Russlands Präsident Putin bereitet sich auf einen jahrelangen Krieg vor. Und keineswegs unbedingt nur mit der Ukraine. Zu diesem offensichtlichen Schluss kommt die Nachrichtenagentur Bloomberg bei ihrer Analyse des neuen Haushalts der Russischen Föderation.
Die Militärausgaben in diesem Haushalt sind für das kommende Jahr mit 205 Milliarden Dollar veranschlagt, das sind 40 Prozent mehr als 2026. Und natürlich 380 Prozent mehr als die Militärausgaben der Russischen Föderation vor dem großangelegten Angriff dieses Landes auf die Ukraine.
Somit lässt sich mit Sicherheit sagen, dass die russische Wirtschaft auf Kriegswirtschaft umgestellt wurde und ein jahrelanger Krieg für Putin und sein Umfeld zu einer echten Priorität wird.
Man kann sich fragen, warum die Militärausgaben für 2026 in keinem Verhältnis zu den Militärausgaben für 2027 stehen. Diese Frage ist nicht besonders schwer zu beantworten.
Der russische Präsident hatte eine Theorie, wonach Amerika nach den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten und der Rückkehr Donald Trumps ins Oval Office seine Unterstützung für die Ukraine einstellen und die Ukraine gezwungen sein würde, vor der Russischen Föderation zu den von Putin vorgegebenen Bedingungen zu kapitulieren.
Das heißt, aus Sicht des russischen Präsidenten hätte der ukrainische Staat im Jahr 2026 bereits aufgehört haben sollen zu existieren und seine Gebiete hätten als Föderationssubjekte Teil der Russischen Föderation werden sollen.
Doch dieses Kalkül ging nicht auf. Es stellte sich heraus, dass die europäische Unterstützung für die Ukraine fortgesetzt wird und die Ukraine nicht nur weiterhin Widerstand gegen die Russische Föderation leistet, sondern auch mit der systematischen Zerstörung der Wirtschaft eines der widerwärtigsten Staaten der heutigen Welt begonnen hat.
Das gehörte nicht zu Putins Plänen. Er hatte nicht damit gerechnet, dass die europäische Unterstützung für die Ukraine es dem Nachbarstaat ermöglichen würde, mit der Zerstörung der russischen Wirtschaft und damit mit der Zerstörung seines terroristischen Regimes zu beginnen.
Und auch die Amerikaner stellen trotz aller Sympathien von Präsident Donald Trump für Putin ihre Unterstützung für die Ukraine zumindest in den Bereichen nicht ein, die für die Verteidigungskräfte von Bedeutung sind. Dazu gehört insbesondere die Bereitstellung von Geheimdienstinformationen. Donald Trump spricht weiterhin weniger darüber, dass die Ukraine den von Putin gestellten Bedingungen zustimmen müsse, als vielmehr über die Notwendigkeit eines Waffenstillstands an der russisch-ukrainischen Front.
Somit ist man im Kreml zu dem Schluss gelangt, dass nur die Fortsetzung eines jahrelangen Krieges mit seiner möglichen Ausweitung auf die andere Länder des europäischen Kontinents Russland zu jenem Sieg verhelfen wird, den es benötigt, um seine Rolle als führender geopolitischer Akteur zu bewahren und sich im Wettbewerb zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China auf der Seite Pekings zu positionieren.
Doch für einen solchen großen Krieg braucht man natürlich Geld. Und Putin kann keinen Krieg führen, ohne den Militärhaushalt zu erhöhen – und zwar drastisch. Genau diese drastische Erhöhung vollzieht sich jetzt vor unseren Augen.
Somit sind es die Zahlen und nicht die Worte des russischen Präsidenten, die von seinem tatsächlichen Plan zeugen. Putin mag nicht darauf hoffen, den russisch-ukrainischen Krieg schnell zu beenden, doch er möchte unter allen Umständen über die notwendigen Ressourcen für diesen Krieg verfügen.
Es muss betont werden, dass die Haushaltspläne der Russischen Föderation inzwischen nicht nur ein Jahr, sondern gleich drei Jahre umfassen. Sowohl 2028 als auch 2029 ist lediglich ein geringfügiger Rückgang der Verteidigungsausgaben zu beobachten. Somit lässt sich davon ausgehen, dass der Kreml damit rechnet, dass zumindest die gesamten 2020er-Jahre vom Krieg geprägt sein werden.
Warum? Sowohl 2028 als auch 2029 sind als Jahre vorgesehen, in denen der russische Militärhaushalt auf dem höchsten Niveau seiner Geschichte gehalten werden soll. Auch der Grund dafür ist nicht schwer zu verstehen. Ende 2028 werden in den Vereinigten Staaten erneut Präsidentschaftswahlen stattfinden.
Offensichtlich hat Putin gerade diesen Zeitpunkt dafür vorgesehen, zu entscheiden, wie er mit dem endlosen russisch-ukrainischen Krieg weiter verfahren will. Ob er einen Waffenstillstand verkünden und darauf hoffen soll, mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, der dann bereits am Ende seiner politischen Karriere stehen wird, für Russland günstige Bedingungen auszuhandeln, oder ob er im Gegenteil den neuen amerikanischen Präsidenten abwarten soll, dessen Name Ende 2028 bereits bekannt sein wird, um im Gespräch mit diesem Politiker zu klären, wie sich die Kriegssituation weiterentwickeln und zu welchen Zugeständnissen gegenüber Russland die Vereinigten Staaten bereit sein werden, damit dessen Krieg gegen die Ukraine endet.
Das wird natürlich davon abhängen, wie man im Kreml das Potenzial des neuen amerikanischen Präsidenten einschätzen wird. Ob er eher zu Zugeständnissen an Moskau bereit sein wird als sein Vorgänger oder ob man im Gegenteil das Zeitfenster nutzen muss, das in den letzten Monaten von Donald Trumps Amtszeit im Weißen Haus noch bestehen wird, und sich auf diese Weise die Friedensstifterambitionen des amerikanischen Präsidenten zunutze machen kann.
Doch das gilt nur unter bestimmten Voraussetzungen. Wenn die russische Wirtschaft in den kommenden Jahren der russisch-ukrainischen Konfrontation weiter unaufhaltsam zerfällt und verfällt, kann natürlich auch alles früher enden – insbesondere dank der Anstrengungen der ukrainischen Streitkräfte und der Zerstörung des russischen Wirtschaftspotenzials. Russland könnte schlicht das tatsächliche Geld – und nicht nur das auf dem Papier im Haushalt ausgewiesene – fehlen, um einen jahrelangen Krieg fortzusetzen, der bis in die 2030er-Jahre hineinreicht.
Doch wenn wir darüber sprechen, was enden könnte und was nicht, müssen wir uns zumindest der Pläne des russischen Diktators bewusst sein. Diese Pläne wirken in der Regel nicht realistisch. Erinnern wir uns an den Plan eines Blitzkriegs gegen die Ukraine und daran, dass der ukrainische Staat aus Sicht des Kremls bereits seit 2022 nicht mehr auf der politischen Landkarte der Welt existieren sollte. Inzwischen schreiben wir das Jahr 2026, und Putin plant, mindestens bis 2029 Krieg zu führen.
Wir müssen uns jedoch darüber im Klaren sein, welche konkreten Absichten des russischen Präsidenten, seiner Armee und seiner vom Chauvinismus vergifteten Gesellschaft wir in der nächsten Phase des Krieges vereiteln müssen. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass niemand in Russland beabsichtigt, auf den diplomatischen Prozess zu setzen und die Waffen niederzulegen.
Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass Russland nicht an territorialen Zugeständnissen interessiert ist, sondern an der Vernichtung des ukrainischen Staates selbst, mit der anschließenden Vertreibung seiner Bevölkerung und der Vernichtung eines großen Teils der ukrainischen Bürger. Und wenn wir dies nicht nur aus Putins Worten, sondern aus den Zahlen des Staatshaushalts erkennen, werden wir Russland und seinen menschenverachtenden aggressiven Ambitionen wirksamer Widerstand leisten können – Ambitionen, die sich schon jetzt in Rubel für Militärausgaben verwandeln.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Путін готує гроші для довгої війни | Віталій Портников. 02.10.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:02.10.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle: YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Möglicherweise der größte massive Angriff ukrainischer Drohnen auf die russische Hauptstadt und das Moskauer Gebiet seit Beginn von Putins großem Krieg gegen die Ukraine. Die uns bereits gut bekannte Ölraffinerie in Kapotnja, der für Moskau und das Moskauer Gebiet wichtigste Raffineriebetrieb, steht in Flammen
Der russischen Luftverteidigung ist es nicht gelungen, dieses strategisch wichtige Unternehmen zu schützen, dafür ist es ihr gelungen, ukrainische Drohnen in die Wohnviertel Moskaus und der Städte im Moskauer Umland umzuleiten.
Auch andere Städte der Russischen Föderation mit wichtiger militärischer Infrastruktur wurden angegriffen. Angegriffen wurde der Logistikknoten Sofjino im Moskauer Gebiet. Dort befinden sich die inzwischen brennenden Lager der uns ebenfalls sehr gut bekannten Unternehmen Wildberries, Ozon und Yandex. Nun, vielleicht befinden sie sich dort auch nicht mehr, denn nach den Angriffen ukrainischer Drohnen stehen sie in Flammen. Die Probleme für die russische Wirtschaft sind also tatsächlich ziemlich spürbar.
Man kann auch davon sprechen, dass die russische Luftverteidigung derzeit in Woronesch ernsthafte Probleme hat. Man kann sagen, dass diese Luftverteidigung durch ukrainische Anstrengungen schlicht zerstört wird, und danach könnten ernsthafte und wichtige Angriffe auf die militärische Infrastruktur von Woronesch erfolgen, die für die russische Aggression gegen unser Land genutzt wird.
Damit wurde Präsident Putin erneut vor Augen geführt, dass man das Spiel der Zerstörung von Infrastruktur zu zweit spielen kann. Wahrscheinlich ist das genau jenes Tango zu zweit, von dessen Notwendigkeit Donald Trump gegenüber Volodymyr Zelensky noch vor seiner Rückkehr ins Oval Office gesprochen hatte. Nur hat es sich in Wirklichkeit nicht als Tango der Friedensverhandlungen erwiesen, denen der russische Machthaber aus dem Weg geht, weil er weiterhin darauf hofft, den russisch-ukrainischen Krieg zu gewinnen und unseren Staat zu zerstören. Es ist ein Tango, bei dem man Gegenschläge führen, die Infrastruktur des Gegners zerstören, seine Möglichkeiten im Energiebereich verringern und daran erinnern kann, dass kein terroristischer Akt der Russischen Föderation gegen unser Land unbeantwortet bleiben wird.
Und ein solches Tango gefällt mir wesentlich besser als die Imitation eines Verhandlungsprozesses, an dem die Sondergesandten Donald Trumps teilnehmen. Wie wir sehen, bringt uns diese Imitation keinerlei reale Ergebnisse, außer der Erzählung, dass es die Ukraine sei, die den russischen Bedingungen im Zusammenhang mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nicht zustimme. Obwohl wir alle sehr gut verstehen, dass in Wirklichkeit noch nie jemand irgendwelche realen Bedingungen von Putin gehört hat, sondern ausschließlich den Wunsch, die Ukraine gegen neue wirtschaftliche Beziehungen mit der amerikanischen Regierung einzutauschen.
Die Angriffe auf die Ölraffinerie in der russischen Hauptstadt widerlegen auch die Information, dass zwischen Russland und der Ukraine irgendeine Waffenruhe im Energiebereich erreicht worden sei. Davon hatte bekanntlich der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump gesprochen, der allerdings keinerlei konkrete Angaben zur Untermauerung seiner Behauptung machte. Und weder in Kyiv noch in Moskau hat man, wie wir sehen, Informationen bestätigt, die sich auf nicht existierende Vereinbarungen beziehen.
Was für eine Waffenruhe im Energiebereich kann es mit Russland geben, wenn Putin vor unseren Augen weiterhin Energieanlagen in Kyiv und anderen ukrainischen Städten angreift, wenn er seine gezielten Bemühungen fortsetzt, die Wohnviertel der ukrainischen Hauptstadt und anderer Städte unseres Landes zu terrorisieren? Aber dass es keine Energie-Waffenruhe gibt, bedeutet eben auch Angriffe auf den Ölraffineriesektor der Russischen Föderation.
Putin erzählt davon, wie schnell die Anlagen repariert werden sollen, die durch die jüngsten ukrainischen Angriffe außer Betrieb gesetzt wurden. Aber bis die Russen einen Teil ihrer Anlagen repariert haben, werden die Ukrainer neue Raffinerien sowie bereits reparierte Anlagen außer Betrieb setzen können. Und das wird sich nicht nur auf den Dieselpreis auswirken, über den Donald Trump so gerne spricht und an dessen Veränderung wir weit weniger Anteil haben als die Iraner, die weiterhin die Straße von Hormus blockieren. Das wird sich vor allem auf die Energieinteressen der Unterstützer der Russischen Föderation in diesem ungerechten und grausamen Krieg auswirken: der Volksrepublik China und Indiens.
Denn wir verstehen, dass die jüngsten Erklärungen des Staatschefs der Volksrepublik China Xi Jinping und des indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi, die Putin dazu aufgerufen haben, nach Möglichkeiten für eine politische Beendigung des Krieges gegen die Ukraine zu suchen, keineswegs mit irgendwelchen besonderen Gefühlen zusammenhängen, die die Staatschefs Chinas und Indiens unserem Land gegenüber hegen. Nein, das hängt gerade damit zusammen, dass sie die Probleme verstehen, die für ihre eigene Ölraffinerieindustrie entstehen könnten, wenn Russland sich als unfähig erweist, der wichtigste Öllieferant für einen großen Teil der Unternehmen in diesen Ländern des sogenannten Globalen Südens zu bleiben.
Die brennende Ölraffinerie in Kapotnja und die brennenden Lager von Ozon, Yandex und Wildberries erinnern also daran, dass Russland mit seinem Krieg gegen die Ukraine nicht nur Probleme für seine eigenen wirtschaftlichen Interessen schafft, sondern auch für die Interessen derjenigen, die trotz Putins aggressiver Absichten bereit sind, weiterhin mit Russland zusammenzuarbeiten. Und wie ich bereits mehrfach gesagt habe, können gerade Angriffe auf Moskau die Stimmung in der russischen Gesellschaft verändern, was das Verständnis der Folgen dieses Krieges betrifft.
Wir wollen uns jetzt nicht mit dem russischen Cargo-Kult aufhalten, der diesen großen Angriff mit dem Tag der Wahlen zur Staatsduma der Russischen Föderation erklären könnte. Allen ist vollkommen klar, dass es in Russland keine wirklichen Wahlen gibt, sondern bestimmte Veranstaltungen, die die Legitimität von Putins Regime bestätigen und die Russen dazu bringen sollen, für politische Kräfte zu stimmen, die sich weiterhin für den Krieg gegen die Ukraine und die Konfrontation mit dem Westen einsetzen.
Nur sieht der russische Wähler jetzt, zu welchen realen und nicht erfundenen Ergebnissen die Aufrufe der Aktivisten von „Einiges Russland“, „Gerechtes Russland“ und jedem anderen blutigen Russland führen. Und die Frage ist nicht, wie viele Stimmen diese Handlanger Putins bei diesen Pseudowahlen erhalten. Die Frage ist vielmehr, dass nun jeder, der vom Brand in der Ölraffinerie in Kapotnja und von dem weiß, was in den Wohnvierteln Moskaus und des Moskauer Umlands geschieht, gezwungen sein wird, die Lügen derjenigen zu erkennen, die zu den Wahlen zugelassen wurden.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Найбільша атака на Москву | Віталій
Портников. 21.09.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:20.09.2026 Originalsprache:uk Plattform / Quelle: YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Olena Trybushna: Ich habe heute Vitaly Portnikov eingeladen, um über die politische Krise zu sprechen, in die sowohl das Amerika von Präsident Trump als auch die Ukraine immer tiefer geraten, wo einer nach dem anderen aus dem Umfeld von Präsident Zelensky unter Korruptionsverdacht gerät und der Generalstaatsanwalt überhaupt einfach geflohen ist. Wohin steuert das alles, und wie soll man damit umgehen? Vitaly Portnikov spricht heute darüber und auch darüber, wie die amerikanische Regierung versucht, uns zum Sündenbock zu machen – sowohl dafür, dass sich die Dieselpreise an den Tankstellen in den USA vor den Wahlen verdoppelt haben, als auch dafür, dass es ihr nicht gelingt, mit den Russen irgendetwas zu vereinbaren.
Ich möchte mit Ihnen über die jüngsten Ereignisse in unserem Land und im Ausland sprechen. Unsere politische Krise verschärft sich weiter. Führende Personen in der Staatsführung geraten weiterhin unter Korruptionsverdacht und verlieren ihre Ämter. Die Flucht des Generalstaatsanwalts, dem vermutlich ebenfalls ein Verdacht mitgeteilt werden sollte, weil er an der Spitze dieser Pyramide stand, die Callcenter deckte, ist zum Fremdschämen, aber so wie ich es verstehe, ist das nicht das Ende. Der Nächste könnte, wie es aussieht, Dawyd Arachamija sein, der derzeit beinahe der einzige Mensch ist, der unser Parlament dazu bringen kann, überhaupt noch für irgendetwas zu stimmen.
Darüber möchte ich mit Ihnen sprechen. Erstens: Hat Sie die Flucht des Generalstaatsanwalts nach allem, was wir bereits gesehen haben, überrascht?
Portnikov: Nun, ehrlich gesagt hat mich die Flucht des Generalstaatsanwalts doch ein wenig überrascht, denn das ist eine Situation auf dem Niveau irgendeiner Bananenrepublik. Solche Nachrichten habe ich in der Regel aus solchen Staaten gesehen, wenn ein Beamter dieses Ranges, statt seine, ich würde sagen, Amtsehre zu verteidigen, einfach flieht. Einfach flieht, das mit irgendwelchen erstaunlichen, sagen wir, Dienstreisen erklärt und damit irgendwelche Verdachtsmomente erzeugt.
Aber andererseits, warum sollten wir so naiv sein? Wenn es innerhalb der Staatsführung kein Interesse daran gegeben hätte, dass der Generalstaatsanwalt der Ukraine ins Ausland ausreist, wäre er nicht ausgereist. Der vorherige Generalstaatsanwalt, der ins Ausland floh – wirklich floh –, Pschonka, stieß am Flughafen auf ernsthaften Widerstand der Sicherheitsdienste. Obwohl das im Gebiet Donezk war. Und das waren Sicherheitsdienste mit Leuten, die an sich ganz sicher der Regierung Janukowytsch gegenüber loyal waren, aber sie hatten keinerlei Anweisung, die Flucht des Generalstaatsanwalts und seines Umfelds aus der Ukraine zu erleichtern.
