Warum Russland diesen Krieg verliert | Vitaly Portnikov bei @tvoyemistoTV. 26.07.2026.

Svitlana Zhebiv: Das ist der Expertenklub von „Tvoje Misto“. Mir scheint, wir leben in einer sehr seltsamen und besonderen Zeit. Einerseits verfügen wir über eine unglaubliche Menge an Informationen. Praktisch können wir auf jede Frage eine Antwort bekommen. Andererseits verlieren wir meiner Überzeugung nach die Fähigkeit, Vereinbarungen zu treffen, Kompromisse und Lösungen zu suchen, um eine gewisse Verantwortung aufzubauen und Demokratie zu schaffen. Darüber werden wir heute mit dem politischen Kommentator, Analysten, bekannten Journalisten und, man könnte sogar sagen, Prognostiker Vitaly Portnikov sprechen.

Portnikov: Ich widerspreche entschieden der Behauptung, ich sei ein Prognostiker.

Svitlana Zhebiv: Ich weiß, dass Sie das bestreiten, aber ganz Threads und alle sozialen Netzwerke sind überzeugt, dass Sie ein Prognostiker sind, weil Ihre Prognosen eintreffen. Es gab sogar den Scherz: „Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der Vitaly Portnikovs Prognosen eintreffen.“ Und Sie kommentierten, dass Sie das ebenfalls nicht möchten.

Portnikov: Nun, gerade deshalb stehe ich der Idee von Prognosen ziemlich ironisch gegenüber. Mir scheint, in der Politik gibt es einfach eine Logik des gesunden Menschenverstands. Wenn Menschen diese Logik des gesunden Menschenverstands nicht erkennen, bedeutet das, dass sie die Realität einfach nicht berücksichtigen wollen. Die Logik des gesunden Menschenverstands funktioniert im Grunde überall, in jedem Bereich menschlicher Tätigkeit. Es gibt Fälle, die wir schwarze oder weiße Schwäne nennen.

Aber nun gab es die Fußball-Weltmeisterschaft und das Endspiel, bei dem ich, das sage ich Ihnen, absolut sicher war, dass die Spanier gewinnen würden. Ich habe das auch gesagt. Ich halte mich nicht für einen Fußballspezialisten. Überhaupt befasse ich mich nur sehr selten mit sportlichen Themen, aber für mich ist völlig offensichtlich, dass Menschen, die einen neuen Fußball spielen und auf ihrer Seite, sagen wir, junge Spieler und einen jungen Starspieler haben, möglicherweise von Weltrang, mehr Möglichkeiten haben, ein Endspiel zu gewinnen, als eine Mannschaft, die über einen absolut genialen Fußballstar verfügt, der jedoch bereits am Ende seiner Karriere steht. Das ist nun einmal das Gesetz des Spiels.

Das bedeutet aber nicht, dass Argentinien nicht hätte gewinnen können, denn es hätte auch sein können, dass niemand ein Tor erzielt.. Es hätte zu einem Elfmeterschießen kommen können. Und beim Elfmeterschießen, das verstehen Sie ja, ist es ungefähr eine solche Lotterie wie die Personalentscheidungen von Volodymyr Zelensky. Und in dieser Situation wäre vielleicht Argentinien erneut Weltmeister geworden. Es geschah einfach das, was geschehen musste. Für die Spanier kam kein schwarzer Schwan, sondern sie gewannen folgerichtig in dieser Geschichte. Und mich überraschte, dass viele Menschen, die angeblich Fußballexperten sind, das nicht verstanden. Weil sie einfach die Gesetzmäßigkeiten des Lebens nicht verstehen. Und sie erklärten selbstsicher, warum Argentinien gewinnen müsse, obwohl ihre Erklärungen auf ihren Emotionen beruhten.

Dasselbe gilt übrigens für den russisch-ukrainischen Krieg. Warum kann Russland im russisch-ukrainischen Krieg keinen Erfolg erzielen? Weil die Ukraine jetzt als Teil der westlichen Welt kämpft. Wären wir nicht Teil der westlichen Welt, würde man uns nicht mit Waffen und Geld helfen, dann hätte Russland offensichtlich eine absolute Überlegenheit. Eine absolute. Es hat mehr Menschen, eine größere Wirtschaft, mehr Waffen, mehr Militärfabriken, mehr Erdöl. Es hat von allem mehr. Wie könnte es nicht eine ehemalige Sowjetrepublik besiegen, die ihm in allem unterlegen ist und von deren Territorium bereits ein Teil besetzt ist? Aber in der Auseinandersetzung mit dem Westen als solchem kann Russland nicht gewinnen, weil es ein geringeres Wirtschaftsvolumen, weniger Steuerzahler und von allem weniger hat. In diesem Punkt haben sie recht, wenn sie sagen, dass sie gegen den gesamten Westen kämpfen.

Kann es für uns einen schwarzen Schwan geben? Natürlich. Dieser schwarze Schwan hängt damit zusammen, dass im Westen die Bereitschaft abnimmt, uns zu helfen. Wir kennen den Effekt, als die Republikaner zu Zeiten von Präsident Biden die Bewilligung von Hilfe für uns verzögerten. Wir verloren Awdijiwka. Es wurde sofort offensichtlich, dass wir zu verlieren beginnen, wenn wir nicht rechtzeitig Waffen oder Geld erhalten. Damals war, wie Sie sich erinnern, die gesamte ukrainische Militärmaschine auf amerikanische Hilfe ausgerichtet. Das müssen wir klar begreifen. Wenn wir keine Abwehr gegen ballistische Raketen haben, leiden die Städte, die in Reichweite ballistischer Raketen liegen, vor allem Kyiv.

Svitlana Zhebiv: Verstehen wir das als Ukrainer?

Portnikov: Natürlich verstehen wir das nicht. Deshalb sage ich ja, dass viele glauben können, ich würde irgendwelche Prognosen abgeben, dabei stütze ich mich einfach auf die Idee des gesunden Menschenverstands. Ein weiterer schwarzer Schwan ist übrigens die Ermüdung der Gesellschaft und ihre Bereitschaft zur inneren Konfrontation. Daran arbeiten die Russen. Sie arbeiten mit dem Westen, damit die Hilfe abnimmt. Sie arbeiten mit der ukrainischen Gesellschaft, damit wir uns spalten.

Ich sage immer wieder, dass das Jahr 1917 in Russland ein hervorragendes Beispiel ist. Der deutsche Generalstab unternahm sowohl militärische als auch politische Anstrengungen, für die enorme Summen ausgegeben wurden, etwa für die Partei der Bolschewiki und so weiter. Diese Partei war überzeugt, dass sie auf diese Weise ihre Ideale erreichen und auch Deutschland destabilisieren könne. Und die Bolschewiki erwiesen sich in ihren Vorstellungen über die Zukunft als präziser als der deutsche Generalstab. Aber Russland ging als damaliger Staat unter.

Ja, auf seinen Ruinen entstand die Sowjetunion. Aber wäre Deutschland nicht ebenfalls innerlich destabilisiert worden, faktisch durch dieselben Anstrengungen, die zur Destabilisierung Russlands unternommen wurden, wäre es viel besser aus dem Krieg hervorgegangen, als es am Ende des Ersten Weltkriegs der Fall war. Das muss man im Gedächtnis behalten. Und vor allem müssen wir verstehen, wozu das Fehlen innerer Einheit und die Kriegsmüdigkeit führen.

Ich sage Ihnen, dass ich finde, die Ukrainer halten sich noch sehr gut. Denn zwischen 1914 und 1917 vergingen nur drei Jahre, und dann war bereits Schluss. Bei uns dauert der Krieg jetzt im Grunde schon viereinhalb Jahre, bald werden es fünf. Aber selbst jetzt, wenn Proteste stattfinden, stellt niemand die Legitimität der Regierung infrage, die Legitimität des Präsidenten als Oberbefehlshaber, oder dass die Regierung und der Präsident Personalentscheidungen treffen dürfen. Den Menschen können die konkreten Personalentscheidungen missfallen, aber sie stellen nicht infrage, dass dies die Staatsführung ist, der sie weiterhin zutrauen, das Land zu führen.

Im Jahr 1917 stellte man in Russland, wie Sie sich erinnern, im Februar sowohl die Kompetenz des Oberbefehlshabers, des Kaisers, als auch die Kompetenz der Regierung infrage. Der Staat selbst wurde einfach durch Menschen ersetzt, die schon aufgrund der Art, wie sie an die Macht gekommen waren, nicht mit der Unterstützung aller Bürger rechnen konnten, weil sie nicht über das Maß  an Legitimität verfügten, den der Kaiser hatte. Wir verstehen ja, dass der Vorsitzende einer provisorischen Regierung in jedem Fall kein Mensch ist, der in den Augen eines Untertanen eine solche sakrale Legitimität besitzt wie ein Kaiser, der Erbe einer jahrhundertealten Dynastie ist. Das ist also alles folgerichtig: Senkt man die Legitimität der Regierung, erhöht man die Möglichkeiten des Feindes, einen zu überwältigen.

Svitlana Zhebiv: Und zu all dem kommen die Algorithmen hinzu. Ich möchte den Titel einer Ihrer Kolumnen zitieren. Sie hieß: Imperien zerstören Demokratien, töten Demokratien, aber die Ukraine kann durch das Fehlen von Demokratie zerstört werden. Wenn man diesen Gedanken fortsetzt: Sind die Algorithmen, die heute die Gesellschaft polarisieren und eine schnelle Reaktion, ein Like oder ein Dislike verlangen, nicht eine gewisse Bedrohung für die Demokratie? Denn mir scheint, dass die Art, wie Sie die Pappschilder-Majdane und diese Kundgebungen analysieren und erklären, warum ein Ministerpräsident Politiker sein muss, all das vom Aufbau der Demokratie in der Gesellschaft handelt.

Portnikov: Natürlich. Es gibt eine sehr einfache Formel. Das ist ein Krieg des 21. Jahrhunderts und kein Krieg aus der Perspektive dessen, was in feudalen Zeiten geschah. Und das ist ebenfalls eine völlig offensichtliche Sache, die damit zusammenhängt, was in Zukunft mit dem russisch-ukrainischen Krieg geschehen wird.

Wir haben die Erfahrungen der Kriege des vergangenen Jahrhunderts gesehen und können einen völlig klaren Schluss ziehen:

  • Demokratische Staaten mit funktionierenden Institutionen sind im Krieg effektiver. Das ist eine Art von Effektivität.
  • Autoritäre Staaten mit funktionierenden Institutionen sind ebenfalls effektiv, obwohl ihre Effektivität anders ist.

Sie können den militärisch-industriellen Komplex viel wirksamer dazu zwingen, für ihre Bedürfnisse zu arbeiten, wie es das 3. Reich tat. Oder sie können, wenn ihr militärisch-industrieller Komplex nicht so effektiv arbeitet, den Gegner ohne jeglichen gesellschaftlichen Widerstand oder Protest mit den Leichen der eigenen Landsleute überhäufen. Das tat die Sowjetunion.

Es gibt zwei weitere Staatstypen. Es kann einen demokratischen Staat mit ineffektiven Institutionen geben, wie bei uns. Das ist sehr gefährlich. Es kann einen autoritären Staat mit ineffektiven Institutionen geben. Auch das ist unter Kriegsbedingungen sehr gefährlich, wie Sie verstehen. Und wir haben eine sehr einfache Wahl: zwischen einem demokratischen Staat mit ineffektiven Institutionen und einem autoritären Staat mit ineffektiven Institutionen.

Ich möchte, dass wir während des Krieges einen demokratischen Staat mit effektiven Institutionen aufbauen. Denn wenn wir einen autoritären Staat aufbauen, werden seine Institutionen dadurch nicht effektiv. Unter demokratischen Bedingungen können wir es uns noch erlauben, die Institutionen effektiver zu machen. Stellen Sie sich einen autoritären Staat vor. Wie soll er unter den heutigen Bedingungen effektive Institutionen aufbauen? Gar nicht.

Deshalb müssen wir uns tatsächlich klar bewusst machen, dass es, wenn wir Russland als autoritärem Organismus widerstehen wollen, zwei wichtige Faktoren des Sieges gibt. Den Aufbau eigener demokratischer Institutionen und die Destabilisierung der Institutionen in Russland. Das ist es, womit wir uns im Grunde zu beschäftigen versuchen, wenn wir den militärisch-industriellen Komplex angreifen oder einen Online-Marktplatz. Wir greifen nicht nur die Wirtschaft an, wir destabilisieren russische Institutionen, weil dort ein Bedarf an Geld entsteht, ein Problem damit, wie der soziale Vertrag erfüllt wird, und weil man über Mobilisierung nachdenkt. Es wird also faktisch alles getan, um ihre Institutionen zu destabilisieren, damit sie, selbst wenn sie autoritär bleiben, die Macht des Staates nicht für den Krieg gegen uns nutzen können.

Wir müssen den entgegengesetzten Weg gehen. Wir müssen innerhalb eines demokratischen Staates effektive Institutionen schaffen, die den Demokratien im 20. Jahrhundert dabei halfen, den Autoritarismus zu besiegen. Denn Demokratien haben den Autoritarismus zweimal besiegt

  • Das erste Mal 1945, als es um Hitlerdeutschland ging. Ja, sie siegten gemeinsam mit der Sowjetunion, aber ich wiederhole: Die Sowjetunion war ein autoritärer Staat mit effektiven Institutionen. 
  • Und das zweite Mal besiegten sie dieselbe Sowjetunion im Kalten Krieg, weil sie demokratische Staaten mit funktionierenden Institutionen waren. Die Institutionen der Sowjetunion hatten zu diesem Zeitpunkt bereits begonnen, wie ich sagen würde, zu degradieren und endgültig zu entarten. Das ist die gesamte Antwort.

Können wir unter den gegenwärtigen Bedingungen unsere Institutionen effektiver machen? Ja. Dafür brauchen wir nationale Eintracht. Erstens. Dafür brauchen wir eine Koalition, die nicht nur aus der Partei „Diener des Volkes“ besteht, sondern aus staatsorientierten Parteien, zu der Vertreter der Europäischen Solidarität, der Golos und der Batkivshina eingeladen werden müssen. Und alle sagen: „Sie werden dort ohnehin keine kontrollierende Mehrheit haben.“ Es geht nicht um eine kontrollierende Mehrheit. Es geht um Ministerposten und um ihre Verantwortung für diese Posten. Verstehen Sie?

Svitlana Zhebiv: Und dann wird um solche Posten gehandelt werden: Sicherheitsdienst, Polizei oder etwas Ähnliches.

Portnikov: Der Sicherheitsdienst, das Verteidigungsministerium und das Außenministerium sind die Prärogative des Präsidenten. Mit ihm muss abgestimmt werden, welche Person er auf diesem Posten sehen möchte. Diese Person kann ein Vertreter einer anderen politischen Kraft sein, aber andererseits stellt sich die Frage: Warum, wenn es die Kompetenz des Präsidenten ist?

Svitlana Zhebiv: Sie sprechen schon seit Langem von einer Koalition und einer Regierung der nationalen Einheit?

Portnikov: Seit Langem, ja. Aber wir leben auch schon seit Langem unter den Bedingungen nicht funktionierender Institutionen.

Svitlana Zhebiv: Kehren wir aber dazu zurück, dass wir uns doch nicht besonders gut verständigen können. Stattdessen führt bei uns jeder Konflikt zu einem Frontalzusammenstoß. Selbst dieser Konflikt, offensichtlich ein Konflikt und eine gewisse Managementkrise zwischen Fedorov und Syrsky, ist zu einem Konflikt zwischen Personen geworden. Obwohl die Menschen, die auf die Straße gehen, wenn man mit ihnen spricht, für Institutionen und Reformen auf die Straße gehen. Und es entsteht eine solche Blase: Man muss sich entweder der einen oder der anderen Seite anschließen. Dabei funktionieren moderne Algorithmen sehr gut.

Portnikov: Natürlich. Aber wenn Sie wiederum auf eine bestimmte Person hoffen, die für Sie Hoffnung verkörpert, und Mychajlo Fedorovs Tätigkeit im Verteidigungsministerium mit dieser Zeit zusammenfiel, dann stellt sich eine andere Frage. Was ist, wenn sich herausstellt, dass sich die Ereignisse nicht so entwickeln, wie Sie denken, etwa nicht so schnell, oder dass die Mobilisierung nicht gebremst, sondern verstärkt wird? Mychajlo Fedorov kehrt ins Verteidigungsministerium zurück. Die Mobilisierung wird, was völlig natürlich ist, verstärkt. Und es ist tatsächlich die Aufgabe des Verteidigungsministeriums, sie zu verstärken. Was werden die Menschen, die auf die Proteste gingen, dann über den Verteidigungsminister denken? Er kann seine Autorität verlieren.

Svitlana Zhebiv: Und sie könnten gegen Fedorov auf die Straße gehen?

Portnikov: Sie könnten auf die Straße gehen, sie könnten auch nicht auf die Straße gehen. Aber ich möchte Sie daran erinnern, dass Valery Zaluzhny beispielsweise bis heute ein Symbol ukrainischer Standhaftigkeit geblieben ist. Vergessen Sie aber nicht, dass es sowohl das Jahr 2022 als auch 2023 gab. Stellen Sie sich vor, aus der Offensive wäre nichts geworden, Zaluzhny wäre anschließend Oberbefehlshaber geblieben, wie viele es wollten, und auch ich hätte gewollt, dass er damals bleibt. Ich verstand nicht, warum man den Oberbefehlshaber wechseln sollte. Aber dieser Mythos, würde ich sagen, hätte vor dem Hintergrund aller weiteren Ereignisse bereits zu schmelzen beginnen können. Zaluzhny ging einfach zu einem Zeitpunkt, als der Mythos trotz der Offensive von 2023, also trotz des ausbleibenden Ergebnisses der Offensive, noch fortbestand. Und Fedorov ging zu einem Zeitpunkt, als der Mythos ebenfalls noch bestand.

Das Problem der heutigen Regierung Zelenskys besteht darin, dass sie auf irgendeine seltsame Weise, obwohl sie angeblich aus politischen Technologen besteht, mögliche Konkurrenten in dem Moment entfernt, in dem der Mythos noch besteht, und nicht dann, wenn er sich bereits erschöpft. Warum? Ich weiß es nicht. Vielleicht fehlt erneut die elementare Logik. Vielleicht denkt der Präsident emotional, wie ein Mensch, der eine bestimmte Bedrohung sieht und keine Grenzen wahrnimmt. Das ist schwer zu sagen. Aber dennoch gibt es hier eine andere Situation, die mir wichtig erscheint, wenn wir über all diese Proteste oder über alles andere sprechen. Wir sprechen tatsächlich darüber, dass die Menschen, die in der heutigen Regierung Karriere machen, keine wirkliche politische Verantwortung und keine Verantwortung für die Folgen tragen.

Svitlana Zhebiv: Und haben wir Bürger diese Verantwortung?

Portnikov: Bei den Bürgern kann sich eine solche Verantwortung nicht vollständig herausbilden, wenn es keine Menschen gibt, die für die Zukunft des Landes Verantwortung tragen müssten.

Svitlana Zhebiv: Sie sprechen dabei auch über die Mobilisierung. Denn angenommen, Fedorov tritt morgen auf, bleibt im Amt, und wir nehmen an, dass er sagt: „Gut, jetzt werden wir uns vorbereiten und alle eine militärische Ausbildung durchlaufen, etwa wie in Israel.“

Portnikov: Ich glaube nicht, dass er das sagen wird, weil er wie Zelensky an seine nicht existierenden Wahlaussichten denken wird. Außerdem ist eine militärische Ausbildung wie in Israel keine Mobilisierung. Mobilisierung ist eine reale Einberufung in die tatsächlichen Reihen der Streitkräfte der Ukraine. Es ist eine Veränderung dessen, was mit den territorialen Rekrutierungszentren geschieht. Das ist übrigens etwas, von dem ich seit vielen Jahren sage, dass man es verändern muss. Seit vielen Jahren. Und auch das sind Dinge, die in der Gesellschaft absolut unpopulär sind.

Aber mir scheint, dass ich von Anfang an gesagt habe, die Mobilisierung müsse elektronisch erfolgen. Und wenn Ihnen „Dija“ so gut gefällt, dann nutzen Sie es bitte als Instrument der Mobilisierung. Schaffen Sie keine gesonderten Instrumente. Wozu? Wenn Sie natürlich der Meinung sind, dass die Informationen in Dija nicht angemessen geschützt sind, dies der Gesellschaft aber nicht sagen wollen und deshalb „Reserve+“ schaffen, dann wäre es vielleicht besser, ehrlich mit der Gesellschaft darüber zu sprechen, wie gut Dija geschützt ist. Dann wäre alles verständlich. „Wissen Sie, wir können es nicht nutzen, weil der Feind jederzeit die Daten unserer Mobilisierten nutzen könnte. Und das ist nicht dasselbe wie Ihre Steuerdaten, Dokumente oder die Zahl Ihrer Autos.“ Dann muss man ehrlich sein, ja?

Wenn wir aber einen Mythos schaffen, dann braucht der Mythos, wie jede Religion, seine Priester und seine Regeln. Gut, Dija oder nicht Dija, das spielt keine Rolle. Jedenfalls hielt ich die Idee, die Grenzen für Mobilisierungspflichtige zu schließen, für unproduktiv. Denn ich dachte, diese Grenzen würden für drei oder vier Wochen geschlossen, so lange, wie alle glaubten, dass der Krieg dauern werde. Danach braucht man gemeinsame Lebensregeln. Es kann nicht sein, dass die einen Menschen die einen Rechte und andere Menschen andere Rechte haben. Wenn eine Person mobilisierungspflichtig ist, müssen Sie akzeptieren, dass Sie ihr das Recht zur Ausreise gewähren wie jedem anderen Bürger. Aber machen Sie die Vorladungen zur militärärztlichen Kommission elektronisch und verlangen Sie von der Person beispielsweise, dass sie innerhalb von drei oder vier Wochen für diese Untersuchung nach Hause zurückkehrt. Danach soll sie wieder fahren dürfen, wenn sie nicht in die Reihen der Streitkräfte einberufen wird.

Dann müssen Sie nicht durch die Straßen gehen und dort Menschen suchen. Sie stellen einfach eine elektronische Vorladung zu. Und wenn auf diese elektronische Vorladung keine angemessene Reaktion des Bürgers folgt, beginnen Sanktionen seitens des Staates. Der Staat hat das volle Recht dazu, weil er Sie gewarnt und Sie auf zivilisierte Weise vorgeladen hat, Sie aber abgelehnt haben. Danach beginnen verschiedene Ebenen der Verantwortung gegenüber dem Staat, wie es sich gehört. Denn es ist ungerecht, wenn manche Menschen dienen, manche ehrlich zur militärärztlichen Kommission gehen, manche ehrlich ihre Daten in Reserve+ aktualisieren, es aber Menschen gibt, die weder das eine noch das andere noch das dritte tun, richtig? Und dennoch halten sie das für gerecht. Nein, sie handeln ungerecht gegenüber der ersten, zweiten und dritten Kategorie, gegenüber allen Kategorien.

