Die Welt ist schockiert über Trump: Die Folgen | Vitaly Portnikov. 10.10.2026.

Gestern Abend, als der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, in seinem eigenen sozialen Netzwerk einen langen Tweet veröffentlichte, in dem er über beispiellose Vereinbarungen mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, über die Lieferung von Dieselkraftstoff auf den Weltmarkt berichtete, sprachen wir sozusagen unmittelbar nach dieser Erklärung des amerikanischen Staatschefs darüber und versuchten zu verstehen, was eigentlich geschehen war, warum Trump Putin hilft, die Frage des Verkaufs von Dieselkraftstoff zu lösen. Wozu brauchen die Vereinigten Staaten das? Wozu braucht die Russische Föderation das? Was wird das tatsächliche Ergebnis dieser ganzen Geschichte sein?

Jetzt, da seit dem Telefongespräch zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation sozusagen schon ziemlich viel Zeit vergangen ist, können wir uns zumindest vorstellen, was infolge dieses Gesprächs tatsächlich geschehen ist und welche praktischen Auswirkungen das haben wird.

Nun, der erste Punkt betrifft gerade den Dieselkraftstoff. Es ist völlig offensichtlich, dass keine Vereinbarungen zwischen Trump und Putin über die Lieferung russischen Kraftstoffs auf die Weltmärkte den Dieselpreis senken werden. Das ist unmöglich. Trump und Putin haben vereinbart, dass die Russische Föderation im ersten Monat ungefähr 300.000 Tonnen Kraftstoff auf den Weltmarkt liefern kann, im zweiten 500.000, im dritten Monat eine Million Tonnen und dass sie je nach Zustand der Erdölraffinerien der Russischen Föderation bis zu drei Millionen Tonnen Diesel auf den Weltmarkt liefern kann, wenn es ihr gelingt. Denn wie wir wissen, verfügt die Russische Föderation derzeit schlicht nicht über solche Kraftstoffüberschüsse.

Aber man muss sagen, dass drei Millionen Tonnen Dieselkraftstoff genau die Menge sind, die Russland vor Beginn der ukrainischen Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation auf den Weltmarkt lieferte. Und das spiegelte sich keineswegs in den Kraftstoffpreisen wider.

Denn damit die Kraftstoffpreise sinken, muss der Ölpreis sinken. Der Dieselpreis hängt vom Ölpreis ab. Es gibt weltweit keinen Mangel an Dieselkraftstoff, insbesondere auch nicht auf dem amerikanischen Markt. Mehr noch: Die Vereinigten Staaten gehören weiterhin zu den größten Dieselexporteuren der Welt und liefern monatlich bis zu sechs Millionen Tonnen Diesel auf den Weltmarkt. Sagen Sie mir bitte, warum sollte ein Staat, der jeden Monat sechs Millionen Tonnen Dieselkraftstoff an andere Länder verkauft, von einem anderen Staat 300.000 Tonnen kaufen? Und offensichtlich werden die Vereinigten Staaten diesen Kraftstoff auch nicht kaufen, weil sie ihn nicht brauchen.

Darüber hinaus können die Vereinigten Staaten diesen Kraftstoff auch aus dem einfachen Grund nicht kaufen, dass ein Gesetz der Vereinigten Staaten aus dem Jahr 2022 den Kauf von Öl und Gas aus der Russischen Föderation verbietet. Dieses Gesetz wurde vom Kongress verabschiedet, vom Präsidenten unterzeichnet und nicht aufgehoben. Deshalb gibt es keinerlei rechtliche Möglichkeit für die Vereinigten Staaten selbst, Dieselkraftstoff aus Russland zu kaufen. Und die Vereinigten Staaten haben auch keinen Bedarf, Dieselkraftstoff aus Russland zu kaufen. Eine Genehmigung des US-Finanzministeriums kann sich ausschließlich auf das Recht Russlands beziehen, seinen Dieselkraftstoff an andere Länder zu verkaufen. 

Aber Russland konnte diese Überschüsse auch ohne diese Genehmigung mithilfe seiner eigenen Schattenflotte verkaufen. Und es hat sie auch verkauft. Im September dieses Jahres hat Russland bereits rund 432 Tonnen Dieselkraftstoff an seine Nachbarländer in Zentralasien verkauft. Das ist der Überschuss, der auf dem Markt der Russischen Föderation vorhanden ist, und das belegen Meldungen aus diesem Land. Es gibt einen erheblichen Benzinmangel. Aber im Herbst entsteht gerade deshalb, weil die landwirtschaftlichen Arbeiten zu Ende gehen und dieselbetriebene Maschinen nicht mehr gebraucht werden, ein Überschuss an Dieselkraftstoff, selbst in der Situation, in der sich die Erdölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation nach den ukrainischen Angriffen befindet. Deshalb hat die Entscheidung von Trump und Putin keinerlei praktische Bedeutung. Auf den Verlauf des Krieges wird sie sich ebenfalls in keiner Weise auswirken, denn all die Behauptungen, Russland werde mit diesen Verkäufen innerhalb eines halben Jahres 4,5 Milliarden Dollar verdienen, sofern es überhaupt über diese gesamte Menge verfügt, sind ebenfalls sehr merkwürdig. Russland hätte dieses Geld auch ohne die amerikanische Entscheidung verdient. Einfach illegal, und jetzt wird es möglicherweise legal daran verdienen können. Das heißt, was es für Rupien und Yuan hätte verkaufen können, wird es möglicherweise jemandem gegen harte Währung verkaufen. Aber auch das hat keinerlei Einfluss auf die tatsächlichen russischen Ressourcen. Was sind schon 4,5 Milliarden Dollar für einen Staat innerhalb einiger Monate?

Dann können Sie fragen: „Warum macht Trump das überhaupt?“ Nun, ich denke, dass das mit irgendwelchen völlig anderen Vereinbarungen zusammenhängt, die er entweder mit Putin hat oder von denen er glaubt, dass sie bestehen. Bis zu einem gewissen Grad findet sich die Antwort auf die Frage, worüber Trump und Putin tatsächlich gesprochen haben, in der Mitteilung des Pressedienstes des russischen Präsidenten selbst, der von der iranischen Geschichte spricht. Putin traf sich gerade jetzt mit dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian. Er erörterte mit ihm Möglichkeiten irgendwelcher iranisch-amerikanischen Vereinbarungen über die Freigabe der Straße von Hormus. Ich erinnere daran, dass diese Meerenge entgegen dem, was Donald Trump erzählt, blockiert ist. Und deshalb ist der Ölpreis so hoch, deshalb sind die Preise an den Tankstellen so hoch, deshalb sind die Dieselpreise so hoch, deshalb ist alles so. Und Trump hat offensichtlich bereits verstanden, dass die pakistanischen Vermittler hier nichts für ihn erreichen können. Alle Bemühungen der arabischen Länder führen zu nichts. Die Meerenge ist geschlossen. Auf militärischem Wege kann er den Iran nicht besiegen. Und grundsätzlich bringt jeder neue Tag für ihn derzeit neue Gefahren im Hinblick auf eine militärische Konfrontation mit dem Iran.

Denn stellen Sie sich vor, was passiert, wenn der Iran über Shahed-Drohnen mit Strahlantrieb verfügt, und die wird er bekommen. Was wird dann überhaupt aus der Luftverteidigung der Vereinigten Staaten von Amerika, und was wird aus der Luftverteidigung Israels und der Golfstaaten, wenn Schwärme von Shahed-Drohnen mit Strahlantrieb auf sie zufliegen? Das sind doch Gebiete, die sich ihrer Größe nach nicht mit der Ukraine vergleichen lassen. Das könnten Gebiete werden, in denen die Infrastruktur vollständig zerstört wird. Man darf nicht glauben, dass Trump das nicht versteht. Er versteht es, deshalb sucht er nach Wegen, sich mit dem Iran zu einigen. Und Putin verkauft ihm als geschickter Zauberkünstler solche Möglichkeiten. Tatsächlich trat Putin gestern, und das ist der wichtigste Inhalt dieses Gesprächs, als jemand auf, der Trump Botschaften Peseschkians übermittelte und versprach, Peseschkian Botschaften Trumps zu übermitteln. Das wird Trump nicht retten.

Wozu braucht Trump das überhaupt? Er will, dass die Preise an den Tankstellen sinken. Er will sonst nichts. Man darf nicht glauben, dass Trump nicht versteht, was um ihn herum geschieht. Er versteht alles. Er versteht, dass die Republikaner bei den Kongresswahlen eine vernichtende Niederlage erleiden könnten. Und dass es jetzt nicht nur um das Repräsentantenhaus geht. Ich glaube nicht, dass Trump überhaupt noch hofft, das Repräsentantenhaus zu halten, aber er möchte die Mehrheit im Senat auf keinen Fall verlieren. Wenn jetzt Meinungsumfragen zeigen, dass der demokratische Kandidat im Bundesstaat Texas, der immer eine republikanische Hochburg war und einen republikanischen Präsidenten nach dem anderen hervorgebracht hat – Johnson, Bush senior, Bush junior –, vor dem republikanischen Kandidaten liegt, dann wäre das für die Amerikaner geradezu ein Umsturz. Es wäre eine echte Wahlkatastrophe für die Republikanische Partei, wenn sie den Senatssitz in Texas verliert. Und Trump tut alles, um das zu verhindern.

Und übrigens: Wir sagen ja, dass ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump, das zu seinem Rücktritt führen könnte, grundsätzlich unmöglich ist, weil die Demokraten im Senat keine Zweidrittelmehrheit haben und sie auch nicht bekommen werden, selbst wenn sie die Mehrheit im Senat erringen. Das ist alles richtig. Aber auch etwas anderes ist richtig. Als Richard Nixon während des Watergate-Skandals vom Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten zurücktrat, hatten die Demokraten ebenfalls keine Zweidrittelmehrheit im Senat. Die hatten sie nicht. Nixon genoss in der Republikanischen Partei ein Ansehen, das sich kaum mit dem Ansehen Trumps vergleichen ließ. Er war der anerkannte politische Führer der Republikaner, ein Mann, der seine zweite Präsidentschaftswahl in Folge gewonnen hatte. Ein ehemaliger Vizepräsident, der zwei Amtszeiten in der Administration von Dwight Eisenhower gedient hatte. Aber Nixon erkannte, dass die gegen ihn im Zusammenhang mit Watergate erhobenen Vorwürfe so schwerwiegend waren, dass sich genügend republikanische Senatoren finden würden, die bereit wären, ihn loszuwerden, um ihre eigenen politischen Karrieren fortsetzen zu können. So kam es zu seinem Rücktritt. Und übrigens erinnere ich daran, dass dieser Rücktritt Teil einer Krise war, in deren Verlauf zuvor auch der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Spiro Agnew, sein Amt hatte aufgeben müssen, ebenfalls einer der republikanischen Führer, den man mit JD Vance unter Trump vergleichen kann.

Warum erzähle ich Ihnen das alles so ausführlich und greife dabei auf die amerikanische Geschichte zurück? Weil wir nicht wissen, was die Demokraten alles ausgraben könnten, wenn sie nach ihrem Sieg, selbst wenn es nur bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus wäre, das Repräsentantenhaus in eine Untersuchungskommission verwandeln, die die tatsächliche Amtsführung von Präsident Trump sowie die Aktivitäten seiner Verwandten und Bekannten untersucht. Wir wissen es nicht, aber Trump weiß es. Und deshalb sucht er nach Wegen, diese Situation zu verhindern. Denn er kann glauben, dass die Republikaner, wenn sie die Mehrheit im Senat behalten, unter allen Umständen an ihm festhalten werden. Wenn die Republikaner aber auch den Senat verlieren, könnten sie sich bei einer ungünstigen Entwicklung der Ereignisse von ihm abwenden.

Trump kämpft um seine eigene Macht und um seine eigene Freiheit. Und dabei ist ihm der russisch-ukrainische Krieg völlig unwichtig, weil dieser möglicherweise keinen Einfluss auf seine Vorstellungen von seiner eigenen Macht und seiner eigenen Freiheit hat. Verstehen Sie? Für ihn kann es nur wichtig sein, zu überleben. Und er kann glauben, dass irgendwelche beispiellosen Vereinbarungen mit Putin ihm die Möglichkeit geben werden, Putin als wirksamen Vermittler in den Beziehungen zum Regime im Iran einzusetzen, das zu jenem Regime wird, das ihn faktisch an der Kehle gepackt hat und bereit ist, ihn politisch zu erwürgen.

Und ich habe übrigens gesagt, dass die Iraner alles Mögliche und Unmögliche tun werden, um Donald Trump bei den Zwischenwahlen politisch zu vernichten, damit jeder künftige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika nach dieser Schande instinktiv davor zurückschreckt, den Iran anzurühren. Kein Putin wird sie von dieser Absicht abbringen, glauben Sie mir. Aber Putin nutzt das aus. Das ist ein Motiv, von dem sich der amerikanische Präsident vor seinem Gespräch mit seinem russischen Amtskollegen leiten lassen konnte.

Ein anderer Punkt sind die Lukoil-Aktien. Das könnte sozusagen derselbe Teil der Geschichte sein, der finanzielle Anreiz, das, was schon immer die wahren Absichten Trumps, seiner Verwandten und seiner Freunde bestimmt hat. Diese Menschen sind vor allem ins Weiße Haus gekommen, um sich zu bereichern. Die tatsächlichen nationalen Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika sind ihnen scheißegal, das Geld aber nicht. Deshalb suchen sie nach Wegen, an die ausländischen Aktien von Lukoil zu kommen. Im Grunde dreht sich der gesamte Verhandlungsprozess darum.

Ich erinnere immer wieder daran: Russland hat sich in Wirklichkeit aus dem Verhandlungsprozess mit der Ukraine zurückgezogen und erklärt, dass es erst nach dem Abzug der ukrainischen Truppen aus den Gebieten Donezk und Luhansk an den Verhandlungstisch zurückkehren werde. Putin hält sich an dieses Versprechen. Während des gestrigen Gesprächs mit Trump sagte er erneut, dass Russland zu Verhandlungen bereit sei, dass aber die ukrainischen Angriffe auf Russland eine solche Rückkehr natürlich unmöglich machten. Es spielt keine Rolle, wie er das darstellt. Ich erinnere Sie einfach daran, dass es höchstwahrscheinlich keinerlei russisch-ukrainische Verhandlungen geben wird, solange die ukrainischen Truppen nicht aus den Gebieten Donezk und Luhansk abgezogen werden. Und wir werden diese Truppen nicht abziehen.

Und übrigens habe ich mir das ja nicht ausgedacht. Das ist keine Vorhersage von mir. Das wurde im Interview des US-Außenministers und Nationalen Sicherheitsberaters des Präsidenten, Marco Rubio, mit der griechischen Zeitung Kathimerini ganz klar gesagt. Ich habe es aufmerksam gelesen. Und dort sagt der Außenminister, dass die Verhandlungen blockiert sind, weil Russland den Abzug der ukrainischen Truppen aus dem Donbas fordert, die Ukraine sie aber nicht abziehen will. Deshalb finden keine Verhandlungen statt.

Jetzt können Sie fragen: „Und was passiert, wenn die ukrainischen Truppen die Gebiete Donezk und Luhansk verlassen? Kommt dann Frieden?“ Nein. Das kann eine Bedingung für Verhandlungen sein, während die Kampfhandlungen weitergehen. Und auch diese Verhandlungen können scheitern, weil Russland eine neue Bedingung stellen wird. Sagen wir: Zieht jetzt aus den Gebieten Saporischschja und Cherson ab, trefft noch irgendeine Entscheidung. Russland braucht keinerlei Verhandlungen. Russland muss die Ukraine vernichten. Es sucht einfach nach Vorwänden, um nicht reden zu müssen und sich nicht mit Trump zu streiten.

Dann können Sie fragen: „Warum sind Kushner und Witkoff dann nach Moskau und Kyiv gereist?“ Kushner und Witkoff sind nach Moskau gereist, um mit Dmitrijew und anschließend mit Putin über die Lukoil-Aktien zu verhandeln, und nach Kyiv, um diesen Besuch in Moskau zu tarnen, um ihn als friedensstiftenden Besuch auszugeben und nicht als einen Besuch wegen der Aktien. Deshalb hatten Kushner und Witkoff in Kyiv absolut nichts zu tun. Sie langweilten sich ganz offensichtlich, und ihre ukrainischen Gesprächspartner wussten nicht, weshalb sie gekommen waren und worüber sie eigentlich sprachen, weil sie grundsätzlich keinerlei Vorschläge mitgebracht hatten.

Und gestern, während der Verhandlungen Witkoffs mit der ukrainischen Delegation, die auf Ersuchen aus Kyiv in die Vereinigten Staaten gereist war, täuschte Witkoff ebenfalls Aktivität vor. Man darf auch nicht glauben, dass Witkoff irgendein Idiot ist. Er versteht alles ganz genau. Er versteht sehr gut, dass es keinen Verhandlungsprozess mit Russland gibt und auch keinen geben wird. Genauso wie er versteht, dass es keinen Verhandlungsprozess mit dem Iran gibt und auch keinen geben wird. Aber im Fall des Iran müssen sie verhindern, dass der Iran eine akute Phase des Krieges provoziert, die zu einer militärischen Katastrophe für die Vereinigten Staaten von Amerika führen könnte. Das ist unter den neuen militärtechnologischen Bedingungen keine Übertreibung. Die Vereinigten Staaten könnten sich als wehrlos erweisen. Sie werden einfach ihre gesamte Luftverteidigung im Kampf gegen Shahed-Drohnen ohne Strahlantrieb im Nahen Osten aufbrauchen. Und das war’s. Das ist dann die ganze Geschichte mit der Großmacht.

Und im Fall Russlands interessiert ihn einfach die Kohle, interessieren ihn die Lukoil-Aktien. Und er versucht, das mit all diesen sinnlosen Gesprächen zu verbergen. Wir haben doch darüber gesprochen, dass es dieses Treffen geben wird. Budanow, Umjerow, Kyslyzja und noch jemand aus dem Präsidentenbüro, Arachamija, mit Witkoff. Und dann soll es noch dieses große Treffen mit den europäischen nationalen Sicherheitsberatern geben. Und was ist? Was wissen Sie über dieses Treffen? Sie wissen nichts? Es hat doch bereits stattgefunden. Das alles fand statt, weil all diese Menschen versuchten, die Vereinigten Staaten von demonstrativen Vereinbarungen mit Moskau abzuhalten, weil sie wussten, dass diese Vereinbarungen näher rückten. Es gibt schließlich Geheimdienste, die hören das alles ab und verfügen unter anderem über Informationen aus amerikanischen und russischen Quellen. Sie versuchten, Trump davon abzuhalten, konnten ihn aber nicht von diesem Gespräch mit Putin abhalten. Danach erwies sich der gesamte Verhandlungsprozess als völlig sinnlos und für niemanden mehr notwendig. Finita la commedia.

Nun weiter. Präsident Zelensky reagierte sehr scharf. Man könnte sagen, dass er vorsichtiger hätte sein müssen. Jetzt heißt es, dass er damit womöglich jene wunderbare Partnerschaft zerstören könnte, die nach dem Skandal im Oval Office zwischen ihm und Trump entstanden ist. Aber was bringt diese wunderbare Partnerschaft? Ich würde gerne wissen, was diese Partnerschaft bringt, wenn Trump Entscheidungen trifft, die sogar gegen die Gesetzgebung der Vereinigten Staaten verstoßen und die er gar nicht umsetzen kann. Wenn Trump die finanzielle Unterstützung für die Ukraine grundsätzlich eingestellt hat und das vom Repräsentantenhaus verabschiedete Gesetz zur Unterstützung der Ukraine, das diese finanzielle Hilfe und die militärische Zusammenarbeit wiederherstellt, weder unterzeichnen noch auch nur im Senat behandeln lassen will.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass Trump nicht, wie hier viele unserer ukrainischen Politiker, diese Opportunisten, zum Teufel mit ihnen, behaupten, die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten verteidigt. Nein. Die Menschen, die das amerikanische Volk ebenso wie Trump gewählt hat, haben dieses Gesetz mit Stimmenmehrheit verabschiedet. Warum behandeln die Senatoren es nicht, und warum unterzeichnet Trump es nicht? Im Senat gibt es genügend Stimmen, um dieses Gesetz zu verabschieden. Das garantiere ich Ihnen. Der Vorsitzende der republikanischen Mehrheit im Senat, Senator Thune, setzt diese Frage auf Verlangen des Weißen Hauses einfach nicht zur Abstimmung an. Und Trump kann uns nicht etwas wegnehmen, was er uns gar nicht gibt. Das heißt, Trumps einziger wirklicher Trumpf ist derzeit der Austausch von Geheimdienstinformationen, der es uns ermöglicht, Erdölraffinerien anzugreifen.

Es gab Berichte, dass Witkoff und Trumps Schwiegersohn Kushner, der bekanntlich noch mit einem weiteren Abenteuer dieser Administration beschäftigt ist, nämlich dem Versuch, die Lieferung russischen Gases durch Nord Stream 2 wieder aufzunehmen, uns damit gedroht hätten, keine Geheimdienstinformationen mehr mit uns auszutauschen. Das ist zweifellos ein beunruhigender Punkt, obwohl Witkoff das öffentlich bestreitet und sagt, Amerika sei ein verlässlicher Partner. Ich glaube nicht, dass sie jetzt vor den Wahlen eine solche Entscheidung treffen werden, denn sie verstehen sehr gut, dass es einen großen Teil der Bevölkerung gibt, der mit der Ukraine sympathisiert und auf keinen Fall will, dass die Vereinigten Staaten Russland helfen. Und dass die Vereinigten Staaten Russland faktisch ermöglichen, Geld zu verdienen, und damit im Grunde den Krieg finanzieren, ist bereits ein ziemlich negativer Punkt. Wie Sie sehen, wird Trump dafür in Amerika kritisiert, und zwar nicht nur in der Demokratischen, sondern auch in der Republikanischen Partei.

