Neue Äußerungen Putins: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 02.09.2026.

Der russische Präsident Putin hat nach dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Bischkek eine ganze Reihe von Erklärungen abgegeben, die vor allem mit seinen Vorstellungen über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges zusammenhingen.

Diese Erklärungen sind schon deshalb wichtig, weil Putin sie kurz nach seinem Treffen in der kirgisischen Hauptstadt mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping und dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi abgab, die bekanntlich die wichtigsten Sponsoren der russischen Wirtschaft sind, weil sie russisches Öl kaufen. Und diese Äußerungen erfolgten auch nur wenige Tage nach dem sensationellen Besuch des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten, John Ratcliffe, in der russischen Hauptstadt – einem Besuch, um den weiterhin Verschwörungstheorien kreisen und zu dem unterschiedliche Versionen darüber geäußert werden, warum dieser Besuch überhaupt stattgefunden hat.

Deshalb sollte man Putins Erklärungen durchaus ernst nehmen, denn sie sind eine Mischung aus Propaganda und realen Absichten, die mit Moskaus Beziehungen vor allem zu Washington zusammenhängen, aber offenbar nicht nur zu Washington. Putin betonte, wie immer in seinen Erklärungen zum russisch-ukrainischen Krieg, dass er nicht an einem Waffenstillstand, sondern an einem dauerhaften Frieden interessiert sei. Aber Verhandlungen über diesen Frieden ist Russland bereit, mit jedem zu führen.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass Russland früher immer davon sprach, dass Verhandlungen gerade mit den Vereinigten Staaten stattfinden würden und dass man nur mit den Amerikanern reden müsse. Sowohl die Ukrainer als auch die Europäer wurden von der russischen politischen Führung ignoriert, persönlich von Putin, der sich weiterhin für den wichtigsten Partner des amerikanischen Präsidenten Donald Trump hält. Und nun stellt sich heraus, dass der Kreis der Verhandlungsteilnehmer erweitert werden kann.

Das ist genau das, wovon ich immer spreche, wenn ich betone, dass man in Russland nur die Sprache der Stärke versteht und nicht die Sprache der Diplomaten. Putin ging mehrmals auf die Angriffe ein, die gegen den russischen Ölraffineriekomplex und gegen russische Häfen geführt wurden. Er versuchte die ganze Zeit, die Schäden herunterzuspielen, die der Russischen Föderation durch diese Angriffe zugefügt wurden. Als er insbesondere über die Angriffe auf russische Häfen sprach, sagte er, Russland habe nur 1 Prozent des BIP verloren, aber auch das sei ein Schaden.

Aber wir wissen sehr gut, dass die Realität weitaus ernster ist, denn Putin kann die Tatsache nicht ignorieren, dass in Russland derzeit 50 Prozent der Ölraffineriekapazitäten nicht funktionieren, was natürlich die Voraussetzungen für eine massive krisenhafte Entwicklung in der russischen Wirtschaft bereits in naher Zukunft schafft. Ganz zu schweigen von der massiven Krise der russischen Landwirtschaft, deren Grundlagen gerade durch ukrainische Angriffe auf die Hafeninfrastruktur der Russischen Föderation gelegt werden.

Natürlich können wir sagen, dass auch die Ukraine durch die Angriffe der russischen Luftwaffe auf ukrainische Objekte zahlreiche Schäden erleidet, aber die Schäden der Ukraine bedeuten in einer solchen Situation keine Gewinne für Russland. Und übrigens, was die Schäden der Ukraine betrifft: Putin äußerte während dieser Pressekonferenz eine enorme Zahl unterschiedlichster Drohungen, völlig unterschiedlicher Art, aber sie bezogen sich auch darauf, dass die Ukraine von der Möglichkeit einer faktischen Stilllegung des Ölraffineriekomplexes der Russischen Föderation und des Luftraums der Russischen Föderation gesprochen hatte.

Und hier sehen wir eine unglaubliche, ich würde sagen, Demonstration von Doppelstandards. Putin erzählte, er habe erfahren, dass eine große Zahl von Drohnen erneut versucht habe, die Luftverteidigung Moskaus und Sankt Petersburgs zu durchbrechen, zivile Objekte angegriffen und versucht habe, drei Ölraffinerien zu treffen. Und nun seien die Streitkräfte der Russischen Föderation angewiesen worden, massive Angriffe auf Objekte der ukrainischen Energieinfrastruktur vorzubereiten und durchzuführen. „Sie greifen uns an und bekommen eine Antwort“, sagte Putin.

Aber hier gibt es einen ziemlich wichtigen Punkt, über den vor allem die Ukrainer nachdenken müssen. Und vor allem jene Ukrainer, die sagen, wir sollten keine derart schweren Angriffe auf Russland führen, weil Russland auf diese Angriffe antworte und die ukrainische Energieinfrastruktur zerstören könne.

Aber was war, als die Ukraine zuvor keine Angriffe auf die Russische Föderation führte? Denn wenn wir von massiven ukrainischen Angriffen auf russische Stellungen sprechen, begann das vor allem in diesem Jahr. Gab es damals etwa keine Angriffe auf die Infrastruktur der Ukraine? Haben wir nicht jeden Winter mit russischen Angriffen gerechnet?

Ja, diese Angriffe können sich verstärken, weil sich die technologische Ausstattung des Krieges verändert. An die Stelle alter sowjetischer Raketen, an die Stelle von Drohnen des Typs Shahed treten strahlgetriebene Drohnen. All das sind reale Drohungen und Gefahren. Aber das hat überhaupt nichts mit Vergeltungsschlägen zu tun.

Es hängt damit zusammen, dass Putin bereits 2022 Kurs auf die Zerstörung der ukrainischen Infrastruktur genommen hat. Denn russische Flugzeuge griffen bereits 2022 Objekte der zivilen ukrainischen Infrastruktur an. Erinnern Sie sich daran, wie wir davon sprachen, dass der Luftraum über der Ukraine geschlossen werden müsse.

Und hier noch eine Demonstration solcher Doppelstandards. Wenn Putin über Zelenskys Äußerungen zu einer möglichen faktischen Schließung des russischen Luftraums spricht, bezeichnet er das als einen Akt des Staatsterrorismus. Aber hier stellt sich die Frage: Und was ist mit den Angriffen auf den ukrainischen Luftraum, jenen Angriffen, die ebenfalls bereits 2022 begannen, mit den Angriffen auf zivile ukrainische Flughäfen, mit der Schaffung von Bedingungen, unter denen die Ukraine ihre zivile Luftfahrt nicht wieder aufnehmen kann? Was für ein Akt ist das?

Warum ist es Terrorismus, wenn die Ukraine den russischen Luftraum schließt, aber eine militärische Spezialoperation, wenn Russland den ukrainischen Luftraum schließt? Und ich sage Ihnen, warum Putin so denkt. Weil er sich weiterhin für den Machthaber irgendeines einheitlichen Staates hält, der in seinem Kopf existiert, von Uschhorod bis Aschgabat. Und natürlich kann er als Machthaber dieses Staates beliebige Entscheidungen über Angriffe auf Städte in diesem Staat treffen. Schließlich zerstörten die Russen beispielsweise den internationalen Flughafen von Grosny und hielten das für völlig normale Maßnahmen zur Erziehung der Tschetschenen, die damals für den Austritt aus der Russischen Föderation kämpften.

Wir konnten glauben, dass sich die Haltung gegenüber der Ukraine von der Haltung gegenüber Tschetschenien unterscheidet, weil Tschetschenien noch zu Zeiten der UdSSR formal eine Republik innerhalb Sowjetrusslands war, während wir eine Unionsrepublik waren, die nominell das Recht hatte, aus der Sowjetunion auszutreten – ein Recht, das, wie wir verstehen, in der Praxis niemals verwirklicht worden wäre, wenn es nicht zum faktisch raschen Zerfall des Imperiums infolge des Konflikts zwischen den beiden russischen Machtzentren in Moskau gekommen wäre, der sich 1991 manifestierte. Aber das ist unsere Sichtweise.

Aus russischer Sicht gibt es zwischen einer Unionsrepublik und einer russischen Republik keinerlei Unterschied. Russland konnte sich vorübergehend mit der Unabhängigkeit der Ukraine und anderer ehemaliger Sowjetrepubliken abfinden, die gerade infolge des Konflikts zwischen diesen beiden Machtzentren zustande kam – dem Unionszentrum einerseits und dem russischen Zentrum andererseits –, betrachtete dies aber immer als eine vorübergehende Situation.

Putin zeigt mit seiner Haltung gegenüber den ukrainischen Handlungen gerade, wie dieses Denken eines chauvinistischen Führers funktioniert, der seine Angriffe auf jedes beliebige Gebiet innerhalb der ehemaligen Sowjetunion für sein Recht hält, Gegenangriffe auf Russland dagegen für Terror. Genau wie bei Tschetschenien: Wenn die Tschetschenen zurückschlagen, ist das Terror. Wenn die Russen tschetschenische Aule zerstören, ist das eine spezielle Antiterroroperation.

Interessant ist, dass Putin sofort betonte, er werde keine Angriffe auf die ukrainische Führung führen, weil man Verhandlungspartner brauche, die alle Probleme in den russisch-ukrainischen Beziehungen auf friedlichem Wege lösen und den russisch-ukrainischen Krieg beenden wollten, „die Fragen auf friedlichem Wege lösen wollen und nicht einfach in 40 Tagen unsere Wirtschaft zerstören, Russland in die Knie zwingen und uns einen weiteren strategischen Schlag versetzen wollen“.

Und Sie können ebenfalls fragen: „Woher kommt plötzlich diese Friedfertigkeit des russischen Präsidenten?“ Das ist keine Friedfertigkeit, das ist wiederum ein Gefühl der Bedrohung. Denn Putin kann verstehen, dass wiederum mit der Veränderung der technologischen Ausstattung des Krieges, falls er Angriffe auf die ukrainische Führung durchführen lässt, ein Gegenschlag erfolgen kann.

Erinnern wir uns daran, wie sich der russische Präsident vor seinem amerikanischen Amtskollegen erniedrigte, als es um die Durchführung der Parade auf dem Roten Platz in der russischen Hauptstadt ging. Das heißt, in Russland gab es ein klares Verständnis dafür, dass tatsächlich eine Situation entstehen könnte, in der der Luftraum über Moskau die Durchführung dieser Parade nicht zulassen würde.

Und wenn man die Umgebung Moskaus angreifen und Probleme für die Durchführung der Parade schaffen kann, warum sollte man dann als Antwort auf Angriffe gegen die ukrainische Führung nicht Putins eigene Residenz angreifen können? Wer wird ihn dann schützen? Trump? Trump kann ihn schützen, solange ein gegenseitiges Verständnis darüber besteht, dass man die Entscheidungszentren nicht angreift. Wenn auch diese roten Linien überschritten werden, könnte Putins Leben in Gefahr geraten.

Bekanntlich schätzt Putin nichts so sehr wie sein eigenes Leben. Erinnern wir uns an diesen langen weißen Tisch. Vielleicht wird er noch zu irgendeiner historischen Randnotiz werden, aber inzwischen ist er in den Hintergrund gerückt. Doch das war der Tisch aus der Zeit der Coronavirus-Pandemie. Und er zeigte, wie Putin tatsächlich zu seinem eigenen Leben steht. All diese Quarantänen, die Menschen durchlaufen mussten, die sich mit ihm treffen sollten. All das zeigt, dass Putin tatsächlich in erster Linie an sich selbst denkt, ausschließlich an sich selbst, wenn er über irgendwelche Fragen des russisch-ukrainischen Krieges spricht.

Übrigens zu den Amerikanern. Auch das ist ein ziemlich interessantes Thema dieser Pressekonferenz des russischen Machthabers, denn er sagte nichts Konkretes über den Besuch des CIA-Direktors, obwohl er nach diesem Besuch gefragt wurde. Er sagte, dass zwischen den Leitern der Geheimdienste direkte Kontakte aufrechterhalten würden und dass es für die Russen in Wirklichkeit angenehm sei, mit jenen Menschen zusammenzuarbeiten, die sie gut kennen und denen sie vertrauen. Gemeint sind Witkoff und Kushner. „Das sind Trump nahestehende Menschen, aufrichtige Menschen, die versuchen, unsere Arbeit mit konkretem Inhalt zu füllen, Menschen, die das Vertrauen des Präsidenten der Vereinigten Staaten genießen. Und ohne das ist es überhaupt unmöglich, irgendwelche Verhandlungen zu führen, denn wenn sie sich mit uns auf etwas einigen und die erste Person das anschließend alles filtert, durch 1000 oder mehr teilt, dann wird das sinnlos.“ Und deshalb sind Herr Kushner und Herr Witkoff gern gesehene Gäste in der russischen Hauptstadt.

