Hunderte Drohnen greifen Moskau an | Vitaly Portnikov. 06.10.2026.

Praktisch die ganze Nacht über wehrten Moskau und die Hauptstadtregion einen Angriff ukrainischer Drohnen ab. Diesen Angriff konnten selbst die Verantwortlichen in Moskau und im Moskauer Gebiet, Sobjanin und Worobjow, nicht verheimlichen, die vom Anflug Hunderter ukrainischer Drohnen berichteten. Natürlich meldeten sie die tadellose Arbeit der Luftverteidigung der russischen Hauptstadt, doch inzwischen ist bereits ein großer Brand an der Station Wolodarskaja bekannt, einer der größten Erdölverarbeitungsanlagen auf dem Gebiet Moskaus und der Hauptstadtregion, die für die Infrastruktur der russischen Hauptstadt von großer, ja entscheidender Bedeutung ist. Auch die Flughäfen der Hauptstadt stellten ihren Betrieb ein. Dutzende Flugzeuge waren gezwungen, auf Ausweichflughäfen in Russland zu landen.

Man kann also sagen, dass dies tatsächlich ein schwerer, massiver Angriff auf Moskau und das Moskauer Gebiet war. Und je mehr solcher Angriffe es geben wird, je größer die Verluste der Russischen Föderation durch solche Schläge sein werden, je geringer ihre Möglichkeiten sein werden, die Stabilität der Infrastruktur in der Russischen Föderation aufrechtzuerhalten, desto kürzer wird der Weg zum Frieden sein.

Denn im Umgang mit einem Land wie der Russischen Föderation gibt es keine wirklichen Wege, gewaltsame Konflikte auf diplomatischem Wege zu lösen. In Russland setzt man immer auf Gewalt, darauf, den Gegner durch die Zerstörung seiner Ressourcen zur Kapitulation zu zwingen. Russland kennt dabei keine roten Linien. Aus Sicht der russischen Führung und auch des russischen Volkes soll die Zivilbevölkerung das erste Opfer eines solchen Krieges sein.

Das ist die Philosophie der russischen Expansion. Und derzeit begegnen die Einwohner von Kyiv und anderer ukrainischer Städte und Ortschaften dieser Philosophie, könnte man sagen, in ihrer ganzen unverhüllten Kriminalität. Wir verstehen inzwischen sehr genau, dass Russland von Beginn seines Kampfes gegen unseren Staat an nicht auf einen Krieg der Armeen setzte, sondern auf einen Krieg der Städte, auf die Vernichtung der Zivilbevölkerung und ihre Einschüchterung.

Das sind völlig offensichtliche Dinge, an die man denken muss, wenn wir über Wege sprechen, aus diesem Krieg herauszukommen. Und diese Wege sind ziemlich einfach. Sie hängen gerade mit der Notwendigkeit massiver Angriffe auf Moskau, das Moskauer Gebiet, Sankt Petersburg und andere Regionen der Russischen Föderation zusammen, mit der vollständigen Zerstörung der russischen Erdölverarbeitungsinfrastruktur – wobei es nicht um 40 bis 45 Prozent geht, sondern darum, dass es in Russland überhaupt keine Erdölverarbeitung mehr gibt –, mit der Zerstörung russischer Rüstungsbetriebe und mit Angriffen auf die russische Energieinfrastruktur.

Putin kann die Ukrainer nicht mit einem kalten Winter einschüchtern, wenn seinen eigenen Landsleuten dasselbe schwierige Schicksal droht. Wie der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, bereits vor seiner Rückkehr ins Oval Office unmissverständlich sagte: Zum Tango gehören zwei. Gemeint ist damit natürlich nicht nur die beiderseitige Beteiligung an Verhandlungen über ein Ende des Krieges, die, wie wir sehen, für Trump keinerlei wirkliche Ergebnisse bringen, sondern auch die Beteiligung am Kampf gegeneinander.

Wenn ein Land die Infrastruktur eines anderen durch hinterhältige Angriffe zerstören will, wie wir sie alle in den vergangenen Jahren beobachten und die sich mit jedem Tag nur verstärken, während Putin begreift, dass seine Armee keinen Erfolg haben wird, dann kann auch die Infrastruktur des anderen Landes nicht unantastbar sein – schon allein deshalb nicht, weil diese Infrastruktur den Bedürfnissen der verbrecherischen russischen Armee dient, dieser Schakalmeute.

Wenn in der Russischen Föderation die Ausgaben für Verteidigung und nationale Sicherheit um 50 Prozent steigen und sich diese Ausgaben nicht einmal mit den Ausgaben des russischen Staates für Bildung, Kultur und Medizin vergleichen lassen, wenn praktisch der gesamte russische Haushalt inzwischen für die Streitkräfte der Russischen Föderation und den Föderalen Sicherheitsdienst Russlands ausgegeben wird, dann stellt sich die Frage: Für wen arbeitet eigentlich diese gesamte russische Wirtschaft? Nun, zumindest zu 70 bis 80 Prozent.

Darauf erhalten wir eine eindeutige Antwort. Diese gesamte russische Wirtschaft, all diese Erdölverarbeitungsstationen, all diese Erdölraffinerien – alles arbeitet gerade für den Krieg gegen die Ukraine. Alles andere interessiert weder den Präsidenten der Russischen Föderation noch die russische Führung noch die russische Gesellschaft, von der ein großer Teil weiterhin am chauvinistischen Virus leidet und die imperialistischen Ansprüche seiner Staatsmacht unterstützt.

Denn andernfalls wäre es der Staatsmacht nicht gelungen, eine Millionenarmee skrupelloser Söldner aufzustellen und den Krieg bei völliger gesellschaftlicher Gleichgültigkeit fortzusetzen, wobei eher diejenigen die Ausnahme bilden, die sich gegen den Krieg aussprechen und seine Folgen für Russland selbst fürchten. Ganz zu schweigen von Menschen, die überhaupt über das Schicksal der Ukrainer und anderer nichtrussischer Opfer dieses Eroberungskrieges Putins und seiner Bande nachdenken.

Der Schlüssel zur Situation liegt also nicht in Warnungen und nicht in Erzählungen darüber, dass etwas geschehen könnte, wie wir es ständig vom Präsidenten der Ukraine und anderen führenden Vertretern unseres Staates hören, sondern in realen Maßnahmen, die auf die Zerstörung der infrastrukturellen Möglichkeiten der Russischen Föderation gerichtet sind, in realen Angriffen statt in Worten, in der Leistungsfähigkeit des ukrainischen Staates, der in der Lage ist, dem Bestreben der Russischen Föderation, der Existenz des ukrainischen Staates und des ukrainischen Volkes ein Ende zu setzen, wirklichen und nicht bloß PR-wirksamen Widerstand entgegenzusetzen.

Alles andere ist leeres Gerede, das zu nichts anderem führt als zu Angriffen auf die Ukraine. Ebenso das Gerede darüber, dass wir antworten könnten, während wir nicht antworten. Und das dreiste Gerede über irgendwelche diplomatischen Bemühungen und Verhandlungen, die lediglich damit enden, dass die Mitstreiter von Präsident Trump im Büro des russischen Präsidenten Putin und anderer russischer Beamter nach Möglichkeiten suchen, sich selbst zu bereichern, und den Verhandlungsprozess über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges faktisch dazu nutzen, sich die ohnehin schon infolge der Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus gut gefüllten Taschen noch weiter zu füllen.

Und das muss man sich vollkommen klar vor Augen führen. Diesen Krieg können nur der ukrainische Soldat und die ukrainische Drohne gewinnen. Der amerikanische Vermittler und der ukrainische Demagoge werden diesen Krieg nicht gewinnen. Sie können ihn nur schändlich verlieren.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Сотні безпілотників атакують Москву |
Віталій Портников. 06.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 06.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trumps neuer Plan | Vitaly Portnikov. 29.09.2026.

In den Medien erscheinen Berichte darüber, dass die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, ein mögliches trilaterales Treffen auf neutralem Boden vorbereiten – derzeit ist von arabischen Hauptstädten die Rede – zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und der Ukraine. Das Hauptziel dieses Treffens ist es, eine Energiewaffenruhe zu erreichen. Dabei sehen wir, dass man in der russischen Hauptstadt keinerlei wirkliche Bereitschaft zeigt, einer solchen Energiewaffenruhe zuzustimmen.

Und hier stellt sich die Frage: Was treibt die Vereinigten Staaten, was treibt die Administration Donald Trumps an, wenn sie tatsächlich versucht, diese Energiewaffenruhe zu erreichen? Hofft man in Washington tatsächlich auf eine solche Entwicklung? Und wie vorteilhaft wäre eine solche Energiewaffenruhe derzeit für die Russische Föderation selbst?

Man könnte sagen, dass Russland tatsächlich ernsthaft unter dem leidet, was mit seiner Ölverarbeitungsindustrie geschieht. Die Ukraine greift weiterhin Ölraffinerien der Russischen Föderation an, ungeachtet der bekannten Haltung Washingtons. Und bislang gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass Kyiv bereit wäre, diese Angriffe einzustellen. Auch Russland verstärkt seine Angriffe auf die Ukraine und versucht, die ukrainische Infrastruktur vor dem Winter zu zerstören.

Und hier liegt meines Erachtens eine wichtige Antwort auf die Frage, warum es so schwierig ist, diese Energiewaffenruhe zu erreichen.Wir haben wiederholt darüber gesprochen, dass die Armeen beider Länder an der Front faktisch feststecken. Und man kann sagen, dass die russische Armee derzeit bei Lyman sogar die Angriffe des Gegners abwehren muss, Stellungen verliert, die von den Besatzern bereits eingenommen worden waren, und Soldaten verliert, die getötet, verwundet oder gefangen genommen werden. All das geschieht tatsächlich.

Und dann stellt sich die Frage: Welche realen Druckmittel hat die Russische Föderation gegenüber der Ukraine noch? Außer Angriffen auf die Energieinfrastruktur, außer dem Versuch, die Ukrainer in diesem Winter frieren zu lassen, außer dem Glauben daran, dass aus dem Gleichgewicht gebrachte und enttäuschte Ukrainer selbst von ihrer Regierung eine Kapitulation vor Russland zu Putins Bedingungen verlangen werden.

Stellen wir uns also vor, es käme zu einer Energiewaffenruhe. Welche Trümpfe könnte Russland in der weiteren Konfrontation mit der Ukraine noch haben? Nun, natürlich besteht noch die Möglichkeit einer Blockade der Handelswege, aber auch hier wird erheblicher Druck auf Russland ausgeübt, weil eine Unterbrechung der Getreidelieferungen aus der Ukraine den Ländern des Globalen Südens tatsächlich mit einer wirtschaftlichen und humanitären Katastrophe droht, die zu Aufständen, Revolutionen und zum Zusammenbruch von Regimen führen könnte, die absolut nicht bereit sind, sich als Opfer dieser möglichen Hungersnot zu sehen.

Und es ist klar, dass selbst Verbündete Russlands wie der Staatschef der Volksrepublik China Xi Jinping, wie der indische Ministerpräsident Narendra Modi und wie die Staats- und Regierungschefs von Ländern des Globalen Südens wie Ägypten und der Türkei versuchen werden, alles dafür zu tun, diesen Korridor zu öffnen. Das heißt, auch hier gibt es nicht viele Möglichkeiten, diesen Korridor weiterhin zu blockieren.

Es gibt also keine wirklichen Trümpfe außer diesem terroristischen Angriff, den wir in den letzten Tagen, den letzten Wochen, den letzten Monaten beobachten. Nun, wenn Sie so wollen, in den letzten Jahren. Gerade jetzt, in diesen Wochen schrecklicher Angriffe auf Kyiv, möchte ich die Gelegenheit nutzen, denjenigen, die unter diesen Angriffen gelitten haben, den Angehörigen der Getöteten und den Angehörigen der Verletzten mein aufrichtiges Mitgefühl auszusprechen. Das ist zum Hauptargument, zum wichtigsten Trumpf geworden.

Hier gibt es noch einen weiteren sehr wichtigen Punkt. Und die Ukraine? Wenn wir aufhören, die Ölraffinerien der Russischen Föderation anzugreifen, und uns bewusst machen, dass Russland sein Potenzial ausbaut, dass der Krieg nicht beendet ist, dass die russische Armee beispielsweise in der Region Donezk weiterhin in der Offensive ist. Putin aber bekommt dadurch, dass wir die Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation einstellen, zusätzliches Geld. Zusätzliches, sagen wir, Geld für den Krieg, mehr Geld für den Krieg, mehr Geld für die Armee, mehr Geld für Vertragssoldaten, die für einen weiteren Vormarsch der russischen Armee auf ukrainischem Territorium mobilisiert werden können.

Das heißt, einerseits retten wir uns vor einem kalten Winter, vor Stromabschaltungen, vor der Notwendigkeit, Menschen aus jenen Städten und Orten zu evakuieren, wo die Lage am schwierigsten sein wird. Andererseits programmieren wir gewissermaßen die Fortsetzung des russischen Krieges gegen die Ukraine auf unbestimmte Zeit vor, weil wir Russland die Möglichkeit geben, Geld für die Fortsetzung dieses Putin-Abenteuers zu verdienen. Genau das ist tatsächlich das Problem dieser Energiewaffenruhe.

Eine weitere wichtige Frage ist, warum die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten diese Waffenruhe überhaupt so vorantreibt. Man könnte sagen, dass es dafür keine wirklichen Gründe gibt außer Donald Trumps Suche nach Wegen, den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu beenden. Das ist eines seiner konkreten Versprechen. Wie Sie sich erinnern, wurde dieses Versprechen auch während des Wahlkampfs gegeben. Trump sagt weiterhin, der Krieg werde jeden Moment enden, und selbst wenn es ihm gelänge, wenigstens eine Energiewaffenruhe zu erreichen, wäre das bereits ein ernstzunehmendes Ergebnis im Hinblick auf das, was im russisch-ukrainischen Krieg geschieht. Er könnte sich dann bereits als Friedensstifter darstellen. Ein teilweiser Frieden zwar, aber Frieden. Friedliche Städte werden nicht beschossen, Zivilisten werden nicht getötet. Und all das wäre Trumps Verdienst.

Doch in Wirklichkeit finden all diese Gespräche über eine Energiewaffenruhe vor dem Hintergrund von Berichten statt, wonach Trump nach Möglichkeiten sucht, die Sanktionen gegen Russland zu lockern, und wonach einer der Mitarbeiter des Weißen Hauses, Coale, der bekanntlich mehrfach mit Alexander Lukaschenko zusammengetroffen ist und mit ihm über die Freilassung politischer Gefangener im Gegenzug für eine Lockerung der Sanktionen gegen Belarus verhandelt hat, dem amerikanischen Präsidenten dasselbe Modell für Russland vorgeschlagen hat.

Ich sage gleich, dass ich nicht weiß, wie dieses Modell in der Praxis umgesetzt werden soll. Was eine mögliche Lockerung der Sanktionen gegen Belarus betrifft, hatte Trump keinerlei Probleme mit einer solchen Entscheidung. Die Verabschiedung des Graham-Gesetzes macht es grundsätzlich unmöglich, Sanktionen gegen die Russische Föderation ohne Zustimmung des Kongresses zu lockern oder aufzuheben, wo sich dafür möglicherweise schlicht nicht die notwendige Zahl an Stimmen finden wird, insbesondere nach den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress im November.

Trump könnte jedoch darauf hoffen, dass er das Gesetz, das er gerade erst unterzeichnet hat, irgendwie umgehen kann, dass er den Kongressabgeordneten die Notwendigkeit einer Lockerung der Sanktionen gegen die Russische Föderation mit Fragen der nationalen Sicherheit erklären kann. Nun, letztlich: „Wollen Sie, dass Menschen, die seit Jahren in Gefängnissen der Russischen Föderation sitzen, weil sie für Frieden und Demokratie gekämpft haben, freikommen? Dann erlauben Sie dem Präsidenten, die Sanktionen gegen die Russische Föderation teilweise zu lockern.“ Und dieser Trumpf könnte grundsätzlich bei jedem Kongress funktionieren, denn für jeden Kongressabgeordneten wäre es sehr schwierig zu erklären, warum er einer Variante nicht zugestimmt hat, die es ihm ermöglichen würde zu sagen, dass Menschen aus russischen Gefängnissen gerettet wurden.