Dann dürfen diese drei Kategorien nicht wegen der vierten leiden. Es muss Gleichheit für alle geben. Also machen wir es so. Alle sagen: „Dann werden sie alle ins Ausland fliehen.“ Das stimmt nicht. Es reisen ohnehin nicht alle aus. Erstens. Zweitens: Sind diejenigen, die fliehen wollten, etwa nicht geflohen? Sie sind geflohen, haben aus dieser Flucht aber eine riesige Korruptionspyramide gemacht. Und ich würde sagen, sie haben in der Gesellschaft eine sowjetische Atmosphäre geschaffen, wie zu Sowjetzeiten.

Der eine ist ins Ausland gegangen, der andere nicht. Der eine lebt in der Emigration, der andere hier. Derjenige in der Emigration ist ein schlechter Mensch, derjenige hier ein guter, obwohl derjenige hier sich vor dem     Einberufungszentrum verstecken kann und derjenige dort eine Diagnose haben kann, die ihm ohnehin keinen Dienst erlaubt. Aber er ist, wie zu Sowjetzeiten, ausgereist und deshalb ein schlechter Mensch. „Warum lebst du im Ausland?“ Ich spreche noch gar nicht davon, dass die Europäische Kommission jetzt die Frage diskutiert, ob Männern im mobilisierungspflichtigen Alter Schutz gewährt werden soll. Hätten wir freie Ausreise für alle und würden über elektronische Vorladungen sprechen, hätten wir uns vom ersten Tag an mit der Europäischen Kommission darauf einigen können, dass Schutz denjenigen gewährt wird, die ordnungsgemäß ausgestellte Einberufungsunterlagen vorlegen. Das hätte bereits die Zahl der Männer im wehrpflichtigen Alter verringert, die ins Ausland fahren.

Svitlana Zhebiv: Ich habe ein Interview mit einem Militäranalysten geführt und ihn gefragt, was ihn am meisten überrascht, ob ihn in der gegenwärtigen Situation überhaupt noch etwas überrascht. Er sagte, seine größte Überraschung bestehe darin, dass die Menschen zu glauben beginnen, Roboter würden kämpfen, alles werde vollständig automatisiert und man könne ohne Menschen auskommen.

Portnikov: Die Menschen wollen das glauben, weil sie dann denken können, eine solche Situation werde sie nicht betreffen. Aber sie glauben ja nicht nur daran. Die Menschen glauben auch, wenn sie sich in ihren Wohnungen befinden und in diesem Moment ballistische Raketen fliegen, dass diese Raketen ein anderes Haus treffen werden. In 90 Prozent der Fälle ist es tatsächlich so. Aber in zehn Prozent der Fälle trifft die Rakete oder die Drohne dein Haus, und du stirbst. Du kannst anderen davon einfach nicht mehr erzählen oder diese Erfahrung mit ihnen teilen. Und alle anderen, die am Leben bleiben, weil sie eine andere Erfahrung gemacht haben, glauben weiter daran, bis eine Rakete einschlägt.

Aber das ist wiederum die Reaktion von Menschen darauf, dass sie keinen Ort haben, an den sie gehen können. Darauf, dass wir viereinhalb Jahre lang, statt Schutzräume zu bauen, über die Wichtigkeit anderer Objekte nachdenken. Sagen wir, wir denken darüber nach, dass es uns wichtig ist, ein normales, friedliches Leben zu führen und zu glauben, der Krieg werde in drei Monaten enden.

Ich kann also nicht sagen, dass es ausschließlich daran liegt, dass die Menschen Fatalisten sind. Nein. Denn wenn ich im Moment eines Angriffs, insbesondere eines ballistischen Angriffs, nicht weiß, wohin ich gehen soll, wie soll ich dann wissen, welchen Schutzraum ich aufsuchen muss? Ich sage Ihnen: Bei den letzten ballistischen Angriffen auf Kyiv gab es in der Kyiver Metro bereits keinen Platz mehr zum Sitzen. Die Zahl der tatsächlichen Plätze ist also begrenzt.

Svitlana Zhebiv: Und das ist eine gute Frage. Ist das eine Frage an die Menschen oder an die Regierung?

Portnikov: Die Zahl der tatsächlichen Plätze war bereits nicht ausreichend. Ich kam, wie mir schien, rechtzeitig, und es gab schon keinen Platz mehr. Ich kam bereits mit meinem eigenen Stuhl, was ich früher nie getan hatte. Aber es stellt sich eine andere Frage: Wenn alle Menschen gewissenhaft handeln, wohin sollen wir dann in Kyiv oder Lwiw gehen? Stellen Sie sich vor, wie viele funktionierende Schutzräume es in Lwiw gibt. Wenn ganz Lwiw zu den Schutzräumen in Hotels oder Bildungseinrichtungen kommt, wird die Stadt dort hineinpassen?

Svitlana Zhebiv: Nun, wahrscheinlich muss sich jeder selbst darum kümmern, wohin er geht, wenn er zu Hause ist und etwas angeflogen kommt.

Portnikov: Und wenn es physisch keinen Ort gibt, an den man gehen kann? Wurden in Kyiv, Lwiw, Dnipro oder Odessa in diesen viereinhalb Jahren viele Schutzräume gebaut? Wurden viele gebaut? Ist das also eine Frage an die Menschen oder an die Regierung? Oder an die Menschen, die Druck auf die Regierung ausüben müssen?

Svitlana Zhebiv: An die Regierung.

Portnikov: An die Menschen, die Druck auf die Regierung ausüben müssen.

Svitlana Zhebiv: Das ist gerade der Aufbau eines demokratischen Prozesses, von Institutionen?

Portnikov: Wir haben doch nie einen Protest gesehen: „Wir wollen einen neuen Schutzraum.“ Haben Sie wenigstens Proteste mit der Forderung gesehen, jene Schutzräume zu renovieren, die es gibt und die bei alten Häusern für den Fall eines Atomschlags oder solcher Raketenangriffe gebaut wurden? In 90 Prozent der Fälle sind sie völlig unbrauchbar. Aber sie existieren.

Svitlana Zhebiv: Nun, das sieht nach einem Problem aus, das sich nicht lösen lässt.

Portnikov: Es lässt sich lösen, wenn es den Willen gibt. Aber wenn es in der Gesellschaft keine Nachfrage danach gibt, renoviert die Regierung für die Gesellschaft lieber etwas anderes. Es stellt sich also heraus, dass man sich problemlos mobilisieren kann, wenn die gesellschaftliche Nachfrage etwa einem effektiven Verteidigungsminister oder Antikorruptionsbehörden gilt. Es ist also auch eine Frage der Prioritäten. Wenn der Moment eines solchen Angriffs kommt, gehen die Menschen in die Metro, verstehen, dass es keinen Platz gibt, aber danach beruhigt sich alles irgendwie wieder. Der Mensch möchte nicht darüber nachdenken.

Svitlana Zhebiv: Andere Angelegenheiten.

Portnikov: Andere Angelegenheiten. Und so geht es bis zur nächsten solchen Geschichte weiter. Ich bin absolut überzeugt, dass wir uns grundsätzlich auf solche Dinge vorbereiten müssen, denn ich habe viel mit meinen israelischen Bekannten gesprochen, die hierherkommen. Und sie sind natürlich fassungslos.

Svitlana Zhebiv: Darüber, dass wir uns nicht vorbereiten.

Portnikov: Darüber, dass niemand irgendwohin geht. In Israel ist das unmöglich. Es gibt geschützte Räume, es gibt Schutzräume, alle gehen hinein. Manche Todesfälle geschehen, wenn Menschen es nicht rechtzeitig schaffen hinunterzugehen, zum Beispiel ältere Menschen wegen der Treppen. Verstehen Sie? Dann gibt es direkte Raketentreffer. Natürlich wird selbst ein geschützter Raum bei einem direkten Raketentreffer kaum helfen. Aber direkte Raketentreffer in Wohnviertel gibt es nicht so viele, verstehen Sie? Und jedenfalls betrifft es ein Haus. Aber all die Drohnen und all die Folgen von Einschlägen, wir sehen doch ihre Ergebnisse. Es ist also ein riesiges Problem, dass wir noch immer nach diesem „Vielleicht geht es ja gut“ leben.

Svitlana Zhebiv: Mhm. Es wird schon gut gehen.

Portnikov: Ja. Und wir können uns nicht vorstellen, dass man sich anders verhalten kann. Ich sage Ihnen noch einmal: Menschen, die seit Jahren in einer solchen Situation leben und hierherkommen, sehen, dass auch wir angeblich seit Jahren so leben, aber nichts dergleichen geschieht. Alle meine Bekannten fragen mich: „Bist du in der Metro oder irgendwo anders hinuntergegangen?“ Ja, aber sie selbst gehen nicht hinunter. Sie finden, dass ich alles richtig mache, aber wohin sollen sie gehen? Sie haben keinen Ort. Jeder erklärt sich selbst, dass er keinen Ort hat, an den er gehen kann. Und dagegen kann man nichts tun. So ist die Situation.

Svitlana Zhebiv: Es sieht so aus, als würden wir keine große Politik besprechen, sondern einfache, alltägliche Dinge. Aber genau das ist doch der Aufbau von Institutionen und normale Fragen an die Regierung, die bei einem Schutzraum beginnen können. So funktioniert im Grunde deine Stadt. Wir beginnen immer mit der Frage: „Was bringt das? Was beeinflusst es? Was wird die Lösung sein?“ Erstens: Sind Medien und Journalisten überhaupt noch wichtig? Denn zuletzt habe ich gelesen, dass China gewissermaßen auf die Ausbildung von Journalisten verzichtet hat. Denn in China wird Pressefreiheit nicht gebraucht.

Portnikov: Es gibt soziale Netzwerke.

Svitlana Zhebiv: Es gibt TikTok. Droht uns nicht dasselbe? Wir erinnern uns, als diese neue Regierung antrat und es im Präsidialamt sogar Bohdan gab, der sagte: „Wir brauchen keine Journalisten. Wir haben unsere eigenen Informationskanäle. Dort verbreiten wir alle Informationen.“ Inwieweit können Journalisten diese Agenda prägen? Warum ist sie wichtig?

Portnikov: Die traditionelle Presse könnte in den kommenden Jahrzehnten verschwinden.

Svitlana Zhebiv: Traditionelle Formate.

Portnikov: Traditionelle Medienformate, natürlich. Aber es stellt sich eine sehr einfache Frage. Wir verstehen, warum das in China geschieht. Doch mich interessiert beispielsweise, ob in Hongkong weiterhin Journalismus gelehrt wird. Werden all diese großen Hongkonger Publikationen, die im Grunde die chinesische Position in der Welt vermitteln, weiter erscheinen? China braucht doch, dass seine Position verstanden wird. Wird China sie ausschließlich mithilfe von TikTok vermitteln, oder wird die South China Morning Post bleiben? Damit die South China Morning Post bleibt, muss ein Mensch professioneller Journalist sein und mit Informationen arbeiten können.

Es gibt eine einfache Sache. Das, worüber wir in sozialen Netzwerken sprechen, sind keine Nachrichten, sondern Nachrichtenaggregatoren oder Kommentare zu Nachrichten. Jemand muss diese Nachrichten erzeugen. Wenn wir den Journalismus als Beruf aufgeben, verzichten wir auf die Vermittlung zwischen einer Nachricht und demjenigen, der sie überprüfen kann. Ja, wir brauchen eine gewisse Herausforderung. Ich halte eine Pressekonferenz nicht unbedingt für eine Nachricht.

Die letzte große Pressekonferenz, die alle interessierte, war beispielsweise das Briefing Mychajlo Fedorovs. Er hätte auch ohne Treffen mit Journalisten auskommen und eine Erklärung abgeben können. Einige kritische Fragen hätte man ihm in einem virtuellen Format stellen können, und er hätte darauf geantwortet. Obwohl es natürlich schwieriger ist, nicht zu antworten, wenn ein Mensch neben dir steht, wie wir es bei Trump sehen. Trump beantwortet alle Fragen, selbst die kritischen. Er wird wütend. Stellen Sie sich vor, diese Menschen wären nicht da. Auch das ist eine Tradition.

Aber eine Nachricht ist ein Ereignis. Wenn Sie keine angemessene Antwort auf die Frage haben, was geschehen ist, werden Sie einfach zum Gefangenen von Manipulationen. Gerade deshalb sind anonyme Telegram-Kanäle so gefährlich, weil sie Nachrichten einfach erfinden.

Svitlana Zhebiv: Und zusätzliche Blasen und unterschiedliche Informationswelten schaffen, in denen wir leben.

Portnikov: in denen die Menschen nicht von Nachrichten leben, sondern von erfundenen Geschichten über das Nachrichtengeschehen. Verstehen Sie? Und die Menschen sind in jeder Situation bereit, daran zu glauben. Ich lebe beispielsweise in einer Situation, in der ich seit zwölf Jahren angeblich überhaupt in Polen lebe.

Svitlana Zhebiv: Und das ist eine Erfindung über Sie?

Portnikov: Wenn Menschen mich treffen, sagen sie: „Sind Sie etwa in der Ukraine?“ Nun, eigentlich ja. Ich moderiere doch jede Woche Sendungen in ukrainischen Studios. Hinter mir ist Kyiv oder Lwiw. Nein. Denn das hat ein niemandem bekannter Autor eines unbekannten Telegram-Kanals geschrieben. Solcher Beispiele kann man eine riesige Zahl nennen. Zu jedem Ereignis.

Es ist also wichtig, dass zumindest der Nachrichtenjournalismus weiter existiert, und das kann nur in einem Team geschehen. Vielleicht nicht auf Papier, vielleicht nicht in Form einer Website, die bereits die periodische Publikation ersetzt hat. Aber in irgendeiner Form werden Teams weiterhin existieren und funktionieren müssen. Vielleicht als eine Form öffentlichen Interesses, vielleicht wird das nicht genügend Werbeeinnahmen bringen, ich weiß es nicht. Aber das ist eine Herausforderung, auf die wir beide antworten müssen.

Wie Sie wissen, beantworte ich diese Herausforderung übrigens immer durch meine eigene Arbeit, weil ich versuche, auf die eine oder andere Weise auf alle Formate zu reagieren, die auf mich zukommen.

Svitlana Zhebiv: Sie schreiben jetzt wahrscheinlich weniger Texte und machen mehr Videos.

Portnikov: Ich schreibe weniger Texte. Aber was bedeutet überhaupt, dass ich weniger Texte schreibe? Ich schreibe etwa vier bis fünf Texte pro Woche. Wie viel soll ein Journalist überhaupt schreiben? Mein ganzes Leben lang schrieb ich etwa fünf bis sechs Texte pro Woche. Jetzt schreibe ich zwei weniger.

Warum erwähne ich das? Weil das niemand mehr bemerkt. Ich bin so viel im Videoformat präsent, dass niemand überhaupt versteht, dass ich weiterhin ein, wie ich sagen würde, effektiv arbeitender, schreibender Journalist bin. Mehr noch: Ich schreibe jetzt Texte auf Englisch, was ich früher nie getan habe. Für einen nicht englischsprachigen Menschen habe ich eine große Zahl von Lesern auf Substack und X, wo ich ausschließlich auf Englisch schreibe. Dort sind Hunderttausende Menschen, aber niemand bemerkt das. Weil wir in unserer eigenen Blase leben. Warum sage ich das? Weil ich versuche, auf all diese Herausforderungen zu reagieren. Wenn Sie sagen: „Sie schreiben weniger“, dann nein, ich schreibe nicht weniger. Ich schreibe so viel wie früher, aus Sicht des Englischen sogar mehr.

Deshalb sage ich, dass wir auf alle Herausforderungen reagieren müssen. Wenn wir den Journalismus bewahren wollen, müssen wir die Herausforderung aller neuen Informationsformate annehmen, die entstehen, und darin, sagen wir es jetzt in einer zivilisierten Sprache, die „Dilettanten“ besiegen. Sehen Sie sich überhaupt Lwiwer Blogger an, was sie etwa auf TikTok machen?

Svitlana Zhebiv: Auf TikTok nicht. Aber Sie dürfen mich beneiden, denn ich werde anfangen, sie anzusehen. Ich werde diese Blogger für mich entdecken. Aber warum erwähne ich überhaupt den Journalismus? Ich zeige am Beispiel des Journalismus, ebenso wie wir über diese Schutzräume gesprochen haben, wie sehr sich die Welt verändert und wie sehr wir das verlieren können, was uns beim Aufbau der Demokratie hilft.

Portnikov: Vielleicht ist es umgekehrt? Wir erhalten effektivere Instrumente, wenn wir Influencer werden, unsere Positionen verteidigen, um uns herum eine größere Zahl interessierter Menschen vereinen und dies neben den traditionellen Medien tun.

Svitlana Zhebiv: Sie sprechen vom Vertrauen zu Journalisten, die ihren professionellen Namen nicht verloren und ihn über Jahre der Arbeit bewahrt haben.

Portnikov: Und bestimmte Influencer werden sich uns anschließen. Daran ist nichts Schlimmes. Man kann vieles tun. Ich setze mit den Lwiwer Bloggern fort. Ein Lwiwer Blogger, ein kleiner Junge, ich weiß nicht, wie alt er ist, zwölf oder dreizehn, macht auf TikTok ständig irgendwelche Blogs darüber, welche Frisur er sich gemacht oder mit welchem Mädchen er getanzt hat. Das ist für einen Schüler normal.

Aber ich sah sein TikTok von dem Protest mit dem Kartonschild. Verstehen Sie? Wie viel kann dieser kleine Junge, der ein anderes Publikum hat, in Zukunft bewirken, wenn er zwölf Jahre alt ist und bereits als Mensch in einer Atmosphäre einer engagierten Gesellschaft aufwächst und diese Gesellschaft unterstützt? Es ist doch ein Kind. Es wächst bereits mit einem bestimmten Verständnis der eigenen Bedeutung und Verantwortung auf. Als Kind sieht es das Beispiel älterer Menschen, vielleicht derselben jungen Männer, an denen es sich in den sozialen Netzwerken orientiert.

Und da haben Sie die Frage. Ich verlange nicht, dass ein zwölfjähriger Mensch politische Kommentare à la Vitaly Portnikov abgibt, Gott bewahre, nein. Obwohl ich das selbst mit zwölf getan hätte. Wäre ich heute zwölf Jahre alt, also derjenige, der ich als Zwölfjähriger war, würde ich politische TikToks machen. Schade, dass es das damals bei mir nicht gab. Ich wäre heute der bekannteste politische Blogger der Ukraine, wäre ich zwölf Jahre alt. Das ist übrigens kein Scherz, denn ich habe meine Tagebücher aus dem Jahr 1979, als ich zwölf war, in Heften. Ich verstehe, wie viel ich heute als Zwölfjähriger in sozialen Netzwerken machen könnte. Ich wäre populärer als jetzt mit 59. Verstehen Sie?

Aber ich sehe diesen Jungen an und freue mich sehr, weil er normaler ist, als ich es war. Er ist kein Wunderkind mit politischen Interessen, das alle Minister und Ministerpräsidenten kennt und sich für Kriege, Politiker und Parteitage interessiert. Er ist ein normaler Junge. Er wird ein normales Leben führen, aber das Leben eines sozial verantwortlichen Menschen. So eröffnen sich völlig neue Perspektiven.

Svitlana Zhebiv: Ja. Andererseits können wir auch Manipulationen und gezielte Falschinformationen beobachten. Und wie ich sagte, gibt es diese verschiedenen Informationsrealitäten, die sich nicht immer überschneiden. Sehen Sie, wie sie sich überschneiden können oder wie ein solcher Dialog möglich ist? Dialog bedeutet gerade, nach einer Lösung zu suchen. Ein Dialog zwischen Regierung, Gesellschaft und engagierten Menschen. Oder auch zwischen verschiedenen Blasen, zwischen denen, die eine bestimmte Entscheidung unterstützen, und denen, die sie nicht unterstützen.

Portnikov: Ja, Dialog bedeutet Wahlen. In Wahrheit sind wir dieses Wahlwerkzeugs derzeit einfach beraubt, weil Krieg herrscht und wir in diesem Krieg überleben wollen. Aber wenn wir überleben, wird dieser Dialog an den Wahllokalen während der Wahlkämpfe stattfinden. Dann werden übrigens, wie Sie verstehen, viele nicht mehr daran interessiert sein, in einem traditionellen Medium irgendeinen bestellten Artikel zu veröffentlichen, sondern mit Bloggern zu arbeiten. Mit Bloggern zu arbeiten ist schwieriger. Natürlich kann man jemandem Geld geben, wie man es für Werbung für irgendein Parfüm tut, aber das erschöpft sich schnell. Sie verstehen, dass die Autorität eines einzelnen Menschen nicht die Autorität eines Mediums ist. Sie kann mit einem einzigen Mal erschöpft sein, und die Menschen wenden sich ab.

Also werden alle bei solchen Dingen vorsichtiger sein. Du wirst mit diesen Menschen arbeiten und beweisen müssen, dass du wirklich kein Scharlatan bist, Fedorov, und dass du ein reales Veränderungsprogramm hast. Sonst wird nichts geschehen. Sie verstehen doch, dass der Effekt des ehemaligen Verteidigungsministers darin bestand, dass er nicht einfach sagte: „Ich bin gut und sympathisch“, sondern über bestimmte Veränderungspläne sprach, die den Menschen verständlich sind.

Das kann ein populistisches Programm sein, aber wenigstens gibt es eines. Und das ist übrigens ein gewaltiger Unterschied zum Jahr 2019. Sie werden niemals formulieren können, was Volodymyr Zelensky damals eigentlich tatsächlich tun wollte. Die Korruption besiegen und den Krieg beenden. Das ist natürlich großartig, aber wie der Umzug des Präsidialamts von der Bankowa in ein gläsernes Büro im Ukrainischen Haus: Man zieht bis heute um. Erinnern Sie sich, was das damals für völlig kindliche Versprechen und Spielereien waren. Heute muss man den Menschen schon ernsthaftere Dinge sagen. Und so wird es sein. Selbst der Populismus wird sich kreativ entwickeln. Und natürlich braucht es einen Dialog zwischen verschiedenen sozialen Gruppen und Menschen mit unterschiedlichen Interessen.

