Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky erläuterte in einem Gespräch mit dem britischen Fernsehsender Sky News die Ernennungen und Entlassungen der vergangenen Wochen.
Viele meiner Kollegen konzentrieren sich derzeit vor allem auf Volodymyr Zelenskys Worte über den schweren Winter, den die Ukrainer werden überstehen müssen, und darauf, dass sich nur wenige das Ausmaß der möglichen Probleme vorstellen könnten. Ich möchte jedoch daran erinnern, dass der Präsident weniger über einen schweren Winter sprach, als vielmehr die Notwendigkeit erklärte, den Ministerpräsidenten und die ukrainische Regierung auszuwechseln. Wenn der Winter sehr schwer werden kann, muss an der Spitze der Regierung ein Mensch stehen, der sich des Ausmaßes der Probleme bewusst und in der Lage ist, sie gerade aus energiepolitischer Sicht zu lösen.
Nun, meiner Ansicht nach wäre es besser, wenn ein erfahrener Fachmann, der das Ausmaß der Probleme versteht und an der Spitze des Unternehmens Naftogaz der Ukraine steht, zumindest bis zum Winter dort bliebe und auf diese Weise die einwandfreie Arbeit dieses Unternehmens sicherstellte. Aber natürlich ist das ein Diskussionsthema, das man gerade zu dem Zeitpunkt hätte erörtern sollen, als Serhij Korezkyj zum neuen Ministerpräsidenten der Ukraine ernannt wurde.
Ganz zu schweigen davon, dass die Frage, wer den Ministerpräsidenten vorschlagen soll, außerhalb der Befugnisse des amtierenden Staatsoberhaupts liegt – ebenso wie außerhalb der Befugnisse jedes anderen Präsidenten, der zu einer Zeit gewählt wurde, als die Ukraine zu einer parlamentarisch-präsidentiellen Republik geworden war.
Der Leiter der Koalition in der Werchowna Rada, also der Vorsitzende der Partei „Diener des Volkes“, müsste uns erklären, dass beschlossen wurde, die Regierung auszuwechseln, weil der Ukraine ein schwerer Winter bevorsteht und die Abgeordneten zu dem Schluss gekommen sind, dass ein Energiefachmann an der Spitze der Regierung in der entstandenen Situation geeigneter wäre.
Aber natürlich ist das ein Thema, das wir seit 2019 diskutieren, als Volodymyr Zelensky unter Ausnutzung der Tatsache, dass in der Werchowna Rada eine sogenannte Monomehrheit aus Vertretern der Präsidentenpartei gebildet worden war, sowohl die Entlassung als auch die Ernennung der ukrainischen Ministerpräsidenten und Regierungen an sich zog – noch einmal zur Erinnerung: eine Funktion, die in keiner Weise mit der in der Ukraine geltenden Verfassung verbunden ist.
Der Präsident der Ukraine hat jedoch offenkundige Rechte und Pflichten. Sie hängen damit zusammen, der Koalition und dem Parlament einen Kandidaten für das Amt des Verteidigungsministers vorzuschlagen und auf Vorschlag dieses Ministers den Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine zu ernennen. Und auch hier erläutert Zelensky seine Schritte.
Erneut achten viele meiner Kollegen und ukrainische Bürger derzeit darauf, dass der Präsident über die Notwendigkeit der Mobilisierung gesprochen hat und darüber, dass eine ineffektive Mobilisierung zur Besetzung weiterer ukrainischer Gebiete führen könnte. Doch auch diese These war in erster Linie nicht mit einer Charakterisierung des Prozesses selbst verbunden, sondern mit Zelenskys Versuch, die Entlassung des Verteidigungsministers Mychajlo Fedorov und des Oberbefehlshabers der Streitkräfte der Ukraine, General Oleksandr Syrsky, zu erklären.
Zelensky betonte, dass zwischen den beiden Amtsträgern ein Konflikt bestehe und dass er einfach keine Zeit habe, mit jedem von ihnen zu sprechen, während sie sich unter den gegebenen Bedingungen eigentlich jede Stunde treffen müssten, um zu entscheiden, wie der ukrainische Luftraum geschützt werden könne.
Nun, bei dieser Aussage stellt sich bereits eine gewisse Frage. Wenn der Präsident der Ukraine seinen Landsleuten gegenüber die unmittelbare Verpflichtung hat, sich gerade mit der Verteidigungs- und Außenpolitik des Landes zu befassen, und ihm die Zeit für Treffen mit dem Verteidigungsminister fehlt, den er selbst vorgeschlagen hat, sowie mit dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, den er selbst ernannt hat, stellt sich die Frage, wofür der Präsident dann überhaupt Zeit hat.