Hier dagegen verlief alles vollkommen ruhig. Der Mann stieg ins Auto und reiste völlig problemlos und legal aus – er ist ja nicht durch die Theiß geschwommen, nicht wahr? – und wird sich nun einen Zufluchtsort suchen, an dem man nicht an ihn herankommt. Das ist doch eine erstaunliche Sache. Und für mich ist das ein Zeichen für den tatsächlichen Zerfall des Systems der Staatsführung.
Selbst wenn der Generalstaatsanwalt, ich würde sagen, von höheren Stellen grünes Licht für seine Ausreise bekommen hat, bedeutet das, dass auch diese höheren Stellen den Bezug zur Realität verloren haben und nicht über die Folgen nachdenken. Dass es zwangsläufig zu einer solchen Degradierung des Systems der Staatsführung kommen würde, sage ich seit 2019. Nach 2020 wurde die Schaffung wirksamer Kontrollmechanismen zu einer dringenden Notwendigkeit für das Überleben des ukrainischen Staates und die Existenz des ukrainischen Volkes.
Leider haben nur wenige auf die Ratschläge vernünftig denkender Menschen gehört, die vor dem Ausmaß der nächsten Katastrophe gewarnt haben. Und übrigens hören bis heute nur wenige darauf. Deshalb überrascht mich nicht, was jetzt mit dem Zerfall des Systems der Staatsführung geschieht. Es wird sich weiter ausweiten. Und es stellt sich heraus, dass die unabhängigen Antikorruptionsorgane die einzige Struktur bleiben, die in der Lage ist, ein gewisses Gleichgewicht aufrechtzuerhalten und Beamte von unkontrollierten Handlungen jeglicher Art abzuhalten.
Für mich persönlich ist das, ehrlich gesagt, eine Katastrophe. Ich war immer der Ansicht, dass die einzige Garantie für eine normale Entwicklung des Staates ein eigenes System der Strafverfolgung ist, das den Staat vor Degradierung schützt. Und das habe ich auch den Leitern des Nationalen Antikorruptionsbüros mehrfach gesagt, als sie von der Notwendigkeit sprachen, sie in ihrer Auseinandersetzung mit der Machtvertikale zu unterstützen. Ich will doch, dass die Vertikale gesund ist. Denn wenn es keine gesunde Vertikale gibt, wird auch das Antikorruptionssystem nichts ausrichten können.
Jetzt sehe ich, dass ich mich geirrt habe, dass unter diesen Bedingungen, wenn es das Antikorruptionsbüro und die Proteste mit den Pappschildern im Jahr 2025 nicht gegeben hätte, die Mafia die Macht im Land vollständig an sich gerissen und zum Verschwinden dieses Landes von der politischen Weltkarte sowie zur Vertreibung von Millionen Ukrainern aus den Gebieten geführt hätte, in denen sie, ich würde sagen, seit Urzeiten leben.
Das ist geschehen. Vor dieser Gefahr von fatalem Ausmaß stehen wir. Ich weiß nicht, ob der Präsident der Ukraine das begreift oder ob auch er in seiner eigenen Realität lebt. Wir befinden uns eigentlich in einer kritischen Situation, in der sich die drei Hauptakteure in der Geschichte des russisch-ukrainischen Krieges in ihre eigenen Welten zurückgezogen haben. Trump lebt in der einen, Putin in einer anderen, Zelensky in einer dritten. Ich habe keine Hoffnung darauf, dass sie sich irgendwann begegnen werden. Ich glaube, dass Zelensky in einer realistischeren Welt lebt als Trump und Putin, weil er die Haltung seiner Bevölkerung zum Krieg berücksichtigt, sie berücksichtigen muss, aber auch das bewahrt uns nicht vor der Erkenntnis, wie gefährlich die Situation ist.
Olena Trybushna: Genau das wollte ich Sie im Zusammenhang mit der Flucht des Generalstaatsanwalts fragen. Haben Sie darüber nachgedacht, wie dieser Prozess des allmählichen Zerfalls der Staatsführung enden könnte, wenn weiterhin Verdachtsmitteilungen ausgesprochen werden und Beamte ihre Ämter verlieren? Das sind die letzten Leute aus Zelenskys Umfeld. Und keine Idee wie jene, von der Sie ständig sprechen – eine Regierung der nationalen Einheit – wird umgesetzt. Wie kann das enden? Wozu kann das führen?
Portnikov: Zum Zusammenbruch der Staatsführung. Deshalb hoffe ich, dass die Abgeordneten der Werchowna Rada früher oder später erkennen werden, dass sie eigenständig handeln müssen und dazu auch fähig sind. Wenn man mir sagt, sie seien alle dazu nicht in der Lage, weil sie niemand seien und niemand ihren Namen kenne, erinnere ich immer daran, dass 1991 Menschen für die Unabhängigkeit der Ukraine gestimmt haben. Die meisten von ihnen waren niemand und niemand kannte ihren Namen. Das waren Kommunisten. Die Gruppe 239, Menschen, die überhaupt nur nach Vorgaben des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Ukraine in die Werchowna Rada der Ukraine gelangt waren. Die überwältigende Mehrheit von ihnen hatte keinerlei politische Eigenständigkeit.
Aber wie Sie sich erinnern, haben diese Menschen die Situation der Rettung des Staates in einem kritischen Moment tatsächlich bewältigt. Und als sie schließlich am 24. August 1991 für den Unabhängigkeitsakt stimmten, rettete die überwältigende Mehrheit dieser Menschen, eben diese 239, ja nicht den Staat, sondern sich selbst vor dem damals demokratischen Russland, das ihre Genossen aus dem Zentralkomitee der KPdSU, das GKChP, besiegt hatte.
Warum sollten diese Menschen also nicht nur über irgendeine staatliche Eigenständigkeit nachdenken, sondern darüber, sich selbst zu retten? Auch für sie wird schließlich alles schlecht ausgehen, wenn es für die Ukraine schlecht ausgeht. Deshalb hoffe ich sehr, dass wir eine Situation erleben werden, in der sie Eigenständigkeit erlangen, und dann wird man sagen können, dass die Eigenständigkeit des Parlaments, über die jetzt wieder viele sprechen – ich habe schon vor langer Zeit begonnen, darüber zu sprechen, und freue mich, dass andere sich dem angeschlossen haben –, zur Rettung des Staatsorganismus wird.
Olena Trybushna: Und wie soll das geschehen? Was müssen wir in der Rada sehen?
Portnikov: Wir müssen in der Rada die Bereitschaft sehen, die Regierung zu kontrollieren. Ich weiß nicht, ob es diese Regierung sein wird, ob es Veränderungen in dieser Regierung geben wird oder ob es eine neue Regierung sein wird. Aber es muss einen starken Parlamentspräsidenten geben, der seine eigene Position, die Position des Parlaments, vertritt. Ich weiß wiederum nicht, ob es dieser Parlamentspräsident sein soll oder ob eine andere Person auftauchen wird. Und es muss einen starken Ministerpräsidenten geben, während der Präsident sich auf seine unmittelbaren verfassungsmäßigen Pflichten konzentrieren und das Präsidialamt ihm bei der Erfüllung dieser Pflichten helfen sollte, statt den Staat zu führen. Und der Fraktionschef der Mehrheit im Parlament, der jetzige oder vielleicht eine andere Person, sollte nicht die Wünsche des Präsidialamts entgegennehmen, sondern mitteilen, wie die Stimmung unter den Abgeordneten ist, damit der Wille des Parlaments und die Absichten des Präsidenten aufeinander abgestimmt werden können. So sollte das alles in der Praxis aussehen.
Olena Trybushna: Und das bedeutet, dass sich bei „Diener des Volkes“ irgendwelche Leute finden müssen, die diese Führungsrolle übernehmen und diesen Prozess der Neuordnung in Gang setzen, sich querstellen und Arachamija sagen: „Wir werden dies und jenes nicht tun.“ Glauben Sie, dass so etwas möglich ist?
Portnikov: Ich weiß nicht, was künftig möglich sein wird, aber ich sage Ihnen, dass der Ukraine noch Prüfungen von einem solchen Ausmaß bevorstehen, dass sie zu einer solchen Entwicklung führen können. Wer hat Ihnen gesagt, dass es so bleiben wird wie jetzt, so, wie es ist? Wir kennen weder die weitere Entwicklung der wirtschaftlichen Situation noch der politischen Situation noch der Beziehungen zu unseren Partnern. Sie verstehen doch, dass es derzeit nur eine Kraft gibt, die ihre Aufgaben in der Ukraine tatsächlich vollständig erfüllt. Wissen Sie, welche? Wissen Sie, welche? Die Streitkräfte der Ukraine.
Olena Trybushna: Und das Antikorruptionsbüro.
Portnikov: Die Streitkräfte der Ukraine und das Nationale Antikorruptionsbüro. Nun, in erster Linie die Streitkräfte, denn wenn sie den Feind nicht aufhalten würden, könnte kein Antikorruptionsbüro irgendetwas tun. Der Feind hätte die Ukraine längst besetzt, und hier gäbe es nicht das Antikorruptionsbüro, sondern, entschuldigen Sie, das Ermittlungskomitee der Russischen Föderation.
Olena Trybushna: Den FSB.
Portnikov: Nein, die Funktionen des NABU erfüllt in Russland das Ermittlungskomitee, nicht der FSB. Die Streitkräfte halten die Lage an der Front tatsächlich, sie gehen sogar tatsächlich in die Offensive über. Und das Land, das diesen Streitkräften helfen könnte, über wirksame Mechanismen ihrer Unterstützung nachzudenken, sowohl bei der Mobilisierung als auch wirtschaftlich, gerät außer Kontrolle. Ist das etwa nicht wahr? Habe ich mir das ausgedacht? Und deshalb ist es gegenüber den Menschen, die das Land in einer so schwierigen Zeit verteidigen, sehr beschämend, dass wir keine Effizienz erreichen können, dass wir die Situation nicht korrigieren können, die nach der berühmten Abstimmung entstanden ist.
Olena Trybushna: Was diesen Gesetzentwurf von Lindsey Graham betrifft: So wie ich es verstehe, wird das Repräsentantenhaus, wenn dieses Video erscheint, wahrscheinlich bereits darüber abgestimmt haben. Es geht um Sanktionen gegen Russland und Iran. Und ich habe den Kongressabgeordneten Michael McCaul gehört, wie er bei der Vorstellung dieses Gesetzentwurfs seinen Kollegen versicherte, dieses Gesetz werde Putin zwingen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Ich sehe eine allgemeine Skepsis, dass dieses Graham-Gesetz Einfluss auf unsere Angelegenheiten haben wird. Aber halten Sie es wenigstens zu einem Prozent für möglich, dass die Graham-Sanktionen angewandt werden und Putin irgendwie beeinflussen?
Portnikov: Nun, die Sanktionen, die dieses Gesetz in erster Linie vorsieht, muss der Präsident der Vereinigten Staaten verhängen. Und die Frage besteht gerade darin, dass der Kongress ihm diese Befugnisse gibt. Wird Donald Trump diese Möglichkeiten nutzen? Oder wird er doch der Ansicht sein, dass die Verhängung solcher Sanktionen die Chancen auf Frieden verschlechtert? Das wissen wir nicht. Zumal Sie sehen, dass Trump selbst bei diesem Gesetz gerade wegen des Iran besorgt war. Und er wollte diese Gesetzgebung im Grunde nutzen, um Druck auf Länder auszuüben, die mit dem Iran handeln, und nicht mit Russland. Das ist der erste Punkt.
Der zweite Punkt: Dort werden tatsächlich ziemlich hohe Zölle auf russische Produkte vorgesehen. Auch hier muss das der Präsident der Vereinigten Staaten entscheiden. Aber das Handelsvolumen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten lässt nicht darauf hoffen, dass selbst die Verhängung solch hoher Zölle auf Waren, die heute aus der Russischen Föderation in die Vereinigten Staaten gelangen, die russische Wirtschaft in irgendeiner Weise so beeinflussen könnte, dass Putin gezwungen wäre, sich an den Verhandlungstisch zu setzen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt dieses Gesetzes ist die Möglichkeit, Sanktionen beziehungsweise ziemlich hohe Zölle gegen Länder zu verhängen, die weiterhin russisches Öl kaufen. Aber ich möchte Sie daran erinnern, dass das wichtigste dieser Länder die Volksrepublik China ist, gegen die die Vereinigten Staaten den Zollkrieg bereits verloren haben. Trump versuchte, Zölle gegen China zu verhängen, aber in Washington erkannte man ziemlich schnell, dass solche Zölle die amerikanische Wirtschaft tatsächlich treffen könnten. Und Trump musste diese Entscheidung aufgeben, weil er sah, dass auf Trumps Zölle Xi Jinpings Zölle folgen könnten oder Beschränkungen für Lieferungen von für die Amerikaner strategisch wichtigen Waren und Produkten in die Vereinigten Staaten, darunter die berühmten Seltenen Erden, nach denen man bei uns gesucht, die man bislang aber nicht gefunden hat. Die Volksrepublik China bleibt jedoch weiterhin einer der wichtigsten Lieferanten dieser Metalle.
Und schließlich stellt sich die Frage, wie dieses Gesetz – mit Skepsis oder ohne Skepsis – die Situation bei den Verhandlungen und im russisch-ukrainischen Krieg tatsächlich beeinflussen kann. Welche realen Instrumente hat der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, selbst wenn er dieses Gesetz anwendet, um Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine zu fördern, um nicht einfach nur das zu tun, was er die ganze Zeit versucht, sondern Putin zu zwingen, sich mit einem konkreten Vorschlag an den Verhandlungstisch zu setzen?
Ich möchte einfach, dass mir jemand, der über dieses Gesetz spricht, das erklärt. Und bislang höre ich keinerlei Erklärung. Für mich ist ebenfalls offensichtlich, dass Donald Trump dieses Gesetz nicht dazu nutzen könnte, Sanktionen gegen Länder zu verhängen, die mit Russland handeln, sondern dazu, es gegen Länder einzusetzen, deren Politik ihm aus irgendeinem Grund nicht passt. Und er wird dieses Gesetz nutzen, um gegen diese Länder vorzugehen und zu sagen: „Sehen Sie, sie handeln mit Russland oder dem Iran. Verhängen wir doch irgendwelche neuen Strafzölle gegen sie.“ Nehmen wir beispielsweise Indien.
Aber wie sehr das wiederum Moskau selbst und Teheran selbst beeinflussen wird, weiß ich nicht. Ich sehe hier nicht einmal nur Anlass zu Skepsis. Ich halte dieses Gesetz für eine Imageaktion, weil, ich sage es noch einmal, viele Menschen es unterstützen und niemand mir konkret erklären kann, welchen tatsächlichen Einfluss dieses Gesetz auf den russisch-ukrainischen Krieg haben wird. Ich würde diesen konkreten Vorschlag gerne sehen, aber ich sehe ihn nicht.
Ich glaube, dass ein anderes Gesetz den russisch-ukrainischen Krieg tatsächlich beeinflussen könnte, das bereits vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde. Das ist das Gesetz zur Unterstützung der Ukraine, das, wie Sie wissen, unserem Land reale finanzielle Hilfe und eine Ausweitung der Waffenlieferungen vorsieht. In diesem Gesetz ist all das festgeschrieben, aber es wird faktisch im Senat nicht zur Abstimmung gestellt, und Donald Trump hat nicht vor, es zu unterzeichnen. Und ich glaube, dass gerade die Blockade dieses Gesetzes, das Mike Johnson zunächst nicht zur Abstimmung stellen wollte und für das es dann, nachdem es doch zur Abstimmung gestellt worden war, ziemlich schwierig war, genügend Stimmen in der republikanischen Fraktion zu finden, entscheidend ist. Und nachdem sich die Stimmen schließlich gefunden hatten, blieb es einfach im Senat stecken.
Die Abstimmung über dieses Gesetz zeigt die wirkliche Haltung der Regierung zur Möglichkeit, Druck auf Putin auszuüben. Denn wenn wir erhebliche finanzielle Unterstützung von den Vereinigten Staaten und Waffen von den Vereinigten Staaten erhalten würden, ohne dieses nach Trumps Wahl erfundene Programm, wonach die Europäer für amerikanische Waffen bezahlen müssen, würde das Putin meiner Meinung nach davon überzeugen, dass wir seiner Aggression länger Widerstand leisten können, als er erwartet. Auch Putin hat schließlich gewisse Berechnungen, wie Sie verstehen.
So aber wird es die nächste lautstarke Aktion. Trump wird, falls er beschließt, dieses Gesetz zu unterzeichnen, vor den Wahlen umgeben von verschiedenen Kongressabgeordneten, Senatoren und seinen Anhängern auftreten. Ich schließe nicht aus, dass irgendwelche Vertreter aus der Ukraine eingeladen werden. Ich schließe nicht einmal aus, dass man Präsident Volodymyr Zelensky einladen und dieses Gesetz in seiner Anwesenheit feierlich unterzeichnen könnte – und einige Tage später werden wir es vergessen, als hätte es dieses Gesetz nie gegeben. Das ist alles, was passieren wird.
Olena Trybushna: Dann machen wir es so. Ich wollte etwas später darüber sprechen, aber wenn wir schon über Trump und den Kongress reden: Bereits am 3. November finden die Zwischenwahlen zu beiden Kammern des Kongresses statt. Für einen amerikanischen Präsidenten ist das immer ein gewisser Test. Und Trump nähert sich diesem Zeitpunkt grundsätzlich in einer unsicheren Lage, er könnte seine Mehrheit im Kongress verlieren. Was erwarten Sie? Wird er sie tatsächlich verlieren, und falls das geschieht, würde das für uns irgendwelche grundlegenden Veränderungen bedeuten?
Portnikov: Ich erwarte eine tiefe politische Krise in den Vereinigten Staaten von Amerika, denn erstens wissen wir nicht, wie der Präsident auf die Wahlergebnisse reagieren wird. Und wir wissen zumindest, dass er eine tiefe Krise in seinen Beziehungen zum Kongress haben wird, selbst wenn er diese Ergebnisse akzeptiert. Denn ich halte Auseinandersetzungen um das Ergebnis für möglich, ziemlich ernsthafte juristische Auseinandersetzungen.
Aber stellen wir uns vor, dass all das nicht in dem Ausmaß geschieht, das in den Vereinigten Staaten möglich wäre, und der neue Kongress seine Arbeit aufnimmt. Hier gibt es zwei mögliche Entwicklungen. Tatsächlich wird das Repräsentantenhaus nach heutigem Stand höchstwahrscheinlich unter die Kontrolle der Demokratischen Partei kommen. Und übrigens geschieht das praktisch immer bei Zwischenwahlen, zwei Jahre nach der Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Wissen Sie, Olena, welcher Präsident der Vereinigten Staaten zuletzt seine Amtszeit mit einer Mehrheit seiner eigenen Partei im Repräsentantenhaus beendete? Das war Jimmy Carter. Wir sprechen also von den 1970er-Jahren. Keinem der folgenden Präsidenten der Vereinigten Staaten – weder Ronald Reagan noch George Bush senior noch Bill Clinton noch George Bush junior noch Donald Trump während seiner ersten Amtszeit noch Joseph Biden – gelang es, seine Amtsführung mit einer Mehrheit der eigenen Partei zu beenden. Das ist eine solche Tendenz. Joseph Biden hatte – und auch das ist eine bemerkenswerte Geschichte – einen Senat, in dem seine Partei die Mehrheit hatte, aber auch das kommt sehr selten vor.
