Gipfel in Bischkek: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 01.09.2026.

Wladimir Putin auf dem Familienfoto des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Bischkek ist eine gute Illustration dafür, wie unterschiedlich man im Westen und im Globalen Süden auf die Welt blicken kann.

Putin traf in Bischkek ausgerechnet in jenen Tagen ein, als die strahlgetriebenen Shahed-Drohnen der russischen Armee Jagd auf friedliche Ukrainer machten und den ukrainischen Schulkindern faktisch den ersten Schultag verdarben. Doch in Bischkek dachte niemand auch nur daran, den russischen Präsidenten dafür zu verurteilen. Lediglich der indische Ministerpräsident Narendra Modi erklärte, der russisch-ukrainische Krieg müsse beendet werden.

Allerdings hatte der Chef der indischen Regierung eine ähnliche Erklärung bereits 2022 auf dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Samarkand abgegeben. Putin schenkte seinen Worten keine besondere Beachtung. Und das ist nicht verwunderlich, denn für den Präsidenten der Russischen Föderation ist es weitaus wichtiger, dass Indien russisches Öl kauft, als das, was Ministerpräsident Narendra Modi ihm über den Krieg sagt.

Ein weiterer ziemlich offensichtlicher Faktor, der zeigt, wie weit der Westen und der Globale Süden auseinanderliegen, ist die Tatsache, dass neben Putin auch der iranische Präsident Massud Peseschkian am Gipfel in Bischkek teilnahm. Und das in einer Situation des Krieges der Vereinigten Staaten gegen den Iran. Und das in einer Situation, in der der Iran noch vor Kurzem die benachbarten Staaten am Persischen Golf beschossen hat, von denen viele gute Freunde der Teilnehmer des Gipfels in Bischkek und sogar deren wirtschaftliche Sponsoren sind. Und das, obwohl der Iran weiterhin Schritte unternimmt, um die Straße von Hormus weiter zu blockieren und damit eine Energiekrise in der Welt herbeizuführen, die sich auf jedes der Länder auswirken könnte, deren Staats- und Regierungschefs in Kirgisistan vertreten waren.

Doch wie wir sehen, ist politische Solidarität hier weitaus wichtiger als irgendwelche wirtschaftlichen Probleme. Und wir konnten beobachten, wie freundschaftlich die Teilnehmer dieses Gipfels mit dem iranischen Präsidenten umgingen – ebenso übrigens wie mit dem Präsidenten der Russischen Föderation. Putin traf sich auf diesem Gipfel sowohl mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan als auch mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi, mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping und sogar mit dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev – trotz der offensichtlichen Spannungen in den Beziehungen zwischen Baku und Moskau.

Was der Gipfel in Bischkek also definitiv bewiesen hat, ist, dass weder Russland noch der Iran im Globalen Süden isoliert sind und dass weder Kriege noch das Streben nach Atomwaffen noch Drohungen mit Atomwaffen Anlass für eine Isolation sind – ja nicht einmal für ernsthafte Äußerungen oder Schritte, die eine Verurteilung eines solchen Vorgehens erkennen ließen. Nein. Die anderen Gipfelteilnehmer gingen mit Wladimir Putin und Massud Peseschkian so um, als gäbe es im Grunde überhaupt keine Kriege und als wäre all dies kein Problem für die Zukunft.

Die Teilnehmer des Gipfels in Bischkek weigerten sich also hartnäckig, den sprichwörtlichen Elefanten im Raum zu bemerken, dessen Anwesenheit das Schicksal jedes einzelnen dieser Staats- und Regierungschefs und jedes ihrer Landsleute beeinflussen kann, und beschränkten sich bei den schwierigsten Fragen der heutigen Welt eher auf deklarative Erklärungen.

Wie sonst sollte man die Worte des Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping über die Notwendigkeit politischer Koordinierung zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nennen? Politische Koordinierung mit wem, zwischen wem? Mit Russland? Mit der Ukraine? Mit dem Westen? Wie möchte China überhaupt Einfluss auf die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges oder beispielsweise auf die Beendigung der Krise im Nahen Osten nehmen, wenn es der wichtigste Käufer sowohl russischen als auch amerikanischen Öls war und bleibt und damit beiden Regimen die Möglichkeit gibt zu glauben, sie könnten ihren Kampf gegen den Westen einfach deshalb fortsetzen, weil sie über Geld verfügen? Und wie lassen sich die Worte über politische Koordinierung mit der Erklärung Pekings vereinbaren, dass es jederzeit bereit sei, auf jegliche amerikanischen Sanktionen gegen chinesische Unternehmen zu reagieren, die im Energiesektor mit Moskau und Teheran zusammenarbeiten?

Doch all das sind rhetorische Fragen. Wie wir verstehen, sind die Menschen, die sich in Bischkek versammelt haben – zumindest wenn wir von den wichtigsten Akteuren sprechen –, derzeit an keiner Beendigung der Kriege interessiert, weil sie der Auffassung sind, dass sich sowohl die Vereinigten Staaten als auch der kollektive Westen als solcher in diesen Kriegen aufreiben. Und das kann sowohl Peking als auch, so paradox es klingen mag, Neu-Delhi durchaus gelegen kommen. Obwohl man meinen sollte, Indien müsste daran interessiert sein, dass die Vereinigten Staaten ihre Position als alternative Macht gegenüber China bewahren.

Doch wenn es um gemeinsame Vorstellungen und Möglichkeiten geht, steht Narendra Modi Xi Jinping und Wladimir Putin wesentlich näher als beispielsweise Donald Trump. Obwohl ich nicht ausschließe, dass Donald Trump selbst gerne eine Einladung in einen solchen Klub erhalten würde.

Man kann auch über die Widersprüche sprechen, und auch das ist ein wichtiges Thema, denn auf dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit sehen wir sowohl den aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev als auch den armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan, die noch vor Kurzem in Trumps Amtszimmer eine Vereinbarung über die Öffnung der Handelswege unterzeichnet haben und sich nun auf dem Forum in Bischkek erneut, wenn auch nur kurz, miteinander treffen. Wir sehen die Staats- und Regierungschefs der zentralasiatischen Länder, die noch vor Kurzem zum Gipfel USA–Zentralasien nach Washington gereist waren.

Und all dies müsste eigentlich auf einen offensichtlichen Rückgang des russischen Einflusses im postsowjetischen Raum hindeuten. Aber machen wir uns nichts vor: Alle diese Länder sind auch an besonderen Beziehungen zur Volksrepublik China interessiert. Und sie verstehen sehr gut, dass eine wichtige Voraussetzung für derartige Beziehungen in gewissem Sinne darin besteht, zumindest keine feindseligen Beziehungen zur Russischen Föderation aufzubauen.

Das beste Modell für China – und dieses Modell war übrigens ebenfalls auf dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit vertreten, wobei unklar ist, in welcher regionalen Eigenschaft – ist Belarus, ist Alexander Lukaschenko, der auf dem Familienfoto dieses Forums ebenfalls zu den formellen Ausgestoßenen des Westens gehörte. Man kann also im Westen ein Ausgestoßener sein und im Globalen Süden dennoch zu den Eigenen gehören. Das ist wohl der zentrale Punkt der politischen Philosophie, zu der sich die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit bekennt.

Man muss nicht einmal Mitglied dieser Organisation sein. Man kann Gast des Gipfels sein, auf dem gemeinsamen Foto erscheinen, seine Verbundenheit mit anderen Mächtigen dieser Welt demonstrieren und auf diese Weise keine Angst vor dem Abbau demokratischer Institutionen haben, die es in vielen Ländern, deren Staats- und Regierungschefs auf diesem Gipfel vertreten waren, in der einen oder anderen Form gibt, die aber zweitrangig werden, sobald es um die Beziehungen zu Autokratien geht.

Autokratien, die Demokratien selbst im Globalen Süden ihr Modell des Zusammenlebens aufzwingen, schaffen Voraussetzungen dafür, dass auch der Sinn demokratischer Willensbekundung irgendwo gegenüber der Konfrontation mit der zivilisierten Welt verloren geht. Und hier haben wir ein gutes Beispiel dafür, wie Staats- und Regierungschefs von Ländern, die ein Mandat ihrer Völker besitzen – etwa Indien, Pakistan oder Armenien –, neben jenen stehen, die ihr Mandat von Zentralkomitees oder einfach von sich selbst haben, die Scheinwahlen abhalten und sich gerade deshalb zu beliebigen militärischen Aktionen und beliebigen Verbrechen entschließen und beliebige Fehler begehen können, weil sie keine Konsequenzen fürchten müssen.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen jener Koalition, die wir in Bischkek sehen, auch wenn sie bislang noch informell ist, und den Treffen, die auf der westlichen Seite organisiert werden und die vor dem Hintergrund der offensichtlichen Weigerung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, sein Land als Beschützer und untrennbaren Bestandteil der zivilisierten Welt zu betrachten, immer hilfloser wirken.


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Titel des Originals: Саммит в Бишкеке: главное | Виталий Портников. 01.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 01.09.2026.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Trump lässt Europa im Stich | Vitaly Portnikov. 27.08.2026.

Bereits bis zum 6. November wollen die Vereinigten Staaten Maßnahmen ausarbeiten, die darauf abzielen, ihre militärische Präsenz auf dem europäischen Kontinent einzuschränken. Genau darüber spricht der stellvertretende US-Verteidigungsminister Elbridge Colby heute mit den Botschaftern der NATO-Mitgliedstaaten im Hauptquartier der Nordatlantischen Allianz in Brüssel. Und obwohl das Pentagon behauptet, dass dem Chef des amerikanischen Verteidigungsministeriums Pete Hegseth mehrere Optionen für die weitere Entwicklung zur Verfügung stehen, ist man in den europäischen Hauptstädten überzeugt, dass die endgültige Entscheidung über eine Reduzierung der Präsenz der US-Truppen auf dem europäischen Kontinent im Weißen Haus bereits getroffen wurde.

Wie bekannt ist, hatte US-Präsident Donald Trump stets den beharrlichen Wunsch, die Möglichkeiten der NATO und die amerikanische Beteiligung an diesen Möglichkeiten einzuschränken. Mit ähnlichen Erklärungen trat Trump bereits während seiner ersten Amtszeit im Weißen Haus auf. Damals wurden derartige außenpolitische Initiativen des amerikanischen Präsidenten jedoch von der Führung der Republikanischen Partei und von Trumps eigenen Ministern begrenzt. Seitdem ist es Trump bekanntlich gelungen, die Republikaner unter seine Kontrolle zu bringen und den außenpolitischen Kurs sowohl der ältesten konservativen Partei der Vereinigten Staaten als auch Amerikas selbst praktisch zu verändern – hin zum Isolationismus und zur faktischen Abkehr von der gemeinsamen Strategie der euroatlantischen Sicherheit, die in allen Nachkriegsjahrzehnten nicht nur die Sicherheit der europäischen Länder, sondern auch die der Vereinigten Staaten selbst gewährleistet hatte.

Dennoch fehlten Trump bis zum Beginn des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran die Argumente, um eine entschiedene antieuropäische Wende zu vollziehen. Eines Krieges, der für Donald Trump nicht zu jenen Veränderungen führte, auf die er gehofft hatte, als er sich zu dieser beispiellosen Militäroperation mit der Ausschaltung des obersten Führers des Iran, Ayatollah Khamenei, und seiner Mitstreiter entschloss. Jetzt befindet sich der Präsident der Vereinigten Staaten in einer regelrechten geopolitischen Falle: mit der geschlossenen Straße von Hormus, der Ungewissheit darüber, ob der Iran bereits in nächster Zeit Zugang zur Entwicklung von Atomwaffen erhalten kann, und zusätzlichen Sicherheitsbedrohungen nicht nur für Israel, sondern auch für andere Länder des Nahen Ostens. Und aus dieser Falle wird Trump vor den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress, die bereits in diesem Herbst vor dem Hintergrund eines sinkenden Lebensstandards der Amerikaner und einer stetig zurückgehenden Unterstützung für den Präsidenten stattfinden werden, nicht mehr herauskommen können.

Deshalb versucht der Präsident der Vereinigten Staaten, wie es seine Art ist, Schuldige für diese seine geopolitische Niederlage und den möglichen Niedergang seiner politischen Karriere zu finden. Und die Suche nach Schuldigen führt selbstverständlich nach Europa, zumal sie dabei hilft, genau jene außenpolitischen Ziele Donald Trumps in die Tat umzusetzen, die für ihn sowohl während seiner ersten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten als auch in den ersten Monaten nach seiner Rückkehr ins Oval Office so schwer zu erreichen waren. Und nun wird mit den Staats- und Regierungschefs der europäischen Länder direkt so gesprochen, als seien sie diejenigen, die den Vereinigten Staaten im Krieg gegen den Iran nicht die gebührende Unterstützung geleistet hätten.

Dass der Krieg selbst schlecht vorbereitet war, dass Trump sich auf inkompetente Informationen der Nachrichtendienste der Vereinigten Staaten und Israels stützte oder auf kompetente Informationen nicht hörte, dass sich das amerikanische Militär, einfach gesagt, als unfähig zu moderner Kriegsführung erwies, dass die Luftherrschaft nicht mehr darüber entscheidet, ob man feindlichen Staaten seine Bedingungen diktieren kann – all das will man im Weißen Haus und im Pentagon selbstverständlich nicht wahrhaben, um den Präsidenten und seinen Verteidigungsminister nicht der Lächerlichkeit preiszugeben.

Deshalb sind selbstverständlich diejenigen schuld, die den Vereinigten Staaten nicht die gebührende Unterstützung geleistet und von Anfang an vor den Folgen von Angriffen auf den Iran gewarnt hatten, wenn diese nicht durch ein klares Verständnis davon untermauert sind, wie sich die Situation nach diesen Angriffen entwickeln würde.

So werden wir jetzt Zeugen einer völlig paradoxen Entwicklung der Ereignisse. Der Direktor der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten reist in die russische Hauptstadt, um den russischen Präsidenten Vladimir Putin vor den Folgen einer möglichen russischen Invasion in europäische Länder zu warnen, die Verbündete der Vereinigten Staaten sind. Und der stellvertretende Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten erörtert mit eben diesen europäischen Verbündeten Möglichkeiten zur Reduzierung der amerikanischen Militärpräsenz auf dem Kontinent.

Und hier scheint mir die Aufgabe selbst für Schulkinder ziemlich einfach zu sein. Wird der Präsident der Russischen Föderation auf solche Warnungen seines amerikanischen Amtskollegen hören, wenn er den offensichtlichen Wunsch eben dieses Amtskollegen beobachtet, aus Europa zu fliehen, ohne auch nur über die Folgen seiner Schritte nachzudenken?

