Trump greift Meloni an | Vitaly Portnikov. 15.04.2026.

Noch vor kurzem schien die italienische Ministerpräsidentin und Führerin der Ultrarechten, Giorgia Meloni, die treueste Verbündete des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu sein. Die Nähe der ideologischen Ansichten, die persönliche Sympathie – all das führte dazu, dass sogar die Führer anderer europäischer Länder gerade auf Frau Meloni setzten, wenn es darum ging, einen besonderen Zugang zum Herzen des amerikanischen Präsidenten zu finden. Und Trump schien sich ebenfalls nicht lumpen zu lassen und überschüttete die Chefin der italienischen Regierung mit Komplimenten.

Doch nun hat sich alles ins Gegenteil verkehrt. Kein Tag vergeht ohne Kritik des Präsidenten der Vereinigten Staaten am italienischen Regierungschef. Zunächst unterstützte Giorgia Meloni den Nahostkrieg Donald Trumps nicht, und der amerikanische Präsident erinnert ständig daran und tat dies auch heute, indem er den italienischen Ministerpräsidenten erwähnte und betonte, dass die Beziehungen zu jenen Ländern, die ihn im Iran nicht unterstützt haben, nicht mehr so sein werden wie zuvor. Hinzu kam eine besondere Situation im Zusammenhang mit der Kritik, die Donald Trump am Papst Leo XIV. äußerte, indem er erklärte, ein solcher Papst sei für ihn nicht akzeptabel und der Pontifex verdanke ihm, Trump, überhaupt erst seinen Thron.

Natürlich konnte Giorgia Meloni nicht anders handeln. Der Krieg im Nahen Osten genießt in der italienischen Gesellschaft keine Popularität. Und was die Autorität des Papstes betrifft, so wäre es für jeden, selbst für den populärsten italienischen Politiker, politischer Selbstmord, die grobe Kritik am Pontifex zu ignorieren. Der Rating von Giorgia Meloni war stetig gesunken. Er war gesunken – und könnte nun wieder in etwa im gleichen Verhältnis steigen.

Warum? Weil wir bereits gesehen haben, dass, wenn Donald Trump oder sein Vizepräsident J. D. Vance jemanden in Europa unterstützen, dieser Politiker mit Unverständnis bei einem großen Teil der Wähler rechnen kann. Ein hervorragendes Beispiel ist die Unterstützung Donald Trumps für den umstrittenen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán sowie die Reise des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten J. D. Vance nach Budapest als Wahlkämpfer für Orbán. Wie bekannt ist, kostete diese Reise Orbán mehrere Prozentpunkte an Wählerunterstützung. Zumindest zeigten dies die ungarischen Vorwahlumfragen.

Auch viele andere europäische Politiker meiden derzeit Trump, wie der Teufel das Weihwasser, und verstehen, dass, wenn er jemanden kritisiert, dies höchstwahrscheinlich Sympathie gerade in dem Land hervorrufen wird, dessen Führung er angreift.

Etwas Ähnliches kann auch mit Giorgia Meloni geschehen. Sie hat erst kürzlich ein für sie bedeutendes Referendum über die Reform des Justizsystems verloren. Viele begannen zu sagen, dass es ihr kaum gelingen werde, ihre frühere Popularität zu bewahren. Und nun tritt die italienische Ministerpräsidentin in der Rolle der Verteidigerin der nationalen Souveränität und der Ehre des Papstes auf, der vom Präsidenten der Vereinigten Staaten beleidigt wird – und übrigens auch von dessen Vizepräsidenten, der weiterhin auf die Nachfolge hofft und zudem ein neu bekehrter Katholik ist.

Es ist klar, dass für viele Italiener diese Aussagen Donald Trumps ein echtes Gütesiegel darstellen werden, das bestätigt, dass sie sich nicht geirrt haben, als sie bei den Wahlen zum italienischen Parlament für die Partei von Giorgia Meloni gestimmt haben.

Schlimm ist etwas anderes: dass wir in eine Situation geraten sind, in der Äußerungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten über einen europäischen Politiker genau die entgegengesetzte Reaktion hervorrufen, als der amerikanische Präsident erwartet; dass die Unterstützung durch den Präsidenten eines Staates, der noch vor kurzem der wichtigste der demokratischen Welt war, bei den Wählern unweigerlich die Überzeugung erzeugt, dass dieser Politiker die nationalen Interessen nicht vertritt und überhaupt nicht das Land führen sollte. Und wenn der Präsident der Vereinigten Staaten sich mit beleidigenden Aussagen an einen europäischen Regierungschef richtet, dann bedeutet dies für den Wähler in Europa gerade, dass es sich um einen gefestigten politischen Akteur handelt.

Noch vor kurzem war alles anders. Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten sich zu einem Politiker oder einer öffentlichen Person äußerte, wurde dies ganz anders wahrgenommen, weil der Präsident der Vereinigten Staaten über etwas verfügte, das Donald Trump katastrophal fehlt – Respekt und moralische Autorität. 

Andererseits kann man sagen, dass Trump selbst nie nach dieser moralischen Autorität strebte. Sowohl er selbst als auch sein Vizepräsident J. D. Vance, Außenminister Marco Rubio und andere amerikanische Beamte haben wiederholt deutlich gemacht, dass von Moral in der Politik keine Rede sein könne. Mit genau solchen Aussagen wandte sich J. D. Vance, wie bekannt, in seiner beschämenden Rede auf der Münchner Konferenz an das Publikum. Mit ähnlichen Ausfällen trat Donald Trump vom Podium des Weltwirtschaftsforums in Davos auf.

Wenn also Unmoral als wichtigstes politisches Instrument vom Präsidenten der Vereinigten Staaten selbst formuliert wird und von jenen, die sich in seinem Umfeld bewegen, unterstützt wird, dann kann man sagen, dass auch die Europäer dem amerikanischen Präsidenten mit derselben Münze des mangelnden Respekts antworten können – in dem Verständnis, dass von Moral in der Politik, wenn es um Donald Trump geht, keine Rede sein kann. 

Deshalb würde ich an Stelle von Giorgia Meloni die herablassende Kritik Donald Trumps, die sie offensichtlich nicht verdient hat, nicht allzu ernst nehmen. Denn in Wirklichkeit kann diese Kritik zu einem echten politischen Geschenk für die italienische Ministerpräsidentin werden, nicht nur ihre Amtszeit verlängern, sondern auch ihre Chancen auf politisches Überleben selbst dann sichern, wenn man Donald Trump und seine politische Karriere bereits zu vergessen beginnt.

Und ich habe den Verdacht, dass kein zukünftiger Präsident der Vereinigten Staaten sich erlauben wird, sich in derart grober Weise über Kollegen zu äußern, mit denen die Vereinigten Staaten strategische Beziehungen verbinden. Denn letztlich bleiben – ungeachtet aller Ausfälle, die wir seit Trumps Rückkehr ins Oval Office hören – die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten unverändert, und die Sicherheit dieses Landes hängt von den Positionen ab, die die Vereinigten Staaten in ihren Beziehungen zu europäischen Partnern einnehmen, insbesondere wenn es um Sicherheit geht.

Und diese Wahrheit lässt sich durch keine Inkompetenz und Parteilichkeit Donald Trumps auslöschen, der hartnäckig versucht, so offensichtliche, durch die Zeit und vor allem durch zwei Weltkriege bestätigte Fakten zu ignorieren, die den Amerikanern eigentlich hätten zeigen müssen, wie wichtig Europa für das Überleben der Vereinigten Staaten selbst ist. Doch für Menschen wie Donald Trump, wie bekannt, existieren historische Beweise nicht.


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Titel des Originals: Трамп атакует Мелони | Виталий Портников. 15.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 15.04.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Die Niederlage Orbáns: Europa verschwindet nicht. Vitaly Portnikov. 13.04.2026.

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Die wichtigste Schlussfolgerung, die die Regierung der Vereinigten Staaten aus den Ergebnissen der Parlamentswahlen in Ungarn und dem erschütternden Fiasko von Viktor Orbán ziehen könnte, ist: Europa verschwindet nicht, und die Bürger der Länder der Europäischen Union wollen Europäer sein. Über viele Jahre hinweg hat der ungarische Ministerpräsident gerade die antieuropäische Idee ausgebeutet und vielleicht gerade deshalb eine solche Wertschätzung sowohl seitens des amerikanischen Präsidenten Donald Trump als auch seitens des russischen Führers Putin verdient. Denn, so seltsam es auch erscheinen mag, an der Schwächung der Europäischen Union sind fast gleichermaßen Washington, Moskau und sogar Peking interessiert. Natürlich ist es mit jedem einzelnen europäischen Staat leichter umzugehen als mit einem vereinten Block europäischer Staaten. Aber mir scheint, dass eine solche Logik vor allem autoritären oder totalitären Regimen eigen sein sollte, während das größte demokratische Land der Welt – die Vereinigten Staaten – gerade an einer Zusammenarbeit mit demokratischen europäischen Staaten interessiert sein sollten, die in einer effektiven Union vereint sind.

Während seiner Amtszeit als Ministerpräsident hat Orbán alles Mögliche getan, um die Einheit dieser Union zu untergraben, und wie wir sehen, hat er seine Absichten gegenüber Putin nicht verheimlicht. Zu seinen letzten Entscheidungen im Amt gehörte auch die Blockade europäischer Hilfe für die Ukraine, obwohl diese Hilfe nicht nur im Interesse der Ukraine selbst lag, die Unterstützung für ihre durch den Krieg erschöpfte Wirtschaft benötigt, sondern auch im Interesse Europas, das die Ambitionen Russlands einfach eindämmen muss. Es ist geradezu paradox, dass der Ministerpräsident eines Landes, dem die Russen so oft die Freiheit genommen haben, wie ein Politiker im Sinne des Kremls handelte. Es ist geradezu paradox, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, der Orbán öffentlich vor den Wahlen unterstützte und sogar seinen eigenen Vizepräsidenten nach Budapest schickte, um für Orbáns Partei zu werben, diese Unterstützung und seine persönlichen Beziehungen zum ungarischen Ministerpräsidenten nicht nutzte, um ihn davon zu überzeugen, auf dieses Veto zu verzichten. Und es ist erstaunlich, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, der die Europäer jahrelang davon überzeugte, auf russisches Öl und Gas zu verzichten, jedes Mal die Augen verschloss, wenn es um den Kauf russischer Energieträger durch Ungarn ging. Dabei ist inzwischen offensichtlich, dass Putin dieses angeblich billige russische Öl gegen politische Unterstützung und die Förderung eines korrupten Mechanismus im ungarischen Staat eintauschte.

Orbáns Herrschaft hat der Ukraine tatsächlich teuer zu stehen gekommen. Es gab keinerlei Gründe für eine Verschlechterung der ungarisch-ukrainischen Beziehungen, außer einem – der Bereitschaft Budapests, Moskau zu unterstützen. Es gab keinerlei Anlass, die Ukraine der Missachtung der Rechte der ungarischen Minderheit in Transkarpatien zu beschuldigen. Doch Orbán äußerte nicht nur solche Vorwürfe, sondern investierte auch Ressourcen in die Schaffung einer entsprechenden politischen Atmosphäre in der Grenzregion der Ukraine. Und das, obwohl die Ungarn in Transkarpatien eine der wenigen nationalen Gemeinschaften Europas geblieben sind, denen es gelungen ist, ihre Muttersprache, ihre nationalen Traditionen, ihre Bildung und ihre politische Vertretung zu bewahren – und das alles auf ukrainischem Boden. Ich habe dem ungarischen Ministerpräsidenten einst geraten, sich für das Schicksal zweier anderer ungarischer Völker zu interessieren – der Chanten und der Mansen, die auf dem Territorium Russlands leben. Unter Putin haben sie endgültig nicht nur ihre eigene Sprache verloren, sondern auch die Fähigkeit, Gedichte und Prosa ihrer eigenen Schriftsteller zu lesen, und sogar die scheinbaren Attribute einer eigenen nationalen Staatlichkeit – obwohl diese Völker auf einem Gebiet leben, das in seinem Reichtum mit den Vereinigten Arabischen Emiraten vergleichbar ist und ihnen zumindest gewisse Entwicklungsmöglichkeiten bieten könnte. Doch statt die ungarischen Völker gegenüber Putin zu verteidigen, versuchte Orbán, mit den Problemen der Ungarn in Transkarpatien gegenüber Poroschenko oder Volodymyr Zelensky zu spekulieren. Und das zeigt einmal mehr die Unaufrichtigkeit eines Politikers, der mehr prorussisch als proungarisch war. Und natürlich auch mehr prorussisch als proamerikanisch.

Auch daraus sollte Trump Schlüsse ziehen, wenn es ihm gelingen würde, die Augen zu öffnen: Menschen, die gegen die europäische Einheit arbeiten, werden niemals wirklich an die globalen Interessen der Vereinigten Staaten denken. Solchen Politikern ist Moskau viel näher als Washington.


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Titel des Originals: Поразка Орбана: Європа не зникає. Віталій Портников. 13.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 13.04.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Die letzten Öltanker: Was weiter | Vitaly Portnikov. 14.04.2026.

Die letzten Tanker mit Vorkriegsöl nähern sich jetzt ihren Bestimmungshäfen. Damit nähern wir uns jener roten Linie, über die wir mit Ihnen praktisch seit den ersten Wochen des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran sprechen. Wir sprechen davon, dass man heute in Wirklichkeit noch nicht sagen kann, dass wir bereits auf einen Ölmangel getroffen sind, und dass dieser Anstieg der Ölpreise an den Börsen, den wir alle in den ersten Wochen des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran beobachtet haben, nicht die reale Situation auf dem Energiemarkt widerspiegelte, sondern vor allem mit den Erwartungen der Ölhändler verbunden war.

Und auch der jetzige Rückgang des Ölpreises hängt nicht mit dem zusammen, was in der Situation geschieht, die wir alle beobachten, wenn wir über die Energiekrise in der Welt sprechen. Denn jetzt können die Ölhändler gerade darauf hoffen, dass es den Vereinigten Staaten und dem Iran gelingen wird, sich zu einigen, und dass dadurch die Straße von Hormus freigegeben wird und zusammen mit dem Ende der Blockade wieder Supertanker mit Öl erscheinen und sich die Energiesituation in der Welt verbessert.

Aber heute können wir eine ziemlich einfache und verständliche Situation feststellen. Die letzten Tanker mit Öl werden entladen. Die Menge an Öl, die in diesem letzten Monat durch die Straße von Hormus gegangen ist, nähert sich null. Damit wird in der Welt in einigen Wochen ein offensichtlicher Ölmangel zu beobachten sein, weil das Öl, das jetzt auf die Weltmärkte geliefert wird, einfach nicht ausreichen wird, um den Bedarf jener Länder zu decken, die früher über die Route durch Hormus Öl erhielten. Und schon jetzt laufen in Asien, kann man sagen, die letzten Kämpfe um den Erhalt jenes Öls, das es noch geschafft hat, vor der Blockade der Straße von Hormus durch das iranische Korps der Islamischen Revolutionsgarden durchzukommen.

Aber nachdem das Öl endgültig verteilt sein wird, beginnt eine völlig neue Energieepoche. Ja, man kann sich vorstellen, dass die europäischen Länder versuchen werden, ihre strategischen Ölreserven freizugeben. Man kann annehmen, dass auch die Vereinigten Staaten zu solchen Maßnahmen greifen könnten. Aber auch hier stellt sich die Frage, wie lange diese strategischen Reserven reichen werden und wie das die Lage in der Welt real verändern wird.

In jedem Fall bleiben jetzt nur noch einige Varianten der weiteren Entwicklung der Ereignisse, die mit Blick auf die Folgen und Ergebnisse des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran bestimmend sein werden.

Die erste ist, dass die Verhandlungen doch noch ein Ergebnis bringen. Wie ich bereits gesagt habe, setzen die Ölhändler große Hoffnungen auf diese Verhandlungen. Pakistan bereitet weiterhin möglicherweise ein neues Treffen zwischen der iranischen und der amerikanischen Delegation vor, bevor der von Donald Trump verkündete zweiwöchige Waffenstillstand endgültig ausläuft. Wir haben diesen Termin fast schon vergessen, weil unmittelbar danach Verhandlungen zwischen der amerikanischen und der iranischen Delegation stattfanden, die zu keinerlei konkreten Ergebnissen führten.

Aber hier stellt sich eine ziemlich einfache Frage: Wenn diese zwei Wochen enden, wird Donald Trump sich dann daran erinnern? Was wird er tun, nachdem der Waffenstillstand ohne irgendwelche realen Ergebnisse und Vereinbarungen endet? Auf den ersten Blick sind Trump und sein Vizepräsident J. D. Vance, der die Delegation der Vereinigten Staaten bei diesen Verhandlungen leitet, nun ausreichend friedfertig gestimmt. Und sie sprechen davon, dass, ich zitiere den Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, die Vereinigten Staaten ihre Hauptziele in dieser Operation bereits erreicht hätten und beabsichtigten, sie zurückzufahren.

Aber wie können die Vereinigten Staaten ihre Operation gegen den Iran zurückfahren, wenn die Straße von Hormus blockiert bleibt und damit die Ölpreise nicht nur in den Ländern Europas und Asiens, sondern natürlich auch in den Vereinigten Staaten von Amerika steigen werden? Und das vor den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress, die zu einer politischen Katastrophe für Donald Trump werden könnten. Etwas Ähnliches hat der amerikanische Präsident bereits am Beispiel seines alten Freundes Viktor Orbán gesehen, der buchstäblich an diesem Sonntag bei den Parlamentswahlen in Ungarn ein vernichtendes Fiasko erlitt.

Und es ist offensichtlich, dass Trump, der Orbán leidenschaftlich unterstützte und ihm sogar den amerikanischen Vizepräsidenten J. D. Vance zur Unterstützung schickte, ganz klar nicht mit einem solchen Zusammenbruch seines langjährigen Anhängers und Verbündeten gerechnet hatte. Was immer er schon nach dem Ende des Kampfes in Ungarn und dem Sieg der Opposition sagt. Das ist auch eine Lehre für Trump und ein ziemlich wichtiger Trigger für ihn, ebenso wie für den russischen Diktator Putin. Ein wichtiger Trigger, der Putins Haltung zur Politik und zur Situation in Russland selbst veränderte, war der Arabische Frühling mit der Zerstörung diktatorischer Regime in vielen Ländern und dem Tod eines wichtigen Verbündeten der Russischen Föderation, des libyschen Tyrannen Muammar al-Gaddafi. Bedingt gesagt: Als Putin die Aufnahmen der letzten Minuten Gaddafis sah, traf er endgültig die Entscheidung, sein Regime in ein totalitäres und gegenüber jeglichen oppositionellen Erscheinungen gnadenloses zu verwandeln.

Trump hat natürlich eine andere Reaktion. Er begreift, dass ihm, wenn es ihm nicht gelingt, die Lage der amerikanischen Wirtschaft zu verbessern, sogar seine Basis, das sogenannte Make America Great Again, ihm einen Krieg nicht verzeihen wird, der zu einer erheblichen Verschlechterung des Lebensstandards der Amerikaner führt. Natürlich wird diese Verschlechterung bereits beginnen, und nichts kann sie verhindern. Aber die Frage liegt im Ausmaß einer solchen Verschlechterung. Denn es gibt eine Verschlechterung, die man mit ideologischen Motiven erklären kann, etwa mit der Notwendigkeit, die Welt von einem tyrannischen iranischen Regime zu befreien, oder zumindest den Versuch dazu. Und es gibt eine Verschlechterung, bei der die Menschen überhaupt nicht an außenpolitische Motive denken, weil sie gezwungen sind, Fragen ihres eigenen Überlebens zu lösen. Und natürlich übertragen sie ihre Lebensprobleme auf den Politiker, den sie für schuldig an ihrer Lebenskatastrophe halten. Und offensichtlich scheint es, dass dieser Politiker gerade Donald Trump sein wird.

Aber es stellt sich die Frage: Selbst wenn die Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran wieder aufgenommen werden, können sie zu irgendeinem realen Ergebnis führen? Denn wir sehen, dass das Korps der Islamischen Revolutionsgarden für den Sommer ganz andere Pläne hat. Das Korps hofft, die politische Autorität Donald Trumps zu zerstören. Und warum gerade ihn? In Teheran ist man der Auffassung, dass gerade dieser amerikanische Präsident ein leidenschaftlicher Anhänger Israels ist und unter dem Einfluss des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu handelt. Und der Einfluss des israelischen Premierministers auf Trump ist mit dem Einfluss, den Benjamin Netanyahu auf frühere amerikanische Präsidenten hatte, überhaupt nicht zu vergleichen. Wenn man also der politischen Karriere Donald Trumps einen Punkt setzen und ihn für die Amerikaner in ein Symbol ihres eigenen wirtschaftlichen Zusammenbruchs verwandeln kann, dann wird sich jeder andere amerikanische Präsident, selbst wenn es ein Republikaner aus dem trumpistischen Lager sein sollte, mit Blick auf israelische Wünsche viel vorsichtiger verhalten. Und die Geschichte mit dem Krieg gegen den Iran wird zu einer Lehre für alle künftigen Präsidentschaftsadministrationen werden.

Die Tatsache, dass sich die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahren ganz und gar nicht zugunsten Israels verändert, und wir bereits soziologische Umfragen gesehen haben, in denen zum ersten Mal in der Geschichte Amerikas die Mehrheit der Amerikaner nicht die Israelis, sondern die Palästinenser unterstützte bei der Antwort auf die Frage, wem sie im Nahostkonflikt mehr Sympathie entgegenbringt, schafft bei den Iranern natürlich zumindest die Hoffnung, dass die Zerstörung Trumps und des Trumpismus ihnen den Weg für einen ernsthafteren Kampf gegen Israel und sogar zur Zerstörung des jüdischen Staates öffnen wird, was bekanntlich ein wichtiger Teil des politischen Programms der Islamischen Republik ist. Und wiederum wächst mit dem Auftreten militärischer Radikaler an der Spitze der politischen Maschinerie Irans dieses Verlangen, der Existenz Israels ein Ende zu setzen, nur noch weiter. Auch das muss man sich bewusst machen.

Also, was haben wir im Ergebnis? Wir haben im Ergebnis die Vereinigten Staaten, die sich mit dem Iran auf einen Verzicht des Iran auf das Atomprogramm, auf einen Verzicht auf das Raketenprogramm Teherans und auf die Freigabe der Straße von Hormus einigen möchten. Und wir sehen den Iran, der möchte, dass die Vereinigten Staaten ihm Reparationen zahlen und sich selbst als Aggressor anerkennen, damit ihm so erlaubt wird, das Atomprogramm fortzusetzen, zumindest in den Kategorien des friedlichen Atoms, auf denen der Iran immer bestanden hat. Und dass in dieser Situation auch Möglichkeiten geschaffen werden, die dem Iran Chancen auf die Aufhebung der gegen ihn verhängten Sanktionen und auf legalen Ölhandel geben würden.

Und natürlich wachsen diese Forderungen Irans mit jedem Tag. Heute wandte sich die Islamische Republik an die Länder des Persischen Golfs mit der Forderung, ihr Reparationen zu zahlen, weil von den Territorien dieser Länder aus ein Angriff auf den Iran durchgeführt wurde. Und offensichtlich ist das nicht nur ein Wunsch, sondern auch eine Erpressung im Vorfeld einer möglichen Eskalation auf regionaler Ebene, die es dem Iran schließlich erlauben würde, neue Angriffe auf die Öl- und Gasinfrastruktur dieser Länder oder auf ihre Entsalzungsanlagen zu beginnen, was den Nahen Osten innerhalb weniger Wochen in eine Wüste verwandeln und seiner Ölverarbeitung ein Ende setzen könnte. Natürlich wünscht sich das niemand, aber was wird sein, wenn die Verhandlungen scheitern, und das ist ein völlig realer Verlauf der Ereignisse? Wird Donald Trump zu einer neuen militärischen Eskalation bereit sein? Und was am wichtigsten ist: Wird diese militärische Eskalation mit Schlägen der Vereinigten Staaten gegen den Iran tatsächlich zu einer schnellen Freigabe der Straße von Hormus führen?