Wieder stellt sich die Frage: Woher kommt diese Gesprächsbereitschaft? Putin sagt, der Verhandlungsprozess sei eingefroren, aber wir erinnern uns doch daran, dass er es war, der ihn eingefroren hat. Er selbst, als er die Entscheidung traf, Russland aus den Verhandlungen zurückzuziehen, bis die ukrainischen Truppen das Gebiet der Oblast Donezk verlassen. Somit kann man sagen, dass Witkoff und Kushner – möglicherweise im Gegensatz zum Direktor der Central Intelligence Agency, Herrn Ratcliffe, der sich als konkreter und härter erwiesen hat – gern gesehene Gäste sind, weil man mit ihnen über Geld sprechen kann. Und man kann ihnen wiederum einen Bären aufbinden. Man kann von all diesen Milliarden und Billionen erzählen, die im Falle einer Verbesserung der russisch-amerikanischen Beziehungen verdient werden könnten. Und wie verbessert man die russisch-amerikanischen Beziehungen? Indem man die Ukraine preisgibt.

Und wir haben bereits mehrfach gesehen, dass Steve Witkoff zumindest nach Verhandlungen mit Putin die Ukraine zu Zugeständnissen drängte, die grundsätzlich nicht nur zur Demütigung der Ukraine als Staat, sondern auch zu einer drastischen Destabilisierung der inneren Lage in unserem Land hätten führen können, was grundsätzlich eine der wichtigen Aufgaben des russischen Präsidenten ist: diese drastische Destabilisierung zu erreichen und dafür zu sorgen, dass die Situation in der Ukraine den Vormarsch der russischen Truppen begünstigt.

Über den Vormarsch sprach Putin sehr viel und nannte geografische Namen. Ich werde darauf nicht näher eingehen, weil Putin wiederum mehrfach Namen von Städten und Ortschaften genannt hat, die sich später offensichtlich unter der Kontrolle der ukrainischen Armee befanden. Und wir verstehen, dass all diese Namen für das eigene Publikum und zur Demoralisierung der ukrainischen Gesellschaft bestimmt sind. Denn wiederum: Selbst wenn russische Truppen tatsächlich irgendwelche Ortschaften auf dem Gebiet der Ukraine besetzen, hat das in jedem Fall keinen Einfluss auf das Hauptziel des russischen Präsidenten – die Eroberung unseres gesamten Landes und die Vernichtung seiner Staatlichkeit. Und das weiß er sehr gut.

Deshalb wirkt diese Pressekonferenz auch so eigentümlich – als Mischung aus Drohungen und gleichzeitig dem Angebot, miteinander zu reden. Und ich sage wiederum, dass ich es für möglich halte, dass diese Mischung aus Drohungen an die Ukraine gerichtet ist, während das Angebot, miteinander zu reden, nicht nur an Trump, sondern auch an Xi Jinping gerichtet ist, der während seines Aufenthalts in Bischkek ebenfalls von einer verstärkten Koordinierung zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges sprach. Und wir wissen nicht, was er Putin tatsächlich gesagt hat. Vielleicht sprach auch er von der Notwendigkeit, den Krieg zu beenden und irgendwie einen Ausweg aus dieser Situation zu finden. Vielleicht waren das Andeutungen des chinesischen Staatschefs. Aber wir verstehen, dass Xi Jinping gerade nicht derjenige ist, mit dem der russische Präsident zu streiten bereit ist, weil das Überleben des Putin-Regimes von chinesischem Geld abhängt.

Russland befindet sich jetzt genau in einer solchen Situation. Putin kann die Bedeutung der, ich würde sagen, Rolle, die China für Russlands Überleben spielt, so sehr herunterspielen, wie er will, und er kann das Ausmaß der Verluste herunterspielen, die Russland infolge der ukrainischen Angriffe erlitten hat. Aber all das sind objektive Tatsachen, die er ignorieren kann, die dadurch jedoch nicht weniger wichtig für sein politisches und wirtschaftliches Überleben werden.

Obwohl Putin wiederum weiterhin versichert, dass die sogenannte „militärische Spezialoperation“ so weitergehe wie bisher, dass die russischen Truppen das Tempo ihres Vormarsches steigerten und dass alle Aufgaben erfüllt würden, sagt er nie bis zum Ende, worin eigentlich der Sinn dieser Aufgaben besteht. Wie sollen sie überhaupt weitergeführt werden, wie sollen sie umgesetzt werden, was kann in diesem russisch-ukrainischen Krieg tatsächlich geschehen, das für Putin bedeuten würde, dass er ein wirklich siegreiches Ergebnis erreicht hat?

Auf diese, ich würde sagen, wichtige Konstante haben wir weder vom russischen Präsidenten noch von anderen russischen Funktionären jemals irgendeine Antwort gehört. Ja, wir haben die Vorstellung gehört, dass die Ukraine verschwinden müsse, aber wir haben nie eine Erklärung dafür gehört, wie das geschehen soll, wie Russland dies bei dem Tempo erreichen kann, das die russischen Truppen bei ihrem Vormarsch auf ukrainischem Boden angeblich steigern.

Und noch ein interessanter Punkt dieses Treffens mit Journalisten, über den ebenfalls gesprochen werden muss, ist die Mobilmachung. Ins Ukrainische übersetzt sagte Putin, das sei Unsinn, ein Informationsangriff auf Russland. Wenn man genau zitiert, was er sagte, als er gefragt wurde, ob es in der Russischen Föderation eine Mobilmachung geben werde, sagte er: „Hundeblödsinn.“ Und das spiegelt genau seinen Wunsch wider, dass die Russen diese Mobilmachung nicht fürchten sollen.

Offensichtlich hat die Erfahrung der Mobilmachung von 2022, wenn auch nur einer Teilmobilmachung, beim russischen Präsidenten Spuren hinterlassen. Und in dieser Situation können wir faktisch sagen, dass der russische Machthaber so oder so versteht – vielleicht will er es nicht verstehen, aber er versteht –, dass die Situation mit der Mobilmachung zu einer ernsthaften, ich würde sagen, Verschlechterung der Beziehungen zwischen der russischen Gesellschaft und der Staatsmacht führen kann.

Und die Russen haben ohnehin bereits begonnen zu sehen, dass der Krieg zu ihnen kommt. Und sie verstehen ohnehin, dass dies nicht mehr eine so einfache Situation ist wie zuvor beim russisch-ukrainischen Konflikt. All das sind meiner Ansicht nach völlig verständliche Dinge. Aber zugleich können wir eindeutig sagen, dass Putin bei dieser Mobilmachungsaktivität ein Befürworter verdeckter Maßnahmen sein kann.

Schließlich ist sein Mobilmachungsdekret nicht aufgehoben worden. Es gilt. Die russische Führung kann derzeit, wie viele Beobachter meinen, von den Leitern der russischen Föderationssubjekte, der Gebiete, Regionen und Republiken verlangen, dass sie sich mit dieser verdeckten Mobilmachung befassen, irgendwelche Menschen suchen, die in der Lage sind, an einer weiteren Eskalation der Situation teilzunehmen, sich auf Vertragsbasis für die russische Armee verpflichten, und die Summen dieser Verträge erhöhen, weil viele russische Regionen schlicht nicht mehr genug Geld haben, um solche Vertragsmaßnahmen durchzuführen. Vielleicht wird man ihnen sagen, dass sie wegen fehlender Haushaltsmittel irgendwelche Grenzen überschreiten und soziale Programme kürzen müssen, aber Geld für die Mörder finden sollen.

Wenn Putin also „Hundeblödsinn“ sagt, bedeutet das, dass er einfach keine lautstarke Erklärung über eine Mobilmachung abgeben wird. Aber es bedeutet nicht, dass es die Mobilmachung selbst als verdeckten Faktor – als einen sogar vor der russischen Gesellschaft verborgenen Faktor – nicht geben wird.

Und noch ein wichtiger Punkt ist, dass er die Europäer weiterhin einschüchtert. Das ist auch deshalb wichtig, weil Deutschland gerade heute erstmals offiziell erklärt hat, Russland der Vorbereitung eines Sabotageakts am Flughafen Leipzig unter Einsatz von Drohnen zu beschuldigen. Und das ist tatsächlich, anders als alles, was Putin sagt, gewöhnlicher, echter Staatsterrorismus, denn deutsche Minister sagen eindeutig, dass die Organisatoren dieses Terroranschlags im Auftrag staatlicher Strukturen der Russischen Föderation gehandelt hätten. Nicht einfach so.

Was sagt Putin in dieser Situation? Deutschland erwähnt er nicht, sondern konzentriert sich auf Großbritannien und betont, dass alle Objekte auf dem Gebiet der Ukraine, militärische Objekte, darunter auch britische, zu legitimen Zielen der russischen Armee werden können. Doch der Journalist fragt den russischen Präsidenten an dieser Stelle: „Und was ist mit Objekten, die in Großbritannien selbst für die Bedürfnisse der ukrainischen Armee genutzt werden?“ Und Putin beantwortete diese Frage nicht, sondern sagte, genau das sei ein militärisches Geheimnis.

Und das ist eine gezielte Antwort, die erstens demonstrieren soll, dass Russland Sabotageakte auf dem Gebiet europäischer Länder vorbereitet. Und wir haben bereits erste Anzeichen solcher Sabotageakte gesehen. Und zweitens – und das ist ebenfalls eine sehr wichtige Tatsache –, dass es keine Verantwortung für solche Sabotageakte übernehmen will. Auch das ist, wie mir scheint, ein offensichtlicher Punkt, über den wir sprechen müssen, wenn wir diese Äußerungen Putins in der kirgisischen Hauptstadt diskutieren.

Und wenn wir nicht nur über den russisch-ukrainischen Krieg sprechen, sondern allgemein über das, was im postsowjetischen Raum geschieht und was Putin kommentieren muss, dann hat er im Grunde selbst die Schwächung des russischen Einflusses im postsowjetischen Raum festgestellt. Und zwar als er den armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan angriff, der einer der Teilnehmer dieses Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit war, und sagte, eine gleichzeitige Mitgliedschaft in der Eurasischen Union und in der Europäischen Union sei nicht möglich. Obwohl Armenien im Grunde bislang nicht einmal einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union gestellt hat, während es bereits Mitglied der Eurasischen Union ist. Aber auch das ist ein solcher Erpressungsversuch.

Und übrigens möchte ich daran erinnern, dass Armenien damals in die Eurasische Wirtschaftsunion gelangte, als Putin das Land, den damaligen Präsidenten Sersch Sargsjan, buchstäblich dazu zwang, auf eine künftige Mitgliedschaft oder zumindest irgendeine Form von Partnerschaft und Assoziierung mit der Europäischen Union zu verzichten. Damals war für Armenien bereits ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union vorbereitet worden, ein solches, wie wir es vorbereitet hatten. Und Sargsjan verzichtete praktisch gleichzeitig mit Janukowitsch auf die Unterzeichnung dieses Dokuments. Und damals zwang Putin ihn im Grunde zum Beitritt zur Eurasischen Wirtschaftsunion.

Ich denke, uns hätte, wenn Janukowitsch an der Spitze des ukrainischen Staates geblieben wäre, dasselbe Schicksal erwartet. Da sagen manche: „Janukowitsch hätte eben weiterregiert, wäre dann gegangen und hätte die Wahlen verloren.“ Nichts davon wäre geschehen. Es wäre einfach zur Verwandlung der Ukraine in Belarus Nummer zwei gekommen. Und dann wäre von unserem Territorium aus bereits Polen angegriffen worden. So wäre es gewesen. Nun, das ist eine Zukunft, die nicht eingetreten ist. Wir sprechen jetzt über etwas anderes.

