Zelensky in Aserbaidschan: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 25.04.2026.

Der Besuch des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky in Aserbaidschan hat, kann man sagen, symbolischen Charakter. Zum ersten Mal seit Beginn des großen Krieges zwischen Russland und der Ukraine besucht der Präsident der Ukraine ein Land, das Mitglied der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten ist.

Wieder sehen wir eine Situation, die eine ernsthafte Schwächung der Position Russlands im postsowjetischen Raum     verdeutlicht. Es genügt, sich daran zu erinnern, was vor vier Jahren geschah, als Putin sich auf den Angriff auf unser Land vorbereitete. Genau damals, am 22. Februar 2022, befand sich der Präsident Aserbaidschans Ilham Aliyev zu einem Besuch in Moskau und unterzeichnete mit Putin die sogenannte Moskauer Deklaration über eine strategische Partnerschaft zwischen der Russischen Föderation und Aserbaidschan.

Diese Unterzeichnung fand buchstäblich wenige Stunden nachdem Putin feierlich die sogenannte Unabhängigkeit der Volksrepubliken des Donbas anerkannt hatte statt. Und alle waren sich bereits bewusst, dass er sich auf einen Angriff auf unser Land vorbereitete.

Ilham Aliyev sprach nach seinen Gesprächen mit Putin nicht einmal mit Journalisten. Der russische Präsident trat allein vor die Presse und sprach weniger über die russisch-aserbaidschanischen Beziehungen als über die Situation rund um die Ukraine. Und damals betonte man in Baku, dass das Dokument, das Aliyev und Putin unterzeichnet hatten, mehrere Monate lang vorbereitet worden war, man aber mit einer solchen Koinzidenz der Umstände nicht gerechnet hatte.

Es hätte auch eine andere politische Situation geben können. Beispielsweise hätte der aserbaidschanische Präsident, der das ganze Ausmaß der Aggressivität seines russischen Kollegen sah, es eilig gehabt, das Dokument zu unterzeichnen, weil er befürchtete, dass die russische Aggression nach der Ukraine auf jede andere ehemalige Sowjetrepublik übergreifen könnte. Auch auf Aserbaidschan. Doch seitdem hat Russland gezeigt, dass es buchstäblich vollständig im Krieg gegen die Ukraine gebunden ist und keine Kräfte mehr hat, um die ehemaligen Sowjetrepubliken einzuschüchtern.

Es hat sich eine völlig neue Kräfteverteilung im Südkaukasus herausgebildet. Aliyev erlaubt sich, mit Putin in einem ultimativen Ton zu sprechen und vom russischen Präsidenten eine Entschuldigung für den Abschuss eines aserbaidschanischen Zivilflugzeugs durch ein russisches Luftabwehrsystem zu verlangen. In Aserbaidschan werden russische Spione aus dem sogenannten Rossotrudnichestvo verhaftet, das bekanntlich eines der wichtigen diversiven und propagandistischen Zentren der Russischen Föderation im postsowjetischen Raum ist.

Und Russland ist gezwungen, die Souveränität Aserbaidschans anzuerkennen, nicht nur deshalb, weil zwischen Baku und Ankara beispiellose partnerschaftliche Beziehungen bestehen, sondern auch deshalb, weil Moskau selbst schlicht keine Kräfte für Aktivitäten im Zusammenhang mit den ehemaligen Sowjetrepubliken hat. Alle russischen Anstrengungen sind heute auf die ukrainische Front konzentriert, weil man im Kreml versteht, dass man, wenn man diese Front verliert, auch den Einfluss im postsowjetischen Raum als solchen verliert. Von imperialen Träumen wird man sich verabschieden müssen.

Dass Aliyev nun Zelensky empfängt, den Präsidenten eines Landes, das mit Russland Krieg führt, das russische Ölraffinerien und Ölhäfen angreift, das militärische Objekte Russlands sogar in dessen eigenem Hoheitsgebiet trifft, dass er die territoriale Integrität der Ukraine unterstützt – das ist natürlich eine weitere laute Ohrfeige für Putin.

