Verhandlungen in Abu Dhabi: Was ist zu erwarten? | Vitaly Portnikov. 23.10.2026.

Der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation, Peskow, betont, dass ein neues Treffen der ukrainischen, russischen und amerikanischen Delegationen über die Beendigung des Krieges, den Russland gegen die Ukraine fortsetzt, bereits in der ersten Novemberhälfte in Abu Dhabi stattfinden könnte. Peskow hält sogar die Teilnahme eines Vertreters der Europäischen Union an diesem Treffen für möglich, betont jedoch, dass dies von der Haltung Brüssels abhängen werde.

Aber die wichtigste Frage lautet: Was soll bei dieser erneuten Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses zwischen Moskau, Kyiv und Washington vor dem Hintergrund der anhaltenden Kampfhandlungen und der brutalen russischen Angriffe auf die Ukraine eigentlich besprochen werden? Die Zeitschrift The Economist berichtet unter Berufung auf ukrainische Quellen, dass die amerikanischen Unterhändler keine großen neuen Ideen hätten. Sie bestehen weiterhin darauf, dass die Ukraine auf einen NATO-Beitritt verzichten müsse, zugleich aber die Möglichkeit erhalten solle, der Europäischen Union beizutreten. Im Gegenzug für die Beendigung der Kampfhandlungen könnte die Russische Föderation Zugang zum Energiemarkt der Europäischen Union erhalten. Außerdem könnten die Sanktionen aufgehoben werden, die nach Beginn der russischen Aggression gegen die Ukraine verhängt wurden.

Schon aus den ersten Einzelheiten dieses neuen alten Plans wird deutlich, dass man in der Regierung des amerikanischen Präsidenten weniger über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nachdenkt als vielmehr über lukrative Geschäfte mit Putin. Wir verstehen inzwischen sogar, welche beiden Projekte für Witkoff und Kushner und damit auch für Trump am wichtigsten sind. Das erste ist der Kauf der Auslandsvermögenswerte des russischen Konzerns Lukoil. Und offenbar ist es genau das, worüber Witkoff während seines Aufenthalts in Russland stundenlang mit Putin und Dmitrijew spricht.

Und dann gibt es noch ein weiteres Projekt, das Projekt von Trumps Schwiegersohn Kushner. Es sieht die Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen nach Europa vor, sowohl über das ukrainische Gastransportsystem als auch über Pipelines wie Nord Stream 1 oder Nord Stream 2. Die Vereinigten Staaten sollen dabei als Garant für die Sicherheit dieser Lieferungen auftreten. Und es ist klar, dass es für die derzeitige amerikanische Regierung wichtig ist, dass der russisch-ukrainische Krieg möglichst schnell endet, damit diese Projekte verwirklicht werden können. Zumindest solange Trump noch im Weißen Haus sitzt und Putin die Interessen seines engsten Umfelds berücksichtigen kann.

Genau deshalb übt das Weiße Haus einen so intensiven Druck auf die Ukraine aus, damit der ukrainische Präsident Zugeständnisse macht und den wichtigsten russischen Forderungen für die Beendigung des Krieges zustimmt. Dazu gehören die Kontrolle über das gesamte Territorium der Gebiete Donezk und Luhansk sowie die Wiederherstellung des politischen und zivilisatorischen Einflusses Russlands auf die Ukraine.

Aber die wichtigste Frage ist hier nicht einmal, ob Zelensky bereit ist, solchen Bedingungen für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zuzustimmen. Die entscheidende Frage lautet, ob Putin bereit ist, diese Bedingungen zu akzeptieren. Und meiner Meinung nach könnte den Präsidenten der Vereinigten Staaten und seine engsten Vertrauten hier eine weitere Enttäuschung erwarten. Denn für den Präsidenten der Russischen Föderation, für sein engstes Umfeld und für alle chauvinistisch eingestellten Russen wäre allein die Tatsache, dass die Ukraine auf der politischen Weltkarte bestehen bleibt, noch dazu mit Sicherheitsgarantien des Westens, seien sie auch nur bedingt wirksam, und obendrein mit einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union, die größte staatliche Niederlage der Russischen Föderation und die größte nationale Niederlage des russischen Volkes seit dem Auftauchen des Fürstentums Moskau auf der politischen Weltkarte. Und Putin möchte wohl kaum als Anführer eines Staates in die Geschichte eingehen, der aus seiner Sicht eine derart eklatante zivilisatorische Niederlage erleidet.

Denn womit Russland derzeit beschäftigt ist, ist die Wiederherstellung seiner imperialen Macht und die Rückgewinnung seiner sogenannten historischen russischen Gebiete, zu denen selbstverständlich auch das Territorium der heutigen Ukraine gehört. Und in dieser Situation würde eine Zustimmung zu den Vorschlägen der Trump-Regierung natürlich bedeuten, all jene Anstrengungen zunichtezumachen, die die Russische Föderation in den vergangenen Jahren unternommen hat, um ihre geopolitischen Möglichkeiten auszubauen und den Prozess der sogenannten Sammlung russischer Länder einzuleiten, der 2014 mit der Annexion der ukrainischen Krim begann.

Warum sollte Putin dann überhaupt Verhandlungen in Abu Dhabi zustimmen und sogar Vertreter der Europäischen Union zu diesen Verhandlungen einladen? Die Antwort darauf ist sehr einfach und logisch. Der Präsident der Russischen Föderation arbeitet als erfahrener Geheimdienstmann mit dem Verhandlungsprozess wie mit einer Karotte, die er einem Esel direkt vor die Nase hält. Der Esel soll glauben, dass diese Karotte früher oder später zu einer wichtigen Belohnung für seine diplomatischen Bemühungen wird. Dabei weiß der Präsident der Russischen Föderation ganz genau, wann die Möglichkeiten des Esels, dem er diese Karotte vor die Nase hält, erschöpft sein werden.

Das wird Anfang 2029 geschehen, wenn Donald Trump das Oval Office verlässt und mit ihm auch seine Verwandten und Freunde ihren Einfluss verlieren. Und für Putin ist es von größter Bedeutung, diese Karotte dem amerikanischen Präsidenten und seinem engsten Umfeld so lange vor Augen zu halten, um sich vor neuen ernsthaften Sanktionen der Vereinigten Staaten zu schützen und eine Krise in den Beziehungen zwischen Amerikanern, Ukrainern und den europäischen Verbündeten Amerikas herbeizuführen.

Und jetzt sehen wir bereits die ersten Ergebnisse dieses Erfolgs von Putin. Trump versucht nicht einmal mehr, den Anschein zu erwecken, dass er daran interessiert wäre, Sanktionen gegen Russland und seine Unterstützer im Energiesektor zu verhängen. Diese Sanktionen sind im Graham-Gesetz vorgesehen, das er selbst unterzeichnet hat. Stattdessen schickt er Witkoff nach Sankt Petersburg, um nach neuen Möglichkeiten für neue Energiegeschäfte mit dem russischen Präsidenten zu suchen.

Aus dieser Sicht erscheint Putins Taktik also durchaus gerechtfertigt und logisch, wenn man berücksichtigt, wie gut er die Psychologie und die Taktik versteht, an die sich Trump selbst hält. Das Einzige, was den russischen Präsidenten bei seinem nicht besonders komplizierten, ich würde sagen, kindischen Spiel mit dem amerikanischen Staatschef aufhalten könnte, ist die Bereitschaft der Ukraine und Europas, die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Russischen Föderation zu schwächen und Donald Trump damit die Kontrolle über das Fell des noch nicht erlegten russischen Bären zu entziehen, von dessen Geld man in Washington weiterhin träumt.


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Titel des Originals: Переговори в Абу-Дабі: на що чекати |
Віталій Портников. 23.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 23.10.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Trump droht Putin | Vitaly Portnikov. 22.09.2026.

In seiner Rede auf der Sitzung der UN-Generalversammlung, vor einem möglichen Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky, versprach der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump, das Graham-Gesetz anzuwenden, falls dies im Zusammenhang mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges notwendig sein sollte. In derselben Rede betonte Trump, dass die Vereinigten Staaten mit den Führungen Russlands und der Ukraine zusammenarbeiten, um den Krieg zu beenden, und dass dies früher geschehen werde, als viele für realistisch halten. Vor seiner Rede sagte Trump im Gespräch mit Journalisten, seine Botschaft an den russischen Präsidenten Putin sei hinreichend klar und konkret. Er müsse den Krieg beenden.

Aber natürlich ist die Warnung, dass das Graham-Gesetz angewendet werden könnte, ein ernstes Signal nicht nur an die Führung der Russischen Föderation, sondern vor allem auch an die Führungen der Länder, die Russland im Energiebereich unterstützen, der Volksrepublik China und Indiens. Bekanntlich trifft sich der Präsident der Vereinigten Staaten in nur wenigen Tagen mit dem Staatschef der Volksrepublik China Xi Jinping. Das Gespräch könnte auch Fragen zur Beendigung des Krieges Russlands gegen die Ukraine betreffen. Und da Trump nicht nur das Graham-Gesetz in der Tasche hat, das Zölle von bis zu 100 Prozent gegen Länder vorsieht, die weiterhin russisches Öl kaufen, sondern auch mit der tatsächlichen Anwendung dieses Gesetzes droht, kann er mit dem chinesischen Staatschef darüber sprechen, ob Peking tatsächlich in der Lage ist, auf Moskau einzuwirken, um die Kampfhandlungen an der russisch-ukrainischen Front zu beenden.