Stellen wir uns also vor, dass höchstwahrscheinlich der klassische Fall eintritt und Donald Trump gerade die Kontrolle über das Repräsentantenhaus verliert. Das wäre ein ziemlich ernstes Problem. Die Demokraten werden, davon bin ich absolut überzeugt – und hier stimme ich sowohl Trump als auch Mike Johnson und allen zu, die das sagen –, das Repräsentantenhaus in eine Art Untersuchungszentrum verwandeln, das sich mit, wie sie sagen werden, korrupten Machenschaften des Präsidenten der Vereinigten Staaten, seiner Familienmitglieder und seines engsten Umfelds beschäftigt. Sie verstehen, dass es vor dem Hintergrund dieser Geschichte etwa mit Umar Kremlev und dem Hochzeitsgeschenk für Donald Trump Jr. für sie ziemlich lange einiges zu untersuchen geben wird. Wir können uns das Ausmaß all dessen, was wir erfahren könnten und was die Regierung als Verleumdung zurückweisen wird, noch gar nicht vorstellen.
Es wird eine ernsthafte Auseinandersetzung geben. Diese Auseinandersetzung dürfte kaum ernsthafte Konsequenzen für Donald Trump haben, solange Donald Trump den Senat kontrolliert. Denn wenn die Republikaner im Senat die Mehrheit haben, werden die republikanischen Senatoren alles, was die Demokraten auch veröffentlichen mögen, für Verleumdungen gegen Donald Trump halten. Selbst wenn es sich um absolut unbestreitbare Informationen handelt, wird jeder republikanische Senator verstehen, dass er seine politische Karriere verliert, wenn er sich gegen Trump und seine Familie stellt. Und somit wird es im Grunde gerade ein Kampf um den Sieg bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2028 sein.
Andererseits muss Trump natürlich bestimmte Gesetze verabschieden, die für den Präsidenten wichtig sind. Und die Demokraten werden, wie ihre Vertreter tatsächlich völlig zu Recht sagen, eine gewisse Möglichkeit haben, ihre Stimmen für bestimmte Vorhaben gegen Zustimmung zu Gesetzen einzutauschen, die sie selbst verabschieden wollen, beispielsweise im Zusammenhang mit der Unterstützung der Ukraine. Aber auch das ist kein einfacher Prozess, denn wie wir jetzt sehen, wollen viele Demokraten nicht für das Graham-Gesetz stimmen, um dem Präsidenten keine zusätzlichen Befugnisse zu geben. Jedes Mal, selbst wenn es um proukrainische Gesetze geht, werden wir vor dieser Wahl, vor diesem schwierigen Moment stehen. Auch das muss man sich bewusst machen, wenn wir über den weiteren Verlauf der Ereignisse im Zusammenhang mit diesen Wahlen sprechen.
Wenn Trump sowohl den Senat als auch das Repräsentantenhaus verliert, wird es für ihn noch schwieriger, denn seine Präsidentschaft wird blockiert sein. Sämtliche Ernennungen werden blockiert, sämtliche Entscheidungen des Präsidenten werden blockiert. Donald Trump wird für die nächsten zwei Jahre zu einer vollwertigen lahmen Ente, was ihm in seinen Beziehungen zum Präsidenten der Russischen Föderation und zum Staatschef der Volksrepublik China natürlich keine zusätzliche Autorität verleihen wird. Auch das muss man verstehen. Und natürlich wird es seine Möglichkeiten, Einfluss auf die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu nehmen, erheblich verringern – falls es diese Möglichkeiten überhaupt jemals gab.
Aber auch das wird nicht zu seinem Rücktritt vom Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten führen, es sei denn, es werden Informationen gefunden, die für die Republikanische Partei und ihr eigenes Schicksal katastrophal wären, wie es beispielsweise bei Watergate der Fall war. Und selbst wenn Donald Trump die Kontrolle über den Senat verliert, werden seine Gegner dort nicht genügend Stimmen für ein Impeachment haben, denn dafür sind zwei Drittel der Stimmen im Senat erforderlich.
Somit geraten die Vereinigten Staaten nach dem 3. November in eine Situation einer harten politischen Krise mit für die Welt unvorhersehbaren Folgen. Das ist es, was ich von diesen Zwischenwahlen erwarte.
Olena Trybushna: Das klingt beängstigend.
Portnikov: Nein, es klingt einfach nach einem realistischen politischen Prozess. Warum beängstigend? Das ist Politik. Politik kann nicht beängstigend sein. Sie kann nur sehr, sehr interessant sein.
Olena Trybushna: Einer der Gründe, warum Trump derzeit bei den Wählern so stark an Zustimmung verloren hat und den Kongress verlieren könnte, sind die Kraftstoffpreise. Wir wissen, dass die Kraftstoffpreise, soweit ich verstehe, ungefähr auf das Doppelte gestiegen sind, seit Trump den Krieg gegen den Iran begonnen hat. Und genau das ist der Grund, warum die Kraftstoffpreise gestiegen sind. Aber nach dem, was jetzt in Amerika zu hören ist, verstehe ich es so, dass man uns die Verantwortung für den Preisanstieg zuschieben und uns zu den Schuldigen machen will. Wenn sie sagen, die Ukraine bombardiere russische Ölraffinerien und deshalb sei Diesel in Amerika teuer. So sieht es aus. Kann man den Amerikanern eine solche Geschichte tatsächlich verkaufen? Denn für uns sieht das ein wenig wie Unsinn aus. Aber wie sieht es in Amerika aus?
Portnikov: Für Donald Trumps Kernwählerschaft klingt das ziemlich überzeugend. Zumal das nicht nur Trump sagt, sondern auch sein Finanzminister Bessent und sein Energieminister Wright. Diese Leute werden von der, ich würde sagen, Kernwählerschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten als ziemlich kompetente Leute wahrgenommen. Das sind nicht einfach nur Worte Donald Trumps.
Dann gibt es Zahlen, die man ebenfalls berechnen kann. Tatsächlich ist die Menge an Dieselkraftstoff, die aus Russland auf den Weltmarkt gelangte, nur halb so groß wie die Menge an Dieselkraftstoff, die infolge der Blockade der Straße von Hormus nicht mehr aus den Staaten am Persischen Golf geliefert wird. Aber es ist trotzdem eine beträchtliche Menge. So oder so beeinflussen die Diesellieferungen der Russischen Föderation natürlich die Weltmarktpreise, nur in einem viel geringeren Ausmaß als die Diesellieferungen der Staaten am Persischen Golf.
Nun, stimmen Sie mir zu, dass auch das reale Veränderungen sind: Vor unseren Angriffen auf die Ölraffinerien des Landes war Russland ein Staat, der Dieselkraftstoff verkaufte und ihn mit einem riesigen Überschuss produzierte, während Russland heute Dieselkraftstoff kauft. Wenn wir vollkommen objektiv sind: Beeinflusst es die Preise oder nicht, wenn ein Land, das Lieferant war, zum Käufer wird? Aber nicht wesentlich. Nicht so wesentlich, dass es die Zahlen an den Tankstellen in diesem Maße beeinflussen würde.
Dabei muss ich sofort sagen, dass die Zahlen an den Tankstellen, die wir derzeit in den Vereinigten Staaten von Amerika sehen, möglicherweise erst der Anfang sind. Das Problem ist, dass man an einigen Tankstellen derzeit die Anzeigetafeln überprüft und herausfinden will, was man tun soll. Denn es gibt technische Grenzen. Nicht überall gibt es solche elektronischen Anzeigen, auf denen sich zweistellige Zahlen darstellen lassen, falls eine Gallone Diesel oder Kraftstoff mehr als zehn Dollar kostet. Und wie viel kostet sie jetzt schon, sagen wir – ungefähr sieben, ja? Sieben bis acht derzeit. Das ist ein ernstes Problem für Donald Trump, denn die Amerikaner stimmen zweifellos nicht über die Ergebnisse des russisch-ukrainischen Krieges ab, nicht über seine Friedfertigkeit, nicht über seine Fähigkeit, 20, 30 oder 50 Kriege zu beenden. Die Amerikaner stimmen über Preise ab. Und nicht nur über Kraftstoffpreise. Das sind die Preise, die man jetzt in jedem Geschäft sehen kann.
Ich glaube überhaupt nicht, dass die Ukrainer begreifen, wie teuer die Welt infolge des Krieges mit dem Iran geworden ist – nicht nur in den Vereinigten Staaten. Wenn sich die Situation so weiterentwickelt, sage ich Ihnen ehrlich, wird ein Mensch mit, sagen wir, bescheidenem, aber anständigem Einkommen, ein Angehöriger der Mittelschicht – von armen Menschen spreche ich gar nicht erst – in dieser Welt einfach nichts mehr zu suchen haben. Es ist unklar, wie man genug Geld verdienen soll, um in der Welt zu leben, die Donald Trump uns infolge seines nicht durchdachten Konzepts für den Krieg gegen den Iran beschert hat.
Und es gibt noch ein großes Problem. Ich habe den Eindruck, dass wir uns einer Schließung der Meerenge Bab al-Mandab durch die Huthis nähern. Und das soll eines der wichtigsten Geschenke der Revolutionsgarden an den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu den Zwischenwahlen werden. Sie wollen das offenbar so machen – ich weiß nicht, ob es ihnen gelingen wird –, dass es unmittelbar vor den Wahlen in den Vereinigten Staaten einen solchen wirtschaftlichen Schock gibt, der die politischen Chancen nicht nur Donald Trumps, sondern auch der Republikaner für viele Jahre begräbt. Das ist ihr Plan. Sie nähern sich ihm schrittweise. Ich sage noch einmal: Ich hoffe, dass es ihnen nicht in diesem Ausmaß gelingt, aber es ist klar, was sie anstreben. Das ist also der eine Punkt.
Der andere Punkt ist, dass Trump tatsächlich nach Schuldigen sucht. Er möchte nur sehr ungern eingestehen, dass er selbst an dieser ganzen Geschichte schuld ist. Und natürlich sagt er, es sei die Ukraine. Aber dann stellt sich eine ziemlich einfache Frage. Wir kennen den Weg, der die ukrainischen Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation und ihren Energiesektor beenden könnte. Das wäre, wenn schon nicht das Ende des russisch-ukrainischen Krieges, so zumindest eine Waffenruhe im Energiebereich.
Und hier stellt sich eine gute Frage: Warum kümmert sich Donald Trump so sehr um das Schicksal des Ölraffineriesektors der Russischen Föderation, Putin aber nicht? Warum will Putin keine Waffenruhe, wenn diese Angriffe seine Aussichten und seine Möglichkeiten derart beeinflussen? Dann beeinflussen sie sie vermutlich nicht so sehr, wie es scheint. Dann erscheinen diese Verluste im Ölraffineriesektor der Russischen Föderation Präsident Putin und der Führung der Russischen Föderation vermutlich nicht so gravierend. Andernfalls hätten sie Trumps Worte sofort aufgegriffen und gesagt: „Ja, stoppen wir das. Die Ukraine muss ihre Angriffe einstellen. Wir stimmen einer Waffenruhe im Energiebereich zu.“
Aber so oft Trump auch sagt, Russland und die Ukraine hätten vereinbart, einander nicht anzugreifen, im Kreml wurden keinerlei derartige Entscheidungen getroffen. Und wir sehen, dass Putin sich freudig auf Angriffe im Winter vorbereitet. Wo liegt dann das Problem für Russland, und warum glauben wir, dass die Probleme mit Dieselkraftstoff für Putin bei seinen Entscheidungen tatsächlich ausschlaggebend sind? Das ist doch eine gute Frage.
Olena Trybushna: Sprechen wir darüber. Diese Erklärung Trumps, die Ukraine und Russland hätten sich auf eine Waffenruhe im Energiebereich geeinigt, obwohl es eine solche Vereinbarung gar nicht gibt – ist auch das ein Element zur Eindämmung der Preise? Trump zeigt seinen Wählern also, dass er sich bemüht und Russland jetzt in die Schranken weisen wird und die Preise wieder zurückgehen werden. Muss man es so verstehen, oder ist das überhaupt irgendein Fehlstart?
Portnikov: Nein, es ist tatsächlich einfach der Versuch, Bemühungen zu demonstrieren. Trump versucht die ganze Zeit, seine Wähler in einer nicht existierenden Realität zu halten, die überhaupt nichts mit den Fakten zu tun hat. Das betrifft ja nicht nur Russlands Krieg gegen die Ukraine. Er sagt, dass die Vereinigten Staaten die Straße von Hormus jetzt tatsächlich kontrollieren. Sie kontrollieren sie nicht. Dort finden bestimmte Manöver statt, die es einer gewissen Zahl von Schiffen ermöglichen, diese Engstelle zu passieren. Aber in jedem Fall sind das bei Weitem nicht die Mengen, die die Situation auf dem Ölmarkt stabilisieren könnten.
Und ich erinnere immer wieder daran, dass die Tatsache, dass die Preise noch nicht so stark gestiegen sind, wie in den ersten Monaten des Krieges mit dem Iran vorhergesagt wurde, damit zusammenhängt, dass viele Länder ihre strategischen Ölreserven nutzen. Wir wissen nicht, was mit der Welt geschehen wird – Spoiler: nichts Gutes –, wenn diese strategischen Reserven erschöpft sind, in einer Situation, in der selbst ein Ölland wie die Russische Föderation infolge seines eigenen Handelns, seines eigenen Krieges, ebenfalls nicht genügend Öl auf den Markt bringen kann und darüber hinaus seine Bohrlöcher stilllegt. Das ist ein ernstes Problem für alle. Und Trump verbirgt dieses Problem vor seinen Wählern, denn er sagt die ganze Zeit: „Hören Sie, die Ölpreise werden nach den Wahlen fallen.“ Also: „Sie stimmen für uns, und die Preise fallen.“ Dabei könnten die Preise nach den Zwischenwahlen nur weiter steigen. Warum sollten sie fallen? Denn jede Woche bringt uns der Erschöpfung der strategischen Ölreserven der Welt näher. Und Sie wissen, dass Trump versucht hat, die Ölkonzerne dazu zu zwingen, die Preise zu senken, wie zu sozialistischen Zeiten. Er hat versucht, die Preise zu kontrollieren. Bislang ist ihm das nicht gelungen.
All diese Worte darüber, dass Russland und die Ukraine sich auf eine Waffenruhe im Energiebereich geeinigt hätten, sind Teil der Erschaffung einer nicht existierenden Realität in den Köpfen derjenigen, die wählen sollen. Glauben Sie mir, ihn interessiert derzeit nicht der Frieden in der Ukraine. Ihn interessiert derzeit nicht, was mit dem Iran geschieht. Ihn interessieren ausschließlich Dinge, die mit seiner eigenen politischen Karriere und der Zukunft seiner Familie zusammenhängen. Und deshalb verstehen sie selbst nicht so recht, warum sie nichts erreichen können.
Dabei ist nicht einmal Donald Trump am interessantesten, sondern Jared Kushner, der erklärte, dass es ihm nicht gelinge, im Gazastreifen bei der Entwaffnung der Hamas ein wirkliches Ergebnis zu erzielen, weil es in Israel, wie er sagte, sehr merkwürdige Wahlen gebe. Was heißt denn merkwürdige Wahlen? In Israel gibt es ganz normale Wahlen, ich würde sogar sagen, nicht einmal vorgezogene. Und es wäre merkwürdig, wenn die israelische Regierung vor oder nach den Wahlen irgendwelchen Entscheidungen zustimmen würde, die nicht der israelischen Vorstellung von Sicherheit entsprechen.
Und in Russland gibt es, wie sich herausstellt, ebenfalls Wahlen, die Putin angeblich daran hindern, vollwertige Verhandlungen zu führen. Wenn die Amerikaner den Europäern sagen: „Bereitet euch darauf vor, die Russen werden nach den Wahlen zu Verhandlungen in der Lage sein.“ Nach welchen Wahlen denn? Was soll bei diesen Wahlen geschehen? Wird „Einiges Russland“ seine Mehrheit in der Staatsduma verlieren? Ich möchte es einfach wissen.
Aber sie erfinden wiederum irgendwelche Dinge – über die israelischen Wahlen, über die russischen Wahlen und über unsere Position. Auch wir bereiten uns angeblich auf Wahlen vor und können deshalb irgendwelche Positionen nicht aufgeben. All das erklärt ihnen, warum sie sich in diese nicht existierende Realität begeben müssen.
Olena Trybushna: Diese Erklärung Kushners, die er bei der Yalta European Strategy abgegeben hat, wo er wieder von Territorien sprach und sagte, die Vereinigten Staaten hätten angeblich bereits den größten Teil des Entwurfs dieses künftigen Friedensvertrags ausgearbeitet und abgestimmt, die Verhandlungen seien jedoch wegen der Weigerung der Ukraine, Territorien abzutreten, zum Stillstand gekommen. Ich betone: Das wurde unter anderem vor einem ukrainischen Publikum gesagt. Erklären die Amerikaner so, warum es ihnen nicht gelingt, den Krieg zu beenden? Und diese Erklärung lautet im Grunde, dass wir selbst schuld sind. Muss man das so verstehen?
Portnikov: Natürlich. Steve Witkoff und Jared Kushner haben bei ihren Reisen nach Moskau und Kyiv ein vollkommen offensichtliches Fiasko erlitten. Warum kann man die Dinge nicht beim Namen nennen? Sie haben überhaupt nichts vereinbart, vor allem nicht in Russland, denn ich möchte noch einmal daran erinnern, dass wir die ganze Zeit sagen, dass wir zu einer Waffenruhe entlang der Kontaktlinie der Truppen bereit sind. Diese unsere Position entspricht der Position, die der Präsident der Vereinigten Staaten nach seiner Wahl und zu Beginn seiner ersten Gespräche mit dem Präsidenten der Russischen Föderation vertreten hat. Was ist an dieser Position unlogisch, wenn beide Armeen nicht wesentlich in die Stellungen der jeweils anderen vordringen können? Wenn heute selbst ein Vorrücken um einige Dutzend Quadratkilometer, selbst um zehn, als riesiger Erfolg gilt, dann versteht jeder Mensch, der irgendwie über die Entwicklung der Kampfhandlungen nachdenkt, dass weder die eine Armee die von der anderen besetzten Gebiete vollständig befreien kann noch die andere Armee neue Gebiete einnehmen kann, auf denen sich die gegnerische Armee befindet. Das heißt, die Russen haben physisch nicht die Möglichkeit, das Gebiet Donezk einzunehmen. Wir haben physisch nicht die Möglichkeit, es zurückzuerobern. Das ist eine solche objektive Realität. Ich meine, dies in großem Maßstab zu tun. Es ist klar, dass in dieser Situation einer neuen, ich würde sagen, Technologie der Kriegsführung – sofern es keinen technologischen Durchbruch gibt, den ich nicht ausschließe – eine Waffenruhe entlang der Kontaktlinie der Truppen zum heutigen Zeitpunkt vollkommen logisch ist.