Wenn wir also als Axiom annehmen, dass Trump nach Möglichkeiten sucht, die Wirtschaftsbeziehungen zu Russland wiederherzustellen, und dass der Sondergesandte des Präsidenten der Russischen Föderation Kirill Dmitrijew sowohl Witkoff als auch Kushner ständig davon erzählt, welche riesigen Summen sich mit gemeinsamen russisch-amerikanischen Kontakten und Verträgen verdienen ließen, dann erscheint all das vollkommen folgerichtig. Eine Energiewaffenruhe wird erreicht. Russland beginnt, seine politischen Gefangenen gegen die Aufhebung von Sanktionen einzutauschen, und alle verdienen Geld. Ein guter Plan.

Nur stellt sich die Frage, inwieweit Russland bereit ist, diesem Plan zuzustimmen, inwieweit Russland tatsächlich bereit ist, irgendjemanden freizulassen, inwieweit Trump diese Sanktionen tatsächlich aufheben kann und inwieweit diese Energiewaffenruhe tatsächlich funktionieren kann. Das wissen wir wirklich überhaupt nicht und können es uns auch nicht vorstellen. Dass Trump es jedoch ernst meint, lässt sich zumindest daran erkennen, dass das Weiße Haus heute Coale, der, wie Sie sich erinnern, eine völlig untergeordnete Rolle im Apparat des Weißen Hauses spielte und eher Stellvertreter von Keith Kellogg war, der seinerseits in der Administration keinen großen Einfluss hatte, für das Amt des Sondergesandten für Geiselfragen im Rang eines Botschafters der Vereinigten Staaten nominiert hat.

Das heißt, faktisch können wir davon sprechen, dass diese Mission zur Freilassung von Gefangenen zu einem wichtigen Bestandteil von Donald Trumps Tätigkeit in den russisch-amerikanischen Beziehungen wird und dass genau dies in Wirklichkeit sein eigentlicher Friedensplan ist: die Beziehungen zu Putin, vor allem die Wirtschaftsbeziehungen, um jeden Preis wiederherzustellen, dabei aber einen solchen Vorwand zu finden, der Trumps eigener Reputation nicht schadet und es nicht erlaubt zu sagen, dass er Putin faktisch nachgibt, denn „was kann man schon gegen einen Menschen einwenden, der politische Gefangene freibekommt?“

Und erinnern Sie sich übrigens daran, wie viele politische Gefangene aus Belarus tatsächlich freigelassen wurden. Unter ihnen waren etwa der Nobelpreisträger Ales Bjaljazki und der Blogger Tichanovski, dessen Frau gezwungen war, für das Präsidentenamt in Belarus zu kandidieren, gerade weil er inhaftiert war und nicht am Wahlkampf teilnehmen konnte. Viele entweder prominente oder im Hinblick auf ihr Vermächtnis wichtige Menschen. Babaryka, derselbe, der als Lukaschenkos wichtigster Konkurrent bei der Präsidentschaftswahl galt, bis er ins Gefängnis kam.

In dieser Hinsicht ist also völlig offensichtlich, dass es reale Gründe für die Annahme gibt, dass Trump eine solche Variante grundsätzlich gefallen könnte. Schließlich macht Washington kaum jemand die Kontakte zu Belarus zum Vorwurf, wenn dabei politische Gefangene freigelassen werden. Dass dort bestimmte Wirtschaftssanktionen aufgehoben werden, dass die Vereinigten Staaten beabsichtigen, kanadisches Kali auf schwer nachvollziehbare Weise durch belarussisches zu ersetzen, obwohl die Größenordnungen überhaupt nicht vergleichbar sind – darüber spricht fast niemand, weil es jedem unangenehm wäre, als jemand aufzutreten, der gegen die Möglichkeit kämpft, denjenigen die Freiheit zu verschaffen, die für sie kämpfen.

Und das ist eine neue, ich würde sagen, Variante der weiteren Entwicklung. Sie wird das Ende des russisch-ukrainischen Krieges nicht näher bringen, aber sie wird Trumps Ruf als Friedensstifter verbessern. Und sie wird es erschweren zu sagen, dass Trump in Wirklichkeit einfach nur nach Wirtschaftsbeziehungen mit Putin und nach wirtschaftlichen Vorteilen sucht und das Thema der politischen Gefangenen lediglich zynisch benutzt, um seine eigenen Interessen voranzutreiben. Solche Vermutungen könnten den Präsidenten der Vereinigten Staaten nur empören, sollten sie überhaupt geäußert werden.

Aber nach diesen anderthalb Jahren können wir bereits zu dem Schluss kommen, dass gerade die Rückkehr zu wirtschaftlichen Beziehungen mit der Russischen Föderation grundsätzlich eines der wichtigen Ziele Trumps ist.

  • Erstens spricht er ständig darüber.
  • Zweitens betrachtet er den russisch-ukrainischen Krieg als ein, ich würde sagen, Problem, das die Wiederherstellung dieser Beziehungen verhindert.
  • Drittens tritt er jedes Mal mit einer neuen Initiative auf.

Und das entspricht tatsächlich unserem heutigen Verständnis davon, wie die Administration der Vereinigten Staaten ihre Herangehensweise an den Krieg Russlands gegen die Ukraine gestaltet.. Es ist unklar, zu welchen praktischen Folgen dies führen wird. Es ist unklar, inwieweit der Präsident der Vereinigten Staaten grundsätzlich Einfluss auf den Präsidenten der Russischen Föderation nehmen kann, sodass dieser tatsächlich zumindest einer teilweisen Waffenruhe im russisch-ukrainischen Krieg zustimmt. Es ist unklar, wozu Putin das braucht. Es ist unklar, wozu Trump das braucht.

Gleichzeitig können wir jedoch sagen, dass sich die Ereignisse weiterentwickeln und dass wir noch diese Wochen bis zu den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress haben. Trump hat das Gefühl, dass er diese Wahlen verliert. Er sucht verzweifelt nach Themen, mit denen er punkten könnte. Das Thema einer russisch-ukrainischen Friedensregelung sollte eines dieser Themen sein.

Nicht zufällig erwähnt er ständig die Ukraine, wenn es um den Anstieg der Dieselpreise geht, und bezeichnet sie als das Land, das für diese Situation verantwortlich sei. Zuletzt geschah das buchstäblich innerhalb der vergangenen 24 Stunden, als er ausdrücklich sagte, er habe Präsident Volodymyr Zelensky sogar gesagt, dass die Angriffe auf russische Ölraffinerien eingestellt werden müssten, und der ukrainische Präsident habe ihm angeblich geantwortet, er verstehe, dass dies der ganzen Welt Probleme bereite, und müsse darüber nachdenken.

Das entspricht überhaupt nicht der Realität. In Wirklichkeit werden die Angriffe auf die Ölraffinerien fortgesetzt. In Wirklichkeit sagt Zelensky, dass für die Ukrainer das Leben ihrer Landsleute weitaus wichtiger ist als Öl. Trump hält jedoch zumindest gegenüber seinem eigenen Publikum weiterhin ein Bild der Realität aufrecht, das diesem Publikum, sagen wir so, zugänglich ist. Nur wird dieses Publikum zusammen mit den Zustimmungswerten des amerikanischen Präsidenten kleiner, und das kann Trump nur beunruhigen.

Was kann also tatsächlich geschehen? Nun, grundsätzlich könnte es überhaupt keine wirkliche Entwicklung geben. Russland wird einer Energiewaffenruhe nur in einer Situation zustimmen, in der es tatsächlich den Löwenanteil seines Ölverarbeitungskomplexes verloren hat und der Kauf von Ölprodukten gegen Devisen oder aufgrund irgendwelcher Vereinbarungen mit Indien oder China – der Tausch von Öl gegen Ölprodukte, allerdings in anderen Mengen und zu anderen Preisen – zu einer wirtschaftlichen Realität für die Russische Föderation wird. Von dieser Realität werden sie wegkommen wollen. Aber wiederum: Wenn jemand aus einer Realität herauskommen will, in der er sich wiederfindet, muss dieser Jemand nicht unbedingt Putin sein, denn Putin lebt, wie wir sehen, in seiner eigenen Realität.

Ich bin überzeugt, dass all diese trilateralen Treffen, all diese Einladungen zum G20-Treffen den russischen Präsidenten nur darin bestärken, dass er auf dem richtigen Weg ist und dass die Vereinigten Staaten ihn ohnehin nicht daran hindern können, die Ukraine zu vernichten, selbst wenn sie versuchen sollten, die Wiederaufnahme wirtschaftlicher Kontakte an Bedingungen wie ein Ende des Krieges zu knüpfen. Es ist bereits offensichtlich, dass für Putin die Fortsetzung des Krieges wichtiger und dringlicher ist als irgendwelche Verträge mit den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Ländern und dass er sich der wirtschaftlichen Folgen der ukrainischen Angriffe möglicherweise nicht einmal bewusst ist.

Es ist natürlich merkwürdig, dass wir im viereinhalbten Jahr des Krieges darüber diskutieren, ob Putin zu einem Treffen der G20 kommen kann, bei dem die überwiegende Mehrheit der westlichen Politiker natürlich nicht mit ihm sprechen wird. Es ist natürlich merkwürdig, dass die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten nach viereinhalb Jahren Krieg nach Möglichkeiten sucht, während des Krieges die Wirtschaftsbeziehungen mit der Russischen Föderation wiederherzustellen, während Putin keinen einzigen Vorschlag Trumps für eine Waffenruhe beachtet. Aber in einer solchen Welt leben wir. Und diese Welt entspricht, wie wir sehen, vollkommen den Vorstellungen, die Menschen wie Trump und Putin von ihr haben. Zumindest versuchen beide, diese Welt jeweils in ihrem eigenen Land entsprechend ihren Möglichkeiten umzugestalten.

Für Trump ist das viel schwieriger als für Putin, weil Trump immerhin Präsident eines demokratischen Landes ist, in dem die Menschen die Erfüllung von Versprechen erwarten und völlig anders wählen, wenn diese Versprechen nicht erfüllt werden. Putin dagegen kann sich problemlos in seine eigene Realität zurückziehen, weil er sehr gut versteht, dass es keine andere Entwicklung geben wird und dass seine Gesellschaft ihn ganz sicher nicht daran hindern wird, all das zu tun. Auch das sehen wir bereits.

Der einzige Weg zu dieser Energiewaffenruhe besteht also tatsächlich in den Möglichkeiten der ukrainischen Streitkräfte, russische Ölraffinerien in einem solchen Umfang anzugreifen, dass die Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation tatsächlich ausgeschaltet wird und Bohrlöcher stillgelegt werden müssen. Im Grunde ist das eine sehr einfache Erfolgsformel. Man muss die wirtschaftlichen Verluste der Russischen Föderation für die russische Führung zu einem größeren Problem machen als Putins Wunsch, den Krieg bis zum endgültigen Verschwinden der Ukraine von der politischen Landkarte der Welt fortzusetzen.

Paradox ist in dieser Situation auch, dass wir sehr gut verstehen, dass Putin den ukrainischen Staat nicht vernichten kann und dass selbst seine terroristischen, brutalen Angriffe auf ukrainische Städte, vor allem auf Kyiv, die Vernichtung dieses Staates und den Wunsch der ukrainischen Gesellschaft nach Kapitulation nicht näher bringen. Wir verstehen ebenfalls, dass wir den Ölverarbeitungskomplex der Russischen Föderation nicht vollständig ausschalten können. So oder so wird er weiterarbeiten.

Aber das Modell besteht darin, dass jeder etwas erreichen will, was er nicht vollständig erreichen kann. Obwohl ich Ihnen ganz offen sage: Die Möglichkeiten, die Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation zu zerstören, sind wesentlich größer als die Möglichkeiten, den Zusammenbruch des ukrainischen Staates herbeizuführen. Und genau das beunruhigt diejenigen, die die Beziehungen zur Russischen Föderation durch das Prisma des Geldes betrachten. Denn eine Russische Föderation, die aufhört, eine Art Tankstelle zu sein, ist nicht nur für Donald Trump uninteressant, sie ist auch für den Staatschef der Volksrepublik China Xi Jinping uninteressant, der sehr gut versteht, dass die Zerstörung der russischen Ölverarbeitungsindustrie erstens zu sozialer Instabilität führen und zweitens zur Stilllegung von Bohrlöchern führen könnte, sodass China weniger Öl kaufen könnte.

Nun, ich denke, genau das hat dazu geführt, dass der Staatschef der Volksrepublik China und der indische Ministerpräsident bei ihren jüngsten Treffen mit Putin über die Notwendigkeit politischer Ansätze zur Beendigung des Krieges gesprochen haben. Früher interessierte sie das irgendwie nicht besonders. Und grundsätzlich verstehen wir sehr gut, dass in dieser Situation die Staats- und Regierungschefs der Länder des Globalen Südens umso mehr Anlass haben werden, Putin daran zu erinnern, dass ein solcher Krieg beendet werden muss, je stärker wir russische Ressourcen angreifen.

Das ist im Grunde alles, was man zu all diesen Plänen sagen kann. Trumps Pläne werden wohl kaum umgesetzt werden, weil völlig unklar ist, welche rechtliche Möglichkeit der amerikanische Präsident nach der Verabschiedung des Graham-Gesetzes überhaupt noch hat, die Sanktionen gegen die Russische Föderation zu lockern. Manchmal hat man den Eindruck, dass in dieser Wahlkampfphase im Weißen Haus die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut. Trump bringt ein Gesetz durch den Senat und das Repräsentantenhaus, das seine Möglichkeiten zur Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation faktisch zunichtemacht, und unterzeichnet dieses Gesetz feierlich. Gleichzeitig kann sein Sondergesandter, der jetzt für den Posten des Sonderbeauftragten für Geiselfragen nominiert wurde, den amerikanischen Präsidenten davon zu überzeugen versuchen, dass der Weg zur Überwindung der schwierigen Beziehungen mit Russland und die Möglichkeit, mit Russland Geld zu verdienen, darin besteht, die Aufhebung eines Teils der Sanktionen gegen die Freilassung von Geiseln einzutauschen.

Und übrigens möchte ich Sie daran erinnern, dass genau das den Interessen der Russischen Föderation entspricht. Jetzt wird verständlich, warum der russische Außenminister Sergej Lawrow auf seiner abschließenden Pressekonferenz am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung in New York sagte, dass man die Ukraine aus diesem Verhandlungsprozess ausklammern müsse, um die russisch-amerikanischen Beziehungen zu verbessern und damit jene Ergebnisse zu erreichen, auf die Donald Trump hofft. Genau dieses Rezept hören wir ständig von Putin. Das ist der Geist von Anchorage: „Lasst uns übers Geld reden. Lasst uns nach für beide Seiten vorteilhaften Formen der Zusammenarbeit suchen. Ihnen wird es gut gehen, uns wird es gut gehen, Sie werden sehr viel Geld verdienen. Aber es gibt eine Bedingung: Vergessen Sie die Ukraine. Geben Sie mir die Möglichkeit, mit ihr fertigzuwerden.“

Wenn Sie fragen, was der Geist von Anchorage ist, dann ist genau das Putins Vorstellung von diesem Geist: „Trump hat mir die Ukraine überlassen und gesagt, dass er sich nicht mehr einmischen wird.“ Das Paradoxe ist jedoch, dass Trump sich das mit Blick auf die öffentliche Meinung nicht erlauben kann. Natürlich könnte sein Wunsch, diese Beziehungen zu Moskau wiederherzustellen, sogar größer sein als sein Wunsch, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Aber das lässt sich nicht umsetzen. Und deshalb erscheint auch sein neuer Plan, Geiseln gegen Sanktionen einzutauschen, ziemlich unrealistisch.

Ich beantworte einige Fragen, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Trump zeigt also Schwäche, indem er Putin zum G20-Gipfel einlädt. Woher kommt Trumps Entscheidung, den Handel noch vor Kriegsende wieder aufzunehmen?