Aber ich hoffe sehr, dass wir uns auf eine solche Wendung der Ereignisse vorbereitet haben. Schließlich brauchen wir die Geheimdienstinformationen, um die Wirtschaft der Russischen Föderation zu zerstören und ihre Erdölraffinerien anzugreifen. Dabei geht es nicht nur um Amerika und Starlink. Es geht nicht einmal um Starlink, sondern um amerikanische Satelliten. Ich möchte hoffen, dass wir uns wenigstens darauf vorbereitet haben und solche Informationen mithilfe europäischer Satelliten erhalten können. Das wäre ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt, denn grundsätzlich war schon vor vielen Monaten offensichtlich, dass Trump bei der erstbesten Gelegenheit versuchen würde, sich aus dieser Situation zurückzuziehen, die mit dem russisch-ukrainischen Krieg und dem Engagement der Vereinigten Staaten auf der Seite der Ukraine verbunden ist.

Aber noch einmal: Ich glaube nicht wirklich, dass das während des Wahlkampfes geschehen wird, denn Trump würde damit Kritik an seinen möglichen Handlungen im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg Tür und Tor öffnen, gerade weil er im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit jener steht, die von den Vereinigten Staaten eine aktivere Unterstützung der Ukraine erwarten. Und auch das könnte dazu führen, dass er bei den Zwischenwahlen künftig einige Stimmen verliert. Das ist ganz sicher nicht das, was Donald Trump braucht. Ich denke, er braucht in der gegenwärtigen Situation auf der politischen Bühne Amerikas etwas völlig anderes. Deshalb muss man auch das alles klar verstehen.

Gleichzeitig kann man aber sagen, dass Trump weder das Wesen seiner eigenen Herangehensweise an diesen Konflikt noch die tatsächlichen Auswirkungen seiner Vereinbarungen mit Putin auf den Energiemarkt versteht. Nun, grundsätzlich muss man sich klarmachen, dass wir heute gerade Zeugen eines mangelnden Verständnisses für den wirtschaftlichen Sinn dieser Situation sind. Und auch hier muss man die Frage stellen: Versteht Trump das wirklich nicht? Ich denke, dass er auch das verstehen könnte. Er könnte einfach beschlossen haben, dass seine Vereinbarungen mit Putin ein wirkungsvoller Schritt für den Markt sind. Dass der Markt solche Vereinbarungen als etwas auffassen könnte, das eine Preissenkung ermöglicht. Jetzt ist Wochenende, wir werden das nicht sehen, denn das hängt so oder so mit den Börsen zusammen. Aber am Montag werden wir feststellen, wie realistisch diese Berechnungen Trumps sind und inwieweit infolge all seiner Gespräche der Preis für Dieselkraftstoff überhaupt zu sinken begonnen hat. Denn ich sage es noch einmal: Das Problem ist nicht ein Dieselmangel. Das Problem ist, dass der Ölpreis es nicht erlaubt, die Preise für Diesel und Benzin zu senken.

Möglicherweise besteht das Problem auch darin, dass auf dem russischen Markt Benzin fehlt. Und das führt zu einer größeren Nachfrage nach Kraftstoff insgesamt. Aber das sind alles solche, wissen Sie, Vermutungen, die in keiner Weise der wirtschaftlichen Logik dessen entsprechen, was tatsächlich geschieht. Zumal sich weitere, noch bedrohlichere Ereignisse abzeichnen. Grundsätzlich versuchen derzeit nicht nur wir, Russland auf dem Luftweg zu isolieren, sondern auch die jemenitischen Huthis versuchen, Saudi-Arabien zu isolieren. Sie wissen, dass es nicht nur in dieser Nacht tatsächliche und wirksame Versuche gab, den Luftraum der Russischen Föderation zu blockieren, sondern auch tatsächliche jemenitische Angriffe auf saudische Flughäfen. Dabei kamen drei Menschen ums Leben, ein Passagierflugzeug wurde zerstört, internationale Flüge wurden gestrichen. Und das am Vorabend eines bedeutenden internationalen Forums in Riad. Es ist nicht bekannt, inwieweit es jetzt überhaupt stattfinden wird, denn die Huthis haben gerade am Freitag erklärt, dass der Luftraum Saudi-Arabiens ihr Ziel, ihre Zielscheibe sei.

Und jetzt denken Sie einmal ernsthaft darüber nach, was mit den Ölpreisen geschehen wird, wenn wir sehen, dass Saudi-Arabien sogar darüber nachdenkt, einen wichtigen Investitionsgipfel zu verschieben, der in diesem Land stattfinden sollte. Natürlich wird es auch schwerwiegende Folgen für den globalen Energiemarkt haben, wenn am Flughafen von Riad Explosionen zu hören sind und sich herausstellt, dass Saudi-Arabien dem derzeit nichts entgegensetzen kann. Auch das muss man verstehen. Neue technologische Möglichkeiten eröffnen allen neue Chancen: Russland, die ukrainische Infrastruktur anzugreifen; der Ukraine, die Erdölraffinerien der Russischen Föderation anzugreifen; den jemenitischen Huthis, den Luftraum Saudi-Arabiens ins Chaos zu stürzen. Das ist einfach die Entwicklung des militärischen Fortschritts auf allen Seiten.

Und deshalb ist der Wunsch des amerikanischen Präsidenten verständlich, sein Land vor den Zwischenwahlen nicht in irgendeine neue Geschichte hineinzuziehen, die sehr schlechte Folgen für sein Ansehen und für das Militär haben könnte. Und deshalb will er dieses Heraushalten auch noch durch Gespräche darüber ersetzen, wie erfolgreich sich der Kraftstoffmarkt in den Vereinigten Staaten dank seiner Vereinbarungen mit Putin entwickelt. Das heißt, es wird der Eindruck erweckt, wir hätten irgendeinen Kraftstoffmangel, insbesondere einen Dieselmangel, und eine größere Kraftstoffmenge werde den Preis senken. So lässt sich dieser Propagandatrick genau beschreiben, der im Zusammenhang mit dem Gespräch zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation angewandt wurde.

Ich spreche schon gar nicht davon, dass gleichzeitig versucht wird, der Ukraine die Schuld an all diesen Vorgängen zu geben. Denn ein amerikanischer Beamter, der mit dem Medium Axios gesprochen hat, sagte bekanntlich: Sehen Sie, Trump hat beschlossen, sich mit Putin zu einigen, weil Zelensky seiner Bitte, die Erdölraffinerien der Russischen Föderation nicht anzugreifen, nicht nachgekommen ist. Aber was hat das damit zu tun? Das ist doch eine Form von Schizophrenie. Russland verliert infolge unserer Angriffe auf die Erdölraffinerien die Möglichkeit, Millionen Tonnen zu liefern. Millionen Tonnen Kraftstoff, sowohl Benzin als auch Diesel. Millionen. Allein Diesel wurden früher drei Millionen Tonnen im Monat geliefert. Und Trump hat mit Putin vereinbart, dass Putin 300.000 Tonnen liefern kann. Warum sollten wir also auf irgendwelche Appelle Trumps reagieren, wenn Trump seinen eigenen Appellen nichts Wirksames folgen lassen kann? Wir sind trotzdem im Vorteil. Wenn wir Russland die Möglichkeit genommen haben, allein mit Diesel, wenn wir nur über Diesel sprechen, Gewinne aus drei Millionen Tonnen im Monat zu erzielen, was macht es uns dann aus, dass Trump ihnen die legale Möglichkeit geschenkt hat, Gewinne aus 300.000 Tonnen zu erzielen, die sie auch ohne jeden Trump erzielt hätten? Ich sage es noch einmal: Sie hätten den Kraftstoff einfach woandershin geliefert. Um 300.000 Tonnen zu verkaufen, braucht man Trump nicht. Das hat der Verkauf russischen Kraftstoffs an die Länder Zentralasiens im vergangenen Monat gezeigt.

Das ist die ganze Antwort auf die Fragen, die jetzt gestellt werden: Warum wurde das alles gemacht, und sollten wir auf Trumps Bitte hören? Denn jetzt werden bei uns wieder Menschen auftauchen, die sagen werden, dass wir die Füße stillhalten und all diesen Entscheidungen zustimmen müssen. Nein, denn uns wird nichts im Gegenzug angeboten. Zelensky hat gestern und auch zuvor mehrfach erklärt, dass die Ukraine bereit ist, die Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation einzustellen, wenn Russland aufhört, die ukrainische Energieinfrastruktur anzugreifen. Für Putin ist es offenbar viel wichtiger, die Energieinfrastruktur der Ukraine anzugreifen, als seine eigene Erdölverarbeitungsindustrie zu erhalten. Denn die Vernichtung der Ukraine und die Errichtung der Kontrolle über ihr Territorium sind in seinem Kopf viel wichtiger als die Erhaltung der Erdölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation. Nun, das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt in der Situation, die mit Russlands Krieg gegen die Ukraine zusammenhängt. Ja, das kann eine völlig richtige Priorität sein.

Ja, Putins Handlungen können die russische Erdölverarbeitungsindustrie in den Zusammenbruch treiben. Aber daran ist doch nicht Zelensky schuld. Und Zelensky schlägt doch die ganze Zeit diese Variante einer Waffenruhe im Energiebereich vor. Und die Amerikaner haben übrigens ebenfalls an der Idee einer Waffenruhe im Energiebereich gearbeitet. Wenn aber der Präsident der Russischen Föderation sagt, dass das ein absurder Vorschlag sei, wer ist dann schuld? 

Wir werden einige Fragen beantworten, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Werden die Demokraten jetzt einen Weg finden, diesen populistischen Schachzug Trumps zu kontern und den Wählern zu beweisen, dass er die Preise nicht verändern, sondern die Vereinigten Staaten wegen ihrer Beihilfe für Putin noch tiefer in die Schande stürzen wird?

Portnikov: Nun, hören Sie, warum sollten die Demokraten den Wähler von irgendetwas überzeugen müssen? Der Wähler kommt an die Tankstelle und sieht alles auf der Preistafel. Auf der Preistafel, verstehen Sie? Und glauben Sie mir, die Dieselpreise werden dort nicht sinken, selbst wenn sie vielleicht für ein paar Tage sinken. Ich sage Ihnen noch mehr. Selbst wenn man sich irgendeine Entwicklung vorstellt, bei der die Dieselpreise zu sinken beginnen, braucht es in dieser Situation zwei bis drei Monate, bis sich das tatsächlich irgendwie einpendelt. Dafür ist es ohnehin schon zu spät. Aber bisher gibt es keinerlei Voraussetzungen dafür, dass die Preise an den Tankstellen sinken. Deshalb werden die Demokraten niemandem irgendetwas beweisen müssen. Die Preise sprechen für sich. Verstehen Sie? Wir diskutieren die Welt die ganze Zeit nach der Logik irgendeiner merkwürdigen PR. Aber wozu braucht man PR, wenn die Realität nun einmal so aussieht?

Frage: Werden die Vereinigten Staaten Sanktionen gegen die Ukraine verhängen?

Portnikov: Nein, ich denke, das wird nicht geschehen. Zumindest vor den Zwischenwahlen wird das nicht geschehen. Aber wir könnten mit irgendwelchen Versuchen konfrontiert werden, der Ukraine beispielsweise Geheimdienstinformationen vorzuenthalten, wenn Zelensky nicht auf Trump hört. Das schließe ich nicht aus. Von Trump erwarte ich, wie Sie nach dieser erstaunlichen Entscheidung sehen, inzwischen alles Mögliche. Und diese Situation könnte dazu dienen, zu zeigen, dass eine Einigung mit der Ukraine unmöglich ist, oder uns die Hilfe zu entziehen und uns zur Kapitulation zu zwingen. Aber die Vereinigten Staaten leisten uns gar keine solche Hilfe, deren Entzug uns zur Kapitulation zwingen könnte. Die Vereinigten Staaten sind schon im vergangenen Jahr aus dem Spiel ausgestiegen. Sie leisten uns weder kostenlose militärische noch finanzielle Hilfe. Trump blockiert ein Gesetz, das bereits vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde. Ich habe es schon gesagt: Die Vereinigten Staaten verkaufen Waffen, die Rüstungsunternehmen verkaufen sie. Wenn Trump ihnen verbietet, Waffen an europäische Länder zu verkaufen, nimmt er ihnen vor den Zwischenwahlen ihre Gewinne. Ich glaube nicht, dass das geschehen wird.

Frage: Die Aufhebung von Sanktionen im Austausch gegen Öl – ist das die amerikanische Kunst des Deals oder einfach eine geopolitische Tankstelle bei Gazprom auf Kosten der Ukraine?

Portnikov: Ich verstehe, ehrlich gesagt, nicht so ganz, wovon Sie sprechen, denn es gibt keinerlei Aufhebung von Sanktionen im Austausch gegen Öl. Es gibt einfach eine Genehmigung für Russland, ein halbes Jahr lang seinen Dieselkraftstoff zu verkaufen, den Russland auch ohne diese Genehmigung wunderbar verkauft hat. Das ist also im Grunde völlig bedeutungslos, ehrlich gesagt.

Frage: Sollten wir auf einen Sieg der demokratischen Kräfte in den USA hoffen und eine stärkere Unterstützung der Ukraine bei der Verschärfung des Drucks auf Russland erwarten?

Portnikov: Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten wird auf jeden Fall, selbst nach einem Wahlsieg der Demokraten, in den Händen des Präsidenten der Vereinigten Staaten bleiben, der dem Präsidenten der Russischen Föderation positiv gegenübersteht und dessen Weltbild auf Vereinbarungen zwischen drei Staatschefs beruht, zu denen er sich selbst, Putin und Xi Jinping zählt. Aber grundsätzlich werden die Demokraten, selbst wenn sie nur die Kontrolle über eine Kammer des Kongresses erlangen, ein Instrument in die Hand bekommen, das damit zusammenhängt, dass sie die Verabschiedung bestimmter Gesetze ermöglichen müssen, die die Administration braucht. Bei einem solchen Zusammenspiel haben Administrationen und ihnen oppositionell gegenüberstehende Kongresse, selbst wenn es nur um das Repräsentantenhaus ging, in der Regel immer einen Kompromiss gefunden. Aber ich weiß nicht, wie das während der zweiten Trump-Administration sein wird. Sie sehen doch, dass Trump nicht wie ein Mensch aussieht, der zu Kompromissen fähig ist. Er wirkt wie jemand, der keinerlei Grenzen kennt. Deshalb weiß ich nicht, wie das sein wird. Wir wissen nicht, wie die Situation bei einer solchen Wendung der Ereignisse aussehen wird. Wir wissen es einfach nicht, denn alles, was mit Trumps zweiter Amtszeit und mit diesem, ich würde sagen, psychischen Zustand zusammenhängt, in dem sich der Präsident der Vereinigten Staaten befindet, das wissen wir nicht.

Kommentar: Die amerikanische Lizenz für russischen Diesel ist das weltweit erste offizielle Abonnement zur Finanzierung russischer Raketen mit Cashback in Dollar.

Portnikov: Nun, das ist ein schönes Bild. Ich wiederhole noch einmal: Kein russischer Diesel wird in die Vereinigten Staaten von Amerika verkauft werden. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben jeden Monat einen Überschuss von sechs Millionen Tonnen Dieselkraftstoff. Und nach den in den Vereinigten Staaten geltenden Gesetzen haben sie keine Möglichkeit, diesen Kraftstoff zu kaufen. Das ist die, wie ich sagen würde, objektive Realität, wie Sie verstehen. Deshalb wird nichts davon geschehen. Es wird keinerlei Cashback in Dollar geben. Das ist eine Vereinbarung über nichts. Ich wiederhole es Ihnen noch einmal: Ihr Wert ist gleich null. Wenn Russland im Herbst einen Überschuss von 300.000 oder 400.000 Tonnen Dieselkraftstoff hat, hätte es ihn auch ohne Trump verkauft. An Amerika wird es ihn ohnehin nicht verkaufen. Worüber reden wir hier eigentlich? Hören Sie sich bitte diese Erklärungen an. Nicht einmal eine einzige Tonne russischen Kraftstoffs kann an die Vereinigten Staaten geliefert werden, weil die Vereinigten Staaten keine rechtliche Möglichkeit haben, ihn zu kaufen, und ihn auch nicht brauchen. Das ist die Antwort auf die Frage.

Frage: Ist das also wirklich das erste Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten, dass ein so geldgieriger Mensch im Oval Office sitzt? Was für eine Schande.

Portnikov: Nun, ein so geldgieriger Mensch sitzt offensichtlich zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten im Oval Office. Aber ich erinnere mich an viele Fälle, in denen amerikanische Präsidenten verhängnisvolle außenpolitische Fehler begangen haben. Deshalb kann ich grundsätzlich nicht sagen, dass das etwas völlig Neues ist. Ich glaube, Winston Churchill sagte, die Amerikaner würden tausend falsche Wege ausprobieren, bevor sie das Richtige tun. Die Administration von Donald Trump unterscheidet sich von ihren Vorgängern dadurch, dass sie tausend falsche Wege ausprobieren und trotzdem nicht das Richtige tun wird, weil Donald Trumps Verständnis dafür, was richtig und was falsch ist, verkümmert ist. Er versteht in der Regel nur seine eigenen Interessen, nur sich selbst. Mehr sieht er nicht, wie Sie sehen. Und die Menschen, die sich in seiner Nähe befinden, denken überhaupt nur an sich selbst und an ihre politische Zukunft.

Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio sind erbitterte Gegner im Kampf um die künftige Präsidentschaft. Und sie wissen, dass sie sich nicht mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, streiten dürfen, denn sie erwarten immer noch, dass er persönlich seinen Nachfolger empfehlen wird, der die Nominierung der Republikanischen Partei gewinnen wird. Sobald sie sehen, dass dieser Mensch in der Republikanischen Partei kein Ansehen mehr genießt, werden sie ihn noch im selben Monat verraten und sich einen Platz an der Sonne suchen, als Menschen, die seinem politischen Kurs oppositionell gegenüberstehen.

Vance wird das wohl kaum schaffen, weil er Vizepräsident ist, obwohl alles möglich ist. Rubio aber wird ihn ganz sicher verraten. Das wird nicht der erste solche politische Verrat in seiner politischen Biografie sein. Ein Mensch, der fähig ist, seine eigenen Werte um seiner Karriere willen zu verraten, wird auch den Menschen verraten, der Werte vertritt, die seinen eigenen entgegengesetzt sind. Nun, das ist die Formel. Das muss man also verstehen. Auch die Turbulenzen dieser Situation muss man verstehen.

Und noch etwas muss man verstehen. Bis zu diesen Zwischenwahlen bleibt glücklicherweise nicht mehr viel Zeit. Buchstäblich ein paar Wochen, ungefähr ein Monat, weniger als ein Monat dieses Wahlkampfes, wenn ich mich nicht irre, denn ich kann mich bei den Daten irren. Man muss doch einmal nachsehen, wann genau die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten stattfinden. Am 3. November. Nun ja, weniger als ein Monat. Alles richtig.

Also, vom 10. Oktober bis zum 3. November rate ich Ihnen, sich anzuschnallen, die Sicherheitsgurte anzulegen. Es wird noch viel solchen Wahnsinn geben. Er wird nur noch zunehmen. Verstehen Sie, Donald Trump ist jetzt wie ein Fisch, den man aus einem Teich ans Ufer zieht. Und der Fisch will im Teich bleiben. Er wehrt sich, er ist schon fast auf dem Trockenen. Er atmet schwer, schlägt mit seinem schrecklichen Schwanz um sich, fühlt sich schlecht. Würden Sie denn, wenn Sie ein Fisch wären, wollen, dass man Sie aufs Trockene zerrt? Zumal Sie noch vor einigen Monaten für all diese Gauner, die Sie umgeben, ein echter Goldfisch waren und ihnen eine wolkenlose Zukunft versprochen haben, solange sie nur Ihre Wünsche erfüllen.

Deshalb ist das eine solche Krisensituation, deshalb kann jeder neue Tag eine neue Stufe des Wahnsinns bringen. Das muss man klar verstehen, wenn wir über den Verlauf dieser Ereignisse sprechen. Nun, ich denke, dass wir leider noch gezwungen sein werden, auf dieses Thema zurückzukommen und neue sensationelle, katastrophale Ereignisse im Zusammenhang mit dem Wahlkampf in den Vereinigten Staaten zu besprechen. Das garantiere ich Ihnen, ich garantiere Ihnen einfach, dass es noch viele unangenehme Nachrichten geben wird, mehr, als Sie denken. Aber wir werden sie auf jeden Fall besprechen und darüber sprechen, wie wir in dieser schwierigen Situation handeln sollen.

Nach dem 3. November 2026 werden wir uns alle auf die eine oder andere Weise in einer neuen politischen Welt wiederfinden, worauf wir uns ebenfalls vorbereiten müssen. Verstehen Sie, wir fliegen jetzt gewissermaßen, und am 3. November werden wir die Gangway des Flugzeugs der politischen Turbulenzen hinunter auf die sündige Erde steigen müssen. Wir müssen bereit sein für den Ausstieg, für einen Kaffee am Flughafen und für die Fahrt in die Stadt, in der wir bereits eine Vorstellung davon haben werden, was wir nach diesem Flug weiter tun sollen – in die Stadt einer neuen politischen Epoche. 