Putin will diese Waffenruhe entlang der Kontaktlinie der Truppen nicht. Mehr noch: Die Russen haben niemals gesagt – auch daran möchte ich erinnern –, dass der Abzug ukrainischer Truppen aus dem Gebiet Donezk zu Frieden oder auch nur zu einer Waffenruhe führen würde. Sie sagen, dass dies eine Voraussetzung für Verhandlungen wäre, dass es, wie der Berater des Präsidenten der Russischen Föderation Juri Uschakow sagte, ermöglichen würde, bei den anderen Artikeln des Friedensabkommens besser voranzukommen.
Aber was heißt „besser“, und wie lange? Stellen Sie sich vor, wir ziehen uns aus dem Gebiet Donezk zurück, bleiben dann bei den nächsten russischen Forderungen stecken, die nur noch größer werden können, während die Kampfhandlungen weitergehen – nur bereits entlang neuer territorialer Linien. Und dann ist ein weiterer Teil des ukrainischen Territoriums bereits von den Russen besetzt. Oder noch nicht besetzt, aber sie verlangen, dass wir uns aus diesem Gebiet zurückziehen, weil sie jetzt eine Pufferzone für das Gebiet Donezk wollen. Erinnern Sie sich, dass sie ständig von Pufferzonen sprechen? Und das, worüber wir jetzt im Zusammenhang mit dem Gebiet Sumy oder Charkiw sprechen, wo der russische Vormarsch bei Lyman ins Stocken geraten ist, dient alles der Schaffung von Pufferzonen. Vergessen Sie nicht, dass es noch diesen Teil des russischen Krieges gegen die Ukraine gibt, der unabhängig vom Gebiet Donezk fortgesetzt werden kann. Und dann?
Das heißt, wenn es keine Waffenruhe gibt, sind all diese Verhandlungen ausschließlich eine Farce, an der wir teilnehmen müssen, um uns nicht mit den Vereinigten Staaten zu überwerfen. Es gibt keinerlei realistische Hoffnung darauf, dass Verhandlungen mit Russland uns in absehbarer Zukunft Frieden bringen werden. Um den ehemaligen israelischen Präsidenten Shimon Peres zu zitieren: „Die gute Nachricht ist, dass am Ende des Tunnels Licht ist. Die schlechte Nachricht ist, dass es den Tunnel selbst nicht gibt.“
Das ist alles, was man über den russisch-ukrainischen Verhandlungsprozess in den 20er-Jahren wissen muss. Ich könnte noch die 30er-Jahre hinzufügen, die bereits näher rücken, aber in der Regel mögen es die Menschen nicht besonders, wenn ich die 30er-Jahre erwähne. Deshalb bleibe ich bei den 20er-Jahren, denn sie gehen bereits vor unseren Augen zu Ende. In welchem Jahr sind wir? 2026, wir gehen schon auf 2027 zu. Als ich früher sagte, Putin spiele auf Zeit bis zum Ende von Donald Trumps Amtszeit als Präsident, galt das als politische Fantasterei. Zwei Jahre sind bereits vergangen. Da haben Sie die Antwort.
Olena Trybushna: Trotzdem sind inzwischen sowohl die Ukraine als auch Russland in diese Verhandlungen über eine Waffenruhe im Energiebereich, nennen wir es so, hineingezogen worden. Heute kommentiert das Außenministerium: „Sollen die Russen Listen mit Objekten vorlegen.“ Zelensky sagt in einem Interview, das er in Kanada gegeben hat, wenn Putin keine vollständige Waffenruhe wolle, dann sollten wir zumindest eine Waffenruhe bei Getreide und Energie vereinbaren. Und die Russen nennen bereits irgendwelche Bedingungen, die sie wollen. Zumindest hat Peskow gesagt, allein der Verzicht auf Angriffe auf Ölraffinerien werde das Problem mit dem Kraftstoff nicht lösen. Sie wollen, dass die Sanktionen gegen Öl aufgehoben werden und dass wir aufhören, Tanker anzugreifen. Wenn man das ernst nimmt: Finden da irgendwelche Vereinbarungen statt, die für uns nicht offensichtlich sind und die wir nicht sehen?
Portnikov: Und wer soll die Sanktionen aufheben, wir oder die Vereinigten Staaten?
Olena Trybushna: Die Vereinigten Staaten, so wie ich es verstehe.
Portnikov: Das heißt, sie versuchen, eine Waffenruhe im Energiebereich – also dass sie bestimmte Objekte in der Ukraine nicht angreifen – gegen die Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation einzutauschen, wenn man ganz genau sein will? Richtig?
Olena Trybushna: Ja, so wie ich es verstehe, ja.
Portnikov: Das heißt, wie Sie sehen, suchen sie nach Möglichkeiten, sich nicht zu einigen, weil sie plötzlich erkannt haben, dass die Ukraine einer Liste von Objekten zustimmen könnte, die sie nicht angreifen darf. Und wenn die Ukraine dieser Liste von Objekten zustimmt, die sie dort vorlegen, und sagt: „Wir werden eure Ölraffinerien, eure Ölhäfen, eure Bohrlöcher nicht mehr anrühren, denn unsere Drohnen fliegen übrigens bereits bis nach Urengoi. Wir verlangen lediglich, dass ihr unsere Kraftwerke, unsere Energieinfrastruktur nicht angreift.“ Richtig? Dann müsste man sich einigen. Also suchen sie jetzt nach Bedingungen, denen die Vereinigten Staaten selbst nicht zustimmen werden. Wenn die Vereinigten Staaten plötzlich zustimmen, werden sie Bedingungen suchen, denen die Europäische Union nicht zustimmen wird, weil sie keine Waffenruhe brauchen, sondern demonstrieren wollen, dass sie konstruktiv sind und die anderen unkonstruktiv. Hier ist also alles vollkommen klar.
Sie verstehen, es gibt hier noch eine andere Geschichte. Wir wissen nicht, welche wirklichen innenpolitischen Prozesse in der Russischen Föderation im Zusammenhang mit unseren Angriffen ablaufen. Denn wir leben in einer Welt, in der wir zuschlagen und es ihnen schlecht geht. Aber wem genau geht es schlecht? Sagen Sie es mir bitte.
Olena Trybushna: Den gewöhnlichen Russen, die in Videos herumschreien, ganz sicher.
Portnikov: Die gewöhnlichen Russen interessieren in der russischen Staatsführung überhaupt niemanden, solange die soziale Stabilität nicht tatsächlich zusammenbricht. Nehmen wir Igor Setschin, Putins rechte Hand, den Mann, der Rosneft auf den Trümmern des von Putin faktisch zerstörten Yukos aufgebaut hat. Was ist Rosneft? Das ist ein Staatskonzern, der sich das Eigentum eines Privatunternehmens angeeignet hat. Das ist einfach Yukos, das vom Staat übernommen wurde.
Olena Trybushna: Chodorkowski wurde ins Gefängnis gesteckt.
Portnikov: Chodorkowski wurde ins Gefängnis gesteckt. Ganz genau. Und nicht nur Chodorkowski. Jetzt gibt es die Möglichkeit, sich Lukoil unter den Nagel zu reißen, ohne Alekperow ins Gefängnis stecken zu müssen. Sie wissen, dass Putin bereits einen Erlass unterzeichnet hat, der es erlaubt, das Eigentum von Unternehmen unter staatliche Verwaltung zu stellen, die sich nicht vor Angriffen schützen können. Im Prinzip kann man Rosneft also erweitern. Als wir gerade erst begannen, die Ölraffinerien der Russischen Föderation anzugreifen, äußerten einige russische Experten die Vermutung, dass Igor Setschin und andere Vertreter von Putins engstem Umfeld aus der Ölbranche die Reparatur der Ölraffinerien der Russischen Föderation bremsen würden, um mehr Öl verkaufen zu können. Denn grundsätzlich ist es für sie vorteilhaft, mehr Öl an andere Länder wie China und Indien zu verkaufen und anschließend den Kraftstoff zu verkaufen, den sie als Gegenleistung für den Ölverkauf erhalten können, um diesen Kraftstoff zu höheren Preisen auf dem russischen Markt zu verkaufen.
Objektiv betrachtet gibt es also derzeit in der politischen Führung Russlands eine mächtige Gruppe von Lobbyisten, die sowohl an ukrainischen Angriffen auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation als auch daran interessiert ist, die Reparatur dieser Raffinerien nach unseren Angriffen zu verzögern. Und diese Gruppe könnte erheblich einflussreicher sein als die Eigentümer der Raffinerien. Das ist ein Paradox. Aber wenn ein Land von einer Mafia regiert wird, kommt so etwas häufig vor.
Somit ist die überwältigende Mehrheit der Menschen, die Einfluss auf den Präsidenten der Russischen Föderation haben, nicht an einer Waffenruhe im Energiebereich interessiert, weil sie glauben, dass die Ukraine mit ihren Angriffen zu ihrer persönlichen Bereicherung beiträgt. Und was mit Russland geschieht, interessiert diese Menschen überhaupt nicht, denn sie haben immer nach dem Prinzip gelebt: Nach uns die Sintflut. Und wir helfen mit unseren Angriffen hervorragend bei dieser Sintflut. Deshalb sitzt Igor Setschin jedes Mal, wenn die nächste Ölraffinerie in der Russischen Föderation brennt, einfach in seinem Büro und rechnet aus, wie viele neue Millionen Dollar – nun gut, Yuan und Rupien – er damit verdienen wird und wie sein Einfluss dadurch wächst.
Denn vergessen Sie noch eine wichtige Sache nicht. All dieses Geld, das sie verdienen, ist auch ihr Beitrag zum Machtübergang. Jeder von ihnen versteht, dass Putin nicht ewig lebt. Früher oder später werden entweder sie selbst oder ihre Kinder am Machtübergang teilnehmen müssen, und sei es erst nach dem physischen Tod des Präsidenten der Russischen Föderation. Und das Vermögen und der Besitz, über die sie dann verfügen, werden es ihnen ermöglichen, die Hauptaktionäre eines solchen Machtübergangs zu sein.
Das bedeutet nicht, dass es keine Waffenruhe im Energiebereich geben wird. Es bedeutet, dass wir bestimmte Dinge kennen müssen, die wir schlicht aus den Augen verlieren. Denn wenn wir sehen, wie die nächste Ölraffinerie in der Russischen Föderation brennt, glauben wir, dass sich in diesem Moment alle in der russischen Führung in Panik befinden. Nein, so ist es nicht. Eine Umverteilung von Eigentum – das ist es, was die ukrainischen Angriffe für diese russische Pseudoelite tatsächlich ermöglichen.
Olena Trybushna: Mir scheint, ein weiteres Argument dafür, dass es bis zum Winter wahrscheinlich keine Waffenruhe im Energiebereich geben wird, ist, dass die Russen meiner Meinung nach große Hoffnungen in diesen Winter setzen, als einen weiteren Faktor, der ihnen helfen soll, uns doch noch in die Knie zu zwingen. Und dafür müssen sie uns ohne Strom und ohne Wärme lassen.
Portnikov: Wiederum ist unklar, was „in die Knie zwingen“ bedeutet. Sie verstehen doch, das alles sieht ebenfalls nach einer Art Sisyphusarbeit aus. Wenn wir von der Einverleibung der Ukraine sprechen: Sie haben doch die jüngsten Umfragen gesehen. Es stellt sich heraus, dass die Angriffe den Willen der Menschen zum Widerstand nur verstärken. Wir verbringen einfach zu viel Zeit in sozialen Netzwerken, wo es erstens eine Flut russischer Bots gibt, die gelernt haben, auf Ukrainisch zu schreiben. Endlich vollbringt die künstliche Intelligenz dort überhaupt Wunder, wie Sie verstehen. Und deshalb nimmt überall die riesige Zahl leerer, halb leerer und nicht leerer Seiten zu, von denen aus auf Ukrainisch zur Kapitulation aufgerufen wird. Ich habe bereits aufgehört, diesen Feed zu lesen. Andererseits gibt es auch nützliche Idioten, die ebenfalls sehr aktiv sind und ebenfalls zum Frieden aufrufen. Und warum sollten wir uns grundsätzlich darüber wundern, dass es solche Menschen in der Realität gibt? Als diese Menschen 2019 für Zelensky stimmten, glaubten sie ebenfalls, man könne sich mit Russland einigen. Ein Teil dieser Menschen hat also, ich würde sagen, die Realität auch nach Beginn des großen Krieges nicht verstanden. Aber das ist nicht die Mehrheit der Bevölkerung. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung will keine ernsthaften Kompromisse mit Moskau. Nach den jüngsten Zahlen sind das etwa 70 Prozent der Menschen, verstehen Sie?
Wird der Krieg im Winter, wenn er tatsächlich zu irgendwelchen schwerwiegenden Folgen führt, diese Zahl verändern? Vielleicht, aber nicht wesentlich. Die Menschen werden eher ausreisen, als zu erklären, dass sie zur Kapitulation bereit sind. Und selbst wenn sie ausreisen, werden sie weiterhin gegen einen solchen Umgang mit der Sache sein.
Olena Trybushna: Nun, vielleicht rechnen sie damit, hier irgendeine humanitäre Katastrophe zu schaffen, und auch das wäre für sie ein Ergebnis.
Portnikov: Natürlich können sie eine humanitäre Katastrophe, eine demografische Krise, eine Migrationskrise in Europa schaffen wollen. Aber das wird ihre Möglichkeiten nicht vergrößern, jenem Ziel näherzukommen, das sie verfolgen: der Einverleibung der Ukraine. Auch das wird nicht zu diesem Ergebnis führen. Um irgendein Land einzuverleiben, reichen weder eine humanitäre Krise noch Propaganda noch Raketen- und Drohnenangriffe aus. Deine Armee muss sich tatsächlich auf dem Territorium befinden, das du besetzen willst, und dieses Territorium kontrollieren. Oder, wenn man die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs nimmt, die Bevölkerung müsste zur Kapitulation bereit sein, und du müsstest dieser Bevölkerung Sicherheitsgarantien und Garantien ihrer Souveränität geben können, verstehen Sie?
Wir sprechen häufig darüber, dass Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg kapitulierte, als sich kein einziger ausländischer Soldat auf seinem Territorium befand. Aber entschuldigen Sie, niemand stellte die Souveränität Deutschlands infrage. Deutschland musste Reparationen zahlen. Das stimmt. Das war ein absolut ernstes Problem für seine Wirtschaft. Deutschland musste sich von bestimmten Gebieten verabschieden, aber die deutsche Staatlichkeit selbst bestand fort. Niemand stellte sie infrage. Und wie Sie sehen, brachte diese Staatlichkeit 15 Jahre später die Nationalsozialisten hervor, die sagten, dass dies ein ungerechtes Abkommen sei.
Uns dagegen wird nicht angeboten, unsere Staatlichkeit zu bewahren. Uns wird bereits faktisch angeboten zu verschwinden. Uns wird bereits faktisch angeboten, ohne jegliche Möglichkeiten zur Verteidigung zu bleiben. Uns wird bereits angeboten, auf jegliche Verteidigungsbündnisse zu verzichten. Deshalb würde ich sagen, dass die russischen Bedingungen für die Beendigung des Krieges nicht einfach Kapitulationsbedingungen sind, sondern Bedingungen für die Demontage des Nachbarstaates. Und so etwas funktioniert nicht, wenn sich deine Armee nicht auf dem gesamten Territorium dieses Staates befindet und den Widerstand seiner Einwohner nicht kontrolliert.
Olena Trybushna: Die letzte Frage, die ich Ihnen stellen wollte, betrifft ebenfalls die Vereinigten Staaten. Nächste Woche soll der chinesische Staatschef Xi Jinping dorthin kommen. Er wird sich mit Trump treffen, und theoretisch heißt es, dass Trump und Xi unter anderem über die Ukraine sprechen könnten. Manche sagen, der Kreml habe davor sogar Angst. Kann es jetzt darum gehen, dass Akteure wie China und Indien sich in diese diplomatische Linie einschalten und die Situation irgendwie beeinflussen, oder gibt es dafür keine Voraussetzungen?
Portnikov: Ich glaube, dass unsere Angriffe auf den Ölraffineriesektor der Russischen Föderation weder China noch Indien gefallen, weil man in China zu verstehen begonnen hat, dass der russisch-ukrainische Krieg mit einer Waffenruhe auf Trümmern enden könnte. Aber eine Waffenruhe auf den Trümmern der Ukraine kümmert sie nicht besonders. Eine Waffenruhe auf den Trümmern der russischen Wirtschaft dagegen kümmert sie sehr wohl.
China braucht Russland als ein Land, das billiges Öl liefert, als ein Land, das Erdölprodukte herstellt. Und dass Russland einerseits seine Probleme in der Ukraine nicht lösen kann und sich andererseits faktisch selbst zugrunde richtet, weil es unsere Angriffe durchlässt, kann den Chinesen natürlich nicht gefallen.
Unter diesem Gesichtspunkt könnten sie heute erheblich stärker an einer Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges interessiert sein als vor unseren Angriffen. Beachten Sie übrigens: Wenn wir diese Angriffe einstellen, verschwindet das chinesische Interesse sofort wieder. Aber hier stellt sich die Frage, was China tatsächlich tun kann, außer dass Xi Jinping Putin rät, einen Verhandlungsprozess zu beginnen.
Putin kann das nicht ignorieren. Ich versichere Ihnen, dass Putins Eintreten für Verhandlungen in Bischkek und seine Einladung an Witkoff und Kushner nach Moskau eine direkte Folge seines Gesprächs mit dem Staatschef der Volksrepublik China war. Eine direkte Folge. Zugleich glaube ich aber, dass Xi Jinping sich ein Ende des Krieges nicht so vorstellt, dass es für Putin zu einem politischen Zusammenbruch wird oder zeigt, dass Russland diesen Krieg verloren hat. Wenn sie also mit Trump sprechen, können sie darüber sprechen. Sie haben derzeit tatsächlich ein gemeinsames Interesse. Aber für Xi Jinping ist wichtig, dass Russland aus diesem Krieg als ein Land hervorgeht, das sich dem Westen nicht unterworfen hat. Auch das muss man verstehen.
Narendra Modi könnte andere Motive haben, aber er hat auf all das nicht so viel Einfluss wie der chinesische Staatschef. Erstens kauft er nicht so viel Öl und kann diese Käufe auch einstellen. Zweitens berücksichtigt Putin seine Position nicht in demselben Maße. Und drittens berücksichtigt Trump seine Position zum russisch-ukrainischen Krieg nicht in demselben Maße.
Deshalb muss man gerade über dieses Treffen nachdenken. Sie haben hier vollkommen recht. Über das Treffen des Präsidenten der Vereinigten Staaten und des Staatschefs der Volksrepublik China.