Portnikov: Nun, mir scheint, ich erkläre das während dieser gesamten Sendung: Das ist keine Frage der Schwäche, sondern eine Frage des Interesses. Es geht darum, dass für Trump die Möglichkeit, Geld zu verdienen, wesentlich wichtiger ist als die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges. Natürlich wäre es für ihn nicht schlecht, wenn Putin zumindest teilweise einer Waffenruhe im russisch-ukrainischen Krieg zustimmen würde und Trump selbst nicht wie jemand aussähe, der mit einem Kriegsverbrecher Handel treibt. Wie Sie jedoch sehen, ist Trump in Wirklichkeit sogar bereit, Putin zu einem prestigeträchtigen Gipfel einzuladen, obwohl gerade jetzt eine weitere Runde der Eskalation des russisch-ukrainischen Krieges stattfindet. Was soll man dazu sagen? Wir verstehen das alles sehr gut: In Wirklichkeit steht in diesen Beziehungen die Idee des eigenen Interesses im Mittelpunkt. Und das ist keine Schwäche.

Frage: Die Alternative für Deutschland gewinnt in Deutschland die Wahlen mit dem Slogan „billiges Gas aus Russland“. Könnten das Graham-Gesetz und die entsprechenden Zölle im Falle einer Wiederaufnahme der Lieferungen auch auf Deutschland angewendet werden? Warum sagt man das den Wählern nicht?

Portnikov: Nun, vielleicht deshalb, weil die Führung der Alternative für Deutschland davon ausgeht, dass gegen ein Deutschland, das von politischen Gesinnungsgenossen Trumps regiert wird, keine Sanktionen verhängt werden. Zweitens müsste Deutschland, um unter Sanktionen der Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit dem Kauf russischer Energieträger zu fallen, zu den fünf Ländern gehören, die die größten Mengen dieser Energieträger kaufen. Bislang gibt es keinerlei Grundlage für die Annahme, dass Deutschland tatsächlich zu diesen fünf Ländern gehören wird. Drittens muss man nicht eigens erklären, dass die Alternative für Deutschland derzeit keine Möglichkeit hat, die Bundestagswahl in Deutschland zu gewinnen.

Ja, sie ist heute die populärste der deutschen Parteien. Das stimmt, aber ihre Popularität ist zwischen den ost- und westdeutschen Bundesländern ungleich verteilt. Am populärsten ist diese Partei mit ihrer eindeutig rechtsextremen Ausrichtung auf dem Gebiet der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, wo es, wie wir sehen, keine wirkliche Entnazifizierung gab, sondern die Entnazifizierung durch Kommunisierung ersetzt wurde. Und das macht sich bis heute, 35 Jahre nach dem Zusammenbruch des deutschen Kommunismus, bemerkbar und wird sich noch viele Jahrzehnte bemerkbar machen. Im westlichen Teil Deutschlands ist die Alternative dagegen keineswegs so populär. Selbst wenn wir uns vorstellen, dass sie im nächsten Bundestag eine große Fraktion haben wird, bedeutet das nicht, dass andere politische Parteien mit ihr eine Koalition eingehen werden.

Das ist das eigentliche Problem, über das man sprechen muss. Gerade gegenüber der Alternative für Deutschland gilt derzeit eine Regel, die keine der politischen Kräfte des Landes einen Dialog mit dieser extremistischen Organisation führen lässt. Aber niemand hat gesagt, dass das ewig so bleiben wird. Und gerade der Fall dieser Barriere ist heute eine der Hauptaufgaben im Zusammenhang mit der deutschen Alternative. Man muss verstehen, dass gerade eine Situation, in der alle Parteien demokratischer Ausrichtung nicht mit der Alternative für Deutschland zusammenarbeiten wollen, sie zu einer marginalen politischen Kraft machen kann, selbst wenn sie die größte Fraktion im Parlament stellen sollte. Sich allerdings vorzustellen, dass die Alternative für Deutschland unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen in Deutschland eine absolute Mehrheit erringen könnte, ist, gelinde gesagt, unrealistisch.

Andererseits erinnern wir uns sehr gut daran, wie Extremisten in Deutschland zur Zeit des Reiches an die Macht kamen, wie sie eine marginale Partei waren, wie sie bei jeder neuen Wahl – damals waren es vorgezogene Wahlen, in Deutschland herrschte eine schwere politische Krise – immer mehr Einfluss gewannen, der es Adolf Hitler später ermöglichte, Reichskanzler Deutschlands zu werden. Und das, obwohl seine Partei damals keine Mehrheit im Reichstag hatte, und später das deutsche Mehrparteiensystem abzuschaffen und durch das Einparteiensystem der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei mit ihm selbst an der Spitze zu ersetzen. In jedem Fall sind das zweifellos sehr gefährliche und sehr ernste Signale, über die ebenfalls gesprochen werden muss, wenn wir die Situation im Zusammenhang mit der Alternative diskutieren.

Frage: Auf wie viel Prozent schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit eines russischen Angriffs auf die baltischen Staaten in diesem Jahr? Nicht unbedingt eine Bodeninvasion, möglicherweise gerade massive Luftangriffe.

Portnikov: Ich sehe bislang keinerlei Grundlage für die Annahme, dass Russland zu irgendwelchen massiven Luftangriffen auf europäische Länder übergehen wird. Ich glaube, Russland wird keine amerikanische Reaktion riskieren und nicht das Risiko eingehen, dass es zu einer tatsächlichen militärischen Konfrontation mit NATO-Staaten kommen könnte. Ich denke, dass all diese Geschichten mit europäischen Ländern in Wirklichkeit im Rahmen eines hybriden Krieges weitergehen werden, gerade um ihre Gesellschaften dazu zu bringen, der Ukraine nicht mehr zu helfen.

Für die nächsten Jahre ist Putins Hauptziel, das Hauptziel des russischen Staates und der russischen Armee, gerade der Kampf gegen die Ukraine mit dem Ziel, die Staatlichkeit unseres Landes zu vernichten. Das ist Aufgabe Nummer eins. Ja, eine Ausweitung des Krieges ist bei der Verfolgung eines solchen Ziels unvermeidlich, aber diese Ausweitung muss keineswegs mit massiven Bombardierungen und Ähnlichem verbunden sein. Es kann einfach ein hybrider Krieg sein. Es kann darum gehen, die europäischen Gesellschaften davon zu überzeugen, für Politiker zu stimmen – wie wir gerade darüber gesprochen haben –, die bereit sind, sich mit Russland zu verständigen und die Hilfe für die Ukraine einzustellen.

Und das sind nicht einfach irgendwelche Worte. Sie haben gehört, dass Marine Le Pen trotz all ihrer Verurteilung des russischen Vorgehens in der Ukraine bereits jetzt dafür eintritt, die ohnehin nicht besonders umfangreiche Militärhilfe Frankreichs für die Ukraine zu kürzen, mit den Worten: „Wir brauchen sie selbst.“ Und ich schließe keineswegs aus, dass genau dasselbe auch in jenen europäischen Ländern geschehen wird, in denen entweder rechtspopulistische oder linkspopulistische Kräfte an die Macht kommen.

Und die Destabilisierung der Lage in Europa durch einen hybriden Krieg, wie wir nach dem Feuerwerk russischer Sabotageakte in Deutschland gesehen haben, kann genau eine solche Situation sein, die dem Präsidenten der Russischen Föderation nützt. Und das werden keineswegs massive Angriffe sein. Massive Angriffe wird es in den kommenden Jahren der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation gegen die Ukraine geben. Und das muss jeder verstehen, der die Perspektiven des Krieges und des Konflikts beurteilt, die auch nach einem möglichen Ende seiner heißen Phase irgendwann weiterbestehen werden.

Frage: Wie beurteilen Sie die Situation mit Südkorea?

Portnikov: Ich habe heute ausführlich über die Situation mit Südkorea gesprochen. Ich werde mich nicht wiederholen. Ich möchte nur eines sagen: Mich erstaunt, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen, die in der Regel nichts von den Besonderheiten der südkoreanischen Politik verstehen, ausgerechnet die ukrainische Führung, Präsident Zelensky, für die Reaktion Seouls verantwortlich gemacht hat.

Ich werde jetzt nicht die Frage nach der Professionalität der Menschen erörtern, die Präsident Zelenskys Rede geschrieben haben, und auch nicht darüber sprechen, inwieweit der ukrainische Präsident diese Rede grundsätzlich selbst vorbereitet hat oder ob sie für ihn geschrieben wurde, und wie ernst die Stimmung in Seoul hinsichtlich der Geheimhaltung der Information über die Übergabe nordkoreanischer Soldaten, die auf der Seite Russlands gekämpft hatten, an Südkorea war.

Nein, ich möchte einfach etwas anderes sagen: In Südkorea sind in Wirklichkeit Menschen von der Demokratischen Partei an die Macht gekommen, die für ihren Wunsch bekannt sind, gute Beziehungen zur Volksrepublik China wiederherzustellen und die Beziehungen zu Nordkorea zu normalisieren, die von ihren Vorgängern blockiert worden waren, weil diese sich in erster Linie an den Vereinigten Staaten orientierten. Das sind unterschiedliche außenpolitische Kurse. Und auch das muss man ganz klar verstehen.

Und der derzeitige Präsident Südkoreas sucht schlicht nach einem Vorwand, um selbst die indirekte Hilfe für die Ukraine zu blockieren – denn direkte Hilfe für die Ukraine darf nach koreanischem Recht nicht geleistet werden – und gleichzeitig nicht in die scharfe Kritik der Opposition zu geraten, die nichts sehnlicher wünscht, als diesen Präsidenten im Gefängnis zu sehen, dort, wo sich sein Vorgänger befindet. Und das sind keine bloßen Redewendungen, denn auch der derzeitige Präsident hat bereits eine ganze Reihe von Antikorruptionsermittlungen durchlaufen.

In dieser Situation können wir also, wie Sie verstehen, davon sprechen, dass Zelenskys Erklärung über die Übergabe der Kriegsgefangenen an Seoul vom südkoreanischen Präsidenten lediglich dazu genutzt wurde, seine Ziele hinsichtlich einer Verbesserung der Beziehungen entlang der Achse Seoul–Peking–Moskau zu verfolgen. Und hätte es diese Rede Zelenskys nicht gegeben, hätte Seoul einen anderen Vorwand gefunden. Man kann sagen, man sollte keine zusätzlichen Vorwände liefern – vielleicht. Aber das ist nicht der Kern der Situation. Und auch die Behauptungen, wir hätten irgendwelche vorteilhaften Rüstungsverträge verloren, Korea hätte uns dieses oder jenes geliefert, zeugen wiederum von einem völligen Unverständnis der innenpolitischen Realitäten Südkoreas und dessen, was dort hinsichtlich der Unterstützung unseres Landes überhaupt geschehen kann.

Frage: Die Türkei führt täglich Dutzende Flüge über NATO-Staaten nach Russland durch und unterhält zudem wirtschaftliche Beziehungen mit Russland. Welche Rolle wird sie in einem möglichen Krieg zwischen der NATO und Russland spielen?

Portnikov: Die Türkei ist Mitglied der NATO. Und erstens sehe ich keinerlei Grundlage für die Annahme, dass es einen Krieg zwischen der NATO und Russland geben wird. Der Krieg wird zwischen der Ukraine und Russland weitergehen, gerade weil die Ukraine kein NATO-Mitglied ist. Menschen, die glauben, dass es einen Krieg zwischen Russland und der NATO geben wird, werden mit ihren Prognosen danebenliegen. Einen hybriden Krieg wird es gerade deshalb geben, weil die Vereinigten Staaten nicht bereit sind, sich in die Situation in Europa einzuschalten. Die Türkei wird ihre Verpflichtungen gegenüber der NATO erfüllen, zugleich aber in diesem hybriden Krieg ein Land bleiben, das eine neutrale Position einnimmt. Zumal Präsident Erdoğan bereits gezeigt hat, dass er in einer schwierigen Situation sogar ein russisches Flugzeug abschießen kann, was sich kein europäisches Land erlauben kann. Auch daran kann man erinnern.

Frage: Wenn Putin unerwartet stirbt, wen bereitet er als seinen Nachfolger vor?

Portnikov: Was heißt „unerwartet stirbt“? Jeder Mensch stirbt irgendwann, das ist ein Naturgesetz, und Putin ist nicht unsterblich. Aber er bereitet keinen Nachfolger für sich vor. Nachdem der Präsident der Russischen Föderation auf die eine oder andere Weise von der politischen Bühne verschwunden ist, kann es im Rahmen jenes tschekistischen Regimes, das auch ohne Putin in der Russischen Föderation weiter herrschen wird, zu einem ernsthaften Machtkampf kommen. Und glauben Sie mir, dieses Regime wird an der Idee festhalten, den Fehler von 1991 zu korrigieren, also das Territorium des russischen Staates bis zu den Grenzen der ehemaligen Sowjetunion wiederherzustellen. Zweifeln Sie nicht daran, dass Putins Abgang von der politischen Bühne nichts an den russischen Absichten ändern wird.

Der Machtkampf und ein vorsichtigerer Umgang mit solchen Dingen könnten jedoch für eine gewisse Zeit den Krieg Russlands gegen die Ukraine von einem realen Krieg, wie wir ihn heute erleben, in einen hybriden Krieg oder in wirtschaftlichen Druck und so weiter und so fort überführen. Und wir werden diese wenigen Jahre nutzen müssen, um uns ernsthaft auf eine neue erbitterte Konfrontation mit Russland vorzubereiten. Obwohl unsere Gesellschaft dann sagen wird, alles sei vorbei, Putin sei weg, jetzt müsse man erst einmal leben – und später wieder leiden, wenn dann nicht mehr Putin, sondern jemand nach ihm ein neues blutiges Gemetzel unter den Ukrainern anrichtet.

Und sagen Sie nicht, dass es nicht so kommen wird, denn gerade nach 2014 entstand jenes Meme, das zeigte, wie verzerrt eine enorme Zahl unserer Landsleute die Realität wahrnahm: „Sonst greift Putin noch an.“ Ich muss Sie daran wohl nicht erinnern. Sie erinnern sich selbst sehr gut daran. In dieser Hinsicht können wir also keinen Zweifel daran haben, dass es zu einer solchen Entwicklung kommen kann.

Frage: Könnte Russland einer Energiewaffenruhe zustimmen, in Wirklichkeit aber weiterhin die ukrainische Infrastruktur beschießen und im Falle ukrainischer Vorwürfe behaupten, es handele sich um eine Provokation?

Portnikov: Nein. Wenn irgendwelche Vereinbarungen über eine Energiewaffenruhe geschlossen werden sollten – wofür ich bislang überhaupt keine Grundlage sehe –, könnte es einzelne sporadische Angriffe geben, aber solche massiven Angriffe der Ukraine gegen Russland und Russlands gegen die Ukraine wird es nicht geben. Zweifeln Sie nicht daran: Bestimmte Angriffe wird es geben. Selbst wenn der russisch-ukrainische Krieg abflaut, werden wir in einer Welt sporadischer Angriffe und Zusammenstöße an der Kontaktlinie der Truppen leben. Das ist alles unsere Zukunft. In absehbarer Zeit wird sie einfach nicht mehr anders sein. Aber einen solchen Krieg, wie wir ihn jetzt erleben, genau in diesen Minuten, in denen wir miteinander sprechen, könnte es eine gewisse Zeit lang nicht geben. Es könnte eine Unterbrechung des Krieges geben.

Ich habe immer gesagt, dass wir – und ich möchte das am Ende dieses Gesprächs noch einmal wiederholen – vor einer einfachen Wahl stehen. Entweder die Formel: langer Krieg und kurze Friedensperiode. Das ist die Formel, nach der wir in den 20er- bis 40er-Jahren des 21. Jahrhunderts höchstwahrscheinlich leben werden. Oder die Formel: kurze Kriege und langer Frieden. Diese Formel müssen wir erreichen. Dafür müssen wir uns jedoch die Illusion aus dem Kopf schlagen, dass es Frieden als solchen geben kann. Ein langer Frieden mit kurzen blutigen Kriegen ist für die Ukraine in den kommenden Jahrzehnten die beste Existenzform. Die Alternative sind kurze Friedensperioden und lange Kriege. Und genau in dieser Realität leben wir jetzt. Und leider sehen wir bislang nicht einmal den Ansatz eines politischen Auswegs aus ihr.

