Die Falle der Verhandlungen mit Putin | Vitaly Portnikov @EspresoTv. 22.09.2026.

Kateryna Nekretscha. Mein Name ist Kateryna Nekretscha, und Sie sehen „Die Blackbox“. Das ist unser Projekt, in dem wir die Mechanismen von Ereignissen untersuchen, politische Entscheidungen und historische Prozesse analysieren und zu verstehen versuchen, wohin sie führen werden. Und all das können wir nicht ohne Vitaly Portnikov tun, der uns zugeschaltet ist.

Heute werden wir also über die Kunst des Verhandelns sprechen. Können Verhandlungen einen Krieg beenden? Gab es dafür Beispiele in der Geschichte? Gab es in der Geschichte umgekehrt Beispiele dafür, dass gescheiterte Verhandlungen die Situation verschlimmerten? Und in diesem ganzen Strudel von Fragen möchte man natürlich auch versuchen, eine Antwort auf die Frage zu bekommen: Wie könnte der russisch-ukrainische Krieg enden?

Zunächst möchte ich Sie fragen: Können Verhandlungen als Prozess, als ein solcher diplomatischer und politischer Prozess, Ihrer Meinung nach überhaupt zum Ende eines Krieges führen? Kann infolge von Verhandlungen Frieden eintreten?

Portnikov. Natürlich kann infolge beliebiger Verhandlungen Frieden eintreten. Nur muss dafür auf beiden Seiten der Wille zum Frieden vorhanden sein. Im Grunde geht es ja nicht um die Verhandlungen als solche, sondern darum, dass beide Seiten Frieden anstreben, dass sie ein Ende des Krieges erreichen wollen.

Wenn Länder, die Krieg führen, ein Ende des Krieges wollen, leiten sie einen Verhandlungsprozess ein, um zu verstehen, unter welchen Bedingungen Frieden erreicht werden kann. Und übrigens hat der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump vollkommen recht, wenn er ständig wiederholt, dass zum Tango zwei gehören. Das heißt, die Ukraine, die Opfer einer ungerechtfertigten Aggression geworden ist, muss ein Ende des Krieges wollen. Aber auch Russland muss ein Ende des Krieges wollen, das seinerseits, wie Sie sehen, alles Mögliche tut, damit der Krieg weitergeht.

Und nur wenn sowohl in Moskau als auch in Kyiv ein Ende der Kampfhandlungen angestrebt wird, kann man darauf hoffen, dass der Krieg tatsächlich endet. Wenn aber eine Seite den Krieg fortsetzen und die andere ihn beenden will, dann sind natürlich alle Verhandlungen, selbst wenn sie stattfinden, ausschließlich, wenn Sie so wollen, eine Imitation des Prozesses. Darüber muss man sprechen, wenn wir jetzt die jüngsten Ereignisse diskutieren.

Denn jedes Mal, wenn ein Verhandlungsprozess beginnt, sehen wir sofort, wie die Hoffnungen der ukrainischen Gesellschaft wachsen. „Sehen Sie, wenn Putin beschlossen hat, sich mit den amerikanischen Vermittlern zu treffen, wenn er wieder mit ihnen spricht, dann gibt es also Hoffnung auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges.“

Ich aber glaube, dass Putin seine eigenen Wünsche und seine eigenen Aufgaben haben kann, die mit dem Ende des Krieges verbunden sind. Und er muss Treffen mit den Amerikanern keineswegs für eine unabdingbare Voraussetzung echter Verhandlungen, für eine unabdingbare Voraussetzung eines tatsächlichen Kriegsendes halten. Im Gegenteil, er kann den Verhandlungsprozess als Instrument, wenn Sie so wollen, für seine Beziehungen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten nutzen.

Das heißt, Trump braucht Verhandlungen, und Putin braucht Trump. Und wenn er darüber nachdenkt, wie er mit dem amerikanischen Präsidenten eine gemeinsame Sprache finden kann, dann geht er seinerseits davon aus, dass er, wenn Trump einen Friedensprozess braucht, diesen eben imitieren wird. Genau damit haben wir es jetzt zu tun.

Kateryna Nekretscha. Als ich mich auf unser Gespräch vorbereitet habe, habe ich mit einem Vertreter der Ukraine aus der ukrainischen Delegation gesprochen, der all diese Jahre seit Beginn der großangelegten Invasion an diesen Vorbereitungen, an diesen Verhandlungen beteiligt ist. Und mich interessierte einfach, wie sich dieser Moment verändert hat, nachdem Trump Präsident geworden war. Und wie mir erzählt wurde, musste man den amerikanischen Partnern zunächst alles erklären: bestimmte historische Aspekte, warum für die Ukraine jedes Territorium wichtig ist, kulturelle Aspekte. Das heißt, man musste buchstäblich bei null anfangen und die eigene Position erklären, was wie geschieht. Gewissermaßen musste man den amerikanischen Partnern, den Vertretern Trumps, sogar Geschichtsunterricht geben. Sagen wir es so: Wir sind es manchmal gewohnt zu hören, dass dies eine Verzögerung des Prozesses ist, weil Trump den Anschein erwecken oder tatsächlich irgendwelche Kriege beenden muss, worüber er ständig spricht. Ist es eine notwendige Voraussetzung für Verhandlungen, wenn es Seiten gibt, denen die Ukraine sogar ihre historischen und kulturellen Aspekte erläutern, vermitteln und auf Karten erklären muss, warum wir dieses eigene Territorium nicht abgeben dürfen? Oder sind das eigentlich selbstverständliche Dinge, bei denen ein unabhängiger Staat nicht erklären müsste, warum er seine Territorien nicht teilen will?

Portnikov. Sehen Sie, in Wirklichkeit spielen wir nach den russischen Regeln. Wir geraten jetzt in genau dieselbe Falle, die Putin so geschickt aufgestellt hat. Und auch Ihr Gesprächspartner befindet sich in dieser Falle, denn es stellt sich heraus, dass wir mit den Amerikanern darüber sprechen – und damit sind auch die Amerikaner in dieser Falle –, dass es irgendwelche Territorien gibt, die uns historisch gehören.

Obwohl, wie Sie verstehen, sobald ein Gespräch über die historische Zugehörigkeit eines Territoriums beginnt, dies immer gekontert werden kann, denn ein großer Teil ukrainischer Territorien ist ein untrennbarer Bestandteil der Russischen Föderation. Ich meine ukrainische nationale Territorien. Und niemand stellt ihre Zugehörigkeit zu Russland infrage. Das ist also, würde ich sagen, kein besonders gelungenes Argument im Verhandlungsprozess, weil sich die Grenzen europäischer Länder ständig verändert haben.

Es gibt das Argument des Völkerrechts. Ich halte es für wesentlich besser. In den Grenzen, in denen uns die Russische Föderation 1991 anerkannt hat, müssen beide Staaten existieren, Russland und die Ukraine. Gibt es irgendwelche kulturellen Argumente? Wir sprechen dort die eine Sprache, sie eine andere. Obwohl auch das, wie Sie verstehen, für Russland und sogar für die Vereinigten Staaten ein unsicheres Argument ist.

Aber darum geht es gar nicht. Wir beginnen all das mit den Amerikanern so zu diskutieren, als müsste man nur zustimmen, dass die Gebiete Donezk und Luhansk vollständig unter russische Kontrolle kommen, und schon wäre der Krieg vorbei. Und wir diskutieren das eifrig mit den Amerikanern, wir diskutieren es mit unserer Gesellschaft. „Wissen Sie, wir können die Gebiete, in denen unsere Armee steht, einfach nicht kampflos abgeben. Wissen Sie, wir können auf diese Gebiete nicht verzichten und werden sie verteidigen, denn warum sollten wir sie abgeben, wenn die Russen sie nicht erobern können?“

Aber das hat mit dem Ende des Krieges überhaupt nichts zu tun. Das ist einfach unser Spiel nach Putins Drehbuch. Warum? Weil Putin uns sagt: „Wissen Sie, wenn Sie die Gebiete Donezk und Luhansk verlassen, könnten Bedingungen dafür entstehen, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine beendet wird.“ „Danach werden wir echte Verhandlungen beginnen“, sagt Putin uns. Aber er sagt nicht, dass er den Krieg beenden wird, denn wie Sie wissen, hat Russland für ein Ende des Krieges eine Million weiterer Forderungen. Demilitarisierung, Entnazifizierung, neutraler Status der Ukraine. Putin fordert vieles.

Und wenn wir anfangen, uns auf die Territorien zu konzentrieren, beginnen wir faktisch, nach dem russischen politischen Plan zu spielen. Wir diskutieren eine Frage, die mit dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges überhaupt nichts zu tun hat. Wir können diese Gebiete verteidigen, und ich halte das für richtig, weil es keinerlei Grund für die Annahme gibt, dass man Gebiete, die man verteidigt, einfach deshalb abgeben kann, weil das Land, das einen angreift, es so beschlossen hat. Wir können auf diese Gebiete verzichten, wenn dies dem Willen der ukrainischen Gesellschaft entspricht und die ukrainische Staatsführung eine solche Entscheidung trifft. Aber das wird den Krieg nicht beenden. Es wird lediglich bedeuten, dass wir in diesem Krieg noch weitere Gebiete verlieren.