Und diese chaotische Außenpolitik des Weißen Hauses stellt beinahe eine noch größere Bedrohung für Europa dar als die russischen Absichten, einen großen Krieg auf dem Kontinent zu entfesseln. Denn wenn man im Kreml Konsequenz in den amerikanischen Handlungen und Entscheidungen erkennen würde, dann würde Vladimir Putin selbstverständlich zehnmal darüber nachdenken, ob es sich für ihn lohnt, den Krieg in Europa vor dem Hintergrund der anhaltenden Kampfhandlungen gegen die Ukraine auszuweiten. 

In einer Situation, in der der Wunsch der Vereinigten Staaten, den europäischen Kontinent zu verlassen, offensichtlich ist und Pete Hegseth weiterhin von irgendeiner absurden „NATO 3.0“ spricht, als würde er nicht einmal verstehen, welche Lehren denkende Menschen aus den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs gezogen haben, eröffnet sich für die Russische Föderation wie auch für andere autoritäre Regime ein regelrechter Freiraum. Wenn die Vereinigten Staaten sich selbst von der Liste der Weltmächte streichen, wenn der amerikanische Präsident nicht in der Lage ist, die Folgen seiner Außenpolitik weiter als einen einzigen Zug vorauszuberechnen und der zweite Zug bei ihm ganz offensichtliches, nun ja, beinahe kindliches Erstaunen hervorruft, warum sollten Putin und andere Diktatoren dann nicht die Chancen nutzen, die Donald Trump ihnen bietet?

Und vor dem Hintergrund dieses Wunsches der Amerikaner, die Europäer über ihren baldigen Abzug zu informieren, wirkt die Absicht der europäischen Botschafter geradezu erstaunlich, bei ihrem Treffen mit dem stellvertretenden Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten die Frage nach einer möglichen Ausweitung der Lieferungen von Raketenabwehrsystemen für die Ukraine anzusprechen, die unter den russischen ballistischen Angriffen zermürbt wird. Denn offensichtlich werden diese Lieferungen nicht nur deshalb reduziert, weil die Handlungen des amerikanischen Militärs im Krieg gegen den Iran die Vereinigten Staaten im Hinblick auf ihre Fähigkeit, auf Angriffe mit ballistischen Raketen zu reagieren, faktisch an den Rand völliger Schutzlosigkeit gebracht haben, sondern auch zusätzliche Probleme dafür geschaffen haben, der Ukraine bei ihrem Widerstand gegen die Russische Föderation tatsächlich zu helfen. Die wichtigste Frage ist, wie wichtig die Unterstützung dieses Widerstands in einer Situation überhaupt noch ist, in der die Amerikaner Europa verlassen wollen. Schließlich ist auch die Ukraine ein untrennbarer Bestandteil eben jenes Kontinents, den Donald Trump verlassen will.


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Titel des Originals: Трамп кидает Европу | Виталий Портников. 27.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Geheime Mission in Moskau: Wie geht es weiter? | Vitaly Portnikov. 26.08.2026.

Der überraschende Besuch des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten, John Ratcliffe, in der russischen Hauptstadt bleibt selbst am Tag nach dieser Reise eines der Hauptthemen der Diskussion – unter Ukrainern, unter Amerikanern und übrigens auch unter Russen, deren Medien diesen Aufenthalt Ratcliffes in Moskau kommentieren.

Auch unser Interesse daran ist verständlich, denn in der Regel nehmen wir jede Reise eines hochrangigen amerikanischen Beamten nach Russland als Zeichen dafür wahr, dass sich Möglichkeiten zur Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses eröffnen könnten. Gleichzeitig sollte man sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die Ziele dieser Reise völlig andere gewesen sein müssten als die zuvor öffentlich genannten.

Auch der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump äußerte sich heute zu dieser Reise, allerdings deutlich vorsichtiger, als er sich früher zu den Aussichten auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges geäußert hatte. Trump sagte, der Direktor der Central Intelligence Agency habe in der russischen Hauptstadt Routinearbeit erledigt und er wolle den Menschen keine überflüssigen Hoffnungen machen; mit der Iran-Krise habe sich der CIA-Direktor nicht befasst. Was das Ende des russisch-ukrainischen Krieges angeht, würden die Vereinigten Staaten sehr gern sehen, dass dieser Krieg endet. Und wäre Trump Präsident gewesen, hätte er gar nicht erst begonnen. Nun, diese Platte hören wir schon seit 2025, wenn nicht länger. Und wie wir sehen, führt eine weitere Aufführung der Arie von dieser Platte zu keinerlei realen Ergebnissen.

Hier ist nun wichtig zu verstehen: Kann man die Reise des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten nach Moskau tatsächlich als Routine bezeichnen? Eine solche Reise als Routine? Nein, kann man nicht. 2021 war zuletzt ein Direktor der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten in Moskau. Das war John Ratcliffes Vorgänger William Burns, der im Auftrag des damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten Joseph Biden in die russische Hauptstadt gereist war, um Putin davon zu überzeugen, keinen Krieg gegen die Ukraine zu beginnen.

Der damalige CIA-Direktor hoffte, persönlich mit dem Präsidenten Russlands zusammenzutreffen. Dafür war er im Grunde nach Moskau gekommen. Doch treffen konnte er sich nur mit seinen Kollegen aus den Geheimdiensten. Soweit ich mich erinnere, gab es dort einen Kontakt mit Nikolai Patruschew, dem damaligen Sekretär des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, sowie mit Sergej Naryschkin, dem Direktor des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation.

Burns hoffte auf ein Gespräch mit Putin, das schließlich telefonisch stattfand, weil der russische Präsident nach Sotschi gereist war. Vielleicht geschah das demonstrativ, um dem amerikanischen CIA-Direktor zu zeigen, welchen Platz ihm der russische Präsident in seiner Wahrnehmung der Realität zuwies. Das Gespräch zwischen Burns und Putin führte zu keinerlei realen Ergebnissen, ebenso wenig wie die späteren Verhandlungen Bidens mit Putin.

Wie bekannt ist, gab es ein virtuelles Treffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem Präsidenten der Russischen Föderation, das aus Sicht des Präsidenten der Vereinigten Staaten ebenfalls einen russischen Angriff auf die Ukraine verhindern sollte. Biden warnte Putin vor den möglichen Folgen eines solchen Angriffs, doch Putin hatte nicht vor, auf irgendjemanden zu hören. Das war eine außergewöhnliche Situation, die mit den Informationen zusammenhing, welche die amerikanischen Geheimdienste erhalten hatten.

Nun reist der CIA-Direktor fünf Jahre später wieder nach Moskau. Hätte er sich tatsächlich nur mit seinen Amtskollegen in der russischen Hauptstadt treffen wollen, hätte er die Möglichkeit gehabt, ein solches Treffen auf neutralem Boden abzuhalten. Wie bekannt ist, treffen sich die Leiter der Nachrichtendienstgemeinschaften der Vereinigten Staaten und Russlands in der Regel auf neutralem Territorium. Und übrigens selbst damals, als die amerikanischen Geheimdienste davon erfuhren, dass in der Russischen Föderation über den möglichen Einsatz von Atomwaffen im russisch-ukrainischen Krieg gesprochen wurde – es handelte sich um ein abgefangenes Gespräch von General Surowikin –, flog William Burns trotzdem nicht nach Moskau, sondern traf sich mit dem Direktor des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation Sergej Naryschkin auf neutralem Boden.

Allerdings ist die Situation zwischen den Vereinigten Staaten und Russland heute eine andere. Sie erinnern sich, dass Präsident Biden nach dem Angriff auf die Ukraine beschlossen hatte, Präsident Putin zu boykottieren. Deshalb konnte damals kein Treffen hochrangiger russischer und amerikanischer Beamter in Moskau stattfinden. Selbst wenn es um eine so grundsätzliche Angelegenheit wie den möglichen Einsatz von Atomwaffen ging.

Donald Trump hat diese Politik entschieden verändert – hin zu einem Dialog auf höchster Ebene, zu einem Dialog zwischen Beamten. Deshalb wirkt die Reise des Direktors der Central Intelligence Agency nach Moskau in dieser Situation vielleicht nicht ganz so unglaublich und auch nicht unbedingt wie etwas völlig Außergewöhnliches. Aber alle Fragen, die nicht grundsätzlicher Natur sind, lassen sich über andere Kanäle, mit anderen Beamten und nicht in Moskau klären. Das betrifft auch die Freilassung amerikanischer Staatsbürger aus russischen Gefängnissen. Die Amerikaner arbeiten hier schon lange mit den Russen und den Belarussen zusammen. Wie Sie sehen, ist es überhaupt nicht nötig, den CIA-Direktor dorthin zu schicken, um Ergebnisse zu erzielen. Und was den Verhandlungsprozess zwischen Russland und der Ukraine betrifft: Es ist schon ziemlich merkwürdig, dass die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Steve Witkoff und Jared Kushner, die sich im Grunde mit dieser Angelegenheit befassen, nicht nach Moskau reisen, während der Direktor der Central Intelligence Agency fährt und dort über irgendetwas spricht.

Wofür also war diese ganze Reise tatsächlich geplant? Erstens muss man sich darüber im Klaren sein, dass wir praktisch keine Möglichkeit haben zu wissen, was dort tatsächlich geschah und worüber gesprochen wurde. Uns bleibt nur, verschiedene Versionen zu diskutieren. Wenn der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation Peskow sagt, der CIA-Direktor habe Putin nicht getroffen, bedeutet das nicht, dass er ihn nicht getroffen hat. Oder jedenfalls bedeutet es nicht, dass es keinen Kontakt gab. Der CIA-Direktor könnte genau dasselbe Telefongespräch mit dem russischen Präsidenten geführt haben wie sein Vorgänger Burns. Und auch das könnte für die Erfüllung dieser Mission, die mit einem Auftrag Präsident Trumps verbunden war, völlig ausgereicht haben.

Zweitens: Worum könnte es bei diesem Auftrag gegangen sein? Jetzt heißt es, Putin habe mit Ratcliffe seine Forderungen hinsichtlich eines Endes des russisch-ukrainischen Krieges besprochen. Es ist völlig unklar, warum der russische Präsident all diese Forderungen ausgerechnet mit dem CIA-Direktor hätte besprechen sollen, wenn all diese Forderungen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Außenministerium längst bekannt waren. Putin hatte dem Direktor hier nichts Neues zu erzählen.

Was konnte der Chef der Central Intelligence Agency vom Präsidenten Russlands und von den Leitern der russischen Geheimdienste tatsächlich erreichen wollen? Das Erste, was für die Vereinigten Staaten wichtig sein könnte, ist die Verhinderung einer weiteren Eskalation. Wir sprechen ständig darüber, dass der Krieg seine geografischen Grenzen überschreiten könnte. Nach und nach tut er das bereits. Der Raketeneinschlag auf polnischem Territorium, den man natürlich als zufällig bezeichnen kann, der aber nicht zufällig war. Das ständige Eindringen russischer Drohnen in den Luftraum von Nachbarstaaten der Ukraine. Die Gespräche darüber, dass Russland unter falscher, also ukrainischer Flagge einen Drohnenangriff auf Polen oder ein anderes NATO-Land vorbereiten könnte. All das zeigt, dass man sich im Kreml darauf vorbereitet, die Europäer einzuschüchtern. Vielleicht vorerst nicht anzugreifen, aber eine entsprechende Atmosphäre in den europäischen Gesellschaften zu schaffen. Wie es im hybriden Krieg immer ist: Wenn man beginnt, um den russischen Ausdruck zu verwenden, ein bisschen Benzin ins Feuer zu gießen, kann man fatale Fehler machen, die zu einem echten Krieg führen und die Vereinigten Staaten vor die Notwendigkeit stellen, entweder in diesen Krieg einzugreifen oder den Schutz ihrer Verbündeten zu verweigern.

Beide Varianten der weiteren Entwicklung sind für Donald Trump inakzeptabel. Donald Trump will sich in keinerlei Ereignisse in Europa einmischen. Das hat er wiederholt bewiesen, wenn er über die Rolle der Vereinigten Staaten im Nordatlantischen Bündnis sprach. Donald Trump will aber auch, und das ist ebenfalls offensichtlich, keine Schwäche der Vereinigten Staaten demonstrieren, erst recht nicht nach dem, was infolge des Krieges mit Iran geschehen ist. Das heißt, er will weder kämpfen noch demonstrieren, dass die Vereinigten Staaten Europa im Falle eines russischen Angriffs nicht verteidigen würden. Der einzige reale Ausweg aus dieser Situation besteht darin, eine weitere Eskalation auf europäisches Territorium zu verhindern. Und darüber könnte der CIA-Direktor im Grunde mit seinen Amtskollegen gesprochen haben. Auch das könnte ein wichtiges Gesprächsthema gewesen sein.

Kann man dabei irgendwelche Ergebnisse erzielen? Nein. Wenn in Russland die Entscheidung für einen hybriden oder echten Krieg mit den europäischen Nachbarstaaten der Ukraine getroffen wurde, dann geschieht das nicht, weil es Russland so gut geht, sondern weil es nach Wegen sucht, die europäische Unterstützung für die Ukraine zu stoppen. Russland befindet sich hier tatsächlich in einer schwierigen Situation. Putin möchte den Krieg gegen die Ukraine so schnell wie möglich beenden, aber mit seinem Sieg: mit der Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit, mit der Vertreibung von Millionen Ukrainern aus Gebieten, die die Russen zu russischen Gebieten erklären wollen. Wie soll das gelingen, wenn Russland weiterhin gegen ein Land kämpft, das westliche Unterstützung erhält?

Und übrigens ist es absolut kein Zufall, dass die russische Propaganda jeden Angriff auf einen Marktplatz, eine Ölraffinerie oder andere Infrastrukturobjekte der Russischen Föderation als Angriff des Westens, als Angriff Europas charakterisiert. Denn aus russischer Sicht hätte die Ukraine längst aufgehört, als Staat zu existieren, wenn der Westen ihr nicht helfen würde. Und aus russischer Sicht geht es darum, dass der Westen gegen Russland kämpft, damit Russland seine Kontrolle über sein natürliches Territorium nicht wiederherstellt. Genau das geschieht aus Sicht Moskaus tatsächlich.

