Putin–Witkoff: Erste Ergebnisse | Vitaly Portnikov. 21.10.2026.

Also, der Besuch des Vertreters des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, in Russland. Seine dreistündigen Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Putin im Konstantinpalast in Sankt Petersburg. Und all die Erklärungen, die nach diesen dreistündigen Verhandlungen abgegeben wurden, sowohl vom Vertreter des Präsidenten der Russischen Föderation, seinem außenpolitischen Berater Juri Uschakow, als auch vom norwegischen Ministerpräsidenten Støre, der Witkoff im Flugzeug traf, nachdem der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten aus Sankt Petersburg nach Oslo zurückgekehrt war.

Ich erinnere daran, dass zuvor in Oslo seine Verhandlungen mit dem ukrainischen Präsidenten, dem finnischen Präsidenten und dem norwegischen Ministerpräsidenten stattgefunden hatten. Hinzu kommt der Kommentar von Jared Kushner, dem Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, der bei diesem Treffen nicht anwesend war, sich jedoch virtuell an den Verhandlungen in Oslo beteiligte und, soweit man verstehen konnte, während der Verhandlungen zwischen Witkoff und Putin telefonisch mit Putin sprach.

Und hier sind die ersten Ergebnisse dieser Treffen, die man gewissermaßen kommentieren kann.

Erstens sind die Erklärungen auf allen Seiten optimistisch. Diese Erklärungen deuten zumindest auf eine gewisse Abschwächung, eine rhetorische Abschwächung der russischen Position hin. Der Berater des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, sagt, dass bereits im November die Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten wieder aufgenommen werden. Möglicherweise wird dies in Abu Dhabi geschehen.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass Russland zuvor kategorisch jegliche Verhandlungen mit der Ukraine abgelehnt hatte, solange die ukrainischen Truppen nicht das gesamte Gebiet der Regionen Donezk und Luhansk verlassen hätten. Wie Sie sehen, ist es Russland bisher zumindest nicht gelungen, Kramatorsk, Slowjansk und andere Städte im Gebiet Donezk einzunehmen, die von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert werden. Das wissen die Russen auch. Trotzdem stimmen sie Verhandlungen zu.

Solange sie mit Witkoff verhandelten, konnten sie diese Gespräche als etwas anderes als Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine darstellen. Wenn nun erneut Verhandlungen zwischen russischen und ukrainischen Delegationen beginnen, bedeutet das, dass sie von ihren früheren Positionen abgerückt sind und dass auch sie gezwungen sind, zumindest wieder einen Verhandlungsprozess zu simulieren.

Dass ihre Situation aus wirtschaftlicher Sicht keineswegs so makellos ist, wie Putin zu demonstrieren versucht. Dass sowohl die westlichen Sanktionen als auch unsere Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation und ihre Infrastruktur Wirkung gezeigt haben. Glauben Sie mir: Wenn es diese Angriffe nicht gegeben hätte, wenn Russland nicht brennen würde, gäbe es überhaupt keine Gespräche, nicht nur über Verhandlungen mit uns, sondern nicht einmal über Witkoff.

Das ist also der erste Punkt: die Wiederaufnahme der Verhandlungen.

Der zweite Punkt sind die Aussagen, dass das Hauptthema der Verhandlungen die Sicherheit der Ukraine und Russlands sein soll. Was bedeutet das, wenn man es aus Uschakows Sprache in eine verständliche Sprache übersetzt? Dass die Russische Föderation derzeit nicht davon ausgeht, dass sie die ukrainische Staatlichkeit als solche vernichten kann, was weiterhin Putins Hauptziel bleibt. Und damit rücken Fragen der politischen und wirtschaftlichen Unterwerfung des ukrainischen Staates in den Vordergrund.

Die Sicherheitsfragen waren im Grunde bereits in dem Schreiben klar formuliert, das das Außenministerium der Russischen Föderation 2021, vor Beginn des großen russisch-ukrainischen Krieges, an das Außenministerium der Vereinigten Staaten und die Außenministerien der NATO-Staaten richtete. Sie erinnern sich, dass der Kern dieses Schreibens ein kategorisches Verbot des NATO-Beitritts der Ukraine und anderer ehemaliger Sowjetrepubliken war.

Russland wird also als eine seiner Sicherheitsgarantien die Möglichkeit solcher verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Änderungen in der Ukraine betrachten, die jegliche Militärbündnisse unseres Landes mit anderen Staaten unmöglich machen und natürlich den euroatlantischen Ambitionen der Ukraine endgültig ein Ende setzen. Und das soll nun nicht vonseiten der NATO geschehen, denn die NATO hat schlicht nicht die rechtlichen Möglichkeiten dazu, sondern vonseiten jener Länder, die NATO-Mitglieder werden könnten: der ehemaligen Sowjetrepubliken und vor allem der Ukraine. 

Auch das kann zu den Fragen gehören, die Russland unter seiner Sicherheit versteht. Denn das ist, wie Sie verstehen, reine Demagogie. Die Ukraine hat Russland in keiner Weise bedroht und wird Russland auch künftig nicht bedrohen, wenn Russland seine aggressiven Ansprüche gegenüber unserem Staat aufgibt.

Die Frage der Sicherheit für die Ukraine ist ebenfalls eine gute Frage. Wenn Russland bereit ist, diese Frage zu erörtern, kann es natürlich der Ansicht sein, dass es selbst einer der Garanten der ukrainischen Sicherheit sein sollte. Und das ist kein Scherz. Russische Beamte sagen ständig, dass der einzige Staat, der die Sicherheit der Ukraine garantieren könne, die Russische Föderation sei.

Ich schließe nicht aus, dass aus dieser Sicht zumindest ein Teil der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen als Garanten der ukrainischen Sicherheit auftreten könnte. Und für Putin könnte das Teil jener Tagesordnung sein, die für ein trilaterales Treffen zwischen Putin, Trump und Xi Jinping vorgeschlagen wurde. Das ist im Grunde eine durchaus realistische Möglichkeit, die er vorantreiben könnte.

Wir wissen nicht, inwieweit Xi Jinping bereit sein wird, einem solchen Treffen zuzustimmen. Denn sich vorzustellen, dass diese Situation für China in einer Weise interessant wäre, dass China ein tatsächlicher Garant der ukrainischen Sicherheit sein und beispielsweise die Verantwortung für neue Phasen russischer Aggression übernehmen wollte, fällt schwer.

Aber Russland könnte versuchen, genau jenen Sicherheitsmechanismus wiederherzustellen, den es bereits während früherer Verhandlungen vorgeschlagen hatte: Es gibt Sicherheitsgaranten, aber jeder von ihnen kann die Handlungen der anderen Garanten blockieren. Das bedeutet eine Rückkehr zu Minsk und Istanbul. Das kann durchaus ein Thema dieser Verhandlungen sein.

Könnten es Verhandlungen um der Verhandlungen willen sein? Ja. Ich habe bereits mehrfach gesagt, dass Putin auch den Wunsch haben könnte, Zeit bis zum Ende der Amtszeit Donald Trumps zu schinden. Und aus Sicht der Führung der Russischen Föderation könnte es jetzt, wenn man Trump vor den Zwischenwahlen nicht wenigstens irgendetwas gibt, zu einer Abkühlung der persönlichen Beziehungen zwischen den Präsidenten und der russisch-amerikanischen Beziehungen insgesamt kommen.

Deshalb lässt Putin einen Amerikaner frei, dem die Russen vorgeworfen hatten, ukrainischer Soldat gewesen zu sein und sich der Territorialverteidigung angeschlossen zu haben. Soweit ich mich erinnere, hatten seine Angehörigen genau das bestritten. Und natürlich ist diese Freilassung eines amerikanischen Staatsbürgers ein typisches Wahlgeschenk an Trump. So handeln Diktatoren immer, oder sie machen das Gegenteil. Beispielsweise ließen die iranischen Ajatollahs die amerikanischen Diplomaten, die während der Herrschaft Ajatollah Chomeinis als Geiseln genommen worden waren, am Tag der Amtseinführung Ronald Reagans frei. Auch das ist ein ganz typisches Vorgehen. Das ist der erste Punkt.

Der zweite Punkt ist das Versprechen von Verhandlungen.

Der dritte Punkt ist die Skizzierung einer gewissen Verhandlungsagenda, die Fragen der nationalen Sicherheit Russlands und der Ukraine betrifft und bei der die territoriale Frage offenbar nicht an erster Stelle steht. Auch das ist ein wichtiger Punkt: die Territorialfrage.

Nun zum nächsten Punkt. Der norwegische Ministerpräsident sagt, dass es erstmals Verhandlungen auf hoher Ebene geben könnte. Auch das ist ein sehr wichtiger Punkt. Wir wissen wiederum nicht, was Verhandlungen auf hoher Ebene aus Sicht des norwegischen Ministerpräsidenten bedeuten. Welche Person soll nun die russische Delegation leiten?

Uschakow sagt etwas anderes. Er sagt, dass der Delegation Militärangehörige angehören könnten und dass auch Medinski dabei sein könnte. Aber natürlich werde der russische Präsident im Verlauf weiterer Konsultationen über die Zusammensetzung der Delegation entscheiden.

Einige weitere Punkte können wir schlicht nicht kennen. Denn man kann jetzt ganz eindeutig sagen, dass die Teilnehmer der Verhandlungen optimistische Prognosen äußern, diese aber gleichzeitig überhaupt nicht konkretisieren. Wir hören nach diesem Treffen keinerlei konkrete Angaben vonseiten der ukrainischen Führung. Wir haben von Witkoff keine konkreten Kommentare gehört. Wir haben von Uschakow keine konkreten inhaltlichen Kommentare gehört.

Wir können lediglich eine gewisse Zurückhaltung der russischen Seite feststellen, die nicht gleich von vornherein sämtliche Vorschläge vollständig verwirft, die während Witkoffs Treffen mit Zelensky, Stubb und Støre unterbreitet wurden. Wir sehen, dass Russland bereit ist, den Verhandlungsprozess erneut aufzunehmen.

Aber wie oft hat Russland bereits solche Verhandlungsprozesse begonnen, die zu nichts führen? Denn andererseits sehen wir, dass die russischen Angriffe auf die Ukraine weitergehen, auch in diesen Minuten.

Gerade jetzt wird der Westen der Ukraine weiter beschossen, während wir diese Sendung machen. Wir haben auch von Luftalarm in Kyiv und einem Angriff auf Hostomel gehört. Es gibt Angriffe auf Burschtyn, Halytsch, Tschortkiw und Kalusch.

Das heißt, es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass die Russen auch nur für einen Augenblick den Krieg beenden wollen, geschweige denn einem Energiewaffenstillstand zustimmen würden. Keinerlei Anzeichen. Im Gegenteil: Russland beschießt die ukrainische Energieinfrastruktur mit großer Hartnäckigkeit.

Wenn es tatsächlich auf ein Ende des Krieges hinausläuft, wie Uschakow sagt, warum sollten die Russen dann die intensiven Angriffe mit russischen Drohnen und Raketen auf die ukrainische Energieinfrastruktur fortsetzen?

Und hier wird es übrigens sehr interessant sein zu sehen, wie sich die ukrainische Seite verhält. Werden wir vor diesen sogenannten Verhandlungen, die im November stattfinden könnten, Angriffe auf die Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation selbst durchführen?

Wir verstehen sehr gut, dass die Russen jetzt ebenfalls erkennen, unter welchem Zeitdruck Donald Trump steht. Das ist nicht nur der Zeitdruck vor den Wahlen. Denn die Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten finden bereits am 3. November statt. Und bis zum 3. November lässt sich natürlich nichts entscheiden.

Aber es gibt noch einen weiteren wichtigen Zeitpunkt, an den wir denken müssen. Das ist der Januar 2027, wenn der neue amerikanische Kongress seine Arbeit aufnehmen wird. Und Trump könnte davon ausgehen, dass es ihm dann ganz sicher nicht mehr gelingen wird, vom Kongress irgendwelche Entscheidungen zu erreichen, die mit einer Verbesserung der amerikanisch-russischen Beziehungen zusammenhängen. Mehr noch: Die Kongressabgeordneten werden alles Mögliche und Unmögliche tun, um es der Regierung zu erschweren, die Beziehungen zu Russland zu normalisieren, falls der russisch-ukrainische Krieg bis dahin nicht endgültig beendet ist.

Deshalb halte ich es durchaus für möglich, dass Trump tatsächlich ein Dokument über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges vorbereiten möchte, zumindest über seine Aussetzung, und zwar für Dezember 2026, zum G20-Gipfel, der in seiner Residenz bei Miami, in Mar-a-Lago und an anderen Veranstaltungsorten im Bundesstaat Florida stattfinden wird. Und möglicherweise könnte während dieses Gipfels auch ein Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation sowie des Staatspräsidenten der Volksrepublik China stattfinden, falls zuvor bereits das Treffen in Shenzhen stattgefunden hat.

Gleichzeitig könnte aus Trumps Sicht auch irgendeine russisch-ukrainische Erklärung unterzeichnet werden. Dabei hat Trump gesagt, dass Putin und Zelensky sich für die Unterzeichnung einer solchen Erklärung keineswegs unbedingt treffen müssten. Zelensky könnte in die Vereinigten Staaten kommen und mit Trump eine entsprechende Erklärung unterzeichnen, während Trump dieselbe Erklärung mit Putin unterzeichnet.

Übrigens möchte ich Sie daran erinnern, dass dies das Format des Getreideabkommens ist. Genau so haben wir während dieses Krieges ein einziges Mal eine Vereinbarung über den Getreidekorridor getroffen. Damals trafen sich die Vertreter der Russischen Föderation und der Ukraine nicht miteinander. Sie unterzeichneten getrennte Dokumente mit identischem Inhalt mit dem Präsidenten der Republik Türkei, Recep Tayyip Erdoğan, und dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, die Garanten dieser Vereinbarung waren.

Und Trump ist offensichtlich bereit, genau diese Rolle zu übernehmen. Ich glaube nicht, dass es für ihn unbedingt notwendig ist, sich gemeinsam mit Putin und Zelensky fotografieren zu lassen. Zumal er sehr gut versteht, dass Putin ein solches gemeinsames Foto mit dem ukrainischen Präsidenten ganz sicher nicht will. Aber er braucht ein Abkommen, das die Kampfhandlungen aussetzt. Zumindest ein Waffenstillstandsabkommen, zumindest eine Vereinbarung, die auf die eine oder andere Weise als langfristiges Ende des Krieges interpretiert werden kann.

Und genau darauf möchte Trump offensichtlich den Verhandlungsprozess der nächsten Monate ausrichten. Genau deshalb übt er Druck auf die Ukraine aus und nicht auf Russland. Denn erstens verfügt er unter den Bedingungen, die nach dem Iran-Krieg auf dem weltweiten Energiemarkt entstanden sind, nicht über besonders große Möglichkeiten, Druck auf Russland auszuüben. Und das einzige Land, auf das er in dieser Situation Druck ausüben kann, ist nicht Russland, sondern die Ukraine.

Aber auch hier sind seine Möglichkeiten nicht besonders groß. Denn angesichts des Umfangs der amerikanischen Unterstützung und der Haltung der amerikanischen Gesellschaft zu dieser Unterstützung sind auch Trumps Möglichkeiten begrenzt. Sie sehen doch, dass unmittelbar nachdem der Präsident der Vereinigten Staaten mit seinen antiukrainischen Ausfällen begonnen hatte, die Geschwindigkeit von Starlink faktisch ohne förmliche Ankündigung gedrosselt wurde und eine Zeit lang keine Informationen über den Abschuss ballistischer Raketen durch die Russische Föderation weitergegeben wurden und so weiter. Der amerikanische Außenminister Marco Rubio, der sich derzeit auf einer Asienreise befindet, sprach mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky, und all diese Maßnahmen im Zusammenhang mit der amerikanischen Hilfe wurden wieder aufgenommen.

Das heißt, vor dem Hintergrund, dass die Mehrheit der Amerikaner die Unterstützung der Ukraine weiterhin befürwortet und es für völlig logisch hält, dass ihr Staat diese Hilfe leistet, können wir in einer solchen Situation davon ausgehen, dass Trump nicht lautstark über die Einstellung der Unterstützung sprechen wird. Denn das könnte sich auf die Wahlchancen der Republikaner auswirken.

Übrigens könnte er nach dem 3. November offener sein, denn dann hat er bereits das Ergebnis erhalten, das er erhalten hat. Aber hier könnte ihm seine eigene Unbeliebtheit im Weg stehen. Und vergessen Sie nicht, dass sich nach dem 3. November im noch amtierenden Kongress, nicht im bereits neu gewählten, tatsächlich eine Mehrheit bilden könnte, die aus Demokraten und jenen Republikanern besteht, die nicht mehr über ihre Wiederwahl nachdenken müssen, weil sie ihre Sitze verloren haben oder für den neuen Kongress gar nicht kandidiert haben. Auch diese Menschen werden versuchen, mögliche prorussische Maßnahmen der Regierung zu blockieren, falls es solche Maßnahmen geben sollte.

Das ist also die zeitliche Frist für die Treffen, die jetzt stattfinden, bis zum Zusammentritt des neuen Kongresses. Obwohl die Situation für Trump auch hier nicht einfach sein wird. Und wir verstehen dann, dass nun sowohl Putin als auch Trump gleichzeitig Druck auf die Ukraine ausüben werden, damit sie mehr russischen Forderungen zustimmt, als sie sonst akzeptieren könnte, um dieses Abkommen im Dezember zu erreichen.

Und natürlich bedeutet das nicht, dass tatsächlich irgendetwas unterzeichnet oder wirklich vereinbart werden kann. Denn wir kennen Putins wahre Absichten nicht. Er könnte nicht an ein Abkommen denken, sondern gerade daran, dass Russland der Ukraine solche Bedingungen stellt, die für die ukrainische Führung unannehmbar sein werden. Aber schon die bloße Tatsache, dass diese Bedingungen diskutiert und angenommen oder abgelehnt werden, könnte Möglichkeiten zur Destabilisierung des feindlichen Staates schaffen.bDenn wir müssen daran denken, dass Putins Ziel der Vernichtung der Ukraine keineswegs verschwunden ist.

Übrigens möchte ich noch etwas sagen. Wir hören ständig, dass die ukrainische Führung keine Verhandlungen mit Russland führen wolle. Unsere verschiedenen Parlamentsabgeordneten und Experten veröffentlichen Friedenspläne und kritisieren Kyiv dafür, dass es keine Friedensverhandlungen führen wolle. Als würden wir grundsätzlich darüber entscheiden, ob Verhandlungen stattfinden oder nicht. Und das, obwohl vonseiten Kyivs ständig von der Notwendigkeit gesprochen wird, Verhandlungen zu führen.

Ständig wird von der Notwendigkeit gesprochen, einen Energiewaffenstillstand zu schließen. Zelensky sagt ständig, dass er bereit ist, die Ölraffinerien der Russischen Föderation nicht zu beschießen, wenn Russland aufhört, die ukrainische Energieinfrastruktur zu beschießen. Und nun können Sie sich selbst davon überzeugen: Sobald die Russen bereit sind, mit uns zu sprechen, sind wir bereit, mit ihnen zu sprechen.nNicht an die ukrainische Führung sollte man sich mit wichtiger Miene und den Worten wenden: „Warum führen Sie keine Verhandlungen? Es ist längst Zeit, diesen Krieg zu beenden. Die Menschen haben schon genug gelitten.“

Es hängt nicht von der ukrainischen Führung ab, wann Verhandlungen stattfinden und wann der Krieg beendet wird. Die Ukraine ist in diesem Krieg aus Sicht der Durchführung von Verhandlungen kein eigenständiger Akteur. Sie ist ein Akteur, wenn sie Russland durch die Zerstörung russischer Infrastruktur zum Frieden bewegen kann. Der entscheidende Akteur ist hier aber Russland.

Sobald Russland über Frieden sprechen will, sind wir immer bereit, mit ihm zu sprechen. Nur stellt sich danach zur Enttäuschung aller Beteiligten heraus, dass Russland gar nicht über Frieden spricht, nicht einmal über Kapitulation, sondern einfach Zeit schindet, um nicht von einer weiteren Runde amerikanischer Sanktionen getroffen zu werden. Dass es seine Verhandlungen mit der Ukraine oder seine Verhandlungen mit Witkoff als eine Art Instrument benutzt, um Sanktionen zu entgehen. Und das ist alles. Auch das muss man verstehen, wenn wir miteinander über die Situation im Verhandlungsprozess sprechen.

Wir haben es also mit einigen, würde ich sagen, ziemlich widersprüchlichen Punkten zu tun. Einerseits ist offensichtlich, dass Russland seine Verhandlungsposition verändert hat und nun zu wirklichen Verhandlungen bereit ist. Wirklich nicht im Hinblick auf das Ergebnis, sondern im Hinblick auf ihre Durchführung. Und es wird sogar von der Möglichkeit gesprochen, dass diese Verhandlungen auf einer höheren Ebene stattfinden werden als die früheren Verhandlungen, bei denen Medinski die Hauptrolle spielte.

Der nächste Punkt ist, dass nicht nur in den Vereinigten Staaten optimistisch über die Möglichkeit solcher Verhandlungen gesprochen wird. Nicht nur Kushner oder Witkoff, die immer Optimisten sind und immer von der Konstruktivität solcher Verhandlungen sprechen. Wir haben solche Worte sowohl von Witkoff als auch von Kushner in ihren sozialen Netzwerken gesehen.

Aber auch der norwegische Ministerpräsident spricht davon. Und er wäre wohl kaum bereit gewesen zu sagen, dass alles so gut und so konstruktiv sei, wenn Witkoff ihm nicht irgendwelche Vorschläge unterbreitet hätte, die der norwegische Ministerpräsident als tatsächliche Veränderungen im Verlauf der Verhandlungen zumindest zwischen den Vereinigten Staaten und Russland hätte wahrnehmen können.

Andererseits kennen wir die wahren Absichten der Russischen Föderation nicht. Was strebt sie jetzt an? Einen teilweisen Waffenstillstand, das Schinden von Zeit, oder hat Putin tatsächlich beschlossen, den Krieg zu beenden oder auszusetzen?

Und übrigens: Wozu? Wenn wir ständig hören, dass Russland sich auf einen Krieg mit Europa vorbereitet und dass es die Amtszeit Trumps als günstiges Zeitfenster für einen solchen Krieg betrachten könnte, dann muss es Ressourcen freisetzen. Das ist alles.

Übrigens möchte ich noch ein paar Worte sagen, damit Sie nicht glauben, ich hätte das übersehen: über den Skandal darum, dass Witkoff Putin öffentlich einen Humanisten genannt hat. Und das am Tag, nachdem wir erneut ukrainische Kinder gesehen hatten, die bei russischen Bombardierungen getötet worden waren.

Und dieser Skandal findet keineswegs nur bei uns statt. Jetzt wurde der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, JD Vance, der bekanntlich neben Marco Rubio einer der Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikanischen Partei ist, danach gefragt.

Wie reagierte JD Vance? Erwartungsgemäß. „Ich stimme zu, dass Steve Witkoff etwas Nettes zu einem Menschen gesagt hat, der gerade eine amerikanische Geisel freigelassen hat. Unabhängig davon, ob wir dieser Meinung zustimmen oder nicht. Steve Witkoff ist Diplomat. Seine Aufgabe ist es, dorthin zu fahren und ein Ergebnis zu erzielen“, sagte Vance. Nun wird dieses weitere Kompliment Witkoffs an Putin einfach als diplomatischer Erfolg im Zusammenhang mit der Freilassung eines amerikanischen Staatsbürgers betrachtet werden.

Ich denke, Sie verstehen selbst sehr gut, dass die Freilassung des amerikanischen Staatsbürgers eine der wichtigsten Aufgaben Trumps und Witkoffs zum gegenwärtigen Zeitpunkt war. Und ich bin übrigens überzeugt, dass Trump auch die Geschichte mit dem Diesel mit der Freilassung dieses Menschen in Verbindung gebracht haben könnte. Denn er kann eine solche Freilassung immer als einen wichtigen Teil seiner Arbeit als Präsident betrachten. Und natürlich auch seines Wahlkampfs. Ich erinnere daran, dass Trump die Freilassung von Menschen erreichen kann, die von den Amerikanern als Landsleute begrüßt werden, die aus den Gefängnissen autoritärer Regime befreit werden konnten. Vor Wahlen spielt das eine wichtige Rolle.

Nun gibt es bereits einen Kommentar von Volodymyr Zelensky zum Treffen Witkoffs mit den Russen. „Russland unterstützt Verhandlungen auf Delegationsebene“, sagt der ukrainische Präsident. Russland, die Vereinigten Staaten und die Ukraine könnten bereits Anfang November trilaterale Verhandlungen führen. Die USA schlagen vor, sie so schnell wie möglich abzuhalten. Das Hauptziel besteht darin, das Ende des Krieges näherzubringen und ein Treffen der Staats- und Regierungschefs der drei Länder vorzubereiten.

Die Ukraine unterstützt einen Waffenstillstand, die Rückkehr der Gefangenen und andere humanitäre Initiativen. Aber Zelensky hat meiner Meinung nach völlig zu Recht daran erinnert, dass Russland bereits mehrfach Verhandlungen zugestimmt, danach jedoch seine Position verändert hat. Ich schließe keineswegs aus, dass es jetzt leider wieder genauso sein könnte. Und dass wir diese ganze Situation buchstäblich vor dem Hintergrund von Bombardierungen im ganzen Land diskutieren, im Süden, in Kyiv, im Westen, zeigt ebenfalls, dass es eine Sache ist, Verhandlungen auf Delegationsebene zu unterstützen, und eine ganz andere, über ein tatsächliches Ende des Krieges zu sprechen.

Nun gibt es noch eine weitere wichtige Information. Die Zeitung New York Times berichtet, dass die Kritik Volodymyr Zelenskys an Donald Trump bei Steve Witkoff und natürlich auch bei Jared Kushner Unzufriedenheit ausgelöst habe. Sie hätten dies während der Verhandlungen in Oslo angesprochen und Zelensky gesagt, dass der Präsident der Vereinigten Staaten über diese Worte geradezu unglaublich wütend gewesen sei. Und Zelensky habe angeblich aus diesen Mitteilungen von Witkoff und Kushner seine Schlüsse gezogen.

Aber mir scheint, dass der ukrainische Präsident sehr genau wusste, worauf er sich einließ, als er das Verhalten des amerikanischen Präsidenten gegenüber der Ukraine in den vergangenen Wochen charakterisierte. Und ich sage Ihnen noch mehr: Wenn es dieses Verhalten nicht gegeben hätte, wenn Trump durch sein unverantwortliches Verhalten gegenüber der Ukraine nicht buchstäblich in eine Sackgasse geraten wäre, dann wäre all das ebenfalls nicht geschehen.

Denn Trump möchte, dass er zumindest in seinen Beziehungen zu Putin alles tun kann, was ihm gerade einfällt, ohne dass irgendjemand darauf achtet. Er möchte in den Augen der amerikanischen Öffentlichkeit nicht als jemand erscheinen, der die Ukraine verraten hat, wenn der ukrainische Präsident davon spricht. Und ein großer Teil seiner Gesprächspartner könnte dem zustimmen.

Wie Sie verstehen, hätte Rubio ohne all das nicht versucht, die Situation durch seine Gespräche mit Zelensky zu korrigieren. Vance hätte nicht versucht, die Situation zu rechtfertigen, indem er in seinem eigenen Interview die Fragen zum russisch-ukrainischen Krieg so vorsichtig kommentierte. Trumps engste Mitarbeiter würden sich nicht so vorsichtig zu den Vorgängen in den ukrainisch-amerikanischen Beziehungen äußern und nicht Zelensky für alles verantwortlich machen. Und selbst der Sprecher des Repräsentantenhauses würde nicht sagen, dass die hohen Kraftstoff- und Dieselpreise durch die Straße von Hormus verursacht werden und nicht durch ukrainische Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation, wie Trump zu behaupten versucht. Das ist also eine ganz reale Sache, die im Grunde zeigt, dass man beachten muss, was Trump in dieser Situation tut.

Und natürlich: Wenn gesagt wird, dass das Hauptziel des künftigen Delegationstreffens darin besteht, ein trilaterales Treffen zwischen Trump, Zelensky und Putin vorzubereiten, wie Zelensky sagt, dann scheint mir, dass gerade das nicht die Hauptidee sein wird. Ich sehe bei Putin bisher keinerlei Begeisterung für ein Treffen mit Zelensky. Obwohl ich glaube, dass Trump ein solches Treffen gerade beim G20-Gipfel in den Vereinigten Staaten gerne durchführen würde.

Aber mir scheint, wenn er sagt, dass Putin und Zelensky sich nicht unbedingt treffen müssten, dann erkennt auch Trump, dass es ein solches Treffen möglicherweise einfach nicht geben wird. Und das könnte für ihn ebenfalls akzeptabel sein, wenn am Ende ein Friedensabkommen unterzeichnet wird.

Das ist also diese Turbulenz. Ich habe Ihnen in unseren Sendungen der vergangenen Tage mehrfach gesagt, dass wir uns in einem Zustand völliger Turbulenz befinden, dass wir noch vieles sehen und vieles hören werden. Aber vergessen Sie nicht, dass man auch im Kreml versteht, dass dies Tage der Turbulenz sind. Und dass man dort auf diese Tage der Turbulenz nicht unangemessen reagieren darf, um Trump nicht wirkliche Gründe für Unzufriedenheit zu liefern und sich beispielsweise neue Sanktionen einzuhandeln.

Das sind also die ersten Skizzen dieser Verhandlungen, die in Sankt Petersburg stattgefunden haben. Ich denke, dass wir in den nächsten Tagen noch einige Einzelheiten erfahren werden. Zumindest die amerikanische Presse wird darüber berichten.