Olena Trybushna: Das bedeutet, dass man uns etwas aufzwingen könnte, das uns nicht gefallen wird.
Portnikov: Oder sie selbst einigen sich nicht auf die Bedingungen für die Beendigung des Krieges. Auch das ist möglich.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Interview Titel des Originals:Трамп звинувачує Україну | Віталій
Портников @єПитання. 19.09.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:19.09.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle: YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Der russische Präsident Putin hat nach dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Bischkek eine ganze Reihe von Erklärungen abgegeben, die vor allem mit seinen Vorstellungen über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges zusammenhingen.
Diese Erklärungen sind schon deshalb wichtig, weil Putin sie kurz nach seinem Treffen in der kirgisischen Hauptstadt mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping und dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi abgab, die bekanntlich die wichtigsten Sponsoren der russischen Wirtschaft sind, weil sie russisches Öl kaufen. Und diese Äußerungen erfolgten auch nur wenige Tage nach dem sensationellen Besuch des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten, John Ratcliffe, in der russischen Hauptstadt – einem Besuch, um den weiterhin Verschwörungstheorien kreisen und zu dem unterschiedliche Versionen darüber geäußert werden, warum dieser Besuch überhaupt stattgefunden hat.
Deshalb sollte man Putins Erklärungen durchaus ernst nehmen, denn sie sind eine Mischung aus Propaganda und realen Absichten, die mit Moskaus Beziehungen vor allem zu Washington zusammenhängen, aber offenbar nicht nur zu Washington. Putin betonte, wie immer in seinen Erklärungen zum russisch-ukrainischen Krieg, dass er nicht an einem Waffenstillstand, sondern an einem dauerhaften Frieden interessiert sei. Aber Verhandlungen über diesen Frieden ist Russland bereit, mit jedem zu führen.
Ich möchte Sie daran erinnern, dass Russland früher immer davon sprach, dass Verhandlungen gerade mit den Vereinigten Staaten stattfinden würden und dass man nur mit den Amerikanern reden müsse. Sowohl die Ukrainer als auch die Europäer wurden von der russischen politischen Führung ignoriert, persönlich von Putin, der sich weiterhin für den wichtigsten Partner des amerikanischen Präsidenten Donald Trump hält. Und nun stellt sich heraus, dass der Kreis der Verhandlungsteilnehmer erweitert werden kann.
Das ist genau das, wovon ich immer spreche, wenn ich betone, dass man in Russland nur die Sprache der Stärke versteht und nicht die Sprache der Diplomaten. Putin ging mehrmals auf die Angriffe ein, die gegen den russischen Ölraffineriekomplex und gegen russische Häfen geführt wurden. Er versuchte die ganze Zeit, die Schäden herunterzuspielen, die der Russischen Föderation durch diese Angriffe zugefügt wurden. Als er insbesondere über die Angriffe auf russische Häfen sprach, sagte er, Russland habe nur 1 Prozent des BIP verloren, aber auch das sei ein Schaden.
Aber wir wissen sehr gut, dass die Realität weitaus ernster ist, denn Putin kann die Tatsache nicht ignorieren, dass in Russland derzeit 50 Prozent der Ölraffineriekapazitäten nicht funktionieren, was natürlich die Voraussetzungen für eine massive krisenhafte Entwicklung in der russischen Wirtschaft bereits in naher Zukunft schafft. Ganz zu schweigen von der massiven Krise der russischen Landwirtschaft, deren Grundlagen gerade durch ukrainische Angriffe auf die Hafeninfrastruktur der Russischen Föderation gelegt werden.
Natürlich können wir sagen, dass auch die Ukraine durch die Angriffe der russischen Luftwaffe auf ukrainische Objekte zahlreiche Schäden erleidet, aber die Schäden der Ukraine bedeuten in einer solchen Situation keine Gewinne für Russland. Und übrigens, was die Schäden der Ukraine betrifft: Putin äußerte während dieser Pressekonferenz eine enorme Zahl unterschiedlichster Drohungen, völlig unterschiedlicher Art, aber sie bezogen sich auch darauf, dass die Ukraine von der Möglichkeit einer faktischen Stilllegung des Ölraffineriekomplexes der Russischen Föderation und des Luftraums der Russischen Föderation gesprochen hatte.
Und hier sehen wir eine unglaubliche, ich würde sagen, Demonstration von Doppelstandards. Putin erzählte, er habe erfahren, dass eine große Zahl von Drohnen erneut versucht habe, die Luftverteidigung Moskaus und Sankt Petersburgs zu durchbrechen, zivile Objekte angegriffen und versucht habe, drei Ölraffinerien zu treffen. Und nun seien die Streitkräfte der Russischen Föderation angewiesen worden, massive Angriffe auf Objekte der ukrainischen Energieinfrastruktur vorzubereiten und durchzuführen. „Sie greifen uns an und bekommen eine Antwort“, sagte Putin.
Aber hier gibt es einen ziemlich wichtigen Punkt, über den vor allem die Ukrainer nachdenken müssen. Und vor allem jene Ukrainer, die sagen, wir sollten keine derart schweren Angriffe auf Russland führen, weil Russland auf diese Angriffe antworte und die ukrainische Energieinfrastruktur zerstören könne.
Aber was war, als die Ukraine zuvor keine Angriffe auf die Russische Föderation führte? Denn wenn wir von massiven ukrainischen Angriffen auf russische Stellungen sprechen, begann das vor allem in diesem Jahr. Gab es damals etwa keine Angriffe auf die Infrastruktur der Ukraine? Haben wir nicht jeden Winter mit russischen Angriffen gerechnet?
Ja, diese Angriffe können sich verstärken, weil sich die technologische Ausstattung des Krieges verändert. An die Stelle alter sowjetischer Raketen, an die Stelle von Drohnen des Typs Shahed treten strahlgetriebene Drohnen. All das sind reale Drohungen und Gefahren. Aber das hat überhaupt nichts mit Vergeltungsschlägen zu tun.
Es hängt damit zusammen, dass Putin bereits 2022 Kurs auf die Zerstörung der ukrainischen Infrastruktur genommen hat. Denn russische Flugzeuge griffen bereits 2022 Objekte der zivilen ukrainischen Infrastruktur an. Erinnern Sie sich daran, wie wir davon sprachen, dass der Luftraum über der Ukraine geschlossen werden müsse.
Und hier noch eine Demonstration solcher Doppelstandards. Wenn Putin über Zelenskys Äußerungen zu einer möglichen faktischen Schließung des russischen Luftraums spricht, bezeichnet er das als einen Akt des Staatsterrorismus. Aber hier stellt sich die Frage: Und was ist mit den Angriffen auf den ukrainischen Luftraum, jenen Angriffen, die ebenfalls bereits 2022 begannen, mit den Angriffen auf zivile ukrainische Flughäfen, mit der Schaffung von Bedingungen, unter denen die Ukraine ihre zivile Luftfahrt nicht wieder aufnehmen kann? Was für ein Akt ist das?
Warum ist es Terrorismus, wenn die Ukraine den russischen Luftraum schließt, aber eine militärische Spezialoperation, wenn Russland den ukrainischen Luftraum schließt? Und ich sage Ihnen, warum Putin so denkt. Weil er sich weiterhin für den Machthaber irgendeines einheitlichen Staates hält, der in seinem Kopf existiert, von Uschhorod bis Aschgabat. Und natürlich kann er als Machthaber dieses Staates beliebige Entscheidungen über Angriffe auf Städte in diesem Staat treffen. Schließlich zerstörten die Russen beispielsweise den internationalen Flughafen von Grosny und hielten das für völlig normale Maßnahmen zur Erziehung der Tschetschenen, die damals für den Austritt aus der Russischen Föderation kämpften.
Wir konnten glauben, dass sich die Haltung gegenüber der Ukraine von der Haltung gegenüber Tschetschenien unterscheidet, weil Tschetschenien noch zu Zeiten der UdSSR formal eine Republik innerhalb Sowjetrusslands war, während wir eine Unionsrepublik waren, die nominell das Recht hatte, aus der Sowjetunion auszutreten – ein Recht, das, wie wir verstehen, in der Praxis niemals verwirklicht worden wäre, wenn es nicht zum faktisch raschen Zerfall des Imperiums infolge des Konflikts zwischen den beiden russischen Machtzentren in Moskau gekommen wäre, der sich 1991 manifestierte. Aber das ist unsere Sichtweise.
Aus russischer Sicht gibt es zwischen einer Unionsrepublik und einer russischen Republik keinerlei Unterschied. Russland konnte sich vorübergehend mit der Unabhängigkeit der Ukraine und anderer ehemaliger Sowjetrepubliken abfinden, die gerade infolge des Konflikts zwischen diesen beiden Machtzentren zustande kam – dem Unionszentrum einerseits und dem russischen Zentrum andererseits –, betrachtete dies aber immer als eine vorübergehende Situation.
Putin zeigt mit seiner Haltung gegenüber den ukrainischen Handlungen gerade, wie dieses Denken eines chauvinistischen Führers funktioniert, der seine Angriffe auf jedes beliebige Gebiet innerhalb der ehemaligen Sowjetunion für sein Recht hält, Gegenangriffe auf Russland dagegen für Terror. Genau wie bei Tschetschenien: Wenn die Tschetschenen zurückschlagen, ist das Terror. Wenn die Russen tschetschenische Aule zerstören, ist das eine spezielle Antiterroroperation.
Interessant ist, dass Putin sofort betonte, er werde keine Angriffe auf die ukrainische Führung führen, weil man Verhandlungspartner brauche, die alle Probleme in den russisch-ukrainischen Beziehungen auf friedlichem Wege lösen und den russisch-ukrainischen Krieg beenden wollten, „die Fragen auf friedlichem Wege lösen wollen und nicht einfach in 40 Tagen unsere Wirtschaft zerstören, Russland in die Knie zwingen und uns einen weiteren strategischen Schlag versetzen wollen“.
Und Sie können ebenfalls fragen: „Woher kommt plötzlich diese Friedfertigkeit des russischen Präsidenten?“ Das ist keine Friedfertigkeit, das ist wiederum ein Gefühl der Bedrohung. Denn Putin kann verstehen, dass wiederum mit der Veränderung der technologischen Ausstattung des Krieges, falls er Angriffe auf die ukrainische Führung durchführen lässt, ein Gegenschlag erfolgen kann.
Erinnern wir uns daran, wie sich der russische Präsident vor seinem amerikanischen Amtskollegen erniedrigte, als es um die Durchführung der Parade auf dem Roten Platz in der russischen Hauptstadt ging. Das heißt, in Russland gab es ein klares Verständnis dafür, dass tatsächlich eine Situation entstehen könnte, in der der Luftraum über Moskau die Durchführung dieser Parade nicht zulassen würde.
Und wenn man die Umgebung Moskaus angreifen und Probleme für die Durchführung der Parade schaffen kann, warum sollte man dann als Antwort auf Angriffe gegen die ukrainische Führung nicht Putins eigene Residenz angreifen können? Wer wird ihn dann schützen? Trump? Trump kann ihn schützen, solange ein gegenseitiges Verständnis darüber besteht, dass man die Entscheidungszentren nicht angreift. Wenn auch diese roten Linien überschritten werden, könnte Putins Leben in Gefahr geraten.
Bekanntlich schätzt Putin nichts so sehr wie sein eigenes Leben. Erinnern wir uns an diesen langen weißen Tisch. Vielleicht wird er noch zu irgendeiner historischen Randnotiz werden, aber inzwischen ist er in den Hintergrund gerückt. Doch das war der Tisch aus der Zeit der Coronavirus-Pandemie. Und er zeigte, wie Putin tatsächlich zu seinem eigenen Leben steht. All diese Quarantänen, die Menschen durchlaufen mussten, die sich mit ihm treffen sollten. All das zeigt, dass Putin tatsächlich in erster Linie an sich selbst denkt, ausschließlich an sich selbst, wenn er über irgendwelche Fragen des russisch-ukrainischen Krieges spricht.
Übrigens zu den Amerikanern. Auch das ist ein ziemlich interessantes Thema dieser Pressekonferenz des russischen Machthabers, denn er sagte nichts Konkretes über den Besuch des CIA-Direktors, obwohl er nach diesem Besuch gefragt wurde. Er sagte, dass zwischen den Leitern der Geheimdienste direkte Kontakte aufrechterhalten würden und dass es für die Russen in Wirklichkeit angenehm sei, mit jenen Menschen zusammenzuarbeiten, die sie gut kennen und denen sie vertrauen. Gemeint sind Witkoff und Kushner. „Das sind Trump nahestehende Menschen, aufrichtige Menschen, die versuchen, unsere Arbeit mit konkretem Inhalt zu füllen, Menschen, die das Vertrauen des Präsidenten der Vereinigten Staaten genießen. Und ohne das ist es überhaupt unmöglich, irgendwelche Verhandlungen zu führen, denn wenn sie sich mit uns auf etwas einigen und die erste Person das anschließend alles filtert, durch 1000 oder mehr teilt, dann wird das sinnlos.“ Und deshalb sind Herr Kushner und Herr Witkoff gern gesehene Gäste in der russischen Hauptstadt.
Wieder stellt sich die Frage: Woher kommt diese Gesprächsbereitschaft? Putin sagt, der Verhandlungsprozess sei eingefroren, aber wir erinnern uns doch daran, dass er es war, der ihn eingefroren hat. Er selbst, als er die Entscheidung traf, Russland aus den Verhandlungen zurückzuziehen, bis die ukrainischen Truppen das Gebiet der Oblast Donezk verlassen. Somit kann man sagen, dass Witkoff und Kushner – möglicherweise im Gegensatz zum Direktor der Central Intelligence Agency, Herrn Ratcliffe, der sich als konkreter und härter erwiesen hat – gern gesehene Gäste sind, weil man mit ihnen über Geld sprechen kann. Und man kann ihnen wiederum einen Bären aufbinden. Man kann von all diesen Milliarden und Billionen erzählen, die im Falle einer Verbesserung der russisch-amerikanischen Beziehungen verdient werden könnten. Und wie verbessert man die russisch-amerikanischen Beziehungen? Indem man die Ukraine preisgibt.
Und wir haben bereits mehrfach gesehen, dass Steve Witkoff zumindest nach Verhandlungen mit Putin die Ukraine zu Zugeständnissen drängte, die grundsätzlich nicht nur zur Demütigung der Ukraine als Staat, sondern auch zu einer drastischen Destabilisierung der inneren Lage in unserem Land hätten führen können, was grundsätzlich eine der wichtigen Aufgaben des russischen Präsidenten ist: diese drastische Destabilisierung zu erreichen und dafür zu sorgen, dass die Situation in der Ukraine den Vormarsch der russischen Truppen begünstigt.
Über den Vormarsch sprach Putin sehr viel und nannte geografische Namen. Ich werde darauf nicht näher eingehen, weil Putin wiederum mehrfach Namen von Städten und Ortschaften genannt hat, die sich später offensichtlich unter der Kontrolle der ukrainischen Armee befanden. Und wir verstehen, dass all diese Namen für das eigene Publikum und zur Demoralisierung der ukrainischen Gesellschaft bestimmt sind. Denn wiederum: Selbst wenn russische Truppen tatsächlich irgendwelche Ortschaften auf dem Gebiet der Ukraine besetzen, hat das in jedem Fall keinen Einfluss auf das Hauptziel des russischen Präsidenten – die Eroberung unseres gesamten Landes und die Vernichtung seiner Staatlichkeit. Und das weiß er sehr gut.
Deshalb wirkt diese Pressekonferenz auch so eigentümlich – als Mischung aus Drohungen und gleichzeitig dem Angebot, miteinander zu reden. Und ich sage wiederum, dass ich es für möglich halte, dass diese Mischung aus Drohungen an die Ukraine gerichtet ist, während das Angebot, miteinander zu reden, nicht nur an Trump, sondern auch an Xi Jinping gerichtet ist, der während seines Aufenthalts in Bischkek ebenfalls von einer verstärkten Koordinierung zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges sprach. Und wir wissen nicht, was er Putin tatsächlich gesagt hat. Vielleicht sprach auch er von der Notwendigkeit, den Krieg zu beenden und irgendwie einen Ausweg aus dieser Situation zu finden. Vielleicht waren das Andeutungen des chinesischen Staatschefs. Aber wir verstehen, dass Xi Jinping gerade nicht derjenige ist, mit dem der russische Präsident zu streiten bereit ist, weil das Überleben des Putin-Regimes von chinesischem Geld abhängt.
Russland befindet sich jetzt genau in einer solchen Situation. Putin kann die Bedeutung der, ich würde sagen, Rolle, die China für Russlands Überleben spielt, so sehr herunterspielen, wie er will, und er kann das Ausmaß der Verluste herunterspielen, die Russland infolge der ukrainischen Angriffe erlitten hat. Aber all das sind objektive Tatsachen, die er ignorieren kann, die dadurch jedoch nicht weniger wichtig für sein politisches und wirtschaftliches Überleben werden.
Obwohl Putin wiederum weiterhin versichert, dass die sogenannte „militärische Spezialoperation“ so weitergehe wie bisher, dass die russischen Truppen das Tempo ihres Vormarsches steigerten und dass alle Aufgaben erfüllt würden, sagt er nie bis zum Ende, worin eigentlich der Sinn dieser Aufgaben besteht. Wie sollen sie überhaupt weitergeführt werden, wie sollen sie umgesetzt werden, was kann in diesem russisch-ukrainischen Krieg tatsächlich geschehen, das für Putin bedeuten würde, dass er ein wirklich siegreiches Ergebnis erreicht hat?
Auf diese, ich würde sagen, wichtige Konstante haben wir weder vom russischen Präsidenten noch von anderen russischen Funktionären jemals irgendeine Antwort gehört. Ja, wir haben die Vorstellung gehört, dass die Ukraine verschwinden müsse, aber wir haben nie eine Erklärung dafür gehört, wie das geschehen soll, wie Russland dies bei dem Tempo erreichen kann, das die russischen Truppen bei ihrem Vormarsch auf ukrainischem Boden angeblich steigern.
Und noch ein interessanter Punkt dieses Treffens mit Journalisten, über den ebenfalls gesprochen werden muss, ist die Mobilmachung. Ins Ukrainische übersetzt sagte Putin, das sei Unsinn, ein Informationsangriff auf Russland. Wenn man genau zitiert, was er sagte, als er gefragt wurde, ob es in der Russischen Föderation eine Mobilmachung geben werde, sagte er: „Hundeblödsinn.“ Und das spiegelt genau seinen Wunsch wider, dass die Russen diese Mobilmachung nicht fürchten sollen.
Offensichtlich hat die Erfahrung der Mobilmachung von 2022, wenn auch nur einer Teilmobilmachung, beim russischen Präsidenten Spuren hinterlassen. Und in dieser Situation können wir faktisch sagen, dass der russische Machthaber so oder so versteht – vielleicht will er es nicht verstehen, aber er versteht –, dass die Situation mit der Mobilmachung zu einer ernsthaften, ich würde sagen, Verschlechterung der Beziehungen zwischen der russischen Gesellschaft und der Staatsmacht führen kann.