Gehen wir weiter. Inwieweit können die Vereinigten Staaten Putin mit den Folgen einer solchen Eskalation einschüchtern? Ungefähr so wie 2022. Große Instrumente, mit denen Washington heute Einfluss auf die Russische Föderation nehmen könnte, gibt es nicht. Die meisten Energiesanktionen sind bereits verhängt. Auf Länder, die heute russisches Öl kaufen, können die Vereinigten Staaten real kaum Einfluss nehmen. Den Zollkrieg mit der Volksrepublik China hat Trump noch vor dem heißen Krieg mit Iran verloren. Sich vorzustellen, dass Trump selbst nach Verabschiedung des berühmten Graham-Blumenthal-Gesetzes vernichtende Sanktionen gegen die chinesische Ölverarbeitungsindustrie verhängen würde – und hier müsste es gerade gegen die chinesische Industrie gehen –, fällt schwer.

Außerdem wissen wir überhaupt nicht, was in diesem Herbst mit dem Öl geschehen wird, falls die Straße von Hormus nicht geöffnet wird. Und damit kommen wir zum zweiten Teil der möglichen Aufgaben des Direktors der Central Intelligence Agency. Hormus. Das ist derzeit tatsächlich das Hauptproblem der Administration Donald Trumps, ein wesentlich wichtigeres Problem als die Geschichte des russisch-ukrainischen Krieges. Der russisch-ukrainische Krieg ist für Trump und sein Umfeld ausschließlich ein Reputationsproblem. Trump hatte versprochen, diesen Krieg zu beenden. Er konnte sich mit Putin über nichts einigen. Er lehnt weiterhin eine reale, ernsthafte Hilfe für die Ukraine ab und betrachtet diese Hilfe im Gegenteil als einen der größten politischen und finanziellen Fehler Präsident Bidens.

Dadurch, dass es diese Hilfe nicht gibt, verbessert sich die wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten bekanntlich nicht. Die Staatsverschuldung wächst, das Leben der Menschen verschlechtert sich, die Zustimmungswerte sinken. Dadurch, dass der Ukraine Waffen geliefert wurden, haben die amerikanischen Arsenale nicht besonders stark gelitten; durch die Handlungen des amerikanischen Militärs im Iran-Krieg dagegen so erheblich, dass die Vereinigten Staaten Gefahr laufen, ohne wirkliche Mittel zur Selbstverteidigung dazustehen, falls mehrere weltweite Konflikte gleichzeitig ausbrechen. All diese Erklärungen darüber, dass die Vereinigten Staaten irgendeinen Wirtschaftskrieg gegen Iran führen würden, sind, wenn Sie so wollen, bloßes Luftschütteln sowohl von Trump als auch von seinem Finanzminister Bessent. Rein propagandistische Erklärungen. Iran steht seit Langem unter Sanktionen der Vereinigten Staaten und anderer Länder der zivilisierten Welt. Er stand sogar unter Sanktionen des UN-Sicherheitsrates, nur damit er keine Atomwaffen entwickelt. Das hindert das iranische Regime nicht daran, die Gesellschaft weiter zu kontrollieren. Es hindert die iranische Gesellschaft nicht daran, selbst nach der Vernichtung des Obersten Führers Ali Khamenei und seines Umfelds zu überleben. Es hindert Iran nicht daran, Shahed-Drohnen zu produzieren. Ich erinnere daran, dass Iran genau das Land war, das begann, diese neue Waffe massenhaft gerade auf ukrainischem Boden zu erproben. Und es hindert Iran nicht daran, ballistische Raketen zu produzieren und diese anschließend auf Israel und die Länder des Persischen Golfs abzufeuern.

Wie hoch müsste der wirtschaftliche Druck auf Iran noch werden, damit Iran überhaupt darauf achtet, dass es sich mit Trump einigen soll? Nun, ich sage Ihnen, wie: Auch hier müsste man die Volksrepublik China, wie schon im Falle Russlands, dazu bringen, kein iranisches Öl mehr zu kaufen. 80 Prozent des iranischen Öls kauft China. Ich erinnere Sie daran, dass das sogar größere Mengen sind als die Menge an Öl, die China von Russland kauft, weil Russland Öl auch an Indien und andere Länder des Globalen Südens verkauft. Beim iranischen Öl dagegen ist China der offensichtliche Monopolabnehmer. Es hilft dem Regime der Islamischen Republik zu überleben. Aber ich wiederhole: Die Vereinigten Staaten verfügen über keine realen Druckmittel gegen Iran außer militärischen. Und militärische Schläge will Trump nicht führen, weil er bereits erkannt hat, dass sie hinsichtlich einer realen Veränderung der iranischen Politik völlig wirkungslos sind. Wie Sie bemerken, spricht der Präsident der Vereinigten Staaten nicht einmal mehr über das iranische Atomprogramm, das gerade in diesem Moment, während wir sprechen, fortgesetzt werden könnte. Er spricht ausschließlich über die Öffnung der Straße von Hormus. Und wie man das erreichen soll, weiß ich nicht. Alle propagandistischen Erklärungen darüber, dass heute 50 Prozent der früheren Zahl von Schiffen durch Hormus fahren, dass eine Route organisiert worden sei, werden bislang nicht durch die Realität bestätigt. Die Kraftstoffpreise steigen weiter, und die Probleme der Amerikaner mit ihrem Lebensstandard verschärfen sich weiter.

Trump muss diese Situation vor den Zwischenwahlen korrigieren. Er versteht sehr gut, was geschehen wird, wenn die Demokraten auch nur die Kontrolle über das Repräsentantenhaus gewinnen, das sich dann in einen Untersuchungsausschuss zu all den Handlungen verwandeln wird, die Trump 2025 und 2026 vorgenommen hat. Und dabei geht es nicht um Politik, sondern um Bereicherung, um die Nutzung des Amtes zur eigenen Bereicherung und zur Bereicherung von Mitgliedern seiner Familie. Trump wird dann einfach in einer enormen Zahl innenpolitischer Probleme versinken.

Die Frage ist: Kann man darüber mit Putin sprechen? Ja, denn die Russen verkaufen den Amerikanern völlig grundlos die Möglichkeit eines in Wirklichkeit gar nicht existierenden russischen Einflusses auf die iranische Politik und auf Teheran. Wirklich tun können sie nichts, aber der Direktor der Central Intelligence Agency kann mit ihnen darüber sprechen, dass man irgendwelche Zugeständnisse an Russland gegen russische Versuche eintauschen könnte, Hormus zu öffnen. Und die Russen werden Hormus nicht öffnen, und die Amerikaner werden am Ende keine Zugeständnisse machen, weil sie kein konkretes Ergebnis erhalten werden. Aber was Trump auch erzählen mag darüber, dass sein CIA-Direktor mit den Russen nicht über das Iran-Problem gesprochen habe: Trump braucht offensichtlich irgendeine reale Unterstützung bei der Öffnung der Straße von Hormus.

Und ich sage Ihnen: Wir selbst müssten sehr daran interessiert sein, dass diese Öffnung erfolgt, denn die Öffnung der Straße von Hormus nimmt dem Kreml seine heutigen Übergewinne aus dem Ölgeschäft. Heute kann der Brent-Preis in bestimmten Regionen und zu bestimmten Zeiten faktisch niedriger sein als der Preis für Urals, also russisches Öl, weil Länder des Globalen Südens infolge des Mangels an Brent, das durch Hormus gehen müsste, begonnen haben, russisches Öl ohne jenen, ich würde sagen, entgegenkommenden Rabatt zu kaufen, den ihnen die Russische Föderation früher gewährte. Für die Ukraine sind die Öffnung der Straße von Hormus und sinkende Ölpreise eine der wichtigen Voraussetzungen dafür, dass Russland zumindest in den kommenden Jahren beginnt, über die Möglichkeit eines Kompromisses im Krieg nachzudenken.

Nun sagen Sie mir bitte: Warum sollte Putin Trump bei der Öffnung der Straße von Hormus helfen? Putin ist gerade am Gegenteil interessiert: daran, dass die Meerenge geschlossen bleibt, dass die Demokraten die Wahlen gewinnen, dass Trump sich in endlose Diskussionen über seine finanziellen Interessen im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten verstrickt, dass es in Amerika keine starke Regierung gibt, die Putin mit Friedensverhandlungen auf die Nerven geht, dass es keine neuen Sanktionen gegen Russland gibt und dass Putin in der Ukraine freie Hand hat, zumindest bis zum Ende der Amtszeit Donald Trumps.

Ich versuche ständig daran zu erinnern. Putins diplomatisches Ziel besteht tatsächlich darin, Zeit bis 2028 zu gewinnen. Zumindest 2028 wird klar sein, wer für die Demokraten für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten kandidiert, wer für die Republikaner kandidiert und wie das Kräfteverhältnis aussieht. Und im November 2028 wird man im Kreml anhand des Ergebnisses der amerikanischen Präsidentschaftswahlen entscheiden, was man weiter mit dem russisch-ukrainischen Krieg tun will. Ungefähr dann, im Januar 2029, werden wir darüber sprechen können, wie die realen russischen Absichten aussehen. Jetzt besteht die Absicht darin, so lange wie möglich Zeit zu schinden, soweit es die russischen Ressourcen erlauben.

Und wenn wir nicht wollen, dass es im Januar 2029 nicht etwa um das Ende des Krieges geht, sondern darum, dass Russland im Januar 2029 seine neuen Absichten für den Krieg festlegt – zumal Sie verstehen, dass 2029 in Wirklichkeit gar nicht mehr so weit entfernt ist, wir sind bereits im August 2026. Das ist weniger Zeit, als der große russisch-ukrainische Krieg bereits dauert. Es sind weniger als viereinhalb Jahre. Dann besteht unsere Aufgabe darin, Putins Ressourcenpotenzial so weit zu verringern, dass in seinem Kopf andere Daten auftauchen.

Wie kann man das tun? Das ist bereits eine Frage an die Streitkräfte, an die Armee, an die Gesellschaft. Die Streitkräfte müssen den Feind an den Linien aufhalten, an denen er vorrückt, ihm zumindest nicht erlauben, im Rahmen der von Putin gewählten Salamitaktik, nachdem sein Blitzkrieg gescheitert war, immer neue ukrainische Gebiete zu erobern. Die Produktion offensiver Waffen, Raketen und Drohnen muss gesteigert werden. Sie müssen in Russland dessen Ressourcen zerstören, die Wiederherstellung von Ölraffinerien verhindern, Rüstungsbetriebe zerstören, Infrastruktur zerstören, damit Russland seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur einstellt, die Energieinfrastruktur der Russischen Föderation zerstören und diesen Staat faktisch in Dunkelheit versinken lassen. Zumal das Klima in dieser Hinsicht eher auf unserer Seite ist. Bei uns kann es einen warmen Winter geben, für Russland ist das eher eine Ausnahme, denn schon das Klima in der Russischen Föderation macht Heizung und Strom im Winter zu einer Notwendigkeit. Und auch die Russen müssen begreifen, dass man das Spiel „Lasst uns das feindliche Land einfrieren und seine Bevölkerung zur Kapitulation zwingen“ zu zweit spielen kann.

Und natürlich muss die ukrainische Gesellschaft selbst eine sehr einfache Frage beantworten: Ist sie bereit, vor Russland zu kapitulieren, oder ist sie bereit, all diese Lasten des Krieges weiter zu ertragen und zu begreifen, dass es zwischen diesen beiden Fragen, zwischen diesen beiden Begriffen leider keine Mitte gibt? Obwohl ich einräume, dass irgendein amerikanischer Beamter, selbst der Direktor der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten, diese goldene Mitte weiterhin sucht, im Geiste des Siegers der letzten Präsidentschaftswahlen in der Ukraine, der bekanntlich vorgeschlagen hatte, sich in der Mitte zu treffen. Nun, wir haben uns getroffen. So sieht es aus.

Was für mich aufschlussreicher ist als dieser Besuch in der russischen Hauptstadt, ist etwas ganz anderes. Wie Sie sehen, eilen die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Steve Witkoff und Jared Kushner weder nach Moskau noch nach Kyiv. Ihre Reisen werden ständig verschoben. Mal werden sie von ukrainischen, mal von russischen Beamten angekündigt, aber Witkoff und Kushner reisen weder in die Ukraine noch nach Russland. Aus einem einfachen Grund: Trump hat bereits verstanden, dass ergebnislose Reisen keinen Sinn mehr haben. Er braucht eine Reise, die ein reales Ergebnis bringt, eine Reise, nach der er sagen könnte, dass etwas geschehen ist: dass ein Waffenstillstand zustande gekommen ist, dass es eine Energie-Waffenruhe geben wird, dass es eine Waffenruhe auf See geben wird, wenigstens irgendetwas, worüber man sich einigen konnte. Doch es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass man sich mit Russland in absehbarer Zukunft über irgendetwas einigen kann.

Ich spreche gar nicht erst davon, dass dieser Krieg für Donald Trump tatsächlich auf den zweiten oder dritten Platz gerückt ist – vor dem Hintergrund des Krieges im Nahen Osten, den er nicht gewinnen kann, und vor dem Hintergrund des Zollkrieges, den er nicht gewinnen kann und den er weiterführt. Gerade in diesen Tagen beginnt die nächste Runde des Zollkrieges mit dem benachbarten Kanada. Das sind enorme Probleme für die amerikanische Wirtschaft, glauben Sie mir. Für Trump ist das heute eine wesentlich ernstere Geschichte als der russisch-ukrainische Krieg, eine Geschichte mit unmittelbarer Bedeutung für die Wahlen, denn Trump und sein Umfeld kämpfen jetzt einfach darum, bei den Zwischenwahlen zum Kongress wenigstens irgendwelche Positionen zu halten. Dazu gehört auch der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten, der versucht, die Briefwahl zu verbieten, was nach Ansicht Trumps und seiner Anhänger die Zahl demokratischer Wähler bei den Kongresswahlen reduzieren könnte.

Und das Wichtigste: Sowohl Witkoff als auch Kushner müssen sich mit den wichtigsten außenpolitischen Richtungen befassen, die Fragen des politischen Überlebens Donald Trumps sind. Da ist die Iran-Frage, die Witkoff noch immer nicht lösen kann, egal wie viele Verhandlungsrunden er führt und egal wie oft Trump verspricht, Iran werde schon morgen irgendein Abkommen mit den Vereinigten Staaten unterzeichnen und schon morgen die Meerenge öffnen. Iran handelt genauso, wie Russland im russisch-ukrainischen Krieg gehandelt hat. Es schindet Zeit, zumindest bis zu den Zwischenwahlen. Und dann gibt es noch den Verhandlungsprozess im Gazastreifen, der für Trump ebenfalls sehr wichtig ist vor den Zwischenwahlen. Auch dort funktioniert nichts, weil Trump ständig große Siege verkündet und erklärt, die Entwaffnung der Terrororganisation Hamas stehe unmittelbar bevor und der Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen ebenfalls. Aber nichts geschieht, obwohl Trumps Schwiegersohn kürzlich den Nahen Osten besuchte, sogar mit einem Hamas-Führer zusammentraf und mit ihm über irgendetwas sprach. Im Ergebnis gibt es nichts.