Nun, wir haben Teile der Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja verloren. Hat das den Krieg beendet? Stellen wir uns vor, wir verlieren diese vier Gebiete vollständig. Wo ist die Garantie, dass danach der Krieg endet? Ich habe eine andere Gewissheit. Ich bin überzeugt, dass der Krieg danach nur weitergehen wird, dass auch andere Gebiete besetzt werden.

Aber wenn wir mit den Amerikanern über diese Themen sprechen, wenn Ihr Gesprächspartner über diese Themen spricht, desorientieren wir die Amerikaner faktisch, sodass es aussieht, als würden wir einfach über ein paar Kilometer Territorium sprechen. Und die Amerikaner beginnen uns zu sagen: „Na ja, dann gebt diese paar Kilometer ab, schließlich wird euer ganzes Land zerstört. Gebt diese Kilometer ab und macht euch und uns nicht länger den Kopf damit schwer.“

Und die Gesellschaft beginnt zu sagen: „Hören Sie, dann geben wir eben Kramatorsk, Slowjansk und schließlich Saporischschja ab, und dann gibt es keinen Krieg mehr, dann werden Kyiv, Poltawa, Charkiw und Ternopil nicht mehr bombardiert. Warum sollen wir mit unseren Kindern wegen dieser Städte leiden, in denen wir noch nie waren? Nun, die Russen brauchen diese Städte. Geben wir sie ihnen. Führen wir Verhandlungen und geben wir sie ab.“

Aber das ist alles nicht wahr. Und wenn wir anfangen, so zu tun, als könnten wir einfach ein Stück Territorium abgeben und dann wäre alles vorbei, verwandeln wir uns in einen, wissen Sie, KZ-Häftling, der glaubt, dass all sein Leiden ein Ende hat, wenn man ihm ein paar Finger abhackt. Natürlich ist es unangenehm, ohne Finger zu sein, aber man will leben, also sollen sie diese Paar Finger eben abhacken, und er wird weiterleben. Und danach führt man ihn ohne Finger in die Gaskammer. Verstehen Sie?

Und genau das muss der Kern des Verständnisses dieses Prozesses sein. Das Problem des russisch-ukrainischen Krieges besteht darin, dass die Ukrainer sich bis heute nicht die Wahrheit über die tatsächlichen Ziele der Russischen Föderation sagen wollen. Und das überrascht mich nicht, denn ich möchte Sie daran erinnern, dass die Juden, die während des Zweiten Weltkriegs in Konzentrationslager gebracht oder nach Babyn Jar geführt wurden, sich bis zur letzten Minute – bis zu dem Moment, als man begann, sie in den Konzentrationslagern in die Gaskammern zu führen, oder bis die ersten Schüsse in Babyn Jar fielen – nicht eingestehen konnten, was tatsächlich geschehen würde. Die Menschen, die nach Babyn Jar geführt wurden, glaubten, man würde sie aus Kyiv aussiedeln und an einen anderen Wohnort umsiedeln. Aus irgendeinem Grund hätten die Hitlerleute eben entschieden, dass Juden nicht in großen Städten leben sollten, also würden sie in irgendwelchen anderen Städten leben, in denen man sie ansiedeln würde. Die Menschen, die in Konzentrationslager gebracht wurden, glaubten, man bringe sie dorthin, um zu arbeiten.

Kateryna Nekretscha. Das ist die menschliche Natur. Wahrscheinlich können sich nur wenige ehrlich eingestehen oder glauben, dass es tatsächlich so weit gehen kann, dass ein solcher Mord möglich ist.

Portnikov. Die menschliche Natur ist der Selbsterhaltungstrieb. Wenn bei einem Menschen der Selbsterhaltungstrieb versagt, stirbt er. Es ist nicht die menschliche Natur, die so ist. Es gibt einfach Menschen, denen der Selbsterhaltungstrieb fehlt.

Kateryna Nekretscha. Manche erstarren, manche kämpfen, manche fliehen.

Portnikov. Natürlich. Oder Menschen geraten in eine solche Situation. Wenn man dich nach Babyn Jar führt, dann gerät der Mensch in eine Situation, in der er diese Kolonne ohnehin nicht verlassen kann, verstehen Sie? Und sie redet sich irgendwelche Geschichten ein, die sich nicht bewahrheiten werden. Er will sich einfach sagen, dass alles gut mit ihm sein wird. Glauben Sie, dass es in diesen Kolonnen von Menschen, die nach Babyn Jar gingen, Menschen gab, die alles verstanden hatten? Die gab es.

Und ich kenne übrigens eine Geschichte, die ich einmal im israelischen Radio gehört habe. Dort sprach eine Frau, die erzählte, dass sie Hand in Hand mit ihrer Mutter nach Babyn Jar ging. Ihre Mutter hielt sie an der Hand. Sie war ein vierjähriges Kind. Und plötzlich, an irgendeiner Wegbiegung, packte ihre Mutter sie mit aller Kraft und schleuderte sie in irgendeine Schlucht neben dem Weg. Sie stieß sie einfach sehr heftig, und das Mädchen rollte hinunter. Der Stoß war so stark, dass sie in diese Schlucht hinunterrollte und dort bis zum Morgen lag, weil der Stoß so heftig gewesen war, dass es ihr sogar schwerfiel aufzustehen. Sie konnte einfach nicht zu sich kommen. Und als sie aufstand und wieder zu sich kam, war dort in Babyn Jar alles vorbei. Eine ukrainische Frau nahm sie auf und rettete ihr das Leben. So überlebte sie bis zum Ende des Krieges in der Familie dieser ukrainischen Frau und repatriierte später nach Israel. Aber ihre Mutter hatte verstanden, dass das Mädchen höchstwahrscheinlich getötet werden würde, wenn sie mit ihm bis zu Babyn Jar weiterging. Bei ihr wirkte nicht der eigene Selbsterhaltungstrieb, sondern der Selbsterhaltungstrieb für ihr Kind. Auf diese absolut unglaubliche Weise konnte sie ihr Kind retten.

Ich möchte also sagen, dass wir wie diese Mutter handeln müssen. Auf diese Weise müssen wir das Vaterland retten. Wenn wir aber einfach die Straße entlanggehen und uns damit einlullen, dass Witkoff und Kushner morgen kommen und Putin überzeugen werden, dass man Verhandlungen beginnen und den Krieg beenden müsse, dann werden wir darauf niemals warten können. Deshalb sage ich ständig: Wir dürfen uns keinerlei Illusionen machen.

Damit es irgendwelche echten Verhandlungen geben kann, muss man die Ziele des Feindes klar verstehen. Die Ziele des Feindes sind die Vernichtung des ukrainischen Staates und die Vernichtung des ukrainischen Volkes. Und das ist ein sehr wichtiger Punkt, denn die Vernichtung des ukrainischen Staates war immer das Ziel der Russen, aber die totale Vernichtung des ukrainischen Volkes, die sogenannte endgültige Lösung der ukrainischen Frage nach dem Vorbild der jüdischen, hat es so nicht gegeben, weil die Russen die Ukrainer immer für ausreichend loyal gegenüber ihrer Herrschaft hielten. Aus der Sicht eines Russen wie Putin, eines chauvinistisch eingestellten Russen, ist ein Ukrainer ein noch nicht ganz fertiger Russe, den man einfach nur noch zum Russen machen muss.

Nun haben diese Kriegsjahre die Russen davon überzeugt, dass dem nicht so ist. Sie haben daraus alle Schlüsse gezogen: Weder soll es den Staat geben, noch soll es Menschen geben, die sich als Ukrainer betrachten. Das muss man sich einfach bewusst machen.

Weiter muss man sich bewusst machen, dass Verhandlungen während eines Krieges immer dann stattfinden, wenn es eine reale Grundlage dafür gibt, dass sie stattfinden können. Mit Grundlage ist, wie Sie verstehen, zunächst einmal eine Waffenruhe gemeint.

Kateryna Nekretscha. Bevor wir über die Waffenruhe und über irgendwelche Anzeichen dafür sprechen, dass der Aggressor bereit ist zu reden, nur einige historische Beispiele. Nun, weil wir darüber in unseren Sendungen sprechen: Wir erinnern an das Münchner Abkommen von 1938, als man Deutschland gewissermaßen etwas geben wollte, damit es sich beruhigt, aber letztlich beruhigte es sich nicht und rückte weiter vor. Der Versailler Vertrag. Interessant ist auch das umgekehrte Beispiel, als nach dem Ersten Weltkrieg ohne Deutschland diskutiert und gewissermaßen gesagt wurde, es müsse so und so sein, und Deutschland dann trotzdem wieder zu Kräften kam und weitermachte. Diese Parallelen können wir doch klar ziehen, wenn ein Aggressor ein Aggressor ist, seine Schuld nicht anerkennt und offensichtlich nicht aufhören will. Was sind also die Anzeichen? In welchen Momenten kann eine solche Beschwichtigung irgendwo funktionieren und wann nicht? Oder Verurteilung und die Grenzen, die Länder jetzt gewissermaßen setzen können, und dann kommt der Aggressor, sammelt wieder Kräfte und schlägt noch härter zu. Gemessen an den heutigen Anzeichen.