Und die Russen haben ohnehin bereits begonnen zu sehen, dass der Krieg zu ihnen kommt. Und sie verstehen ohnehin, dass dies nicht mehr eine so einfache Situation ist wie zuvor beim russisch-ukrainischen Konflikt. All das sind meiner Ansicht nach völlig verständliche Dinge. Aber zugleich können wir eindeutig sagen, dass Putin bei dieser Mobilmachungsaktivität ein Befürworter verdeckter Maßnahmen sein kann.
Schließlich ist sein Mobilmachungsdekret nicht aufgehoben worden. Es gilt. Die russische Führung kann derzeit, wie viele Beobachter meinen, von den Leitern der russischen Föderationssubjekte, der Gebiete, Regionen und Republiken verlangen, dass sie sich mit dieser verdeckten Mobilmachung befassen, irgendwelche Menschen suchen, die in der Lage sind, an einer weiteren Eskalation der Situation teilzunehmen, sich auf Vertragsbasis für die russische Armee verpflichten, und die Summen dieser Verträge erhöhen, weil viele russische Regionen schlicht nicht mehr genug Geld haben, um solche Vertragsmaßnahmen durchzuführen. Vielleicht wird man ihnen sagen, dass sie wegen fehlender Haushaltsmittel irgendwelche Grenzen überschreiten und soziale Programme kürzen müssen, aber Geld für die Mörder finden sollen.
Wenn Putin also „Hundeblödsinn“ sagt, bedeutet das, dass er einfach keine lautstarke Erklärung über eine Mobilmachung abgeben wird. Aber es bedeutet nicht, dass es die Mobilmachung selbst als verdeckten Faktor – als einen sogar vor der russischen Gesellschaft verborgenen Faktor – nicht geben wird.
Und noch ein wichtiger Punkt ist, dass er die Europäer weiterhin einschüchtert. Das ist auch deshalb wichtig, weil Deutschland gerade heute erstmals offiziell erklärt hat, Russland der Vorbereitung eines Sabotageakts am Flughafen Leipzig unter Einsatz von Drohnen zu beschuldigen. Und das ist tatsächlich, anders als alles, was Putin sagt, gewöhnlicher, echter Staatsterrorismus, denn deutsche Minister sagen eindeutig, dass die Organisatoren dieses Terroranschlags im Auftrag staatlicher Strukturen der Russischen Föderation gehandelt hätten. Nicht einfach so.
Was sagt Putin in dieser Situation? Deutschland erwähnt er nicht, sondern konzentriert sich auf Großbritannien und betont, dass alle Objekte auf dem Gebiet der Ukraine, militärische Objekte, darunter auch britische, zu legitimen Zielen der russischen Armee werden können. Doch der Journalist fragt den russischen Präsidenten an dieser Stelle: „Und was ist mit Objekten, die in Großbritannien selbst für die Bedürfnisse der ukrainischen Armee genutzt werden?“ Und Putin beantwortete diese Frage nicht, sondern sagte, genau das sei ein militärisches Geheimnis.
Und das ist eine gezielte Antwort, die erstens demonstrieren soll, dass Russland Sabotageakte auf dem Gebiet europäischer Länder vorbereitet. Und wir haben bereits erste Anzeichen solcher Sabotageakte gesehen. Und zweitens – und das ist ebenfalls eine sehr wichtige Tatsache –, dass es keine Verantwortung für solche Sabotageakte übernehmen will. Auch das ist, wie mir scheint, ein offensichtlicher Punkt, über den wir sprechen müssen, wenn wir diese Äußerungen Putins in der kirgisischen Hauptstadt diskutieren.
Und wenn wir nicht nur über den russisch-ukrainischen Krieg sprechen, sondern allgemein über das, was im postsowjetischen Raum geschieht und was Putin kommentieren muss, dann hat er im Grunde selbst die Schwächung des russischen Einflusses im postsowjetischen Raum festgestellt. Und zwar als er den armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan angriff, der einer der Teilnehmer dieses Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit war, und sagte, eine gleichzeitige Mitgliedschaft in der Eurasischen Union und in der Europäischen Union sei nicht möglich. Obwohl Armenien im Grunde bislang nicht einmal einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union gestellt hat, während es bereits Mitglied der Eurasischen Union ist. Aber auch das ist ein solcher Erpressungsversuch.
Und übrigens möchte ich daran erinnern, dass Armenien damals in die Eurasische Wirtschaftsunion gelangte, als Putin das Land, den damaligen Präsidenten Sersch Sargsjan, buchstäblich dazu zwang, auf eine künftige Mitgliedschaft oder zumindest irgendeine Form von Partnerschaft und Assoziierung mit der Europäischen Union zu verzichten. Damals war für Armenien bereits ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union vorbereitet worden, ein solches, wie wir es vorbereitet hatten. Und Sargsjan verzichtete praktisch gleichzeitig mit Janukowitsch auf die Unterzeichnung dieses Dokuments. Und damals zwang Putin ihn im Grunde zum Beitritt zur Eurasischen Wirtschaftsunion.
Ich denke, uns hätte, wenn Janukowitsch an der Spitze des ukrainischen Staates geblieben wäre, dasselbe Schicksal erwartet. Da sagen manche: „Janukowitsch hätte eben weiterregiert, wäre dann gegangen und hätte die Wahlen verloren.“ Nichts davon wäre geschehen. Es wäre einfach zur Verwandlung der Ukraine in Belarus Nummer zwei gekommen. Und dann wäre von unserem Territorium aus bereits Polen angegriffen worden. So wäre es gewesen. Nun, das ist eine Zukunft, die nicht eingetreten ist. Wir sprechen jetzt über etwas anderes.
Wenn wir also über etwas anderes sprechen, dann ist ein weiteres Element von Putins Erpressung, dass er sagt: Wenn die russische Militärbasis in Armenien nicht gebraucht werde, könne Russland Armenien schon morgen verlassen. Mich würde interessieren, ob die Russen tatsächlich bereit wären, schon morgen abzuziehen, wenn Jerewan ihnen die Bedingung stellen würde, dies in nächster Zeit zu tun. Putin glaubt, Armenien könne das Fehlen einer russischen Basis fürchten, weil deren Abwesenheit zu einer neuen Eskalation im Südkaukasus, zu einer erneuten Verschlechterung der Beziehungen zwischen Armenien und Aserbaidschan führen könnte, wenn die Russen nicht mehr da wären, die Armenien angeblich zu schützen bereit sind.
Aber wir haben doch etwas Offensichtliches gesehen: Erstens haben die Russen überhaupt nicht vor, irgendjemanden vor irgendjemandem zu schützen, wenn das nicht ihren momentanen Interessen entspricht. Und zweitens hat der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev die sogenannten russischen Friedenstruppen einfach aus Karabach entfernt, die dort eine eigene Basis errichten wollten. Sie dachten natürlich nicht an die Interessen Karabachs, sondern an Putins Interessen. Sogar jemand von ihnen kam dort ums Leben, und nichts geschah.
Warum sollten die Armenier glauben, dass eine russische Basis eine Garantie für irgendetwas ist? Sie sehen doch, dass inzwischen praktisch alle ehemaligen Sowjetrepubliken nach neuen Garanten ihrer Sicherheit suchen, weil sie verstehen, dass Russland definitiv kein Garant für Sicherheit mehr ist, sondern eher ein Garant für Gefahren. Deshalb ist diese Basis in Gjumri zweifellos Teil dieser Erpressung Putins gegenüber Armenien, aber diese Erpressung könnte nicht funktionieren.
Und was die Lüge betrifft, dass nur noch 10 Prozent der Ölraffinerien repariert werden müssten: Das stimmt nicht. Dass das Dekret zum Schutz von Objekten der kritischen Infrastruktur, das der russischen Regierung das Recht gibt, bei solchen Objekten eine vorübergehende Verwaltung einzuführen, nicht deren Verstaatlichung bedeutet, stimmt ebenfalls nicht. Putins Dekret zeigt eindeutig, dass diese Anlagen verstaatlicht werden können. Ich denke, dass dies tatsächlich geschehen wird.
Die Anschuldigung Deutschlands gegen Russland, den Angriff auf den Flughafen Leipzig organisiert zu haben, sei ein innenpolitisches Problem. Russland habe das nicht getan. Es gebe keinerlei Beweise für eine russische Beteiligung. Die Verschlechterung der Beziehungen zwischen Moskau und Tokio sei ausschließlich ein Problem der japanischen Führung. Sie seien es, die die russisch-japanischen Beziehungen verschlechterten, und nicht Russland.
Nun, wir verstehen, dass Putin sich auf diese Weise wiederum bei ebenjenem Xi Jinping einschmeichelt, mit dem er sich in Bischkek getroffen hat.
Und noch ein letzter Punkt, über den ich sprechen möchte. Ich habe ihn nicht erwähnt, als ich davon erzählte, dass Putin verschiedene angeblich eingenommene Orte nennt. Aber was Putin tatsächlich eingeräumt hat, ist, dass sich Russland praktisch von Sumy zurückzieht. Denn Putin sagte, Russland müsse noch 12 Kilometer bis zur Ringstraße von Sumy überwinden. Ende Juni hatte Putin jedoch gesagt, Russland müsse noch 10,5 Kilometer überwinden.
Dabei sagen Experten, dass Russland in Wirklichkeit 17 Kilometer von Sumy entfernt ist. Ganz zu schweigen davon, dass es in Sumy gar keine solche Ringstraße gibt. Nun, sie existiert nicht.
Aber darum geht es uns nicht. Es geht darum, dass Putin mit dieser Erzählung einräumt, dass die russische Armee nicht vorwärts, sondern rückwärts vorrückt. Wissen Sie, das ist so eine negative Offensive, wie man in der Russischen Föderation gerne sagt. Und Swjatohirsk, dessen Einnahme Putin verkündet hat, befindet sich nach Angaben aller Beobachter derzeit nicht unter der Kontrolle der russischen Armee. Sie befindet sich nicht besonders weit von der Stadt entfernt, etwa zehn Kilometer, aber diese zehn Kilometer kann man, wie Sie verstehen, auch in die entgegengesetzte Richtung zurücklegen.
Das war also eine erste Analyse von Putins Äußerungen. Danke, Freunde, dass Sie zugehört haben.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Нові заяви Путіна: головне | Віталій
Портников. 02.09.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:02.09.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle: YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Der kanadische Premierminister Mark Carney hat faktisch den Beginn eines Handelskrieges zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten eingeräumt, nachdem das geschehen war, was der kanadische Regierungschef als Angriff auf sein Land bezeichnete. Einen Angriff selbstverständlich vonseiten der Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump, nachdem der Verhandlungsprozess über ein Handelsabkommen zwischen Washington und Ottawa gescheitert war.
Die Verhandlungen dauerten ziemlich lange an, endeten jedoch ohne jedes Ergebnis, nachdem die Vereinigten Staaten und Kanada buchstäblich in den letzten Tagen vor dem endgültigen Abschluss der Arbeit an dem Dokument zu keiner Verständigung gelangen konnten.
Mark Carney behauptet, man habe in Ottawa einem Punkt des Abkommens nicht zugestimmt, dem zufolge Kanada keine neuen Wirtschaftsabkommen mit anderen Ländern hätte abschließen dürfen. Ein solcher Prozess hatte sich jedoch nur noch intensiviert, nachdem Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten geworden war und versucht hatte, einen Zollkrieg mit der gesamten Menschheit zu entfesseln.
Darüber hinaus waren ein weiterer Punkt – und das ist vielleicht der befremdlichste Moment im gesamten Verhandlungsprozess – die Forderungen der amerikanischen Delegation im Zusammenhang mit der Förderung der Rolle der französischen Sprache und Kultur in Kanada. Und das zeigt, dass sich das Wirtschaftsabkommen vor unseren Augen in ein politisches Abkommen zu verwandeln begann, das lediglich jene Werte bestätigen sollte, die Donald Trump selbst in den Vereinigten Staaten zu propagieren versucht – inzwischen weniger als Präsident denn als Anführer der Ultrakonservativen.
Damit ist die Mobilmachung für einen heißen Handelskrieg erfolgt. Trump kündigte die Einführung von Zöllen in Höhe von 50 Prozent auf kanadische Waren an, die in die Vereinigten Staaten gelangen. In Ottawa verspricht man, Gegenmaßnahmen vorzubereiten und auf diese Weise auf jeden Dollar zu reagieren, den die kanadische Wirtschaft infolge der Einführung neuer Zölle durch die Vereinigten Staaten verlieren wird.
Und es ist bereits offensichtlich, dass die Folgen dieses Handelskrieges sowohl für die amerikanische als auch für die kanadische Wirtschaft ziemlich schwerwiegend sein werden. Mehr noch: Sie werden auf die Zerstörung der einheitlichen nordamerikanischen Wirtschaft hinauslaufen, an deren Aufbau amerikanische Präsidenten und kanadische Premierminister viele Jahre gearbeitet haben und, was am wichtigsten ist, die arbeitenden Menschen in beiden Ländern Nordamerikas.
Und diese Zerstörung der nordamerikanischen Wirtschaft wird zu einem wichtigen Bestandteil des politischen und wirtschaftlichen Erbes Donald Trumps werden – eines Erbes wirtschaftlicher und möglicherweise auch politischer Ruinen, die wir am Ende der Amtszeit eines der hinsichtlich seiner zerstörerischen Folgen historisch bedeutendsten amerikanischen Präsidenten sehen werden.
Donald Trump spricht nicht selten gerade über dieses sein Erbe. Und wir sehen bereits die ersten Ergebnisse dessen, womit sich in den kommenden Jahren nicht nur die Amerikaner, sondern die ganze Welt auseinandersetzen müssen.
Eine dramatische Energiekrise, deren Voraussetzungen gerade jetzt in der Straße von Hormus geschaffen werden. Während die Vereinigten Staaten und Iran nicht einmal versuchen, zu irgendeiner wirklichen Einigung zu gelangen.
Eine dramatische Nahrungsmittelkrise, deren Voraussetzungen wir buchstäblich jetzt im Schwarzen Meer sehen. Während die Vereinigten Staaten nicht einmal versuchen, irgendwelche wirklichen Anstrengungen zu unternehmen, um Russland dazu zu zwingen, die Blockade der ukrainischen Häfen aufzugeben und damit Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass auch die russischen Häfen für den Transport der für die Länder des Globalen Südens so wichtigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse geöffnet werden.
Eine Krise der nordamerikanischen Wirtschaft.
Natürlich wird Kanada seine wirtschaftlichen Beziehungen neu ausrichten. Aber wichtig war hier gerade, dass die Wirtschaft auf dem gesamten Kontinent einen gemeinsamen Raum sowohl für Arbeit als auch für Kapital schuf und damit die Grundlagen für die Zukunft legte. Jetzt verstehen wir sehr gut, dass diese Grundlagen in jedem Fall – selbst wenn es gelingt, ein Handelsabkommen zu erreichen, oder selbst wenn es Donald Trumps Nachfolger gelingt, sich von dessen politischen und wirtschaftlichen Ansätzen abzuwenden – bereits für immer vom Geist des Misstrauens gegenüber der Politik der Vereinigten Staaten überschattet sein werden.
Und hier sehen wir einen weiteren wichtigen Bestandteil des Erbes von Donald Trump.
Den Bruch mit den Verbündeten.
Misstrauen gegenüber den Vereinigten Staaten und ihrer Politik in der gesamten zivilisierten Welt. Sowohl in Kanada als auch auf dem europäischen Kontinent, wo selbst eine solche ideologische Verbündete Trumps wie die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sagt, sie habe mit günstigeren Beziehungen zum amerikanischen Präsidenten gerechnet, also eingesteht, dass sie nicht verstanden hatte, dass sich Trumps Haltung gegenüber Europa durch gemeinsame ideologische Prioritäten keineswegs abmildern lassen würde – Prioritäten übrigens, das sei gleich gesagt, die sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für den europäischen Kontinent falsch sind.
Und das ist nur ein Teil jener Prozesse, die sich in den vergangenen anderthalb Jahren bereits vollzogen haben. Stellen Sie sich das Ausmaß der Ruinen und das Ausmaß der Prüfungen vor, die die Vereinigten Staaten und ihre Nachbarn, ihre – hoffentlich nicht ehemaligen – Verbündeten in den kommenden Jahren der Präsidentschaft Donald Trumps noch durchstehen müssen. Ich denke, das Ausmaß dieser Ruinen und die Folgen der politischen und wirtschaftlichen Katastrophe werden so beeindruckend sein, dass wir heute, da die Voraussetzungen für künftige Krisen und Prüfungen erst geschaffen werden, noch nicht einmal das ganze Ausmaß jenes wahrhaft antiken Dramas vorausahnen können, das eine der interessantesten und gefährlichsten Präsidentschaften in der Geschichte der Vereinigten Staaten und der ganzen Welt begleiten wird.
Der Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada ist nur der Anfang eines Prozesses ernsthafter Prüfungen und Folgen, die sich in der Welt, in der wir uns befinden, letztlich niemals vollständig werden überwinden lassen. Aber natürlich möchte man sowohl Kanada als auch den Vereinigten Staaten wünschen, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden, die mit diesem praktisch bereits begonnenen Handelskonflikt verbunden sind.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Торговая война США и Канады | Виталий Портников. 23.08.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:23.08.2026. Originalsprache:ru Plattform / Quelle: YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Nach den Angriffen ukrainischer Drohnen auf russische Häfen könnte Russland seine Getreideexporte verlieren – und infolgedessen auch seine Landwirtschaft.
Im Hafen von Noworossijsk sind nach den jüngsten ukrainischen Angriffen alle drei Getreideterminals zum Stillstand gekommen, über die russische Exporte abgewickelt wurden, vor allem in die Länder des Globalen Südens. Auch der Betrieb des Terminals in Taman ist blockiert.
Und nun gibt es ein ernstes Problem für die Häfen am Asowschen Meer, darunter auch jene Häfen, die von der Russischen Föderation in der ersten Phase des großen Krieges gegen die Ukraine besetzt wurden. Über diese Häfen wurden früher rund 40 Prozent der russischen Agrarprodukte abgewickelt. Doch da eine Durchfahrt durch die Straße von Kertsch inzwischen nicht mehr möglich ist, haben sie ihre Bedeutung faktisch verloren.
Russland läuft Gefahr, enorme Deviseneinnahmen zu verlieren. Früher brachte der Getreideexport der Wirtschaft des Landes 15 Milliarden Dollar ein. Und natürlich floss all dieses Geld ohne größere Probleme in den Krieg. Denn anders als andere russische Produkte galt Getreide als wichtiger stabilisierender Faktor für den weltweiten Lebensmittelmarkt.