Hoffen wir, dass dieser Ausweg dank der Anstrengungen unserer Streitkräfte gefunden wird und nicht dank Trump und Coale. Und ich möchte Sie daran erinnern: Bitte unterstützen Sie die Streitkräfte, unterstützen Sie vertrauenswürdige Spendenaktionen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Новий план Трампа | Віталій Портников. 29.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Das wahre Ziel des Besuchs des CIA-Direktors: Die USA warnten vor Russlands Zusammenbruch | Vitaly Portnikov. 30.09.2026.

Das Hauptziel der Reise von CIA-Direktor John Ratcliffe in die russische Hauptstadt könnte eine Warnung vor einem unausweichlichen Zusammenbruch der Wirtschaft der Russischen Föderation im Falle einer Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine gewesen sein. Medien veröffentlichen Angaben eines westlichen Diplomaten, der darüber informiert ist, was der US-Geheimdienst CIA seinen Partnern in westlichen Hauptstädten nach dem Aufenthalt seines Direktors in Moskau mitgeteilt hat.

Zuvor waren zu dieser Mission unterschiedliche Vermutungen geäußert worden, doch nun sprechen wir davon, dass der CIA-Direktor versucht habe, den russischen Präsidenten davor zu warnen, dass der Krieg in einer Sackgasse steckt, die Vereinigten Staaten nicht beabsichtigen, ihre weitere Unterstützung für die Ukraine aufzugeben, und eine Fortsetzung der Kampfhandlungen somit den Zusammenbruch des wirtschaftlichen Potenzials Russlands zur Folge haben könnte.

Zum einen, weil die russische Wirtschaft rein physisch nicht in der Lage ist, diesen Krieg zu bewältigen. Zum anderen, weil zu den unvermeidlichen Problemen dieser Wirtschaft auch noch die ukrainischen Drohnenangriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation sowie auf andere für Moskau wichtige Objekte der russischen Wirtschaftsinfrastruktur hinzugekommen sind.

Man kann also davon ausgehen, dass der CIA-Direktor versucht hat, den russischen Präsidenten und seine anderen Gesprächspartner in Moskau dazu zu bewegen, Verhandlungen über ein Ende des Krieges aufzunehmen – Verhandlungen, zu denen Putins amerikanischer Amtskollege Donald Trump ihn bereits im zweiten Jahr vergeblich zu bewegen versucht.

Allerdings stellt sich die Frage, wie verlässlich die Informationen über dieses Ziel des Besuchs des CIA-Direktors in der russischen Hauptstadt waren und inwieweit der russische Präsident bereit ist, auf die amerikanischen Einschätzungen zu hören.

Ich habe praktisch keinen Zweifel daran, dass auch die für Wirtschaftsfragen zuständigen Minister der russischen Regierung Putin über die ernsten Probleme informieren können, die in der russischen Wirtschaft infolge von viereinhalb Jahren des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine sowie der westlichen Sanktionen entstanden sind. Somit kann man davon ausgehen, dass diese mit der Fortsetzung des Krieges verbundenen Handlungen der russischen Führung objektive Probleme für die russische Wirtschaft verursachen, von denen man auch in der russischen Regierung weiß.

Putin kann jedoch sowohl die Warnungen seiner eigenen Minister als auch die Einschätzung des CIA-Direktors ignorieren. Mehr noch: Die Einschätzungen des US-amerikanischen CIA-Direktors könnten in Putins Augen die Schlussfolgerungen seiner eigenen Beamten nur diskreditieren, weil er daraus schließen könnte, dass die Vereinigten Staaten ihn dazu drängen, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden, ohne jenes ersehnte Ergebnis erreicht zu haben, für das Putin diesen Krieg überhaupt begonnen hat: nämlich die Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit, die Eingliederung ihres ehemaligen Territoriums in die Russische Föderation und das Vorrücken russischer Armeen bis an die Grenzen der NATO-Mitgliedstaaten.

Putin könnte dies für ein so bedeutendes und gewichtiges Ergebnis für seine eigene politische Karriere und die Ausweitung seines eigenen Einflusses halten, dass er bereit ist, die Risiken für die russische Wirtschaft zu ignorieren. Zumal dieser Mensch nie in der Lage war, etwas von realer Wirtschaft zu verstehen, und all jene unmittelbaren Herausforderungen, die für Russland stets bestanden haben, faktisch ignorierte.

Putin ist der Präsident der hohen Ölpreise. Man muss kein großer Politiker sein, um zu entscheiden, wie man das Geld ausgibt, das infolge der Energieeinnahmen, jener berühmten Petrodollars, in den Staatshaushalt fließt. Und selbst unter diesen Bedingungen blieb die Russische Föderation für die überwiegende Mehrheit ihrer Einwohner ein armes, marginalisiertes Land ohne auch nur die Aussicht auf sozialen Aufstieg.

Übrigens war es gerade das, was Putin ermöglichte, eine riesige Armee von Söldnern aufzubauen, die heute gegen die Ukraine kämpfen. Denn für diese Menschen gab es schlicht keinen anderen Weg des sozialen Aufstiegs, als sich an der Tötung von Ukrainern zu beteiligen.

Und dann stellt sich die Frage: Wofür wurden die russischen Petrodollars während der Jahrzehnte von Putins Herrschaft eigentlich ausgegeben?

Die Antwort darauf ist ziemlich einfach. Der überwiegende Teil des Geldes floss in die Bedürfnisse einer korrupten Beamten- und Oligarchenelite, die glaubte, das große Los gezogen zu haben. Ein weiterer großer Teil des Geldes floss in die Vorbereitung auf den Krieg – auf den Krieg gegen die Ukraine, auf den Krieg gegen den Westen, auf die sogenannte Korrektur des Fehlers von 1991, die zur Ausdehnung der Russischen Föderation bis an die Grenzen der ehemaligen Sowjetunion führen sollte.

Anstatt also mithilfe des Petrodollar-Booms ein modernes Land und ein wohlhabendes Leben für alle seine Einwohner aufzubauen, haben Putin und sein Umfeld das Land schlicht ausgeplündert und es zugleich in eine militarisierte Festung verwandelt.

Und dann stellt sich die Frage, warum Putin den Einschätzungen des Direktors des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA zustimmen sollte, wenn er selbst in den 26 Jahren seiner praktisch ununterbrochenen Herrschaft in der Russischen Föderation genau jenen Staat geschaffen hat, von dem er immer geträumt hat und von dem Generationen von Mitarbeitern des ehemaligen Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion und später des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation geträumt haben. Endlich leben diese Menschen genau in jenem Staat, der ihnen gefällt: in einer Diktatur ohne kommunistische Partei.

Warum sollten sie also etwas ändern? Warum sollten sie den Krieg beenden, wenn der Krieg ein wichtiges Instrument zur Aufrechterhaltung ihres totalitären und brutalen Regimes bleibt? Deshalb würde ich nicht darauf hoffen, dass bei Putin irgendein wirkliches Verständnis der Situation erwacht.

Andererseits hat in der Geschichte der Menschheit auch noch niemand die objektiven Gesetzmäßigkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung außer Kraft gesetzt. Und Putin wird früher oder später mit ihnen konfrontiert werden. Wichtig ist nur, dass die Ukraine bis zu jenem Zeitpunkt, an dem die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten nicht mehr zugunsten des russischen Regimes wirken, ihren Kampf um ihre Existenz fortsetzt und bis dahin nicht zu einem zerstörten Land geworden ist, dessen Territorium von russischen Besatzern kontrolliert wird. Das ist, könnte man sagen, die zentrale Herausforderung dieses Krieges in seiner nächsten Phase.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Справжня мета візиту директора ЦРУ: США попередили про крах Росії | Віталій
Портников. 30.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Kein Recht auf blinden Glauben und Selbsttäuschung über die „Gewissheit eines Nichtangriffs“. Der Test für Artikel 5 der NATO. Interview mit dem schwedischen öffentlich-rechtlichen Sender SVT vom 22.08.2026. Robert „Magyar“ Brovdi

Interview des Kommandeurs der Unbemannten Systeme Robert „Magyar“ Brovdi mit dem schwedischen öffentlich-rechtlichen Sender SVT vom 22.08.2026. Die Chronologie des Interviews wurde geändert. Die aktuellen Themen befinden sich im zweiten Teil, deshalb beginnen wir mit diesem.

Magyar:All das habe ich bisher unter einem positiven Vorzeichen dargestellt. Jetzt komme ich zur negativen Seite. Der Gegner schläft ebenfalls nicht, und der Gegner ist ernst zu nehmen. Was die Unterbindung seiner Finanzierungsquellen betrifft, sind wir noch sehr weit davon entfernt, sie auch nur hypothetisch vollständig unterbinden zu können. Putin hat den Ausbau seiner Militärmaschine keine Minute lang gestoppt.

Die Finanzierung der Entwicklung von Drohnen und neuen Militärtechnologien, die kontinuierliche Produktion von Luftverteidigungssystemen, die Ausweitung der Produktion verschiedener Raketentypen, die bevorstehende Mobilisierung – all das zeugt davon, dass er die militärischen Fähigkeiten des Staates kontinuierlich ausbaut. Und dabei geht es nicht um Atomwaffen, nicht einmal um taktische.

Es geht um die Beschaffung billiger Waffen, mit denen sich Wirkung erzielen lässt. Nehmen wir die der ganzen Welt bekannten Shaheds, die wir täglich mit einer gewissen Regelmäßigkeit abfangen. Stand August sind das im Durchschnitt 300 Stück pro Tag. Und es gibt weltweit keine einzige Armee, die darauf vorbereitet ist, im laufenden Betrieb eine solche Menge an Loitering Munition abzuwehren. Am Montag 300, am Dienstag 300, am Mittwoch 300, am Freitag 300. Dazwischen zwei Raketenangriffe mit jeweils 30 oder 50 Raketen aus verschiedenen Richtungen. Und dafür traditionelle Mittel zur Abwehr ballistischer Raketen und Shaheds einzusetzen, kann keine Volkswirtschaft der Welt stemmen. Es geht ausschließlich um neue, moderne und kostengünstige Technologien.

Und Putin versteht die Wirksamkeit dieser Waffen. Ebenso versteht Putin, dass den NATO-Mitgliedstaaten eine klare und beständige Position fehlt. Deshalb erlaubt er sich die Rhetorik, dass die NATO-Staaten bereits in diesen Krieg hineingezogen seien und unmittelbar daran teilnähmen.

Was glauben Sie: Wird Putin seine Ambitionen jemals aufgeben, doch noch in das Territorium von NATO-Mitgliedstaaten einzudringen, um wieder jemanden zu „befreien“, zu „retten“ und irgendetwas mit irgendetwas zu „vereinigen“? Nehmen wir als Beispiel die baltischen Staaten, die Putin als Bruchstücke der ehemaligen Sowjetunion im Rahmen seiner imperialen Ambitionen und Vorstellungen gerne wieder zusammenfügen würde, indem er alle in der guten alten Sowjetunion vereint. Deshalb gebe ich Ihnen drei zentrale Quintessenzen, aber hören Sie mir bitte zu.

  • Erstens. Ein „Kyiv in drei Tagen“ wird es nie wieder geben, aber ob es die baltischen Staaten nicht innerhalb eines Tages treffen könnte, da bin ich mir nicht sicher.
  • Zweitens. Die Drohne ist ohne jede Dramatisierung eine reale Plage des dritten Jahrtausends. Die Mathematik belegt das.
  • Drittens. Die NATO-Partnerstaaten irren sich sehr – mir ist das Wort entfallen – sie überschätzen ihre eigene Bereitschaft erheblich, dem Druck einer feindlichen Armee standzuhalten, die moderne Technologien einsetzt und die derzeit von der Ukraine bei Russlands Offensive aufgehalten wird.

Die NATO-Staaten sind auf einen Drohnenkrieg nicht vorbereitet. Punkt. Wie auch immer die geopolitischen Karten am Ende liegen mögen, was auch immer die großen Staaten über eine mögliche Beendigung des Krieges in der Ukraine und Ähnliches vereinbaren mögen: Putin wird seine Militärmaschine nicht einmal für eine zehnminütige Abkühlung des Motors abstellen. Er wird diese Maschine weiter antreiben und Personal, Bewaffnung und Technologien maximal ausbauen, um den nächsten Schritt zu machen.

Und das ist keine leere Erklärung. Im Rahmen unserer Kommunikation und Zusammenarbeit mit den militärischen Führungen ausnahmslos aller NATO-Mitgliedstaaten geben wir unsere vorrangigen Empfehlungen für die Umsetzung der ersten Schritte, die bereits jetzt notwendig sind, um einen Angriff Putins auf Sie zu verhindern – einen erfolgreichen Angriff. Die ersten fünf Schritte zur sofortigen Umsetzung innerhalb von drei, sechs und zwölf Monaten wurden der politischen und militärischen Führung der NATO nicht nur übermittelt, sie wurden von mir bereits weltweit öffentlich gemacht. Sie wurden einfach veröffentlicht, ausgesprochen, von Journalisten wiedergegeben und in der ganzen Welt verbreitet. Man muss handeln, es gibt keine Zeit.

Was die Ukraine betrifft, liegt bereits alles offen zutage. Die Legalisierung der Mobilisierung, die Bekanntgabe und Umsetzung der Mobilisierung durch Putin, die Ausweitung der Angriffe mit Shaheds – sowohl mit strahlgetriebenen als auch mit gewöhnlichen –,und die Ausweitung gleichzeitiger Raketenangriffe. Ich spreche hier nicht von ballistischen Raketen, sondern von einer gleichzeitigen Salve aller Raketentypen, die Putin im Krieg gegen die Ukraine standardmäßig einsetzt, mit dem Ziel, unsere Infrastruktur zu zerstören, der Zivilbevölkerung das Leben in friedlichen Städten unmöglich zu machen und direkten genozidalen Terror gegen die Zivilbevölkerung auszuüben. Er kann auf dem Schlachtfeld keine Erfolge erzielen, er kann seinem Volk keine wirklichen Erfolge vorweisen. Also verlagert er den Schwerpunkt seiner Angriffe darauf, für die Einwohner, für die Zivilbevölkerung der Ukraine einen Albtraum zu schaffen.

Wir wissen, was dagegen zu tun ist. Aber auch hier liegt allem die Mathematik zugrunde, die nicht ausschließlich von uns abhängt. Zu dieser Art von Mathematik gehört auch die Beteiligung der Partner in Form rechtzeitiger – nicht nur angekündigter, sondern rechtzeitiger – finanzieller Unterstützung.

Es gibt auch kostenlose Schritte, die jedoch stark politisiert sind. Der wichtigste kostenlose, aber politische Schritt ist die Freigabe des Betriebs der Starlink-Satelliten über einem Teil des russischen Territoriums. Wir bekämpfen Drohnen, die über unser Territorium fliegen, aber wir haben nicht genügend Möglichkeiten, die Abschussvorrichtungen für Raketen und dieselben Shaheds zu bekämpfen, deren Standorte wir kennen, für die wir jedoch eine Kommunikationsverbindung brauchen.

Wir haben das in den vorübergehend besetzten Gebieten bewiesen. Aus den vorübergehend besetzten Gebieten setzt der Gegner heute bei massiven Raketenangriffen keine Raketen mehr ein, weil wir dafür gesorgt haben, dass dort keine Abschussvorrichtungen stationiert werden können. Irgendwo dort gibt es vielleicht noch welche, aber sie verstecken sich und werden nicht massenhaft eingesetzt.

Alle Starts erfolgen ausschließlich von russischem Territorium, vom Süden bis ganz in den Norden, von Rostow und Taganrog bis zu den Gebieten Brjansk, Kursk, Belgorod und so weiter. Wir kennen jede Zone, in der sich diese Abschussvorrichtungen befinden. Aber um sie zu zerstören, brauchen wir offene Augen. Keine Versprechen – offene Augen. Und dann werden wir das in kurzer Zeit bewältigen, innerhalb weniger Wochen.