Portnikov. Ich glaube aus mehreren Gründen nicht, dass das besonders passende Parallelen sind. 1938 gab es überhaupt keinen Krieg. Die Entscheidung, dass „wir Gebiete der Tschechoslowakei abgeben“, ich meine, dass die zivilisierte Welt sie abgibt, wurde getroffen, damit es keinen Krieg gibt. Es war eine Entscheidung, um einen Krieg zu verhindern. Wir befinden uns aber bereits im Krieg, seit zwölf Jahren im Konflikt und seit viereinhalb Jahren im großen Krieg. Deshalb funktioniert München hier nicht. München ist gerade ein Beispiel dafür, wie der Wunsch, einen Krieg zu verhindern und nicht zuzulassen, zu seinem Beginn führte. Bei uns ist es aber nicht mehr München.

Und der Versailler Vertrag wurde geschlossen, als Deutschland besiegt war. Bei uns gibt es noch keinen Versailler Vertrag. Einen Versailler Vertrag könnte es geben, wenn beispielsweise Russland die Ukraine besiegt und uns einen Versailler Vertrag aufzwingt.

Oder es gab 1945 die Kapitulationsurkunde Hitlerdeutschlands. Das waren doch überhaupt keine Verhandlungen. Man lädt einfach die Führung des besiegten Landes ein. Man sagt einfach: „Unterschreiben Sie hier. Hier ist das Papier, unterschreiben Sie hier. Und jetzt sind Sie wegen Kriegsverbrechen verhaftet. Bitte gehen Sie ins Gefängnis.“ Denn wie Sie wissen, wurden Menschen, die die Kapitulation Hitlerdeutschlands unterzeichneten, zu Angeklagten im Nürnberger Prozess. Man verlangte von ihnen lediglich, dass sie ihren Truppen einen klaren Befehl zur Einstellung des Feuers erteilten, und danach begann man, sie wegen Kriegsverbrechen vor Gericht zu stellen.

Das ist also gerade kein besonders genaues Beispiel. Wenn wir Russland besiegt hätten, könnten wir ihm Bedingungen diktieren. Und dann würden wir sagen: „Nun haben wir es besiegt, diktieren ihm Bedingungen, aber es wird wieder zu Kräften kommen und uns erneut angreifen.“

Jetzt ist die Situation aber völlig anders. Der Krieg befindet sich jetzt in einer Sackgasse. Weder Russland kann seine Ziele erreichen, noch können wir unsere Ziele erreichen. Und bislang sieht keine der Seiten eine Grundlage für einen Durchbruch. Genau darüber sprechen auch andere Länder.

Darüber sprechen meines Erachtens nicht nur die westlichen Länder, nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch die Volksrepublik China deutet Putin das an: „Wenn du keinen wirklichen Durchbruch erreichen und deine Aufgaben zur Vernichtung ihrer Staatlichkeit nicht erfüllen kannst, dann vereinbare wenigstens, nicht weiter Ressourcen für etwas zu verschwenden, das du nicht erreichen kannst.“

Putin sieht das aber anders. Er glaubt, dass die Zeit auf seiner Seite ist und dass er das, was er heute nicht erreichen kann, morgen erreichen wird. Deshalb gibt es keine echten Verhandlungen.

Kateryna Nekretscha. Ich habe in diesem Gespräch mit der Person aus der Verhandlungsgruppe auch nach den Erwartungen gefragt und danach, wohin das alles führt. Im Grunde stimmt das, was wir öffentlich in unseren Sendungen mit Ihnen diskutieren und worüber Sie sprechen, ungefähr mit dem inneren Eindruck überein: Der Prozess muss stattfinden, weil die Ukraine zeigen muss, dass sie an einem Ende des Krieges interessiert ist. Offensichtlich spielen alle ihre Rollen. Trump würde den Krieg natürlich gerne beenden, weil das für ihn ein großer Pluspunkt wäre. Wie der Krieg endet, ist eine andere Frage. Wahrscheinlich stimmen viele Einschätzungen darin überein, dass es ihm gleichgültig wäre. Würde die Ukraine kapitulieren, würde er sagen: „Wir haben den Krieg beendet.“ Würde Russland kapitulieren, würde er sagen: „Sehen Sie, ich bin ein guter Verhandler.“ Also egal wie, Hauptsache, es endet. Und Russland wiederum zieht etwas in die Länge, spielt seine Rolle, hält bei diesen Treffen dieselben Geschichtsvorträge, statt darüber zu sprechen, wo man hier aufhören kann, wo man den Krieg stoppen kann, wie viele Menschen man beispielsweise zurückgeben wird, wie viele eurer zivilen Kinder, die wir euch weggenommen, gestohlen, entführt haben. Und das alles ist ein solches Spiel. Jeder hat darin seine Rolle und spielt sie. Wenn wir darüber sprechen, wohin das weiter führen kann: Nun, wir haben bereits die zweite Hälfte des Jahres 2026. Aus meinen Gesprächen mit unseren Bürgern sehe und höre ich, dass noch immer Hoffnungen bestehen, dass sich das irgendwie durch Verhandlungen lösen lässt. Gleichzeitig betont die ukrainische Seite: Wir wollen uns treffen, Zelensky soll sich mit Putin treffen, es soll ein Treffen der Staatschefs geben, denn vielleicht verändert sich gerade dann etwas, wenn die Staatschefs zusammentreffen. Kann ein Treffen Volodymyr Zelenskys mit Wladimir Putin Ihrer Meinung nach die Situation irgendwie verändern?

Portnikov. Mir scheint, man muss von vorne anfangen. Ich meine, der Präsident der Vereinigten Staaten Joseph Biden versuchte, mit Putin darüber zu sprechen, dass man die Ukraine nicht angreifen dürfe, und warnte ihn vor den Folgen. Als er sah, dass Putin dem keinerlei Beachtung schenkte, verzichtete er auf jeglichen Kontakt mit ihm, bis Russland tatsächlich ein echtes Ende des Krieges wollen würde. Und das war eine richtige Position, die erstens auf einem Verständnis der Motive des russischen Präsidenten beruhte und zweitens auf dem Verständnis, dass die Vereinigten Staaten außer Sanktionen keine besonders großen Möglichkeiten haben, Druck auf Russland auszuüben. Denn die Vereinigten Staaten verhängen Sanktionen, die Volksrepublik China kauft weiterhin Öl von Russland, Indien kauft weiterhin Öl von Russland. Russland bekommt Geld, um den Krieg fortzusetzen. Was können die Amerikaner tun? Nur der Ukraine helfen.

Als Donald Trump an die Macht kam, verwarf er dieses Konzept. „Man muss der Ukraine nicht helfen. Warum sollten wir dafür Geld ausgeben? Wir sprechen lieber mit Putin und erreichen Frieden. Und Frieden gab es nur deshalb nicht, weil niemand mit Putin gesprochen hat.“ Das war eine völlig falsche, dilettantische Position, die nicht nur auf einer falschen Einschätzung der Perspektiven des Krieges beruhte, sondern auch auf dem Unverständnis dafür, dass die Vereinigten Staaten keine ernsthaften Instrumente besitzen, um Druck auf den russischen Staatschef auszuüben. Und man kann sagen, dass es Trump weniger darum ging, den Krieg zu beenden, als vielmehr darum, die Beziehungen zu Putin wiederherzustellen.

Aber er verstand, dass sich diese Beziehungen ohne ein Ende des Krieges nicht in dem Umfang wiederherstellen ließen, auf den er gehofft hatte. Und so sind wir in einen Prozess der Imitation geraten. Diesen Prozess hätte es einfach überhaupt nicht geben dürfen. Bidens Position war vollkommen richtig. Trumps Position war falsch. Und alles, was wir jetzt beobachten, ist das Ergebnis dieser Position.

Wenn Donald Trump nicht Präsident der Vereinigten Staaten wäre, gäbe es diese Komödie einfach nicht. Verstehen Sie? Denn ich habe gesehen, wie unsere Bürger darauf reagieren: „Nun sind Witkoff und Kushner zu uns gekommen, und man hat sie nicht richtig empfangen, ist in irgendwelchen T-Shirts herausgekommen, hat nicht ernsthaft mit ihnen gesprochen.“ Vielleicht, ich werde darüber nicht einmal streiten, hätte man ihnen keine T-Shirts schenken sollen, vielleicht hätte man bei den Verhandlungen nicht in T-Shirts erscheinen sollen, aber verstehen Sie denn nicht, dass Witkoff und Kushner an sich schon eine Komödie sind? Sie sind die Komödie. Das ist die Komödie.

Nicht Arachamija, nicht Umerow, der größte groteske Komödie sind zwei Immobilienmakler, die von Politik überhaupt nichts verstehen, durch die Welt reisen, keinen einzigen Konflikt gelöst haben, in dem sie Verhandlungen führten, sondern alle Konflikte nur noch weiter festgefahren haben. Und deren wichtigste Aufgabe darin besteht, Donald Trump zu gefallen, denn wenn Donald Trump sie mag – es handelt sich um seinen Freund und seinen Schwiegersohn –, eröffnet ihnen das den Zugang zu finanziellen Strömen. Sie handeln wie Geschäftsleute, die einem Auftraggeber gefallen wollen, wie Immobilienmakler, die eine Wohnung verkaufen wollen. Und das hat mit Verhandlungen und dem Ende des Krieges überhaupt nichts zu tun.