Wir müssen jetzt verstehen, dass die Vereinigten Staaten im Gebiet der Straße von Hormus und des Persischen Golfs die größte Marineeskadre in der Geschichte des 21. Jahrhunderts zusammengezogen haben. Und damit kann Trump auf die planmäßige Zerstörung der iranischen Energieinfrastruktur und auf die Erzwingung eines Friedens zu amerikanischen Bedingungen durch das Regime der Ajatollahs setzen. Zugleich behaupten viele Experten, dass Donald Trump in Wirklichkeit nicht über die militärischen Möglichkeiten verfügt, die Straße von Hormus mit Gewalt freizubekommen. Zumindest ist das nicht schnell zu machen. Und das kann einige Monate in Anspruch nehmen, die der Iran gerade braucht, um die Wirtschaft der Vereinigten Staaten in einen blassen Schatten zu verwandeln und dafür zu sorgen, dass in den Geldbörsen der Amerikaner viel weniger Dollar sind in dem Moment, in dem sie zu den Wahllokalen gehen. Das ist das enorme Problem jeder Demokratie: auf Wahlen Rücksicht zu nehmen, wenn man auf das Überleben Rücksicht nehmen müsste. Und die iranischen Ajatollahs müssen, wie wir verstehen, an Wahlen nicht denken.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Vereinigten Staaten von neuen massierten Schlägen gegen den Iran absehen könnten, einfach weil sie möglicherweise der Auffassung sind, dass in diesen Schlägen kein realer Sinn läge, zugleich aber bereit wären, die Straße von Hormus weiter zu blockieren, damit der Iran auch sein eigenes Öl nicht ausführen kann und so amerikanischen Bedingungen zustimmt. Aber die Frage ist, dass der Iran erstens offensichtlich eine gewisse Zeit mit der Ausfuhr seines eigenen Öls warten kann, wenn es um die Vernichtung des Feindes geht. Die iranische Gesellschaft, die faktisch von militärischen Radikalen aus dem IRGC kontrolliert wird, kann einfach damit einverstanden sein, dass Warten besser ist, als einen Kompromiss einzugehen. Und zweitens gibt es für den Iran alternative Wege, sein Öl in die Volksrepublik China zu verkaufen.

Und dabei muss man sich daran erinnern, dass China sein System der Zusammenarbeit mit dem Iran so aufgebaut hat, dass es überhaupt an jeglichen Sanktionsmechanismen der Vereinigten Staaten vorbeigeht. Der Iran rechnet für das Öl, das er von der Volksrepublik China erhält, in Yuan ab. All diese Zahlungen gehen nicht durch amerikanische internationale Systeme. Dieses Geld wird von einem konkreten System von Raffinerien gezahlt, die gerade mit iranischem Öl arbeiten. Das heißt, dort ist alles so geschaffen worden, dass Donald Trump dem Regime der Ajatollahs und natürlich Xi Jinping in keiner Weise Steine in den Weg legen konnte. Nun, und das Wichtigste: Praktisch die Mehrheit der Länder, die jetzt in diese Thematik einbezogen sind, tritt gegen die amerikanische Blockade der Straße von Hormus auf. Genau das ist der Trick: nicht gegen die iranische, sondern gegen die amerikanische, gegen den Umstand, dass die Vereinigten Staaten eine doppelte Blockade der Meerenge einführen und Tanker nicht durchlassen, die der Iran durchlässt. Viele europäische Länder sind faktisch dagegen aufgetreten und haben mitgeteilt, dass sie diese Blockade nicht unterstützen und Donald Trump nicht dabei helfen werden, die Straße von Hormus freizubekommen.

Gegen die Blockierung der Straße von Hormus gerade durch die Vereinigten Staaten hat sich die Volksrepublik China ausgesprochen. Und ich habe Grund zu der Annahme, dass eines der Instrumente des Einflusses auf Donald Trump seitens des Vorsitzenden der Volksrepublik China Xi Jinping die Weigerung sein wird, den amerikanischen Präsidenten in die chinesische Hauptstadt einzuladen. Und Trump ist an diesem Besuch interessiert, um den Amerikanern zu zeigen, dass er mit dem wichtigsten wirtschaftlichen und geopolitischen Konkurrenten der Vereinigten Staaten zu einer Verständigung gelangen kann. Nun und noch ein wichtiger Punkt: Gegen diese Blockade kann Saudi-Arabien auftreten. Warum? Saudi-Arabien hat den Prozess der Öllieferungen bereits praktisch fast vollständig auf das Niveau der Vorkriegszeit gebracht. Das bedeutet im Prinzip, dass es sowohl jene Pipelines nutzen kann, die in den letzten Wochen wieder in Betrieb genommen wurden. Allerdings sind diese Pipelines ziemlich unzuverlässige Routen, weil sie bereits vom Iran angegriffen wurden und erneut angegriffen werden können. Aber es gibt auch die Route durch den Sueskanal und die Bab-al-Mandab-Straße, die heute für Saudi-Arabien und damit auch für das Weltöl der Lebensweg ist. Wenn die Blockade der Straße von Hormus durch die Vereinigten Staaten andauert, könnte die Gefahr entstehen, dass die Bab-al-Mandab-Straße von den Verbündeten Irans, den jemenitischen Huthi, angegriffen und blockiert wird, die bereits damit gedroht haben, dies zu tun, es aber bislang nicht getan haben. Und Saudi-Arabien verlangt von Donald Trump laut Berichten der Weltmedien, seine Blockade zu beenden, aus Angst, dass die Antwort des Iran in Form einer Blockade der Bab-al-Mandab-Straße, durch die 12 % des Weltöls laufen, so schwerwiegend sein könnte, dass die Welt im Prinzip auf dem Markt in eine absolute Abwesenheit von Öl als solchem geraten wird.

Es ist also unbekannt, wie lange Trump die Frage mit dem Iran einfach durch eine Blockade der Straße von Hormus lösen können wird. So oder so wird der Tag kommen, an dem der amerikanische Präsident handeln oder sich mit dem Iran zu Bedingungen verständigen muss, die faktisch wie eine politische Niederlage seiner Administration und zugleich wie eine politische Niederlage Israels aussehen werden, noch dazu vor dem Hintergrund, dass es nicht gelingt, die Lage an der Nordgrenze dieses Landes zu stabilisieren. Und die terroristische Organisation Hisbollah setzt die Beschießung des Nordens Israels fort. Oder aber die militärische Operation wird mit völlig unvorhersehbaren Folgen dieser Verstärkung für die Weltwirtschaft verschärft.

Vor diesem Hintergrund Russland. Einerseits ist der Preis für russisches Öl der Marke Urals in diesem Monat um 42 % gestiegen, was dem Präsidenten der Russischen Föderation Putin theoretisch die Hoffnung hätte geben müssen, dass sein Regime aus dem Defizitniveau herauskommt, das 2026 kritisch zu werden versprach und Putins weitere Pläne eines jahrelangen unbefristeten Krieges gegen die von ihm gehasste Ukraine infrage zu stellen drohte. Andererseits haben die ukrainischen Streitkräfte trotz der offensichtlichen Wünsche unserer Partner, über die der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky bereits öffentlich gesprochen hat, und wir wissen, welche Partner das sind, Angriffe auf russische Ölterminals und auf die russische Ölverarbeitung begonnen. Das sind erfolgreiche Angriffe. Ich hoffe, dass sie auch künftig fortgesetzt werden. Und somit muss Russland sowohl die Öllieferungen als auch die Ölverarbeitung praktisch um die Hälfte reduzieren und wird auch die Ölförderung reduzieren müssen, weil es selbst unter den Bedingungen dieser Förderung keine Möglichkeit gibt, Öl zu lagern oder irgendwohin zu liefern.

Jenes Öl, dessen Verkauf Russland vom Finanzministerium der Vereinigten Staaten gestattet wurde, war nicht das Öl, das durch die von den Streitkräften der Ukraine zerstörten russischen Ölhäfen Ust-Luga und Primorsk lief. Das war jenes Öl, das die Russen vor Beginn des russisch-ukrainischen Krieges aufs Meer hinausgebracht hatten. Das heißt, praktisch lässt sich das mit dem Effekt der Durchfahrt von Tankern durch die Straße von Hormus vergleichen. Und in dieser Situation hat Russland, wie wir ausgezeichnet verstehen, keine neuen Mengen mehr, um weiterhin Öl auf den Tankern seiner Schattenflotte zu verkaufen. Natürlich war ich sehr daran interessiert zu erfahren, warum Russland diese Tanker in solcher Menge noch vor dem Beginn des Krieges mit dem Iran hinausgeführt hat. Entweder weil seine Analysten, zumindest in den Geheimdiensten, die Bereitschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu einer großen Eskalation begriffen und vorausgesehen haben, dass das Ergebnis dieser Eskalation ein unvermeidlicher Anstieg des Ölpreises sein würde. Oder aber sie erhielten vertrauliche Informationen von der amerikanischen Administration über deren Absichten gegenüber dem Iran. Oder aber die Geheimdienste haben funktioniert. Wir können annehmen, dass sich im Umfeld des Präsidenten der Vereinigten Staaten Leute befinden, die Putin Informationen liefern, so wie sie ihm etwa der nunmehr fast Ex-Außenminister Ungarns Péter Szijjártó lieferte, der als ganz gewöhnlicher russischer Agent auftrat.

Ich weiß es nicht, aber die Tatsache bleibt eine Tatsache. Sofort nachdem der Krieg der Vereinigten Staaten mit dem Iran begonnen hatte, ruft der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump Putin an. Und das Ergebnis dieses Gesprächs wird eine zeitweilige Erlaubnis des Finanzministeriums der Vereinigten Staaten für die Russen, Öl von jenen Tankern zu verkaufen, die sich auf See befanden. Und natürlich haben die Russen daran reichlich verdient. Aber interessant ist, dass diese Anordnung, diese Erlaubnis, die bereits vor zwei Tagen auslief, vom Finanzministerium nicht erneuert wurde. Und nun ist interessant, warum. Zuvor hatten sich Vertreter des amerikanischen Kongresses an den Finanzminister der Vereinigten Staaten, Scott Bessent, mit der Forderung gewandt, die Erlaubnis für Russland zum Verkauf seines Öls nicht zu verlängern. Als in den amerikanischen Medien die naheliegende Frage an das Finanzministerium der Vereinigten Staaten auftauchte, was mit der Lizenz geschehen werde, die Bessent Russland zum Verkauf seines Öls erteilt hatte, beantwortete das Finanzministerium diese Frage nicht, betonte aber, dass die Lizenz nur vorübergehend erteilt worden sei und es keinerlei Grundlagen gebe anzunehmen, dass sie erneut erteilt werde. Somit können wir mit Ihnen davon sprechen, dass Russland sich derzeit wieder auf dem Niveau amerikanischer Sanktionen befindet, das vor Beginn des großen Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran bestand. Ich weiß nicht, aus welchen Gründen die Amerikaner beschlossen haben, die Lizenz nicht zu verlängern.

Das kann ein klares Verständnis der Führung der Vereinigten Staaten davon sein, dass die Russische Föderation dem Iran im Krieg mit den Vereinigten Staaten hilft, indem sie ihm Aufklärungsinformationen liefert, die die Iraner für die Zerstörung amerikanischer Militärobjekte und für Schläge gegen die Infrastruktur der Länder des Persischen Golfs benötigen. Und wir sehen Beweise dafür, dass russische Satelliten eigens für die Iraner die Informationen fotografieren, die sie brauchen. Nun und natürlich kann es auch um Waffenlieferungen aus der Russischen Föderation an den Iran gehen, weil wir verstehen, dass es im Prinzip im Interesse des Präsidenten der Russischen Föderation liegt, den Krieg möglichst lange fortzusetzen, damit die Ölpreise weiter steigen. Putin muss die Iraner unterstützen. Putin muss, dass sie den Amerikanern Widerstand leisten und auf die Länder des Persischen Golfs schlagen, denn all das bedeutet steigende Ölpreise. Das ist ein völlig logisches Kalkül. Aber jetzt könnte das für Putin schon nicht mehr so vorteilhaft sein, weil auch er sich unter amerikanischen Sanktionen wiederfindet, die ihm einfach nicht erlauben werden, selbst jenes Öl zu verkaufen, das er noch nicht verkauft hat. Nun oder illegal, aber jetzt sind nicht viele bereit, in Kenntnis des Charakters von Präsident Trump russisches Öl illegal zu kaufen, jedenfalls nicht in Ländern wie Indien.

Nun, oder es ist Chaos. Auch das kann sein. Wir sehen jetzt, dass infolge dieses Krieges und infolge dessen, dass Donald Trump und seine Gefolgsleute die zahlreichen Überraschungen des Iran nicht erwartet hatten, die Analysten viele Jahre vor dem Beginn von all dem vorausgesehen hatten. Die Schließung der Straße von Hormus, die Möglichkeit iranischer Schläge gegen die Länder des Persischen Golfs — all das figurierte in Berichten der amerikanischen Nachrichtengemeinschaft, die Donald Trump nicht liest, weil, wie wir wissen, der amerikanische Präsident nur Videos anschaut und aus dem einen oder anderen Grund, physischer oder psychologischer Natur, keine Dokumente liest, in denen darüber berichtet wird, welche realen und nicht von ihm und seinen engsten Gefolgsleuten erfundenen Ergebnisse sein Handeln haben wird.

So könnte Russland hier große Möglichkeiten eben gerade nicht haben, was natürlich die an sich völlig unglaublichen Folgen dieser Energiekrise für die ganze Welt nicht aufhebt. Man muss auch an einen anderen Stoff im Zusammenhang mit russischem Öl erinnern, der heute bereits gemeldet wurde, vom Präsidenten Volodymyr Zelensky während seiner gemeinsamen Pressekonferenz mit dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz. Dieser Stoff hängt mit der Druschba-Pipeline zusammen. Buchstäblich zwei Tage nachdem die Niederlage Viktor Orbáns bekannt geworden war, der ein Anhänger der sofortigen Wiederaufnahme des Betriebs der Druschba war und gerade damit, dass sie nicht funktioniert, sein Unwillen erklärte, den 90-Milliarden-Kredit für die Ukraine freizugeben, teilte der ukrainische Präsident mit, dass die Druschba bereits bis Ende April repariert werden könne. Er betonte, dass die Ukraine nicht die gesamte Infrastruktur vollständig reparieren könne, dass aber die Druschba als Ölpipeline arbeiten könne.

Natürlich gibt es vom moralischen Standpunkt aus hier viele Fragen, warum die Ukraine überhaupt durch ihr Gebiet russisches Öl pumpen soll, Geld, mit dem dem Präsidenten Russlands geholfen wird, den Krieg gegen unser Land fortzusetzen. Aber andererseits verstehen wir ausgezeichnet, dass die Europäische Kommission die Ansprüche sowohl der neuen ungarischen Regierung unter Führung von Premierminister Péter Magyar als auch der slowakischen Regierung unter Führung von Premierminister Robert Fico endgültig ausräumen muss. Es ist offensichtlich, dass Fico, wenn die Druschba repariert ist, keine Möglichkeiten mehr haben wird, die Blockierung dieser 90 Milliarden, die die Ukraine jetzt für ihr wirtschaftliches Überleben braucht, zum Thema zu machen. Und Magyar betont überhaupt schon in seinen ersten Antworten auf Fragen von Journalisten nach dem Sieg seiner Partei Tisza bei den Parlamentswahlen in Ungarn die Notwendigkeit einer Diversifizierung der Öllieferungen nach Ungarn.

Vom Standpunkt praktischer Ölpolitik verstehen wir, dass sich Viktor Orbáns Zusammenarbeit mit Putin vor allem auf dessen Wunsch bezog, irgendwelche politischen oder korrup-tiven Dividenden aus dem Einkauf russischen Öls zu erhalten. Es wurde schon oft bewiesen, dass Ungarn in Wirklichkeit sogar vom Preis her auch ohne Verträge mit Russland auskommen kann. Und diese Verträge hatten für den ungarischen Premierminister höchstwahrscheinlich vor allem eine korrupte und politische Komponente, die in keiner Weise mit dem Preis des russischen Öls verbunden ist. Ich schließe nicht aus, dass sich auch der Premierminister der Slowakei von genau solchen Motiven leiten lässt. Ganz wissen können wir das natürlich nicht, aber so oder so ist klar, dass das Geld, das Putin aus Budapest und Bratislava erhält, keineswegs das Geld ist, das ihm erlauben würde, seine Ölbilanz ernsthaft aufzufüllen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass sich unter den Bedingungen eines ernsten Öldefizits auch die Ansichten europäischer Länder über die Energiezusammenarbeit mit der Russischen Föderation ändern können. Dass Europa jetzt den endgültigen Termin des energetischen Abschieds von Russland aufgeschoben hat, weil es absolut nicht versteht, wie es mit der Weltenergetik weitergeht, ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie Putin in der Situation spielen kann, wenn das, was im Persischen Golf geschieht, nicht endet und sich die Ereignisse dort in Richtung eines raschen Abrutschens in eine neue Eskalation entwickeln.

Dabei muss man klar verstehen, dass gerade Putin zu denen gehören wird, die diese neue Eskalation mit der iranischen Führung besprechen und sowohl den Präsidenten Irans Masoud Pezeshkian als auch den Außenminister Abbas Araghchi und andere Mitarbeiter der iranischen Führung und Gesprächspartner des Kremls davon überzeugen werden, dass nur eine Eskalation die Vereinigten Staaten zwingen wird, vor Teheran zu kapitulieren. Auch das ist ein sehr gefährlicher Moment in der Entwicklung der Ereignisse auf dem Energiemarkt, die durch russische Bemühungen weiter angeheizt werden. Aber es gibt auch China, das das ganz und gar nicht wünscht, vielmehr das Gegenteil, die Stabilisierung des Energiemarktes. Und die Chinesen werden den Iranern ganz andere Dinge sagen als die Russen. So paradox das auch klingt. Das ist ein solches Vorgefühl der Ereignisse, vor denen wir bereits stehen.

Ich werde auf Fragen antworten, die heute schon während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage. Besteht eine Wahrscheinlichkeit für das Entstehen eines militärischen Konflikts zwischen der Türkei und Israel?

Portnikov. Ich bin der Ansicht, dass es trotz des Austauschs aller kriegerischen Erklärungen zwischen Ankara und Jerusalem heute keine reale Möglichkeit für das Entstehen eines militärischen Konflikts zwischen der Türkei und Israel gibt. Die Türkei ist an einer Stabilisierung der Lage im Nahen Osten interessiert. Israel ist im Prinzip ebenfalls daran interessiert. Sagen wir, beide Länder haben nicht den Wunsch, in Syrien zu kämpfen und damit zu einer neuen Destabilisierung der Lage in diesem Land zu führen. Sowohl in der Türkei als auch in Israel versteht man, dass ein solcher Konflikt zu einer Verschlechterung der Beziehungen beider Länder zu den Vereinigten Staaten führen kann. Denn bekanntlich betrachtet Donald Trump sowohl den Präsidenten der Türkei Recep Tayyip Erdoğan als auch den Premierminister Israels Benjamin Netanyahu als seine wichtigen Verbündeten. Offensichtlich gefällt das weder Netanyahup noch Erdoğan, die miteinander kriegerische Erklärungen austauschen und einander Verbrecher nennen. Aber klar ist, dass, wenn sie eine bestimmte rote Linie überschreiten, unbekannt ist, wie Trump darauf reagieren und wen er wählen wird. Zumindest Erdoğan versteht das ausgezeichnet.

Frage. In welcher Region der Welt wird es die nächste Blockade geben, denn das ist ein ideales Instrument der Erpressung.

Portnikov. Nun, ich habe bereits gesagt, dass der nächste Kandidat für eine Blockade die Bab-al-Mandab-Straße ist, die von den jemenitischen Huthi blockiert werden könnte. Bislang verhalten sich die Huthi ausreichend vorsichtig. Möglicherweise deshalb, weil ihr militärisches Potenzial durch Schläge der Vereinigten Staaten und Israels erheblich untergraben worden ist. Aber der Iran kann von den Huthi ein intensiveres Eingreifen in den Krieg verlangen. Und wenn sich tatsächlich herausstellt, dass der Iran in der Straße von Hormus vollständig blockiert ist, und der Iran einer der wichtigen Sponsoren des Regimes der jemenitischen Huthi ist, kann Sanaa zu neuen Maßnahmen greifen, die die Lage im Welthandel blockieren. Auf die Bab-al-Mandab-Straße muss man also sehr aufmerksam achten. Und gerade deshalb unterstreicht die Regierung Saudi-Arabiens in ihrer, wie die Weltmedien meinen, an die Administration von Präsident Trump gerichteten Botschaft, dass die Blockade der Straße von Hormus ihrerseits zu dem führen kann, was jetzt mit der Wirtschaft in der Welt geschehen wird.

Frage. Welche Branchen in der Ukraine werden unter dieser Krise leiden? Welche Folgen wird sie haben?

Portnikov. Nun, erstens warten wir das Eintreten der Krise ab. Zweitens sehen wir uns an, wie der Ölpreis sein wird. Drittens sehen wir uns an, ob es ein Öldefizit geben wird, ob das Hauptproblem der Preis oder ob das Problem der Mangel sein wird. Aber wie Sie verstehen, können unter dem Anstieg der Treibstoffpreise alle Branchen jeder Wirtschaft leiden, weil das eine Preissteigerung praktisch für alles bedeutet: für Güter des täglichen Bedarfs, für Dienstleistungen. Ganze Wirtschaftszweige werden nicht nur in der Ukraine, sondern in der Welt stillgelegt werden, etwa das Bauwesen. Das heißt, vieles wird im Moment hoher Ölpreise schlicht unrentabel werden. Und das Ausmaß dieser Unrentabilität lässt sich jetzt nicht vorhersagen, weil wir am Vorabend eines Schocks stehen. Aber dieser Schock kann noch ausbleiben. Ich wiederhole noch einmal: Wir stehen nur am Vorabend eines Schocks. Wenn etwa die Meerenge freigegeben wird, dann wird es einen schwierigen Monat geben, aber in diesem Monat können strategische Ölreserven freigegeben werden. Und all das kann weich in irgendeinen normalen Zustand übergehen. Darauf gibt es Hoffnung.

Frage. Aber gibt es theoretisch die Möglichkeit, dass der Krieg mit dem Iran noch ein oder zwei Jahre dauern wird?

Portnikov. Das ist möglich. Als der große russisch-ukrainische Krieg begann, waren viele Experten der Auffassung, dass er sehr schnell enden könne, gerade weil die Seiten kein Potenzial für eine lange Konfrontation hätten. Genau daraus entstand das Meme von den zwei bis drei Wochen, das im Prinzip ein Zeugnis der Inkompetenz derjenigen ist, die solche Prozesse einschätzen. Sie erinnern sich, dass ich zu denen gehörte, die betonten, dass auch der ukrainische Krieg seinem Verlauf nach höchstwahrscheinlich an das syrische Szenario erinnern und sich über einen Zeitraum von fünf bis acht Jahren hinziehen könnte. Jetzt befinden wir uns bereits im fünften Jahr und im Prinzip ist das die realistischste Prognose. Ich weiß nicht, welches Maß an Durchhaltefähigkeit der Iran im Kampf mit den Vereinigten Staaten hat, aber ich schließe nicht aus, dass das, was wir in den letzten Wochen gesehen haben, im Prinzip Möglichkeiten für einen Krieg der Vereinigten Staaten und des Iran über mehrere Jahre schafft.

Nur liegt das Problem worin. Der Krieg Russlands mit der Ukraine wirkte sich nicht in diesem Maß auf das Niveau der Weltwirtschaft aus, wie sich ein Krieg der Vereinigten Staaten mit dem Iran auswirken wird. Der Krieg der Vereinigten Staaten mit dem Iran wird, wenn er etwa ein Jahr andauert, der Entwicklung der Weltwirtschaft faktisch einen Punkt setzen und viele Regierungen hinwegfegen, nicht nur das Ende der politischen Karriere Donald Trumps sein. Und deshalb denke ich, dass alle daran interessiert sein werden, dass dies zu irgendwelchen Bedingungen zumindest in nächster Zeit gestoppt wird.

Frage. Aber israelische Militärexperten sprechen von einer baldigen Wiederaufnahme der Kampfhandlungen durch Amerika und den Vorbereitungen darauf. Wie stehen Sie zu einer solchen Meinung?