Wenn wir also über etwas anderes sprechen, dann ist ein weiteres Element von Putins Erpressung, dass er sagt: Wenn die russische Militärbasis in Armenien nicht gebraucht werde, könne Russland Armenien schon morgen verlassen. Mich würde interessieren, ob die Russen tatsächlich bereit wären, schon morgen abzuziehen, wenn Jerewan ihnen die Bedingung stellen würde, dies in nächster Zeit zu tun. Putin glaubt, Armenien könne das Fehlen einer russischen Basis fürchten, weil deren Abwesenheit zu einer neuen Eskalation im Südkaukasus, zu einer erneuten Verschlechterung der Beziehungen zwischen Armenien und Aserbaidschan führen könnte, wenn die Russen nicht mehr da wären, die Armenien angeblich zu schützen bereit sind.

Aber wir haben doch etwas Offensichtliches gesehen: Erstens haben die Russen überhaupt nicht vor, irgendjemanden vor irgendjemandem zu schützen, wenn das nicht ihren momentanen Interessen entspricht. Und zweitens hat der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev die sogenannten russischen Friedenstruppen einfach aus Karabach entfernt, die dort eine eigene Basis errichten wollten. Sie dachten natürlich nicht an die Interessen Karabachs, sondern an Putins Interessen. Sogar jemand von ihnen kam dort ums Leben, und nichts geschah.

Warum sollten die Armenier glauben, dass eine russische Basis eine Garantie für irgendetwas ist? Sie sehen doch, dass inzwischen praktisch alle ehemaligen Sowjetrepubliken nach neuen Garanten ihrer Sicherheit suchen, weil sie verstehen, dass Russland definitiv kein Garant für Sicherheit mehr ist, sondern eher ein Garant für Gefahren. Deshalb ist diese Basis in Gjumri zweifellos Teil dieser Erpressung Putins gegenüber Armenien, aber diese Erpressung könnte nicht funktionieren.

Und was die Lüge betrifft, dass nur noch 10 Prozent der Ölraffinerien repariert werden müssten: Das stimmt nicht. Dass das Dekret zum Schutz von Objekten der kritischen Infrastruktur, das der russischen Regierung das Recht gibt, bei solchen Objekten eine vorübergehende Verwaltung einzuführen, nicht deren Verstaatlichung bedeutet, stimmt ebenfalls nicht. Putins Dekret zeigt eindeutig, dass diese Anlagen verstaatlicht werden können. Ich denke, dass dies tatsächlich geschehen wird.

Die Anschuldigung Deutschlands gegen Russland, den Angriff auf den Flughafen Leipzig organisiert zu haben, sei ein innenpolitisches Problem. Russland habe das nicht getan. Es gebe keinerlei Beweise für eine russische Beteiligung. Die Verschlechterung der Beziehungen zwischen Moskau und Tokio sei ausschließlich ein Problem der japanischen Führung. Sie seien es, die die russisch-japanischen Beziehungen verschlechterten, und nicht Russland.

Nun, wir verstehen, dass Putin sich auf diese Weise wiederum bei ebenjenem Xi Jinping einschmeichelt, mit dem er sich in Bischkek getroffen hat.

Und noch ein letzter Punkt, über den ich sprechen möchte. Ich habe ihn nicht erwähnt, als ich davon erzählte, dass Putin verschiedene angeblich eingenommene Orte nennt. Aber was Putin tatsächlich eingeräumt hat, ist, dass sich Russland praktisch von Sumy zurückzieht. Denn Putin sagte, Russland müsse noch 12 Kilometer bis zur Ringstraße von Sumy überwinden. Ende Juni hatte Putin jedoch gesagt, Russland müsse noch 10,5 Kilometer überwinden.

Dabei sagen Experten, dass Russland in Wirklichkeit 17 Kilometer von Sumy entfernt ist. Ganz zu schweigen davon, dass es in Sumy gar keine solche Ringstraße gibt. Nun, sie existiert nicht.

Aber darum geht es uns nicht. Es geht darum, dass Putin mit dieser Erzählung einräumt, dass die russische Armee nicht vorwärts, sondern rückwärts vorrückt. Wissen Sie, das ist so eine negative Offensive, wie man in der Russischen Föderation gerne sagt. Und Swjatohirsk, dessen Einnahme Putin verkündet hat, befindet sich nach Angaben aller Beobachter derzeit nicht unter der Kontrolle der russischen Armee. Sie befindet sich nicht besonders weit von der Stadt entfernt, etwa zehn Kilometer, aber diese zehn Kilometer kann man, wie Sie verstehen, auch in die entgegengesetzte Richtung zurücklegen.

Das war also eine erste Analyse von Putins Äußerungen. Danke, Freunde, dass Sie zugehört haben.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Нові заяви Путіна: головне | Віталій
Портников. 02.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 02.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Handelskrieg zwischen den USA und Kanada | Vitaly Portnikov. 23.08.2026.

Der kanadische Premierminister Mark Carney hat faktisch den Beginn eines Handelskrieges zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten eingeräumt, nachdem das geschehen war, was der kanadische Regierungschef als Angriff auf sein Land bezeichnete. Einen Angriff selbstverständlich vonseiten der Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump, nachdem der Verhandlungsprozess über ein Handelsabkommen zwischen Washington und Ottawa gescheitert war.

Die Verhandlungen dauerten ziemlich lange an, endeten jedoch ohne jedes Ergebnis, nachdem die Vereinigten Staaten und Kanada buchstäblich in den letzten Tagen vor dem endgültigen Abschluss der Arbeit an dem Dokument zu keiner Verständigung gelangen konnten.

Mark Carney behauptet, man habe in Ottawa einem Punkt des Abkommens nicht zugestimmt, dem zufolge Kanada keine neuen Wirtschaftsabkommen mit anderen Ländern hätte abschließen dürfen. Ein solcher Prozess hatte sich jedoch nur noch intensiviert, nachdem Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten geworden war und versucht hatte, einen Zollkrieg mit der gesamten Menschheit zu entfesseln.

Darüber hinaus waren ein weiterer Punkt – und das ist vielleicht der befremdlichste Moment im gesamten Verhandlungsprozess – die Forderungen der amerikanischen Delegation im Zusammenhang mit der Förderung der Rolle der französischen Sprache und Kultur in Kanada. Und das zeigt, dass sich das Wirtschaftsabkommen vor unseren Augen in ein politisches Abkommen zu verwandeln begann, das lediglich jene Werte bestätigen sollte, die Donald Trump selbst in den Vereinigten Staaten zu propagieren versucht – inzwischen weniger als Präsident denn als Anführer der Ultrakonservativen.

Damit ist die Mobilmachung für einen heißen Handelskrieg erfolgt. Trump kündigte die Einführung von Zöllen in Höhe von 50 Prozent auf kanadische Waren an, die in die Vereinigten Staaten gelangen. In Ottawa verspricht man, Gegenmaßnahmen vorzubereiten und auf diese Weise auf jeden Dollar zu reagieren, den die kanadische Wirtschaft infolge der Einführung neuer Zölle durch die Vereinigten Staaten verlieren wird.

Und es ist bereits offensichtlich, dass die Folgen dieses Handelskrieges sowohl für die amerikanische als auch für die kanadische Wirtschaft ziemlich schwerwiegend sein werden. Mehr noch: Sie werden auf die Zerstörung der einheitlichen nordamerikanischen Wirtschaft hinauslaufen, an deren Aufbau amerikanische Präsidenten und kanadische Premierminister viele Jahre gearbeitet haben und, was am wichtigsten ist, die arbeitenden Menschen in beiden Ländern Nordamerikas.

Und diese Zerstörung der nordamerikanischen Wirtschaft wird zu einem wichtigen Bestandteil des politischen und wirtschaftlichen Erbes Donald Trumps werden – eines Erbes wirtschaftlicher und möglicherweise auch politischer Ruinen, die wir am Ende der Amtszeit eines der hinsichtlich seiner zerstörerischen Folgen historisch bedeutendsten amerikanischen Präsidenten sehen werden.

Donald Trump spricht nicht selten gerade über dieses sein Erbe. Und wir sehen bereits die ersten Ergebnisse dessen, womit sich in den kommenden Jahren nicht nur die Amerikaner, sondern die ganze Welt auseinandersetzen müssen.

  • Eine dramatische Energiekrise, deren Voraussetzungen gerade jetzt in der Straße von Hormus geschaffen werden. Während die Vereinigten Staaten und Iran nicht einmal versuchen, zu irgendeiner wirklichen Einigung zu gelangen.
  • Eine dramatische Nahrungsmittelkrise, deren Voraussetzungen wir buchstäblich jetzt im Schwarzen Meer sehen. Während die Vereinigten Staaten nicht einmal versuchen, irgendwelche wirklichen Anstrengungen zu unternehmen, um Russland dazu zu zwingen, die Blockade der ukrainischen Häfen aufzugeben und damit Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass auch die russischen Häfen für den Transport der für die Länder des Globalen Südens so wichtigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse geöffnet werden.
  • Eine Krise der nordamerikanischen Wirtschaft.

Natürlich wird Kanada seine wirtschaftlichen Beziehungen neu ausrichten. Aber wichtig war hier gerade, dass die Wirtschaft auf dem gesamten Kontinent einen gemeinsamen Raum sowohl für Arbeit als auch für Kapital schuf und damit die Grundlagen für die Zukunft legte. Jetzt verstehen wir sehr gut, dass diese Grundlagen in jedem Fall – selbst wenn es gelingt, ein Handelsabkommen zu erreichen, oder selbst wenn es Donald Trumps Nachfolger gelingt, sich von dessen politischen und wirtschaftlichen Ansätzen abzuwenden – bereits für immer vom Geist des Misstrauens gegenüber der Politik der Vereinigten Staaten überschattet sein werden.

Und hier sehen wir einen weiteren wichtigen Bestandteil des Erbes von Donald Trump.

  • Den Bruch mit den Verbündeten.

Misstrauen gegenüber den Vereinigten Staaten und ihrer Politik in der gesamten zivilisierten Welt. Sowohl in Kanada als auch auf dem europäischen Kontinent, wo selbst eine solche ideologische Verbündete Trumps wie die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sagt, sie habe mit günstigeren Beziehungen zum amerikanischen Präsidenten gerechnet, also eingesteht, dass sie nicht verstanden hatte, dass sich Trumps Haltung gegenüber Europa durch gemeinsame ideologische Prioritäten keineswegs abmildern lassen würde – Prioritäten übrigens, das sei gleich gesagt, die sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für den europäischen Kontinent falsch sind.

Und das ist nur ein Teil jener Prozesse, die sich in den vergangenen anderthalb Jahren bereits vollzogen haben. Stellen Sie sich das Ausmaß der Ruinen und das Ausmaß der Prüfungen vor, die die Vereinigten Staaten und ihre Nachbarn, ihre – hoffentlich nicht ehemaligen – Verbündeten in den kommenden Jahren der Präsidentschaft Donald Trumps noch durchstehen müssen. Ich denke, das Ausmaß dieser Ruinen und die Folgen der politischen und wirtschaftlichen Katastrophe werden so beeindruckend sein, dass wir heute, da die Voraussetzungen für künftige Krisen und Prüfungen erst geschaffen werden, noch nicht einmal das ganze Ausmaß jenes wahrhaft antiken Dramas vorausahnen können, das eine der interessantesten und gefährlichsten Präsidentschaften in der Geschichte der Vereinigten Staaten und der ganzen Welt begleiten wird.

Der Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada ist nur der Anfang eines Prozesses ernsthafter Prüfungen und Folgen, die sich in der Welt, in der wir uns befinden, letztlich niemals vollständig werden überwinden lassen. Aber natürlich möchte man sowohl Kanada als auch den Vereinigten Staaten wünschen, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden, die mit diesem praktisch bereits begonnenen Handelskonflikt verbunden sind.


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Titel des Originals: Торговая война США и Канады | Виталий Портников. 23.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 23.08.2026.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Ukrainische Angriffe: der Zusammenbruch der russischen Landwirtschaft | Vitaly Portnikov. 17.08.2026.

Nach den Angriffen ukrainischer Drohnen auf russische Häfen könnte Russland seine Getreideexporte verlieren – und infolgedessen auch seine Landwirtschaft.

Im Hafen von Noworossijsk sind nach den jüngsten ukrainischen Angriffen alle drei Getreideterminals zum Stillstand gekommen, über die russische Exporte abgewickelt wurden, vor allem in die Länder des Globalen Südens. Auch der Betrieb des Terminals in Taman ist blockiert.

