechen und tatsächlich mit neuen Initiativen nach Kyiv und Moskau reisen werden, ist klar, dass die Russische Föderation sämtliche Vorschläge und Erklärungen, die sie von den amerikanischen Vermittlern hören wird, mit Sarkasmus aufnehmen wird.

Deshalb muss man die Realität so wahrnehmen, wie sie ist, und nicht so, wie sie uns von Beamten in Washington oder Kyiv dargestellt wird. Man darf die Augen vor dem Wunsch des russischen Regimes, den Krieg fortzusetzen, nicht verschließen, weil es sich nicht lohnt, darauf zu hoffen, dass das Putin-Regime unter Bedingungen, in denen der Krieg in die Häuser der Russen eingezogen ist und sich die Geografie dieses Krieges auf dem Territorium Russlands selbst in den kommenden Jahren der Konfrontation nur noch ausweiten wird, etwas anderes als Eskalation und Verschärfung der Konfrontation wählen könnte. Denn in dieser Eskalation, in dieser Konfrontation liegt gewissermaßen das Rezept für das Überleben dieses autoritären Regimes, das sich vom Krieg nährt und gerade dank des Krieges den Autoritarismus der jüngeren Vergangenheit in einen brutalen und schändlichen Autoritarismus und Totalitarismus verwandeln konnte. Jede Rakete, die auf Kyiv fliegt, bietet die Möglichkeit, in Moskau die Schrauben immer fester anzuziehen.

Aus dieser Perspektive sollte man die Erklärung Sergej Lawrows wohl kaum ausschließlich als Propagandadokument betrachten. Sie könnte den Standpunkt des russischen Präsidenten selbst widerspiegeln sowie Putins Bestreben, den russisch-ukrainischen Krieg auszuweiten, um den Russen selbst zu zeigen, dass die Gefahr buchstäblich auf Schritt und Tritt auf sie lauert und dass Russland tatsächlich einen Krieg gegen den sogenannten kollektiven Westen führt.

In diese Politik des russischen Präsidenten fügt sich auch der Angriff mit einem Marschflugkörper auf polnisches Territorium ein, unweit eines Werks, das Produkte für die ukrainischen Verteidigungskräfte herstellte. Ebenso die inzwischen systematischen Sabotageakte in Rüstungsbetrieben westlicher Länder: vor Kurzem in Bulgarien, jetzt in Italien. Und natürlich Putins Reise auf die Kurilen, die erste in den 27 Jahren, in denen der russische Machthaber die Ämter des Regierungschefs und des Präsidenten der Russischen Föderation bekleidet.

Das heißt, Moskau will nicht nur die Konfrontation mit den europäischen Verbündeten der Vereinigten Staaten, sondern auch mit den asiatischen. Aus dieser Perspektive kann man sagen, dass wir bereits sehen: Putin will gemeinsam mit der Volksrepublik China eine gemeinsame Politik der Konfrontation und des Kampfes gegen den Westen betreiben. Und zwar nicht nach dem Prinzip: „Ihr werdet die Konfrontation in Europa verschärfen, und wir werden die Konfrontation in Asien verschärfen.“ So könnte es aus der Perspektive Pekings aussehen. Aus der Perspektive Moskaus könnte es hingegen so aussehen: „Wir werden gemeinsam die Konfrontation in Asien verschärfen. Und ihr, liebe chinesische Freunde, helft uns bitte dabei, die Konfrontation in Europa zu verschärfen.“

Lawrows Erklärungen, in denen er die Möglichkeit zurückweist, nach Wegen zu einem Waffenstillstand oder auch nur zu einer Wiederaufnahme der Diplomatie im russisch-ukrainischen Krieg zu suchen, bestärken nur in der Überzeugung, dass der Kreml heute genau diese, für die Welt noch gefährlichere Eskalationslinie gewählt hat, die mit der Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges verbunden ist.


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Titel des Originals: Росія відмовляється від перемирʼя | Віталій Портников. 15.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 15.08.2026.
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Plattform / Quelle: YouTube15.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Putin bereitet einen neuen Krieg vor | Vitaly Portnikov. 13.08.2026.

Putin hat zum ersten Mal in den 27 Jahren, in denen er die Ämter des Präsidenten und des Regierungschefs der Russischen Föderation bekleidet, die Kurilen besucht, die bekanntlich bis heute ein umstrittenes Gebiet zwischen Russland und Japan bleiben und beide Länder daran hindern, eine Entscheidung über den Abschluss eines Friedensvertrags nach dem Zweiten Weltkrieg zu treffen.

Putin ist nicht der erste russische Präsident oder Regierungschef, der die Kurilen besucht. Während seiner Amtszeit als Oberhaupt des russischen Staates besuchte Putins Vorgänger Medwedew die Kurilen. Auch der amtierende Ministerpräsident der Russischen Föderation, Mischustin, hat die Kurilen besucht.

Aber wir verstehen sehr gut, wie man in Tokio gerade den Besuch Putins wahrnimmt, den man in der japanischen Hauptstadt, wie übrigens auch in der gesamten übrigen Welt, praktisch seit dem Moment, als Putin amtierender Präsident der Russischen Föderation wurde, stets als den tatsächlichen Machthaber der Russischen Föderation wahrgenommen hat. Und das geschah, daran möchte ich erinnern, bereits am 1. Januar 2000.

Somit haben wir es mit einer offenen und scharfen Provokation zu tun. Und Japans Premierministerin Sanae Takaichi reagierte ebenso wie andere hochrangige Vertreter der Regierung in Tokio umgehend auf diesen Besuch des russischen Präsidenten und betonte, dass er die Haltung der Japaner gegenüber Russland nur verschlechtere.

Es kann sich die Frage stellen: Warum brauchte Putin diese Reise, wenn er während seiner 27 Jahre an der Macht von einem solchen Besuch abgesehen hatte? Und warum fand sie unmittelbar statt, nachdem Putin während seines Auftritts bei einer Übung der Pazifikflotte der Russischen Föderation betont hatte, Russland drohe Japan in keiner Weise, vielmehr habe Japan aggressive Pläne gegenüber der Russischen Föderation?

Hier spielen gleich mehrere Faktoren eine Rolle.

  • Erstens müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass man in Moskau weiter am endgültigen Abbau des Völkerrechts als solchem und an dessen Ersetzung durch das Recht des Stärkeren arbeitet. Was derzeit während des russisch-ukrainischen Krieges in Europa geschieht, soll aus Sicht der Strategen im Kreml auch in Asien geschehen.

Somit ist Moskau nicht mehr an einem Friedensvertrag mit Tokio interessiert. Es ist nicht an einer Normalisierung der bilateralen Beziehungen interessiert, nicht an den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Japan und der Russischen Föderation. Zumal sich Japan vielen Sanktionen der zivilisierten Welt angeschlossen hat, die nach Beginn der russischen Aggression gegen unseren Staat gegen die Russische Föderation verhängt wurden.

Und in dieser Situation demonstriert Putin Japan, dass Russland bereit ist, seine Ansprüche auf die Kurilen weiterzuverfolgen und dass keinerlei Kompromisse in den bilateralen Beziehungen, auf die man in Tokio noch vor einigen Jahren so sehr gehofft hatte, in Betracht gezogen werden.

  • Zweitens, und das ist möglicherweise noch wichtiger als der erste Punkt, versucht Putin, sich bei demjenigen beliebt zu machen, der heute der wichtigste Energiesponsor der Russischen Föderation ist. Bei demjenigen, der russisches Erdöl kauft, der dem russischen Machthaber die Möglichkeit gibt, eine Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine in den kommenden schwierigen Jahren in Betracht zu ziehen. Das ist der Staatspräsident der Volksrepublik China und Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas, Xi Jinping.