Portnikov. Das Erste, was ich sagen möchte, ist, dass sich die Integration der Ukrainer in den russischsprachigen Expertenraum ebenfalls bemerkbar macht, wenn Sie die Situation in Israel und in der Frage des Krieges einschätzen. Ich spreche ebenfalls mit einigen meiner Kollegen, ziemlich starken Spezialisten, und werde auf meinem Kanal Portnikov Argumente sagen wir mit denen sprechen, die ich unter meinen israelischen Kollegen und Freunden für ernsthafte Spezialisten halte. Aber die überwältigende Mehrheit der sogenannten russischsprachigen israelischen Experten ist, wie Sie verstehen, im Prinzip aus Dilettanten zusammengesetzt, die sich einfach eine Nische für Gespräche mit Publikum gesucht haben, weil die wirklichen professionellen israelischen Experten, wie Sie vermutlich erraten können, ihre Interviews eigentlich auf Hebräisch geben. Und die wirkliche Information darüber, was geschieht, erscheint auf den Seiten hebräischsprachiger und englischsprachiger israelischer Publikationen. Gerade deshalb lese ich, da ich diese Publikationen lese, übrigens nicht unbedingt, weil mir etwa ihre politische Orientierung gefällt, denn ich lese sowohl konservative als auch, würde ich sagen, links-liberale Publikationen, und solche Publikationen wie Israel Hayom und Haaretz werden, als erschienen sie nicht in Israel, sondern auf verschiedenen Planeten, aber dennoch arbeiten dort Menschen, die im Prinzip real in die Situation in Israel selbst und in der Welt sehr viel besser integriert sind. Dasselbe betrifft angesehene israelische englischsprachige Publikationen wie Jerusalem Post und Times of Israel. Nicht zufällig habe ich mir eine Blog-Plattform bei Times of Israel geschaffen, gerade um mit einem englischsprachigen und nicht mit einem russischsprachigen Publikum zu kommunizieren. Denn bei allem Respekt, den ich vor der russischsprachigen Presse Israels habe, mit der ich selbst viele Jahre zusammengearbeitet habe, beginnt der russischsprachige Informationssektor in Israel mit der Alterung eines großen Teils der großen Umsiedlung ehemaliger sowjetischer Juden nach Israel und dem Übergang eines großen Teils von ihnen zum Hebräischen einen marginalen Charakter anzunehmen. Nun, das vorsichtig ausgedrückt.

Das bedeutet nicht, dass sich die israelischen Militärexperten, über die Sie schreiben, in all ihren Prognosen zwingend irren müssen. Aber niemand weiß jetzt, ob Amerika seine Kampfhandlungen wieder aufnehmen wird, aus dem einfachen Grund, dass sowohl die Leute, von denen Sie sprechen, als auch ich nicht wissen können, was im Kopf Donald Trumps vorgeht. Aber sie überzeugen sich selbst davon, dass beim amerikanischen Präsidenten alles nach Plan läuft, weil sie so denken möchten, und ich verstehe sie, weil von der Planung der Situation durch den amerikanischen Präsidenten ihr eigenes physisches Überleben abhängt. Und sie möchten wie alle Menschen, die vor einem bereits auf sie gerichteten Gewehr stehen — ich meine damit den Erhalt einer Atombombe durch den Iran — glauben, dass der Mensch, der gegen eine solche Bedrohung kämpft, ein normaler Mensch ist, der Politik plant. Strategisch irren sie sich. Und darin liegt ihr großes Problem, dass sie wie jeder Mensch, der an der Wand und vor einem Erschießungskommando steht, versuchen, Wunschdenken für Realität auszugeben.

Ich werde Ihnen nicht sagen, dass das in der hebräischsprachigen und in der englischsprachigen Expertenlandschaft Israels nicht vorkommt. Es kommt vor, aber in sehr viel geringerem Ausmaß und in diskursivem Charakter. Das ist alles. Wobei das wiederum nicht konkret die geehrten Experten betrifft, von denen Sie sprechen. Das betrifft einfach das allgemeine Niveau der Einschätzung der Situation in einem bestimmten Informationssegment. Sagen wir so.

Frage. Kann Netanyahu das Schicksal Orbáns erwarten, den Trump einfach fallen ließ, als es für ihn unvorteilhaft wurde, weiter mit ihm zu tun zu haben? Worauf kann Israel dann allein mit diesem Tier Iran rechnen?

Portnikov. Nun, sagen wir so: Die Vereinigten Staaten werden mit jeder Regierung zusammenarbeiten, die das israelische Volk wählt. Genauso wie sie mit jeder ungarischen Regierung zusammenarbeiten werden. Mit Israel hängt das damit zusammen, dass nicht Netanyahu, sondern Israel strategischer Verbündeter der Vereinigten Staaten von Amerika ist. Wenn die Partei Benjamin Netanyahus, Likud, und die ultrarechten politischen Kräfte, die sich in Koalition mit dieser Partei befinden, die Parlamentswahlen in diesem Jahr verlieren, wird Donald Trump mit einem anderen israelischen Premierminister zusammenarbeiten. Ich halte es für möglich, dass diese Zusammenarbeit fruchtbarer sein wird als die mit Netanyahu, aus zwei Gründen. Der neue Premierminister könnte sich als realistisch betrachten erweisen. Er könnte nicht an Gedanken über elektorale Erfolge und über seinen Platz auf der Anklagebank gebunden sein, und Donald Trump wird sich kritischer zu seinen Vorschlägen verhalten. Also könnte das gut für Israel sein und nicht schlecht. Denken Sie darüber nach.

Frage. Sind die Länder des globalen Südens nicht eher daran interessiert, einen so schwachen und prorussischen, prochinesischen Präsidenten der USA wie Trump zu erhalten, als ihn endgültig zu versenken?

Portnikov. Die Länder des globalen Südens sind verschieden. Und die Interessen des Iran können sich von den Interessen Saudi-Arabiens, Bahrains, Katars, Kuwaits und so weiter unterscheiden. Die Interessen Indiens von den Interessen Chinas. Das Problem der Weltpolitik besteht eben darin, dass es keinerlei reale Vorstellung davon gibt, ob sie eine gemeinsame Position haben. Also ja, vermutlich können einige Länder des globalen Südens an so etwas interessiert sein und einige nicht.

Frage. Ist es in der Europäischen Union nicht geplant, sofern das sinnvoll ist, statt eigener Gelder auf die Frage eingefrorener russischer Vermögenswerte zur Hilfe für die Ukraine zurückzukommen?

Portnikov. Nein, das ist nicht geplant. Bundeskanzler Friedrich Merz hat klar gesagt, dass die Frage eingefrorener russischer Vermögenswerte bereits entschieden ist. Zu ihr wird die Europäische Union nicht zurückkehren. Höchstwahrscheinlich werden wir dennoch jene 90 Milliarden Euro erhalten. Und schon heute hat die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen darüber mit dem künftigen Premierminister Ungarns Péter Magyar gesprochen. Und sie begrüßte die Rückkehr Ungarns in die europäische Familie.

Frage. Warum tritt Rubio nicht zurück? Wenn er zusammen mit dem vernünftigen Flügel der Republikaner in Opposition ginge, würde er für republikanische Wähler zum Nationalhelden und so die Partei vor dem künftigen Abgrund retten.

Portnikov. 90 % der MAGA-Republikaner und 70 oder 80 % der traditionellen Republikaner unterstützen jede Handlung Donald Trumps. Somit würde sich Außenminister Marco Rubio, wenn er zurückträte, in einen politischen Marginalen verwandeln. Denn jener kleine Kreis von Republikanern, die Trump nicht unterstützen, wird ihm sein Verhalten in den ersten Jahren seines Aufenthalts in der Administration niemals verzeihen, und die überwältigende Mehrheit der Aktivisten und Anhänger der Republikanischen Partei, die weiterhin leidenschaftliche Anhänger jeglicher Handlungen Trumps bleiben, wird ihn als Verräter betrachten. Und somit wird er aus der amerikanischen Politik verschwinden, so wie eine riesige Zahl von Republikanern verschwunden ist, die weiter gegen Donald Trump auftraten, trotz seiner Unterstützung durch die Hauptmasse dieser Partei. Die Republikanische Partei als solche, als klassische, gibt es heute nicht. Es gibt eine Partei des Trumpismus. Kein Marco Rubio wird in dieser Partei zum Nationalhelden werden. Vielleicht wird man mit der Zeit, nachdem Donald Trump die politische Bühne verlassen hat oder wenn sich die wirtschaftliche Lage in Amerika in unbekanntem Ausmaß verschlechtern sollte, davon sprechen können, dass sich die Republikanische Partei in ihrer traditionellen konservativen Gestalt wiederherstellt, aber ich habe nicht sehr viele Hoffnungen darauf. Also ich weiß es hier nicht.

Frage. Auf der Website Flightradar sieht man in den letzten Tagen diese massierten Flüge der Tankflugzeuge fast nicht mehr, wie das früher war. Können wir also schon von einer getroffenen politischen Entscheidung sprechen, dies zu beenden?

Portnikov. Wie ich bereits sagte, bin ich der Ansicht, dass Donald Trump den leidenschaftlichen Wunsch hat, diese Operation zu beenden, weil er begreifen könnte, dass ihre Fortsetzung zu weitaus negativeren Folgen führen kann als ihre Beendigung, selbst ohne irgendwelche konkreten ernsthaften Vereinbarungen mit der Islamischen Republik. Das Einzige, was unklar ist, ist, wie Donald Trump all das beenden kann, falls die Islamische Republik die Straße von Hormus weiter blockiert. Das ist die Hauptfrage, auf die, wie mir scheint, niemand irgendeine Antwort hat. Und Donald Trump kann Geisel dieses Krieges werden, den er bereits begonnen hat, und möglicherweise nicht wissen, wie er ihn beenden soll. Bei Putin gibt es da irgendeine Formel, die er sich selbst ausgedacht hat, dass er zu Gesprächen über die Beendigung des Krieges übergehen könne, wenn die ukrainischen Truppen das Gebiet des Donezker Gebiets verlassen. Aber auch das kann bloß eine Phrase sein, also der Ukraine solche Bedingungen zu stellen, auf die sie nicht eingehen kann, um den Krieg nicht zu beenden. Und Trump hat dem Iran gegenüber in Bezug auf die Beendigung des Krieges viel ernstere Bedingungen. Das ist die Freigabe der Straße von Hormus, das ist der Verzicht auf das Atomprojekt, das ist auch der Verzicht auf die Raketenprogramme. All das sieht bei der offensichtlichen Unwilligkeit des Regimes der Ajatollahs, diese Sprache anzunehmen, im Prinzip keinen Mechanismus zur Beendigung des Krieges vor. Es kann nur einen Mechanismus zur Aussetzung des Krieges geben, der ebenfalls lang sein kann. Und möglicherweise bleibt gerade dieser Mechanismus der Aussetzung des Krieges erhalten, wenn man sich über die Freigabe der Straße von Hormus einigt. Aber bislang sehen wir beim Iran keinerlei Wunsch, das zu tun.


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Titel des Originals: Останні танкери з нафтою: що далі | Віталій Портников. 14.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 14.04.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Orbán hat Trump im Stich gelassen | Vitaly Portnikov. 14.04.2026.

Die Weltmedien behaupten, dass die Niederlage des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán und seiner ultrarechten politischen Partei Fidesz bei den Parlamentswahlen ein schwerer Schlag für die Positionen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump und der MAGA-Bewegung sein wird, die derzeit den Kern der amerikanischen Republikaner bildet.

Viktor Orbán und seine Vorstellung von Politik wurden in Kreisen, die Donald Trump nahestehen, wiederholt als Ideal einer europäischen politischen Reaktion auf Trumps Wahlsieg bei den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten und auf die Rolle gesehen, die die europäischen Eliten in ihren Beziehungen zum neuen Weißen Haus spielen sollten. Zudem war Orbán bereit, sowohl auf die Wünsche Donald Trumps als auch auf die Wünsche Wladimir Putins zu hören, wenn es um die Ausarbeitung der Position der Europäischen Union ging. Ein Beispiel dafür ist die Blockade von Sanktionen gegen Russland oder die Weigerung Viktor Orbáns, die Vergabe eines Kredits von neunzig Milliarden für die Ukraine zu unterstützen.

Es gab jedoch auch viele andere Beispiele im Zusammenhang mit der Reaktion europäischer Politiker auf bestimmte Maßnahmen der Vereinigten Staaten oder auf Äußerungen des amerikanischen Präsidenten. Vor den Wahlen zum ungarischen Parlament unterstützte Trump nicht nur selbst Viktor Orbán, sondern schickte auch seinen Vizepräsidenten J. D. Vance nach Budapest, der bei Wahlkundgebungen als Orbáns Wahlkampfunterstützer auftrat und versicherte, dass der ungarische Regierungschef die Wahlen auf jeden Fall gewinnen werde. Wie sollte es auch anders sein? Schließlich versprach Trump den Ungarn Geld, wenn sie für Fidesz stimmen würden.

Infolgedessen muss sich J. D. Vance nun vor Journalisten rechtfertigen und behaupten, dass man im Weißen Haus verstanden habe, dass Orbán die Wahlen verlieren könne, ihn aber dennoch unterstützt habe, weil man die Politik des ungarischen Ministerpräsidenten für richtig hielt. Dennoch ist der Nachgeschmack dieser Reise von J. D. Vance natürlich geblieben. Nicht nur Europäer, sondern auch Amerikaner haben gesehen, dass das Auftreten eines ultrarechten Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten auf einer Wahlkundgebung und die Unterstützung durch Donald Trump keineswegs zum Erfolg auf der europäischen politischen Bühne beitragen, sondern im Gegenteil sogar zu einer schmählichen Niederlage führen können.

Und es ist keineswegs zufällig, dass wir einen Prozess beobachten, bei dem sich viele europäische Politiker mit ultrarechten Ansichten nach den jüngsten Äußerungen des amerikanischen Präsidenten gezwungen sehen, sich von Donald Trump zu distanzieren.

So erklärte beispielsweise die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, dass sie die Äußerungen Donald Trumps über Papst Leo XIV. für inakzeptabel halte. Bekanntlich hatte der amerikanische Präsident den Pontifex mit Beleidigungen und Angriffen überzogen, nachdem dieser erklärt hatte, dass die angesammelten Probleme der Welt mit friedlichen Mitteln gelöst werden müssten – was für einen Geistlichen durchaus selbstverständlich ist. Trump erklärte daraufhin, dass er einen solchen Papst nicht brauche.

Für den italienischen Wähler jedoch grenzen derartige Aussagen eines Politikers an eine Beleidigung der nationalen Würde und der religiösen Gefühle. Und Meloni konnte, so sehr sie auch gute Beziehungen zum Weißen Haus aufrechterhalten wollte, diese Äußerungen Donald Trumps nicht ignorieren.

Auch der Vorsitzende der britischen Reformpartei, Nigel Farage, der in den Umfragen zunehmend hinter die linken Grünen zurückfällt, die eine Rückkehr Großbritanniens in die Europäische Union befürworten, sah sich gezwungen, sich von Donald Trump zu distanzieren, nachdem dieser den britischen Premierminister Keir Starmer angegriffen hatte – Angriffe, die an Respektlosigkeit gegenüber der Souveränität Großbritanniens grenzten.

Und der neue ungarische Ministerpräsident Péter Magyar, der bald den umstrittenen Viktor Orbán im Amt ablösen wird, erklärte, dass er Donald Trump nicht anrufen werde, aber bereit sei, mit dem amerikanischen Präsidenten zu sprechen, falls dieser ein entsprechendes Interesse bekunde. Für den egozentrischen und ausschließlich auf seine eigenen Möglichkeiten fixierten amerikanischen Präsidenten wirkt eine solche Aussage selbstverständlich wie eine kalte Dusche.

In Europa hat man inzwischen eine recht einfache Schlussfolgerung gezogen: Jede Orientierung an Trump und am Trumpismus erweist sich als verlustbringende Karte für die politische Karriere – selbst für jene, deren Weltanschauung der von Donald Trump und J. D. Vance ähnelt. Damit hört der Trumpismus auf, eine globale Ideologie zu sein, und wird zu einer Bewegung, die ausschließlich auf schnelle Siege in den Vereinigten Staaten selbst ausgerichtet ist. Es stellt sich jedoch die Frage, inwieweit solche Siege möglich sind, wenn sich die wirtschaftliche Lage in den USA infolge der Folgen des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran von Tag zu Tag verschlechtert.

Auch die außenpolitischen Handlungen Trumps wirken nicht wie die eines selbstsicheren Politikers. Zumal derzeit niemand sagen kann, wie der amerikanisch-iranische Krieg enden wird. Wird es Trump gelingen, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden? Und wird er einen Dialog mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, aufbauen können, der mit Genugtuung die wirtschaftliche und energetische Demütigung des Westens infolge unvorbereiteter Maßnahmen im Persischen Golf beobachtet?

So wird die Niederlage Viktor Orbáns zu einem weiteren Beweis dafür, dass die ultrarechte Ideologie, die noch vor kurzem als Siegerin erschien und als Bedrohung für die moderne Demokratie galt, offenbar ausschließlich mit dem Phänomen der persönlichen Popularität und der Ausstrahlung eines rasch alternden amerikanischen Präsidenten verbunden ist, der zunehmend das Verständnis für die Vorgänge um ihn herum verliert. Und je länger das Establishment der Republikanischen Partei darauf setzt, dass Trump und MAGA dieser Partei das politische Überleben sichern können, desto tiefer wird das politische Grab, das diese Kräfte nicht nur für „Make America Great Again“ und seine Aktivisten – von denen viele Trump inzwischen selbst kritisieren –, sondern auch für die Republikanische Partei selbst ausheben, die einst glaubte, sich die Ausstrahlung eines populistischen Geschäftsmanns zunutze machen zu können, um bei Parlaments- und Präsidentschaftswahlen erfolgreich zu sein und immer wieder triumphal ins Weiße Haus zurückzukehren.

Es hat sich herausgestellt, dass dies eines der schlechtesten Rezepte für politischen Erfolg ist, die je in den Vereinigten Staaten erdacht wurden. Es hat sich gezeigt, dass der traditionelle Konservatismus und die Werte, auf die sich die Republikanische Partei über Jahrhunderte gestützt hat, schlicht nicht durch einen ultrarechten, populistischen und inkompetenten Trumpismus ersetzt werden können. Und so hat sich der Trumpismus als ein echtes Gift für die amerikanischen Konservativen erwiesen, das seinerseits das Überleben der Republikanischen Partei als seriöse politische Plattform für die Zukunft Amerikas infrage stellen könnte.


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Titel des Originals: Орбан подвел Трампа | Виталий Портников. 14.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 14.04.2026.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Die USA fahren den Krieg zurück | Vitaly Portnikov. 14.04.2026.

Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, der die amerikanische Delegation bei den erfolglosen Verhandlungen mit der Führung Irans leitete, erklärt, dass die Vereinigten Staaten ihre Ziele im Iran bereits erreicht hätten und die militärische Operation, die vor mehr als einem Monat begonnen hat, zurückfahren könnten.

Vance, der nach den Gesprächen mit dem Iran festgestellt hatte, dass es den Parteien nicht gelungen sei, sich in grundlegenden Fragen zu einigen, betont nun, dass bei diesen Verhandlungen erhebliche Fortschritte erzielt worden seien, und hofft auf eine Fortsetzung der Konsultationen. Bereits jetzt gibt es Informationen, dass sich die amerikanische und die iranische Delegation erneut treffen könnten.

All dies deutet in erster Linie auf den Unwillen des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hin, die Angriffe auf den Iran wieder aufzunehmen, mit denen er der Islamischen Republik gedroht hatte, um die Straße von Hormus freizubekommen, deren Blockade durch den Iran ernsthafte Probleme für die Weltwirtschaft verursacht und zu einer groß angelegten wirtschaftlichen und energiepolitischen Krise führen kann. Anstatt zu versuchen, die Führung Irans durch Schläge gegen strategische Objekte der Islamischen Republik zu beeinflussen, wie Trump selbst wiederholt erklärt hatte, hat sich der amerikanische Präsident nun entschieden, eine doppelte Blockade der Straße von Hormus zu schaffen. Das heißt, neben den iranischen Kräften werden auch die Amerikaner selbst sie blockieren, indem sie Tanker anhalten, die nach Abstimmung mit der Führung der Islamischen Republik die Straße von Hormus passieren.

Damit ist ein wirklicher Ausweg aus der Situation vorerst nicht erkennbar. Zu behaupten, dass Donald Trump tatsächlich die wichtigsten Ziele im Iran erreicht habe, kann natürlich nur J. D. Vance. Denn wir wissen, dass das Hauptziel der amerikanischen Operation der Sturz des Regimes der Islamischen Republik und dessen Ersetzung durch ein aus zumindest weniger aggressiver Sicht adäquateres war – von Demokratie ganz zu schweigen. Das ist nicht geschehen. Stattdessen ist die tatsächliche Macht im Iran an Fanatiker aus dem Korps der Islamischen Revolutionsgarden übergegangen, die bereit sind, die Konfrontation mit den Vereinigten Staaten und Israel selbst um den Preis einer Verschlechterung der eigenen wirtschaftlichen Lage fortzusetzen.

Die Vereinigten Staaten versuchten auch, das iranische Atomprogramm zu zerstören. Und das, nachdem Donald Trump nach dem vorherigen zwölftägigen Krieg berichtet hatte, dass der Iran keine Atomwaffen mehr besitzen könne. Nun werden die Möglichkeiten Irans in den Vereinigten Staaten ebenfalls negativ eingeschätzt, aber niemand weiß, über welchen Umfang an angereichertem Uran die Führung der Islamischen Republik verfügt und ob sie tatsächlich die Fähigkeit verloren hat, in naher Zukunft Atomwaffen herzustellen.

Ein weiteres wichtiges Ziel der Vereinigten Staaten und Israels war die Zerstörung des ballistischen Programms Irans. Offensichtlich ist auch das nicht gelungen. In den letzten Tagen intensiver Kampfhandlungen der Vereinigten Staaten und Israels gegen die Islamische Republik wurde berichtet, dass es den Iranern gelungen sei, die amerikanischen Geheimdienste zu täuschen und ihnen statt realer Ziele Attrappen als Ziele zu liefern. Somit verbleibt ein erheblicher Teil der ballistischen Raketen und Startanlagen im Besitz der iranischen Führung, die bekanntlich bereit ist, nicht nur den jüdischen Staat, sondern auch die Nachbarländer am Persischen Golf anzugreifen und damit im Falle einer erneuten Eskalation ebenfalls ernsthafte Probleme für die globale Energieversorgung zu schaffen.

Und Trump erkennt diese Bedrohungen offensichtlich, weiß aber zugleich nicht, wie er darauf reagieren soll. Zu glauben, dass sich Amerikaner und Iraner in der nächsten Verhandlungsrunde einigen werden, erscheint mir ziemlich naiv. Denn das Ziel der iranischen Führung ist weniger eine Einigung mit den Vereinigten Staaten als vielmehr, Donald Trump und sein Umfeld in ein tiefes politisches Grab zu treiben. Solche Chancen können nur durch eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in der Welt sowie in den Vereinigten Staaten selbst noch vor den Wahlen zum amerikanischen Kongress geschaffen werden. Somit liegt es im Interesse der Führung der Revolutionsgarden, einfach Zeit zu gewinnen und die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Amerika sowie die Nervosität Donald Trumps zu genießen.

Trump ist – wenn man die Worte von Vizepräsident J. D. Vance richtig bewertet – der Ansicht, dass eine weitere Eskalation und zusätzliche Angriffe auf den Iran nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen und die wirtschaftliche Lage nicht verbessern werden, schon allein deshalb, weil kaum jemand die Folgen neuer iranischer Angriffe auf die Länder des Persischen Golfs berechnen kann. Zudem muss man sich darüber im Klaren sein, dass auch eine doppelte Blockade der Straße von Hormus faktisch nicht den Interessen der Verbündeten der Vereinigten Staaten entspricht. Bereits jetzt wird berichtet, dass Saudi-Arabien darauf besteht, dass die Amerikaner ihre eigene Blockade einstellen.

So können wir eine klassische Sackgasse in den Bemühungen Donald Trumps feststellen, die Folgen seiner unvorbereiteten Operation gegen das iranische Regime zu korrigieren. Und genau darüber müssen wir sprechen, wenn wir analysieren, was in der Welt geschehen ist, nachdem die Vereinigten Staaten und Israel ihre Operation gegen das Regime der Ajatollahs begonnen haben.