Und der Kreml-Diktator versteht sehr wohl das ganze Ausmaß seiner Demütigung sowohl durch den Präsidenten Aserbaidschans als auch durch den Präsidenten der Ukraine. Nur kann er vorerst nichts dagegen tun. Rache ist zwar Putins Lieblingsbeschäftigung, aber für jede Rache braucht man reale Kräfte und Möglichkeiten.

Währenddessen vereinbaren Aserbaidschan und die Ukraine eine Zusammenarbeit hinter dem Rücken der Russischen Föderation und, kann man sagen, auch hinter dem Rücken Irans, der nach Beginn des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen das Regime der Ayatollahs versucht hat, auch die politische Situation in Aserbaidschan zu destabilisieren.

Doch auch im Fall dieses wichtigen Verbündeten Russlands erlaubt sich Aliyev nun, in der Sprache von Ultimaten zu sprechen und an all jene Probleme zu erinnern, die für das iranische Regime entstehen könnten, wenn es sich ernsthaft mit Baku überwirft.

Aber auch der Schutz des aserbaidschanischen Himmels unter Bedingungen, in denen die Aktualität des Problems von Angriffen durch Drohnenschwärme offensichtlich wird, verstärkt das Interesse Bakus und Kyivs an partnerschaftlichen Beziehungen, was sich zumindest im Treffen des ukrainischen Präsidenten mit jenen ukrainischen Beratern widerspiegelte, die der aserbaidschanischen Armee helfen, selbst einer theoretischen Attacke seitens Irans zu widerstehen.

Und wiederum: warum seitens Irans? Wir verstehen, dass Russland von seinen Ambitionen im postsowjetischen Raum nicht abrücken wird, solange in diesem Land ein chauvinistisches tschekistisches Regime existiert. Und somit kann sich ein Drohnenschwarm aus Iran jederzeit in einen Drohnenschwarm aus Russland verwandeln, der Baku angreift. Eine solche Situation kann in den kommenden turbulenten Jahrzehnten ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.

Daher gibt es einen völlig nachvollziehbaren Ausweg aus der Situation, in der ehemalige Sowjetrepubliken in Moskau weiterhin nicht als souveräne Staaten wahrgenommen werden und in Ländern wie Iran oder der Volksrepublik China weiterhin als Partner gerade Russlands gelten. Die Antwort kann gerade in der Bündelung der Kräfte liegen.

Und Zelensky kann darüber hinaus seine Kontakte mit Aliyev für gemeinsame Gespräche mit amerikanischen Regierungsvertretern nutzen, die bekanntlich den Transportkorridor im Südkaukasus als eine der wichtigen perspektivischen Errungenschaften von Donald Trump betrachten. Allerdings bleibt das Schicksal dieses Korridors vor dem Hintergrund des amerikanisch-iranischen Krieges derzeit leider ungewiss.

Doch es gibt sehr viele offene Fragen, die umgesetzt werden könnten, wenn es gelingt, den Widerstand Pekings, Moskaus und Teherans zu überwinden. Und die Treffen in Aserbaidschan zeigen, wie dieser Widerstand durch gemeinsame Anstrengungen überwunden werden kann.

Natürlich ist dies nur einer der ersten Schritte, aber Schritte, die uns erneut daran erinnern, dass der postsowjetische Raum erodiert und dass neben Russland immer weniger Länder verbleiben, die bereit sind, mit seinem chauvinistischen Regime zu kooperieren. Und immer mehr Länder sind bereit, mit der Ukraine zu sprechen, selbst wenn sie wissen, dass dies den Hass und die Rache des Kremls hervorrufen wird.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Зеленський в Азербайджані: головне |
Віталій Портников. 25.04.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 25.04.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Putin kuscht vor Aliyev | VitalyPortnikov. 29.12.24.