Und nun gibt es ein ernstes Problem für die Häfen am Asowschen Meer, darunter auch jene Häfen, die von der Russischen Föderation in der ersten Phase des großen Krieges gegen die Ukraine besetzt wurden. Über diese Häfen wurden früher rund 40 Prozent der russischen Agrarprodukte abgewickelt. Doch da eine Durchfahrt durch die Straße von Kertsch inzwischen nicht mehr möglich ist, haben sie ihre Bedeutung faktisch verloren.

Russland läuft Gefahr, enorme Deviseneinnahmen zu verlieren. Früher brachte der Getreideexport der Wirtschaft des Landes 15 Milliarden Dollar ein. Und natürlich floss all dieses Geld ohne größere Probleme in den Krieg. Denn anders als andere russische Produkte galt Getreide als wichtiger stabilisierender Faktor für den weltweiten Lebensmittelmarkt.

Doch die Probleme werden sich nicht auf diesen Markt beschränken. Auch die russischen Landwirte werden Probleme bekommen, weil ihnen faktisch die Möglichkeit genommen wird, die Erzeugnisse der neuen Ernte zu verkaufen. Natürlich wollen wir nicht verschweigen, dass die ukrainische Landwirtschaft derzeit mit ähnlichen Problemen konfrontiert ist. Denn die ukrainischen Angriffe auf russische Häfen erfolgten, nachdem die Russische Föderation beschlossen hatte, unsere Getreideexporte zu blockieren und selbst die informellen Vereinbarungen über die freie Schifffahrt im Schwarzen Meer endgültig zu beenden.

Nun gibt es für Russland einen einfachen Ausweg, wenn es seine Bedeutung als Agrarproduzent tatsächlich bewahren will. Es muss berücksichtigen, dass das Spiel mit der Zerstörung der landwirtschaftlichen Möglichkeiten von zwei Seiten gespielt werden kann, und nach Möglichkeiten suchen, sich auf die Wiederaufnahme der Schifffahrt zu verständigen. Bislang schließen russische Regierungsvertreter jedoch jede Möglichkeit eines partiellen Waffenstillstands aus und reagierten ablehnend auf eine entsprechende Initiative des türkischen Außenministers Fidan.

Ich möchte daran erinnern, dass Ankara seinerzeit der wichtigste Vermittler beim Abschluss des Getreideabkommens war, das Vertreter Russlands und der Ukraine jeweils separat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und dem Generalsekretär der Vereinten Nationen António Guterres vereinbarten. Darüber hinaus muss man verstehen, dass es viele gibt, die an einer Wiederaufnahme der Getreideexporte aus den Schwarzmeerhäfen sowohl der Ukraine als auch Russlands interessiert sind – darunter auch viele informelle wie formelle Verbündete Russlands.

Schon jetzt wird berichtet, dass etwa Indien gezwungen ist, seine Einfuhren von Sojaöl auf ein Rekordniveau zu steigern, weil auf dem Weltmarkt ein erheblicher Mangel an Sonnenblumenöl herrscht – gerade weil Russland die ukrainischen Häfen blockiert hat.

Und natürlich ist, wenn die Situation so bleibt, wie sie heute ist, auf den Märkten der Länder des Globalen Südens mit einer umfassenden Krise zu rechnen. Das bedeutet, dass die Welt, wenn nicht schon in diesem Jahr, dann 2028 mit einer ernsthaften Lebensmittelknappheit konfrontiert sein wird. Und die ersten Vorboten dieser Getreidekrise werden bereits 2027 zu spüren sein.

Zur Energiekrise, die daraus entstanden ist, dass der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump nicht verstanden hat, welche Folgen seine Angriffe auf das iranische Regime haben würden, wird also noch eine Lebensmittelkrise hinzukommen. Die kommenden zwei Jahre werden im Zeichen dieser beiden Krisen stehen. Und wenn es 2026 nicht gelingt, die Häfen wieder freizugeben und 2027 die Lage auf den Energie- und Lebensmittelmärkten zu stabilisieren, werden in der Welt nicht nur Kriege zwischen den Akteuren beginnen, die an einer Neuverteilung dieser Märkte interessiert sind, sondern auch Aufstände und Revolutionen in den Ländern des Globalen Südens. Diese werden natürlich zu einer massiven Migrationskrise für den kollektiven Westen führen.

Und glauben Sie mir: Kein Donald Trump wird in der Lage sein, diese Krise irgendwie aufzuhalten. Denn wenn es darum geht, dass Dutzende, wenn nicht Hunderte Millionen Menschen keine Nahrung haben, können keine Migrationsbehörden mehr ihren Aufgaben gerecht werden. Sie beginnen angesichts einer solchen unkontrollierbaren Entwicklung schlicht zurückzuweichen – gemeinsam mit den verängstigten Bewohnern der sogenannten Länder der „goldenen Milliarde“.

Und in dieser Situation verstehen wir sehr gut, wo ein Teil der Schlüssel dafür liegt, eine derart umfassende Krise, die man als Energie- und Lebensmittel-Tsunami bezeichnen könnte, in den kommenden Monaten zumindest teilweise zu bewältigen.

Das Erste, was getan werden muss, ist, Russland dazu zu zwingen, die ukrainischen Häfen wieder zu öffnen. Danach kann man darüber sprechen, dass auch die ukrainischen Angriffe auf russische Häfen wie Noworossijsk reduziert werden könnten – zumindest soweit es um Getreideterminals und Terminals geht, die den Interessen des Kaspischen Pipeline-Konsortiums dienen. Daran sind, wie wir wissen, die Vereinigten Staaten interessiert – genauer gesagt Präsident Trump persönlich, der seine eigenen Beziehungen zu amerikanischen Investoren im kasachischen Energiesektor unterhält.

Dann kann man darauf hoffen, dass sich die Lage auf dem Getreidemarkt zumindest in den kommenden Monaten verbessern und verhindert werden kann, dass die Voraussetzungen für eine massive Krise entstehen, aus der es, glauben Sie mir, keinen Ausweg mehr geben wird – ganz gleich, was die Staats- und Regierungschefs Nordamerikas und Europas darüber denken mögen.

Dafür muss jedoch der Druck auf den russischen Präsidenten Putin und sein Umfeld verstärkt und ihnen klargemacht werden, dass die Russen im Grunde bereits begonnen haben, an dem Ast zu sägen, auf dem sie seit dem denkwürdigen Jahr 2000 sitzen. Nur wird nicht allein Putin vom Baum stürzen, sondern mit ihm die gesamte Weltwirtschaft und jene Stabilität, die mit der Bedeutung sowohl der Ukraine als auch Russlands für den globalen Lebensmittelmarkt verbunden ist.

Und dann wird der russisch-ukrainische Krieg einen völlig anderen Charakter annehmen: den einer globalen Prüfung, aus der es für Millionen von Menschen, die in zahlreichen Ländern der Welt Hunger leiden werden, keinen Ausweg geben wird.


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Titel des Originals: Українські удари: крах російських аграріїв | Віталій Портников. 17.08.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 17.08.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Russland verliert den Abnutzungskrieg | Vitaly Portnikov. 16.08.2026.

Russland kann den Abnutzungskrieg verlieren, und seine führenden Ökonomen erkennen das an, während der Kreml davon nichts hören will. So lässt sich die Nachricht kommentieren, die heute praktisch den ganzen Tag in den Medien diskutiert wurde: die Entlassung des Chefökonomen der russischen Vnesheconombank, Andrei Klepach.

Auf den ersten Blick keine besonders bedeutende Position und keine besonders bedeutende Persönlichkeit, doch es geht um einen der bekanntesten russischen Ökonomen und um die Gründe für seine Entlassung. Russische oppositionelle Medien betonen, dass die Führung der Vnesheconombank gezwungen war, sich von Klepach zu trennen, gegen den es keinerlei dienstliche Beanstandungen gab, und zwar wegen seines jüngsten Auftritts, in dem er die Lage der russischen Wirtschaft beschrieb.

Klepach betonte, dass Russland den wirtschaftlichen Abnutzungskrieg verliert, dass es im Wettbewerb mit dem Westen nicht konkurrenzfähig ist und dass selbst die ukrainische Wirtschaft trotz der Angriffe auf ihre wichtigen Einrichtungen und trotz der demografischen Probleme besser überlebt, als man es in der Russischen Föderation erwarten konnte. Und gerade dieser Auftritt mit seinen düsteren Prognosen für die Zukunft der russischen Wirtschaft wurde zum Grund für die Entlassung des bekannten Ökonomen mit seiner relativ unabhängigen Position.

Das bedeutet, dass die Taktik, die die Ukraine heute im Bündnis mit dem Westen gewählt hat, im Hinblick auf die Suche nach Wegen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges richtig ist. Einerseits sehen wir tatsächlich, dass die russische politische Führung unter Putin nicht einmal daran denken will, den Krieg auf diese Weise zu beenden und die diplomatischen Bemühungen wieder aufzunehmen. Dass keinerlei Vorschläge zur Beendigung des Krieges Putins Haltung beeinflussen, der weiterhin darauf hofft, noch mehr ukrainisches Territorium zu erobern und die Wirtschaft unseres Landes zu zerstören.

Andererseits zeigt Russland immer wieder, dass es mit der zivilisierten Welt nicht konkurrieren kann, dass es die westlichen Sanktionen natürlich ignorieren kann, diese sich aber sowohl auf seine Realwirtschaft als auch auf sein Finanzsystem auswirken, dass die russischen Ressourcen ohne den westlichen Markt dazu verurteilt sind, ihre Rolle als wichtigstes Instrument zur Auffüllung des russischen Staatshaushalts zu verlieren. Und vor allem hilft Russlands Abhängigkeit von den Ländern des Globalen Südens, in erster Linie von der Volksrepublik China, nicht dabei, die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Russischen Föderation auszubauen, denn China ist gerade nicht daran interessiert, dass Russland überlebt. China ist sowohl an einer Schwächung des Westens als auch an einer Schwächung Russlands interessiert.

Aus der Perspektive Pekings kann Russland in dieser Situation schlicht wie ein politischer Satellit und wirtschaftliches Anhängsel der Volksrepublik China erscheinen. Wir verstehen sehr gut, dass Moskau im Wettbewerb der Volkswirtschaften nicht nur gegen Peking, sondern auch gegen den Westen verliert, nicht nur gegen Neu-Delhi, sondern gegen den gesamten Globalen Süden. Und wenn russische Ökonomen versuchen, ihre eigene Führung darauf aufmerksam zu machen, versucht man ihnen, wie wir sehen, wenn schon nicht die Möglichkeit zu öffentlichen Auftritten zu nehmen, dann zumindest jene Ämter, die es erlauben würden, solche Äußerungen mit einer offiziellen Position in Verbindung zu bringen.

Gerade deshalb sind die sogenannten Systemliberalen im Umfeld des russischen Präsidenten Putin mit ihren Prognosen so vorsichtig, obwohl auch ihre Auftritte auf den jüngsten russischen Wirtschaftsforen keineswegs von Optimismus geprägt waren. Diese Menschen verstehen sehr gut, dass Putin versucht, einen Krieg entgegen den wirtschaftlichen Realitäten zu führen, und sorgen sich deshalb um den Erhalt ihrer Ämter. Und die jetzige Entlassung eines Ökonomen, der bis zu diesem Zeitpunkt nur wenigen bekannt war, hat gezeigt, dass tatsächlich jede Meinung verfolgt wird, die von der allgemeinen optimistischen Haltung der russischen Führung abweicht, selbst wenn es um Menschen geht, die weiterhin Teil der Putin-Elite sind.

Wir können also mit Sicherheit sagen, dass Putin Russland mit seiner Kurzsichtigkeit und seinem mangelnden wirtschaftlichen Weitblick auf genau jenen wirtschaftlichen Abgrund zutreibt, den wir so dringend brauchen, damit der russisch-ukrainische Krieg endet. Denn ein anderes Mittel als den wirtschaftlichen Zusammenbruch Russlands, die Verarmung der russischen Bevölkerung und das Fehlen der Ressourcen für den weiteren Betrieb der russischen Kriegsmaschinerie gibt es schlicht nicht.