In jedem Fall kann man davon ausgehen, dass Trumps Rede, in der er nicht nur über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges spricht, sondern dem russischen Präsidenten faktisch auch mit Sanktionen gegen dessen wirtschaftliche Unterstützer und gegen Russland selbst droht, einen etwas anderen Ton gegenüber dem Kreml anschlägt, als Putin nach dem Besuch der amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner in der russischen Hauptstadt hätte erwarten können.

Denn bislang bestand eine wichtige Taktik des russischen Staatschefs darin, auf Zeit zu spielen, um den amerikanischen Präsidenten davon zu überzeugen, dass Russland zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges bereit sei, zugleich aber bis zum Ende der Amtszeit Donald Trumps als Präsident keinerlei konkrete Schritte zu unternehmen, die von der Ernsthaftigkeit dieser Absichten zeugen würden. Es sieht so aus, als beginne der amerikanische Präsident diese Taktik seines russischen Amtskollegen zu erkennen.

Und wir müssen auch daran denken, dass Trumps Rede vor den für ihn ziemlich wichtigen Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten stattfindet, auch wenn er das vielleicht nicht eingestehen will. Wenn diese Wahlen mit einem vernichtenden Sieg der Demokraten und einem Fiasko der Republikaner enden und Trump nicht nur die Kontrolle über das Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses, sondern auch über den Senat verliert, wird ihn das buchstäblich innerhalb weniger Tage zu einer lahmen Ente in der Weltpolitik machen und ihn dazu zwingen, viele seiner Vorhaben aufzugeben. Und genau das versucht Trump zu verhindern.

Und er weiß sehr gut, dass ein großer Teil der Amerikaner, die heute entscheiden, welcher der politischen Parteien sie bei diesen wichtigen Zwischenwahlen ihre Stimme geben werden, die Ukraine unterstützt und, wie inzwischen offensichtlich ist, die russische Diktatur nicht unterstützt, die als offener Feind der Vereinigten Staaten und der zivilisierten Welt erscheint. In dieser Situation einen nachsichtigen Ton im Dialog mit dem Kreml anzuschlagen, bedeutet, zusätzliche Stimmen zu verlieren, von denen der Republikanischen Partei bei den bevorstehenden Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress ohnehin nicht mehr allzu viele geblieben sind.

Zugleich müssen wir sehen, dass Trump zwar Signale sendet, aber möglicherweise keine wirklichen konkreten Schritte unternimmt, die den Ländern, die Russland im Energiebereich unterstützen, Probleme bereiten und Moskau dazu zwingen würden, weniger Öl zu verkaufen und damit weniger Einnahmen für den Staatshaushalt zu erzielen, der für die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges wichtig ist.

Auch andere Äußerungen Donald Trumps zeigen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten weiterhin in seiner eigenen Realität lebt, die möglicherweise nicht mit jener Realität übereinstimmt, in der wir uns befinden. So ist Präsident Trump überzeugt, dass die Straße von Hormus offen sei und mehr Tanker sie passierten als vor dem Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran. Außerdem verspricht er, nach den Zwischenwahlen ein Friedensabkommen mit dem Regime in Teheran zu erreichen, weil er überzeugt ist, dass gerade diese Wahlen einer Einigung zwischen den Vereinigten Staaten und der Islamischen Republik im Wege stehen.

Trumps Äußerungen zeigen, dass er die Absichten und Wünsche der Feinde der Vereinigten Staaten möglicherweise nicht besonders realistisch einschätzt. Und das betrifft nicht nur den Iran, dessen Führung an einem politischen Fiasko des amtierenden amerikanischen Präsidenten und der Republikaner insgesamt interessiert ist. Es könnte auch Russland betreffen, das gemeinsam mit China ebenfalls versucht, die Präsidentschaft Donald Trumps und jene Sicht auf die Welt, die wir heute beim amerikanischen Präsidenten, seinem Umfeld und seinen Anhängern beobachten, dazu zu nutzen, den Vereinigten Staaten ihre weltweite Führungsrolle zu nehmen und die Führungsrolle Pekings und Moskaus zu stärken.

Daher könnte es vergeblich sein, in einer solchen Situation zu erwarten, dass Präsident Putin tatsächlich bereit sein wird, die Signale aus Washington zu hören und dass der Staatschef der Volksrepublik China Xi Jinping gemeinsam mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi angesichts des akuten Ressourcenmangels auf dem Weltmarkt auf russisches Öl verzichten wird. Denn die Straße von Hormus verschwindet nicht von der Tagesordnung der Weltwirtschaft, was auch immer Trump darüber sagen mag.

Aber für uns ist es natürlich besser, wenn Trump Putin droht, als wenn er versucht, sich mit dem dreisten russischen Staatschef zu einigen. Denn solche Drohungen können sowohl zu einer Ausweitung der Hilfe für die Ukraine führen als auch dazu, dass wir neue Flugabwehrraketen erhalten, und dazu, dass das Weiße Haus möglicherweise bereits nach den Zwischenwahlen nicht nur über die Anwendung des Graham-Gesetzes nachdenkt, sondern auch über die Verabschiedung des Ukraine Support Act, der unsere Möglichkeiten in der weiteren Konfrontation mit der Russischen Föderation stärken würde. Deren Führung konnte natürlich auch mit einer Veränderung des Tons rechnen, den der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump und seine Regierung ihr gegenüber anschlagen.


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Titel des Originals: Трамп погрожує Путіну | Віталій Портников. 22.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 22.09.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Der US-Kongress verabschiedet Grahams Gesetz über „höllische Sanktionen“ | Vitaly Portnikov. 17.09.2026.

Das Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses hat für das sogenannte Gesetz von Lindsey Graham gestimmt – anderthalb Jahre nachdem der inzwischen verstorbene Senator seinen Vorschlag vorgestellt und betont hatte, dass er dazu beitragen werde, Russland zu schwächen und den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden.

Vor der Abstimmung im Repräsentantenhaus hatten, wie bekannt, die Senatoren das Gesetz unterstützt, und nun muss es der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump unterzeichnen. Aus unverständlichen Gründen fragen sich in diesem Zusammenhang viele, ob Trump dieses Gesetz unterzeichnen wird.

Natürlich wird er das. Wenn der amerikanische Präsident nicht vorhätte, dieses Gesetz zu unterzeichnen, wäre es vom republikanischen Sprecher des Repräsentantenhauses Mike Johnson gar nicht erst zur Abstimmung gestellt worden. So war es übrigens auch beim bereits zuvor verabschiedeten Gesetz zur Unterstützung der Ukraine, das keinerlei Chance hat, von Präsident Trump unterzeichnet oder auch nur im Senat behandelt zu werden.

Dann stellt sich die Frage: Warum haben Donald Trump und die Republikaner, genauer gesagt die republikanische Mehrheit, für die Verabschiedung des neuen Gesetzes gesorgt, während die Mehrheit der Demokraten dagegen stimmte? Warum stimmten sie der Verabschiedung eines Gesetzes zu, das die Einführung sogenannter höllischer Sanktionen gegen Russland vorsieht?

Nun, zunächst einmal deshalb, weil diese höllischen Sanktionen rein theoretisch beschlossen werden. Die Entscheidung darüber, ob neue Sanktionen gegen die Russische Föderation und gegen Länder mit verhängt werden, die russisches Öl und Gas kaufen, soll der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump selbst treffen. Das Gesetz gibt ihm diese Möglichkeit. Die Entscheidungen über Sanktionen werden also keineswegs im Repräsentantenhaus oder im Senat getroffen, sondern im Weißen Haus.

Donald Trump erhält damit neue Instrumente für sogenannte Zollmaßnahmen in die Hand – und genau das hat bei einer großen Zahl demokratischer Kongressabgeordneter Widerstand gegen das Gesetz hervorgerufen. Er selbst wird die Länder auswählen, die ihrerseits von den Vereinigten Staaten mit neuen hohen Zöllen von bis zu 100 Prozent belegt werden können, weil sie russisches Öl und Gas kaufen.

Wenn wir über solche Käufe sprechen, meinen wir in erster Linie die Volksrepublik China und Indien. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass es unter den Käufern russischen Öls – natürlich in deutlich geringeren Mengen – auch viele andere Länder gibt. Ich möchte Sie nur daran erinnern, dass in Ungarn bis heute russisches Öl gekauft wird.

Und so könnte Trump das formelle Recht erhalten, neue Zölle gegen die gesamte Europäische Union zu verhängen, weil die Europäische Union Ungarn eine Ausnahme für den Kauf russischer Energieträger gewährt hat. Das ist die ganze Logik einer solchen Gesetzgebung, falls die Notwendigkeit entstehen sollte, sie in einer Konfrontation mit der Europäischen Union oder mit irgendeinem anderen Land anzuwenden, das in der einen oder anderen Menge russisches Öl kauft.