Bekanntlich ist Peking in den vergangenen Monaten zu einem offenen Angriff auf Tokio übergegangen, und der Leiter der außenpolitischen Kommission des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas und Außenminister der Volksrepublik China, Wang Yi, erlaubte sich sogar, Tokio von der Tribüne der renommierten Münchner Sicherheitskonferenz offen zu drohen, was viele als mögliche Vorbereitung auf eine große Krise, vielleicht sogar auf einen Krieg im asiatisch-pazifischen Raum werteten.

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass angesichts der offensichtlichen Schwächung des internationalen Einflusses der Vereinigten Staaten während der Präsidentschaft Donald Trumps ein solcher Krieg zwar nicht unvermeidlich, aber durchaus wahrscheinlich ist, weil man in Peking möglicherweise sehen möchte, inwieweit die Vereinigten Staaten tatsächlich bereit sind, ihre Verbündeten in Asien zu verteidigen.

Und Donald Trumps Verhalten im russisch-ukrainischen Krieg, seine offenkundige Abneigung dagegen, sich mit Putin anzulegen, sowie die Komplimente, die wir vom Präsidenten der Vereinigten Staaten an die Adresse des Präsidenten der Russischen Föderation gehört haben, bestärken die Führung der Kommunistischen Partei Chinas natürlich nur in der Überzeugung, dass Donald Trump auch im Falle Japans schlicht Angst davor haben wird, Xi Jinping selbst herauszufordern.

Putin versteht all das sehr gut, und man kann sagen, dass er, wenn er die Japaner provoziert, sich zugleich bei den Chinesen einschmeichelt und versucht, seinen Status als Lieblingsvasall des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei Chinas zu verteidigen.

Und all das ist natürlich sehr, sehr gefährlich, denn Putin, der in der Sackgasse des Ukraine-Krieges feststeckt, muss seiner chauvinistisch eingestellten Bevölkerung immer neue Fälle von Eskalation und immer neue Demonstrationen der Bereitschaft Russlands präsentieren, seine Interessen gerade mit Gewalt und nicht auf diplomatischem Wege zu verteidigen. Und wenn es nicht gelingt, die Ukraine zu verschlingen und der Existenz unseres Staates ein Ende zu setzen, wenn in Russland selbst ernsthafte wirtschaftliche Probleme beginnen, die mit den Angriffen der ukrainischen Verteidigungskräfte auf die russische Erdölverarbeitung, den militärisch-industriellen Komplex und andere strategische Infrastruktur der terroristischen Föderation zusammenhängen, entsteht natürlich die Versuchung, noch einen weiteren, vielleicht kleinen Krieg zu entfesseln, zu versuchen, die Japaner zu provozieren und sie anschließend zu beschuldigen, nach den russischen Kurilen zu greifen.

Nun, wie ein Szenario russischer Provokationen aussehen kann, wissen wir sehr gut aus jenem schrecklichen Krieg, der bereits 2014 im ukrainischen Donbas begann und uns die ganze Amoralität der russischen Propaganda und die Bereitschaft der russischen Führung zu jeglichen Provokationen im Stil des Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion vor Augen geführt hat.

Der Besuch des Präsidenten der Russischen Föderation auf den Kurilen ist also kein zufälliges Ereignis. Dieser Besuch riecht geradezu nach einem neuen schrecklichen Krieg.


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Titel des Originals: Путін готує нову війну | Віталій Портников. 13.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 13.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Putins Auftritt: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 12.08.2026.

Während seines Auftritts bei einer Übung der Pazifikflotte der Russischen Föderation versprach Putin eine spiegelbildliche Antwort auf die Maßnahmen europäischer und anderer westlicher Länder, die mit Sanktionen belegte Schiffe der Russischen Föderation stoppen. Übersetzt man dies aus der bürokratischen in die allgemein verständliche Sprache, versprach er, fremde Schiffe zu versenken.

Dass dieser Auftritt des russischen Präsidenten kein Zufall war, sondern den Beginn einer neuen Propagandakampagne der Russischen Föderation darstellt, zeigte sich daran, dass sich Putins Drohungen umgehend sowohl der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, Dmitri Medwedew, als auch das Außenministerium der Russischen Föderation anschlossen, das bereits offizielle Drohungen gegen jene europäischen Länder aussprach, die Schiffe unter sogenannten Billigflaggen stoppen, die Russland dabei helfen, westliche Sanktionen zu umgehen.

Dieser Vorstoß Putins ist keineswegs zufällig. Er bedeutet, dass die Russische Föderation begonnen hat, eine Bedrohung für ihre weiteren Öllieferungen auf die Märkte der Länder des Globalen Südens zu spüren. Denn der überwiegende Teil dieser Lieferungen ist gerade mit der sogenannten russischen Schattenflotte verbunden, die sich in Wirklichkeit keineswegs im Schatten befindet. Alle wissen sehr genau, wo sich diese Schiffe befinden und wohin sie fahren; sie verstecken sich vor niemandem. Und die Frage ihrer Festsetzung ist eine Frage des politischen Willens und der Möglichkeiten.

Wenn die westlichen Länder darauf bestehen, dass Russland jene Sanktionen einhalten muss, die nach Beginn der Aggression der Russischen Föderation gegen unseren Staat gegen das Land verhängt wurden, bedeutet dies, dass Moskau auch diesen Teil der für seinen Haushalt so wichtigen Einnahmen verlieren wird. Und das zu einer Zeit, in der Putin fest entschlossen ist, den Krieg fortzusetzen, und für die Fortsetzung des Krieges braucht er Geld.

Natürlich kann sich die Frage stellen, auf welche Weise die Russische Föderation zu Akten der Piraterie greifen will. Denn die europäischen Länder stoppen Tanker, die mit der Russischen Föderation verbunden sind, in der Regel in ihren eigenen Hoheitsgewässern. Sie hindern sie daran, eine Route fortzusetzen, die unter die Sanktionsgesetzgebung fällt. Und somit können wir von der Tatsache sprechen, dass die Russische Föderation zu tatsächlichen Akten der Piraterie gegen die europäische Schifffahrt greifen könnte.

Genau davon spreche ich, wenn ich auf die Möglichkeit einer Ausweitung des russisch-ukrainischen Krieges auf die Länder Europas hinweise. Putin ist daran interessiert, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine schneller endet, als ihm das Geld für die Fortsetzung des Feldzugs ausgeht.

Doch natürlich sieht der russische Diktator das Ende dieses Krieges zu seinen Bedingungen. Er hofft noch immer darauf, dass die ukrainische Staatlichkeit zerstört und ihre ehemaligen Territorien als Föderationssubjekte der Russischen Föderation angeschlossen werden, so wie dies formell bereits mit den ukrainischen Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja sowie mit der Autonomen Republik Krim und Sewastopol geschehen ist.

Damit dies jedoch geschieht, braucht Putin eine Ukraine ohne westliche Hilfe. Der russische Präsident ist sich sehr wohl bewusst, dass die Ukraine den Krieg gegen sein Piratenland als Teil der zivilisierten Welt fortsetzt. Und er will, dass diese zivilisierte Welt die Unterstützung unseres Staates einstellt.

Zumal Putin bestimmte Möglichkeiten dafür bereits genutzt hat. Wir haben gesehen, wie man in Washington nach den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten im Jahr 2024 und der Rückkehr des Republikaners Donald Trump ins Oval Office im Jahr 2025 nicht einmal mehr an die Möglichkeit einer intensiven militärischen Unterstützung der Ukraine nach dem Vorbild der vorherigen Regierung von Joseph Biden dachte.