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Світ шокований Трампом: наслідки | Віталій Портников. 10.10.2026.
Autor: [Autor ]
Veröffentlichung: 10.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Drohnen legen ein Rechenzentrum von Yandex lahm | Vitaly Portnikov. 08.10.2026.

In der Stadt Sassowo im Gebiet Rjasan der Russischen Föderation brennt ein Rechenzentrum des Unternehmens Yandex, dessen Betrieb vollständig eingestellt wurde.

Der Brand brach nach Angriffen ukrainischer Drohnen auf ein Werk aus, das sich auf diesem Gelände befindet. Und dies ist der erste bekannte Angriff auf russische Rechenzentren während des großen Krieges zwischen Russland und der Ukraine. Ich erinnere daran, dass Russland zuvor Rechenzentren ukrainischer Technologieunternehmen angegriffen hatte und dabei wieder einmal vergaß, dass zum Tango zwei gehören.

Nachdem das Rechenzentrum von Yandex seinen Betrieb eingestellt hatte und das Unternehmen gezwungen war, auch eine ganze Reihe von Diensten für seine Nutzer einzustellen, sind die Yandex-Aktien an der Moskauer Börse bereits um mehr als drei Prozent gefallen. Man kann also sagen, dass auch die Investoren nicht mehr besonders an die Zukunft dieses Unternehmens glauben.

Natürlich kann man darüber sprechen, dass das Rechenzentrum von Yandex vom Unternehmen für die Bedürfnisse der russischen Armee und des militärisch-industriellen Komplexes genutzt wird, wie übrigens die gesamte russische Wirtschaft, die für den Krieg arbeitet. Ich erinnere daran, dass allein im neuen Haushalt der Russischen Föderation für 2027 die Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit um 50 Prozent steigen, obwohl sie bereits zuvor den Löwenanteil des putinschen Staatshaushalts ausmachten.

Doch es ist offensichtlich, dass Angriffe auf russische Hochtechnologieunternehmen auch Folgen für die Entwicklung der gesamten russischen Wirtschaft haben und Russland damit das Geld für den Krieg gegen die Ukraine entziehen werden, den der russische Präsident und seine Gesellschaft so dringend brauchen. Ich erinnere noch einmal daran, dass gerade der Mangel an solchem Geld, gerade die begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten, gerade soziale Erschütterungen und Katastrophen den Präsidenten der Russischen Föderation dazu zwingen könnten, über einen Waffenstillstand im Krieg gegen die Ukraine nachzudenken. Nun, zumindest um Ressourcen für einen baldigen neuen Angriff anzusammeln.

Wenn es jedoch keinerlei finanzielle Probleme bei der Kriegsführung gibt, wird Putin natürlich weiter Krieg führen wollen, Krieg führen und nochmals Krieg führen. Deshalb ist der Angriff auf das Rechenzentrum eine Erinnerung daran, dass man auch die russischen Technologien zerstören kann, die den Krieg ermöglichen, statt Russland lediglich das Geld für die Fortsetzung der Kampfhandlungen zu entziehen.

Aus dieser Sicht ist es wichtig, dass heute vor unseren Augen nicht nur das Rechenzentrum des Unternehmens Yandex brennt, sondern auch eine weitere Erdölraffinerie, die diesmal Gazprom gehört, Putins Geldbeutel. Jenem Unternehmen, das einst den russischen Staatshaushalt mit Geld versorgte und die Loyalität europäischer Regierungen gegenüber Putins Politik garantierte, inzwischen aber zu einem subventionsabhängigen Unternehmen geworden ist, das Geld aus dem Staatshaushalt der terroristischen Föderation erhält. Und ich hoffe, dass der neue Angriff auf die Erdölraffinerie Gazprom einen weiteren Teil seiner Einnahmen entziehen wird, sodass das Unternehmen entsprechend weniger Steuern zahlen kann, die anschließend von den Streitkräften der Russischen Föderation zur Ermordung ukrainischer Zivilisten verwendet werden.

Natürlich muss analysiert werden, wie Angriffe auf Hochtechnologieunternehmen im Hinblick auf ihre Wirksamkeit genau beschaffen sein müssen, um dem russischen Internet und den Möglichkeiten der russischen Armee, es zu nutzen, ein Ende zu setzen, und inwieweit sich die Erdölraffinerien der Russischen Föderation mithilfe von Drohnen für längere Zeit außer Betrieb setzen lassen.

Natürlich könnten wir, wenn die Angriffe mit Raketen durchgeführt würden, darauf hoffen, dass die russische Wirtschaft nach einiger Zeit vollständig in Trümmern liegt, die sich auch in den kommenden, für die Russen hoffentlich schweren Jahrzehnten nicht wiederaufbauen lassen werden – Jahrzehnte, in denen sie nach einem Ausweg aus jener Sackgasse suchen müssen, in die Putin die Russische Föderation getrieben hat, indem er die chauvinistischen Bestrebungen seiner eigenen Bevölkerung ausnutzte.

Doch die Tatsache bleibt offensichtlich: Wenn wir das nicht tun, werden immer mehr Ukrainer durch Angriffe der Russischen Föderation auf die ukrainische zivile Infrastruktur sterben. Putin kann von der Einschüchterung der Ukrainer nur dann ablassen, wenn er sieht, wie seine eigene Wirtschaft getroffen wird. Zumal in Russland, anders als bei den ukrainischen Rechenzentren und dem dezentralisierten ukrainischen Internet, eine klare zentralisierte Struktur aufgebaut wurde, die sich buchstäblich mit wenigen präzisen Schlägen zerstören lässt. 

Danach wird die Russische Föderation nicht nur hinsichtlich der Denkweise ihrer Führung und ihrer Bevölkerung, sondern auch hinsichtlich des tatsächlichen Zugangs zu Technologien in eine vor-technologische Vergangenheit zurückfallen. Die Russen werden dann beginnen, die Zeitung „Prawda“ zu lesen und ihre Nachrichten aus fest installierten Radiolautsprechern beziehen, die ihnen erzählen werden, wie wichtig es sei, Putins heiligen Krieg zu unterstützen und sich weiterhin an der Ermordung friedlicher Menschen zu beteiligen.

Das Wichtigste in einer solchen Situation ist, sich stets daran zu erinnern, dass praktisch die gesamte russische Wirtschaft auf den Krieg ausgerichtet ist, dass die Leiter all dieser Hochtechnologieunternehmen in Russland an Kriegsverbrechen beteiligt sind und dass die Russen das Internet keineswegs nur nutzen, um herauszufinden, wie man diese oder jene Hausarbeit erledigt, oder um sich die nächste Folge der widerwärtigen Serie „Mascha und der Bär“ anzusehen, sondern auch, damit der militärisch-industrielle Komplex der Russischen Föderation tatsächlich funktionieren kann, damit neue Waffen zusammengebaut, neue Raketen und strahlgetriebene Drohnen entwickelt werden und die russischen Streitkräfte einsatzfähig bleiben, die darüber hinaus hoffen, Zugang zu eigenen Satellitensystemen zu erhalten, die mit Starlink konkurrieren werden.

Und je weniger Technologien und Möglichkeiten es in Russland geben wird, je mehr Rechenzentren irgendwelcher Yandex-Unternehmen in Flammen stehen und je mehr Erdölraffinerien der Russischen Föderation ihre sinnlose Existenz beenden werden – ungeachtet der Trauer, die darüber im Oval Office herrscht –, desto schneller wird der Krieg enden.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Дрони зупинили дата-центр «Яндекса» |
Віталій Портников. 08.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 08.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Hunderte Drohnen greifen Moskau an | Vitaly Portnikov. 06.10.2026.

Praktisch die ganze Nacht über wehrten Moskau und die Hauptstadtregion einen Angriff ukrainischer Drohnen ab. Diesen Angriff konnten selbst die Verantwortlichen in Moskau und im Moskauer Gebiet, Sobjanin und Worobjow, nicht verheimlichen, die vom Anflug Hunderter ukrainischer Drohnen berichteten. Natürlich meldeten sie die tadellose Arbeit der Luftverteidigung der russischen Hauptstadt, doch inzwischen ist bereits ein großer Brand an der Station Wolodarskaja bekannt, einer der größten Erdölverarbeitungsanlagen auf dem Gebiet Moskaus und der Hauptstadtregion, die für die Infrastruktur der russischen Hauptstadt von großer, ja entscheidender Bedeutung ist. Auch die Flughäfen der Hauptstadt stellten ihren Betrieb ein. Dutzende Flugzeuge waren gezwungen, auf Ausweichflughäfen in Russland zu landen.

Man kann also sagen, dass dies tatsächlich ein schwerer, massiver Angriff auf Moskau und das Moskauer Gebiet war. Und je mehr solcher Angriffe es geben wird, je größer die Verluste der Russischen Föderation durch solche Schläge sein werden, je geringer ihre Möglichkeiten sein werden, die Stabilität der Infrastruktur in der Russischen Föderation aufrechtzuerhalten, desto kürzer wird der Weg zum Frieden sein.

Denn im Umgang mit einem Land wie der Russischen Föderation gibt es keine wirklichen Wege, gewaltsame Konflikte auf diplomatischem Wege zu lösen. In Russland setzt man immer auf Gewalt, darauf, den Gegner durch die Zerstörung seiner Ressourcen zur Kapitulation zu zwingen. Russland kennt dabei keine roten Linien. Aus Sicht der russischen Führung und auch des russischen Volkes soll die Zivilbevölkerung das erste Opfer eines solchen Krieges sein.

Das ist die Philosophie der russischen Expansion. Und derzeit begegnen die Einwohner von Kyiv und anderer ukrainischer Städte und Ortschaften dieser Philosophie, könnte man sagen, in ihrer ganzen unverhüllten Kriminalität. Wir verstehen inzwischen sehr genau, dass Russland von Beginn seines Kampfes gegen unseren Staat an nicht auf einen Krieg der Armeen setzte, sondern auf einen Krieg der Städte, auf die Vernichtung der Zivilbevölkerung und ihre Einschüchterung.

Das sind völlig offensichtliche Dinge, an die man denken muss, wenn wir über Wege sprechen, aus diesem Krieg herauszukommen. Und diese Wege sind ziemlich einfach. Sie hängen gerade mit der Notwendigkeit massiver Angriffe auf Moskau, das Moskauer Gebiet, Sankt Petersburg und andere Regionen der Russischen Föderation zusammen, mit der vollständigen Zerstörung der russischen Erdölverarbeitungsinfrastruktur – wobei es nicht um 40 bis 45 Prozent geht, sondern darum, dass es in Russland überhaupt keine Erdölverarbeitung mehr gibt –, mit der Zerstörung russischer Rüstungsbetriebe und mit Angriffen auf die russische Energieinfrastruktur.

Putin kann die Ukrainer nicht mit einem kalten Winter einschüchtern, wenn seinen eigenen Landsleuten dasselbe schwierige Schicksal droht. Wie der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, bereits vor seiner Rückkehr ins Oval Office unmissverständlich sagte: Zum Tango gehören zwei. Gemeint ist damit natürlich nicht nur die beiderseitige Beteiligung an Verhandlungen über ein Ende des Krieges, die, wie wir sehen, für Trump keinerlei wirkliche Ergebnisse bringen, sondern auch die Beteiligung am Kampf gegeneinander.

Wenn ein Land die Infrastruktur eines anderen durch hinterhältige Angriffe zerstören will, wie wir sie alle in den vergangenen Jahren beobachten und die sich mit jedem Tag nur verstärken, während Putin begreift, dass seine Armee keinen Erfolg haben wird, dann kann auch die Infrastruktur des anderen Landes nicht unantastbar sein – schon allein deshalb nicht, weil diese Infrastruktur den Bedürfnissen der verbrecherischen russischen Armee dient, dieser Schakalmeute.

Wenn in der Russischen Föderation die Ausgaben für Verteidigung und nationale Sicherheit um 50 Prozent steigen und sich diese Ausgaben nicht einmal mit den Ausgaben des russischen Staates für Bildung, Kultur und Medizin vergleichen lassen, wenn praktisch der gesamte russische Haushalt inzwischen für die Streitkräfte der Russischen Föderation und den Föderalen Sicherheitsdienst Russlands ausgegeben wird, dann stellt sich die Frage: Für wen arbeitet eigentlich diese gesamte russische Wirtschaft? Nun, zumindest zu 70 bis 80 Prozent.

Darauf erhalten wir eine eindeutige Antwort. Diese gesamte russische Wirtschaft, all diese Erdölverarbeitungsstationen, all diese Erdölraffinerien – alles arbeitet gerade für den Krieg gegen die Ukraine. Alles andere interessiert weder den Präsidenten der Russischen Föderation noch die russische Führung noch die russische Gesellschaft, von der ein großer Teil weiterhin am chauvinistischen Virus leidet und die imperialistischen Ansprüche seiner Staatsmacht unterstützt.

Denn andernfalls wäre es der Staatsmacht nicht gelungen, eine Millionenarmee skrupelloser Söldner aufzustellen und den Krieg bei völliger gesellschaftlicher Gleichgültigkeit fortzusetzen, wobei eher diejenigen die Ausnahme bilden, die sich gegen den Krieg aussprechen und seine Folgen für Russland selbst fürchten. Ganz zu schweigen von Menschen, die überhaupt über das Schicksal der Ukrainer und anderer nichtrussischer Opfer dieses Eroberungskrieges Putins und seiner Bande nachdenken.

Der Schlüssel zur Situation liegt also nicht in Warnungen und nicht in Erzählungen darüber, dass etwas geschehen könnte, wie wir es ständig vom Präsidenten der Ukraine und anderen führenden Vertretern unseres Staates hören, sondern in realen Maßnahmen, die auf die Zerstörung der infrastrukturellen Möglichkeiten der Russischen Föderation gerichtet sind, in realen Angriffen statt in Worten, in der Leistungsfähigkeit des ukrainischen Staates, der in der Lage ist, dem Bestreben der Russischen Föderation, der Existenz des ukrainischen Staates und des ukrainischen Volkes ein Ende zu setzen, wirklichen und nicht bloß PR-wirksamen Widerstand entgegenzusetzen.

Alles andere ist leeres Gerede, das zu nichts anderem führt als zu Angriffen auf die Ukraine. Ebenso das Gerede darüber, dass wir antworten könnten, während wir nicht antworten. Und das dreiste Gerede über irgendwelche diplomatischen Bemühungen und Verhandlungen, die lediglich damit enden, dass die Mitstreiter von Präsident Trump im Büro des russischen Präsidenten Putin und anderer russischer Beamter nach Möglichkeiten suchen, sich selbst zu bereichern, und den Verhandlungsprozess über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges faktisch dazu nutzen, sich die ohnehin schon infolge der Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus gut gefüllten Taschen noch weiter zu füllen.

Und das muss man sich vollkommen klar vor Augen führen. Diesen Krieg können nur der ukrainische Soldat und die ukrainische Drohne gewinnen. Der amerikanische Vermittler und der ukrainische Demagoge werden diesen Krieg nicht gewinnen. Sie können ihn nur schändlich verlieren.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Сотні безпілотників атакують Москву |
Віталій Портников. 06.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 06.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Trumps neuer Plan | Vitaly Portnikov. 29.09.2026.

In den Medien erscheinen Berichte darüber, dass die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, ein mögliches trilaterales Treffen auf neutralem Boden vorbereiten – derzeit ist von arabischen Hauptstädten die Rede – zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und der Ukraine. Das Hauptziel dieses Treffens ist es, eine Energiewaffenruhe zu erreichen. Dabei sehen wir, dass man in der russischen Hauptstadt keinerlei wirkliche Bereitschaft zeigt, einer solchen Energiewaffenruhe zuzustimmen.

Und hier stellt sich die Frage: Was treibt die Vereinigten Staaten, was treibt die Administration Donald Trumps an, wenn sie tatsächlich versucht, diese Energiewaffenruhe zu erreichen? Hofft man in Washington tatsächlich auf eine solche Entwicklung? Und wie vorteilhaft wäre eine solche Energiewaffenruhe derzeit für die Russische Föderation selbst?

Man könnte sagen, dass Russland tatsächlich ernsthaft unter dem leidet, was mit seiner Ölverarbeitungsindustrie geschieht. Die Ukraine greift weiterhin Ölraffinerien der Russischen Föderation an, ungeachtet der bekannten Haltung Washingtons. Und bislang gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass Kyiv bereit wäre, diese Angriffe einzustellen. Auch Russland verstärkt seine Angriffe auf die Ukraine und versucht, die ukrainische Infrastruktur vor dem Winter zu zerstören.

Und hier liegt meines Erachtens eine wichtige Antwort auf die Frage, warum es so schwierig ist, diese Energiewaffenruhe zu erreichen.Wir haben wiederholt darüber gesprochen, dass die Armeen beider Länder an der Front faktisch feststecken. Und man kann sagen, dass die russische Armee derzeit bei Lyman sogar die Angriffe des Gegners abwehren muss, Stellungen verliert, die von den Besatzern bereits eingenommen worden waren, und Soldaten verliert, die getötet, verwundet oder gefangen genommen werden. All das geschieht tatsächlich.

Und dann stellt sich die Frage: Welche realen Druckmittel hat die Russische Föderation gegenüber der Ukraine noch? Außer Angriffen auf die Energieinfrastruktur, außer dem Versuch, die Ukrainer in diesem Winter frieren zu lassen, außer dem Glauben daran, dass aus dem Gleichgewicht gebrachte und enttäuschte Ukrainer selbst von ihrer Regierung eine Kapitulation vor Russland zu Putins Bedingungen verlangen werden.

Stellen wir uns also vor, es käme zu einer Energiewaffenruhe. Welche Trümpfe könnte Russland in der weiteren Konfrontation mit der Ukraine noch haben? Nun, natürlich besteht noch die Möglichkeit einer Blockade der Handelswege, aber auch hier wird erheblicher Druck auf Russland ausgeübt, weil eine Unterbrechung der Getreidelieferungen aus der Ukraine den Ländern des Globalen Südens tatsächlich mit einer wirtschaftlichen und humanitären Katastrophe droht, die zu Aufständen, Revolutionen und zum Zusammenbruch von Regimen führen könnte, die absolut nicht bereit sind, sich als Opfer dieser möglichen Hungersnot zu sehen.

Und es ist klar, dass selbst Verbündete Russlands wie der Staatschef der Volksrepublik China Xi Jinping, wie der indische Ministerpräsident Narendra Modi und wie die Staats- und Regierungschefs von Ländern des Globalen Südens wie Ägypten und der Türkei versuchen werden, alles dafür zu tun, diesen Korridor zu öffnen. Das heißt, auch hier gibt es nicht viele Möglichkeiten, diesen Korridor weiterhin zu blockieren.

Es gibt also keine wirklichen Trümpfe außer diesem terroristischen Angriff, den wir in den letzten Tagen, den letzten Wochen, den letzten Monaten beobachten. Nun, wenn Sie so wollen, in den letzten Jahren. Gerade jetzt, in diesen Wochen schrecklicher Angriffe auf Kyiv, möchte ich die Gelegenheit nutzen, denjenigen, die unter diesen Angriffen gelitten haben, den Angehörigen der Getöteten und den Angehörigen der Verletzten mein aufrichtiges Mitgefühl auszusprechen. Das ist zum Hauptargument, zum wichtigsten Trumpf geworden.

Hier gibt es noch einen weiteren sehr wichtigen Punkt. Und die Ukraine? Wenn wir aufhören, die Ölraffinerien der Russischen Föderation anzugreifen, und uns bewusst machen, dass Russland sein Potenzial ausbaut, dass der Krieg nicht beendet ist, dass die russische Armee beispielsweise in der Region Donezk weiterhin in der Offensive ist. Putin aber bekommt dadurch, dass wir die Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation einstellen, zusätzliches Geld. Zusätzliches, sagen wir, Geld für den Krieg, mehr Geld für den Krieg, mehr Geld für die Armee, mehr Geld für Vertragssoldaten, die für einen weiteren Vormarsch der russischen Armee auf ukrainischem Territorium mobilisiert werden können.

Das heißt, einerseits retten wir uns vor einem kalten Winter, vor Stromabschaltungen, vor der Notwendigkeit, Menschen aus jenen Städten und Orten zu evakuieren, wo die Lage am schwierigsten sein wird. Andererseits programmieren wir gewissermaßen die Fortsetzung des russischen Krieges gegen die Ukraine auf unbestimmte Zeit vor, weil wir Russland die Möglichkeit geben, Geld für die Fortsetzung dieses Putin-Abenteuers zu verdienen. Genau das ist tatsächlich das Problem dieser Energiewaffenruhe.

Eine weitere wichtige Frage ist, warum die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten diese Waffenruhe überhaupt so vorantreibt. Man könnte sagen, dass es dafür keine wirklichen Gründe gibt außer Donald Trumps Suche nach Wegen, den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu beenden. Das ist eines seiner konkreten Versprechen. Wie Sie sich erinnern, wurde dieses Versprechen auch während des Wahlkampfs gegeben. Trump sagt weiterhin, der Krieg werde jeden Moment enden, und selbst wenn es ihm gelänge, wenigstens eine Energiewaffenruhe zu erreichen, wäre das bereits ein ernstzunehmendes Ergebnis im Hinblick auf das, was im russisch-ukrainischen Krieg geschieht. Er könnte sich dann bereits als Friedensstifter darstellen. Ein teilweiser Frieden zwar, aber Frieden. Friedliche Städte werden nicht beschossen, Zivilisten werden nicht getötet. Und all das wäre Trumps Verdienst.