Drittens – ich bin noch nicht fertig. Drittens geht es darum, dass die entscheidenden NATO-Partnerstaaten die Notwendigkeit einer Neuausrichtung und Überarbeitung ihrer eigenen Sicherheitsdoktrinen selbst erkennen und unverzüglich akzeptieren. Nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern wirklich akzeptieren. Und zwar sofort. Sofort. Wissen Sie, die Ukraine wird Ihre Länder ganz sicher mit Drohnen versorgen können, falls auf Ihrem Territorium plötzlich ein Krieg beginnt. Das kann ich heute mit Sicherheit sagen. Aber die Ukraine wird Ihnen ganz sicher nicht die Beteiligung ihrer Soldaten zur Verfügung stellen können, die Sie verteidigen werden. Wir werden schlicht nicht für Sie alle ausreichen. Und wenn Sie eine derart enge Zusammenarbeit mit uns haben, Zugang zu Analysen, zur Geschichte der Ereignisse, zu deren Auswertung und zur Übernahme unserer Erfahrungen, dann ist es, gelinde gesagt, gefährlich, jetzt keine neuen Entscheidungen für die eigene Sicherheit umzusetzen. Und das ist Ihre künftige Herausforderung.

Sie erinnern sich: Die Drohne ist die Plage des dritten Jahrtausends. Und ich scherze nicht. Außerhalb eines Krieges, in den Händen eines Terroristen oder einfach eines Rowdys, der ein Fußballspiel in einem Stadion mit 100.000 Zuschauern sprengen will. Der 11. September – ich weiß nicht mehr, in welchem Jahr – musste in den Vereinigten Staaten geschehen, damit sämtliche Fragen der Sicherheit im Luftverkehr neu überdacht wurden. Ein moderner 11. September ist in Europa noch nicht geschehen, obwohl Drohnen in Leipzig bereits den Flughafen erreicht haben und, Gott sei Dank, nicht explodiert sind.

Wenn es um die Sicherheit jedes einzelnen Penthouses in einem Hochhaus irgendeiner Stadt und um den sicheren Aufenthalt irgendeiner VIP-Person darin geht, eines Bankdirektors, einer finanziell bedeutenden Person, eines Industrieunternehmers oder sonst jemandes, dann werden sie weder in die Keller gehen können, um dort zu arbeiten, noch sich in einem Hochhaus sicher fühlen können. Seien Sie sich dessen sicher. Ich drohe nicht, ich stelle fest. Selbst für den Beruf des Scharfschützen wird nicht einmal mehr in der Kriminalität Platz bleiben. Im Krieg ist der Scharfschütze bereits nicht mehr gefragt.

Frage: Eine persönliche Frage zu Ihrem Hintergrund. Was hat Sie auf Ihre jetzige Position vorbereitet? Ihre Vergangenheit? Vielleicht Ihre Rolle als Geschäftsmann, vielleicht irgendeine andere Erfahrung. Wie sind Sie hierhergekommen? Und nicht einfach nur hierhergekommen, sondern so erfolgreich. Was hat Sie am meisten darauf vorbereitet?

Magyar: Ich bin Ukrainer. Das ist das Erste. Zweitens bin ich Eigentümer von etwas Eigenem – eines Baumes, eines Hauses, eines Unternehmens, egal. Drittens bin ich Vater. Viertens ist das mein Land. Was zum Teufel soll das? 

Und dann ist da einfach dieses einzigartige Phänomen, für das es in der Geschichte vermutlich kein Gegenstück gibt: dass im Jahr 2022 die absolute Mehrheit der Widerstandskräfte aus Zivilisten verschiedenster Berufe bestand, die einfach innerhalb von fünf Tagen zu den Waffen griffen, jeder in seinem Gebiet.

Neben Mut und Patriotismus ermöglichte das, den kollektiven Verstand verschiedener Berufsgruppen an einem Ort zu konzentrieren, ausgerichtet auf die Lösung eines einzigen konkreten Problems. Keine spezialisierte militärische Erfahrung, sondern der gemeinsame kollektive Verstand von Ärzten, Ingenieuren, Sportlern, Gaunern, Geschäftsleuten – von wem auch immer. 

Die Ideen jedes Einzelnen waren anfangs auf das Überleben gerichtet, konzentrierten sich später auf die Vernichtung des Gegners mit allen verfügbaren Mitteln und im nächsten Schritt auf die Skalierung dieser Lösungen und ihre Implementierung in jene Armee, in deren heutiger Form sie jetzt am Krieg teilnimmt. Und in den meisten dieser Gruppen von Menschen verschiedener Berufe fanden sich Projektmanager, die sich schnell orientierten und faktisch die Koordinierung all dieser Handlungen übernahmen.

Das ist der grundlegende Unterschied zu einer klassischen Armee irgendeines Landes der Welt. Kein eng spezialisiertes Berufsbild, sondern kollektiver Verstand. Kollektiver Verstand, gesteuert von einem Projektmanager, der sich von Mathematik leiten lässt. Das ist das Wort, mit dem wir unser Gespräch begonnen haben. Kollektiver Verstand ist das Äquivalent eines Teams. Natürlich baut hier niemand ein Monopol auf oder betreibt ein „Ruhm mir, dem Geliebten“, all das sind Teams. Mit einem solchen Ansatz hat Putin in der Ukraine keine Aussicht auf Erfolg und wird sie auch nicht haben.

Bedauerlicherweise um den Preis des Lebens sowohl unserer Kameraden als auch von der Zivilbevölkerung. Schade ist, dass die Aktivität der Partner erst an der Schwelle zu humanitären Katastrophen einsetzt. Erst dann unternehmen sie jene richtigen Schritte, die rechtzeitig notwendig wären, aber letztlich unternehmen sie sie dennoch. Andernfalls werden auch die Partner in einer Situation des Zugzwangs sein, gelinde gesagt, oder in einer von vornherein verlorenen Konstellation der Zukunft.

Und wir waren und bleiben allen Partnerstaaten dankbar, denen das Geschehen in der Ukraine nicht gleichgültig ist und die uns im Rahmen ihrer Möglichkeiten helfen, sich beteiligen, uns unterstützen und so weiter. Wenn die NATO lange zum Anspannen braucht, dann haben Sie, die einzelnen Staaten, eine ganze Reihe anderer Formen von Bündnissen, zum Beispiel JEF.

Klopfen Sie deshalb an die Herzen Ihrer Einwohner, aber klopfen Sie noch stärker an die Köpfe Ihrer Führung. Ihre Sicherheit liegt in Ihren Händen, und die Drohnen werden in den Händen der Piloten Ihres Landes liegen. Vielleicht mit einem Ausbilder aus einem anderen Land, aber der Großteil der Piloten wird aus Ihrem Land kommen, ebenso wie die Infanterie. Obwohl ich natürlich wünsche, dass alle Kriege, an denen Schweden beteiligt war, ausschließlich Geschichte bleiben und nicht Zukunft werden.

Erster Teil

Frage: Nach dem, was wir sehen, ist es Ihnen gelungen, eine sehr erfolgreiche Kampagne durchzuführen. Welche Schlüsse ziehen Sie jetzt aus den Ergebnissen dieser Kampagne, nach dem, was Sie sehen?

Magyar: Von welcher Kampagne sprechen wir?

Frage: Von der Drohnenkampagne, „Mid-Strike“ und „Deep-Strike“.

Magyar: Sehen Sie, ich würde das nicht in Kampagnen messen. Ich würde es anhand etwas anderer Kriterien messen. Der groß angelegte Krieg, den Russland gegen die Ukraine entfesselt hat, hat innerhalb kurzer Zeit durch das Aufkommen eines neuen Waffentyps grundsätzlich sämtliche bisherigen Doktrinen, Ansätze und Vorstellungen über die Führung dieses Krieges verändert.

Das heißt, die Drohne, die 2022 bereits als Mittel der Kriegsführung in Erscheinung trat, ist 2025 und 2026 zum Hauptelement dieses Krieges geworden. Das heißt, es ist ein Mittel, das durch die Erfüllung seiner Aufklärungs- und Angriffsfunktionen faktisch ganze Truppengattungen ersetzt hat: Es hat die Funktion der Artillerie übernommen, die Funktion der Luftwaffe übernommen, die Funktion gepanzerter Fahrzeuge, von Panzern und so weiter übernommen.

Denn all die oben genannten Mittel sind, sobald sie in der Killzone auftauchen, nicht einmal mehr in der Lage, ihre Feuerstellungen zu erreichen. Sie werden zu Zielen, die leicht zerstört werden können. Und zwar werden sie auf asymmetrische Weise zerstört. Denn die Asymmetrie zwischen den Kosten dieser Mittel und ihrer Anzahl ist so groß, eine solche Drohne ist im Verhältnis zu einem Panzer, der mehrere zehn Millionen Dollar kostet, so billig, während dieser Panzer im Grunde nicht einmal zu einem Kampfeinsatz ausrücken kann, weil er sich in einer potenziellen Killzone befindet. Einer Killzone, deren Ausdehnung heute ausschließlich von den technischen Eigenschaften der Drohnen selbst und ihrer Anzahl in der Luft bestimmt wird.

Erstens ersetzt die Drohne heute Personal. Das heißt, die Konzentration von Drohnen auf einem Frontabschnitt ermöglicht es, weniger Personal einzusetzen, bei dessen Mobilisierung es in der Ukraine gewisse Probleme gibt. Denn im Laufe von viereinhalb Jahren hat sich unsere Mobilisierungsreserve erheblich verringert, und alle, die kämpfen wollten, kämpfen bereits.

Zweitens hat die Drohne den Krieg transparent gemacht. Früher erhielt die Infanterie Informationen aus irgendwelchen Aufklärungsberichten, Meldungen und anderen Quellen. Heute liegt all das offen zutage. Es ist in Echtzeit sichtbar, weil die Drohnen im ständigen Wechsel fliegen, einander ablösen und es ermöglichen, das Bild des Gefechts, die Art der Handlungen, die logistischen Absichten des Gegners und seine Angriffsabsichten zu kennen. Man weiß buchstäblich alles im Voraus und hat die Möglichkeit, sich vorzubereiten und entsprechende Schläge zu führen.

Drittens ermöglicht die Drohne, gleichzeitig einen Krieg in vier verschiedenen Tiefen zu führen. Das ist die Luftverteidigung im Hinterland unmittelbar nahe der Frontlinie und weiter im Landesinneren. Das ist die Arbeit auf taktischer Ebene, die Arbeit auf operativer Ebene und die Bekämpfung von Zielen in der Tiefe auf strategischer Ebene, was uns wiederum schrittweise ermöglicht, den Krieg auf das Territorium des Besatzers, auf das Territorium Russlands zurückzutragen.

Viertens, fünftens, zehntens. Ich könnte noch viele weitere Punkte nennen, aber vor allem ist die Drohne Mathematik, und Mathematik bedeutet die Möglichkeit einer angemessenen Analyse, Steuerung und Planung des Krieges. Mathematik. Alles steckt darin.

Frage: Man kann also nicht sagen, dass Deep Strikes wichtiger sind als Mid Strikes? Sie alle bilden ein Ganzes. Gibt es einen Unterschied bei der Priorität solcher Angriffe?

Magyar: Heute entfallen 95 Prozent aller Treffer gerade auf die taktische Ebene. Denn gerade auf der taktischen Ebene nutzt der Gegner sein im Vergleich zur Ukraine völlig anderes Mobilisierungspotenzial und wirft immer neue Soldaten nach vorn, um in weitere Gebiete einzusickern. Und gerade am Boden, auf taktischer Ebene, findet ein gewisses Vorrücken des Gegners zur Eroberung von Land statt. Es geschieht nicht aus der Luft, es geschieht nicht von Moskau aus, es geschieht konkret auf dem Schlachtfeld, Kilometer für Kilometer. Natürlich hat Putin, besonders im letzten halben Jahr, auf dem Schlachtfeld nicht viel vorzuweisen, deshalb hat er sich jetzt umorientiert und sich dem Terror gegen die Zivilbevölkerung zugewandt. Aber das ist ein anderes Thema.

Im Dezember 2025 haben wir den nächsten Punkt einer neuen Dimension des Krieges erreicht, als wir die Bilanz zwischen dem Zulauf und dem Ausfall gegnerischen Personals im Krieg ausgeglichen haben. Das heißt, die Zahl des vom Gegner unter Vertrag genommenen Personals entsprach der Zahl des vernichteten gegnerischen Personals. Gerade durch Drohnen haben wir diese Bilanz ausgeglichen. Das ist ein neuer Ausgangspunkt. Aber das löst das Problem nicht. Ich erkläre jetzt, warum.

Bis heute bezeichnet Putin diesen Krieg als militärische Spezialoperation und nutzt zur Auffüllung seines Personals ausschließlich das Potenzial von Vertragssoldaten. Das heißt, sie zahlen Geld und schließen Verträge ab – freiwillig oder nicht freiwillig, das spielt keine Rolle. Sie schließen Verträge mit Personen, die anschließend losziehen, um auf ukrainischem Boden zu sterben. Am 20. September finden bei Putin Wahlen statt. Und das ist die letzte Schwelle, die ihn derzeit noch davon abhält, jene verborgene Mobilisierung zu legalisieren, die in Wirklichkeit bereits stattfindet. Und dann wird er in seinem Land Menschen mit Gewalt zusammentreiben und sie zur Durchführung der sogenannten militärischen Spezialoperation schicken. 

Obwohl diese Mobilisierung jetzt noch als verdeckt und sozusagen „nicht bewiesen“ gilt, sehe ich das nicht so. Und ich analysiere sehr viele OSINT-Daten, Informationen und abgefangene Mitteilungen. Wir führen tiefgehende Analysen durch. Ich behaupte, dass diese Mobilisierung im Herbst beginnen wird, und dann werden wir auf einer ganzen Reihe von Frontabschnitten einen erheblichen Zustrom gegnerischen Personals spüren. Und diese Parität bei der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts von Zugängen und Ausfällen wird ihren Wettbewerbsvorteil verlieren, weil der Gegner erheblich mehr Personal zur Verfügung haben wird, auch wenn es unerfahren ist. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Das sind vollkommen offensichtliche Dinge.

Und um auf den ersten Teil Ihrer Frage zu antworten: Drohnen auf taktischer Ebene waren, sind und bleiben aus Sicht der Eindämmung des Gegners prioritär. Prioritär und am massenhaftesten eingesetzt. Das heißt, von den zehn Millionen Drohnen, die die ukrainische Militärindustrie heute produziert, wird die absolute Mehrheit der Systeme heute hier auf dem Schlachtfeld benötigt, innerhalb von 15 bis 30 Kilometern.

Operationen, die die operative und die strategische Tiefe betreffen, dienen der Erfüllung anderer Aufgaben. Eine gesonderte Operation rund um die Krim, ihre Blockade – Sie haben davon gehört – dient vor allem dazu, Putin die Nutzung der Halbinsel als militärischen Brückenkopf unmöglich zu machen, von dem aus er seine Operationen gegen die Ukraine führt.

Ihre nächste Aufgabe besteht darin, die Aktivitäten der Schattenflotte zu stoppen, die die besetzten Gebiete und entsprechend das Asowsche Meer mit der Straße von Kertsch nutzte, um Öl, Commodities und alles Mögliche andere abzutransportieren, das mithilfe der Hunderte Schiffe der Schattenflotte in unbegrenzten Mengen auf das offene Meer gelangte und dort zum Zweck des Verkaufs weiter umgeladen wurde.

Und diese Operation hatte eine blitzartige Wirkung. Sie wurde aus der Luft durchgeführt und brachte den Verkehr der Schattenflotte buchstäblich innerhalb von zwei Wochen zum Erliegen. Seit zwei Monaten läuft sie nun, und der Verkehr auf dem Asowschen Meer ist vollständig zum Stillstand gekommen. Die Straße von Kertsch ist blockiert. Der Verkehr auf dem Schwarzen Meer, zumindest in seinem nordöstlichen Teil, ist, gelinde gesagt, erheblich erschwert.

Auf der Krim gibt es eine ganze Reihe solcher Aufgaben. Ich werde sie nicht alle aufzählen. Ich nenne noch eine wichtige, die dritte. Die dritte ist die Logistik auf die Halbinsel und zu den südlichen Frontabschnitten, die intensiv als Landkorridor für Lieferungen auf die Halbinsel und an den südlichen Frontstreifen genutzt wurde – für die Zuführung von Personal, militärischer Ausrüstung, Munition und allem, was Putin die Kriegsführung auf taktischer Ebene, auf dem Schlachtfeld, ermöglicht.