Die Frage ist nicht einmal, wie rechtzeitig diese Operation angesichts der Aggressivität Irans und seiner Bereitschaft war, die Lage im Nahen Osten jederzeit zu destabilisieren. Die Frage ist auch nicht, ob es den Vereinigten Staaten und Israel tatsächlich gelungen ist, dem Regime der Ajatollahs beim Erwerb von Atomwaffen zuvorzukommen. Die Frage ist, dass der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump und der Ministerpräsident Israels Benjamin Netanyahu bei der Planung dieser Operation von völlig unrealistischen Zielen und von Informationen der Geheimdienste ausgegangen sind, die weit von der Realität entfernt waren.

Oder aber beide führenden Politiker haben die realen Informationen der Geheimdienste ignoriert und wollten genau das sehen, was sie in der Situation im Nahen Osten sehen wollten. In diesem Jahr stehen für Benjamin Netanyahu Wahlen zum israelischen Parlament an. Für Donald Trump stehen Wahlen zum amerikanischen Kongress bevor. Und es entsteht der Eindruck, dass beide ehrgeizigen Politiker bei der Planung dieser Operation gegen das Regime der iranischen Ajatollahs nicht von den Interessen der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten und Israels geleitet wurden, sondern ausschließlich von ihren eigenen politischen Interessen. Und so erwiesen sie sich schlicht als unfähig, sich der komplexen Situation im Kampf gegen ein aggressives Regime, das morgen oder übermorgen Atomwaffen besitzen könnte, mit professionellen Einschätzungen zu nähern – statt mit Einschätzungen, die mit ihrer eigenen Zukunft verbunden sind, die für Trump und Netanyahu nicht nur von Parlamentswahlen, sondern auch von zahlreichen Gerichtsverfahren abhängt, in denen beide Politiker als Angeklagte auftreten.

Und das ist eine hervorragende Illustration dessen, was mit der Welt geschieht, wenn führende politische Akteure bereits im Stadium ihres Wahlkampfes kompromittiert sind und den Hauptzweck ihres politischen Überlebens in Handlungen sehen, die ihnen helfen sollen, an der Macht zu bleiben und nicht auf der Anklagebank zu landen. Am Ende landen jedoch die Staaten selbst auf der Anklagebank, die ihre Unfähigkeit demonstrieren, die Sicherheitsprobleme zu lösen, vor denen sie stehen. Und staatliche Systeme, die einst als makellos effizient und fähig galten, die Folgen ihrer Handlungen zu berechnen, verwandeln sich vor unseren Augen in Systeme, die Wunschdenken für Realität ausgeben und die Sicherheit der Amerikaner und Israelis infrage stellen.


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Titel des Originals: США згортають війну | Віталій Портников. 14.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 14.04.2026.
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Orbán verliert die Wahlen | Vitaly Portnikov. 12.04.2026.

Viktor Orbán verliert die Macht in Ungarn. Das ist, kann man sagen, das erste Ergebnis der Parlamentswahlen, die heute in diesem Land stattgefunden haben und die die höchste Wahlbeteiligung an den Wahllokalen seit den Parlamentswahlen der letzten Jahre in Ungarn verzeichneten.

Man kann sagen, dass sich auch in den großen Städten Ungarns eine riesige Zahl von Menschen versammelt hat. In Budapest gab es, wie Sie wissen, vor den Wahlen eine Kundgebung mit vielen Tausend Teilnehmern zur Unterstützung der Oppositionspartei Tisza. Eine riesige Zahl von Menschen, und das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt, registrierte sich auch in den Diaspora-Wahlkreisen, die immer ein wichtiger Teil des Wahlkampfs in Ungarn waren. Und im Prinzip braucht man jetzt gar nicht mehr davon zu sprechen, dass die Partei von Viktor Orbán, Fidesz, die Wahlen zum ungarischen Parlament noch gewinnen könnte.

Es gibt natürlich Nuancen. Über diese Nuancen werden wir ebenfalls sprechen. Im Moment kann man von der Auszählung bereits von 37 Prozent der Stimmen der Wähler sprechen, von den 77,8 %, die an den Parlamentswahlen in Ungarn teilgenommen haben. Nach diesen vorläufigen Ergebnissen – aber das sind die Parteilisten, ich betone es –, kommt die Oppositionspartei Tisza auf etwa 51 % der Stimmen. Die Partei Fidesz von Viktor Orbán hat 40 % der Stimmen. Und auf weitere 6 % der Stimmen kann die Partei Unsere Heimat rechnen. Das ist eine rechtspopulistische Partei von offen pro-putinistischem, ich würde sogar sagen ultrarechtem Charakter, sehr viel ultrarechter als die Partei von Viktor Orbán. Und man sagte, dass Viktor Orbán auf ihre Unterstützung rechnen könne, falls es ihm nicht gelingen sollte, sich eine eigene Mehrheit im Parlament zu sichern.

Allerdings zeigt selbst die Auszählung dieser 37 % der Wählerstimmen, dass Orbán jetzt auch mit den Stimmen dieser ultrarechten politischen Kraft nicht darauf rechnen kann, an der Macht zu bleiben. Zugleich betone ich, dass wir im Moment ausschließlich vom Votum nach Parteilisten sprechen. Und hier muss erklärt werden, wie die Wahl in die ungarische Nationalversammlung im Prinzip aussieht. Die Nationalversammlung Ungarns besteht aus 199 Abgeordneten. Über Parteilisten – und wir sprechen jetzt über die Auszählung der Stimmen nach Parteilisten – werden 93 Abgeordnete gewählt, weitere 106 Abgeordnete werden nach dem Mehrheitswahlsystem gewählt. Nun, einfache Arithmetik zeigt, dass man für eine Parlamentsmehrheit 100 Stimmen braucht. Und diese 100 Stimmen wird die Partei Tisza aller Wahrscheinlichkeit nach in jedem Fall haben. Für eine verfassungsändernde Mehrheit – und Sie haben vielleicht gehört, dass vor diesen Wahlen viele von einer verfassungsändernden Mehrheit und ihrer Bedeutung gesprochen haben – braucht man 133 Mandate. Hier gibt es bereits eine gewisse Möglichkeit. Somit können wir bis zur endgültigen Auszählung der Stimmen die Zahl der Prozente, die man im Moment erhalten muss, um eine verfassungsändernde Mehrheit im Parlament zu haben, nicht genau berechnen.

Worin besteht die Besonderheit der Abstimmung in den Mehrheitswahlkreisen? Die Besonderheit der Mehrheitswahlkreise hängt damit zusammen, dass sie so zugeschnitten wurden, dass der ländliche Raum einen Vorteil hat. Und dabei muss man noch verstehen, dass das Wahlen in einem einzigen Wahlgang sind und derjenige Kandidat gewinnt, der einfach die relative Mehrheit der Stimmen erhält. So kommt es, dass man auf dem Land sehr viel weniger Stimmen braucht als etwa in Budapest. Und dieses Land unterstützt traditionell Viktor Orbán.

Diese 106 Wahlkreise also. Bei den letzten Parlamentswahlen, bei denen es ebenfalls viele Anhänger der Opposition gab, erhielt Orbán 87 Sitze in den Wahlkreisen. Im ländlichen Raum gibt es jetzt ungefähr 50 Wahlkreise. Orbán kann theoretisch auf alle rechnen. Die Opposition kann mit absoluter Sicherheit auf 26 Wahlkreise in den Großstädten rechnen. Das ist Budapest und das sind Städte wie Szeged oder Pécs. Das sind große Städte. Dort sind die Positionen der Oppositionskandidaten traditionell stark. Tisza wird all diese Wahlkreise zusätzlich zu den Sitzen erhalten, die sie über die Parteilisten bekommt. Noch eine gewisse Zahl von Wahlkreisen, wohl etwa drei Dutzend, so denke ich, könnten Wahlkreise sein, in denen es einen erbitterten Kampf geben wird. Das sind vor allem jene Städte, in denen einerseits die Positionen der Opposition stark sind, andererseits aber auch Fidesz auf die Sympathie einer großen Zahl von Wählern rechnen konnte. Und gerade um diese Städte und die Bezirke in ihrer Nähe – die ungarische Presse nennt vor allem Gegenden wie Debrecen, Győr und so weiter – wird ein erbitterter Kampf geführt werden.

Um also eine solche absolute Mehrheit zu erhalten, muss die Opposition ungefähr 20 dieser angenommenen 30 Wahlkreise gewinnen. Das heißt, 26 hatte sie sozusagen schon vor den Wahlen. Wenn sie weitere 20 erhält, dann sind das 46 Sitze nach den Parteilisten. Und so wird es Orbán, selbst wenn er die gesamte Dörfer hinter sich behält, trotzdem nicht gelingen, eine Mehrheit im Parlament zu bekommen, und eine verfassungsändernde Mehrheit könnte Tisza möglicherweise ebenfalls bekommen.

Nach Mitteilungen etwa der Zeitung Telex kann die Opposition derzeit mit ungefähr 86 Wahlkreisen rechnen. Nach den ersten Daten liegt sie jetzt in 86 Wahlkreisen vorn. Aber das sind sehr vorläufige Daten, sie können sich ändern. Ein weiterer wichtiger Punkt ist nun: Viele sagen, dass die Wahlen durch die Abstimmung in der Diaspora und durch die Briefwahl verändert werden könnten, deren Auszählung jetzt bereits in Anwesenheit des Präsidenten Ungarns beginnt.

Diese per Post eingegangenen Stimmzettel werden – Ungarn hat, wie Sie sehen, ein sehr kompliziertes Wahlsystem – gescannt und auf Übereinstimmung überprüft, damit dort keine gefälschten Stimmzettel auftauchen. In Wirklichkeit haben die Diaspora und die Briefwahl bei solchen Ergebnissen fast keine realen Möglichkeiten, das Wahlergebnis zu beeinflussen. Warum? Weil es sich ausschließlich um Wahlen nach Parteilisten handelt. Und bei den Parteilisten ist der Favorit absolut eindeutig. Übrigens sind während unseres Gesprächs bereits 45 % der Stimmen nach Parteilisten ausgezählt worden, genauer gesagt 45,7 %. Und Tisza hat bereits fast 52 %, Fidesz 39 %, die ultrarechten wahrscheinlichen Verbündeten von Viktor Orbán von „Unsere Heimat“ ungefähr 6 %. Sie liegen weiter an der Schwelle zum möglichen Einzug ins Parlament.

Man wird einfach noch berechnen müssen, wie viele Sitze Tisza real nach diesen Prozentsätzen zugeteilt bekommt, die sie in den Wahlkreisen erhält. Das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt, wie Sie verstehen, denn von dieser Umrechnung der Stimmen wird ebenfalls abhängen, wie sich die Sitze im ungarischen Parlament verteilen. Das ist eine ganz reale Geschichte. Nun geht das Nationale Wahlbüro derzeit davon aus, dass die Partei von Magyar ungefähr 125 der 199 Sitze im Parlament erhalten kann. Aber diese Berechnung beruhte auf 21,54 % der Stimmen. 125 Sitze, bei Fidesz 62 Sitze, bei „Unsere Heimat“ acht Sitze. Ich habe Ihnen, glaube ich, schon gesagt, dass diese magische Zahl, die verfassungsändernde Mehrheit, 133 Abgeordnete sind. Das bedeutet, Tisza fehlen im Moment ungefähr acht Stimmen bis zu dieser Zahl, aber das heißt nicht, dass die Neuberechnung der Stimmen kein neues Ergebnis bringen kann. Schauen wir, wie sich das alles in den nächsten Minuten der Auszählung entwickeln wird.

Jetzt müssen wir eine sehr wichtige Sache sagen. Ganz gleich, wie viele Mandate die Partei von Péter Magyar, die Partei Tisza, haben wird, ganz gleich, wie viele Mandate Fidesz haben wird – Sie haben doch gesehen, dass auf der Seite von Viktor Orbán mächtige Unterstützung stand, man kann sagen, von Hegemonen. Am Vorabend der Wahlen kam der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, nach Budapest, der einfach die Rolle eines Wahlagitators für Viktor Orbán spielte und sich schamlos in den Wahlprozess in Ungarn einmischte. Deshalb sagte Oppositionsführer Péter Magyar, dass das Schicksal Ungarns nicht in Washington, nicht in Brüssel, sondern in Ungarn selbst entschieden werde, was eine klare Antwort auf das unverfrorene Verhalten der Administration Donald Trumps war, die von den Europäern verlangt – und das tat J. D. Vance übrigens öffentlich bei seinen misslungenen Auftritten in der ungarischen Hauptstadt –, sich nicht in die Parlamentswahlen in Ungarn einzumischen, es selbst aber ganz offen tat.

Wissen Sie, per Telefon wandte sich niemand anderer als der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump an die ungarischen Bürger, der in seiner gewohnten Art versuchte, die Ungarn mit Geldversprechen zu bestechen, das er natürlich nur Viktor Orbán geben werde. Das ist ganz gewöhnliche politische Korruption. So ein Buchweizen, uns allen gut bekannt, nur auf dem Niveau des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. ( Gemeint ist Wählerbestechung durch kleine materielle Geschenke vor Wahlen — klassisch eben durch das Verteilen von Lebensmitteln, besonders Buchweizen, Öl, Zucker, Konserven, Medikamentenpaketen oder ähnlichen Alltagswaren an sozial schwächere Menschen.) Auf der anderen Seite war ein weiterer glühender Anhänger Viktor Orbáns einer der besten Freunde Donald Trumps, wie mir scheint, in seinem ganzen politischen Leben, der russische Präsident Putin. Es wurde von der Anwesenheit russischer Polittechnologen bei diesen Wahlen gesprochen, die den aggressiven Wahlkampf Viktor Orbáns formten. Ein absolut unglaublicher, würde ich sagen, Moment, wie Sie verstehen.

Am Vorabend der Wahlen wurden Protokolle von Telefongesprächen zweier höchster ungarischer Funktionäre veröffentlicht, von Premierminister Orbán und seinem Außenminister Péter Szijjártó, Träger des russischen Ordens der Freundschaft, mit dem russischen Präsidenten Putin und Außenminister Lavrov. Die Protokolle waren schlicht schockierend. Selbst für diejenigen, die das Ausmaß der prorussischen Orientierung des Führers der ultrarechten Partei Fidesz verstanden. Orbán verglich sich im Gespräch mit Putin mit der Äsopischen Maus, die dem Löwen den Käfig öffnen müsse, und unterstrich, dass er alles Mögliche tun werde, um diese Situation zu verbessern, in die der russische Präsident infolge seines Angriffs auf unser Land geraten ist.

Szijjártó war sehr viel konkreter. Er tritt auf wie ein ganz gewöhnlicher kleiner Diener russischer Oligarchen, übrigens ebenso wie Lavrov selbst. Hauptthema, das die Außenminister Ungarns und Russlands besprachen, war die Lockerung der Sanktionen, ein Schema zur Umgehung der Sanktionen für einen der bekanntesten russischen Oligarchen, Alisher Usmanov. Es ging um die Aufhebung der Sanktionen gegen seine Schwester. Szijjártó berichtete Lavrov, dass er bereit sei, dabei zu helfen, dass er darauf bestehen werde. Übrigens muss man sagen, dass die ungarische Regierung diese Aufgabe ihrer Moskauer Freunde oder vielleicht sogar Herren erfüllt hat, und die Sanktionen gegen die Schwester des Oligarchen wurden tatsächlich aufgehoben.

Auch das ist ein absolut offensichtlicher, wichtiger Punkt, über den wir sprechen, wenn wir die Situation mit der Position der Regierung Orbán erörtern. Und es war klar, dass Putin bereit war, dem ungarischen Premier zu helfen. Ich denke, die ganze Geschichte mit der Druschba war Teil der schmutzigen russischen Polittechnologien. Ich bin überzeugt, dass die Russen die Druschba-Pipeline angegriffen haben, über die Öl durch das Gebiet unseres Landes nach Ungarn und in die Slowakei fließt, einen weiteren Staat, in dem eine prorussische Regierung des odiosen Robert Fico an der Macht ist, gerade um Orbán die Möglichkeit zu geben, am Vorabend der Wahlen die Ukraine zu beschuldigen, dass sie den Ungarn faktisch keine Möglichkeit gebe, billiges Öl zu erhalten. Diesen Vorwürfen schloss sich heuchlerisch der Vizepräsident der Vereinigten Staaten J. D. Vance an, der sich als Hintergrundtänzer der russischen Polittechnologen erwies. Was für eine Schande für Amerika.

Und in dieser Situation erlaubte die Geschichte mit der Druschba Orbán natürlich, einerseits eine andere Moskauer Aufgabe zu erfüllen – diese 90 Milliarden Euro zu blockieren, die unser Land so dringend braucht, um den Haushalt im Gleichgewicht zu halten –, und andererseits einen Wahlkampf vor dem Hintergrund ständiger Kritik an der Ukraine zu organisieren. So wissen wir, dass Billboards mit Porträts des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky faktisch in allen Städten und Ortschaften Ungarns plakatiert wurden. Und die Ukraine trat in der Rolle des Hauptfeindes auf. Man muss sagen, dass das nicht das erste Mal ist. Schon 2022 war gerade das ukrainische Thema ebenfalls das Hauptthema der Wahlkampagne des ungarischen Premierministers.

Man kann sagen, dass Putins Angriff auf unser Land im Februar 2022 Orbán half, an der Macht zu bleiben, denn damals stand er ebenfalls kurz davor, diese Macht zu verlieren. Und der Kandidat für das Amt des Premierministers von Ungarn von der vereinten Opposition, der Bürgermeister einer kleinen ungarischen Stadt, Péter Márki-Zay, erfreute sich im Prinzip bereits großer Popularität unter den Wählern. Aber der Krieg erschreckte natürlich eine große Zahl von Menschen, besonders wiederum in dem für Orbán wichtigen ländlichen Raum. Orbán nutzte damals die Worte von Márki-Zay, der unterstrich, dass Ungarn seine Bündnisverpflichtungen erfüllen werde, wenn die NATO beschließen sollte, der Ukraine zu helfen und Truppen auf das Gebiet unseres Landes zu entsenden. Der Demagoge Orbán nutzte diese Worte natürlich voll aus, sagte, die Opposition wolle, dass Ungarn am Krieg teilnehme, dass er niemals zulassen werde, dass ungarische Bürger am Krieg teilnehmen, dass er der Premierminister des Friedens sei. Und man kann sagen, dass es gerade damals das ukrainische Thema Orbán erlaubte, noch eine weitere Amtszeit seinen auf vertikalisierter, frecher, auf Beziehungen zu Moskau gegründeten Korruption basierenden Staat zu bewahren.

Und Orbán entschied offenbar, dass er das jetzt, wo natürlich die Müdigkeit der Gesellschaft von seiner Herrschaft nur zunimmt, noch einmal nutzen könne, aber es ist ihm nicht gelungen. Wie wir sehen, hat dieser Einsatz auf Zelensky nicht funktioniert. Vielleicht auch deshalb, weil der Oppositionsführer Péter Magyar selbst politisch nicht so wirkte wie Péter Márki-Zay bei den vorigen Wahlen. Er wurde überhaupt nicht mit den traditionellen oppositionellen politischen Kräften assoziiert. Er wurde als ein Mensch wahrgenommen, der einfach sozusagen Anti-Orbán ist. Man kann also sagen, dass er einen anderen Background hat als die früheren Oppositionskandidaten.

Ich muss Ihnen sagen, dass jetzt bereits 53,5 % der Stimmen ausgezählt sind. Im Moment sieht die Lage so aus. Tisza könnte nach den Parteilisten 52,49 % der Stimmen haben. Fidesz 38,83 % der Stimmen. Die Partei Unsere Heimat 6,08 % der Stimmen. Im Wesentlichen könnte Tisza nach den Prognosen jetzt 136 Sitze in der Nationalversammlung haben, und Fidesz 56 Sitze. Ich möchte Sie erneut an die wichtigste Zahl unserer heutigen Diskussion erinnern: 133 Abgeordnete für eine verfassungsändernde Mehrheit. Warum hat die verfassungsändernde Mehrheit eine solche Bedeutung? Warum bestehe ich auf ihr als dem wichtigsten Ergebnis dieser Wahlen? Die verfassungsändernde Mehrheit wird der Opposition die Möglichkeit geben, Orbáns Kandidaten in einer großen Zahl staatlicher Institutionen loszuwerden. Das ist die Generalstaatsanwaltschaft Ungarns, das ist das Verfassungsgericht, das sind andere Institutionen dieser Art. Und wenn diese Leute auf ihren Posten bleiben und die Oppositionsregierung, die dann bereits die neue Regierung sein wird, die Regierung von Péter Magyar, es nicht schaffen wird, sie von ihren Ämtern zu entfernen, eine Säuberung, eine Art Lustration des ungarischen Staatsapparats von den Kandidaten Viktor Orbáns durchzuführen, dann können diese Leute natürlich – obwohl auch das nicht zwingend ist, Sie wissen ja, wie viele Opportunisten es in solch einer Nomenklatura überhaupt gibt – schneller auf die Seite des Siegers überlaufen, als Viktor Orbán sich erinnern wird, dass er sie benutzen kann. Das alles kann so sein. Aber aus Sicht einer solchen politischen Logik ist es wichtig, dass die Opposition zumindest reale Instrumente für ihre Entlassung hat, wenn sie an die Macht kommt. Denn sonst wird dieses System vertikalisierter Korruption, das Viktor Orbán in 16 Jahren dieser talentlosen Herrschaft aufgebaut hat, erhalten bleiben. Was Orbán im Prinzip Möglichkeiten verschaffen könnte, schon bei den nächsten Wahlen an die Macht zurückzukehren, wenn er bis dahin natürlich nicht dort landet, wo er schon vor vielen Jahren hätte landen sollen – im Gefängnis.

Denn ich denke, dass jetzt Untersuchungen seiner Handlungen beginnen, auch solcher, die möglicherweise mit der Untergrabung der nationalen Sicherheit Ungarns verbunden sind, ebenso der Handlungen Péter Szijjártós. Wir sehen doch all diese Protokolle, all diese Informationen. Wenn sich die Justiz damit befasst, denke ich, werden diese Leute sich nicht vor den Wählern, sondern vor Gericht verantworten. Deshalb klammern sie sich so an die Macht. Deshalb haben sie all ihre Freunde aus dem ultrarechten politischen Lager so aktiviert: Trump, Putin, Netanyahu, Milei, den ebenfalls ultrarechten, odiosen Präsidenten Argentiniens, der mit jedem Tag die Schulden seines Landes gegenüber dem Internationalen Währungsfonds auf ein Rekordniveau erhöht. Er zerstört schlicht jede Hoffnung auf ein normales Leben in Argentinien. Obwohl man sagen muss, dass es auch vor ihm dort mit dem normalen Leben schlecht aussah. Wir wissen also, dass ultrarechter Populismus nicht besser ist – und das ist jetzt offensichtlich – als ultralinker. Nun, das ist so. Begeben wir uns jetzt nicht noch in eine weitere Zone, zum Glück, sondern schauen wir, wie sich hier alles entwickelt, wo vielleicht irgendeine Normalisierung beginnt. Das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt, den man ansprechen muss.

Mit der Unterstützung Viktor Orbáns durch Benjamin Netanyahu nahm die Sache insgesamt eine unerquicklich(e) Wendung, denn gerade nachdem Benjamin Netanyahu Viktor Orbán unterstützt hatte, darauf einen großen Einsatz gemacht, erzählt hatte, was für ein großer Freund Israels Viktor Orbán sei, war der Sohn Netanyahus nach Budapest gekommen, der als eine Art Familienpropagandist Orbáns im Namen der Familie des israelischen Premierministers auftrat. Und später, buchstäblich vor einigen Tagen, wurde dann das Protokoll eines Gesprächs der Außenminister Ungarns und Irans, Péter Szijjártó und Abbas Araghchi, bekannt, während dessen der Leiter des ungarischen Außenamts dem Iraner versprach, alle nötigen Informationen zu liefern, die die iranische Führung etwa vor solchen Operationen schützen könnten, wie Israel sie im Libanon durchgeführt hat – erinnern Sie sich, als es die berühmte Operation mit den Pagern gab, die buchstäblich in den Händen der Hisbollah-Kämpfer explodierten. Und das beunruhigte die Iraner ziemlich ernsthaft, weil die Iraner, wie Sie wissen, die Kuratoren der Hisbollah, die Finanziers der Hisbollah sind, und sie konnten annehmen, dass eine solche Geschichte auch gegen ihre Kämpfer angewandt werden könnte. Sie erinnern sich, dass einer der Pager in den Händen des iranischen Botschafters im Libanon explodierte, der, wie wir verstehen, ebenfalls Teil dieser Finanzierung der Hisbollah ist. Und es wurde gesagt, dass diese Pager in Ungarn hergestellt worden sein könnten oder dass das Gebiet Ungarns eine Art Basis für ihre Lieferung war. Und Szijjártó versprach den Iranern ganz ruhig zu helfen. Aber Sie verstehen, dass solche diskrete Information sowohl die Tätigkeit der israelischen Geheimdienste als auch konkreter Leute gefährden kann, die sich mit all dem in eben jenem Ungarn beschäftigen. Nun ja, Orbáns besondere Liebe zu Israel hinderte seinen Außenminister keineswegs daran, mit den Iranern eine solche Zusammenarbeit zu vereinbaren.