Ich werde auf einige Fragen antworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage: Wenn die Republikaner die Wahlen verlieren, wie wahrscheinlich ist eine Untersuchung der nicht öffentlich bekannten Maßnahmen der Trump-Regierung, mit denen Druck auf die Ukraine ausgeübt wurde, und welche Folgen könnte eine solche Untersuchung haben?

Portnikov: Ich versichere Ihnen, dass es im Repräsentantenhaus Dutzende Untersuchungen zu den Handlungen dieser Regierung geben wird, wenn die Republikaner die Wahlen verlieren. Und ich schließe keineswegs aus, dass einer der Untersuchungsbereiche die Geschichte dessen sein wird, was in diesen Tagen geschehen ist. Das könnte die Beteiligten noch einholen.

Wie könnte das geschehen? Ganz einfach. Wenn jemand der Ansicht ist, dass die Regierung Russland heimlich im Krieg gegen die Ukraine unterstützt und bestimmte Hilfen für die Ukraine ohne irgendwelche Beschlüsse und schriftlichen Anordnungen heimlich zurückgehalten hat und so weiter, dann könnten Personen zur Aussage unter Eid vor den Kongress geladen werden.

Und das könnte natürlich im Falle einer Falschaussage zu einer strafrechtlichen Verfolgung des amerikanischen Verteidigungsministers, des Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs oder von Personen aus der Regierung führen. Und das könnte schwerwiegende Folgen haben, beispielsweise den Rücktritt des Verteidigungsministers oder die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen ihn.

Ich möchte Ihnen allerdings sagen, dass dies keineswegs das Hauptthema der Untersuchungen sein wird. Ich versichere Ihnen einfach, dass wir von Missständen in einem Ausmaß erfahren könnten, das wir uns nicht einmal vorstellen können.

Frage: Wir wissen, dass die Mehrheit der Amerikaner die Ukraine unterstützt. Aber wirkt sich das auf das Wahlverhalten aus? Die Demokraten sind ohnehin für uns, und die Republikaner werden sich nicht gerade wegen der Ukraine von ihren eigenen Kandidaten abwenden.

Portnikov: Erstens sollte man nicht glauben, dass jeder demokratische Wähler für uns und jeder republikanische Wähler gegen uns ist. Das ist überhaupt nicht so. Wir genießen gerade eine breite parteiübergreifende Unterstützung.

Aber die Wahrheit ist, dass die Ukraine-Frage weder für demokratische noch für republikanische Wähler an erster Stelle steht. Natürlich sage ich das immer wieder, wenn jemand behauptet: „Trump kann die Wahlsituation verändern, weil er uns nicht unterstützt.“ Das ist nicht so. Das stimmt nicht.

Die Wahrheit ist, dass sich die Unterstützung der Ukraine derzeit nicht so auf das tägliche Leben von Millionen Amerikanern auswirkt wie beispielsweise die Situation im Nahen Osten. Und übrigens versucht Trump ständig, das zu ändern. Trump selbst, wenn er sagt: „Nein, nicht der Nahe Osten ist der Grund dafür, dass Sie nicht genug Diesel oder Benzin kaufen können oder dass Sie dafür hohe Preise bezahlen. Nein, die ukrainischen Angriffe auf die russische Ölraffinerieindustrie sind die Ursache all Ihrer Probleme.“ Aber niemand glaubt das.

Und hier geht es nicht darum, ob jemand die Ukraine-Frage als vorrangig oder zweitrangig betrachtet. Es geht darum, dass die unentschlossenen Wähler, und gerade diese Menschen entscheiden die Wahlergebnisse in vielen amerikanischen Bundesstaaten, eine ganze Reihe von Fragen an Trump haben, die dazu führen könnten, dass sie nicht für einen republikanischen Kandidaten stimmen. Die Unterstützung oder Nichtunterstützung der Ukraine ist gewissermaßen ein Teil dieses gesamten Fragenkomplexes.

Frage: Wenn Marine Le Pen die Wahlen in Frankreich und die Alternative für Deutschland die Wahlen in Deutschland gewinnt, wie wird sich das auf die Unterstützung der Ukraine in Europa auswirken?

Portnikov: Bisher gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass die Alternative für Deutschland der Bildung einer Bundesregierung in Deutschland nähergekommen wäre. Erstens finden die Wahlen dort noch lange nicht statt. Zweitens haben die anderen Parteien keineswegs ihre Haltung aufgegeben, dass sie mit ihr keine Koalition bilden können.

Selbst wenn diese Partei also eine große Zahl von Stimmen im deutschen Parlament erhält, könnte sie vollständig in der Opposition bleiben. Und eine Regierung könnte beispielsweise von Christdemokraten, Sozialdemokraten und Grünen gebildet werden. Dann gäbe es eben eine Dreierkoalition statt einer Zweierkoalition, einfach um die Ultrarechten aufzuhalten. Deshalb erscheinen all diese Vorstellungen, dass die Alternative für Deutschland in Deutschland kurz vor der Machtübernahme stehe, bisher nicht realistisch.

Ein Sieg Marine Le Pens erscheint realistischer. Aber ich glaube nicht, dass es für Marine Le Pen, wenn sie Präsidentin Frankreichs wird, so einfach sein wird, den Kurs der Europäischen Union zu verändern, wenn man die wirtschaftliche Situation Frankreichs selbst und seine Abhängigkeit von den Prozessen innerhalb der Europäischen Union berücksichtigt. Der Umfang der wirtschaftlichen, finanziellen und militärischen Hilfe Frankreichs für die Ukraine ist mit dem deutschen nicht vergleichbar.

Aber Marine Le Pen könnte versuchen, Einfluss auf den Umfang der gesamteuropäischen Unterstützung zu nehmen. Das stimmt, das könnte geschehen. Aber dafür muss sie erst noch gewinnen und ihr Amt antreten. Bis dahin ist es noch sehr lange.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass der zweite Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen am 2. Mai 2027 stattfinden wird. Überlegen Sie, wann das erst sein wird, was der 2. Mai 2027 überhaupt bedeutet und wie viele Ereignisse bis dahin noch stattfinden werden. Deshalb würde ich mich mit solchen Prognosen für einen so weit entfernten Zeitraum nicht beeilen.

Wir wissen überhaupt nicht, wie Europa aussehen wird, ob nicht bis 2027 irgendein neuer Konflikt beginnt. Sie haben, denke ich, gesehen, wie sich die Situation in der Welt nach Beginn des Iran-Krieges verändert hat. Wie Sie verstehen, werden bis Mai 2027, bis zu einem Machtwechsel in Frankreich, selbst wenn Marine Le Pen gewinnt, noch viele solcher Ereignisse stattfinden, deren Ausmaß Sie sich heute nicht einmal vorstellen können. Ich werde Ihnen in dieser Sendung nicht davon erzählen. Deshalb sollten Sie sich mit Prognosen nicht beeilen.

Frage: Kehren wir wieder zum Mai 2025 zurück, als Putin vorschlug, die Verhandlungen mit Russland wieder aufzunehmen, bei denen Medinski drohen wird: „Gebt den Donbas schon heute ab, damit ihr morgen nicht noch mehr verliert“?

Portnikov: Nein, ich glaube gerade, dass es anders sein könnte. Dass Uschakows Worte über die Sicherheitsfragen der Ukraine und Russlands gerade nicht vom Donbas sprechen, sondern von einem breiteren Ausmaß des Drucks auf die Ukraine, der gemeinsam von Amerikanern und Russen ausgeübt werden könnte. Wenn es nicht um den Vorrang territorialer Fragen gehen wird, sondern um den Vorrang von Sicherheitsfragen. Darum, dass die Ukraine zustimmt, den Frieden gegen die Rolle eines russischen Satelliten einzutauschen, unter Garantien der Vereinigten Staaten, dass die Ukraine ihre Staatlichkeit nicht verlieren wird. Und möglicherweise wird man versuchen, auch China daran zu beteiligen.

Ich sage nicht, dass es so kommen wird. Ich sage, dass die Russen zumindest ein solches Modell in Betracht ziehen könnten, im vollen Bewusstsein, dass, sobald Trump nicht mehr Präsident ist, auch all diese amerikanischen Garantien verschwinden werden und nur noch die Rolle eines russischen Satelliten übrig bleibt. Und das könnte eine solche Idee sein.

Frage: Erläutern Sie bitte den Zusammenhang zwischen den gegenwärtigen Verhandlungen und den Wahlen in den Vereinigten Staaten. Es sieht so aus, als würde Putin Trump die Illusion von Fortschritten vermitteln, aber wirkliche Fortschritte wird Trump bis zum 3. November nicht erleben.

Portnikov: Wer hat Ihnen denn gesagt, dass Trump bis zum 3. November eine Illusion von Fortschritten braucht? Er muss bis zum 3. November sagen können, dass die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine unmittelbar bevorstehen, dass dabei erhebliche Fortschritte erzielt werden und dass Frieden erreicht wird. Und inzwischen hat sein Vertreter bei den Verhandlungen die Freilassung einer amerikanischen Geisel erreicht. Gut gemacht. Und Trump hat es auch gut gemacht. Und niemand außer Trump hat das geschafft.

Inzwischen liefert Russland Dieselkraftstoff auf den Weltmarkt, was die Kraftstoffpreise bereits senkt und sie auch weiterhin senken wird, noch vor Beginn der Verhandlungen. Der Prozess läuft. Er kann nicht schnell sein. Aber Trump hat von Putin die Möglichkeit bekommen, sich mit seiner Rolle als Friedensstifter zu brüsten.

Putin hat nicht abgelehnt. Der Prozess der Vorbereitung der Verhandlungen läuft. Es werden die ersten ernsthaften Verhandlungen sein, die ersten Verhandlungen auf hoher Ebene. Ich zitiere jetzt nicht Trump, sondern den norwegischen Ministerpräsidenten. Sehen wir, was Trump selbst sagen wird.

Und ich wiederhole: Trumps Zeitdruck hängt nicht nur mit dem 3. November zusammen, sondern auch mit der Zeit im November, Dezember und Anfang Januar 2027. Auch das ist eine Zeit, in der er glauben könnte, dass er seine letzten Möglichkeiten hat, bestimmte Maßnahmen in den Beziehungen zu Moskau zu ergreifen.

Frage: Wenn Russland mit Europa Krieg führen will, soll es doch Krieg führen. Warum sollen die Ukrainer ein Schutzschild sein?

Portnikov: Die Ukraine ist kein Schutzschild, sondern ein potenzielles Aufmarschgebiet für einen solchen Krieg. Um Krieg gegen Europa führen zu können, muss Russland das Territorium der Ukraine erobern und dieses Territorium von einer illoyalen Bevölkerung befreien, die nicht bereit ist, die historische Rolle Russlands anzuerkennen.

Ihre Entscheidung, verehrter Zuschauer, betrifft also nicht die Frage eines Schutzschilds. Es geht darum, ob Sie in feuchter Erde liegen werden, während in Ihrem Haus ein Besatzer lebt, der bereit ist, Krieg gegen Europa zu führen, oder ob es Ihnen gelingt, zu überleben und die Staatlichkeit der Ukraine zu verteidigen. Das ist eine sehr einfache Entscheidung, vor der Sie schon bald stehen werden.

Frage: Wenn es jetzt keine intensiven Maßnahmen gibt, um Russland zum Frieden zu zwingen, wie wahrscheinlich ist es dann, dass die Armee und andere Sicherheitsorgane Trump folgen werden, falls Trump mit allen Mitteln an der Macht festhalten will?

Portnikov: Eine solche Wahrscheinlichkeit gibt es nicht. Die amerikanischen Institutionen sehen nicht wie Institutionen aus, in denen vor allem die Sicherheitskräfte alles entscheiden. Und angesichts von Trumps gegenwärtiger Popularität: Wer von den Menschen, die in diesen Institutionen dienen oder arbeiten, würde es riskieren, ihn zu unterstützen, wenn er gegen das Gesetz verstößt?

Frage: Glauben Sie, dass Witkoffs Besuch nicht eine Fortsetzung der Vereinbarung über den Erwerb von Lukoil war, getarnt als Friedensverhandlungen?

Portnikov: Witkoffs Besuch ist natürlich, wie jeder solche Besuch, eine Fortsetzung der Suche nach Möglichkeiten, die ausländischen Vermögenswerte von Lukoil an sich zu bringen. Zweifeln Sie nicht daran, dass Witkoff und Putin während dieses dreistündigen Gesprächs darüber gesprochen haben. Außerdem erschien erstmals bei russisch-amerikanischen Verhandlungen, ich glaube, ich habe das noch nicht erwähnt, Maxim Oreschkin.

Maxim Oreschkin ist stellvertretender Leiter der russischen Präsidialverwaltung und Berater des Präsidenten der Russischen Föderation. Er war früher stellvertretender Leiter der Präsidialverwaltung der Russischen Föderation und ehemaliger Minister für wirtschaftliche Entwicklung der Russischen Föderation. Das heißt, dieser Mann ist tatsächlich für die russische Wirtschaft zuständig, denn in Russland wird, wie auch bei uns, alles vor allem in der Präsidialverwaltung entschieden.

Und nun erschien Oreschkin zum ersten Mal bei den Verhandlungen zwischen Putin und Witkoff. Das bedeutet, dass bei diesen Verhandlungen über sehr ernsthafte wirtschaftliche Fragen gesprochen wurde, wenn Putin dafür Oreschkin brauchte und nicht nur Kirill Dmitrijew. Denn Kirill Dmitrijews Aufgabe besteht darin, den Amerikanern Märchen aufzutischen, während Oreschkins Aufgabe darin besteht, konkrete wirtschaftliche Fragen zu lösen.

Sie müssen dort also über etwas sehr Ernstes gesprochen haben, wenn Oreschkin zu diesen Verhandlungen kam. Oder ist er etwa eigens nach Sankt Petersburg geflogen? Wissen Sie, dass das alles in Sankt Petersburg stattfindet? Es ist ja nicht so, dass Putin sagt: „Ach, wo ist denn unser Oreschkin? Fragen wir ihn doch mal.“ Das bedeutet, dass sie sich auf solche Verhandlungen vorbereitet haben. Und Oreschkin flog zusammen mit Putin nach Sankt Petersburg, um mit Witkoff zu sprechen.Dabei kann es um Lukoil gehen und um alles andere. 

Aber ich erinnere Sie daran, dass Witkoff ständig sagt, dass all diese Beziehungen erst nach dem Ende der Kampfhandlungen im russisch-ukrainischen Krieg zustande kommen und geregelt werden können. Das heißt, hier hat sich eine bestimmte amerikanische Position nicht verändert. Ein sehr wichtiger Punkt, wie mir scheint. Ich denke, dass auch Sie das sehr gut verstehen.

Aber dass der Wunsch, die Vermögenswerte von Lukoil zu erwerben, und überhaupt der Wunsch, irgendwelche Geschäfte mit Russland im Energiebereich und nicht nur dort zu machen, ein wichtiger Bestandteil des Handelns dieser Regierung ist, das muss ich meiner Meinung nach nicht immer wieder wiederholen. Denn das ist eine objektive Wahrheit, mit der auch wir umgehen müssen.

Und wir müssen verstehen, dass wir den Vereinigten Staaten aus Trumps Sicht trotz dieses gesamten Abkommens über ukrainische Mineralien, das bereits 2025 auf Initiative eben jenes Lindsey Graham unterzeichnet wurde, nicht so viel anbieten können, wie Putin ihnen anbieten kann.

Natürlich bedeutet etwas anzubieten noch lange nicht, dass man heiratet. Aber er bietet es an. Und wenn Trump sagt: „Wir haben der Ukraine Milliarden Dollar gegeben, und was haben wir dafür bekommen? Steigende Ölpreise?“, dann meint er genau das. Zweifeln Sie nicht daran.

Seien Sie deshalb sicher, dass dies erst der Beginn bestimmter Prozesse ist. Aber man kann nicht sagen, dass dies einfach eine Situation ist, die überhaupt zu keinen Veränderungen führen wird. Das heißt, wir spüren gewisse Korrekturen der russischen Position. Aber wir wissen nicht, womit diese Perspektiven und Korrekturen zusammenhängen. Ob tatsächlich mit dem Wunsch, die Kampfhandlungen irgendwann auf irgendeine Weise auszusetzen. Oder mit dem Wunsch, erneut Zeit zu schinden, in einer für Donald Trump so schwierigen Zeit vor den Wahlen und während der Bildung eines neuen Kongresses in den Vereinigten Staaten, der nach allen Anzeichen dem amtierenden amerikanischen Präsidenten gegenüber nicht wohlgesinnt sein wird.


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Titel des Originals: Путін-Віткофф: перші підсумки | Віталій
Портников. 21.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 21.10.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Seoul verschärft den Konflikt mit der Ukraine | Vitaly Portnikov. 29.09.2026.

Der Leiter der ukrainischen Botschaft in Südkorea, Andriy Vieshkin, wurde ins Außenministerium des Landes einbestellt, um ihm die harte Haltung mitzuteilen, die die südkoreanische Regierung in dem Konflikt weiterhin einnimmt, der mit einem Austausch von Erklärungen zwischen den Präsidenten der Ukraine und Südkoreas, Volodymyr Zelensky und Lee Jae-myung, auf der Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen begonnen hatte.

Wie bekannt ist, teilte der ukrainische Präsident mit, dass zwei Soldaten der Demokratischen Volksrepublik Korea, die gemeinsam mit russischen Truppen gekämpft hatten und von den ukrainischen Verteidigungskräften gefangen genommen worden waren, an Seoul übergeben wurden. Der Präsident Südkoreas beschuldigte Kyiv, Informationen offengelegt und sogar Verrat begangen zu haben, und sprach von schwerwiegenden Folgen solcher Äußerungen des ukrainischen Präsidenten.

Es wurde darüber gesprochen, Volodymyr Zelensky habe beschlossen, eine Vertraulichkeitsvereinbarung mit Südkorea um der PR willen zu verletzen. Wobei nicht ganz klar ist, worin hier die PR bestehen soll, wenn die ukrainische Regierung Kriegsgefangene aus Pjöngjang an Seoul übergibt, ohne dass diese Übergabe für die Ukraine selbst irgendwelche realen Ergebnisse bringt. Das könnte man eher als eine Art Wohltätigkeit bezeichnen.

Gleichzeitig wissen wir natürlich nicht, in welcher Form eine südkoreanisch-ukrainische Vereinbarung überhaupt bestand – oder ob es sie überhaupt gab. Man darf nicht vergessen, dass Informationen darüber, dass Bürger der DVRK nach Südkorea übersiedeln wollten, sowohl in ukrainischen als auch in südkoreanischen Medien kursierten. Unbekannt war lediglich die Tatsache selbst, dass diese Menschen an Seoul übergeben worden waren.

Viele sagen, dadurch könne eine Gefahr sowohl für die ehemaligen Soldaten selbst als auch, was noch wichtiger sei, für ihre Angehörigen in Nordkorea entstehen. Auch diese Behauptung hält keinerlei Kritik stand.

  • Erstens verfügt die nordkoreanische Agentur über andere Möglichkeiten, von der Übergabe eigener Staatsbürger an Seoul zu erfahren, als durch die Rede des ukrainischen Präsidenten auf der Sitzung der UN-Generalversammlung.
  • Zweitens haben Menschen, die von der ukrainischen Armee gefangen genommen wurden, aus Sicht des offiziellen Pjöngjang bereits Verrat begangen. Sie haben keinerlei Recht, sich dem Feind zu ergeben.

Daher ist die Annahme, dass es derzeit Angehörige dieser ehemaligen Kriegsgefangenen gibt, die sich noch in Freiheit befinden oder überhaupt noch am Leben sind, gelinde gesagt naiv. Das entspricht nicht der Logik des Verhaltens des nordkoreanischen Regimes seit dem ersten Tag seiner Gründung. Und heute ist dieses Regime möglicherweise sogar noch härter als zu Zeiten des Begründers der nordkoreanischen kommunistischen Diktatur, Kim Il-sung.

Warum äußert Lee Jae-myung dann derart scharfe Vorwürfe gegenüber Volodymyr Zelensky, und hätte Kyiv auf diese Vorwürfe so reagieren sollen? Nun, zunächst einmal müssen wir eine wichtige Sache verstehen.

In Südkorea herrscht praktisch seit den ersten Tagen der Gründung dieses Staates ein erbitterter innenpolitischer Kampf zwischen zwei gegensätzlichen Lagern. 

  • Das eine orientiert sich vorbehaltlos an den Vereinigten Staaten. 
  • Das andere versucht, eine Verständigung mit Peking und Pjöngjang zu finden.

Der vorherige Präsident Südkoreas, Yoon Suk Yeol, war ein Anhänger eben dieser vorbehaltlosen Orientierung. Deshalb verkaufte Südkorea während seiner Amtszeit, obwohl es keinerlei gesetzliche Möglichkeiten hatte, die Ukraine militärisch zu unterstützen, seine Waffen an die Vereinigten Staaten oder an europäische Länder wie Polen. Und die Vereinigten Staaten übergaben uns dann südkoreanische Artilleriegeschosse, während Polen durch den Kauf koreanischer Militärtechnik die Möglichkeit erhielt, uns Militärtechnik anderer Herkunft zu übergeben.

Südkorea selbst hat der Ukraine nie etwas geliefert und kann dies auch nicht. Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass Yoon Suk Yeol dies nicht nur aus Respekt vor dem ukrainischen Kampf tat, sondern auch deshalb, weil er gute Beziehungen zur Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten Joseph Biden aufbauen wollte, die versuchte, der Ukraine zu helfen. Um gute Beziehungen zur Administration von Präsident Donald Trump aufzubauen, ist es in Südkorea keineswegs notwendig, dies zu tun.

Darüber hinaus ist Yoon Suk Yeols Nachfolger Lee Jae-myung ein Vertreter völlig entgegengesetzter politischer Kräfte. Während sein Vorgänger versuchte, die Beziehungen zu Washington auszubauen und sich faktisch mit Peking überwarf, eine regelrechte diplomatische Blockade Pjöngjangs schuf und betonte, dass jede Verbesserung der Beziehungen erst nach einer Denuklearisierung Nordkoreas möglich sei, versucht Lee Jae-myung, die Beziehungen zum Staatschef der Volksrepublik China, Xi Jinping, zu verbessern – dieser kommt ihm dabei übrigens entgegen – und versucht, sich mit Kim Jong-un zu treffen. Dieser hat es jedoch nach der drastischen Wende seiner eigenen Außenpolitik und der Abkehr von der Idee der sogenannten friedlichen Wiedervereinigung des Vaterlandes nicht besonders eilig, solchen Vorschlägen für ein Treffen mit dem südkoreanischen Staatschef zuzustimmen.

Der Präsident Südkoreas nutzte also die Tribüne der UN-Generalversammlung dazu, die Änderung seines eigenen außenpolitischen Kurses zu legitimieren, und zwar so, dass die Opposition ihm daraus keinen Strick drehen kann. Denn sie wartet nur darauf, dass er dort landet, wo vor ihm praktisch alle früheren südkoreanischen Präsidenten der vergangenen Jahrzehnte gelandet sind: im Gefängnis. Zumal Lee Jae-myung bereits vor seiner Wahl zum Präsidenten Südkoreas Korruptionsermittlungen durchlaufen hat und nur deshalb gewählt werden konnte, weil bestimmte Ermittlungen eingestellt wurden – und es könnte sich herausstellen, dass dies keineswegs für immer der Fall ist.

Seine Politik, die auf dem Versuch beruht, sich wieder Peking und Pjöngjang zuzuwenden, ist für Lee Jae-myung also ziemlich schwierig umzusetzen. Er ist sich vollkommen darüber im Klaren – zumindest kann er das so sehen –, dass Kim Jong-un, wenn er erfährt, dass seine Staatsbürger dank Vereinbarungen zwischen Südkorea und der Ukraine nach Seoul gelangt sind, sehr wütend sein und keine Beziehungen zu ihm aufbauen wollen wird.

Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Kim Jong-un hat ohnehin nicht vor, Beziehungen zu Lee Jae-myung aufzubauen. Lee Jae-myung erinnert mich in dieser Situation gerade an Volodymyr Zelensky im Jahr 2019, der glaubte, er könne sich mit dem Präsidenten der Russischen Föderation Putin treffen und mit ihm tatsächlich irgendetwas vereinbaren. Nein, nein und noch 300.000 Mal nein. Die Wende in der Außenpolitik Nordkoreas hin zur Konfrontation mit dem Süden und dazu, ihn zu einem feindlichen Staat zu erklären, den man, wenn sich die Gelegenheit bietet, vernichten kann, hat bereits stattgefunden.

Und kein Lee Jae-myung wird diese Wende noch ändern können. Zumindest nicht bis zu dem Zeitpunkt, an dem in Pjöngjang in der Residenz des Staatschefs ein neuer Mensch auftaucht. Und darauf kann man noch viele Jahrzehnte warten.

Aber es ist wichtig, das Wesen dieses Ansatzes zu verstehen. Hätten wir dem Präsidenten Südkoreas und seiner Regierung Anlass geben sollen, den Konflikt weiter zu verschärfen? Vielleicht hätten wir ihnen diesen Anlass nicht gegeben, wenn wir nicht gesagt hätten, der Präsident Südkoreas habe die Vertraulichkeitsvereinbarung erfunden. In Seoul wird dies als offene Unterstützung Kyivs für jene südkoreanischen Oppositionskräfte wahrgenommen, die Lee Jae-myung angreifen und darauf hoffen, dass seine Herrschaft und die Herrschaft seiner Partei früher enden als bei den nächsten regulären Wahlen.

Und gerade ein solcher Versuch, am Rande der UN-Generalversammlung die Position des südkoreanischen Präsidenten zu untergraben, könnte die anhaltend harte Reaktion Seouls ausgelöst haben.

Was sollte Kyiv in dieser Situation tun? Nun, zunächst einmal muss man sich darüber im Klaren sein, dass es ohnehin keine ernsthafte militärische Hilfe aus Südkorea geben wird, solange Lee Jae-myung an der Spitze des Landes steht. Es gibt hier also nichts zu riskieren. Und all diese Geschichten darüber, dass wir kurz vor einer neuen Waffenlieferung aus Seoul gestanden hätten, sind eher Wunschdenken als eine reale Situation, die unter dieser Administration entstehen könnte.

Davon sprechen Menschen, die sich schlicht nie ernsthaft mit der südkoreanischen Politik beschäftigt haben. Und wir wissen, dass wir erhebliche Probleme mit außenpolitischer Expertise haben, erst recht, wenn sich damit Amateur-Experten befassen. Daran haben wir uns bereits gewöhnt.

Zweitens ist es offensichtlich, dass man sich mit Südkorea auch in einer Zeit, in der es eine Verständigung entlang der Achse Peking–Moskau–Pjöngjang sucht, nicht überwerfen sollte. So oder so kann die Regierung wechseln, und es können Menschen an die Macht kommen, die bereit sind, uns indirekt zu helfen.

Der Krieg liegt noch vor uns, auch ein Machtwechsel in Südkorea liegt noch vor uns. Und die Situation wieder in Ordnung zu bringen bedeutet, es denjenigen leichter zu machen, die nach dem derzeitigen südkoreanischen Präsidenten und seiner auf Verständigung mit China ausgerichteten Administration kommen werden.

Übrigens ist an dem, was ich sage, nichts sensationell. Denn als Yoon Suk Yeol, der sich heute wegen Machtmissbrauchs und des Versuchs, im Land das Kriegsrecht zu verhängen, im Gefängnis befindet, seine Macht verlor, betonten praktisch alle Experten, die sich mit Südkorea beschäftigten, bereits damals, dass eine neue Administration unter Lee Jae-myung angesichts seiner bekannten Positionen der Ukraine nicht helfen und all jene Programme indirekter Unterstützung zurückfahren werde, die unter der vorherigen Administration bestanden hatten. Ebenso wurde betont, dass sich der neue Präsident Südkoreas, der für seinen Wunsch bekannt ist, die Beziehungen zur Volksrepublik China und zu Nordkorea zu verbessern, in seinen Ansätzen – darunter auch hinsichtlich des russisch-ukrainischen Krieges – diametral von seinem Vorgänger unterscheidet.

Was bereits in jenen Tagen offensichtlich war, als die Opposition in Südkorea den Versuch eines Militärputsches durch Yoon Suk Yeol und seine Mitstreiter vereitelte, wurde auf der Sitzung der UN-Generalversammlung vollkommen offensichtlich, transparent und verständlich.

Hätte Volodymyr Zelensky dem Präsidenten Südkoreas keinen Anlass gegeben, wäre die Einstellung der Hilfe einfach ohne Skandal erfolgt, und es wäre schwieriger gewesen, sie gegenüber der südkoreanischen Opposition zu erklären. Aber das ist ganz sicher kein Problem der ukrainischen, sondern der südkoreanischen Innenpolitik und jenes ewigen Kampfes, der jeden Präsidenten ins Gefängnis bringt oder ihn unter der Last der von seinen Gegnern erhobenen Vorwürfe dazu zwingt, sein Leben durch Selbstmord zu beenden.


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Titel des Originals: Сеул загострює конфлікт з Україною | Віталій Портников. 29.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.09.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Trump und Xi: Bilanz des Besuchs | Vitaly Portnikov. 25.09.2026.

Der Besuch des Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, in Washington – ein Staatsbesuch, übrigens der erste Fall in der Geschichte, dass ein und dieselbe Person aus China die Vereinigten Staaten zweimal zu einem Staatsbesuch besucht – lässt sich wohl kaum als ein Besuch bezeichnen, der zu irgendwelchen konkreten Ergebnissen in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China oder bei der Lösung globaler Probleme geführt hätte.

Der Besuch begann mit der unerwarteten Ankunft des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, am Flughafen von Washington, wo Xi Jinpings Flugzeug eintraf. Eine beispiellose Geschichte in der amerikanischen Protokollpraxis, die die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und seinem chinesischen Amtskollegen demonstrieren sollte.