Das heißt, wir schaffen Bedingungen, unter denen ein Militärkontingent nicht auf dem Territorium der Krim stationiert werden kann, um von dort gegen die Ukraine eingesetzt zu werden. Dazu kommen sämtliche begleitenden Bereiche zur Aufrechterhaltung des Lebens dort. Ein besonderer Fokus liegt auf einer Zahl in Millionenhöhe, einer Zahl, die sich auf eine Million und mehr beläuft. Das ist dieser russische kolonialistische Migrationstourismus von Menschen, die vor zehn oder 13 Jahren einfach auf unser Land kamen, die Häuser von Ukrainern bezogen und es sich unter den schönen Bedingungen auf der Krim bequem machten, nachdem sie aus den tiefsten Sümpfen gekommen waren, in denen sie gelebt hatten – im Zuge von Putins müheloser Einnahme der Krim. Denn die Krim fiel ihm leichter in die Hände, als es einem gewöhnlichen Dieb fallen würde, beispielsweise vor Ihrem Parlament ein Auto zu klauen. Dort wäre es schwieriger, denn dort gibt es Kameras und Polizei. Hier dagegen kam er einfach, nahm sich eine leichte Trophäe und machte sie obendrein noch zu etwas Sakralem.

Nun zur strategischen Ebene. Sie hat völlig andere Aufgaben. Und wir haben intensiv daran gearbeitet, die Fähigkeit zur Erfüllung dieser Aufgaben zu erlangen. Faktisch haben ukrainische Ingenieure während des Krieges, während sie das Schlachtfeld mit Drohnen versorgten, unermüdlich Drohnen entwickelt, die in der Lage sind, wesentlich tiefer zu fliegen und wesentlich wichtigere Spezialoperationen durchzuführen. Und in der strategischen Tiefe konzentriert sich die Hauptaufgabe auf drei oder vier völlig andere Zieltypen.

  • Erstens sind das sämtliche Unternehmen, die Finanzierungsquellen des Krieges darstellen.

Putin verfügt über grenzenlose Bodenschätze, durch deren Export er Devisen erhält, mit denen er den Krieg finanziert. Das heißt, sämtliche Quellen der Kriegsfinanzierung sind legitime militärische Ziele und müssen unverzüglich zerstört werden, um das System der Kriegsfinanzierung auszubluten.

Zweitens: Wenn man berücksichtigt, dass Putin nie aufgehört hat, sich auf diesen Krieg vorzubereiten. Dieses Land hat sein ganzes Leben lang seinem eigenen militärisch-industriellen Komplex große Aufmerksamkeit und erhebliche finanzielle Mittel gewidmet und tut dies weiterhin.

  • Deshalb sind die zweite Priorität strategischer Angriffe in der Tiefe sämtliche Produktionsstätten für Waffen in all ihren Formen.

Die Finanzierungsquellen des Krieges ausbluten lassen. Die Unternehmen ausschalten und zerstören, die Mittel und Waffen herstellen, die in den Krieg geschickt werden: unbemannte Systeme, gepanzerte Systeme, alles, was fliegt, schießt und so weiter. Das sind zwei wichtige Prioritäten.

  • Die dritte Priorität sind sämtliche logistischen Versorger der militärischen Spezialoperation.

Das sind Monopole innerhalb Russlands, die für die massenhafte Logistik und die Versorgung mit Gütern für militärische Zwecke sorgen. Wenn wir über bestimmte Logistikzentren sprechen, mit deren Zerstörung wir uns regelmäßig und erfolgreich beschäftigen, dann betrifft ein gesonderter Bereich die taktischen und sonstigen Luftverteidigungssysteme, die Russland noch aus den Errungenschaften der Sowjetunion geerbt hat und bis heute sehr intensiv produziert. Damit verschafft es sich den sogenannten Schild, der das Eindringen von Luftzielen tief nach Russland hinein begrenzt. Das heißt, es handelt sich um sämtliche Elemente der Luftverteidigung, von denen wir Hunderte ausschalten und dadurch das Fenster in die Tiefe des russischen Territoriums rund um die Uhr offen halten.

Obwohl der Anteil der Angriffe in der Tiefe Russlands – Sie haben die Zahl heute gehört: 95 Prozent entfallen auf die taktische Ebene – also nicht mehr als fünf Prozent beträgt, kann man heute, Stand August 2026, mit Sicherheit sagen, dass es im europäischen Teil Russlands keinen einzigen Ort mehr gibt, den der Gegner als ruhiges Hinterland betrachten kann. In jedem Winkel, auf jedem Kilometer gibt es Raum, der für Angriffe durch einen freiheitsliebenden ukrainischen Vogel erreichbar ist.

Und schließlich ist das ein gesondertes Mittel, um auf den moralisch-psychologischen Zustand der gewöhnlichen Einwohner dieses Landes, Russlands, einzuwirken, damit sie ihre eigene Verbindung zu diesem Krieg spüren. Denn all die früheren Kriege, die Russland führte, um, wie sie sagen, jemanden von irgendetwas zu befreien, berührten keinen einzigen gewöhnlichen Einwohner Russlands, weil sie nicht auf russischem Territorium stattfanden. Es brauchte vier Jahre, in denen wir den Vormarsch der Russen in den von ihnen besetzten ukrainischen Gebieten aufhielten, um 2025 und 2026 damit beginnen zu können, den Krieg in vollem Umfang auf die Seite des Gegners zu verlagern. Und das ist inzwischen nicht mehr nur eine Tatsache, sondern Alltag – ein Alltag, an den sich die Bürger des Aggressorstaates nicht gewöhnen und der für sie dennoch alltäglich geworden ist.


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Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Без права на сліпу віру та самонавіювання про „впевненість у ненападі“. Тест Статті 5 NATO. Інтервʼю суспільному мовнику Швеції SVT від 22.08.2026. Роберт Мадяр Бровді.
Kanal: schwedischer öffentlich-rechtlichen Sender SVT
Veröffentlichung: 22.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Schmerzhafter Schlag gegen Saratow | Vitaly Portnikov. 12.09.2026.

Das russische Saratow ist in dieser Nacht Ziel eines Angriffs ukrainischer Drohnen geworden. Ein Logistiklager von Ozon und die Ölraffinerie in diesem russischen Gebietszentrum standen in Flammen.

Die Tatsache des Angriffs wurde sogar vom Gouverneur des Gebiets Saratow, Roman Busargin, bestätigt. Bilder von dem, was sich in Saratow ereignete, erschienen in lokalen sozialen Netzwerken.

Damit kann man sagen, dass eine weitere russische Ölraffinerie und ein weiteres Logistikzentrum schwere Schäden erlitten haben. Und das ist einer der wichtigsten Aspekte der gegenwärtigen Phase des russisch-ukrainischen Krieges.

Jetzt, da wir gezwungen sind, über die Angriffe zu sprechen, die die Russische Föderation gegen die Ukraine, gegen Kyiv und gegen andere ukrainische Städte führt, über die ständigen russischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur, erscheinen die ukrainischen Angriffe auf Russland aus der Sicht eines außenstehenden Beobachters nicht mehr so wichtig, wie sie noch vor einigen Monaten erschienen.

Doch in Wirklichkeit ist das eine ungerechte Bewertung dessen, was die ukrainischen Streitkräfte heute tun, wenn sie versuchen, das russische Wirtschaftspotenzial zu zerstören. Denn der Schlüssel zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges liegt gerade in der Zerstörung dieses Potenzials.

Wir verfolgen aufmerksam den imitierten Verhandlungsprozess, in dem es keinerlei wirkliche Fortschritte gibt. Wir versuchen zu verstehen, ob hinter den Worten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump etwas Konkretes steckt und was die amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner während ihrer Reise in die russische Hauptstadt tatsächlich erreicht haben könnten. Wir versuchen es zu verstehen, weil wir uns selbst nicht eingestehen wollen, dass sowohl hinter diesen Reisen als auch hinter Trumps Erklärungen praktisch nichts anderes steckt als ein Wahlkampfeffekt und die Befürchtung des amerikanischen Präsidenten, dass er die Kongresswahlen in den Vereinigten Staaten vernichtend verlieren wird und sich das Repräsentantenhaus anschließend in einen regelrechten Untersuchungsausschuss verwandeln wird, der herausfinden soll, was Trump während seiner Amtszeit als Präsident tatsächlich zu seiner eigenen Bereicherung und zur Bereicherung seiner Familienmitglieder getan hat.

Und genau das versucht Trump zu verhindern. Und genau das ist derzeit der zentrale Punkt seiner gesamten politischen Tätigkeit und damit auch der Grund für die Intensivierung des Verhandlungsprozesses im russisch-ukrainischen Krieg. Denn bekanntlich unterstützt die überwältigende Mehrheit der amerikanischen Wähler – sowohl die Wähler der Demokraten als auch die Wähler der Republikaner und jene Wähler, die in ihren Sympathien zwischen verschiedenen politischen Kräften schwanken – gerade die Ukraine in diesem ungerechten Krieg, den die Russische Föderation gegen unseren Staat begonnen hat. Und in dieser Situation kann man natürlich sagen, dass der russische Präsident Putin Trumps Schwierigkeiten im Wahlkampf einfach ausnutzt, um sich an einem imitierten diplomatischen Prozess zu beteiligen.

Was Putin jedoch tatsächlich beeinflussen kann, sind weder die Telefonanrufe des amerikanischen Präsidenten noch der Wunsch des russischen Präsidenten, sich während des APEC-Gipfels in Shenzhen mit seinem amerikanischen Amtskollegen zu treffen, und nicht einmal Putins Bereitschaft, einen Dreiergipfel unter Beteiligung der Präsidenten der Russischen Föderation und der Vereinigten Staaten sowie des Staatschefs der Volksrepublik China abzuhalten.

Nein, ein tatsächliches Ende des Krieges kann nur mit einem Mangel an russischen Ressourcen verbunden sein, nur damit, dass der Präsident der Russischen Föderation nicht mehr genügend Geld für den Krieg hat, nur damit, dass die russische Ölverarbeitung als Zweig der russischen Industrie und der russischen Wirtschaft nicht mehr funktioniert.

Und das kann übrigens nicht nur dazu führen, dass Putin zu echten Verhandlungen mit uns bereit ist. Es kann auch dazu führen, dass ihm solche Verhandlungen von der Führung der Volksrepublik China nachdrücklich empfohlen werden. Denn Sie konnten beobachten, dass der russische Präsident in Bischkek unmittelbar nach seinem Treffen mit dem Staatschef der Volksrepublik China, Xi Jinping, von der Notwendigkeit eines Dialogs zu sprechen begann.

Die Chinesen brauchen einen Satelliten, der über Ölraffinerien und eine Wirtschaft verfügt, die zur Zusammenarbeit mit chinesischen Unternehmen fähig ist, und kein Land mit zerstörten Ölraffinerien und stillgelegten Ölquellen. Und die ukrainischen Angriffe führen für die wirtschaftliche Entwicklung Russlands genau zu solchen Folgen.

Deshalb ist der Angriff auf Saratow ebenso wie die Angriffe auf andere russische Städte, die bereits stattgefunden haben und die, wie ich hoffe, in den kommenden Monaten noch stattfinden werden, der Schlüssel zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges. Genau jenes Instrument, das wir vergeblich in der Tasche des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zu finden versuchen, obwohl wir kaum reale Chancen darauf haben.

Doch in der Tasche des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gab es einen solchen Schlüssel nicht, gibt es ihn nicht und wird es ihn unter den, wie ich sagen würde, wirtschaftlichen Bedingungen, die sich in der heutigen Welt herausgebildet haben, auch nicht geben. Aber einen solchen Schlüssel haben wir selbst. 

Wir haben ihn, wenn die Ölraffinerie in Saratow brennt. Wir haben ihn, wenn Logistikzentren von Online-Marktplätzen brennen und dadurch die Arbeit russischer Unternehmen selbst zum Erliegen kommt, ebenso wie die Möglichkeit, neue Drohnen zusammenzubauen, darunter auch jene Strahldrohnen, die derzeit auf ukrainische Städte und Ortschaften zufliegen.

Wir haben ihn, wenn wir die Versprechen tatsächlich einlösen, die wir von unserer Führung hören. Zum Beispiel hinsichtlich einer Lahmlegung des Luftraums in der Russischen Föderation, die, wie Sie verstehen, ebenfalls zu zahlreichen wirtschaftlichen Problemen führen wird.

Und wenn allein die Worte des ukrainischen Präsidenten, ohne durch tatsächliche Handlungen untermauert zu sein, bereits dazu führen, dass eine ganze Reihe von Flügen auf Moskauer Flughäfen sowie auf Flughäfen anderer Länder gestrichen wird, wenn es um Flüge nach Russland geht, dann stellen Sie sich vor, welche tatsächlichen Folgen eine wirkliche Einstellung des Betriebs der Moskauer Luftfahrtunternehmen, des Moskauer Luftverkehrsknotens und anderer Flughäfen der Russischen Föderation haben wird.

Von den politischen Folgen ganz zu schweigen. Denn wenn die Flugverbindungen mit dem Fernen Osten und dem Ural unterbrochen werden, wird dies langfristig separatistische Stimmungen in diesen Regionen beleben. Und Putin, der schließlich in den 1990er-Jahren gelebt und die Ural-Republik von Eduard Rossel, dem damaligen Gouverneur des Gebiets Swerdlowsk, miterlebt hat, ist sich der Folgen all dieser Prozesse sehr wohl bewusst.

Deshalb bedeutet Saratow anzugreifen, Moskau anzugreifen, Sankt Petersburg anzugreifen, einen Weg zu einem schnellen Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu suchen. Und noch dazu einen Weg, der die Russen daran erinnern würde, was es bedeutet, andere Länder anzugreifen.

Je mehr Ölraffinerien von den ukrainischen Streitkräften außer Betrieb gesetzt werden, je mehr Ölquellen stillgelegt werden, weil es keine Möglichkeit mehr gibt, das Öl zu verarbeiten, desto schneller wird Putin zumindest über eine Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front nachdenken müssen. Deshalb ist jeder solche Brand – ohne Übertreibung – ein wahrer Brand des Friedens.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Болючий удар по Саратову | Віталій
Портников. 12.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 12.09.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Russland verliert den Abnutzungskrieg | Vitaly Portnikov. 16.08.2026.

Russland kann den Abnutzungskrieg verlieren, und seine führenden Ökonomen erkennen das an, während der Kreml davon nichts hören will. So lässt sich die Nachricht kommentieren, die heute praktisch den ganzen Tag in den Medien diskutiert wurde: die Entlassung des Chefökonomen der russischen Vnesheconombank, Andrei Klepach.

Auf den ersten Blick keine besonders bedeutende Position und keine besonders bedeutende Persönlichkeit, doch es geht um einen der bekanntesten russischen Ökonomen und um die Gründe für seine Entlassung. Russische oppositionelle Medien betonen, dass die Führung der Vnesheconombank gezwungen war, sich von Klepach zu trennen, gegen den es keinerlei dienstliche Beanstandungen gab, und zwar wegen seines jüngsten Auftritts, in dem er die Lage der russischen Wirtschaft beschrieb.

Klepach betonte, dass Russland den wirtschaftlichen Abnutzungskrieg verliert, dass es im Wettbewerb mit dem Westen nicht konkurrenzfähig ist und dass selbst die ukrainische Wirtschaft trotz der Angriffe auf ihre wichtigen Einrichtungen und trotz der demografischen Probleme besser überlebt, als man es in der Russischen Föderation erwarten konnte. Und gerade dieser Auftritt mit seinen düsteren Prognosen für die Zukunft der russischen Wirtschaft wurde zum Grund für die Entlassung des bekannten Ökonomen mit seiner relativ unabhängigen Position.

Das bedeutet, dass die Taktik, die die Ukraine heute im Bündnis mit dem Westen gewählt hat, im Hinblick auf die Suche nach Wegen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges richtig ist. Einerseits sehen wir tatsächlich, dass die russische politische Führung unter Putin nicht einmal daran denken will, den Krieg auf diese Weise zu beenden und die diplomatischen Bemühungen wieder aufzunehmen. Dass keinerlei Vorschläge zur Beendigung des Krieges Putins Haltung beeinflussen, der weiterhin darauf hofft, noch mehr ukrainisches Territorium zu erobern und die Wirtschaft unseres Landes zu zerstören.