Was ist wiederum der Ausweg aus der Situation? Eine Koalition. Wie findet Dialog statt? In zivilisierten Ländern müssen Sozialisten, Konservative und, sagen wir, Liberale eine Regierung bilden, um die Ultrarechten nicht an die Macht zu lassen. Zwischen ihnen findet ein Dialog statt. Der kann vielen missfallen. Der Dialog zwischen Christdemokraten und Sozialdemokraten in Deutschland ist ein schrecklicher Dialog, oder der Dialog der politischen Parteien in den Niederlanden, wenn sie keine Koalition mit der Partei von Geert Wilders eingehen wollen. Oder die Dialoge zwischen den lettischen politischen Parteien, die beispielsweise eine Partei nicht an die Macht lassen wollten, welche im Grunde die Interessen des russischen politischen Spektrums vertrat. Dann schließen sich Liberale, Konservative, rechte Nationalisten und Grüne zusammen. Was verbindet sie? Dass sie Letten sind. Sie müssen miteinander einen zivilisierten Dialog führen.

Svitlana Zhebiv: Aber wir sehen weder diesen Dialog noch Wahlen. Wie kann man die Situation dann analysieren?

Portnikov: Jetzt müssen wir einfach weiterhin ehrlich mit der Gesellschaft über die bestehenden Probleme sprechen.

Svitlana Zhebiv: Hätte Zelensky das sagen müssen, oder wer?

Portnikov: Jeder von uns muss Teil dieses Dialogs sein. Zelensky natürlich auch. Aber er versucht es, er trifft sich zumindest mit bestimmten Politikern, Abgeordneten und Bloggern. Er muss einfach auf eine neue Ebene der Kommunikation und der Selbsteinschätzung übergehen. Er muss sich mit Petro Poroschenko treffen. Er muss sich mit Julija Tymoschenko treffen, auch wenn sie manchen nicht gefällt und anderen gefällt, ebenso wie Poroschenko manchen nicht gefällt und anderen gefällt. Er muss sich regelmäßig mit Abgeordneten anderer politischer Kräfte treffen, denn er ist nicht Präsident der Partei „Diener des Volkes“, sondern Präsident aller Ukrainer. Die Ukrainer haben nicht nur für Populisten, sondern auch für staatsorientierte Kräfte gestimmt. Auch diese Ukrainer müssen respektiert werden, und man muss sich mit ihren Anführern treffen. Man muss sich mit Journalisten treffen, die unangenehme Fragen stellen können, die von der Kompetenz des Präsidenten nicht überzeugt sind, ihn aber als Staatsoberhaupt unterstützen.

Ich meine damit nicht mich selbst. Ich glaube, der Nutzen eines Treffens mit mir wäre gering. Aber es gibt Menschen, die, sagen wir, vor Ort arbeiten und über die Realität in der Gesellschaft und in den Streitkräften berichten können. Menschen, die nicht in Formeln sprechen, wie ich es tue, sondern mit reinen Fakten, die der Präsident vielleicht einfach nicht kennt. Wie jeder Mensch, der aufgrund dieser, wie ich sagen würde, 24-stündigen Konzentration auf die Lösung absolut konkreter Fragen von der Realität losgelöst sein kann. Seine engsten Mitarbeiter werden ihn niemals in diese Realität hineinführen, weil sie dadurch ihre Posten verlieren könnten.

Auch das ist also Teil des Dialogs, damit bestimmte Dinge für den Präsidenten keine Überraschung sind. Er wird aber verstehen müssen, dass man ihm unangenehme Dinge sagen wird und dass die Menschen, die sich mit ihm treffen, ihn nicht als irgendeinen herausragenden Menschen mit politischem Denken und als Hoffnung der Nation betrachten werden. Sie werden ihn einfach als Beamten betrachten, der auf einem bestimmten Posten sitzt und dort so lange sitzt, weil es so gekommen ist, nicht künstlich, sondern wegen des Krieges, und weil wir alle seine Legitimität anerkennen.

Svitlana Zhebiv: Fedorov sagte während der Pressekonferenz: „Unser Auftraggeber ist das ukrainische Volk.“ Das klang wie die Aussage eines Unternehmensleiters. Und Sie haben anscheinend ebenfalls diese Analogie gezogen, dass es in der Ukraine den Wunsch gibt, Reformen umzusetzen,     transparente Behörden und besonders effiziente Strukturen aufzubauen, wie es in Georgien war. Ich erinnere mich übrigens, dass sogar eine georgische Ministerin nach Lwiw kam, die hier die Digitalisierung einführen sollte. Wir haben sogar Leute eingeladen, damit wir diesen Weg nicht gehen. Und wie endete das alles?

Portnikov: Ich habe darüber bereits während der Herrschaft Micheil Saakaschwilis gesprochen, aber niemand wollte mir zuhören. Ich war dabei immer ein völliger Außenseiter, weil ich stets sagte: „Ja, ich verstehe, dass wirtschaftliche Reformen in Georgien wichtig sind.“ Das ist eine Tatsache. Diese zu Saakaschwilis Zeiten geschaffenen Mechanismen funktionieren noch immer. Ja, ich verstehe, dass energische Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung ergriffen werden. Aber wodurch wird das abgesichert? Durch nichts außer einer Fassade.

Ich erinnere mich, dass der damalige georgische Botschafter in der Ukraine, ein guter Freund von mir, mich einlud, mit einer Journalistendelegation nach Georgien zu reisen. Ich sagte ihm: „Nein, ich fahre nirgendwohin mit irgendeiner Delegation. Ich fahre nicht durch Potemkinsche Dörfer. Ich werde selbst fliegen, das verspreche ich, denn ich möchte es sehr.“ Übrigens landeten wir zufällig im selben Flugzeug. Er fuhr mich sogar zu der Wohnung, die ich am Rustaweli-Prospekt gemietet hatte.

Schon damals verstand ich alles darüber, was in Georgien geschah, als ich diese Wohnung mietete. Ich hatte eine wunderbare Wohnung in einem schönen Viertel im Zentrum von Tbilissi von einer großartigen Frau gemietet. Sie war die Witwe einer herausragenden Kulturpersönlichkeit und stammte aus einer Familie, in der es Stars des georgischen Kinos und Theaters gab. An den Wänden hingen Bilder, echte Werke georgischer Künstler. Aber wenn Gäste kamen, musste sie vorübergehend zu Verwandten ziehen, weil sie keine andere zusätzliche Einkommensquelle hatte. Und es tat mir sehr leid, dass eine Frau, die ein so würdiges Leben geführt hatte, deren Familie so viel für das Land getan hatte, eine solche Rente erhielt, dass sie davon nicht leben konnte und keine andere Möglichkeit hatte. Das war keine zusätzliche Wohnung. Es war die Wohnung, in der sie selbst lebte.

Verstehen Sie, wäre ich in irgendeinem sogenannten Hotel „Intourist“ oder, sagen wir scherzhaft, in irgendeinem Grandhotel abgestiegen, hätte ich das nicht verstanden. Dann reiste ich herum und sah das wirkliche Georgien. Ich sah Städte, die eigens für diese Delegationen praktisch renoviert worden waren, und sah gleichzeitig, in welchem Zustand sich beispielsweise Josef Stalins Heimatstadt Gori befand. Ich fuhr nach Gori, weil es mich interessierte, das Stalin-Denkmal und das Stalin-Museum zu sehen, wie Sie verstehen, als jemand, der stets tief in die sowjetische Geschichte eingetaucht war. Als ich dann Vertreter dieser ukrainischen Delegation traf, die durch Georgien gefahren war, hatte ich den Eindruck, wir hätten verschiedene Länder bereist.

Svitlana Zhebiv: Es gab sogar das Buch „Warum Georgien erfolgreich war“.

Portnikov: Georgien verstand es immer, die Menschen aus Moskau oder Kyiv zu empfangen: Chatschapuri, Festtafel, Kindsmarauli. Aber sehen Sie sich an, was tatsächlich geschieht. Warum war Georgien erfolgreich? Es war nicht erfolgreich. Denn all das beruhte auf der Autorität Micheil Saakaschwilis, der genau jenes Georgien aufbaute, das Zelensky heute in der Ukraine errichtet.

Svitlana Zhebiv: Wie können wir vermeiden, zu jenem Georgien zu werden, bei dem es nicht funktioniert hat?

Portnikov: Die reale Sicherung sind starke demokratische Institutionen. Verstehen Sie? Saakaschwili baute sogar eine parlamentarische Republik auf, damit der Präsident seine gesamte Machtfülle verliert, weil er sich darauf vorbereitete, Ministerpräsident zu werden und dort als Ministerpräsident ewig zu regieren. Es gelang ihm nur nicht. Das funktionierte in Georgien nicht. Vielleicht hätte es diesen außenpolitischen Kurswechsel nicht gegeben, wäre er Ministerpräsident geworden. Aber es wäre ein autoritärer Staat gewesen. Wir kennen diesen Stil bereits.

Im Ergebnis fiel dieser autoritäre Mechanismus einem anderen Menschen mit viel gefährlicheren Absichten, politischen Positionen und einer anderen Haltung zu Moskau in die Hände. Schutzmechanismen in Form einer starken Justiz und eines Systems unabhängiger Medien zerstörte Saakaschwili systematisch. Am Ende seiner Herrschaft räumte er das Feld für genau ein solches Regime frei, wie es heute in Georgien besteht. Es ist wichtig, dass Zelensky das Feld nicht freiräumt und die Folgen versteht. Dass er Saakaschwili im Gefängnis ansieht und darüber nachdenkt: Möchte ich nach meiner Präsidentschaft ebenfalls dort landen?

Der wichtigste Schutz dafür, dass Zelensky nach dem Ende seiner Amtszeit ein respektiertes Mitglied unserer Gesellschaft bleibt, werden demokratische Institutionen sein. Was bedeutet für uns eine demokratische Institution? Respekt vor der Verfassung. Das Gleichgewicht der Macht zwischen Parlament, Regierung, Präsident und Justiz. Die Gewaltenteilung und die Strukturen der Macht.

Bei uns gibt es keine Gewaltenteilung. Sie sehen doch, dass der Oberste Gerichtshof die völlig politisierten Sanktionen gegen Poroschenko nicht aufhebt. Das zeigt, dass wir keine unabhängige Justiz haben. In diesen Jahren haben wir uns zu einem Land entwickelt, das man hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Justiz und, wie ich sagen würde, nicht einmal der Exekutive, sondern der Präsidialmacht mit Belarus oder Russland vergleichen kann. Eher mit Belarus.

Das ist eines der Elemente. Wenn wir sagen, dass es ein Element von Belarus gibt, ein Element von Russland und ein Element von noch etwas anderem, welchem Land ähneln wir dann? Viktor Orbáns Ungarn. Denn einerseits sind wir Teil des Westens, und der Westen nimmt uns als seinen Teil wahr, wie er Ungarn als seinen Teil wahrnahm. Andererseits ist der Westen gezwungen, sich damit abzufinden, dass bestimmte Elemente der Demokratie in der Ukraine entweder fehlen oder nur in passiver Form bestehen.

Und es gibt eine Zivilgesellschaft. Auch in Budapest ging sie während der gesamten Herrschaft Orbáns auf die Straße. Wie sehr hinderte das Orbán daran, das zu tun, was er wollte? Nicht besonders. Zelensky berücksichtigt die öffentliche Meinung viel stärker. Das muss man ihm zugutehalten, denn für ihn ist seine eigene Popularität wichtiger als für Orbán, der schließlich kein ehemaliger Showman war, sondern vom ersten Tag seiner Macht an ein politisches Tier.

Svitlana Zhebiv: Sie sagten, es gebe nur eine Möglichkeit, den Präsidenten auszutauschen, und dies sei gewissermaßen der einzige verfassungsgemäße Weg: wenn er selbst zurücktritt. Halten Sie diese Möglichkeit für realistisch?

Portnikov: Ich erkläre lediglich, welcher juristische Mechanismus existiert. Würde man mich fragen, ob ich möchte, dass Volodymyr Zelensky zurücktritt: Nein. Volodymyr Zelensky ist der legitim gewählte Präsident des Landes. Für ihn stimmten 73 Prozent der Bürger, die im zweiten Wahlgang an der Wahl teilnahmen. Wie Sie wissen, habe ich nicht für Zelensky gestimmt. Ich kann Ihnen heute aber nicht sagen, dass ich niemals für ihn stimmen werde, denn ich halte es für möglich, dass bei den nächsten Wahlen als Folge all dieser Erschütterungen ein prorussischer Kandidat Zelenskys Gegenkandidat sein könnte. Dann müssten wir für Zelensky stimmen, um das Abrutschen der Ukraine in ein Bündnis mit Russland aufzuhalten. Das kann geschehen, so wie wir einst für Kutschma stimmten, um Symonenko nicht an die Macht zu lassen.

Svitlana Zhebiv: Das ist der Weg eines Landes, aus dem Schlechteren zu wählen.

Portnikov: Ich glaube nicht, dass es zwangsläufig so kommen wird. Aber ich werde hier nicht feierlich erklären: „Ich werde niemals für Zelensky stimmen.“ Man weiß es nicht.

Svitlana Zhebiv: Was sind Ihre drei wichtigsten Forderungen an Zelensky?

Portnikov: Ich möchte nur diesen Gedanken zu Ende führen. Wenn ein Mensch diese 73 Prozent erhielt und jetzt ein so hohes Popularitätsniveau hat, stellen Sie sich vor, er tritt zurück. Was erhalten wir dann? Dabei geht es nicht einmal um die Person des amtierenden Präsidenten. Das könnte nicht der heutige Parlamentspräsident, sondern jeder andere Sprecher sein, den das Parlament wählt. Sie verstehen doch, dass dieser Mensch bei niemandem ein solches Vertrauen genießen wird wie Zelensky.

Ganz zu schweigen davon, dass sich das Parlament in einer solchen Situation, in der es die gesamte Machtfülle erhält, dazu entschließen könnte, diese Parlamentspräsidenten alle drei Monate auszutauschen, wie es bei uns vorkommt. „Dieser hat kein Vertrauen bei den Menschen. Probieren wir den nächsten.“ Das ist Chaos. Das wird nicht einfach ein Präsident sein, sondern ein kommissarischer Oberbefehlshaber der Streitkräfte. In welchem Maß wird man ihn als Oberbefehlshaber wahrnehmen? Oleksandr Turtschynow erlebte tragische Tage, als er einerseits die Gefahr verstand, andererseits aber die Mehrheit der Mitglieder des Sicherheits- und Verteidigungsrates seine Position nicht unterstützte. Sie wissen das aus den veröffentlichten Protokollen. Und das Wichtigste ist, dass die Militärs die Befehle nicht ausführten. Auch das muss man ehrlich sagen.

Svitlana Zhebiv: Das ist Chaos für das Land. Trotzdem: Welche Forderungen haben Sie derzeit an Zelensky? Denn Sie sagen manchmal: Wie lange soll Zelensky noch lernen? Er lernt, lernt, lernt aus Fehlern und wird erwachsener.

Portnikov: Ich glaube überhaupt nicht, dass Zelensky lernt und erwachsener wird. Hinsichtlich seines Charakters ist er derselbe wie im Jahr 2019. Er ist lediglich gezwungen, auf das zu reagieren, was geschieht. Deshalb habe ich keinerlei Forderungen an ihn. Ich möchte, dass er bis zur Wahl eines neuen Staatsoberhaupts würdig seine Pflichten als Präsident und Oberbefehlshaber erfüllt.

Svitlana Zhebiv: Sehen Sie unterschiedliche Zelenskys, beispielsweise bei der Kommunikation im Land und nach außen? Ist diese externe Kommunikation reifer?

Portnikov: Nein. Sie sehen, dass es auch nach außen dieselben, wie ich sagen würde, Fehler der Selbstüberschätzung gibt wie im Inneren. Und solcher Fehler gibt es viele. Das ist alles. Warum glauben Sie, Zelensky sei unterschiedlich? Er ist, wie er ist. Zelensky ist ein Mensch, der allein durch die Tatsache seiner Existenz Politik als Tatsache widerlegt. Er glaubt nicht, dass es sie gibt. Wie ein Junge, der mit Mathematik beginnt und nicht glaubt, dass fünf mal fünf 25 ist, sondern meint, er sei so großartig, dass es 30 sein werde, wenn er es wolle. Aber es wird nicht 30 sein.

Svitlana Zhebiv: Er glaubt also eher an Marken und Marketing?

Portnikov: Er glaubt an sich selbst. Und er denkt, all das sei ausschließlich dafür da, den einfachen Menschen zu täuschen. Er ist selbst ein einfacher Mensch. Das ist ein unglaublicher Fall, in dem die Menschen jemanden zum Präsidenten wählten, der so ist wie sie selbst, mit demselben Glauben, all das sei nur Kulisse. In Wirklichkeit müsse man einfach „Bumm“ machen, und alles werde gelingen. Ich kann in dieser Hinsicht nichts von Zelensky verlangen, weil er so ist. Menschen verändern sich nicht, sie lernen nicht. Das stimmt nicht. Sie sind, wie sie sind.

Svitlana Zhebiv: In der Situation der Beziehungen zu Polen, dort, wo wir jetzt stehen: Glauben Sie, Zelensky oder sein Team hätten anders handeln können?

Portnikov: Ich gebe Zelensky dafür überhaupt keine große Verantwortung. Meine polnischen Kollegen sagen ständig, er habe das absichtlich getan. Ich glaube, er tat nichts absichtlich. Für Zelensky ist die Benennung einer Militäreinheit nach den Helden der UPA ausschließlich eine innenpolitische Angelegenheit, die nicht Teil der außenpolitischen Agenda sein sollte.

Svitlana Zhebiv: Er verstand also nicht, dass dies einen solchen Skandal auslösen könnte, und unterschätzte dessen Ausmaß.

Portnikov: Ich glaube, er dachte in diesem Moment überhaupt nicht darüber nach. Auch die Menschen um ihn herum könnten nicht daran gedacht haben. Stellen Sie sich vor: Sie betrachten das aus einer Lwiwer Perspektive, wo es die UPA und Polen gibt. Stellen Sie sich vor, Sie wären in Krywyj Rih geboren. Sie wären in Krywyj Rih geboren, wo es all das überhaupt nicht gibt. Keine UPA, kein Polen. Dass all das existiert, erfahren Sie im Jahr 2019. Sie sind ein guter russischsprachiger Junge aus Krywyj Rih. Sie haben einen Verteidigungsminister, einen guten russischsprachigen Jungen aus Saporischschja. Nun, Sie sind alle zur ukrainischen Sprache übergegangen. Sie sind jetzt Amtsträger. Sie haben die Bedeutung der Ukraine verstanden, aber Sie sind all dem nie begegnet. Sie begegneten ihm erst 2019. Ihr Verteidigungsminister begegnete ihm, sagen wir, 2020. Nein, 2026. Denn er war Digitalisierungsminister. Er hatte keine Zeit für all diese Büchlein. Sie haben einen Oberbefehlshaber der Streitkräfte, aber auch er stammt nicht von hier, verstehen Sie? Für sie sind das alles irgendwelche Seiten eines Schulgeschichtsbuchs, das sie nicht einmal gelernt haben. Sie sind damit einfach konfrontiert worden.

Ich nehme an, wäre Zelensky irgendwo in Scheptyzkyj aufgewachsen, wäre es für ihn verständlicher. So aber ist es etwas, das ihm irgendwann einmal der Präsident Polens gesagt hat und das er vielleicht nicht einmal als etwas Ernstes wahrnimmt. Übrigens wissen wir nicht, was ihm der Präsident Polens sagte. Ich meine nicht Nawrocki, sondern Duda. Ob er ihm sagte: „Benenne nichts nach der UPA.“ Wir kennen den Inhalt dieses Dialogs und seine Bedeutung für Zelensky nicht. Ich nehme an, Duda könnte ihm etwas über unmittelbare Beteiligte der Ereignisse aus polnischer Sicht gesagt haben, etwa Schuchewytsch oder Sawur. Sie sehen doch, dass bei uns keine neuen Benennungen entstehen. Vielleicht ging es darum, aber um die UPA als solche? Bei uns wird doch ständig etwas nach den Helden der UPA benannt.

Zelensky unterschreibt also etwas. Das ist so, als hätte man zu Sowjetzeiten irgendeine Benennung unterschrieben, etwa nach Krupskaja, Kuibyschew oder Woroschilow. Es heißt eben ständig so. Das sind nicht einmal Menschen und Namen. Das ist einfach wie eine Festivalstraße oder, ich weiß nicht, die Kyiver Straße.

Svitlana Zhebiv: Wie eine Handelsmarke, eine Marke.

Portnikov: Ja. Du hast unterschrieben, dann begann all das. Einerseits musst du es zurücknehmen, andererseits verstehst du, dass du, wenn du es zurücknimmst, hier verlierst und schwach aussiehst.     geben nicht nach. Selbst in Polen sagt man doch: „Hören Sie, betrachten wir die gesamte UPA nicht als eine ant Polnische Kraft. Sprechen wir darüber, dass es bestimmte Elemente und Menschen gab, die an Verbrechen beteiligt waren, aber wir können nicht die gesamte Ukrainische Aufstandsarmee so betrachten.“ Warum sollte Zelensky das tun? Ich verstehe überhaupt nicht, welche Vorwürfe man hier gegen Zelensky hat.

Ich finde es generell seltsam, dass wir Zelensky Vorwürfe machen, wenn er einfach seine präsidialen Befugnisse ausübt. Es ist wie mit dem Skandal mit Trump. Was hätte er tun sollen, damit es allen gefällt? Ihm während dieses Skandals im Oval Office die Schuhe putzen? Viele Menschen sagen doch: „Oh, man hätte es nicht so, sondern anders machen müssen.“ Versetzen Sie sich in Zelenskys Lage. Er hatte sich vorbereitet. Er brachte Trump Fotos zerstörter ukrainischer Städte und getöteter Menschen mit. Ich erinnere mich nicht mehr genau, was er ihm zeigte. Trump begann sich aufzuregen, weil das nicht seiner Vorstellung entsprach. Was hätte Zelensky tun sollen?

Svitlana Zhebiv: Aber wenn wir zu Polen zurückkehren: Wir bereiten uns doch auf die Europäische Union vor, nehmen wir das zumindest an, wir planen es und haben diese Absicht. Und wir müssen Verbündete oder Unterstützung haben.

Portnikov: Sehen Sie, es gibt objektive Realitäten. Wir werden nur dann der Europäischen Union beitreten, wenn wir unsere eigene Würde bewahren.

Svitlana Zhebiv: Und die Staatlichkeit.

Portnikov: Nein. Wenn wir die Staatlichkeit bewahrt haben, müssen wir noch unsere Würde bewahren. Wenn wir unsere Gesetze und Schulbücher unter dem Diktat unserer Nachbarn schreiben, verwandeln wir uns einfach in ein Land, das weder in die Europäische Union gelangt noch seine eigene Souveränität bewahrt.

Svitlana Zhebiv: Wie sollte diese Kommunikation also aussehen? Herr Ihor Halehida war hier bei mir. Er erforscht die damaligen ukrainischen, polnischen und jüdischen Toten. Es sind bereits mehrere Bände erschienen, und auch Kypiani war hier. Ich verstehe also, wie Sie sagen, aus einer Lwiwer Perspektive die ganze Bedeutung. Aber wie soll diese Kommunikation und dieser Dialog weitergehen?