Auch im weiteren Verlauf fand Xi Jinpings Aufenthalt in Washington in eben dieser demonstrativ freundschaftlichen und feierlichen Atmosphäre staatlicher Veranstaltungen und des Austauschs von Höflichkeiten statt. Doch was stand tatsächlich dahinter? Ist es Trump und Xi Jinping gelungen, sich wenigstens auf irgendetwas zu einigen?

Die Antwort lautet Nein. Ja, der Präsident der Vereinigten Staaten und der Vorsitzende der Volksrepublik China haben über Russlands Krieg gegen die Ukraine gesprochen. Das geht aus einer Erklärung des Außenministeriums der Volksrepublik China hervor, in der die Themen aufgezählt wurden, die im Mittelpunkt der Gespräche zwischen dem amerikanischen und dem chinesischen Staatschef standen.

Doch bei allen weltweiten Konflikten – Trump und Xi Jinping sprachen sowohl über die Situation mit dem Iran als auch über die Situation im Nahen Osten – vertreten der amerikanische Präsident und der chinesische Generalsekretär völlig gegensätzliche Positionen.

Denn wie bekannt ist, kauft gerade die Volksrepublik China sowohl von Russland als auch vom Iran Öl, was den Ajatollahs und Putin die Möglichkeit gibt, ihre Konfrontation mit der zivilisierten Welt fortzusetzen. Und wir haben keinerlei Anzeichen dafür gesehen, dass Trump bereit wäre, China an diesen Käufen zu hindern.

Mehr noch: Vor dem Aufenthalt des Vorsitzenden der Volksrepublik China in Washington einigten sich amerikanische und chinesische Beamte auf die sogenannte Handelswaffenruhe, also darauf, für weitere einige Monate keinerlei Sanktionen und Zölle einzuführen.

China wollte eine längere Frist, aber Trump beschäftigt sich derzeit, wie wir wissen, weniger mit Außenpolitik als mit Innenpolitik, nämlich mit den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress. Und bis dahin möchte der Präsident der Vereinigten Staaten nicht, dass ihm irgendwelche Fragen zusätzliche Schwierigkeiten bereiten.

Nach den Zwischenwahlen könnte er dagegen darauf hoffen, zu einer härteren Politik zurückzukehren, obwohl unbekannt ist, ob das geschehen wird und inwieweit ihm dafür die Hände frei sein werden, falls die Republikaner diese Wahlen verlieren. Xi Jinping versteht das übrigens sehr gut.

Auf der einen Seite ging Donald Trump also symbolisch bewaffnet mit dem sogenannten Graham-Gesetz in die Verhandlungen, das ihm erlaubt, Zölle von bis zu 100 Prozent auf Produkte aus Ländern zu verhängen, die Öl von Russland und dem Iran kaufen. Den Iran hat er diesem Gesetz übrigens eigens hinzugefügt. Auf der anderen Seite hat er keinerlei Möglichkeit, dieses Gesetz gegen die Volksrepublik China anzuwenden, weil er erstens bereits den Zollkrieg gegen Peking verloren hat und zweitens bereits eine Waffenruhe vereinbart wurde.

Und was soll Xi Jinping davon halten, der daran interessiert ist, gute Beziehungen zu Moskau und Teheran aufrechtzuerhalten und diese Regime bei ihrer Konfrontation mit dem Westen zu unterstützen?

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten hängen ebenfalls davon ab, inwieweit die Vereinigten Staaten ohne chinesische Produkte und ohne chinesische Unterstützung auskommen können. Wie bekannt ist, hieß es vor dem Besuch, Trump sei daran interessiert, dass China seine Käufe amerikanischer Agrarprodukte erhöht, was ein großes Geschenk für republikanische Wähler gewesen wäre – für die Farmer, die ihre Produkte auf den chinesischen Märkten verkaufen.

Doch wir sehen keinerlei Anzeichen dafür, dass es ihm gelungen wäre, dies von Xi Jinping zu erreichen. Ebenso sehen wir keinerlei Anzeichen dafür, dass die Volksrepublik China bereit wäre, den Verkauf von Seltenen Erden an die Vereinigten Staaten zu erhöhen, die ebenfalls für die amerikanische Wirtschaft benötigt werden.

Gleichzeitig haben aber auch die Vereinigten Staaten keinen Wunsch erkennen lassen, die Beziehungen zu chinesischen Unternehmen auszubauen, die Donald Trump als ernsthafte Konkurrenten amerikanischer Unternehmer betrachtet. Und wie bekannt ist, betonte Trump in seinem Wahlkampf, dass er gerade die Lage der amerikanischen Industrie verbessern müsse.

Infolgedessen kamen die Chefs führender chinesischer Unternehmen eigenständig nach Washington, ohne Teil der von Xi Jinping zusammengestellten Delegation zu sein. Und das geschah offenbar gerade deshalb, weil die amerikanische Seite die chinesischen Industriellen nicht in dieser Delegation sehen wollte. Und ebenso wie die amerikanischen Industriellen befanden sich auch ihre chinesischen Kollegen in einer Art Schwebezustand, weil die Amerikaner nicht wussten, ob Xi Jinping mit ihnen sprechen wollte, und die Chinesen nicht wussten, ob Trump oder irgendein anderer Vertreter der Präsidialadministration mit ihnen sprechen wollte.

Und dabei gibt es dennoch eine ganze Reihe von Einwänden gegen diesen Besuch, denn sowohl unter den Demokraten als auch unter den Republikanern gibt es Menschen, die daran erinnern, dass Trump, der seinen Wahlkampf gerade auf die Konfrontation mit China aufgebaut hatte, nicht seine besonderen Beziehungen zum Vorsitzenden der Volksrepublik China hervorheben und den führenden Kommunisten der heutigen Welt mit solchem Prunk in Washington empfangen sollte. Und das ist ein Mensch, der ständig vom Kampf gegen Kommunisten spricht, nur dass er aus irgendeinem Grund amerikanische Demokraten zu Kommunisten erklärt und nicht darauf achtet, dass neben ihm der Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei steht, der, wie wir verstehen, weder seine Ansichten noch seine Ideologie verbirgt. Nun, darauf achtet er irgendwie nicht.

Das Paradoxe an dieser Situation besteht jedoch gerade darin, dass Donald Trump und Xi Jinping demonstrativ gute persönliche Beziehungen haben können, obwohl wir sehr gut verstehen, dass es sich dabei um gute persönliche Beziehungen vonseiten Trumps handelt, der autoritäre Staatschefs mag, während Xi Jinping den amerikanischen Präsidenten in Wirklichkeit womöglich nur verachtet. Aber auf die Beziehungen zwischen den Staaten hat das überhaupt keinen Einfluss. Und auch auf die Fähigkeit der Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China, sich auf irgendetwas zu einigen, haben diese guten persönlichen Beziehungen zwischen dem Präsidenten und dem Vorsitzenden keinerlei ernsthaften Einfluss.

Gerade deshalb war Xi Jinpings Besuch in der amerikanischen Hauptstadt prunkvoll, aber völlig ergebnislos. Und das betrifft leider auch die Möglichkeit, Fortschritte in der Frage von Russlands Krieg gegen die Ukraine zu erzielen, sowie den Versuch, Xi Jinping dazu zu bringen, Einfluss auf seinen russischen strategischen Partner Putin zu nehmen.


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Titel des Originals: Трамп і Сі: підсумки візиту | Віталій
Портников. 25.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 25.09.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Trump droht Putin | Vitaly Portnikov. 22.09.2026.

In seiner Rede auf der Sitzung der UN-Generalversammlung, vor einem möglichen Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky, versprach der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump, das Graham-Gesetz anzuwenden, falls dies im Zusammenhang mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges notwendig sein sollte. In derselben Rede betonte Trump, dass die Vereinigten Staaten mit den Führungen Russlands und der Ukraine zusammenarbeiten, um den Krieg zu beenden, und dass dies früher geschehen werde, als viele für realistisch halten. Vor seiner Rede sagte Trump im Gespräch mit Journalisten, seine Botschaft an den russischen Präsidenten Putin sei hinreichend klar und konkret. Er müsse den Krieg beenden.

Aber natürlich ist die Warnung, dass das Graham-Gesetz angewendet werden könnte, ein ernstes Signal nicht nur an die Führung der Russischen Föderation, sondern vor allem auch an die Führungen der Länder, die Russland im Energiebereich unterstützen, der Volksrepublik China und Indiens. Bekanntlich trifft sich der Präsident der Vereinigten Staaten in nur wenigen Tagen mit dem Staatschef der Volksrepublik China Xi Jinping. Das Gespräch könnte auch Fragen zur Beendigung des Krieges Russlands gegen die Ukraine betreffen. Und da Trump nicht nur das Graham-Gesetz in der Tasche hat, das Zölle von bis zu 100 Prozent gegen Länder vorsieht, die weiterhin russisches Öl kaufen, sondern auch mit der tatsächlichen Anwendung dieses Gesetzes droht, kann er mit dem chinesischen Staatschef darüber sprechen, ob Peking tatsächlich in der Lage ist, auf Moskau einzuwirken, um die Kampfhandlungen an der russisch-ukrainischen Front zu beenden.

In jedem Fall kann man davon ausgehen, dass Trumps Rede, in der er nicht nur über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges spricht, sondern dem russischen Präsidenten faktisch auch mit Sanktionen gegen dessen wirtschaftliche Unterstützer und gegen Russland selbst droht, einen etwas anderen Ton gegenüber dem Kreml anschlägt, als Putin nach dem Besuch der amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner in der russischen Hauptstadt hätte erwarten können.

Denn bislang bestand eine wichtige Taktik des russischen Staatschefs darin, auf Zeit zu spielen, um den amerikanischen Präsidenten davon zu überzeugen, dass Russland zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges bereit sei, zugleich aber bis zum Ende der Amtszeit Donald Trumps als Präsident keinerlei konkrete Schritte zu unternehmen, die von der Ernsthaftigkeit dieser Absichten zeugen würden. Es sieht so aus, als beginne der amerikanische Präsident diese Taktik seines russischen Amtskollegen zu erkennen.

Und wir müssen auch daran denken, dass Trumps Rede vor den für ihn ziemlich wichtigen Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten stattfindet, auch wenn er das vielleicht nicht eingestehen will. Wenn diese Wahlen mit einem vernichtenden Sieg der Demokraten und einem Fiasko der Republikaner enden und Trump nicht nur die Kontrolle über das Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses, sondern auch über den Senat verliert, wird ihn das buchstäblich innerhalb weniger Tage zu einer lahmen Ente in der Weltpolitik machen und ihn dazu zwingen, viele seiner Vorhaben aufzugeben. Und genau das versucht Trump zu verhindern.

Und er weiß sehr gut, dass ein großer Teil der Amerikaner, die heute entscheiden, welcher der politischen Parteien sie bei diesen wichtigen Zwischenwahlen ihre Stimme geben werden, die Ukraine unterstützt und, wie inzwischen offensichtlich ist, die russische Diktatur nicht unterstützt, die als offener Feind der Vereinigten Staaten und der zivilisierten Welt erscheint. In dieser Situation einen nachsichtigen Ton im Dialog mit dem Kreml anzuschlagen, bedeutet, zusätzliche Stimmen zu verlieren, von denen der Republikanischen Partei bei den bevorstehenden Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress ohnehin nicht mehr allzu viele geblieben sind.

Zugleich müssen wir sehen, dass Trump zwar Signale sendet, aber möglicherweise keine wirklichen konkreten Schritte unternimmt, die den Ländern, die Russland im Energiebereich unterstützen, Probleme bereiten und Moskau dazu zwingen würden, weniger Öl zu verkaufen und damit weniger Einnahmen für den Staatshaushalt zu erzielen, der für die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges wichtig ist.

Auch andere Äußerungen Donald Trumps zeigen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten weiterhin in seiner eigenen Realität lebt, die möglicherweise nicht mit jener Realität übereinstimmt, in der wir uns befinden. So ist Präsident Trump überzeugt, dass die Straße von Hormus offen sei und mehr Tanker sie passierten als vor dem Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran. Außerdem verspricht er, nach den Zwischenwahlen ein Friedensabkommen mit dem Regime in Teheran zu erreichen, weil er überzeugt ist, dass gerade diese Wahlen einer Einigung zwischen den Vereinigten Staaten und der Islamischen Republik im Wege stehen.

Trumps Äußerungen zeigen, dass er die Absichten und Wünsche der Feinde der Vereinigten Staaten möglicherweise nicht besonders realistisch einschätzt. Und das betrifft nicht nur den Iran, dessen Führung an einem politischen Fiasko des amtierenden amerikanischen Präsidenten und der Republikaner insgesamt interessiert ist. Es könnte auch Russland betreffen, das gemeinsam mit China ebenfalls versucht, die Präsidentschaft Donald Trumps und jene Sicht auf die Welt, die wir heute beim amerikanischen Präsidenten, seinem Umfeld und seinen Anhängern beobachten, dazu zu nutzen, den Vereinigten Staaten ihre weltweite Führungsrolle zu nehmen und die Führungsrolle Pekings und Moskaus zu stärken.

Daher könnte es vergeblich sein, in einer solchen Situation zu erwarten, dass Präsident Putin tatsächlich bereit sein wird, die Signale aus Washington zu hören und dass der Staatschef der Volksrepublik China Xi Jinping gemeinsam mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi angesichts des akuten Ressourcenmangels auf dem Weltmarkt auf russisches Öl verzichten wird. Denn die Straße von Hormus verschwindet nicht von der Tagesordnung der Weltwirtschaft, was auch immer Trump darüber sagen mag.

Aber für uns ist es natürlich besser, wenn Trump Putin droht, als wenn er versucht, sich mit dem dreisten russischen Staatschef zu einigen. Denn solche Drohungen können sowohl zu einer Ausweitung der Hilfe für die Ukraine führen als auch dazu, dass wir neue Flugabwehrraketen erhalten, und dazu, dass das Weiße Haus möglicherweise bereits nach den Zwischenwahlen nicht nur über die Anwendung des Graham-Gesetzes nachdenkt, sondern auch über die Verabschiedung des Ukraine Support Act, der unsere Möglichkeiten in der weiteren Konfrontation mit der Russischen Föderation stärken würde. Deren Führung konnte natürlich auch mit einer Veränderung des Tons rechnen, den der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump und seine Regierung ihr gegenüber anschlagen.


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Titel des Originals: Трамп погрожує Путіну | Віталій Портников. 22.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 22.09.2026.
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Friedensverhandlungen: Trump sucht Schuldige | Vitaly Portnikov. 13.09.2026.

Wie sieht der Verhandlungsprozess zwischen Russland und der Ukraine aus, welche realen Perspektiven hat er, und was kann infolge der amerikanischen Vermittlung geschehen? Genau diese Fragen stellten sich, nachdem bekannt geworden war, dass es gelungen ist, die lang erwartete Reise der amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner nach Moskau und Kyiv zu organisieren, dass es ihnen gelungen ist, Gespräche mit dem Präsidenten der Russischen Föderation Putin zu führen. Und von Moskau aus reisten sie nach Kyiv weiter und führten Gespräche mit dem Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky.

All das schuf im Prinzip zumindest eine Atmosphäre, unter deren Bedingungen wir auf einen realen Verhandlungsprozess hoffen konnten, der, wenn er schon nicht zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges führt, so doch zumindest erkennen lässt, inwieweit Russland zu wenigstens einer teilweisen, sagen wir, Waffenruhe im Energiebereich vor der Wintersaison bereit ist. Ganz zu schweigen davon, dass vor der Ankunft Witkoffs und Kushners in der russischen und in der ukrainischen Hauptstadt der Direktor der Central Intelligence Agency, John Ratcliffe, Moskau besucht hatte. Und obwohl keinerlei reale Informationen über seine Reise bekanntgegeben wurden, tauchte eine ganze Reihe von Verschwörungstheorien auf, die damit zusammenhingen, dass der CIA-Direktor mit seinen russischen Gesprächspartnern – wir wissen bis heute nicht, ob Putin darunter war – in einem härteren und ernsteren Ton gesprochen haben könnte als Witkoff und Kushner und nicht über Geschäfte.

Aber ich habe von Anfang an versucht zu erklären, dass wir es nicht so sehr mit einem Verhandlungsprozess als vielmehr mit einem Wahlkampfprozess zu tun haben. Und dass der Versuch, die Handlungen der jetzigen Administration ausgehend von der Logik früherer Administrationen zu analysieren, ein völlig falscher und unproduktiver Ansatz ist, weil das bedeutet, mit politischen Motiven etwas zu erklären, was ausschließlich mit Geschäften zusammenhängt. Und dass wir, wenn wir über irgendwelche realen politischen Absichten und über eine reale Möglichkeit von Verhandlungen sprechen und davon ausgehen, dass die Administration Donald Trumps sich gerade auf den russisch-ukrainischen Krieg konzentriert und nicht auf die innenpolitische Situation in den Vereinigten Staaten, zwangsläufig einen schweren Fehler hinsichtlich der Handlungen der Administration und hinsichtlich ihrer Absichten machen werden. 

Und ich habe dazu aufgerufen und rufe weiterhin dazu auf, darauf zu achten, dass wir vor den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress stehen, bei denen das gesamte Repräsentantenhaus und ein Teil des amerikanischen Senats gewählt werden. Und die Republikaner haben alle Chancen, die Kontrolle über das Repräsentantenhaus zu verlieren, die sie derzeit haben. Und es bestehen sogar gewisse Chancen, dass sie die Kontrolle über den Senat verlieren, was bereits eine echte politische Katastrophe für Donald Trump und seine Administration wäre.

Sowohl Trump selbst als auch seine engsten Mitstreiter sagen ständig, dass die Demokraten, wenn sie die Mehrheit im Repräsentantenhaus erhalten, dieses in ein regelrechtes Untersuchungsorgan verwandeln werden. Sie werden sich mit Missbräuchen befassen, die möglicherweise vom Präsidenten, von Mitgliedern seiner Familie und von seinem engsten Umfeld begangen wurden, und das dürfe nicht zugelassen werden, weil die Demokraten Amerika sonst zurückwerfen würden. Das bedeutet, dass in Wirklichkeit die Trump-Administration zurückgeworfen würde und dass die gesamte Aufmerksamkeit des Präsidenten der Vereinigten Staaten derzeit nur auf die Zwischenwahlen gerichtet ist.

Der Sommer ist vorbei, die heiße politische Saison in den Vereinigten Staaten hat begonnen. Und das Wichtigste ist, dass die Kraftstoffpreise zu Beginn dieser Saison weiterhin Rekordwerte erreichen. Wir sehen Aufnahmen davon, wie Amerikaner mit geradezu weit aufgerissenen Augen auf diese Zahlen an den Tankstellen schauen. Und jeder solche Blick kann Donald Trump bei den Zwischenwahlen Stimmen kosten. Deshalb ist es für den Präsidenten der Vereinigten Staaten unglaublich wichtig, zumindest irgendwelche Ergebnisse im Zusammenhang mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu erzielen, möglicherweise auch nur Zwischenergebnisse.

Und die heutige Erklärung Trumps, er habe Zelensky gesagt, nicht gegen russischen Dieselkraftstoff vorzugehen, weil dies zu einem Mangel führe, demonstriert im Prinzip eine völlig offensichtliche Reaktion des amerikanischen Präsidenten darauf, wie der russisch-ukrainische Verhandlungsprozess ablaufen wird, falls er überhaupt stattfinden wird.

Trump braucht zwei wichtige Dinge.

  • Erstens muss er zeigen, dass er seine friedensstiftenden Aktivitäten fortsetzt und dabei gewisse Erfolge erzielt.
  • Zweitens muss er Verantwortliche für den Anstieg des Ölpreises und des Benzinpreises finden und betonen, dass diese Verantwortlichen sich weder im Weißen Haus noch im Pentagon befinden und dass dieser schwindelerregende Anstieg der Kraftstoffpreise nichts mit den unüberlegten Handlungen der Administration während des Krieges im Iran zu tun hat.

Sehen Sie sich einmal an, was heute tatsächlich mit diesem Kraftstoff geschieht. Der Iran kontrolliert faktisch weiterhin die Straße von Hormus. Durch sie fährt nur eine sehr geringe Zahl von Schiffen. Der Kraftstoffpreis sinkt auf diese Weise nicht, sondern steigt, ungeachtet der optimistischen Erklärungen Donald Trumps, die Lage sei geregelt und die Straße von Hormus werde in Wirklichkeit von den Vereinigten Staaten kontrolliert, was überhaupt nichts mit der Realität zu tun hat.

Aber die größten Überraschungen für Donald Trump liegen in Wirklichkeit noch vor ihm, denn die jemenitischen Huthi, die eine effektive Stellvertretermacht des Iran sind, nähern sich inzwischen der Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab. Sie haben buchstäblich in diesen Tagen einen der wichtigsten Häfen des Jemen erobert, der zuvor von der legitimen, von Saudi-Arabien unterstützten Regierung dieses Landes kontrolliert wurde, und damit im Prinzip ernsthafte Voraussetzungen für Probleme beim weiteren saudischen Ölexport und sogar bei der saudischen Ölförderung geschaffen. Das heißt, zu den erheblichen Problemen Saudi-Arabiens mit der Lieferung von Öl durch die Straße von Hormus kommt nun tatsächlich ein Problem hinzu, das mit der Lieferung von Öl durch die Meerenge Bab al-Mandab zusammenhängt.

Dass so etwas geschehen könnte, wurde seit den ersten Tagen des Krieges gesagt. Es wurde gesagt, dass die jemenitischen Huthi von Ansar Allah eine ziemlich mächtige Kraft bleiben. Und Trump muss schlicht begreifen, dass der Iran dieses Instrument möglicherweise nicht einsetzt, weil er auf einen günstigen Moment für die Entstehung einer groß angelegten Ölkrise wartet. 

Und wann ist dieser Moment günstig? Im September und Oktober 2026, damit die Amerikaner zum Zeitpunkt der Wahlen schlicht keine reale Möglichkeit mehr haben, ihre Autos zu betanken. Für eine enorme Zahl von Menschen, die in den Vereinigten Staaten leben, für die amerikanische Provinz, wäre das eine echte wirtschaftliche und logistische Katastrophe. Wenn man die amerikanischen Entfernungen und die Abhängigkeit der Menschen von ihrem eigenen Verkehrsmittel allein für die gewöhnliche Bewegung im Dreieck Zuhause, Arbeit, Schule der Kinder und Supermärkte berücksichtigt. Wenn man kein Auto hat oder es mit Kraftstoff zum Goldpreis betanken muss, verliert man schlicht die Möglichkeit, sich tatsächlich fortzubewegen. Das ist eine solche objektive Realität. Natürlich beeinflusst sie die Wahlen. Genau das geschieht jetzt.

Was hören wir von Trump selbst, von seinem Finanzminister Bessent, von seinem Energieminister Wright? Dass der Hauptgrund für den Anstieg der Ölpreise die Ukraine sei, die entschieden habe, dass sie die russische Ölverarbeitung und den russischen Dieselkraftstoff angreifen könne. Und das, obwohl Russland früher ein Mehrfaches dessen an Dieselkraftstoff produzierte, was es selbst auf seinem Binnenmarkt brauchte, und auch heute noch keineswegs wenig davon produziert. Auch das muss man verstehen: Russland hat Probleme mit der Ölverarbeitung, mit Benzin, aber nicht mit Dieselkraftstoff.

Aber Trump ist das vollkommen egal, weil er braucht, dass der amerikanische Wähler glaubt, die Ukraine nehme ihm mit ihren Angriffen auf Russland die Möglichkeit, sein Auto zu betanken, weil sie die Folgen ihres Handelns nicht versteht. Das ist die ganze Geschichte. Und was braucht es, damit die Ukraine aufhört, Russland anzugreifen? Nun, natürlich kann Trump Zelensky sagen, man solle irgendwelche anderen Objekte angreifen. Obwohl wir verstehen, dass es ohne Angriffe auf den russischen Ölverarbeitungs- und Ölsektor keinen ernsthaften Einbruch der russischen Wirtschaft geben wird. Und Putin wird weiterhin Geld für den Krieg erhalten. Und wenn Trump sagt: „Soll sie andere Objekte angreifen und Putin nicht daran hindern, Geld für den Krieg zu bekommen“, dann wird er faktisch zu Putins Verbündetem.

Aber es gibt noch eine andere wichtige Frage. Vielleicht ist das reale Instrument dafür, dass die Angriffe auf russisches Öl und die russische Ölverarbeitung aufhören, der Frieden? Wenn es gelingt, Frieden zu erreichen, dann wird Russland die Ukraine nicht angreifen und die Ukraine Russland nicht angreifen. Und hier hören wir Trumps Vertreter Jared Kushner, der sagt, dass das Friedensabkommen, wie sich herausstellt, bereits vorbereitet sei, die Ukraine sich aber nicht auf die von Präsident Putin gezogene Linie zurückziehen wolle. Also auf diese berühmten administrativen Grenzen der Oblaste Donezk und Luhansk, die die russische Armee gemäß Putins Plänen bereits 2022 hätte erreichen sollen und die sie 2026 noch immer nicht erreichen kann. Und Putin denkt, wie wir sehen, die ganze Zeit darüber nach, wie er Trumps Zeit im Weißen Haus dafür nutzen kann, von der Ukraine den Rückzug bis zu diesen administrativen Grenzen zu erreichen, um schnell die vollständige Kontrolle über die befestigten ukrainischen Städte zu erlangen und eine Offensive gegen andere ukrainische Regionen zu entfalten, die an die Oblaste Donezk und Luhansk grenzen. Auch das muss man klar begreifen.

Diejenigen, die sagen: „Lasst uns ihnen die Oblaste Donezk und Luhansk geben, damit der Krieg aufhört“, müssen begreifen, dass kein Krieg aufhören wird, dass sie einfach weitergehen werden. Und vielleicht werden Sie zu den Opfern dieser neuen Offensive gehören, wenn Sie in einer ukrainischen Oblast leben, die an die Oblast Donezk oder Luhansk grenzt. Man muss einfach klar begreifen, warum. Weil die Worte Kushners, könnte man sagen, vom Berater des Präsidenten der Russischen Föderation Juri Uschakow widerlegt werden, der sagt, die Lösung der territorialen Frage werde Möglichkeiten für ein schnelleres Vorankommen bei den anderen Artikeln des sogenannten Friedensabkommens eröffnen. Das heißt, in Wirklichkeit existiert keinerlei vorbereitetes Friedensabkommen, es existiert keinerlei Konsens darüber. Kushner erfindet das genauso, wie Trump erfindet, dass die Probleme auf dem Weltölmarkt und an den amerikanischen Tankstellen mit ukrainischen Angriffen auf Russland zusammenhängen.

Russland hat die Territorialfrage gegenüber den amerikanischen Vermittlern schlicht absichtlich an die erste Stelle gesetzt, weil es sehr gut versteht, dass dies die schmerzhafteste und schwierigste Frage für die ukrainische Präsidialadministration ist und dass jede Antwort auf diese Frage Voraussetzungen für Destabilisierung in einem feindlichen Staat schafft, den Russland vernichten will. Ganz einfach. Wenn Zelensky „Nein“ sagt, kann man ihn beschuldigen, den Krieg nicht beenden zu wollen. Im Grunde hat Kushner das mit seinen Äußerungen während des Forums der Yalta European Strategy bereits getan. Wenn Zelensky „Ja“ sagt, kann man natürlich Voraussetzungen dafür schaffen, dass in Zukunft die Frage der Beschuldigung Zelenskys aufkommt, ukrainisches Territorium preiszugeben. So oder so wirkt die Situation destabilisierend. Warum also sollte Russland diese Destabilisierung nicht für seine Ziele nutzen?

Das ist also ein ziemlich einfaches Schema, nach dem der Kreml vorgeht, wenn er die Frage des Abzugs ukrainischer Truppen aus den Oblasten Donezk und Luhansk ins Spiel bringt. Kein einziger russischer Funktionär, beachten Sie das einfach, hat auch nur ein einziges Mal gesagt, dass ein Abzug der ukrainischen Truppen aus den Oblasten Donezk und Luhansk zumindest einen Waffenstillstand bedeuten würde. Nein. Sie sagen die ganze Zeit, dass dies eine effektivere Durchführung der Verhandlungen bedeuten würde, was ebenfalls keinerlei Realität entspricht.

Ich möchte Sie noch einmal daran erinnern, dass Putin, als der Krieg im Iran begann und er bemerkte, dass Trump keine Zeit für Friedensverhandlungen über die Ukraine hatte und er damit schlicht weder Energie noch die Zeit seiner Mitarbeiter für Gespräche über Frieden aufwenden musste und dass Witkoff und Kushner, die mit dem Nahost-Dossier beschäftigt waren, sich kaum ernsthaft mit der Frage des russisch-ukrainischen Krieges befassen würden, aus den Verhandlungen ausstieg und betonte, Russland werde nur dann an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn die ukrainischen Truppen die Gebiete der Oblaste Donezk und Luhansk verlassen. Das war eine offizielle Erklärung Russlands, bestätigt vom Leiter seines Außenministeriums Sergej Lawrow.

Und wie Sie sehen, ist daraus für Moskau nichts geworden. Sie sind schließlich an den Verhandlungstisch zurückgekehrt. Putin hat Witkoff und Kushner erneut in die russische Hauptstadt eingeladen. Putin erklärte sich erneut bereit, über eine Friedensregelung zu sprechen, sobald es ihm nützlich wurde und sobald er begriff, dass Trump zumindest die Imitation eines solchen Gesprächs braucht.