Doch in Wirklichkeit finden all diese Gespräche über eine Energiewaffenruhe vor dem Hintergrund von Berichten statt, wonach Trump nach Möglichkeiten sucht, die Sanktionen gegen Russland zu lockern, und wonach einer der Mitarbeiter des Weißen Hauses, Coale, der bekanntlich mehrfach mit Alexander Lukaschenko zusammengetroffen ist und mit ihm über die Freilassung politischer Gefangener im Gegenzug für eine Lockerung der Sanktionen gegen Belarus verhandelt hat, dem amerikanischen Präsidenten dasselbe Modell für Russland vorgeschlagen hat.

Ich sage gleich, dass ich nicht weiß, wie dieses Modell in der Praxis umgesetzt werden soll. Was eine mögliche Lockerung der Sanktionen gegen Belarus betrifft, hatte Trump keinerlei Probleme mit einer solchen Entscheidung. Die Verabschiedung des Graham-Gesetzes macht es grundsätzlich unmöglich, Sanktionen gegen die Russische Föderation ohne Zustimmung des Kongresses zu lockern oder aufzuheben, wo sich dafür möglicherweise schlicht nicht die notwendige Zahl an Stimmen finden wird, insbesondere nach den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress im November.

Trump könnte jedoch darauf hoffen, dass er das Gesetz, das er gerade erst unterzeichnet hat, irgendwie umgehen kann, dass er den Kongressabgeordneten die Notwendigkeit einer Lockerung der Sanktionen gegen die Russische Föderation mit Fragen der nationalen Sicherheit erklären kann. Nun, letztlich: „Wollen Sie, dass Menschen, die seit Jahren in Gefängnissen der Russischen Föderation sitzen, weil sie für Frieden und Demokratie gekämpft haben, freikommen? Dann erlauben Sie dem Präsidenten, die Sanktionen gegen die Russische Föderation teilweise zu lockern.“ Und dieser Trumpf könnte grundsätzlich bei jedem Kongress funktionieren, denn für jeden Kongressabgeordneten wäre es sehr schwierig zu erklären, warum er einer Variante nicht zugestimmt hat, die es ihm ermöglichen würde zu sagen, dass Menschen aus russischen Gefängnissen gerettet wurden.

Wenn wir also als Axiom annehmen, dass Trump nach Möglichkeiten sucht, die Wirtschaftsbeziehungen zu Russland wiederherzustellen, und dass der Sondergesandte des Präsidenten der Russischen Föderation Kirill Dmitrijew sowohl Witkoff als auch Kushner ständig davon erzählt, welche riesigen Summen sich mit gemeinsamen russisch-amerikanischen Kontakten und Verträgen verdienen ließen, dann erscheint all das vollkommen folgerichtig. Eine Energiewaffenruhe wird erreicht. Russland beginnt, seine politischen Gefangenen gegen die Aufhebung von Sanktionen einzutauschen, und alle verdienen Geld. Ein guter Plan.

Nur stellt sich die Frage, inwieweit Russland bereit ist, diesem Plan zuzustimmen, inwieweit Russland tatsächlich bereit ist, irgendjemanden freizulassen, inwieweit Trump diese Sanktionen tatsächlich aufheben kann und inwieweit diese Energiewaffenruhe tatsächlich funktionieren kann. Das wissen wir wirklich überhaupt nicht und können es uns auch nicht vorstellen. Dass Trump es jedoch ernst meint, lässt sich zumindest daran erkennen, dass das Weiße Haus heute Coale, der, wie Sie sich erinnern, eine völlig untergeordnete Rolle im Apparat des Weißen Hauses spielte und eher Stellvertreter von Keith Kellogg war, der seinerseits in der Administration keinen großen Einfluss hatte, für das Amt des Sondergesandten für Geiselfragen im Rang eines Botschafters der Vereinigten Staaten nominiert hat.

Das heißt, faktisch können wir davon sprechen, dass diese Mission zur Freilassung von Gefangenen zu einem wichtigen Bestandteil von Donald Trumps Tätigkeit in den russisch-amerikanischen Beziehungen wird und dass genau dies in Wirklichkeit sein eigentlicher Friedensplan ist: die Beziehungen zu Putin, vor allem die Wirtschaftsbeziehungen, um jeden Preis wiederherzustellen, dabei aber einen solchen Vorwand zu finden, der Trumps eigener Reputation nicht schadet und es nicht erlaubt zu sagen, dass er Putin faktisch nachgibt, denn „was kann man schon gegen einen Menschen einwenden, der politische Gefangene freibekommt?“

Und erinnern Sie sich übrigens daran, wie viele politische Gefangene aus Belarus tatsächlich freigelassen wurden. Unter ihnen waren etwa der Nobelpreisträger Ales Bjaljazki und der Blogger Tichanovski, dessen Frau gezwungen war, für das Präsidentenamt in Belarus zu kandidieren, gerade weil er inhaftiert war und nicht am Wahlkampf teilnehmen konnte. Viele entweder prominente oder im Hinblick auf ihr Vermächtnis wichtige Menschen. Babaryka, derselbe, der als Lukaschenkos wichtigster Konkurrent bei der Präsidentschaftswahl galt, bis er ins Gefängnis kam.

In dieser Hinsicht ist also völlig offensichtlich, dass es reale Gründe für die Annahme gibt, dass Trump eine solche Variante grundsätzlich gefallen könnte. Schließlich macht Washington kaum jemand die Kontakte zu Belarus zum Vorwurf, wenn dabei politische Gefangene freigelassen werden. Dass dort bestimmte Wirtschaftssanktionen aufgehoben werden, dass die Vereinigten Staaten beabsichtigen, kanadisches Kali auf schwer nachvollziehbare Weise durch belarussisches zu ersetzen, obwohl die Größenordnungen überhaupt nicht vergleichbar sind – darüber spricht fast niemand, weil es jedem unangenehm wäre, als jemand aufzutreten, der gegen die Möglichkeit kämpft, denjenigen die Freiheit zu verschaffen, die für sie kämpfen.

Und das ist eine neue, ich würde sagen, Variante der weiteren Entwicklung. Sie wird das Ende des russisch-ukrainischen Krieges nicht näher bringen, aber sie wird Trumps Ruf als Friedensstifter verbessern. Und sie wird es erschweren zu sagen, dass Trump in Wirklichkeit einfach nur nach Wirtschaftsbeziehungen mit Putin und nach wirtschaftlichen Vorteilen sucht und das Thema der politischen Gefangenen lediglich zynisch benutzt, um seine eigenen Interessen voranzutreiben. Solche Vermutungen könnten den Präsidenten der Vereinigten Staaten nur empören, sollten sie überhaupt geäußert werden.

Aber nach diesen anderthalb Jahren können wir bereits zu dem Schluss kommen, dass gerade die Rückkehr zu wirtschaftlichen Beziehungen mit der Russischen Föderation grundsätzlich eines der wichtigen Ziele Trumps ist.

  • Erstens spricht er ständig darüber.
  • Zweitens betrachtet er den russisch-ukrainischen Krieg als ein, ich würde sagen, Problem, das die Wiederherstellung dieser Beziehungen verhindert.
  • Drittens tritt er jedes Mal mit einer neuen Initiative auf.

Und das entspricht tatsächlich unserem heutigen Verständnis davon, wie die Administration der Vereinigten Staaten ihre Herangehensweise an den Krieg Russlands gegen die Ukraine gestaltet.. Es ist unklar, zu welchen praktischen Folgen dies führen wird. Es ist unklar, inwieweit der Präsident der Vereinigten Staaten grundsätzlich Einfluss auf den Präsidenten der Russischen Föderation nehmen kann, sodass dieser tatsächlich zumindest einer teilweisen Waffenruhe im russisch-ukrainischen Krieg zustimmt. Es ist unklar, wozu Putin das braucht. Es ist unklar, wozu Trump das braucht.

Gleichzeitig können wir jedoch sagen, dass sich die Ereignisse weiterentwickeln und dass wir noch diese Wochen bis zu den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress haben. Trump hat das Gefühl, dass er diese Wahlen verliert. Er sucht verzweifelt nach Themen, mit denen er punkten könnte. Das Thema einer russisch-ukrainischen Friedensregelung sollte eines dieser Themen sein.

Nicht zufällig erwähnt er ständig die Ukraine, wenn es um den Anstieg der Dieselpreise geht, und bezeichnet sie als das Land, das für diese Situation verantwortlich sei. Zuletzt geschah das buchstäblich innerhalb der vergangenen 24 Stunden, als er ausdrücklich sagte, er habe Präsident Volodymyr Zelensky sogar gesagt, dass die Angriffe auf russische Ölraffinerien eingestellt werden müssten, und der ukrainische Präsident habe ihm angeblich geantwortet, er verstehe, dass dies der ganzen Welt Probleme bereite, und müsse darüber nachdenken.

Das entspricht überhaupt nicht der Realität. In Wirklichkeit werden die Angriffe auf die Ölraffinerien fortgesetzt. In Wirklichkeit sagt Zelensky, dass für die Ukrainer das Leben ihrer Landsleute weitaus wichtiger ist als Öl. Trump hält jedoch zumindest gegenüber seinem eigenen Publikum weiterhin ein Bild der Realität aufrecht, das diesem Publikum, sagen wir so, zugänglich ist. Nur wird dieses Publikum zusammen mit den Zustimmungswerten des amerikanischen Präsidenten kleiner, und das kann Trump nur beunruhigen.

Was kann also tatsächlich geschehen? Nun, grundsätzlich könnte es überhaupt keine wirkliche Entwicklung geben. Russland wird einer Energiewaffenruhe nur in einer Situation zustimmen, in der es tatsächlich den Löwenanteil seines Ölverarbeitungskomplexes verloren hat und der Kauf von Ölprodukten gegen Devisen oder aufgrund irgendwelcher Vereinbarungen mit Indien oder China – der Tausch von Öl gegen Ölprodukte, allerdings in anderen Mengen und zu anderen Preisen – zu einer wirtschaftlichen Realität für die Russische Föderation wird. Von dieser Realität werden sie wegkommen wollen. Aber wiederum: Wenn jemand aus einer Realität herauskommen will, in der er sich wiederfindet, muss dieser Jemand nicht unbedingt Putin sein, denn Putin lebt, wie wir sehen, in seiner eigenen Realität.

Ich bin überzeugt, dass all diese trilateralen Treffen, all diese Einladungen zum G20-Treffen den russischen Präsidenten nur darin bestärken, dass er auf dem richtigen Weg ist und dass die Vereinigten Staaten ihn ohnehin nicht daran hindern können, die Ukraine zu vernichten, selbst wenn sie versuchen sollten, die Wiederaufnahme wirtschaftlicher Kontakte an Bedingungen wie ein Ende des Krieges zu knüpfen. Es ist bereits offensichtlich, dass für Putin die Fortsetzung des Krieges wichtiger und dringlicher ist als irgendwelche Verträge mit den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Ländern und dass er sich der wirtschaftlichen Folgen der ukrainischen Angriffe möglicherweise nicht einmal bewusst ist.

Es ist natürlich merkwürdig, dass wir im viereinhalbten Jahr des Krieges darüber diskutieren, ob Putin zu einem Treffen der G20 kommen kann, bei dem die überwiegende Mehrheit der westlichen Politiker natürlich nicht mit ihm sprechen wird. Es ist natürlich merkwürdig, dass die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten nach viereinhalb Jahren Krieg nach Möglichkeiten sucht, während des Krieges die Wirtschaftsbeziehungen mit der Russischen Föderation wiederherzustellen, während Putin keinen einzigen Vorschlag Trumps für eine Waffenruhe beachtet. Aber in einer solchen Welt leben wir. Und diese Welt entspricht, wie wir sehen, vollkommen den Vorstellungen, die Menschen wie Trump und Putin von ihr haben. Zumindest versuchen beide, diese Welt jeweils in ihrem eigenen Land entsprechend ihren Möglichkeiten umzugestalten.

Für Trump ist das viel schwieriger als für Putin, weil Trump immerhin Präsident eines demokratischen Landes ist, in dem die Menschen die Erfüllung von Versprechen erwarten und völlig anders wählen, wenn diese Versprechen nicht erfüllt werden. Putin dagegen kann sich problemlos in seine eigene Realität zurückziehen, weil er sehr gut versteht, dass es keine andere Entwicklung geben wird und dass seine Gesellschaft ihn ganz sicher nicht daran hindern wird, all das zu tun. Auch das sehen wir bereits.

Der einzige Weg zu dieser Energiewaffenruhe besteht also tatsächlich in den Möglichkeiten der ukrainischen Streitkräfte, russische Ölraffinerien in einem solchen Umfang anzugreifen, dass die Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation tatsächlich ausgeschaltet wird und Bohrlöcher stillgelegt werden müssen. Im Grunde ist das eine sehr einfache Erfolgsformel. Man muss die wirtschaftlichen Verluste der Russischen Föderation für die russische Führung zu einem größeren Problem machen als Putins Wunsch, den Krieg bis zum endgültigen Verschwinden der Ukraine von der politischen Landkarte der Welt fortzusetzen.

Paradox ist in dieser Situation auch, dass wir sehr gut verstehen, dass Putin den ukrainischen Staat nicht vernichten kann und dass selbst seine terroristischen, brutalen Angriffe auf ukrainische Städte, vor allem auf Kyiv, die Vernichtung dieses Staates und den Wunsch der ukrainischen Gesellschaft nach Kapitulation nicht näher bringen. Wir verstehen ebenfalls, dass wir den Ölverarbeitungskomplex der Russischen Föderation nicht vollständig ausschalten können. So oder so wird er weiterarbeiten.

Aber das Modell besteht darin, dass jeder etwas erreichen will, was er nicht vollständig erreichen kann. Obwohl ich Ihnen ganz offen sage: Die Möglichkeiten, die Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation zu zerstören, sind wesentlich größer als die Möglichkeiten, den Zusammenbruch des ukrainischen Staates herbeizuführen. Und genau das beunruhigt diejenigen, die die Beziehungen zur Russischen Föderation durch das Prisma des Geldes betrachten. Denn eine Russische Föderation, die aufhört, eine Art Tankstelle zu sein, ist nicht nur für Donald Trump uninteressant, sie ist auch für den Staatschef der Volksrepublik China Xi Jinping uninteressant, der sehr gut versteht, dass die Zerstörung der russischen Ölverarbeitungsindustrie erstens zu sozialer Instabilität führen und zweitens zur Stilllegung von Bohrlöchern führen könnte, sodass China weniger Öl kaufen könnte.

Nun, ich denke, genau das hat dazu geführt, dass der Staatschef der Volksrepublik China und der indische Ministerpräsident bei ihren jüngsten Treffen mit Putin über die Notwendigkeit politischer Ansätze zur Beendigung des Krieges gesprochen haben. Früher interessierte sie das irgendwie nicht besonders. Und grundsätzlich verstehen wir sehr gut, dass in dieser Situation die Staats- und Regierungschefs der Länder des Globalen Südens umso mehr Anlass haben werden, Putin daran zu erinnern, dass ein solcher Krieg beendet werden muss, je stärker wir russische Ressourcen angreifen.

Das ist im Grunde alles, was man zu all diesen Plänen sagen kann. Trumps Pläne werden wohl kaum umgesetzt werden, weil völlig unklar ist, welche rechtliche Möglichkeit der amerikanische Präsident nach der Verabschiedung des Graham-Gesetzes überhaupt noch hat, die Sanktionen gegen die Russische Föderation zu lockern. Manchmal hat man den Eindruck, dass in dieser Wahlkampfphase im Weißen Haus die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut. Trump bringt ein Gesetz durch den Senat und das Repräsentantenhaus, das seine Möglichkeiten zur Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation faktisch zunichtemacht, und unterzeichnet dieses Gesetz feierlich. Gleichzeitig kann sein Sondergesandter, der jetzt für den Posten des Sonderbeauftragten für Geiselfragen nominiert wurde, den amerikanischen Präsidenten davon zu überzeugen versuchen, dass der Weg zur Überwindung der schwierigen Beziehungen mit Russland und die Möglichkeit, mit Russland Geld zu verdienen, darin besteht, die Aufhebung eines Teils der Sanktionen gegen die Freilassung von Geiseln einzutauschen.

Und übrigens möchte ich Sie daran erinnern, dass genau das den Interessen der Russischen Föderation entspricht. Jetzt wird verständlich, warum der russische Außenminister Sergej Lawrow auf seiner abschließenden Pressekonferenz am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung in New York sagte, dass man die Ukraine aus diesem Verhandlungsprozess ausklammern müsse, um die russisch-amerikanischen Beziehungen zu verbessern und damit jene Ergebnisse zu erreichen, auf die Donald Trump hofft. Genau dieses Rezept hören wir ständig von Putin. Das ist der Geist von Anchorage: „Lasst uns übers Geld reden. Lasst uns nach für beide Seiten vorteilhaften Formen der Zusammenarbeit suchen. Ihnen wird es gut gehen, uns wird es gut gehen, Sie werden sehr viel Geld verdienen. Aber es gibt eine Bedingung: Vergessen Sie die Ukraine. Geben Sie mir die Möglichkeit, mit ihr fertigzuwerden.“

Wenn Sie fragen, was der Geist von Anchorage ist, dann ist genau das Putins Vorstellung von diesem Geist: „Trump hat mir die Ukraine überlassen und gesagt, dass er sich nicht mehr einmischen wird.“ Das Paradoxe ist jedoch, dass Trump sich das mit Blick auf die öffentliche Meinung nicht erlauben kann. Natürlich könnte sein Wunsch, diese Beziehungen zu Moskau wiederherzustellen, sogar größer sein als sein Wunsch, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Aber das lässt sich nicht umsetzen. Und deshalb erscheint auch sein neuer Plan, Geiseln gegen Sanktionen einzutauschen, ziemlich unrealistisch.

Ich beantworte einige Fragen, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Trump zeigt also Schwäche, indem er Putin zum G20-Gipfel einlädt. Woher kommt Trumps Entscheidung, den Handel noch vor Kriegsende wieder aufzunehmen?

Portnikov: Nun, mir scheint, ich erkläre das während dieser gesamten Sendung: Das ist keine Frage der Schwäche, sondern eine Frage des Interesses. Es geht darum, dass für Trump die Möglichkeit, Geld zu verdienen, wesentlich wichtiger ist als die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges. Natürlich wäre es für ihn nicht schlecht, wenn Putin zumindest teilweise einer Waffenruhe im russisch-ukrainischen Krieg zustimmen würde und Trump selbst nicht wie jemand aussähe, der mit einem Kriegsverbrecher Handel treibt. Wie Sie jedoch sehen, ist Trump in Wirklichkeit sogar bereit, Putin zu einem prestigeträchtigen Gipfel einzuladen, obwohl gerade jetzt eine weitere Runde der Eskalation des russisch-ukrainischen Krieges stattfindet. Was soll man dazu sagen? Wir verstehen das alles sehr gut: In Wirklichkeit steht in diesen Beziehungen die Idee des eigenen Interesses im Mittelpunkt. Und das ist keine Schwäche.

Frage: Die Alternative für Deutschland gewinnt in Deutschland die Wahlen mit dem Slogan „billiges Gas aus Russland“. Könnten das Graham-Gesetz und die entsprechenden Zölle im Falle einer Wiederaufnahme der Lieferungen auch auf Deutschland angewendet werden? Warum sagt man das den Wählern nicht?

Portnikov: Nun, vielleicht deshalb, weil die Führung der Alternative für Deutschland davon ausgeht, dass gegen ein Deutschland, das von politischen Gesinnungsgenossen Trumps regiert wird, keine Sanktionen verhängt werden. Zweitens müsste Deutschland, um unter Sanktionen der Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit dem Kauf russischer Energieträger zu fallen, zu den fünf Ländern gehören, die die größten Mengen dieser Energieträger kaufen. Bislang gibt es keinerlei Grundlage für die Annahme, dass Deutschland tatsächlich zu diesen fünf Ländern gehören wird. Drittens muss man nicht eigens erklären, dass die Alternative für Deutschland derzeit keine Möglichkeit hat, die Bundestagswahl in Deutschland zu gewinnen.

Ja, sie ist heute die populärste der deutschen Parteien. Das stimmt, aber ihre Popularität ist zwischen den ost- und westdeutschen Bundesländern ungleich verteilt. Am populärsten ist diese Partei mit ihrer eindeutig rechtsextremen Ausrichtung auf dem Gebiet der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, wo es, wie wir sehen, keine wirkliche Entnazifizierung gab, sondern die Entnazifizierung durch Kommunisierung ersetzt wurde. Und das macht sich bis heute, 35 Jahre nach dem Zusammenbruch des deutschen Kommunismus, bemerkbar und wird sich noch viele Jahrzehnte bemerkbar machen. Im westlichen Teil Deutschlands ist die Alternative dagegen keineswegs so populär. Selbst wenn wir uns vorstellen, dass sie im nächsten Bundestag eine große Fraktion haben wird, bedeutet das nicht, dass andere politische Parteien mit ihr eine Koalition eingehen werden.