Portnikov: Es muss ein klares Verständnis geben, dass Fragen des historischen Gedächtnisses aus der europäischen Integration ausgeklammert werden müssen. Es muss einen Dialog geben, einen Dialog der Historiker und einen Dialog der Politiker. Aber es darf definitiv keine Frage der europäischen Integration sein. Und es muss ein klares Verständnis geben, dass wir in Fragen nationaler Minderheiten Entscheidungen treffen müssen, die dem Recht der Europäischen Union entsprechen. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn wir nationalen Minderheiten Rechte gewähren, die über das europäische Recht hinausgehen, weil Ungarn das so will, oder unsere Schulbücher umschreiben, weil Polen es so will, dann brauchen wir nicht Teil des europäischen Projekts zu werden, weil das kein europäisches Projekt ist. Genau das sage ich ständig.

Wir müssen gegenüber den Europäern die Frage nach einer Reform dieses europäischen Projekts und nach der Bestrafung jener Länder stellen, die unter Ausnutzung ihres europäischen Status nicht europäische Standards aufzwingen. Ich habe eigens einen Text über Nordmazedonien geschrieben. Ich verstehe nicht, warum Nordmazedonien, um Mitglied der Europäischen Union zu werden, seine Geschichtsbücher so umschreiben muss, dass es Sofia gefällt. Denn das ist kein europäischer Ansatz, verstehen Sie? Die Europäische Union, und das muss man auch den Bulgaren, Polen und Ungarn sagen, wurde mit einem Ziel geschaffen: neue Kriege in Europa zu verhindern. Ihre Politik wird zu neuen Kriegen in Europa führen, denn neue Kriege entstehen gerade auf diesem Boden. Sie haben ihre historische Erinnerung, wir haben unsere.

In Sofia treten bereits Politiker auf und sagen, man müsse in Nordmazedonien eine „militärische Spezialoperation“ durchführen. Früher oder später werden sich jene Länder, die glauben, zu Unrecht benachteiligt zu sein, weil man ihnen eine fremde historische Erinnerung aufzwingt, zusammenschließen und eine „militärische Spezialoperation“ in Bulgarien durchführen. Verstehen Sie? Nicht heute, sondern morgen, wenn klar wird, dass die NATO dort nicht funktioniert. Warum ziehen wir die Möglichkeit in Betracht, dass Bulgarien in Nordmazedonien eine „militärische Spezialoperation“ durchführt, denken aber nicht über eine gemeinsame Operation Serbiens und Nordmazedoniens gegen Bulgarien nach? Das wäre doch eine Katastrophe, verstehen Sie? Statt ein gemeinsames Europa zu schaffen, in dem Bulgaren, Mazedonier, Serben und die Albaner des Kosovo und Albaniens zusammenleben, suchen wir nach neuen Interpretationen der historischen Vergangenheit. Dasselbe gilt für Polen und Ukrainer. Wir verstehen doch die Gefahr, wenn die Ukraine nicht in die Europäische Union gelangt.

Svitlana Zhebiv: Wie beurteilen Sie überhaupt diese Aussichten? Besteht für uns nicht die Gefahr, wie die Türkei in einem Korridor steckenzubleiben?

Portnikov: Nein, wir werden nicht zusammen mit der Türkei in einem Korridor steckenbleiben. Wir werden Teil der russischen Einflusssphäre sein und gemeinsam mit Russland darüber nachdenken, was wir mit Polen tun sollen.

Svitlana Zhebiv: Können Sie das genauer erklären?

Portnikov: Was gibt es da zu erklären? Eine Ukraine, die nicht nach Europa gelangt und nicht Teil der europäischen Welt wird, beginnt wieder nach Osten zu driften. Wenn Russland sich bis dahin verändert, wird die Ukraine Teil irgendeines neuen Integrationsbündnisses mit der Hauptstadt Moskau. Und das ist eine Gefahr für Polen. Das müssen die Polen verstehen. Sie sagen, das werde in fünf Jahren geschehen. Aber wir existieren doch nicht nur fünf Jahre. Und wenn es in 30 Jahren geschieht, wird es dadurch leichter? Sind die Polen überzeugt, dass die Bündnisse, die sie geschaffen haben, sie zuverlässig vor einem Angriff aus dem Osten schützen?

Wenn die Ukraine den Krieg verliert, werden sie keine Bündnisse schützen. Und wenn die Ukraine als Staat bestehen bleibt, sie aber von Europa abgestoßen wird, wird sie trotz ihres Fortbestehens dorthin geraten, wo sie früher war. Und Russland wird wieder zur Hauptbedrohung für Polen, nur nun unter Berücksichtigung der ukrainischen Komponente.

Svitlana Zhebiv: Das müsste also die Kommunikation des Präsidenten sein.

Portnikov: Das wird in Polen niemand verstehen, weil diese Menschen, die all das tun, glauben, sie hätten bereits alles erreicht und Gott am Bart gepackt. Aber Gott hat gar keinen Bart. Das ist Donald Trump, und er rasiert sich.

Ich möchte, dass Polen und Ukrainer gemeinsam in Europa sind. Ich möchte das als Jude, nicht nur als Bürger der Ukraine, sondern als Jude. Denn ich glaube, dass mein Volk auf dem Territorium dieser Länder und Litauens mehr als einmal die größte Katastrophe seiner Geschichte erlitten hat. Und ich halte es gegenüber der Erinnerung an meine Verwandten, die in Kyiv, Malyn, Kamjanez und Smila ermordet wurden, für gerecht, dass sie in einer Erde liegen, in der niemand mehr die Hand gegen seinen Mitbürger und seinen Nachbarn erheben möchte. Ich erzähle Ihnen dabei keine Geschichten aus ferner Vergangenheit. Ich erzähle von meinen Urgroßvätern und Urgroßmüttern, den leiblichen Schwestern und Brüdern meiner Großmütter.

Mein Mitgefühl gilt deshalb in dieser Situation Polen und Ukrainern gleichermaßen. Ich verstehe vollkommen, was die Angehörigen der in Wolhynien ermordeten Polen empfinden, denn ich habe eine eigene vergleichbare Geschichte. Ich verstehe vollkommen, was die Angehörigen der in Wolhynien oder anderswo ermordeten Ukrainer empfinden, denn ich habe eine eigene vergleichbare Geschichte. Ich verstehe vollkommen, was Ukrainer empfinden, wenn sie sich daran erinnern, wie ihre Angehörigen in den 1930er-Jahren nicht an den Universitäten in Lwiw aufgenommen wurden, denn ich habe eine eigene vergleichbare, sogar persönliche Geschichte. Alle Gefühle von Polen und Ukrainern sind mir verständlich, weil Polen und Ukrainer der Vergangenheit mit Unterstützung der Imperien, in denen sie lebten, für mich und mein Volk genau dasselbe organisierten. Deshalb verstehe ich ihre Emotionen. Deshalb rufe ich sie zu gesundem Menschenverstand, Versöhnung und dazu auf, dass die Seiten der historischen Erinnerung ihre Verständigung nicht behindern. Es ist ganz einfach.

Svitlana Zhebiv: Inwieweit könnten wir die Rolle Russlands unterschätzen, das jetzt, wie Experten sagen, auf die Erschöpfung der Ukrainer, auf Zermürbung und Polarisierung hinarbeitet, und zwar nicht nur in der Ukraine?

Portnikov: Natürlich existiert diese Rolle. Russland verstand es immer, daran zu arbeiten. Das betrifft sowohl die innere Situation in der Ukraine als auch die außenpolitische Lage. Glauben Sie etwa, all diese ultrarechten und ultralinken Parteien würden ganz von selbst eine solche Popularität erlangen?

Svitlana Zhebiv: Das gibt es in fast allen europäischen Ländern.

Portnikov: Aber es taucht doch ständig Geld aus Russland auf. Natürlich braucht Russland das und arbeitet daran, dass Europa marginalisiert wird. Natürlich betrachtet es Migrationskrisen als Instrument zur Marginalisierung Europas. So war es nach Syrien. So wollten sie es nach dem gescheiterten Blitzkrieg. Jetzt hoffen sie, unter den neuen Stimmungen in Europa eine weitere Migrationskrise auszulösen, während sich das Leben verschlechtert und Treibstoff teurer wird. Und all das nimmt mit jedem Tag zu. So funktioniert es, und wir müssen das immer im Gedächtnis behalten.

Svitlana Zhebiv: Analysieren wir das ausreichend gut? Denn Sie sagen ständig, dass Sie keine Prognosen abgeben und nichts erfinden. Es sind keine Mythen, sondern Analysen.

Portnikov: Natürlich widersetzen wir uns dem schlecht. Schon deshalb, weil wir eine Regierung haben, die beschlossen hat, anonyme Telegram-Kanäle sollten die ukrainische Freiheit geradezu ersticken. Wenn ein ehemaliger Mitarbeiter des Präsidenten, der all das geschaffen hat und dann Minister wurde, plötzlich bemerkt, dass jemand irgendeinen Kanal wie „Trucha“ gekauft hat.

Svitlana Zhebiv: Und dass dies ein Instrument gegen ihn ist.

Portnikov: Ja, dieses Instrument richtet sich gegen ihn. Und das gefällt ihm nicht. Dann stellt sich die Frage: „Wie konnten Sie diesen Drachen großziehen und füttern?“ Sie erinnern mich an jemanden, der einen kleinen Löwen in seiner Wohnung ansiedelte, worauf der Löwe ihn später auffraß. Muss man mit diesem Menschen Mitgefühl haben? Natürlich tut es einem leid. So jung, eine junge Ehefrau, Kinder, alle wurden zerfleischt, wie bei irgendeiner Familie, die Löwen aufzog. „Aber warum haben Sie sie bei sich einquartiert? Sind Sie dumm?“ Das ist die Antwort. Tun wir etwas dagegen? Nein.

Svitlana Zhebiv: Und wir unterschätzen es.

Portnikov: Ja, und wir unterschätzen es.

Svitlana Zhebiv: So wie es ein Mensch unterschätzt hat, der im Grunde alle Technologien kontrolliert.

Portnikov: Die Amerikaner wollten die TikTok-Algorithmen doch stoppen. Im Ergebnis sagt Donald Trump, er brauche TikTok für Wahlsiege. Aber Sie sehen, es funktioniert bereits nicht mehr so, weil kein TikTok den Treibstoffpreis ersetzen kann. Dennoch haben sie es einem amerikanischen Unternehmen übergeben, damit die Algorithmen nicht chinesisch sind.

Svitlana Zhebiv: Damit es einen anderen Einfluss gibt.

Portnikov: Und welche Algorithmen haben wir? Welche TikTok-Algorithmen haben wir? Welche Algorithmen haben wir bei Telegram? Wenn Menschen anonyme Kanäle sehen und lesen: Musste man wirklich den Fernsehsendern Pryamyj, Kanal 5 und Espresso die terrestrische Ausstrahlung entziehen, diesen Fernsehmarathon schaffen und ihn im Grunde zu einem Korruptionsmechanismus in den Beziehungen zu den Oligarchen machen?

Svitlana Zhebiv: Und mit welcher Geschwindigkeit versammeln sich Menschen um einen Kleinbus des Rekrutierungszentrums? Wie viele junge Menschen kommen dort zusammen, woher erfahren sie davon, und wie schnell organisieren sie sich?

Portnikov: Auch das ist eine gute Frage. Man könnte eine Million solcher Fragen stellen. Damit wir Informationsangriffen Russlands widerstehen, muss die Regierung selbst begreifen, dass sie in dieser Geschichte, entschuldigen Sie, nicht der Tourist ist, sondern das Touristenfrühstück, derjenige, der gefressen wird.

Svitlana Zhebiv: Man kann nicht immer auf alles Antworten erhalten. Aber es ist wichtig, Fragen zu stellen und zu verstehen, was mich steuert, wer mich steuert, ob ich nicht Opfer eines Algorithmus bin und wie ich mich in dieser Situation verhalte.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Чому Росія програє цю війну | Віталій Портников @tvoyemistoTV. 26.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 26.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Putin weist Tokajew zurück | Vitaly Portnikov. 25.07.2026.

Der Krieg in der Ukraine könnte innerhalb eines Tages enden, wenn die Ukraine bestimmte Bedingungen akzeptieren würde. Andernfalls sei auch kein Einfrieren des Krieges möglich. Mit diesen Worten übermittelte der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitrij Peskow, die Aussage des russischen Staatschefs Wladimir Putin, mit der dieser dem Präsidenten Kasachstans, Kassym-Schomart Tokajew, die Unmöglichkeit einer Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges erläuterte.

Während seines Treffens mit dem russischen Präsidenten stellte sein kasachischer Amtskollege öffentlich die Notwendigkeit eines Einfrierens des russisch-ukrainischen Krieges in den Mittelpunkt und rief Putin dazu auf, zu den Vereinbarungen zurückzukehren, die angeblich bereits während der Verhandlungen in Istanbul im Jahr 2022 abgestimmt worden waren.

Viele gingen davon aus, dass eine solche Erklärung des kasachischen Präsidenten eher Worte seien, die zuvor mit dem Kreml abgestimmt worden waren, dessen Führung selbst nicht über die Möglichkeit eines Einfrierens des russisch-ukrainischen Krieges sprechen wolle und deshalb bereit sei, den Inhalt solcher Vorschläge seinen Verbündeten in der Eurasischen Wirtschaftsunion zu überlassen. Doch das ist eine ziemlich naive Schlussfolgerung aus dem, was wir beim Treffen der russischen und kasachischen Präsidenten gesehen haben.

Kassym-Schomart Tokajew hat bei Treffen mit Putin oder gemeinsamen Auftritten mit ihm bereits mehrfach Positionen vertreten, die der russischen Politik unmittelbar widersprachen. Das gehört zu jener Balancepolitik, die der kasachische Präsident in seinen Beziehungen zum russischen Staatschef verfolgt. Gleichzeitig bewahrt Kasachstan jedoch seine Bündnisbeziehungen zur Russischen Föderation und ist nicht zu entschlosseneren Schritten bereit, um die russische Politik gegenüber der Ukraine zu verurteilen.

Auf Tokajews Worte könnte auch die Lage im Schwarzen Meer Einfluss genommen haben, denn die Konfrontation im Schwarzmeerraum bedroht unmittelbar die Interessen Kasachstans als eines Staates, der am Kaspischen Pipeline-Konsortium beteiligt ist. Bereits vor dem Treffen der Präsidenten Kasachstans und Russlands war die Information aufgetaucht, dass das Weiße Haus der Ukraine empfohlen habe, Angriffe auf Tanker im Schwarzen Meer einzustellen, die nicht Russland gehören, da man befürchte, dies könne zu Problemen für amerikanische Unternehmen führen, die in den kasachischen Energiesektor investiert haben.

Putin reagierte jedoch wie üblich ohne besonderen Enthusiasmus auf die Äußerungen seines kasachischen Kollegen zur russischen Außenpolitik. Das überrascht auch nicht, wenn der russische Präsident nicht einmal bereit ist, der Position seines amerikanischen Amtskollegen zuzustimmen, und ständig an den nicht existierenden Geist von Anchorage erinnert, selbst nachdem die Amerikaner ihre Vorschläge zurückgezogen hatten, die dem russischen Präsidenten vor seinem Treffen mit Präsident Trump übermittelt worden waren. Warum sollte Putin also ausgerechnet die Position Tokajews berücksichtigen?

Deshalb steckt hinter der Erklärung des kasachischen Präsidenten und der Reaktion des russischen Präsidenten darauf keinerlei große Verschwörungstheorie. Es gibt den offensichtlichen Wunsch des Präsidenten Kasachstans, den russisch-ukrainischen Krieg als einen Konflikt zu betrachten, der allen schadet, die aus der Perspektive der Entwicklung ihrer wirtschaftlichen Interessen und überhaupt der Rückkehr zu einem normalen Leben denken. Gleichzeitig gibt es den ebenso offensichtlichen Wunsch des Präsidenten Russlands, diesen Krieg bis zur Kapitulation der Ukraine fortzusetzen.

Denn wir verstehen, dass die Worte des Kreml-Sprechers, die den Sinn von Putins Äußerungen wiedergeben, gerade auf die Notwendigkeit einer solchen Kapitulation als Voraussetzung für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges hindeuten. Und wir sollten nicht glauben, dass es dabei ausschließlich um den Abzug der ukrainischen Truppen aus jenem Teil der Oblast Donezk geht, der heute von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert wird.

Wir verstehen vielmehr, dass nach diesen territorialen Forderungen an die Ukraine, falls die ukrainische Regierung ihnen zustimmen sollte, sofort weitere Forderungen auftauchen würden, die andere ukrainische Regionen betreffen. Ganz abgesehen davon, dass schon die Idee eines Abzugs ukrainischer Truppen von irgendeinem Teil unseres Staatsgebiets kein Schritt zur Beendigung des Krieges wäre, sondern zur Destabilisierung der innenpolitischen Lage in der Ukraine selbst.

Wir können nicht übersehen, wie aktiv der Kreml an einer solchen Destabilisierung arbeitet und wie sehr all seine sogenannten Friedensvorschläge genau darauf abzielen, Probleme und Spaltungen innerhalb der ukrainischen Gesellschaft hervorzurufen. Und wir dürfen nicht vergessen, dass Moskau gerade bei solchen Technologien stets weit besser und erfolgreicher darin war, auf die empfindlichsten Punkte in der Stimmung der ukrainischen Gesellschaft einzuwirken, als Krieg zu führen.

Deshalb hofft Putin, dass der weitere Verlauf der Ereignisse – mit Angriffen auf die Ukraine und gleichzeitigen Kapitulationsangeboten – es ihm ermöglichen wird, zumindest einen Teil des Territoriums unseres Landes in Besitz zu bringen, den seine Truppen nicht im Kampf erobern können, sondern allein durch diplomatische Verhandlungen und den Verlust des Vertrauens der ukrainischen Gesellschaft in ihre eigene Führung.

Unter diesen Umständen sind selbstverständlich sämtliche Vorschläge zum Einfrieren des Krieges – nicht nur von Kassym-Schomart Tokajew, sondern auch von anderen einflussreichen Staats- und Regierungschefs; erinnern wir uns etwa an den Vorschlag des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, den Krieg entlang der Frontlinie zu beenden und anschließend umfassende Friedensverhandlungen aufzunehmen – ganz sicher nichts, womit Putin sich zufriedengeben wird. 

Jedenfalls nicht, solange er über Reserven und Möglichkeiten verfügt, den Krieg fortzusetzen; solange er sich selbst davon überzeugt, dass seine Träume von der Zerstörung der ukrainischen Staatlichkeit und der Eroberung ukrainischen Territoriums allein durch Raketenangriffe und die Fortsetzung der Offensive der russischen Aggressionstruppen auf dem Gebiet unseres Landes verwirklicht werden können.


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Titel des Originals: Путін послав Токаєва | Віталій Портников. 25.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 25.07.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Trump stoppt die Ukraine | Vitaly Portnikov. 25.07.2026.

Die Regierung des Weißen Hauses hat die ukrainische Führung im Vorfeld des Treffens von Präsident Donald Trump mit seinem ukrainischen Amtskollegen Volodymyr Zelensky in den Vereinigten Staaten davor gewarnt, im Schwarzen Meer Tanker anzugreifen, die nicht der Russischen Föderation gehören.

Diese Warnung erfolgte, nachdem sich herausgestellt hatte, dass eines der durch einen ukrainischen Angriff beschädigten Tankschiffe mit dem Kaspischen Pipeline-Konsortium verbunden war, dessen Pipeline bekanntlich direkt in der Bucht des Hafens von Noworossijsk endet. Einer der wichtigsten Investoren im kasachischen Energiesektor ist bekanntlich das amerikanische Unternehmen Chevron. Dessen Führung könnte befürchten, dass weitere ukrainische Angriffe die Lieferungen von Erdöl und anderen Gütern aus Kasachstan gefährden und damit Probleme für die Investitionen von Chevron schaffen würden.

Der Vorstandsvorsitzende von Chevron, Mike Wirth, der für seine guten Beziehungen zu Donald Trump bekannt ist, besuchte in diesen Tagen das Weiße Haus und führte gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Gespräche mit Vertretern der amerikanischen Regierung, unter denen sich selbstverständlich auch der Präsident der Vereinigten Staaten selbst befunden haben könnte. Nach Informationen des Wall Street Journal erfolgte die amerikanische Warnung unmittelbar nach diesem Besuch des Chevron-Chefs bei der Führung der Vereinigten Staaten. Sie zeigte erneut, dass Donald Trump, wenn es um die Suche nach Wegen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges einerseits und um die Interessen von Geschäftsleuten aus seinem engsten Umfeld andererseits geht, naturgemäß den Interessen der Wirtschaft den Vorzug geben wird.

In diesem Zusammenhang sollte daran erinnert werden, dass der Kampf zwischen Russland und der Ukraine im Schwarzen Meer heute ein entscheidender Faktor für das wirtschaftliche Überleben der Ukraine in den kommenden schwierigen Jahren des russisch-ukrainischen Krieges ist. Bereits jetzt sind die ukrainischen Schwarzmeerhäfen praktisch blockiert. Der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist zum Erliegen gekommen. Dies kann sowohl zu erheblichen Problemen für jenen Teil der ukrainischen Wirtschaft führen, der weiterhin funktioniert – und damit auch zu einer zusätzlichen Belastung der Haushalte europäischer Staaten –, als auch zu ernsthaften Versorgungsproblemen mit Getreide weltweit, die wiederum die Stabilität in den Ländern des Globalen Südens gefährden könnten. Genau das geschah bereits, als Russland und die Ukraine unter Vermittlung der Türkei und der Vereinten Nationen das Getreideabkommen vereinbarten.

Nun stehen wir erneut vor einer möglichen globalen Krise mit unvorhersehbaren Folgen. Sollte es der Ukraine ihrerseits gelingen, die russischen Transportkorridore unter Kontrolle zu bringen, könnte dies den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dazu bewegen, über ein Ende der Blockade der ukrainischen Häfen und die Freigabe des ukrainischen Handels nachzudenken.

Man kann sagen, dass dies eine geopolitische Aufgabe ist. Denn es geht nicht nur um die ukrainische Wirtschaft, sondern auch darum, dass ein Getreidemangel die Stabilität zahlreicher Regime im Globalen Süden infrage stellen und zusätzliche Schwierigkeiten für den Präsidenten der Vereinigten Staaten schaffen könnte, der bereits jetzt kaum einen Ausweg aus der Sackgasse des Nahostkonflikts findet. Doch wie wir sehen, orientiert sich Donald Trump ausschließlich an den Interessen, die gegenwärtig als Priorität für die amerikanische Wirtschaft gelten. Denn auch dort denkt man ausschließlich an den heutigen Gewinn und nicht an die Folgen von morgen.