Und anstatt einander zu sagen: „Hören Sie, diese Leute spielen eine Komödie. Wir können an dieser Komödie nur teilnehmen, damit die Amerikaner nicht aufhören, uns Geheimdienstinformationen zu liefern, und damit sie nicht aufhören, den Europäern Waffen zu verkaufen, solange sie überhaupt noch welche haben, denn bald werden sie auch keine mehr haben“, beginnen wir, statt uns das zu sagen, zu erklären: „Nun sind ernsthafte Leute zu uns gekommen, und wir haben sie nicht ernst genommen.“ Hören Sie auf, sich Dinge auszudenken, die es nicht gibt.

Kateryna Nekretscha. Das heißt, man hat sie so behandelt, wie sie es verdienen?

Portnikov. Nun, ich würde dort auch nicht in einem T-Shirt herumlaufen. Hören Sie, ich verstehe sehr gut, dass die Menschen, die die Ukraine regieren, im Grunde ebenfalls Dilettanten sind. Nun, auch das kann man als vollendete Tatsache betrachten. Aber das ändert nichts daran, dass Menschen zu uns kommen, die ebenfalls Dilettanten sind. Wenn die einen Dilettanten den anderen Dilettanten mit protokollarischen, würde ich sagen, Zeremonien begegnen, wird das an der Kriegssituation trotzdem nichts ändern.

Dass Putin Witkoff und Kushner in voller Montur, mit Jackett und Krawatte empfängt, steigert seinen Wunsch, den Krieg zu beenden, nicht, sondern verringert ihn im Gegenteil, denn er weiß, dass Witkoff und Kushner, solange er mit den Amerikanern spricht, zumindest davon überzeugen können, dass man keine neuen harten Sanktionen gegen Russland verhängen sollte.

Nicht die Krawatte entscheidet über das Ende des Krieges, sondern das Fehlen militärischer, wirtschaftlicher, sozialer und demografischer Ressourcen. Solange Putin über diese Ressourcen verfügt, wird er Krieg führen, selbst wenn Trump persönlich zu ihm kommt und nicht nur Witkoff und Kushner.

Nun, und was ein Treffen Zelenskys mit Putin betrifft. Ich verstehe überhaupt nicht, warum Zelensky so von dieser fixen Idee besessen ist, dass er, wenn er Putin trifft, dort irgendetwas regeln wird. Er hat doch bereits die Erfahrung von 2019. Er wollte Putin unbedingt treffen. Damals verstand er überhaupt nichts von Politik. Und aus irgendeinem Grund dachte er, wenn er Putin trifft, werde er ihm etwas sagen, was Poroschenko ihm nicht gesagt hatte. Er werde von Mensch zu Mensch mit ihm sprechen.

Ich halte bereits die Vorbereitung dieses Normandie-Formats für einen der größten politischen Fehler, die Zelensky während seiner Präsidentschaft begangen hat. Denn warum begann der große Krieg im Grunde nicht, bevor Zelensky Präsident der Ukraine wurde? Weil sein Vorgänger bei Putin die Illusion schuf, alle ukrainischen Fragen könnten auf politischem Wege gelöst werden, durch Druck, durch mögliche Investitionen in prorussische politische Kräfte, in prorussische Medien. Und gleichzeitig gab es Möglichkeiten, die ukrainische Armee zu stärken.

Seit 2019 gab es einen völlig anderen Kurs. „Ein ehrliches Gespräch mit Putin. Wir werden mit ihm nicht so sprechen wie Poroschenko. Wir sind hier keine Politiker. Wir sind einfache Jungs. Wir sagen ihm einfach ehrlich, dass wir Frieden wollen. Und andererseits bereiten wir uns nicht auf einen Krieg vor. Wir kürzen die Militärprogramme.“ Und Zelensky selbst sagte: „Wir könnten die Mittel für die Armee erhöhen, aber dann könnten wir keine Straßen bauen.“ Und die Straßen wurden gebraucht, um schnellen Applaus von all den Menschen zu bekommen, die für Zelensky gestimmt hatten und von denen eine große Zahl inzwischen über diese Straßen entweder auf den Friedhof, in die Emigration oder in die Armee gelangt ist. Das ist alles, was geschehen ist.

Und das Treffen mit Putin war einer der Fehler, denn während dieses Treffens überzeugte sich Putin davon, dass Zelensky, den er bis dahin als Kandidaten für eine Revanche, als eine Art neuen Janukowytsch wahrgenommen hatte, in Wirklichkeit kein Janukowytsch war und nicht vor ihm kapitulieren würde. Das war das wichtigste Ergebnis des Treffens in Paris. Putin sah einen politisch sehr schwachen Menschen, der nicht vor ihm kapitulieren wollte.

Was tut ein Raubtier, wenn es vor sich ein potenzielles Opfer sieht und dieses Opfer sich ihm nicht ergeben will? Es entscheidet, dass es dieses Opfer zerreißen muss. Nach Paris wurde also keine Entscheidung über einen Krieg getroffen. Ich möchte Sie daran erinnern, dass in Russland niemals die Entscheidung für einen jahrelangen Krieg getroffen wurde, sondern für einen Blitzkrieg und einen schnellen Austausch der ukrainischen Führung gegen Marionetten.

Zelensky hätte sich so lange wie möglich von einem Treffen mit Putin fernhalten müssen. Zumal die Russen selbst keineswegs darauf brannten, sich mit ihm zu treffen. Und in dieser Zeit hätte man keine Straßen bauen, keine PR-Projekte betreiben und keine Feste mit sich selbst in der Hauptrolle organisieren sollen, sondern sich auf den Krieg vorbereiten, Raketenprogramme ausbauen, die Armee vergrößern und zeigen sollen, dass die Ukraine bereit ist, sich zu verteidigen, also schon die Idee eines Blitzkriegs unmöglich machen. Und dass dies nicht getan wurde, hat den Weg zum großen Krieg geöffnet.

Wir können so oft wir wollen sagen, dass Putin am großen Krieg schuld ist, und das wird eine absolute Wahrheit sein. Aber die Idee des Blitzkriegs entstand aus dem völlig falschen politischen Kurs, den der Präsident der Ukraine und sein Umfeld von 2019 bis 2022 verfolgten. Und für diesen Kurs gab es eine gesellschaftliche Nachfrage, weil die Menschen damals ebenfalls glaubten, man könne durch Verhandlungen leicht Frieden erreichen.

Kateryna Nekretscha. Nun, das ist das, womit wir begonnen haben, und Ihr Beispiel dafür, dass Menschen selbst dann nicht glauben, dass es geschehen wird, wenn sie bereits zur Erschießung geführt werden können. Und Menschen, die verstehen, was geschieht, haben die Chance, im richtigen Moment erfolgreich zu reagieren, um ihr eigenes Leben, das ihrer Kinder oder ihres Landes zu retten.

Portnikov. Oder bis zum Ort der Erschießung zu gehen.

Kateryna Nekretscha. Hier traf also wahrscheinlich Folgendes zusammen: Einerseits sah Putin in Zelensky, wie Sie sagten, dass dieser nicht kapitulieren wollte. Andererseits Zelensky – nun, das ergibt sich aus vielen Interviews mit Diplomaten aus Volodymyr Zelenskys Team, die erzählen, wie es zum Zeitpunkt des Beginns der großangelegten Invasion war. Daraus ergibt sich die seltsame Situation, dass selbst diese dem Präsidenten nahestehenden Menschen ihre Familien nicht außer Landes brachten und bis zuletzt nicht glaubten, dass eine großangelegte Invasion möglich sei. Wenn also die Staatsführung bis zuletzt nicht glaubt, dass dies möglich ist, bereitet sie sich auch nicht so darauf vor, wie sie sich hätte vorbereiten müssen.

Aber über die Motivation dafür, warum es ein Treffen der Staatschefs geben sollte, habe ich ebenfalls mit meiner Quelle gesprochen und gefragt: „Nun, wozu brauchen Sie das?“ Die Motivation lautet, dass dies eine Verhandlungstaktik sei, bei der man die Verhandlungen auf eine andere Ebene bringen müsse; dies würde helfen, die Bereitschaft oder Nichtbereitschaft der Seiten zu Verhandlungen endgültig sichtbar zu machen. Nun, um Amerika endgültig zu zeigen: „Sehen Sie, wir sind bereit. Er sagt dort ganz eindeutig mit seinem eigenen Mund, dass er nicht bereit ist.“ Und die schwierigsten Fragen müssten die Staatschefs besprechen. So ergibt sich, dass Kyiv bereit ist, Washington bereit ist, Moskau aber nicht bereit ist. Und auch das ist ein bestimmtes Signal. Und die schwierigsten Fragen sind jene unter diesen 38 oder wie vielen Punkten es dort gab, wie wir uns nach Anchorage erinnern. Im Grunde geht es dort doch um territoriale Fragen, um Fragen der ukrainischen Armee, nicht wahr? Im Grunde um die ukrainische Unabhängigkeit. Das ist die Motivation.