Andererseits zeigt Russland immer wieder, dass es mit der zivilisierten Welt nicht konkurrieren kann, dass es die westlichen Sanktionen natürlich ignorieren kann, diese sich aber sowohl auf seine Realwirtschaft als auch auf sein Finanzsystem auswirken, dass die russischen Ressourcen ohne den westlichen Markt dazu verurteilt sind, ihre Rolle als wichtigstes Instrument zur Auffüllung des russischen Staatshaushalts zu verlieren. Und vor allem hilft Russlands Abhängigkeit von den Ländern des Globalen Südens, in erster Linie von der Volksrepublik China, nicht dabei, die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Russischen Föderation auszubauen, denn China ist gerade nicht daran interessiert, dass Russland überlebt. China ist sowohl an einer Schwächung des Westens als auch an einer Schwächung Russlands interessiert.

Aus der Perspektive Pekings kann Russland in dieser Situation schlicht wie ein politischer Satellit und wirtschaftliches Anhängsel der Volksrepublik China erscheinen. Wir verstehen sehr gut, dass Moskau im Wettbewerb der Volkswirtschaften nicht nur gegen Peking, sondern auch gegen den Westen verliert, nicht nur gegen Neu-Delhi, sondern gegen den gesamten Globalen Süden. Und wenn russische Ökonomen versuchen, ihre eigene Führung darauf aufmerksam zu machen, versucht man ihnen, wie wir sehen, wenn schon nicht die Möglichkeit zu öffentlichen Auftritten zu nehmen, dann zumindest jene Ämter, die es erlauben würden, solche Äußerungen mit einer offiziellen Position in Verbindung zu bringen.

Gerade deshalb sind die sogenannten Systemliberalen im Umfeld des russischen Präsidenten Putin mit ihren Prognosen so vorsichtig, obwohl auch ihre Auftritte auf den jüngsten russischen Wirtschaftsforen keineswegs von Optimismus geprägt waren. Diese Menschen verstehen sehr gut, dass Putin versucht, einen Krieg entgegen den wirtschaftlichen Realitäten zu führen, und sorgen sich deshalb um den Erhalt ihrer Ämter. Und die jetzige Entlassung eines Ökonomen, der bis zu diesem Zeitpunkt nur wenigen bekannt war, hat gezeigt, dass tatsächlich jede Meinung verfolgt wird, die von der allgemeinen optimistischen Haltung der russischen Führung abweicht, selbst wenn es um Menschen geht, die weiterhin Teil der Putin-Elite sind.

Wir können also mit Sicherheit sagen, dass Putin Russland mit seiner Kurzsichtigkeit und seinem mangelnden wirtschaftlichen Weitblick auf genau jenen wirtschaftlichen Abgrund zutreibt, den wir so dringend brauchen, damit der russisch-ukrainische Krieg endet. Denn ein anderes Mittel als den wirtschaftlichen Zusammenbruch Russlands, die Verarmung der russischen Bevölkerung und das Fehlen der Ressourcen für den weiteren Betrieb der russischen Kriegsmaschinerie gibt es schlicht nicht.

Natürlich schließt dies auch die Probleme der Ukraine nicht aus. Aber die Ukraine hat den offensichtlichen Vorteil, dass wir erstens nie in einem Zustand einer paternalistischen Wirtschaft wie in Russland gelebt haben und unsere Gesellschaft weitaus mehr Eigeninitiative zeigt als die Gesellschaft der Russischen Föderation, wo es eher eine Fassade der Marktwirtschaft gab, hinter der sich staatliche Mechanismen verbargen. Und zweitens profitieren wir von den Interessen und Möglichkeiten der zivilisierten Welt, die nicht nur die Notwendigkeit einer Niederlage Russlands in diesem Krieg versteht, sondern auch die Notwendigkeit des Wiederaufbaus der Ukraine. Auch das ist ein wichtiger Punkt für jeden, der sich der Lage im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung jener Ereignisse bewusst ist, die heute im russisch-ukrainischen Krieg von entscheidender Bedeutung sind.

Auch das ist ein wichtiger Punkt, an den man denken muss, wenn wir über die weitere Entwicklung in der Konfrontation zwischen Russland und der Ukraine sprechen. Er ist auch deshalb wichtig, weil diese Konfrontation die Möglichkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung verdeutlicht – sowohl jene, die mit den Möglichkeiten der westlichen Volkswirtschaften verbunden sind, als auch jene der Wirtschaft der Russischen Föderation. Und die Wirtschaft der Russischen Föderation verliert, wie es bereits zu Sowjetzeiten wiederholt der Fall war, ganz offensichtlich gegen die wirtschaftlichen Möglichkeiten der zivilisierten Welt.

Das sowjetische Szenario des Niedergangs wiederholt sich. Und es ist sehr erstaunlich, dass Putin, der seine Karriere in den letzten Jahren der Sowjetunion machte, später sogar stellvertretender Bürgermeister von St. Petersburg war und eigentlich verstehen müsste, wie Marktmechanismen funktionieren, erneut in dieselbe Falle gerät, in die vor ihm schon die Führer der Sowjetunion geraten waren. 

Offenbar begreift er nicht, dass es nicht genügt, sein Land zur Marktwirtschaft zu erklären. Dieses Land muss tatsächlich Teil des weltweiten Wirtschaftsgefüges sein und darf sich nicht einfach nur an China orientieren. Und seine Bürger sollten nicht damit beschäftigt sein, unter den Bedingungen von Explosionen in Wildberries-Lagern um ihr eigenes Überleben zu kämpfen, sondern Teil der weiteren Entwicklung der wirtschaftlichen Prozesse in der Welt sein und in ihrem eigenen Land Eigeninitiative entfalten können, anstatt zu Kanonenfutter für Putins Krieg gemacht zu werden.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росія програє війну на винищення | Віталій Портников. 16.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 16.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach, veröffentlicht auf uebersetzungenzuukraine.data.blog.


Die ukrainischen Streitkräfte haben das größte Lager von Wildberries zerstört | Vitaly Portnikov. 16.08.2026.

Nach einem ukrainischen Angriff brennt ein weiteres Lager des Unternehmens Wildberries. Diesmal betrifft dieser gewaltige Brand jedoch den größten und wichtigsten Logistik-Hub des Unternehmens in der Region Moskau mit einer Fläche von mehr als 229.000 m².

Es geht um tatsächlich erhebliche logistische Schäden für ein Unternehmen, das danach wohl kaum in der Lage sein wird, die schnelle Auslieferung von Waren nicht nur innerhalb der Russischen Föderation, sondern auch in andere ehemalige Sowjetrepubliken fortzusetzen, die wirtschaftliche Beziehungen zu Moskau unterhalten, vor allem nach Belarus und Kasachstan.

Wie Beobachter betonen, wurden über dieses Lager die teuersten Warenkategorien abgewickelt. Deshalb könnte es ein zuverlässiges Lager für Dual-Use-Elektronik gewesen sein, für jene Ersatzteile für Drohnen und Komponenten ihrer Konstruktion, die in den Rüstungsbetrieben der Russischen Föderation benötigt werden.

Und ja, dies ist eine der realen Möglichkeiten, die russische Wirtschaft weiter zum Stillstand zu bringen. Denn die Marktplätze von Wildberries sind eines der wichtigsten Instrumente, die es der russischen Wirtschaft ermöglichen, so zu funktionieren, als gäbe es die westlichen Sanktionen überhaupt nicht, und finanzielle Beschränkungen mithilfe von Lieferungen aus den Ländern des Globalen Südens, vor allem aus der Volksrepublik China, zu umgehen.

Je mehr Kapazitäten von Wildberries zerstört werden können, desto größer werden die Probleme für die russische Wirtschaft sein, desto geringer werden die Einnahmen in den Staatshaushalt der Russischen Föderation ausfallen und desto schneller werden Putin und andere russische Führungskräfte auf den Gedanken kommen, dass man den Krieg vielleicht nicht beenden, aber zumindest unterbrechen sollte, um das wirtschaftliche Potenzial der Russischen Föderation wiederherzustellen und soziale Erschütterungen zu verhindern.

Gleichzeitig muss man natürlich auch die Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation angreifen. Ich habe bereits mehrfach gesagt, dass gerade die Zerstörung der russischen Rüstungsproduktion ebenfalls ein wichtiger Bestandteil unseres Kampfes für ein Ende des Krieges ist.

Und heute berichtete der ukrainische Generalstab, dass es gelungen sei, das Unternehmen „Kombinat Kamenski“ in der Region Rostow der Russischen Föderation zu treffen. Gerade dieses Kombinat produzierte festen Raketentreibstoff, der für jene Raketen benötigt wird, die von den Streitkräften der Russischen Föderation weiterhin für Angriffe auf zivile Wohnviertel ukrainischer Städte eingesetzt werden, zur Vernichtung ukrainischer Bürger, zur Tötung von Frauen und Kindern, also für all das, was das Hauptziel des Präsidenten der Russischen Föderation Putin, seiner Armee und seiner Gesellschaft in diesem ungerechten und grausamen Krieg ist.

Deshalb müssen sowohl die Angriffe auf Wildberries als auch die Angriffe auf Rüstungsbetriebe und auf die russische Petrochemie, die ebenfalls einen wichtigen Beitrag zu den Einnahmen des Staatshaushalts der Russischen Föderation leistet, zu einem Gesamtkomplex von Maßnahmen werden, der in Zukunft zum Beginn nicht mehr vorgetäuschter, sondern realer Verhandlungen über ein Ende des Krieges zwischen Russland und der Ukraine führen könnte – oder zu einem Abflauen dieses Krieges unter Bedingungen, unter denen die russische Führung keine Möglichkeiten mehr hat, ihn fortzusetzen.

Und natürlich müssen dabei Angriffe auf Marktplätze einen der vordersten Plätze einnehmen, denn ohne Geld kann niemand einen Krieg führen. Und hier hat die Ukraine gegenüber der Russischen Föderation gerade deshalb einen Vorteil, weil wir in diesem Krieg die Unterstützung westlicher Länder in Anspruch nehmen, die erkennen, dass es notwendig ist, die russische Wirtschaft zu besiegen, wenn schon nicht Russland selbst, das wirtschaftliche und militärische Potenzial Russlands zu zerstören und die Russische Föderation in ein Land zu verwandeln, das nicht mehr in der Lage sein wird, seine Nachbarn zu bedrohen.

Es ist unmöglich, die öffentliche Meinung in Russland zu verändern, die durch die chauvinistische Entwicklung des Staates während der vergangenen schändlichen Jahrhunderte der Aggression, der Überfälle und der Gewalt buchstäblich vergiftet wurde, aber es ist möglich, die russische Wirtschaft zu zerstören. Menschen der älteren Generationen wissen sehr gut, wie das geschieht, und erinnern sich daran, wie die Wirtschaft der Sowjetunion zerstört wurde.

Und das menschenverachtende Imperium hörte zu unserer Freude im Strudel wirtschaftlicher Schwierigkeiten und sozialer Probleme auf zu existieren, konnte seine schreckliche Ideologie nicht bewahren und verlor auf diesem Weg die Kommunistische Partei, obwohl es das Komitee für Staatssicherheit bewahrte, das sich auf dem Territorium Russlands in den Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation verwandelte. Später ergriff dieses umbenannte bolschewistische Organ die gesamte Macht in Russland und schlug den Weg zur Wiederherstellung des Imperiums mit militärischen Mitteln ein.

Genau an diesem historischen Punkt befinden wir uns jetzt. Und um aus ihm herauszukommen, müssen wir dem FSB die Macht nehmen und diese Struktur durch wirtschaftliche Erschütterungen zerstören, so wie seinerzeit die Kommunistische Partei durch wirtschaftliche und soziale Erschütterungen zerstört wurde.

Den Weg zu einer solchen Destabilisierung, die Rezepte dafür, wie man repressive Strukturen zerstört, indem man ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten vernichtet und diejenigen, die zu Geiseln solcher Strukturen werden, zu wirtschaftlichen Bettlern der zivilisierten Welt macht, kennen wir sehr gut gerade aus den letzten Jahren der sowjetischen Erfahrung.

Und um den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, um Putin, seine Bande und seine Bürger zu zwingen, auf die Aggression zu verzichten, muss diese Erfahrung, ein aggressives Land in ein Gebiet zu verwandeln, das von „Bush-Beinchen“ träumt – nun, heute könnten es „Trump-Beinchen“ sein –, in ein Gebiet, dessen Bewohner unter schwierigen Bedingungen zu überleben versuchen und nicht wissen, wie sie zurechtkommen sollen, genau der reale Weg sein, um den Frieden in die Häuser der Ukrainer zurückzubringen.

Und wenn ein weiterer Marktplatz von Wildberries brennt – und ich hoffe, dass auch andere Marktplätze brennen werden – und wenn sich der durchschnittliche Russe rasch eben jener ersehnten sowjetischen Armut nähert, dann sehe ich darin gerade einen Weg zum Frieden. Denn wenn eine Gesellschaft in den Augen anderer aggressiv erscheint – genau so erschien die erbärmliche sowjetische Gesellschaft, und genau so erscheint die russische Gesellschaft –, dann muss man ihr die Kapazitäten und das Geld nehmen, die es ihr ermöglichen, ihre Aggression in die Tat umzusetzen, die es ihr ermöglichen zu töten, zu schießen, zu vergewaltigen und zu bombardieren. Genau damit beschäftigen sich unsere Streitkräfte.


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Titel des Originals: ЗСУ знищили найбільший склад Wildberries| Віталій Портников. 16.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 16.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Ein echter Tango zu zweit. Vitaly Portnikov. 20.07.2026.

Справжнє танго на двох. 20.07.2026.

Möglicherweise wird der Juli 2026 als jener Zeitpunkt in die Geschichte des russisch-ukrainischen Krieges eingehen, an dem es der Ukraine gelang, eine weitere Möglichkeit zur Schwächung der russischen Wirtschaft zu finden – und das trotz der brutalen ballistischen Angriffe auf Kyiv und andere ukrainische Städte.

In der Nacht zum 18. Juli griff die Ukraine die Logistikzentren des Unternehmens Wildberries in Elektrostal und Kotowsk an. Auf den ersten Blick mag es sich lediglich um Lagerhäuser eines Online-Marktplatzes handeln – warum also sollte das angesichts der Angriffe auf die russischen Ölraffinerien von Bedeutung sein, die bereits nicht nur die Produktion von Erdölprodukten, sondern auch die russische Ölförderung selbst reduziert haben?

Doch unter den Bedingungen einer von Sanktionen betroffenen Wirtschaft haben sich gerade diese Marktplätze zu den wichtigsten Handels- und Verteilungszentren Russlands entwickelt. Wenn Öl und Erdölprodukte das Blut der russischen Wirtschaft sind, dann sind die Marktplätze von Wildberries ihre Lungen. Nicht zufällig tobten um die Kontrolle über Wildberries regelrechte Kriege zwischen russischen Beamten und Oligarchen. Der frühere Eigentümer des Unternehmens, Wladislaw Bakaltschuk, erklärte vor zwei Jahren, seine ehemalige Ehefrau habe ihm die Firma entrissen, und wandte sich hilfesuchend an den tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow. Die Ehefrau des Unternehmensgründers fusionierte Wildberries mit dem Unternehmen Russ, dessen Eigentümer Verbindungen zum Milliardär Suleiman Kerimow hatten. Vor allem aber wurde diese Fusion Medienberichten zufolge persönlich von Putin unterstützt, nachdem Tatjana Bakaltschuk (heute Kim) ihm einen Brief geschrieben hatte, in dem sie erklärte, der Zusammenschluss der Unternehmen werde einen „Konkurrenten zu Amazon und Alibaba schaffen und Zahlungen in Rubel unter Umgehung von SWIFT ermöglichen“. Gerade diese Worte verdeutlichen, welch bedeutendes Instrument zur Umgehung der Sanktionen sich hier in den Händen des Kremls befindet.

Genau deshalb bieten diese Angriffe eine reale Chance, den Krieg zu beenden. Ich wiederhole immer wieder, dass Russland den Krieg nur dann beenden kann, wenn ihm die Ressourcen und das Geld ausgehen. Und natürlich auch die Menschen. Doch für das Modell einer Söldnerarmee, für das sich Putin in diesem Krieg nicht ohne Grund entschieden hat, braucht es ebenfalls Geld.