So sieht das hier, wie Sie verstehen, nicht nur unglaublich beschämend, sondern auch sehr seltsam aus. Mir scheint eigentlich, dass Menschen wie Trump oder Netanyahu ihre persönlichen Interessen immer über die Interessen der nationalen Sicherheit ihrer Länder stellen. Da haben sie irgendwelche guten Beziehungen zu Orbán oder zu Putin. Und man kann die Augen davor verschließen, dass diese Leute faktisch gegen dich arbeiten. Denn diese Haltung Netanyahus zu Orbán erinnert mich sehr an Trumps Haltung zu Putin, als man Trump sagte: „Hören Sie, aber Putin liefert dem Iran reale Aufklärungsinformationen, möglicherweise liefert er Waffen, um amerikanische Soldaten zu töten, um amerikanische Militäranlagen zu bombardieren. Ihre Bürger sterben, Sie verlieren eigene Militärtechnik. Ganz zu schweigen davon, dass diese Drohnen die Infrastruktur der Länder am Persischen Golf zerstören, in die Sie eigenes Geld investieren.“ Aber wenn Trump Putin liebt, dann verschließt er einfach die Augen davor. Er versucht einfach, es nicht zu bemerken. Und die Vertreter seiner Administration rechtfertigen das unbeholfen mit irgendwelchen seltsamen Worten. Ja, „vielleicht tun sie all das, aber sie können uns nicht stören“. Das ist ein völliger, würde ich sagen, moralischer Idiotismus.

60 % der Stimmzettel sind bereits bearbeitet. Jetzt hat die Partei Tisza nach den Parteilisten 52,8 % der Stimmen. Fidesz 38,5. Die Partei Unsere Heimat bleibt bei 6 % der Stimmen. Übrigens, falls Sie interessiert, wie viel das in absoluten Zahlen ist: Das sind jetzt 1.252.000 Stimmen der Wähler, bei Fidesz 914.000. Sie liegen also bislang noch nicht bei einer Million. Nun, sie werden diese Million erreichen, denn das sind erst 50 % der ausgezählten Stimmen. Bei der Partei Unsere Heimat sind es natürlich 143.000 Stimmen, aber es gibt, wie Sie sehen, noch viele nicht ausgezählte Stimmen.

Nun, was kann man von einem Machtwechsel erwarten? Péter Márki-Zay, der frühere Oppositionsführer, der, wie wir wissen, damals Viktor Orbán unterlag, sagte, dass er von Péter Magyar nicht sonderlich begeistert sei, dass die Opposition Péter Magyar gerade deshalb unterstütze, weil sie glaube, dass sein Sieg die Chance sei, Orbán loszuwerden, und dass das jetzt die Hauptaufgabe sei. Aber Péter Márki-Zay sagte eine wichtige Sache: dass Péter Magyar seinen eigenen Fehler nicht wiederholt habe, dass er seine Haltung etwa zur Ukraine nicht der Haltung Viktor Orbáns entgegengesetzt habe. Er war sehr vorsichtig in seiner, würde ich sagen, Position gegenüber dem Krieg in der Ukraine.

Wie wir wissen, hat Péter Magyar Viktor Orbán im Grunde verteidigt, als der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky sozusagen einen Scherz darüber machte, dass er die Adresse des ungarischen Premierministers den ukrainischen Militärs mitteilen werde. Und Péter Magyar sagte, kein ausländischer Politiker dürfe dem Premierminister Ungarns drohen. Er verhält sich sehr vorsichtig zum Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union. Er unterstreicht, dass Ungarn der Ukraine keine militärische Hilfe leisten werde. Das heißt, auf den ersten Blick unterscheiden sich die Positionen Péter Magyars gar nicht so stark von denen Viktor Orbáns, selbst wenn es um die Lieferung von Öl durch die Druschba-Pipeline nach Ungarn geht. Auch darauf möchte Péter Magyar nicht verzichten. Er sagt, Ungarn müsse das Öl gemäß den unterzeichneten Verträgen erhalten.

Und viele sagen: „Also was ist dann eigentlich der Unterschied?“ Aber wir brauchen von der ungarischen Regierung überhaupt nicht, dass sie die Politik, die Viktor Orbán in letzter Zeit verfolgt hat, radikal ändert. Ich würde sagen, wir bräuchten von der ungarischen Regierung, dass sie zu jener Politik zurückkehrt, die Viktor Orbán noch vor einem oder anderthalb Jahren verfolgt hat, vor Beginn des Wahlkampfs und vor Beginn der offenen Orientierung des ungarischen Premierministers auf den Kreml. Gemeint sind ganz einfache Dinge:

• Wir brauchen, dass Ungarn sein Veto gegen die Gelder aufhebt, die die Ukraine von der Europäischen Union erhalten soll.

• Wir brauchen, dass Ungarn den Verhandlungsprozess zwischen der Ukraine und der Europäischen Union nicht blockiert. Aus technischer Sicht hat dieser Verhandlungsprozess begonnen, aber formal hat er nicht begonnen, wie Sie wissen. Das heißt, Ungarn blockiert den formalen Beginn der Verhandlungen. Das ist der zweite wichtige Punkt.

• Und der dritte wichtige Punkt: Wir brauchen, dass Ungarn in dieser Situation das neue Sanktionspaket gegen die Russische Föderation nicht blockiert, damit der Sanktionsdruck der Europäischen Union auf die Russische Föderation ebenfalls verstärkt wird.

Drei Positionen. Noch einmal möchte ich Sie daran erinnern, dass bei diesen drei Positionen auch die Rolle einer anderen Regierung wichtig ist. Das ist die slowakische Regierung Robert Ficos. Und Fico hat bereits gesagt, dass er bereit sei, das Erste, das Zweite und das Dritte zu blockieren. Aber mit der slowakischen Regierung wird es leichter sein, sich zu verständigen, wenn Ungarn seine Position ändert. Ganz abgesehen davon, dass die Länder der Europäischen Union in dieser Situation sogar die Möglichkeit haben, die Position der Slowakei zu blockieren, weil die Position eines einzelnen Landes durch einstimmige Abstimmung blockiert werden kann. Wenn aber zwei Länder etwas blockieren, ist das faktisch eine unlösbare Situation.

Kann Péter Magyar seine Position ändern, nachdem er Premierminister Ungarns geworden ist? Er kann es, denn für ihn wird die Freigabe europäischer Fonds für Ungarn eine große Errungenschaft sein. Und im Prinzip ist klar, dass die Europäische Kommission Péter Magyar entgegenkommen wird. Aber die Idee, dass Ungarn etwa an dieser Bereitstellung von 90 Milliarden Euro für die Ukraine nicht teilnehmen wird – das ist die Position, auf der Viktor Orbán bestand, als er der Bereitstellung dieser Hilfe überhaupt zustimmte –, wird höchstwahrscheinlich bleiben. Die Position, dass Ungarn sich nicht an der militärischen Hilfe für die Ukraine beteiligt, wird höchstwahrscheinlich bleiben. Die Position, dass die Ukraine die Druschba reparieren müsse, damit russisches Öl durch sie fließt, wird höchstwahrscheinlich bleiben. All das kann bleiben. Ungarn kann sein Veto aufheben, aber Kontrolle über die Reparatur der Druschba verlangen. So könnte es sein.

In jedem Fall kann es ein konstruktiver Dialog sein, und wird dabei nicht mehr an der Frage der ungarischen Transkarpathier hängenbleiben. Sie wissen, dass der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky am Vorabend der Wahlen in Ungarn in Transkarpatien war und sich mit Bürgern der Ukraine ungarischer Herkunft traf, darunter auch Militärangehörigen, die unser Land verteidigen. Und bei Péter Szijjártó, Orbáns Außenminister, Träger des russischen Ordens der Freundschaft und zugleich Handlanger des Oligarchen Alisher Usmanov, rief das Irritation hervor. Er sagte: „Warum ist Zelensky denn vor den Wahlen nach Transkarpatien gefahren, um mit den Ungarn zu sprechen? Er sollte lieber die Druschba reparieren.“ Nun, ich bitte Sie, Zelensky weiß selbst, wann er mit den eigenen Bürgern sprechen muss. Diese Situation, in der man in Budapest auf Menschen ungarischer Herkunft wie auf eigenes Eigentum blickt und ihnen vorschreibt, wie sie sich zu verhalten haben, sieht gegenüber diesen Menschen selbst absolut widerwärtig aus.

Übrigens geschah etwas Ähnliches mit der ungarischen Diaspora in Rumänien, wo Orbán ganz frech den Kandidaten der rumänischen Ultrarechten, George Simion, unterstützte. Eben jenen Politiker aus demselben Lager wie er selbst. Und Sie wissen, dass Simion ebenfalls von eben diesem J. D. Vance unterstützt wurde. Nun, ich denke, das ist gut. Möge J. D. Vance alle unterstützen, denn er verliert immer. Er ist ein idealer Marker der Niederlage. Aber der Punkt ist, dass Simion ein antiungarischer Kandidat war. Er ist wiederholt mit antiungarischen Aussagen aufgetreten. Und Orbán kümmerte das überhaupt nicht, wenn es um sein eigenes politisches Lager ging. Er hielt das für völlig normal, und meinte, so müsse es auch sein.

Und in dieser Situation ist, wie Sie verstehen, nichts Neues geschehen mit dem, wie sich die Situation in Rumänien verändert hat. Orbán unterstützte weiter einmal den einen, einmal den anderen ultrarechten Kandidaten. Jetzt hat man in Budapest bereits begriffen, dass das eine gefährliche Taktik war, und versucht wieder, eine gemeinsame Sprache mit den ethnischen Ungarn, den Bürgern Rumäniens, zu finden, die bei den Wahlen abstimmen. Das ist ebenfalls ein wichtiger Punkt: Orbán hat diese Wahlen in eine Art gesamte ungarische Abstimmung verwandelt und nicht in eine Abstimmung der Bürger Ungarns. Aber es ist unbekannt, inwieweit gewöhnliche Menschen, im Unterschied zu den Leitern der ungarischen Gemeinden Rumäniens, ihm dieses Verhalten bei den Wahlen nun verzeihen können.

Also, 66,7 % der Stimmen sind von der Wahlkommission Ungarns ausgezählt worden. Wie sieht die Situation im Moment aus? Tisza erhält 53,27 % der Stimmen nach Parteilisten. Fidesz, die Partei Viktor Orbáns, 38 %, und 6 % erhält „Unsere Heimat“. Das bedeutet im Prinzip, dass Tisza im Moment prognostisch 137 Mandate haben könnte. Das ist mehr als die verfassungsändernde Mehrheit. Die Partei Viktor Orbáns könnte ungefähr 55 Mandate haben. Nun, wenn sich das so hält, dann ist das eine echte, würde ich sagen, vernichtende Niederlage der Partei Viktor Orbáns, wozu ich sie auch beglückwünsche.

Soeben hat der Premierminister Ungarns und Führer der ultrarechten pro-Trump-Partei Fidesz Viktor Orbán seine Niederlage und damit auch die Niederlage Donald Trumps und Wladimir Putins bei den Parlamentswahlen in Ungarn anerkannt. „Wir werden unserem Land und dem ungarischen Volk weiter dienen“, unterstrich Orbán. Nun, das ungarische Volk verstehe ich. Aber welches Land Viktor Orbán für unser hält – Ungarn oder die Russische Föderation –, wenn er sich so begeistert mit der Maus des widerwärtigen russischen Diktators verglich, da bin ich mir nicht sicher, ehrlich gesagt. Ich bin nicht sicher, dass Ungarn das Land Viktor Orbáns ist. Orbán rief den Führer der ungarischen Opposition, den neuen Premierminister Ungarns, offensichtlich Péter Magyar, an und gratulierte ihm zum Sieg über eine der widerwärtigsten politischen Kräfte Europas. Orbán hat es so nicht gesagt, aber wir könnten ihm sagen, dass es so ist.

Wenn die Partei von Magyar tatsächlich diese 135 Sitze erhalten kann, dann wird sie nicht nur die Beamten Viktor Orbáns austauschen können, die der Apparat dieser vertikalisierten Korruption im Land waren. Sie wird die ungarische Verfassung ändern können, aus der Viktor Orbán das Wort Republik entfernt hat, Gesetze ändern und so damit beginnen können, den antiungarischen Staat Viktor Orbáns zu beseitigen, der in diesen widerwärtigen 16 Jahren seines populistischen Verbleibs an der Macht aufgebaut wurde. Das ist eine große Erleichterung für das ungarische Volk, dem ich sagen möchte, dass ich ihm zu diesem Sieg aufrichtig gratuliere. Eine große Erleichterung für Europa.

Die Russen sind bereits außer sich. Der odiose Politologe Sergej Markow – ich zitiere ihn hier gern, zumal er jetzt kein Agent mehr ist –, bekannt für seine aggressiven Ansichten gegenüber unserem Land, unterstreicht, dass die Niederlage Orbáns den Kredit für die Ukraine freischalten werde. „Wir haben Orbán überschätzt“, sagt Markow, „und haben die Führung der Europäischen Union wieder einmal unterschätzt. Das wird sehr schlechte Folgen für den Frieden in Europa haben. Es wird ein gigantisches Budget von 90 Milliarden Euro für die ukrainische Armee, für Europas Krieg mit den Händen der ukrainischen Armee, bereitgestellt werden. Das 20. Sanktionspaket wird verabschiedet werden, und dann auch die Vorbereitung auf massive Piratenangriffe gegen die Schiffe der russischen Schattenflotte mit Drohungen einer harten Reduzierung des russischen Ölexports oder mit Drohungen eines militärischen Konflikts mit Europa. Die EU-Führung wird noch radikaler werden.“ Nun ja, Serjoscha Markow, Pech gehabt für dich und deinen Herrn Putin mit Europa. Das ist tatsächlich auch ein europäisches Fest.

Und noch einer Person, der wir alle aufrichtig für ihre Hilfe danken sollten, vielleicht sogar Dankesbriefe ans Weiße Haus schreiben sollten, ist der Vizepräsident der Vereinigten Staaten J. D. Vance. Kommen Sie zu uns, und was noch wichtiger ist, erscheinen Sie bei diesen Wahlkampagnen, treten Sie mit Aufrufen auf, richtig zu wählen, und Trump soll ruhig twittern. Man kann sagen, dass Trump und Vance heute auch Mitautoren des Sieges von Péter Magyar sind. Tatsache bleibt Tatsache, wie Sie verstehen.

Natürlich wird Orbán noch ungefähr einen Monat an der Macht bleiben, aber das wird bereits ein Monat einer lahmen Ente sein. Und das ist ein wichtiger Punkt, über den wir sprechen müssen, wenn wir diese Situation mit der Fortsetzung der Geschichte, mit der Ablösung Viktor Orbáns, besprechen. Ich möchte Sie davon überzeugen, dass er in diesem Monat ebenfalls versuchen wird, vieles zu tun. Ich glaube nicht, dass Sie an seinen Talenten zweifeln. Diese Person ist immerhin, daran sollten wir denken, ein ernsthafter, erfahrener Politiker, ein Mensch, den man wirklich ein politisches Tier nennen kann. Und auch das ist ein sehr wichtiger Punkt.

Nun wird in diesem Chat, der während dieser Sendung bereits läuft, gefragt, ob Trump irgendwie reagieren wird, also die Ungarn für Orbáns Niederlage bestrafen wird, oder ob er wieder so tun wird, als sei nichts geschehen, kein Problem, alles unter Kontrolle.

Portnikov. Ich denke, die Führung der Vereinigten Staaten wird mit der neuen Regierung Ungarns arbeiten. Übrigens muss ich sagen, dass J. D. Vance das selbst gesagt hat. Und Beobachter in Ungarn haben das ebenfalls bemerkt. Sie sagten, dass Péter Magyar von J. D. Vance das bekommen habe, was er sich wünschte. Als man ihn also fragte: „Und was werden die Vereinigten Staaten im Falle einer Niederlage Viktor Orbáns tun?“, sagte J. D. Vance, dass die Vereinigten Staaten natürlich mit der Regierung zusammenarbeiten würden, die das ungarische Volk wähle. Obwohl Viktor Orbán natürlich gewinnen werde. Aber diese Worte wurden ausgesprochen, also wird niemand irgendwen bestrafen. Man wird nur nach neuen Formen der Zusammenarbeit suchen.

Hier schreibt man, Orbán könne die Wahlen noch gewinnen, der menschliche Faktor könne noch wirken. Nein, er kann die Wahlen nicht mehr gewinnen. Es gibt Niederlagen, die man selbst durch Fälschung nicht mehr umdrehen kann.

Frage. Welche Varianten der weiteren Entwicklung hat Orbán Ihrer Meinung nach für sich vorbereitet, und mit ihm Putin und Trump, falls er die Wahlen verliert? Oder haben sie mit einer solchen Entwicklung gar nicht gerechnet?

Portnikov. Ich denke, Orbán kann meinen, dass er an die Macht zurückkehren kann. Es wäre nicht das erste Mal, verstehen Sie? Orbán hatte ein großes Intervall, eine große Pause, als er zum ersten Mal Premierminister Ungarns war. Sie erinnern sich wohl, dass Viktor Yushchenko sich damals mit einem Brief an ihn wandte. Und dort erinnerte er daran, dass sie Gleichgesinnte gewesen seien, dass sie gemeinsam an die europäische Perspektive ihrer Länder, an die gemeinsame Arbeit in der Europäischen Union gedacht hätten. Aber das war damals, als Orbán zum ersten Mal Premierminister Ungarns war. Und damals ja, war er ein Gleichgesinnter des europäisch denkenden ukrainischen Premierministers Viktor Yushchenko. Doch danach verlor er die Macht. Damals siegten die linken Kräfte der ungarischen Konservativen und Liberalen. Und Orbán kehrte bereits als ultrarechter Politiker an die Macht zurück. Also kann er darüber nachdenken, wie er zurückkehren kann.

Zumal Sie ja verstehen, dass die Menschen von jeder neuen Regierung, die eine solche Macht ablöst, die viele Jahre lang regiert hat, eine rasche Verbesserung der Lage erwarten können, die möglicherweise nicht eintritt. Der Bürgermeister von Budapest, der, wie Sie wissen, ein gegenüber Orbán oppositionell eingestellter Politiker ist, immer mit ihm gestritten hat und jetzt sagte, dass für Budapest die einzige Rettungsmöglichkeit die Wahl einer neuen Macht sei, weil Orbán immer gegen die lokalen Machthaber, darunter auch gegen die Macht Budapests, gekämpft habe – Gergely Karácsony, ja, der Bürgermeister von Budapest –, sagte, dass man keine schnellen Veränderungen erwarten dürfe. Dass die Menschen, wenn sie solche schnellen Veränderungen in einem Staat erwarteten, der 16 Jahre lang als korrupte Vertikale aufgebaut wurde, ziemlich schnell enttäuscht sein könnten. Und man muss sagen, dass in dieser Situation Orbán natürlich genau darauf rechnen kann, in der nächsten Wahlperiode unter Ausnutzung dieser Wählerenttäuschung an die Macht zurückzukehren.

Aber ich wiederhole noch einmal: Das kann nur geschehen, wenn er nicht zum Angeklagten in Gerichtsverfahren wird. Und genau hier gibt es ziemlich interessante Momente. Das ist es, worauf Orbán in Bezug auf seine Freundschaft mit Trump rechnen kann: dass Trump Druck auf die ungarische Führung ausübt, dass Trump den ungarischen Premierminister davon überzeugt, Orbán nicht anzurühren. Aber wissen Sie, ich würde an Orbáns Stelle nicht allzu sehr auf Trump hoffen. Trump verteidigte anfangs den früheren Präsidenten Brasiliens Jair Bolsonaro. Er drohte sogar mit Sanktionen gegen Brasilien. Er sagte, Bolsonaro werde für genau das zu Unrecht beschuldigt, wofür auch er, Trump, beschuldigt worden sei. Und dann hörte er plötzlich auf, sich dafür zu interessieren. Ich meine damit die Machtergreifung, den Sturm aufs Kapitol auf brasilianische Weise. Und dann – zack – interessierte er sich nicht mehr dafür, hörte auf, sich für Bolsonaro zu interessieren, hörte auf, ihn zu erwähnen, antwortete sehr matt auf Fragen zu ihm. Und am Ende kam für Bolsonaro nichts Gutes dabei heraus.

72,4 % der Stimmen der Wähler in Ungarn sind ausgezählt. 53,45 % der Stimmen hat Tisza, 37,92 % der Stimmen die Partei Orbáns, Fidesz. Unsere Heimat hat 5,99 % der Stimmen im Parlament. So sehen wir, dass die Partei Tisza die Möglichkeit einer verfassungsändernden Mehrheit der Stimmen bewahrt. Das ist im Prinzip eine offensichtliche Sache. Jetzt könnte sie nach der Prognose 138 Sitze erhalten, 54 Mandate hätte die Partei Viktor Orbáns. Das ist eine echte vernichtende Niederlage. Denken Sie also nicht einmal daran, dass noch irgendwer real irgendwelche Chancen auf den Sieg verlieren könnte – ich meine Péter Magyar – oder dass Orbán noch irgendetwas durch den administrativen Ressourcenapparat herausholen könnte. Nein. Und Sie verstehen ja, dass jetzt all diese administrativen Ressourcen, wenn ihre, würde ich sagen, Leiter sehen, was geschieht, wie es immer mit solchen Leuten ist, schnell die Seiten wechseln, um den Sieger zu unterstützen. Auch das ist ein wichtiger Punkt bei dem, was geschieht.

Frage. Glauben Sie, dass es reale Gerichtsprozesse geben wird? Die jüngsten Nachrichten über die Zusammenarbeit mit dem Kreml und mit dem Iran und so weiter sind ja einfach erstaunlich. Gibt es eine Chance, dass Orbán und Szijjártó ins Gefängnis kommen?

Portnikov. Nun, auch das wird davon abhängen, wie effektiv die neue Regierung beim Umbau der Justizvertikale arbeiten wird. Sie verstehen doch, dass das jetzt ebenfalls eine große Frage ist. In den letzten Wochen traten bereits einige Vertreter des Strafverfolgungssystems gegen Orbán auf und sagten, dass Orbán faktisch die nationalen Interessen Ungarns verrate. Möglicherweise wird es auch im System der ungarischen Sicherheitsstrukturen reale Möglichkeiten geben, sich zu reinigen. Das wird sehr stark vom Team Péter Magyars abhängen. Wir verstehen ja, dass Péter Magyars Partei Tisza eine Partei eines einzigen Akteurs ist. 

Hier ist es wichtig, über den neuen ungarischen Premierminister selbst zu sprechen. Er kommt ja tatsächlich nicht aus irgendeiner, würde ich sagen, systemischen Opposition zu Orbán, gegen die Orbán all diese Jahre kämpfte und die er seinerzeit vor bereits 15 Jahren bei Wahlen besiegte, auch unter Begleitmusik von Korruptionsvorwürfen, von Verfall des Staates und so weiter. Und tatsächlich hatten die Menschen, die Ungarn damals regierten, allen Anlass, diesen Vorwürfen zu entsprechen. Aber Péter Magyar machte gerade in der Partei Fidesz Karriere. Diese Karriere gelang ihm nicht. Sie wissen, dass es hier eine interessante Situation gab: Péter Magyar ist ein Mann aus einer angesehenen ungarischen Familie, würde ich sagen, mit ernsthaften Positionen in der Gesellschaft. Aber es kam so, dass er, nachdem er Judit Varga geheiratet hatte, eine bekannte Juristin, die später Justizministerin in Orbáns Regierung wurde, geradezu zum Ehemann der Justizministerin wurde – bis zu dem Punkt, dass er Elternurlaub zur Betreuung ihrer Kinder nahm. Und ihn störte das offensichtlich, dass er auf die zweite, dritte Reihe geraten war, und auch die Beziehung zu seiner Frau funktionierte nicht, weil er faktisch nicht in einer solchen Rolle auftreten wollte. Das war sichtbar, als er vor kurzem ein Interview gab und man ihm sagte, dass er ja mit Judit Varga verheiratet gewesen sei, und er sagte: „Nein, sie war mit mir verheiratet.“ Also das ist so eine Geschichte, so ein Komplex, der geblieben ist.