Aus dieser Perspektive lohnt sich übrigens auch ein Blick auf die Haltung des kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew, der die Folgen der Kämpfe im Schwarzen Meer offenbar besser versteht als Trump. Bei seinem heutigen Treffen mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, betonte Tokajew, dass all dies beendet werden müsse – womit er in erster Linie den russisch-ukrainischen Krieg meinte. Wie wir jedoch sehen, fällt es derzeit schwer zu behaupten, dass man in den Vereinigten Staaten den Kampf zwischen Russland und der Ukraine im Schwarzen Meer mit den Möglichkeiten verbindet, den russisch-ukrainischen Krieg tatsächlich zu beenden.

Bemerkenswert ist auch, dass in Washington niemals ernsthafte Vorwürfe gegen die Russische Föderation erhoben wurden, als diese amerikanische Unternehmen in der Ukraine buchstäblich zerstörte. Vielleicht deshalb, weil die Unternehmer, die als Lobbyisten für die Interessen dieser Unternehmen hätten auftreten können, dem heutigen Hausherrn des Weißen Hauses nicht so nahestehen wie jene Geschäftsleute, die infolge von Putins demonstrativer Reaktion auf Trumps Behauptung, amerikanische Unternehmen in der Ukraine seien eine Sicherheitsgarantie für unser Land, Investitionen und Vermögenswerte verlieren.

Wie sich herausstellte, ist das keineswegs der Fall. Der russische Präsident hat gezeigt, dass er amerikanische Unternehmen in der Ukraine völlig ungestraft zerstören kann – ohne irgendwelche Konsequenzen für sein eigenes Land oder seine Streitkräfte befürchten zu müssen. Und niemand wird ihn auch nur darauf ansprechen, dass er amerikanische Fabriken auf ukrainischem Boden systematisch und demonstrativ vernichtet hat. Greift die Ukraine jedoch Tankschiffe an, von denen Russlands Rolle als Energielieferant und als Transitland für kasachisch-amerikanische Projekte abhängt, dann kann man, wie sich zeigt, tatsächlich auf amerikanischen Schutz hoffen.

Das bedeutet letztlich, dass die Vereinigten Staaten unter Donald Trump keine Sicherheitsgarantie für die Ukraine darstellen, indem sie die Interessen amerikanischer Unternehmen in unserem Land schützen. Für Russland hingegen könnten die heutigen Vereinigten Staaten – so paradox das auch klingen mag – durchaus eine solche Sicherheitsgarantie sein.

Der Ausweg aus dieser Situation ist selbstverständlich nur einer. Unter Berücksichtigung der Position des Präsidenten der Vereinigten Staaten und seiner Regierung muss alles getan werden, um die Ukraine vor den Folgen der russischen Handelsblockade zu schützen.

Letztlich verfügt der Präsident der Vereinigten Staaten gemeinsam mit seiner Regierung kaum noch über Möglichkeiten, Druck auf unser Land auszuüben, nachdem die amerikanische Finanzhilfe für die Ukraine praktisch ausgelaufen ist. Und selbst die Waffen, die die Amerikaner an uns liefern, verkaufen sie zunächst an die NATO-Mitgliedstaaten in Europa. Die Vereinigten Staaten können daher lediglich Wünsche äußern, nicht aber ihre Bedingungen diktieren.

Auch die amerikanischen Geschäftsleute, deren Interessen mit Noworossijsk verbunden sind, sollten darüber nachdenken, dass ihre Investitionen in jedem Fall Schaden nehmen werden, solange sie nicht nach Wegen suchen, Putins Angriffskrieg zu beenden, anstatt die ukrainische Antwort auf diesen Krieg einzuschränken.


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Titel des Originals: Трамп зупиняє Україну| Віталій Портников. 25.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 25.07.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Zelensky spricht mit Witkoff: Details | Vitaly Portnikov. 22.07.2026.

Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, hat ein Telefongespräch mit den Sonderbeauftragten von Präsident Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, geführt.

Obwohl die Einzelheiten dieses Gesprächs nicht bekannt gegeben werden, zeigt allein die Tatsache, dass der Präsident der Ukraine erstmals seit vielen Monaten mit amerikanischen Sonderbeauftragten spricht, nicht nur den Wunsch Kyivs, zu diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zurückzukehren, sondern auch die Bereitschaft Washingtons, sich ukrainische Vorschläge in dieser Frage anzuhören.

Das Gespräch zwischen Zelensky sowie Witkoff und Kushner findet am Vorabend zweier wichtiger Ereignisse statt. Zelensky wird in Kürze in die Vereinigten Staaten reisen, um möglicherweise Präsident Donald Trump zu treffen und außerdem an der Beisetzung des Senators Lindsey Graham teilzunehmen. Diese Reise des ukrainischen Präsidenten wird zweifellos auch mit dem Bemühen verbunden sein, politische Möglichkeiten sowohl zur Wiederbelebung der amerikanischen Unterstützung für die Ukraine zu finden als auch zu verstehen, wie realistisch diplomatische Bemühungen zur Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Kyiv und Moskau unter Vermittlung Washingtons sind.

Ein weiteres wichtiges diplomatisches Ereignis findet bereits morgen in Manila statt, wo die Außenminister der Mitgliedstaaten der ASEAN zusammentreffen. Dort wird der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow zusammentreffen. Es wird das erste Treffen der Leiter der Außenministerien der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation seit zehn Monaten sein. Möglicherweise diente das Gespräch Zelenskys mit Witkoff und Kushner auch dazu, eine gewisse Tagesordnung für Marco Rubio zu schaffen, für den Fall, dass Lawrow an einer Rückkehr der Russischen Föderation zum Verhandlungsprozess interessiert sein sollte.

Ich erinnere daran, dass Russland diesen Prozess verlassen hat und von einer Möglichkeit seiner Wiederaufnahme nur dann spricht, wenn die Streitkräfte der Ukraine den Teil des Gebiets der Oblast Donezk verlassen, der sich weiterhin unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung befindet. Die Vereinigten Staaten sind, wie wir wissen, nicht bereit, Druck auf die Ukraine auszuüben, der damit verbunden wäre, dass wir auf einen Teil des Territoriums verzichten, auf dem der Vormarsch der russischen Truppen andauert. Gleichzeitig kann man jedoch hoffen, dass die Angriffe auf russische Erdölraffinerien und Online-Marktplätze ebenfalls Voraussetzungen dafür schaffen, dass man im Kreml zumindest beginnt, über eine Rückkehr zum Verhandlungsprozess nachzudenken.

Gleichzeitig muss verstanden werden, was für ein Verhandlungsprozess das sein soll. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass Verhandlungen während der Fortsetzung der Kampfhandlungen ausschließlich ein Versuch des Präsidenten der Russischen Föderation sind, Zeit bis zum Ende der Amtszeit des amerikanischen Präsidenten zu gewinnen. Genau zu diesem Vorgehen griff Putin, als Joseph Biden Präsident der Vereinigten Staaten war.

Jetzt besteht die Aufgabe des russischen Staatschefs darin, Donald Trump zu überdauern. Und das ist, wie ich sagen würde, keineswegs eine so weit in die Zukunft reichende Aufgabe, wie es scheint. Die erste Hälfte des Jahres 2026 geht zu Ende, und im Jahr 2028 wird in den Vereinigten Staaten bereits der Präsidentschaftswahlkampf offen beginnen. Ende 2028 wird klar sein, wer Herr des Weißen Hauses werden wird. Und Präsident Putin wird entscheiden können, unter welchen Bedingungen der russisch-ukrainische Krieg beendet werden soll oder ob er ihn überhaupt nicht beendet, sondern ihn auch während der nächsten Präsidentschaft fortsetzt, falls ihm der künftige Präsident der Vereinigten Staaten zu Kompromissen nach russischen Bedingungen eher bereit erscheint als dessen Vorgänger.

Die Aufgabe der Ukraine besteht darin, diesen Plan Putins zu durchkreuzen, der auf das Ende der zwanziger Jahre ausgerichtet ist und darauf abzielt, Voraussetzungen für die Zerstörung des ukrainischen Staates durch einen jahrelangen Prozess von Angriffen auf unser Territorium und dem Vormarsch der russischen Armee zu schaffen. 

Man muss Putin diese Illusionen nehmen, und das ist durch Diplomatie unmöglich, die den russischen Präsidenten überhaupt nicht interessiert. Außerdem muss man sich darüber im Klaren sein, dass das Modell der Verhandlungen, mit dem sich Witkoff und Kushner bis vor Kurzem beschäftigt haben, Putin lediglich dabei hilft, sich in seiner Vorstellung davon zu bestärken, wie dieser Krieg weitergeführt werden soll.

Die wichtigste Voraussetzung für Verhandlungen – wenn wir überhaupt hoffen, dass diese Verhandlungen eines Tages zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges und zu irgendwelchen Vereinbarungen zwischen Moskau und Kyiv führen werden – muss auf einem Waffenstillstand entlang der Frontlinie beruhen. Ich erinnere daran, dass dies die erste Initiative des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, war, als er ins Oval Office zurückkehrte.

Ich erinnere auch daran, dass der Präsident der Russischen Föderation eine solche Idee konsequent zurückgewiesen und seinem amerikanischen Amtskollegen zunächst Verhandlungen über einen Waffenstillstand zu Bedingungen aufgedrängt hat, die für unser Land offensichtlich unannehmbar waren, und später die Möglichkeit von Verhandlungen über ein Friedensabkommen während der Fortsetzung der Kampfhandlungen.

Wir befinden uns jetzt nicht einmal mehr an diesem Punkt. Wir befinden uns jetzt an einem Punkt, an dem die Russische Föderation selbst auf diese Verhandlungen gespuckt hat, und nun versuchen alle, sie zu überzeugen, während der Fortsetzung der Kampfhandlungen zu den Verhandlungen zurückzukehren. Und wir müssen klar verstehen, dass solche Verhandlungen nicht einmal Ansätze zu Frieden bringen werden, sondern lediglich ein Instrument zur Fortsetzung des Krieges sein werden.

Deshalb sollten die Konsultationen des Präsidenten der Ukraine mit den Sonderbeauftragten des Präsidenten der Vereinigten Staaten sowie die Gespräche des Außenministers der Vereinigten Staaten mit dem Außenminister der Russischen Föderation meiner Ansicht nach auf der Idee beruhen, die Russische Föderation zu einem Waffenstillstandsabkommen entlang der Kontaktlinie der Truppen oder zumindest zum Beginn von Gesprächen über einen teilweisen Waffenstillstand, beispielsweise im Energiebereich, zu zwingen.

Übrigens sprach darüber vor Kurzem auch der Außenminister der Türkei, Hakan Fidan, während seines Besuchs in der ukrainischen Hauptstadt. Und Moskau dementierte sofort, dass es bereit sei, derartige Initiativen zu erörtern.

Vielleicht wissen die Vereinigten Staaten jedoch, wie sie ihren Druck auf die Russische Föderation energischer gestalten können. Vielleicht besteht Hoffnung, dass schwerere ukrainische Schläge gegen den Erdölraffineriekomplex und die Online-Marktplätze der Russischen Föderation Präsident Putin dazu zwingen werden, genau einer solchen Variante des Verhandlungsprozesses zuzustimmen.

Große Erwartungen habe ich ehrlich gesagt nicht. Aber daran zu arbeiten, dass ein Waffenstillstand zumindest in den kommenden Jahren für die Ukrainer Wirklichkeit wird und dass er früher beginnt, als sich die Städte der Ukraine in Orte verwandeln, die zumindest im Winter unbewohnbar sind, ist eine wichtige, gewichtige und ernsthafte Aufgabe der ukrainischen Diplomatie sowie der Bemühungen des Präsidenten der Ukraine während seiner Gespräche mit den amerikanischen Vertretern, die immer noch hoffen, den russischen Staatschef dazu bewegen zu können, den Krieg gegen unser Land und unser Volk zu beenden.


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Titel des Originals: Зеленський спілкується з Віткофом: деталі | Віталій Портников. 22.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.07.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Senator Lindsey Graham ist gestorben | Vitaly Portnikov. 12.07.2026.

Der republikanische Senator Lindsey Graham ist in Washington gestorben, nur wenige Tage nachdem er aus der ukrainischen Hauptstadt zurückgekehrt war. Dort hatte er Präsident Volodymyr Zelensky getroffen und mitgeteilt, dass es ihm gelungen sei, den sogenannten Gesetzentwurf über „höllische Sanktionen“ gegen Russland sowie gegen die Energiesponsoren dieses Landes mit der Administration von Donald Trump abzustimmen.

Senator Graham hatte sich praktisch seit den ersten Monaten nach dem großangelegten Angriff der Russischen Föderation auf die Ukraine für die Verabschiedung dieses Gesetzes eingesetzt. Er betonte, dass Frieden nur durch intensiven Druck auf die Russische Föderation und die Zerstörung ihrer Wirtschaft erreicht werden könne. Mehr noch: Senator Lindsey Graham rief die Russen dazu auf, ihren Präsidenten Putin zu stoppen und sogar ein Attentat auf ihn zu verüben – nach dem Vorbild des Attentats auf den Hitler-Diktator Adolf Hitler, den Putin in seiner Politik nachzuahmen versucht.

Man kann sagen, dass Senator Lindsey Graham hinsichtlich der Verbindung jener Positionen und Prinzipien, die er in den vergangenen Jahrzehnten im Senat und in der Republikanischen Partei verteidigte, eine bemerkenswerte Persönlichkeit war. Einerseits wurde er zu einem offensichtlichen Unterstützer des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, obwohl er zu Beginn der politischen Karriere des Milliardärs diesem gegenüber keine besonders wohlwollende Haltung eingenommen hatte. Doch nachdem Lindsey Graham zu einem Unterstützer Trumps geworden war, änderte er seine außenpolitischen Prioritäten nicht.

Man kann sagen, dass Lindsey Graham, obwohl er vom Alter her jünger war als bekannte Veteranen der amerikanischen Politik wie der inzwischen verstorbene Senator John McCain, einer der letzten Reaganisten-Falken auf dem Capitol Hill war und diese seine Prinzipien niemals aufgab – weder unter der Regierung Donald Trumps, mit dem ihn freundschaftliche Beziehungen verbanden, noch in der Zeit, als die Demokraten an der Macht waren.

Wenn er die Präsidenten Barack Obama und Joseph Biden kritisierte, dann wegen ihres vorsichtigen Umgangs mit den Diktaturen der Welt, zu denen für ihn stets auch die Russische Föderation gehörte. Und wenn er Donald Trump unterstützte, dann immer mit der Aufforderung, gegenüber Russland oder dem Iran eine härtere Haltung einzunehmen.

Aus dieser Perspektive war Senator Lindsey Graham nie ein klassischer Diplomat. Im Gegenteil: Er war ein Politiker, der die Notwendigkeit entschlossenen Drucks auf Diktaturen und ihre Machthaber betonte. Er unterstrich, dass nur eine solche Haltung der Vereinigten Staaten dazu beitragen könne, die Grundlagen ihrer eigenen Sicherheit in unserer schwierigen Welt zu schaffen.

Auch die Unterstützung der Ukraine durch Senator Lindsey Graham war seit Beginn der russischen Aggression gegen unser Land stets konsequent und prinzipientreu. Denn auch in allen anderen Fällen russischer Aggression vertrat der Senator genau diese Position – etwa, als Russland beschloss, das kleine Georgien anzugreifen, was zum Vorspiel der großen Kriege im postsowjetischen Raum wurde. Schon damals hatte Senator Lindsey Graham eine vollkommen klare Position und eine eindeutige Botschaft an die Regierung von Präsident George Bush – bis hin zu der Forderung, den georgischen Souveränitätsschutz entschlossener zu verteidigen und deutlichere politische Schritte zu unternehmen.

Ebenso klar und eindeutig war die Haltung des Senators auch in Fragen des Nahen Ostens. Dort rief er stets dazu auf, gegenüber dem Iran und anderen diktatorischen Regimen, die die Sicherheit sowohl der Vereinigten Staaten als auch der demokratischen Staaten der Region bedrohen, eine harte Linie einzuschlagen.

Aus dieser Sicht kann man sagen, dass auch hier die Position von Senator Lindsey Graham einzigartig war – in einer Zeit, in der sowohl Israel als auch die Ukraine ihre traditionelle parteiübergreifende Unterstützung weitgehend verloren hatten und diese sich entweder in den Reihen der Republikaner oder der Demokraten konzentrierte. Senator Graham unterstützte beide Länder, und heute wird seiner sowohl in Kyiv als auch in Jerusalem mit Worten des Dankes gedacht.

Das ist zugleich eine Erinnerung daran, wie die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber demokratischen Staaten aussehen sollte, die um ihre Existenz kämpfen – im Widerstand gegen abscheuliche diktatorische Regime, die glauben, Gewalt, Zwang und ideologische Hirngespinste könnten die Ermordung von Zivilisten und die Besetzung fremder Gebiete rechtfertigen.

Natürlich könnte man sagen, dass dieses Vermächtnis im amerikanischen politischen Leben sicherlich berücksichtigt werden wird. Doch ich wäre nicht so optimistisch. Wir alle sehen, dass neue politische Zeiten angebrochen sind. Es sind Menschen an die Macht gekommen, die weniger über Prinzipien als über Wahlsiege nachdenken. Menschen, die ihren Mitbürgern nicht die Bedeutung von Werten erklären wollen, sondern ihnen vor allem gefallen möchten, um rasch Wahlen zu gewinnen. Sie denken nicht einmal daran, dass es für eben diese Mitbürger wegen der Kriegsgefahr und ihres möglichen Todes vielleicht gar keine nächsten Wahlen mehr geben wird.

Was früher lediglich ein Bild war, wenn wir über diese Gefahr und diesen Tod sprachen, wird heute in vielen Ländern der Welt zur Realität. Und natürlich wird die Zahl dieser Länder in unserem schwierigen 21. Jahrhundert nur zunehmen, wenn wir nicht auf das politische Vermächtnis solcher Menschen hören wie Senator Lindsey Graham oder Senator John McCain, den Graham seinerzeit sogar gegen Donald Trump verteidigte.

Lindsey Graham wird die Verkörperung jener amerikanischen Politik bleiben, die der Welt über viele schwierige Jahrzehnte hinweg – sowohl im 20. Jahrhundert als auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts – Hoffnung auf Frieden und Überleben gab.

Und heute kann diese Haltung Hoffnung darauf geben, dass die Welt den politischen und militärischen Abgrund, in den wir alle geraten sind, mit weniger Zerstörung, weniger Opfern und einem geringeren Gefühl der Katastrophe verlassen kann – jenem Gefühl, das uns in den 2020er Jahren des 21. Jahrhunderts nicht loslässt und im kommenden Jahrzehnt zu einem prägenden Motiv des Lebens der Menschheit werden könnte.


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Titel des Originals: Помер сенатор Ліндсі Грем | Віталій Портников. 12.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 12.07.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Graham hat Trump überzeugt: Neue Sanktionen gegen Russland | Vitaly Portnikov. 11.07.2026.

Der Senator Lindsey Graham, einer der engsten Verbündeten des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der sich in den vergangenen Monaten für das sogenannte neue „Höllengesetz“ über Sanktionen gegen Russland und dessen Ölsponsoren eingesetzt hat, erklärte, es sei ihm gelungen, diesen Gesetzentwurf mit der Regierung von Präsident Donald Trump abzustimmen.

Sollten die Vereinbarungen, die der Senator erzielt hat, umgesetzt werden, würde dies bedeuten, dass das Gesetz nicht nur den Senat, sondern auch das Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses passieren könnte, wo die Republikaner bekanntlich die Mehrheit besitzen. Ein solcher Gesetzentwurf könnte zudem von der überwiegenden Mehrheit der demokratischen Abgeordneten unterstützt werden. Unter welchen Bedingungen Senator Graham und der Mitautor des Gesetzes, Senator Blumenthal, diese Vereinbarungen mit der US-Regierung erreicht haben, wissen wir allerdings bislang noch nicht.

Der Inhalt des Gesetzes ist seit Langem bekannt, und die Senatoren Graham und Blumenthal haben Präsident Volodymyr Zelensky während ihrer Reise nach Kyiv darüber informiert. Es geht vor allem darum, dass Sanktionen nicht nur gegen die Russische Föderation selbst, sondern auch gegen jene Länder verhängt werden sollen, die russisches Öl kaufen. Dadurch könnte ein ernsthaftes Problem für den Verkauf russischen Öls an die Staaten des Globalen Südens entstehen.

Angesichts der Tatsache, dass Russland derzeit schwierige Zeiten im Bereich der Ölraffination durchlebt und der Ölverkauf eines der wichtigsten Instrumente sowohl zur Auffüllung der Devisenreserven der Russischen Föderation als auch zur Bewältigung der Probleme mit Erdölprodukten ist, könnte die Verabschiedung eines solchen Gesetzes tatsächlich zu einem bedeutenden Druckmittel gegen Russland werden.

Doch auch ein solches Instrument hat, wie wir verstehen, seine Grenzen. Denn man sollte daran erinnern, dass sich im Senat derzeit noch ein weiterer Gesetzentwurf befindet, der, wie ich sagen würde, für die Ukraine weitaus wichtiger ist als Grahams Gesetz. Es handelt sich um den Ukraine Support Act, der die finanzielle Unterstützung unseres Landes bereits in naher Zukunft wieder aufnehmen könnte und damit Bedingungen schaffen würde, die sich tatsächlich auf die Lage bei der Bewaffnung der Ukraine und auf die Situation an der russisch-ukrainischen Front auswirken könnten.

Die amerikanische Finanzhilfe besteht nicht nur aus Zahlen – sie bedeutet auch modernste Waffen, die nicht lediglich von europäischen Ländern im Rahmen des PEARL-Programms beschafft würden, wie es derzeit geschieht. Sie bedeutet die reale Möglichkeit, Waffen direkt vom Pentagon zu erhalten. Amerikanische Unterstützung sind zusätzliche Milliarden Dollar, die sich stets auf die Lage an der Front auswirken.

Man muss sich nur daran erinnern, dass wir in der Zeit, als diese Unterstützung zeitweise ausblieb, weil die Republikaner die Verabschiedung des entsprechenden Gesetzes blockierten, leider den Verlust von Awdijiwka erleben mussten, was die Lage an der gesamten russisch-ukrainischen Front empfindlich veränderte. Man kann also sagen, dass die amerikanische Hilfe tatsächlich ein wesentlicher Bestandteil des russisch-ukrainischen Krieges ist.

Doch wie wir sehen, möchte die Trump-Regierung einen anderen Weg gehen – jenen Weg, den Trump seit seinem ersten Tag als Präsident der Vereinigten Staaten verfolgt: keine umfangreiche finanzielle Unterstützung für die Ukraine, sondern stattdessen Druck auf jene Länder auszuüben, die am Krieg beteiligt sind.