Man sollte also nicht denken, dass die territoriale Frage für den russischen Staatschef etwas besonders Grundsätzliches ist. Nein, grundlegend sind ganz andere Dinge, die mit der Fortsetzung des russischen Krieges gegen die Ukraine und mit dem Versuch zusammenhängen, Russlands Verluste in diesem Krieg, die wirtschaftlichen Verluste, zu verringern. Und wie wir sehen, beginnt Putin Trump dafür zu benutzen, dass wir tatsächlich nicht gegen russische Energieanlagen vorgehen können, so wie Putin Trump benutzt hat, um die Parade am 9. Mai abzuhalten. Nun, wenn Trump sich benutzen lässt, warum sollte man ihn nicht benutzen? Und in dieser Situation werden wir, wie Sie verstehen, tatsächlich Zeugen eines solchen Drucks sein.

Dabei muss man sofort sagen, dass unsere Angriffe tatsächlich Wirkung zeigen, dass sie nicht nur Trump beunruhigen, sondern auch Xi Jinping, der sehr gut versteht, dass die Zerstörung der russischen Ölverarbeitung und infolgedessen die Verringerung der russischen Ölförderung auch Probleme für die chinesische Wirtschaft schaffen kann. Und der Staatschef der Volksrepublik China braucht eine solche Situation überhaupt nicht, wie Sie sehr gut verstehen, weil ein großer Teil der chinesischen Wirtschaft und übrigens auch der indischen Wirtschaft auf billigem russischem Öl beruht, auf der Möglichkeit, dieses Öl, das für Yuan oder Rupien gekauft wird, zu Ölprodukten zu verarbeiten, die wiederum bereits für Dollar und Euro verkauft werden. Und wenn Russland weniger Möglichkeiten hat, solches Öl an China und Indien zu liefern, sagen wir, wenn es nach dem Krieg physisch nicht mehr vorhanden ist, dann liegt das ganz sicher nicht im Interesse Pekings und Neu-Delhis.

Und genau deshalb begann Putin unmittelbar nach seinem Treffen mit Xi Jinping in Bischkek über Verhandlungen zu sprechen. Genau damals sagte er, Russland sei bereit, zu diesen Verhandlungen zurückzukehren. Er lud Witkoff und Kushner öffentlich nach Moskau ein. Das war möglicherweise nicht nur eine Reaktion auf Trumps Wunsch, bei den Zwischenwahlen irgendein Ergebnis vorweisen zu können, sondern auch eine Reaktion auf das Treffen mit Xi. Genau deshalb war Putin nach dem BRICS-Gipfel in Indien ebenfalls gezwungen, zumindest sagt das sein Pressesprecher Peskow, dem Vorschlag Xi Jinpings und Narendra Modis zuzustimmen, dass sie bereit seien, bei der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges als Vermittler aufzutreten.

Das heißt, davon, dass der Krieg beendet werden muss, spricht man inzwischen nicht nur im Westen, sondern auch im Globalen Süden. Aber ich wiederhole: Wenn der Staatschef der Volksrepublik China und der Ministerpräsident Indiens darüber sprechen, gehen sie nicht von unseren Problemen aus, sondern von den Problemen ihres eigenen Energiesektors. Und wenn wir auf Trumps Erklärung reagieren und auf diese Weise aufhören, die Ölverarbeitung der Russischen Föderation anzugreifen, dann kann auf diese Weise auch der Enthusiasmus des Staatschefs der Volksrepublik China Xi Jinping und des indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi verschwinden. Bei ihnen kann sich die Frage stellen, warum sie sich überhaupt in den russisch-ukrainischen Krieg einmischen sollen, wenn er keine Bedrohung für ihre Ölverarbeitungsindustrie darstellt. Das ist ziemlich einfach und ziemlich zynisch.

Deshalb stellt sich die Frage: Was wird als Nächstes mit diesen Verhandlungen geschehen, auf die wir uns nach den Worten des Leiters des Präsidialamtes Kyrylo Budanow im Oktober vorbereiten? Übrigens: Warum im Oktober? Was wird in den nächsten zwei Wochen, im September, geschehen, wenn Russland so an Verhandlungen interessiert ist? Warum müssen wir bis Oktober warten, und wie ernst kann die Erklärung sein, Russland warte die Wahlen zur Staatsduma der Russischen Föderation ab, um danach Verhandlungen zu führen? Das ist, wie Sie verstehen, ebenfalls reine Demagogie, weil die Ergebnisse dieser Wahlen längst bekannt sind. Und im Prinzip wäre es für Putin vorteilhaft, vor den Wahlen seine Friedfertigkeit zu demonstrieren, wenn man bedenkt, dass die Mehrheit der Russen vor dem Hintergrund dieser Angriffe solche Friedensverhandlungen derzeit begrüßen würde.

Wenn Witkoff und Kushner also sagen, Russland sei bereit, nach den Wahlen darauf zurückzukommen, geraten sie erneut in die nächste Putin-Falle, weil Putin mit aller Kraft auf Zeit spielt, um, ohne sich mit Trump zu zerstreiten, die Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen abzuwarten, die Verwandlung des amerikanischen Präsidenten in eine lahme Ente der amerikanischen Politik, und erst danach darüber nachzudenken, was man mit ihm macht, worüber man mit ihm spricht und ob man überhaupt noch mit ihm über irgendetwas sprechen muss.

Im Prinzip haben wir also gesehen, dass sich dieser gesamte Verhandlungsprozess in eine Suche der Administration der Vereinigten Staaten nach Schuldigen dafür verwandelt hat, dass es nicht gelingt, sich auf Frieden zu einigen und das Problem der hohen Ölpreise zu lösen. Und diese Schuldigen haben sie in Kyiv gefunden. Nicht Russland will den Krieg nicht beenden. Russland will das, es hat ausgezeichnete Bedingungen, nun, oder nicht ausgezeichnete. Wir wollen nicht etwas zitieren, was Kushner nicht gesagt hat. Aber die Ukraine will einfach nicht zu der von Jared Kushner umrissenen Linie gehen. Und daraus ergibt sich eine solche bedauerliche Situation. Nicht Russland erweist sich als schuldig daran, dass kein realer Friedensprozess stattfindet, sondern die Ukraine mit ihrer Unnachgiebigkeit, wie wir das bereits mehrfach gehört haben. Nicht die Vereinigten Staaten müssen nun nach Möglichkeiten suchen, die Probleme mit dem Iran zu lösen. Und nicht der Iran ist daran schuld, dass er die Meerengen blockiert und damit alle Voraussetzungen für eine groß angelegte Energiekrise in der Welt geschaffen hat, die sich entwickelt und verschärft.

Erinnern Sie sich, ich sagte vor einigen Monaten, dass wir uns schlicht einer Krise unglaublichen Ausmaßes nähern, deren tatsächliches Ausmaß erst dann bekannt sein wird, wenn die westlichen Länder ihre strategischen Ölreserven aufgebraucht haben. Dann werden Sie alles sehen. Genau darauf bewegen wir uns zu, gerade vor den Zwischenwahlen. Und gerade der Iran will diese gesamte Krise noch dadurch verschärfen, dass er auch die Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab erlangt und eine Krisensituation um Saudi-Arabien schafft.

Aber schuld ist nicht der Iran, schuld sind nicht die Huthi, schuld ist nicht Trump, der dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman Angriffe auf die Huthi verweigert hat, weil er derzeit jede militärische Eskalation und jegliche Angriffe auf amerikanische Militärobjekte sehr fürchtet. Schuld ist die Ukraine, die Russland daran hindert, seinen Dieselkraftstoff auf den Weltmarkt zu liefern. Wenn amerikanische Funktionäre sagen, gerade die Anstrengungen der Ukraine hätten zu einem Anstieg des Ölpreises geführt, dann ist das aus fachlicher Sicht eine offene Lüge, aus politischer Sicht eine offene Lüge und aus moralischer Sicht offener Zynismus.

Genau deshalb rufe ich dazu auf, sich keinerlei Illusionen zu machen und nicht zu glauben, dass wir uns tatsächlich in irgendeinem Verhandlungsprozess befinden. Nein, unser Verhandlungsprozess sind unsere Streitkräfte, die mit ukrainischen Anstrengungen die russischen wirtschaftlichen Möglichkeiten zerstören müssen, ungeachtet all dieser Erklärungen Trumps, weil die Verwandlung der Ukraine in das schuldige Land – ganz abgesehen davon, dass ich der Ansicht bin, dass unsere Führung über die realen Verhandlungen und darüber berichten müsste, was mit der Ankunft Witkoffs und Kushners tatsächlich geschieht, was sie unseren Führungspersonen tatsächlich gesagt haben. Ich meine damit keine geheime Information, sondern den Rahmen der Vereinbarungen und worauf wir uns einigen können, worauf wir uns nicht einigen können, damit die Bürger zumindest Informationen über all diese Verhandlungen nicht von Kushner hören, sondern von Zelensky und anderen Teilnehmern dieser Verhandlungen, wenn sie schon begonnen haben, ausführlich darüber zu berichten.

Nun, das ist eine, würde ich sagen, allgemeine Rahmung dieses Verhandlungsprozesses, der nun wieder gleichsam begonnen hat und zu Folgen geführt hat, die für mich absolut vorhersehbar waren.

Ich werde auf einige Fragen antworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Wie wird sich eine mögliche Niederlage Trumps bei den Wahlen auf die Ukraine auswirken?

Portnikov. Nun, ich hoffe im Prinzip, dass das Auftreten eines Kongresses, der in Opposition zum amerikanischen Präsidenten steht – wobei das ebenfalls davon abhängt, ob das nur das Repräsentantenhaus oder das Repräsentantenhaus und der Senat sein werden –, Voraussetzungen für eine effektivere Hilfe für die Ukraine schaffen wird. Sie wissen beispielsweise, dass das Repräsentantenhaus für ein Gesetz zur Unterstützung der Ukraine gestimmt hat.

Das ist nicht das Gesetz von Lindsey Graham. Sie haben wahrscheinlich bereits begriffen, dass dieses Gesetz von Lindsey Graham nicht funktionieren wird. Wenn dieses Gesetz Trump erlaubt, Zölle auf Waren aus Ländern zu erheben, die russisches Öl kaufen, und Trump uns zugleich vorwirft, dass wir die russische Ölverarbeitung angreifen und die Preise erhöhen, dann stellen Sie sich vor, was geschieht, wenn er China oder Indien nicht erlaubt, russisches Öl zu kaufen. Nehmen wir an, sie stimmen dem sogar zu. Wie werden die Preise steigen? Das Gesetz von Lindsey Graham ist also von Anfang an eine Totgeburt. Weil Trump sich erstens keine Handlungen leisten kann, mit denen er die Ölpreise eigenhändig noch weiter erhöht, und zweitens den Zollkrieg gegen China verlieren wird, wenn er ihn wieder beginnt.

Aber es gibt ein nicht totgeborenes Gesetz, das mit finanzieller und militärischer Hilfe für die Ukraine zusammenhängt. Dieses Gesetz wurde vom Repräsentantenhaus verabschiedet, trotz des aktiven Widerstands von Trumps wichtigstem Verbündeten Mike Johnson, der mit Sicherheit dadurch in die ukrainische Geschichte eingehen wird, dass er einmal auf Trumps Befehl hin die Hilfe für die Ukraine ein halbes Jahr lang blockierte, als Trump noch gar nicht Präsident der Vereinigten Staaten war, und jetzt nicht wollte, dass dieses Gesetz verabschiedet wird. Aber es ist im Senat stecken geblieben.

Wenn zumindest das Repräsentantenhaus von den amerikanischen Demokraten kontrolliert wird, werden sie Möglichkeiten haben, die Verabschiedung dieses Gesetzes im Senat und Trumps Unterschrift gegen irgendwelche für den amerikanischen Präsidenten selbst wichtigen Entscheidungen des Repräsentantenhauses einzutauschen. So war es immer. Ich glaube, dass es eine absolute hundertprozentige Konfrontation, bei der das Repräsentantenhaus nichts verabschiedet, was Trump vorschlägt, und Trump nichts unterschreibt, was das Repräsentantenhaus vorschlägt, wahrscheinlich nicht geben wird. Obwohl wiederum in der Ära Trump alles möglich ist. Wir könnten eine Erhöhung der Hilfe für die Ukraine bekommen. Zumindest bestehen Chancen dafür.

Frage. Braucht die Ukraine solche Plünderer als Vermittler? Kushner zur Persona non grata erklären. Es reicht doch, Trump entgegenzukommen. Mit einem solchen Amerika hat die Ukraine keinen gemeinsamen Weg.

Portnikov. Nun, auch das ist, würde ich sagen, keine politische Entscheidung, weil Amerika die wichtigste führende Kraft der demokratischen Welt bleibt. Und genauso, wie wir kein anderes Europa haben, haben wir keine anderen Vereinigten Staaten. Und die Ukraine kann im Krieg mit Russland in den kommenden schweren Jahren der Prüfungen und in den kommenden Jahrzehnten der großen Krise, die danach kommen wird, selbst wenn es gelingt, die große Phase der Kampfhandlungen irgendwie zu beenden, nur im Bündnis mit der demokratischen Welt überleben. Deshalb müssen wir uns ganz sicher nicht mit den Vereinigten Staaten zerstreiten, wir müssen niemanden zur Persona non grata erklären.

Zumal Kushner selbst betont hat, dass er nicht mehr in die Ukraine kommen wolle und kommen werde, wenn Frieden herrsche. Sie wissen also, Sie drohen ihm mit etwas, das ihm überhaupt keine Angst macht. Er kommt überhaupt nicht auf eigene Initiative hierher, sondern auf Anweisung Trumps. Er hat überhaupt keine Lust, hierherzukommen, wie Sie verstehen, weil er keinerlei ernsthafte Interessen in der Ukraine hat. In Russland wahrscheinlich schon. Aber dort wird man ihn nicht zur Persona non grata erklären.

Man sollte also mit solchen emotionalen Bewertungen nicht vorschnell sein. Man muss einen ernsthaften, ausgewogenen Kurs verfolgen, der mit der Notwendigkeit zusammenhängt, den ukrainischen Staat und das ukrainische Volk in den kommenden schwierigen Etappen der russisch-ukrainischen Konfrontation zu retten und sich bewusst zu machen, dass die Vereinigten Staaten in jedem Fall ein Land bleiben, das der Ukraine weiterhin helfen wird, möglicherweise sogar gegen den Willen eines Teils seiner politischen Eliten. Auch das ist ein wichtiger Faktor, wenn wir all das analysieren. Wir erhalten noch immer Geheimdienstinformationen von den Vereinigten Staaten. Wir erhalten noch immer Waffen aus den Vereinigten Staaten, die auf die eine oder andere Weise von den Europäern für uns gekauft werden. Seien Sie also mit Schlussfolgerungen nicht vorschnell.

Frage. Kann man von einer Dominanz Chinas über den Westen in fast allen Bereichen sprechen? Zumindest demütigt China die Vereinigten Staaten bereits offen und unverhohlen und bekommt keinerlei Antwort.

Portnikov. Ich glaube nicht, dass man von einer Dominanz Chinas über den Westen in allen Bereichen sprechen kann. Auch das ist eine enorme Übertreibung. Der Westen bleibt für China ein Absatzmarkt für seine Produkte. China ist es nach wie vor nicht gelungen, das eigene Land in einen Absatzmarkt für das zu verwandeln, was in China produziert wird. So oder so beginnt in China, wenn China seine Produkte nicht verkaufen kann, wenn irgendeine scharfe Krise in seinen Beziehungen zu europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten beginnt, eine viel ernstere Wirtschaftskrise, als wir gewöhnlich denken. Und in Peking versteht man das sehr gut und will deshalb in den Beziehungen zum Westen gewisse rote Linien nicht überschreiten.

Die Möglichkeiten Chinas werden schlicht dann deutlich, wenn der Westen selbst, sagen wir in Person von Präsident Trump, die Spielregeln verletzt, indem er beispielsweise unglaubliche Zölle auf chinesische Produkte verhängt und so weiter. Es kann nicht um Dominanz gehen, sondern darum, dass der Westen keine Instrumente hat, China dazu zu zwingen, nach seinen Regeln zu handeln. Weil das wirtschaftliche Potenzial Chinas es China erlaubt, nicht nur irgendwelche Zollentscheidungen des amerikanischen Präsidenten zu ignorieren, sondern auch Länder zu unterstützen, die unter westlichen Sanktionen stehen. Das ist das Wichtigste.

Das ist etwas, woran wir immer denken müssen. Keine westlichen Sanktionen werden jetzt noch so funktionieren können, wie sie früher funktioniert haben, weil es in der Welt zwei Volkswirtschaften gibt, die nach völlig anderen Regeln hinsichtlich der Werte und der Haltung zum Völkerrecht leben. Und übrigens wurden in der BRICS-Erklärung während des letzten Gipfels erneut einseitige Sanktionen verurteilt, die außerhalb des Willens des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen beschlossen werden. Und auch das ist die Position der Länder des Globalen Südens, die wollen, dass es, wenn sie gegen Sanktionen gegen Russland sind, diese Sanktionen nicht gibt. Wenn sie gegen Sanktionen gegen den Iran sind, soll es diese Sanktionen nicht geben.

Wie dem auch sei, sowohl die Russische Föderation als auch der Iran und Nordkorea können sich unter sogenannten höllischen westlichen Sanktionen befinden und dabei effektive Produzenten militärischer Erzeugnisse sein, Kriege fortsetzen, die Produktion ihrer Raketentechnik wiederaufnehmen, selbst unter Bedingungen, unter denen die Sanktionen vom UN-Sicherheitsrat verhängt werden, wie es bei Nordkorea und dem Iran der Fall war. Und der Westen hat keinerlei reale Möglichkeiten, solche Länder mit wirtschaftlichen Instrumenten zu einer Änderung ihrer Politik zu zwingen.

Deshalb sage ich immer, dass man daraus Schlussfolgerungen ziehen muss. Als Barack Obama 2014 über den kumulativen Effekt der Sanktionen gegen Russland sprach, sah er eine Welt, die längst aufgehört hatte zu existieren. Und wir konnten das gemeinsam mit Obama nicht verstehen. Aber inzwischen muss man es verstehen. Man muss verstehen, dass es keinerlei reale Möglichkeit gibt, Russland in seinem Versuch, die Ukraine zu verschlingen, mit westlichen wirtschaftlichen Instrumenten aufzuhalten. Ukrainische Angriffe dagegen schaffen tatsächlich solche Möglichkeiten, weil sie das zerstören, wofür China bezahlt. Deshalb sind Trumps Erklärungen so gefährlich.

Frage. Werden die Wähler der Vereinigten Staaten Trump wirklich glauben? Und was kann geschehen, wenn wir Trumps Aufforderungen ignorieren?

Portnikov. Nun, ein Teil der amerikanischen Wähler wird Trump natürlich glauben, weil der amerikanische Präsident einen Kern seiner Basis hat, der jede seiner Erklärungen glaubt und der gemeinsam mit ihm nach Schuldigen für das suchen will, was ihnen widerfahren ist, und natürlich nicht will, dass Donald Trump dieser Schuldige ist. Und warum wundern Sie sich darüber? Leben wir etwa nicht in genau so einem Land?

Aber ein Teil der Wähler, der sich derzeit entscheidet, für welche Partei, für welche politische Kraft er stimmen soll, kann das natürlich völlig anders sehen. Und auch das versteht Trump sehr gut. In diesem Sinne stellt sich also natürlich die Frage, wie die Wähler auf diese Erklärungen reagieren werden und wie stark sie sie beeinflussen.

Was kann geschehen, wenn wir Trumps Aufforderungen ignorieren? Nun, das ist eine gute Frage. Es ist die Frage, wo Aufforderungen in offenen Druck übergehen und ob unser Ignorieren dazu führt, dass jene Elemente der Unterstützung eingestellt werden, die noch geblieben sind. Eine gute Frage.

Frage. China versteht, dass die Vereinigten Staaten Atomwaffen nur als Antwort auf eine unmittelbare Aggression gegen sie einsetzen werden. In allen anderen Fällen kann man konventionell gegen sie Krieg führen. Worin liegt dann der Sinn der Atomwaffen der Vereinigten Staaten?

Portnikov. Ich glaube, dass die Volksrepublik China davon ausgehen kann, dass sie, wenn sie in eine direkte Konfrontation mit den Vereinigten Staaten gerät, sagen wir wegen Taiwan, nicht einfach das Territorium der Vereinigten Staaten, sondern bestimmte amerikanische militärische Objekte angreifen müsste. Und niemand weiß, inwieweit massive Angriffe auf solche Objekte nicht eine Reaktion der Vereinigten Staaten hervorrufen würden, einschließlich einer nuklearen Reaktion.

Aber mir scheint, dass China weniger die Atomwaffen der Vereinigten Staaten fürchtet als vielmehr die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten, weil sie Atomwaffen besitzen, etwa Angriffe auf chinesisches Territorium selbst führen könnten, ohne die chinesische Reaktion hinsichtlich der Atomwaffen und überhaupt die chinesische Reaktion zu fürchten. China muss nicht fürchten, dass die Vereinigten Staaten Atomwaffen gegen es einsetzen. China kann fürchten, dass die Vereinigten Staaten konventionelle Waffen gegen es auf dem Territorium Chinas selbst einsetzen können und China den Vereinigten Staaten nicht antworten kann. Auch eine solche Sichtweise kann existieren, und sie ist absolut realistisch.

Frage. Was denken Sie, wird die Ukraine aufhören, Ölraffinerien anzugreifen? Denn Trump tut alles Mögliche, damit die Ukraine nicht gewinnt. Und wie kann man weiter russische Ölraffinerien angreifen, ohne die Beziehungen zur amtierenden Regierung im Weißen Haus zu verschärfen?

Portnikov. Ich weiß nicht, wie. Ich glaube, gar nicht. Ohne eine Verschärfung wird es nicht gehen. Deshalb denke ich, dass unsere Administration mit der amerikanischen Administration arbeiten muss, ihr erklären muss, worin unser Interesse liegt, zumindest einen Tausch anbieten muss: „Wenn ihr wollt, dass wir russische Ölraffinerien nicht angreifen, und ihr uns zugleich keine Raketen für Patriot liefert und uns im Winter schutzlos lasst, warum sollten wir dann auf eure Erklärungen Rücksicht nehmen?“ Das heißt, selbst die Möglichkeit, die Angriffe auf Ölverarbeitungsbetriebe der Russischen Föderation zu reduzieren, muss gegen Handlungen der amerikanischen Administration eingetauscht werden, die uns helfen, uns gegen entsprechende Angriffe Russlands selbst zu schützen.

Denn stimmen Sie zu, dass das sehr merkwürdig aussieht: „Wir haben keinerlei Möglichkeiten, euch mit Waffen zu helfen. Unsere Patriot-Bestände gehen zur Neige. Wir werden euch niemals Tomahawks geben, ganz gleich, was ihr angreifen wollt. Aber ihr müsst aufhören, das anzugreifen, was für die russische Wirtschaft von grundlegender Bedeutung ist.“ Aber das ist Politik. Ich weiß nicht, inwieweit wir überhaupt in der Lage sind, diese Politik zu spielen und zu verstehen, wo die Ebene des Austauschs liegt und wo die Notwendigkeit, schlicht gute Beziehungen zur Administration aufrechtzuerhalten.

Dann muss man tatsächlich berechnen: Welche Folgen hat es, wenn wir auf diese Erklärungen nicht hören? Was verlieren wir? Geheimdienstinformationen, Starlink, Waffenverkäufe? Das heißt, jede Entscheidung muss ihr eigenes Gewicht haben. Und natürlich müssen wir hier ebenfalls mit einem Verständnis für die Folgen jeder ukrainischen Entscheidung umgehen, die mit diesen Erklärungen Trumps zusammenhängt.

Ganz abgesehen davon, dass all diese Erklärungen Trumps schlicht Worte sein können. Auch das muss man abwägen. Trump macht eine enorme Zahl von Erklärungen, die zu keinerlei konkreten Ergebnissen führen. Die überwältigende Mehrheit dessen, was wir im Informationsraum vom Präsidenten der Vereinigten Staaten hören, ist in der Regel weißes Rauschen. Und auch hier ist es wichtig zu begreifen, wo reale Worte und wo reale Absichten sind.

Und hier braucht man einen Dialog nicht so sehr mit Trump, der nach einigen Stunden vergisst, was er gesagt hat, sondern mit seinen Ministern, mit Bessent, mit Wright. Mit ihnen muss man sprechen, um zu begreifen, inwieweit sie praktisch an einer Einstellung unserer Angriffe interessiert sind. Denn sie wissen ganz genau, dass sich durch diese Einstellung nichts ändern wird. Genau darin liegt der Punkt.

Stellen Sie sich vor, wir hätten die Angriffe auf russische Ölraffinerien eingestellt. Wir greifen sie nicht an, und das Öl steigt trotzdem weiter, wodurch die politischen Chancen Trumps und seiner Minister faktisch zerstört werden. Und dann stellt sich die Frage: Die Ukraine hat auf euch gehört, aber die Ölpreise steigen weiter. Warum? Selbst ein Mensch, der bereit ist, all diesen Reden zu glauben, die wir vom Präsidenten der Vereinigten Staaten und seinen Energie- und Finanzministern hören, wird begreifen, dass die Sache überhaupt nicht an der Ukraine und nicht an Russland liegt, weil der Anteil Russlands an diesem Markt keine reale Rolle in der Weltwirtschaft spielt.

Ich sage es noch einmal: All diese Ölprodukte, die China und Indien aus russischem Öl erhalten, sind Premium-Ölprodukte nach dem Schema „Rupien und Yuan für russisches Öl, Dollar und Euro für unsere Ölprodukte“. Aber wie ernsthaft beeinflusst das den Weltmarkt? Den Weltmarkt beeinflusst tatsächlich die Schließung der Straße von Hormus und die wahrscheinliche Erwartung einer Schließung der Meerenge Bab al-Mandab sowie mögliche Probleme mit der Ölförderung und Ölverarbeitung Saudi-Arabiens, die sich gerade vor unseren Augen entfalten. Und so kann es zu einem Energie-Tsunami unbekannten Ausmaßes kommen, den man in Teheran natürlich für die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten von Amerika vorbereitet hat. Wenn Trump begreift, dass gegen ihn eine solche spezielle Öloperation entfaltet wird, dann ist er natürlich wütend. Das kann er schließlich verstehen.

Aber das Entscheidende ist hier nicht das. Entscheidend ist, dass wir realistisch auf den Verhandlungsprozess schauen. Denn die Erwartung von Verhandlungen in einer Situation, in der keinerlei realer Prozess stattfindet, sondern ausschließlich eine Kulisse existiert, ist das faktische Scheitern der Mission Witkoffs und Kushners, das sie mit Anschuldigungen gegen uns zu kaschieren versuchen. Das ist wichtig.

Denn wenn die ukrainische Gesellschaft mit ungerechtfertigten Erwartungen an irgendeinen Frieden destabilisiert wird, von dem es, würde ich sagen, nicht einmal Andeutungen während der Gespräche Witkoffs und Kushners in Moskau gibt, dann ist das wiederum ein Weg zur Destabilisierung der Ukraine, zum Verschwinden des ukrainischen Staates von der politischen Landkarte der Welt und zum diplomatischen, politischen und wirtschaftlichen Triumph der Russischen Föderation unter Putin. Genau das braucht Putin.

Wenn wir dagegen begreifen, dass der Diktator in Russland keinerlei Verhandlungen will, sondern unsere Vernichtung, und dass der einzige Weg, ihn heute aufzuhalten, darin besteht, seine Wirtschaft zu zerstören, damit sein Regime infolge dieser Angriffe fällt, dann ist das zumindest ein realistischer Blick auf die Dinge, selbst wenn die Zerstörung der russischen Wirtschaft eine viel schwierigere und viele Jahre dauernde Aufgabe sein wird, als es vielen vor dem Hintergrund ukrainischer Angriffe erscheinen mag.

Aber eine andere Wahl hat die Ukraine leider nicht, nachdem wir in diesen Clinch des großen Krieges geraten sind. Sie hat sie heute nicht und, glauben Sie mir, sie wird sie auch nicht haben. Und mit diesem realistischen Verständnis der Welt muss man leben. Es ist viel besser als die Erfindungen von Funktionären, die nach Kyiv kommen und danach bei uns Schuldige dafür suchen, dass ihnen nichts gelingt, weil die Russen schlicht auf sie pfeifen.

Kommentieren Sie bitte, was Sie über die Perspektiven des Verhandlungsprozesses und über Trumps Anschuldigungen gegen uns denken. Und helfen Sie unbedingt den Streitkräften der Ukraine, die in den kommenden schwierigen Jahren der wichtigste Garant der ukrainischen Souveränität, des ukrainischen Sieges und des ukrainischen Überlebens bleiben werden.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини про мир: Трамп шукає винних | Віталій Портников. 13.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 13.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Putins Auftritt in Wladiwostok: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 03.09.2026.

Russland und die Ukraine müssen sich untereinander einigen, und alle anderen Länder sollen lediglich zu diesen Vereinbarungen beitragen. Mit dieser Erklärung trat der russische Präsident auf der Plenarsitzung des Östlichen Wirtschaftsforums auf.

Dass Putin erneut auf die Idee von Verhandlungen zwischen Moskau und Kyiv zurückkommt und sagt, es gebe eine Chance auf eine Regelung der Situation, zeugt von einer gewissen Veränderung der Position des russischen Präsidenten, die wir buchstäblich unmittelbar nach dem Ende des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Bischkek beobachten konnten. Somit kann man davon ausgehen, dass Putins Haltung nicht durch die Appelle der amerikanischen Administration beeinflusst wurde, den Krieg zu beenden, sondern durch die Ergebnisse seiner Treffen in der Hauptstadt Kirgisistans. Offensichtlich mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China und Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas Xi Jinping sowie mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi.