Zumal auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einen Wahlkampf führt, und dieser ist für ihn riskanter als für Donald Trump. Denn Netanjahu ist sich darüber im Klaren, dass er, wenn er die Parlamentswahlen verliert und nicht mehr Ministerpräsident Israels ist, juristisch ernsthaft unter Beschuss geraten könnte. Er weiß das, und für ihn ist es eine Frage des politischen Überlebens, an der Macht zu bleiben. Für ihn ist das wichtiger, als Trump zu unterstützen. In dieser Situation gehen ihre Interessen radikal auseinander, weil jeder an sein eigenes politisches Überleben und an die Folgen eines Scheiterns denkt.

Wo ist da Platz für den russisch-ukrainischen Krieg? Er ist ausschließlich für uns von entscheidender Bedeutung, nicht für die Amerikaner. Und mit „uns“ meine ich jetzt nicht einmal nur die Ukrainer, sondern die Europäer. Dass europäische Staats- und Regierungschefs am Unabhängigkeitstag die ukrainische Hauptstadt besuchten, sich mit Zelensky trafen und eine Sitzung der Koalition der Willigen abhielten, dass uns mitgeteilt wurde, man werde uns Storm-Shadow-Technologien zur Verfügung stellen – all das sind Zeichen dafür, dass Europa nicht vorhat, uns ohne Unterstützung durch sein Handeln zu lassen. Das sind Signale, die weitaus wichtiger sind als Reisen amerikanischer Beamter.

Putin ging eigentlich davon aus – und auch hier hat er sich wieder verrechnet –, dass nach Donald Trumps Rückkehr ins Oval Office die Frage des russisch-ukrainischen Krieges sich von selbst lösen würde, einfach weil die Amerikaner aus der umfassenden Unterstützung der Ukraine aussteigen würden. Und genau das haben sie getan. Denn von Bidens Politik ist bei Trump nicht einmal ein Schatten geblieben. Es gibt dieses Hilfspaket nicht, das es geben könnte, obwohl Sie sehen, dass das Repräsentantenhaus den Ukraine-Hilfsakt mit einer ziemlich großen finanziellen Ausstattung verabschiedet hat. Das heißt, das Geld ist vorhanden. Trump will es nur nicht geben.

Und Putin dachte, wenn diese Hilfe endet, endet auch der ukrainische Widerstand. Das ist nicht geschehen. Es ist nicht geschehen, weil die Europäer begriffen haben, dass die Unterstützung der Ukraine für sie eine Frage des eigenen Überlebens ist. Und wie Sie sehen, wird diese Unterstützung ausgeweitet, weil uns heute niemand mehr bei weitreichenden Angriffen beschränkt. Unsere Angriffe auf das Territorium der Russischen Föderation, auf Infrastrukturobjekte, werden unterstützt.

All das ist meiner Ansicht nach der wichtigste Punkt, der uns so oder so dabei helfen muss, diesem russischen Druck auch künftig zu widerstehen. Gleichzeitig steckt darin aber auch die Frage einer realen, wenn Sie so wollen, Ausweitung des Konflikts, möglicher realer russischer Handlungen in Europa. Und genau das, räume ich ein, könnte ebenfalls Thema dieser Reise des CIA-Direktors in die russische Hauptstadt gewesen sein. Das sind meine ersten Einschätzungen nach diesen zwei Tagen der Diskussion über diese Reise, einer meiner Ansicht nach wichtigen Diskussion.

Ich werde einige Fragen beantworten, die in dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Erwarten Sie, dass Iran Trump gerade vor den Wahlen einen heißen Krieg beschert? Der Logik nach müssten sie genau das jetzt planen. Andererseits ist interessant, dass Russland Trump als Präsidenten gerade braucht.

Portnikov. Ich denke, Russland braucht nicht Trump als Präsidenten, sondern einen schwachen amerikanischen Präsidenten. Einen Präsidenten, der in einen Krieg mit dem Kongress verwickelt ist – genau den braucht Russland. Und genau das könnten die Ergebnisse der Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten bewirken. Russland braucht die Konfrontation Trumps mit dem Kongress. Denn sie verstehen, dass Trump in dieser Situation bereits 2027 zur lahmen Ente wird. Obwohl alle Vorrechte bei der Gestaltung der Außenpolitik in seinen Händen bleiben werden, wird er zugleich mit völlig anderen Fragen beschäftigt sein.

Was die Frage angeht, ob Iran Trump einen heißen Krieg bescheren wird: Ich glaube nicht, dass Iran Trump gerade vor den Wahlen einen heißen Krieg bescheren will. Das braucht Iran nicht. Es muss nur die Straße von Hormus geschlossen halten. Die andere Frage lautet: Wird Trump bereit sein, Iran eine weitere Runde heißen Krieges zu erklären, falls die Meerenge geschlossen bleibt?

Aber Sie müssen eine einfache Sache verstehen. Die Kontrolle des Luftraums allein ist kein ausreichend wirksames Mittel mehr, um einem feindlichen Land die eigenen Bedingungen oder Frieden aufzuzwingen. Die Situation hat sich verändert. Russland besitzt keine Luftherrschaft über der Ukraine. Wie Sie verstehen, kann es uns mit Raketen angreifen, es kann Drohnen schicken, aber das ist keine Luftherrschaft, weil wir weiterhin Flugabwehrsysteme besitzen. Ja, ballistische Raketen können wir nicht abschießen, aber alles andere können wir neutralisieren. Und über unseren Köpfen fliegen keine russischen Flugzeuge. Die Vereinigten Staaten dagegen besitzen im Grunde Luftherrschaft über Iran. Und? Nichts.

Um im Iran-Krieg tatsächlich irgendwelche Ergebnisse zu erzielen, müssten die Vereinigten Staaten sich darauf einlassen, dort ein Militärkontingent einzusetzen. Vielleicht nicht, um Iran zu besetzen, das iranische Regime zu vernichten und den Iranern einen Übergang zur Demokratie zu ermöglichen. Nein, zumindest aber für eine teilweise Kontrolle des Territoriums, die es erlauben würde, Hormus zu entsperren. Trump versteht jedoch sehr gut alle Risiken einer solchen Operation, die Zahl der Opfer, und wird sich zumindest bis zu den Zwischenwahlen ganz sicher nicht dazu entschließen. Das ist die ganze Antwort auf die Frage.

Frage. Wie kann es mit einer solchen Politik der Vereinigten Staaten weitergehen? Erwarten Sie, dass der herrliche Ozean die Feinde möglicherweise nicht daran hindern wird, das Territorium der Vereinigten Staaten selbst anzugreifen? Sehen Sie eine solche Logik der Ereignisse?

Portnikov. Ich sehe absolut, dass wir uns genau in Richtung einer solchen Entwicklung der Ereignisse in der Welt bewegen. Die Amerikaner haben schlicht nicht verstanden, dass die Welt sehr viel kleiner geworden ist und grundsätzlich Waffen entstehen können, die Angriffe auf das Territorium der Vereinigten Staaten ermöglichen, gegen die kein Ozean helfen wird. Es kann noch eine weitere Situation entstehen, verbunden mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz und neuer Waffen, in der es nicht mehr ausreichen wird, beim Schutz strategisch wichtiger Objekte der Vereinigten Staaten einfach davon auszugehen, der Ozean werde Amerika schützen. Diese Angriffe können vom Territorium Amerikas selbst ausgehen. Die berühmte Operation „Spinnennetz“ der ukrainischen Geheimdienste ist im Grunde ein Passierschein in eine neue Welt, in der die Zerstörung irgendeiner Militärbasis oder ein Angriff auf ein Atomkraftwerk vom Territorium Amerikas selbst aus erfolgen kann.

Sie verstehen ja, dass sich die Welt mitunter sehr schnell verändert und wir mit ihren Veränderungen nicht einmal Schritt halten. Auch der 11. September war eine Demonstration dafür, wie man innerhalb der Vereinigten Staaten selbst einen groß angelegten Terroranschlag durchführen kann, der im Grunde als Aggression charakterisiert werden könnte. Dieses Unglück kam ja nicht aus irgendeinem anderen Territorium in die Vereinigten Staaten. Terroristen entführten amerikanische Flugzeuge auf amerikanischem Territorium. Ja, seither wurden Sicherheitsregeln und Protokolle geändert, es wurden Schläge gegen Länder geführt, die Terroristen als Stützpunkte dienten. Aber heute verändern sich die technologischen Möglichkeiten erneut. Das kann also zu einem realen Problem für die Vereinigten Staaten werden.

Außerdem verstehen Sie, dass die Vereinigten Staaten überall auf der Welt Einrichtungen haben. Reale, ernsthafte militärische Einrichtungen. Und wenn gleichzeitig etwa ein Krieg im Nahen Osten, auf der koreanischen Halbinsel und in Europa ausbricht, werden die Vereinigten Staaten schlicht keinerlei reale technologischen Möglichkeiten haben, all diesen Gefahren entgegenzutreten und ihre Stützpunkte zu 100 Prozent zu schützen.

Kommentar. Zumindest war die Reise des CIA-Direktors ein Fehler. Putin hat verstanden, dass ihre Position schwach ist, und wird einfach so weitermachen. Sie hätten sein Flugzeug auf dem Rückweg sogar abschießen können.

Portnikov. Nein, hätten sie nicht. Flugzeuge von Direktoren der Central Intelligence Agency werden ebenso wenig abgeschossen wie das Flugzeug des Präsidenten der Russischen Föderation oder des Direktors des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands. Es gibt bestimmte Verhaltensregeln in der Weltpolitik, die weiterhin völlig offensichtlich sind, wenn es um das Verhalten der mächtigsten Atommächte der heutigen Welt geht. Präsident Putin hätte also kein Flugzeug abgeschossen. Der Direktor der Central Intelligence Agency riskierte nichts.

Übrigens die beliebte verschwörungstheoretische Frage: Warum flog er dort mit einem Frachtflugzeug hin? Weil er sein eigenes Auto mitbrachte. Wiederum wollte er aus Sicherheitsgründen aus irgendeinem Grund nicht den diplomatischen Transport der Vereinigten Staaten nutzen, der in der russischen Hauptstadt vorhanden ist. Ich muss sagen, dass ich ihn sehr gut verstehe. Wenn ich in der heutigen Situation als Direktor der Central Intelligence Agency nach Moskau fliegen würde, würde ich ebenfalls versuchen, mich mit meiner eigenen Limousine fortzubewegen und am besten mit geschlossenen Fenstern.

War dieser Besuch ein Fehler? Das kann ich Ihnen aus einem einfachen Grund nicht sagen. Ich weiß nicht, über welche konkreten Fragen der CIA-Direktor mit seinen russischen Gesprächspartnern gesprochen hat. Warum sollten wir etwas erfinden?

Frage. Warum ist Putin überzeugt, dass eine Verstärkung der Angriffe auf ukrainische Städte zur Kapitulation führen kann? All diese Kriegsjahre haben doch gezeigt, dass er keinen Sieg errungen hat.

Portnikov. Vielleicht glaubt Putin, dass die bisherigen Angriffe nicht ausgereicht haben, um die Ukrainer dazu zu bringen zu begreifen, dass es für sie nur einen einzigen Ausweg zum Überleben gibt: die Kapitulation. Wenn Sie übrigens die enorme Zahl russischer Bots in sozialen Netzwerken sehen und auch unsere nützlichen Idioten, von denen es ebenfalls nicht wenige gibt, dann sehen Sie, dass sie ständig sagen: „Warum sollen wir ohne Wasser, ohne Strom, ohne Wärme leben? Wie sollen wir den Winter überstehen? Wir müssen uns mit Putin einigen, wir müssen diesen Krieg endlich beenden. Unsere Regierung kann das nicht. Sie ist ineffektiv, sie kann sich nicht einigen.“ Das heißt, faktisch wird dieselbe Platte wieder aufgelegt, die wir 2019 vom heutigen Präsidenten und von seinen Anhängern gehört haben. Die Regierung bereichert sich am Krieg, Korruption.

Natürlich werde ich nicht bestreiten, dass es heute Korruption in der Staatsführung gibt. Ich werde nicht einmal bestreiten, dass es sie 2019 gab. Und ich werde, meine Freunde, auch nicht bestreiten, dass es sie 2029 oder 2034 geben wird. Korruption ist eine ernste Krankheit der Ukraine. Besonders Korruption auf hoher Ebene, die wir noch jahrzehntelang überwinden müssen. Wenn Sie in der Ukraine leben wollen, werden Sie noch sehr, sehr lange in einem korrupten Staat leben. Das wissen Sie sehr gut. Man braucht keinen Zynismus.

In einer Gesellschaft, in der jeder etwas „regeln“ will, aber Korruption auf hoher Ebene verurteilt, findet sich immer jemand, der diesen Wunsch, Dinge zu regeln, zu seinem eigenen Vorteil nutzt. Seien wir also nicht zynisch. Machen wir uns die Abhängigkeit der ukrainischen Gesellschaft, wie übrigens der Gesellschaft jedes orthodox geprägten Landes, vom Aufbau einer korrupten vertikalen und horizontalen Machtstruktur bewusst. Das ist historisch bedingt, und dagegen zu kämpfen wird nicht einfach sein, obwohl man es tun muss.

Aber wir verstehen doch, dass das nicht der Kern des Problems ist. Wenn man Sie mit ballistischen Raketen angreift, ist das keine Frage der Korruption. Eine Frage der Korruption ist, dass wir in all dieser Zeit kein eigenes System gegen ballistische Raketen geschaffen haben, dass wir irgendwann sämtliche Militärprogramme gestoppt haben, die dazu hätten führen sollen. Aber das ist eher eine Frage politischer Korruption.

Dass Putin die Ukraine vernichten will, ist keine Frage der Korruption in der ukrainischen Staatsführung. Das Problem besteht darin, dass wir alle – anständige Menschen, Idioten, Korrupte und Antikorruptionskämpfer – auf demselben Schiff gelandet sind, das Russland zusammen mit uns allen versenken will, damit niemand hinausschwimmt, niemand überlebt und anschließend nur noch die Leichen auftreiben. Eine andere Sache ist, dass sich die Besatzung dieses Schiffes idiotisch verhält. Das ist eine Tatsache. Aber diese Tatsache besteht bereits seit vielen Jahren. Putin hofft jedoch, dass die Zeit für ihn arbeiten wird. Deshalb verhält er sich so. Er glaubt, dass die Zeit ihm helfen wird.