Nun die nächste Frage: Werden Zölle gegen die Volksrepublik China, den größten Käufer russischer Energieträger, verhängt werden? Trump hat bereits versucht, solche Zölle gegen China einzuführen, ist damit jedoch regelrecht gescheitert. Dieses Fiasko führte zur Aufhebung hoher Zölle gegen die chinesische Wirtschaft, weil deutlich wurde, dass die Vereinigten Staaten in bestimmten wichtigen Bereichen ihrer eigenen Wirtschaft in kritischem Maße von Peking abhängig sind. Sich vorzustellen, dass die Vereinigten Staaten heute durch einen neuen Zollkrieg die Zusammenarbeit mit China einstellen würden, dürfte daher kaum realistisch sein.

Indien ist eine andere Frage. Dort hat Donald Trump bereits versucht, Druck auf Narendra Modi auszuüben, und Indien hat seine Käufe russischen Öls tatsächlich erheblich reduziert. Doch das war vor dem Krieg der Vereinigten Staaten gegen den Iran. Jetzt herrscht ein erheblicher Mangel sowohl an Erdölprodukten als auch an eben jenem Dieselkraftstoff, den Russland derzeit nicht exportiert, sondern selbst kauft. Und für Länder, die infolge der anhaltenden Krise in der Straße von Hormus den Zugang zu traditionellen Handelsrouten verloren haben, bleibt russisches Öl ein wichtiges Gut – inzwischen nicht einmal mehr ein besonders attraktives, sondern schlicht eines, das sie für die Entwicklung ihrer eigenen Wirtschaft benötigen.

Deshalb kann man sagen: Selbst wenn Donald Trump Sanktionen gegen China und Indien verhängt, bedeutet das noch lange nicht, dass die Ölraffinerien dieser Länder aufhören werden, russisches Öl zu kaufen – falls es überhaupt dazu kommt.

Wenn das Gesetz nach der Unterzeichnung durch Donald Trump tatsächlich in Kraft tritt, könnten Sie fragen: „Wozu braucht man dieses Gesetz überhaupt, und warum wurde es anderthalb Jahre nach dem Zeitpunkt verabschiedet, als Lindsey Graham es vorgeschlagen hatte?“ Weil die Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten näher rücken. Und Donald Trump muss ebenso wie alle Republikaner den Wählern – von denen die überwältigende Mehrheit in den Vereinigten Staaten die Ukraine unterstützt und Russland nicht unterstützt – demonstrieren, dass sie Gesetze verabschieden, die auf die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges und die Bestrafung des Aggressors abzielen.

Dass diese Gesetzgebung möglicherweise niemals tatsächlich zur Anwendung kommt und selbst im Falle ihrer Anwendung zu keinerlei realen Ergebnissen führen könnte, wird dem Wähler erst bewusst werden, nachdem die Zwischenwahlen stattgefunden haben.

Jetzt aber wird das Thema dieses Gesetzentwurfs auf Wahlkampfveranstaltungen mit republikanischen Kandidaten lautstark zu hören sein – als Antwort auf die Vorwürfe der Demokraten, die Republikanische Partei helfe der Ukraine nicht. „Nein, ihr selbst helft nicht. Ihr habt nicht einmal für ein Gesetz gestimmt, das die Voraussetzungen für höllische Sanktionen gegen die Russische Föderation schaffen sollte“, werden die republikanischen Konkurrenten den Demokraten entgegnen.

Es geht also ausschließlich um eine Entscheidung, die erstens innenpolitischen Charakter hat und die zweitens, selbst wenn sie zur Anwendung kommt, die weitere Entwicklung der Ereignisse rund um den russisch-ukrainischen Krieg wohl kaum ernsthaft beeinflussen wird.

Eine weitaus wichtigere Entscheidung könnte die Abstimmung über das bereits vom Repräsentantenhaus verabschiedete Gesetz zur Unterstützung der Ukraine sein. Darin geht es um echtes Geld für die Ukraine, um Waffenlieferungen und um Möglichkeiten, der ukrainischen Armee neue Positionen auf dem Schlachtfeld zu verschaffen. Doch gerade dieses Gesetz wird Donald Trump so lange blockieren, wie er dazu in der Lage ist, weil es konkret ist und weil es dem Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht erlaubt, sich seiner Umsetzung zu entziehen.

Und wenn wir uns vorstellen, dass die Demokraten nicht nur das Repräsentantenhaus, sondern auch den Senat gewinnen und entsprechende Gesetze verabschieden, dann würde der Präsident der Vereinigten Staaten vor dem Dilemma stehen, ob er dieses Gesetz unterzeichnet und damit seine bisherigen Ansätze bei der Unterstützung der Ukraine über den Haufen wirft, oder ob er seine Unterzeichnung blockiert und damit demonstriert, was seine Regierung tatsächlich über den russisch-ukrainischen Krieg denkt.


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Titel des Originals: Конгрес США ухвалив закон Грема про
„пекельні санкції“ | Віталій Портников. 17.09.2026.

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Neue Forderungen von Donald Trump. Vitaly Portnikov. 14.09.2026.

Нові вимоги Дональда Трампа. Віталій Портников. 14.09.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten betonte, er habe dem Präsidenten der Ukraine gesagt, die Angriffe auf den Ölraffineriekomplex der Russischen Föderation einzustellen, weil dies angeblich zu einem Anstieg des Dieselpreises führe. Vor dieser Erklärung hatten sich bereits die Finanz- und Energieminister der Vereinigten Staaten mit ähnlichen Erklärungen zum Preisanstieg geäußert.

Auf den ersten Blick sieht das seltsam aus. Es geht nicht einmal nur darum, dass die russischen Lieferungen den Weltmarkt für Öl und Ölprodukte nicht in dem Maße beeinflussen wie die blockierten Öllieferungen aus den Ländern des Persischen Golfs durch die Straße von Hormus. Entscheidend ist, dass die Vereinigten Staaten beharrlich gegen die Lieferung von Öl und Ölprodukten aus der Russischen Föderation als Reaktion auf Russlands Invasion in die Ukraine vorgegangen sind. Sie taten dies unter der Biden-Regierung und setzten es unter der Trump-Regierung fort. Die jüngsten Sanktionen gegen die wichtigsten russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil hat Trump selbst unterzeichnet. Und es war Trump selbst, der Zölle auf indische Waren verhängte, weil er vom indischen Premierminister Narendra Modi verlangte, den Kauf russischen Öls einzustellen. Ja, nach Beginn der iranischen Blockade der Straße von Hormus erteilte das US-Finanzministerium mehrmals eine Genehmigung, die es indischen Ölraffinerien erlaubte, russisches Öl von Tankern zu kaufen. Doch derzeit wird diese Genehmigung nicht verlängert, und Öl russischer Herkunft kann nur unter Verstoß gegen die amerikanischen Sanktionen gekauft werden. Es würde also naheliegen: Wenn Donald Trump so sehr an einer Senkung des Dieselpreises interessiert ist, wäre das Erste, was er tun könnte, die Sanktionen gegen Russland aufzuheben, anstatt von der Ukraine zu verlangen, die Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen. Aber wir verstehen, dass der amerikanische Präsident die Sanktionen nicht aufheben wird, weil er schlicht keine anderen Instrumente hat, um Druck auf Putin auszuüben. Dafür wird er aber die Ukraine und ihre angebliche Mitverantwortung für den Preisanstieg an den Tankstellen ins Spiel bringen.

Wir sind in eine sehr gefährliche Phase eingetreten. Jeder Amerikaner kann das verstehen, wenn er auf den Kalender und auf die Preisanzeigen an den Tankstellen schaut. Die Zwischenwahlen zum Kongress, bei denen sich ein Sieg der Demokraten abzeichnet, rücken rasch näher. Und die Preise an den Tankstellen fallen nicht, sondern steigen. Und der amerikanische Präsident muss dringend Schuldige für diesen Anstieg finden.

Den Iran – den tatsächlichen Verursacher der Energiekrise, der nicht nur weiterhin die Straße von Hormus blockiert, sondern mithilfe seiner „Proxys“ auch Möglichkeiten für eine Blockade der Meerenge Bab al-Mandab schafft, also für eine vollständige Einstellung der Ölexporte aus dem Persischen Golf – zu beschuldigen, würde bedeuten einzugestehen, dass man mit Teheran keine Einigung erzielen und auf seine neue Führung keinen Einfluss ausüben kann. Und dann würden unangenehme Fragen darüber aufkommen, wie durchdacht die amerikanischen Angriffe auf den Iran waren, ob man in der Lage ist, Energiesicherheit zu gewährleisten und Versuchen entgegenzutreten, durch die Blockade von Ölrouten Druck auf Amerika und die ganze Welt auszuüben. Und die Antworten auf diese Fragen dürften den Ruf derjenigen kaum verbessern, die auf einen schnellen Sieg über das Regime der Ayatollahs gehofft hatten.

Dann bleibt die Ukraine, die bereits nicht zum ersten Mal im amerikanischen Wahlkampf benutzt wird. Denn zu behaupten, gerade die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien führten zu steigenden Preisen, ist wesentlich bequemer, als an die tatsächlichen Ursachen der Zahlen auf den Preisanzeigen zu erinnern.