Natürlich schließt dies auch die Probleme der Ukraine nicht aus. Aber die Ukraine hat den offensichtlichen Vorteil, dass wir erstens nie in einem Zustand einer paternalistischen Wirtschaft wie in Russland gelebt haben und unsere Gesellschaft weitaus mehr Eigeninitiative zeigt als die Gesellschaft der Russischen Föderation, wo es eher eine Fassade der Marktwirtschaft gab, hinter der sich staatliche Mechanismen verbargen. Und zweitens profitieren wir von den Interessen und Möglichkeiten der zivilisierten Welt, die nicht nur die Notwendigkeit einer Niederlage Russlands in diesem Krieg versteht, sondern auch die Notwendigkeit des Wiederaufbaus der Ukraine. Auch das ist ein wichtiger Punkt für jeden, der sich der Lage im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung jener Ereignisse bewusst ist, die heute im russisch-ukrainischen Krieg von entscheidender Bedeutung sind.

Auch das ist ein wichtiger Punkt, an den man denken muss, wenn wir über die weitere Entwicklung in der Konfrontation zwischen Russland und der Ukraine sprechen. Er ist auch deshalb wichtig, weil diese Konfrontation die Möglichkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung verdeutlicht – sowohl jene, die mit den Möglichkeiten der westlichen Volkswirtschaften verbunden sind, als auch jene der Wirtschaft der Russischen Föderation. Und die Wirtschaft der Russischen Föderation verliert, wie es bereits zu Sowjetzeiten wiederholt der Fall war, ganz offensichtlich gegen die wirtschaftlichen Möglichkeiten der zivilisierten Welt.

Das sowjetische Szenario des Niedergangs wiederholt sich. Und es ist sehr erstaunlich, dass Putin, der seine Karriere in den letzten Jahren der Sowjetunion machte, später sogar stellvertretender Bürgermeister von St. Petersburg war und eigentlich verstehen müsste, wie Marktmechanismen funktionieren, erneut in dieselbe Falle gerät, in die vor ihm schon die Führer der Sowjetunion geraten waren. 

Offenbar begreift er nicht, dass es nicht genügt, sein Land zur Marktwirtschaft zu erklären. Dieses Land muss tatsächlich Teil des weltweiten Wirtschaftsgefüges sein und darf sich nicht einfach nur an China orientieren. Und seine Bürger sollten nicht damit beschäftigt sein, unter den Bedingungen von Explosionen in Wildberries-Lagern um ihr eigenes Überleben zu kämpfen, sondern Teil der weiteren Entwicklung der wirtschaftlichen Prozesse in der Welt sein und in ihrem eigenen Land Eigeninitiative entfalten können, anstatt zu Kanonenfutter für Putins Krieg gemacht zu werden.


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Titel des Originals: Росія програє війну на винищення | Віталій Портников. 16.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 16.08.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach, veröffentlicht auf uebersetzungenzuukraine.data.blog.


Die Ukraine setzt die Zerstörung russischer Raffinerien fort | Vitaly Portnikov. 08.08.2026.

Die Ölraffinerie Syzran in der Region Samara sowie die Ölraffinerie Ilsky im Krasnodarer Gebiet wurden heute von ukrainischen Drohnen angegriffen.

Damit lässt sich feststellen, dass die Ukraine ihre systematischen Bemühungen zur Zerstörung der russischen Erdölverarbeitungsindustrie fortsetzt. Dies bleibt – ebenso wie die Angriffe auf russische Marktplätze und die Versuche, den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation außer Gefecht zu setzen – nahezu der einzige Weg, den russisch-ukrainischen Krieg in den kommenden Jahren zumindest auszusetzen oder sogar zu beenden.

Meiner Ansicht nach ist inzwischen offensichtlich geworden, dass die diplomatischen Bemühungen, die nach der Rückkehr Donald Trumps ins Oval Office erneut aufgenommen wurden, mit einem vorhersehbaren Fiasko geendet haben. Der russische Präsident will den russisch-ukrainischen Krieg erst dann beenden, wenn die ukrainische Staatlichkeit zerstört und der größte Teil der Bevölkerung der Ukraine aus den angestammten Siedlungsgebieten der Ukrainer vertrieben worden ist. Sämtliche diplomatischen Prozesse und Verhandlungen werden von Putin genutzt, um die Kampfhandlungen fortzusetzen und Zeit zu gewinnen – vermutlich bis zum Ende der Amtszeit Donald Trumps im Weißen Haus.

Damit liegt die Frage, wie und wann der russisch-ukrainische Krieg enden soll, genau im Bereich ukrainischer Angriffe auf die russische Wirtschaft – auf Ölraffinerien, auf Marktplätze und vor allem auf Betriebe des militärisch-industriellen Komplexes. Im Grunde geht es also um dieselben weitreichenden Sanktionen, die sich in der Praxis als weitaus wirksamer erweisen als die vom Westen verhängten Sanktionen.

Denn in den Jahren dieses Krieges sind wir noch zu einer weiteren wichtigen Erkenntnis gelangt. Es gibt in der Welt zwei wirtschaftliche Pole, die erbittert um die Führungsrolle konkurrieren. Die Sanktionen der Vereinigten Staaten, Donald Trumps Zölle, die Entscheidungen der Europäer zur Blockierung russischer Vermögenswerte – all diese wichtigen Maßnahmen funktionieren nicht und werden auch künftig nicht funktionieren, weil Russland ein organischer Bestandteil der Wirtschaften der Länder des Globalen Südens ist. Länder, die westliche Vorstellungen von Werten und internationalem Recht überhaupt nicht teilen. Länder, die jedes Handeln Amerikas und Europas als Diktat betrachten. Länder, die nicht nur die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation fortsetzen wollen, sondern Russland auch nicht fallen lassen möchten, weil ein Zusammenbruch Russlands für diese Staaten einen Sieg des Westens bedeuten würde. Und genau das können diese Staaten – allen voran natürlich die Volksrepublik China, in der weiterhin ein kommunistisches Regime herrscht – nicht zulassen.

So kann der Westen auf russisches Öl und russisches Gas verzichten und russische Vermögenswerte blockieren, während gleichzeitig die Volksrepublik China, Indien und andere Länder des Globalen Südens weiterhin russisches Öl und russisches Gas kaufen und darauf sogar noch stolz sind.

Erst vor Kurzem habe ich eine Äußerung des Energieministers der Republik Türkei gesehen, dessen Nachname – Bayraktar – ich als durchaus bezeichnend bezeichnen würde. Er warf den Europäern vor, auf die Gaslieferungen über Nord Stream verzichtet zu haben, und sprach von der Weisheit der türkischen Politik, die auf dem Ausbau von TurkStream und der Fortsetzung der Öl- und Gaslieferungen aus der Russischen Föderation für die Bedürfnisse der türkischen Wirtschaft beruhe. Und wie wir sehen, kümmert es keinen einzigen Regierungsvertreter in Ankara – angefangen natürlich beim Präsidenten des Landes, Recep Tayyip Erdoğan –, dass türkisches Geld vom Präsidenten der Russischen Föderation für die Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine verwendet wird.

Es stellt sich heraus, dass man gleichzeitig russisches Öl und russisches Gas kaufen, den russischen Staatshaushalt finanzieren und lautstark die territoriale Integrität der Ukraine sowie die Notwendigkeit eines Kriegsendes unterstützen kann – obwohl man genau weiß, dass solche Erklärungen in Moskau niemanden interessieren, während sich buchstäblich jeder dort für das türkische Geld interessiert, das für russisches Öl und Gas gezahlt wird.

Und genau eine solche Politik verfolgen praktisch alle Länder des Globalen Südens. Natürlich lässt sich der türkische Beitrag zu dem finanziellen Polster Russlands, das Putin hilft, den Krieg fortzusetzen, nicht einmal annähernd mit dem chinesischen Beitrag vergleichen.     

Den Zollkrieg gegen die Volksrepublik China hat Donald Trump, so kann man sagen, in Rekordzeit verloren. Deshalb könnte selbst das Lindsey-Graham-Gesetz, das vom amerikanischen Senat verabschiedet wurde und offensichtlich für ein tatsächliches Vorgehen der Vereinigten Staaten gegenüber den Ländern des Globalen Südens von erheblicher Bedeutung ist, keinerlei Rolle bei der Fortsetzung der Käufe russischen Öls spielen, weil der amerikanische Präsident sich möglicherweise nicht dazu entschließen wird, neue Zölle gegen die Volksrepublik China zu verhängen.

Was also tun in dieser Situation wirtschaftlicher Ausweglosigkeit? Den Ausweg finden, den die Ukraine bereits gefunden hat.

Die Zerstörung der Ölraffinerien der Russischen Föderation führt dazu, dass mehr Rohöl für den Binnenmarkt bereitgestellt werden muss – doch es gibt keine Kapazitäten mehr, dieses Öl zu verarbeiten. Soll man es stattdessen über den Seeweg exportieren und hoffen, ausländische Käufer zu finden? Doch deren Zahl wird immer kleiner, weil – mit Ausnahme Chinas – alle anderen vermeiden müssen, amerikanische Sanktionen zu riskieren, die heute vielleicht noch unrealistisch erscheinen, künftig aber durchaus möglich sind. Und wenn sich herausstellt, dass das Öl weder verarbeitet noch verkauft werden kann, bleibt nichts anderes übrig, als die Förderquellen stillzulegen. Genau das ist der Weg zur Degradierung der russischen Erdölindustrie, zur Schließung der Tankstelle. 

Der andere Weg sind Angriffe auf Marktplätze, die Unternehmen in der Russischen Föderation zerstören und die Zahl derjenigen verringern, die tatsächlich auf eine weitere wirtschaftliche Entwicklung und damit auf neue Steuereinnahmen für den russischen Staatshaushalt hoffen können. Auch das schafft Probleme für die Zukunft, denn ein Krieg kostet gewaltige Summen.

Und noch ein weiterer wichtiger Weg – neben diesen beiden – ist tatsächlich der Versuch, Abschussanlagen für ballistische Raketen zu zerstören. Ich würde zudem darüber nachdenken, die Fabriken zu zerstören, in denen diese ballistischen Raketen hergestellt werden.

Genau auf diesen Feldern kann man nach einem Weg suchen, diesen endlosen Krieg auszusetzen und vielleicht in den kommenden Jahren sogar zu beenden. Ohne Angriffe auf Russland wird dieser Krieg noch viele schwierige Jahre andauern.


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Titel des Originals: Україна продовжує знищувати НПЗ |Віталій Портников. 08.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 08.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Die Ukraine gibt Wildberries den Rest | Vitaly Portnikov. 02.08.2026.

In Russland brennt ein weiteres Logistikzentrum des Marktplatzes Wildberries. Diesmal im Ort Nowosemeikino in der Region Samara.

Es ist nur eines der Objekte, die in der vergangenen Nacht von den ukrainischen Verteidigungskräften getroffen wurden. Berichtet wurde außerdem über Probleme in einer Ölraffinerie in der Region Saratow der Russischen Föderation sowie über einen Brand auf dem Flugplatz Engels, den die russische Luftwaffe für Angriffe auf die Ukraine nutzt.

Obwohl der Marktplatz Wildberries formal kein militärisches Objekt ist und auch nicht mit dem russischen Ölraffineriesektor zusammenhängt, ist er dennoch möglicherweise eines der wichtigsten Objekte, die der russischen Wirtschaft helfen, unter den Bedingungen der Sanktionen zu funktionieren – und Putin dabei helfen, den Krieg fortzusetzen.

Man muss sich bewusst machen, dass Russland, wenn es Angriffe auf die Ukraine verübt, die es als Vergeltungsschläge bezeichnet – etwa gegen Lager von Nowa Poshta oder Rozetka, obwohl diese Angriffe lange vor den Schlägen gegen Wildberries-Marktplätze begannen –, diesen Unternehmen, den Menschen, die auf ihre Lieferungen warten, und letztlich der ukrainischen Wirtschaft als Ganzem zwar reale Probleme bereitet. Doch es sind keine Angriffe, die die ukrainische Wirtschaft so erschöpfen würden, dass wir der russischen Aggression nicht mehr widerstehen könnten.

Warum? Weil die ukrainische Wirtschaft eine Wirtschaft ist, die mithilfe westlicher Unterstützung künstlich am Leben erhalten wird. Wir verstehen sehr gut, dass die Ukraine ohne diese westliche Hilfe schon seit vielen Jahren nicht mehr in der Lage wäre, der russischen Aggression standzuhalten.

Erinnern wir uns daran, wie verheerend die russischen Angriffe auf unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten bereits im Jahr 2022 waren. Inzwischen schreiben wir das Jahr 2026. Und niemand hat Zweifel daran, dass die Ukraine auch im kommenden Jahr 2027 wirtschaftlich in der Lage sein wird, den Folgen der russischen Aggression entgegenzutreten, weil die Unterstützung unseres Landes durch die Staaten der Europäischen Union bereits beschlossen wurde. Und ich habe keinerlei Zweifel daran, dass diese Hilfe – falls erforderlich – auch in den folgenden Kriegsjahren fortgesetzt werden wird.

Russland befindet sich hingegen in einer anderen wirtschaftlichen Lage, in der die Marktplätze von Wildberries gewissermaßen die Lungen der russischen Sanktionswirtschaft darstellen – einer wirtschaftlichen Entwicklung, die Putin erlaubt, in die Zukunft zu blicken und den Krieg für die kommenden Jahre zu planen.

Denn unter Bedingungen, in denen Zahlungen nicht mehr auf zivilisierte Weise abgewickelt werden können und die westlichen Sanktionen die Tätigkeit russischer Banken als klassische Finanzinstitute praktisch zum Erliegen gebracht haben, übernehmen gerade die Marktplätze die Rolle von Stabilisatoren der wirtschaftlichen Entwicklung der Russischen Föderation. Zugleich schaffen sie jenes notwendige Steuerpolster, das es der russischen Führung ermöglicht, enorme Militärhaushalte zu planen und sicher zu sein, dass die russische Armee auch weiterhin über die notwendigen Mittel aus dem Staatshaushalt verfügen wird, um ihre Aggression gegen die Ukraine fortzusetzen, und dass ihre Entwicklung auch in den kommenden Jahren oberste Priorität behalten wird.

Wenn es aber kein Geld gibt, wird es auch diese Möglichkeiten für die Armee nicht geben. Wer behauptet, Putin werde das Geld für den Krieg auf jeden Fall finden, weil er dafür die soziale Stabilität der einfachen Russen opfern werde, irrt sich schlicht deshalb, weil das Geld für den Krieg tatsächlich erst einmal vorhanden sein muss.

Das bedeutet: Die russische Wirtschaft muss auf ein Niveau gebracht werden, auf dem weder Geld für das Überleben des gewöhnlichen Russen vorhanden ist – der für die Staatsführung ohnehin uninteressant wird, weil er keine Steuern mehr zahlt, sondern sich in einen gewöhnlichen Bettler verwandelt – noch Geld für die russische Armee und ihre Aggressionen. Genau das könnte Russland tatsächlich daran hindern, seine Aggression gegen die Ukraine sowie seine aggressiven Pläne gegenüber anderen Nachbarstaaten fortzusetzen.

Wir wissen, dass diese Pläne – Putins Pläne für einen langen Krieg – auf seinem Schreibtisch liegen. Und genau in diesen Minuten, während Sie diese Analyse ansehen oder anhören, denkt er darüber nach, wie sich der russisch-ukrainische Krieg auf die Staaten Mittel- und Osteuropas sowie auf die baltischen Länder ausweiten lässt. Welches Land wird als Nächstes in die dunkle Finsternis eines russischen Angriffs stürzen?

Doch ohne Geld gibt es keinen Krieg. In die Sprache der heutigen russischen Politik übersetzt bedeutet das: Es gibt keinen Krieg ohne das Geld von Wildberries. Es gibt keinen Krieg ohne das Geld anderer russischer Marktplätze, die – so hoffe ich – in den kommenden Monaten der erbitterten und verzweifelten russisch-ukrainischen Auseinandersetzung ebenfalls zerstört werden.

Wie sich herausgestellt hat – und das ist eine unangenehme Überraschung für die Bürger der Russischen Föderation ebenso wie für ihre terroristische Führung –, kann ein Abnutzungskrieg von beiden Seiten geführt werden. Und Russland wird diesen Abnutzungskrieg nicht als starker Staat verlassen, der zuversichtlich in die Zukunft blickt.

Mehr noch: Man kann sagen, dass es für die Russische Föderation überhaupt keine Zukunft geben wird, wenn sie den Krieg gegen unser Land fortsetzt. Es werden lediglich Erinnerungen an die Vergangenheit bleiben, als die Russen unter Putin besser lebten als unter jedem anderen ihrer wahnsinnigen Herrscher. 

Und es wird die Frage bleiben, an welchem Punkt Russland den falschen Weg eingeschlagen und sich in einen Staat der Ruinen, der Probleme und der offensichtlichen Ausweglosigkeit für den überwiegenden Teil seiner chauvinistisch gesinnten Bevölkerung verwandelt hat.

Und wir werden genau wissen, wann Russland den falschen Weg eingeschlagen hat: In dem Moment, als in den Köpfen seiner Machthaber die Idee entstand, die Staatlichkeit innerhalb der Grenzen der erbärmlichen Sowjetunion wiederherstellen zu können. In dem Moment, als die Entscheidung getroffen wurde, dass Russland ohne das ukrainische Territorium, ohne die Rückkehr zu den Grenzen von 1991 in Europa, seine Rolle als geopolitischer Akteur nicht zurückgewinnen und den Vereinigten Staaten von Amerika und der Volksrepublik China nicht auf Augenhöhe begegnen könne – jenen beiden Mächten, die sich auf den Kampf um das Monopol auf politischen Einfluss und wirtschaftliche Möglichkeiten in unserer komplizierten Welt des 21. Jahrhunderts vorbereiten.

Russland wollte an diesem erbitterten Kampf unbedingt teilnehmen, dass es damit letztlich seine eigene, für niemanden notwendige Existenz infrage gestellt hat. Und der Krieg gegen unser Land wird für die Russen zu jenem Ausgangspunkt werden, von dem an nur noch der Abstieg in einen historischen, politischen und sozialen Abgrund beginnt, aus dem sie sich noch viele, viele schwierige Jahrzehnte lang nicht befreien werden können.


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Titel des Originals: Україна добиває Wildberries | Віталій
Портников. 02.08.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 02.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Zelenskys Interview: Das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 26.07.2026.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky erläuterte in einem Gespräch mit dem britischen Fernsehsender Sky News die Ernennungen und Entlassungen der vergangenen Wochen.

Viele meiner Kollegen konzentrieren sich derzeit vor allem auf Volodymyr Zelenskys Worte über den schweren Winter, den die Ukrainer werden überstehen müssen, und darauf, dass sich nur wenige das Ausmaß der möglichen Probleme vorstellen könnten. Ich möchte jedoch daran erinnern, dass der Präsident weniger über einen schweren Winter sprach, als vielmehr die Notwendigkeit erklärte, den Ministerpräsidenten und die ukrainische Regierung auszuwechseln. Wenn der Winter sehr schwer werden kann, muss an der Spitze der Regierung ein Mensch stehen, der sich des Ausmaßes der Probleme bewusst und in der Lage ist, sie gerade aus energiepolitischer Sicht zu lösen.

Nun, meiner Ansicht nach wäre es besser, wenn ein erfahrener Fachmann, der das Ausmaß der Probleme versteht und an der Spitze des Unternehmens Naftogaz der Ukraine steht, zumindest bis zum Winter dort bliebe und auf diese Weise die einwandfreie Arbeit dieses Unternehmens sicherstellte. Aber natürlich ist das ein Diskussionsthema, das man gerade zu dem Zeitpunkt hätte erörtern sollen, als Serhij Korezkyj zum neuen Ministerpräsidenten der Ukraine ernannt wurde.

Ganz zu schweigen davon, dass die Frage, wer den Ministerpräsidenten vorschlagen soll, außerhalb der Befugnisse des amtierenden Staatsoberhaupts liegt – ebenso wie außerhalb der Befugnisse jedes anderen Präsidenten, der zu einer Zeit gewählt wurde, als die Ukraine zu einer parlamentarisch-präsidentiellen Republik geworden war.

Der Leiter der Koalition in der Werchowna Rada, also der Vorsitzende der Partei „Diener des Volkes“, müsste uns erklären, dass beschlossen wurde, die Regierung auszuwechseln, weil der Ukraine ein schwerer Winter bevorsteht und die Abgeordneten zu dem Schluss gekommen sind, dass ein Energiefachmann an der Spitze der Regierung in der entstandenen Situation geeigneter wäre. 

Aber natürlich ist das ein Thema, das wir seit 2019 diskutieren, als Volodymyr Zelensky unter Ausnutzung der Tatsache, dass in der Werchowna Rada eine sogenannte Monomehrheit aus Vertretern der Präsidentenpartei gebildet worden war, sowohl die Entlassung als auch die Ernennung der ukrainischen Ministerpräsidenten und Regierungen an sich zog – noch einmal zur Erinnerung: eine Funktion, die in keiner Weise mit der in der Ukraine geltenden Verfassung verbunden ist.

Der Präsident der Ukraine hat jedoch offenkundige Rechte und Pflichten. Sie hängen damit zusammen, der Koalition und dem Parlament einen Kandidaten für das Amt des Verteidigungsministers vorzuschlagen und auf Vorschlag dieses Ministers den Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine zu ernennen. Und auch hier erläutert Zelensky seine Schritte.

Erneut achten viele meiner Kollegen und ukrainische Bürger derzeit darauf, dass der Präsident über die Notwendigkeit der Mobilisierung gesprochen hat und darüber, dass eine ineffektive Mobilisierung zur Besetzung weiterer ukrainischer Gebiete führen könnte. Doch auch diese These war in erster Linie nicht mit einer Charakterisierung des Prozesses selbst verbunden, sondern mit Zelenskys Versuch, die Entlassung des Verteidigungsministers Mychajlo Fedorov und des Oberbefehlshabers der Streitkräfte der Ukraine, General Oleksandr Syrsky, zu erklären.

Zelensky betonte, dass zwischen den beiden Amtsträgern ein Konflikt bestehe und dass er einfach keine Zeit habe, mit jedem von ihnen zu sprechen, während sie sich unter den gegebenen Bedingungen eigentlich jede Stunde treffen müssten, um zu entscheiden, wie der ukrainische Luftraum geschützt werden könne.

Nun, bei dieser Aussage stellt sich bereits eine gewisse Frage. Wenn der Präsident der Ukraine seinen Landsleuten gegenüber die unmittelbare Verpflichtung hat, sich gerade mit der Verteidigungs- und Außenpolitik des Landes zu befassen, und ihm die Zeit für Treffen mit dem Verteidigungsminister fehlt, den er selbst vorgeschlagen hat, sowie mit dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, den er selbst ernannt hat, stellt sich die Frage, wofür der Präsident dann überhaupt Zeit hat. 

Vielleicht sollte sich das Staatsoberhaupt gerade auf die Verteidigung und die Außenpolitik konzentrieren und dem Ministerpräsidenten der Ukraine und dem Parlament die Möglichkeit geben, sich mit der Führung des Landes, der Vorbereitung auf den Winter, wirtschaftlichen Fragen und all dem zu befassen, was in die Zuständigkeit des Ministerpräsidenten fällt. Denn nach unserer Verfassung muss im Grunde er die operative Führung des Staates ausüben – mit Ausnahme der Verteidigung und der Außenpolitik der Ukraine.

Dann hätte der Präsident der Ukraine genügend Zeit, mit dem Verteidigungsminister und dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte zu sprechen und Wege zu finden, um die Meinungsverschiedenheiten zu überwinden, die zwischen zwei Menschen bestehen können, die die Probleme der Beschaffung für die Armee und des Funktionierens der Armee selbst unterschiedlich betrachten. Umso mehr, wenn der Präsident sagt, der Verteidigungsminister und der Oberbefehlshaber der Streitkräfte müssten sich beinahe jede Stunde treffen, um den ukrainischen Luftraum zu schützen.

Nun, auch in dieser Aussage liegt, wie wir verstehen, eine gewisse Weigerung, die Tatsache zur Kenntnis zu nehmen, dass es ohne eine ausreichende Zahl von Raketen für die Patriot-Batterien oder ohne die Aufnahme einer eigenen Produktion von Abfangraketen – was natürlich nur langfristig möglich wäre – gegenwärtig technisch unmöglich erscheint, den ukrainischen Luftraum vor den ballistischen Angriffen des Feindes zu schützen.

Selbst die Vereinigten Staaten sind mit ihren Batterien derzeit gezwungen, ihre Operationen gegen den Iran einzustellen, weil ihnen die Abfangraketen ausgehen könnten, mit denen sie ihre eigenen Militärstützpunkte sowie strategische Einrichtungen verbündeter Länder schützen könnten.