Frage. Ich verstehe nicht, warum die Vereinigten Staaten keinen wirtschaftlichen Einfluss auf Iran haben. Wenn Trump Hormus für alle schließt, einschließlich chinesischer Schiffe, kann China faktisch nicht mehr für iranisches Öl bezahlen, oder?

Portnikov. Nun, das ist eine gute Frage. Aber Iran hat offenbar die Möglichkeit, sein Öl irgendwie durch Hormus und weiter zu transportieren. Trump behauptet, Iran vollständig blockiert zu haben, aber dann ist Hormus offenbar doch nicht vollständig blockiert. Iranische Schiffe können ihn weiterhin passieren. Und irgendwie kann er dieses Öl illegal weiter nach China schicken.

Das heißt, die Amerikaner haben bislang weder die Möglichkeit, Hormus zu öffnen, noch Iran vollständig zu blockieren. Also bezahlt China auf irgendeine Weise für iranisches Öl. Vielleicht handelt es sich nicht um dieselbe Menge wie vor dem Krieg, aber um eine Menge, die für das iranische Regime ausreicht. Vielleicht. Deshalb hoffen die Vereinigten Staaten darauf, mit irgendwelchen Sekundärsanktionen gegen China tatsächlich auf diese Situation Einfluss nehmen zu können. Aber ich sehe bislang keinerlei Möglichkeit, dass das so schnell geschieht.

Frage. Fürchtet China eine unkontrollierte Eskalation, die durch die Fortsetzung des Krieges ausgelöst werden könnte?

Portnikov. Wenn es um den Einsatz von Atomwaffen geht, wahrscheinlich ja. Wenn es um einen ernsthafteren Krieg geht, dann nicht, weil ein solcher Krieg China vollkommen in die Hände spielt. Die beiden wichtigsten Atommächte der Welt haben bereits ihre Unfähigkeit demonstriert, eine Frage zu lösen, die sie mit Gewalt lösen wollten. Das ist der Niedergang der geopolitischen Rolle der Russischen Föderation dort, wo sie vorhanden war – im postsowjetischen Raum, im Osten Europas. Und das ist der Niedergang der geopolitischen Rolle der Vereinigten Staaten.

China hält sich bislang erfolgreich von der Versuchung zurück, selbst die Fähigkeit demonstrieren zu wollen, schwierige Probleme mit Gewalt zu lösen. Wenn Xi Jinping dieser Versuchung etwa nicht widersteht und einen Konflikt mit Taiwan, Japan oder den Philippinen beginnt und verliert, wird das den Beginn eines vollständigen Chaos in der Welt bedeuten.

Sie können sich überhaupt nicht vorstellen, was für eine Welt das sein wird. Vollständiges, völlig unkontrolliertes Chaos. Wir werden in der Matrix leben. Sie können sich die Folgen nicht einmal vorstellen, wenn auch China diesem Klub von Ländern beitritt, die versucht haben, Gewalt einzusetzen und gezeigt haben, dass sie in Wahrheit gar nicht über genügend Kraft verfügen, um alles zu lösen.

Solange China darauf verzichtet, befindet es sich in einer vorteilhaften Lage, bei ihm ist alles in Ordnung. Verstehen Sie? Denn die Stärke einer Großmacht liegt nicht im Einsatz von Gewalt, sondern in der Androhung von Gewalt, in der sogenannten Soft Power und in der Furcht davor, dass eine Großmacht Gewalt einsetzen könnte. Wenn aber eine Großmacht Gewalt einsetzt und das gewünschte Ergebnis nicht erreicht, hört sie auf, eine Großmacht zu sein. Selbst wenn sie Atomraketen besitzt, die die gesamte Menschheit vernichten könnten.

Das ist mit Putins Russland geschehen und das ist mit Trumps Amerika geschehen. Mit Xi Jinpings China ist es noch nicht geschehen, aber es kann geschehen, weil wir uns im Grunde auf eine Welt unkontrollierten Chaos zubewegen. Das 21. Jahrhundert wird höchstwahrscheinlich das Jahrhundert unkontrollierten Chaos sein. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie interessant es hier für diejenigen sein wird, die überleben.

Frage. Derzeit zeichnet sich in den Vereinigten Staaten ein parteiübergreifender gesellschaftlicher Konsens zugunsten einer Isolation von äußeren Kriegen ab. Wenn das ganze Volk die Rolle des Weltpolizisten ablehnt, wer kann es daran hindern?

Portnikov. Nun, eine so mächtige Kraft wie die Geschichte. In den Vereinigten Staaten gab es immer wieder Situationen, in denen sie irgendwann die Rolle des Weltpolizisten ablehnten und dann versetzte ihnen Madame Geschichte einen Schlag in den Rücken. Und das wird natürlich auch jetzt geschehen, wenn die Vereinigten Staaten auf ihre Rolle als Weltpolizist verzichten.

Und wenn dann dieser Schlag erfolgt – und er wird unweigerlich erfolgen, weil die Autokratien diese gesellschaftliche Ablehnung der Rolle des Weltpolizisten als Schwäche wahrnehmen werden –, dann könnte das amerikanische Volk auf den Leichen seiner Landsleute, auf ihren Gräbern, und es können viele sein, gezwungen werden, zu einem anderen Konsens überzugehen: zum Konsens der Selbstverteidigung. Und es wird begreifen, dass der Konsens der Selbstverteidigung in der Wiederherstellung der Rolle des Weltpolizisten, in der Sicherheit Europas und in der Sicherheit des asiatisch-pazifischen Raums besteht.

Dafür braucht es lediglich diesen Schlag, der erfolgen wird. Ich verspreche ihn Ihnen nicht, ich garantiere ihn. Sie können sich seine Folgen gar nicht vorstellen. Wenn Sie in den Vereinigten Staaten leben, werden Sie Zeuge von etwas werden, das Sie sich heute nicht einmal vorstellen können. Ich beneide Sie als Journalist; ich würde in diesem Moment gern bei Ihnen sein, denn in solchen Momenten muss man immer Zeuge sein. Sie wissen, Journalismus ist die Poesie der Katastrophen. Sie werden also sehen, wie es sein wird.

Aber ich glaube nicht, dass dieser Rückzug so vollständig stattfinden wird, denn schon jetzt ist klar, dass es für die Vereinigten Staaten in der Zeit nach Trump nicht so einfach sein wird, aus dieser Rolle auszusteigen.

Frage. Wenn in Frankreich oder Deutschland die Rechte an die Macht kommt, wird die Unterstützung für die Ukraine bestehen bleiben?

Portnikov. Ich denke, das ist ein ernstes Problem, wenn Sie mit „der Rechten“ Marine Le Pen oder die Partei Alternative für Deutschland meinen. Aber noch einmal: Wir müssen sagen, dass wir erst einmal die Zeit bis dahin überstehen müssen. Die Ukraine muss bis dahin erhalten bleiben.

Die Alternative für Deutschland wird in den nächsten Jahren kaum Anspruch auf die Macht in Deutschland erheben können, denn selbst wenn sie die populärste Partei in der Bundesrepublik sein sollte, wird sie kaum mit jemandem eine funktionsfähige Koalition bilden können.

Was Marine Le Pen angeht: Wie Sie sehen, entwickeln sich auch ihre Positionen gegenüber der Ukraine weiter. Wenn sie Präsidentin Frankreichs wird, könnte sie sich ebenfalls von einer völlig unerwarteten Seite zeigen, wenn sie ihre eigenen Interessen als politische Führungsfigur berücksichtigt.

Schließlich sind in Italien die Ultrarechten an die Macht gekommen. Giorgia Meloni ist die Führerin einer, würde ich sagen, sogar radikaler ultrarechten Partei als Marine Le Pen. Solche Parteien wurden noch vor Kurzem wegen ihrer Ideologie nicht einfach postfaschistisch, sondern faschistisch genannt, und man lag damit nicht falsch.

Und sie kam an der Spitze einer Koalition an die Macht, in der politische Akteure vertreten sind, die sich an Moskau orientierten: Matteo Salvini, der für seine Verbindungen zum Kreml bekannt war, sowie die politischen Erben des inzwischen verstorbenen ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Und ist diese Koalition prorussisch geworden? Nein.

Weder Meloni noch Salvini noch Tajani erlauben sich ein solches Verhalten. Salvini versucht es, gerät dabei aber in Konflikt mit seinen Koalitionspartnern. So einfach ist es also nicht.

Und noch einmal: Sie schauen zu weit voraus. Ich sage nicht, dass man nicht in die Zukunft schauen und nicht über strategische Fragen nachdenken soll. Aber für uns ist jetzt wichtig, die Jahre 2026 bis 2028 zu überstehen, Putin keine Hoffnung darauf zu geben, dass sich durch Veränderungen der innenpolitischen Landschaft in den Vereinigten Staaten etwas zu seinen Gunsten verändern wird.

Putin darf auch nicht die Hoffnung bekommen, dass die Reisen des Direktors der Central Intelligence Agency nach Moskau ein Zeichen der Hilflosigkeit Washingtons gerade in der Ukraine-Frage sind und dass die Ukraine bereit sein wird, ihre Prinzipien und Interessen zugunsten der Befriedigung von Putins chauvinistischen Ambitionen aufzugeben.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Секретна місія у Москві: що далі | Віталій Портников. 26.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 26.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump verweigert Zelensky Patriot-Raketen | Vitaly Portnikov. 05.08.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat seinem ukrainischen Amtskollegen Volodymyr Zelensky die Lieferung weiterer Raketen für die Luftverteidigungsbatterien Patriot verweigert. Die britische Zeitung Financial Times berichtete darüber in ihrem Kommentar zu den Ergebnissen des jüngsten Treffens zwischen dem amerikanischen und dem ukrainischen Präsidenten in Washington.

Ich erinnere daran, dass Volodymyr Zelensky dieses Treffen selbst als sehr gut bezeichnet hat. Trump erklärte während des Treffens mit Zelensky, er könne diese Raketen nicht liefern, weil auch die Vereinigten Staaten selbst zusätzliche Bestände benötigten.

Später bestätigte der amerikanische Präsident übrigens in einem Gespräch mit US-Journalisten, dass er keine Patriot-Raketen liefern werde. Man kann also sagen, dass die britische Zeitung lediglich Tatsachen festgestellt hat, die vom amerikanischen Präsidenten selbst bestätigt wurden.

Die Befürchtungen Donald Trumps haben ihre eigene Logik. Wie bekannt ist, wurde das Problem des Mangels an Luftabwehrraketen in den Vereinigten Staaten selbst seit den ersten Wochen des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran wiederholt in den amerikanischen Medien thematisiert. 

Auch der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky sprach darüber. Er erklärte, dass die Vereinigten Staaten an einem der ersten Tage dieser groß angelegten Militäroperation gezwungen gewesen seien, rund 800 Raketen einzusetzen, um die Angriffe des Iran abzuwehren. Und das zu einem Zeitpunkt, als die amerikanischen Unternehmen pro Jahr nur rund 665 Raketen für Patriot-Batterien herstellen.

Nach verschiedenen Schätzungen verfügen die Vereinigten Staaten derzeit über rund 800 Raketen. Gleichzeitig betonte Volodymyr Zelensky, dass die Ukraine zur Abwehr der russischen ballistischen Bedrohung etwa 300 zusätzliche Raketen benötige.

Und so stellt sich die Frage, wie Donald Trump Zelensky entgegenkommen soll, wenn er seine Haltung zu den künftigen Perspektiven des Konflikts mit dem Iran buchstäblich jeden Tag ändert.

In den amerikanischen Medien erschienen Berichte, wonach Trump bereits neuen schweren Angriffen auf die iranische Militär- und Energieinfrastruktur zugestimmt habe, jedoch von seinen Militärs gestoppt worden sei. Diese hätten darauf hingewiesen, dass ein solcher Angriff und eine iranische Antwort gegen amerikanische Militärstützpunkte sowie gegen strategische Einrichtungen der Verbündeten der Vereinigten Staaten am Persischen Golf zur Erschöpfung des amerikanischen Luftverteidigungssystems führen würden. Die Amerikaner könnten dann für eine gewisse Zeit buchstäblich schutzlos einer neuen Bedrohung ausgeliefert sein – ähnlich wie die Ukrainer jetzt den russischen ballistischen Angriffen schutzlos gegenüberstehen.

Doch hier gibt es ein bemerkenswertes Paradox. Einerseits will die Regierung des Präsidenten der Vereinigten Staaten uns keine Raketen liefern, weil sie selbst ein Defizit bei ihrer eigenen Sicherheit im Bereich der Luftverteidigung hat. Andererseits will sie dies entschieden nicht eingestehen.

Nachdem der Bericht der Financial Times erschienen war, betonte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, dieser entspreche nicht der Wahrheit und die Vereinigten Staaten verfügten über genügend Luftabwehrraketen für den eigenen Bedarf. Auch in dieser Erklärung des Verteidigungsministers von Donald Trump steckt eine gewisse Logik. Das Pentagon möchte auf keinen Fall, dass die Gegner der Vereinigten Staaten erkennen, wie fragil die Sicherheit des Landes angesichts der neuen Herausforderungen derzeit ist.

Einzugestehen, dass die Vereinigten Staaten ein Problem bei der Produktion von Patriot-Raketen haben und die amerikanische Armee nicht über genügend dieser Raketen verfügt, käme praktisch einer Aufforderung an den Iran und andere Gegner der Vereinigten Staaten gleich, neue Angriffe auf amerikanische Militärstützpunkte oder strategische Einrichtungen der Verbündeten Amerikas zu starten – mit einem einfachen Ziel: die amerikanischen Streitkräfte schon jetzt zum Verbrauch ihrer Luftabwehrraketen zu zwingen, um die Möglichkeiten der US-Armee auf ein tatsächliches Minimum zu reduzieren.

Und danach könnte der Iran, wie wir verstehen, seine Bedingungen nicht nur den Vereinigten Staaten diktieren, sondern vor allem den Staaten am Persischen Golf, die sich tatsächlich den iranischen Angriffen schutzlos ausgeliefert sehen könnten. Man denke nur an ihre Öl- und Gasanlagen, ihre Raffinerien und Ölfelder. Man kann sich vorstellen, welches Ausmaß die Krise der Weltwirtschaft annehmen würde, wenn der Iran all dies bombardieren könnte, ohne dass die Amerikaner darauf reagieren könnten, weil ihnen schlicht die Mittel dazu fehlten.

Wenn das Pentagon jedoch nicht eingestehen will, dass ihm Raketen fehlen, dann stellt sich die nächste Frage: Warum werden diese Raketen dann nicht an die Ukraine geliefert, wenn es keinen Mangel gibt? Worin besteht das Problem?