Was soll die Ukraine in dieser Situation tun? Meiner Ansicht nach ihre Position beibehalten und zugleich in diesen für sie kritischen Zeiten keinen Streit mit der Administration des US-Präsidenten anfangen. Die Angriffe auf Ölraffinerien sind eines der wichtigsten Instrumente, um Russland zum Frieden zu zwingen. Das muss sowohl dem Präsidenten der Vereinigten Staaten als auch seinen Ministern erklärt werden. Und gleichzeitig muss man sich daran erinnern, dass Trump nicht allzu viele Hebel hat, um nicht nur auf Russland, sondern auch auf die Ukraine Einfluss auszuüben. Wenn man also tatsächlich bestimmte Angriffe einstellt, muss man die Möglichkeit haben, andere durchzuführen, gegen die Trump nichts einzuwenden hat. Aber sie mit wirksamerer amerikanischer Unterstützung durchzuführen. Wo sind denn unsere „Tomahawks“?

Und das Wichtigste: Was auch immer der amerikanische Präsident jetzt von seinem ukrainischen Amtskollegen verlangen mag, es geht um einen Zeitraum von wenigen Wochen. Nach dem 3. November 2026 werden wir uns in einer völlig neuen Welt wiederfinden – einer Welt, in der die ukrainischen Angriffe auf russische Ölraffinerien wohl kaum Donald Trumps größtes Problem sein werden.


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Titel des Originals: Нові вимоги Дональда Трампа. Віталій Портников. 14.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 14.09.2026.
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Russland verliert den Abnutzungskrieg | Vitaly Portnikov. 16.08.2026.

Russland kann den Abnutzungskrieg verlieren, und seine führenden Ökonomen erkennen das an, während der Kreml davon nichts hören will. So lässt sich die Nachricht kommentieren, die heute praktisch den ganzen Tag in den Medien diskutiert wurde: die Entlassung des Chefökonomen der russischen Vnesheconombank, Andrei Klepach.

Auf den ersten Blick keine besonders bedeutende Position und keine besonders bedeutende Persönlichkeit, doch es geht um einen der bekanntesten russischen Ökonomen und um die Gründe für seine Entlassung. Russische oppositionelle Medien betonen, dass die Führung der Vnesheconombank gezwungen war, sich von Klepach zu trennen, gegen den es keinerlei dienstliche Beanstandungen gab, und zwar wegen seines jüngsten Auftritts, in dem er die Lage der russischen Wirtschaft beschrieb.

Klepach betonte, dass Russland den wirtschaftlichen Abnutzungskrieg verliert, dass es im Wettbewerb mit dem Westen nicht konkurrenzfähig ist und dass selbst die ukrainische Wirtschaft trotz der Angriffe auf ihre wichtigen Einrichtungen und trotz der demografischen Probleme besser überlebt, als man es in der Russischen Föderation erwarten konnte. Und gerade dieser Auftritt mit seinen düsteren Prognosen für die Zukunft der russischen Wirtschaft wurde zum Grund für die Entlassung des bekannten Ökonomen mit seiner relativ unabhängigen Position.

Das bedeutet, dass die Taktik, die die Ukraine heute im Bündnis mit dem Westen gewählt hat, im Hinblick auf die Suche nach Wegen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges richtig ist. Einerseits sehen wir tatsächlich, dass die russische politische Führung unter Putin nicht einmal daran denken will, den Krieg auf diese Weise zu beenden und die diplomatischen Bemühungen wieder aufzunehmen. Dass keinerlei Vorschläge zur Beendigung des Krieges Putins Haltung beeinflussen, der weiterhin darauf hofft, noch mehr ukrainisches Territorium zu erobern und die Wirtschaft unseres Landes zu zerstören.

Andererseits zeigt Russland immer wieder, dass es mit der zivilisierten Welt nicht konkurrieren kann, dass es die westlichen Sanktionen natürlich ignorieren kann, diese sich aber sowohl auf seine Realwirtschaft als auch auf sein Finanzsystem auswirken, dass die russischen Ressourcen ohne den westlichen Markt dazu verurteilt sind, ihre Rolle als wichtigstes Instrument zur Auffüllung des russischen Staatshaushalts zu verlieren. Und vor allem hilft Russlands Abhängigkeit von den Ländern des Globalen Südens, in erster Linie von der Volksrepublik China, nicht dabei, die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Russischen Föderation auszubauen, denn China ist gerade nicht daran interessiert, dass Russland überlebt. China ist sowohl an einer Schwächung des Westens als auch an einer Schwächung Russlands interessiert.

Aus der Perspektive Pekings kann Russland in dieser Situation schlicht wie ein politischer Satellit und wirtschaftliches Anhängsel der Volksrepublik China erscheinen. Wir verstehen sehr gut, dass Moskau im Wettbewerb der Volkswirtschaften nicht nur gegen Peking, sondern auch gegen den Westen verliert, nicht nur gegen Neu-Delhi, sondern gegen den gesamten Globalen Süden. Und wenn russische Ökonomen versuchen, ihre eigene Führung darauf aufmerksam zu machen, versucht man ihnen, wie wir sehen, wenn schon nicht die Möglichkeit zu öffentlichen Auftritten zu nehmen, dann zumindest jene Ämter, die es erlauben würden, solche Äußerungen mit einer offiziellen Position in Verbindung zu bringen.

Gerade deshalb sind die sogenannten Systemliberalen im Umfeld des russischen Präsidenten Putin mit ihren Prognosen so vorsichtig, obwohl auch ihre Auftritte auf den jüngsten russischen Wirtschaftsforen keineswegs von Optimismus geprägt waren. Diese Menschen verstehen sehr gut, dass Putin versucht, einen Krieg entgegen den wirtschaftlichen Realitäten zu führen, und sorgen sich deshalb um den Erhalt ihrer Ämter. Und die jetzige Entlassung eines Ökonomen, der bis zu diesem Zeitpunkt nur wenigen bekannt war, hat gezeigt, dass tatsächlich jede Meinung verfolgt wird, die von der allgemeinen optimistischen Haltung der russischen Führung abweicht, selbst wenn es um Menschen geht, die weiterhin Teil der Putin-Elite sind.

Wir können also mit Sicherheit sagen, dass Putin Russland mit seiner Kurzsichtigkeit und seinem mangelnden wirtschaftlichen Weitblick auf genau jenen wirtschaftlichen Abgrund zutreibt, den wir so dringend brauchen, damit der russisch-ukrainische Krieg endet. Denn ein anderes Mittel als den wirtschaftlichen Zusammenbruch Russlands, die Verarmung der russischen Bevölkerung und das Fehlen der Ressourcen für den weiteren Betrieb der russischen Kriegsmaschinerie gibt es schlicht nicht.

Natürlich schließt dies auch die Probleme der Ukraine nicht aus. Aber die Ukraine hat den offensichtlichen Vorteil, dass wir erstens nie in einem Zustand einer paternalistischen Wirtschaft wie in Russland gelebt haben und unsere Gesellschaft weitaus mehr Eigeninitiative zeigt als die Gesellschaft der Russischen Föderation, wo es eher eine Fassade der Marktwirtschaft gab, hinter der sich staatliche Mechanismen verbargen. Und zweitens profitieren wir von den Interessen und Möglichkeiten der zivilisierten Welt, die nicht nur die Notwendigkeit einer Niederlage Russlands in diesem Krieg versteht, sondern auch die Notwendigkeit des Wiederaufbaus der Ukraine. Auch das ist ein wichtiger Punkt für jeden, der sich der Lage im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung jener Ereignisse bewusst ist, die heute im russisch-ukrainischen Krieg von entscheidender Bedeutung sind.

Auch das ist ein wichtiger Punkt, an den man denken muss, wenn wir über die weitere Entwicklung in der Konfrontation zwischen Russland und der Ukraine sprechen. Er ist auch deshalb wichtig, weil diese Konfrontation die Möglichkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung verdeutlicht – sowohl jene, die mit den Möglichkeiten der westlichen Volkswirtschaften verbunden sind, als auch jene der Wirtschaft der Russischen Föderation. Und die Wirtschaft der Russischen Föderation verliert, wie es bereits zu Sowjetzeiten wiederholt der Fall war, ganz offensichtlich gegen die wirtschaftlichen Möglichkeiten der zivilisierten Welt.

Das sowjetische Szenario des Niedergangs wiederholt sich. Und es ist sehr erstaunlich, dass Putin, der seine Karriere in den letzten Jahren der Sowjetunion machte, später sogar stellvertretender Bürgermeister von St. Petersburg war und eigentlich verstehen müsste, wie Marktmechanismen funktionieren, erneut in dieselbe Falle gerät, in die vor ihm schon die Führer der Sowjetunion geraten waren. 

Offenbar begreift er nicht, dass es nicht genügt, sein Land zur Marktwirtschaft zu erklären. Dieses Land muss tatsächlich Teil des weltweiten Wirtschaftsgefüges sein und darf sich nicht einfach nur an China orientieren. Und seine Bürger sollten nicht damit beschäftigt sein, unter den Bedingungen von Explosionen in Wildberries-Lagern um ihr eigenes Überleben zu kämpfen, sondern Teil der weiteren Entwicklung der wirtschaftlichen Prozesse in der Welt sein und in ihrem eigenen Land Eigeninitiative entfalten können, anstatt zu Kanonenfutter für Putins Krieg gemacht zu werden.