Doch die Probleme werden sich nicht auf diesen Markt beschränken. Auch die russischen Landwirte werden Probleme bekommen, weil ihnen faktisch die Möglichkeit genommen wird, die Erzeugnisse der neuen Ernte zu verkaufen. Natürlich wollen wir nicht verschweigen, dass die ukrainische Landwirtschaft derzeit mit ähnlichen Problemen konfrontiert ist. Denn die ukrainischen Angriffe auf russische Häfen erfolgten, nachdem die Russische Föderation beschlossen hatte, unsere Getreideexporte zu blockieren und selbst die informellen Vereinbarungen über die freie Schifffahrt im Schwarzen Meer endgültig zu beenden.
Nun gibt es für Russland einen einfachen Ausweg, wenn es seine Bedeutung als Agrarproduzent tatsächlich bewahren will. Es muss berücksichtigen, dass das Spiel mit der Zerstörung der landwirtschaftlichen Möglichkeiten von zwei Seiten gespielt werden kann, und nach Möglichkeiten suchen, sich auf die Wiederaufnahme der Schifffahrt zu verständigen. Bislang schließen russische Regierungsvertreter jedoch jede Möglichkeit eines partiellen Waffenstillstands aus und reagierten ablehnend auf eine entsprechende Initiative des türkischen Außenministers Fidan.
Ich möchte daran erinnern, dass Ankara seinerzeit der wichtigste Vermittler beim Abschluss des Getreideabkommens war, das Vertreter Russlands und der Ukraine jeweils separat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und dem Generalsekretär der Vereinten Nationen António Guterres vereinbarten. Darüber hinaus muss man verstehen, dass es viele gibt, die an einer Wiederaufnahme der Getreideexporte aus den Schwarzmeerhäfen sowohl der Ukraine als auch Russlands interessiert sind – darunter auch viele informelle wie formelle Verbündete Russlands.
Schon jetzt wird berichtet, dass etwa Indien gezwungen ist, seine Einfuhren von Sojaöl auf ein Rekordniveau zu steigern, weil auf dem Weltmarkt ein erheblicher Mangel an Sonnenblumenöl herrscht – gerade weil Russland die ukrainischen Häfen blockiert hat.
Und natürlich ist, wenn die Situation so bleibt, wie sie heute ist, auf den Märkten der Länder des Globalen Südens mit einer umfassenden Krise zu rechnen. Das bedeutet, dass die Welt, wenn nicht schon in diesem Jahr, dann 2028 mit einer ernsthaften Lebensmittelknappheit konfrontiert sein wird. Und die ersten Vorboten dieser Getreidekrise werden bereits 2027 zu spüren sein.
Zur Energiekrise, die daraus entstanden ist, dass der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump nicht verstanden hat, welche Folgen seine Angriffe auf das iranische Regime haben würden, wird also noch eine Lebensmittelkrise hinzukommen. Die kommenden zwei Jahre werden im Zeichen dieser beiden Krisen stehen. Und wenn es 2026 nicht gelingt, die Häfen wieder freizugeben und 2027 die Lage auf den Energie- und Lebensmittelmärkten zu stabilisieren, werden in der Welt nicht nur Kriege zwischen den Akteuren beginnen, die an einer Neuverteilung dieser Märkte interessiert sind, sondern auch Aufstände und Revolutionen in den Ländern des Globalen Südens. Diese werden natürlich zu einer massiven Migrationskrise für den kollektiven Westen führen.
Und glauben Sie mir: Kein Donald Trump wird in der Lage sein, diese Krise irgendwie aufzuhalten. Denn wenn es darum geht, dass Dutzende, wenn nicht Hunderte Millionen Menschen keine Nahrung haben, können keine Migrationsbehörden mehr ihren Aufgaben gerecht werden. Sie beginnen angesichts einer solchen unkontrollierbaren Entwicklung schlicht zurückzuweichen – gemeinsam mit den verängstigten Bewohnern der sogenannten Länder der „goldenen Milliarde“.
Und in dieser Situation verstehen wir sehr gut, wo ein Teil der Schlüssel dafür liegt, eine derart umfassende Krise, die man als Energie- und Lebensmittel-Tsunami bezeichnen könnte, in den kommenden Monaten zumindest teilweise zu bewältigen.
Das Erste, was getan werden muss, ist, Russland dazu zu zwingen, die ukrainischen Häfen wieder zu öffnen. Danach kann man darüber sprechen, dass auch die ukrainischen Angriffe auf russische Häfen wie Noworossijsk reduziert werden könnten – zumindest soweit es um Getreideterminals und Terminals geht, die den Interessen des Kaspischen Pipeline-Konsortiums dienen. Daran sind, wie wir wissen, die Vereinigten Staaten interessiert – genauer gesagt Präsident Trump persönlich, der seine eigenen Beziehungen zu amerikanischen Investoren im kasachischen Energiesektor unterhält.
Dann kann man darauf hoffen, dass sich die Lage auf dem Getreidemarkt zumindest in den kommenden Monaten verbessern und verhindert werden kann, dass die Voraussetzungen für eine massive Krise entstehen, aus der es, glauben Sie mir, keinen Ausweg mehr geben wird – ganz gleich, was die Staats- und Regierungschefs Nordamerikas und Europas darüber denken mögen.
Dafür muss jedoch der Druck auf den russischen Präsidenten Putin und sein Umfeld verstärkt und ihnen klargemacht werden, dass die Russen im Grunde bereits begonnen haben, an dem Ast zu sägen, auf dem sie seit dem denkwürdigen Jahr 2000 sitzen. Nur wird nicht allein Putin vom Baum stürzen, sondern mit ihm die gesamte Weltwirtschaft und jene Stabilität, die mit der Bedeutung sowohl der Ukraine als auch Russlands für den globalen Lebensmittelmarkt verbunden ist.
Und dann wird der russisch-ukrainische Krieg einen völlig anderen Charakter annehmen: den einer globalen Prüfung, aus der es für Millionen von Menschen, die in zahlreichen Ländern der Welt Hunger leiden werden, keinen Ausweg geben wird.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Українські удари: крах російських аграріїв | Віталій Портников. 17.08.2026.
Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:17.08.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle: YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Russland kann den Abnutzungskrieg verlieren, und seine führenden Ökonomen erkennen das an, während der Kreml davon nichts hören will. So lässt sich die Nachricht kommentieren, die heute praktisch den ganzen Tag in den Medien diskutiert wurde: die Entlassung des Chefökonomen der russischen Vnesheconombank, Andrei Klepach.
Auf den ersten Blick keine besonders bedeutende Position und keine besonders bedeutende Persönlichkeit, doch es geht um einen der bekanntesten russischen Ökonomen und um die Gründe für seine Entlassung. Russische oppositionelle Medien betonen, dass die Führung der Vnesheconombank gezwungen war, sich von Klepach zu trennen, gegen den es keinerlei dienstliche Beanstandungen gab, und zwar wegen seines jüngsten Auftritts, in dem er die Lage der russischen Wirtschaft beschrieb.
Klepach betonte, dass Russland den wirtschaftlichen Abnutzungskrieg verliert, dass es im Wettbewerb mit dem Westen nicht konkurrenzfähig ist und dass selbst die ukrainische Wirtschaft trotz der Angriffe auf ihre wichtigen Einrichtungen und trotz der demografischen Probleme besser überlebt, als man es in der Russischen Föderation erwarten konnte. Und gerade dieser Auftritt mit seinen düsteren Prognosen für die Zukunft der russischen Wirtschaft wurde zum Grund für die Entlassung des bekannten Ökonomen mit seiner relativ unabhängigen Position.
Das bedeutet, dass die Taktik, die die Ukraine heute im Bündnis mit dem Westen gewählt hat, im Hinblick auf die Suche nach Wegen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges richtig ist. Einerseits sehen wir tatsächlich, dass die russische politische Führung unter Putin nicht einmal daran denken will, den Krieg auf diese Weise zu beenden und die diplomatischen Bemühungen wieder aufzunehmen. Dass keinerlei Vorschläge zur Beendigung des Krieges Putins Haltung beeinflussen, der weiterhin darauf hofft, noch mehr ukrainisches Territorium zu erobern und die Wirtschaft unseres Landes zu zerstören.
Andererseits zeigt Russland immer wieder, dass es mit der zivilisierten Welt nicht konkurrieren kann, dass es die westlichen Sanktionen natürlich ignorieren kann, diese sich aber sowohl auf seine Realwirtschaft als auch auf sein Finanzsystem auswirken, dass die russischen Ressourcen ohne den westlichen Markt dazu verurteilt sind, ihre Rolle als wichtigstes Instrument zur Auffüllung des russischen Staatshaushalts zu verlieren. Und vor allem hilft Russlands Abhängigkeit von den Ländern des Globalen Südens, in erster Linie von der Volksrepublik China, nicht dabei, die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Russischen Föderation auszubauen, denn China ist gerade nicht daran interessiert, dass Russland überlebt. China ist sowohl an einer Schwächung des Westens als auch an einer Schwächung Russlands interessiert.
Aus der Perspektive Pekings kann Russland in dieser Situation schlicht wie ein politischer Satellit und wirtschaftliches Anhängsel der Volksrepublik China erscheinen. Wir verstehen sehr gut, dass Moskau im Wettbewerb der Volkswirtschaften nicht nur gegen Peking, sondern auch gegen den Westen verliert, nicht nur gegen Neu-Delhi, sondern gegen den gesamten Globalen Süden. Und wenn russische Ökonomen versuchen, ihre eigene Führung darauf aufmerksam zu machen, versucht man ihnen, wie wir sehen, wenn schon nicht die Möglichkeit zu öffentlichen Auftritten zu nehmen, dann zumindest jene Ämter, die es erlauben würden, solche Äußerungen mit einer offiziellen Position in Verbindung zu bringen.
Gerade deshalb sind die sogenannten Systemliberalen im Umfeld des russischen Präsidenten Putin mit ihren Prognosen so vorsichtig, obwohl auch ihre Auftritte auf den jüngsten russischen Wirtschaftsforen keineswegs von Optimismus geprägt waren. Diese Menschen verstehen sehr gut, dass Putin versucht, einen Krieg entgegen den wirtschaftlichen Realitäten zu führen, und sorgen sich deshalb um den Erhalt ihrer Ämter. Und die jetzige Entlassung eines Ökonomen, der bis zu diesem Zeitpunkt nur wenigen bekannt war, hat gezeigt, dass tatsächlich jede Meinung verfolgt wird, die von der allgemeinen optimistischen Haltung der russischen Führung abweicht, selbst wenn es um Menschen geht, die weiterhin Teil der Putin-Elite sind.
Wir können also mit Sicherheit sagen, dass Putin Russland mit seiner Kurzsichtigkeit und seinem mangelnden wirtschaftlichen Weitblick auf genau jenen wirtschaftlichen Abgrund zutreibt, den wir so dringend brauchen, damit der russisch-ukrainische Krieg endet. Denn ein anderes Mittel als den wirtschaftlichen Zusammenbruch Russlands, die Verarmung der russischen Bevölkerung und das Fehlen der Ressourcen für den weiteren Betrieb der russischen Kriegsmaschinerie gibt es schlicht nicht.
Natürlich schließt dies auch die Probleme der Ukraine nicht aus. Aber die Ukraine hat den offensichtlichen Vorteil, dass wir erstens nie in einem Zustand einer paternalistischen Wirtschaft wie in Russland gelebt haben und unsere Gesellschaft weitaus mehr Eigeninitiative zeigt als die Gesellschaft der Russischen Föderation, wo es eher eine Fassade der Marktwirtschaft gab, hinter der sich staatliche Mechanismen verbargen. Und zweitens profitieren wir von den Interessen und Möglichkeiten der zivilisierten Welt, die nicht nur die Notwendigkeit einer Niederlage Russlands in diesem Krieg versteht, sondern auch die Notwendigkeit des Wiederaufbaus der Ukraine. Auch das ist ein wichtiger Punkt für jeden, der sich der Lage im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung jener Ereignisse bewusst ist, die heute im russisch-ukrainischen Krieg von entscheidender Bedeutung sind.
Auch das ist ein wichtiger Punkt, an den man denken muss, wenn wir über die weitere Entwicklung in der Konfrontation zwischen Russland und der Ukraine sprechen. Er ist auch deshalb wichtig, weil diese Konfrontation die Möglichkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung verdeutlicht – sowohl jene, die mit den Möglichkeiten der westlichen Volkswirtschaften verbunden sind, als auch jene der Wirtschaft der Russischen Föderation. Und die Wirtschaft der Russischen Föderation verliert, wie es bereits zu Sowjetzeiten wiederholt der Fall war, ganz offensichtlich gegen die wirtschaftlichen Möglichkeiten der zivilisierten Welt.
Das sowjetische Szenario des Niedergangs wiederholt sich. Und es ist sehr erstaunlich, dass Putin, der seine Karriere in den letzten Jahren der Sowjetunion machte, später sogar stellvertretender Bürgermeister von St. Petersburg war und eigentlich verstehen müsste, wie Marktmechanismen funktionieren, erneut in dieselbe Falle gerät, in die vor ihm schon die Führer der Sowjetunion geraten waren.
Offenbar begreift er nicht, dass es nicht genügt, sein Land zur Marktwirtschaft zu erklären. Dieses Land muss tatsächlich Teil des weltweiten Wirtschaftsgefüges sein und darf sich nicht einfach nur an China orientieren. Und seine Bürger sollten nicht damit beschäftigt sein, unter den Bedingungen von Explosionen in Wildberries-Lagern um ihr eigenes Überleben zu kämpfen, sondern Teil der weiteren Entwicklung der wirtschaftlichen Prozesse in der Welt sein und in ihrem eigenen Land Eigeninitiative entfalten können, anstatt zu Kanonenfutter für Putins Krieg gemacht zu werden.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Росія програє війну на винищення | Віталій Портников. 16.08.2026.
Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:16.08.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle: YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Die Ölraffinerie Syzran in der Region Samara sowie die Ölraffinerie Ilsky im Krasnodarer Gebiet wurden heute von ukrainischen Drohnen angegriffen.
Damit lässt sich feststellen, dass die Ukraine ihre systematischen Bemühungen zur Zerstörung der russischen Erdölverarbeitungsindustrie fortsetzt. Dies bleibt – ebenso wie die Angriffe auf russische Marktplätze und die Versuche, den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation außer Gefecht zu setzen – nahezu der einzige Weg, den russisch-ukrainischen Krieg in den kommenden Jahren zumindest auszusetzen oder sogar zu beenden.
Meiner Ansicht nach ist inzwischen offensichtlich geworden, dass die diplomatischen Bemühungen, die nach der Rückkehr Donald Trumps ins Oval Office erneut aufgenommen wurden, mit einem vorhersehbaren Fiasko geendet haben. Der russische Präsident will den russisch-ukrainischen Krieg erst dann beenden, wenn die ukrainische Staatlichkeit zerstört und der größte Teil der Bevölkerung der Ukraine aus den angestammten Siedlungsgebieten der Ukrainer vertrieben worden ist. Sämtliche diplomatischen Prozesse und Verhandlungen werden von Putin genutzt, um die Kampfhandlungen fortzusetzen und Zeit zu gewinnen – vermutlich bis zum Ende der Amtszeit Donald Trumps im Weißen Haus.
Damit liegt die Frage, wie und wann der russisch-ukrainische Krieg enden soll, genau im Bereich ukrainischer Angriffe auf die russische Wirtschaft – auf Ölraffinerien, auf Marktplätze und vor allem auf Betriebe des militärisch-industriellen Komplexes. Im Grunde geht es also um dieselben weitreichenden Sanktionen, die sich in der Praxis als weitaus wirksamer erweisen als die vom Westen verhängten Sanktionen.
Denn in den Jahren dieses Krieges sind wir noch zu einer weiteren wichtigen Erkenntnis gelangt. Es gibt in der Welt zwei wirtschaftliche Pole, die erbittert um die Führungsrolle konkurrieren. Die Sanktionen der Vereinigten Staaten, Donald Trumps Zölle, die Entscheidungen der Europäer zur Blockierung russischer Vermögenswerte – all diese wichtigen Maßnahmen funktionieren nicht und werden auch künftig nicht funktionieren, weil Russland ein organischer Bestandteil der Wirtschaften der Länder des Globalen Südens ist. Länder, die westliche Vorstellungen von Werten und internationalem Recht überhaupt nicht teilen. Länder, die jedes Handeln Amerikas und Europas als Diktat betrachten. Länder, die nicht nur die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation fortsetzen wollen, sondern Russland auch nicht fallen lassen möchten, weil ein Zusammenbruch Russlands für diese Staaten einen Sieg des Westens bedeuten würde. Und genau das können diese Staaten – allen voran natürlich die Volksrepublik China, in der weiterhin ein kommunistisches Regime herrscht – nicht zulassen.
So kann der Westen auf russisches Öl und russisches Gas verzichten und russische Vermögenswerte blockieren, während gleichzeitig die Volksrepublik China, Indien und andere Länder des Globalen Südens weiterhin russisches Öl und russisches Gas kaufen und darauf sogar noch stolz sind.
Erst vor Kurzem habe ich eine Äußerung des Energieministers der Republik Türkei gesehen, dessen Nachname – Bayraktar – ich als durchaus bezeichnend bezeichnen würde. Er warf den Europäern vor, auf die Gaslieferungen über Nord Stream verzichtet zu haben, und sprach von der Weisheit der türkischen Politik, die auf dem Ausbau von TurkStream und der Fortsetzung der Öl- und Gaslieferungen aus der Russischen Föderation für die Bedürfnisse der türkischen Wirtschaft beruhe. Und wie wir sehen, kümmert es keinen einzigen Regierungsvertreter in Ankara – angefangen natürlich beim Präsidenten des Landes, Recep Tayyip Erdoğan –, dass türkisches Geld vom Präsidenten der Russischen Föderation für die Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine verwendet wird.
Es stellt sich heraus, dass man gleichzeitig russisches Öl und russisches Gas kaufen, den russischen Staatshaushalt finanzieren und lautstark die territoriale Integrität der Ukraine sowie die Notwendigkeit eines Kriegsendes unterstützen kann – obwohl man genau weiß, dass solche Erklärungen in Moskau niemanden interessieren, während sich buchstäblich jeder dort für das türkische Geld interessiert, das für russisches Öl und Gas gezahlt wird.
Und genau eine solche Politik verfolgen praktisch alle Länder des Globalen Südens. Natürlich lässt sich der türkische Beitrag zu dem finanziellen Polster Russlands, das Putin hilft, den Krieg fortzusetzen, nicht einmal annähernd mit dem chinesischen Beitrag vergleichen.
Den Zollkrieg gegen die Volksrepublik China hat Donald Trump, so kann man sagen, in Rekordzeit verloren. Deshalb könnte selbst das Lindsey-Graham-Gesetz, das vom amerikanischen Senat verabschiedet wurde und offensichtlich für ein tatsächliches Vorgehen der Vereinigten Staaten gegenüber den Ländern des Globalen Südens von erheblicher Bedeutung ist, keinerlei Rolle bei der Fortsetzung der Käufe russischen Öls spielen, weil der amerikanische Präsident sich möglicherweise nicht dazu entschließen wird, neue Zölle gegen die Volksrepublik China zu verhängen.