Warum sollte Putin nicht davon ausgehen können, dass auch europäische Politiker in Zukunft bereit sein werden, auf die Unterstützung der Ukraine zu verzichten? Zumal derzeit bei vielen bevorstehenden Wahlen rechtsextreme Politiker als Favoriten gelten, die bereits zuvor zu jeglichen Vereinbarungen mit Russland bereit waren und keine Befürworter der Unterstützung der Ukraine in unserer Auseinandersetzung mit der aggressiven Politik Russlands waren.

Deshalb ist es hier wichtig, die westlichen Gesellschaften einzuschüchtern. Denn wir verstehen sehr gut, dass für die Europäer bereits die Tatsache, dass ihre Schiffe von den Seestreitkräften der Russischen Föderation angegriffen werden, einen gefährlichen Präzedenzfall darstellt, der nur die Position jener stärken wird, die behaupten werden, man dürfe der Ukraine nicht helfen und müsse sich mit Russland einigen.

Von Gesprächen über die Notwendigkeit, eine Verständigung mit dem Westen zu suchen, ist Putin zu offenen Drohungen übergegangen. Und im Übrigen sind dies Drohungen gegen den kollektiven Westen als solchen und nicht nur gegen Europa. Denn einen großen Teil des Auftritts des russischen Präsidenten machten auch seine Drohungen gegen Japan aus. Und dies ist nicht nur der Versuch, die Beziehungen zwischen Moskau und Tokio zu verschärfen. Es ist auch der Wunsch des russischen Staatschefs, seinen Energiesponsoren aus der Volksrepublik China zu gefallen, die einen Kurs zur Verschlechterung der chinesisch-japanischen Beziehungen eingeschlagen haben.

Wir erinnern uns daran, wie der Außenminister der Volksrepublik China und Leiter der außenpolitischen Kommission des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas, Wang Yi, vom Podium der hochrangig besetzten Münchner Sicherheitskonferenz Japan mit weiteren Maßnahmen Chinas drohte, sollte dieses Land seine außenpolitischen Prioritäten nicht ändern, insbesondere seine Befürchtung, dass sich eine Krise in der Taiwanstraße tatsächlich auch auf die Sicherheit Japans auswirken könnte.

Und nun schloss sich Putin während seines Auftritts bei der Übung der Pazifikflotte der Russischen Föderation im Grunde diesen chinesischen Drohungen am entsprechenden geografischen Ort an. Doch dieser geografische Ort ist auch im Hinblick auf das von Bedeutung, worüber wir sprechen, wenn wir die Drohungen gegen die Europäer erörtern.

Denn wenn wir über die russische Flotte in Europa sprechen, hat die Russische Föderation nicht allzu viel vorzuweisen. Insbesondere nachdem die russische Schwarzmeerflotte Sewastopol verlassen musste und sich nun in der Bucht von Noworossijsk versteckt, das ebenfalls von den Streitkräften der Ukraine angegriffen wird. Im Pazifik dagegen kann Putin noch wie eine Art Admiral wirken, der nicht nur aus Pappe besteht.

Doch all das gilt nur vorerst. Und wir müssen uns daran erinnern, dass die Möglichkeiten der Russischen Föderation nur so lange bestehen, wie man dem dreisten Aggressor auf seine Drohungen und seine Handlungen nicht antwortet.


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Titel des Originals: Виступ Путіна: головне | Віталій Портников. 12.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 12.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Putin fürchtet die Antikriegspartei | Vitaly Portnikov. 10.08.2026.

Die russische Partei Jabloko, die einzige, die sich für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges ausgesprochen hatte, wurde vom Obersten Gerichtshof der Russischen Föderation nicht zu den Wahlen zur Staatsduma Russlands zugelassen, nachdem die Partei bereits offiziell registriert worden war.

Interessant ist, dass sich unter denen, die dafür eintraten, Jabloko von den Wahlzetteln zu streichen, auch die Zentrale Wahlkommission der Russischen Föderation befand, zu deren Aufgaben es gehört, faire und wettbewerbliche Wahlen in einem Land zu gewährleisten, in dem es solche fairen und wettbewerblichen Wahlen seit drei Jahrzehnten in Folge nicht mehr gegeben hat.

Für uns hat diese Geschichte um den Ausschluss Jablokos eine recht symbolische politische Bedeutung. Es könnte scheinen: Welche Rolle spielt es, welche der politischen Parteien Russlands zu den Wahlen zur Staatsduma zugelassen oder nicht zugelassen wird, wenn ohnehin alle russischen politischen Kräfte gezwungen sind, im Fahrwasser von Putins Politik zu agieren. 

Doch mit Jabloko ergab sich eine ziemlich interessante Geschichte. Von den politischen Kräften, die theoretisch an den Wahlen hätten teilnehmen können, war nur die Partei von Grigori Jawlinski bereit, die Notwendigkeit eines Endes des russisch-ukrainischen Krieges zu betonen, obwohl sie nicht einmal das Putin-Regime selbst der brutalen Aggression gegen das Nachbarland beschuldigte.

Für die russische politische Führung war die Präsenz Jablokos auf dem Wahlzettel ein wichtiger Punkt, um zu demonstrieren, dass es in Russland praktisch keine Gegner von Putins Krieg gibt, dass die gesamte russische Gesellschaft bereit ist, die Fortsetzung der aggressiven Handlungen ihres durchgedrehten Machthabers gegen die Ukraine zu unterstützen, bereit ist, Bombardierungen, Tötungen und die Zerstörung von Städten zu unterstützen.

Doch seit der Entscheidung, die Partei Jabloko zu den Wahlen zuzulassen, haben sich im Leben der russischen Gesellschaft selbst recht wichtige Ereignisse ereignet, Ereignisse, die mit den Anstrengungen der ukrainischen Verteidigungskräfte zusammenhängen. Russische Ölraffinerien und Marktplätze begannen zu brennen. Trümmer von Drohnen und Raketen tauchten in Wohnvierteln russischer Städte auf. Der Krieg kam auf das Territorium Russlands und zeigte Millionen Russen, wie ihr wirkliches Leben aussehen wird, wenn der Präsident der Russischen Föderation nicht auf die Aggression gegen unser Land verzichtet.

Und die Russen nehmen einen Krieg auf ihrem eigenen Territorium ganz anders wahr als einen Krieg, der auf fremdem Territorium stattfindet. Das ist aus allen Jahrhunderten der russischen Nationalgeschichte bekannt. Ein Krieg, der nach Russland kommt, gefällt den Russen nicht und kann für jene Herrscher zur Katastrophe werden, die Angriffskriege beginnen.

Vor diesem Hintergrund nahm die Unterstützung für Jabloko zu. Soziologische Umfragen der letzten Tage zeigten, dass Jabloko zumindest in der Hauptstadtregion auf ernsthafte Unterstützung durch eine enorme Zahl von Wählern hoffen kann, während Putins Banditenpartei Einiges Russland, die der im Gefängnis verstorbene, genauer gesagt in der Strafkolonie getötete Alexej Nawalny nicht umsonst die Partei der Diebe nannte, Jabloko bei der Popularität deutlich unterlegen ist.

Und so wurde offensichtlich, dass eine Stimmabgabe für diese politische Kraft, trotz der mangelnden Bereitschaft ihrer Führer, die Dinge beim Namen zu nennen, zu einem Spiegel des Antikriegsprotests werden kann und dass zumindest die nicht öffentliche Demoskopie dem Präsidenten der Russischen Föderation zeigen würde, wie viele Menschen seinen Krieg gegen die Ukraine ablehnen, wie viele Menschen wünschen würden, dass dieser Krieg beendet wird.

Und dann wurde die nächste autoritäre russische Entscheidung getroffen, Jabloko nicht zur Teilnahme an den Wahlen zuzulassen. Damit Putin nicht sieht, wie viele Menschen mit seinem Wunsch, den Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen, nicht einverstanden sind. Genau darin liegt der wahre Grund dafür, dass Jabloko, nachdem die Partei bereits für die Teilnahme an den Wahlen zur Staatsduma zugelassen worden war, wieder von dieser Teilnahme ausgeschlossen wurde.