Putin hat zum zweiten Mal in den letzten Tagen mit Ilham Aliyev gesprochen. Diese zweite telefonische Unterredung fand praktisch unmittelbar nach der scharfen Kritik und den Vorwürfen des Präsidenten Aserbaidschans an Russland in einem Interview mit dem aserbaidschanischen Fernsehen statt.

Ich erinnere daran, dass Ilham Aliyev von Russland nicht nur die Entschuldigung für die Zerstörung des aserbaidschanischen Flugzeugs bei der Landung am Flughafen Grosny gefordert hat, sondern auch die Anmerkung der eigener Schuld für das Geschehene und die Bestrafung der Verantwortlichen.

Und dies, obwohl Russland sich immer noch nicht mit der Version einverstanden erklärt hat, dass sein eigenes System zur Luftabwehr das aserbaidschanische Flugzeug zerstört hat. Und Putin entschuldigte sich während des ersten Gesprächs mit Ilham Aliyev nicht für die Zerstörung des Flugzeugs, sondern dafür, dass der Vorfall im Luftraum der Russischen Föderation stattfand. Und zudem möchte ich daran erinnern, dass der russische Führer alles unternommen hat, um die Schuld auf die Ukraine zu schieben, als er seinen aserbaidschanischen Kollegen daran erinnerte, dass zu der Zeit, als das Flugzeug der aserbaidschanischen Airline sich den Flughäfen des russischen Nordkaukasus näherte, diese Flughäfen von ukrainischen Drohnen angegriffen wurden. Und dies bringt im Grunde Putins Handlungen näher an die Taktik Moskaus, nachdem eine russische Rakete 2014 anderes Passagierflugzeug zerstört hatte, das Flugzeug der Malaysia Airlines im Luftraum über dem Donbass, der damals bereits von russischen Besatzungen kontrolliert wurde.

Und natürlich glaubte man in Moskau, dass der aserbaidschanische Präsident mit dieser Version einverstanden sein würde und an den Versuchen teilnehmen würde, das russische Gesicht zu wahren. Aber Ilham Aliyev wählte einen ganz anderen Weg. Und in den russischen Medien wird bereits darüber gesprochen, dass seine harten Ansprüche gegenüber Putin in Wirklichkeit ein Beweis für den Rückgang des russischen Einflusses im Südkaukasus sind. Dieser Rückgang ist übrigens täglich zu beobachten und betrifft keineswegs nur Aserbaidschan. Das letzte Gespräch des Premierministers Armeniens Nikol Paschinjan mit dem belarussischen Führer Alexander Lukaschenko während des Gipfels der Eurasischen Wirtschaftsunion hat erneut gezeigt, dass auch in Jerewan die moskauer Schmeichler keineswegs respektiert werden. Und dass die armenische Regierung – ja. Überhaupt nicht plant, an irgendeinem Gipfel teilzunehmen, zu dem armenische Führungspersönlichkeiten nicht nur in Minsk, sondern auch in Moskau eingeladen werden. 

Es stellt sich die Frage, welche Schlussfolgerungen der russische Präsident aus diesem ergibt. Die Tatsache, dass er bereits zum zweiten Mal mit Ilham Aliyev spricht, zeigt, dass Putin sich unsicher fühlt. Und in einer Situation, in der Russland vor nur wenigen Tagen tatsächlich gezwungen war, das Scheitern seiner Positionen in Syrien anzuerkennen, wo sich der einstige Verbündete des Kremls, Baschar al-Assad, regierte, muss es der ganzen Welt auch noch den eigenen Verlust von Positionen im Südkaukasus demonstrieren.

Das ist selbst für Putin zu viel. Daher bin ich mir sicher, dass der russische Präsident jetzt versuchen wird, mit dem aserbaidschanischen Führer zu verhandeln, wie er sich mit seinen Bedingungen auseinandersetzen kann. So, dass er sein Gesicht wahren und nicht schuldhaft in der Situation erscheinen muss, die mit dem aserbaidschanischen Flugzeug entstanden ist. Irgendwelche Sündenböcke zu suchen, die als diejenigen angesehen werden, die das hohe Vertrauen von Wladimir Wladimirowitsch nicht gerechtfertigt haben.