Das ist das eigentliche Problem, über das man sprechen muss. Gerade gegenüber der Alternative für Deutschland gilt derzeit eine Regel, die keine der politischen Kräfte des Landes einen Dialog mit dieser extremistischen Organisation führen lässt. Aber niemand hat gesagt, dass das ewig so bleiben wird. Und gerade der Fall dieser Barriere ist heute eine der Hauptaufgaben im Zusammenhang mit der deutschen Alternative. Man muss verstehen, dass gerade eine Situation, in der alle Parteien demokratischer Ausrichtung nicht mit der Alternative für Deutschland zusammenarbeiten wollen, sie zu einer marginalen politischen Kraft machen kann, selbst wenn sie die größte Fraktion im Parlament stellen sollte. Sich allerdings vorzustellen, dass die Alternative für Deutschland unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen in Deutschland eine absolute Mehrheit erringen könnte, ist, gelinde gesagt, unrealistisch.

Andererseits erinnern wir uns sehr gut daran, wie Extremisten in Deutschland zur Zeit des Reiches an die Macht kamen, wie sie eine marginale Partei waren, wie sie bei jeder neuen Wahl – damals waren es vorgezogene Wahlen, in Deutschland herrschte eine schwere politische Krise – immer mehr Einfluss gewannen, der es Adolf Hitler später ermöglichte, Reichskanzler Deutschlands zu werden. Und das, obwohl seine Partei damals keine Mehrheit im Reichstag hatte, und später das deutsche Mehrparteiensystem abzuschaffen und durch das Einparteiensystem der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei mit ihm selbst an der Spitze zu ersetzen. In jedem Fall sind das zweifellos sehr gefährliche und sehr ernste Signale, über die ebenfalls gesprochen werden muss, wenn wir die Situation im Zusammenhang mit der Alternative diskutieren.

Frage: Auf wie viel Prozent schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit eines russischen Angriffs auf die baltischen Staaten in diesem Jahr? Nicht unbedingt eine Bodeninvasion, möglicherweise gerade massive Luftangriffe.

Portnikov: Ich sehe bislang keinerlei Grundlage für die Annahme, dass Russland zu irgendwelchen massiven Luftangriffen auf europäische Länder übergehen wird. Ich glaube, Russland wird keine amerikanische Reaktion riskieren und nicht das Risiko eingehen, dass es zu einer tatsächlichen militärischen Konfrontation mit NATO-Staaten kommen könnte. Ich denke, dass all diese Geschichten mit europäischen Ländern in Wirklichkeit im Rahmen eines hybriden Krieges weitergehen werden, gerade um ihre Gesellschaften dazu zu bringen, der Ukraine nicht mehr zu helfen.

Für die nächsten Jahre ist Putins Hauptziel, das Hauptziel des russischen Staates und der russischen Armee, gerade der Kampf gegen die Ukraine mit dem Ziel, die Staatlichkeit unseres Landes zu vernichten. Das ist Aufgabe Nummer eins. Ja, eine Ausweitung des Krieges ist bei der Verfolgung eines solchen Ziels unvermeidlich, aber diese Ausweitung muss keineswegs mit massiven Bombardierungen und Ähnlichem verbunden sein. Es kann einfach ein hybrider Krieg sein. Es kann darum gehen, die europäischen Gesellschaften davon zu überzeugen, für Politiker zu stimmen – wie wir gerade darüber gesprochen haben –, die bereit sind, sich mit Russland zu verständigen und die Hilfe für die Ukraine einzustellen.

Und das sind nicht einfach irgendwelche Worte. Sie haben gehört, dass Marine Le Pen trotz all ihrer Verurteilung des russischen Vorgehens in der Ukraine bereits jetzt dafür eintritt, die ohnehin nicht besonders umfangreiche Militärhilfe Frankreichs für die Ukraine zu kürzen, mit den Worten: „Wir brauchen sie selbst.“ Und ich schließe keineswegs aus, dass genau dasselbe auch in jenen europäischen Ländern geschehen wird, in denen entweder rechtspopulistische oder linkspopulistische Kräfte an die Macht kommen.

Und die Destabilisierung der Lage in Europa durch einen hybriden Krieg, wie wir nach dem Feuerwerk russischer Sabotageakte in Deutschland gesehen haben, kann genau eine solche Situation sein, die dem Präsidenten der Russischen Föderation nützt. Und das werden keineswegs massive Angriffe sein. Massive Angriffe wird es in den kommenden Jahren der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation gegen die Ukraine geben. Und das muss jeder verstehen, der die Perspektiven des Krieges und des Konflikts beurteilt, die auch nach einem möglichen Ende seiner heißen Phase irgendwann weiterbestehen werden.

Frage: Wie beurteilen Sie die Situation mit Südkorea?

Portnikov: Ich habe heute ausführlich über die Situation mit Südkorea gesprochen. Ich werde mich nicht wiederholen. Ich möchte nur eines sagen: Mich erstaunt, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen, die in der Regel nichts von den Besonderheiten der südkoreanischen Politik verstehen, ausgerechnet die ukrainische Führung, Präsident Zelensky, für die Reaktion Seouls verantwortlich gemacht hat.

Ich werde jetzt nicht die Frage nach der Professionalität der Menschen erörtern, die Präsident Zelenskys Rede geschrieben haben, und auch nicht darüber sprechen, inwieweit der ukrainische Präsident diese Rede grundsätzlich selbst vorbereitet hat oder ob sie für ihn geschrieben wurde, und wie ernst die Stimmung in Seoul hinsichtlich der Geheimhaltung der Information über die Übergabe nordkoreanischer Soldaten, die auf der Seite Russlands gekämpft hatten, an Südkorea war.

Nein, ich möchte einfach etwas anderes sagen: In Südkorea sind in Wirklichkeit Menschen von der Demokratischen Partei an die Macht gekommen, die für ihren Wunsch bekannt sind, gute Beziehungen zur Volksrepublik China wiederherzustellen und die Beziehungen zu Nordkorea zu normalisieren, die von ihren Vorgängern blockiert worden waren, weil diese sich in erster Linie an den Vereinigten Staaten orientierten. Das sind unterschiedliche außenpolitische Kurse. Und auch das muss man ganz klar verstehen.

Und der derzeitige Präsident Südkoreas sucht schlicht nach einem Vorwand, um selbst die indirekte Hilfe für die Ukraine zu blockieren – denn direkte Hilfe für die Ukraine darf nach koreanischem Recht nicht geleistet werden – und gleichzeitig nicht in die scharfe Kritik der Opposition zu geraten, die nichts sehnlicher wünscht, als diesen Präsidenten im Gefängnis zu sehen, dort, wo sich sein Vorgänger befindet. Und das sind keine bloßen Redewendungen, denn auch der derzeitige Präsident hat bereits eine ganze Reihe von Antikorruptionsermittlungen durchlaufen.

In dieser Situation können wir also, wie Sie verstehen, davon sprechen, dass Zelenskys Erklärung über die Übergabe der Kriegsgefangenen an Seoul vom südkoreanischen Präsidenten lediglich dazu genutzt wurde, seine Ziele hinsichtlich einer Verbesserung der Beziehungen entlang der Achse Seoul–Peking–Moskau zu verfolgen. Und hätte es diese Rede Zelenskys nicht gegeben, hätte Seoul einen anderen Vorwand gefunden. Man kann sagen, man sollte keine zusätzlichen Vorwände liefern – vielleicht. Aber das ist nicht der Kern der Situation. Und auch die Behauptungen, wir hätten irgendwelche vorteilhaften Rüstungsverträge verloren, Korea hätte uns dieses oder jenes geliefert, zeugen wiederum von einem völligen Unverständnis der innenpolitischen Realitäten Südkoreas und dessen, was dort hinsichtlich der Unterstützung unseres Landes überhaupt geschehen kann.

Frage: Die Türkei führt täglich Dutzende Flüge über NATO-Staaten nach Russland durch und unterhält zudem wirtschaftliche Beziehungen mit Russland. Welche Rolle wird sie in einem möglichen Krieg zwischen der NATO und Russland spielen?

Portnikov: Die Türkei ist Mitglied der NATO. Und erstens sehe ich keinerlei Grundlage für die Annahme, dass es einen Krieg zwischen der NATO und Russland geben wird. Der Krieg wird zwischen der Ukraine und Russland weitergehen, gerade weil die Ukraine kein NATO-Mitglied ist. Menschen, die glauben, dass es einen Krieg zwischen Russland und der NATO geben wird, werden mit ihren Prognosen danebenliegen. Einen hybriden Krieg wird es gerade deshalb geben, weil die Vereinigten Staaten nicht bereit sind, sich in die Situation in Europa einzuschalten. Die Türkei wird ihre Verpflichtungen gegenüber der NATO erfüllen, zugleich aber in diesem hybriden Krieg ein Land bleiben, das eine neutrale Position einnimmt. Zumal Präsident Erdoğan bereits gezeigt hat, dass er in einer schwierigen Situation sogar ein russisches Flugzeug abschießen kann, was sich kein europäisches Land erlauben kann. Auch daran kann man erinnern.

Frage: Wenn Putin unerwartet stirbt, wen bereitet er als seinen Nachfolger vor?

Portnikov: Was heißt „unerwartet stirbt“? Jeder Mensch stirbt irgendwann, das ist ein Naturgesetz, und Putin ist nicht unsterblich. Aber er bereitet keinen Nachfolger für sich vor. Nachdem der Präsident der Russischen Föderation auf die eine oder andere Weise von der politischen Bühne verschwunden ist, kann es im Rahmen jenes tschekistischen Regimes, das auch ohne Putin in der Russischen Föderation weiter herrschen wird, zu einem ernsthaften Machtkampf kommen. Und glauben Sie mir, dieses Regime wird an der Idee festhalten, den Fehler von 1991 zu korrigieren, also das Territorium des russischen Staates bis zu den Grenzen der ehemaligen Sowjetunion wiederherzustellen. Zweifeln Sie nicht daran, dass Putins Abgang von der politischen Bühne nichts an den russischen Absichten ändern wird.

Der Machtkampf und ein vorsichtigerer Umgang mit solchen Dingen könnten jedoch für eine gewisse Zeit den Krieg Russlands gegen die Ukraine von einem realen Krieg, wie wir ihn heute erleben, in einen hybriden Krieg oder in wirtschaftlichen Druck und so weiter und so fort überführen. Und wir werden diese wenigen Jahre nutzen müssen, um uns ernsthaft auf eine neue erbitterte Konfrontation mit Russland vorzubereiten. Obwohl unsere Gesellschaft dann sagen wird, alles sei vorbei, Putin sei weg, jetzt müsse man erst einmal leben – und später wieder leiden, wenn dann nicht mehr Putin, sondern jemand nach ihm ein neues blutiges Gemetzel unter den Ukrainern anrichtet.

Und sagen Sie nicht, dass es nicht so kommen wird, denn gerade nach 2014 entstand jenes Meme, das zeigte, wie verzerrt eine enorme Zahl unserer Landsleute die Realität wahrnahm: „Sonst greift Putin noch an.“ Ich muss Sie daran wohl nicht erinnern. Sie erinnern sich selbst sehr gut daran. In dieser Hinsicht können wir also keinen Zweifel daran haben, dass es zu einer solchen Entwicklung kommen kann.

Frage: Könnte Russland einer Energiewaffenruhe zustimmen, in Wirklichkeit aber weiterhin die ukrainische Infrastruktur beschießen und im Falle ukrainischer Vorwürfe behaupten, es handele sich um eine Provokation?

Portnikov: Nein. Wenn irgendwelche Vereinbarungen über eine Energiewaffenruhe geschlossen werden sollten – wofür ich bislang überhaupt keine Grundlage sehe –, könnte es einzelne sporadische Angriffe geben, aber solche massiven Angriffe der Ukraine gegen Russland und Russlands gegen die Ukraine wird es nicht geben. Zweifeln Sie nicht daran: Bestimmte Angriffe wird es geben. Selbst wenn der russisch-ukrainische Krieg abflaut, werden wir in einer Welt sporadischer Angriffe und Zusammenstöße an der Kontaktlinie der Truppen leben. Das ist alles unsere Zukunft. In absehbarer Zeit wird sie einfach nicht mehr anders sein. Aber einen solchen Krieg, wie wir ihn jetzt erleben, genau in diesen Minuten, in denen wir miteinander sprechen, könnte es eine gewisse Zeit lang nicht geben. Es könnte eine Unterbrechung des Krieges geben.

Ich habe immer gesagt, dass wir – und ich möchte das am Ende dieses Gesprächs noch einmal wiederholen – vor einer einfachen Wahl stehen. Entweder die Formel: langer Krieg und kurze Friedensperiode. Das ist die Formel, nach der wir in den 20er- bis 40er-Jahren des 21. Jahrhunderts höchstwahrscheinlich leben werden. Oder die Formel: kurze Kriege und langer Frieden. Diese Formel müssen wir erreichen. Dafür müssen wir uns jedoch die Illusion aus dem Kopf schlagen, dass es Frieden als solchen geben kann. Ein langer Frieden mit kurzen blutigen Kriegen ist für die Ukraine in den kommenden Jahrzehnten die beste Existenzform. Die Alternative sind kurze Friedensperioden und lange Kriege. Und genau in dieser Realität leben wir jetzt. Und leider sehen wir bislang nicht einmal den Ansatz eines politischen Auswegs aus ihr.

Hoffen wir, dass dieser Ausweg dank der Anstrengungen unserer Streitkräfte gefunden wird und nicht dank Trump und Coale. Und ich möchte Sie daran erinnern: Bitte unterstützen Sie die Streitkräfte, unterstützen Sie vertrauenswürdige Spendenaktionen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Новий план Трампа | Віталій Портников. 29.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Trump beschuldigt erneut die Ukraine | Vitaly Portnikov. 28.09.2026.

Donald Trump beschuldigt die Ukraine erneut, dass unsere Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation zu steigenden Treibstoffpreisen und, wie Donald Trump es ausdrückt, zu Problemen für die ganze Welt führen.

Interessant ist dabei, dass er, wenn er von Problemen für die ganze Welt spricht, dies gewissermaßen nicht in seinem eigenen Namen tut, sondern den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky zitiert, dem er empfohlen habe, die Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen. Und angeblich habe Zelensky ihm gesagt, dass die Ukraine genau das tun werde, weil sie sich der weltweiten Probleme bewusst sei. „Es gibt andere Dinge, die Zelensky tun kann“, sagt Trump und meint damit, dass es in der Russischen Föderation auch andere Objekte gibt, die zu Zielen für die ukrainischen Verteidigungskräfte werden können.

Doch die Tatsache, dass der amerikanische Präsident immer wieder hartnäckig auf das Thema der russischen Ölraffinerien zurückkommt, sollte niemanden überraschen. Ich habe bereits mehrfach betont: Trump wird dieses Thema bis zu den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten nicht fallen lassen. Er muss darüber sprechen, damit seine Administration in den Augen derjenigen, die für republikanische Kandidaten stimmen wollen, nicht als verantwortlich für die steigenden Dieselpreise dasteht.

Trump versteht sehr gut, dass unentschlossene Wähler ihre Entscheidung gerade mit Blick auf die Preise an den Tankstellen treffen könnten. Und er möchte unbedingt, dass diese Wähler glauben, für diese Preise sei nicht der Iran verantwortlich – nun, der Iran ist natürlich infolge einer falsch organisierten Militärkampagne zu einem solchen Verursacher geworden –, sondern die Ukraine, die russische Ölraffinerien angreift und Russland daran hindert, Diesel ins Ausland zu exportieren.

Tatsächlich gehörte Russland früher zu den Ländern, die zur Versorgung der Welt mit Dieselkraftstoff beitrugen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sein Anteil an der Dieselversorgung auch nur annähernd mit jenem Anteil vergleichbar wäre, den die Weltwirtschaft infolge der iranischen Angriffe auf die Straße von Hormus verloren hat – infolge der Tatsache, dass der Iran die Durchfahrt durch diese Meerenge blockiert und auch nicht davor zurückgeschreckt ist, Tanker anzugreifen, die Öl und Ölprodukte transportierten. Und das ist eine völlig andere Geschichte, die mit der Beendigung der Blockade der Straße von Hormus verbunden sein muss.

Doch genau das kann Trump nicht gewährleisten. Obwohl er sagt, die Straße von Hormus sei in Wirklichkeit bereits wieder geöffnet und über sie werde eine Rekordmenge an Öl transportiert. Nur ist dann unklar: Warum ist Diesel eigentlich so teuer? Weil die Ukraine russische Ölraffinerien angreift.

Wir haben bereits von Volodymyr Zelensky gehört, dass er der amerikanischen Idee, diese Angriffe einseitig einzustellen, nicht zugestimmt hat. Dass die Ukraine von den Vereinigten Staaten verlangt, falls die Amerikaner tatsächlich wollen, dass diese Angriffe eingestellt werden, Russland zu einer Energiewaffenruhe zu bewegen. Darauf lassen sich die Russen nicht ein – also leiden sie aus Putins Sicht offenbar nicht so sehr unter unseren Angriffen.

Und nun zum wichtigsten Punkt: Wird Trump sich tatsächlich um eine solche Energiewaffenruhe bemühen? Braucht er es überhaupt, dass die Ukraine ihre Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation tatsächlich einstellt? Ich denke nicht.

Denn stellen wir uns vor, Zelensky würde diesen Forderungen des amerikanischen Staatschefs zustimmen, er würde die Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation einstellen, Russland würde seine Diesellieferungen auf den Weltmarkt wieder aufnehmen, die Preise würden aber nicht sinken. Dann hätte eben jener Wähler, der bei den Zwischenwahlen seine Stimme abgeben wird, keinerlei Zweifel mehr daran, dass für den Anstieg der Treibstoffpreise an den Tankstellen der Vereinigten Staaten die Administration Donald Trumps verantwortlich ist. Eine Schlussfolgerung, zu der er aus Sicht des amerikanischen Präsidenten auf keinen Fall gelangen darf.

Deshalb ist Trumps Taktik in Wirklichkeit ziemlich einfach: ständig davon zu sprechen, dass die ukrainischen Angriffe auf die russische Ölverarbeitungsindustrie zum Treibstoffmangel und zu steigenden Preisen geführt hätten. Gleichzeitig aber nichts dafür zu tun, dass diese Angriffe aufhören, damit es weiterhin jemanden gibt, dem man die Schuld geben kann. Und genau das wird in dieser Wahlkampfphase das zentrale Thema in der Rhetorik des amerikanischen Präsidenten sein.

Auf die Frage, ob die Ukraine ihre Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation einstellen sollte, weil Donald Trump dies verlangt, gibt es meines Erachtens daher eine völlig verständliche und eindeutige Antwort: Nein, das sollte sie nicht, weil Donald Trump das nicht braucht und weil er nichts gegen die Ukraine unternehmen wird, selbst wenn wir uns weigern, diese Angriffe einzustellen.

Mehr noch: Trump braucht es, dass wir diese Angriffe durchführen, damit er in diesen letzten Wochen etwas hat, worüber er mit den Wählern sprechen kann. Nach den Zwischenwahlen jedoch, wenn klar sein wird, welche Partei das Repräsentantenhaus und welche Partei den Senat kontrolliert, könnten wir uns in einer völlig anderen politischen Welt wiederfinden, in der Donald Trump und die Führung seiner Administration ganz sicher andere Sorgen haben werden als die ukrainischen Angriffe auf die Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation.

Und ich denke, dass Trump sie dann überhaupt nicht mehr erwähnen wird, weil ihn nicht die Preise an den Tankstellen beschäftigen werden, sondern die Frage, wie er Kontakte zum neuen Kongress herstellen und wie er die Folgen eines durchaus möglichen Sieges der Demokraten abwenden kann.

Das Einzige, was man sich natürlich wünschen würde, wäre, dass wir diese Situation mit Trumps Forderungen für den Versuch nutzen, eine wirkliche Energiewaffenruhe herbeizuführen. Aber das ist, wie wir verstehen, keine Frage an Donald Trump. Es ist eine Frage an Putin und daran, wie der russische Präsident die Folgen der ukrainischen Angriffe auf die russische Ölverarbeitung tatsächlich bewertet – Angriffe, die sich hinsichtlich der Verluste für die russische Ölverarbeitungsindustrie als weitaus wirksamer erwiesen haben als alle westlichen Sanktionen gegen russische Energieunternehmen zusammengenommen.

Wenn wir uns also vorstellen, dass Putin diese Angriffe objektiv und realistisch bewertet, könnte man auf irgendeine Form von Energiewaffenruhe hoffen. Wenn Putin dagegen weiterhin der Ansicht ist, dass wir ruhig die Hälfte der Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation zerstören können, solange er nur die Möglichkeit behält, Kyiv zu terrorisieren und erneut zu versuchen, die Ukraine im Winter 2026/2027 frieren zu lassen, dann werden uns auch Trumps Äußerungen über die Dieselpreise nicht dabei helfen, mit der Russischen Föderation wenigstens eine Vereinbarung über eine teilweise Waffenruhe im Energiebereich zu erreichen. Auch dessen muss man sich bewusst sein, wenn wir die neuen Äußerungen des amerikanischen Staatschefs hören.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп знову звинувачує Україну | Віталій Портников. 28.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 28.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Zelensky weist Trump zurück | Vitaly Portnikov. 23.09.2026.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky betonte, dass der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump ihn bei ihrem Treffen erneut gebeten habe, die Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation einzustellen, und dies mit der Notwendigkeit begründet habe, den Dieselpreis zu senken.