Sie sagen, Zelensky hätte sich nach seiner Wahl 2019 von einem Treffen mit Putin fernhalten sollen. Sollte Zelensky Ihrer Meinung nach auch jetzt, in diesem Prozess dieser wie auch immer gearteten Verhandlungen, ein solches Treffen meiden, weil Putin es meidet, oder sollte man dieses Thema, dieses Treffen, doch vorantreiben, um Washington zu zeigen: „Sehen Sie, sie sind nicht bereit, übt endlich Druck auf sie aus, damit Moskau irgendwie, nun ja, die Sanktionen endlich in vollem Umfang zu spüren bekommt“?

Portnikov. Noch einmal: Wenn wir Washington sagen, es müsse Druck ausüben, schaffen wir erneut das Problem, in dem Trump und die Vereinigten Staaten stecken. Die Vereinigten Staaten haben keine besonderen Instrumente, um Druck auf Russland auszuüben. Noch einmal: Biden wusste das und hielt sich deshalb von diesem Verhandlungsprozess fern, weil er nicht recht verstand, was die Amerikaner Putin sagen könnten, das Putin zur Kapitulation zwingen würde. Trump versteht das nicht. Er wollte ja auch keinen Druck ausüben. Er wollte sich einigen, Putin sagen: „Wir werden eine für beide Seiten vorteilhafte wirtschaftliche Zusammenarbeit haben.“ Das sagt er doch ständig. Er will Putin nicht mit der Peitsche, sondern mit irgendeinem Zuckerbrot von der Fortsetzung des Krieges abbringen. Putin aber braucht die Ukraine und nicht Trumps Zuckerbrot.

Das ist also ebenfalls eine sehr seltsame Prämisse, die wiederum zeigt, dass wir in Kyiv eine einfache Sache einfach nicht begreifen können. In der Tasche des Präsidenten der Vereinigten Staaten befindet sich kein Schlüssel zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges. Biden hatte ihn nicht, Trump hat ihn nicht, und auch der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird ihn nicht haben. Die Welt hat sich verändert. Früher konnten die Vereinigten Staaten Sanktionen gegen irgendein Land verhängen, und dieses Land war nach einiger Zeit gezwungen, wenn es sich wirklich um ein großes Wirtschaftsland handelte und nicht um Kuba oder Nordkorea, irgendwelche Vereinbarungen mit den Vereinigten Staaten zu treffen. Heute funktioniert das nicht mehr. Trump begann einen Zollkrieg mit China und verlor ihn innerhalb weniger Wochen.

Was kann er also tun? Wir sagen ständig: „Oh, jetzt wird das Gesetz von Lindsey Graham verabschiedet, und Trump bekommt die Möglichkeit, Zölle gegen Länder zu verhängen, die russisches Öl kaufen.“ Hören Sie, das ist doch völliger Wahnsinn, das ist doch PR. Der größte Käufer russischen Öls ist China. Wenn Trump, ich weiß nicht, 500 oder 50 oder 150 Prozent Zoll auf chinesische Waren erhebt, wird China den Vereinigten Staaten antworten, und zwei Wochen später werden alle Zölle, all diese Zahlen wieder geändert. Das funktioniert heute einfach nicht mehr.

Wenn wir also sagen: „Wir werden auf einem Treffen mit Putin bestehen, damit die Amerikaner stärkeren Druck auf Putin ausüben. Jetzt üben sie nicht genug Druck auf ihn aus, und deshalb beendet er den Krieg nicht.“ Entschuldigen Sie bitte. Und wie hat Biden Druck auf ihn ausgeübt, ebenfalls nicht genug? Er wollte überhaupt nicht mit Putin sprechen. Er wollte nur Druck auf ihn ausüben. Warum hat Putin den Krieg dann nicht beendet? Warum erfinden wir irgendwelche Illusionen darüber, dass es tatsächlich eine solche unglaubliche Möglichkeit gebe, den Krieg allein deshalb zu beenden, weil der Präsident der Vereinigten Staaten es will? So ist es nicht.

Der Präsident der Vereinigten Staaten kann uns intensiver helfen. Ich denke, das hängt nicht davon ab, ob Zelensky Putin trifft oder nicht. Er kann schließlich anfangen, seine Politik zu ändern. Ich glaube nur nicht daran. Er kann uns finanzielle Unterstützung gewähren, er kann uns mehr Waffen geben. Aber Sie sehen, dass Trump kategorisch dagegen ist, irgendjemandem mit Geld zu helfen. Und er sagt ständig, uns mit Geld zu helfen sei Bidens größter Fehler gewesen und er werde diese Politik nicht ändern. Und was die Waffen betrifft, befinden sich die Vereinigten Staaten bei den Waffen in einer solchen Lage, dass sie bald, selbst wenn sie jemandem ernsthaft helfen wollen, dazu nicht in der Lage sein werden.

Meine Hoffnung besteht darin, dass die Demokraten nach ihrem Sieg bei den Kongresswahlen Trump dazu zwingen werden, nicht dem Gesetz von Lindsey Graham, sondern diesem Ukraine-Unterstützungsgesetz zuzustimmen, das uns einen großen Teil der finanziellen Hilfe gewährt, und dass wir dieses Geld bei Unternehmen des amerikanischen militärisch-industriellen Komplexes platzieren und neue Waffen erhalten können. Aber das sind trotzdem Jahre, keine Monate, das sind Jahre eines zermürbenden Krieges. Wenn also jemand glaubt, er könne Trump durch die Demonstration, dass Putin nicht mit Zelensky sprechen will, dazu bringen, stärkeren Druck auf Putin auszuüben, muss er sich zunächst sagen: „Was genau soll Trump denn tun?“ Einfach formulieren: „Nun, es wird alles klappen, wir werden den Amerikanern sagen, sie sollen ernsthafter Druck auf Russland ausüben. Und was sollen sie tun?“ Was genau?

Kateryna Nekretscha. Sie müssen der Ukraine Waffen geben. Derzeit gibt es keine solche direkte Militärhilfe. Das heißt, die europäischen Partner kaufen Waffen. Maximale Sanktionen, mehr Geld, mehr Waffen, die Produktion dieser Waffen.

Portnikov. Das heißt, Sie schlagen im Grunde vor, dass Trump zu Bidens Politik zurückkehrt.

Kateryna Nekretscha. Sie erinnern sich doch daran, dass es auch während Bidens Präsidentschaft in der Ukraine viele Stimmen gab, die sagten, es sei nicht genug. Diese Forderungen nach einer Flugverbotszone oder nach diesen F-16, um die man im Grunde jahrelang gebeten hat, und dann wurden nur sehr wenige geliefert, und natürlich haben sie den Verlauf des Krieges nicht verändert. Die NATO zum Beispiel: Wie viele Chancen hätte die Ukraine gehabt, der NATO beizutreten? Obwohl man auch unter Biden Nein sagte, aber was wäre gewesen, wenn man Ja gesagt hätte? Nun, die Ukrainer haben seit 2022 viele Hoffnungen.

Portnikov. Aber das sind alles politische Fantasien. Wir hatten keinerlei Chance, der NATO beizutreten. Niemand hätte zugestimmt, dass ein Land, das sich im Krieg mit der größten Atommacht der Welt befindet, der NATO beitritt. Das wird nicht einmal diskutiert. Diskutiert wird die Frage, und darum geht die Debatte, ob die Ukraine nach dem Krieg der NATO beitritt oder nicht. Darin liegt der Konflikt. Trump sagt, sie werde niemals Mitglied der NATO sein, und die europäischen Länder sagen: „Warum denn? Nach dem Krieg können wir sie doch aufnehmen.“ Aber glauben Sie mir, darüber, dass die Ukraine während des Krieges niemals der NATO beitreten wird, herrscht völliger Konsens. Hier gibt es überhaupt keine Meinungsverschiedenheiten, denn alle verstehen, dass man die Ukraine in die NATO aufnimmt und noch am selben Tag Artikel 5 aktiviert wird und ein Atomkrieg beginnt. Richtig? Wer würde das tun? Warum denken wir uns Dinge aus, die niemals geschehen wären?

Dasselbe gilt für Bidens Hilfe. Ja, es gab immer Menschen, die unzufrieden waren, aber es waren reales Geld und reale Waffen, die von amerikanischen Unternehmen produziert wurden. Das Problem besteht jedoch darin, dass die amerikanischen Unternehmen nach dem Krieg mit dem Iran daran arbeiten müssen, die Bestände des Pentagon irgendwie wieder aufzufüllen. Die amerikanische Armee hat nicht genügend Waffen. Und amerikanische Politiker aus dem republikanischen Lager sagen jetzt, das liege daran, dass Biden der Ukraine so viele Waffen gegeben habe und die Amerikaner deshalb nicht genug hätten. Das wird dort so gesagt. Das stimmt nicht. Sie haben nicht genug, weil die Amerikaner im Krieg gegen den Iran so viele Waffen eingesetzt haben, wie sie konnten.

Aber noch einmal: Wir beginnen ständig, über irgendwelche Illusionen zu sprechen. Wir bewegen uns ständig aus der realen Welt in die Welt der Illusionen und unserer Wünsche. Verstehen Sie, worin unser Problem besteht? Und das ist übrigens auch die Geschichte mit den Verhandlungen. Ja, wir wollen, dass die Welt so ist, wie wir sie uns vorstellen. Das ist nun das Problem. Putin will, dass die Welt so ist, wie er sie sich vorstellt. Deshalb schießt er, damit diese Welt so wird. Trump will, dass die Welt so ist, wie er sie sich vorstellt. Und Zelensky will, dass die Welt so ist, wie er sie sich vorstellt. Ich habe eine kleine Frage: Wird irgendjemand in der Realität leben? Vielleicht sollten wir versuchen, in der Realität zu leben?