Und nun werden an den Wahlen zur unteren Kammer des russischen Parlaments nur noch Kriegsparteien teilnehmen, deren Führer, gewöhnliche Marionetten der Kremlverwaltung, miteinander darum konkurrieren werden, Vorschläge zu machen, wie man den Krieg noch verbrecherischer, noch brutaler, noch niederträchtiger machen kann, in der Hoffnung, dass ihre Bemühungen von den Kuratoren dieser politischen Kräfte im Kreml angemessen gewürdigt werden.

Wie wir also sehen, kann selbst eine Partei, die bereit ist, wie wir es im Fall Jablokos wiederholt gesehen haben, nach den Regeln des Kremls zu spielen, die politische Rhetorik des Kremls gegenüber diesem Krieg zu verwenden, den Putin in der Ukraine begonnen hat, den Aggressor nicht Aggressor zu nennen und die Ursachen des Krieges auch in ukrainischen Handlungen zu suchen, selbst eine solche Partei kann nicht an den Wahlen teilnehmen, damit sie nicht zum Symbol einer Antikriegsbewegung in der Russischen Föderation selbst wird.

Wir müssen uns klar darüber im Klaren sein, dass sich Putins Russland vor dem Hintergrund seines schändlichen Krieges gegen unser Land in einen echten orwellschen Staat verwandelt hat, in dem Frieden Krieg ist und die gesamte Existenz der Bürger der Bereitschaft untergeordnet sein muss, Putins aggressive Bestrebungen und die Folgen dieser Bestrebungen für die Russen selbst als gegeben hinzunehmen und sich damit abzufinden, dass der Krieg fortgesetzt wird, auch auf dem Territorium Russlands selbst. Und nun werden bereits alle politischen Parteien, die an den sogenannten Wahlen zur Staatsduma der Russischen Föderation teilnehmen werden, genau diese orwellsche Idee von der Fortsetzung des Krieges vertreten.

Eine wirkliche Wahl haben die Russen, selbst wenn es unter ihnen Menschen gibt, die sich für ein Ende des Angriffskrieges gegen den Nachbarstaat aussprechen möchten, nicht einmal mehr theoretisch. Die einzige Wahl besteht darin, wegen Beiträgen in sozialen Netzwerken, in denen ein Ende des Krieges gefordert wird, ins Gefängnis oder in eine Strafkolonie zu kommen – oder sogar wegen Likes unter Beiträgen jener, die noch immer bereit sind, über die Notwendigkeit eines Endes des russischen Krieges gegen die Ukraine zu sprechen. Das ist die wirkliche politische Realität in dem Land, das gegen uns Krieg führt.


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Titel des Originals: Путін злякався антивоєнної партії | Віталій Портников. 10.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 10.08.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Das ukrainische Paradox. Vitaly Portnikov. 09.08.2026.

Український парадокс. Віталій Портников. 0908.2026.

Wenn Putin beginnt, über die Ukraine zu sprechen, die angeblich von Lenin erfunden worden sei, oder über die von Stalin „verschenkten“ Gebiete, nehmen wir das als propagandistischen Unsinn wahr – schließlich kennen wir die Geschichte der Ukraine und des ukrainischen Volkes weit besser als er und, was am wichtigsten ist, wir verstehen sie auch.

Doch in Putins Äußerungen steckt eine Botschaft, die nicht nur an uns gerichtet ist. Der russische Präsident versucht verzweifelt zu begreifen, warum ihm mit der Ukraine nichts gelungen ist. Denn scheinbar hätte es überhaupt keine besonderen Probleme geben dürfen. Eine riesige Zahl russischsprachiger Menschen lebte jahrhundertelang innerhalb des Russischen Reiches und der UdSSR und stimmte auch nach der Unabhängigkeit weiterhin für offen prorussische Politiker und deren Kurs. Die Wahl von Volodymyr Zelensky zum Präsidenten, der wenige Jahre zuvor Festkonzerte in Ostankino moderiert und in Filmen mitgewirkt hatte, die sowohl für das russische als auch für das ukrainische Publikum bestimmt waren – man ging definitionsgemäß davon aus, dass es sich um dieselben Zuschauer handelte, „ein Markt“. Aus Putins Sicht konnte sich Zelensky ebenso wie zuvor Kutschma von der Macht verführen lassen oder sich „vor den Nationalisten fürchten“. Aber die Menschen, die ihn gewählt hatten – die „Wählerschaft“ –, waren doch dieselben geblieben! Warum hat es weder 2004 noch 2022 funktioniert?

Auf der Suche nach einer Antwort versucht Putin, die Verantwortung auf die Bolschewiki, auf Lenin und auf die Konstruktion der Sowjetunion selbst abzuwälzen. Aber was hat Lenin für die Ukraine tatsächlich getan?

Erinnern wir uns daran, wie das Bewusstsein der Bewohner der künftigen Ukraine im Jahr 1917 aussah. Die nationale Bewegung auf dem Gebiet des Russischen Reiches war recht schwach; in den ukrainischen Gouvernements stützte sie sich traditionell auf den ländlichen Raum. Die meisten ukrainischen Politiker träumten nicht von einem eigenen Staat, sondern von einer territorialen Autonomie innerhalb eines neuen Russlands.

Das Jahr 1917 veränderte alles, vor allem die Positionen jener Politiker, die über territoriale Autonomie nachgedacht hatten. Der bolschewistische Umsturz schuf die Möglichkeit, einen neuen Staat auszurufen. Doch ein großer Teil der Bevölkerung, der auf dem Gebiet des ausgerufenen ukrainischen Staates lebte, behielt sein imperiales Bewusstsein bei. Dieses teilte sich sowohl in Anhänger als auch in Gegner der bolschewistischen Macht.

Nach ihrem bewaffneten Sieg über die politischen Gegner in Russland versuchten die Bolschewiki, die Gefahr nationaler Bewegungen zu verringern. So entstand die Idee territorialer Autonomien, die im Fall der besetzten neuen Staaten in Form von Sowjetrepubliken verwirklicht wurden, die sich mit dem roten Russland zu einer Union zusammenschließen sollten. Stalin schlug vor, die Republiken als autonome Gebilde in Russland einzugliedern – so wie heute Tatarstan oder Tschuwaschien Teil Russlands sind. Lenin jedoch stimmte unter dem Einfluss unter anderem des Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare der Ukrainischen SSR, Christian Rakowski, der den Status als Regierungschef einer souveränen sowjetischen Ukraine nicht verlieren wollte, einem anderen Konzept zu: Die Republiken gründen gemeinsam einen neuen Staat – die Sowjetunion.

Tatsächlich war dies dasselbe Russland unter einem neuen Namen und unter der Herrschaft einer einzigen Partei. Formal konnten die Bewohner der sowjetischen Ukraine, die sich als Ukrainer empfanden, jedoch glauben, sie lebten in einem ukrainischen Staat – wenn auch unter den Bolschewiki. Für diejenigen aber, die keinerlei ukrainisches Nationalbewusstsein besaßen, änderte sich scheinbar ebenfalls nichts: Sie lebten weiterhin auf dem Gebiet des Imperiums. Und für die Bewohner Russlands selbst änderte sich erst recht nichts – sie nahmen den vereinten Staat weiterhin als Großrussland unter einem anderen Namen wahr.