Und Orbáns Kampf mit Magyar begann faktisch in dem Moment, als Orbán beschloss, Varga und die damalige Präsidentin Ungarns für die skandalöse Geschichte mit der Begnadigung eines Mannes verantwortlich zu machen, der der Pädophilie beschuldigt worden war und völlig unverständlich begnadigt wurde. Und Orbán machte für diese Begnadigung die Justizministerin verantwortlich, die den Antrag auf diese Begnadigung eingebracht hatte, und die Präsidentin, die diese Begnadigung unterschrieben hatte. Aber das Problem ist ja, dass wir verstehen, dass solche Entscheidungen nicht über die Präsidentin und die Justizministerin laufen. Sie können nicht ohne Orbán erfolgen. Und alle verstanden ausgezeichnet, dass Orbán diese Frauen einfach als Sündenböcke für seinen eigenen Fehler benutzt hat, um sich selbst zu retten. Und Magyar, der zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr mit Varga verheiratet war, veröffentlichte damals eine Aufnahme eines Gesprächs mit ihr, offensichtlich heimlich angefertigt, in der sie von Korruption im Umfeld Orbáns erzählte. Und Varga versicherte später, er habe ihr diese Aufnahme mit Gewalt abgenommen, er habe ihr gedroht. Man beschuldigte ihn der häuslichen Gewalt. Aber das war schon eine Situation, in der sie nicht mehr verheiratet waren und in der auch Vargás politische Karriere zu Ende ging, denn sie wurde im Prinzip bereits als mögliche Spitzenkandidatin von Orbáns Liste bei den Wahlen zum Europäischen Parlament angesehen. Sie sollte nach Brüssel ziehen. Nichts davon geschah, wie Sie verstehen. Und gerade in diesem Moment geschah diese Geschichte, dass man sagen kann, dass es im Orbánschen System selbst einen ernsten Riss, einen ernsten Bruch gab. Das ist also eine reale Geschichte, die mit der zukünftigen Entwicklung der Ereignisse in Ungarn verbunden ist.

Nun, wenn wir die Stimmen zählen, müssen wir wiederum daran denken, dass es auch Stimmen per Post gibt. Sie können das Kräfteverhältnis ebenfalls noch etwas verändern, aber nach dem, was wir sehen, längst nicht so stark, wie sie darauf Einfluss haben könnten. 77,5 % der Stimmen sind bereits ausgezählt. 53,46 % der Stimmen für die Partei Tisza. 37,91 % der Stimmen für Fidesz und 5,98 % der Stimmen für die ultrarechte Partei, wie ich sagte, offen prorussische Partei Unsere Heimat. Wie könnten die Mandate aussehen? Tisza wird 138 Mandate haben. Höchstwahrscheinlich ist das vorläufig eine sichere verfassungsändernde Mehrheit. Fidesz wird 54 Mandate haben und die Partei Unsere Heimat etwa sieben Mandate. Das heißt, im Prinzip werden selbst bei einem Zusammenschluss zweier ultrarechter politischer Formationen, einer maskiert pro-putinistischen und einer offen pro-putinistischen, nur 61 Mandate zustande kommen, was keine große Bedeutung mehr haben wird. Alle anderen politischen Parteien werden nicht ins Parlament einziehen.

Interessant ist, dass die ungarische Währung, der Forint, vor dem Hintergrund dieser Meldungen über den Sieg der Opposition zu steigen begonnen hat. Auch das sagt vieles, denn wenn sich die nationale Währung stärkt, wenn die Regierung verliert, dann sagt das alles über diese Regierung aus, verstehen Sie? Alles über ihre Wirtschaftspolitik, über das Verhältnis der Wirtschaft zu ihrer Effektivität. Und auch das verstehen wir ja ausgezeichnet.

Ich wundere mich, wie viele Kommentare wir haben, die sagen: „Nein, Orbán wird trotzdem gewinnen.“ Er wird nicht gewinnen. Es gibt einfach arithmetische Dinge. Und übrigens werden jetzt ja außer den Stimmen nach Parteilisten auch die Stimmen in den Wahlkreisen ausgezählt. Verstehen Sie das? Und jene Stimmen per Post, von denen Sie sprechen, die Stimmen der Diaspora, werden dennoch in die Stimmen nach Parteilisten eingehen. Verstehen Sie, wenn die Teilung 50 zu 50 wäre, dann könnte man sagen, dass sich in der Woche nach den Wahlen noch etwas ändern könnte. Nehmen wir an, Tisza hätte 52 oder 53 % der Stimmen und Orbán 49 %, und Orbán könnte dank dieser Stimmen der Diaspora oder per Post, ganz bedingt gesagt – obwohl niemand gesagt hat, dass die Diaspora jetzt für ihn stimmen wird –, die Mehrheit der Wählerstimmen erhalten. Das wird jetzt nicht mehr geschehen, denn die Zahl der Stimmen, die Orbán heute hat, auch unter Berücksichtigung der Besonderheiten der Umverteilung der Mandate nach eben jenem System, das Orbán geschaffen hat – vielleicht wird Tisza es ändern, das wissen wir nicht –, gibt Orbán keine Möglichkeit mehr, administrative Ressourcen oder zusätzliche Stimmen zu nutzen, selbst wenn es sie geben sollte. Deshalb ist im Prinzip für Orbán alles klar, auch wenn für Sie nicht, denn die Ergebnisse, auf die ich jetzt schaue, sind auch Ergebnisse der Abstimmung in den Wahlkreisen. Das heißt, ich sehe vor mir nicht irgendwelche Tabellen der ungarischen Zentralen Wahlkommission, um es mal so zu sagen. Ich schaue auf die ungarische Presse. Wir schauen zusammen auf die ungarische Presse. Und ich schaue auf die Ergebnisse in den Einerwahlkreisen. Und genau das, was ich Ihnen sage, sind auch die Ergebnisse in den Wahlkreisen. Sagen wir bedingt: Es gibt Ergebnisse, bei denen Kandidaten von Fidesz und ihrem Verbündeten führen. Sie treten bekanntlich in einem Block an. Dort braucht man sehr wenige Stimmen. Damit Sie verstehen, wo sie dort führen: elf Wahlkreise, in denen sie führen. In einem Wahlkreis bekommt der Sieger 800 Stimmen. In einem anderen 900 Stimmen. In einem Einerwahlkreis bekommt ein Fidesz-Kandidat 1000 Stimmen. Noch einmal: 1000 Stimmen. Ich lese Ihnen diese Liste vor, damit Sie verstehen, wie diese ländlichen Wahlkreise zugeschnitten sind: Es genügt, 1000 oder 2000 Wählerstimmen zu erhalten, um zu gewinnen und mit den Stimmen von tausend Wählern ins Parlament zu kommen. Das ist ein solches System. Zugleich sehen wir aber, dass es Wahlkreise gibt, die sehr seltsam zugeschnitten sind. Und in diesen Wahlkreisen gewinnt die Partei Tisza positionsmäßig. Auch das ist eine sehr wichtige Sache, die man sagen muss.

So beobachten wir jetzt gleichzeitig zwei Auszählungen. Die Auszählung nach Parteilisten – ich nenne Ihnen ständig ihre Zahlen. Und die Auszählung in den Einerwahlkreisen, von denen ich Ihnen von Anfang an gesprochen habe. Das heißt, diese Mandatszahlen, von denen ich Ihnen erzähle, sind nicht die Zahlen nach Parteilisten. Nach Parteilisten nenne ich Ihnen die Prozentsätze, und diese Sitzzahlen, von denen ich spreche, sind Zahlen unter Einbeziehung der Einerwahlkreise. Zu Beginn unserer Sendung habe ich Ihnen die Anzahl genannt, und ich wiederhole sie noch einmal für die, die später dazugekommen sind: 199 Abgeordnete, 106 nach dem Mehrheitswahlsystem in Einerwahlkreisen, 93 nach Parteilisten, für eine verfassungsändernde Mehrheit 133, für eine einfache Mehrheit 100. Gemerkt? 199, 106, 93, Mehrheit 100, verfassungsändernde Mehrheit 133. Wenn ich Ihnen nun die Auszählung der Stimmen erläutere, nenne ich Ihnen den Prozentsatz der ausgezählten Stimmen und die Prozentsätze, die die Parteien nach Parteilisten erhalten haben. Ich erinnere daran, dass jetzt 77,5 % bearbeitet sind, 53,46 Tisza, 37,91 Fidesz, 5,98 Unsere Heimat. Wenn ich die Zahl der Mandate nenne, dann ist das die Summe der Mandate nach Parteilisten und nach Wahlkreisen, die bereits ausgezählt ist. Deshalb sind das die realen Zahlen.

Warum sagte man, dass die Ergebnisse dieser Wahlen erst in einer Woche bekannt sein könnten? Weil bei ungarischen Wahlen, wenn Opposition und Regierung dicht beieinander liegen, die Ergebnisse der Briefwahl und der Auslandswahllokale die Verteilung der Sitze nach Parteilisten beeinflussen können, aber nicht in die Stimmen eingehen, die in den Einerwahlkreisen abgegeben werden. Und wie Sie verstehen, kann bei einem solchen Vorsprung, wie er bei den Parteilisten besteht, wenn der Führende 53 % der Stimmen hat, keine Diaspora und kein Brief die Gesamtsituation ändern. Das versuche ich zu erklären. Nun, sie könnten theoretisch die verfassungsändernde Mehrheit um irgendeine Zahl verringern, aber auch das sieht bereits nicht realistisch aus. Und außerdem, ich sage es Ihnen noch einmal, denke ich nicht, dass in dieser Situation die ungarische Diaspora für Viktor Orbán stimmen wird, denn selbst in der ungarischen Diaspora war die Registrierung jetzt höher als in vielen Wahljahren zuvor. Auch das müssen jene verstehen, die diese Abstimmung verfolgen.

Im Prinzip hat auch Orbán als realistischer Mensch ausgezeichnet begriffen, was geschehen ist. Wenn Orbán Hoffnung gehabt hätte, dass er das noch zurückdrehen könnte, dann hätte er Péter Magyar nicht öffentlich gratuliert und ihn nicht angerufen. Das ist, verstehen Sie, das große Problem aller autoritären Führer, die gezwungen sind, das Verfahren realer Wahlen aufrechtzuerhalten. Sie müssen ehrlich gewinnen. Das betrifft Orbán ebenso wie jene, die ihn unterstützt haben. Betrifft Trump, betrifft Netanyahu übrigens ebenfalls. Übrigens zeigen die Ratings, die wir jetzt in Israel sehen, dass der israelische Premierminister, seine Partei und Koalition die Parlamentswahlen verlieren würden, wenn sie heute stattfänden. Verstehen Sie? Und Netanyahu würde diese Niederlage nicht anerkennen? Natürlich würde er sie anerkennen, er hat das schon einmal getan. Um auf Wahlen zu pfeifen, muss man Putin sein. Und Orbán ist, wie wir verstehen, nicht Putin.

Nun kommen wir im Prinzip zum Ende dieser Sendung. Denn mir scheint, dass das Gesamtbild klar ist. Die nächsten Zahlen werden kaum noch etwas Ernsthaftes ändern. Nun, ich schließe nicht aus, dass sie den Vorsprung der Opposition in Bezug auf die Zahl der Mandate verändern, wenn wir irgendeine Veränderung der Prozentsätze nach den Parteilisten sehen, aber nicht wesentlich. Deshalb danke ich Ihnen sehr, dass Sie an diesem Wahlabend mit mir zusammen waren, der den Ergebnissen der Wahlen in Ungarn gewidmet war. In jedem Fall müssen wir verstehen, dass das für uns tatsächlich ein realer Sieg ist und für Europa ein realer Sieg. Selbst wenn Tisza irgendwie keine verfassungsändernde Mehrheit erhält, wird es für Péter Magyar schwer sein, eine De-Orbanisierung der ungarischen Staatlichkeit durchzuführen. Aber all diese wichtigen Entscheidungen für die Ukraine, die die Europäische Union treffen muss, werden nun, denke ich, auch von der neuen Regierung Ungarns gebilligt werden. Und das ist wichtig nicht nur für uns, sondern auch für Ungarn selbst, denn die Eindämmung russischer imperialer Ambitionen – wenn man bedenkt, wie viel Böses Russland Ungarn im 19. und im 20. Jahrhundert angetan hat und übrigens auch jetzt tut, indem es Orbán unterstützt – all das ist wichtig sowohl für das ukrainische als auch für das ungarische Volk.


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Titel des Originals: Орбан програє вибори | Віталій Портников. 12.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 12.04.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von iktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Ein anderer Papst. Vitaly Portnikov. 11.04.2026.

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„Offensichtlich hat er beschlossen, Papst zu sein“, sagte mir einer meiner Gesprächspartner, ein einflussreicher Kirchenhierarch, als wir mit ihm die jüngsten Erklärungen von Papst Leo XIV. besprachen, die während des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran gemacht wurden. Dass der Pontifex offensichtlich – und nicht einfach seine persönliche Meinung äußernd, sondern aus der Perspektive der Dogmatik – den Ansatz widerlegt, den Krieg als etwas Gutes zu betrachten, das erlaubt, beliebige Probleme zu lösen, und als „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“, widerspricht nicht nur der Position von Ländern wie Russland oder Iran, sondern auch der Position der Administration von Donald Trump. Während der amerikanische Kriegsminister Pete Hegseth, ein neubekehrter protestantischer Fundamentalist, versuchte, den Krieg als einen heiligen Feldzug im Namen Christi darzustellen, stellte der erste Papst aus den Vereinigten Staaten fest, dass „Gott keinen Konflikt segnet. Wer ein Jünger Christi ist, des Fürsten des Friedens, steht niemals auf der Seite derer, die einst das Schwert führten und heute Bomben werfen“.

Als nach dem Tod von Papst Franziskus, eines aus Lateinamerika stammenden Kirchenoberhaupts, die Kardinäle einen Hierarchen aus den Vereinigten Staaten zum neuen Oberhaupt der Kirche wählten, glaubten viele von denen, die dem Vatikan fernstehen, aber versuchen, die Handlungen des Konklaves aus politischer Sicht zu analysieren, dass diese Wahl ein weiterer Sieg Donald Trumps sei und ein Zeugnis dafür, dass sich sogar der katholische Klerus vor dem neuen alten amerikanischen Präsidenten fürchtet.

In Wirklichkeit aber war dies die größte Herausforderung für Trump. Die Kardinäle, die fähig sind, Ereignisse weniger in Kategorien politischer Zweckmäßigkeit als in Kategorien von Herausforderungen für Gott und die Kirche zu analysieren, konnten nicht umhin zu begreifen, dass die Administration Trumps ein Triumph der Fundamentalisten ist – seien es christliche, aber deshalb nicht weniger dogmatische. Und sie konnten entscheiden, dass nur ein Amerikaner, der die Ideale des Humanismus verteidigt, imstande ist, diesen selbsternannten „Kreuzfahrern“ entgegenzutreten und Autorität bei den Amerikanern und in der Welt zu haben.

Das heißt, im Grunde geschah genau das, was wir im Oktober 1978 beobachtet haben, als das Konklave begriff, dass man, um anderen Dogmatikern, den kommunistischen, entgegenzutreten, einen Papst aus dem kommunistischen Lager haben müsse – und auf den Stuhl Petri den ersten polnischen Pontifex wählte, Kardinal Karol Wojtyła, der zu Johannes Paul II. wurde.

Tatsächlich hängt über der Welt jetzt keine geringere Gefahr als in den kommunistischen Zeiten – denn jeder Dogmatismus, ob religiös oder politisch, ist immer ein Versuch, die Welt in die Vergangenheit zurückzuführen und uns der Freiheit der Wahl zu berauben. Wir können ironisch lächeln, wenn wir kollektive Gebete im Oval Office beobachten – aber wir müssen begreifen, dass die Menschen, die dort beten, in ihrem Glauben und in ihren Absichten vollkommen ernst sind. Wir wissen nicht einmal, ob sie den selbstverliebten und habgierigen Trump mit seinen Instinkten eines politischen Tieres als echten Führer wahrnehmen oder ihn einfach als Instrument zur Erfüllung der Aufgaben der Führer ihrer religiösen Sekten betrachten. Und auch das ist kein Scherz.

Wenn wir beispielsweise die Biografie von Pete Hegseth diskutieren, erinnern wir uns zunächst an seinen Dienst, an seine gescheiterte Karriere im Veteranenumfeld und an seine Arbeit als Fernsehjournalist. Aber Hegseth wurde zum Neophyten in einer der radikalsten fundamentalistischen protestantischen Gruppen Amerikas. Der Begründer ihrer Ideologie, Douglas Wilson, den man neben dem Minister bei gemeinsamen Gebeten im Pentagon sehen kann, bestreitet die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, tritt für körperliche Züchtigung von Kindern und für eine „Theologie des Faustkampfs“ ein. Und er glaubt an das Konzept der südlichen Konföderierten Staaten, die (im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, wo die Gründerväter die Kirche entschieden vom Staat trennten) ein „christlicher Staat“ waren – nun, natürlich nicht so wie Iran eine „islamische Republik“ ist, aber dennoch… Nun ja, und natürlich rehabilitiert dieser Mann die Sklaverei und brandmarkt ihre Gegner als Hasser Gottes. Und ja, diesen Mann hat Hegseth ins Pentagon eingeladen, um zu predigen. Und ja, als er sich der Gemeinschaft anschloss, musste er versprechen, ihren Ältesten gegenüber verantwortlich zu sein. Und ja, Hegseth rief zusammen mit seinem unmittelbaren Mentor, dem Pastor Bruce Potteiger, die Mitarbeiter des Pentagons zu monatlichen Gebeten „auf freiwilliger Basis“ auf. Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass der Minister, indem er iranische fundamentalistische Ajatollahs vernichtet, gleichsam das Terrain für „Ajatollahs“ aus christlich-fundamentalistischen Sekten säubert. Und ich habe hier nur einen der Vertreter der Administration erwähnt, dem der Papst gewissermaßen stillschweigend entgegengetreten ist. Um das gesamte fundamentalistische Geflecht dieser Administration zu beschreiben, müsste man ein Buch schreiben.

Deshalb ist die Bedeutung der humanistischen Sicht des Papstes auf die Welt in dieser dunklen Zeit (vor allem dunkel nicht einmal aus politischer, sondern aus moralischer Sicht) absolut unvergleichlich. In solchen Zeiten ist derjenige, der klar zwischen Gut und Böse unterscheidet – und dies von einer der wichtigsten Kanzeln der Welt aus tun kann – ein wahrer Retter der Tugenden der Menschheit. Leo XIV. kann uns alle retten – Katholiken und Nichtkatholiken, Christen und Nichtchristen – genau so, wie es seinerzeit Johannes Paul II. getan hat.

Natürlich, wenn er wirklich beschlossen hat, Papst zu sein.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Інший Папа. Віталій Портников. 11.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 11.04.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Scheitern der Verhandlungen: Was weiter? | Vitaly Portnikov. 12.04.2026.

Zunächst einmal gratuliere ich Ihnen zum Feiertag und wünsche, dass Ihr Glaube Sie in diesen schwierigen Zeiten trägt. Und wir beginnen vor allem mit dem Versuch, das zu analysieren, was in dieser Nacht nach Kyiv-Zeit bei den Verhandlungen geschehen ist, die viele erwartet haben. Viele meinten, dass diese beispiellosen Konsultationen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran unter Vermittlung Pakistans tatsächlich ein Verständnis dafür bringen könnten, wie eine Deeskalation im Nahen Osten nach dem im Grunde 40-tägigen Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran aussehen wird, einem Krieg, in dem jetzt ein ziemlich brüchiger Waffenstillstand zu beobachten ist, der jederzeit, an jedem Tag, unterbrochen werden kann.

Die Verhandlungen endeten ohne irgendwelche realen Ergebnisse. Das teilte der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, nach seiner Rückkehr aus dem Iran mit. Das sagt man auch in Teheran. Und wie zu erwarten war, versuchen beide Seiten, die Verantwortung für das Scheitern der Verhandlungen den Teilnehmern der Konsultationen von der Gegenseite zuzuschieben.

Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, betont, dass keinerlei Vereinbarungen erreicht werden können, solange nicht irgendein Einvernehmen über das Vorhandensein von Kernwaffen in der Islamischen Republik und die Unmöglichkeit, sie zu erhalten, erzielt wird. Im Iran sagt man, dass jetzt die Vereinigten Staaten nach vielen Runden erfolgloser Verhandlungen und Kriegen, die diese Konsultationsrunden begleiteten, das Vertrauen der iranischen Seite gewinnen müssen.

Die Verhandlungen dauerten 21 Stunden. Und auch das spricht dafür, dass es viele Bemühungen gab. Zu den Teilnehmern der Verhandlungen wurden auch der Premierminister Pakistans und der Chef der pakistanischen Armee zugeschaltet, die bekanntlich die wichtigsten Vermittler bei diesen Konsultationen zwischen Washington und Teheran waren. Aber keinerlei reale Vereinbarungen konnten erreicht werden.

Meiner Meinung nach ist das ein absolut erwartbares Ergebnis, denn die Positionen der Seiten dazu, wie die Welt infolge des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran aussehen soll, sind diametral entgegengesetzt, und, was am wichtigsten ist, beide Seiten halten sich in diesem Krieg für Sieger und sind deshalb überzeugt, dass sie denen, mit denen sie verhandeln, Bedingungen diktieren können.

Für die Vereinigten Staaten und Israel besteht der Sieg darin, dass sie das militärisch-technische Potenzial der Islamischen Republik erheblich geschwächt, einen großen Teil ihrer militärischen und politischen Führung vernichtet haben, an deren Spitze der Ayatollah Ali Chamenei selbst stand, der Iran viele Jahrzehnte als Diktator autoritär geführt hat. Und jetzt sollen diejenigen, die in Iran an der Macht geblieben sind, wenigstens aus Furcht um ihr eigenes Leben und das Schicksal ihres eigenen Regimes den Bedingungen Donald Trumps zustimmen, damit kein neuer Krieg beginnt.

Im Iran gibt es eine völlig gegenteilige Sicht auf das Geschehene. Das iranische Regime hat standgehalten. Es kontrolliert die Lage im Land. Es kontrolliert die Straße von Hormus, von deren Öffnung die Entwicklung der Weltwirtschaft abhängt und deren fortgesetzte Blockade zu einer beispiellosen wirtschaftlichen und energetischen Krise in der Welt führen kann, die mit den Krisen der letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts nicht zu vergleichen ist. Dem Ausmaß nach beginnt sie bereits.

Und zudem hat der Iran seine Fähigkeit demonstriert, die Infrastruktur der Länder des Persischen Golfs zu zerstören und ihr Ölpotenzial lahmzulegen. Und so ist der Iran überzeugt, dass er sich in einer starken Position befindet und den Vereinigten Staaten und Israel Bedingungen diktieren kann. Für das Selbstvertrauen des Iran spricht die Tatsache, dass der Iran unmittelbar nach Beginn des Waffenstillstands darauf bestand, dass die Straße von Hormus nicht geöffnet wird, solange Israel die Kampfhandlungen im Libanon gegen die Terrororganisation Hisbollah nicht einstellt, und die Vereinigten Staaten mussten dem Iran im Grunde entgegenkommen und Premierminister Benjamin Netanyahu, der in dieser Situation diese Ratschläge des amerikanischen Präsidenten nicht ignorieren kann, raten, zumindest die Häufigkeit und das Niveau der Angriffe auf den Libanon zu verringern und sogar direkten Verhandlungen mit der libanesischen Regierung zuzustimmen, die bereits mehrere Wochen lang vergeblich auf die Zustimmung zu solchen Verhandlungen von Benjamin Netanyahu und seiner Regierung gewartet hatte. Auch das spricht im Prinzip für das Kräftegleichgewicht bei den Verhandlungen.