Ich möchte daran erinnern, dass beide Länder faktisch die energetischen Sponsoren der Russischen Föderation sind und Putin ihre Hinweise auf die Notwendigkeit, den Krieg zu beenden, daher schlicht nicht ignorieren kann. Und die Frage ist nicht einmal, inwieweit er tatsächlich auf ein Ende eingestellt ist, sondern dass er eine solche Bereitschaft demonstrieren muss.

Nicht umsonst sagte der russische Staatschef während seines Auftritts beim Östlichen Wirtschaftsforum, dass nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch die Länder, deren Vertreter bei diesem Treffen anwesend sind, zu einem Ende des Krieges beitragen könnten.

Insbesondere die Volksrepublik China, die, ich zitiere Putin, „ständig darauf aufmerksam macht und auf jede Weise dazu beiträgt, dass das Problem gelöst wird, und zwar vor allem mit friedlichen Mitteln. Der Vertreter Xi Jinpings spricht dieses Thema bei unseren Treffen ebenfalls ständig an“, betonte Putin. Und auch diese Passage zeigt, dass die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges ohne Aussicht auf eine Regelung nicht nur zu einem Problem der russisch-amerikanischen, sondern nun auch der russisch-chinesischen Beziehungen wird.

Gleichzeitig setzt Putin seine Erpressung der Ukraine fort und sagt, dass die Worte des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky über eine mögliche Schließung des Luftraums der Russischen Föderation nicht zur Beilegung des Konflikts beitrügen, ebenso wenig wie, ich zitiere Putin, „die Beschlagnahmung ziviler Schiffe. Das erschwert zweifellos die Möglichkeiten für bilaterale Friedensverhandlungen. Diejenigen, die schweigen, diejenigen, die das ignorieren“ – womit er vor allem die westlichen Verbündeten der Ukraine meint –, sagt Putin, „werden zu Komplizen des internationalen Terrorismus.“

Aber ich möchte Ihre Aufmerksamkeit hier nicht auf Putins übliche Drohungen lenken, nicht darauf, dass er weiterhin von internationalem Terrorismus spricht, gerade während seine Armee Wohnviertel in Kyiv, Odesa und anderen ukrainischen Städten angreift, während wir die faktischen Bemühungen des russischen Militärs sehen, die gerade auf die Zerstörung der zivilen Infrastruktur der Ukraine gerichtet sind. Hier geht es darum, dass Putin bilaterale Friedensverhandlungen erwähnt hat.

Das heißt, er kehrt erneut zu einem Modell zurück, in dem die Führungen Russlands und der Ukraine in der Lage sind, sich ohne aktive Beteiligung der amerikanischen Administration untereinander zu einigen. Auch das ist ein ziemlich interessanter Punkt bei einem Menschen, der in den vergangenen Jahren praktisch versucht hat, jegliche Verhandlungen über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu vermeiden.

Und ein weiterer wichtiger Punkt in Putins Auftritt beim Östlichen Wirtschaftsforum ist, dass die Kontakte mit der ukrainischen Seite fortgesetzt werden. „Inwieweit bringen diese Kontakte die Seiten einem Friedensabkommen näher?“, sagt der russische Präsident. „Das fällt mir schwer zu sagen. Wir berücksichtigen jene Erklärungen, die wir in letzter Zeit von der ukrainischen Führung gehört haben, aber die Kontakte gibt es tatsächlich, und sie werden gerade jetzt, im laufenden Modus, fortgesetzt, unter anderem über die Kanäle der Geheimdienste.“

Nun, auch das, was Putin hier sagt, ist wohl kaum eine Sensation. Wir wissen, dass Vertreter der Geheimdienste Russlands und der Ukraine ständig miteinander in Kontakt stehen, unter anderem wegen der Freilassung von Gefangenen. Aber wenn Putin offen über Kontakte mit der Ukraine spricht, deren Führung er noch bis vor Kurzem auf internationaler Bühne als illegitim darzustellen versuchte, zeugt auch das von einer Korrektur seiner Position.

Putin ist buchstäblich hin- und hergerissen, hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch zu drohen, dem Wunsch zu zerstören, dem Wunsch zu bombardieren und dem Wunsch, den Willen zu einer friedlichen Regelung zu demonstrieren. Und hier ist das Wichtigste, inwieweit dieser Wille zu einer friedlichen Regelung tatsächlich mit dem Wunsch verbunden ist, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, oder ob er ausschließlich eine Demonstration von Putins Friedfertigkeit gegenüber dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und vor allem gegenüber dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping ist.

Aber in Wirklichkeit hängt das Verhältnis zwischen demonstrierter Bereitschaft und wirklicher Bereitschaft weder von Xi Jinping noch von Trump ab. Es hängt von den ukrainischen Streitkräften und von der Bereitschaft der Ukrainer ab, zu erkennen, dass gerade die Handlungen der ukrainischen Armee Putin dazu zwingen können, über die Notwendigkeit eines Endes des russisch-ukrainischen Krieges nachzudenken, und Xi Jinping, vor allem Xi Jinping, dazu bringen können, diese Notwendigkeit entschiedener zu vertreten. 

Denn gerade dann, wenn man in Peking die Zerstörung der russischen Infrastruktur sieht, wenn man sieht, dass Russland faktisch nicht nur geopolitisch geschwächt wird, sondern sich auf eine wirtschaftliche Katastrophe zubewegt, gerade dann kann der Staatspräsident der Volksrepublik China gegenüber dem Präsidenten der Russischen Föderation von der Notwendigkeit sprechen, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden.

Denn wenn China einen Satelliten braucht, dann ganz sicher keinen Satelliten, den man in Peking jahrelang unterhalten müsste. Oder einen solchen Satelliten, der aufgrund einer schwierigen wirtschaftlichen Lage gezwungen wäre, sich – wie es bereits in der Geschichte der Sowjetunion der Fall war – mit dem Westen zu jenen Bedingungen einer Rückkehr zu zivilisiertem Verhalten zu verständigen, die der Westen stellen würde. Und in China will man eine solche Entwicklung ganz sicher nicht zulassen, keine neue Perestroika in Russland zulassen.

Je schwerer also die ukrainischen Streitkräfte die Ölraffinerien, Häfen und den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation treffen werden, je schneller der russische Luftraum geschlossen wird und je stärker Moskau den Krieg selbst zu spüren bekommt, je realistischer die Stimmung in der russischen Gesellschaft wird, desto schneller wird Putins Wunsch, über Verhandlungen zu sprechen, damit man ihn in Washington und Peking in Ruhe lässt, zu einer wirklichen Bereitschaft zu einer friedlichen Beilegung dieses grausamen Krieges werden. Eine ziemlich einfache und verständliche Formel für die kommenden Wochen und Monate – hoffentlich nicht Jahre.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Виступ Путіна у Владивостоці: головне |Віталій Портников. 03.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 03.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Imitation eines neuen Friedens | Vitaly Portnikov. 01.09.2026.

Das Treffen der Finanzminister der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation, das während des Treffens der G20-Finanzminister in den Vereinigten Staaten stattfand, hat die Diskussionen über mögliche Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland unter Vermittlung der Vereinigten Staaten wiederbelebt, darüber, dass man in Russland solche Verhandlungen in Betracht zieht und von den Vereinigten Staaten bestimmte Zugeständnisse in Fragen erwartet, die mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zusammenhängen.

Dazu trugen auch Meldungen bei, wonach die Finanzminister der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation bei ihrem Treffen Trumps 28-Punkte-Plan zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges erörtert hätten. Und dass Bessent Siluanow gesagt habe, vor dem Ende des Krieges werde es keinerlei wirtschaftliche Zugeständnisse geben, und damit erneut Druck auf die Russische Föderation ausgeübt habe, damit diese bereit sei, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden.

Und genau eine solche Darstellung der Informationen, über die jetzt viele diskutieren, schafft erneut eine verzerrte Informations- und politische Realität, die es zu durchbrechen gilt. Versuchen wir also, aus diesem Wald herauszukommen und uns der Situation der realen Politik zuzuwenden, auf eine, sagen wir, Lichtung, von der aus alles zu sehen ist.

Erstens besteht die Hauptbedeutung des Treffens zwischen den Finanzministern der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation darin, dass es überhaupt stattgefunden hat. Und dass Anton Siluanow, der Finanzminister der Russischen Föderation, von den Amerikanern, den Gastgebern des G20-Finanzministertreffens, zur Teilnahme an diesem prestigeträchtigen Gipfel eingeladen wurde, entspricht der Politik Donald Trumps, hochrangige Kontakte mit der Russischen Föderation zu legitimieren.

Bekanntlich hat sich der Präsident der Vereinigten Staaten entschieden von der Politik seines Vorgängers, des Präsidenten der Vereinigten Staaten Joseph Biden, abgewandt, der beschlossen hatte, die politische Führung Russlands von allen ernsthaften Kontakten mit der zivilisierten Welt zu isolieren, bis Russland bereit wäre, seine Aggression gegen die Ukraine zu beenden.

Trump hat sich eingeredet, er könne durch einen Dialog mit Putin das Ende des russisch-ukrainischen Krieges, wie wir uns erinnern, innerhalb weniger Wochen erreichen, und hat in dieser Situation, wie auch in allen anderen außenpolitischen Situationen, in die er sich eingemischt hat, ein überwältigendes, aber vorhersehbares Fiasko erlitten. Das ist es, was tatsächlich geschehen ist.

Aber Trump, der, wie wir wissen, an seinen eigenen Fehlern festhält und diesen Weg der Fehler unbeirrt weitergeht, besteht weiterhin darauf, dass seine Politik richtig und im Hinblick auf die weitere Entwicklung möglicher Wege zu einer Regelung des russisch-ukrainischen Krieges nachvollziehbar sei.

Nicht nur Trump traf sich in Anchorage mit Putin, sondern auch amerikanische Beamte trafen sich mit russischen. Rubio mit Lawrow, jetzt Bessent mit Siluanow. Diese Treffen haben jedes Mal keinerlei Sinn, umso mehr, wenn es um irgendwelche Friedensverhandlungen geht. Weder Bessent noch, erst recht, Siluanow haben irgendeinen Einfluss auf Prozesse, die mit den außenpolitischen Entscheidungen der Präsidenten zusammenhängen.

Für Bessent gilt das in geringerem Maße als für Siluanow. In der Russischen Föderation ist der Finanzminister ein Mensch, der das Geld zählt. Was politische Initiative angeht, ist er ein Niemand, und er ist nicht dazu befugt, mit Bessent über irgendeinen Trump-Plan zu sprechen.

Einen Trump-Plan gibt es, wie wir wissen, in Wirklichkeit überhaupt nicht und hat es auch nie gegeben. Es gibt einen Plan, der vom Vertreter des Präsidenten der Russischen Föderation Dmitrijew ausgearbeitet und über einen amerikanischen Vermittler Witkoff und Kushner vorgelegt wurde. Und schon damals war völlig offensichtlich, dass weder Moskau noch Kyiv diesem Plan zustimmen würden. Und dass er ausschließlich dazu ausgearbeitet wurde, in den Beziehungen zu Donald Trump Zeit zu gewinnen.

Ich habe bereits mehrfach gesagt, dass es das Ziel des Präsidenten der Russischen Föderation ist, diese Beziehungen ohne ernsthaften neuen Druck auf die Russische Föderation bis zu den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten im Jahr 2028 hinzuziehen. Und das ist alles, was ihn interessiert, wenn es um Trump oder um jene Minister Trumps geht, die mit ihm verhandeln.

Ich wiederhole also noch einmal: Es gibt keinen realen Trump-Plan. Und Bessent und Siluanow konnten keinen Trump-Plan erörtern. Und natürlich sagte Bessent Siluanow nur das, was er ihm sagen kann: dass es vor dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges keine Änderungen an den Sanktionen der Vereinigten Staaten gegen die Russische Föderation geben könne.

Wie sollte es auch anders sein? Wie stellen Sie sich vor, dass vor den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress, während das Repräsentantenhaus selbst ein Gesetz zur Unterstützung der Ukraine verabschiedet, Donald Trump auftritt und sagt: „Wissen Sie, wir haben beschlossen, die Sanktionen gegen Russland aufzuheben. Russland bombardiert weiterhin ukrainische Städte. Es tötet weiterhin ukrainische Bürger. Es stimmt keinem unserer Vorschläge zur Regelung der Situation zu. Es spuckt auf das Völkerrecht. Wir können Putin nicht dazu bringen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Wir können Putin nicht dazu bringen, einen Waffenstillstand im russisch-ukrainischen Krieg auszurufen. Aber wir verschärfen nicht nur die Sanktionen gegen Russland nicht, sondern lockern sie sogar.“

Sie verstehen doch, dass das unlogisch ist. Und vor allem hat Bessent das nicht zu entscheiden. Bessent sagte Siluanow einfach etwas, schaute auf die Uhr und sagte zu ihm: „Wie spät ist es gerade?“ Genau so sah dieser Meinungsaustausch aus. „Wie spät ist es, Herr Minister?“, fragte Siluanow Bessent. „So spät ist es, sehen Sie, hier ist die Uhr“, sagte Bessent zu Siluanow.

Das waren die gesamten Verhandlungen zwischen den Finanzministern der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation. Ihr Inhalt ist gleich null. Das Treffen selbst war wiederum notwendig, damit die Amerikaner zeigen konnten, dass sie im Unterschied zu ihren europäischen und kanadischen Verbündeten, den Teilnehmern des G20-Treffens, einen Dialog mit den Russen für besser halten als Isolation.

Die westlichen Verbündeten der Vereinigten Staaten waren damit nicht einverstanden. Und deshalb gelang es Siluanow nicht einmal, auf dem gemeinsamen Foto der Finanzminister der G20-Staaten zu erscheinen, weil die anderen Teilnehmer dieses Gipfels zu verstehen gaben, dass sich die überwiegende Mehrheit der Gipfelteilnehmer nicht mit dem Gastgeber des Treffens, Bessent, fotografieren lassen würde, wenn Siluanow auf diesem Foto wäre.

Und wenn Sie so wollen, ist das eine Art Kompromiss. „Wir laden Sie nicht zum gemeinsamen Foto ein, führen aber ein bilaterales Treffen durch und veröffentlichen ein Foto des bilateralen Treffens der Finanzminister. Was ist für Sie letztlich wichtiger? Ein gemeinsames Foto mit irgendwelchen Leuten, die niemand kennt, oder ein Foto, auf dem die Finanzminister der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation höchstpersönlich nebeneinander stehen?“ Das ist alles. Der ganze Friedensprozess.

Natürlich kann man vor diesem Hintergrund wieder davon sprechen, dass die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Witkoff und Kushner, in die russische und die ukrainische Hauptstadt reisen und wieder irgendetwas besprechen werden. Aber wir verstehen doch, dass es dort für sie nichts zu besprechen gibt. Zum Tango gehören zwei, wie der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump bei seinem Treffen mit dem Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky noch vor seiner Wiederwahl in dieses Amt völlig klar und geradezu prophetisch betonte.

Einen Tangopartner im Kreml haben wir nicht und werden wir nicht haben. Zumindest nicht in absehbarer historischer Perspektive. Zumindest solange Putin Präsident der Russischen Föderation ist. Zumindest solange die russische Gesellschaft davon überzeugt ist, dass die Entwicklung des russischen Staates mit Expansion und der Eroberung ukrainischer Gebiete verbunden ist und dass Russland ohne diese Expansion, ohne die Eroberung ukrainischer Gebiete, ein geopolitischer Niedergang erwartet.

Das bedeutet nicht, dass eine bestimmte Phase des Krieges, nämlich diese heiße Phase, für die Ukrainer nicht in absehbarer Zukunft enden könnte. Sie kann enden, und die Streitkräfte der Ukraine unternehmen dafür alle Anstrengungen. Aber Donald Trump und Bessent haben damit real nichts zu tun. Wenn Trump diesen Prozess beschleunigen wollte, würde er nicht Siluanow in die Vereinigten Staaten einladen, sondern den Ukrainern erlauben, unter Nutzung von Starlink Ziele auf dem Gebiet der Russischen Föderation anzugreifen, ballistische Abschussanlagen zu zerstören, Produktionsstätten für ballistische Raketen zu zerstören und damit die Aufgabe der ukrainischen Armee zu erleichtern.

Trump tut das nicht, weil er nicht bereit ist, für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges den Preis einer Verschlechterung seiner Beziehungen zum Präsidenten der Russischen Föderation zu zahlen. Das ist die ganze Realität. Damit können wir sowohl das Thema von Trumps 28-Punkte-Friedensplan, den man bereits vergessen hatte und an den man sich jetzt wieder erinnert hat, nachdem er einige Monate lang nicht erwähnt worden war, sodass er plötzlich wie irgendein neues Dokument vor unseren Augen erscheint, als auch das Treffen der Finanzminister der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation, die Treffen auf G20-Ebene und mögliche Treffen amerikanischer Vermittler mit Zelensky und Putin als im politischen Kontext nicht existent abhaken.

All das gibt es nicht. Was es gibt, sind russische Angriffe auf Kyiv und andere ukrainische Städte und Ortschaften. Es gibt die Tatsache, dass in vielen Schulen in Kyiv und nicht nur dort wegen der Gefahr die Feier zum ersten Schultag abgesagt wurde. Es gibt die Tatsache, dass die Abgeordneten der Werchowna Rada wegen der neuen Sicherheitslage in der ukrainischen Hauptstadt nun in Schutzräumen abstimmen können. Es gibt die Tatsache, dass die Ukraine weiterhin Infrastrukturziele in Russland angreift. Es gibt die Tatsache, dass auf diesen Marktplätzen trotz ukrainischer Angriffe sowohl bei Wildberries als auch bei Ozon weiterhin Güter mit doppeltem Verwendungszweck verkauft werden, die die russische Armee für die weitere Produktion eben jener strahlgetriebenen Shahed-Drohnen benötigt, die Kyiv und andere ukrainische Städte und Ortschaften angreifen.

Das übrigens für diejenigen, die fragen, warum wir diese Marktplätze angreifen und nicht ausschließlich die russische Ölverarbeitungsindustrie. Auch sie greifen wir an, wie wir in den vergangenen Tagen gesehen haben. Ebenso wie Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes des uns feindlich gesinnten Staates. Es ist ein ganz gewöhnliches Wettrennen. Wer den anderen wirtschaftlich zuerst unter die Erde bringt, wird die Voraussetzungen schaffen – nicht für die Beendigung des Krieges. Objektive Voraussetzungen für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges gibt es nicht. Voraussetzungen für seine Ausweitung auf Europa gibt es. Die gibt es. Voraussetzungen für die Beendigung des Krieges gibt es nicht. Wer zuerst Erfolg hat, kann dafür sorgen, dass der Krieg abflaut.

Wir brauchen ein Abflauen des russisch-ukrainischen Krieges, weil der Präsident der Russischen Föderation, die russische Armee und das russische Volk dann keine Ressourcen mehr haben werden, diesen Krieg fortzusetzen, weitere ukrainische Gebiete zu erobern und jene Gebiete zu zerstören, die sich nicht unter der Besatzung der russischen Armee befinden.

Die Russen brauchen eine Kapitulation der Ukraine, damit sie von der politischen Weltkarte getilgt wird und damit die Ukrainer – wie Abgeordnete der Staatsduma der Russischen Föderation inzwischen völlig offen und ohne jede, ich würde sagen, humanistische Verpackung erklären – entweder auf dem Gebiet ihres angestammten Siedlungsraums vernichtet oder aus ihrem angestammten Siedlungsraum vertrieben werden.

Es hat eine Epoche der endgültigen Lösung der ukrainischen Frage und des Abschieds des russischen Volkes vom ukrainischen begonnen, indem die Ukrainer auf den ehemaligen ukrainischen Gebieten durch Russen ersetzt werden. Das ist die politische Aufgabe, die die Russische Föderation heute verfolgt. Das ist es, was sie in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges mithilfe ihrer Streitkräfte und ihres militärisch-industriellen Komplexes in die Tat umsetzen wird. Dagegen müssen wir kämpfen.

Haben Bessent und Siluanow damit etwas zu tun? Überhaupt nichts. Damit haben ausschließlich unsere militärischen Möglichkeiten in der Konfrontation mit Russland zu tun.

Wenn es um die endgültige Lösung der ukrainischen Frage geht, muss jeder Ukrainer verstehen, dass er in einer solchen Epoche lebt: Diplomatie funktioniert nicht. Am Beispiel der Juden lässt sich das sehr einfach erklären. Wenn Sie sich im Warschauer Ghetto befinden, bevor man Sie nach Auschwitz deportiert und zusammen mit den Mitgliedern Ihrer Familie verbrennt, vielleicht einfach in verschiedenen Gaskammern, dann funktioniert Diplomatie im Umgang mit SS-Leuten nicht, weil Sie für sie kein Subjekt der Diplomatie sind. Für sie sind Sie einfach ein Insekt, das zertreten werden muss. Und die einzige Möglichkeit für ein Insekt, dafür zu sorgen, dass es nicht zertreten wird, wenn man dich als Insekt betrachtet, besteht darin, deinen Feind so zu stechen, dass er an Malaria erkrankt und krepiert, bevor du zertreten und zusammen mit den Mitgliedern deiner Familie verbrannt wirst.

Wir sprechen über die russische Armee, über den russischen militärisch-industriellen Komplex. Solange ihre Anstrengungen nicht gestoppt werden, ist all das bedeutungslos. Worüber kann man dann überhaupt sprechen? Darüber, dass wir uns aus diplomatischer Sicht schlicht in einer Sackgasse befinden. Das ist übrigens nicht nur in den Vereinigten Staaten so. Das ist auch beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit im Format SOZ Plus deutlich geworden, der in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek stattfand.

Auch hier sind alle Nachrichten auf ein kurzes Gedächtnis zugeschnitten. Jetzt sprechen viele darüber, dass Putin sich mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi getroffen hat. Und der indische Ministerpräsident Narendra Modi habe ihm gesagt, dass dieser Krieg nun beendet werden müsse. Wahnsinn, was für ein unglaublicher Mut eines Mannes, der neben dem Präsidenten der Russischen Föderation auf dem Familienfoto der Staats- und Regierungschefs der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und der Gäste dieses Gipfels posiert. Wie Sie sehen, weigert sich dort niemand, sich mit Putin fotografieren zu lassen. Und er steht auf dem prominentesten Platz.

Aber das Wichtigste ist: Narendra Modi hat Putin das bereits gesagt, Sie haben es wahrscheinlich vergessen. Im Jahr 2022 sagte Narendra Modi Putin beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Samarkand genau dasselbe. Mit genau denselben Worten: Kriege lösten die Probleme der Menschheit nicht, der Krieg müsse beendet und zum Frieden übergegangen werden, Krieg sei der schlechteste Weg und so weiter. Und damals sagten ebenfalls alle: „Oh, was für ein mutiger indischer Ministerpräsident. Wie er Putin das direkt ins Gesicht sagt. Großartig, er hat Putin in Samarkand gedemütigt“. Jetzt, viereinhalb Jahre später, hat er Putin in Bischkek „gedemütigt“.

Und Putin? Aber Putin kann auf diese Worte Narendra Modis von den Glockentürmen sämtlicher Kreml-Kathedralen herab spucken. Denn Narendra Modi kauft sowohl 2022 als auch 2026 weiterhin russisches Öl, schafft für Russland komfortable finanzielle Bedingungen für die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges, für die Produktion von Raketen, für die Produktion von Drohnen, für die Produktion von Waffen und stützt mit seinen Käufen den Staatshaushalt der Russischen Föderation.

Vor dem Hintergrund der Krise im Energiesektor infolge der Katastrophe in der Straße von Hormus ist der Preis für russisches Öl inzwischen im Vergleich zu 2022 deutlich gestiegen und kann sogar mit dem Brent-Preis konkurrieren. Auf diese Weise erzielt Russland zusätzliche Einnahmen aus seinen Ölverkäufen an Indien und China und muss sich in diesem Fall keine allzu großen Sorgen um seine künftige Haushaltslage machen. Und gäbe es nicht unsere Angriffe auf die russische Ölverarbeitung und unsere Angriffe auf russische Ölhäfen, die glücklicherweise wieder begonnen haben, würde sich Russland um nichts mehr scheren, denn Putin hätte genug Geld für sein Kriegsspiel.

Auch hier ist Narendra Modi keineswegs besonders mutig. Er ist einfach ein Mensch, der bestimmte Dinge artikuliert, die mit realer Politik nichts zu tun haben. Wenn Narendra Modi wollte, dass Putin den Krieg beendet, müsste er lediglich mit seinem eigenen Ölverarbeitungssektor arbeiten und seine eigenen Raffineriebetreiber davon überzeugen – Indien ist im wirtschaftlichen Bereich schließlich eine „Demokratie“. –, dass sie kein russisches Öl kaufen sollten, um Extraprofite zu erzielen, so wie sie es vor 2022 nicht kauften, als russisches Öl nur einige wenige Prozent des gesamten in Indien verarbeiteten Öls ausmachte und nicht Dutzende Prozent, in vielen Raffinerien inzwischen fast die Hälfte. Wir lassen uns also wieder einmal von den lautstarken Erklärungen jener Menschen beeindrucken, deren Handeln in Wirklichkeit dazu beiträgt, Putin zu unterstützen.

Dasselbe gilt für den Staatspräsidenten der Volksrepublik China, Xi Jinping, der wie zuvor der wichtigste Gast des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit war. Auch hier ist es eine völlig nachvollziehbare Sache, wenn der Staatspräsident der Volksrepublik China von der Notwendigkeit politischer Koordinierung zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges spricht. Wie soll man es entschlüsseln? Will er Druck auf Putin ausüben oder Putin durch irgendeine gemeinsame politische Koordinierung zum Sieg verhelfen und den Westen dazu zwingen, die russischen Bedingungen für die Beendigung des Krieges als für die Ukraine kapitulationsähnliche, unvermeidliche Bedingungen zu akzeptieren? Was hat sich hier geändert? Hat auch nur einer der Teilnehmer dieses Gipfels seit den Erklärungen, die Xi Jinping 2022 zum russisch-ukrainischen Krieg abgegeben hat, auch nur mit einem Wort Putins Handlungen verurteilt oder sich geweigert, mit ihm zu sprechen?

Gerade der Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit hat gezeigt, dass Putin im sogenannten Globalen Süden überhaupt nicht isoliert ist. Putin steht auf einem Ehrenplatz unter den Gästen des Gipfels, und dessen Gastgeber, der kirgisische Präsident Sadyr Dschaparow, stellte auf dem Familienfoto der Teilnehmer dieses prestigeträchtigen Treffens auf die eine Seite den Staatspräsidenten der Volksrepublik China und auf die andere den Präsidenten der Russischen Föderation. Der indische Ministerpräsident steht etwas weiter entfernt.

Wie wir verstehen, zeigt das deutlich, wen man im Globalen Süden für die wichtigsten Akteure der heutigen Welt hält. Es sind Xi Jinping und Putin. Das bedeutet übrigens eine Aufwertung der Rolle, die Putin noch beim Gipfel in Samarkand 2022 spielte, als er lediglich wie der Führer einer ehemaligen Sowjetrepublik wirkte, der zusammen mit den anderen Führern ehemaliger Sowjetrepubliken angereist war, um mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China zu sprechen. So viel zur Geschichte von Putins Isolation. Sein Finanzminister trifft sich mit dem Finanzminister der Vereinigten Staaten, während er selbst Gespräche mit den wichtigsten Akteuren des Globalen Südens führt.

Und hier gibt es noch sehr wichtige Details. Wer steht noch in der ersten Reihe unter den Teilnehmern dieses Treffens? Der iranische Präsident Massud Peseschkian, mit dem sich ebenfalls alle treffen. Und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan führt ein beinahe familiäres Treffen mit dem Präsidenten der Russischen Föderation Putin, gemeinsam mit Lukaschenko. Auch mit ihnen wird irgendetwas besprochen, wie mit alten guten Bekannten. Und es kommt sogar zu einem Treffen des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev mit Putin, trotz all der offensichtlichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Baku und Moskau, obwohl der Präsident Aserbaidschans erst kürzlich auf seiner Pressekonferenz sagte, er unterstütze die territoriale Integrität der Ukraine und wünsche ihre Wiederherstellung. Aber wie Sie sehen, hindert ihn das nicht daran, sich mit dem Präsidenten der Russischen Föderation zu treffen, genauso wenig wie es Erdoğan daran hindert.

Putin bleibt trotzdem nicht einfach nur Teilnehmer, sondern einer der Bosse dieses Klubs. Auch deshalb, weil alle sehr gut verstehen, dass es ohne eine wirkliche Verständigung mit Moskau keine Verständigung mit China geben kann. Und beim Iran ist die Situation eine besondere. Trotz aller Angriffe Trumps auf den Iran, obwohl der Iran weiterhin die Straße von Hormus blockiert, obwohl der Iran alle Voraussetzungen für eine derart schwindelerregende Energiesituation in der Welt, für eine solche Krise schafft, aus der die Menschheit möglicherweise jahrzehntelang nicht herauskommen wird, ist auch der iranische Präsident ein willkommener Gast. Auch hier denkt niemand: „Vielleicht sollten wir nicht mit ihm sprechen, wenn Trump ihn nicht mag, wenn Trump seinen Krieg gegen den Iran fortsetzt? Vielleicht sollten wir über unsere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten nachdenken?“ Wie wir sehen, geschieht auch davon nichts.

Es bilden sich zwei alternative Klubs von Staaten heraus, die miteinander verfeindet sind. Es geht nicht einfach nur um die Feindschaft Russlands gegen die Ukraine und um die Ukraine als Teil der zivilisierten Welt. Nein, die Welt hat sich bereits in feindliche Lager geteilt, die zur Konfrontation miteinander bereit sind, und zwar, denke ich, auch zu einer Konfrontation großen militärischen Ausmaßes. Und erstaunlich ist, dass es heute Länder gibt, die versuchen, gewissermaßen auf zwei Stühlen zu sitzen, mit einem Bein in dem einen Klub und mit dem anderen im anderen.

