Russland verliert den Abnutzungskrieg | Vitaly Portnikov. 16.08.2026.

Russland kann den Abnutzungskrieg verlieren, und seine führenden Ökonomen erkennen das an, während der Kreml davon nichts hören will. So lässt sich die Nachricht kommentieren, die heute praktisch den ganzen Tag in den Medien diskutiert wurde: die Entlassung des Chefökonomen der russischen Vnesheconombank, Andrei Klepach.

Auf den ersten Blick keine besonders bedeutende Position und keine besonders bedeutende Persönlichkeit, doch es geht um einen der bekanntesten russischen Ökonomen und um die Gründe für seine Entlassung. Russische oppositionelle Medien betonen, dass die Führung der Vnesheconombank gezwungen war, sich von Klepach zu trennen, gegen den es keinerlei dienstliche Beanstandungen gab, und zwar wegen seines jüngsten Auftritts, in dem er die Lage der russischen Wirtschaft beschrieb.

Klepach betonte, dass Russland den wirtschaftlichen Abnutzungskrieg verliert, dass es im Wettbewerb mit dem Westen nicht konkurrenzfähig ist und dass selbst die ukrainische Wirtschaft trotz der Angriffe auf ihre wichtigen Einrichtungen und trotz der demografischen Probleme besser überlebt, als man es in der Russischen Föderation erwarten konnte. Und gerade dieser Auftritt mit seinen düsteren Prognosen für die Zukunft der russischen Wirtschaft wurde zum Grund für die Entlassung des bekannten Ökonomen mit seiner relativ unabhängigen Position.

Das bedeutet, dass die Taktik, die die Ukraine heute im Bündnis mit dem Westen gewählt hat, im Hinblick auf die Suche nach Wegen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges richtig ist. Einerseits sehen wir tatsächlich, dass die russische politische Führung unter Putin nicht einmal daran denken will, den Krieg auf diese Weise zu beenden und die diplomatischen Bemühungen wieder aufzunehmen. Dass keinerlei Vorschläge zur Beendigung des Krieges Putins Haltung beeinflussen, der weiterhin darauf hofft, noch mehr ukrainisches Territorium zu erobern und die Wirtschaft unseres Landes zu zerstören.

Andererseits zeigt Russland immer wieder, dass es mit der zivilisierten Welt nicht konkurrieren kann, dass es die westlichen Sanktionen natürlich ignorieren kann, diese sich aber sowohl auf seine Realwirtschaft als auch auf sein Finanzsystem auswirken, dass die russischen Ressourcen ohne den westlichen Markt dazu verurteilt sind, ihre Rolle als wichtigstes Instrument zur Auffüllung des russischen Staatshaushalts zu verlieren. Und vor allem hilft Russlands Abhängigkeit von den Ländern des Globalen Südens, in erster Linie von der Volksrepublik China, nicht dabei, die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Russischen Föderation auszubauen, denn China ist gerade nicht daran interessiert, dass Russland überlebt. China ist sowohl an einer Schwächung des Westens als auch an einer Schwächung Russlands interessiert.

Aus der Perspektive Pekings kann Russland in dieser Situation schlicht wie ein politischer Satellit und wirtschaftliches Anhängsel der Volksrepublik China erscheinen. Wir verstehen sehr gut, dass Moskau im Wettbewerb der Volkswirtschaften nicht nur gegen Peking, sondern auch gegen den Westen verliert, nicht nur gegen Neu-Delhi, sondern gegen den gesamten Globalen Süden. Und wenn russische Ökonomen versuchen, ihre eigene Führung darauf aufmerksam zu machen, versucht man ihnen, wie wir sehen, wenn schon nicht die Möglichkeit zu öffentlichen Auftritten zu nehmen, dann zumindest jene Ämter, die es erlauben würden, solche Äußerungen mit einer offiziellen Position in Verbindung zu bringen.