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Titel des Originals: Росія програє війну на винищення | Віталій Портников. 16.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 16.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach, veröffentlicht auf uebersetzungenzuukraine.data.blog.


Putins Auftritt: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 12.08.2026.

Während seines Auftritts bei einer Übung der Pazifikflotte der Russischen Föderation versprach Putin eine spiegelbildliche Antwort auf die Maßnahmen europäischer und anderer westlicher Länder, die mit Sanktionen belegte Schiffe der Russischen Föderation stoppen. Übersetzt man dies aus der bürokratischen in die allgemein verständliche Sprache, versprach er, fremde Schiffe zu versenken.

Dass dieser Auftritt des russischen Präsidenten kein Zufall war, sondern den Beginn einer neuen Propagandakampagne der Russischen Föderation darstellt, zeigte sich daran, dass sich Putins Drohungen umgehend sowohl der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, Dmitri Medwedew, als auch das Außenministerium der Russischen Föderation anschlossen, das bereits offizielle Drohungen gegen jene europäischen Länder aussprach, die Schiffe unter sogenannten Billigflaggen stoppen, die Russland dabei helfen, westliche Sanktionen zu umgehen.

Dieser Vorstoß Putins ist keineswegs zufällig. Er bedeutet, dass die Russische Föderation begonnen hat, eine Bedrohung für ihre weiteren Öllieferungen auf die Märkte der Länder des Globalen Südens zu spüren. Denn der überwiegende Teil dieser Lieferungen ist gerade mit der sogenannten russischen Schattenflotte verbunden, die sich in Wirklichkeit keineswegs im Schatten befindet. Alle wissen sehr genau, wo sich diese Schiffe befinden und wohin sie fahren; sie verstecken sich vor niemandem. Und die Frage ihrer Festsetzung ist eine Frage des politischen Willens und der Möglichkeiten.

Wenn die westlichen Länder darauf bestehen, dass Russland jene Sanktionen einhalten muss, die nach Beginn der Aggression der Russischen Föderation gegen unseren Staat gegen das Land verhängt wurden, bedeutet dies, dass Moskau auch diesen Teil der für seinen Haushalt so wichtigen Einnahmen verlieren wird. Und das zu einer Zeit, in der Putin fest entschlossen ist, den Krieg fortzusetzen, und für die Fortsetzung des Krieges braucht er Geld.

Natürlich kann sich die Frage stellen, auf welche Weise die Russische Föderation zu Akten der Piraterie greifen will. Denn die europäischen Länder stoppen Tanker, die mit der Russischen Föderation verbunden sind, in der Regel in ihren eigenen Hoheitsgewässern. Sie hindern sie daran, eine Route fortzusetzen, die unter die Sanktionsgesetzgebung fällt. Und somit können wir von der Tatsache sprechen, dass die Russische Föderation zu tatsächlichen Akten der Piraterie gegen die europäische Schifffahrt greifen könnte.

Genau davon spreche ich, wenn ich auf die Möglichkeit einer Ausweitung des russisch-ukrainischen Krieges auf die Länder Europas hinweise. Putin ist daran interessiert, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine schneller endet, als ihm das Geld für die Fortsetzung des Feldzugs ausgeht.

Doch natürlich sieht der russische Diktator das Ende dieses Krieges zu seinen Bedingungen. Er hofft noch immer darauf, dass die ukrainische Staatlichkeit zerstört und ihre ehemaligen Territorien als Föderationssubjekte der Russischen Föderation angeschlossen werden, so wie dies formell bereits mit den ukrainischen Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja sowie mit der Autonomen Republik Krim und Sewastopol geschehen ist.

Damit dies jedoch geschieht, braucht Putin eine Ukraine ohne westliche Hilfe. Der russische Präsident ist sich sehr wohl bewusst, dass die Ukraine den Krieg gegen sein Piratenland als Teil der zivilisierten Welt fortsetzt. Und er will, dass diese zivilisierte Welt die Unterstützung unseres Staates einstellt.

Zumal Putin bestimmte Möglichkeiten dafür bereits genutzt hat. Wir haben gesehen, wie man in Washington nach den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten im Jahr 2024 und der Rückkehr des Republikaners Donald Trump ins Oval Office im Jahr 2025 nicht einmal mehr an die Möglichkeit einer intensiven militärischen Unterstützung der Ukraine nach dem Vorbild der vorherigen Regierung von Joseph Biden dachte.

Warum sollte Putin nicht davon ausgehen können, dass auch europäische Politiker in Zukunft bereit sein werden, auf die Unterstützung der Ukraine zu verzichten? Zumal derzeit bei vielen bevorstehenden Wahlen rechtsextreme Politiker als Favoriten gelten, die bereits zuvor zu jeglichen Vereinbarungen mit Russland bereit waren und keine Befürworter der Unterstützung der Ukraine in unserer Auseinandersetzung mit der aggressiven Politik Russlands waren.

Deshalb ist es hier wichtig, die westlichen Gesellschaften einzuschüchtern. Denn wir verstehen sehr gut, dass für die Europäer bereits die Tatsache, dass ihre Schiffe von den Seestreitkräften der Russischen Föderation angegriffen werden, einen gefährlichen Präzedenzfall darstellt, der nur die Position jener stärken wird, die behaupten werden, man dürfe der Ukraine nicht helfen und müsse sich mit Russland einigen.

Von Gesprächen über die Notwendigkeit, eine Verständigung mit dem Westen zu suchen, ist Putin zu offenen Drohungen übergegangen. Und im Übrigen sind dies Drohungen gegen den kollektiven Westen als solchen und nicht nur gegen Europa. Denn einen großen Teil des Auftritts des russischen Präsidenten machten auch seine Drohungen gegen Japan aus. Und dies ist nicht nur der Versuch, die Beziehungen zwischen Moskau und Tokio zu verschärfen. Es ist auch der Wunsch des russischen Staatschefs, seinen Energiesponsoren aus der Volksrepublik China zu gefallen, die einen Kurs zur Verschlechterung der chinesisch-japanischen Beziehungen eingeschlagen haben.

Wir erinnern uns daran, wie der Außenminister der Volksrepublik China und Leiter der außenpolitischen Kommission des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas, Wang Yi, vom Podium der hochrangig besetzten Münchner Sicherheitskonferenz Japan mit weiteren Maßnahmen Chinas drohte, sollte dieses Land seine außenpolitischen Prioritäten nicht ändern, insbesondere seine Befürchtung, dass sich eine Krise in der Taiwanstraße tatsächlich auch auf die Sicherheit Japans auswirken könnte.

Und nun schloss sich Putin während seines Auftritts bei der Übung der Pazifikflotte der Russischen Föderation im Grunde diesen chinesischen Drohungen am entsprechenden geografischen Ort an. Doch dieser geografische Ort ist auch im Hinblick auf das von Bedeutung, worüber wir sprechen, wenn wir die Drohungen gegen die Europäer erörtern.

Denn wenn wir über die russische Flotte in Europa sprechen, hat die Russische Föderation nicht allzu viel vorzuweisen. Insbesondere nachdem die russische Schwarzmeerflotte Sewastopol verlassen musste und sich nun in der Bucht von Noworossijsk versteckt, das ebenfalls von den Streitkräften der Ukraine angegriffen wird. Im Pazifik dagegen kann Putin noch wie eine Art Admiral wirken, der nicht nur aus Pappe besteht.

Doch all das gilt nur vorerst. Und wir müssen uns daran erinnern, dass die Möglichkeiten der Russischen Föderation nur so lange bestehen, wie man dem dreisten Aggressor auf seine Drohungen und seine Handlungen nicht antwortet.


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Titel des Originals: Виступ Путіна: головне | Віталій Портников. 12.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 12.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Die Ukraine setzt die Zerstörung russischer Raffinerien fort | Vitaly Portnikov. 08.08.2026.

Die Ölraffinerie Syzran in der Region Samara sowie die Ölraffinerie Ilsky im Krasnodarer Gebiet wurden heute von ukrainischen Drohnen angegriffen.

Damit lässt sich feststellen, dass die Ukraine ihre systematischen Bemühungen zur Zerstörung der russischen Erdölverarbeitungsindustrie fortsetzt. Dies bleibt – ebenso wie die Angriffe auf russische Marktplätze und die Versuche, den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation außer Gefecht zu setzen – nahezu der einzige Weg, den russisch-ukrainischen Krieg in den kommenden Jahren zumindest auszusetzen oder sogar zu beenden.

Meiner Ansicht nach ist inzwischen offensichtlich geworden, dass die diplomatischen Bemühungen, die nach der Rückkehr Donald Trumps ins Oval Office erneut aufgenommen wurden, mit einem vorhersehbaren Fiasko geendet haben. Der russische Präsident will den russisch-ukrainischen Krieg erst dann beenden, wenn die ukrainische Staatlichkeit zerstört und der größte Teil der Bevölkerung der Ukraine aus den angestammten Siedlungsgebieten der Ukrainer vertrieben worden ist. Sämtliche diplomatischen Prozesse und Verhandlungen werden von Putin genutzt, um die Kampfhandlungen fortzusetzen und Zeit zu gewinnen – vermutlich bis zum Ende der Amtszeit Donald Trumps im Weißen Haus.