Was real geschehen ist, worüber man als über beispiellose Erscheinungen sprechen muss:

  • Erstens fanden die ersten direkten Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran auf hoher Beamtenebene seit vielen Jahrzehnten statt. An der Spitze der amerikanischen Delegation stand die zweite Person der Vereinigten Staaten, der Vizepräsident der USA, an der Spitze der iranischen Delegation der Vorsitzende des iranischen Parlaments. Auf einem so hohen Niveau hatten Verhandlungen praktisch seit dem Moment nicht stattgefunden, als Iran zur Islamischen Republik unter Führung seiner berühmten Ayatollahs wurde.
  • Der zweite Punkt besteht darin, dass man trotz des offensichtlichen Scheiterns der Verhandlungen und des prognostizierbaren Scheiterns der Verhandlungen nicht sagen kann, dass beide Seiten an einer Wiederaufnahme der Kampfhandlungen interessiert sind, was immer sie darüber auch sagen mögen.

Donald Trump droht dem Iran jetzt natürlich mit einer solchen Wiederaufnahme, mit der Ansammlung großer Streitkräfte im Persischen Golf um die Küsten des Iran herum. Aber hier stellt sich eine einfache Frage. Wenn Trump so sicher war, dass diese Streitkräfte ausreichen, um die Möglichkeiten der Islamischen Republik zu verändern, nicht einmal ihre Positionen, sondern ihre Möglichkeiten, warum stimmte er dann dem Waffenstillstand zu und warum initiierte er im Grunde diese Verhandlungen mit der Islamischen Republik? Denn seit der Verkündung des Waffenstillstands mit Iran durch Trump hat sich aus Sicht militärischer Stärke und amerikanischer Möglichkeiten praktisch nichts verändert. Zum Schlechteren, meine ich, aber auch nicht zum Besseren.

Und nach wie vor bleibt die Frage offen, ob man mit militärischer Gewalt, selbst durch Bombardierung strategischer Objekte des Iran und sogar unter der Bedingung einer begrenzten Militäroperation zur Einnahme von Objekten im Iran, real die Kontrolle über die Straße von Hormus herstellen, die Sicherheit der Durchfahrt von Öltankern durch diese Straße gewährleisten kann. Das ist die wichtigste Frage für die gesamte amerikanische Strategie. Und ob die Vereinigten Staaten und Israel bereit sind für die Folgen dessen, dass der Iran als Antwort nicht nur auf Infrastrukturobjekte Israels schlagen wird, die ebenfalls zu seinen vorrangigen Zielen gehören, insbesondere israelische Kraftwerke, sondern auch auf wichtige Infrastrukturobjekte in den Ländern des Persischen Golfs, in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Katar, Kuwait. Inwieweit sind die Vereinigten Staaten dazu bereit, dass diese Länder das Niveau der Ressourcenlieferungen auf den Weltmarkt senken, der durch diese 40 Tage und die Zeit des Waffenstillstands ohnehin schon sehr eingeschränkt ist? Denn die Straße von Hormus bleibt, was Donald Trump auch immer erzählen mag und welche Bilder vom Durchfahren amerikanischer Kriegsschiffe durch diese Straße auch immer erscheinen mögen, blockiert, und das bedeutet, dass kein Öl durch sie hindurchgeht.

Das sind die Hauptfragen, die zu diskutieren sind, wenn vom weiteren Verlauf der Ereignisse die Rede ist. Aber auch Iran, wie Sie verstehen, ist nicht daran interessiert, dass die Vereinigten Staaten Schläge auf sein Territorium ausführen. Was die Iraner auch immer darüber sagen mögen, dass sie standhalten und Möglichkeiten zum Wiederaufbau des Landes auch nach neuen Schlägen erhalten können. Offensichtlich versucht jedes Land, dessen Führung sich zumindest in irgendeiner bedingten Adäquatheit befindet, die weitere Zerstörung seiner Infrastruktur zu verhindern. Und davor können die Iraner sich fürchten.

Welche Varianten der weiteren Entwicklung der Ereignisse kann es also geben?

  • Die erste Variante ist die Wiederaufnahme des Krieges im Persischen Golf mit unvorhersehbaren Folgen für die Weltwirtschaft, für Trump selbst, für die gesamte Kräfteverteilung in der Welt. Das ist eine reale Variante. Nichts Gutes wird sie niemandem bringen. Und Trump kann kaum sicher sein, dass diese Variante die Straße von Hormus öffnen wird, obwohl er, würde ich sagen, seine Besorgnis nicht verbergen kann.

Heute schrieb er schon nicht über Öl, denn Öl ist im Preis gestiegen; dass die Treibstoffpreise steigen werden, dass die Preise für Waren, für Güter des täglichen Bedarfs steigen werden, das ist schon eine Realität, mit der die Welt in den nächsten schwierigen Monaten, vielleicht sogar Jahren, leben muss. Denn die Weltwirtschaft stürzt, kann man sagen, rasch in einen Abgrund unbekannter Tiefe, weil jeder neue Tag dieser Konfrontation für diese Tiefe neue Möglichkeiten schafft.

Aber Trump sprach über Düngemittel. Der Preis für Düngemittel steigt erheblich, weil die für sie, für ihre Produktion nötigen chemischen Reagenzien, Materialien ebenfalls nicht durch die Straße von Hormus gelangen. Er sagte, er werde Monopolen nicht erlauben, den Preis zu erhöhen, aber unter den Bedingungen der Vereinigten Staaten mit ihrer Marktwirtschaft ist das nur bloßes Gerede. Höchstwahrscheinlich wird der Preis für Düngemittel steigen, was zu ernsten Problemen für die sogenannte Kernwählerschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten, die amerikanischen Farmer, führen wird.

Viele werden schon in den nächsten Monaten oder Jahren bankrottgehen. Und Trump sagte, die Regierung werde sie schützen, aber heute gibt es keinerlei verständliche Instrumente zum Schutz dieser Menschen ohne unvermeidliche Verarmung, Bankrott und Geschäftsaufgabe, für den Fall, dass Düngemittel teuer sein werden und aus ihren Produkten faktisch eine nicht konkurrenzfähige Ware machen. Niemand weiß, wie das alles zu regeln ist. Und kein Tweet Trumps gibt, wie Sie verstehen, eine Antwort auf diese Frage.

Und die Verteuerung und der Mangel an Düngemitteln sind nur eine der atemberaubenden Folgen dieser Krise. Denn wenn wir von einer Ölkrise sprechen, wenn wir von der Krise der Düngemittel und der Landwirtschaft in der Welt sprechen, wenn wir davon sprechen, dass in einigen Ländern Südostasiens schon sehr bald eine Hungersnot beginnen wird, die wiederum Millionen, wenn nicht Dutzende Millionen Menschenleben fordern wird, dann ist das das, was mit bloßem Auge zu sehen ist.

Und bei genauerem Hinsehen werden wir die Krise der Hochtechnologien sehen, denn durch die Straße von Hormus werden zum Beispiel die nötigen Bestandteile für die Herstellung eben jener Chips transportiert. Und in einem bestimmten Moment kann ein Produktionsmangel all dieser wichtigen Elemente der Hightech-Industrie entstehen, ebenfalls mit ziemlich atemberaubenden Folgen für die Weltwirtschaft.

Das sind nur die ersten Folgen, über die man sprechen muss, wenn wir in die Ferne des für die Weltwirtschaft sehr schwierigen, ich würde sagen katastrophalen Jahres 2026 blicken, das im Vergleich zu dem, was uns 2027 erwartet, sogar ruhig erscheinen könnte. Das wird ein Jahr wirtschaftlicher Überraschungen sein, wie die Menschheit sie im 21. Jahrhundert noch nicht gesehen hat, aber sehen wird.

Und natürlich möchte Trump die ganze Situation irgendwie abmildern, zumindest bis zu den Wahlen zum amerikanischen Kongress. Und hier wird die Wahl sein: entweder eine große Militäroperation beginnen oder die Verhandlungen mit der Führung der Islamischen Republik fortsetzen und irgendeinen Kompromiss finden, der es erlaubt, zumindest teilweise Hormus zu öffnen und dabei nicht wie der offensichtliche Loser in dieser Situation auszusehen, sondern wie ein Sieger, so wie Trump es wünscht.

  • Es gibt noch eine Idee, die Trump heute verbreitet, in sozialen Netzwerken repostet. Das ist eine Seeblockade des Iran. 

Die Schaffung derselben Probleme für den Iran, die seinerzeit für Venezuela geschaffen wurden, die dieses Land faktisch an den Rand einer wirklichen Katastrophe brachten, als Trump die Öllieferungen aus Venezuela durch eine Seeblockade der Küste blockierte. Aber bei einer solchen Idee wie einer Seeblockade gibt es Probleme mit der Geografie. Denn den Iran zu blockieren wird, was gerade die maritime Infrastruktur und die geografische Lage dieses Landes betrifft, viel schwieriger sein als Venezuela, wo im Grunde alles durch absolut einfache Entscheidungen gelöst wurde.

Aber es gibt noch einen Punkt, an den ich Sie erinnern möchte. Dieser Punkt hängt damit zusammen, dass die Seeblockade Venezuelas die Position seines Regimes gegenüber den Vereinigten Staaten nicht veränderte und die Bindung Venezuelas an die Zusammenarbeit mit der Volksrepublik China und der Russischen Föderation nicht veränderte. Um Zugang zum venezolanischen Öl zu erhalten, musste Trump nach der Seeblockade Venezuelas, die lange andauerte und die erwarteten Ergebnisse nicht brachte, zur Festnahme des Präsidenten Venezuelas Nicolás Maduro durch amerikanische Spezialeinheiten greifen.

Und wie wir uns erinnern, wurde erst danach das autoritäre Regime Venezuelas nun aus unerfindlichen Gründen von Trump als legitim anerkannt. Das erinnert noch einmal daran, dass der amerikanische Präsident kein Verteidiger der Demokratie ist, sondern ein Anhänger der Zusammenarbeit mit gehorsamen Diktaturen. Erst danach ging dieses Regime zur Zusammenarbeit mit der Trump-Administration über, und Trump erhielt, wie er sagt, die Kontrolle über das venezolanische Öl.

Und wir verstehen jetzt schon, dass aus Sicht der Logik einer Seeblockade Trumps Hauptidee nicht der Regimewechsel im Iran ist; wir wissen, dass die wichtigsten Mitarbeiter der Trump-Administration, darunter Vizepräsident J. D. Vance, Außenminister Marco Rubio, das als unrealistisches Ziel charakterisiert haben, sondern vor allem die Übernahme der Kontrolle über das iranische Öl. 

Aber wieder stellt sich die Frage, inwieweit das iranische Regime bereit sein wird, auf solche Kompromisse einzugehen, solange es Hormus kontrolliert, solange es versteht, dass Hormus für es eine so wichtige, stabilisierende Arterie in den Verhandlungen mit den Amerikanern ist, dass die Amerikaner ohnehin nichts ausrichten können, solange die Meerenge nicht entblockiert ist.

Und jeder neue Tag der Blockade dieser Meerenge bringt der Weltwirtschaft Verluste in Milliardenhöhe, die, wenn die Meerenge nicht in nächster Zeit entblockiert wird, sich in geometrischer Progression vergrößern werden und Krise, Hunger, wirtschaftliche Not und möglicherweise den Beginn neuer schrecklicher Konflikte auf der ganzen Welt säen werden. Das ist es, worauf wir uns rasant und mit einer Geschwindigkeit, die die Geschwindigkeit eines Supertankers in einer Ölstraße weit übersteigt, zubewegen. Auch das muss man absolut klar verstehen.

Ich sage schon gar nichts davon, dass es Länder gibt, die daran interessiert sind, dass diese Meerenge länger geschlossen bleibt. Und das wichtigste dieser Länder ist natürlich die Russische Föderation unter Führung von Präsident Putin, die zum Hauptnutznießer des Krieges geworden ist. Genau sie, nicht die Vereinigten Staaten und nicht Israel, natürlich auch nicht Iran, sondern Russland, das sein Öl nun zu viel höheren Preisen verkaufen kann, das sich bereits am Rand einer wirklichen wirtschaftlichen Katastrophe befand, als der Ölpreis bei 60–70 Dollar für die Sorte Brent, ich spreche gar nicht von der Sorte Urals, unglaubliche Probleme für den russischen Haushalt schuf.

Und hier erhielt Putin, vielleicht so, wie er es erwartet hatte, ein unglaubliches Geschenk vom Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump in Form des gestiegenen Ölpreises. Und jetzt wird sehr viel gerade von den ukrainischen Militärs abhängen, von unseren Bemühungen zur Zerstörung der Öl- und Ölverarbeitungsinfrastruktur der Russischen Föderation. Jeder Tag, an dem diese Infrastruktur arbeitet, schafft für den Präsidenten der Russischen Föderation und die Führung der Russischen Föderation Möglichkeiten zu hoffen, dass der Krieg gegen die Ukraine nicht nur in den 20er-, sondern auch in den 30er-Jahren des 21. Jahrhunderts weitergehen wird. So viel hängt von unserer Armee ab, denn es geht um Jahre, Jahre und Jahre ununterbrochenen Krieges. Und das ist ebenfalls ein Ergebnis der Kurzsichtigkeit, Arroganz, Inkompetenz des Präsidenten der Vereinigten Staaten Trump und seines nächsten inkompetenten Umfelds sowie der Unfähigkeit derjenigen in der amerikanischen Führung, die die Folgen begreifen, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten das ganze Ausmaß dieser Risiken so zu erklären, dass er es versteht und erschrickt. Aber wir verstehen, dass man in der gegenwärtigen Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten einfach nicht mit einer Position streiten kann, die sehr oft weit vom gesunden Menschenverstand entfernt ist und die Donald Trump aus dem einen oder anderen Grund einnimmt.

Also, jetzt ist die Lage so. Die Wahl zwischen:

  • Einer neuen großen Eskalation im Nahen Osten mit absolut unvorhersehbaren Ergebnissen. Also einer Rückkehr zu dem, was vor dem Waffenstillstand war, einer Rückkehr zu neuen Drohungen dieses Niveaus. 
  • Die zweite Möglichkeit ist die Suche nach neuen Wegen des Drucks auf den Iran. Nun ist die Idee einer Seeblockade aufgetaucht, aber vielleicht taucht noch irgendeine andere Idee auf, das wissen wir nicht.
  • Weiterhin die Möglichkeit einer Fortsetzung der Verhandlungen

Ich denke, dass jetzt viele versuchen werden, diese Verhandlungen wiederaufzunehmen. Das kann die Führung Pakistans tun. Wie ich schon sagte, waren in den letzten Stunden dieser 21-stündigen Konsultationen auch die Führer Pakistans im Raum und sprachen mit den Iranern und den Amerikanern. Nun, also haben die Pakistaner den Wunsch, diesen Verhandlungsprozess irgendwie fortzusetzen.

Wir müssen begreifen, dass hinter den Pakistanern der Schatten des Vorsitzenden der Volksrepublik China und Generalsekretärs der Kommunistischen Partei Xi Jinping zu sehen ist. Und Trump befindet sich jetzt wirtschaftlich und politisch nicht in einer Lage, in der er diese Tatsache ignorieren könnte. Natürlich ist schon seine Idee gescheitert, er könne mit irgendwelchen Karten nach China fahren, die er dem Führer Chinas zeigen könne. Trump hat aus dieser Sicht ein klares Fiasko erlitten. Jetzt sind die Karten in den Händen des chinesischen Führers, aber auch für die Chinesen ist es nicht so leicht, denn die Fortsetzung der Blockade von Hormus schafft offensichtliche Probleme für die chinesische Wirtschaft, noch dazu unter Bedingungen, unter denen die Ukraine die Öl-Möglichkeiten der Russischen Föderation zerstört, auf die China als alternative hätte hoffen können, falls es kein Öl durch die Straße von Hormus erhalten würde.

Somit wäre China im Prinzip an Vereinbarungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran interessiert, aber an solchen, die weder die Erhaltung des iranischen Regimes, eines der Hauptverbündeten der Volksrepublik China, infrage stellen, noch die Kontrolle des Iran über die Handelswege. Wobei es wiederum mit dieser Kontrolle ein großes Problem geben kann, denn wenn die Verhandlungen weitergehen, werden sie zwangsläufig nicht nur daran scheitern, was mit dem nuklearen Potenzial der Islamischen Republik geschieht, denn darüber kann man sich letztlich ohnehin nicht vollständig einigen, wenn man das Regime nicht verändert.

Es ist klar, dass die Nuklearmaterialien der Islamischen Republik ziemlich umfangreich und tief verborgen sind. Es ist klar, dass die Iraner Zugang zu ihnen erhalten können, bevor diese Materialien zerstört werden. Also geht es hier gerade um Kontrolle, um jene Kontrolle, die seinerzeit Präsident Barack Obama in dem Abkommen zu erreichen versuchte, aber es war ein Abkommen mit der Islamischen Republik, und jenes Abkommen, aus dem Donald Trump ausstieg, weil er auf einen einen wirksameren Ansatz gegenüber der Islamischen Republik hoffte. Und das geschah nicht. Wie Sie verstehen, führte auch diese Frist nicht zu irgendwelchen offensichtlichen Ergebnissen, über die man heute sprechen könnte. Nun, auch das ist ein wichtiger Punkt.

Und in dieser Situation besteht noch ein weiterer Punkt darin, dass China Pakistan zu neuen Signalen an die Amerikaner und die Iraner hinsichtlich der Notwendigkeit einer Fortsetzung der Verhandlungen bewegen kann. Wenn in den nächsten Stunden oder Tagen die umfassenden Kampfhandlungen nicht wieder aufgenommen werden, dann könnte eine Chance für eine neue Verhandlungsrunde entstehen. Und unter denen, die daran interessiert sein werden, dass diese Runde stattfindet, wird der Vizepräsident der Vereinigten Staaten J. D. Vance sein, für den die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen mit Iran ein persönliches Fiasko werden kann, denn man wird ihm sagen: „Du wolltest doch mit ihnen reden, hast gesagt, wir wählen die falschen Instrumente, dass man sich mit ihnen verständigen kann, dass man irgendeine zivilisierte Lösung ohne Krieg finden kann. Nun bist du hingefahren, um dich mit ihnen zu verständigen, und was ist daraus geworden, was hast du erreicht?“

Und bei Trump wird es natürlich eine enorme Versuchung geben, die Verantwortung für seine offenkundigen Fehler, denn er trifft solche Entscheidungen, auf J. D. Vance, auf seinen Verteidigungsminister Pete Hegseth, den er jetzt verteidigt, den er aber jederzeit aufhören kann zu verteidigen, und auf andere seiner Gefährten abzuwälzen. Ich spreche schon gar nicht davon, dass Sie sehen, wie all diese antisemitischen Elemente in der odiosen MAGA-Gruppe, die die Basis für Donald Trump ist, bereits beginnen, Israel, den Premierminister Israels Benjamin Netanyahu, der Trump den Plan des Krieges gegen Iran präsentiert hatte, für das Geschehene verantwortlich zu machen. Und auch das kann für Trump in naher Zukunft eine ziemlich bequeme Position sein. So sieht diese Situation im Moment des Scheiterns der Verhandlungen aus, auf die viele aus irgendeinem Grund so sehr gesetzt hatten.

Ich werde auf einige Fragen antworten, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage. Wie meinen Sie, konnten die Verhandlungen im Prinzip zu nichts führen, oder ist das ein Problem mangelnder Kompetenz der amerikanischen Verhandler?

Portnikov. Natürlich ist der Mangel an Kompetenz bei den amerikanischen Verhandlern ein riesiges Problem. Wie Sie verstehen, haben Sie hier völlig recht. J. D. Vance hat in seinem ganzen Leben überhaupt nie irgendwelche realen Verhandlungen auf hohem Niveau geführt und stellt sich nicht besonders gut vor, mit wem er es zu tun hat, womit er es zu tun hat. Nun, und das Niveau der Kompetenz von J. D. Vance in internationalen Fragen konnte man an seinen Bemerkungen sehen, die er im Oval Office während des berühmten Treffens zwischen Zelensky und Trump machte, als Zelensky übrigens, auf den danach alle losgingen, Trump absolut realistische Dinge über die Zukunft des Landes unter seiner Führung sagte, nämlich: „Sie könnten schon bald mit genau denselben Problemen konfrontiert werden wie wir, und wir werden Ihnen helfen.“ Genau jetzt helfen wir übrigens. Und es war offensichtlich, dass weder Donald Trump noch J. D. Vance verstehen, wovon der ukrainische Präsident spricht. So weit sind diese Leute von der Realität entfernt und so inkompetent. Das ist wahr.

Was Witkoff und Kushner betrifft, so scheint mir, dass man es nicht einmal erklären muss. Diese Leute verstehen nichts von Politik, nichts von Diplomatie, nichts, würde ich sagen, von irgendwelchen ideologischen Prioritäten der Länder, mit denen sie verhandeln. Das sind einfach gewöhnliche kleine Immobilienmakler, die gewohnt sind, in Spekulationen auf Manhattan zu denken. Und solche Leute erreichen niemals ernsthaft irgendetwas. Das ist Fakt. Und wenn sie irgendetwas erreichen, dann wenden sich ihre Errungenschaften später in eine Katastrophe für diejenigen, für die sie in Verhandlungen gehen.

Nehmen Sie als Beispiel: Sagen Sie mir bitte, was ist überhaupt mit der Hamas in Gaza geschehen? Ist sie entwaffnet? Hat sie die Macht im Gazastreifen übergeben? Ist sie keine Gefahr mehr für Israel? Nein, Hamas stellt weiterhin ihre Ressourcen und ihre Möglichkeiten wieder her, die von der israelischen Armee zerstörten Tunnel, kontrolliert weiterhin das Territorium, führt weiterhin Untergrundarbeit in Gebieten durch, die von der israelischen Armee kontrolliert werden. All diese Waffenstillstände von Witkoff, weil Trump als großer Friedensstifter erscheinen musste, die Frage der Freilassung der Geiseln lösen musste – das ist übrigens eine große Sache, für die wir Trump dankbar sein müssen, ebenso für die Freilassung unserer Gefangenen infolge des russisch-ukrainischen Verhandlungsprozesses, den Trump ebenfalls initiiert hat. Also, diese humanitäre Komponente funktioniert, weil in solchen Situationen immer gerade die humanitäre Komponente funktioniert. Aber infolgedessen weiß niemand, was weiter sein wird. Dass Hamas jetzt nicht am Krieg Israels und der Vereinigten Staaten gegen Iran teilnimmt, Iran nicht hilft, liegt nur daran, dass Iran auf die arabischen Länder schlägt und die Hamas-Leute sich einen solchen Luxus einfach nicht leisten können, wie auf der Seite Irans aufzutreten in dem Moment, in dem Iran die Infrastruktur ihrer Sponsoren zerstört.

Aber wenn wir über die Inkompetenz der amerikanischen Verhandler sprechen, warum denken wir, dass die iranischen kompetent sind? Das sind doch Vertreter eines totalitären Regimes, die in ihrer eigenen Realität leben. In dieser Realität ist der Wert des menschlichen Lebens absolut geringfügig. Sie denken möglicherweise überhaupt nicht über die Folgen nach. Sie glauben, dass sie die eigene Bevölkerung als lebenden Schutzschild betrachten können. Sie erinnern sich doch daran, dass sie am Vorabend möglicher amerikanischer Schläge auf iranische Kraftwerke Menschen um diese Kraftwerke herum aufgestellt haben. Ist das Kompetenz? Stellen Sie sich vor, man würde Sie vor russischen Bombardierungen irgendwelcher ukrainischer Objekte vor ein Heizkraftwerk stellen. Wie würden Sie die ukrainische Regierung wahrnehmen, die Ihnen sagt: „Steht da und schützt ihn mit euren Körpern“? Das ist alles, was man über den Unterschied zwischen Macht in einem demokratischen Land und Macht in einem totalitären Land wissen muss.