Gerade deshalb sind die sogenannten Systemliberalen im Umfeld des russischen Präsidenten Putin mit ihren Prognosen so vorsichtig, obwohl auch ihre Auftritte auf den jüngsten russischen Wirtschaftsforen keineswegs von Optimismus geprägt waren. Diese Menschen verstehen sehr gut, dass Putin versucht, einen Krieg entgegen den wirtschaftlichen Realitäten zu führen, und sorgen sich deshalb um den Erhalt ihrer Ämter. Und die jetzige Entlassung eines Ökonomen, der bis zu diesem Zeitpunkt nur wenigen bekannt war, hat gezeigt, dass tatsächlich jede Meinung verfolgt wird, die von der allgemeinen optimistischen Haltung der russischen Führung abweicht, selbst wenn es um Menschen geht, die weiterhin Teil der Putin-Elite sind.

Wir können also mit Sicherheit sagen, dass Putin Russland mit seiner Kurzsichtigkeit und seinem mangelnden wirtschaftlichen Weitblick auf genau jenen wirtschaftlichen Abgrund zutreibt, den wir so dringend brauchen, damit der russisch-ukrainische Krieg endet. Denn ein anderes Mittel als den wirtschaftlichen Zusammenbruch Russlands, die Verarmung der russischen Bevölkerung und das Fehlen der Ressourcen für den weiteren Betrieb der russischen Kriegsmaschinerie gibt es schlicht nicht.

Natürlich schließt dies auch die Probleme der Ukraine nicht aus. Aber die Ukraine hat den offensichtlichen Vorteil, dass wir erstens nie in einem Zustand einer paternalistischen Wirtschaft wie in Russland gelebt haben und unsere Gesellschaft weitaus mehr Eigeninitiative zeigt als die Gesellschaft der Russischen Föderation, wo es eher eine Fassade der Marktwirtschaft gab, hinter der sich staatliche Mechanismen verbargen. Und zweitens profitieren wir von den Interessen und Möglichkeiten der zivilisierten Welt, die nicht nur die Notwendigkeit einer Niederlage Russlands in diesem Krieg versteht, sondern auch die Notwendigkeit des Wiederaufbaus der Ukraine. Auch das ist ein wichtiger Punkt für jeden, der sich der Lage im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung jener Ereignisse bewusst ist, die heute im russisch-ukrainischen Krieg von entscheidender Bedeutung sind.

Auch das ist ein wichtiger Punkt, an den man denken muss, wenn wir über die weitere Entwicklung in der Konfrontation zwischen Russland und der Ukraine sprechen. Er ist auch deshalb wichtig, weil diese Konfrontation die Möglichkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung verdeutlicht – sowohl jene, die mit den Möglichkeiten der westlichen Volkswirtschaften verbunden sind, als auch jene der Wirtschaft der Russischen Föderation. Und die Wirtschaft der Russischen Föderation verliert, wie es bereits zu Sowjetzeiten wiederholt der Fall war, ganz offensichtlich gegen die wirtschaftlichen Möglichkeiten der zivilisierten Welt.

Das sowjetische Szenario des Niedergangs wiederholt sich. Und es ist sehr erstaunlich, dass Putin, der seine Karriere in den letzten Jahren der Sowjetunion machte, später sogar stellvertretender Bürgermeister von St. Petersburg war und eigentlich verstehen müsste, wie Marktmechanismen funktionieren, erneut in dieselbe Falle gerät, in die vor ihm schon die Führer der Sowjetunion geraten waren. 

Offenbar begreift er nicht, dass es nicht genügt, sein Land zur Marktwirtschaft zu erklären. Dieses Land muss tatsächlich Teil des weltweiten Wirtschaftsgefüges sein und darf sich nicht einfach nur an China orientieren. Und seine Bürger sollten nicht damit beschäftigt sein, unter den Bedingungen von Explosionen in Wildberries-Lagern um ihr eigenes Überleben zu kämpfen, sondern Teil der weiteren Entwicklung der wirtschaftlichen Prozesse in der Welt sein und in ihrem eigenen Land Eigeninitiative entfalten können, anstatt zu Kanonenfutter für Putins Krieg gemacht zu werden.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росія програє війну на винищення | Віталій Портников. 16.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 16.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach, veröffentlicht auf uebersetzungenzuukraine.data.blog.


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