Gerade auf diese Frage werden Trump und Hegseth kaum eine logische Antwort geben können. Denn sie müssten entweder eingestehen, dass ihnen infolge der Fehlentscheidungen des amerikanischen Militärkommandos während des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran tatsächlich Raketen fehlen und sie sich in einer für sie höchst ungewöhnlichen Lage befinden – was sie auf keinen Fall zugeben wollen –, oder der Ukraine zumindest eine gewisse Anzahl von Raketen zur Verfügung stellen, damit wir wenigstens einen Teil der russischen Angriffe abwehren können.

Genau an diesem Punkt lässt sich in den Beziehungen zu dieser Regierung ansetzen. Denn die Lieferung zumindest eines Teils der Abfangraketen für die Patriot-Batterien an die Ukraine wäre bis zu einem gewissen Grad eine Rettung für das Ansehen des Präsidenten der Vereinigten Staaten und seines Verteidigungsministers. Wenn die Vereinigten Staaten der Ukraine zusätzliche Raketen für Patriot-Batterien liefern würden, könnten sie damit demonstrieren, dass sie selbst keinen Mangel an Luftverteidigungsmitteln haben.

Und möglicherweise würde dies auch der amerikanischen Sicherheit dienen. Denn wenn die Iraner davon überzeugt wären, würden sie keine zusätzlichen Angriffe auf amerikanische Militärstützpunkte am Persischen Golf durchführen. Amerikanische Soldaten würden nicht sterben, und es würden keine Voraussetzungen für eine umfassende Energiekrise entstehen, die – sollte sie vor den Wahlen im Herbst 2026 eintreten – unter den Trümmern der Weltwirtschaft nicht nur die politische Karriere Donald Trumps, sondern auch die eines möglichen republikanischen Nachfolgers im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten begraben könnte. Denn eine solche Krise würde die Republikanische Partei selbst zugrunde richten.

Und wenn man den Versuch, eine solche politische Katastrophe und Untersuchungen gegen den Präsidenten selbst sowie gegen Mitglieder seiner Familie zu vermeiden, mit wenigstens einigen Dutzend Abfangraketen bezahlen müsste, dann sollte Donald Trump dies vielleicht tun, um zumindest den unbändigen Wunsch des Iran zu zügeln, den amtierenden amerikanischen Präsidenten in eine politische Falle zu locken, aus der er sich dann nicht mehr befreien könnte.


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Titel des Originals: Трамп відмовив Зеленському | Віталій Портников. 05.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 05.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Das Zusammenfließen zweier Kriege. Vitaly Portnikov. 29.07.2026.

The Merging of Two Wars. Vitaly Portnikov. 29.07.2026.

Das kurze Gespräch zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu und dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky wurde zu einer echten Sensation für die Medien, denn die Staats- und Regierungschefs zweier Länder, die sich in existenziellen Konflikten befinden, waren sich seit drei Jahren nicht mehr begegnet. Allein das Ausbleiben dieser Kontakte wirkt ungewöhnlich, insbesondere vor dem Hintergrund von Berichten, wonach das Büro des israelischen Ministerpräsidenten den Vorschlag der ukrainischen Seite für ein bilaterales Treffen abgelehnt hatte. Spricht man jedoch ernsthaft darüber, dann gilt: Hätte es die Trauerfeier für den amerikanischen Senator Lindsey Graham, der bereit war, sowohl der Ukraine als auch Israel zu helfen, nicht gegeben, hätte es weder den Vorschlag für ein Treffen noch diesen kurzen Kontakt gegeben.

Das Fehlen eines Dialogs kann nur Verwunderung hervorrufen. Die Ukraine und Israel führen im Grunde Krieg gegen denselben Feind. Als ich in den ersten Monaten des Jahres 2022 darüber sprach, konnte dies im israelischen Publikum natürlich auf Skepsis stoßen. Und ich verstehe, dass selbst das Auftauchen iranischer „Shahed“-Drohnen am ukrainischen Himmel diese Skepsis kaum verändert haben dürfte. Doch inzwischen scheint mir offensichtlich zu sein, dass der Iran sich nicht nur mit der Unterstützung der Russischen Föderation beschäftigte, sondern auch damit, seine eigene Militärtechnik für einen späteren Angriff auf Israel zu erproben. Ebenso erscheint offensichtlich, dass die Russische Föderation sich selbst als Verbündeten des Iran versteht und dieses Land bei seiner Konfrontation mit den Vereinigten Staaten und Israel unterstützt. Sie unterstützt es nicht nur mit diplomatischen Erklärungen, sondern auch mit konkreten Geheimdienstinformationen, die einen iranischen Angriff auf den Gegner erleichtern sollen. Donald Trump kann sich den Luxus leisten, diese offensichtlichen Tatsachen zu ignorieren und selbst ukrainische Informationen zu diesem Thema beiseitezuwischen. Aber kann sich der israelische Ministerpräsident das ebenfalls leisten?

Selbst wenn wir früher von zwei unterschiedlichen Kriegen sprechen konnten, erleben wir heute bis zu einem gewissen Grad ihr Zusammenfließen. Russland liefert dem Iran Geheimdienstinformationen, und die Ukraine greift einen iranischen Tanker im Kaspischen Meer an. Das sind nicht mehr zwei getrennte Kriegsschauplätze, sondern im Grunde ein einziger, der in den anderen übergeht. Die Ukraine und Israel haben denselben wichtigsten Verbündeten – die Vereinigten Staaten – und dieselben gemeinsamen Feinde.

Warum gibt es dann dieses Verständnis in Israel nicht? Aus Angst vor Russland? Aus dem Wunsch heraus, nicht mit der Ukraine um amerikanische Militärhilfe konkurrieren zu müssen? Oder aus der mangelnden Bereitschaft, den neuen Krieg als Teil einer globalen Konfrontation und nicht als einen traditionellen Nahostkonflikt zu begreifen? Tatsächlich hängt von der Antwort auf diese Frage das Überleben Israels selbst ab. Und natürlich auch das der Ukraine. Denn wenn wir in der Lage sind, unsere Anstrengungen gegen unsere gemeinsamen Feinde zu bündeln, können wir in Zukunft wesentlich wirksamer sein.


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Titel des Originals: The Merging of Two Wars. Vitaly Portnikov. 29.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.07.2026.
Originalsprache: en
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Trump antwortet Zelensky | Vitaly Portnikov. 27.07.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat angekündigt, persönlich bei Putin nachzufragen, ob die Russische Föderation dem Iran Geheimdienstinformationen liefert – jene Informationen, die der Islamischen Republik dabei helfen, amerikanische Militäreinrichtungen anzugreifen.

Diese Worte des amerikanischen Präsidenten sind faktisch eine Antwort auf seinen ukrainischen Amtskollegen Volodymyr Zelensky im Vorfeld des Treffens der beiden Präsidenten, des amerikanischen und des ukrainischen. Zelensky hatte zuvor betont, dass die Ukraine über Informationen verfüge, die darauf hindeuten, dass Russland dem Iran Hilfe leistet.

Übrigens ist es durchaus bemerkenswert, dass Trump bereits im Voraus betonte, selbst wenn sich herausstellen sollte, dass Russland dem Iran tatsächlich wichtige Geheimdienstinformationen liefert, werde dies die Wirksamkeit der iranischen Angriffe keineswegs beeinflussen. Denn nach Ansicht des amerikanischen Präsidenten könne Russland ohnehin nichts Ernsthaftes unternehmen – erst recht nicht, nachdem Amerika den Iran empfindlich getroffen habe.

Natürlich könnte man sagen, dass Trump weiterhin in einer Welt seiner eigenen Illusionen lebt und die geopolitische Falle nicht wahrnimmt, in die er nach Beginn der amerikanisch-israelischen Operation gegen das Regime der Ajatollahs geraten ist.

Ein Ausweg aus dieser Situation ist bislang nicht erkennbar, und wir wissen nicht, wie der weltweite Energiemarkt bereits in wenigen Monaten aussehen wird. Umso mehr, als die Vereinigten Staaten ihre Angriffe auf den Iran derzeit vor dem Hintergrund eines eklatanten Mangels an eigenen Luftverteidigungsmitteln aussetzen mussten. 

Und gerade hier könnten russische Informationen, die dem Iran zur Verfügung gestellt werden, dem Regime der Islamischen Republik erheblich dabei helfen, amerikanische Militärstützpunkte am Persischen Golf zu zerstören und amerikanische Soldaten zu töten.

Trump verteidigt jedoch konsequent die These, die seiner Ansicht nach belegen soll, dass selbst dann, wenn Russland und China der Islamischen Republik im Kampf gegen die Vereinigten Staaten helfen, dies keinerlei Auswirkungen haben könne. Deshalb lohne es sich seiner Meinung nach auch nicht, sich deswegen mit Putin oder Xi Jinping zu überwerfen. 

Und genau das erscheint mir als die gefährlichste Einschätzung der geopolitischen Lage durch den amerikanischen Präsidenten. Seit seiner Rückkehr ins Oval Office hält Trump weiterhin an der Doktrin fest, wonach es in der Welt nur drei entscheidende Akteure gibt: ihn selbst sowie die Staatschefs der Russischen Föderation und der Volksrepublik China. 

Gerade mit diesen Männern müsse er Vereinbarungen treffen – selbst wenn dies den Interessen der traditionellen Verbündeten der Vereinigten Staaten widerspreche. Gerade die Beziehungen zu diesen Männern stellt Trump als geopolitische Errungenschaft dar, obwohl dies der Realität und den nationalen Interessen des Landes widerspricht, das er führt.

Und selbst wenn Trump unwiderlegbare Informationen erhält, die belegen, dass Russland oder China gegen die Vereinigten Staaten arbeiten, versucht er entweder, diese Informationen nicht wahrzunehmen oder sie herunterzuspielen, damit die Vereinigten Staaten keinen direkten Konflikt mit Putin oder Xi Jinping eingehen.

Ein weiteres Beispiel dafür ist, dass Trump weiterhin betont, die Vereinigten Staaten würden der Ukraine weder Waffen verkaufen noch liefern. Stattdessen würden sie diese Waffen den NATO-Mitgliedstaaten übergeben, die sie anschließend an die ukrainische Armee zur Verteidigung gegen die russische Aggression weiterreichen.

Das ist ein ziemlich kindischer Versuch, das Ausmaß der amerikanischen Unterstützung für die ukrainische Armee herunterzuspielen. Denn in Russland versteht man sehr genau, mit welchen Waffen russische Soldaten getötet und russische Militärtechnik zerstört werden. Putin kann Trump damit nicht täuschen. Trump möchte jedoch, dass der russische Präsident von seiner offensichtlichen Abneigung gegen einen direkten Konflikt mit dem Kreml überzeugt ist.

Und hier stellt sich eine ziemlich einfache Frage: Wie sollte dann eigentlich die Politik der Ukraine gegenüber den militärischen Interessen der Vereinigten Staaten aussehen? 

Die Ukraine hat einen iranischen Tanker versenkt. Das hat bereits eine recht scharfe Reaktion der gegenwärtigen iranischen Führung ausgelöst.

Natürlich wäre es übertrieben zu behaupten, der Iran könne der Ukraine ernsthaften Schaden zufügen. Zumal das Regime der Islamischen Republik seit 2022 aktiv am Krieg gegen unser Land beteiligt ist, indem es Russland Shahed-Drohnen und Raketen für Angriffe auf ukrainisches Territorium liefert. 

Doch jetzt, da der Iran eigene militärische Interessen verfolgt, die sich nicht mit den russischen decken, weil er sich in einer intensiven militärischen Konfrontation mit den Vereinigten Staaten befindet, stellt sich die Frage, ob man dem Regime der Ajatollahs einen zusätzlichen Anlass oder Wunsch geben sollte, Russland neue Waffen zu liefern.

Die Lage ist nämlich ziemlich einfach. Russland verfügt nur über eine begrenzte Anzahl ballistischer Raketen. Russland kann die Ukraine – insbesondere die ukrainische Hauptstadt – nur mit der Anzahl von Raketen angreifen, die in den Fabriken der Russischen Föderation produziert werden. In den Depots ist nach den intensiven Bombardierungen der Ukraine in den vergangenen Kriegsjahren praktisch nichts mehr übrig geblieben.

Jede Lieferung von Raketen durch mit Russland verbündete Staaten wie den Iran erhöht daher schlicht die Zahl der Einschläge auf ukrainischem Territorium – unter Bedingungen eines kritischen Mangels an Luftverteidigungssystemen.

Was sehen wir also? Wir greifen einen Tanker eines Landes an, mit dem sich die Vereinigten Staaten in einem militärischen Konflikt befinden, der bereits heute erhebliche Probleme für Amerika selbst verursacht. Währenddessen vermeiden alle anderen Verbündeten der Vereinigten Staaten eine Konfrontation mit Teheran.

Der Präsident der Vereinigten Staaten tut so, als geschehe für ihn nichts Ernsthaftes – ebenso übrigens wie in der Frage der Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine im Bereich der Drohnentechnologie.

Die Führung eines Landes, das sich in einem ernsthaften geopolitischen Konflikt mit den Vereinigten Staaten befindet, warnt, dass sie auf diesen Angriff gegen die Ukraine reagieren werde. Trump hingegen versucht nicht nur, die Rolle Putins bei den iranischen Angriffen auf amerikanische Militäreinrichtungen herunterzuspielen, sondern beeilt sich auch nicht, der Ukraine neue Raketen für die Patriot-Systeme zu liefern.

Natürlich müssen wir Verbündete der Vereinigten Staaten bleiben, denn auch in den kommenden Jahren der weltweiten Konfrontation werden die Vereinigten Staaten unser wichtiger Partner und Verbündeter bleiben. Aber sollten wir Schritte unternehmen, die im Weißen Haus gar nicht wahrgenommen werden und dort nicht als Maßnahmen gelten, die Amerika tatsächlich im Konflikt mit autoritären Regimen helfen zu überleben?

Vielleicht sollten wir uns wie alle anderen amerikanischen Verbündeten verhalten: helfen, zusammenarbeiten und zustimmen – aber keine zusätzlichen Schritte unternehmen, die unseren eigenen Interessen und unserer eigenen Sicherheit schaden könnten. Zumindest so lange, bis im Weißen Haus eine Regierung im Amt ist, die echte Bündnisbeziehungen zu schätzen weiß.


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Titel des Originals: Трамп відповідає Зеленському | Віталій Портников. 27.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.07.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach
veröffentlicht auf

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Kuba bereitet sich auf einen Krieg mit den USA vor | Vitaly Portnikov. 17.05.2026.