Wenn Trump und Putin in ihren eigenen Welten leben, die mit der Realität nichts zu tun haben, dann könnten vielleicht wir den ersten Schritt machen und unser Präsident den ersten Schritt machen, in die Realität wechseln, sich ansehen, wie es dort aussieht, und dann werden wir verstehen, was man lösen kann und was nicht.

Kateryna Nekretscha. Und wie sieht es dort aus? Was ist dann diese Realität?

Portnikov. Die Realität ist sehr einfach. Es gibt keine echten Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine. Und wahrscheinlich wird es sie in nächster Zeit auch nicht geben.

Kateryna Nekretscha. Das heißt, auf diese verzichten?

Portnikov. Die Amerikaner verfügen über keinerlei Instrumente für einen wirklichen Druck auf die Russische Föderation außer der Hilfe für die Ukraine. Und sie wollen der Ukraine nicht helfen, weil das Trumps politischem Kurs widerspricht. Also sind Putin ihre Verhandlungsbemühungen völlig egal. Das ist die Realität. Das sind die ersten Schritte in die Realität.

Weiter. Kann man den Krieg beenden? Ja. Wenn man das russische Wirtschaftspotenzial zerstört. Was müssen wir also tun? Wir müssen die russische Ölverarbeitung, die russische Ölindustrie zerstören und dürfen nicht auf die Amerikaner hören, wenn sie uns sagen, wir sollen hier nicht zuschlagen und dort nicht zuschlagen. Denn natürlich können wir in eine Situation geraten, in der sie uns irgendetwas nicht liefern, aber wenn Russland über wirtschaftliches Potenzial verfügt und uns vernichtet, wird es uns völlig egal sein, ob die Amerikaner uns etwas liefern oder nicht, denn uns wird es einfach nicht mehr geben.

Verstehen Sie? Der Schlüssel zur Beendigung des Krieges liegt nicht im diplomatischen Prozess, sondern in der Zerstörung des wirtschaftlichen Potenzials Russlands. Ich wiederhole: Solange Putin über Ressourcen verfügt, so lange wird er Krieg führen. Daran habe ich keinerlei Zweifel. Deshalb gibt es keine Daten für das Ende des Krieges. Jedes Mal, wenn ich von den 20er- und 30er-Jahren spreche, nehmen die Menschen das als Meme wahr. Aber das ist die Realität. Die ganz gewöhnliche Realität. Wenn Russland in den 20er- und 30er-Jahren über Ressourcen verfügt, wird es in den 20er- und 30er-Jahren Krieg führen.

Wenn die Menschen sagen: „Dann werden wir sterben.“ Wenn Sie unser Potenzial unterschätzen, müssen Sie sich sagen: „Ja, wir werden sterben.“ Aber ich glaube, dass unser Potenzial für einen langen Krieg ausreichen wird, was auch immer die Menschen denken mögen, weil wir gemeinsam mit dem Westen, gemeinsam mit Europa Krieg führen. Wenn Europa uns seine Unterstützung entzieht, ist das eine andere Geschichte. Die Ukraine wird verschwinden, und dann wird der Krieg schon mit Europa beginnen. Aber bislang gibt es dafür praktisch keine Voraussetzungen.

Kateryna Nekretscha. Aber wie stellen Sie sich vor, dass die Ukraine aus diesen Verhandlungen aussteigen soll? Nun, sie ergeben keinen Sinn, okay, sie führen zu nichts. Ja?

Portnikov. Man muss aus den Verhandlungen nicht aussteigen. Die Russen steigen selbst ständig aus den Verhandlungen aus. Sehen Sie, sie sind aus den Verhandlungen ausgestiegen und haben gesagt, dass sie diese Verhandlungen erst wieder aufnehmen werden, nachdem die ukrainische Armee das Gebiet Donezk verlassen hat. Erinnern Sie sich, das war vor einigen Monaten. Wir mussten nirgendwo aussteigen. Die Verhandlungen waren beendet. Jetzt haben sie plötzlich wieder begonnen. Ich halte es für möglich, dass wir jetzt September haben und diese Verhandlungen im November, wenn die Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress vorbei sind, weder Trump noch Putin mehr brauchen werden und beide sie vergessen. Auch das kann geschehen.

Putin wird darauf warten, dass der Winter für die Ukrainer unerträglich wird und wir nach dem Winter kapitulieren, und Trump wird die Zwischenwahlen hinter sich haben und sich nicht mehr mit der Ukraine beschäftigen. Alles, was er aus diesem Prozess herausholen konnte, wird er herausgeholt haben. Damit wird alles enden. Wir müssen also einfach im September, Oktober und November dieses Spiel mitspielen und uns währenddessen auf den Winter vorbereiten und das russische Wirtschaftspotenzial zerstören, was wir auch tun.

Kateryna Nekretscha. Unser Thema ist also die Kunst des Verhandelns, aber nach allem, was Sie beschrieben haben, sieht es im Grunde so aus, als sei es nicht einmal wichtig, ob es T-Shirts gibt oder keine T-Shirts, wenn dieser Verhandlungsprozess selbst gar nicht existiert, weil eine Konfliktpartei, der Aggressor, damit spielt, ihn aber nicht ernst nimmt. Das heißt, an erster Stelle stehen die Front und die Erfolge an der Front, das Aufhalten des Aggressors und wirtschaftlicher Druck? Verstehe ich Sie richtig? Und erst danach – in welchem Moment müssen wir also nach genialen Verhandlern, erfahrenen Diplomaten suchen, diese Kunst erlernen und verstehen, welche Worte man besser wählt? In welchem Moment geschieht das?

Portnikov. Ich kann Ihnen sagen, wann. Wenn Roman Arkadjewitsch Abramowitsch Volodymyr Zelensky oder Dawyd Arachamija oder wen auch immer er dort anruft, anruft und ihm sagt: „Leute, der Chef will das Feuer einstellen. Wir haben hier ein paar Probleme, beim Haushalt wird es bei uns eng. Wir verstehen, dass die Lage schlecht ist. Wir können den Krieg nicht beenden, weil man uns zerreißen würde, aber wir sind bereit, das Feuer einzustellen. Die Generalstabschefs sollen sich treffen und eine Waffenruhe vereinbaren.“ Nachdem dieser Anruf erfolgt ist, nachdem sich die Generalstabschefs getroffen und eine Waffenruhe entlang der Kontaktlinie vereinbart haben, wovon der Präsident der Ukraine übrigens ständig spricht – danach werden wir geniale Verhandler, starke Diplomaten, Fachleute und Völkerrechtler brauchen. Und sie alle können zu Verhandlungen zusammenkommen, die nach zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren enden können oder vielleicht niemals enden.

Kateryna Nekretscha. Das heißt, es ist ein langwieriger Prozess. Selbst wenn jemand aus Moskau anruft und sagt: „Wir sind bereit, es zu beenden“, kann sich das ebenfalls über Jahrzehnte hinziehen. Man kann das Feuer einstellen, ohne den Konflikt zu beenden.

Portnikov. Ja. Gibt es zwischen Georgien und Russland irgendeinen wirklichen Friedensvertrag außer diesem Dokument, das 2008 unter Vermittlung des Westens angenommen wurde? Nein. Georgien erkennt Abchasien und Südossetien nicht als unabhängige Staaten an. Russland erkennt sie nicht als georgische Territorien an. Zwischen den Ländern bestehen keine diplomatischen Beziehungen. Obwohl die Regierung in Georgien im Grunde Moskau nahesteht, ist der Konflikt nicht einmal um ein Jota gelöst. 

Und Japan und die Russische Föderation – sie vereinbarten 1945 eine Einstellung des Feuers. Und wo ist der Friedensvertrag? Es gibt keinen. Und der Nahe Osten. 1948 vereinbarten Israel und die arabischen Staaten auf der Insel Rhodos eine Waffenruhe. Der erste Friedensvertrag zwischen Israel und einem arabischen Staat, zwischen Israel und Ägypten, entstand aber erst in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Und mit anderen Staaten, die an dieser Waffenruhe beteiligt waren, gelten die Vereinbarungen von 1948.

Höchstwahrscheinlich wird es zwischen Russland und der Ukraine ebenfalls so sein. Deshalb werden jene Menschen, die wir heute als Verhandler bezeichnen, als schlechte, gute und so weiter, zu dem Zeitpunkt, an dem wir uns mit Russland über irgendetwas einigen, höchstwahrscheinlich bereits eines natürlichen Todes gestorben sein. Und damit werden sich ihre Enkel oder Kinder beschäftigen, die heute an Fakultäten für internationale Beziehungen studieren. Sollen sie gut lernen.