Damit liegt die Frage, wie und wann der russisch-ukrainische Krieg enden soll, genau im Bereich ukrainischer Angriffe auf die russische Wirtschaft – auf Ölraffinerien, auf Marktplätze und vor allem auf Betriebe des militärisch-industriellen Komplexes. Im Grunde geht es also um dieselben weitreichenden Sanktionen, die sich in der Praxis als weitaus wirksamer erweisen als die vom Westen verhängten Sanktionen.

Denn in den Jahren dieses Krieges sind wir noch zu einer weiteren wichtigen Erkenntnis gelangt. Es gibt in der Welt zwei wirtschaftliche Pole, die erbittert um die Führungsrolle konkurrieren. Die Sanktionen der Vereinigten Staaten, Donald Trumps Zölle, die Entscheidungen der Europäer zur Blockierung russischer Vermögenswerte – all diese wichtigen Maßnahmen funktionieren nicht und werden auch künftig nicht funktionieren, weil Russland ein organischer Bestandteil der Wirtschaften der Länder des Globalen Südens ist. Länder, die westliche Vorstellungen von Werten und internationalem Recht überhaupt nicht teilen. Länder, die jedes Handeln Amerikas und Europas als Diktat betrachten. Länder, die nicht nur die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation fortsetzen wollen, sondern Russland auch nicht fallen lassen möchten, weil ein Zusammenbruch Russlands für diese Staaten einen Sieg des Westens bedeuten würde. Und genau das können diese Staaten – allen voran natürlich die Volksrepublik China, in der weiterhin ein kommunistisches Regime herrscht – nicht zulassen.

So kann der Westen auf russisches Öl und russisches Gas verzichten und russische Vermögenswerte blockieren, während gleichzeitig die Volksrepublik China, Indien und andere Länder des Globalen Südens weiterhin russisches Öl und russisches Gas kaufen und darauf sogar noch stolz sind.

Erst vor Kurzem habe ich eine Äußerung des Energieministers der Republik Türkei gesehen, dessen Nachname – Bayraktar – ich als durchaus bezeichnend bezeichnen würde. Er warf den Europäern vor, auf die Gaslieferungen über Nord Stream verzichtet zu haben, und sprach von der Weisheit der türkischen Politik, die auf dem Ausbau von TurkStream und der Fortsetzung der Öl- und Gaslieferungen aus der Russischen Föderation für die Bedürfnisse der türkischen Wirtschaft beruhe. Und wie wir sehen, kümmert es keinen einzigen Regierungsvertreter in Ankara – angefangen natürlich beim Präsidenten des Landes, Recep Tayyip Erdoğan –, dass türkisches Geld vom Präsidenten der Russischen Föderation für die Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine verwendet wird.

Es stellt sich heraus, dass man gleichzeitig russisches Öl und russisches Gas kaufen, den russischen Staatshaushalt finanzieren und lautstark die territoriale Integrität der Ukraine sowie die Notwendigkeit eines Kriegsendes unterstützen kann – obwohl man genau weiß, dass solche Erklärungen in Moskau niemanden interessieren, während sich buchstäblich jeder dort für das türkische Geld interessiert, das für russisches Öl und Gas gezahlt wird.

Und genau eine solche Politik verfolgen praktisch alle Länder des Globalen Südens. Natürlich lässt sich der türkische Beitrag zu dem finanziellen Polster Russlands, das Putin hilft, den Krieg fortzusetzen, nicht einmal annähernd mit dem chinesischen Beitrag vergleichen.     

Den Zollkrieg gegen die Volksrepublik China hat Donald Trump, so kann man sagen, in Rekordzeit verloren. Deshalb könnte selbst das Lindsey-Graham-Gesetz, das vom amerikanischen Senat verabschiedet wurde und offensichtlich für ein tatsächliches Vorgehen der Vereinigten Staaten gegenüber den Ländern des Globalen Südens von erheblicher Bedeutung ist, keinerlei Rolle bei der Fortsetzung der Käufe russischen Öls spielen, weil der amerikanische Präsident sich möglicherweise nicht dazu entschließen wird, neue Zölle gegen die Volksrepublik China zu verhängen.

Was also tun in dieser Situation wirtschaftlicher Ausweglosigkeit? Den Ausweg finden, den die Ukraine bereits gefunden hat.

Die Zerstörung der Ölraffinerien der Russischen Föderation führt dazu, dass mehr Rohöl für den Binnenmarkt bereitgestellt werden muss – doch es gibt keine Kapazitäten mehr, dieses Öl zu verarbeiten. Soll man es stattdessen über den Seeweg exportieren und hoffen, ausländische Käufer zu finden? Doch deren Zahl wird immer kleiner, weil – mit Ausnahme Chinas – alle anderen vermeiden müssen, amerikanische Sanktionen zu riskieren, die heute vielleicht noch unrealistisch erscheinen, künftig aber durchaus möglich sind. Und wenn sich herausstellt, dass das Öl weder verarbeitet noch verkauft werden kann, bleibt nichts anderes übrig, als die Förderquellen stillzulegen. Genau das ist der Weg zur Degradierung der russischen Erdölindustrie, zur Schließung der Tankstelle. 

Der andere Weg sind Angriffe auf Marktplätze, die Unternehmen in der Russischen Föderation zerstören und die Zahl derjenigen verringern, die tatsächlich auf eine weitere wirtschaftliche Entwicklung und damit auf neue Steuereinnahmen für den russischen Staatshaushalt hoffen können. Auch das schafft Probleme für die Zukunft, denn ein Krieg kostet gewaltige Summen.

Und noch ein weiterer wichtiger Weg – neben diesen beiden – ist tatsächlich der Versuch, Abschussanlagen für ballistische Raketen zu zerstören. Ich würde zudem darüber nachdenken, die Fabriken zu zerstören, in denen diese ballistischen Raketen hergestellt werden.

Genau auf diesen Feldern kann man nach einem Weg suchen, diesen endlosen Krieg auszusetzen und vielleicht in den kommenden Jahren sogar zu beenden. Ohne Angriffe auf Russland wird dieser Krieg noch viele schwierige Jahre andauern.


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Titel des Originals: Україна продовжує знищувати НПЗ |Віталій Портников. 08.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 08.08.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Die Ukraine gibt Wildberries den Rest | Vitaly Portnikov. 02.08.2026.

In Russland brennt ein weiteres Logistikzentrum des Marktplatzes Wildberries. Diesmal im Ort Nowosemeikino in der Region Samara.

Es ist nur eines der Objekte, die in der vergangenen Nacht von den ukrainischen Verteidigungskräften getroffen wurden. Berichtet wurde außerdem über Probleme in einer Ölraffinerie in der Region Saratow der Russischen Föderation sowie über einen Brand auf dem Flugplatz Engels, den die russische Luftwaffe für Angriffe auf die Ukraine nutzt.

Obwohl der Marktplatz Wildberries formal kein militärisches Objekt ist und auch nicht mit dem russischen Ölraffineriesektor zusammenhängt, ist er dennoch möglicherweise eines der wichtigsten Objekte, die der russischen Wirtschaft helfen, unter den Bedingungen der Sanktionen zu funktionieren – und Putin dabei helfen, den Krieg fortzusetzen.

Man muss sich bewusst machen, dass Russland, wenn es Angriffe auf die Ukraine verübt, die es als Vergeltungsschläge bezeichnet – etwa gegen Lager von Nowa Poshta oder Rozetka, obwohl diese Angriffe lange vor den Schlägen gegen Wildberries-Marktplätze begannen –, diesen Unternehmen, den Menschen, die auf ihre Lieferungen warten, und letztlich der ukrainischen Wirtschaft als Ganzem zwar reale Probleme bereitet. Doch es sind keine Angriffe, die die ukrainische Wirtschaft so erschöpfen würden, dass wir der russischen Aggression nicht mehr widerstehen könnten.

Warum? Weil die ukrainische Wirtschaft eine Wirtschaft ist, die mithilfe westlicher Unterstützung künstlich am Leben erhalten wird. Wir verstehen sehr gut, dass die Ukraine ohne diese westliche Hilfe schon seit vielen Jahren nicht mehr in der Lage wäre, der russischen Aggression standzuhalten.

Erinnern wir uns daran, wie verheerend die russischen Angriffe auf unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten bereits im Jahr 2022 waren. Inzwischen schreiben wir das Jahr 2026. Und niemand hat Zweifel daran, dass die Ukraine auch im kommenden Jahr 2027 wirtschaftlich in der Lage sein wird, den Folgen der russischen Aggression entgegenzutreten, weil die Unterstützung unseres Landes durch die Staaten der Europäischen Union bereits beschlossen wurde. Und ich habe keinerlei Zweifel daran, dass diese Hilfe – falls erforderlich – auch in den folgenden Kriegsjahren fortgesetzt werden wird.