Die kommunistische Führung Kubas modernisiert aktiv ihre Streitkräfte und kann inzwischen offenbar auf etwa 300 Drohnen zählen, die sich im Arsenal der kubanischen Armee befinden.

Diese Drohnen könnten nach Einschätzung militärischer Beobachter von den Kubanern für Angriffe auf den amerikanischen Militärstützpunkt Guantanamo Bay Naval Base eingesetzt werden, der sich auf der Insel befindet, ebenso wie gegen strategische amerikanische Objekte im Bundesstaat Florida. Bekanntlich befindet sich in diesem Bundesstaat auch die Residenz des amerikanischen Präsidenten Donald Trump – Mar-a-Lago.

Die Meldungen darüber, dass Kuba über ein derart ernstzunehmendes Drohnenarsenal verfügt, wurden für die amerikanische Führung vor dem Hintergrund des Wunsches von Präsident Donald Trump, einen Regimewechsel auf Kuba herbeizuführen, zu einer unangenehmen Nachricht.

Am 14. Mai besuchte der Direktor der Central Intelligence Agency, John Ratcliffe, die Insel. Dort traf er sich mit den Leitern der kubanischen Sicherheitsstrukturen und warnte sie vor der Unzulässigkeit irgendwelcher aktiver militärischer Schritte gegen die Vereinigten Staaten. Wie angenommen wird, übermittelte Ratcliffe der kubanischen Führung ein Ultimatum Trumps, das mit der Bereitschaft verbunden war, die Sanktionen gegen das kubanische Regime im Austausch gegen dessen erhebliche Transformation zu lockern.

Zu den Absichten der Amerikaner, die bereits in naher Zukunft umgesetzt werden könnten, falls die kubanische Führung diesen Forderungen nicht zustimmt, gehört angeblich auch die Festnahme des vorletzten kommunistischen Herrschers Kubas, Raúl Castro, des jüngeren Bruders des Gründers des repressiven Regimes, Fidel Castro. Raúl Castro soll wegen Verbrechen angeklagt werden, die 30 Jahre zurückliegen. Auf diese Weise sucht man offenbar lediglich einen Vorwand dafür, dass der fast hundertjährige Führer der kubanischen Revolution auf der Insel festgenommen und – nach dem Vorbild des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro – in die Vereinigten Staaten überstellt werden könnte.

Doch im Unterschied zu Venezuela haben die kubanischen Kommunisten, die sich seit Jahrzehnten in einem permanenten Kampf mit den Vereinigten Staaten befinden, keineswegs die Absicht, einfach die Waffen niederzulegen. Bereits nach dem Besuch des Direktors der CIA, John Ratcliffe, in der kubanischen Hauptstadt betonte Kubas Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla, dass Kuba im Falle aggressiver Handlungen der Vereinigten Staaten gegen die Insel sein Recht auf Selbstverteidigung wahrnehmen und sich verteidigen werde.

Und meiner Meinung nach sind das nicht bloß Worte eines kommunistischen Funktionärs. Anstatt mit den Vereinigten Staaten zu verhandeln, könnten die kubanischen Führer gemeinsam mit zahlreichen Militärinstrukteuren aus Russland und der Volksrepublik China, deren Zahl auf der Insel zunimmt, Pläne für eine Antwort auf die Vereinigten Staaten ausarbeiten und darüber nachdenken, wie ihre Drohnenarmee richtig eingesetzt werden kann.

Kuba unterscheidet sich natürlich vom Iran – sowohl hinsichtlich des Territoriums als auch der Landschaft und der Zahl der Militärangehörigen. Doch zugleich sollte man daran erinnern, dass gerade die kubanische Armee jahrzehntelang Lateinamerika terrorisierte und über erhebliche Erfahrungen im Guerillakrieg verfügt, die dem amerikanischen Militär praktisch fehlen. 

Außerdem besteht ein weiterer wichtiger Unterschied Kubas zum Iran in der Entfernung. Man kann sich also vorstellen, dass kubanische Drohnen im Falle ihres Starts vom Territorium der Insel nicht nur ernsthafte Probleme für das Funktionieren des amerikanischen Militärstützpunkts in Guantánamo verursachen könnten, sondern auch echtes Chaos auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten selbst hervorrufen und sogar die Sicherheit Donald Trumps infrage stellen könnten. Natürlich nur dann, wenn der amerikanische Präsident in dieser Situation nicht auf Erholungsaufenthalte in seiner Residenz Mar-a-Lago verzichtet und gezwungen wäre, zumindest während der gesamten Dauer eines Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba an Wochenenden in Washington zu bleiben.

Solche Annahmen wirken heute natürlich wie politische Science Fiction . Doch man sollte daran erinnern, dass viele Szenarien politischer Science Fiction, die vor dem Auftreten Donald Trumps im Oval Office völlig unrealistisch erschienen, inzwischen Realität der großen Politik geworden sind. Und wir diskutieren sie inzwischen wie Selbstverständlichkeiten. 

Deshalb könnten wir bereits in einigen Wochen ebenso selbstverständlich darüber sprechen, dass zum Krieg im Nahen Osten und zum russisch-ukrainischen Krieg noch Angriffe kubanischer Drohnen auf den amerikanischen Bundesstaat Florida hinzukommen, ebenso wie die Zerstörung Havannas und schwere Schäden auf dem Gelände von Trumps Residenz Mar-a-Lago. 

Und der Präsident der Vereinigten Staaten würde dann zwischen weiteren Angriffen auf die sogenannte Insel der Freiheit und einer Vereinbarung mit den kubanischen Kommunisten wählen müssen, die ihm erlauben würde, seine Residenz in relativer Sicherheit zu bewahren und keine neuen Angriffe auf sein eigenes Zuhause fürchten zu müssen.

Natürlich stellt sich die Frage, wofür sich Donald Trump entscheiden würde, der einen Regimewechsel auf Kuba vor dem Hintergrund der Sackgasse, in die er infolge des Krieges gegen den Iran und der anhaltenden Blockade der Straße von Hormus geraten ist, als wichtigen Erfolg betrachten könnte. Denn wir sehen, dass der amerikanische Präsident sich noch immer nicht entschieden hat, wie er aus einer Situation herauskommen soll, die gerade im Vorfeld der Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten zu einer großangelegten Energie- und Wirtschaftskrise führen könnte. 

Und in diesem Zusammenhang könnten die Bildung einer neuen Regierung auf Kuba und die Beseitigung des kommunistischen Regimes tatsächlich eine gute Nachricht sein – zumindest für jenen Teil von Donald Trumps Wählerschaft, der die kubanischen Kommunisten seit Langem als autoritären Staat betrachtet, der die amerikanische Sicherheit und die amerikanischen Werte bedroht.

Doch es stellt sich die Frage, wie einfach die Lösung dieses Problems sein wird und ob sich Trumps Vorstellung bewahrheiten wird, dass er seine surrealistische venezolanische Erfahrung in jedem anderen Land wiederholen könne. Denn auch im Iran glaubte Donald Trump, dass das Verschwinden des Ajatollahs Ali Khamenei von der politischen Bühne zu denselben Folgen führen würde wie einst das Verschwinden von Nicolás Maduro. Und wie wir sehen, hat sich der amerikanische Präsident verrechnet. Ich schließe nicht aus, dass er sich auch im Fall der kommunistischen Insel verrechnen könnte.


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Titel des Originals: Куба готується до війни з США | Віталій
Портников. 17.05.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 17.05.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Trump weist Iran zurück | Vitaly Portnikov. 03.05.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat die neuen Vorschläge Irans zur Beendigung des amerikanisch-iranischen Krieges endgültig abgelehnt.     Man kann Trump verstehen, denn die neuen Vorschläge des Ayatollah-Regimes sahen überhaupt keinen Verzicht Irans auf sein Atomprogramm vor.

Die Iraner versprachen lediglich, die Passage von Schiffen durch die Straße von Hormus freizugeben, während die Vereinigten Staaten im Gegenzug ihre eigene Seeblockade aufheben sollten. Danach sollten Verhandlungen über die Beendigung des amerikanisch-israelisch-iranischen Krieges sowie über Parameter beginnen, die die Nuklearprojekte der Islamischen Republik regeln sollten.

Offensichtlich wären die Amerikaner in einer solchen Situation erneut in das bekannte Spiel der iranischen Verhandlungsführer geraten, Zeit zu gewinnen und keine klaren Antworten auf die Frage zu geben, ob sie bereit sind, auf angereichertes Uran zu verzichten. Trump hätte wie jemand ausgesehen, der den Krieg im Austausch für die Bereitschaft Irans beendet, den Welthandel wieder freizugeben.

Und das, obwohl zu Beginn des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran überhaupt keine Probleme mit der Straße von Hormus bestanden. Zu den Hauptzielen dieses Krieges gehörte, wie in Erinnerung zu rufen ist, die Forderung der Vereinigten Staaten an Iran, auf sein Atomprogramm zu verzichten sowie auf sein Raketenprogramm, das sich, wie wir gesehen haben, erfolgreich entwickelte und zu massiven Angriffen nicht nur auf Israel, sondern auch auf Länder des Persischen Golfs führte. Den Krieg im Austausch für die Freigabe der Straße von Hormus zu beenden, würde daher faktisch bedeuten, anzuerkennen, dass die Vereinigten Staaten diesen Krieg verloren haben – und das ist offensichtlich nicht das, was Donald Trump will.

Damit stellt sich die Frage, wie es weitergehen wird. Der Präsident der Vereinigten Staaten hat die Wahl zwischen einer Wiederaufnahme der Kampfhandlungen und der Fortsetzung der Seeblockade gegen Iran. Den Äußerungen Donald Trumps nach zu urteilen, neigt er eher zur zweiten Option. Der US-Finanzminister Scott Bessent betonte heute, dass die Seeblockade so effektiv sei, dass Iran bereits nicht mehr in der Lage sei, seine eigenen Soldaten zu bezahlen. Eine Fortsetzung der Blockade könnte somit zum Zusammenbruch des Regimes führen oder dazu, dass Vertreter der Revolutionsgarden zustimmen, auf das Atomprogramm zu verzichten – sofern dies vom Obersten Führer, Ayatollah Mudschtaba Chomeini, gebilligt wird, der seit Beginn des Krieges zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und Iran weder gesehen noch gehört wurde.

Die Iraner haben ihre eigenen Kalkulationen. Sie gehen davon aus, dass sie noch einige Monate durchhalten können und dass ein dramatischer Einbruch der Weltwirtschaft infolge der Energiekrise zu einer vernichtenden Niederlage der Republikanischen Partei bei den Zwischenwahlen zum US-Kongress führen wird. Danach werde Trump sich nicht mehr um den Krieg mit Iran kümmern können, da er in eine politische Konfrontation mit seinen Gegnern geraten werde, die darauf abzielen, ihm das Leben im Oval Office zu erschweren und alles zu tun, um zu verhindern, dass ein Republikaner erneut Präsident der Vereinigten Staaten wird.

Nur wenige zweifeln daran, dass im Falle einer Kontrolle des Kongresses durch die Demokraten im Herbst dieses Jahres die Vereinigten Staaten eine Phase intensiver politischer Konfrontation erleben werden. Genau daran ist die Islamische Republik interessiert.

So beobachten wir derzeit eher einen Wettbewerb zweier Zermürbungskriege. Die Vereinigten Staaten hoffen, dass ihre Blockade Iran erschöpfen und die Führung des Landes zur Kapitulation zwingen wird. Die Führung der Islamischen Republik hingegen hofft, dass die Blockade der Straße von Hormus zu einem politischen Zusammenbruch der Republikaner und zu ernsthaften Problemen für Donald Trump führen wird.

Es gibt hier auch eine Dimension, die mit Israel zusammenhängt. Die Iraner hoffen, dass, wenn es Israel in den kommenden Monaten nicht gelingt, reale Ziele im Krieg gegen Iran zu erreichen – insbesondere die Zerschlagung des Atomprogramms –, dies zu einer politischen Niederlage des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu und seiner politischen Verbündeten bei den kommenden Parlamentswahlen führen wird.

Sowohl Trump als auch Netanyahu gleichzeitig in Schwierigkeiten zu bringen, ist für die iranische Führung natürlich ein politischer Traum. Und ich habe keinen Zweifel, dass auch Irans Verbündete diese politische Krise als zentrales Ziel betrachten.

Doch unter den Verbündeten gibt es unterschiedliche Vorstellungen über den weiteren Verlauf der Ereignisse. Russland, dessen Präsident Vladimir Putin kürzlich den iranischen Außenminister Abbas Araghchi traf, könnte der Ansicht sein, dass die weitere Entwicklung ihm hilft, die Einnahmen aus dem Verkauf seines eigenen Öls zu steigern. Es ist offensichtlich, dass in einer solchen Situation russische Energieressourcen zu einer letzten Hoffnung für viele Länder werden, die zuvor auf Öl aus den Staaten des Persischen Golfs und aus Iran gesetzt hatten. Daher wird Putin die Führung der Islamischen Republik dazu ermutigen, keine Zugeständnisse zu machen und die Bemühungen zur Destabilisierung der Lage in den Vereinigten Staaten und im Westen fortzusetzen.

Ein anderer Verbündeter Irans jedoch, China unter der Führung von Xi Jinping, steht bereits jetzt vor eigenen wirtschaftlichen Problemen infolge des Ausbleibens von Öllieferungen aus den Staaten des Persischen Golfs und aus Iran. Xi Jinping wünscht sich einerseits eine politische Niederlage von Donald Trump und den Vereinigten Staaten, andererseits aber möchte er ein Gleichgewicht bewahren, das es der chinesischen Wirtschaft ermöglicht, die Folgen des Ausfalls arabischen und iranischen Öls nicht in vollem Umfang zu spüren.

ЄAus dieser Perspektive kann man sagen, dass die Ziele Russlands und Chinas nicht identisch sind. Zudem ist offensichtlich, dass man auch in Teheran nicht daran interessiert ist, die Situation bis zum Zusammenbruch der eigenen Macht zu treiben. Denn auch die Geduld der iranischen Gesellschaft hat ihre Grenzen.


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Titel des Originals: Трамп послав Іран | Віталій Портников. 03.05.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.05.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Araghchi ist zu Putin geflogen | Vitaly Portnikov. 27.04.2026.

Der iranische Außenminister Abbas Araghchi ist vor dem Hintergrund von Berichten über neue iranische Vorschläge für Präsident Donald Trump in Sankt Petersburg eingetroffen, um Gespräche mit Wladimir Putin und Serge Lawrow zu führen.