Ich habe vor Kurzem mit einem jungen Mann gesprochen, der an einer Fakultät für internationale Beziehungen in Europa studiert und eine gute Qualifikation erwirbt. Er fragte, was er tun solle. Ich wollte ihm sagen: „Du musst eine sehr gute Qualifikation haben, denn möglicherweise wirst du, wenn du 40 oder 45 Jahre alt bist, gerade am Friedensabkommen zwischen der Ukraine und Russland arbeiten. Wir werden qualifizierte Juristen brauchen. Aber ich glaube nicht, dass ich das noch erleben werde.“

Kateryna Nekretscha. Das sind wiederum sehr ferne Perspektiven, aber ein wichtiger Punkt. Sie sagen also, dass eine Waffenruhe in irgendeiner näheren Perspektive realistischer ist, selbst wenn wir von Jahrzehnten sprechen. Aber wenn bei der Waffenruhe ein Punkt gesetzt wird, bleiben all die rechtlichen Fragen bestehen, und Russland kann die Gebiete, die es zuvor besetzt hat, nicht als ukrainische Gebiete anerkennen, während die Ukraine diese besetzten Gebiete ebenso wenig als russische Gebiete anerkennen kann. Das heißt, im Grunde könnten wir eine Situation haben wie vor 2022 mit der Krim, wo es keine Kampfhandlungen gab, ja, aber …

Portnikov. Aber auch keine gegenseitige Anerkennung.

Kateryna Nekretscha. Und Kyiv hatte eben keine Kontrolle über diese eigenen Gebiete. Wir könnten also in eine solche Situation geraten.

Portnikov. Höchstwahrscheinlich werden wir in einer solchen Situation landen. Zu 99 Prozent werden wir in einer solchen Situation landen, denn wenn die Ukraine die Gebiete nicht deokkupieren kann und Russland keine neuen besetzen kann, dann ist genau das die Situation. Die Frage ist, wann in dieser Situation das Feuer eingestellt wird.

Und ja, eine Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine ist ein realistisches Ziel, das man anstreben muss. Alle anderen Aufgaben sind unrealistisch. Unrealistisch ist der russische Wunsch, aus dieser Situation durch die Vernichtung der Ukraine herauszukommen. Unrealistisch ist der ukrainische Wunsch, aus dieser Situation durch die Unterzeichnung irgendeines Abkommens über einen gerechten Frieden herauszukommen. Weder das eine noch das andere wird geschehen. Es wird weder ein Verschwinden des ukrainischen Staates von der politischen Weltkarte noch ein Verschwinden des ukrainischen Volkes geben, und es wird keinen gerechten Frieden geben.

Dieser Konflikt wird das Leben der heutigen Ukrainer, ihrer Kinder und ihrer Enkel über Jahrzehnte begleiten. Sie alle werden in diesem Konflikt leben. Etwas anderes wird es nicht mehr geben. Die Frage ist, ob dieser Konflikt so aussehen wird wie jetzt, mit Raketen, Shaheds und so weiter, oder ob es ein, würde ich sagen, eingefrorener Konflikt sein wird, der von Zeit zu Zeit durch irgendwelche Phasen konfliktbedingter Aktivität unterbrochen wird. Das ist alles.

Und genau das ist der Realismus, der zeigt, worum es bei Verhandlungen gehen muss: um eine Waffenruhe. Trump begann seine Arbeit mit Putin, indem er von ihm eine Waffenruhe verlangte. Ich bedauere sehr, dass er das nicht erreicht hat, denn das war ein vollkommen richtiges, realistisches und logisches Ziel. Und ich habe ihn darin nachdrücklich unterstützt: Man musste einfach eine Waffenruhe entlang der Kontaktlinie vereinbaren, wie er sagte: „Lassen Sie uns das Feuer einstellen und Verhandlungen beginnen.“

Ich war überzeugt, dass Trump, wenn das Feuer eingestellt und Verhandlungen begonnen würden, deren Ende nicht mehr erleben würde. Aber er hätte eine Waffenruhe erreichen können, wenn er irgendwelche Argumente für Putin gefunden hätte. Anstatt nach diesen Argumenten zu suchen – und das ist tatsächlich Hilfe für die Ukraine, das stimmt –, begann er, einer Bedingung Putins nach der anderen zuzustimmen. Zunächst stimmte er zu, dass eine Waffenruhe an irgendwelche Bedingungen geknüpft sein könne, dass sie nicht bedingungslos sein müsse, und dann, dass man Verhandlungen ohne Waffenruhe führen könne. Und in diesem Moment waren alle Verhandlungen auch schon beendet.

Kateryna Nekretscha. Uns bleiben noch einige Minuten. Und wir haben heute nicht über einzelne Personen gesprochen, im Grunde nur über Trump, Zelensky und Putin. Über jene Menschen aber, die diese Verhandlungen führen, haben Sie bereits gesagt, dass im Grunde nicht wichtig ist, was sie jetzt tun, sondern was geschehen wird, wenn die Kampfhandlungen tatsächlich enden und wenn jene Menschen, die heute studieren, bereits in einem Erwachsenenalter sein und diese Verhandlungen führen werden.

Sie haben Arachamija erwähnt, Sie haben dieses T-Shirt „Kyiver Regime“ erwähnt. Mir wurde gesagt, dass nicht alle Mitglieder der ukrainischen Delegation davon begeistert waren, um es vorsichtig auszudrücken. Aber sollen wir dann als Zuschauer, Beobachter, als Bürger unseres Landes, die sich Sorgen machen, wenn Witkoff endlich bei uns angekommen ist, wie man ihn wohl empfangen wird, einfach die Augen davor verschließen und uns überhaupt nicht darüber aufregen, in welchen T-Shirts jemand jemanden empfängt, welche Sätze gesagt und welche Witze gemacht werden? Ist das in dieser Phase alles unwichtig?

Portnikov. In dieser Phase ist das völlig unwichtig. Genauso unwichtig wie die Tatsache, dass Trump ständig irgendwelche seltsamen Kappen trägt. Verstehen Sie, auch das ist für einen Präsidenten der Vereinigten Staaten seltsam: Er läuft ständig mit irgendwelchen merkwürdigen Kappen mit verschiedenen Aufschriften herum, zeigt seinen Gästen seine Sammlung dieser Hüte – ich weiß nicht einmal, wie ich das nennen soll – und erscheint ständig damit bei Kundgebungen. Früher haben sich Präsidenten der Vereinigten Staaten ebenfalls nicht so verhalten. Sagen Sie bitte, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten einen solchen Stil vorgibt, kann er Zelensky alles Mögliche darüber erzählen, dass man einen Anzug tragen müsse, aber er selbst kleidet sich sehr seltsam. So etwas hat sich ein Präsident der Vereinigten Staaten noch nie erlaubt. Welche Bedeutung hat es dann, welches T-Shirt Arachamija trägt und welches Zelensky Witkoff und Kushner schenkt? Nun, das ist eben so etwas wie eine Demonstration von Nähe, wenn Sie so wollen. Und ich glaube nicht, dass das überhaupt etwas mit den wirklichen Angelegenheiten zu tun hat.

Kateryna Nekretscha. Dann werden wir unsere Nerven also nicht für unwichtige Dinge verschwenden, ja? Und sie für die Gegenwart aufsparen.

Portnikov. Das ist wahrscheinlich eine Schirmmütze. Ja, ich denke die ganze Zeit, dass es eine Schirmmütze ist.

Kateryna Nekretscha. Eine Baseballkappe.

Portnikov. Eine Baseballkappe.

Kateryna Nekretscha. Ja. Ein seltsamer Stil. Aber wir sind keine Stylisten. Wir wollen das nicht gleich verurteilen. Dennoch beansprucht das tatsächlich viel Aufmerksamkeit unserer Zuschauer, auch in den sozialen Netzwerken, wenn wir untereinander das Äußere oder irgendwelche solchen Sprüche diskutieren können, die Menschen auf einer so hohen Ebene zueinander sagen. Und natürlich irritiert uns das, weil wir wahrscheinlich irgendwo mehr Förmlichkeit, irgendwo mehr Ernsthaftigkeit erwarten würden, aber so ist die Diplomatie heute. Nun, was soll man machen?


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Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Пастка перемовин з Путіним | Віталій
Портников @EspresoTv. 22.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 22.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Die ukrainischen Streitkräfte haben das größte Lager von Wildberries zerstört | Vitaly Portnikov. 16.08.2026.

Nach einem ukrainischen Angriff brennt ein weiteres Lager des Unternehmens Wildberries. Diesmal betrifft dieser gewaltige Brand jedoch den größten und wichtigsten Logistik-Hub des Unternehmens in der Region Moskau mit einer Fläche von mehr als 229.000 m².

Es geht um tatsächlich erhebliche logistische Schäden für ein Unternehmen, das danach wohl kaum in der Lage sein wird, die schnelle Auslieferung von Waren nicht nur innerhalb der Russischen Föderation, sondern auch in andere ehemalige Sowjetrepubliken fortzusetzen, die wirtschaftliche Beziehungen zu Moskau unterhalten, vor allem nach Belarus und Kasachstan.

Wie Beobachter betonen, wurden über dieses Lager die teuersten Warenkategorien abgewickelt. Deshalb könnte es ein zuverlässiges Lager für Dual-Use-Elektronik gewesen sein, für jene Ersatzteile für Drohnen und Komponenten ihrer Konstruktion, die in den Rüstungsbetrieben der Russischen Föderation benötigt werden.