Russland befindet sich hingegen in einer anderen wirtschaftlichen Lage, in der die Marktplätze von Wildberries gewissermaßen die Lungen der russischen Sanktionswirtschaft darstellen – einer wirtschaftlichen Entwicklung, die Putin erlaubt, in die Zukunft zu blicken und den Krieg für die kommenden Jahre zu planen.

Denn unter Bedingungen, in denen Zahlungen nicht mehr auf zivilisierte Weise abgewickelt werden können und die westlichen Sanktionen die Tätigkeit russischer Banken als klassische Finanzinstitute praktisch zum Erliegen gebracht haben, übernehmen gerade die Marktplätze die Rolle von Stabilisatoren der wirtschaftlichen Entwicklung der Russischen Föderation. Zugleich schaffen sie jenes notwendige Steuerpolster, das es der russischen Führung ermöglicht, enorme Militärhaushalte zu planen und sicher zu sein, dass die russische Armee auch weiterhin über die notwendigen Mittel aus dem Staatshaushalt verfügen wird, um ihre Aggression gegen die Ukraine fortzusetzen, und dass ihre Entwicklung auch in den kommenden Jahren oberste Priorität behalten wird.

Wenn es aber kein Geld gibt, wird es auch diese Möglichkeiten für die Armee nicht geben. Wer behauptet, Putin werde das Geld für den Krieg auf jeden Fall finden, weil er dafür die soziale Stabilität der einfachen Russen opfern werde, irrt sich schlicht deshalb, weil das Geld für den Krieg tatsächlich erst einmal vorhanden sein muss.

Das bedeutet: Die russische Wirtschaft muss auf ein Niveau gebracht werden, auf dem weder Geld für das Überleben des gewöhnlichen Russen vorhanden ist – der für die Staatsführung ohnehin uninteressant wird, weil er keine Steuern mehr zahlt, sondern sich in einen gewöhnlichen Bettler verwandelt – noch Geld für die russische Armee und ihre Aggressionen. Genau das könnte Russland tatsächlich daran hindern, seine Aggression gegen die Ukraine sowie seine aggressiven Pläne gegenüber anderen Nachbarstaaten fortzusetzen.

Wir wissen, dass diese Pläne – Putins Pläne für einen langen Krieg – auf seinem Schreibtisch liegen. Und genau in diesen Minuten, während Sie diese Analyse ansehen oder anhören, denkt er darüber nach, wie sich der russisch-ukrainische Krieg auf die Staaten Mittel- und Osteuropas sowie auf die baltischen Länder ausweiten lässt. Welches Land wird als Nächstes in die dunkle Finsternis eines russischen Angriffs stürzen?

Doch ohne Geld gibt es keinen Krieg. In die Sprache der heutigen russischen Politik übersetzt bedeutet das: Es gibt keinen Krieg ohne das Geld von Wildberries. Es gibt keinen Krieg ohne das Geld anderer russischer Marktplätze, die – so hoffe ich – in den kommenden Monaten der erbitterten und verzweifelten russisch-ukrainischen Auseinandersetzung ebenfalls zerstört werden.

Wie sich herausgestellt hat – und das ist eine unangenehme Überraschung für die Bürger der Russischen Föderation ebenso wie für ihre terroristische Führung –, kann ein Abnutzungskrieg von beiden Seiten geführt werden. Und Russland wird diesen Abnutzungskrieg nicht als starker Staat verlassen, der zuversichtlich in die Zukunft blickt.

Mehr noch: Man kann sagen, dass es für die Russische Föderation überhaupt keine Zukunft geben wird, wenn sie den Krieg gegen unser Land fortsetzt. Es werden lediglich Erinnerungen an die Vergangenheit bleiben, als die Russen unter Putin besser lebten als unter jedem anderen ihrer wahnsinnigen Herrscher. 

Und es wird die Frage bleiben, an welchem Punkt Russland den falschen Weg eingeschlagen und sich in einen Staat der Ruinen, der Probleme und der offensichtlichen Ausweglosigkeit für den überwiegenden Teil seiner chauvinistisch gesinnten Bevölkerung verwandelt hat.

Und wir werden genau wissen, wann Russland den falschen Weg eingeschlagen hat: In dem Moment, als in den Köpfen seiner Machthaber die Idee entstand, die Staatlichkeit innerhalb der Grenzen der erbärmlichen Sowjetunion wiederherstellen zu können. In dem Moment, als die Entscheidung getroffen wurde, dass Russland ohne das ukrainische Territorium, ohne die Rückkehr zu den Grenzen von 1991 in Europa, seine Rolle als geopolitischer Akteur nicht zurückgewinnen und den Vereinigten Staaten von Amerika und der Volksrepublik China nicht auf Augenhöhe begegnen könne – jenen beiden Mächten, die sich auf den Kampf um das Monopol auf politischen Einfluss und wirtschaftliche Möglichkeiten in unserer komplizierten Welt des 21. Jahrhunderts vorbereiten.

Russland wollte an diesem erbitterten Kampf unbedingt teilnehmen, dass es damit letztlich seine eigene, für niemanden notwendige Existenz infrage gestellt hat. Und der Krieg gegen unser Land wird für die Russen zu jenem Ausgangspunkt werden, von dem an nur noch der Abstieg in einen historischen, politischen und sozialen Abgrund beginnt, aus dem sie sich noch viele, viele schwierige Jahrzehnte lang nicht befreien werden können.


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Titel des Originals: Україна добиває Wildberries | Віталій
Портников. 02.08.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 02.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Die Ukraine verstärkt die Angriffe auf Lagerhäuser | Vitaly Portnikov. 22.07.2026.

Nach ukrainischen Angriffen brennen zwei große Lagerhäuser des russischen Unternehmens Wildberries in Krasnodar und in der Stadt Newinnomyssk in der Region Stawropol. Über Krasnodar ist das riesige Feuer zu sehen, das nach ukrainischen Treffern in den Lagerhäusern ausgebrochen ist. Und die Aufnahmen dieses Feuers verbreiten sich über Dutzende Telegram-Kanäle von Einwohnern Krasnodars.

Somit kann man sagen, dass die ukrainischen Angriffe auf Handelslager in der Russischen Föderation, die man mit den Lungen einer unter Sanktionen stehenden Wirtschaft vergleichen könnte, systematisch werden. Ich erinnere daran, dass wir nur wenige Tage vor diesen Bränden Angriffe auf Lagerhäuser des Unternehmens Wildberries in Elektrostal in der Oblast Moskau und in Kotowsk in der Oblast Tambow beobachten konnten. Dabei galt das Lager in Elektrostal als eines der wichtigsten für das Unternehmen, dessen Einnahmen mit hochrangigen russischen Beamten aus dem engsten Umfeld des russischen Präsidenten Putin in Verbindung gebracht werden. Nun sind es zwei weitere Lagerhäuser. Und auch das Lager in Krasnodar gilt als eines der größten und wichtigsten für das Funktionieren der russischen Wirtschaft.

Man kann davon ausgehen, dass solche Lagerhäuser das Ergebnis der Anpassung der Wirtschaft der Russischen Föderation an die Sanktionen der zivilisierten Welt geworden sind, worüber im Kreml wiederholt gesprochen wurde. Und das Wichtigste ist, dass gerade diese Lagerhäuser den Handel mit Waren ermöglichten, ohne dass russische Banken an SWIFT angeschlossen waren, worüber die Eigentümerin des Unternehmens Wildberries dem Präsidenten der Russischen Föderation Putin voller Stolz berichtete. Und nun können, wie wir sehen, zwei weitere Lagerhäuser die unter Sanktionen stehende Wirtschaft Russlands nicht mehr bedienen.

Wichtig ist außerdem, dass in jedem solchen Lager in der Regel Dutzende oder Hunderte von Erzeugnissen gelagert werden können, die mit der Produktion unbemannter Luftfahrzeuge verbunden sind, die für Russland und für seine weiteren Angriffe auf die Ukraine wichtig sind. Es handelt sich also nicht nur um einen Schlag gegen die Wirtschaft als solche, obwohl auch das sehr wichtig ist. Es ist zugleich ein Schlag gegen den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation, und zwar gegen genau jene Industrie, die den Krieg unmittelbar und nicht nur mittelbar unterstützt.

Somit ist jedes große Lagerhaus in der Russischen Föderation ein wichtiges und logisches Ziel für die Streitkräfte der Ukraine. Und natürlich können wir jetzt sagen, dass jeder solche Angriff die Zahl der Menschen in der Russischen Föderation erhöht, die begreifen, dass der Krieg in ihre eigenen Häuser gekommen ist und von dort bis zu dem Tag nicht mehr verschwinden wird, an dem die russische Führung seiner Beendigung zustimmt.

Die überwiegende Mehrheit der Kommentatoren zu den vorherigen Angriffen, die infolge der Brände alles verloren hatten, sprach in der Regel nur über ihre wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Aber auch unter ihnen tauchten bereits Menschen auf, die von der Notwendigkeit sprachen, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Das heißt, sie begannen, die wirtschaftliche Katastrophe, die sie und ihre Familien getroffen hatte, mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine in Verbindung zu bringen. Sie begriffen, dass man einen Abnutzungskrieg zu zweit führen kann, und das bedeutet, dass die Folgen dieses Abnutzungskrieges mit den Schicksalen Hunderttausender Russen verbunden sein werden, die sowohl ihr Eigentum als auch ihre Perspektiven auf Entwicklung und ein normales Leben verlieren werden. Und genau das wird die Perspektive für die Bürger der Russischen Föderation in den kommenden schwierigen Jahren der russisch-ukrainischen Konfrontation sein.

