Zelensky fordert Abramowitschs Geld | Vitaly Portnikov. 09.06.2026.

Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, schlug dem Premierminister Großbritanniens, Keir Starmer, während ihres jüngsten Treffens in London vor, die fast 2,5 Milliarden Pfund, die der russische Oligarch Roman Abramowitsch aus dem Verkauf des Fußballclubs Chelsea erhalten hat, für die Bedürfnisse des ukrainischen Luftverteidigungssystems zu verwenden, insbesondere für den antiballistischen Schutz der Ukraine.

Zelensky betonte, dass er Starmer direkt auf die Möglichkeit angesprochen habe, dieses Geld zu übertragen, das Abramowitsch bislang für keinerlei Zwecke freigegeben habe. Und dieser Vorschlag von Volodymyr Zelensky wurde, so könnte man sagen, zum logischen Ergebnis des jüngsten Treffens des ukrainischen Präsidenten mit dem russischen Oligarchen in Kyiv.

Zelensky scherzte sogar, Abramowitsch habe dieses Geld nicht zu dem Treffen mitgebracht. Er sagte ihm, dass die Ukraine dieses Geld brauche. Wir wissen nicht, ob der ukrainische Präsident und der russische Oligarch während Abramowitschs jüngster geheimnisvoller Reise nach Kyiv miteinander scherzten. Aber die Tatsache, dass Zelensky jetzt über Abramowitschs Geld spricht, sagt vieles aus.

Erstens zeigt sie, dass die Hoffnungen, die möglicherweise bestanden hatten, Abramowitsch könne als Vermittler zwischen Moskau und Kyiv auftreten und die Bereitschaft des russischen Präsidenten Putin beeinflussen, Verhandlungen aufzunehmen, die mit einer Einstellung der Kampfhandlungen enden könnten, sich nicht erfüllt haben, weil sie sich auch gar nicht erfüllen konnten. Einen realen Einfluss Abramowitschs auf Putin mit dem Ziel, den russischen Staatschef zur Beendigung des russischen Krieges gegen die Ukraine zu bewegen, gibt es nicht. Und wahrscheinlich hat es einen solchen Einfluss auch nie gegeben.

Aber die Wahrheit ist: Roman Abramowitsch hat mit diesem Einfluss im Jahr 2022 erfolgreich gehandelt. Dank seiner eigenen Beteiligung am Verhandlungsprozess zwischen Russland und der Ukraine gelang es ihm, für einige Zeit insbesondere Sanktionen der Vereinigten Staaten gegen ihn zu vermeiden und auf diese Weise sein eigenes Geld zu schützen – und möglicherweise auch das Geld hochrangiger russischer Funktionäre, die bis heute die Dienste von Roman Abramowitschs Unternehmen zur Sicherung ihrer Vermögenswerte nutzen können.

Obwohl Abramowitschs Vermittlerrolle schon damals zweifelhaft erschien, ist es, wie wir sehen, bis heute nicht gelungen, die Mythologie seines Einflusses zu zerstören. Und auf diese Mythologie greift Putin in den richtigen Momenten selbst zurück. Denn wir verstehen sehr gut, dass der russische Oligarch ohne die Zustimmung des russischen Präsidenten, ohne Rücksprache mit ihm, niemals die ukrainische Hauptstadt besucht, sich niemals mit Volodymyr Zelensky und anderen ukrainischen Führungspersönlichkeiten getroffen hätte.

Und wenn die Information zutrifft, dass Putin während dieser Reise Abramowitschs nach Kyiv selbst mit dem Vorsitzenden der Parlamentsfraktion der in der Ukraine regierenden Partei „Diener des Volkes“, David Arachamija, gesprochen hat, dann kann man überhaupt zu dem Schluss kommen, dass der Präsident der Russischen Föderation daran interessiert war, Abramowitschs Vollmachten zu bestätigen.

Nur worin bestanden diese Vollmachten? Darin, dass Abramowitsch der Ukraine die Kapitulationsforderungen des russischen Präsidenten überbrachte, der überzeugt ist, dass man nun auch in Kyiv die Notwendigkeit einer solchen Kapitulation erkennen müsse? Oder bestanden seine Vollmachten im Gegenteil darin, die Vorschläge des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky zur Möglichkeit einer Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses zwischen den beiden Staaten anzuhören?