Ein hervorragendes Beispiel dafür ist die Türkei, deren Präsident sich mit Teilnehmern des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit trifft, außerdem mit Putin und anderen angereisten Staats- und Regierungschefs spricht und sich selbst als einen der Führer der turksprachigen Welt betrachtet, die sich ihrerseits derzeit sehr stark um China und nicht um die Türkei dreht. Andererseits ist die Türkei der wichtigste NATO-Verbündete der Vereinigten Staaten. Ein Land, das von den Vereinigten Staaten moderne Waffen verlangt, für deren Konstruktion sich wiederum Peking und Moskau interessieren.

Und auch Indien ist einerseits ein strategischer Partner der Vereinigten Staaten. Und Trump glaubt, dass er hervorragende Beziehungen zu Narendra Modi hat. Nun, Trump glaubt generell bei vielen Menschen, die auf ihn pfeifen, dass er hervorragende Beziehungen zu ihnen habe, weil Trump in seiner eigenen erstaunlichen Welt lebt. Wie dem auch sei, offensichtlich ist Indien an den Vereinigten Staaten und an einem gewissen Gegengewicht zu dem Druck interessiert, den China auf Indien ausübt, sowohl wirtschaftlich als natürlich auch politisch. Gleichzeitig ist Narendra Modi dort, in diesem Klub. Das Einzige, was er für diese Teilnahme bezahlen muss, ist, Putin alle paar Jahre zu sagen, dass er den Krieg beenden müsse.

Er würde es häufiger sagen, nur haben sich der indische Ministerpräsident und der Staatspräsident der Volksrepublik China wegen ihrer schwierigen Beziehungen bei bestimmten Gipfeln eine Zeit lang nicht getroffen. Narendra Modi reiste nicht dorthin und verlor deshalb die Möglichkeit, Putin all diese rituellen Worte zu sagen. Jetzt aber, da sich die Beziehungen zwischen Peking und Neu-Delhi übrigens infolge des amerikanischen Drucks auf Indien wegen des Kaufs russischen Öls verbessert haben, ist Narendra Modi wieder in den ersten Reihen, auf dem Familienfoto, und kann Putin erzählen, wie Putin den Krieg beenden sollte.

Gibt es hier irgendeine Grundlage für eine diplomatische Lösung? Wiederum: nein. Putin fühlt sich in dieser Situation nur noch selbstsicherer, weil er die Eskalation gegenüber der Ukraine ganz eindeutig verstärkt, zum systematischen Töten ukrainischer Zivilisten übergeht, zu Handlungen, die grundsätzlich von jedem zivilisierten wie auch unzivilisierten Land als Kriegsverbrechen eingestuft werden könnten. Und das beeindruckt niemanden auch nur im Geringsten.

Der Finanzminister der Russischen Föderation reist als Ehrengast zum G20-Gipfel in die Vereinigten Staaten, obwohl er dort gar nicht sein müsste. Der Präsident der Russischen Föderation reist als einer der prominentesten Gäste nach Bischkek, um neben dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China, dem indischen Ministerpräsidenten, wiederum demselben iranischen Präsidenten, diesem großen Freund Amerikas, dem pakistanischen Ministerpräsidenten, Paschinjan und Aliyev zu stehen, die erst vor Kurzem in Trumps Büro gereist waren, um über die Öffnung von Handelsrouten in der Region zu verhandeln, sowie neben den Staats- und Regierungschefs Zentralasiens, die erst vor Kurzem zu Trump ins Weiße Haus zum Gipfel Vereinigte Staaten–Zentralasien gereist waren. Wie wir sehen, steht all das ihren Kontakten mit Moskau nicht im Wege.

Warum sollte Putin dann den Krieg beenden, wenn er sieht, dass seine ganz offensichtlich menschenverachtenden und blutigen Handlungen sowohl von Washington völlig ruhig akzeptiert werden, das aus Protest den Besuch seines Finanzministers beim G20-Treffen nicht absagt, als auch von Peking, von Neu-Delhi, von Ankara, von allen? Niemand isoliert ihn. An seine Verbrechen hat man sich bereits gewöhnt. Als dürften überhaupt keine anderen Probleme mit der Russischen Föderation entstehen.

Das ist im Grunde das, was wir über den Inhalt der Ereignisse der vergangenen Tage wissen müssen, damit wir uns keinen Friedensprozess einbilden. Unser Friedensprozess besteht darin, nach Möglichkeiten zu suchen, die strahlgetriebenen Shahed-Drohnen aus der Produktion der Russischen Föderation und ihrer Verbündeten im Anflug auf Kyiv und andere ukrainische Städte zu stoppen. Unser Weg besteht darin, Raketen für die Patriot-Systeme zu finden. Unser Weg besteht darin, das wirtschaftliche Potenzial der Russischen Föderation zu zerstören, ihre Ölhäfen zu zerstören, ihre Ölraffinerien zu zerstören, ihren militärisch-industriellen Komplex zu zerstören.

Und wiederum müssen andere Länder der Welt begreifen, dass wir angesichts der Entwicklung des russisch-ukrainischen Krieges nicht nur auf eine massive Energiekrise, sondern auch auf eine massive Nahrungsmittelkrise in der Welt zusteuern, weil weder in der Ukraine noch in der Russischen Föderation die ertragreichen Flächen bestellt werden können. Seine Majestät der Hunger zieht über die Erde herauf. Und das betrifft nicht uns, sondern die Länder des Globalen Südens, die schlicht ohne Nahrungsmittel bleiben werden.

Wenn sie nicht wollen, dass in den kommenden Jahren Millionen Menschen verhungern, weil durch die gegenseitigen Angriffe Russlands und der Ukraine bereits alle Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dann müssen sie darüber nachdenken, wie sie den Krieg beenden können, statt Putin in Bischkek zu küssen. Das ist alles. Und wenn es ihnen völlig egal ist, wie viele Millionen sterben, was können wir dann machen? Wir können diese Millionen schließlich nicht ersetzen.

Ich werde auf einige Fragen antworten, die in dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Während des Iran-Irak-Krieges halfen die Vereinigten Staaten zynisch beiden Seiten, weil sie keinen endgültigen Sieg einer von ihnen wollten. Sie lieferten heimlich Waffen an den Iran. Haben wir vielleicht dieselbe Situation?

Portnikov. Nein, wir haben nicht dieselbe Situation. Die Vereinigten Staaten machen überhaupt kein Geheimnis daraus, dass sie den Europäern Waffen verkaufen, die diese anschließend an uns weitergeben. Das ist kein Geheimnis. Und die Vereinigten Staaten helfen der Russischen Föderation nicht, sondern haben im Gegenteil eine ganze Reihe von Beschränkungen gegen die russische Wirtschaft verhängt. Ja, diese Beschränkungen haben nicht so funktioniert, wie die amerikanischen Präsidenten es sich schon seit Barack Obama gewünscht hätten. Das stimmt. Aber ohne diese Beschränkungen wäre es für die Ukraine schwieriger, gegen Russland zu kämpfen. Deshalb ist das keine vergleichbare Situation. Und während des Iran-Irak-Krieges halfen die Amerikaner auch nicht beiden Seiten heimlich. Sie hatten im Iran-Irak-Krieg ihre eigene Priorität. Das war der Irak. Und auch das ist für jeden, der die Geschichte dieses Krieges studiert hat, kein Geheimnis.

Frage. Und warum zum Teufel machen wir bei dieser Imitation von Verhandlungen weiter mit?

Portnikov. Ich glaube nicht, dass nur wir diese Imitation von Verhandlungen betreiben. In erster Linie spielt der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump dieses Spiel der Verhandlungsimitation. Donald Trump befindet sich in einer sehr schwierigen politischen Lage. Die Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress rücken näher. Bei diesen Zwischenwahlen haben die Demokraten reale Chancen, im Kongress zu gewinnen. Und sie planen tatsächlich – darin stimme ich Donald Trump, seinem Sprecher Mike Johnson und anderen Republikanern völlig zu –, den Kongress in eine regelrechte Untersuchungskommission zu den Missbräuchen des Präsidenten der Vereinigten Staaten, seiner Familienmitglieder und seines engsten Umfelds zu verwandeln. Und glauben Sie mir, da wird es einiges zu untersuchen geben.

Und Trump will das natürlich verhindern. Würden Sie das an seiner Stelle nicht wollen? Er braucht bestimmte Erfolge, um seine Effektivität in unterschiedlichen Fragen demonstrieren zu können, selbst wenn diese Erfolge nicht unmittelbar mit den Interessen der amerikanischen Wähler zusammenhängen, die natürlich vor allem an niedrigen Treibstoffpreisen interessiert sind. Und das wird Trump in der gegenwärtigen, ich würde sagen, schwierigen Situation kaum erreichen können. Das ist alles. Deshalb zeigt Trump, dass er weiterhin Anstrengungen unternimmt, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, wenn sich dafür irgendeine Gelegenheit bietet. Er beschäftigt sich ja nicht eigens damit. Sie haben Siluanow einfach zu dem Treffen eingeladen. Und nun müssen sie dieses Treffen gleichzeitig nutzen, um zu zeigen, dass sie den russisch-ukrainischen Krieg nicht vergessen haben und dass sie die Sanktionen gegen Russland nicht lockern werden. Nun, sie haben es gesagt und wieder vergessen. Für sie ist das eine zweitrangige Frage.

Warum reden wir über all das? Weil wir normale Beziehungen zu dieser Administration aufrechterhalten müssen, die weiterhin Waffen verkauft, wenn auch nicht in der Menge, die wir benötigen, und die weiterhin Geheimdienstinformationen mit uns austauscht. Wir wollen doch nicht, dass sie damit aufhört. Deshalb machen wir bei dieser Geschichte mit. Wäre es für uns etwa besser, wenn wir sagen würden: „Nein, es gibt keinerlei Verhandlungen. Das war’s, auf Wiedersehen“?

Außerdem demonstrieren wir anderen Ländern unsere Friedensbereitschaft. Ich möchte immer wieder daran erinnern: Wir sind das Opfer dieser Aggression. Wenn davon gesprochen wird, dass es sich um gleichberechtigte Seiten handelt, können wir hinsichtlich des Potenzials, Russland Schaden zuzufügen, gleichwertig sein, aber wir sind das Opfer der Aggression und nicht der Aggressor. Jedes Mal, wenn wir versuchen, etwas in Russland zu zerstören, wenn wir eine Fabrik angreifen, wenn wir einen Hafen angreifen, wenn wir einen militärischen Komplex angreifen, tun wir das als Opfer, das sich verteidigt. Unsere Angriffe sind, ganz gleich, was wir dort in Russland zerstören – selbst wenn wir Russland selbst zerstören sollten –, vollkommen legitim, weil wir uns verteidigen. Und deshalb müssen wir nicht nur zuschlagen, nicht nur zerstören, sondern auch sagen, dass wir zum Frieden bereit sind. Und zwar zu Kompromissbedingungen, zu einem Waffenstillstand entlang der Kontaktlinie. Obwohl wir sehr gut verstehen, dass weder der Präsident der Russischen Föderation noch sein Umfeld noch seine Armee bereit sind, in absehbarer Zukunft auch nur an solche Zugeständnisse zu denken.

Frage. Kann man sagen, dass die Demokratie verliert?

Portnikov. Nein, das kann man nicht. Wie kann man sagen, dass die Demokratie verliert, wenn die Ukraine seit viereinhalb Jahren gegen die größte Atommacht in der Geschichte der Menschheit kämpft, gegen ein Land, das so viele Atomraketen besitzt, dass es innerhalb von 48 elenden Stunden einen Schlusspunkt unter die Geschichte der Menschheit setzen könnte? Und die Menschheit würde vergessen werden wie irgendein Zwischenfall in der Geschichte der Erde. Und wir zerstören die Wirtschaft dieses seligen Landes, wir zerstören seine militärischen Möglichkeiten, obwohl wir ein Land mit weniger Einwohnern und geringerem Potenzial sind, mithilfe der demokratischen Welt, die uns, so hoffe ich, auch in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges weiterhin dabei helfen wird, Russland Widerstand zu leisten und seinen eigenen Möglichkeiten ein Ende zu setzen – möglicherweise für Jahrzehnte, die für Russland schwarze Jahrzehnte völliger Ausweglosigkeit sein sollen, Jahrzehnte, die in das Haus jedes Russen seinen wichtigsten Freund, den Krieg, bringen und sie dort einquartieren werden, wie Wyssozki einst sang: „Und das Unglück blieb für lange Zeit.“ Dann soll das Unglück dort bleiben. Es soll von dort niemals fortgehen. Es soll nicht nur bei russischen Beerdigungen, sondern auch bei russischen Hochzeiten Ehrengast sein. Wir heißen es herzlich willkommen.

Frage. Glauben Sie, dass China in nächster Zeit, gerade im Vorfeld der Wahlen in den Vereinigten Staaten, seine Offensive auf der weltpolitischen Bühne beginnen wird? Und glauben Sie, dass China einen hybriden Krieg führen wird?

Portnikov. Ich verstehe nicht, was mit einer Offensive Chinas auf die weltpolitische Bühne gemeint ist. China befindet sich bereits auf der weltpolitischen Bühne und tut dort alles, was es kann. China steht vor einer ganz anderen Entscheidung, und die hat nichts mit einem hybriden Krieg zu tun. Sie hat mit einem echten Krieg zu tun. China muss sich entscheiden. Und ich denke, genau darüber denkt der Staatspräsident der Volksrepublik China jeden Morgen nach, wenn er aufwacht: Ist er bereit, Gewalt so einzusetzen, wie die Vereinigten Staaten und die Russische Föderation sie bereits erfolglos eingesetzt haben, oder ist es besser, mit Gewalt zu drohen und eine solche ewige Bedrohung zu bleiben, die ständig Drohungen ausspricht?

Ich habe bereits mehrfach gesagt, dass aus meiner Sicht die Stärke einer Großmacht gerade in ihren Drohungen liegt und nicht darin, dass sie Gewalt einsetzt. Darin besteht das Wesen eines jeden solchen Landes. Sobald eine Großmacht aufhört, nur zu drohen, und beginnt, Gewalt einzusetzen, wird ihre Effektivität auf die Probe gestellt. Genau das geschieht in Wirklichkeit sowohl mit den Vereinigten Staaten als auch mit der Russischen Föderation: Sie haben diese Effektivitätsprüfung nicht bestanden. Bei China wissen wir es nicht. Nun, wir wissen es nicht, was soll man machen? Die Chinesen müssen entscheiden, ob sie in jener Welt bleiben wollen, in der sie sich befinden, sodass man sie einfach fürchtet, wie man sie in Südostasien fürchtet, oder ob sie Taiwan, die Philippinen oder Japan tatsächlich angreifen wollen und sich dann herausstellt, dass ihre Armee in einem modernen Krieg gar nicht so modern und nicht so effektiv ist und ihre Angriffe abgewehrt werden. Dann würden sie eben in Taiwan oder auf den Philippinen feststecken. Und das war’s. Damit wäre Chinas Vorstoß auf die weltpolitische Bühne beendet. Finita.

Frage. Die Drohungen aus Moskau mit dem Einsatz von Atomwaffen: Entstehen sie aus der Unfähigkeit, die Ukraine zu besiegen, oder ist es ein weiterer Bluff, der auf Einschüchterung abzielt?

Portnikov. Ich denke, das ist ein Teil des Wahlkampfs. Wir werden jetzt viele Erklärungen hören, hinter denen keinerlei politische Bedeutung steckt. Natürlich muss man immer darauf achten, wer solche Erklärungen abgibt. Bislang stammen all diese Erklärungen von Menschen, die für unterschiedliche politische Kräfte an der sogenannten Wahlkampagne in der Russischen Föderation teilnehmen. Sie versuchen, einander bei der Steigerung der Expressivität ihrer Aussagen zu überbieten.

Nehmen wir etwa den stellvertretenden Vorsitzenden der Staatsduma der Russischen Föderation von der Partei Einiges Russland, den widerwärtigen Tolstoi, der sagte, man müsse ukrainische Zivilisten vernichten und das sei legitim. Und der Abgeordnete der Staatsduma der Russischen Föderation von der Partei Gerechtes Russland, der widerwärtige Schurawljow, sagte, Russland habe die Pflicht, eine Atombombe einzusetzen. 

Verstehen Sie denn nicht, dass all diese Parlamentsabgeordneten niemand sind und nichts zu sagen haben? Das russische Parlament besitzt keinerlei politische Eigenständigkeit. Diese Menschen treffen keinerlei Entscheidungen. Sie treffen sich mit niemandem, sie sehen niemanden. Nun, einige, die FSB-Agenten sind, sehen ihre Betreuer beim FSB. In den Kreml werden sie nur eingeladen, wenn dort irgendein ernsthaftes Gespräch mit den Fraktionsführern stattfindet. Alle Entscheidungen werden ihnen von oben vorgegeben. Sie drücken einfach auf die Knöpfchen. Niemand in der russischen Präsidialverwaltung interessiert sich dafür, was sie dort denken.

Warum tun sie das?

Erstens wollen sie sich bei ihren Betreuern in der Präsidialverwaltung einschmeicheln. Sie zeigen, was für begeisterte Anhänger der Generallinie der Partei sie sind. Nun, es ist schließlich ein postsowjetisches Land. Das haben sie immer so gemacht. Als es noch Parteikomitees und Gewerkschaftskomitees gab, bekamen sie dafür all ihre Vergünstigungen. Sie haben all das nicht vergessen und ihre Kinder genauso erzogen.

Zweitens können sie glauben, dass dies der Stimmung der Wählerschaft entspricht. Umso mehr jetzt, da der Krieg nach Russland gekommen ist. Was denkt der durchschnittliche Russe? Dass man die Ukraine vernichten müsse, damit es Sicherheit gibt. Was glauben Sie denn, worüber er nachdenkt? Dass er den Krieg beenden will? Nun, wenn er den Krieg beenden will, wird er doch nicht Einiges Russland oder Gerechtes Russland wählen. Er ist doch kein Idiot. Diese Banditenparteien haben keine Antikriegswählerschaft. Die Antikriegswählerschaft gibt es, sagen wir, bei der Partei Jabloko oder bei jenen Parteien, die niemals auch nur in die Nähe irgendwelcher Wahlen gelassen werden.

Tolstoi oder Schurawljow oder irgendwelche anderen Leute, die dort über Entnazifizierung, die Vernichtung der Ukrainer oder die Atombombe sprechen, setzen auf andere Menschen, auf Idioten. Nun, wer kein Idiot ist, wird Einiges Russland nicht wählen, wer kein Idiot ist, wird Gerechtes Russland nicht wählen. Verstehen Sie das nicht? Selbst wenn sie in Wirklichkeit etwas völlig anderes denken – stellen wir uns einmal vor, dass die meisten von ihnen gewöhnliche opportunistische Räuber sind –, müssen sie doch das sagen, was den Idioten gefällt, die für sie stimmen werden.

Und noch ein wichtiger Punkt. Wenn das, was den Idioten gefällt, gleichzeitig auch Putin gefällt – eine solche Symbiose von Präsident und Volk –, warum sollte man es dann nicht sagen? Sie riskieren damit nichts. Sie entsprechen sowohl den Interessen ihrer Wähler als auch denen ihres Chefs. Deshalb ist das keineswegs Verzweiflung über die Unfähigkeit, die Ukraine zu besiegen. Sie können glauben, dass die Zeit auf ihrer Seite ist und dass sie die Ukraine früher oder später – mögen noch fünf Jahre vergehen – besiegen und diese Gebiete Russland einverleiben werden. Und es ist ganz sicher kein Bluff, der auf Einschüchterung abzielt. Das sind alles Elemente des Wahlkampfs, auf die wir reagieren.

Und es ist logisch, dass wir darauf reagieren. Jeder Mensch reagiert, wenn man ihm sagt: „Wir werden dich vernichten, wir werden eine Atombombe auf dich werfen, wir glauben, dass man die Zivilbevölkerung erschießen muss.“ Und das wird zusätzlich von einer Eskalation der Angriffe russischer Raketen und strahlgetriebener Drohnen auf ukrainische Städte begleitet. Aber ich wiederhole: Aus politischer Sicht hat all das keinerlei Bedeutung. Wir sprechen während dieser gesamten Sendung darüber, dass all das keinerlei Bedeutung hat. So wie das Treffen zwischen Bessent und Siluanow keinerlei Bedeutung hatte, haben auch all diese Äußerungen von Menschen, die niemand sind, keinerlei politische Bedeutung.

Und wenn ich diese Äußerungen erwähne – und ich erwähne sie ständig und kommentiere sie, übrigens sowohl auf Ukrainisch als auch auf Russisch für jenes Publikum, das Russisch versteht –, dann erwähne ich sie nur, um, sagen wir, widerzuspiegeln und klar festzuhalten, dass diese Menschen grundsätzlich Erklärungen abgeben, die Kriegsverbrechen dokumentieren. Das ist das Wichtige: dass sie während der sogenannten Wahlkampagne zur sogenannten Staatsduma in der sogenannten Föderation – denn sie ist ungefähr so sehr eine Föderation, wie ich Solist am Bolschoi-Theater in Moskau bin – eine Rhetorik verwenden, die im Grunde die Rhetorik von Kriegsverbrechen ist.

Und wichtig ist, dass diese Tatsache weder diejenigen auch nur im Geringsten stört, die in den Vereinigten Staaten bereit sind, dem Finanzminister der Russischen Föderation die Hand zu schütteln, noch diejenigen, die Putin auf den Fotos beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit einen Ehrenplatz geben und ihn damit zu einem der wichtigsten Führer des Globalen Südens und jenes Lagers machen, das bereits zu einem tödlichen Zusammenstoß bereit ist – einem Zusammenstoß, dessen Zeugen wir sein werden –, zwischen zwei Welten, die in den kommenden, wenn nicht Jahren, dann Jahrzehnten zwangsläufig in einem blutigen Kampf aufeinandertreffen werden. Auf eine solche Begegnung unter den Bedingungen neuer Technologien müssen sich auch diejenigen vorbereiten, die selbst überleben und wollen, dass unser Staat überlebt.


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Titel des Originals: Імітація нового миру | Віталій Портников. 01.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 01.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Gipfel in Bischkek: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 01.09.2026.

Wladimir Putin auf dem Familienfoto des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Bischkek ist eine gute Illustration dafür, wie unterschiedlich man im Westen und im Globalen Süden auf die Welt blicken kann.

Putin traf in Bischkek ausgerechnet in jenen Tagen ein, als die strahlgetriebenen Shahed-Drohnen der russischen Armee Jagd auf friedliche Ukrainer machten und den ukrainischen Schulkindern faktisch den ersten Schultag verdarben. Doch in Bischkek dachte niemand auch nur daran, den russischen Präsidenten dafür zu verurteilen. Lediglich der indische Ministerpräsident Narendra Modi erklärte, der russisch-ukrainische Krieg müsse beendet werden.

Allerdings hatte der Chef der indischen Regierung eine ähnliche Erklärung bereits 2022 auf dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Samarkand abgegeben. Putin schenkte seinen Worten keine besondere Beachtung. Und das ist nicht verwunderlich, denn für den Präsidenten der Russischen Föderation ist es weitaus wichtiger, dass Indien russisches Öl kauft, als das, was Ministerpräsident Narendra Modi ihm über den Krieg sagt.

Ein weiterer ziemlich offensichtlicher Faktor, der zeigt, wie weit der Westen und der Globale Süden auseinanderliegen, ist die Tatsache, dass neben Putin auch der iranische Präsident Massud Peseschkian am Gipfel in Bischkek teilnahm. Und das in einer Situation des Krieges der Vereinigten Staaten gegen den Iran. Und das in einer Situation, in der der Iran noch vor Kurzem die benachbarten Staaten am Persischen Golf beschossen hat, von denen viele gute Freunde der Teilnehmer des Gipfels in Bischkek und sogar deren wirtschaftliche Sponsoren sind. Und das, obwohl der Iran weiterhin Schritte unternimmt, um die Straße von Hormus weiter zu blockieren und damit eine Energiekrise in der Welt herbeizuführen, die sich auf jedes der Länder auswirken könnte, deren Staats- und Regierungschefs in Kirgisistan vertreten waren.

Doch wie wir sehen, ist politische Solidarität hier weitaus wichtiger als irgendwelche wirtschaftlichen Probleme. Und wir konnten beobachten, wie freundschaftlich die Teilnehmer dieses Gipfels mit dem iranischen Präsidenten umgingen – ebenso übrigens wie mit dem Präsidenten der Russischen Föderation. Putin traf sich auf diesem Gipfel sowohl mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan als auch mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi, mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping und sogar mit dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev – trotz der offensichtlichen Spannungen in den Beziehungen zwischen Baku und Moskau.

Was der Gipfel in Bischkek also definitiv bewiesen hat, ist, dass weder Russland noch der Iran im Globalen Süden isoliert sind und dass weder Kriege noch das Streben nach Atomwaffen noch Drohungen mit Atomwaffen Anlass für eine Isolation sind – ja nicht einmal für ernsthafte Äußerungen oder Schritte, die eine Verurteilung eines solchen Vorgehens erkennen ließen. Nein. Die anderen Gipfelteilnehmer gingen mit Wladimir Putin und Massud Peseschkian so um, als gäbe es im Grunde überhaupt keine Kriege und als wäre all dies kein Problem für die Zukunft.

Die Teilnehmer des Gipfels in Bischkek weigerten sich also hartnäckig, den sprichwörtlichen Elefanten im Raum zu bemerken, dessen Anwesenheit das Schicksal jedes einzelnen dieser Staats- und Regierungschefs und jedes ihrer Landsleute beeinflussen kann, und beschränkten sich bei den schwierigsten Fragen der heutigen Welt eher auf deklarative Erklärungen.

Wie sonst sollte man die Worte des Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping über die Notwendigkeit politischer Koordinierung zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nennen? Politische Koordinierung mit wem, zwischen wem? Mit Russland? Mit der Ukraine? Mit dem Westen? Wie möchte China überhaupt Einfluss auf die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges oder beispielsweise auf die Beendigung der Krise im Nahen Osten nehmen, wenn es der wichtigste Käufer sowohl russischen als auch amerikanischen Öls war und bleibt und damit beiden Regimen die Möglichkeit gibt zu glauben, sie könnten ihren Kampf gegen den Westen einfach deshalb fortsetzen, weil sie über Geld verfügen? Und wie lassen sich die Worte über politische Koordinierung mit der Erklärung Pekings vereinbaren, dass es jederzeit bereit sei, auf jegliche amerikanischen Sanktionen gegen chinesische Unternehmen zu reagieren, die im Energiesektor mit Moskau und Teheran zusammenarbeiten?

Doch all das sind rhetorische Fragen. Wie wir verstehen, sind die Menschen, die sich in Bischkek versammelt haben – zumindest wenn wir von den wichtigsten Akteuren sprechen –, derzeit an keiner Beendigung der Kriege interessiert, weil sie der Auffassung sind, dass sich sowohl die Vereinigten Staaten als auch der kollektive Westen als solcher in diesen Kriegen aufreiben. Und das kann sowohl Peking als auch, so paradox es klingen mag, Neu-Delhi durchaus gelegen kommen. Obwohl man meinen sollte, Indien müsste daran interessiert sein, dass die Vereinigten Staaten ihre Position als alternative Macht gegenüber China bewahren.

Doch wenn es um gemeinsame Vorstellungen und Möglichkeiten geht, steht Narendra Modi Xi Jinping und Wladimir Putin wesentlich näher als beispielsweise Donald Trump. Obwohl ich nicht ausschließe, dass Donald Trump selbst gerne eine Einladung in einen solchen Klub erhalten würde.

Man kann auch über die Widersprüche sprechen, und auch das ist ein wichtiges Thema, denn auf dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit sehen wir sowohl den aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev als auch den armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan, die noch vor Kurzem in Trumps Amtszimmer eine Vereinbarung über die Öffnung der Handelswege unterzeichnet haben und sich nun auf dem Forum in Bischkek erneut, wenn auch nur kurz, miteinander treffen. Wir sehen die Staats- und Regierungschefs der zentralasiatischen Länder, die noch vor Kurzem zum Gipfel USA–Zentralasien nach Washington gereist waren.

Und all dies müsste eigentlich auf einen offensichtlichen Rückgang des russischen Einflusses im postsowjetischen Raum hindeuten. Aber machen wir uns nichts vor: Alle diese Länder sind auch an besonderen Beziehungen zur Volksrepublik China interessiert. Und sie verstehen sehr gut, dass eine wichtige Voraussetzung für derartige Beziehungen in gewissem Sinne darin besteht, zumindest keine feindseligen Beziehungen zur Russischen Föderation aufzubauen.

Das beste Modell für China – und dieses Modell war übrigens ebenfalls auf dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit vertreten, wobei unklar ist, in welcher regionalen Eigenschaft – ist Belarus, ist Alexander Lukaschenko, der auf dem Familienfoto dieses Forums ebenfalls zu den formellen Ausgestoßenen des Westens gehörte. Man kann also im Westen ein Ausgestoßener sein und im Globalen Süden dennoch zu den Eigenen gehören. Das ist wohl der zentrale Punkt der politischen Philosophie, zu der sich die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit bekennt.

Man muss nicht einmal Mitglied dieser Organisation sein. Man kann Gast des Gipfels sein, auf dem gemeinsamen Foto erscheinen, seine Verbundenheit mit anderen Mächtigen dieser Welt demonstrieren und auf diese Weise keine Angst vor dem Abbau demokratischer Institutionen haben, die es in vielen Ländern, deren Staats- und Regierungschefs auf diesem Gipfel vertreten waren, in der einen oder anderen Form gibt, die aber zweitrangig werden, sobald es um die Beziehungen zu Autokratien geht.