Nach Lenins Tod und seinem Sieg über die politischen Gegner ging Stalin, der bekanntlich Volkskommissar für Nationalitätenfragen gewesen war, von der Nationalisierung des Lebens in den Unionsrepubliken zur Vereinheitlichung über. Dieses Paradigma wurde durch den Zweiten Weltkrieg etwas verändert, als die Führung die Unterstützung aller Völker des Imperiums brauchte und nicht nur die der Russen. Im Fall der Ukraine führte dies zur Einführung des Bogdan-Chmelnyzkyj-Ordens (der Hetman war nun kein Feudalherr mehr, der sein eigenes Volk verraten hatte, sondern ein Kämpfer für dessen Eigenständigkeit) sowie zur Duldung patriotischer Werke ukrainischer Schriftsteller. Nach dem Krieg wurde diese Linie zugunsten einer neuen Russifizierung wieder aufgegeben. Doch noch vor dem deutschen Angriff beging Stalin den historischen Fehler, an den auch Putin erinnert: die Angliederung der westukrainischen Gebiete, in denen die Ukrainer über eine ausgeprägte nationale und politische Identität verfügten. Diese Menschen fanden sich plötzlich in einem künstlichen Staat mit ukrainischen Attributen, aber ohne ukrainischen Inhalt wieder. Für die meisten von ihnen war die Ukraine ein Staat und keine bloße Verwaltungseinheit – und das verband die neuen Bürger der Sowjetunion mit jenen Ukrainern, die genau diese Vorstellung von ihrem Land vertraten.

Doch was geschah mit den anderen? Mit jenen, für die eine solche Ukraine keinen besonderen Wert besaß?

Diese Menschen lebten mehrere Generationen lang in der Ukrainischen SSR, die für sie ein Teil der Sowjetunion war – aber keineswegs Russland. Schon dadurch unterschieden sie sich von den Bewohnern der benachbarten Russischen SSR, für die alles in der UdSSR Russland war – von Estland bis Turkmenistan. Und die Ukraine erst recht, denn sie war schließlich die „Wiege der drei slawischen Völker“, die Rus, also Russland.

Deshalb sollte man sich nicht wundern, dass die Ukrainer mit einer ausgeprägt administrativ-territorialen Identität am 1. Dezember 1991 genauso abstimmten wie die Ukrainer mit einer national-politischen Identität, als die Sowjetunion verschwand. Und ebenso wenig sollte man sich darüber wundern, dass die Russen – buchstäblich alle, von Gorbatschow und Jelzin bis zum Schlosser in Nischni Tagil – darüber erstaunt waren. Das lag nicht daran, dass sie nichts von ukrainischen Nationalisten wussten. Im Gegenteil – sie wussten, dass es sie irgendwo gab, in Lwiw oder Kyiv. Aber es waren doch eindeutig weniger. Warum also stimmten alle anderen so? Warum haben sie „verraten“? Das verstanden die Russen nicht. Noch interessanter ist jedoch, dass auch die Ukrainer selbst das nicht verstanden. Die Ukrainer mit national-politischer Identität betrachteten das Abstimmungsergebnis als Triumph der nationalen Idee. Die Ukrainer mit administrativ-territorialer Identität hingegen meinten, sie hätten einfach deshalb richtig abgestimmt, weil die Ukraine eben nicht Russland sei. Und nun müsse man einfach weiterleben wie bisher und gute Beziehungen zu Russland aufbauen – wozu sonst habe man schließlich die GUS gegründet?

Die ukrainische Unabhängigkeit wurde also überhaupt erst dadurch möglich, dass Menschen mit ganz unterschiedlichen Motiven sie unterstützten. Für die einen war die Ukraine ein Nationalstaat. Für die anderen ein Land, das jahrzehntelang innerhalb der administrativen Grenzen der Ukrainischen SSR existiert hatte. Sie beantworteten die Frage, was die Ukraine sei, unterschiedlich. Sie gaben dieselbe Antwort auf die Frage, ob sie existieren solle. Und völlig unterschiedlich beantworteten sie die Frage, wie sie aussehen solle.

In den folgenden Jahrzehnten werden all diese Gruppen in ihren eigenen Paradigmen leben, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, einander zu verstehen. Die Russen werden versuchen, den 1. Dezember zu vergessen, den Zusammenbruch der Sowjetunion auf die Vereinbarungen Jelzins, Krawtschuks und Schuschkewitschs in Belarus zu reduzieren und zur Idee eines einheitlichen Staates zurückzukehren, in dem die Ukraine zunächst wieder Teil eines Unionsstaates und später einfach Teil Russlands werden soll. Denn im russischen politischen Denken setzt sich endgültig die chauvinistische Sichtweise durch, nach der selbst die faule Kompromisse der Sowjetunion ein Fehler waren und das Russische Reich der vorrevolutionären Zeit das Ideal darstellt. Die Ukrainer mit national-politischem Denken werden versuchen, einen wirklich ukrainisch geprägten Staat aufzubauen, der Teil Europas wird und zugleich ukrainischsprachig und von ukrainischer Kultur geprägt ist. Beide unserer Maidan-Bewegungen handelten in erster Linie davon. Die Ukrainer mit administrativ-territorialem Denken hingegen werden sich vor allem wünschen, dass man sie in Ruhe lässt. Dass sie in einem komfortablen Staat leben, bei Bedarf in Moskau Geld verdienen, in Italien oder Frankreich Urlaub machen, die Sprache sprechen können, die ihnen gefällt, und in eine Kirche gehen, ohne sich dafür zu interessieren, ob sie russisch oder ukrainisch ist. Und dass sie vor allem von jenen Ukrainern in Ruhe gelassen werden, die sie für Nationalisten halten.

Die Ukrainer mit administrativ-territorialer Identität weigern sich aber zu glauben, dass die Russen sie nicht in Ruhe lassen werden. 

Diese unterschiedlichen Vorstellungen von der Ukraine wurden bei nahezu allen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen von Politikern und politischen Strategen ausgenutzt – vor allem von russischen. Bei den Wahlen von 2019 wurde die administrativ-territoriale Identität erneut zur politischen Entscheidung der überwältigenden Mehrheit der Bürger. Vor der Wahl versprach Präsidentschaftskandidat Volodymyr Zelensky, das gerade verabschiedete Sprachgesetz sorgfältig zu überprüfen. Auch der Konflikt mit Russland schien kurz vor seinem Ende zu stehen – schließlich würde man sich ohne „Nationalisten“ an der Macht mit Moskau leicht einigen können. Daran glaubten buchstäblich alle. An den praktisch unvermeidlichen Beginn eines großen Krieges glaubte buchstäblich niemand. Doch der Krieg begann. Und erneut zeigte sich, dass sich im entscheidenden Moment, als es um die Existenz der Ukraine ging, die Ukrainer mit national-politischer Identität mit den Ukrainern mit administrativ-territorialer Identität gegen die Russen zusammenschlossen – genau wie am 1. Dezember 1991. Putin verstand nicht, was schon Gorbatschow nicht hatte verstehen können, als dieser unmittelbar vor dem Referendum in seinem ersten Interview für das ukrainische Fernsehen gegen die Unabhängigkeit agitierte: Dieses Land ist für uns alle wertvoll, ganz gleich, wie wir es wahrnehmen und wer wir sind.

Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass wir sowohl während des Krieges als auch nach ihm in einem Land leben werden, in dem diese beiden Identitäten – die national-politische und die administrativ-territoriale – mit immer verschwommeneren Grenzen weiterhin miteinander konkurrieren werden.

Die Ukrainer mit national-politischer Identität werden sich weiterhin fragen, woher die jungen Menschen kommen, die weiterhin Russisch sprechen, zu Tausenden auf Konzerte von Max Korzh gehen und um Monetotschka weinen. Sie werden sich darüber wundern, dass diese Menschen im Grunde weiterhin russischkulturell geprägt bleiben, auch wenn sie weder von Bulgakow noch von Kirkorow jemals etwas gehört haben.

Die Ukrainer mit administrativ-territorialer Identität werden sich hingegen über etwas anderes wundern: Warum können sich die „Nationalisten“ einfach nicht beruhigen? Schließlich hindert sie niemand daran, Ukrainisch zu sprechen, Wakartschuk oder Boombox zu hören. Warum also, aus ihrer Sicht, allen anderen die ukrainische Sprache aufzwingen?

Man kann nur hoffen, dass die Generationen, die den Krieg gemeinsam erleben werden, diesen kulturellen Unterschieden gelassener begegnen als die Menschen der Vorkriegszeit – weil sie gemeinsame Prüfungen verbinden werden und nicht nur eine gemeinsame kulturelle Welt.

Ich wage jedoch nicht zu sagen, wie die Ukraine nach dem Krieg aussehen wird. Schon deshalb nicht, weil niemand von uns weiß, wann der Krieg enden wird, in welchen Grenzen der ukrainische Staat bestehen wird, wie groß seine Bevölkerung sein wird und aus welchen Regionen die Mehrheit seiner Einwohner stammen wird.

Doch dass wir in einem Staat so unterschiedlicher Identitäten leben, müssen wir als Tatsache akzeptieren. Wir können den Einfluss der national-politischen Identität durch staatliche Bildungs- und Kulturpolitik stärken. Wir müssen jedoch verstehen, dass dies in erster Linie ein Weg ist, die ukrainische nationale Identität aus jener Marginalität herauszuführen, in die sie von den Imperien gedrängt wurde. Zum schnellen Verschwinden der administrativ-territorialen Identität der Ukrainer wird dies nicht führen.

Eine Ukraine, in der die national-politische Identität nicht nur die vorherrschende, sondern die einzige sein wird, ist keine Angelegenheit der nächsten Jahre.

Wir können auch weiterhin darüber streiten, wie unser Staat aussehen soll. Solange jedoch die Mehrheit der Ukrainer dieselbe Antwort auf die Frage gibt, ob er überhaupt existieren soll, hat die Ukraine eine Zukunft.


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Titel des Originals: Український парадокс. Віталій Портников. 09.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 09.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Trump rudert bei Patriot zurück | Vitaly Portnikov. 31.07.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, betonte, dass er noch keine Entscheidung darüber getroffen habe, der Ukraine eine Lizenz für die Produktion von Raketen für Patriot-Luftverteidigungsbatterien zu erteilen, und eine solche Möglichkeit lediglich prüfe. Trump hob hervor, dass die Vereinigten Staaten derartige Lizenzen nur in Ausnahmefällen vergeben.

Doch es stellt sich die Frage, weshalb er selbst dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky während ihres vorletzten Treffens am Rande des NATO-Gipfels in Ankara eine solche Lizenz angeboten hatte. Ich sagte bereits damals, dass derartige Äußerungen Trumps, wenn man sie aus der diplomatischen Sprache in die Sprache der Realität übersetzt, ungefähr so klingen: „Ich kann dir keine Raketen für Patriot geben, aber nimm wenigstens die Lizenz.“

Dabei verstehen wir, dass der Aufbau einer Produktion solcher Raketen sowohl auf dem Gebiet der Ukraine als auch auf dem Gebiet jedes anderen Staates, der an unser Land grenzt, einen ziemlich langen Zeitraum von einem bis drei oder sogar fünf Jahren erfordert. Die Raketen zur Abwehr ballistischer Angriffe der Russischen Föderation braucht die Ukraine jedoch, wie Präsident Volodymyr Zelensky treffend sagte, bereits seit gestern.

Trumps Erklärung erfolgte vor dem Hintergrund von Informationen, wonach der amerikanische Präsident während seines Treffens mit Volodymyr Zelensky in Washington abgelehnt habe, der Ukraine 300 Abfangraketen für Patriot-Batterien zu liefern. Diese Absage war vollkommen vorhersehbar, denn infolge der Einsätze der amerikanischen Armee während des Krieges am Persischen Golf sind die Bestände an Patriot-Raketen für die von den amerikanischen Streitkräften selbst betriebenen Batterien erheblich zurückgegangen. Derzeit soll es noch ungefähr 800 Raketen geben, die für die Verteidigung benötigt werden.

Und das, obwohl in den Vereinigten Staaten pro Jahr nicht mehr als 800 Raketen hergestellt werden. Das bedeutet, dass die Streitkräfte der Vereinigten Staaten mit einem Jahresvorrat auskommen müssen. Und das wiederum vor dem Hintergrund, dass allein an einem Tag der Operation „Epischer Zorn“, ganz am Anfang der Kampfhandlungen der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran, gerade 800 Luftabwehrraketen eingesetzt wurden.

Man kann sagen, dass die amerikanischen Militärs damals offenkundig nicht auf die iranischen Angriffe vorbereitet waren, weder auf Angriffe gegen militärische Einrichtungen der Vereinigten Staaten noch gegen strategische Objekte amerikanischer Verbündeter. Und jetzt, da die Frage, wie es mit dem Krieg am Persischen Golf weitergeht, keineswegs geklärt erscheint und Trump seine Haltung zu diesem Problem buchstäblich jeden Tag ändert, besteht die reale Gefahr, dass Amerika selbst gegenüber neuen Bedrohungen schutzlos dasteht.

Das ist das Ergebnis der Fehler des amerikanischen Präsidenten in der ersten Phase des Krieges mit dem Iran und der offensichtlichen Unfähigkeit der Streitkräfte der Vereinigten Staaten, einen modernen Krieg zu führen. Ich wundere mich immer wieder darüber, weshalb die Amerikaner nicht einmal darauf geachtet haben, wie sich der Krieg während der Kämpfe zwischen der russischen und der ukrainischen Armee verändert.

Volodymyr Zelensky hatte jedoch noch einen anderen Vorschlag, der die Forderung nach der Lieferung ballistischer Abfangraketen an unser Land ersetzen könnte. Es ging um die Erlaubnis für die Ukraine, Starlink-Technologien für Angriffe auf russische Abschussorte ballistischer Raketen zu nutzen. Das könnte weitere Angriffe auf das Gebiet unseres Landes unmöglich machen oder zumindest eine ernsthafte Warnung an Russland sein, solche Angriffe künftig einzustellen.

Damit diese Technologien tatsächlich genutzt werden könnten, wäre jedoch die Zustimmung des Starlink-Eigentümers erforderlich, des exzentrischen Milliardärs Elon Musk, der bekanntlich schwierige Beziehungen zu Donald Trump unterhält und seine Haltung zur Russischen Föderation und zu deren Staatschef Putin ständig verändert.

Elon Musk lehnte Berichten amerikanischer Medien zufolge ein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky ab. Trump versprach dem Präsidenten der Ukraine lediglich, mit dem Gründer der entsprechenden Technologie zu sprechen.

Wir wissen nicht, ob Trump tatsächlich zu einem solchen Gespräch bereit ist. Man sollte in diesem Zusammenhang jedoch daran erinnern, dass man etwa die Möglichkeiten des inzwischen ehemaligen ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorov hätte nutzen können, der sich seinerzeit mit Elon Musk darauf verständigte, die Starlink-Technologie für die russischen Streitkräfte abzuschalten.

Wir hätten zumindest verstanden, wie groß Fedorovs persönliche Rolle dabei tatsächlich ist und in welchem Maß der Wunsch Musks selbst entscheidend ist, den einen oder anderen Schritt zu unternehmen, unabhängig davon, welcher ukrainische Beamte aus dem Umfeld Volodymyr Zelenskys mit dieser oder jener Initiative auftritt.

Vor dem Hintergrund der Notwendigkeit, Starlink-Technologien zu erhalten, wäre es meiner Ansicht nach sinnvoll gewesen, in der Regierungsmannschaft einen Menschen zu behalten, der in der Lage ist, mit Elon Musk und anderen Vertretern der Technologiebranche zu kommunizieren, unabhängig davon, welche Ansichten dieser Mensch über den weiteren Verlauf des russisch-ukrainischen Krieges vertritt.

Was Trumps Position betrifft, schließe ich nicht aus, dass auch der jüngste Angriff der Russischen Föderation seine Worte beeinflusst haben könnte, wonach er die Frage der Lizenzierung der Produktion von Patriot-Raketen in der Ukraine noch nicht entschieden habe. Bei diesem Angriff gelangte eine russische Rakete in den polnischen Luftraum und stürzte etwa 100 Kilometer von der polnisch-ukrainischen Grenze entfernt ab.

Für die Amerikaner ist das kein Scherz, sondern ein Hinweis darauf, dass Russland bereit ist, seine Raketen für Angriffe auf militärische Einrichtungen in NATO-Mitgliedstaaten einzusetzen. In Warschau wird bereits betont, dass die Rakete ungefähr 30 Kilometer von einem Rüstungsbetrieb entfernt niederging, der Waffen für die Bedürfnisse der ukrainischen Streitkräfte modernisiert.

Damit sandte Putin dem amerikanischen Präsidenten ein eindeutiges Signal: Sollte die Produktion von Patriot-Raketen tatsächlich auf dem Gebiet der Ukraine aufgebaut werden, würde sie sofort zum Ziel russischer Angriffe. Und selbst wenn sie auf dem Gebiet eines benachbarten NATO-Mitgliedstaates eingerichtet würde, wären Angriffe der Russischen Föderation auf ein solches Objekt durchaus möglich. 

Das würde Washington, wie wir verstehen, dazu zwingen, eine Entscheidung über eine Reaktion auf solche Angriffe zu treffen, über den Schutz der Verbündeten oder aber über die Verweigerung dieses Schutzes – mit Folgen, die als Zusammenbruch der euroatlantischen Solidarität und der gesamten Idee der NATO bezeichnet würden.

Ein solches Signal könnte Trump tatsächlich dazu veranlasst haben, die von ihm offenbar bereits gegebenen Zusagen noch einmal zu überdenken.


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Titel des Originals: Трамп дає задню з Patriot | Віталій Портников. 31.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 31.07.2026.
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Laura Loomers Mission | Vitaly Portnikov. 27.07.2026.

Місія Лори Лумер. Віталій Портников. 27.07.2026.

Die Ankunft der bekannten amerikanischen rechtskonservativen Bloggerin Laura Loomer in der ukrainischen Hauptstadt wurde von den ukrainischen Behörden und in unseren Medien so wahrgenommen und dargestellt, als handele es sich um den Besuch einer Amtsträgerin, von deren Entscheidungen die Beziehungen zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten abhängen würden. Vor dem Hintergrund der russischen Angriffe mit ballistischen Raketen gab Volodymyr Zelensky Laura Loomer ein Interview, und meine Kollegin Maritschka Padalka erzählte der MAGA-Aktivistin mit großer Emotionalität von den ukrainischen Wurzeln ihres jüdischen Großvaters.

Dennoch steckt in einer solchen Haltung ein gewisser rationaler Kern. Selbst Donald Trump hört Laura Loomer mit Interesse zu, obwohl der amerikanische Präsident bereits mehrfach gezeigt hat, dass selbst seine treuesten Anhänger keinen Einfluss auf seine Meinung haben, wenn diese ihren Schlussfolgerungen widerspricht. Wer also auf wen hört, ist nach wie vor eine große Frage. Denn auch in Kyjiw vertrat Laura Loomer weiterhin den meiner Ansicht nach völlig falschen Standpunkt der radikalen Konservativen, wonach eine Fortsetzung der finanziellen Unterstützung für die Ukraine unmöglich sei. Dabei ist gerade dies der wichtigste Punkt, der sich tatsächlich ändern könnte, denn Mitgefühl und Tränen kann man bekanntlich nicht aufs Brot streichen.

Laura Loomers Mission besteht daher in erster Linie nicht darin, ihre Haltung gegenüber der Ukraine zu ändern. Ihre Mission besteht darin, ihre Haltung gegenüber Russland zu verändern.

Aus dieser Perspektive kann die Reise der populären Bloggerin und Verschwörungstheoretikerin als eine Art Revanche für den Besuch eines anderen rechtskonservativen Kommentators, Tucker Carlson, in der russischen Hauptstadt betrachtet werden. Zur Erinnerung: Damals reagierten die russischen Medien auf Carlsons Besuch mit nicht geringerem, wenn nicht sogar größerem Enthusiasmus als die Ukrainer auf den Besuch Loomers. Und Putin gab dem in rechtskonservativen Kreisen angesehenen Moderator ein Interview.

Seitdem hat sich vieles verändert. Nach Beginn der amerikanisch-israelischen Operation gegen den Iran wurde Carlson zu einem unversöhnlichen Gegner, ja sogar zu einem Feind Trumps. Er verließ sowohl die MAGA-Bewegung als auch die Republikanische Partei. Trump selbst äußert sich inzwischen ohne Begeisterung über Putin, und seine Verbündeten vermeiden es, auch nur einen Zeitpunkt für das Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu nennen – ganz zu schweigen von einer Wiederaufnahme des ohnehin wenig aussichtsreichen Verhandlungsprozesses.

Auch die Haltung vieler Konservativer gegenüber Russland verändert sich. Russland wird von vielen nicht mehr als christliche „Stadt auf dem Berge“, als letzte Festung traditioneller Werte wahrgenommen. Laura Loomer erklärte die Veränderung ihrer eigenen Haltung ausgerechnet im Innenhof des Kyiv-Petschersk-Lawra-Klosters – jenes Klosters, das vor wenigen Wochen zu den Zielen eines weiteren russischen Angriffs auf die ukrainische Hauptstadt gehörte.

Genau das ist in Wirklichkeit der entscheidende Punkt. Seit Trump ins Oval Office zurückgekehrt ist, werde ich nicht müde zu betonen, dass weder er noch sein Vorgänger den Schlüssel zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges in der Tasche haben. Erst recht nicht jetzt, da Trump in die Treibstoff-Falle der Straße von Hormus geraten ist, aus der völlig unklar ist, wie – oder ob überhaupt – man wieder herauskommen kann.

Wenn der amerikanische Präsident also nicht bereit ist, der Ukraine zu helfen – und wir verstehen, dass eine solche Entscheidung für ihn eine grundlegende Überprüfung der gesamten Philosophie des Trumpismus bedeuten würde –, dann soll er Russland wenigstens nicht „helfen“. Er soll gegenüber dem Putin-Regime eine härtere Haltung einnehmen. Er soll keine Illusionen über die Möglichkeit von Vereinbarungen mit dem russischen Präsidenten haben. Er und seine Anhänger sollen aufhören, Russland als eine vermeintliche konservative Zitadelle zu betrachten.

Wenn es Laura Loomer gelingt, Trump von der Sinnhaftigkeit genau dieses Ansatzes zu überzeugen, dann wäre das bereits ein großer Schritt in die richtige Richtung.


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Titel des Originals: Місія Лори Лумер. Віталій Портников. 27.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.07.2026.
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Trump antwortet Zelensky | Vitaly Portnikov. 27.07.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat angekündigt, persönlich bei Putin nachzufragen, ob die Russische Föderation dem Iran Geheimdienstinformationen liefert – jene Informationen, die der Islamischen Republik dabei helfen, amerikanische Militäreinrichtungen anzugreifen.

Diese Worte des amerikanischen Präsidenten sind faktisch eine Antwort auf seinen ukrainischen Amtskollegen Volodymyr Zelensky im Vorfeld des Treffens der beiden Präsidenten, des amerikanischen und des ukrainischen. Zelensky hatte zuvor betont, dass die Ukraine über Informationen verfüge, die darauf hindeuten, dass Russland dem Iran Hilfe leistet.

Übrigens ist es durchaus bemerkenswert, dass Trump bereits im Voraus betonte, selbst wenn sich herausstellen sollte, dass Russland dem Iran tatsächlich wichtige Geheimdienstinformationen liefert, werde dies die Wirksamkeit der iranischen Angriffe keineswegs beeinflussen. Denn nach Ansicht des amerikanischen Präsidenten könne Russland ohnehin nichts Ernsthaftes unternehmen – erst recht nicht, nachdem Amerika den Iran empfindlich getroffen habe.

Natürlich könnte man sagen, dass Trump weiterhin in einer Welt seiner eigenen Illusionen lebt und die geopolitische Falle nicht wahrnimmt, in die er nach Beginn der amerikanisch-israelischen Operation gegen das Regime der Ajatollahs geraten ist.

Ein Ausweg aus dieser Situation ist bislang nicht erkennbar, und wir wissen nicht, wie der weltweite Energiemarkt bereits in wenigen Monaten aussehen wird. Umso mehr, als die Vereinigten Staaten ihre Angriffe auf den Iran derzeit vor dem Hintergrund eines eklatanten Mangels an eigenen Luftverteidigungsmitteln aussetzen mussten. 

Und gerade hier könnten russische Informationen, die dem Iran zur Verfügung gestellt werden, dem Regime der Islamischen Republik erheblich dabei helfen, amerikanische Militärstützpunkte am Persischen Golf zu zerstören und amerikanische Soldaten zu töten.

Trump verteidigt jedoch konsequent die These, die seiner Ansicht nach belegen soll, dass selbst dann, wenn Russland und China der Islamischen Republik im Kampf gegen die Vereinigten Staaten helfen, dies keinerlei Auswirkungen haben könne. Deshalb lohne es sich seiner Meinung nach auch nicht, sich deswegen mit Putin oder Xi Jinping zu überwerfen. 

Und genau das erscheint mir als die gefährlichste Einschätzung der geopolitischen Lage durch den amerikanischen Präsidenten. Seit seiner Rückkehr ins Oval Office hält Trump weiterhin an der Doktrin fest, wonach es in der Welt nur drei entscheidende Akteure gibt: ihn selbst sowie die Staatschefs der Russischen Föderation und der Volksrepublik China. 

Gerade mit diesen Männern müsse er Vereinbarungen treffen – selbst wenn dies den Interessen der traditionellen Verbündeten der Vereinigten Staaten widerspreche. Gerade die Beziehungen zu diesen Männern stellt Trump als geopolitische Errungenschaft dar, obwohl dies der Realität und den nationalen Interessen des Landes widerspricht, das er führt.

Und selbst wenn Trump unwiderlegbare Informationen erhält, die belegen, dass Russland oder China gegen die Vereinigten Staaten arbeiten, versucht er entweder, diese Informationen nicht wahrzunehmen oder sie herunterzuspielen, damit die Vereinigten Staaten keinen direkten Konflikt mit Putin oder Xi Jinping eingehen.

Ein weiteres Beispiel dafür ist, dass Trump weiterhin betont, die Vereinigten Staaten würden der Ukraine weder Waffen verkaufen noch liefern. Stattdessen würden sie diese Waffen den NATO-Mitgliedstaaten übergeben, die sie anschließend an die ukrainische Armee zur Verteidigung gegen die russische Aggression weiterreichen.

Das ist ein ziemlich kindischer Versuch, das Ausmaß der amerikanischen Unterstützung für die ukrainische Armee herunterzuspielen. Denn in Russland versteht man sehr genau, mit welchen Waffen russische Soldaten getötet und russische Militärtechnik zerstört werden. Putin kann Trump damit nicht täuschen. Trump möchte jedoch, dass der russische Präsident von seiner offensichtlichen Abneigung gegen einen direkten Konflikt mit dem Kreml überzeugt ist.

Und hier stellt sich eine ziemlich einfache Frage: Wie sollte dann eigentlich die Politik der Ukraine gegenüber den militärischen Interessen der Vereinigten Staaten aussehen? 

Die Ukraine hat einen iranischen Tanker versenkt. Das hat bereits eine recht scharfe Reaktion der gegenwärtigen iranischen Führung ausgelöst.

Natürlich wäre es übertrieben zu behaupten, der Iran könne der Ukraine ernsthaften Schaden zufügen. Zumal das Regime der Islamischen Republik seit 2022 aktiv am Krieg gegen unser Land beteiligt ist, indem es Russland Shahed-Drohnen und Raketen für Angriffe auf ukrainisches Territorium liefert. 

Doch jetzt, da der Iran eigene militärische Interessen verfolgt, die sich nicht mit den russischen decken, weil er sich in einer intensiven militärischen Konfrontation mit den Vereinigten Staaten befindet, stellt sich die Frage, ob man dem Regime der Ajatollahs einen zusätzlichen Anlass oder Wunsch geben sollte, Russland neue Waffen zu liefern.

Die Lage ist nämlich ziemlich einfach. Russland verfügt nur über eine begrenzte Anzahl ballistischer Raketen. Russland kann die Ukraine – insbesondere die ukrainische Hauptstadt – nur mit der Anzahl von Raketen angreifen, die in den Fabriken der Russischen Föderation produziert werden. In den Depots ist nach den intensiven Bombardierungen der Ukraine in den vergangenen Kriegsjahren praktisch nichts mehr übrig geblieben.

Jede Lieferung von Raketen durch mit Russland verbündete Staaten wie den Iran erhöht daher schlicht die Zahl der Einschläge auf ukrainischem Territorium – unter Bedingungen eines kritischen Mangels an Luftverteidigungssystemen.

Was sehen wir also? Wir greifen einen Tanker eines Landes an, mit dem sich die Vereinigten Staaten in einem militärischen Konflikt befinden, der bereits heute erhebliche Probleme für Amerika selbst verursacht. Währenddessen vermeiden alle anderen Verbündeten der Vereinigten Staaten eine Konfrontation mit Teheran.

Der Präsident der Vereinigten Staaten tut so, als geschehe für ihn nichts Ernsthaftes – ebenso übrigens wie in der Frage der Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine im Bereich der Drohnentechnologie.

Die Führung eines Landes, das sich in einem ernsthaften geopolitischen Konflikt mit den Vereinigten Staaten befindet, warnt, dass sie auf diesen Angriff gegen die Ukraine reagieren werde. Trump hingegen versucht nicht nur, die Rolle Putins bei den iranischen Angriffen auf amerikanische Militäreinrichtungen herunterzuspielen, sondern beeilt sich auch nicht, der Ukraine neue Raketen für die Patriot-Systeme zu liefern.

Natürlich müssen wir Verbündete der Vereinigten Staaten bleiben, denn auch in den kommenden Jahren der weltweiten Konfrontation werden die Vereinigten Staaten unser wichtiger Partner und Verbündeter bleiben. Aber sollten wir Schritte unternehmen, die im Weißen Haus gar nicht wahrgenommen werden und dort nicht als Maßnahmen gelten, die Amerika tatsächlich im Konflikt mit autoritären Regimen helfen zu überleben?

Vielleicht sollten wir uns wie alle anderen amerikanischen Verbündeten verhalten: helfen, zusammenarbeiten und zustimmen – aber keine zusätzlichen Schritte unternehmen, die unseren eigenen Interessen und unserer eigenen Sicherheit schaden könnten. Zumindest so lange, bis im Weißen Haus eine Regierung im Amt ist, die echte Bündnisbeziehungen zu schätzen weiß.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп відповідає Зеленському | Віталій Портников. 27.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach
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