Zelensky war jedoch nicht bereit, einer solchen Entscheidung einseitig zuzustimmen, und betonte, dass für manche vielleicht die Dieselpreise wichtiger seien, für die Ukrainer aber ihr Leben wichtig sei. Und natürlich ist in dieser Situation die Zerstörung der Ölverarbeitungsinfrastruktur der Russischen Föderation ein wichtiges Mittel, um das Putin-Regime zum Frieden und zur Einstellung der Angriffe auf unser Land zu zwingen.

Zelensky äußerte außerdem die meiner Ansicht nach völlig logische Überzeugung, dass der Dieselpreis, der in letzter Zeit weltweit und insbesondere an amerikanischen Tankstellen steigt, mit der Blockade der Straße von Hormus zusammenhängt und keineswegs mit den ukrainischen Angriffen auf russische Ölraffinerien.

Und hier wäre es natürlich wichtig herauszufinden, warum Trump ständig auf dem Thema des ukrainischen Diesels herumreitet. Weil er die Situation im Zusammenhang mit den Folgen der iranischen Blockade tatsächlich nicht versteht oder weil er einfach versucht, nicht für die Verschlechterung der Preissituation verantwortlich gemacht zu werden?

Aus dieser Sicht ist es, wie ich bereits mehrfach zu erklären versucht habe, für den Präsidenten der Vereinigten Staaten vorteilhafter, wenn Zelensky seinen Vorschlägen nicht zustimmt. Denn wenn man sich vorstellt, dass Kyiv auf weitere Angriffe auf russische Ölraffinerien verzichtet, Russland beginnt, seine Kapazitäten wiederherzustellen und statt Diesel zu kaufen, diesen wieder auf dem Weltmarkt zu verkaufen, die Preise an den Tankstellen sich dadurch aber nicht verändern, dann wird niemandem mehr bewiesen werden müssen, dass die Ursache keineswegs in den ukrainischen Angriffen liegt, sondern gerade in der iranischen Blockade der Straße von Hormus und in Trumps Unfähigkeit, die Beendigung dieser Blockade zu erreichen.

Der amerikanische Präsident scheint derzeit aufrichtig darauf zu hoffen, dass Teheran nach den Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten bereit sein wird, bestimmten Bedingungen eines Friedensabkommens zuzustimmen. Doch das könnte sich als eine weitere gefährliche Illusion erweisen, denn totalitäre Regime denken im Gegensatz zu Demokratien nicht in Kategorien von Wahlen, sondern in Kategorien des permanenten Kampfes gegen ihre Feinde. Und dass Donald Trump für den Iran ein Feind ist, muss man meines Erachtens nicht einmal erklären.

Wichtig ist auch die Tatsache, dass Trump erneut keine reale Möglichkeit finden konnte, der Ukraine bei Angriffen auf die russischen ballistischen Systeme und die Abschussorte ballistischer Raketen zu helfen. Obwohl es aus theoretischer Sicht das Interesse der ukrainischen Führung an Angriffen auf den Ölverarbeitungskomplex der Russischen Föderation verringern könnte, wenn die Ukraine Starlink für solche Angriffe einsetzen würde.

Der Präsident der Vereinigten Staaten sagte dem Präsidenten der Ukraine jedoch, dass er sich mit dieser Frage an Elon Musk wenden müsse. Und Elon Musk – und hier handelt er völlig logisch – erinnert ständig daran, dass man sich wegen einer Entscheidung in dieser Frage an Donald Trump wenden müsse.

Und so befinden wir uns bei der Möglichkeit, Starlink für Angriffe auf die ballistischen Systeme der Russischen Föderation einzusetzen, in einer Art Teufelskreis. Trump erklärt, dass Musk darüber entscheiden müsse, und Musk erklärt, dass Trump darüber entscheiden müsse. In Wirklichkeit hat der Präsident der Vereinigten Staaten schlicht kein Interesse daran, den Einsatz von Starlink für Angriffe auf das souveräne Territorium der Russischen Föderation zu erlauben und damit erneut die Spielregeln zu verändern.

Vielleicht hofft Trump noch immer darauf, dass der russische Präsident Putin ihm entgegenkommen und zumindest die Frage einer Waffenruhe im russisch-ukrainischen Krieg lösen wird. Vielleicht hält es der amerikanische Präsident aber auch weiterhin für wichtig, die Beziehungen zum russischen Staatschef nicht endgültig zu beschädigen, während Putin und seine Vertreter Trump und den Vertretern des amerikanischen Präsidenten ständig erzählen, welch gewaltige gemeinsame Wirtschaftsprojekte zwischen der Russischen Föderation und den Vereinigten Staaten möglich wären, sollte der Krieg mit der Ukraine beendet werden.

Nur unterscheiden sich ihre Vorstellungen davon, wie und unter welchen Bedingungen dieser Krieg enden soll. Die Vorstellungen Trumps, Putins und offensichtlich auch Zelenskys sind unterschiedlich. Und das Wichtigste, was Putin vielleicht von Zelensky und Trump unterscheidet, ist, dass er überhaupt nicht in Kategorien eines Kriegsendes denkt und davon überzeugt ist, dass die Zeit, die Donald Trump früher oder später von der politischen Bühne der Vereinigten Staaten verschwinden lassen wird, ein Verbündeter des Kremls und nicht des Weißen Hauses bleibt.

In dieser Situation müsste der amerikanische Präsident natürlich nicht darüber nachdenken, wie die Angriffe auf die russische Ölverarbeitungsinfrastruktur beendet werden können, sondern darüber, wie der Druck auf die Russische Föderation aussehen müsste, um sie dazu zu bringen, jenen ursprünglichen Bedingungen zuzustimmen, die Trump Putin bereits 2025 gestellt hatte, als er dem russischen Präsidenten vorschlug, das Feuer an der russisch-ukrainischen Front einzustellen und realistische Friedensverhandlungen aufzunehmen. 

Angriffe auf die Ölverarbeitungsinfrastruktur der Russischen Föderation und die Zerstörung der energetischen Möglichkeiten Russlands sind genau der Weg, der den Kreml früher oder später dazu zwingen wird, den Krieg und seine Beendigung realistischer zu betrachten. Und wir sehen, dass gerade die ukrainischen Angriffe auf die russische Ölverarbeitungsinfrastruktur so offensichtliche Energiesponsoren der Russischen Föderation wie den Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping und den indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi dazu bringen, über eine politische Lösung des Problems nachzudenken.

Doch anstatt der Ukraine zu raten, die russische Ölindustrie effektiver anzugreifen, sagt Trump dem Präsidenten der Ukraine erneut, dass diese Angriffe eingestellt werden sollten, und kann dabei, wie wir sehen, nicht einmal so auf den ukrainischen Präsidenten einwirken, dass dieser auf die Vorschläge seines amerikanischen Amtskollegen hört.

Und hier befindet sich Trump tatsächlich in einer erstaunlichen Lage. Zum heutigen Zeitpunkt verfügt der amerikanische Präsident weder über reale Instrumente, um auf Moskau Einfluss zu nehmen, noch über reale Instrumente, um auf Kyiv Einfluss zu nehmen. Und wie wir sehen, hat Trump auch keinen wirklichen Willen, auf Moskau Einfluss zu nehmen. Es sei denn, er beginnt früher oder später, die Sanktionen aus dem Graham-Gesetz anzuwenden, doch das ist heute eher eine politische Annahme als eine tatsächliche Wendung der Ereignisse.

Und wenn ein Vermittler, der zudem eine Großmacht ist, keine Instrumente besitzt, um auf die im Krieg befindlichen Länder Einfluss zu nehmen, welche Vermittlerrolle kann er dann überhaupt spielen?


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Зеленський відмовив Трампу | Віталій
Портников. 23.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 23.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Proteste, ballistische Angriffe und Krieg: eine Bilanz | Vitaly Portnikov. 19.07.2026.

Zunächst möchte ich erneut mein aufrichtiges Mitgefühl mit den Opfern jener Angriffe ausdrücken, die Russland an diesem Sonntag auf die Ukraine verübt hat – in Kyiv und in anderen Regionen der Ukraine –, mit den Verletzten und den Angehörigen derjenigen, die leider ums Leben gekommen sind.

Auch diese Angriffe sind in gewissem Maße ein wichtiger Trend der letzten Tage und Wochen. Wir sehen, wie Putin versucht, jenes Zeitfenster zu nutzen, das ihm so lange gefehlt hat, weil wir Raketen für die Patriot-Systeme hatten, um die ukrainische Zivilbevölkerung zu terrorisieren und zugleich wichtige Infrastruktur unseres Landes anzugreifen. Man sollte nicht denken, dass es ausschließlich um Luftterror geht. Es geht ebenso um den Versuch, die Möglichkeiten der Ukraine sowohl wirtschaftlich als auch militärtechnisch zu verringern.

Zugleich möchte ich sagen, dass möglicherweise die Angriffe ukrainischer Drohnen auf Lager des russischen Unternehmens Wildberries in Elektrostal in der Oblast Moskau und in Kotowsk in der Oblast Tambow das wichtigste Ergebnis dieser Woche waren, an das man sich in der Geschichte dieses Krieges tatsächlich erinnern wird.

Warum ist das so wichtig? Man muss verstehen, dass dies gewissermaßen eine Schlagader der russischen Wirtschaft unter den Bedingungen der Sanktionen ist. Es sind nicht einfach Angriffe auf Lager, in denen sich Ersatzteile für Drohnen und andere Gegenstände befinden, die Russland grundsätzlich als Güter mit doppeltem Verwendungszweck einsetzen kann. Es handelt sich zugleich um das reale Leben jener Wirtschaft, die sich in Russland vor dem Hintergrund der westlichen Sanktionen nach 2014 herausgebildet hat.

Die Existenz solcher riesigen Marktplätze ermöglicht es der sanktionierten Wirtschaft, mithilfe chinesischer Lieferungen und Ähnlichem irgendwie weiterzufunktionieren. Wenn die Ukraine diese Lager weiterhin angreift, kann dies zu einer weiteren empfindlichen Stelle der Russen werden. Auch darüber haben wir viel gesprochen.

Man muss empfindliche Stellen in der russischen Wirtschaft finden. Das, was den Russen tatsächlich nicht erlauben wird, den Krieg fortzusetzen, das, was sie zwingen wird, den Krieg zu beenden. Denn ich habe wiederholt gesagt: Krieg bedeutet Geld, Ressourcen und Menschen.

Die Angriffe auf den russischen Raffineriesektor waren sehr erfolgreich, weil Russland im Bereich der Ölverarbeitung viel verloren hat. Es versucht, die Ölförderung zu steigern, fördert aber schon jetzt faktisch deutlich weniger Öl, als es die OPEC+-Quote zulässt, weil es dieses Öl weder verkaufen noch verarbeiten kann. Das bedeutet, dass Russland weniger Geld erhält, selbst in Yuan und Rupien.

Dann kamen Angriffe auf Militärbetriebe der Russischen Föderation. Nun kommen Angriffe auf Marktplätze hinzu. Wenn es gelingt, die meisten Lager von Wildberries und anderen vergleichbaren Unternehmen in der Russischen Föderation zu zerstören, können wir Russland tatsächlich an den Rand einer wirtschaftlichen Katastrophe bringen.

Vielleicht wird man in Zukunft sagen, dass gerade im Juli 2026 mit diesen Angriffen der wirkliche Niedergang und Zusammenbruch der russischen Wirtschaft begann. Was durch Sanktionen nicht zu Ende gebracht werden konnte, wurde durch ukrainische Angriffe vollendet. Hoffen wir zumindest darauf.

Vor diesem Hintergrund kann man natürlich zu jenen Protesten übergehen, die derzeit in Kyiv und anderen Städten der Ukraine andauern. Ich bin gerade von einem solchen Protest in Lwiw zurückgekehrt, der weiterhin stattfindet. Auf dem Prospekt Swobody haben sich sehr viele Menschen versammelt. Sie fordern weiterhin, Mykhailo Fedorov ins Verteidigungsministerium zurückzubringen.

Wir verstehen den Hauptgrund für diese Sympathien gegenüber dem inzwischen ehemaligen Leiter des Verteidigungsressorts. Gerade während seiner Amtszeit an der Spitze des Verteidigungsministeriums wurden die Angriffe auf die russische Raffinerieinfrastruktur, könnte man sagen, intensiver. Es entstand die reale Hoffnung, dass es in diesem Krieg nicht durch unmittelbare Zusammenstöße der Armeen, sondern durch gezielte Angriffe auf die Infrastruktur der Russischen Föderation zu einer Wende kommen könnte und sich der Charakter des Krieges selbst verändert.

Deshalb genießt Fedorov vor dem Hintergrund der zumindest anfänglich fehlenden Erklärung durch Präsident Volodymyr Zelensky und andere Vertreter der ukrainischen Staatsführung, weshalb der Verteidigungsminister ausgewechselt wurde, eine breite gesellschaftliche Unterstützung, die gerade mit dieser Hoffnung verbunden ist. Sie kann rational oder irrational sein. Doch in der Geschichte der Menschheit haben gerade irrationale Hoffnungen oft zu großen Siegen geführt.

Nehmen wir die Geschichte Jeanne d’Arcs. Im Grunde sind das biblische Motive, beginnend mit Judith. Was geschah dort? Es gab eine energische Handlung, die Hoffnung auf Überleben und Sieg erzeugte. Genau auf dieser Bahn befinden wir uns heute.

Ich bestehe jedoch weiterhin darauf – Sie wissen, dass ich all diese Tage darüber gesprochen habe –, dass die Probleme der weiteren Entwicklung der staatlichen Macht ohne systemische Veränderungen nicht gelöst werden können. Wenn wir über personalistische Entscheidungen sprechen, werden sie das Problem ohnehin nicht lösen. Selbst dann nicht, wenn wir von einem, sagen wir, effektiven Manager an der Spitze des Verteidigungsministeriums oder eines anderen wichtigen ukrainischen Ministeriums sprechen. Man muss den Charakter der Funktionsweise und der Bildung der Macht selbst verändern. Man muss zu den verfassungsmäßigen Grundlagen zurückkehren.

Wenn wir eine parlamentarisch-präsidentielle Republik haben, kann das Parlament nicht faktisch von der Regierungsbildung ausgeschlossen werden. Abgeordnete der Regierungsmehrheit dürfen nicht aus den Nachrichten erfahren, dass der Präsident die Entlassung der Regierung beschlossen hat, obwohl er dazu überhaupt kein verfassungsmäßiges Recht besitzt. Solche Entscheidungen müssen in einer Sitzung der Koalition erörtert werden.

Die Koalition muss eine solche Entscheidung treffen, selbst wenn sie nur aus einer einzigen Partei besteht. Der Vorsitzende der Regierungsmehrheit – in unserem Fall Davyd Arachamija – muss den Präsidenten über die Entscheidung des Parlaments informieren, darüber, dass das Parlament einen anderen Ministerpräsidenten will. Der Präsident muss dessen Kandidatur ins Parlament einbringen und erklären, dass er mit ihr einverstanden ist.

So muss das geschehen. Genau das ist jenes System von Checks and Balances, das die Macht in einer parlamentarisch-präsidentiellen Republik effektiv macht. Wenn wir nach anderen Regeln der Machtbildung leben wollen, müssen wir das Ende des Krieges abwarten, die Verfassung ändern und das Land in eine präsidentielle oder parlamentarische Republik umgestalten.

Ich persönlich bin für eine parlamentarische Republik, in der der Präsident ausschließlich repräsentative Aufgaben wahrnimmt und Symbol der Einheit des ukrainischen Volkes ist, nicht aber jemand, der in seinem Büro an der Bankowa Entscheidungen trifft. Doch bis dahin müssen wir erst einmal überleben.

Bislang verstehen wir trotz all unserer Angriffe, dass es keinerlei reale Grundlage für die Annahme gibt, der Krieg werde schnell enden und wir könnten in den kommenden Monaten oder auch Jahren Wahlen abhalten. Deshalb muss man selbst unter diesen Bedingungen zu einem korrekten Verfahren zurückkehren.

Übrigens wurde der gegenwärtige Ministerpräsident Serhij Korezkyj bereits von Vertretern unterschiedlicher politischer Kräfte unterstützt. Vielleicht sollte man also keine Angst haben? Vielleicht sollte man dem Parlament Befugnisse übertragen, damit zumindest gemeinsam mit den staatstragenden Kräften des Landes eine reale Koalition der nationalen Einheit entsteht? Man könnte mit ihnen eine Expertenregierung erörtern, für die alle politischen Kräfte Verantwortung tragen – selbst wenn man keine politische Regierung will, nicht an eine politische Regierung glaubt oder nicht versteht, dass nur eine politische Regierung wirklich effektiv sein kann.

Das würde die Möglichkeit der personellen Delegation erweitern und, wenn Sie so wollen, die Auswahl an Kadern vergrößern, die bei uns seit 2019 sehr, sehr begrenzt ist. Deshalb wechselt ein und dieselbe Person während derselben, ich würde sagen, Präsidentschaft mehrfach die Ressorts.

Ein anschauliches Beispiel ist Denys Schmyhal, der vom stellvertretenden Ministerpräsidenten zum Ministerpräsidenten wurde, vom Ministerpräsidenten wieder zum stellvertretenden Ministerpräsidenten und Verteidigungsminister und dann zum Energieminister. Mykhailo Fedorov wurde vom Digitalisierungsminister zum Verteidigungsminister. Jetzt wird er vielleicht noch etwas anderes im Verteidigungssektor, wir wissen es nicht. Und so weiter.

Es darf also nicht um Personen gehen, sondern um einen systemischen Ansatz zur Funktionsweise der staatlichen Institutionen. Deshalb war übrigens der erste Pappschilder-Protest so wichtig, weil er gerade die Unabhängigkeit der Antikorruptionsorgane betraf. Dem gegenwärtigen Protest fehlt bislang dieser Blick auf systemische Veränderungen.

Denn wenn Menschen von der Notwendigkeit sprechen, den Verteidigungsminister zu behalten, und zugleich den Oberbefehlshaber der Streitkräfte, der in den Augen der Protestierenden plötzlich zu einer durchweg negativen Figur geworden ist, dann ist auch das eine sehr gefährliche Art, reale personelle Fähigkeiten anhand öffentlicher Erklärungen zu bewerten.

Und jeder, der glaubt, Fedorovs Rückkehr ins Amt des Verteidigungsministers werde, sagen wir, die Frage der Mobilisierung und der Menschen im Krieg lösen, irrt sich.

Ja, der moderne Krieg ist in beträchtlichem Maße automatisiert. Ja, die sogenannte Kill Zone zwischen den russischen und ukrainischen Truppen ist viel größer geworden als 2022. Doch wie Sie an den Kämpfen im Donbas und bei Kostjantyniwka sehen, kann auch diese Kill Zone überwunden werden. Deshalb tauchen in Kostjantyniwka Russen auf, und deshalb werden sie von den Ukrainern wieder hinausgedrängt. In diesem Fall kämpfen nicht ausschließlich Drohnen. Menschen kämpfen. Und Drohnen starten sich nicht von selbst.

Man muss also verstehen, dass viele derjenigen, die sich heute dafür einsetzen, Fedorov an der Spitze des Verteidigungsministeriums zu halten, offenbar glauben, er könne den Krieg so weit automatisieren, dass Menschen daran nicht mehr teilnehmen müssten. Nein, das ist eine Illusion. Der menschliche Faktor wird im Krieg auch in den kommenden Jahren sehr wichtig bleiben.

Beide kriegführenden Staaten werden ohne eine Fortsetzung der Mobilisierung nicht auskommen. Die Frage ist, in welchen Formen diese Mobilisierung in Russland stattfinden wird, aber auch in der Ukraine wird Mobilisierung stattfinden. Man sollte keine Illusionen darüber hegen, dass es anders sein könnte.

Was tatsächlich getan werden muss, ist, die Prozesse so weit zu automatisieren, dass die Zahl der Toten und Verwundeten unter den ukrainischen Soldaten verringert wird. Aber es wird mehr dieser Soldaten geben. Dieser Krieg wird leider an vielen von denen nicht vorbeigehen, die glauben, ein automatisierter Krieg werde es ihnen erlauben, im Hinterland zu bleiben.

Die grundlegenden Fragen der Mobilisierung und Demobilisierung ukrainischer Militärangehöriger sehen bis heute ungelöst aus. Vor uns liegt noch eine lange Zeit, in der wir uns mit all diesen Fragen befassen müssen, denn – ich wiederhole es erneut – es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass Russland bereit ist, den Krieg zu beenden. Solche Anzeichen existieren schlicht nicht. Auch das muss man begreifen.

Noch einmal: Je mehr Objekte der russischen Wirtschaft wir zerstören – dafür braucht man Drohnen und Raketen, und auch hier gibt es viele Fragen zu Beschaffung und Funktionsweise –, desto mehr kann es uns gelingen, das Ende dieses Krieges zu beschleunigen. Doch das Ende zu beschleunigen bedeutet nicht Herbst 2026. Es kann Winter 2032 bedeuten. Auch das muss man verstehen.

Wir kennen das Datum nicht. Krieg hat kein Datum. Sehr häufig geschieht etwas wie eine Lawine, so wie es etwa im Februar 1917 im Russischen Imperium geschah. Der Krieg schien seinen gewohnten Verlauf zu nehmen, Deutschland stand bereits am Rand der Niederlage, und dann löste die vom Krieg erschöpfte Bevölkerung des Russischen Imperiums in Petrograd eine Revolution aus. Diese verwandelte sich schließlich in eine tatsächliche Niederlage Russlands in einem Krieg, den es eigentlich hätte gewinnen müssen, in einen Bürgerkrieg und in Jahrzehnte bolschewistischer Repressionen – sowohl auf dem Gebiet Russlands selbst als auch in den von ihm besetzten Territorien.