Allein die Tatsache dieser Treffen zeigt, dass Teheran versucht, seine Ansätze zur Beendigung der Krise im Nahen Osten mit Moskau zu koordinieren. Und damit befinden sich die Schlüssel zu den iranischen Vorstellungen darüber, wie der Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran enden soll, in der Tasche Wladimir Putins, der seinerseits – ebenso wie die iranischen Führer – seine Vorstellungen über das Geschehen mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China Xi Jinping abstimmen kann.

Und wir verstehen sehr gut, was Putin, die Iraner und Xi Jinping derzeit tatsächlich interessiert: die Öffnung der Straße von Hormus – allerdings so, dass dabei die eigenen politischen und wirtschaftlichen Interessen gewahrt bleiben.

Der Vorschlag der Iraner an Trump zeugt genau davon. Die iranische Führung versucht dem amerikanischen Präsidenten zu erklären, dass eine Einigung über die Beseitigung von Atomwaffen und des Raketenprogramms Irans derzeit nicht erreicht werden kann. Deshalb müsse zunächst die Straße von Hormus geöffnet werden – durch Verzicht sowohl auf die iranische Blockade dieses Handelswegs als auch auf die amerikanische Blockade iranischer Schiffe – und erst danach sollten Verhandlungen darüber geführt werden, was mit dem Atomprogramm geschehen soll.

Im Grunde hat Araghchi von Putin einiges zu lernen. Der russische Präsident führt seit mehreren Monaten völlig sinnlose und gegenstandslose Verhandlungen mit der Ukraine vor dem Hintergrund fortgesetzter militärischer Handlungen gegen das Nachbarland.

Iran, das bekanntlich vor Beginn des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels die Straße von Hormus nicht geschlossen hatte, kann auf diese Weise ebenfalls endlos über die Beseitigung seines Atomprogramms verhandeln und in dieser Zeit eine Atombombe entwickeln, da Verhandlungsführer dem durch Konsultationen in komfortablen Hotels kaum entgegenwirken können.

Unklar ist, ob der amerikanische Präsident diesem Vorschlag zustimmen wird, nachdem er der iranischen Führung erneut drei Tage eingeräumt hat, um zu irgendeiner Form von Vereinbarung zu gelangen. Einerseits ist klar, dass Trump von der iranischen Führung nicht die Zustimmung zu allen Forderungen der Vereinigten Staaten erreichen kann, schon weil unklar ist, wer überhaupt auf seine Forderungen nach Abschaffung des Atomprogramms und Reduzierung des Raketenpotenzials in Iran antworten soll. Trump selbst räumt ein, dass die iranischen Führer „seltsame Leute“ seien und nicht klar sei, mit wem dort überhaupt verhandelt werden könne.

Das ist jedoch logisch. Nach dem Tod von Ali Khamenei, der durch einen direkten Treffer der israelischen Streitkräfte in seiner eigenen Residenz getötet wurde, existiert möglicherweise kein einheitliches Machtzentrum mehr in Iran, da niemand den Gesundheitszustand des designierten Nachfolgers kennt. Und keiner der höchsten militärischen Führer Irans ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und kann daher keine direkten Befehle sowohl an die Armee als auch an das Korps der Islamischen Revolutionsgarden erteilen.

Daher können Verhandlungsführer beliebig lange zu Treffen mit ihren amerikanischen Gesprächspartnern reisen, während Entscheidungen weiterhin in einem engen Kreis der kollektiven iranischen Führung diskutiert werden, die über keine entsprechenden Vollmachten verfügt, wohl aber in der Lage ist, die Straße von Hormus für zivile Schiffe zu öffnen. Genau das liegt in den Händen des Korps der Revolutionsgarden und der Führung der iranischen Armee. Dafür ist eine Anordnung des obersten Führers Mojtaba Khamenei gewissermaßen nicht erforderlich.

Wenn Trump glaubt, die Straße von Hormus mit Gewalt öffnen zu können, wird er sich in derselben Situation wiederfinden wie zum Zeitpunkt der Ausrufung des Waffenstillstands mit der Islamischen Republik. Dann stellt sich die Frage, wozu dieser Waffenstillstand überhaupt ausgerufen wurde. Etwa, damit Iran seine militärischen Möglichkeiten stärken und eine Operation zur Zerstörung der Ölressourcen der Länder des Persischen Golfs sorgfältiger vorbereiten kann – was selbstverständlich zu einer noch größeren wirtschaftlichen und energetischen Krise führen würde als jene, die wir ohnehin bald aufgrund der Blockade der Straße von Hormus beobachten werden?

Unklar ist auch, ob in den Vereinigten Staaten ein Verständnis dafür besteht, dass die Straße von Hormus tatsächlich militärisch geöffnet werden kann, wenn Iran sie in den Wochen seit Beginn des Waffenstillstands mit noch größerer Hartnäckigkeit und mit größeren Möglichkeiten vermint als in den ersten über 40 Tagen des Krieges zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und der Islamischen Republik. Denn derzeit kann niemand das Korps der Revolutionsgarden an dieser Verminung hindern.

Somit kann Trump trotz aller Drohungen nur darauf hoffen, dass die Blockade iranischen Öls die Führer des Korps der Revolutionsgarden und der iranischen Armee dazu zwingt, seinen Bedingungen zuzustimmen – möglicherweise ohne zu verstehen, dass ihnen dazu die entsprechenden Vollmachten fehlen. Und so verhandelt er mit einem Phantom.

Oder er wird sich mit den iranischen Bedingungen abfinden müssen: Öffnung der Straße von Hormus im Austausch für langfristige Verhandlungen über die Beseitigung des iranischen Atomprogramms. In diesem Fall würden wir eine echte Kapitulation der Vereinigten Staaten von Amerika beobachten – nicht nur gegenüber der Islamischen Republik Iran, sondern auch gegenüber der Volksrepublik China und der Russischen Föderation.

Das würde bedeuten, dass sich die Machtzentren in der heutigen Welt stark in Richtung China verschieben. Und Trump würde im Mai nach Peking reisen – sofern man ihn dort mit so geschwächten Positionen überhaupt empfangen will –, was ihn seinerseits dazu zwingen könnte, vielen Forderungen des Vorsitzenden der Volksrepublik China und Generalsekretärs der Kommunistischen Partei Xi Jinping zuzustimmen. Und als Verlierer möchte Trump selbstverständlich nicht in der chinesischen Hauptstadt auftreten.

Der Präsident der Vereinigten Staaten steht damit vor einer äußerst schwierigen Entscheidung in einer Sackgasse, in die er sich – offen gesagt – selbst manövriert hat – durch Inkompetenz, Abenteurertum und die Auswahl von Personal, das die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nicht vollständig begreift. Und dieses Team von Dilettanten tut derzeit selbstverständlich alles Mögliche und Unmögliche, um die Folgen seines inkompetenten Eingreifens in die Verteidigungs- und Außenpolitik der Vereinigten Staaten noch zu verstärken.

Ja, die Absichten waren gut: das nukleare Potenzial Irans zu zerstören. Doch die Folgen sprechen weniger für die Zerstörung dieses Potenzials als vielmehr für die Zerstörung der Weltwirtschaft – und damit auch der amerikanischen Wirtschaft.


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Titel des Originals: Аракчи прилетел к Путину | Виталий
Портников. 27.04.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 27.04.2026.
Originalsprache: ru
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Zelensky in Aserbaidschan: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 25.04.2026.

Der Besuch des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky in Aserbaidschan hat, kann man sagen, symbolischen Charakter. Zum ersten Mal seit Beginn des großen Krieges zwischen Russland und der Ukraine besucht der Präsident der Ukraine ein Land, das Mitglied der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten ist.

Wieder sehen wir eine Situation, die eine ernsthafte Schwächung der Position Russlands im postsowjetischen Raum     verdeutlicht. Es genügt, sich daran zu erinnern, was vor vier Jahren geschah, als Putin sich auf den Angriff auf unser Land vorbereitete. Genau damals, am 22. Februar 2022, befand sich der Präsident Aserbaidschans Ilham Aliyev zu einem Besuch in Moskau und unterzeichnete mit Putin die sogenannte Moskauer Deklaration über eine strategische Partnerschaft zwischen der Russischen Föderation und Aserbaidschan.

Diese Unterzeichnung fand buchstäblich wenige Stunden nachdem Putin feierlich die sogenannte Unabhängigkeit der Volksrepubliken des Donbas anerkannt hatte statt. Und alle waren sich bereits bewusst, dass er sich auf einen Angriff auf unser Land vorbereitete.

Ilham Aliyev sprach nach seinen Gesprächen mit Putin nicht einmal mit Journalisten. Der russische Präsident trat allein vor die Presse und sprach weniger über die russisch-aserbaidschanischen Beziehungen als über die Situation rund um die Ukraine. Und damals betonte man in Baku, dass das Dokument, das Aliyev und Putin unterzeichnet hatten, mehrere Monate lang vorbereitet worden war, man aber mit einer solchen Koinzidenz der Umstände nicht gerechnet hatte.

Es hätte auch eine andere politische Situation geben können. Beispielsweise hätte der aserbaidschanische Präsident, der das ganze Ausmaß der Aggressivität seines russischen Kollegen sah, es eilig gehabt, das Dokument zu unterzeichnen, weil er befürchtete, dass die russische Aggression nach der Ukraine auf jede andere ehemalige Sowjetrepublik übergreifen könnte. Auch auf Aserbaidschan. Doch seitdem hat Russland gezeigt, dass es buchstäblich vollständig im Krieg gegen die Ukraine gebunden ist und keine Kräfte mehr hat, um die ehemaligen Sowjetrepubliken einzuschüchtern.

Es hat sich eine völlig neue Kräfteverteilung im Südkaukasus herausgebildet. Aliyev erlaubt sich, mit Putin in einem ultimativen Ton zu sprechen und vom russischen Präsidenten eine Entschuldigung für den Abschuss eines aserbaidschanischen Zivilflugzeugs durch ein russisches Luftabwehrsystem zu verlangen. In Aserbaidschan werden russische Spione aus dem sogenannten Rossotrudnichestvo verhaftet, das bekanntlich eines der wichtigen diversiven und propagandistischen Zentren der Russischen Föderation im postsowjetischen Raum ist.

Und Russland ist gezwungen, die Souveränität Aserbaidschans anzuerkennen, nicht nur deshalb, weil zwischen Baku und Ankara beispiellose partnerschaftliche Beziehungen bestehen, sondern auch deshalb, weil Moskau selbst schlicht keine Kräfte für Aktivitäten im Zusammenhang mit den ehemaligen Sowjetrepubliken hat. Alle russischen Anstrengungen sind heute auf die ukrainische Front konzentriert, weil man im Kreml versteht, dass man, wenn man diese Front verliert, auch den Einfluss im postsowjetischen Raum als solchen verliert. Von imperialen Träumen wird man sich verabschieden müssen.

Dass Aliyev nun Zelensky empfängt, den Präsidenten eines Landes, das mit Russland Krieg führt, das russische Ölraffinerien und Ölhäfen angreift, das militärische Objekte Russlands sogar in dessen eigenem Hoheitsgebiet trifft, dass er die territoriale Integrität der Ukraine unterstützt – das ist natürlich eine weitere laute Ohrfeige für Putin.

Und der Kreml-Diktator versteht sehr wohl das ganze Ausmaß seiner Demütigung sowohl durch den Präsidenten Aserbaidschans als auch durch den Präsidenten der Ukraine. Nur kann er vorerst nichts dagegen tun. Rache ist zwar Putins Lieblingsbeschäftigung, aber für jede Rache braucht man reale Kräfte und Möglichkeiten.

Währenddessen vereinbaren Aserbaidschan und die Ukraine eine Zusammenarbeit hinter dem Rücken der Russischen Föderation und, kann man sagen, auch hinter dem Rücken Irans, der nach Beginn des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen das Regime der Ayatollahs versucht hat, auch die politische Situation in Aserbaidschan zu destabilisieren.

Doch auch im Fall dieses wichtigen Verbündeten Russlands erlaubt sich Aliyev nun, in der Sprache von Ultimaten zu sprechen und an all jene Probleme zu erinnern, die für das iranische Regime entstehen könnten, wenn es sich ernsthaft mit Baku überwirft.

Aber auch der Schutz des aserbaidschanischen Himmels unter Bedingungen, in denen die Aktualität des Problems von Angriffen durch Drohnenschwärme offensichtlich wird, verstärkt das Interesse Bakus und Kyivs an partnerschaftlichen Beziehungen, was sich zumindest im Treffen des ukrainischen Präsidenten mit jenen ukrainischen Beratern widerspiegelte, die der aserbaidschanischen Armee helfen, selbst einer theoretischen Attacke seitens Irans zu widerstehen.

Und wiederum: warum seitens Irans? Wir verstehen, dass Russland von seinen Ambitionen im postsowjetischen Raum nicht abrücken wird, solange in diesem Land ein chauvinistisches tschekistisches Regime existiert. Und somit kann sich ein Drohnenschwarm aus Iran jederzeit in einen Drohnenschwarm aus Russland verwandeln, der Baku angreift. Eine solche Situation kann in den kommenden turbulenten Jahrzehnten ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.

Daher gibt es einen völlig nachvollziehbaren Ausweg aus der Situation, in der ehemalige Sowjetrepubliken in Moskau weiterhin nicht als souveräne Staaten wahrgenommen werden und in Ländern wie Iran oder der Volksrepublik China weiterhin als Partner gerade Russlands gelten. Die Antwort kann gerade in der Bündelung der Kräfte liegen.

Und Zelensky kann darüber hinaus seine Kontakte mit Aliyev für gemeinsame Gespräche mit amerikanischen Regierungsvertretern nutzen, die bekanntlich den Transportkorridor im Südkaukasus als eine der wichtigen perspektivischen Errungenschaften von Donald Trump betrachten. Allerdings bleibt das Schicksal dieses Korridors vor dem Hintergrund des amerikanisch-iranischen Krieges derzeit leider ungewiss.

Doch es gibt sehr viele offene Fragen, die umgesetzt werden könnten, wenn es gelingt, den Widerstand Pekings, Moskaus und Teherans zu überwinden. Und die Treffen in Aserbaidschan zeigen, wie dieser Widerstand durch gemeinsame Anstrengungen überwunden werden kann.

Natürlich ist dies nur einer der ersten Schritte, aber Schritte, die uns erneut daran erinnern, dass der postsowjetische Raum erodiert und dass neben Russland immer weniger Länder verbleiben, die bereit sind, mit seinem chauvinistischen Regime zu kooperieren. Und immer mehr Länder sind bereit, mit der Ukraine zu sprechen, selbst wenn sie wissen, dass dies den Hass und die Rache des Kremls hervorrufen wird.


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Autor: Vitaly Portnikov
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