Die wachsende Zahl von Menschen, die sich gegen den Krieg aussprechen, auch wenn dies heute noch nicht wie eine Massenbewegung aussieht, kann ebenfalls zu einem Problem für die russische Führung werden. Denn diese hört auf die eine oder andere Weise darauf, was in der Gesellschaft geschieht, weil sie den berühmten russischen Aufstand fürchtet, der zum Zusammenbruch des abscheulichen Geheimdienstregimes führen könnte. Für Putin ist es zumindest wichtig, dass die Stimmung in der russischen Gesellschaft nicht die rote Linie überschreitet, nach der die gut gefütterten Sicherheitskräfte mit den Russen nicht mehr fertigwerden können. Diese Sicherheitskräfte verlieren übrigens ebenso durch die Brände in den Lagerhäusern des Unternehmens Wildberries wie die Mitarbeiter der Verwaltung des Präsidenten der Russischen Föderation.

Denn in die Einnahmen aus diesem Unternehmen hatten zahlreiche Menschen investiert, die unmittelbar mit der höchsten Führung Russlands verbunden sind. Und darüber kam es unter Beteiligung hochrangiger Beamter und des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow zu Konflikten. Alle verstehen, welche enormen Geldsummen heute mit dem Handel über Online-Marktplätze verbunden sind. Und nun geht dieser Handel vor den Augen der russischen Führung seinem Ende entgegen.

Beobachter hatten die Zahl der größten Lagerhäuser, die für das Funktionieren der russischen Wirtschaft wichtig sind, zuvor auf ungefähr 25 geschätzt. Somit sind nach dem jüngsten Angriff ukrainischer unbemannter Luftfahrzeuge auf Krasnodar und Newinnomyssk nur noch 21 Lagerhäuser übrig, die noch nicht von diesen Angriffen getroffen wurden. Aber wir verstehen, dass sie bis zur vollständigen Zerstörung der Online-Marktplätze auf dem Gebiet Russlands fortgesetzt werden.

Wie wir sehen, stellt inzwischen selbst die Entfernung kein wirkliches Hindernis mehr für ukrainische Drohnen dar, weil zum ersten Mal in der Geschichte der Kriege, an denen die Russische Föderation beteiligt ist, ihr Feind Sibirien tatsächlich bombardieren kann. Somit hört das, was früher ein wichtiger russischer Vorteil war – ein Territorium, auf dem man Rüstungsbetriebe oder den Handel verstecken konnte –, auf, die russische Wirtschaft vor dem unvermeidlichen und schändlichen Zusammenbruch zu retten. Dieser wiederum wird zum sozialen Ruin Hunderttausender, wenn nicht Millionen von Einwohnern eines der aggressivsten Länder der modernen Welt führen.

Natürlich könnte man sich aus logischer Sicht an der Stelle der Führung der Russischen Föderation schon jetzt zurückhalten und darüber nachdenken, ob es sich lohnt, diesen sinnlosen Krieg nur deshalb fortzusetzen, um die eigene Macht zu demonstrieren und daran zu erinnern, dass niemand Putin widersprechen darf. Denn wirkliche Chancen auf die Eroberung der gesamten Ukraine, von der Putin im Februar 2022 träumte, hat der Kreml heute nicht.

Aber die russische Führung folgt in der Regel keiner Logik. Und die gesamte Geschichte russischer Kriege zeigt, dass die Führung in Moskau die Konfrontation bis zum niederschmetternden Zusammenbruch der russischen Wirtschaft und Staatlichkeit fortsetzen wird. Die Frage ist, ob die Ukraine in dieser schwierigen Zeit standhalten und dabei das Potenzial des Feindes vernichten kann.


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Titel des Originals: Україна нарощує удари по складах | Віталій Портников. 22.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 22.07.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Ein echter Tango zu zweit. Vitaly Portnikov. 20.07.2026.

Справжнє танго на двох. 20.07.2026.

Möglicherweise wird der Juli 2026 als jener Zeitpunkt in die Geschichte des russisch-ukrainischen Krieges eingehen, an dem es der Ukraine gelang, eine weitere Möglichkeit zur Schwächung der russischen Wirtschaft zu finden – und das trotz der brutalen ballistischen Angriffe auf Kyiv und andere ukrainische Städte.

In der Nacht zum 18. Juli griff die Ukraine die Logistikzentren des Unternehmens Wildberries in Elektrostal und Kotowsk an. Auf den ersten Blick mag es sich lediglich um Lagerhäuser eines Online-Marktplatzes handeln – warum also sollte das angesichts der Angriffe auf die russischen Ölraffinerien von Bedeutung sein, die bereits nicht nur die Produktion von Erdölprodukten, sondern auch die russische Ölförderung selbst reduziert haben?

Doch unter den Bedingungen einer von Sanktionen betroffenen Wirtschaft haben sich gerade diese Marktplätze zu den wichtigsten Handels- und Verteilungszentren Russlands entwickelt. Wenn Öl und Erdölprodukte das Blut der russischen Wirtschaft sind, dann sind die Marktplätze von Wildberries ihre Lungen. Nicht zufällig tobten um die Kontrolle über Wildberries regelrechte Kriege zwischen russischen Beamten und Oligarchen. Der frühere Eigentümer des Unternehmens, Wladislaw Bakaltschuk, erklärte vor zwei Jahren, seine ehemalige Ehefrau habe ihm die Firma entrissen, und wandte sich hilfesuchend an den tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow. Die Ehefrau des Unternehmensgründers fusionierte Wildberries mit dem Unternehmen Russ, dessen Eigentümer Verbindungen zum Milliardär Suleiman Kerimow hatten. Vor allem aber wurde diese Fusion Medienberichten zufolge persönlich von Putin unterstützt, nachdem Tatjana Bakaltschuk (heute Kim) ihm einen Brief geschrieben hatte, in dem sie erklärte, der Zusammenschluss der Unternehmen werde einen „Konkurrenten zu Amazon und Alibaba schaffen und Zahlungen in Rubel unter Umgehung von SWIFT ermöglichen“. Gerade diese Worte verdeutlichen, welch bedeutendes Instrument zur Umgehung der Sanktionen sich hier in den Händen des Kremls befindet.

Genau deshalb bieten diese Angriffe eine reale Chance, den Krieg zu beenden. Ich wiederhole immer wieder, dass Russland den Krieg nur dann beenden kann, wenn ihm die Ressourcen und das Geld ausgehen. Und natürlich auch die Menschen. Doch für das Modell einer Söldnerarmee, für das sich Putin in diesem Krieg nicht ohne Grund entschieden hat, braucht es ebenfalls Geld.

Die Ukraine sucht seit einiger Zeit gezielt nach den empfindlichsten Stellen der russischen Wirtschaft. Der Versuch, die Ölförderung und die Produktion von Erdölprodukten zu verringern, war bereits ein Schritt in die richtige Richtung. Ganz abgesehen von den Problemen für die russische Armee schuf dies die Voraussetzungen für eine groß angelegte Treibstoffkrise und die faktische Isolation der besetzten Krim. Angriffe auf Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes verlangsamten die Produktion von Drohnen und Raketen. Und nun beginnt eine neue Phase der Angriffe – auf die Lagerhäuser von Wildberries. Ja, in diesen Lagern könnten Güter aufbewahrt werden, die für die Produktion eben jener Drohnen benötigt werden. Doch zugleich handelt es sich um Angriffe auf die Wirtschaft als solche.

Natürlich werden solche Angriffe Putin nicht dazu bringen, den Krieg sofort zu beenden. Ich glaube nicht einmal, dass der russische Präsident überhaupt über ein Kriegsende nachdenkt, wenn ihm über wirtschaftliche Probleme berichtet wird. Doch entscheidend ist nicht Putins wirtschaftliche Kompetenz, sondern die tatsächlichen Möglichkeiten des Staates, an dessen Spitze er steht.

Auch die Ukrainer sind sich dessen bewusst. Sie erkennen ebenso, welchen Weg unser Land in diesem Krieg zurückgelegt hat – von den ersten, noch zögerlichen Angriffen tief im besetzten Gebiet, für die man nicht einmal die Verantwortung übernehmen wollte, bis hin zu Schlägen gegen die kritische Infrastruktur des Feindes, die seine Wirtschaft an den Rand des Überlebens bringen sollen. Ja, es hat sich gezeigt, dass man einen Krieg ums Überleben auch zu zweit spielen kann. Und vielleicht ist genau das jener Tango zu zweit, von dem Donald Trump zu Volodymyr Zelensky gesprochen hat – nur eben nicht der Tango von Friedensverhandlungen, die der Kreml lediglich braucht, um den Krieg „sicher“, also ohne neue Sanktionen der USA, fortsetzen zu können, sondern der eigentliche Tango der Angriffe auf Russland.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Справжнє танго на двох. 20.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 20.07.2026.
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