Den Menschen, die 1916 oder 1917 auf ukrainischem Boden lebten, mochte es scheinen, dies sei das größte Grauen, das sie je erlebt hatten: Vertriebene, besetzte Gebiete, noch dazu unterschiedlich besetzt – die russische Armee im besetzten Lwiw und die deutsche Armee in besetzten Städten der Ukraine oder Belarus’.

Doch es stellte sich heraus, dass das Grauen erst begann. Der Erste Weltkrieg war mit all dem, was die früheren Bewohner des Russischen Imperiums und eines Teils Österreich-Ungarns seit 1917 erleben mussten, überhaupt nicht vergleichbar.

Sehen Sie, wie in Europa bis heute an das Ende des Ersten Weltkriegs erinnert wird. Man könnte sagen, er ist der zentrale Krieg Europas. Die wichtigsten Gedenktage sind mit dem Ersten Weltkrieg und seinen klassischen Schlachtfeldern verbunden. Bei uns gibt es dagegen überhaupt keine Erinnerungskultur an den Ersten Weltkrieg.

Denn das, was danach geschah, die Dutzenden Millionen Opfer, hat unsere Erinnerung an eine der größten Katastrophen des 20. Jahrhunderts überschattet. So kann es kommen.

Deshalb ist es für uns sehr wichtig, nicht zum Russischen Imperium des Februars 1917 zu werden, zu einem Imperium, dessen vom Krieg erschöpfte Bevölkerung sich buchstäblich kurz vor dem Ende der Prüfungen selbst die Kehle durchschnitt.

Der Feind trug sehr stark dazu bei. Wie Sie wissen, trug das Deutsche Kaiserreich sehr stark dazu bei. Es selbst stürzte wenige Jahre später, aber Russland als Imperium und fast alles, was damals Russland genannt wurde, begrub es weitgehend.

Wem gelang es tatsächlich, zu entkommen und in den folgenden Jahrzehnten keinen vollständigen Zusammenbruch dieser Art zu erleben? Vielleicht nur Finnland, aber auch Finnland musste einen Krieg durchstehen.

Was ist dafür nötig, wenn wir ernsthaft darüber sprechen? Der Staat muss funktionieren. Er darf nicht als persönliches Projekt funktionieren, sondern als politisches und gesellschaftliches Projekt. Es muss eine Kommunikation zwischen Staatsführung und Gesellschaft geben. Die Menschen müssen wenigstens verstehen, was die Staatsführung tatsächlich tut.

Ich erinnere ständig daran: Uns wurde nie erklärt, warum all diese Regierungen überhaupt zurücktreten. Jetzt konzentriert sich alles auf die Person Fedorovs. Viele sagen sogar: „Wissen Sie, die Regierung wurde entlassen, weil man Fedorov entlassen wollte.“

Aber niemand hat uns erklärt, warum Swyrydenko zurücktrat. Niemand hat erklärt, warum zuvor die Regierung Schmyhal zurücktrat. Welche Logik steckte überhaupt dahinter?

Ich habe mehrfach gesagt, dass bereits Fedorovs Ernennung zum Verteidigungsminister reiner Zufall war. Er hätte niemals in diesem Amt landen sollen. Schmyhal war nach Umjerow Verteidigungsminister geworden und wäre es geblieben, hätte es den Minditsch-Skandal nicht gegeben, wären nicht die Köpfe von Ministern wie Haluschtschenko und Fedak gerollt und hätte man nicht eine professionelle Person an der Spitze des Energieministeriums gebraucht, einen Manager, gegen den es keine Fragen gab und der nicht mit diesem Sektor verbunden war.

So wurde Denys Schmyhal Energieminister und verließ bereits nach wenigen Monaten das Amt des Verteidigungsministers.

Nun stellen Sie sich vor, all das wäre nicht geschehen. Oder an der Spitze des Energieministeriums hätte damals bereits eine Person gestanden, die keine Fragen aufwarf und nicht mit Herman Haluschtschenko verbunden war. Dann wäre Schmyhal bis heute Verteidigungsminister geblieben, Fedorov säße weiterhin im Digitalisierungsministerium, und niemand würde die heutigen Erfolge mit seinem Namen verbinden, sofern es diese Erfolge natürlich überhaupt in derselben Form gegeben hätte.

Dass jedoch die Entwicklung des Krieges und der Drohnentechnologie ohnehin zu einer solchen Wende geführt hätte, müssen Sie objektiv verstehen.

Vielleicht wäre es aber weniger intensiv gewesen. Vielleicht wären einige wichtige Modelle nicht entstanden. Übrigens wissen wir nicht, was mit Starlink geschehen wäre. Vielleicht hätten die Russen es weiterhin genutzt. Auch das ist eine Frage. Fedorov hätte als Digitalisierungsminister möglicherweise die Nutzung von Starlink durch die Russen stoppen können, wenn ihm dieser Gedanke gekommen wäre und er die entsprechenden Informationen gehabt hätte.

Man darf den Faktor Persönlichkeit also nicht abschreiben. Zugleich muss man die ganze Zufälligkeit begreifen, mit der diese Person an diesen Ort gelangte. Deshalb können wir in dieser Phase des Krieges ohne System und ohne Kommunikation ebenfalls nicht leben.

Umso mehr, als wir nicht wissen, wie sich dieser Krieg weiter verändern wird, auch aus wirtschaftlicher Sicht. Ein weiterer wichtiger äußerer Faktor dieses Krieges ist die zunehmende Spannung rund um den Iran.

Sie wissen, dass der Iran und die Vereinigten Staaten in den vergangenen Tagen gegenseitige Angriffe geführt haben. Wie Sie wissen, sind amerikanische Soldaten auf einem Stützpunkt in Jordanien ums Leben gekommen. Zwei Soldaten wurden getötet. Einer gilt als vermisst.

Die Vereinigten Staaten verlegen weiterhin Flugzeuge an den Persischen Golf und wollen die Angriffe gegen den Iran in nächster Zeit verstärken. Der Iran wiederum droht mit Gegenschlägen. Offensichtlich wird er die Infrastruktur der Golfstaaten zerstören. Er greift bereits Entsalzungsanlagen in Kuwait und Kraftwerke an. Offensichtlich wird genau dies seine Haupttaktik sein: Angriffe auf Länder, die mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten, und auf militärische Einrichtungen der Vereinigten Staaten.

Heute gab es einen Angriff auf den jordanischen Ferienort Aqaba. Das ist eine gewisse Ironie des Schicksals. Aqaba liegt neben Eilat, dem israelischen Ferienort, der wiederholt aus dem Iran angegriffen wurde. Nun sehen die Einwohner der israelischen Stadt den Brand, der im jordanischen Aqaba wütet.

Mir scheint, dass sich diese Eskalation in den kommenden Tagen noch verstärken kann. Denn die Iraner sind überzeugt, Trump erpressen zu können. Trump steht vor Zwischenwahlen und fürchtet steigende Ölpreise. Zugleich kann Trump an der Lage im Persischen Golf nicht einfach vorbeigehen. Er wird zeigen wollen, dass er stark ist und den Iran angreifen kann.

Für uns bedeutet das jedoch eine wichtige Sache: Die Straße von Hormus ist praktisch geschlossen. Deshalb steigen bereits die Ölpreise. Deshalb steigt auch der Preis für russisches Öl wieder.

Das wiederum bedeutet, dass die Amerikaner jene Sanktionen gegen Russland, die sie erneut eingeführt haben, irgendwann lockern könnten. Sie könnten etwa Indien und anderen Ländern des Globalen Südens gestatten, russisches Öl zu kaufen, um das Gleichgewicht auf dem Ölmarkt zu stabilisieren.

Je näher die Parlamentswahlen in den Vereinigten Staaten rücken, von denen Donald Trumps politische Zukunft abhängt, desto größer wird der Wunsch des amerikanischen Präsidenten sein, das Gleichgewicht auf dem Ölmarkt zu sichern, damit zumindest an den amerikanischen Tankstellen der Benzinpreis sinkt.

Und wenn Putin sieht, dass der Ölpreis steigt, wird er keineswegs begeisterter von der Idee, den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu beenden.

Deshalb können wir die Lage im Nahen Osten scheinbar ignorieren, als geschehe dort nichts mehr. Doch in Wirklichkeit wäre es ungefähr so, die Lage am Persischen Golf zu ignorieren, wie viele Menschen unsere Front ignorieren.

Was kann dort schon geschehen? Jemand hat mit Raketen angegriffen, die anderen mit Drohnen. Aber jede solche Entwicklung verändert den Krieg.

Die Ereignisse am Persischen Golf unterscheiden sich vom russisch-ukrainischen Krieg dadurch, dass sie mit der Gesundheit der gesamten Weltwirtschaft zusammenhängen.

Wenn wir Wildberries angreifen, geschieht für die Weltwirtschaft, wie Sie verstehen, überhaupt nichts. Das sind ausschließlich innerrussische Probleme. Russland ist im Grunde von der Weltwirtschaft isoliert, wenn man von seiner Möglichkeit absieht, Öl zu liefern. Selbst Ölprodukte werden inzwischen nicht mehr in nennenswertem Umfang von Russland exportiert. Früher war Russland ein wichtiger Lieferant von Dieselkraftstoff, heute ist es das nicht mehr.

Der Persische Golf und die Straße von Hormus bleiben dagegen ein wichtiger Faktor für die Entwicklung der gesamten Weltordnung.

Wir wissen nicht, wie sich die Lage in einer Woche entwickeln wird. Denn wie ich bereits sagte, hat der Iran nicht vor, vor den Zwischenwahlen irgendein Abkommen mit Donald Trump zu unterzeichnen. Für Teheran ist Trumps politischer Zusammenbruch sehr wichtig.

Aus Sicht der iranischen Führung wäre dies eine Art Impfung für alle künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Sie sollen verstehen, dass eine Konfrontation mit dem Iran bedeutet, die eigene politische Karriere und die eigenen Möglichkeiten zu ruinieren.

Wenn schon eine so charismatische Person wie Donald Trump diese Prüfung durch den Iran nicht bestehen konnte, dann sollte es natürlich überhaupt kein anderer versuchen.

Aus dieser Sicht kann man sagen, dass sich die Absichten Teherans und Moskaus decken, wenn beide über Verhandlungen nachdenken.

Putin denkt meiner Ansicht nach jedoch in viel längeren Zeiträumen. Wenn Sie mich fragen, wann Putin sich überhaupt für einen realen Verhandlungsprozess entscheiden könnte, sofern er über wirtschaftliche Möglichkeiten verfügt, werde ich Ihnen ein genaues Datum nennen: November 2028 bis Januar 2029.

Warum? Weil dann der Name des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten bekannt sein wird. Putin wird dann entscheiden können, ob er mit diesem neuen Präsidenten ein für ihn günstigeres Abkommen über die Ukraine schließen kann oder ob er ein günstigeres Abkommen noch mit der aus dem Amt scheidenden Regierung erreichen kann – also Donald Trump in dessen letzten Monaten als Präsident der Vereinigten Staaten diese Vereinbarungen schenken kann.

Ich sage nicht, dass es so kommen wird. Wenn Putin glaubt, dass der neue Präsident der Vereinigten Staaten für ihn vorteilhafter ist, wird auch in diesem Zeitfenster nichts geschehen.

Ich sage lediglich: Wenn Sie sich für Zeiträume interessieren, in denen reale Verhandlungen beginnen könnten, dann ist das Oktober oder November 2028.

Unsere Aufgabe als Staat besteht darin, diesen Plan zu vereiteln. Denn andernfalls zweifeln Sie keinen Augenblick daran, dass der Krieg mit unterschiedlicher Intensität bis November 2028 andauern wird. Danach treten wir in eine neue Phase ein, abhängig davon, wer im Weißen Haus sitzt.

Deshalb ist es für uns so wichtig, die wirtschaftlichen Ressourcen Russlands bis dahin in die Knie zu zwingen. Denn wenn sie über wirtschaftliche Ressourcen verfügen, zweifeln Sie keine drei Minuten daran: Sie werden weiterkämpfen, angreifen, vorrücken und mobilisieren.

Der Schlüssel liegt in der Zerstörung der russischen Wirtschaft. Anders wird der Krieg nicht enden. Es gibt keine andere diplomatische Lösung.

Ich sehe ständig mehr und mehr Trolle oder echte Idioten, die sagen: „Unsere Staatsführung muss diplomatische Anstrengungen unternehmen. Wir müssen uns mit den Russen einigen.“

Unsere Staatsführung hat keinerlei Möglichkeit, sich mit irgendjemandem zu einigen. Denn unsere Staatsführung wird lediglich als Verwaltung eines separatistischen Territoriums betrachtet. Das Hauptziel besteht darin, diese angebliche Staatlichkeit zu liquidieren. Punkt.

Alles, was sie von irgendeiner ukrainischen Staatsführung erwarten, hat Medwedew bereits als Rezept formuliert: Die Werchowna Rada soll zusammentreten, die Ukraine abschaffen, und danach endet der Krieg.

Man muss ihnen jede Möglichkeit nehmen, auch nur daran zu denken. Dafür braucht man einen starken und effektiven Staat und eine Staatsführung, der die Gesellschaft vertraut.

Wenn wir zu den Protesten zurückkehren, die in diesem Augenblick weitergehen, verstehen wir sehr gut: Wenn es kein Vertrauen und keine Effektivität gibt, ist der Weg zur Liquidierung des ukrainischen Staates in den kommenden zwei Jahren weit offen. Man darf sich nichts vormachen: Er ist weit offen.

Deshalb bin ich für einen effektiven Staat, für das Vertrauen der Gesellschaft in die Staatsführung, für eine funktionierende Kommunikation zwischen Staatsführung und Gesellschaft und für eine starke, effektive Armee mit einer ausreichenden Zahl von Bürgern, die bereit sind, die Ukraine zu verteidigen.

Die Alternative lautet: Tod, Verschwinden des Staates, Millionen Flüchtlinge, die nicht mehr so aufgenommen werden wie 2022, Vertreibung und Perspektivlosigkeit.

Das, was war, wird uns dann wie 1917 erscheinen. Was wir bereits erlebt haben, wird im Vergleich zu dem, was beginnt, nicht mehr wie ein Grauen wirken. Glauben Sie mir aufs Wort, damit Sie es nicht selbst überprüfen müssen – Gott bewahre.

Nun zu einer Frage, die ich vorlesen werde, bevor ich Sie bitte, diese Sendung zu liken, zu kommentieren und diesen Kanal zu abonnieren.

Frage: Wie sollen Ihre täglichen Worte über viele weitere Kriegsjahre den Menschen Hoffnung und Optimismus für ihr weiteres Leben hier geben? Selbst ein Arzt sagt einem Sterbenden nicht, dass er stirbt, weil dies ihm die Kraft zum Kämpfen nimmt.

Portnikov: Sie irren sich. Ärzte in der zivilisierten Welt teilen den Menschen die genaue Diagnose mit. Einem Sterbenden nicht zu sagen, dass er stirbt, ist eine sowjetische Praxis. In jedem zivilisierten Land – nicht in der Sowjetunion und nicht in dieser schrecklichen postsowjetischen Welt, die entstanden ist – belügt man Menschen nicht.

Wenn jemand eine tödliche Diagnose hat, sagt man ihm, dass er eine tödliche Diagnose hat. Man informiert ihn über neue Behandlungsansätze und darüber, dass es experimentelle Therapien gibt.

Oder man sagt ihm, dass er sich vorbereiten und innerhalb weniger Monate jene Angelegenheiten regeln muss, die noch offen sind. Schließlich hat er Angehörige, Eigentum und Verpflichtungen, die er vielleicht in drei Monaten klären muss.

Wenn man einem Menschen das nicht sagt, geht er vielleicht, ohne überhaupt zu verstehen, dass er sich von seinen Angehörigen verabschieden muss.

Es ist unmenschlich, Menschen zu belügen, die zum Tod verurteilt sind. Deshalb besteht meine Haltung darin, Sterbenden die Wahrheit zu sagen.

Aber ich glaube nicht – entschuldigen Sie –, dass die Ukraine stirbt. Ich will nur nicht, dass die Menschen wie Schmetterlinge mit der Vorstellung leben, in zwei Monaten sei alles vorbei.

Ja, vor der Ukraine können viele lange Kriegsjahre liegen. Mehr noch: Vor der Welt können viele Jahrzehnte des Krieges liegen. Das bedeutet aber, dass die Menschen verstehen müssen, wie sie in dieser Situation leben und welche Entscheidungen sie treffen sollen.

Sie wollen nicht hierbleiben? Sie können gehen. Aber der Krieg wird Sie einholen, glauben Sie mir. Dem Schicksal entkommt man nicht. Vielleicht ist es deshalb besser, das eigene Land zu verteidigen, als später unter Bomben in einem fremden Land zu sterben. Genau das kann heute jedem geschehen.

Hören Sie, ich habe bereits zahlreiche Nachrufe auf Menschen aus der Ukraine gesehen, die im gegenwärtigen Nahostkonflikt ums Leben kamen. Die Eltern dieser Kinder brachten sie vielleicht 2013 oder später weit weg vom Krieg. Sie starben als Soldaten der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte. Es ist ehrenvoll, für das Vaterland zu sterben. Aber als ihre Eltern sie nach Israel brachten, hatten sie sich das Schicksal ihrer Kinder wahrscheinlich anders vorgestellt, nicht wahr?

Und wenn der Krieg nach Europa kommt – auch das kann Teil einer Ausweitung des Krieges sein –, was geschieht dann mit den Menschen, die vor dem Krieg nach Europa geflohen sind? Sind Sie sicher, dass sie überleben werden? Sie können sich in der Nähe eines militärischen Objekts befinden, das bombardiert wird, und sterben.

Ich gebe Ihnen also keinen Optimismus. Ich will lediglich, dass Sie das Ausmaß der Gefahr verstehen und Entscheidungen treffen.

Als ich 2022 sagte, dass es einen großen Krieg geben werde und die Menschen Entscheidungen treffen müssten, während alle anderen sagten: „Warten Sie zwei oder drei Wochen“, können Sie sich vorstellen, wie viele Menschen wegen dieser zwei oder drei Wochen in Gräbern landeten?

Sie trafen keine Entscheidung, verlegten ihren Aufenthaltsort oder ihr Unternehmen nicht rechtzeitig, obwohl ihnen tödliche Gefahr drohte, und gerieten mit einem ukrainischen, ich würde sagen, Hintergrund in besetztes Gebiet.

Wie viele Unternehmen hätten gerettet werden können? Wie viele Menschen hätten ihre Arbeitsplätze in den nicht besetzten Gebieten behalten können?

Wenn jemand zu mir kommt und sagt, dass er dank meiner Worte überlebt hat, sich selbst, sein Unternehmen und seine Mitarbeiter rechtzeitig retten konnte und all das weiter für die ukrainische Wirtschaft arbeitete, dann weiß ich, dass ich die Wahrheit nicht umsonst sage.

Also entschuldigen Sie mich, ich bin kein sowjetischer Arzt. Wenn ich sehe, dass Sie an einer tödlichen Krankheit sterben, sage ich es Ihnen, und dann werden Sie überlegen, was zu tun ist.

Wenn ich aber genau weiß, dass es experimentelle Behandlungsmethoden gibt – hier sind die Drohnen, die in das feindliche Land fliegen und dort alles zerstören –, dann werde ich Ihnen auch das sagen. Denn man muss alles ausprobieren, verstehen Sie? Alles.

Jeder von uns weiß, dass wir, wenn ein nahestehender Mensch erkrankt, alles versuchen. Aber was würden wir tun, wenn die Ärzte uns belügen würden?

Deshalb bin ich völlig überzeugt, dass dies eine der grundlegenden Fragen war, die ich in dieser Sendung beantworten musste.

Hier gibt es noch viele weitere Fragen. Aber ich sage Ihnen gleich, dass ich sie jetzt nicht beantworten werde, um gegenüber denen, die sich darauf vorbereiten, in wenigen Minuten das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft zu sehen, ethisch zu bleiben.

Man sagt, ich hätte Größenwahn. Das habe ich nie bestritten. Aber mein Größenwahn erstreckt sich nicht auf Weltmeisterschaften. Ich werde nicht mit Messi und Yamal konkurrieren.

Und ja, natürlich werde ich Spanien die Daumen drücken. Selbstverständlich glaube ich, dass ein heutiger Titelgewinn Argentiniens für Messi ein unglaublicher, ich würde sagen, Abschluss seiner glänzenden sportlichen Karriere wäre.

Wir haben das Niveau der Meisterschaft gesehen, das bei diesem Turnier gezeigt wurde. Vielleicht hätten wir auch Ronaldo bei einem solchen Finale seiner Meisterschaft erleben können, wenn Portugal nicht so früh ausgeschieden wäre.

Im Vergleich muss man jedoch sagen, dass sich die argentinische Mannschaft stärker um ihren Anführer zusammengespielt hat als die portugiesische. Sie haben das alles gesehen.

Ich glaube zwar nicht, dass ich darüber sprechen sollte, aber die spanische Mannschaft, die möglicherweise um Yamal geeint ist, könnte heute Weltmeister werden, weil dies ein Triumph des neuen Fußballs wäre.

Denn der 19. Juli 2026 bedeutet gewissermaßen den Schlussvorhang für all den Fußball, den wir in den vergangenen Jahrzehnten kannten.