Positiv ist heute, dass niemand mehr davon spricht, Druck auf unser Land auszuüben. Die Rede ist in erster Linie von Druck auf Russland; in Washington setzt man Aggressor und Opfer in diesem Krieg nicht länger gleich. Und das hängt natürlich in erster Linie mit den Erfolgen der ukrainischen Streitkräfte im Kampf gegen den russischen Aggressor zusammen sowie mit dem Interesse der Vereinigten Staaten daran, dass Russland auf dem weltweiten Energiemarkt keine führende Rolle mehr spielt. Auch dies ist ein wichtiger Bestandteil der Situation, die infolge des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran entstanden ist, sowie des Verständnisses von Präsident Donald Trump für die Rolle, die Russland in diesem Krieg gespielt hat – auch wenn der amerikanische Präsident dies nicht offen ausspricht.

Wir können also klar feststellen, dass das Gesetz, für das sich die Senatoren Graham und Blumenthal mehrere Monate lang eingesetzt haben und das erhebliche Veränderungen im Ölgleichgewicht der Russischen Föderation bewirken könnte, tatsächlich in den kommenden Wochen verabschiedet werden könnte. Die Frage ist jedoch, wie es tatsächlich umgesetzt werden wird. Denn schon heute verkauft Russland den Großteil seiner Ölvorräte mithilfe der sogenannten Schattenflotte und umgeht damit die Sanktionen Europas und Amerikas.

Derzeit gibt es faktisch keine wirksamen Instrumente, die diesen Schmuggel russischen Öls stoppen und nicht nur Indien, sondern auch die Volksrepublik China beeinflussen könnten. Und sich in der gegenwärtigen Energiesituation der Welt einen neuen Zollkrieg der Vereinigten Staaten mit China und Indien vorzustellen, ist ebenfalls äußerst schwierig.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der mit der tatsächlichen Anwendung dieses Gesetzes zusammenhängt, betrifft die weitere Entwicklung der Lage im Nahen Osten. Denn obwohl Präsident Donald Trump keine Wiederaufnahme des Krieges mit dem Iran wünscht, könnte das Verhalten des iranischen Regimes zu einer neuen Eskalation führen und damit die Suche nach neuen Instrumenten zur Stabilisierung des Energiemarktes erforderlich machen – und folglich zu neuen Zugeständnissen an Russland, wenn auch nur vorübergehend.

Tatsächlich hat also selbst dieses „Höllengesetz“ seine Grenzen. Es bleibt zu hoffen, dass das Gesetz zumindest tatsächlich verabschiedet wird und zu einem Signal für alle Energiesponsoren der Russischen Föderation wird: auf wessen Seite die Vereinigten Staaten stehen und mit welchen Folgen die Länder, die russisches Öl kaufen, früher oder später rechnen müssen, wenn sie ihre Politik der wirtschaftlichen Unterstützung Russlands in dessen Krieg gegen unser Land fortsetzen. Selbst wenn dieses Gesetz nicht so funktionieren sollte, wie es sich sein Autor wünscht, wird es doch ein echtes politisches Signal sein, auf das man setzen sollte.


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Titel des Originals: Грем переконав Трампа: нові санкції проти Росії | Віталій Портников. 11.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 11.07.2026.
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NATO gegen Putin: Warum der Westen die Ukraine nicht aufgegeben hat. Kolumne von Vitaly Portnikov. 09.07.2026.


Volodymyr Zelensky trifft Donald Trump auf dem NATO-Gipfel in Ankara, 8. Juli 2026. Foto: SAUL LOEB/AFP/East News

НАТО против Путина: почему Запад не отказался от Украины. Колонка Виталия Портникова. 09.07.2026.

Eine Militärhilfe für die Ukraine in Höhe von 140 Milliarden Euro für die kommenden zwei Jahre – das ist wohl das wichtigste Signal, das die Staats- und Regierungschefs der NATO Putin während des Gipfels in Ankara gesendet haben, meint der ukrainische Journalist und Publizist Vitaly Portnikov. Eine derart beeindruckende Summe bedeutet, dass die Ukraine nicht ohne Unterstützung bleiben wird und es dem russischen Präsidenten nicht gelingen wird, seine Ziele im russisch-ukrainischen Krieg zu erreichen – wie auch immer diese aussehen mögen. Zudem wurde Russland in der Abschlusserklärung des Gipfels in Ankara als langfristige Bedrohung für die Sicherheit des Bündnisses eingestuft. Das bedeutet, dass sich die NATO nicht grundlos aufrüstet, sondern um Putin abzuschrecken.

Auch Donald Trump hat den Ton seiner Äußerungen zum russisch-ukrainischen Krieg verändert. Bei seinem Treffen mit Volodymyr Zelensky versprach er der Ukraine eine Lizenz zur Produktion von Raketen für Patriot-Luftabwehrsysteme, unterstützte ukrainische Angriffe auf Russland und machte sich über Wladimir Putins Idee lustig, russisch-ukrainische Verhandlungen in Moskau abzuhalten. Gelacht hat er übrigens gemeinsam mit Zelensky, dem es – nicht ohne Trumps Hilfe – gelang, das Gespräch über Verhandlungen in Moskau in eine humorvolle Szene zu verwandeln, die daran erinnerte, dass Moskau derzeit wegen der ukrainischen Drohnen am Himmel über der russischen Hauptstadt kein sicherer Ort ist.

Diese Stimmung Trumps überträgt sich natürlich auch auf seine Bündnispartner, die ihre Positionen mit dem amerikanischen Präsidenten abstimmen. Zelensky sprach in Ankara auch mit denjenigen, mit denen der Dialog in den vergangenen Wochen offensichtlich schwierig gewesen war – mit dem polnischen Präsidenten Karol Nawrocki und dem ungarischen Ministerpräsidenten Péter Magyar. Auch diese Treffen sind ein wichtiges Zeichen der Normalisierung.

Natürlich ist es noch zu früh, von einem tatsächlichen Ende des Krieges zu sprechen – im Kreml will man davon offensichtlich nichts hören. Man kann jedoch von etwas anderem sprechen: vom Scheitern der Moskauer Berechnung, der Krieg werde durch amerikanischen Druck auf die Ukraine beendet. Offenbar ist Donald Trump inzwischen der Ansicht, dass der Druck vielmehr auf Russland ausgeübt werden müsse – und zwar nicht nur durch Sanktionen, sondern auch durch militärische Angriffe auf strategische Objekte der russischen Wirtschaft.

Die Hoffnung, der Westen werde die Finanzierung verweigern, ist erneut gescheitert. Noch vor Kurzem dachte man im Kreml ähnlich über die von der Europäischen Union bereitgestellten Mittel und versuchte, das Hilfspaket für Kyiv mithilfe des inzwischen politisch in den Hintergrund getretenen Viktor Orbán zu blockieren. Bemerkenswert ist, dass es sich bei der NATO nicht einfach um irgendeinen abstrakten Konsens handelt: Für die Einigung über die Bereitstellung der Mittel waren auch die Zustimmung des slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico sowie das Ausbleiben von Einwänden der neuen Regierungschefs Bulgariens und Tschechiens, Rumen Radew und Andrej Babiš, erforderlich. Es zeigt sich, dass sie zwar Erklärungen über die Notwendigkeit einer diplomatischen Lösung des Problems abgeben können, sich jedoch offensichtlich nicht bereit sind, gegen den Mainstream zu stellen.

Und das spricht vom Scheitern einer weiteren Moskauer Kalkulation – nämlich der Annahme, die Stärkung ultrarechter und ultralinker Politiker, die zu einem Einvernehmen mit Russland bereit sind, werde die Positionen des Kremls stärken und die Hilfe für die Ukraine blockieren. Populisten gelangen tatsächlich an die Macht – und dieser Trend könnte sich fortsetzen.

Doch sobald die früheren Befürworter einer „diplomatischen Lösung“ im Präsidenten- oder Ministerpräsidentensessel sitzen, beginnen sie, die Meinung Washingtons und Brüssels deutlich ernster zu nehmen. Denn es ist das eine, in Moskau Geld für sich selbst und die eigene Partei zu finden. Etwas ganz anderes ist es jedoch, über Verbesserungen im eigenen Land nachzudenken: Davon hängen letztlich sowohl die Fortsetzung der politischen Karriere als auch der Machterhalt ab.

Und genau hier hat Putin mit seiner Benzinkrise überhaupt nichts mehr anzubieten. Der russische Präsident hat offenbar nicht nur den Schlüssel zu den Herzen jener verloren, die bereit waren, mit ihm Geschäfte zu machen und die Augen vor dem Krieg und den Verbrechen des Putin-Regimes zu verschließen.

Er hat auch den Schlüssel zur Tankstelle verloren.


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Titel des Originals: НАТО против Путина: почему
Запад не отказался от Украины.
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Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 09.07.2026.
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Putin will wieder verhandeln | Vitaly Portnikov. 10.07.2026.

Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, betonte, der Kreml bleibe der Idee verpflichtet, die sogenannten Ziele der militärischen Spezialoperation auf politisch-diplomatischem Wege zu erreichen. Zugleich beschuldigte er die Ukraine, ihre Führung sei nicht zu Verhandlungen bereit, weshalb die sogenannte Spezialoperation angeblich weitergeführt werde.

Diese Erklärung des Pressesprechers Putins ist in erster Linie ein Signal an den Westen. Und natürlich auch an den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, der nach seinem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky bislang immer noch nicht mit Putin gesprochen hat.

Wie wir sehen, ist Putin bereit, die Verhandlungen wieder aufzunehmen, und sucht nach Wegen, die sogenannten Ziele auf politisch-diplomatischem Wege zu erreichen. Und das, obwohl der Kreml noch vor wenigen Wochen feierlich erklärt hatte, die Verhandlungen mit der Ukraine so lange auszusetzen, bis die ukrainischen Streitkräfte jenen Teil des Gebiets Donezk verlassen hätten, der weiterhin von der legitimen ukrainischen Regierung und nicht von den kriminellen Besatzern kontrolliert wird.

Was hat sich also innerhalb so kurzer Zeit an der russischen Position geändert?

  • Erstens sind da natürlich die ukrainischen Angriffe auf die russische Ölraffinerieindustrie.

Putin kann so tun, als geschehe nichts Besonderes. Seine Gefolgsleute suchen nach Möglichkeiten, dass die Russische Föderation Erdölprodukte auf den Märkten der Staaten des Globalen Südens einkauft oder russisches Rohöl gegen Erdölprodukte indischer Produktion eintauscht. Doch die Lage ist schwierig und wird sich mit jedem neuen ukrainischen Angriff und mit jeder Woche ohne Treibstoff an den Tankstellen der Russischen Föderation weiter verschärfen. Ganz zu schweigen davon, dass dieser Treibstoffmangel offensichtliche Probleme sowohl für die russische Wirtschaft als auch für die russische Armee schafft.

  • Der zweite wichtige Faktor, der die Haltung des russischen Präsidenten beeinflussen und ihn zumindest dazu veranlassen könnte, seine Bereitschaft zu Verhandlungen zu erklären, ist Donald Trumps mangelnde Aufmerksamkeit.

Ich erinnere daran, dass der amerikanische Präsident seinen russischen Amtskollegen früher sogar noch vor einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten anrufen konnte – und das führte zu erstaunlichen Ergebnissen bei den Verhandlungen selbst, weil Trump bereit war, jeden Unsinn zu glauben, den Putin ihm erzählte.

Es gab Situationen, in denen Trump unmittelbar nach einem Treffen mit Zelensky und europäischen Staats- und Regierungschefs mit Putin sprach – und es dem russischen Präsidenten gelang, die Ergebnisse jener Vereinbarungen zunichtezumachen, die der amerikanische Präsident mit dem Präsidenten der Ukraine und den Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitgliedstaaten erzielt hatte.

Nun sind jedoch bereits mehrere Tage vergangen, und im Weißen Haus scheint man kein besonderes Interesse daran zu haben, mit Putin zu sprechen. Dabei hatte Trump vor den Gesprächen mit Zelensky erklärt, er wolle unmittelbar nach dem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten mit dem russischen Staatschef telefonieren.

Wie wir sehen, könnte das Treffen mit Zelensky Trump davon überzeugt haben, dass es zumindest in den nächsten Tagen nicht notwendig ist, mit Putin zu sprechen, sondern dass man vielmehr darüber nachdenken sollte, die ukrainischen Angriffe tief im russischen Hinterland zu verstärken. Darüber sprachen beim Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine sowohl Trump selbst als auch der amerikanische Außenminister Marco Rubio, der endlich die Möglichkeit erhalten hat, genau die Außenpolitik zu betreiben, die ihm entspricht – eine Außenpolitik, die auf die Schwächung der russischen Positionen und den Zusammenbruch der russischen Wirtschaft abzielt, den sich natürlich jede amerikanische Regierung wünscht, insbesondere seit die Vereinigten Staaten und die Russische Föderation auf dem Energiemarkt miteinander konkurrieren.

Natürlich muss Trump es in dieser Situation nicht eilig haben, mit dem russischen Präsidenten zu sprechen, sondern kann beobachten, wie russische Ölraffinerien brennen. Es sind nicht einfach Fabriken eines Aggressorstaates, sondern auch Fabriken eines Konkurrenzstaates. Und diese Logik versteht Trump sogar besser als die Logik des russisch-ukrainischen Krieges. Denn jede ukrainische Drohne, die die Entwicklungsperspektiven der russischen Wirtschaft für viele Jahre zerstört, ist ein echtes Geschenk des ukrainischen Volkes an die Vereinigten Staaten von Amerika.

Putin sucht heute also weniger nach einem Ende des Krieges. Ich bin vielmehr der Auffassung, dass der russische Präsident keine einzige Minute über ein Ende des Krieges nachdenkt. Vielmehr sucht er nach einem Zugang zu seinem amerikanischen Amtskollegen, um ihn davon zu überzeugen, dass nur Druck auf Kyiv die Lage in diesem Krieg verändern könne, den Putin weiterhin gegen unseren Staat führt.

Nicht umsonst riet der Pressesprecher des russischen Präsidenten den Journalisten auf die Frage, was getan werden könne, um die Zerstörung der russischen Infrastruktur zu stoppen, sich an das Weiße Haus zu wenden, damit gerade der amerikanische Präsident den ukrainischen davon abhält, die Wirtschaft der Russischen Föderation und die Zukunft dieses aggressiven und unberechenbaren Landes weiter zu zerstören – eines Landes, das immer mehr einer gewöhnlichen abscheulichen Terrororganisation unter der Trikolore ähnelt.

Deshalb wird Putin über Verhandlungen sprechen müssen. Die Frage ist nur, inwieweit man heute im Weißen Haus bereit ist, überhaupt über einen Verhandlungsprozess zu sprechen, der keine konkreten Ergebnisse verspricht.

Denn inzwischen ist offensichtlich, dass der amerikanische Präsident – umso mehr vor dem Hintergrund der anhaltenden Iran-Krise – von seinem russischen Amtskollegen keine Gespräche und keine Versprechungen gegenüber den Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff und Jared Kushner, erwartet, sondern konkrete Taten, die Putins Bereitschaft zeigen würden, den grausamen Krieg, den der russische Diktator gegen den Nachbarstaat führt, zumindest auszusetzen.

Ja, es geht um Trumps ursprünglichen Wunsch, den Krieg entlang der Frontlinie einzufrieren. Doch genau darin liegt das Problem: Der russische Machthaber ist bereit zu signalisieren, dass er an den Verhandlungstisch zurückkehren will, aber überhaupt nicht bereit, mit dem Töten und Schießen, Bombardieren und Plündern aufzuhören – also mit all dem, was seit den Zeiten des Moskauer Fürstentums und den ersten historischen Verbrechen der hinterlistigen Moskauer Fürsten, die später zu verbrecherischen russischen Zaren, abscheulichen sowjetischen Generalsekretären und schließlich zu Putin als Erben dieser gesamten verbrecherischen Tradition wurden, den eigentlichen Sinn der Existenz des russischen Staates ausmacht.

Und solange Putin hofft, der Ukraine seinen Willen mit Gewalt aufzwingen zu können, wird er natürlich nicht aufhören – auch wenn er vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Zusammenbruchs der Russischen Föderation immer häufiger von seiner Bereitschaft sprechen wird, zu Verhandlungen mit uns zurückzukehren.


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Titel des Originals: Путін знову хоче перемовин | Віталій
Портников. 10.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 10.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump hat Putin verwirrt | Vitaly Portnikov. 10.07.2026.

Offenbar ist man im Kreml von den jüngsten Äußerungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, zum russisch-ukrainischen Krieg überrascht, zugleich aber nicht bereit, einen ernsthaften Konflikt mit dem Hausherrn des Oval Office zu riskieren.

Trump hatte bekanntlich nach seinem Gespräch mit Volodymyr Zelensky angekündigt, den russischen Präsidenten anzurufen. Doch Putin wartete vergeblich auf diesen Anruf. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow betonte jedoch, Trump sei offenbar sehr beschäftigt gewesen und habe deshalb keine Zeit für seinen Chef gefunden. Im Kreml sei man aber jederzeit zu einem Dialog mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten bereit.

Eine weitere Erklärung, die im Kreml auf offensichtliches Unverständnis stieß, war die Tatsache, dass der amerikanische Präsident gemeinsam mit anderen Vertretern seiner Administration die ukrainischen Angriffe auf russische Ölraffinerien und Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes faktisch unterstützte. Peskow weigerte sich jedoch, diese Haltung des amerikanischen Präsidenten als Eskalation zu bezeichnen. Er betonte, es handle sich lediglich um einen Irrtum des Präsidenten der Vereinigten Staaten – ebenso wie dessen Auffassung, militärischer Druck auf die Russische Föderation werde zu einer Lösung des Konflikts um die Ukraine beitragen.

Eine weitere Äußerung des amerikanischen Präsidenten, die in Moskau für Verärgerung sorgt, betrifft Trumps Aussage, er habe mit Zelensky über eine mögliche Schließung des ukrainischen Luftraums gesprochen – allerdings offenbar erst nach dem Ende der Kampfhandlungen. „Es hatte niemand darüber gesprochen, den ukrainischen Luftraum bereits vor dem Ende der Kampfhandlungen zu schließen“, betonte Peskow. Er erinnerte daran, dass die Schließung des Luftraums über der Ukraine den Einsatz von Streitkräften der NATO-Mitgliedstaaten voraussetze – und genau dagegen werde die sogenannte militärische Spezialoperation geführt.

Auch das ist, wie ich sagen würde, eine neue Charakterisierung der russischen Handlungen. Bisher dachten wir, die militärische Spezialoperation werde geführt, um der Bevölkerung des Donbas zu helfen oder die Ukrainer von der Herrschaft der sogenannten Nazis zu befreien. Nun stellt sich heraus, dass es in Wirklichkeit darum geht, den Einsatz der Luftstreitkräfte der NATO-Mitgliedstaaten im ukrainischen Luftraum zu verhindern.

Natürlich hat man in Moskau auch bemerkt, dass die Vereinigten Staaten die Ukraine weiterhin mit Waffen beliefern. Die einzige Reaktion des Kremls lautet, dass man dies in Moskau nicht durch die rosarote Brille betrachten werde. Gleichzeitig werde man jedoch den Umstand zur Kenntnis nehmen, dass die Amerikaner bereit seien, der Ukraine Waffen zu liefern und zugleich den Friedensprozess zu fördern. Auch das ist ein weiterer Versuch, gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

Mit anderen Worten: „Obwohl die Vereinigten Staaten den Ukrainern dabei helfen, russische Soldaten sowie russische Einrichtungen des Ölraffinerie- und militärisch-industriellen Komplexes zu zerstören, werden wir dennoch davon ausgehen, dass Trump Friedensbemühungen unternimmt“, weil man einen offenen Streit mit dem amerikanischen Präsidenten fürchtet.

Peskow versprach außerdem, dass die Pufferzone an der russisch-ukrainischen Grenze umso größer werde, je länger Kyiv Angriffe auf die Russische Föderation ausführe. Dementsprechend werde sich auch die Dauer der sogenannten militärischen Spezialoperation verlängern.

Diese Worte des Pressesprechers des russischen Präsidenten bestätigen im Grunde die heute von der Nachrichtenagentur Reuters verbreitete Information, wonach Präsident Putin entschlossen ist, den Krieg fortzusetzen. Er habe die Vorschläge jener Berater zurückgewiesen, die empfohlen hatten, die Kampfhandlungen entlang der Frontlinie in den Gebieten Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja einzustellen.

Putin hofft weiterhin, dass seine Truppen das gesamte Gebiet der Region Donezk erobern können, und bereitet neue Maßnahmen im Zusammenhang mit einer Mobilisierung in Russland vor. Wir verstehen jedoch sehr gut, dass die Äußerungen Donald Trumps die Stimmung des russischen Präsidenten zumindest teilweise verändern. Denn neben der Möglichkeit, die sogenannte Spezialoperation fortzusetzen, muss Putin nun auch den Faktor berücksichtigen, dass die Vereinigten Staaten bereit sein werden, der Ukraine weiterhin im Kampf gegen die russische Aggression zu helfen – die ukrainischen Möglichkeiten zur Vernichtung russischer Soldaten, die sich weiterhin auf ukrainischem Boden befinden, sowie zur Zerstörung russischer Ölraffinerien, Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes und der russischen Infrastruktur auszubauen – sowohl in den besetzten ukrainischen Gebieten als auch auf dem gesamten Territorium der Russischen Föderation, inzwischen sogar jenseits des Urals in Sibirien, wie es beim inzwischen stillgelegten Ölraffineriewerk in Omsk der Fall war.

Das könnte die Pläne des russischen Präsidenten für einen langen Krieg natürlich verändern – einfach deshalb, weil Putin dann weder über die notwendigen Ressourcen noch über genügend Geld und Menschen verfügen würde, um einen jahrelangen Krieg zur Eroberung des ukrainischen Donbas zu führen.

Deshalb wird man im Kreml nun natürlich alles daransetzen, Trump irgendwie davon zu überzeugen, dass seine während der Gespräche mit dem ukrainischen Präsidenten vertretene Position falsch gewesen sei und dass der amerikanische Präsident nach Wegen suchen sollte, sich mit seinem russischen Kollegen zu verständigen. Dieser ist bekanntlich zu jedem Kompliment gegenüber seinem amerikanischen Amtskollegen bereit – solange er den Krieg gegen unser Land gewissermaßen zu Vorzugsbedingungen fortsetzen kann.