Unabhängig davon, ob wir jemals die Wahrheit darüber erfahren werden, was sich während Roman Abramowitschs Aufenthalt in der ukrainischen Hauptstadt tatsächlich abgespielt hat oder nicht, muss man verstehen, dass sowohl der Verlauf des Verhandlungsprozesses als auch das, was während des Gesprächs zwischen Abramowitsch und Zelensky besprochen wurde, von beiden Seiten diametral entgegengesetzt interpretiert werden wird – unabhängig davon, was tatsächlich bei diesen Gesprächen geschah, zumindest wenn es um die russische Interpretation geht.

Was die ukrainische Interpretation betrifft, so können wir erneut auf eine Überschätzung der Einflussmöglichkeiten Abramowitschs stoßen. Eine solche Überschätzung beobachten wir ständig. Sie betrifft keineswegs nur Abramowitsch, sondern auch die Mythologie von unzufriedenen russischen Eliten, die Druck auf den Präsidenten der Russischen Föderation ausüben könnten, die ihn dazu bewegen könnten, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden, die realistischer eingestellt sein könnten als Putin und mit denen Putin – und das ist das Wichtigste – rechnen müsse.

Dass es in den russischen Eliten unterschiedliche Stimmungen geben kann, daran zweifle ich nicht. Ich zweifle jedoch daran, ob es sich überhaupt um Eliten handelt oder lediglich um Werkzeuge in den Händen jenes Mannes, den der Föderale Sicherheitsdienst Russlands auf den höchsten Posten brachte, als die Tschekisten die Macht im Land endgültig übernahmen und bis heute an der Spitze genau dieser Machtvertikale stehen – und nicht einer Machtvertikale, in der sich Oligarchen wie Roman Abramowitsch oder Banker wie Elwira Nabiullina befinden. Man kann sagen, dass all diese Menschen lediglich Werkzeuge in den Händen der Tschekisten sind.

Die Ansichten über Vergangenheit und Zukunft bei den Tschekisten und ihrem heutigen Führer Putin können jedoch noch sehr lange übereinstimmen. Zumindest solange Putin weiterhin versucht, ihr Imperium in den Grenzen der Sowjetunion von 1991 wiederherzustellen – was eines der wichtigsten politischen Ziele der Lubjanka praktisch seit dem Moment ist, als die Sowjetunion von der politischen Landkarte der Welt verschwand. Erinnern wir uns daran, dass Putin dieses Ereignis schon vor langer Zeit als die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet hat.

Und auch aus dieser Perspektive muss man das verstehen. Wenn Sie den Einfluss Roman Abramowitschs und seine Fähigkeit, Putins Positionen zu beeinflussen, tatsächlich überschätzen, können Sie versuchen, ihn mit der Beschlagnahmung seines eigenen Geldes einzuschüchtern, in der Hoffnung, dass 2,5 Milliarden Pfund oder irgendein anderer Betrag jene Summe sind, die Abramowitsch davon überzeugen wird, Putin gewissenhafter zu vermitteln, dass Frieden notwendig ist.

Aber die Frage ist nicht, wie viel Geld Abramowitsch verlieren muss, damit er erkennt, dass Frieden notwendig ist. Vielleicht erkennt er das auch ohne Putin sehr gut. Die Frage ist vielmehr, inwieweit Putin bereit ist, auf die Ratschläge Abramowitschs oder irgendeines anderen russischen Oligarchen hinsichtlich seines politischen Kurses zu hören.

Denn Putin hat seit Beginn der 2000er Jahre bewusst ein solches tschekistisches Regime geschaffen, das keine oligarchischen Ratschläge benötigt und in dem sich die Oligarchen, die gerade dank ihrer Kuratoren von der Lubjanka erfolgreich geworden sind, daran erinnern sollten, wer sie in Wirklichkeit sind, und den Tschekisten nicht länger auf die Nerven gehen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Зеленський вимагає гроші Абрамовича |Віталій Портников. 09.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 09.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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