Autokratien, die Demokratien selbst im Globalen Süden ihr Modell des Zusammenlebens aufzwingen, schaffen Voraussetzungen dafür, dass auch der Sinn demokratischer Willensbekundung irgendwo gegenüber der Konfrontation mit der zivilisierten Welt verloren geht. Und hier haben wir ein gutes Beispiel dafür, wie Staats- und Regierungschefs von Ländern, die ein Mandat ihrer Völker besitzen – etwa Indien, Pakistan oder Armenien –, neben jenen stehen, die ihr Mandat von Zentralkomitees oder einfach von sich selbst haben, die Scheinwahlen abhalten und sich gerade deshalb zu beliebigen militärischen Aktionen und beliebigen Verbrechen entschließen und beliebige Fehler begehen können, weil sie keine Konsequenzen fürchten müssen.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen jener Koalition, die wir in Bischkek sehen, auch wenn sie bislang noch informell ist, und den Treffen, die auf der westlichen Seite organisiert werden und die vor dem Hintergrund der offensichtlichen Weigerung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, sein Land als Beschützer und untrennbaren Bestandteil der zivilisierten Welt zu betrachten, immer hilfloser wirken.


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Titel des Originals: Саммит в Бишкеке: главное | Виталий Портников. 01.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 01.09.2026.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Geheime Mission in Moskau: Wie geht es weiter? | Vitaly Portnikov. 26.08.2026.

Der überraschende Besuch des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten, John Ratcliffe, in der russischen Hauptstadt bleibt selbst am Tag nach dieser Reise eines der Hauptthemen der Diskussion – unter Ukrainern, unter Amerikanern und übrigens auch unter Russen, deren Medien diesen Aufenthalt Ratcliffes in Moskau kommentieren.

Auch unser Interesse daran ist verständlich, denn in der Regel nehmen wir jede Reise eines hochrangigen amerikanischen Beamten nach Russland als Zeichen dafür wahr, dass sich Möglichkeiten zur Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses eröffnen könnten. Gleichzeitig sollte man sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die Ziele dieser Reise völlig andere gewesen sein müssten als die zuvor öffentlich genannten.

Auch der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump äußerte sich heute zu dieser Reise, allerdings deutlich vorsichtiger, als er sich früher zu den Aussichten auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges geäußert hatte. Trump sagte, der Direktor der Central Intelligence Agency habe in der russischen Hauptstadt Routinearbeit erledigt und er wolle den Menschen keine überflüssigen Hoffnungen machen; mit der Iran-Krise habe sich der CIA-Direktor nicht befasst. Was das Ende des russisch-ukrainischen Krieges angeht, würden die Vereinigten Staaten sehr gern sehen, dass dieser Krieg endet. Und wäre Trump Präsident gewesen, hätte er gar nicht erst begonnen. Nun, diese Platte hören wir schon seit 2025, wenn nicht länger. Und wie wir sehen, führt eine weitere Aufführung der Arie von dieser Platte zu keinerlei realen Ergebnissen.

Hier ist nun wichtig zu verstehen: Kann man die Reise des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten nach Moskau tatsächlich als Routine bezeichnen? Eine solche Reise als Routine? Nein, kann man nicht. 2021 war zuletzt ein Direktor der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten in Moskau. Das war John Ratcliffes Vorgänger William Burns, der im Auftrag des damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten Joseph Biden in die russische Hauptstadt gereist war, um Putin davon zu überzeugen, keinen Krieg gegen die Ukraine zu beginnen.

Der damalige CIA-Direktor hoffte, persönlich mit dem Präsidenten Russlands zusammenzutreffen. Dafür war er im Grunde nach Moskau gekommen. Doch treffen konnte er sich nur mit seinen Kollegen aus den Geheimdiensten. Soweit ich mich erinnere, gab es dort einen Kontakt mit Nikolai Patruschew, dem damaligen Sekretär des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, sowie mit Sergej Naryschkin, dem Direktor des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation.

Burns hoffte auf ein Gespräch mit Putin, das schließlich telefonisch stattfand, weil der russische Präsident nach Sotschi gereist war. Vielleicht geschah das demonstrativ, um dem amerikanischen CIA-Direktor zu zeigen, welchen Platz ihm der russische Präsident in seiner Wahrnehmung der Realität zuwies. Das Gespräch zwischen Burns und Putin führte zu keinerlei realen Ergebnissen, ebenso wenig wie die späteren Verhandlungen Bidens mit Putin.

Wie bekannt ist, gab es ein virtuelles Treffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem Präsidenten der Russischen Föderation, das aus Sicht des Präsidenten der Vereinigten Staaten ebenfalls einen russischen Angriff auf die Ukraine verhindern sollte. Biden warnte Putin vor den möglichen Folgen eines solchen Angriffs, doch Putin hatte nicht vor, auf irgendjemanden zu hören. Das war eine außergewöhnliche Situation, die mit den Informationen zusammenhing, welche die amerikanischen Geheimdienste erhalten hatten.

Nun reist der CIA-Direktor fünf Jahre später wieder nach Moskau. Hätte er sich tatsächlich nur mit seinen Amtskollegen in der russischen Hauptstadt treffen wollen, hätte er die Möglichkeit gehabt, ein solches Treffen auf neutralem Boden abzuhalten. Wie bekannt ist, treffen sich die Leiter der Nachrichtendienstgemeinschaften der Vereinigten Staaten und Russlands in der Regel auf neutralem Territorium. Und übrigens selbst damals, als die amerikanischen Geheimdienste davon erfuhren, dass in der Russischen Föderation über den möglichen Einsatz von Atomwaffen im russisch-ukrainischen Krieg gesprochen wurde – es handelte sich um ein abgefangenes Gespräch von General Surowikin –, flog William Burns trotzdem nicht nach Moskau, sondern traf sich mit dem Direktor des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation Sergej Naryschkin auf neutralem Boden.

Allerdings ist die Situation zwischen den Vereinigten Staaten und Russland heute eine andere. Sie erinnern sich, dass Präsident Biden nach dem Angriff auf die Ukraine beschlossen hatte, Präsident Putin zu boykottieren. Deshalb konnte damals kein Treffen hochrangiger russischer und amerikanischer Beamter in Moskau stattfinden. Selbst wenn es um eine so grundsätzliche Angelegenheit wie den möglichen Einsatz von Atomwaffen ging.

Donald Trump hat diese Politik entschieden verändert – hin zu einem Dialog auf höchster Ebene, zu einem Dialog zwischen Beamten. Deshalb wirkt die Reise des Direktors der Central Intelligence Agency nach Moskau in dieser Situation vielleicht nicht ganz so unglaublich und auch nicht unbedingt wie etwas völlig Außergewöhnliches. Aber alle Fragen, die nicht grundsätzlicher Natur sind, lassen sich über andere Kanäle, mit anderen Beamten und nicht in Moskau klären. Das betrifft auch die Freilassung amerikanischer Staatsbürger aus russischen Gefängnissen. Die Amerikaner arbeiten hier schon lange mit den Russen und den Belarussen zusammen. Wie Sie sehen, ist es überhaupt nicht nötig, den CIA-Direktor dorthin zu schicken, um Ergebnisse zu erzielen. Und was den Verhandlungsprozess zwischen Russland und der Ukraine betrifft: Es ist schon ziemlich merkwürdig, dass die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Steve Witkoff und Jared Kushner, die sich im Grunde mit dieser Angelegenheit befassen, nicht nach Moskau reisen, während der Direktor der Central Intelligence Agency fährt und dort über irgendetwas spricht.

Wofür also war diese ganze Reise tatsächlich geplant? Erstens muss man sich darüber im Klaren sein, dass wir praktisch keine Möglichkeit haben zu wissen, was dort tatsächlich geschah und worüber gesprochen wurde. Uns bleibt nur, verschiedene Versionen zu diskutieren. Wenn der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation Peskow sagt, der CIA-Direktor habe Putin nicht getroffen, bedeutet das nicht, dass er ihn nicht getroffen hat. Oder jedenfalls bedeutet es nicht, dass es keinen Kontakt gab. Der CIA-Direktor könnte genau dasselbe Telefongespräch mit dem russischen Präsidenten geführt haben wie sein Vorgänger Burns. Und auch das könnte für die Erfüllung dieser Mission, die mit einem Auftrag Präsident Trumps verbunden war, völlig ausgereicht haben.

Zweitens: Worum könnte es bei diesem Auftrag gegangen sein? Jetzt heißt es, Putin habe mit Ratcliffe seine Forderungen hinsichtlich eines Endes des russisch-ukrainischen Krieges besprochen. Es ist völlig unklar, warum der russische Präsident all diese Forderungen ausgerechnet mit dem CIA-Direktor hätte besprechen sollen, wenn all diese Forderungen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Außenministerium längst bekannt waren. Putin hatte dem Direktor hier nichts Neues zu erzählen.

Was konnte der Chef der Central Intelligence Agency vom Präsidenten Russlands und von den Leitern der russischen Geheimdienste tatsächlich erreichen wollen? Das Erste, was für die Vereinigten Staaten wichtig sein könnte, ist die Verhinderung einer weiteren Eskalation. Wir sprechen ständig darüber, dass der Krieg seine geografischen Grenzen überschreiten könnte. Nach und nach tut er das bereits. Der Raketeneinschlag auf polnischem Territorium, den man natürlich als zufällig bezeichnen kann, der aber nicht zufällig war. Das ständige Eindringen russischer Drohnen in den Luftraum von Nachbarstaaten der Ukraine. Die Gespräche darüber, dass Russland unter falscher, also ukrainischer Flagge einen Drohnenangriff auf Polen oder ein anderes NATO-Land vorbereiten könnte. All das zeigt, dass man sich im Kreml darauf vorbereitet, die Europäer einzuschüchtern. Vielleicht vorerst nicht anzugreifen, aber eine entsprechende Atmosphäre in den europäischen Gesellschaften zu schaffen. Wie es im hybriden Krieg immer ist: Wenn man beginnt, um den russischen Ausdruck zu verwenden, ein bisschen Benzin ins Feuer zu gießen, kann man fatale Fehler machen, die zu einem echten Krieg führen und die Vereinigten Staaten vor die Notwendigkeit stellen, entweder in diesen Krieg einzugreifen oder den Schutz ihrer Verbündeten zu verweigern.

Beide Varianten der weiteren Entwicklung sind für Donald Trump inakzeptabel. Donald Trump will sich in keinerlei Ereignisse in Europa einmischen. Das hat er wiederholt bewiesen, wenn er über die Rolle der Vereinigten Staaten im Nordatlantischen Bündnis sprach. Donald Trump will aber auch, und das ist ebenfalls offensichtlich, keine Schwäche der Vereinigten Staaten demonstrieren, erst recht nicht nach dem, was infolge des Krieges mit Iran geschehen ist. Das heißt, er will weder kämpfen noch demonstrieren, dass die Vereinigten Staaten Europa im Falle eines russischen Angriffs nicht verteidigen würden. Der einzige reale Ausweg aus dieser Situation besteht darin, eine weitere Eskalation auf europäisches Territorium zu verhindern. Und darüber könnte der CIA-Direktor im Grunde mit seinen Amtskollegen gesprochen haben. Auch das könnte ein wichtiges Gesprächsthema gewesen sein.

Kann man dabei irgendwelche Ergebnisse erzielen? Nein. Wenn in Russland die Entscheidung für einen hybriden oder echten Krieg mit den europäischen Nachbarstaaten der Ukraine getroffen wurde, dann geschieht das nicht, weil es Russland so gut geht, sondern weil es nach Wegen sucht, die europäische Unterstützung für die Ukraine zu stoppen. Russland befindet sich hier tatsächlich in einer schwierigen Situation. Putin möchte den Krieg gegen die Ukraine so schnell wie möglich beenden, aber mit seinem Sieg: mit der Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit, mit der Vertreibung von Millionen Ukrainern aus Gebieten, die die Russen zu russischen Gebieten erklären wollen. Wie soll das gelingen, wenn Russland weiterhin gegen ein Land kämpft, das westliche Unterstützung erhält?

Und übrigens ist es absolut kein Zufall, dass die russische Propaganda jeden Angriff auf einen Marktplatz, eine Ölraffinerie oder andere Infrastrukturobjekte der Russischen Föderation als Angriff des Westens, als Angriff Europas charakterisiert. Denn aus russischer Sicht hätte die Ukraine längst aufgehört, als Staat zu existieren, wenn der Westen ihr nicht helfen würde. Und aus russischer Sicht geht es darum, dass der Westen gegen Russland kämpft, damit Russland seine Kontrolle über sein natürliches Territorium nicht wiederherstellt. Genau das geschieht aus Sicht Moskaus tatsächlich.

Gehen wir weiter. Inwieweit können die Vereinigten Staaten Putin mit den Folgen einer solchen Eskalation einschüchtern? Ungefähr so wie 2022. Große Instrumente, mit denen Washington heute Einfluss auf die Russische Föderation nehmen könnte, gibt es nicht. Die meisten Energiesanktionen sind bereits verhängt. Auf Länder, die heute russisches Öl kaufen, können die Vereinigten Staaten real kaum Einfluss nehmen. Den Zollkrieg mit der Volksrepublik China hat Trump noch vor dem heißen Krieg mit Iran verloren. Sich vorzustellen, dass Trump selbst nach Verabschiedung des berühmten Graham-Blumenthal-Gesetzes vernichtende Sanktionen gegen die chinesische Ölverarbeitungsindustrie verhängen würde – und hier müsste es gerade gegen die chinesische Industrie gehen –, fällt schwer.

Außerdem wissen wir überhaupt nicht, was in diesem Herbst mit dem Öl geschehen wird, falls die Straße von Hormus nicht geöffnet wird. Und damit kommen wir zum zweiten Teil der möglichen Aufgaben des Direktors der Central Intelligence Agency. Hormus. Das ist derzeit tatsächlich das Hauptproblem der Administration Donald Trumps, ein wesentlich wichtigeres Problem als die Geschichte des russisch-ukrainischen Krieges. Der russisch-ukrainische Krieg ist für Trump und sein Umfeld ausschließlich ein Reputationsproblem. Trump hatte versprochen, diesen Krieg zu beenden. Er konnte sich mit Putin über nichts einigen. Er lehnt weiterhin eine reale, ernsthafte Hilfe für die Ukraine ab und betrachtet diese Hilfe im Gegenteil als einen der größten politischen und finanziellen Fehler Präsident Bidens.

Dadurch, dass es diese Hilfe nicht gibt, verbessert sich die wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten bekanntlich nicht. Die Staatsverschuldung wächst, das Leben der Menschen verschlechtert sich, die Zustimmungswerte sinken. Dadurch, dass der Ukraine Waffen geliefert wurden, haben die amerikanischen Arsenale nicht besonders stark gelitten; durch die Handlungen des amerikanischen Militärs im Iran-Krieg dagegen so erheblich, dass die Vereinigten Staaten Gefahr laufen, ohne wirkliche Mittel zur Selbstverteidigung dazustehen, falls mehrere weltweite Konflikte gleichzeitig ausbrechen. All diese Erklärungen darüber, dass die Vereinigten Staaten irgendeinen Wirtschaftskrieg gegen Iran führen würden, sind, wenn Sie so wollen, bloßes Luftschütteln sowohl von Trump als auch von seinem Finanzminister Bessent. Rein propagandistische Erklärungen. Iran steht seit Langem unter Sanktionen der Vereinigten Staaten und anderer Länder der zivilisierten Welt. Er stand sogar unter Sanktionen des UN-Sicherheitsrates, nur damit er keine Atomwaffen entwickelt. Das hindert das iranische Regime nicht daran, die Gesellschaft weiter zu kontrollieren. Es hindert die iranische Gesellschaft nicht daran, selbst nach der Vernichtung des Obersten Führers Ali Khamenei und seines Umfelds zu überleben. Es hindert Iran nicht daran, Shahed-Drohnen zu produzieren. Ich erinnere daran, dass Iran genau das Land war, das begann, diese neue Waffe massenhaft gerade auf ukrainischem Boden zu erproben. Und es hindert Iran nicht daran, ballistische Raketen zu produzieren und diese anschließend auf Israel und die Länder des Persischen Golfs abzufeuern.

Wie hoch müsste der wirtschaftliche Druck auf Iran noch werden, damit Iran überhaupt darauf achtet, dass es sich mit Trump einigen soll? Nun, ich sage Ihnen, wie: Auch hier müsste man die Volksrepublik China, wie schon im Falle Russlands, dazu bringen, kein iranisches Öl mehr zu kaufen. 80 Prozent des iranischen Öls kauft China. Ich erinnere Sie daran, dass das sogar größere Mengen sind als die Menge an Öl, die China von Russland kauft, weil Russland Öl auch an Indien und andere Länder des Globalen Südens verkauft. Beim iranischen Öl dagegen ist China der offensichtliche Monopolabnehmer. Es hilft dem Regime der Islamischen Republik zu überleben. Aber ich wiederhole: Die Vereinigten Staaten verfügen über keine realen Druckmittel gegen Iran außer militärischen. Und militärische Schläge will Trump nicht führen, weil er bereits erkannt hat, dass sie hinsichtlich einer realen Veränderung der iranischen Politik völlig wirkungslos sind. Wie Sie bemerken, spricht der Präsident der Vereinigten Staaten nicht einmal mehr über das iranische Atomprogramm, das gerade in diesem Moment, während wir sprechen, fortgesetzt werden könnte. Er spricht ausschließlich über die Öffnung der Straße von Hormus. Und wie man das erreichen soll, weiß ich nicht. Alle propagandistischen Erklärungen darüber, dass heute 50 Prozent der früheren Zahl von Schiffen durch Hormus fahren, dass eine Route organisiert worden sei, werden bislang nicht durch die Realität bestätigt. Die Kraftstoffpreise steigen weiter, und die Probleme der Amerikaner mit ihrem Lebensstandard verschärfen sich weiter.

Trump muss diese Situation vor den Zwischenwahlen korrigieren. Er versteht sehr gut, was geschehen wird, wenn die Demokraten auch nur die Kontrolle über das Repräsentantenhaus gewinnen, das sich dann in einen Untersuchungsausschuss zu all den Handlungen verwandeln wird, die Trump 2025 und 2026 vorgenommen hat. Und dabei geht es nicht um Politik, sondern um Bereicherung, um die Nutzung des Amtes zur eigenen Bereicherung und zur Bereicherung von Mitgliedern seiner Familie. Trump wird dann einfach in einer enormen Zahl innenpolitischer Probleme versinken.

Die Frage ist: Kann man darüber mit Putin sprechen? Ja, denn die Russen verkaufen den Amerikanern völlig grundlos die Möglichkeit eines in Wirklichkeit gar nicht existierenden russischen Einflusses auf die iranische Politik und auf Teheran. Wirklich tun können sie nichts, aber der Direktor der Central Intelligence Agency kann mit ihnen darüber sprechen, dass man irgendwelche Zugeständnisse an Russland gegen russische Versuche eintauschen könnte, Hormus zu öffnen. Und die Russen werden Hormus nicht öffnen, und die Amerikaner werden am Ende keine Zugeständnisse machen, weil sie kein konkretes Ergebnis erhalten werden. Aber was Trump auch erzählen mag darüber, dass sein CIA-Direktor mit den Russen nicht über das Iran-Problem gesprochen habe: Trump braucht offensichtlich irgendeine reale Unterstützung bei der Öffnung der Straße von Hormus.

Und ich sage Ihnen: Wir selbst müssten sehr daran interessiert sein, dass diese Öffnung erfolgt, denn die Öffnung der Straße von Hormus nimmt dem Kreml seine heutigen Übergewinne aus dem Ölgeschäft. Heute kann der Brent-Preis in bestimmten Regionen und zu bestimmten Zeiten faktisch niedriger sein als der Preis für Urals, also russisches Öl, weil Länder des Globalen Südens infolge des Mangels an Brent, das durch Hormus gehen müsste, begonnen haben, russisches Öl ohne jenen, ich würde sagen, entgegenkommenden Rabatt zu kaufen, den ihnen die Russische Föderation früher gewährte. Für die Ukraine sind die Öffnung der Straße von Hormus und sinkende Ölpreise eine der wichtigen Voraussetzungen dafür, dass Russland zumindest in den kommenden Jahren beginnt, über die Möglichkeit eines Kompromisses im Krieg nachzudenken.

Nun sagen Sie mir bitte: Warum sollte Putin Trump bei der Öffnung der Straße von Hormus helfen? Putin ist gerade am Gegenteil interessiert: daran, dass die Meerenge geschlossen bleibt, dass die Demokraten die Wahlen gewinnen, dass Trump sich in endlose Diskussionen über seine finanziellen Interessen im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten verstrickt, dass es in Amerika keine starke Regierung gibt, die Putin mit Friedensverhandlungen auf die Nerven geht, dass es keine neuen Sanktionen gegen Russland gibt und dass Putin in der Ukraine freie Hand hat, zumindest bis zum Ende der Amtszeit Donald Trumps.

Ich versuche ständig daran zu erinnern. Putins diplomatisches Ziel besteht tatsächlich darin, Zeit bis 2028 zu gewinnen. Zumindest 2028 wird klar sein, wer für die Demokraten für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten kandidiert, wer für die Republikaner kandidiert und wie das Kräfteverhältnis aussieht. Und im November 2028 wird man im Kreml anhand des Ergebnisses der amerikanischen Präsidentschaftswahlen entscheiden, was man weiter mit dem russisch-ukrainischen Krieg tun will. Ungefähr dann, im Januar 2029, werden wir darüber sprechen können, wie die realen russischen Absichten aussehen. Jetzt besteht die Absicht darin, so lange wie möglich Zeit zu schinden, soweit es die russischen Ressourcen erlauben.

Und wenn wir nicht wollen, dass es im Januar 2029 nicht etwa um das Ende des Krieges geht, sondern darum, dass Russland im Januar 2029 seine neuen Absichten für den Krieg festlegt – zumal Sie verstehen, dass 2029 in Wirklichkeit gar nicht mehr so weit entfernt ist, wir sind bereits im August 2026. Das ist weniger Zeit, als der große russisch-ukrainische Krieg bereits dauert. Es sind weniger als viereinhalb Jahre. Dann besteht unsere Aufgabe darin, Putins Ressourcenpotenzial so weit zu verringern, dass in seinem Kopf andere Daten auftauchen.

Wie kann man das tun? Das ist bereits eine Frage an die Streitkräfte, an die Armee, an die Gesellschaft. Die Streitkräfte müssen den Feind an den Linien aufhalten, an denen er vorrückt, ihm zumindest nicht erlauben, im Rahmen der von Putin gewählten Salamitaktik, nachdem sein Blitzkrieg gescheitert war, immer neue ukrainische Gebiete zu erobern. Die Produktion offensiver Waffen, Raketen und Drohnen muss gesteigert werden. Sie müssen in Russland dessen Ressourcen zerstören, die Wiederherstellung von Ölraffinerien verhindern, Rüstungsbetriebe zerstören, Infrastruktur zerstören, damit Russland seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur einstellt, die Energieinfrastruktur der Russischen Föderation zerstören und diesen Staat faktisch in Dunkelheit versinken lassen. Zumal das Klima in dieser Hinsicht eher auf unserer Seite ist. Bei uns kann es einen warmen Winter geben, für Russland ist das eher eine Ausnahme, denn schon das Klima in der Russischen Föderation macht Heizung und Strom im Winter zu einer Notwendigkeit. Und auch die Russen müssen begreifen, dass man das Spiel „Lasst uns das feindliche Land einfrieren und seine Bevölkerung zur Kapitulation zwingen“ zu zweit spielen kann.

Und natürlich muss die ukrainische Gesellschaft selbst eine sehr einfache Frage beantworten: Ist sie bereit, vor Russland zu kapitulieren, oder ist sie bereit, all diese Lasten des Krieges weiter zu ertragen und zu begreifen, dass es zwischen diesen beiden Fragen, zwischen diesen beiden Begriffen leider keine Mitte gibt? Obwohl ich einräume, dass irgendein amerikanischer Beamter, selbst der Direktor der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten, diese goldene Mitte weiterhin sucht, im Geiste des Siegers der letzten Präsidentschaftswahlen in der Ukraine, der bekanntlich vorgeschlagen hatte, sich in der Mitte zu treffen. Nun, wir haben uns getroffen. So sieht es aus.

Was für mich aufschlussreicher ist als dieser Besuch in der russischen Hauptstadt, ist etwas ganz anderes. Wie Sie sehen, eilen die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Steve Witkoff und Jared Kushner weder nach Moskau noch nach Kyiv. Ihre Reisen werden ständig verschoben. Mal werden sie von ukrainischen, mal von russischen Beamten angekündigt, aber Witkoff und Kushner reisen weder in die Ukraine noch nach Russland. Aus einem einfachen Grund: Trump hat bereits verstanden, dass ergebnislose Reisen keinen Sinn mehr haben. Er braucht eine Reise, die ein reales Ergebnis bringt, eine Reise, nach der er sagen könnte, dass etwas geschehen ist: dass ein Waffenstillstand zustande gekommen ist, dass es eine Energie-Waffenruhe geben wird, dass es eine Waffenruhe auf See geben wird, wenigstens irgendetwas, worüber man sich einigen konnte. Doch es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass man sich mit Russland in absehbarer Zukunft über irgendetwas einigen kann.

Ich spreche gar nicht erst davon, dass dieser Krieg für Donald Trump tatsächlich auf den zweiten oder dritten Platz gerückt ist – vor dem Hintergrund des Krieges im Nahen Osten, den er nicht gewinnen kann, und vor dem Hintergrund des Zollkrieges, den er nicht gewinnen kann und den er weiterführt. Gerade in diesen Tagen beginnt die nächste Runde des Zollkrieges mit dem benachbarten Kanada. Das sind enorme Probleme für die amerikanische Wirtschaft, glauben Sie mir. Für Trump ist das heute eine wesentlich ernstere Geschichte als der russisch-ukrainische Krieg, eine Geschichte mit unmittelbarer Bedeutung für die Wahlen, denn Trump und sein Umfeld kämpfen jetzt einfach darum, bei den Zwischenwahlen zum Kongress wenigstens irgendwelche Positionen zu halten. Dazu gehört auch der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten, der versucht, die Briefwahl zu verbieten, was nach Ansicht Trumps und seiner Anhänger die Zahl demokratischer Wähler bei den Kongresswahlen reduzieren könnte.

Und das Wichtigste: Sowohl Witkoff als auch Kushner müssen sich mit den wichtigsten außenpolitischen Richtungen befassen, die Fragen des politischen Überlebens Donald Trumps sind. Da ist die Iran-Frage, die Witkoff noch immer nicht lösen kann, egal wie viele Verhandlungsrunden er führt und egal wie oft Trump verspricht, Iran werde schon morgen irgendein Abkommen mit den Vereinigten Staaten unterzeichnen und schon morgen die Meerenge öffnen. Iran handelt genauso, wie Russland im russisch-ukrainischen Krieg gehandelt hat. Es schindet Zeit, zumindest bis zu den Zwischenwahlen. Und dann gibt es noch den Verhandlungsprozess im Gazastreifen, der für Trump ebenfalls sehr wichtig ist vor den Zwischenwahlen. Auch dort funktioniert nichts, weil Trump ständig große Siege verkündet und erklärt, die Entwaffnung der Terrororganisation Hamas stehe unmittelbar bevor und der Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen ebenfalls. Aber nichts geschieht, obwohl Trumps Schwiegersohn kürzlich den Nahen Osten besuchte, sogar mit einem Hamas-Führer zusammentraf und mit ihm über irgendetwas sprach. Im Ergebnis gibt es nichts.

Zumal auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einen Wahlkampf führt, und dieser ist für ihn riskanter als für Donald Trump. Denn Netanjahu ist sich darüber im Klaren, dass er, wenn er die Parlamentswahlen verliert und nicht mehr Ministerpräsident Israels ist, juristisch ernsthaft unter Beschuss geraten könnte. Er weiß das, und für ihn ist es eine Frage des politischen Überlebens, an der Macht zu bleiben. Für ihn ist das wichtiger, als Trump zu unterstützen. In dieser Situation gehen ihre Interessen radikal auseinander, weil jeder an sein eigenes politisches Überleben und an die Folgen eines Scheiterns denkt.

Wo ist da Platz für den russisch-ukrainischen Krieg? Er ist ausschließlich für uns von entscheidender Bedeutung, nicht für die Amerikaner. Und mit „uns“ meine ich jetzt nicht einmal nur die Ukrainer, sondern die Europäer. Dass europäische Staats- und Regierungschefs am Unabhängigkeitstag die ukrainische Hauptstadt besuchten, sich mit Zelensky trafen und eine Sitzung der Koalition der Willigen abhielten, dass uns mitgeteilt wurde, man werde uns Storm-Shadow-Technologien zur Verfügung stellen – all das sind Zeichen dafür, dass Europa nicht vorhat, uns ohne Unterstützung durch sein Handeln zu lassen. Das sind Signale, die weitaus wichtiger sind als Reisen amerikanischer Beamter.

Putin ging eigentlich davon aus – und auch hier hat er sich wieder verrechnet –, dass nach Donald Trumps Rückkehr ins Oval Office die Frage des russisch-ukrainischen Krieges sich von selbst lösen würde, einfach weil die Amerikaner aus der umfassenden Unterstützung der Ukraine aussteigen würden. Und genau das haben sie getan. Denn von Bidens Politik ist bei Trump nicht einmal ein Schatten geblieben. Es gibt dieses Hilfspaket nicht, das es geben könnte, obwohl Sie sehen, dass das Repräsentantenhaus den Ukraine-Hilfsakt mit einer ziemlich großen finanziellen Ausstattung verabschiedet hat. Das heißt, das Geld ist vorhanden. Trump will es nur nicht geben.