Was also tun in dieser Situation wirtschaftlicher Ausweglosigkeit? Den Ausweg finden, den die Ukraine bereits gefunden hat.
Die Zerstörung der Ölraffinerien der Russischen Föderation führt dazu, dass mehr Rohöl für den Binnenmarkt bereitgestellt werden muss – doch es gibt keine Kapazitäten mehr, dieses Öl zu verarbeiten. Soll man es stattdessen über den Seeweg exportieren und hoffen, ausländische Käufer zu finden? Doch deren Zahl wird immer kleiner, weil – mit Ausnahme Chinas – alle anderen vermeiden müssen, amerikanische Sanktionen zu riskieren, die heute vielleicht noch unrealistisch erscheinen, künftig aber durchaus möglich sind. Und wenn sich herausstellt, dass das Öl weder verarbeitet noch verkauft werden kann, bleibt nichts anderes übrig, als die Förderquellen stillzulegen. Genau das ist der Weg zur Degradierung der russischen Erdölindustrie, zur Schließung der Tankstelle.
Der andere Weg sind Angriffe auf Marktplätze, die Unternehmen in der Russischen Föderation zerstören und die Zahl derjenigen verringern, die tatsächlich auf eine weitere wirtschaftliche Entwicklung und damit auf neue Steuereinnahmen für den russischen Staatshaushalt hoffen können. Auch das schafft Probleme für die Zukunft, denn ein Krieg kostet gewaltige Summen.
Und noch ein weiterer wichtiger Weg – neben diesen beiden – ist tatsächlich der Versuch, Abschussanlagen für ballistische Raketen zu zerstören. Ich würde zudem darüber nachdenken, die Fabriken zu zerstören, in denen diese ballistischen Raketen hergestellt werden.
Genau auf diesen Feldern kann man nach einem Weg suchen, diesen endlosen Krieg auszusetzen und vielleicht in den kommenden Jahren sogar zu beenden. Ohne Angriffe auf Russland wird dieser Krieg noch viele schwierige Jahre andauern.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Україна продовжує знищувати НПЗ |Віталій Портников. 08.08.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:08.08.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
In Russland brennt ein weiteres Logistikzentrum des Marktplatzes Wildberries. Diesmal im Ort Nowosemeikino in der Region Samara.
Es ist nur eines der Objekte, die in der vergangenen Nacht von den ukrainischen Verteidigungskräften getroffen wurden. Berichtet wurde außerdem über Probleme in einer Ölraffinerie in der Region Saratow der Russischen Föderation sowie über einen Brand auf dem Flugplatz Engels, den die russische Luftwaffe für Angriffe auf die Ukraine nutzt.
Obwohl der Marktplatz Wildberries formal kein militärisches Objekt ist und auch nicht mit dem russischen Ölraffineriesektor zusammenhängt, ist er dennoch möglicherweise eines der wichtigsten Objekte, die der russischen Wirtschaft helfen, unter den Bedingungen der Sanktionen zu funktionieren – und Putin dabei helfen, den Krieg fortzusetzen.
Man muss sich bewusst machen, dass Russland, wenn es Angriffe auf die Ukraine verübt, die es als Vergeltungsschläge bezeichnet – etwa gegen Lager von Nowa Poshta oder Rozetka, obwohl diese Angriffe lange vor den Schlägen gegen Wildberries-Marktplätze begannen –, diesen Unternehmen, den Menschen, die auf ihre Lieferungen warten, und letztlich der ukrainischen Wirtschaft als Ganzem zwar reale Probleme bereitet. Doch es sind keine Angriffe, die die ukrainische Wirtschaft so erschöpfen würden, dass wir der russischen Aggression nicht mehr widerstehen könnten.
Warum? Weil die ukrainische Wirtschaft eine Wirtschaft ist, die mithilfe westlicher Unterstützung künstlich am Leben erhalten wird. Wir verstehen sehr gut, dass die Ukraine ohne diese westliche Hilfe schon seit vielen Jahren nicht mehr in der Lage wäre, der russischen Aggression standzuhalten.
Erinnern wir uns daran, wie verheerend die russischen Angriffe auf unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten bereits im Jahr 2022 waren. Inzwischen schreiben wir das Jahr 2026. Und niemand hat Zweifel daran, dass die Ukraine auch im kommenden Jahr 2027 wirtschaftlich in der Lage sein wird, den Folgen der russischen Aggression entgegenzutreten, weil die Unterstützung unseres Landes durch die Staaten der Europäischen Union bereits beschlossen wurde. Und ich habe keinerlei Zweifel daran, dass diese Hilfe – falls erforderlich – auch in den folgenden Kriegsjahren fortgesetzt werden wird.
Russland befindet sich hingegen in einer anderen wirtschaftlichen Lage, in der die Marktplätze von Wildberries gewissermaßen die Lungen der russischen Sanktionswirtschaft darstellen – einer wirtschaftlichen Entwicklung, die Putin erlaubt, in die Zukunft zu blicken und den Krieg für die kommenden Jahre zu planen.
Denn unter Bedingungen, in denen Zahlungen nicht mehr auf zivilisierte Weise abgewickelt werden können und die westlichen Sanktionen die Tätigkeit russischer Banken als klassische Finanzinstitute praktisch zum Erliegen gebracht haben, übernehmen gerade die Marktplätze die Rolle von Stabilisatoren der wirtschaftlichen Entwicklung der Russischen Föderation. Zugleich schaffen sie jenes notwendige Steuerpolster, das es der russischen Führung ermöglicht, enorme Militärhaushalte zu planen und sicher zu sein, dass die russische Armee auch weiterhin über die notwendigen Mittel aus dem Staatshaushalt verfügen wird, um ihre Aggression gegen die Ukraine fortzusetzen, und dass ihre Entwicklung auch in den kommenden Jahren oberste Priorität behalten wird.
Wenn es aber kein Geld gibt, wird es auch diese Möglichkeiten für die Armee nicht geben. Wer behauptet, Putin werde das Geld für den Krieg auf jeden Fall finden, weil er dafür die soziale Stabilität der einfachen Russen opfern werde, irrt sich schlicht deshalb, weil das Geld für den Krieg tatsächlich erst einmal vorhanden sein muss.
Das bedeutet: Die russische Wirtschaft muss auf ein Niveau gebracht werden, auf dem weder Geld für das Überleben des gewöhnlichen Russen vorhanden ist – der für die Staatsführung ohnehin uninteressant wird, weil er keine Steuern mehr zahlt, sondern sich in einen gewöhnlichen Bettler verwandelt – noch Geld für die russische Armee und ihre Aggressionen. Genau das könnte Russland tatsächlich daran hindern, seine Aggression gegen die Ukraine sowie seine aggressiven Pläne gegenüber anderen Nachbarstaaten fortzusetzen.
Wir wissen, dass diese Pläne – Putins Pläne für einen langen Krieg – auf seinem Schreibtisch liegen. Und genau in diesen Minuten, während Sie diese Analyse ansehen oder anhören, denkt er darüber nach, wie sich der russisch-ukrainische Krieg auf die Staaten Mittel- und Osteuropas sowie auf die baltischen Länder ausweiten lässt. Welches Land wird als Nächstes in die dunkle Finsternis eines russischen Angriffs stürzen?
Doch ohne Geld gibt es keinen Krieg. In die Sprache der heutigen russischen Politik übersetzt bedeutet das: Es gibt keinen Krieg ohne das Geld von Wildberries. Es gibt keinen Krieg ohne das Geld anderer russischer Marktplätze, die – so hoffe ich – in den kommenden Monaten der erbitterten und verzweifelten russisch-ukrainischen Auseinandersetzung ebenfalls zerstört werden.
Wie sich herausgestellt hat – und das ist eine unangenehme Überraschung für die Bürger der Russischen Föderation ebenso wie für ihre terroristische Führung –, kann ein Abnutzungskrieg von beiden Seiten geführt werden. Und Russland wird diesen Abnutzungskrieg nicht als starker Staat verlassen, der zuversichtlich in die Zukunft blickt.
Mehr noch: Man kann sagen, dass es für die Russische Föderation überhaupt keine Zukunft geben wird, wenn sie den Krieg gegen unser Land fortsetzt. Es werden lediglich Erinnerungen an die Vergangenheit bleiben, als die Russen unter Putin besser lebten als unter jedem anderen ihrer wahnsinnigen Herrscher.
Und es wird die Frage bleiben, an welchem Punkt Russland den falschen Weg eingeschlagen und sich in einen Staat der Ruinen, der Probleme und der offensichtlichen Ausweglosigkeit für den überwiegenden Teil seiner chauvinistisch gesinnten Bevölkerung verwandelt hat.
Und wir werden genau wissen, wann Russland den falschen Weg eingeschlagen hat: In dem Moment, als in den Köpfen seiner Machthaber die Idee entstand, die Staatlichkeit innerhalb der Grenzen der erbärmlichen Sowjetunion wiederherstellen zu können. In dem Moment, als die Entscheidung getroffen wurde, dass Russland ohne das ukrainische Territorium, ohne die Rückkehr zu den Grenzen von 1991 in Europa, seine Rolle als geopolitischer Akteur nicht zurückgewinnen und den Vereinigten Staaten von Amerika und der Volksrepublik China nicht auf Augenhöhe begegnen könne – jenen beiden Mächten, die sich auf den Kampf um das Monopol auf politischen Einfluss und wirtschaftliche Möglichkeiten in unserer komplizierten Welt des 21. Jahrhunderts vorbereiten.
Russland wollte an diesem erbitterten Kampf unbedingt teilnehmen, dass es damit letztlich seine eigene, für niemanden notwendige Existenz infrage gestellt hat. Und der Krieg gegen unser Land wird für die Russen zu jenem Ausgangspunkt werden, von dem an nur noch der Abstieg in einen historischen, politischen und sozialen Abgrund beginnt, aus dem sie sich noch viele, viele schwierige Jahrzehnte lang nicht befreien werden können.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Україна добиває Wildberries | Віталій
Портников. 02.08.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:02.08.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky erläuterte in einem Gespräch mit dem britischen Fernsehsender Sky News die Ernennungen und Entlassungen der vergangenen Wochen.
Viele meiner Kollegen konzentrieren sich derzeit vor allem auf Volodymyr Zelenskys Worte über den schweren Winter, den die Ukrainer werden überstehen müssen, und darauf, dass sich nur wenige das Ausmaß der möglichen Probleme vorstellen könnten. Ich möchte jedoch daran erinnern, dass der Präsident weniger über einen schweren Winter sprach, als vielmehr die Notwendigkeit erklärte, den Ministerpräsidenten und die ukrainische Regierung auszuwechseln. Wenn der Winter sehr schwer werden kann, muss an der Spitze der Regierung ein Mensch stehen, der sich des Ausmaßes der Probleme bewusst und in der Lage ist, sie gerade aus energiepolitischer Sicht zu lösen.
Nun, meiner Ansicht nach wäre es besser, wenn ein erfahrener Fachmann, der das Ausmaß der Probleme versteht und an der Spitze des Unternehmens Naftogaz der Ukraine steht, zumindest bis zum Winter dort bliebe und auf diese Weise die einwandfreie Arbeit dieses Unternehmens sicherstellte. Aber natürlich ist das ein Diskussionsthema, das man gerade zu dem Zeitpunkt hätte erörtern sollen, als Serhij Korezkyj zum neuen Ministerpräsidenten der Ukraine ernannt wurde.
Ganz zu schweigen davon, dass die Frage, wer den Ministerpräsidenten vorschlagen soll, außerhalb der Befugnisse des amtierenden Staatsoberhaupts liegt – ebenso wie außerhalb der Befugnisse jedes anderen Präsidenten, der zu einer Zeit gewählt wurde, als die Ukraine zu einer parlamentarisch-präsidentiellen Republik geworden war.
Der Leiter der Koalition in der Werchowna Rada, also der Vorsitzende der Partei „Diener des Volkes“, müsste uns erklären, dass beschlossen wurde, die Regierung auszuwechseln, weil der Ukraine ein schwerer Winter bevorsteht und die Abgeordneten zu dem Schluss gekommen sind, dass ein Energiefachmann an der Spitze der Regierung in der entstandenen Situation geeigneter wäre.
Aber natürlich ist das ein Thema, das wir seit 2019 diskutieren, als Volodymyr Zelensky unter Ausnutzung der Tatsache, dass in der Werchowna Rada eine sogenannte Monomehrheit aus Vertretern der Präsidentenpartei gebildet worden war, sowohl die Entlassung als auch die Ernennung der ukrainischen Ministerpräsidenten und Regierungen an sich zog – noch einmal zur Erinnerung: eine Funktion, die in keiner Weise mit der in der Ukraine geltenden Verfassung verbunden ist.
Der Präsident der Ukraine hat jedoch offenkundige Rechte und Pflichten. Sie hängen damit zusammen, der Koalition und dem Parlament einen Kandidaten für das Amt des Verteidigungsministers vorzuschlagen und auf Vorschlag dieses Ministers den Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine zu ernennen. Und auch hier erläutert Zelensky seine Schritte.
Erneut achten viele meiner Kollegen und ukrainische Bürger derzeit darauf, dass der Präsident über die Notwendigkeit der Mobilisierung gesprochen hat und darüber, dass eine ineffektive Mobilisierung zur Besetzung weiterer ukrainischer Gebiete führen könnte. Doch auch diese These war in erster Linie nicht mit einer Charakterisierung des Prozesses selbst verbunden, sondern mit Zelenskys Versuch, die Entlassung des Verteidigungsministers Mychajlo Fedorov und des Oberbefehlshabers der Streitkräfte der Ukraine, General Oleksandr Syrsky, zu erklären.
Zelensky betonte, dass zwischen den beiden Amtsträgern ein Konflikt bestehe und dass er einfach keine Zeit habe, mit jedem von ihnen zu sprechen, während sie sich unter den gegebenen Bedingungen eigentlich jede Stunde treffen müssten, um zu entscheiden, wie der ukrainische Luftraum geschützt werden könne.
Nun, bei dieser Aussage stellt sich bereits eine gewisse Frage. Wenn der Präsident der Ukraine seinen Landsleuten gegenüber die unmittelbare Verpflichtung hat, sich gerade mit der Verteidigungs- und Außenpolitik des Landes zu befassen, und ihm die Zeit für Treffen mit dem Verteidigungsminister fehlt, den er selbst vorgeschlagen hat, sowie mit dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, den er selbst ernannt hat, stellt sich die Frage, wofür der Präsident dann überhaupt Zeit hat.
Vielleicht sollte sich das Staatsoberhaupt gerade auf die Verteidigung und die Außenpolitik konzentrieren und dem Ministerpräsidenten der Ukraine und dem Parlament die Möglichkeit geben, sich mit der Führung des Landes, der Vorbereitung auf den Winter, wirtschaftlichen Fragen und all dem zu befassen, was in die Zuständigkeit des Ministerpräsidenten fällt. Denn nach unserer Verfassung muss im Grunde er die operative Führung des Staates ausüben – mit Ausnahme der Verteidigung und der Außenpolitik der Ukraine.
Dann hätte der Präsident der Ukraine genügend Zeit, mit dem Verteidigungsminister und dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte zu sprechen und Wege zu finden, um die Meinungsverschiedenheiten zu überwinden, die zwischen zwei Menschen bestehen können, die die Probleme der Beschaffung für die Armee und des Funktionierens der Armee selbst unterschiedlich betrachten. Umso mehr, wenn der Präsident sagt, der Verteidigungsminister und der Oberbefehlshaber der Streitkräfte müssten sich beinahe jede Stunde treffen, um den ukrainischen Luftraum zu schützen.
Nun, auch in dieser Aussage liegt, wie wir verstehen, eine gewisse Weigerung, die Tatsache zur Kenntnis zu nehmen, dass es ohne eine ausreichende Zahl von Raketen für die Patriot-Batterien oder ohne die Aufnahme einer eigenen Produktion von Abfangraketen – was natürlich nur langfristig möglich wäre – gegenwärtig technisch unmöglich erscheint, den ukrainischen Luftraum vor den ballistischen Angriffen des Feindes zu schützen.
Selbst die Vereinigten Staaten sind mit ihren Batterien derzeit gezwungen, ihre Operationen gegen den Iran einzustellen, weil ihnen die Abfangraketen ausgehen könnten, mit denen sie ihre eigenen Militärstützpunkte sowie strategische Einrichtungen verbündeter Länder schützen könnten.
Und wenn wir aus dieser Perspektive über die Suche nach Raketen für jene Patriot-Batterien sprechen, die der Ukraine in den Jahren des großen Krieges bereits übergeben wurden, dann ist es die Aufgabe des Präsidenten als Koordinator der Außenpolitik, mit den Verbündeten Vereinbarungen über die Lieferung zusätzlicher Abfangraketen für jene Systeme zu erzielen, die sich im Bestand der Streitkräfte der Ukraine befinden.
Dadurch, dass sich der Verteidigungsminister und der Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine deswegen stündlich treffen, wird sich die Situation nicht wesentlich verändern. Durch Treffen des Präsidenten mit seinen Amtskollegen kann sich die Situation hingegen verändern. Und wir müssen dem Präsidenten für die kommenden Jahre aufrichtig Erfolg dabei wünschen, die Luftverteidigung der Ukraine in einem langwierigen Abnutzungskrieg sicherzustellen.
Doch erneut gilt: Weshalb der Präsident es in dieser Situation für notwendig hielt, sowohl den Verteidigungsminister als auch den Oberbefehlshaber der Streitkräfte zu entlassen, und weshalb er anschließend darauf verzichtete, den früheren Verteidigungsminister wieder einzusetzen, falls dieser einen Konflikt mit dem Oberbefehlshaber hatte und dies der einzige Grund für seine Entlassung gewesen sein sollte – das konnte Volodymyr Zelensky den Journalisten von Sky News selbstverständlich nicht erklären.
Und das Wichtigste ist meiner Ansicht nach: Derartige Erklärungen zu Personalentscheidungen, selbst zu solchen, die über die Grenzen der verfassungsmäßigen Befugnisse des amtierenden Staatsoberhaupts hinausgehen, sollten meines Erachtens nicht britischen, sondern ukrainischen Journalisten gegeben werden. Und nicht in Gesprächen über Messenger, bei denen ausgewählte Journalisten dem Staatsoberhaupt Fragen stellen und anschließend Audioantworten erhalten, sondern in einem scharfen und ehrlichen Gespräch über die Lage in der Ukraine, über Personalentscheidungen und nicht erfolgte Ernennungen sowie über die Perspektiven des russisch-ukrainischen Krieges in den kommenden schwierigen Jahren. Umso mehr, als inzwischen auch der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky selbst – wenn auch in einem Interview mit britischen Journalisten – einzuräumen beginnt, dass diese Jahre sehr schwierig und zermürbend werden könnten.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Інтервʼю Зеленського: головне | Віталій Портников. 26.07.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:26.07.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen