Die Ukraine gibt Wildberries den Rest | Vitaly Portnikov. 02.08.2026.

In Russland brennt ein weiteres Logistikzentrum des Marktplatzes Wildberries. Diesmal im Ort Nowosemeikino in der Region Samara.

Es ist nur eines der Objekte, die in der vergangenen Nacht von den ukrainischen Verteidigungskräften getroffen wurden. Berichtet wurde außerdem über Probleme in einer Ölraffinerie in der Region Saratow der Russischen Föderation sowie über einen Brand auf dem Flugplatz Engels, den die russische Luftwaffe für Angriffe auf die Ukraine nutzt.

Obwohl der Marktplatz Wildberries formal kein militärisches Objekt ist und auch nicht mit dem russischen Ölraffineriesektor zusammenhängt, ist er dennoch möglicherweise eines der wichtigsten Objekte, die der russischen Wirtschaft helfen, unter den Bedingungen der Sanktionen zu funktionieren – und Putin dabei helfen, den Krieg fortzusetzen.

Man muss sich bewusst machen, dass Russland, wenn es Angriffe auf die Ukraine verübt, die es als Vergeltungsschläge bezeichnet – etwa gegen Lager von Nowa Poshta oder Rozetka, obwohl diese Angriffe lange vor den Schlägen gegen Wildberries-Marktplätze begannen –, diesen Unternehmen, den Menschen, die auf ihre Lieferungen warten, und letztlich der ukrainischen Wirtschaft als Ganzem zwar reale Probleme bereitet. Doch es sind keine Angriffe, die die ukrainische Wirtschaft so erschöpfen würden, dass wir der russischen Aggression nicht mehr widerstehen könnten.

Warum? Weil die ukrainische Wirtschaft eine Wirtschaft ist, die mithilfe westlicher Unterstützung künstlich am Leben erhalten wird. Wir verstehen sehr gut, dass die Ukraine ohne diese westliche Hilfe schon seit vielen Jahren nicht mehr in der Lage wäre, der russischen Aggression standzuhalten.

Erinnern wir uns daran, wie verheerend die russischen Angriffe auf unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten bereits im Jahr 2022 waren. Inzwischen schreiben wir das Jahr 2026. Und niemand hat Zweifel daran, dass die Ukraine auch im kommenden Jahr 2027 wirtschaftlich in der Lage sein wird, den Folgen der russischen Aggression entgegenzutreten, weil die Unterstützung unseres Landes durch die Staaten der Europäischen Union bereits beschlossen wurde. Und ich habe keinerlei Zweifel daran, dass diese Hilfe – falls erforderlich – auch in den folgenden Kriegsjahren fortgesetzt werden wird.

Russland befindet sich hingegen in einer anderen wirtschaftlichen Lage, in der die Marktplätze von Wildberries gewissermaßen die Lungen der russischen Sanktionswirtschaft darstellen – einer wirtschaftlichen Entwicklung, die Putin erlaubt, in die Zukunft zu blicken und den Krieg für die kommenden Jahre zu planen.

Denn unter Bedingungen, in denen Zahlungen nicht mehr auf zivilisierte Weise abgewickelt werden können und die westlichen Sanktionen die Tätigkeit russischer Banken als klassische Finanzinstitute praktisch zum Erliegen gebracht haben, übernehmen gerade die Marktplätze die Rolle von Stabilisatoren der wirtschaftlichen Entwicklung der Russischen Föderation. Zugleich schaffen sie jenes notwendige Steuerpolster, das es der russischen Führung ermöglicht, enorme Militärhaushalte zu planen und sicher zu sein, dass die russische Armee auch weiterhin über die notwendigen Mittel aus dem Staatshaushalt verfügen wird, um ihre Aggression gegen die Ukraine fortzusetzen, und dass ihre Entwicklung auch in den kommenden Jahren oberste Priorität behalten wird.

Wenn es aber kein Geld gibt, wird es auch diese Möglichkeiten für die Armee nicht geben. Wer behauptet, Putin werde das Geld für den Krieg auf jeden Fall finden, weil er dafür die soziale Stabilität der einfachen Russen opfern werde, irrt sich schlicht deshalb, weil das Geld für den Krieg tatsächlich erst einmal vorhanden sein muss.

Das bedeutet: Die russische Wirtschaft muss auf ein Niveau gebracht werden, auf dem weder Geld für das Überleben des gewöhnlichen Russen vorhanden ist – der für die Staatsführung ohnehin uninteressant wird, weil er keine Steuern mehr zahlt, sondern sich in einen gewöhnlichen Bettler verwandelt – noch Geld für die russische Armee und ihre Aggressionen. Genau das könnte Russland tatsächlich daran hindern, seine Aggression gegen die Ukraine sowie seine aggressiven Pläne gegenüber anderen Nachbarstaaten fortzusetzen.

Wir wissen, dass diese Pläne – Putins Pläne für einen langen Krieg – auf seinem Schreibtisch liegen. Und genau in diesen Minuten, während Sie diese Analyse ansehen oder anhören, denkt er darüber nach, wie sich der russisch-ukrainische Krieg auf die Staaten Mittel- und Osteuropas sowie auf die baltischen Länder ausweiten lässt. Welches Land wird als Nächstes in die dunkle Finsternis eines russischen Angriffs stürzen?

Doch ohne Geld gibt es keinen Krieg. In die Sprache der heutigen russischen Politik übersetzt bedeutet das: Es gibt keinen Krieg ohne das Geld von Wildberries. Es gibt keinen Krieg ohne das Geld anderer russischer Marktplätze, die – so hoffe ich – in den kommenden Monaten der erbitterten und verzweifelten russisch-ukrainischen Auseinandersetzung ebenfalls zerstört werden.

Wie sich herausgestellt hat – und das ist eine unangenehme Überraschung für die Bürger der Russischen Föderation ebenso wie für ihre terroristische Führung –, kann ein Abnutzungskrieg von beiden Seiten geführt werden. Und Russland wird diesen Abnutzungskrieg nicht als starker Staat verlassen, der zuversichtlich in die Zukunft blickt.

Mehr noch: Man kann sagen, dass es für die Russische Föderation überhaupt keine Zukunft geben wird, wenn sie den Krieg gegen unser Land fortsetzt. Es werden lediglich Erinnerungen an die Vergangenheit bleiben, als die Russen unter Putin besser lebten als unter jedem anderen ihrer wahnsinnigen Herrscher. 

Und es wird die Frage bleiben, an welchem Punkt Russland den falschen Weg eingeschlagen und sich in einen Staat der Ruinen, der Probleme und der offensichtlichen Ausweglosigkeit für den überwiegenden Teil seiner chauvinistisch gesinnten Bevölkerung verwandelt hat.

Und wir werden genau wissen, wann Russland den falschen Weg eingeschlagen hat: In dem Moment, als in den Köpfen seiner Machthaber die Idee entstand, die Staatlichkeit innerhalb der Grenzen der erbärmlichen Sowjetunion wiederherstellen zu können. In dem Moment, als die Entscheidung getroffen wurde, dass Russland ohne das ukrainische Territorium, ohne die Rückkehr zu den Grenzen von 1991 in Europa, seine Rolle als geopolitischer Akteur nicht zurückgewinnen und den Vereinigten Staaten von Amerika und der Volksrepublik China nicht auf Augenhöhe begegnen könne – jenen beiden Mächten, die sich auf den Kampf um das Monopol auf politischen Einfluss und wirtschaftliche Möglichkeiten in unserer komplizierten Welt des 21. Jahrhunderts vorbereiten.

Russland wollte an diesem erbitterten Kampf unbedingt teilnehmen, dass es damit letztlich seine eigene, für niemanden notwendige Existenz infrage gestellt hat. Und der Krieg gegen unser Land wird für die Russen zu jenem Ausgangspunkt werden, von dem an nur noch der Abstieg in einen historischen, politischen und sozialen Abgrund beginnt, aus dem sie sich noch viele, viele schwierige Jahrzehnte lang nicht befreien werden können.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Україна добиває Wildberries | Віталій
Портников. 02.08.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 02.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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