Überlegen Sie, wie viele große Spieler wir bei der nächsten Weltmeisterschaft nicht mehr sehen werden. Wir werden Messi nicht mehr sehen, wir werden Ronaldo nicht mehr sehen. Viele der wichtigsten Spieler dieses Turniers und der vergangenen Jahrzehnte beenden gerade jetzt ihre Karriere, bei dieser Weltmeisterschaft.

Deshalb wünsche ich mir nicht nur einen Sieg Spaniens, obwohl ich Spanien diesen Sieg wünsche und zugleich anerkenne, dass auch Argentinien ihn mit seinem Spiel verdient hätte. Ich wünsche dem neuen Fußball den Sieg. Das ist es, was ich in diesem Finale wirklich sehen möchte.

Und deshalb werden wir unseren Dialog jetzt beenden.

Unterstützen Sie unbedingt die Streitkräfte der Ukraine. Unterstützen Sie unbedingt die ukrainische Armee. Beteiligen Sie sich an geprüften Spendenaktionen. Die Streitkräfte der Ukraine bleiben genau jene Mannschaft, der wir den Sieg wünschen und an deren Einsatz wir alle teilnehmen müssen – bei jeder Weltmeisterschaft der Geschichte.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Протести, балістика і війна: підсумки |
Віталій Портников. 19.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 19.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Das Graham-Gesetz: Der Plan, Russlands Kriegswirtschaft zu brechen. Vitaly Portnikov. 15.07.2026.

https://www.facebook.com/share/p/18vwMuHF11/?mibextid=wwXIfr

Vor dem Hintergrund des unerwarteten Todes von Senator Lindsey Graham wird das Gesetz, das er praktisch das gesamte vergangene Jahr vorangetrieben hat, falls es bald verabschiedet wird, mit Sicherheit nicht Gesetz über neue Sanktionen oder Gesetz zum Druck auf Russland heißen, sondern Graham-Gesetz. Es wird als politisches Vermächtnis eines der außergewöhnlichsten amerikanischen Politiker der vergangenen Jahrzehnte in die Geschichte eingehen.

Dieses Gesetz wird den Ansatz widerspiegeln, den Graham verfolgte, seit es ihm gelungen war, enge freundschaftliche und berufliche Beziehungen zu Donald Trump aufzubauen. Einerseits spiegelt es die Haltung eines Senators wider, der stets der Ansicht war, dass man mit Diktaturen nur in der Sprache der Stärke sprechen könne, weil sie Diplomatie nicht verstünden. Deshalb besteht die Grundidee des Gesetzes darin, die energiepolitischen Möglichkeiten Russlands erheblich einzuschränken und vor allem denjenigen ernsthafte Probleme zu bereiten, die weiterhin Öl vom Kreml kaufen. Andererseits belässt es die politische und diplomatische Initiative beim Präsidenten. Donald Trump wird selbst entscheiden, wann und wie Zölle gegen Länder angewendet werden, die gegen die Bestimmungen dieses Gesetzes verstoßen.

Auf den ersten Blick ist das eher eine Erklärung als eine tatsächliche Drohung. Hat der Präsident der Vereinigten Staaten nicht gerade den wichtigsten Zollkrieg seines Lebens verloren? Warum sollten Länder, die russisches Öl kaufen, dann überhaupt auf neue Drohungen mit der Einführung von Zöllen reagieren?

Doch schon die bloße Existenz dieses Instruments wird wie ein Vorbote der Lähmung wirken. Es ist eine Sache, bereits eingeführte oder angekündigte Zölle, gegen die man sich wehren muss. Etwas völlig anderes ist die Drohung, solche Zölle einzuführen. Und das klare Bewusstsein, wodurch man in die nächste Runde eines Zollkriegs mit den Vereinigten Staaten geraten kann. Der Grund wäre der Kauf russischen Öls. Das bedeutet, dass Raffinerien in den Ländern des Globalen Südens ihre Kontakte und Verträge mit Russland konsequent abbauen werden. In Indien geschieht das bereits – ganz ohne Graham-Gesetz. Und die Verabschiedung eines solchen Gesetzes wird den Wunsch der indischen Ölwirtschaft nur noch verstärken, ihre Abhängigkeit vom russischen Ölmarkt zu verringern. Zumal russisches Öl auf dem indischen Markt nie von entscheidender Bedeutung war – vielmehr handelte es sich um ein Premiumprodukt, das es ermöglichte, billiges Rohöl zu kaufen, es zu Ölprodukten zu verarbeiten und diese anschließend für Dollar und Euro im Westen zu verkaufen. Wenn diese Möglichkeit entfällt, braucht Indien russisches Öl auch nicht mehr in besonderem Maße. Und ähnlich verhält es sich mit fast jedem anderen Land – mit Ausnahme Chinas, für das der Kauf russischen Öls auch eine wichtige politische Dimension besitzt. Doch selbst hier stellt sich die Frage: Wird Peking auf dieser Dimension bestehen, wenn reale Gefahren für die eigene Wirtschaft entstehen?

Dieses Modell wird somit die Probleme auf dem russischen Ölmarkt, die sich in den kommenden Monaten entwickeln werden, nur noch verschärfen. Wenn es der Ukraine weiterhin gelingt, russische Raffinerien anzugreifen, wird dies die Menge des Öls erhöhen, das Russland auf dem Weltmarkt verkaufen möchte. Und genau hier ist entscheidend, dass Russland dieses Öl nicht verkaufen kann. Das wiederum bedeutet, dass die Ölförderung zwangsläufig reduziert werden muss. Derzeit sprechen wir von einer Kraftstoffkrise. Doch zur Krise der Ölverarbeitung muss auch eine Krise der Ölförderung hinzukommen. Und zwar eine solche, dass Russland seine Öl- und Raffinerieindustrie in den kommenden Jahrzehnten nicht wieder aufbauen kann.

Tatsächlich ist genau das der beste Weg zum Frieden für die Menschheit – und keineswegs irgendwelche Verhandlungen oder Kompromisse. Russland ohne Geld ist ein Staat, mit dem man umgehen kann. Russland mit Geld ist ein gefährlicher Aggressor, der die Menschheit bedroht. Der Senator gehörte zu jenen, die dieses Gesetz der Entwicklung des russischen Staates und der russischen Gesellschaft hervorragend verstanden.

Deshalb muss Russland seiner Raffinerieindustrie beraubt werden – durch Angriffe auf die russische Infrastruktur. Russland muss die Möglichkeit genommen werden, Öl zu verkaufen – durch Angriffe auf Ölhäfen und durch Sanktionen gegen Länder, die dieses gefährliche Gut weiterhin kaufen, oder zumindest durch die Androhung möglicher Zölle gegen solche Länder. Man muss den Prozess so weit treiben, dass die Ölförderung in der Russischen Föderation zunächst reduziert und schließlich vollständig eingestellt wird. Man muss die Russen dazu zwingen, sich mit den Problemen ihres eigenen Landes und dessen intensiver Entwicklung zu beschäftigen, statt die Probleme der extensiven Entwicklung Russlands durch Aggression, Krieg, Mord, Raub und Gewalt lösen zu wollen.

Das ist das Graham-Gesetz.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Social Media

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 15.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Putins Schande: Russland importiert Treibstoff | Vitaly Portnikov. 30.06.2026.

Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, hat eingeräumt, dass Moskau Verhandlungen über den Import von Erdölprodukten führt, um die Lage auf dem Markt nach den ukrainischen Angriffen auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation zu stabilisieren.

Täglich erreichen uns aus Russland neue Meldungen über Einschränkungen beim Verkauf von Treibstoff und anderen Erdölprodukten an russischen Tankstellen. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die russischen Raffinerien bereits nicht mehr mit ihrer Vorkriegskapazität arbeiten können und einige ihre Produktion sogar ganz einstellen mussten.

In dieser Situation verstehen wir natürlich, dass auch die russische Armee, die ihre Aggression auf ukrainischem Territorium fortsetzt, mit Treibstoffproblemen zu kämpfen hat. Ebenso gibt es Probleme für die russische Wirtschaft insgesamt. Sollten diese nicht rasch gelöst werden, werden bereits in den kommenden Monaten zahlreiche Unternehmen in Russland ihre Arbeit einstellen müssen. Außerdem werden in vielen Regionen der Russischen Föderation Versorgungsprobleme bei Gütern des täglichen Bedarfs entstehen – ebenfalls eine unmittelbare Folge des Treibstoffmangels.

Man könnte natürlich sagen, Russland könne diese Probleme durch Importe lösen. Doch auch hier ist die Lage für Putin keineswegs einfach.

Erstens nennt selbst Peskow nicht, mit welchen Ländern Russland diese Verhandlungen führt. Offensichtlich ist für viele Staaten, die derzeit von der schwierigen Lage auf dem russischen Markt profitieren könnten, zugleich wichtig, ihre Wirtschaftsbeziehungen zu den westlichen Ländern aufrechtzuerhalten. Viele möchten weder sekundäre Sanktionen noch eine Verschlechterung ihrer Beziehungen zum Westen riskieren.

Gerade deshalb muss Moskau verbergen, mit wem es Konsultationen führt, um jene Länder nicht abzuschrecken, die bereit sein könnten, Erdölprodukte gewissermaßen auf Schmuggelwegen, also illegal, zu liefern – so, wie Russland sein Öl derzeit an die Länder des Globalen Südens verkauft. Es könnte sogar dazu kommen, dass die sogenannte Schattenflotte, die für den Transport russischen Öls eingesetzt wird, auf dem Rückweg Erdölprodukte nach Russland bringt – aus Ländern, die zwar Geld verdienen wollen, darüber aber lieber schweigen.

Wir verstehen jedoch sehr gut, dass der Preis für Treibstoff und andere Erdölprodukte für die Russische Föderation in diesem Fall auch eine Risikoprämie enthalten wird. Das schafft ein zusätzliches Problem, denn Russland verkauft sein Öl derzeit überwiegend gegen Yuan und Rupien, während es Erdölprodukte künftig in Dollar und Euro bezahlen muss.

Denn es liegt auf der Hand, dass Länder, die ihre Erdölprodukte gegen harte Währungen verkaufen können, diese kaum für Rupien oder Yuan an die Russische Föderation liefern werden.

Das ist schließlich das bekannte Geschäftsmodell Indiens: billiges russisches Öl beziehen, dafür mit Rupien bezahlen – von denen ohnehin unklar ist, wie sie überhaupt in den russischen Staatshaushalt gelangen –, dieses billige Öl zu teuren Erdölprodukten verarbeiten und diese anschließend auf den westlichen Märkten gegen Dollar und Euro verkaufen.

Warum sollten die indischen Raffinerien – selbst wenn wir annehmen, dass sie ihre Produkte derzeit nicht aus russischem Öl herstellen, und erst recht, wenn sie dies tun – Russland ihre Erdölprodukte für Rupien verkaufen? Dafür gibt es überhaupt keinen Grund.

So kann ein weiteres Problem entstehen.

  • Erstens wird Russland erneut auf seine Gold- und Devisenreserven zurückgreifen müssen, die durch den russisch-ukrainischen Krieg ohnehin bereits aufgezehrt werden.
  • Und zweitens wird es für Erdölprodukte mehr bezahlen müssen, als sie auf dem Weltmarkt tatsächlich wert sind. 

Das heißt: Russland verkauft sein eigenes Öl billig und kauft Erdölprodukte, die genau aus diesem Öl hergestellt werden können, teuer zurück. Was für ein wirtschaftliches Paradoxon für die Führung eines Aggressorstaates. Man hätte eben keinen Krieg beginnen sollen – dann müsste man sich heute nicht mit den einfachsten wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten auseinandersetzen.

Damit verstehen wir auch, wie richtig die weiteren Angriffe auf die Raffinerieinfrastruktur der Russischen Föderation sind.

Erstens verursachen sie reale Probleme für die russische Wirtschaft. Und wir können hoffen, dass diese Wirtschaft mit der Zeit in die Knie gezwungen wird – und in den kommenden düsteren Jahrzehnten der russischen Geschichte nicht mehr aufstehen wird.

Zweitens wird es an Erdölprodukten mangeln – wenn nicht für die Streitkräfte der Russischen Föderation, dann zumindest für die russische Bevölkerung. Das wird die Voraussetzungen für ernste soziale Probleme in Russland schaffen, den Krieg dauerhaft in die Häuser der Russen bringen und möglicherweise Massenproteste auslösen – nicht aus politischen, sondern aus sozialen Gründen. Dadurch entstehen zusätzliche Probleme für das Regime, das gezwungen sein wird, gegen Proteste einer mit ihrem Leben unzufriedenen Zivilbevölkerung vorzugehen. Auch das ist ein wichtiger Bestandteil der russischen Realität, der durchaus Wirklichkeit werden könnte, wenn die Angriffe auf Raffinerien und andere Industrieanlagen der Russischen Föderation fortgesetzt und intensiviert werden.

Drittens werden jene Länder, die Erdölprodukte an die Russische Föderation liefern könnten, die Haltung der zivilisierten Welt berücksichtigen müssen. Deshalb ist es wichtig, dass unsere Diplomatie sowohl mit den Europäern als auch mit den Amerikanern zusammenarbeitet, damit amerikanische und europäische Diplomaten die Länder des Globalen Südens davon abhalten, Erdölprodukte an Russland zu verkaufen. Sie sollten sie davon überzeugen, dass knappe Treibstoffrationen für die Russen und leere Straßen in russischen Städten ein direkter Weg zu Frieden und Wohlstand in der ganzen Welt sind.

Deshalb muss man den Russen den Treibstoff entziehen und sie in die glücklichen Zeiten des Russischen Reiches zurückversetzen – wenn sie sich doch so sehr dorthin sehnen –, als man sich mit ganz anderen Verkehrsmitteln fortbewegte und die Stute zu den wichtigsten Symbolen des Russischen Reiches gehörte. Sollen die Russen also wieder auf eben diese Stuten umsteigen.

Und natürlich entstehen in einer solchen Situation reale Chancen – wenn schon nicht auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges in absehbarer Zukunft, so doch zumindest auf eine Unterbrechung dieses Krieges, bis es der russischen Führung gelingt, die für das Funktionieren der russischen Wirtschaft und die Aufrechterhaltung des sozialen Gleichgewichts notwendige Menge an Treibstoff zu beschaffen.

Je weniger russische Erdölraffinerien in den kommenden Monaten und Jahren arbeiten werden, desto geringer sind die Chancen der Russischen Föderation auf einen solchen Verlauf der Ereignisse.

Und deshalb gilt: Frieden bedeutet immer, dass jedem chauvinistisch gesinnten Russen etwas fehlt, das er dringend braucht.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Ганьба Путіна: Росія імпортує пальне | Віталій Портников. 30.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.06.2026.
Originalsprache: uk/
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Der betrunkene Goliath. Vitaly Portnikov. 21.06.2026.

П’яний Голіаф. Віталій Портников. 21.06.2026.

Der schwarze Himmel über den Bränden in Moskau wird nun für immer eine der wichtigsten Illustrationen des russisch-ukrainischen Krieges bleiben. Und diese Brände werden den Russen selbst weit stärker in Erinnerung bleiben als alle anderen Ereignisse der vergangenen zwölf Jahre. Mehr als die pompöse „Angliederung“ der Krim. Mehr als die Invasion vom 24. Februar. Und sogar mehr als die Brände über Sankt Petersburg.

Denn ein ungeschütztes Moskau – selbst wenn sich die schwarze Brandnarbe bislang nur auf das ferne Kapotnja beschränkt, an das sich die meisten Bewohner der russischen Hauptstadt höchstens erinnern, wenn darüber gesprochen wird, „wie die Leute dort eigentlich leben“ – erzeugt für das ganze Land ein beinahe instinktives Gefühl des Mangels an Sicherheit. In Moskau darf es per Definition „so etwas“ nicht geben. Wenn „so etwas“ geschieht, ist das das erste Symptom einer Krankheit des ganzen Landes, die Demonstration dessen, dass man nirgendwo in Russland mehr sicher leben kann.

Putin versteht das sehr gut. Um seinen Einfluss auszubauen und die Macht zu übernehmen, nutzten die Tschekisten den Krieg im Kaukasus – und ihr eigentliches Mandat zur „Wiederherstellung der Ordnung“ erhielten sie gerade vor dem Hintergrund der Explosionen von Wohnhäusern in denselben Moskauer Schlafvierteln, im „kollektiven Kapotnja“. Und nach der Geiselnahme im Theaterzentrum an der Dubrowka konnte Putin im Kaukasus wie auch mit der eigenen Bevölkerung (übrigens vor allem mit der nichtmoskowitischen) praktisch alles tun, was er wollte. Jede Gefahr, jede Eskalation nutzte er stets zur Stärkung des Autoritarismus und für den „sanften Übergang“ zum Totalitarismus. Das wirksamste Instrument dafür war letztlich nicht einmal der Tschetschenienkrieg, sondern gerade der Krieg gegen die Ukraine.

Das Paradoxe an der Situation besteht jedoch darin, dass Putin damals, 1999, als in den gottvergessenen Moskauer Stadtteilen Petschatniki und an der Kaschirskoje Schosse Wohnhäuser in die Luft flogen, sowohl ein Gefühl des Mangels an Sicherheit erzeugen als auch demonstrieren konnte, dass die gewünschte Stabilität zurückkehrt – man müsse sich nur den starken Händen der Schüler des „Eisernen Felix“ anvertrauen. Jetzt öffnet jedoch nicht mehr er selbst diesen Hahn. Was kann er diesen Angriffen entgegensetzen? Kein Schlag gegen Kyiv oder Odesa, keine Einnahme einer weiteren Stadt im Donbas wird den Moskauer Bewohnern – und damit allen Russen, die traditionell auf Moskau blicken – das Gefühl der Sicherheit für den morgigen Tag zurückgeben. Es stellt sich heraus, dass Putin ihnen im Jahr 2000 dieses Sicherheitsgefühl schenkte, das die Tschekisten zuvor selbst zerstört hatten, und es ihnen im Jahr 2026 wieder genommen hat.

Mit seiner Manie, Fallen zu konstruieren, ist Putin nun in eine weitere Falle geraten – diesmal für sich selbst. Er will den russisch-ukrainischen Krieg nicht beenden, weil er den endgültigen Zusammenbruch seines imperialen Projekts fürchten könnte – ganz zu schweigen von der Rückkehr einer fast millionenstarken Söldnerarmee von der Front, gegen deren Gewaltexzessen selbst seine Sicherheitskräfte womöglich nichts entgegensetzen könnten. Zugleich kann er den Krieg nicht lange fortsetzen, weil die weiteren Angriffe auf Moskau – vor allem auf Moskau natürlich – das gesamte Image der russischen Diktatur und ihrer Sicherheitsgarantien gegenüber der Gesellschaft zerstören werden. Es stellt sich heraus, dass Putin in jedem denkbaren Szenario sich selbst auffrisst.

Und damit kehren wir zur ewigen russischen Maßlosigkeit zurück, zur Unfähigkeit, rechtzeitig aufzuhören. Die Stärke einer Großmacht liegt in Wahrheit nicht in der Anwendung von Gewalt, sondern in der Perspektive ihrer Anwendung. Dann bleibt das Gefühl bestehen, dass etwas Unwiderrufliches geschehen könnte, wenn Goliath einmal ausholen würde. Doch selbst wenn Gewalt angewandt wird und das gewünschte Ergebnis nicht schnell erreicht wird, gibt es immer noch die Möglichkeit, den Krieg zu beenden. Dann bleibt die Illusion erhalten, dass in Wirklichkeit noch gar nicht alle Kräfte und Ressourcen eingesetzt wurden, dass dies lediglich eine Blitzoperation gewesen sei und man den wahren Goliath mit all seinen Möglichkeiten erst gesehen hätte, wenn ein echter langer Krieg begonnen hätte. Und selbst wenn man länger weitermacht und nichts erreicht, kann man immer noch eine Pause einlegen, um zumindest nicht das Prestige, dann wenigstens die wirtschaftlichen Perspektiven zu bewahren (genau das hat letztlich Donald Trump gegenüber dem Iran getan).

Putin hat weder das Erste noch das Zweite noch das Dritte getan. Er griff an, er hielt nach dem Scheitern des Blitzkriegs nicht an, er hielt nicht einmal an, als klar wurde, dass der Krieg seine Wirtschaft nach und nach zerstört und auffrisst. Er hat die Angriffe auf Moskau abgewartet – und beruhigt sich trotzdem nicht. Er glaubt übermäßig stark nicht einmal an seine eigenen Entscheidungen, sondern an die Zeit selbst. Er glaubt, dass man eine unterworfene Ukraine und ein „wahres“ Russisches Imperium sehen kann, wenn man nur viele Jahre lang stumpf mit dem Kopf gegen die Wand schlägt.

Das kann man. Aber nur im eigenen Kopf, der nach so vielen wahnsinnigen Schlägen beginnt, seine eigene Musik zu spielen. In der Realität gibt es eine ausgebrannte Raffinerie bei Moskau, Angriffe auf Russland, eine beinahe abgeschnittene Krim und Truppen, die im fünften Kriegsjahr weiterhin im Donbas kämpfen. Und selbst wenn man sich vorstellt, dass ihm die Ressourcen und Möglichkeiten noch lange reichen werden, weiter mit dem Kopf gegen die Wand zu schlagen – etwas anderes als genau diese Schläge wird es einfach nicht mehr geben.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: П’яний Голіаф. Віталій Портников. 21.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 21.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.