Und Putin dachte, wenn diese Hilfe endet, endet auch der ukrainische Widerstand. Das ist nicht geschehen. Es ist nicht geschehen, weil die Europäer begriffen haben, dass die Unterstützung der Ukraine für sie eine Frage des eigenen Überlebens ist. Und wie Sie sehen, wird diese Unterstützung ausgeweitet, weil uns heute niemand mehr bei weitreichenden Angriffen beschränkt. Unsere Angriffe auf das Territorium der Russischen Föderation, auf Infrastrukturobjekte, werden unterstützt.

All das ist meiner Ansicht nach der wichtigste Punkt, der uns so oder so dabei helfen muss, diesem russischen Druck auch künftig zu widerstehen. Gleichzeitig steckt darin aber auch die Frage einer realen, wenn Sie so wollen, Ausweitung des Konflikts, möglicher realer russischer Handlungen in Europa. Und genau das, räume ich ein, könnte ebenfalls Thema dieser Reise des CIA-Direktors in die russische Hauptstadt gewesen sein. Das sind meine ersten Einschätzungen nach diesen zwei Tagen der Diskussion über diese Reise, einer meiner Ansicht nach wichtigen Diskussion.

Ich werde einige Fragen beantworten, die in dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Erwarten Sie, dass Iran Trump gerade vor den Wahlen einen heißen Krieg beschert? Der Logik nach müssten sie genau das jetzt planen. Andererseits ist interessant, dass Russland Trump als Präsidenten gerade braucht.

Portnikov. Ich denke, Russland braucht nicht Trump als Präsidenten, sondern einen schwachen amerikanischen Präsidenten. Einen Präsidenten, der in einen Krieg mit dem Kongress verwickelt ist – genau den braucht Russland. Und genau das könnten die Ergebnisse der Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten bewirken. Russland braucht die Konfrontation Trumps mit dem Kongress. Denn sie verstehen, dass Trump in dieser Situation bereits 2027 zur lahmen Ente wird. Obwohl alle Vorrechte bei der Gestaltung der Außenpolitik in seinen Händen bleiben werden, wird er zugleich mit völlig anderen Fragen beschäftigt sein.

Was die Frage angeht, ob Iran Trump einen heißen Krieg bescheren wird: Ich glaube nicht, dass Iran Trump gerade vor den Wahlen einen heißen Krieg bescheren will. Das braucht Iran nicht. Es muss nur die Straße von Hormus geschlossen halten. Die andere Frage lautet: Wird Trump bereit sein, Iran eine weitere Runde heißen Krieges zu erklären, falls die Meerenge geschlossen bleibt?

Aber Sie müssen eine einfache Sache verstehen. Die Kontrolle des Luftraums allein ist kein ausreichend wirksames Mittel mehr, um einem feindlichen Land die eigenen Bedingungen oder Frieden aufzuzwingen. Die Situation hat sich verändert. Russland besitzt keine Luftherrschaft über der Ukraine. Wie Sie verstehen, kann es uns mit Raketen angreifen, es kann Drohnen schicken, aber das ist keine Luftherrschaft, weil wir weiterhin Flugabwehrsysteme besitzen. Ja, ballistische Raketen können wir nicht abschießen, aber alles andere können wir neutralisieren. Und über unseren Köpfen fliegen keine russischen Flugzeuge. Die Vereinigten Staaten dagegen besitzen im Grunde Luftherrschaft über Iran. Und? Nichts.

Um im Iran-Krieg tatsächlich irgendwelche Ergebnisse zu erzielen, müssten die Vereinigten Staaten sich darauf einlassen, dort ein Militärkontingent einzusetzen. Vielleicht nicht, um Iran zu besetzen, das iranische Regime zu vernichten und den Iranern einen Übergang zur Demokratie zu ermöglichen. Nein, zumindest aber für eine teilweise Kontrolle des Territoriums, die es erlauben würde, Hormus zu entsperren. Trump versteht jedoch sehr gut alle Risiken einer solchen Operation, die Zahl der Opfer, und wird sich zumindest bis zu den Zwischenwahlen ganz sicher nicht dazu entschließen. Das ist die ganze Antwort auf die Frage.

Frage. Wie kann es mit einer solchen Politik der Vereinigten Staaten weitergehen? Erwarten Sie, dass der herrliche Ozean die Feinde möglicherweise nicht daran hindern wird, das Territorium der Vereinigten Staaten selbst anzugreifen? Sehen Sie eine solche Logik der Ereignisse?

Portnikov. Ich sehe absolut, dass wir uns genau in Richtung einer solchen Entwicklung der Ereignisse in der Welt bewegen. Die Amerikaner haben schlicht nicht verstanden, dass die Welt sehr viel kleiner geworden ist und grundsätzlich Waffen entstehen können, die Angriffe auf das Territorium der Vereinigten Staaten ermöglichen, gegen die kein Ozean helfen wird. Es kann noch eine weitere Situation entstehen, verbunden mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz und neuer Waffen, in der es nicht mehr ausreichen wird, beim Schutz strategisch wichtiger Objekte der Vereinigten Staaten einfach davon auszugehen, der Ozean werde Amerika schützen. Diese Angriffe können vom Territorium Amerikas selbst ausgehen. Die berühmte Operation „Spinnennetz“ der ukrainischen Geheimdienste ist im Grunde ein Passierschein in eine neue Welt, in der die Zerstörung irgendeiner Militärbasis oder ein Angriff auf ein Atomkraftwerk vom Territorium Amerikas selbst aus erfolgen kann.

Sie verstehen ja, dass sich die Welt mitunter sehr schnell verändert und wir mit ihren Veränderungen nicht einmal Schritt halten. Auch der 11. September war eine Demonstration dafür, wie man innerhalb der Vereinigten Staaten selbst einen groß angelegten Terroranschlag durchführen kann, der im Grunde als Aggression charakterisiert werden könnte. Dieses Unglück kam ja nicht aus irgendeinem anderen Territorium in die Vereinigten Staaten. Terroristen entführten amerikanische Flugzeuge auf amerikanischem Territorium. Ja, seither wurden Sicherheitsregeln und Protokolle geändert, es wurden Schläge gegen Länder geführt, die Terroristen als Stützpunkte dienten. Aber heute verändern sich die technologischen Möglichkeiten erneut. Das kann also zu einem realen Problem für die Vereinigten Staaten werden.

Außerdem verstehen Sie, dass die Vereinigten Staaten überall auf der Welt Einrichtungen haben. Reale, ernsthafte militärische Einrichtungen. Und wenn gleichzeitig etwa ein Krieg im Nahen Osten, auf der koreanischen Halbinsel und in Europa ausbricht, werden die Vereinigten Staaten schlicht keinerlei reale technologischen Möglichkeiten haben, all diesen Gefahren entgegenzutreten und ihre Stützpunkte zu 100 Prozent zu schützen.

Kommentar. Zumindest war die Reise des CIA-Direktors ein Fehler. Putin hat verstanden, dass ihre Position schwach ist, und wird einfach so weitermachen. Sie hätten sein Flugzeug auf dem Rückweg sogar abschießen können.

Portnikov. Nein, hätten sie nicht. Flugzeuge von Direktoren der Central Intelligence Agency werden ebenso wenig abgeschossen wie das Flugzeug des Präsidenten der Russischen Föderation oder des Direktors des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands. Es gibt bestimmte Verhaltensregeln in der Weltpolitik, die weiterhin völlig offensichtlich sind, wenn es um das Verhalten der mächtigsten Atommächte der heutigen Welt geht. Präsident Putin hätte also kein Flugzeug abgeschossen. Der Direktor der Central Intelligence Agency riskierte nichts.

Übrigens die beliebte verschwörungstheoretische Frage: Warum flog er dort mit einem Frachtflugzeug hin? Weil er sein eigenes Auto mitbrachte. Wiederum wollte er aus Sicherheitsgründen aus irgendeinem Grund nicht den diplomatischen Transport der Vereinigten Staaten nutzen, der in der russischen Hauptstadt vorhanden ist. Ich muss sagen, dass ich ihn sehr gut verstehe. Wenn ich in der heutigen Situation als Direktor der Central Intelligence Agency nach Moskau fliegen würde, würde ich ebenfalls versuchen, mich mit meiner eigenen Limousine fortzubewegen und am besten mit geschlossenen Fenstern.

War dieser Besuch ein Fehler? Das kann ich Ihnen aus einem einfachen Grund nicht sagen. Ich weiß nicht, über welche konkreten Fragen der CIA-Direktor mit seinen russischen Gesprächspartnern gesprochen hat. Warum sollten wir etwas erfinden?

Frage. Warum ist Putin überzeugt, dass eine Verstärkung der Angriffe auf ukrainische Städte zur Kapitulation führen kann? All diese Kriegsjahre haben doch gezeigt, dass er keinen Sieg errungen hat.

Portnikov. Vielleicht glaubt Putin, dass die bisherigen Angriffe nicht ausgereicht haben, um die Ukrainer dazu zu bringen zu begreifen, dass es für sie nur einen einzigen Ausweg zum Überleben gibt: die Kapitulation. Wenn Sie übrigens die enorme Zahl russischer Bots in sozialen Netzwerken sehen und auch unsere nützlichen Idioten, von denen es ebenfalls nicht wenige gibt, dann sehen Sie, dass sie ständig sagen: „Warum sollen wir ohne Wasser, ohne Strom, ohne Wärme leben? Wie sollen wir den Winter überstehen? Wir müssen uns mit Putin einigen, wir müssen diesen Krieg endlich beenden. Unsere Regierung kann das nicht. Sie ist ineffektiv, sie kann sich nicht einigen.“ Das heißt, faktisch wird dieselbe Platte wieder aufgelegt, die wir 2019 vom heutigen Präsidenten und von seinen Anhängern gehört haben. Die Regierung bereichert sich am Krieg, Korruption.

Natürlich werde ich nicht bestreiten, dass es heute Korruption in der Staatsführung gibt. Ich werde nicht einmal bestreiten, dass es sie 2019 gab. Und ich werde, meine Freunde, auch nicht bestreiten, dass es sie 2029 oder 2034 geben wird. Korruption ist eine ernste Krankheit der Ukraine. Besonders Korruption auf hoher Ebene, die wir noch jahrzehntelang überwinden müssen. Wenn Sie in der Ukraine leben wollen, werden Sie noch sehr, sehr lange in einem korrupten Staat leben. Das wissen Sie sehr gut. Man braucht keinen Zynismus.

In einer Gesellschaft, in der jeder etwas „regeln“ will, aber Korruption auf hoher Ebene verurteilt, findet sich immer jemand, der diesen Wunsch, Dinge zu regeln, zu seinem eigenen Vorteil nutzt. Seien wir also nicht zynisch. Machen wir uns die Abhängigkeit der ukrainischen Gesellschaft, wie übrigens der Gesellschaft jedes orthodox geprägten Landes, vom Aufbau einer korrupten vertikalen und horizontalen Machtstruktur bewusst. Das ist historisch bedingt, und dagegen zu kämpfen wird nicht einfach sein, obwohl man es tun muss.

Aber wir verstehen doch, dass das nicht der Kern des Problems ist. Wenn man Sie mit ballistischen Raketen angreift, ist das keine Frage der Korruption. Eine Frage der Korruption ist, dass wir in all dieser Zeit kein eigenes System gegen ballistische Raketen geschaffen haben, dass wir irgendwann sämtliche Militärprogramme gestoppt haben, die dazu hätten führen sollen. Aber das ist eher eine Frage politischer Korruption.

Dass Putin die Ukraine vernichten will, ist keine Frage der Korruption in der ukrainischen Staatsführung. Das Problem besteht darin, dass wir alle – anständige Menschen, Idioten, Korrupte und Antikorruptionskämpfer – auf demselben Schiff gelandet sind, das Russland zusammen mit uns allen versenken will, damit niemand hinausschwimmt, niemand überlebt und anschließend nur noch die Leichen auftreiben. Eine andere Sache ist, dass sich die Besatzung dieses Schiffes idiotisch verhält. Das ist eine Tatsache. Aber diese Tatsache besteht bereits seit vielen Jahren. Putin hofft jedoch, dass die Zeit für ihn arbeiten wird. Deshalb verhält er sich so. Er glaubt, dass die Zeit ihm helfen wird.

Frage. Ich verstehe nicht, warum die Vereinigten Staaten keinen wirtschaftlichen Einfluss auf Iran haben. Wenn Trump Hormus für alle schließt, einschließlich chinesischer Schiffe, kann China faktisch nicht mehr für iranisches Öl bezahlen, oder?

Portnikov. Nun, das ist eine gute Frage. Aber Iran hat offenbar die Möglichkeit, sein Öl irgendwie durch Hormus und weiter zu transportieren. Trump behauptet, Iran vollständig blockiert zu haben, aber dann ist Hormus offenbar doch nicht vollständig blockiert. Iranische Schiffe können ihn weiterhin passieren. Und irgendwie kann er dieses Öl illegal weiter nach China schicken.

Das heißt, die Amerikaner haben bislang weder die Möglichkeit, Hormus zu öffnen, noch Iran vollständig zu blockieren. Also bezahlt China auf irgendeine Weise für iranisches Öl. Vielleicht handelt es sich nicht um dieselbe Menge wie vor dem Krieg, aber um eine Menge, die für das iranische Regime ausreicht. Vielleicht. Deshalb hoffen die Vereinigten Staaten darauf, mit irgendwelchen Sekundärsanktionen gegen China tatsächlich auf diese Situation Einfluss nehmen zu können. Aber ich sehe bislang keinerlei Möglichkeit, dass das so schnell geschieht.

Frage. Fürchtet China eine unkontrollierte Eskalation, die durch die Fortsetzung des Krieges ausgelöst werden könnte?

Portnikov. Wenn es um den Einsatz von Atomwaffen geht, wahrscheinlich ja. Wenn es um einen ernsthafteren Krieg geht, dann nicht, weil ein solcher Krieg China vollkommen in die Hände spielt. Die beiden wichtigsten Atommächte der Welt haben bereits ihre Unfähigkeit demonstriert, eine Frage zu lösen, die sie mit Gewalt lösen wollten. Das ist der Niedergang der geopolitischen Rolle der Russischen Föderation dort, wo sie vorhanden war – im postsowjetischen Raum, im Osten Europas. Und das ist der Niedergang der geopolitischen Rolle der Vereinigten Staaten.

China hält sich bislang erfolgreich von der Versuchung zurück, selbst die Fähigkeit demonstrieren zu wollen, schwierige Probleme mit Gewalt zu lösen. Wenn Xi Jinping dieser Versuchung etwa nicht widersteht und einen Konflikt mit Taiwan, Japan oder den Philippinen beginnt und verliert, wird das den Beginn eines vollständigen Chaos in der Welt bedeuten.

Sie können sich überhaupt nicht vorstellen, was für eine Welt das sein wird. Vollständiges, völlig unkontrolliertes Chaos. Wir werden in der Matrix leben. Sie können sich die Folgen nicht einmal vorstellen, wenn auch China diesem Klub von Ländern beitritt, die versucht haben, Gewalt einzusetzen und gezeigt haben, dass sie in Wahrheit gar nicht über genügend Kraft verfügen, um alles zu lösen.

Solange China darauf verzichtet, befindet es sich in einer vorteilhaften Lage, bei ihm ist alles in Ordnung. Verstehen Sie? Denn die Stärke einer Großmacht liegt nicht im Einsatz von Gewalt, sondern in der Androhung von Gewalt, in der sogenannten Soft Power und in der Furcht davor, dass eine Großmacht Gewalt einsetzen könnte. Wenn aber eine Großmacht Gewalt einsetzt und das gewünschte Ergebnis nicht erreicht, hört sie auf, eine Großmacht zu sein. Selbst wenn sie Atomraketen besitzt, die die gesamte Menschheit vernichten könnten.

Das ist mit Putins Russland geschehen und das ist mit Trumps Amerika geschehen. Mit Xi Jinpings China ist es noch nicht geschehen, aber es kann geschehen, weil wir uns im Grunde auf eine Welt unkontrollierten Chaos zubewegen. Das 21. Jahrhundert wird höchstwahrscheinlich das Jahrhundert unkontrollierten Chaos sein. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie interessant es hier für diejenigen sein wird, die überleben.

Frage. Derzeit zeichnet sich in den Vereinigten Staaten ein parteiübergreifender gesellschaftlicher Konsens zugunsten einer Isolation von äußeren Kriegen ab. Wenn das ganze Volk die Rolle des Weltpolizisten ablehnt, wer kann es daran hindern?

Portnikov. Nun, eine so mächtige Kraft wie die Geschichte. In den Vereinigten Staaten gab es immer wieder Situationen, in denen sie irgendwann die Rolle des Weltpolizisten ablehnten und dann versetzte ihnen Madame Geschichte einen Schlag in den Rücken. Und das wird natürlich auch jetzt geschehen, wenn die Vereinigten Staaten auf ihre Rolle als Weltpolizist verzichten.

Und wenn dann dieser Schlag erfolgt – und er wird unweigerlich erfolgen, weil die Autokratien diese gesellschaftliche Ablehnung der Rolle des Weltpolizisten als Schwäche wahrnehmen werden –, dann könnte das amerikanische Volk auf den Leichen seiner Landsleute, auf ihren Gräbern, und es können viele sein, gezwungen werden, zu einem anderen Konsens überzugehen: zum Konsens der Selbstverteidigung. Und es wird begreifen, dass der Konsens der Selbstverteidigung in der Wiederherstellung der Rolle des Weltpolizisten, in der Sicherheit Europas und in der Sicherheit des asiatisch-pazifischen Raums besteht.

Dafür braucht es lediglich diesen Schlag, der erfolgen wird. Ich verspreche ihn Ihnen nicht, ich garantiere ihn. Sie können sich seine Folgen gar nicht vorstellen. Wenn Sie in den Vereinigten Staaten leben, werden Sie Zeuge von etwas werden, das Sie sich heute nicht einmal vorstellen können. Ich beneide Sie als Journalist; ich würde in diesem Moment gern bei Ihnen sein, denn in solchen Momenten muss man immer Zeuge sein. Sie wissen, Journalismus ist die Poesie der Katastrophen. Sie werden also sehen, wie es sein wird.

Aber ich glaube nicht, dass dieser Rückzug so vollständig stattfinden wird, denn schon jetzt ist klar, dass es für die Vereinigten Staaten in der Zeit nach Trump nicht so einfach sein wird, aus dieser Rolle auszusteigen.

Frage. Wenn in Frankreich oder Deutschland die Rechte an die Macht kommt, wird die Unterstützung für die Ukraine bestehen bleiben?

Portnikov. Ich denke, das ist ein ernstes Problem, wenn Sie mit „der Rechten“ Marine Le Pen oder die Partei Alternative für Deutschland meinen. Aber noch einmal: Wir müssen sagen, dass wir erst einmal die Zeit bis dahin überstehen müssen. Die Ukraine muss bis dahin erhalten bleiben.

Die Alternative für Deutschland wird in den nächsten Jahren kaum Anspruch auf die Macht in Deutschland erheben können, denn selbst wenn sie die populärste Partei in der Bundesrepublik sein sollte, wird sie kaum mit jemandem eine funktionsfähige Koalition bilden können.

Was Marine Le Pen angeht: Wie Sie sehen, entwickeln sich auch ihre Positionen gegenüber der Ukraine weiter. Wenn sie Präsidentin Frankreichs wird, könnte sie sich ebenfalls von einer völlig unerwarteten Seite zeigen, wenn sie ihre eigenen Interessen als politische Führungsfigur berücksichtigt.

Schließlich sind in Italien die Ultrarechten an die Macht gekommen. Giorgia Meloni ist die Führerin einer, würde ich sagen, sogar radikaler ultrarechten Partei als Marine Le Pen. Solche Parteien wurden noch vor Kurzem wegen ihrer Ideologie nicht einfach postfaschistisch, sondern faschistisch genannt, und man lag damit nicht falsch.

Und sie kam an der Spitze einer Koalition an die Macht, in der politische Akteure vertreten sind, die sich an Moskau orientierten: Matteo Salvini, der für seine Verbindungen zum Kreml bekannt war, sowie die politischen Erben des inzwischen verstorbenen ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Und ist diese Koalition prorussisch geworden? Nein.

Weder Meloni noch Salvini noch Tajani erlauben sich ein solches Verhalten. Salvini versucht es, gerät dabei aber in Konflikt mit seinen Koalitionspartnern. So einfach ist es also nicht.

Und noch einmal: Sie schauen zu weit voraus. Ich sage nicht, dass man nicht in die Zukunft schauen und nicht über strategische Fragen nachdenken soll. Aber für uns ist jetzt wichtig, die Jahre 2026 bis 2028 zu überstehen, Putin keine Hoffnung darauf zu geben, dass sich durch Veränderungen der innenpolitischen Landschaft in den Vereinigten Staaten etwas zu seinen Gunsten verändern wird.

Putin darf auch nicht die Hoffnung bekommen, dass die Reisen des Direktors der Central Intelligence Agency nach Moskau ein Zeichen der Hilflosigkeit Washingtons gerade in der Ukraine-Frage sind und dass die Ukraine bereit sein wird, ihre Prinzipien und Interessen zugunsten der Befriedigung von Putins chauvinistischen Ambitionen aufzugeben.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Секретна місія у Москві: що далі | Віталій Портников. 26.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 26.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump und Musk verraten die Ukraine | Vitaly Portnikov. 21.08.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump und der exzentrische Milliardär Elon Musk haben es nicht eilig, der Ukraine bei der Abwehr ballistischer Angriffe der Russischen Föderation zu helfen. Weder gibt es neue Raketen für die Patriot-Batterien, die nach Angaben internationaler Medien während der verheerendsten Angriffe der Russischen Föderation ungenutzt bleiben, noch die Erlaubnis, Starlink für Angriffe auf Abschussvorrichtungen ballistischer Raketen einzusetzen.

Während seines letzten Besuchs in den Vereinigten Staaten schlug der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky vor, den Einsatzbereich von Starlink so zu erweitern, dass die Ukraine die Möglichkeit erhält, Abschussvorrichtungen der Russischen Föderation im Moment des Starts ballistischer Raketen anzugreifen. Dafür müsste Donald Trump mit Elon Musk sprechen, der eine solche Entscheidung offensichtlich nicht ohne Zustimmung des Weißen Hauses treffen wird und auch selbst keine Eile zeigt, einem solchen Plan zuzustimmen.

Doch der Präsident der Vereinigten Staaten billigte Zelenskys Vorschlag nicht. Und das, obwohl daran erinnert werden muss, dass sowohl die Lieferung zusätzlicher Raketen für die Patriot-Batterien als auch die Ausweitung der Starlink-Dienste keineswegs kostenlos wären und kein Geschenk darstellen würden.

Doch offenbar sind weder Trump noch Musk an solchen Einnahmen interessiert. Das erinnert einmal mehr daran, dass sich alle Vorstellungen, wonach der Präsident der Vereinigten Staaten und der Eigentümer des Unternehmens SpaceX ausschließlich in finanziellen Kategorien denken, als unbegründet erweisen, wenn es um ihre Kontakte mit dem Kreml oder Peking geht.

Allerdings könnte Trumps Ablehnung ukrainischer Angriffe auf Abschussvorrichtungen ballistischer Raketen weniger mit ideologischen Präferenzen und Sympathien für Diktatoren zusammenhängen als vielmehr mit dem Verständnis des Präsidenten der Vereinigten Staaten für die einfache Tatsache, dass Amerika nach dem Krieg mit Iran einen großen Teil jener früheren Stärke eingebüßt hat, die es Washington erlaubte, in jeder militärischen Konfrontation mit einem Erfolg zu rechnen.

Donald Trumps tragischer Fehler hat zur Erschöpfung der Vorräte an einigen der für die Vereinigten Staaten wichtigsten Waffentypen geführt. Dazu gehören Raketen für die Patriot-Batterien und die THAAD-Raketenabwehrsysteme, deren Bestände während der Konfrontation mit Iran ebenfalls aufgebraucht wurden. Dazu gehören auch Tomahawk-Raketen und eine ganze Reihe weiterer Waffen.

Militäranalysten sprechen sogar davon, dass den Vereinigten Staaten derzeit nicht mehr als 800 Raketen für die Patriot-Batterien verblieben seien und dass die Produktion neuer Raketen zwar gesteigert werde, jedoch keineswegs in dem Tempo, auf das man in Washington hoffen könnte. Eine tatsächliche Steigerung der Produktion von Abfangraketen kann Jahre dauern, während den Vereinigten Staaten feindlich gesinnte Regime ihre Produktion ballistischer Raketen in einem noch höheren Tempo steigern. Und nun liegen uns bereits Informationen darüber vor, dass Nordkorea sich darauf vorbereitet, der Russischen Föderation eigene ballistische Raketen zu liefern, deren Sprengkraft fünfmal so hoch ist wie die der russischen ballistischen Iskander-Raketen.

Die Realität erweist sich für den amerikanischen Präsidenten also als ziemlich schwierig. Es ist völlig unklar, ob die Vereinigten Staaten ihre Verbündeten schützen können, wenn sie es gleichzeitig mit mehreren Konflikten zu tun bekommen. Und die möglichen Konfliktzonen drängen sich geradezu von selbst auf.

  • Da ist der Krieg Russlands gegen die Ukraine, den Präsident Wladimir Putin nicht zu beenden gedenkt.
  • Da ist eine mögliche Fortsetzung des Krieges im Nahen Osten.

Die Trump-Regierung versucht alles Mögliche zu tun, um eine neue Runde der Konfrontation zu vermeiden, und begründet diese Angst mit Wirtschaftssanktionen gegen Iran, die angeblich Wirkung zeigen sollen. Und das, obwohl die Islamische Republik bereits seit Jahrzehnten unter verheerenden Sanktionen der gesamten zivilisierten Welt steht und sogar Sanktionen des UN-Sicherheitsrates unterlag, was Iran nicht daran hindert, modernste Waffen zu produzieren.

  • Hinzu kommt die Möglichkeit eines Konflikts auf der koreanischen Halbinsel.

Denn Kim Jong-un schickt seine Soldaten keineswegs zufällig an die Front des russischen Krieges gegen die Ukraine und ist bereit, an dieser Front seine neuen ballistischen Raketen zu erproben.

  • Und schließlich könnten wir, wenn China einen Krieg gegen Taiwan beginnt, im Grunde in eine Situation geraten, in der sowohl Südkorea als auch Taiwan ohne den Schutz der amerikanischen Militärmacht dastehen und gezwungen sein werden, den Gegner aus eigener Kraft zu bekämpfen.

Und natürlich würde dies die Welt einmal mehr daran erinnern, dass die Rolle der Vereinigten Staaten als Supermacht gerade während Donald Trumps Amtszeit im Oval Office endgültig zu Ende gegangen ist. Auf die Vereinigten Staaten als eine Art Schutzschirm kann man dann nicht mehr zählen. Und in einer Situation, in der es um einen Konflikt geht, an dem Atommächte beteiligt sind, beispielsweise die Russische Föderation, die Volksrepublik China oder die Demokratische Volksrepublik Korea, erweist sich natürlich auch der nukleare Schutzschirm der Vereinigten Staaten als löchrig, denn der amerikanischen Nuklearmacht steht die Nuklearmacht der Staaten der totalitären Welt gegenüber.

Donald Trump kann lediglich so tun, als sei er ein Mensch, der das ganze Ausmaß der Katastrophe nicht begreift, die nach dem jüngsten Konflikt im Nahen Osten eingetreten ist. Er kann, einfach gesagt, auf Zeit spielen, um zumindest einen Teil der amerikanischen Ressourcen wiederherzustellen und wieder die Möglichkeit zu haben, mit der übrigen Welt aus einer Position der Stärke zu sprechen, ohne befürchten zu müssen, dass diese Position durch den nächsten Konflikt erneut widerlegt wird.

Und deshalb müssen jene Länder, die sich heute im Strudel von Prüfungen befinden, die ihre Sicherheit betreffen, mit der hartnäckigen Weigerung des amerikanischen Präsidenten und seines Umfelds rechnen, ihnen auf eine Weise zu helfen, die tatsächlich dazu beitragen würde, russische und andere Angriffe abzuwehren.

  • Deshalb verweigert Donald Trump der Ukraine Raketen für Patriot und sogar Starlink-Systeme, weil er befürchtet, damit den Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin zu verärgern.
  • Deshalb reduziert Donald Trump die Beteiligung amerikanischer Soldaten an Militärübungen auf der koreanischen Halbinsel, weil er befürchtet, dass eine solche Beteiligung den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un verärgern könnte.
  • Deshalb setzt er in der Konfrontation mit Iran auf Wirtschaftssanktionen, um Angriffe der Islamischen Republik auf amerikanische Militärstützpunkte in der Region und auf strategische Einrichtungen der Verbündeten der Vereinigten Staaten zu vermeiden.
  • Deshalb könnte er äußerst vorsichtig agieren, falls die Volksrepublik China eigene militärische Operationen beginnt, beispielsweise gegen Taiwan oder gegen die Philippinen.

Das alles ist durchaus logisch und zugleich äußerst tragisch, weil es vorhersehbar ist. Denn jedes politische Fehlverständnis, das auf dem Glauben an die eigenen Kräfte beruht, ohne zu überprüfen, wie diese eigenen Kräfte in der heutigen Welt tatsächlich funktionieren können, endet stets in einem solchen Fiasko.

Wenn dies für Donald Trump lediglich Reputationsverluste und eine mögliche Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen zum Kongress bedeutet, dann ist es für die Menschen in der Ukraine, die täglich den Angriffen der Russischen Föderation ausgesetzt sind und unter den Trümmern ihrer eigenen Häuser sterben, eine ganz reale Tragödie demonstrativ zur Schau gestellten Dilettantismus.


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Titel des Originals: Трамп и Маск предают Украину | Виталий Портников. 21.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 21.08.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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