Deshalb glaube ich nicht, dass man so sagen kann, dass die Verhandlungen ausschließlich mit der Inkompetenz der amerikanischen Verhandler verbunden sind. Das ist ein Moment, der es nicht erlaubt, irgendwelche Momente zu finden, nicht einmal von Kompromiss, sondern von Fallen für die eigenen Gegner. Aber wenn die Gegner nicht zu Verhandlungen anreisen, sondern um Zeit zu schinden, und mir scheint, dass die Iraner immer gekommen sind, um Zeit zu schinden, dann kannst du, ob kompetent oder inkompetent, nicht viel ausrichten.

Frage. Aber wirklich, hat Trump denn solche Kriegsziele wie einen Regimewechsel überhaupt ausgesprochen? Es wirkt so, als hätte er das öffentlich doch nicht ausgesprochen, was natürlich die schlechte Kriegsvorbereitung nicht entschuldigt.

Portnikov. Trump sagte in den ersten Tagen nach Beginn dieser Operation, dass die Iraner auf die Straße gehen und dieses Regime zerstören sollten. Das sagte er mehr als einmal. Also kann ich nicht sagen, dass Trump öffentlich nicht von einem Regimewechsel gesprochen hätte. Während des Aufstands der Iraner sagte er auch, dass er auf einen Regimewechsel hoffe. Jetzt sagt er, das Regime habe sich bereits geändert. Dass es ein völlig anderes Regime sei, mit dem er konstruktivere Verhandlungen führen könne. Er sprach ja vom Außenminister des neuen iranischen Regimes. In seinem Kopf hat sich das Regime bereits verändert. Wenn er von einem neuen Regime spricht, dann bedeutet das, dass er als Ziel einen Regimewechsel hatte. Also nein, das hat er öffentlich mehr als einmal gesagt. Die Frage ist nur, wie man das versteht.

Frage. Die ultrarechten Kräfte des Westens schließen sich zusammen in der Unterstützung der Russischen Föderation und in der Geringschätzung der Ukraine. Falls ukrainische Ultrarechte irgendwann nach dem Krieg an die Macht kommen sollten, wie würden sie sich in diese Konstruktion einfügen?

Portnikov. Nun, erstens sehe ich derzeit überhaupt keine realen Grundlagen für die Annahme, dass ukrainische Ultrarechte irgendwann in der Ukraine an die Macht kommen werden. Erstens haben wir keine ernsthaften ultrarechten Kräfte. Zweitens, und das ist das Wichtigste, wir haben keine ideologisierte Gesellschaft. Verstehen Sie? Damit Ultrarechte oder Ultralinke an die Macht kommen, muss es sein, dass die Menschen irgendeinem System von Ansichten und Werten entsprechen, und die Ukrainer wollen einfach gut leben. Deshalb zeigen die 73 % für Zelensky und für seine Partei im Jahr 2019 im Prinzip gerade die De-Ideologisierung der ukrainischen Gesellschaft, weil die Partei Diener des Volkes, wie Sie sich erinnern, erst nachdem sie ins Parlament gekommen und zur regierenden Partei des Landes geworden war, begann, nach einer Ideologie für sich zu suchen. Und das hängt, wissen Sie, mit der Suche nach einem Anzug zusammen, wenn man dich nackt in eine ehrwürdige Gesellschaft gebracht und dir erklärt hat, dass man hier nicht mit nacktem Hintern sitzt. Man muss irgendetwas anziehen. Aber im Prinzip ist es dir völlig gleich, was du trägst, was in dieser Saison Mode ist.

Zweitens wiederum: Niemand hat gesagt, dass, wenn ultrarechte Kräfte in Europa die Ukraine großenteils als Fortsetzung Russlands wahrnehmen, weil sie die Welt nicht nur aus ultrarechter Sicht, sondern auch aus imperialer Sicht wahrnehmen, irgendeine ukrainische ultrarechte Partei, die Russland feindlich gegenübersteht, in ein solches Bild passen würde. Nein, sie würde nicht passen. Ich möchte Sie daran erinnern, dass sogar nicht ultrarechte, sondern eher rechtskonservative Kräfte wie Svoboda versucht haben, Kontakte zu ultrarechten politischen Kräften in Europa zu pflegen, aber dann stellte sich heraus, dass diese Kontakte sinnlos waren, aus dem einfachen Grund, dass irgendwann offensichtlich wurde, dass diese ultrarechten politischen Kräfte Moskau unterstützen.

Aber wiederum hat sich seitdem auch vieles verändert. Es gibt verschiedene ultrarechte Kräfte, sogar verschiedene Fraktionen im Europäischen Parlament. Die einen Ultrarechten orientieren sich an den Brüdern Italiens von Giorgia Meloni. Und diese Ultrarechten sind überhaupt nicht prorussisch. Andere Ultrarechte orientieren sich an Fidesz von Viktor Orbán. Und diese Ultrarechten sind prorussisch. Es gibt Parteien wie die Alternative für Deutschland, die in keines dieser ultrarechten Segmente passen, trotz ihrer Prorussischkeit.

Und ich glaube nicht, dass Sie das überraschen sollte, denn Sie verstehen: Selbst als in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts die ultrarechte Ideologie Europa zu beherrschen begann, zu Beginn dieser schrecklichen, bösartigen Entwicklung, waren Adolf Hitler als Mensch mit nationalsozialistischer Ideologie und Benito Mussolini als Begründer des Faschismus faktisch keine Verbündeten. Das Bündnis zwischen Hitler und Mussolini entstand erst, als Mussolini nach seinem Angriff auf Äthiopien in der zivilisierten Welt zum Ausgestoßenen geworden war. Bis dahin wurde der Faschismus einfach so wahrgenommen, würde ich sagen, als eine anständige, einfach sehr rechte Ideologie, trotz ihres ganzen Autoritarismus. Und auch hier kann es in der westlichen Welt einen ganz realen Kampf von Nazis und Faschisten und irgendwelchen weiteren Verzweigungen dieser ultrarechten Ideologie geben.

Also, ich kann mir vorstellen, dass Ultrarechte in der Ukraine, wenn sie zu irgendeiner gewichtigen Kraft werden sollten, woran ich, ich sage es noch einmal, nicht wirklich glaube, weil ich nicht an die Ideologisiertheit der ukrainischen Gesellschaft glaube, nicht glaube, dass bei den Ukrainern in den nächsten Jahren irgendein System von Ansichten entstehen wird, dann ihren Platz unter jenen Ultrarechten finden werden, die keine prorussischen Ansichten vertreten und keine offenkundigen Imperialisten sind, sondern solche sein können, würde ich sagen, waschechte Nationalisten.

Frage. Ist das Auftauchen nüchtern denkender Leute in der Administration der Vereinigten Staaten in irgendeiner Perspektive möglich, vor dem Hintergrund einer Niederlage bei Nachwahlen oder einer Wirtschaftskrise und so weiter?

Portnikov. Nein. Auf das Auftauchen nüchtern denkender Leute in der Administration der Vereinigten Staaten zu warten, solange Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten ist, lohnt sich nicht. Das ist eine weitere Illusion, weil die Vereinigten Staaten selbst nicht so regiert werden, wie, würde ich sagen, ein Standardland mit einer Administration, in der unter den Beteiligten diskutiert wird. Donald Trump sagt das selbst, absolut klar und verständlich. Er sagt, dass er seine Berater aussprechen lässt und sie dann so handeln, wie er sagt. Das heißt, im Prinzip nimmt er jene Positionen und Ansichten, die ihm nicht gefallen, gar nicht zur Kenntnis. 

Da können viele nüchtern denkende Leute sein, aber erstens können sie Angst haben, ihre realistischen Ansichten zu äußern, um ihre Posten nicht zu verlieren. Und zweitens: Selbst wenn sie solche Ansichten äußern, wenn sie Donald Trump nicht fürchten, schenkt Trump dem keinerlei Aufmerksamkeit, weil er in seiner eigenen Welt lebt. Und die Dämmerung in dieser Welt wird mit seinem Altern immer größer und größer werden. Denn ich, so scheint mir, sage seit dem ersten Tag von Trumps Amtszeit: „Hören Sie, täuschen Sie sich nicht selbst. Trump kann sich in einem mehr oder weniger normalen körperlichen Zustand befinden, aber er wird in diesem Jahr 80 Jahre alt. Die Arbeit des Präsidenten der Vereinigten Staaten ist eine sehr schwere, stressintensive Arbeit. Mir scheint einfach, dass sich ein gewöhnlicher Mensch all den Horror gar nicht vorstellen kann, der dich umgibt, wenn du ein solches Amt übernimmst, erst recht ein Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, wo jeder Fehler zu einer Katastrophe weltweiten Ausmaßes führt.“

Zudem geht es darum, dass im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht einfach nur ein Mensch sitzt, der Fehler fürchtet, sondern einer, der fürchtet, dass Fehler ihn auf die Anklagebank und ins Gefängnis bringen, weil er die ganze Zeit zwischen der ersten und zweiten Amtszeit des Präsidenten in dieser Angst gelebt hat. Und das ist Stress. Und Stress brennt einen Menschen aus. Und wenn ein Mensch 80 Jahre alt ist, dann, würde ich sagen, begünstigt er schnelleres Altern, Demenz und eine ganze Reihe von Problemen. Das wird auf jeden Fall sein. 

Die Natur kann man nicht täuschen. Das ist keine künstliche Intelligenz, wenn man überhaupt von Intelligenz sprechen kann. Deshalb ist das erst der Anfang. Es werden noch Entscheidungen kommen, bei denen Sie sich an den Kopf fassen werden. Glauben Sie mir, und warten Sie nicht auf irgendwelche nüchtern denkenden Leute, sie werden nichts ändern. Es kann einfach eine Umbesetzung der Administration geben, wenn irgendwelche Leute der Meinung sein werden, dass Trump keinen Sieg mehr bringt, und von seinem Schiff fliehen werden. Das kann sein.

Nun, das sind die Hauptfragen. Ich möchte Sie daran erinnern, dass in diesen Stunden der Wahlprozess in Ungarn stattfindet. Die Wahlbeteiligung ist unglaublich hoch, ich würde sagen beispiellos hoch im Vergleich zu früheren Wahlen, sowohl im eigentlichen Ungarn als auch in der ungarischen Diaspora. Viele sagen, dass diese Wahlbeteiligung im Prinzip der Opposition zugutekommt. Zum jetzigen Zeitpunkt haben bereits mehr als die Hälfte der Ungarn ihre Stimmen abgegeben, das sind faktisch 54 % im Moment. Im vergangenen Jahr, bei den letzten Wahlen, waren es zu dieser Stunde 40 % der Wähler, verstehen Sie? Also 14 % mehr. Und auch das spricht dafür, dass viele Bürger Ungarns diese Wahlen als einen bestimmten politischen Rubikon wahrnehmen, denke ich, sowohl unter den Anhängern der ultrarechten Partei Fidesz, die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und vom Präsidenten der Russischen Föderation Putin unterstützt wird, als auch unter den Wählern der ungarischen Oppositionspartei Tisza unter Führung von Péter Magyar, auf deren Sieg man in Europa hofft, um jene Beziehungen zu entblockieren, die zwischen der Europäischen Union und Ungarn bestehen, um die allgemeine Lage in der Europäischen Union zu normalisieren.

Natürlich verfolgen auch wir diese Wahlen sehr aufmerksam. Wir wissen, dass in der Situation, die sich heute in der Welt ergibt, die Unterstützung unserer Verbündeten für uns sehr wichtig ist. Die Regierung Viktor Orbáns, inspiriert von ultrarechten Populisten und zugleich sowohl mit Moskau als auch mit Washington verbunden, blockiert, wie Sie wissen, die Hilfe für die Ukraine. Über all das werden wir unbedingt noch heute Abend sprechen. Ich denke, wenn die ersten realen Wahlergebnisse in Ungarn verständlich sein werden – das werden nur vorläufige Ergebnisse sein, denn in Ungarn gibt es ein sehr kompliziertes System der Stimmenauszählung, und die realen genauen Ergebnisse werden wir nicht vor dem nächsten Samstag kennen. Stellen Sie sich vor! Aber über die ersten Ergebnisse werden wir heute Abend ebenfalls unbedingt sprechen. Also achten Sie auf irgendwelche Ankündigungen auf diesem Kanal und nehmen Sie am Wahlabend teil, der den ersten Ergebnissen der Wahlen in Ungarn gewidmet ist.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Провал перемовин: що далі? | Віталій Портников. 12.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 12.04.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Leben in Cherson im Jahr 2026… Wie ist das? Inna Kormilenko.

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Hier gibt es keine Sirenen, die warnen und deinen Weg oder deine Pläne ändern.

Aber hier gibt es Geräusche, nach denen es schon zu spät ist, noch zu überlegen…

Eine Drohne klingt wie eine Mücke. Ein dünnes, nerviges Summen, das dich nicht konzentrieren lässt. Es wird dichter – ssssssssss…

Und dir stellen sich die Haare auf dem Kopf von selbst auf. Und dieses verdammte Ding kann direkt über dir stehen bleiben…

Du hältst den Atem an, und dein Herz rast plötzlich und schlägt zwei- bis dreimal so schnell.

Es hängt da, und du weißt nicht, ob es dich auf dem Bildschirm schon als Ziel „sieht“ – oder noch nicht.

Ein FPV ist anders.

Er bleibt nicht stehen. Er jagt. Schon in diesem Wort liegt etwas Auswegloses – „jagt“.

Sein Geräusch – sssSSSSSSSS…

Er kommt schnell näher, und irgendwann hörst du nichts mehr, weil dein Gehirn die Kontrolle den Instinkten überlässt.

Du spürst ihn, verdammt noch mal, mit deiner ganzen Haut, die vor Anspannung fast schmerzt…

Eine KAB fragt nicht.

Du sitzt abends mit Tee und atmest den Duft blühender Bäume ein. Denkst an Liebe, Geborgenheit und Wohlstand… Und du hörst sie lange nicht.

Und genau das ist das Schrecklichste. Es gibt Sekunden, vielleicht zwei – ein dumpfes Pfeifen von oben, als würde etwas Riesiges den Himmel durchschneiden: fuuuuuh… wie ein Flugzeug…

Und sofort weißt du, welcher Einschlag kommt.

Wie eine Druckwelle. BUMM – aber das ist nicht einfach ein „Bumm“.

Es ist eine Welle! Selbst wenn es ein paar Kilometer entfernt ist, trifft sie dich in die Brust, nimmt dir die Luft… Für einen Moment scheint es, als hätte sich die Welt in sich selbst zusammengefaltet.

Artillerie – das ist die Sprache des Militärs zu den Menschen in Cherson.

Sie spricht in Salven zu uns.

Weit weg – boom… boom… boom…

Und du zählst, selbst wenn du es nicht willst.

Vielleicht einmal – oder dieses schreckliche Wort „Grad“, wenn du dich verzählst…

Wenn es näher ist (und das ist oft so) – der Abschuss: ein dumpfes, kurzes „puff“ und dann – ein Pfeifen: schschschschsch…

Und – die Explosion. Das sind nicht einmal Minuten – Sekunden…

Das Schreckliche ist, dass du oft nur den Einschlag hörst.

Er ist immer plötzlich. Splitter kommen danach. Sie fragen nicht, wohin sie fliegen.

Sie pfeifen, wie Blitze, mit wahnsinniger Geschwindigkeit, wie zerrissenes Metall – ssssssssss – klirr! gegen etwas Hartes, oder dumpf – in den Boden, in Wände, in Autos… In Menschen. Manchmal klingt es wie Regen. Aber das ist kein Regen.

Phosphor – das ist nicht ganz ein Geräusch.

Es ist ein Zischen. Als würde etwas Lebendiges brennen: schschschsch… und ein Knistern wie bei einem Lagerfeuer. Nachts sieht es schön aus. Aber es bringt weder Wärme noch Ruhe. Nur Reizung und Entsetzen…

„Lebkuchen“ (kleine, oft 3D-gedruckte russische Drohnen-Streumine) auf der Straße – das ist Täuschung. In der Kindheit hat man versprochen, dass auch auf meiner Straße einmal ein Lastwagen mit Lebkuchen kommt. Aber zur Hölle – nicht so! 

Stille.

Ein Schritt.

Und plötzlich – klick – und ein kurzer, trockener

Knall. Nein, kein lauter. Aber genug, damit aus einem Menschen ein „Leichnam zur Evakuierung“ wird. Oft – Körperteile…

Wir lernen, all das gleichzeitig wahrzunehmen.

Du lebst wie eine gespannte Saite.

Ich erinnere mich jeden Tag selbst: „Innussja, es ist sehr wichtig, dir andere Geräusche zu bewahren.

Deinen Atem zum Beispiel. Leise, aber deiner. 

Ein Schluck heißen, duftenden Kaffees – der das Gefühl im Inneren zurückbringt.

Das Rascheln von Kleidung, Schritte, Stimmen – etwas sehr Einfaches, Menschliches, Irdisches.“

Denn wenn nur diese ssss, schschsch, bumm bleiben – hält die Psyche das nicht aus und „…der Verstand setzt aus, setzt einfach aus…“

Und ich fange bewusst und gierig ein, wie mein „Ich lebe“ klingt.…

Jeden Tag gleicht mein Weg einer Lotterie ohne Regeln…

Jeder Mensch aus Cherson verlässt das Haus wie zum letzten Mal. Auch wenn er es nicht laut ausspricht.

Sieben Tausend Kilogramm KABs an einem Tag heute – das ist das Gewicht der Angst. Ein Terror, der sich auf die Stadt legt und sie bis auf die Knochen zusammendrückt.

Und du gehst zur Arbeit. Als wäre es das letzte Mal.

Nicht weil du dramatisierst. Dein Körper weiß einfach schon, was er erlebt hat…

Du schaust in den Himmel, als wäre er etwas Größeres.

Wie ein Geschenk, das heute noch da ist.

Das Licht durchdringt die Wolken mit Strahlen. Mein Gott, wie unglaublich schön das ist. Dieses Bild bedeutet für mich, dass mein Leben noch nicht abgeschaltet wurde.

Der Wind heute – schlägt dir ins Gesicht, kalt, lebendig. Er zerzaust die Haare, als würde er erinnern: du spürst noch – also bist du hier.

Ingwertee auf Schumen… Er breitet sich im Inneren aus, und für eine Sekunde scheint es, als ließe sich die Welt wieder zusammensetzen.

Und fünf Minuten später bist du schon dort, wo „es eingeschlagen hat“. Der Asphalt hat es mit Kratern gezeichnet. Und trägt noch abstrakt die Spuren von rotbraunem Blut..

Menschen mit Besen kehren die Trümmer weg wie Staub nach einer Renovierung. Und mit denselben Besen verwischen sie das Blut, versuchen es zu entfernen, damit zufällige Passanten nicht traumatisiert werden.

Zerbrechliches Glas, wie Splitter eines Lebens, das sich nicht mehr zusammensetzen lässt.

Mir wird unheimlich. Obwohl ich verstehe, dass sie das nicht tun, weil es ihnen egal ist.

Sondern weil man weiterleben muss.

Damit diejenigen, die morgen diesen Weg gehen, nicht genau hier auf dem Bürgersteig „zerbrechen“.

Das Haus daneben steht zerfetzt und aufgerissen wie eine offene Wunde.

Es ist ehrlich und sagt: Hier gab’s gerade Horror.

Die Medien schweigen oft über uns.

Und darüber – der Himmel, blau, grenzenlos, leicht.

Und irgendwo dort oben ist das, worauf du niemals vorbereitet bist – KABs, Artillerie, Drohnen, „Blitze“, FPVs, Phosphor, Splitter, „Lebkuchen“, die sich auf den Straßen verteilen.

Dein Leben in Cherson ist nicht einfach angespannt – es ist wie freigelegt.

Ohne Überflüssiges. Ohne ein „für später“. Ohne Illusionen, dass alles unter Kontrolle ist. Und in all dem wirst du zu dir selbst…

Du spürst den Wind – und das ist ein Ereignis. Du trinkst etwas Heißes – und das ist Wärme, die Bedeutung hat. Du schaust in den Himmel, und das ist fast ein Gebet, selbst wenn du es nicht so nennst.

Aber dafür gibt es einen Preis.

Das Nervensystem arbeitet ohne Pause.

Der Körper lebt im Modus „sei bereit“, selbst wenn du einfach nur dastehst. Im Inneren sammelt sich das, was keine Zeit hat, verarbeitet zu werden.

Und wenn man nichts damit macht – wird selbst diese Tiefe anfangen, dich zu zerbrechen.

Deshalb ist es in all diesem Chaos wichtig, nicht nur zu überleben, sondern sich auch einen Ort zu bewahren, an dem man nicht kämpft.

Wenigstens ein bisschen.

Und das sieht nicht aus wie große Praktiken.

Es sieht so aus:

Anhalten.

Für eine Minute.

Und sich sagen:

Jetzt kontrolliere ich nichts. Und ich muss es auch nicht.

Einatmen.

Ausatmen.

Einfach damit der Körper sich erinnert, dass er nicht nur fürs Überleben da ist.

Benennen, was geschieht.

So wie du es gerade getan hast.

Denn wenn Worte nach außen kommen, zerreißen sie dich innen weniger.

Sich am Kleinen festhalten.

Am Kaffee.

Am Wind.

Am Himmel.

Nicht als Flucht, sondern als Punkte, an denen das Leben noch da ist.

Und noch etwas.

Du musst nicht die ganze Zeit stark sein.

Du darfst manchmal innerlich zerbrechen.

Darfst Angst haben.

Darfst das alles hassen. Das ist normal!

Das macht dich nicht schwach.

Das macht dich lebendig.

Denn wahre Stärke hier ist nicht, nichts zu fühlen.

Sondern all das zu fühlen und trotzdem das Haus zu verlassen.

Und zu leben und zu lieben.

Selbst wenn jeder Tag wie der letzte ist.


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Art der Quelle: Social Media
Titel des Originals: Жити в Херсоні у 2026 році… Інна Корміленко. 09.04.2026.
Autor: Інна Корміленко
Veröffentlichung / Entstehung: 09.04.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Man sagt, Königin Elisabeth II. Marina Ponomarenko.

https://posestry.eu/zhurnal/no-177/statya/kazhut-korolevu-yelyzavetu-ii

Man sagt, Königin Elisabeth II
Sei heute früh gesehen worden
in der Nähe des jüngsten Einschlags,
Dem bei dem Blumenladen.
Elisabeth II trug einen hellrosa Mantel
Und einen Hut
Und goldene Turnschuhe.
Sie hielt sich königlich aufrecht
Vor dem Hintergrund eines ausgebrannten Plattenbaus.
„Your Majesty, was machen Sie hier? –
Fragte man sie.
– In Kureniwka, um acht Uhr morgens?
Zu Ostern?
Sind Sie nicht gestorben?
Sollten Sie nicht ruhen
Im Schloss Windsor
Ider wo auch immer?
Ah, warten Sie!
Sind Sie etwa wie Jesus?
Sind Sie auferstanden?“
Die Königin kicherte und sagte:
„Ist dies hier nicht
Der beste Ort
Für tote Königinnen,
Für Königinnen, die tot sind?“
Sie stieg in einen Militärlastwagen
Aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs
Und fuhr zum Gottesdienst.

So sind die Zeiten.
Zu Ostern ist für uns
Persephone auferstanden.

2025


Кажуть, королеву Єлизавету ІІ
Бачили сьогодні зранку
Поблизу місця недавнього прильоту
Того, що біля магазину квітів
Єлизавета ІІ була в ясно-рожевому пальто
І капелюшку
І золотистих кросівках
Трималася по-королівськи рівно
На фоні вигорілої п'ятиповерхівки
"Your majesty, що ви тут робите? –
Запитали її.
– На Куренівці, о восьмій ранку?
На Великдень
Хіба ви не вмерли?
Хіба не належить вам спочивати
У Віндзорському замку
Чи де там?
А, чекайте!
Ви що, як Ісус?
Ви воскресли?"
Королева захихотіла і сказала:
"Хіба тут –
Не найкраще місце
Для мертвих королев
Для королев мертвих"
Вона сіла у військову вантажівку
Періоду Другої світової
І поїхала на службу

Такі часи
На Великдень нам воскресла
Персефона

2025


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Gedicht
Titel des Originals: Кажуть, королеву Єлизавету ІІ
Autor: Marina Ponomarenko
Veröffentlichung / Entstehung: 2025
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Poesie-Sammlung
Link zum Originaltext: Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach, veröffentlicht auf uebersetzungenzuukraine.data.blog.