Und wenn wir aus dieser Perspektive über die Suche nach Raketen für jene Patriot-Batterien sprechen, die der Ukraine in den Jahren des großen Krieges bereits übergeben wurden, dann ist es die Aufgabe des Präsidenten als Koordinator der Außenpolitik, mit den Verbündeten Vereinbarungen über die Lieferung zusätzlicher Abfangraketen für jene Systeme zu erzielen, die sich im Bestand der Streitkräfte der Ukraine befinden.

Dadurch, dass sich der Verteidigungsminister und der Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine deswegen stündlich treffen, wird sich die Situation nicht wesentlich verändern. Durch Treffen des Präsidenten mit seinen Amtskollegen kann sich die Situation hingegen verändern. Und wir müssen dem Präsidenten für die kommenden Jahre aufrichtig Erfolg dabei wünschen, die Luftverteidigung der Ukraine in einem langwierigen Abnutzungskrieg sicherzustellen.

Doch erneut gilt: Weshalb der Präsident es in dieser Situation für notwendig hielt, sowohl den Verteidigungsminister als auch den Oberbefehlshaber der Streitkräfte zu entlassen, und weshalb er anschließend darauf verzichtete, den früheren Verteidigungsminister wieder einzusetzen, falls dieser einen Konflikt mit dem Oberbefehlshaber hatte und dies der einzige Grund für seine Entlassung gewesen sein sollte – das konnte Volodymyr Zelensky den Journalisten von Sky News selbstverständlich nicht erklären.

Und das Wichtigste ist meiner Ansicht nach: Derartige Erklärungen zu Personalentscheidungen, selbst zu solchen, die über die Grenzen der verfassungsmäßigen Befugnisse des amtierenden Staatsoberhaupts hinausgehen, sollten meines Erachtens nicht britischen, sondern ukrainischen Journalisten gegeben werden. Und nicht in Gesprächen über Messenger, bei denen ausgewählte Journalisten dem Staatsoberhaupt Fragen stellen und anschließend Audioantworten erhalten, sondern in einem scharfen und ehrlichen Gespräch über die Lage in der Ukraine, über Personalentscheidungen und nicht erfolgte Ernennungen sowie über die Perspektiven des russisch-ukrainischen Krieges in den kommenden schwierigen Jahren. Umso mehr, als inzwischen auch der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky selbst – wenn auch in einem Interview mit britischen Journalisten – einzuräumen beginnt, dass diese Jahre sehr schwierig und zermürbend werden könnten.


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Titel des Originals: Інтервʼю Зеленського: головне | Віталій Портников. 26.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 26.07.2026.
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Trump stoppt die Ukraine | Vitaly Portnikov. 25.07.2026.

Die Regierung des Weißen Hauses hat die ukrainische Führung im Vorfeld des Treffens von Präsident Donald Trump mit seinem ukrainischen Amtskollegen Volodymyr Zelensky in den Vereinigten Staaten davor gewarnt, im Schwarzen Meer Tanker anzugreifen, die nicht der Russischen Föderation gehören.

Diese Warnung erfolgte, nachdem sich herausgestellt hatte, dass eines der durch einen ukrainischen Angriff beschädigten Tankschiffe mit dem Kaspischen Pipeline-Konsortium verbunden war, dessen Pipeline bekanntlich direkt in der Bucht des Hafens von Noworossijsk endet. Einer der wichtigsten Investoren im kasachischen Energiesektor ist bekanntlich das amerikanische Unternehmen Chevron. Dessen Führung könnte befürchten, dass weitere ukrainische Angriffe die Lieferungen von Erdöl und anderen Gütern aus Kasachstan gefährden und damit Probleme für die Investitionen von Chevron schaffen würden.

Der Vorstandsvorsitzende von Chevron, Mike Wirth, der für seine guten Beziehungen zu Donald Trump bekannt ist, besuchte in diesen Tagen das Weiße Haus und führte gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Gespräche mit Vertretern der amerikanischen Regierung, unter denen sich selbstverständlich auch der Präsident der Vereinigten Staaten selbst befunden haben könnte. Nach Informationen des Wall Street Journal erfolgte die amerikanische Warnung unmittelbar nach diesem Besuch des Chevron-Chefs bei der Führung der Vereinigten Staaten. Sie zeigte erneut, dass Donald Trump, wenn es um die Suche nach Wegen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges einerseits und um die Interessen von Geschäftsleuten aus seinem engsten Umfeld andererseits geht, naturgemäß den Interessen der Wirtschaft den Vorzug geben wird.

In diesem Zusammenhang sollte daran erinnert werden, dass der Kampf zwischen Russland und der Ukraine im Schwarzen Meer heute ein entscheidender Faktor für das wirtschaftliche Überleben der Ukraine in den kommenden schwierigen Jahren des russisch-ukrainischen Krieges ist. Bereits jetzt sind die ukrainischen Schwarzmeerhäfen praktisch blockiert. Der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist zum Erliegen gekommen. Dies kann sowohl zu erheblichen Problemen für jenen Teil der ukrainischen Wirtschaft führen, der weiterhin funktioniert – und damit auch zu einer zusätzlichen Belastung der Haushalte europäischer Staaten –, als auch zu ernsthaften Versorgungsproblemen mit Getreide weltweit, die wiederum die Stabilität in den Ländern des Globalen Südens gefährden könnten. Genau das geschah bereits, als Russland und die Ukraine unter Vermittlung der Türkei und der Vereinten Nationen das Getreideabkommen vereinbarten.

Nun stehen wir erneut vor einer möglichen globalen Krise mit unvorhersehbaren Folgen. Sollte es der Ukraine ihrerseits gelingen, die russischen Transportkorridore unter Kontrolle zu bringen, könnte dies den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dazu bewegen, über ein Ende der Blockade der ukrainischen Häfen und die Freigabe des ukrainischen Handels nachzudenken.

Man kann sagen, dass dies eine geopolitische Aufgabe ist. Denn es geht nicht nur um die ukrainische Wirtschaft, sondern auch darum, dass ein Getreidemangel die Stabilität zahlreicher Regime im Globalen Süden infrage stellen und zusätzliche Schwierigkeiten für den Präsidenten der Vereinigten Staaten schaffen könnte, der bereits jetzt kaum einen Ausweg aus der Sackgasse des Nahostkonflikts findet. Doch wie wir sehen, orientiert sich Donald Trump ausschließlich an den Interessen, die gegenwärtig als Priorität für die amerikanische Wirtschaft gelten. Denn auch dort denkt man ausschließlich an den heutigen Gewinn und nicht an die Folgen von morgen.

Aus dieser Perspektive lohnt sich übrigens auch ein Blick auf die Haltung des kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew, der die Folgen der Kämpfe im Schwarzen Meer offenbar besser versteht als Trump. Bei seinem heutigen Treffen mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, betonte Tokajew, dass all dies beendet werden müsse – womit er in erster Linie den russisch-ukrainischen Krieg meinte. Wie wir jedoch sehen, fällt es derzeit schwer zu behaupten, dass man in den Vereinigten Staaten den Kampf zwischen Russland und der Ukraine im Schwarzen Meer mit den Möglichkeiten verbindet, den russisch-ukrainischen Krieg tatsächlich zu beenden.

Bemerkenswert ist auch, dass in Washington niemals ernsthafte Vorwürfe gegen die Russische Föderation erhoben wurden, als diese amerikanische Unternehmen in der Ukraine buchstäblich zerstörte. Vielleicht deshalb, weil die Unternehmer, die als Lobbyisten für die Interessen dieser Unternehmen hätten auftreten können, dem heutigen Hausherrn des Weißen Hauses nicht so nahestehen wie jene Geschäftsleute, die infolge von Putins demonstrativer Reaktion auf Trumps Behauptung, amerikanische Unternehmen in der Ukraine seien eine Sicherheitsgarantie für unser Land, Investitionen und Vermögenswerte verlieren.

Wie sich herausstellte, ist das keineswegs der Fall. Der russische Präsident hat gezeigt, dass er amerikanische Unternehmen in der Ukraine völlig ungestraft zerstören kann – ohne irgendwelche Konsequenzen für sein eigenes Land oder seine Streitkräfte befürchten zu müssen. Und niemand wird ihn auch nur darauf ansprechen, dass er amerikanische Fabriken auf ukrainischem Boden systematisch und demonstrativ vernichtet hat. Greift die Ukraine jedoch Tankschiffe an, von denen Russlands Rolle als Energielieferant und als Transitland für kasachisch-amerikanische Projekte abhängt, dann kann man, wie sich zeigt, tatsächlich auf amerikanischen Schutz hoffen.

Das bedeutet letztlich, dass die Vereinigten Staaten unter Donald Trump keine Sicherheitsgarantie für die Ukraine darstellen, indem sie die Interessen amerikanischer Unternehmen in unserem Land schützen. Für Russland hingegen könnten die heutigen Vereinigten Staaten – so paradox das auch klingen mag – durchaus eine solche Sicherheitsgarantie sein.

Der Ausweg aus dieser Situation ist selbstverständlich nur einer. Unter Berücksichtigung der Position des Präsidenten der Vereinigten Staaten und seiner Regierung muss alles getan werden, um die Ukraine vor den Folgen der russischen Handelsblockade zu schützen.

Letztlich verfügt der Präsident der Vereinigten Staaten gemeinsam mit seiner Regierung kaum noch über Möglichkeiten, Druck auf unser Land auszuüben, nachdem die amerikanische Finanzhilfe für die Ukraine praktisch ausgelaufen ist. Und selbst die Waffen, die die Amerikaner an uns liefern, verkaufen sie zunächst an die NATO-Mitgliedstaaten in Europa. Die Vereinigten Staaten können daher lediglich Wünsche äußern, nicht aber ihre Bedingungen diktieren.

Auch die amerikanischen Geschäftsleute, deren Interessen mit Noworossijsk verbunden sind, sollten darüber nachdenken, dass ihre Investitionen in jedem Fall Schaden nehmen werden, solange sie nicht nach Wegen suchen, Putins Angriffskrieg zu beenden, anstatt die ukrainische Antwort auf diesen Krieg einzuschränken.


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Titel des Originals: Трамп зупиняє Україну| Віталій Портников. 25.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 25.07.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Die Ukraine verstärkt die Angriffe auf Lagerhäuser | Vitaly Portnikov. 22.07.2026.

Nach ukrainischen Angriffen brennen zwei große Lagerhäuser des russischen Unternehmens Wildberries in Krasnodar und in der Stadt Newinnomyssk in der Region Stawropol. Über Krasnodar ist das riesige Feuer zu sehen, das nach ukrainischen Treffern in den Lagerhäusern ausgebrochen ist. Und die Aufnahmen dieses Feuers verbreiten sich über Dutzende Telegram-Kanäle von Einwohnern Krasnodars.

Somit kann man sagen, dass die ukrainischen Angriffe auf Handelslager in der Russischen Föderation, die man mit den Lungen einer unter Sanktionen stehenden Wirtschaft vergleichen könnte, systematisch werden. Ich erinnere daran, dass wir nur wenige Tage vor diesen Bränden Angriffe auf Lagerhäuser des Unternehmens Wildberries in Elektrostal in der Oblast Moskau und in Kotowsk in der Oblast Tambow beobachten konnten. Dabei galt das Lager in Elektrostal als eines der wichtigsten für das Unternehmen, dessen Einnahmen mit hochrangigen russischen Beamten aus dem engsten Umfeld des russischen Präsidenten Putin in Verbindung gebracht werden. Nun sind es zwei weitere Lagerhäuser. Und auch das Lager in Krasnodar gilt als eines der größten und wichtigsten für das Funktionieren der russischen Wirtschaft.

Man kann davon ausgehen, dass solche Lagerhäuser das Ergebnis der Anpassung der Wirtschaft der Russischen Föderation an die Sanktionen der zivilisierten Welt geworden sind, worüber im Kreml wiederholt gesprochen wurde. Und das Wichtigste ist, dass gerade diese Lagerhäuser den Handel mit Waren ermöglichten, ohne dass russische Banken an SWIFT angeschlossen waren, worüber die Eigentümerin des Unternehmens Wildberries dem Präsidenten der Russischen Föderation Putin voller Stolz berichtete. Und nun können, wie wir sehen, zwei weitere Lagerhäuser die unter Sanktionen stehende Wirtschaft Russlands nicht mehr bedienen.