Es könnte jedoch ebenso sein, dass Donald Trump:

  • erstens Putins Komplimente inzwischen leid ist, weil sie von keinerlei konkreten Zugeständnissen des Präsidenten der Russischen Föderation begleitet werden;
  • zweitens erkennt, dass die Ukraine tatsächlich in der Lage ist, das Ölraffinerie- und Ölpotenzial der Russischen Föderation zu zerstören – was den amerikanischen Interessen in einer Zeit entspricht, in der kein intensiver Krieg mit dem Iran stattfindet;
  • drittens begreift, dass die Zerstörung des russischen Militärpotenzials und die Erfolge der Ukraine im Krieg gegen die Russische Föderation nicht nur den Erwartungen der demokratischen, sondern auch der republikanischen Wählerschaft in den Vereinigten Staaten entsprechen. Somit könnten die Demütigung Russlands und Maßnahmen, die zur Niederlage eines der abscheulichsten Staaten der heutigen Welt führen sollen, den Republikanern zumindest helfen, ihre Positionen bei den schwierigen Kongresswahlen im Herbst dieses Jahres zu verbessern – auch wenn die Ukraine-Frage im laufenden amerikanischen Wahlkampf nicht zu den wichtigsten Themen gehört.

Unter diesen Umständen wird es für Putin nicht leicht sein, Trump zu überzeugen. Zumal der amerikanische Präsident ihn nicht einmal anruft.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп спантеличив Путіна | Віталій
Портников. 10.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 10.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump–Zelensky: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 08.06.2026.

Diese unsere Sendung wird dem für die Ukraine wichtigsten Ereignis gewidmet sein – man kann sagen, nicht einmal nur des heutigen Tages, sondern der letzten Wochen, vielleicht sogar Monate: dem Treffen des Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump während des Gipfels des Nordatlantischen Bündnisses in Ankara. Und das vor dem Hintergrund, wie Sie wissen, schwerer ballistischer Angriffe der Russischen Föderation auf Kyiv und andere ukrainische Regionen, vor dem Hintergrund der weitreichenden Schläge der Ukraine gegen wichtige Ölraffinerie- und Militärobjekte der Russischen Föderation.

Und man kann sagen, dass wir eine gewisse Eskalation des russisch-ukrainischen Krieges beobachten, eine Eskalation vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts. Und dieser Konflikt wirkt sich ziemlich ernsthaft auf unsere Verteidigungsfähigkeit aus, denn wir haben die letzten Überflüge russischer ballistischer Raketen über der ukrainischen Hauptstadt gesehen, als es praktisch schon nichts mehr gab, womit man sie hätte abschießen können. Deshalb galt diesem Treffen eine solche Aufmerksamkeit.

Ich möchte Sie erneut daran erinnern, dass dies seit langer Zeit das erste koordinierte, geplante Treffen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine ist. Das Treffen, das buchstäblich vor einigen Wochen stattfand, das Treffen in Évian beim G7-Gipfel, war ein Treffen am Rande, das, kann man sagen, in aller Eile vom Präsidenten der Französischen Republik Emmanuel Macron organisiert wurde, nachdem der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky erfahren hatte, dass kein Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten geplant war. Damals fand ein Dreiertreffen zwischen den Präsidenten der Ukraine, der Vereinigten Staaten und Frankreichs statt, später auch ein bilaterales Treffen zwischen der amerikanischen und der ukrainischen Delegation. Aber das war eben ein sogenanntes Treffen am Rande, das sich von jenen Treffen unterschied, die Donald Trump damals mit anderen Staatsoberhäuptern hatte.

Worin unterscheidet sich ein solches Treffen vom anderen? Darin, dass ein geplantes Treffen sorgfältig vorbereitet wird, dass die Teams der Präsidenten im Voraus an der Vorbereitung dieses Treffens beteiligt sind, dass genau jene Fragen besprochen werden, die nicht einfach während der Diskussion zwischen den Präsidenten auftauchen, sondern zuvor von ihren Beratern durchgearbeitet werden, damit die Präsidenten grundsätzlich verstehen, womit sie rechnen können und was sie versprechen können und was sie nicht versprechen können. Aus dieser Sicht kann man das heutige Treffen natürlich, zumindest den Worten nach, als sehr wichtig und als ergebnisreich betrachten.

Nun zu den wichtigsten Punkten, über die man gleich zu Beginn unseres Gesprächs sprechen muss.

Der erste Punkt ist, dass Donald Trump betonte, die Vereinigten Staaten könnten der Ukraine eine Lizenz zur Produktion von Raketen für Patriot-Batterien erteilen. Für uns ist das, wie Sie verstehen, eine dringende Frage, denn bei Raketen für Patriot-Batterien ist nach dem amerikanisch-iranischen Krieg ein offensichtlicher Mangel entstanden, nachdem das amerikanische Militär sie in unglaublicher Menge eingesetzt hatte und mit diesen Raketen nicht nur iranische ballistische Raketen zerstörte, sondern möglicherweise auch andere militärische Technik, mit der die Iraner Militärobjekte der Vereinigten Staaten und der Staaten des Persischen Golfs angriffen, vielleicht sogar Drohnen.

Und ein solcher Umgang mit den extrem teuren Patriot-Raketen hat eine ernste Lücke in ihren Beständen in den Vereinigten Staaten selbst geschaffen. Hinzu kommt, wie Sie verstehen, dass es jetzt eine riesige Warteschlange für diese Raketen unter den Verbündeten der Vereinigten Staaten gibt. Dazu gehören Israel, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Länder des Persischen Golfs, und nicht nur sie. Denn selbst Länder wie Japan, die Patriot-Raketen in Lizenz herstellen, aber in sehr kleiner Stückzahl, können angesichts der Bedrohung durch die Volksrepublik China ebenfalls an einer größeren Menge interessiert sein. Und Taiwan ebenso.

Sie sehen ja, dass derzeit, kann man sagen, Destabilisierung und Eskalation in der ganzen Welt stattfinden. Das ist die Zeit vor dem Dritten Weltkrieg, der vielleicht nicht beginnt, aber das Gefühl ist überall so. Und wenn dieses Gefühl vorhanden ist, dann braucht man Raketenabwehr gegen ballistische Raketen. Umso mehr, als ballistische Raketen heute sowohl von der Russischen Föderation als auch vom Iran und von anderen Ländern, die zu einer militärischen Konfrontation mit der zivilisierten Welt bereit sind, in Mengen produziert werden, die die Möglichkeiten zur Herstellung antiballistischer Raketen deutlich übersteigen.

Deshalb ist es in dieser Situation natürlich notwendig, dass die Ukraine die Möglichkeit hat, ihre eigene Raketenabwehr gegen ballistische Raketen zu produzieren, insbesondere Raketen für Patriot-Systeme. Und natürlich ist es wichtig, dass auch Europa solche Raketen produzieren kann, aber beginnen wir zunächst mit der Ukraine.

Die Frage, ob die Vereinigten Staaten bereit sein würden, der Ukraine solche Möglichkeiten zu geben, lag in der Luft. Darüber sprach der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky vor dem NATO-Gipfel, insbesondere in seiner gestrigen Rede auf dem Forum für Verteidigungstechnologien. Diejenigen, die meinen Kanal sehen, konnten die Besprechung dieser Rede verfolgen und wissen, dass dies ebenfalls der wichtigste Aspekt der Rede Volodymyr Zelenskys auf diesem Forum war.

Dieses Ergebnis gibt es also. Hoffen wir, dass es konkretisiert wird, aber grundsätzlich reicht eine solche Erklärung des Präsidenten der Vereinigten Staaten aus, damit die amerikanische Bürokratie zu arbeiten beginnt.

Der zweite Punkt ist, dass Putin nicht auf großes Mitgefühl Trumps wegen weitreichender Schläge gegen die Russische Föderation hoffen kann. Trump hat unsere Schläge, deren Ziel es ist, die russische Wirtschaft in die Knie zu zwingen und der Russischen Föderation ihr Ölraffineriepotenzial, ihre Militärfabriken sowie ihre Ölhäfen, über die Öl transportiert wird, zu nehmen, positiv aufgenommen. Das heißt, alle möglichen Bedingungen für den Zusammenbruch der russischen Wirtschaft zu schaffen und die Russische Föderation in ein Land zu verwandeln, in dem es nicht einmal mehr möglich sein wird, Krieg zu führen, sondern auch unter den Bedingungen einer schweren Wirtschaftskrise normal zu existieren.

Ich meine, gerade diesen Zusammenbruch der russischen Wirtschaft, des sozialen Bereichs und des militärisch-industriellen Komplexes muss man im Rahmen der Regelung des russisch-ukrainischen Krieges anstreben. Denn ein armes Russland, ein Russland, in dem die Menschen nach Möglichkeiten suchen, zu überleben, ist ein friedliches Russland. Ein reiches Russland ist ein aggressives Russland. Das muss eine klare Formel sein.

Wir sehen: Sobald Russland reich wird, gibt es Geld dafür aus, zu töten, zu zerstören, zu stehlen, zu vergewaltigen. Also muss unser Kurs auf ein armes, hilfloses Russland beibehalten werden. Und der Präsident der Vereinigten Staaten sagt, dass eine solche Eskalation eine wichtige Voraussetzung für das Ende des russisch-ukrainischen Krieges ist. Auch das hat er bereits verstanden.

Diesen Worten des amerikanischen Präsidenten schloss sich übrigens auch der Außenminister der Vereinigten Staaten Marco Rubio an, der ebenfalls sagte, dass weitreichende Schläge der Ukraine gegen Russland zur Beendigung des Krieges beitragen.

Hier muss man ebenfalls verstehen, dass Menschen in solchen Situationen eine echte Möglichkeit bekommen, das zu sagen, was sie wirklich denken. Marco Rubio war, als er Senator war, einer der wirklichen Falken in der amerikanischen Außenpolitik gegenüber der Russischen Föderation und anderen aggressiven terroristischen Organisationen der heutigen Welt. Er war ein Verbündeter des verstorbenen Senators John McCain, der ein aufrichtiger Freund der Ukraine war und ebenfalls Anstrengungen unternahm, um zur Degeneration der russischen Wirtschaft beizutragen.

Nachdem Marco Rubio jedoch begann, in der engsten Umgebung Donald Trumps Karriere zu machen – was in der heutigen Republikanischen Partei Karriere machen bedeutet –, wurde er natürlich in seinen Aussagen gegenüber Moskau viel vorsichtiger, da er die Prioritäten des amerikanischen Präsidenten kannte.

Jetzt, da Trump seine Position vor unseren Augen ändert, kann Rubio sich erlauben, das zu sagen, was er in der Situation des russisch-ukrainischen Krieges für notwendig hält. Und wir sehen, dass er ein aufrichtiger Unterstützer weiterer Schläge gegen Russland ist.

Der dritte Punkt, der ebenfalls ziemlich wichtig ist: Trump besteht weiterhin darauf, dass der russisch-ukrainische Krieg beendet werden muss und dass dafür Anstrengungen unternommen werden müssen. Aber er verlangt von der Ukraine keine demütigenden Zugeständnisse, über die man im Kreml weiter spricht.

Zwar fiel heute der Satz über eine Reise nach Moskau, aber dieser Satz wurde unerwartet zu einem echten Meme. Man muss Volodymyr Zelenskys Schlagfertigkeit anerkennen. Denn auf Donald Trumps Frage, ob er bereit sei, nach Moskau zu reisen, antwortete der ukrainische Präsident sofort, dort sei es gefährlich, weil viele ukrainische Drohnen am Himmel seien, und es sei doch besser irgendwo in Europa.

Man kann sich vorstellen, in welche Raserei diese Worte den Präsidenten der Russischen Föderation Putin und sein engstes Umfeld versetzen werden. Denn der ukrainische Präsident hat den russischen Machthaber buchstäblich verspottet, ungeachtet der Fortsetzung all jener terroristischen Handlungen, zu denen Putin greift, um die Ukrainer einzuschüchtern und sie zur Kapitulation vor Moskau zu zwingen. Jetzt wird das natürlich vor dem Hintergrund dieses Treffens schwieriger werden. Das ist also der dritte wichtige Punkt bei diesem Treffen.

Ebenfalls wichtig ist, dass wir von Donald Trump Komplimente an Volodymyr Zelensky hörten. Worte darüber, dass er seit ihrem Treffen im Oval Office bis heute gute Beziehungen zu Zelensky aufgebaut habe.

Nun, wir alle erinnern uns sehr gut daran, was im Oval Office geschah, als Donald Trump und Volodymyr Zelensky dort zum ersten Mal gemeinsam auftraten. Ich meine, was dort für ein ungeheurer Skandal ausbrach und wie wir uns damals wegen des russisch-ukrainischen Krieges und der amerikanisch-ukrainischen Beziehungen sorgten.

Jetzt verhält sich Trump, wie Sie sehen, völlig ruhig dazu. Mehr noch, er erwähnt die Interessen der Vereinigten Staaten aus der Sicht der Entwicklung der Beziehungen zur Ukraine, erwähnt die seltenen Erden. Wie wir sehen, hat er dieses Abkommen noch nicht vergessen. Er sagt, Zelensky werde ein großartiges Land aufbauen. Und ich verstehe das so, dass es in Trumps Vorstellung praktisch unmöglich ist, ein großartiges Land ohne amerikanische Investitionen aufzubauen.

Das ist also im Prinzip eine Reaktion, die, würde ich sagen, davon zeugt, dass Trump dem ukrainischen Präsidenten und dem ukrainischen Staat mit deutlich mehr Respekt begegnet als noch vor einem Jahr. Hier haben Sie eine deutliche Bestätigung der Tatsache, dass man, um mit dem amerikanischen Präsidenten normale Beziehungen aufzubauen, keineswegs auf jeden seiner Köder eingehen muss. Auch das muss man klar verstehen.

Und noch ein Punkt, über den man in dieser Situation sprechen muss: Trump schloss sogar seine Reise nach Kyiv nicht aus. Ja, er sagte, er wisse nicht, wie sein Secret Service darauf reagieren werde, und dass er sehr gerne hätte, dass alles schnell zu Ende gehe. Und wir verstehen, dass man kaum mit seiner Ankunft in der ukrainischen Hauptstadt während einer ballistischen Bedrohung rechnen sollte.

Gleichzeitig müssen wir aber klar begreifen, dass allein die Tatsache, dass Trump bereits über eine Reise nach Kyiv, in die Ukraine, nicht mehr als über etwas Unerreichbares spricht, ebenfalls von einer Änderung seiner Haltung zum russisch-ukrainischen Krieg und zur Ukraine als solcher zeugt.

Vielleicht erinnern Sie sich, dass er früher nach Moskau reisen wollte. Und diese Reise hat, wie Sie sehen, nicht stattgefunden, und kaum werden wir den amerikanischen Präsidenten in nächster Zeit – noch dazu nach solchen Worten, noch dazu nachdem Trump die Schläge gegen russische Fabriken gutgeheißen hat – im Kreml sehen.

Und noch ein Punkt, über den ich vor dem Hintergrund dieses Treffens der amerikanischen und ukrainischen Präsidenten sprechen möchte. Trump will den Präsidenten der Russischen Föderation anrufen, um ihm von diesem Treffen zu erzählen. Nun werden wir sehen, wie Putin reagieren wird und wie er das Gespräch zwischen Zelensky und Trump sowie die Worte des amerikanischen Präsidenten aufnehmen wird, dass weitreichende Schläge gegen Russland dazu beitragen, den Krieg zu beenden; dass die Amerikaner nun das Ende des Krieges nicht mehr durch Zugeständnisse an die blutige russische Führung und ihre ganze Bande erreichen wollen, sondern durch weitreichende Schläge – und dass sie sogar bereit sind, die Ukraine dabei zu unterstützen, wie Marco Rubio heute erneut erklärte.

Natürlich sollte man nicht meinen, ein einziges Treffen habe stattgefunden und nun sei alles entschieden und erledigt. Aus dem einfachen Grund, dass, wie Sie verstehen, auch der Hintergrund dessen, was in der Welt geschieht, für den russisch-ukrainischen Krieg und für unsere Suche nach Wegen zum Frieden schwierig ist.

Heute sprach der Präsident der Vereinigten Staaten erneut über die Verschlechterung der Beziehungen zum Iran, darüber, dass er schwere Schläge gegen den Iran führen könne, und darüber, dass sie realen Friedensvereinbarungen ausweichen. Und das noch bevor die 60 Tage abgelaufen sind, die für die Suche nach Wegen zu einem Friedensabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran vorgesehen waren.

Und wir verstehen, warum das alles geschieht. Weil Trump einfach beschlossen hat, ernsthaft auf die Bombardierung von Tankern in der Straße von Hormus durch den Iran zu reagieren. Der Iran sagt, sie folgten angeblich einer nicht abgestimmten Route, während Trump daraus den Schluss zieht, dass der Iran einfach versucht, die Menge des Öls, das durch die Meerenge fließt, zu begrenzen und diese Menge zu kontrollieren.

Aber Sie verstehen ja, dass diese ganze Situation erneut zu einer großen Konfrontation führen kann. Und worüber sprechen wir im Grunde? Darüber, dass das Gespräch zwischen Trump und Zelensky vor dem Hintergrund eines erheblichen Rückgangs des Ölpreises stattfindet, auch des russischen Öls, und dieser liegt unter dem Preis, der im russischen Haushalt eingeplant ist. Es kann aber sein, dass am Tag nach einem weiteren Schlag der Vereinigten Staaten gegen den Iran und einem weiteren Schlag Irans gegen die Länder des Persischen Golfs und der Schließung der Straße von Hormus der Ölpreis wieder steigt. Und das würde Russland die Möglichkeit geben, sein Öl teurer zu verkaufen.

Nun noch ein weiterer Punkt. Die Vereinigten Staaten haben die Lizenz widerrufen, die Indien und anderen Ländern des globalen Südens erlaubte, russisches Öl zu kaufen. Und Russland bringt jetzt eine riesige Menge seines Öls, eine beispiellos große Menge, mit Tankern aufs Meer, kann dieses Öl aber nicht verkaufen. Wenn sich die Ölsituation in der Welt jedoch erneut verschlechtert, schließe ich keineswegs aus, dass das Finanzministerium der Vereinigten Staaten selbst nach diesem Gespräch mit Zelensky Indien und anderen Ländern des globalen Südens wieder erlauben wird, russisches Öl zu kaufen, um irgendwie das Ölgleichgewicht zu stützen. Und Russland wird beginnen, jenes Öl zu verkaufen, das es aufs Meer gebracht hat – offensichtlich in Erwartung einer neuen Eskalation im Nahen Osten und möglicherweise auch in der Erwartung, dass diese Eskalation dem Iran helfen soll.

Wir erinnern uns doch noch an die Konsultationen Moskau–Teheran auf der Linie: Wie schlagen wir am besten gegen Trumps Interessen zu? Das geschieht im Nonstop-Modus. Und dann erhält Russland, würde ich sagen, weitere neue, ungeplante Dutzende Milliarden Dollar – oder vielleicht auch geplante, vielleicht beteiligt sich Russland aktiv an der Eskalation. Und das wäre wiederum eine andere Situation, denn Putin ohne Geld und Putin mit zusätzlichem Geld sind zwei verschiedene Putins. Sie sprechen unterschiedlich mit Trump. Es braucht nicht einmal Doppelgänger, es braucht den Preis.

Denn, noch einmal, wir kennen die wunderbare Logik der Existenz des russischen Regimes. Wenn die Ölpreise hoch sind, gibt es ein bestimmtes Verhalten; wenn die Ölpreise niedrig sind, ein anderes Verhalten. Je höher der Ölpreis steigt, desto größer sind die Aggressivität und die Bereitschaft, so viele Jahre Krieg zu führen, wie es Putin und seiner Gang gefällt.

Obwohl das jetzt trotzdem nicht alles entscheidet, denn selbst wenn Sie einen hohen Ölpreis haben, aber unter den Bedingungen von Schlägen gegen die Ölraffinerien keine Funktionen staatlicher Verwaltung mehr ausüben können und Sie trotzdem eine Krise haben, dann trägt das offensichtlich nicht dazu bei, die Situation in eine für Sie positive Richtung weiterzuentwickeln. Aber so oder so denke ich, dass man diese Geschichte mit Öl, Ölraffinerien, Iran und den Vereinigten Staaten berücksichtigen muss.

Nun zur Abschlusserklärung in Ankara, die alle gebilligt haben. In dieser Erklärung heißt es ebenfalls, dass Russland eine langfristige Bedrohung für das Euro-Atlantische Bündnis ist. Es wird betont, dass die Verbündeten zur Abwehr der langfristigen Bedrohung durch Russland und des Terrorismus – das wird hier verbunden – ihre Verteidigungsausgaben erhöhen, ihre industrielle Basis stärken und neue militärische Beschaffungen im Wert von mehr als 50 Milliarden Dollar ankündigen.

Die NATO wird modernisiert werden, die europäischen Verbündeten und Kanada werden mehr Verantwortung übernehmen, und das Bündnis wird seine nuklearen, Raketen-, Weltraum-, Cyber- und KI-Fähigkeiten entwickeln.

Die NATO bestätigt ihre Unterstützung für die Ukraine – das ist für uns neben der Erklärung Russlands und des Terrorismus zur Bedrohung der wichtigste Punkt – und verspricht, im Jahr 2026 70 Milliarden Euro für militärische Ausrüstung, Hilfe und Ausbildung bereitzustellen und auch 2027 ungefähr dasselbe Unterstützungsniveau beizubehalten. Ebenfalls, würde ich sagen, eine unangenehme Nachricht für den Kreml: Ihr könnt euren Krieg gegen die Ukraine für 2027 planen.

Wir verstehen, dass die russische politische Führung solche Pläne hat, da sollte man sich ebenfalls keine Illusionen machen. Aber auch die NATO ist bereit, die Ukraine 2027 auf einem, würde ich sagen, ziemlich ernsten Niveau finanzieller Unterstützung zu unterstützen. Das ist also ein wichtiger Punkt, über den man sprechen muss. Und gerade deshalb betonte NATO-Generalsekretär Mark Rutte in seiner Abschlussrede auf dem Gipfel, dass er fest daran glaube, dass man im 21. Jahrhundert kein anderes Land angreifen sollte, wie es die Russen mit der Ukraine getan haben.

Es ist ein Wahnsinn, so etwas zu tun. Das ist ein Szenario des 19. oder 20. Jahrhunderts. Und wir tun so etwas in erwachsenen Demokratien im 21. Jahrhundert nicht mehr. Das ist also ein völlig offensichtlicher Punkt.

Und Rutte betonte: Im 16. und 17. Jahrhundert musste man, wenn man Politiker war, sicherstellen, ob es genug Brot gab. Im 21. Jahrhundert sollte man sicherstellen, ob es genug Benzin gibt. Ein absolut konkreter, würde ich sagen, Hinweis auf den Benzinmangel in Russland und ein Appell an jeden jungen Russen, der die Pressekonferenz des Chefs des wichtigsten Verteidigungsbündnisses der zivilisierten Welt hört: „Wenn Sie erwägen, sich an den Kampfhandlungen zu beteiligen, denken Sie noch einmal nach. Sie könnten einer jener 30.000 bis 35.000 Menschen in diesem Monat, im nächsten Monat sein“ – gemeint sind getötete Menschen –, „weil Ihrem Präsidenten Ihr Leben gleichgültig ist.“

Das sind also die Worte des NATO-Chefs, die grundsätzlich von der allgemeinen Linie des Bündnisses sprechen, verbunden mit dem, was in den Beziehungen des Bündnisses zur Ukraine und in seiner Haltung zum russisch-ukrainischen Krieg geschieht. Und ich halte das, wie Sie verstehen, für ein gutes Ergebnis.

Wenn man noch die Situation berücksichtigt, die sich jetzt in der Ukraine entwickelt: Wir sprechen mit Ihnen vor dem Hintergrund eines Krieges, der nicht einfach irgendwo hinter dem Horizont stattfindet. Er geht weiter. Er geht vor unseren Augen weiter. Gerade jetzt ist eine Schahed-Drohne, die über Kyiv am linken Ufer abstürzte, abgeschossen worden, und sie stürzte auf ein Hochhaus. Es gibt Schäden. Es wird von drei Toten in der ukrainischen Hauptstadt während des heutigen Tagesangriffs berichtet.

Mein aufrichtiges Beileid den Angehörigen der neuen Opfer dieses absolut brutalen, grundlosen russischen Angriffs auf ukrainische Städte, auf Kyiv.

Ich werde auf einen Teil der Fragen antworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Sind Trumps Aussagen über die Erteilung einer Lizenz an die Ukraine zur Produktion von Patriot-Systemen beachtenswert? Oder ist das nur eine Botschaft an proukrainische Wähler der Republikanischen Partei vor den Herbstwahlen?

Portnikov. Natürlich sind diese Aussagen des Präsidenten der Vereinigten Staaten beachtenswert. Das ist etwas, was wir von den Vereinigten Staaten seit langen Monaten, wenn nicht Jahren, erreichen wollten: dass man uns die Möglichkeit gibt, eine Lizenz zur Produktion von Patriots zu erhalten. Sie sind wie der biblische Thomas, verstehen Sie, der nicht glaubt, was er vor seinen eigenen Augen sieht. Wenn wir diese Lizenz wollten, unsere Diplomatie daran gearbeitet hat, unsere Führung daran gearbeitet hat, der Präsident der Ukraine ständig darüber gesprochen hat und der Präsident der Vereinigten Staaten schließlich Ja sagt – ist das beachtenswert oder nicht?

Außerdem, entschuldigen Sie, bis zu den Wahlen in den Vereinigten Staaten sind noch einige Monate. Und wenn diese Entscheidung umgesetzt wird – Trump sagt ja überhaupt, er meine, das könne schnell gemacht werden –, dann ist das eine Geschichte. Wenn nach den Worten des Präsidenten der Vereinigten Staaten nichts geschieht, ist das, wie Sie verstehen, ein Grund zu fragen, warum das Versprechen nicht erfüllt wird. Es ist noch schlimmer, ein solches Versprechen zu geben und es nicht zu erfüllen.

Ich erinnere daran, dass wir viele Dinge, um die wir baten und von denen wir glaubten, sie seien schon in unserer Tasche, nicht erhalten haben, aber niemand sagte, dass es so sein werde. Trump sagte: „Ich werde die Frage prüfen. Ich werde die Frage der Lieferung von Tomahawks prüfen. Ich werde die Frage der Lieferung von Patriots prüfen. Ich werde prüfen, ob eine Lizenz gegeben werden soll.“ Und dann stellte sich heraus, dass nach der Prüfung eine negative Antwort beschlossen wurde. Jetzt ist die Antwort positiv. Warum dem Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht für diese positive Antwort danken und erwarten, dass sie umgesetzt wird?

Frage. Glauben Sie, dass die jüngsten Entscheidungen über die Zulassung russischer Fußballmannschaften und Russlands zu den Olympischen Spielen mit Donald Trump und seinem Druck auf FIFA und IOC zusammenhängen?

Portnikov. Nein, ich glaube nicht, dass Donald Trump damit etwas zu tun hat. Das sind völlig offensichtliche, planmäßige Bemühungen Russlands und seiner Lobbyisten in verschiedenen Sportorganisationen und den Machtstrukturen des Sports, die russische Teilnahme am Sport zu normalisieren und den Sport sozusagen von der Politik zu trennen – was für mich absoluter Zynismus ist.

Aber die Russen machen so etwas ja nicht zum ersten Mal. Ich erinnere Sie daran, dass es vor 2022 eine sehr ähnliche Situation mit der Teilnahme Russlands an der Parlamentarischen Versammlung des Europarates gab. Gegen sie wurden Sanktionen verhängt, was ihren Ausschluss aus der Versammlung oder aus dem Europarat als solchem nicht bedeutete, sondern bestimmte Stimmrechte, die Teilnahme an der Bildung regionaler Gremien der Organisation sowie die Ernennung auf führende Positionen einschränkte – also Einschränkungen ihrer Tätigkeit.

Die russischen Abgeordneten konnten jedoch völlig problemlos zu den Sitzungen der Parlamentarischen Versammlung des Europarates reisen und dort ihre ganze unsinnige Propaganda verbreiten.

Die Russen erklärten sofort, dass sie überhaupt nicht teilnehmen würden, solange die Sanktionen gegen sie nicht vollständig aufgehoben würden. Besuche der Vorsitzenden der Parlamentarischen Versammlung des Europarates in Moskau endeten damit, dass die Vorsitzenden der Föderationsversammlung der Russischen Föderation – Matwijenko, Naryschkin und später Wolodin – ihnen unmissverständlich erklärten, dass sie von ihren Prinzipien nicht abrücken würden. Gleichzeitig betrieben sie die Korruption der Beteiligten dieses Prozesses.

Sie erinnern sich sicher daran, dass einer der Vorsitzenden der Parlamentarischen Versammlung des Europarates – ein spanischer Senator – sogar mit einem russischen Militärflugzeug zusammen mit dem Vorsitzenden der Fraktion der Partei „Einiges Russland“ in der Staatsduma, General Wassiljew, nach Syrien flog. Danach wurde die Entscheidung getroffen, die der damalige Generalsekretär des Europarates, Thorbjørn Jagland – der übrigens in den Epstein-Akten auftauchte, wer hätte das gedacht –, aktiv unterstützte: nämlich die Satzung der Parlamentarischen Versammlung so zu ändern, dass gegen nationale Delegationen keine echten Sanktionen mehr verhängt werden konnten.

Die Russen kehrten nur dafür zurück, um später schließlich ganz aus der Parlamentarischen Versammlung ausgeschlossen zu werden.

Glauben Sie mir: Mit der jetzigen Rückkehr russischer Sportler wird genau dieselbe Geschichte passieren. Sie werden zu den Wettkämpfen zurückkehren, nach einiger Zeit wird es Informationen über Doping, über unfaires Spiel geben, und dann werden sie erneut ausgeschlossen werden – weil sie nicht fair spielen können. Das ist ihr System. Aber sie werden immer versuchen, ihre Ziele durchzusetzen. Ich denke, das ist genau dieselbe Geschichte.

Frage. Sind Trumps neue alte Aussagen über Putin nur Informationsrauschen und zählen nur seine Taten? Oder sollte man auch auf Trumps Worte achten?

Portnikov. Natürlich sollte man das. Wenn wir über Politiker sprechen – und das sage ich Ihnen in praktisch jeder dieser Sendungen –, dann muss man in erster Linie auf ihre Taten achten. Handlungen sind das wichtigste Instrument in der Politik. Aber es gibt Worte, die zu Handlungen anregen.

Nehmen wir Donald Trumps Worte, dass er die weitreichenden Schläge der Ukraine gegen russische Ziele gutheißt und dass eine solche Eskalation dem Frieden helfen soll. Das ermutigt uns, noch entschlossener zu handeln: russische Fabriken, Schiffe, Tanker – alles, was zum Öl-, Raffinerie- und militärisch-industriellen Komplex Russlands gehört – wirksamer zu zerstören. Die russische Wirtschaft muss zerstört werden, Freunde. Sie muss zerstört werden.

Und wir können ja nicht nur an Drohnenangriffe denken, sondern auch daran, amerikanische und überhaupt westliche Waffen für Raketenangriffe auf die Russische Föderation zu beschaffen, um dort alles bis auf das 17. Jahrhundert zurückzusetzen, in dem sie sich zivilisatorisch befinden – wie Mark Rutte das völlig zutreffend formuliert hat. Insofern können solche Worte uns tatsächlich helfen zu handeln.

Und auch für Putin ist das ein Signal. Es soll ihm verdeutlichen, dass die Amerikaner sich nicht seinem Erpressungsversuch beugen werden und dass seine Angriffe auf die Ukraine nicht dazu führen werden, dass Washington die Ukraine auffordert, auf Angriffe gegen Russland zu verzichten.

Frage. Glauben Sie, dass Trump großes Interesse daran hat, die Kampfhandlungen in der Ukraine zu beenden, weil er das für einen Wahlsieg bei den Kongresswahlen braucht? Und welchen Einfluss könnte das Wahlergebnis haben?

Portnikov. Ich glaube grundsätzlich, dass Sie die Bedeutung des russisch-ukrainischen Krieges für die amerikanischen Kongresswahlen überschätzen. Ich denke nicht, dass das Trumps Hauptmotiv ist.

Die Ukraine-Frage ist – anders als der Nahe Osten – keine Frage, die das Wahlverhalten amerikanischer Wähler bestimmt. Sie ist ein Randthema.

Ja, die überwältigende Mehrheit der amerikanischen Wähler – sowohl unter den Demokraten als auch unter den Republikanern – spricht sich, wenn man sie danach fragt, eindeutig für die Unterstützung der Ukraine aus. Dasselbe gilt für viele sogenannte unabhängige Wähler, die mal der einen, mal der anderen Partei zuneigen und letztlich darüber entscheiden, wie der Kongress der Vereinigten Staaten aussehen wird.

Aber der entscheidende Punkt ist: Diese Frage bestimmt ihre Stimmabgabe überhaupt nicht.

Ich wiederhole: Der russisch-ukrainische Krieg ist ein Randthema der amerikanischen Politik. Amerikaner wählen in erster Linie mit ihrem Geldbeutel und nicht nach außenpolitischen Prioritäten. Zu glauben, der russisch-ukrainische Krieg beeinflusse auch nur im Geringsten die amerikanischen Wahlen, ist Ausdruck ukrainischer Selbstüberschätzung – unseres Glaubens, dass sich die Welt um unser Land und unseren Krieg dreht. Das entspricht überhaupt nicht der Realität.

Der Krieg mit dem Iran hingegen beeinflusst die Wahlen tatsächlich – nicht, weil Trump Krieg gegen den Iran führt, sondern weil dadurch die Benzinpreise in den Vereinigten Staaten steigen. Würde der russisch-ukrainische Krieg wirtschaftlich Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten haben, dann würden sich die Menschen dafür als Priorität bei ihrer Wahlentscheidung interessieren. Da dieser Krieg wirtschaftlich praktisch keinerlei Auswirkungen auf die USA hat, beeinflusst er auch das Wahlverhalten nicht.

Wenn es Trump gelänge, den Nahostkonflikt auf ein Niveau zu bringen, bei dem sich die Amerikaner im Hinblick auf die Wahlen nicht mehr dafür interessieren, könnte auch er sich dort sehr viel freier bewegen. Die Iraner haben jedoch ein Druckmittel gegen Trump gefunden – die Straße von Hormus, deren Blockade Probleme an den amerikanischen Tankstellen verursacht.

Russland oder die Ukraine verfügen über ein solches Druckmittel gegenüber den Vereinigten Staaten nicht und werden es auch nicht haben. Im Gegenteil: Russland verfügt über ein Instrument, das Ölangebot auszugleichen, wenn die Straße von Hormus geschlossen wird.

Deshalb denke ich, dass für Trump die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges vor allem eine Frage seines eigenen Verständnisses seines Einflusses auf das Weltgeschehen ist. Es ist keine Wahlfrage, sondern eine Frage seines globalen Einflusses.

Hat diese Frage des globalen Einflusses indirekt etwas mit Wahlen zu tun? Natürlich. Trump muss beweisen, dass er ein ernstzunehmender Weltführer ist, auf den man in Moskau und Peking hört. Bisher ist ihm das nicht gelungen, und er wird daran arbeiten. Aber ich glaube kaum, dass dies entscheidenden Einfluss darauf haben wird, wie der Kongress aussehen wird.

Frage. Halten Sie jeden Optimismus, der mit Trumps Worten verbunden ist, für vergeblich? Trump ist doch ein Mensch, der aufgrund seiner psychischen Eigenheiten keine festen Positionen, sondern nur wechselnde Dispositionen hat.

Portnikov. Aber auch Dispositionen sind wichtig, selbst wenn Sie das so sehen. Denn ich wiederhole: Auch innerhalb der Trump-Regierung gibt es eine Diskussion darüber, wie die Regierung auf den russisch-ukrainischen Krieg reagieren soll.

Wenn Trump heute so auftritt, wie er auftritt, dann haben Politiker wie Marco Rubio freie Hand in der Russlandpolitik. Wenn Trump hingegen für gute, herzliche Beziehungen zu Putin eintritt, treten andere Leute in den Vordergrund – etwa Steve Witkoff.

Übrigens sehen Sie selbst, dass man von Witkoff im Moment kaum etwas hört. Witkoff, der der Meinung ist, man könne mit Putin auf der Grundlage gegenseitigen Verständnisses und wirtschaftlicher Vorteile verhandeln, gehört derzeit nicht zu den Favoriten. Das bedeutet nicht, dass das lange so bleiben wird. Aber im Moment ist es so. Und genau diese Dispositionen Trumps muss man nutzen.

Genauso ist es, wenn Trump erklärt, er habe den Waffenstillstand im Iran-Krieg beendet und werde neue Schläge gegen den Iran führen. Dann verlieren Leute wie Vizepräsident J. D. Vance auf der Nahost-Ebene an Einfluss, während beispielsweise die Position des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu gestärkt wird.

So funktioniert das nun einmal. Man muss diese Situationen nutzen und sich nicht ständig fragen, ob Trump gut oder schlecht ist. Es geht nicht darum, wer gut oder schlecht ist. Eine schwarz-weiße Welt existiert überhaupt nicht. Sie existiert nur in der Vorstellung einiger unserer Landsleute. Die Welt ist grau. Man muss ihre Schattierungen erkennen. Eine Welt im Krieg ist immer grau. Es gibt weder Schwarz noch Weiß. Man muss den richtigen Grauton finden.

Frage. Muss die derzeitige Eskalation nicht zwangsläufig zu einer schrittweisen Abkühlung führen? Nach der Logik des Krieges müsste das doch so sein.

Portnikov. Ich stimme Ihnen vollkommen zu, dass es nach der Logik des Krieges so sein könnte. Nur handelt der Präsident der Russischen Föderation, Putin, gegen jede Logik. Deshalb kann die jetzige Eskalation aus Sicht von Putins Verhalten durchaus zu einer noch stärkeren Eskalation führen.

Dem kann man nur begegnen, indem man nicht darauf wartet, dass sich alles nach den Regeln des Krieges entwickelt – Regeln, die Putin längst zerstört hat –, sondern indem man ihm die notwendigen Ressourcen nimmt, um die Eskalation auf eine neue Stufe zu heben.

Ich würde den russisch-ukrainischen Krieg als eine endlose Eskalationsspirale betrachten und nicht als eine Temperatur, die irgendwann wieder sinkt. Wir befinden uns in einer Spirale der Eskalation. Aus dieser Spirale gibt es nur einen Ausweg: die Verringerung der Ressourcen.

Man kann auf einer bestimmten Stufe dieser Eskalationsspirale stehen bleiben, aber nicht einfach „abkühlen“. Denn Russland wird dann schlicht nicht mehr über die Mittel verfügen, um die Spirale weiter nach oben zu treiben. Das ist alles.

Frage. Besteht der Plan Irans darin, Trump langsam in diesem Nahost-Kessel zu garen, bis das zu seinem politischen Scheitern führt? Es sieht so aus, als könne er diesem Kessel nicht entkommen.

Portnikov. Ich glaube ebenfalls, dass der Plan Irans darin besteht, bis zu den Zwischenwahlen zum US-Kongress eine schwierige Lage für die Weltwirtschaft und insbesondere für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten zu schaffen, damit die Republikaner aufgrund steigender Benzinpreise an den amerikanischen Tankstellen eine vernichtende Niederlage erleiden.

Trump mag das verstehen, folgt aber emotional dennoch genau jener Entwicklung, die die Iraner für ihn vorgesehen haben. Er wundert sich über ihr Verhalten – er, der sich immer als großer Meister der Verhandlungen betrachtet hat –, und stellt nun fest, dass man mit den Iranern offenbar gar nichts vereinbaren kann, weil sie sich von allen Vereinbarungen zurückziehen, die angeblich bereits erzielt worden waren.

Den Iranern ging es offensichtlich nur um eine echte Feuerpause für eine gewisse Zeit, damit sie die feierliche Beisetzung des getöteten früheren Obersten Führers Ali Khamenei durch seine Familie durchführen, die Stärke des Regimes demonstrieren und anschließend wieder zur nächsten Eskalationsstufe übergehen konnten.

Allerdings könnten die Iraner das Ausmaß der Eskalation falsch einschätzen. Das ist das Problem einer solchen Politik. Dennoch haben Sie ihre Linie völlig richtig erkannt. Ich habe bereits in den ersten Wochen dieses Krieges gesagt, dass sie ihre Aktionen fortsetzen werden, sobald sie sehen, dass diese wirtschaftliche Probleme in den Vereinigten Staaten verursachen.

Denn ihnen geht es nicht nur um Trumps politisches Scheitern. Ihnen geht es um eine Lehre für die Zukunft: Jeder amerikanische Präsident soll wissen, dass eine Konfrontation und Eskalation mit dem Iran zum Zusammenbruch seiner politischen Möglichkeiten führen kann. Wenn selbst ein so mächtiger und – aus Sicht der republikanischen Wählerschaft – charismatischer Politiker wie Donald Trump letztlich scheitert, welches Schicksal erwartet dann alle anderen Präsidenten der Vereinigten Staaten, die eine ähnliche Politik verfolgen?

Das ist die Antwort auf Ihre Frage. So könnten die Amerikaner über Wahlen denken, wenn die Benzinpreise nicht mehr normal sind. Und genauso könnten die Iraner über die Stimmung der amerikanischen Bevölkerung nachdenken. Das könnte durchaus ein reales Motiv sein.

Aber ich wiederhole: All diese Motive können die künftige Politik der Vereinigten Staaten erheblich beeinflussen. Und Trump könnte sich am Ende als wesentlich aggressiver und härter erweisen, als die iranischen Führer glauben, die ihm derzeit Probleme bereiten.

Trump sagte heute: „Jedes Mal, wenn wir den Iran angreifen, steigt der Ölpreis ein wenig. Das ist nichts Schlimmes.“ Das ist bis zu einem gewissen Grad bereits eine Antwort auf die Frage, wie sehr Trump mögliche neue Schläge gegen den Iran und die Folgen weiterer Eskalationsschritte fürchtet.

Diese Worte fielen beim Treffen des Präsidenten der Vereinigten Staaten mit dem Präsidenten Syriens, Ahmed al-Sharaa, das derzeit in Ankara stattfindet. Ich möchte Sie daran erinnern, dass unmittelbar nach diesem Treffen noch Trumps abschließende Pressekonferenz stattfinden wird. Dort werden wir wahrscheinlich noch weitere Erklärungen hören.

Ich denke, dass Trump heute auch über die Ukraine sprechen könnte, wenn Journalisten entsprechende Fragen stellen.

Und insgesamt können wir – trotz der Tatsache, dass Trump während dieses Gipfels in Ankara keine besondere Begeisterung für die euro-atlantische Solidarität zeigte – sagen, dass dieser NATO-Gipfel für die Ukraine erfolgreich verlaufen ist.

Denn es gelang nicht nur, ein protokollarisches Treffen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine durchzuführen. Es gelang auch, vom Präsidenten der Vereinigten Staaten eine konkrete Reaktion auf die ukrainischen Bitten im Zusammenhang mit der Bedrohung durch ballistische Raketen zu erhalten.

Ich hoffe sehr, dass wir tatsächlich die Produktion von Patriot-Raketen erleben werden. Das wäre, würde ich sagen, ein sehr gutes Ergebnis dieses Gipfels in Ankara.

Ich hoffe außerdem, dass die Bereitschaft der NATO, uns Mittel für militärische Zwecke in dieser Größenordnung – 70 Milliarden Dollar – bereitzustellen, ebenfalls ein Signal an den Präsidenten Russlands und die russische Militärführung sein wird.

Und die Worte darüber, dass die Vereinigten Staaten Angriffe auf Russland gutheißen, sind überhaupt ein äußerst wichtiger Punkt.

Sie erinnern sich doch: Noch vor einem Jahr, bei jenem Treffen mit Zelensky im Oval Office, von dem Trump heute sprach, sagte er sinngemäß: „Ihr habt überhaupt keine Karten. Ihr dürft Russland nicht verärgern. Ein Land wie eures kann in einer Konfrontation mit einem Land wie Russland nur verlieren. Deshalb müsst ihr Putin und seiner ganzen Clique Zugeständnisse machen.“

Sie erinnern sich sehr gut an diese Rhetorik Trumps. Damals war jedoch bereits offensichtlich, dass sie nichts mit der Realität des russisch-ukrainischen Krieges zu tun hatte – trotz der ganzen Tragik der heutigen Situation. Denn wir verstehen, dass es eine Tragödie ist, wenn Putin schlicht Jagd auf Zivilisten in Kyiv und anderen ukrainischen Städten macht.

Man muss sagen, dass sich der Krieg inzwischen grundlegend verändert hat. Sie sehen selbst, wie über vielen Städten und Fabriken der Russischen Föderation Rauch aufsteigt. Ich denke, das wird sich nur noch verstärken. Russland steuert auf eine schwere Treibstoffkrise zu, die sich – so hoffe ich – in eine umfassende Wirtschaftskrise verwandeln wird, aus der es für diese terroristische Organisation in den kommenden schweren Jahren keinen Ausweg mehr geben wird.

Niemand sagt der Ukraine heute mehr, dass wir keine Karten hätten oder diesen Krieg zwangsläufig verlieren würden. Im Gegenteil: Man fordert uns auf, die Fabriken und Schiffe Russlands weiter anzugreifen, um Russland noch größere Probleme zu bereiten. Und Trump spricht von seinen guten Beziehungen zum ukrainischen Präsidenten und vom Interesse der Vereinigten Staaten an einer Zusammenarbeit mit der Ukraine.


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<Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп-Зеленський: головне | Віталій Портников. 08.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 08.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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