Aber es könnte auch einen anderen Weg geben, den Konfrontationsweg. Der Weg, den Russland immer einschlägt, wenn es denkt, dass jemand sie nicht genug respektiert. Jetzt schlagen russische Propagandisten als erste Maßnahme zur Beeinflussung der aserbaidschanischen Führung vor, alle aserbaidschanischen Staatsbürger, die auf dem Gebiet der Russischen Föderation leben, aus Russland zu deportieren. Oder als Antwort auf die Entscheidung von Baku, die Aufenthaltsdauer der Staatsbürger der Russischen Föderation in diesem Land zu verkürzen, entsprechende und noch strengere Maßnahmen in Bezug auf die aserbaidschanischen Bürge zu ergreifen. Russland handelt so nicht zum ersten Mal. Während des russisch-georgischen Krieges waren die Bürger Georgiens unter Angriff, die buchstäblich aus dem Territorium der Russischen Föderation vertrieben wurden, selbst wenn die Menschen dort jahrelang lebten, sogar über jahrzehntelang.

Als der Konflikt mit der Ukraine begann, wurden genau solche Maßnahmen gegen die Bürger der Ukraine ergriffen. Und wir erinnern uns gut daran, wie die Ukrainer entweder aus dem Territorium der Russischen Föderation vertrieben wurden oder einer erniedrigenden Filterung an Flughäfen unterzogen wurden, aktivistische Mitglieder ukrainischer Organisationen, sogar Bürger der Russischen Föderation selbst, wurden faktisch gezwungen Russland zu verlassen.

Nun, mit den Aserbaidschanern war es immer so, dass man sie wie Menschen zweiter oder dritter Klasse behandelte. Es genügte, einfach zu beobachten, wie der Zugang zum Territorium Russlands für Passagiere eines beliebigen Fluges der Aserbaidschanischen Fluggesellschaft aus Baku erfolgt, um zu verstehen, wie die Menschen in der Russischen Föderation tatsächlich gegenüber den Bewohnern des benachbarten Landes eingestellt sind.

Und jetzt könnte dieser Xenophobie eine legale Grundlage gegeben werden, sie kann zur Staatsdoktrin werden und eine Erinnerung an den Präsidenten von Aserbaidschan sein, wie es ist, nicht respektvoll mit Putin zu sprechen, der sich anscheinend immer noch wie ein wahrer Zar auf dem Moskauer Thron fühlt, nicht nur für die Russische Föderation, sondern für die gesamte ehemalige Sowjetunion.

Und hier stellt sich, wie üblich, die interessanteste Frage, welche taktischen Maßnahmen Putin ergreifen wird, um sein Gesicht nicht zu verlieren nach dem resonanten Interview mit dem Präsidenten von Aserbaidschan. Sollte sich herausstellen, dass der russische Präsident keine Argumente hat, die Ilham Aliyev überzeugen könnten, und die einzige Möglichkeit, eine demonstrativ halbwegs gute Beziehung zu Aserbaidschan aufrechtzuerhalten, darin besteht, die übrigens völlig begründeten Bedingungen des Präsidenten der Republik Aserbaidschan zu erfüllen, weil es normal ist, wenn man ein Flugzeug zerstört, sich zu entschuldigen, die eigene Schuld anzuerkennen, die Schuldigen zu bestrafen und Entschädigungen zu zahlen. So hat es in der zivilisierten Welt immer stattgefunden und wird weiterhin stattfinden. Wenn sich also herausstellt, dass Russland sich genau entsprechend diesen logischen Bedingungen verhalten muss, wird dies ein weiteres Indiz dafür sein, dass der Einfluss Russlands nicht nur wöchentlich, sondern täglich schwindet. Und es gibt keine anderen Argumente, außer Drohnen und Raketen, um den Einfluss der Russischen Föderation zu beweisen. Und Drohnen und Raketen reichen nicht für alle.