Vielleicht sollte sich das Staatsoberhaupt gerade auf die Verteidigung und die Außenpolitik konzentrieren und dem Ministerpräsidenten der Ukraine und dem Parlament die Möglichkeit geben, sich mit der Führung des Landes, der Vorbereitung auf den Winter, wirtschaftlichen Fragen und all dem zu befassen, was in die Zuständigkeit des Ministerpräsidenten fällt. Denn nach unserer Verfassung muss im Grunde er die operative Führung des Staates ausüben – mit Ausnahme der Verteidigung und der Außenpolitik der Ukraine.
Dann hätte der Präsident der Ukraine genügend Zeit, mit dem Verteidigungsminister und dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte zu sprechen und Wege zu finden, um die Meinungsverschiedenheiten zu überwinden, die zwischen zwei Menschen bestehen können, die die Probleme der Beschaffung für die Armee und des Funktionierens der Armee selbst unterschiedlich betrachten. Umso mehr, wenn der Präsident sagt, der Verteidigungsminister und der Oberbefehlshaber der Streitkräfte müssten sich beinahe jede Stunde treffen, um den ukrainischen Luftraum zu schützen.
Nun, auch in dieser Aussage liegt, wie wir verstehen, eine gewisse Weigerung, die Tatsache zur Kenntnis zu nehmen, dass es ohne eine ausreichende Zahl von Raketen für die Patriot-Batterien oder ohne die Aufnahme einer eigenen Produktion von Abfangraketen – was natürlich nur langfristig möglich wäre – gegenwärtig technisch unmöglich erscheint, den ukrainischen Luftraum vor den ballistischen Angriffen des Feindes zu schützen.
Selbst die Vereinigten Staaten sind mit ihren Batterien derzeit gezwungen, ihre Operationen gegen den Iran einzustellen, weil ihnen die Abfangraketen ausgehen könnten, mit denen sie ihre eigenen Militärstützpunkte sowie strategische Einrichtungen verbündeter Länder schützen könnten.
Und wenn wir aus dieser Perspektive über die Suche nach Raketen für jene Patriot-Batterien sprechen, die der Ukraine in den Jahren des großen Krieges bereits übergeben wurden, dann ist es die Aufgabe des Präsidenten als Koordinator der Außenpolitik, mit den Verbündeten Vereinbarungen über die Lieferung zusätzlicher Abfangraketen für jene Systeme zu erzielen, die sich im Bestand der Streitkräfte der Ukraine befinden.
Dadurch, dass sich der Verteidigungsminister und der Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine deswegen stündlich treffen, wird sich die Situation nicht wesentlich verändern. Durch Treffen des Präsidenten mit seinen Amtskollegen kann sich die Situation hingegen verändern. Und wir müssen dem Präsidenten für die kommenden Jahre aufrichtig Erfolg dabei wünschen, die Luftverteidigung der Ukraine in einem langwierigen Abnutzungskrieg sicherzustellen.
Doch erneut gilt: Weshalb der Präsident es in dieser Situation für notwendig hielt, sowohl den Verteidigungsminister als auch den Oberbefehlshaber der Streitkräfte zu entlassen, und weshalb er anschließend darauf verzichtete, den früheren Verteidigungsminister wieder einzusetzen, falls dieser einen Konflikt mit dem Oberbefehlshaber hatte und dies der einzige Grund für seine Entlassung gewesen sein sollte – das konnte Volodymyr Zelensky den Journalisten von Sky News selbstverständlich nicht erklären.
Und das Wichtigste ist meiner Ansicht nach: Derartige Erklärungen zu Personalentscheidungen, selbst zu solchen, die über die Grenzen der verfassungsmäßigen Befugnisse des amtierenden Staatsoberhaupts hinausgehen, sollten meines Erachtens nicht britischen, sondern ukrainischen Journalisten gegeben werden. Und nicht in Gesprächen über Messenger, bei denen ausgewählte Journalisten dem Staatsoberhaupt Fragen stellen und anschließend Audioantworten erhalten, sondern in einem scharfen und ehrlichen Gespräch über die Lage in der Ukraine, über Personalentscheidungen und nicht erfolgte Ernennungen sowie über die Perspektiven des russisch-ukrainischen Krieges in den kommenden schwierigen Jahren. Umso mehr, als inzwischen auch der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky selbst – wenn auch in einem Interview mit britischen Journalisten – einzuräumen beginnt, dass diese Jahre sehr schwierig und zermürbend werden könnten.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Інтервʼю Зеленського: головне | Віталій Портников. 26.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 26.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.