Die Ukraine sucht seit einiger Zeit gezielt nach den empfindlichsten Stellen der russischen Wirtschaft. Der Versuch, die Ölförderung und die Produktion von Erdölprodukten zu verringern, war bereits ein Schritt in die richtige Richtung. Ganz abgesehen von den Problemen für die russische Armee schuf dies die Voraussetzungen für eine groß angelegte Treibstoffkrise und die faktische Isolation der besetzten Krim. Angriffe auf Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes verlangsamten die Produktion von Drohnen und Raketen. Und nun beginnt eine neue Phase der Angriffe – auf die Lagerhäuser von Wildberries. Ja, in diesen Lagern könnten Güter aufbewahrt werden, die für die Produktion eben jener Drohnen benötigt werden. Doch zugleich handelt es sich um Angriffe auf die Wirtschaft als solche.

Natürlich werden solche Angriffe Putin nicht dazu bringen, den Krieg sofort zu beenden. Ich glaube nicht einmal, dass der russische Präsident überhaupt über ein Kriegsende nachdenkt, wenn ihm über wirtschaftliche Probleme berichtet wird. Doch entscheidend ist nicht Putins wirtschaftliche Kompetenz, sondern die tatsächlichen Möglichkeiten des Staates, an dessen Spitze er steht.

Auch die Ukrainer sind sich dessen bewusst. Sie erkennen ebenso, welchen Weg unser Land in diesem Krieg zurückgelegt hat – von den ersten, noch zögerlichen Angriffen tief im besetzten Gebiet, für die man nicht einmal die Verantwortung übernehmen wollte, bis hin zu Schlägen gegen die kritische Infrastruktur des Feindes, die seine Wirtschaft an den Rand des Überlebens bringen sollen. Ja, es hat sich gezeigt, dass man einen Krieg ums Überleben auch zu zweit spielen kann. Und vielleicht ist genau das jener Tango zu zweit, von dem Donald Trump zu Volodymyr Zelensky gesprochen hat – nur eben nicht der Tango von Friedensverhandlungen, die der Kreml lediglich braucht, um den Krieg „sicher“, also ohne neue Sanktionen der USA, fortsetzen zu können, sondern der eigentliche Tango der Angriffe auf Russland.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Справжнє танго на двох. 20.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 20.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Petersburg erneut unter Drohnenangriffen | Vitaly Portnikov. 06.06.2026.

Nur wenige Stunden nachdem der russische Präsident Putin auf dem Petersburger Wirtschaftsforum versucht hatte, das Publikum davon zu überzeugen, dass ukrainische Angriffe auf russisches Territorium keinerlei Probleme für die russische Wirtschaft und Armee schaffen würden und die einzige Antwort darauf die Verstärkung der Luftverteidigung sein müsse, griffen ukrainische Drohnen die Leningrader Oblast der Russischen Föderation und die Umgebung von Sankt Petersburg an.

Der Angriff dauert auch jetzt noch an, während wir diese neuesten Nachrichten besprechen. Bereits bekannt wurde, dass Kronstadt, einer der wichtigsten russischen Häfen an der Ostsee und eine Stadt von symbolischer Bedeutung für die Russische Föderation, für den ein- und ausfahrenden Verkehr gesperrt wurde. Unter Beschuss stehen militärische und ölverarbeitende Anlagen in der Leningrader Oblast. Insbesondere wurde ein Forschungsinstitut in der Stadt Lomonosow getroffen, das ein Schlüsselunternehmen für die Entwicklung unbemannter Unterwasserwaffen in der Russischen Föderation ist.

Der Gouverneur der Leningrader Oblast, Alexander Beglow, riet den Einwohnern dieses Föderationssubjekts der Russischen Föderation erstmals in dessen Geschichte, ihre Häuser nicht zu verlassen, und erkannte damit die gesamte Gefahr an, die ukrainische Drohnen am Himmel eines der aggressivsten Staaten der Gegenwart schaffen. Und das in einer Situation, in der die Russen gehofft hatten, mit ihren Angriffen auf die Ukraine unser Leben unerträglich zu machen.

Der Angriff ukrainischer Drohnen beschränkte sich in dieser Nacht nicht nur auf die Leningrader Oblast, Kronstadt, Lomonosow und andere Ortschaften der Region, in der gerade das pompöse Petersburger Wirtschaftsforum zu Ende gegangen ist, das erneut die Unfähigkeit des Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, bewiesen hat, die Realität zu begreifen, die sich derzeit in seinem Land infolge des aggressiven Krieges gegen die Ukraine und der Konfrontation mit der zivilisierten Welt als solcher entwickelt.

Angriffe wurden praktisch auf dem gesamten Territorium der Russischen Föderation sowie in den besetzten Gebieten des Donezker Gebiets durchgeführt. So wurde der Seehafen von Mariupol getroffen. Die Ukraine unternimmt derzeit Anstrengungen, um die russische Schifffahrt im Asowschen Meer zu lähmen.

Das ist praktisch dieselbe Situation wie mit der Landverbindung vom russischen Taganrog zu den besetzten Gebieten der Krim. Die Besetzung ukrainischen Territoriums, um diesen Weg zur Krim zu schaffen, war eine der wichtigsten Aufgaben der sogenannten Spezialoperation, die Putin bereits im fernen Februar 2022 gegen die Ukraine begann. Inzwischen wird offensichtlich, dass dieser Weg sowohl für Lastwagen, die Treibstoff auf die besetzte Krim transportieren sollen, als auch für jeden anderen Verkehr gefährlich ist.

Die Straße hört auf zu existieren, weil sie unter Feuerkontrolle ukrainischer Drohnen steht. Und so werden wir eine groß angelegte Infrastrukturkatastrophe auf jenen Gebieten beobachten können, die Russland sich anzueignen beschlossen hat. 

Wenn ich früher sagte, dass die Krim ohne Verbindung zum Festland nicht existieren kann, so sollte man nun daran erinnern, dass die Verbindung der Krim zum Festland nur dann bestehen kann, wenn sie sicher ist. Andernfalls erwartet die Halbinsel eine echte Infrastrukturkatastrophe.

Und Putin müsste das verstehen, denn genau dies war das Schicksal der Krimstaatlichkeit, nachdem alle Wege und Zufahrten zur Krim bereits in den Zeiten von Sophia und Peter, noch vor Katharina II., unter die Kontrolle der Truppen des Moskauer Zarentums geraten waren. Doch Putin lernt Geschichte, wie wir wissen, schlecht und versteht ihre Folgen weder für sein eigenes Land noch für jene Gebiete, die er sich anzueignen versucht.

Und zum Asowschen Meer hat dies ebenfalls einen direkten Bezug. Wie bekannt, versuchte die Russische Föderation, dieses Gewässer in ein russisches Binnenmeer zu verwandeln. Gerade deshalb wurden im Asowschen Meer keine Grenzen zwischen Russland und der Ukraine gezogen. Dafür wurden prorussische Stimmungen eines Teils der ukrainischen Führung und die Unfähigkeit der damaligen ukrainischen Führung genutzt, auf die Ansprüche der russischen Administration zu reagieren.

Nach 2022 wurde das gesamte Gebiet rund um das Asowsche Meer von den aggressiven und hinterhältigen russischen Besatzern besetzt, die sich, kann man sagen, seit Ende der 1990er Jahre auf diese Besetzung vorbereitet hatten, als sie sich weigerten, Grenzen im Asowschen Meer festzulegen. Und nun stellt sich heraus, dass Russland seine Kontrolle über das Asowsche Meer nicht genießen kann, weil seine Häfen sowohl auf dem administrativ zur Russischen Föderation gehörenden Gebiet als auch auf dem besetzten Teil des Territoriums der Ukraine unter Beschuss der Streitkräfte der Ukraine geraten können. Und Schiffe im Asowschen Meer können, wie wir aus den gestrigen Berichten wissen, ebenfalls nicht als sicherer Ort für die Besatzer gelten.

Das ist die Antwort auf die Frage, wie sich die Situation in Russland entwickeln wird, wenn der Präsident der Russischen Föderation, Putin, bereit ist, den Abnutzungskrieg gegen die Ukraine fortzusetzen. Man kann nicht sagen, dass ein solcher Krieg für die Ukraine gut ist. Aber auch die Wirtschaft der Russischen Föderation wird zerstört werden.

Und genau das muss unser Ziel für die kommenden Monate und Jahre der Konfrontation mit Russland sein. Bereits in Russland selbst sprechen Beobachter davon, dass die Zerstörung Russlands infolge des Krieges gegen die Ukraine unvermeidlich sei. Der Unterschied besteht nur darin, dass die ukrainische Wirtschaft von ganz Europa wiederaufgebaut werden wird, während Russland auch nach dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges in Trümmern bleiben wird.

So war es übrigens auch mit der Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg, als Europa dank des Marshallplans wieder auf die Beine kam, während die Sowjetunion noch lange in Trümmern lag, weil niemand da war, der ihr geholfen hätte. Und die stalinistische bolschewistische Führung wollte diese Hilfe auch nicht. Glauben Sie mir, genau dies wird auch das Schicksal Russlands sein. Und dass die Russen jahrzehntelang in ihren Trümmern herumwühlen werden, ist die Antwort auf die Frage, was Frieden in der ganzen Welt bedeutet.

 Frieden in der ganzen Welt setzt die Zerstörung der russischen Wirtschaft voraus. Wenn die Russen mit deren Wiederaufbau beschäftigt sein werden, werden sie zumindest eine Zeit lang weder für einen Krieg gegen die Ukraine noch gegen andere Länder Zeit haben, und wir werden uns besser auf einen neuen aggressiven Schlag vorbereiten können.


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Titel des Originals: Петербург знову під атакою дронів | Віталій Портников. 06.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 06.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Tausend Stiche gegen das Imperium. Lubomir Haidamaka. 03.06.2026.

Lubomir Haidamaka. 03.06.2026.

„Flattere wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene“, sagte Muhammad Ali, und das scheint eine der treffendsten Formeln für den Krieg der Ukraine gegen das russische Imperium zu sein.

Denn das russische Imperium lässt sich nicht mit einem einzigen schönen Schlag besiegen, nach dem es zusammenbricht, weint, Reue zeigt und anfängt, vernünftige Bücher zu lesen statt FSB-Leitfäden. Imperien fallen nicht so. Sie verrotten langsam, halten sich durch Angst, Trägheit, Öl, Lügen, sklavischen Gehorsam und durch diese ewige russische Fähigkeit aufrecht, jede Niederlage damit zu erklären, dass „alles nach Plan läuft“.

Deshalb darf die Ukraine nicht Russlands Spiel spielen – das Spiel der imperialen Größenfantasien, der großen Karten, der großen Paraden und des großen Führers, der an einem absurd langen Tisch sitzt und glaubt, die Geschichte arbeite für ihn.

Unser Spiel ist ein anderes.

Tausende kleiner Stiche.

Oder besser gesagt – Millionen.

Nicht ein einziger Schlag, nach dem alle darauf warten, ob der Thron wankt. Sondern tägliche, kalte, systematische Arbeit, nach der der Thron so zu knarren beginnt, dass selbst diejenigen es hören, die gestern noch so taten, als geschehe überhaupt nichts.

Irgendwo steht eine Fabrik still. Irgendwo bricht die Logistik zusammen. Irgendwo wird es plötzlich laut. Irgendwo begreift ein Beamter zum ersten Mal, dass der Krieg, den er viele Jahre nur im Fernsehen gesehen hat, die unangenehme Eigenschaft besitzt, ohne Zustimmung der Präsidialverwaltung in seine Stadt zu kommen. Irgendwo schaut das einfache russische Volk  auf brennende Infrastruktur und fragt zum ersten Mal nicht mehr ganz so selbstsicher: „Und warum trifft es ausgerechnet uns?“

Uns? Wegen Butscha, Mariupol, Isjum, Cherson, Kramatorsk und Charkiw. Wegen jedes Kindes, das unter Sirenengeheul einschlief, wegen jedes Ukrainers, den sie mit Panzern, Folterkellern und Waschmaschinen zu ‚befreien‘ kamen.

Ich finde es bemerkenswert, wie die russische liberale Öffentlichkeit in solchen Momenten plötzlich ein ausgeprägtes ökologisches Bewusstsein entwickelt. Jahrelang kümmerten sie sich kaum um zerstörte ukrainische Städte, verschleppte Kinder, niedergebrannte Felder, beschossene Krankenhäuser, verminte Gebiete und das schwarze Meer des Todes, das Russland auf unser Land gebracht hat. Doch sobald bei ihnen irgendwo etwas zu brennen beginnt, erscheint sofort ein von Asche verschmutzter Spatz, eine traurige Bildunterschrift, ein paar Tränen, jede Menge Humanismus und vor allem: „keine Politik“.

Es ist sehr bequem, in einem Land zu leben, das seit Jahrhunderten stiehlt, tötet, besetzt, deportiert und die Geschichte sowie ganze Völker vergewaltigt – und der Welt anschließend von einem bedauernswerten Spatz neben einem Treibstofftank zu erzählen.

Ich habe nichts gegen den Spatz. Der Spatz ist, anders als viele russische Intellektuelle, ganz sicher unschuldig.

Aber ich habe Fragen an Menschen, die das Imperium jahrzehntelang nicht gesehen haben, als es zu uns kam, und plötzlich eine Tragödie erkennen, sobald das Imperium beginnt, eine Antwort auf seine Taten zu erhalten.

Und hier kommt ein wichtiger Punkt.

Die Ukraine darf nach jedem erfolgreichen Schlag nicht in Euphorie verfallen, denn Euphorie ist ebenfalls eine Droge – nur eine billige. Ein Objekt, ein Lager, ein Treibstoffdepot, eine Fabrik, ein Flugplatz – das ist noch kein Sieg. Es ist nur ein einzelner Stich. Ein schmerzhafter, richtiger, notwendiger Stich – aber eben nur einer.

Der Sieg beginnt nicht dort, wo wir einmal spektakulär zuschlagen, sondern dort, wo wir regelmäßig, in großem Maßstab, serienmäßig und ohne Unterbrechung zuschlagen können – ohne Pause für Selfies mit der politischen Führung.

Denn die Russen sind nicht deshalb gefährlich, weil sie besonders klug wären. Gerade damit haben sie ihre Schwierigkeiten. Gefährlich sind sie, weil sie kopieren, skalieren und mit schierer Masse überrollen können. Das haben wir in diesem Krieg bereits gesehen. Wir entwickeln etwas Wirksames, sie lachen zunächst darüber, stehlen dann die Idee, produzieren sie zehnmal häufiger und beginnen anschließend, uns mit unserer eigenen Logik zu schlagen – nur ohne unsere moralischen Beschränkungen.

Deshalb lautet die entscheidende Frage jetzt nicht, ob wir zustechen können.

Das können wir.

Die entscheidende Frage lautet, ob wir daraus ein staatliches System machen können und nicht nur ein heroisches improvisiertes Wunder, das auf einigen talentierten Menschen, Freiwilligen, Ingenieuren, Soldaten und eben jenen verrückten Ukrainern beruht, die aus einem Keller heraus mehr zustande bringen können als manche Ministerien mit ihren Budgets, Präsentationen und Beratern.

Das russische Imperium muss nicht einen großen Schlag spüren, sondern ständigen Schmerz. Einen Schmerz, der den Schlaf raubt. Einen Schmerz, der dazu zwingt, Ressourcen umzuleiten. Einen Schmerz, der das Gefühl der Straflosigkeit zerstört. Einen Schmerz, nach dem jeder Gouverneur, jeder Fabrikdirektor und jeder Nutznießer des imperialen Systems zu verstehen beginnt, dass der Krieg nicht mehr bloß ein Fernsehereignis für die russische Provinz ist.

Flattere wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene.

Aber nicht nur einmal.

Jeden Tag.

Tausendfach.

Millionenfach.

Denn ein Imperium, das seit Jahrhunderten daran gewöhnt ist, andere zu beißen, muss endlich eine einfache Wahrheit begreifen:

Die Ukrainer sind nicht gekommen, um es zu bitten, gut zu werden.

Die Ukrainer sind gekommen, um dafür zu sorgen, dass es kein Imperium mehr sein kann.


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Art der Quelle: Social Media

Autor: Lubomir Haidamaka
Veröffentlichung / Entstehung: 03.06.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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