Wichtig ist außerdem, dass in jedem solchen Lager in der Regel Dutzende oder Hunderte von Erzeugnissen gelagert werden können, die mit der Produktion unbemannter Luftfahrzeuge verbunden sind, die für Russland und für seine weiteren Angriffe auf die Ukraine wichtig sind. Es handelt sich also nicht nur um einen Schlag gegen die Wirtschaft als solche, obwohl auch das sehr wichtig ist. Es ist zugleich ein Schlag gegen den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation, und zwar gegen genau jene Industrie, die den Krieg unmittelbar und nicht nur mittelbar unterstützt.

Somit ist jedes große Lagerhaus in der Russischen Föderation ein wichtiges und logisches Ziel für die Streitkräfte der Ukraine. Und natürlich können wir jetzt sagen, dass jeder solche Angriff die Zahl der Menschen in der Russischen Föderation erhöht, die begreifen, dass der Krieg in ihre eigenen Häuser gekommen ist und von dort bis zu dem Tag nicht mehr verschwinden wird, an dem die russische Führung seiner Beendigung zustimmt.

Die überwiegende Mehrheit der Kommentatoren zu den vorherigen Angriffen, die infolge der Brände alles verloren hatten, sprach in der Regel nur über ihre wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Aber auch unter ihnen tauchten bereits Menschen auf, die von der Notwendigkeit sprachen, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Das heißt, sie begannen, die wirtschaftliche Katastrophe, die sie und ihre Familien getroffen hatte, mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine in Verbindung zu bringen. Sie begriffen, dass man einen Abnutzungskrieg zu zweit führen kann, und das bedeutet, dass die Folgen dieses Abnutzungskrieges mit den Schicksalen Hunderttausender Russen verbunden sein werden, die sowohl ihr Eigentum als auch ihre Perspektiven auf Entwicklung und ein normales Leben verlieren werden. Und genau das wird die Perspektive für die Bürger der Russischen Föderation in den kommenden schwierigen Jahren der russisch-ukrainischen Konfrontation sein.

Die wachsende Zahl von Menschen, die sich gegen den Krieg aussprechen, auch wenn dies heute noch nicht wie eine Massenbewegung aussieht, kann ebenfalls zu einem Problem für die russische Führung werden. Denn diese hört auf die eine oder andere Weise darauf, was in der Gesellschaft geschieht, weil sie den berühmten russischen Aufstand fürchtet, der zum Zusammenbruch des abscheulichen Geheimdienstregimes führen könnte. Für Putin ist es zumindest wichtig, dass die Stimmung in der russischen Gesellschaft nicht die rote Linie überschreitet, nach der die gut gefütterten Sicherheitskräfte mit den Russen nicht mehr fertigwerden können. Diese Sicherheitskräfte verlieren übrigens ebenso durch die Brände in den Lagerhäusern des Unternehmens Wildberries wie die Mitarbeiter der Verwaltung des Präsidenten der Russischen Föderation.

Denn in die Einnahmen aus diesem Unternehmen hatten zahlreiche Menschen investiert, die unmittelbar mit der höchsten Führung Russlands verbunden sind. Und darüber kam es unter Beteiligung hochrangiger Beamter und des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow zu Konflikten. Alle verstehen, welche enormen Geldsummen heute mit dem Handel über Online-Marktplätze verbunden sind. Und nun geht dieser Handel vor den Augen der russischen Führung seinem Ende entgegen.

Beobachter hatten die Zahl der größten Lagerhäuser, die für das Funktionieren der russischen Wirtschaft wichtig sind, zuvor auf ungefähr 25 geschätzt. Somit sind nach dem jüngsten Angriff ukrainischer unbemannter Luftfahrzeuge auf Krasnodar und Newinnomyssk nur noch 21 Lagerhäuser übrig, die noch nicht von diesen Angriffen getroffen wurden. Aber wir verstehen, dass sie bis zur vollständigen Zerstörung der Online-Marktplätze auf dem Gebiet Russlands fortgesetzt werden.

Wie wir sehen, stellt inzwischen selbst die Entfernung kein wirkliches Hindernis mehr für ukrainische Drohnen dar, weil zum ersten Mal in der Geschichte der Kriege, an denen die Russische Föderation beteiligt ist, ihr Feind Sibirien tatsächlich bombardieren kann. Somit hört das, was früher ein wichtiger russischer Vorteil war – ein Territorium, auf dem man Rüstungsbetriebe oder den Handel verstecken konnte –, auf, die russische Wirtschaft vor dem unvermeidlichen und schändlichen Zusammenbruch zu retten. Dieser wiederum wird zum sozialen Ruin Hunderttausender, wenn nicht Millionen von Einwohnern eines der aggressivsten Länder der modernen Welt führen.

Natürlich könnte man sich aus logischer Sicht an der Stelle der Führung der Russischen Föderation schon jetzt zurückhalten und darüber nachdenken, ob es sich lohnt, diesen sinnlosen Krieg nur deshalb fortzusetzen, um die eigene Macht zu demonstrieren und daran zu erinnern, dass niemand Putin widersprechen darf. Denn wirkliche Chancen auf die Eroberung der gesamten Ukraine, von der Putin im Februar 2022 träumte, hat der Kreml heute nicht.

Aber die russische Führung folgt in der Regel keiner Logik. Und die gesamte Geschichte russischer Kriege zeigt, dass die Führung in Moskau die Konfrontation bis zum niederschmetternden Zusammenbruch der russischen Wirtschaft und Staatlichkeit fortsetzen wird. Die Frage ist, ob die Ukraine in dieser schwierigen Zeit standhalten und dabei das Potenzial des Feindes vernichten kann.


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Titel des Originals: Україна нарощує удари по складах | Віталій Портников. 22.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 22.07.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Schlag gegen Petersburg vor Putins Ankunft | Vitaly Portnikov. 03.06.2026.

Wenige Stunden vor Beginn des für den russischen Präsidenten Putin wichtigen Petersburger Wirtschaftsforums und vor der Ankunft des russischen Staatschefs bei dieser Veranstaltung steht das Petersburger Ölterminal in Flammen – eines der größten Ölumschlagunternehmen Russlands.

Bewohner von Sankt Petersburg und Gäste des Petersburger Wirtschaftsforums filmen Aufnahmen, auf denen über dem Petersburger Ölterminal und den Gebäuden von Sankt Petersburg Rauchsäulen nach den Einschlägen ukrainischer Drohnen aufsteigen. Dies ist nicht nur ein Schlag gegen eines der wichtigen Ölunternehmen der Russischen Föderation. Es ist auch ein symbolischer Schritt, der daran erinnert, dass ohne die Waffenruhe, die Putin für einige Tage ausschließlich durch die Vermittlung seines amerikanischen Gönners Donald Trump erreicht hatte, keine Parade zum 9. Mai in der russischen Hauptstadt stattgefunden hätte. Und selbst wenn sie stattgefunden hätte, hätten sich Putin und die Gäste dieser Veranstaltung bei einem möglichen Angriff ukrainischer Drohnen auf Moskau oder das Moskauer Gebiet in Luftschutzbunkern verstecken müssen.

Die russischen Luftverteidigungssysteme werden mit den Angriffen ukrainischer Drohnen nicht fertig. Und man kann sich nur vorstellen, was mit dem Luftraum der Russischen Föderation geschehen wäre, wenn die westlichen Verbündeten Russlands nicht nach Wegen zu Vereinbarungen mit Putin gesucht hätten und der Ukraine erlaubt hätten, mit weitreichenden Raketen das Ölraffinerie- und militärisch-industrielle Potenzial der Russischen Föderation sowie die russischen Ölhäfen zu zerstören, um damit dem Funktionieren der russischen Wirtschaft ein Ende zu setzen und Russland zusammen mit seiner Wirtschaft ins Mittelalter zurückzuwerfen.

Und das wäre logisch, denn ein Staat, der selbst versucht, alle um sich herum in die Vergangenheit zurückzuversetzen – sowohl politisch als auch wirtschaftlich –, sollte selbst nicht in der Gegenwart existieren und seine Zukunft auf dem Unglück anderer aufbauen. Und es scheint, dass genau ein solcher Ansatz gegenüber der russischen Wirtschaft die Führung der Russischen Föderation dazu bringen würde, über die Perspektiven einer Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine nachzudenken.

Natürlich sind nun nicht nur die russischen Führer, sondern auch die Gäste des Petersburger Wirtschaftsforums, all diese Schmeichler und Unternehmer aus verschiedenen Ländern, die immer noch über Investitionen in Russland nachdenken, gezwungen, über die Sicherheit ihres Geldes und übrigens auch über ihre persönliche Sicherheit nachzudenken. Der Schlag gegen Petersburg gerade am 3. Juni 2026 ist eine weitere Erinnerung daran, was tatsächlich mit der Sicherheit in Russland geschieht, wie die Luftverteidigung der Russischen Föderation tatsächlich aufgebaut ist, wenn sie nicht einmal am Tag der Ankunft des russischen Präsidenten und anderer hochrangiger Gäste des Forums in Sankt Petersburg das Potenzial besitzt, den Angriff ukrainischer Drohnen abzuwehren und das Ölterminal zu schützen. 

Mehr noch: Sie besitzt nicht einmal die Möglichkeit, den Luftraum über Sankt Petersburg zu schützen. So musste auch der internationale Flughafen Pulkowo seinen Betrieb einstellen und Flüge auf Ausweichflughäfen in Russland umleiten, darunter vor allem auf die Flughäfen eben jenes Moskaus, aus dem die Gäste des Petersburger Wirtschaftsforums nach Sankt Petersburg anreisen wollten. Welch ein bitteres Paradox.

Und natürlich sollte daran erinnert werden, dass sich die heutige Drohnenattacke keineswegs nur gegen Sankt Petersburg und seine Ölanlagen richtete. Einer der Angriffe ukrainischer Drohnen erfolgte auch in der Oblast Tambow, wo eines der wichtigsten Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation tätig ist, das Waffen für die Tötung friedlicher Bewohner der Ukraine herstellt. Über diesen Schlag berichtet lediglich der Gouverneur der Region Tambow, während sich das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation mit Mitteilungen darüber zurückhält, jedoch von Angriffen auf eine ganze Reihe von Föderationssubjekten Russlands spricht und betont, dass es den Russen gelungen sei, diesen Angriff abzuwehren.

Doch wir wissen sehr gut, dass das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation in den meisten Fällen schlicht lügt. Und übrigens lügt es nicht nur uns gegenüber, sondern auch Präsident Putin. Doch diesmal wird es Putin nicht gelingen, weder die Lügen seiner eigenen Militärs noch die Realität zu ignorieren, in der er sich dank seines aggressiven Krieges gegen die Ukraine befindet.

Wenn der Präsident der Russischen Föderation in seine Heimatstadt kommt, um auf dem Petersburger Wirtschaftsforum bedeutungslose aggressive Reden zu halten, wird er die Brände über Sankt Petersburg nicht übersehen können. Sie werden zu einem der Symbole seiner ruhmlosen und grausamen Herrschaft in der Russischen Föderation werden, die vor allem auf Krieg, Mord und die Plünderung fremder Gebiete ausgerichtet ist.

Einst zwang ein russischer Monarch die Ukrainer, die nach der Entscheidung Peters I., die ukrainischen Gebiete endgültig dem Imperium zu unterwerfen, für die Freiheit ihres Landes kämpften, seine neue Hauptstadt zu bauen. Eine Hauptstadt, errichtet auf den Gebeinen ihrer Erbauer. Heute zerstören die Nachfahren jener Menschen, die den Russen diese Stadt errichteten, ihre wirtschaftlichen Kapazitäten, um die Zeit näherzubringen, in der die Nachfahren eines der abscheulichsten Imperien der Geschichte darüber nachdenken müssen, die Vernichtung der Ukraine zu beenden.

Darüber sollte der Präsident der Russischen Föderation nachdenken, wenn er in seinem Konvoi zum Petersburger Wirtschaftsforum fährt und unterwegs auf das Denkmal Peters des Großen blickt, das bis heute eines der Symbole des alten Russlands und seiner Verbrechen bleibt – Verbrechen, die im Laufe der gesamten Weltgeschichte buchstäblich niemals aufgehört haben.


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Titel des Originals: Удар по Петербургу перед приїздом
Путіна | Віталій Портников. 03.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.06.2026.
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