Und ja, dies ist eine der realen Möglichkeiten, die russische Wirtschaft weiter zum Stillstand zu bringen. Denn die Marktplätze von Wildberries sind eines der wichtigsten Instrumente, die es der russischen Wirtschaft ermöglichen, so zu funktionieren, als gäbe es die westlichen Sanktionen überhaupt nicht, und finanzielle Beschränkungen mithilfe von Lieferungen aus den Ländern des Globalen Südens, vor allem aus der Volksrepublik China, zu umgehen.

Je mehr Kapazitäten von Wildberries zerstört werden können, desto größer werden die Probleme für die russische Wirtschaft sein, desto geringer werden die Einnahmen in den Staatshaushalt der Russischen Föderation ausfallen und desto schneller werden Putin und andere russische Führungskräfte auf den Gedanken kommen, dass man den Krieg vielleicht nicht beenden, aber zumindest unterbrechen sollte, um das wirtschaftliche Potenzial der Russischen Föderation wiederherzustellen und soziale Erschütterungen zu verhindern.

Gleichzeitig muss man natürlich auch die Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation angreifen. Ich habe bereits mehrfach gesagt, dass gerade die Zerstörung der russischen Rüstungsproduktion ebenfalls ein wichtiger Bestandteil unseres Kampfes für ein Ende des Krieges ist.

Und heute berichtete der ukrainische Generalstab, dass es gelungen sei, das Unternehmen „Kombinat Kamenski“ in der Region Rostow der Russischen Föderation zu treffen. Gerade dieses Kombinat produzierte festen Raketentreibstoff, der für jene Raketen benötigt wird, die von den Streitkräften der Russischen Föderation weiterhin für Angriffe auf zivile Wohnviertel ukrainischer Städte eingesetzt werden, zur Vernichtung ukrainischer Bürger, zur Tötung von Frauen und Kindern, also für all das, was das Hauptziel des Präsidenten der Russischen Föderation Putin, seiner Armee und seiner Gesellschaft in diesem ungerechten und grausamen Krieg ist.

Deshalb müssen sowohl die Angriffe auf Wildberries als auch die Angriffe auf Rüstungsbetriebe und auf die russische Petrochemie, die ebenfalls einen wichtigen Beitrag zu den Einnahmen des Staatshaushalts der Russischen Föderation leistet, zu einem Gesamtkomplex von Maßnahmen werden, der in Zukunft zum Beginn nicht mehr vorgetäuschter, sondern realer Verhandlungen über ein Ende des Krieges zwischen Russland und der Ukraine führen könnte – oder zu einem Abflauen dieses Krieges unter Bedingungen, unter denen die russische Führung keine Möglichkeiten mehr hat, ihn fortzusetzen.

Und natürlich müssen dabei Angriffe auf Marktplätze einen der vordersten Plätze einnehmen, denn ohne Geld kann niemand einen Krieg führen. Und hier hat die Ukraine gegenüber der Russischen Föderation gerade deshalb einen Vorteil, weil wir in diesem Krieg die Unterstützung westlicher Länder in Anspruch nehmen, die erkennen, dass es notwendig ist, die russische Wirtschaft zu besiegen, wenn schon nicht Russland selbst, das wirtschaftliche und militärische Potenzial Russlands zu zerstören und die Russische Föderation in ein Land zu verwandeln, das nicht mehr in der Lage sein wird, seine Nachbarn zu bedrohen.

Es ist unmöglich, die öffentliche Meinung in Russland zu verändern, die durch die chauvinistische Entwicklung des Staates während der vergangenen schändlichen Jahrhunderte der Aggression, der Überfälle und der Gewalt buchstäblich vergiftet wurde, aber es ist möglich, die russische Wirtschaft zu zerstören. Menschen der älteren Generationen wissen sehr gut, wie das geschieht, und erinnern sich daran, wie die Wirtschaft der Sowjetunion zerstört wurde.

Und das menschenverachtende Imperium hörte zu unserer Freude im Strudel wirtschaftlicher Schwierigkeiten und sozialer Probleme auf zu existieren, konnte seine schreckliche Ideologie nicht bewahren und verlor auf diesem Weg die Kommunistische Partei, obwohl es das Komitee für Staatssicherheit bewahrte, das sich auf dem Territorium Russlands in den Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation verwandelte. Später ergriff dieses umbenannte bolschewistische Organ die gesamte Macht in Russland und schlug den Weg zur Wiederherstellung des Imperiums mit militärischen Mitteln ein.

Genau an diesem historischen Punkt befinden wir uns jetzt. Und um aus ihm herauszukommen, müssen wir dem FSB die Macht nehmen und diese Struktur durch wirtschaftliche Erschütterungen zerstören, so wie seinerzeit die Kommunistische Partei durch wirtschaftliche und soziale Erschütterungen zerstört wurde.

Den Weg zu einer solchen Destabilisierung, die Rezepte dafür, wie man repressive Strukturen zerstört, indem man ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten vernichtet und diejenigen, die zu Geiseln solcher Strukturen werden, zu wirtschaftlichen Bettlern der zivilisierten Welt macht, kennen wir sehr gut gerade aus den letzten Jahren der sowjetischen Erfahrung.

Und um den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, um Putin, seine Bande und seine Bürger zu zwingen, auf die Aggression zu verzichten, muss diese Erfahrung, ein aggressives Land in ein Gebiet zu verwandeln, das von „Bush-Beinchen“ träumt – nun, heute könnten es „Trump-Beinchen“ sein –, in ein Gebiet, dessen Bewohner unter schwierigen Bedingungen zu überleben versuchen und nicht wissen, wie sie zurechtkommen sollen, genau der reale Weg sein, um den Frieden in die Häuser der Ukrainer zurückzubringen.

Und wenn ein weiterer Marktplatz von Wildberries brennt – und ich hoffe, dass auch andere Marktplätze brennen werden – und wenn sich der durchschnittliche Russe rasch eben jener ersehnten sowjetischen Armut nähert, dann sehe ich darin gerade einen Weg zum Frieden. Denn wenn eine Gesellschaft in den Augen anderer aggressiv erscheint – genau so erschien die erbärmliche sowjetische Gesellschaft, und genau so erscheint die russische Gesellschaft –, dann muss man ihr die Kapazitäten und das Geld nehmen, die es ihr ermöglichen, ihre Aggression in die Tat umzusetzen, die es ihr ermöglichen zu töten, zu schießen, zu vergewaltigen und zu bombardieren. Genau damit beschäftigen sich unsere Streitkräfte.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: ЗСУ знищили найбільший склад Wildberries| Віталій Портников. 16.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 16.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Die ukrainischen Streitkräfte haben die Region Dnipropetrowsk befreit | Vitaly Portnikov. 15.08.2026.

Die Verteidigungskräfte der Ukraine haben einen Teil der Region Dnipropetrowsk befreit, in dem sich die Truppen der Besatzer befanden. Tatsächlich ist dies ein sehr wichtiges Ereignis, nicht nur im Hinblick auf das, was im Krieg geschieht, sondern auch aus politischer Sicht.

Denn was bedeutet für den Feind ein Teil des Territoriums irgendeiner Region der Ukraine? Es ist nicht nur die Möglichkeit, seine Positionen für die Besetzung der bereits formell annektierten ukrainischen Regionen zu verbessern. Es ist auch die Vorbereitung einer neuen Annexion.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass, als sich die Verteidigungskräfte der Ukraine auf die Befreiung der Region Charkiw vorbereiteten, auf dem besetzten Gebiet dieser ukrainischen Region, im sogenannten provisorischen Verwaltungszentrum Kupjansk, bereits die Durchführung eines Referendums vorbereitet wurde, um die Region Charkiw zu einem unabhängigen Staat zu erklären, so wie es später mit den Regionen Saporischschja und Cherson geschah, mit dem gleichzeitigen Beitritt der Region Charkiw als unabhängiger Staat zur Russischen Föderation.

Die Russen brauchen das, weil ihre eigene Verfassung und Gesetzgebung den Anschluss von Territorien anderer Staaten an Russland kategorisch verbieten. Deshalb greift Putin ständig zu offenkundigen Lügen, erklärt ukrainische Gebiete zu unabhängigen Staaten, und anschließend treten diese unabhängigen Staaten der Russischen Föderation bei, allerdings ohne jedes Recht auf einen Austritt, denn selbst Gespräche über eine Abtrennung von Föderationssubjekten von der Russischen Föderation werden in Russland strafrechtlich verfolgt.

Und natürlich wollten die Russen genau diesen Trick auch in der Region Charkiw anwenden. Die Operation der ukrainischen Streitkräfte hat ihnen diese Möglichkeit genommen. Aber die Kämpfe um Kupjansk dauern bis heute an, weil Putin seinen Wunsch nicht aufgegeben hat, die Region Charkiw zu einer Region der Russischen Föderation zu erklären.

Und als die Russen in die Region Dnipropetrowsk eindrangen, war auch dies Teil der Vorbereitung eines solchen Referendums mit anschließender Annexion der Region Dnipropetrowsk und der Aufnahme in die russische Verfassung, dass die Region Dnipropetrowsk ein Subjekt der Russischen Föderation sei.

Wozu, wenn es doch nur um ein geringfügiges Gebiet einer ukrainischen Region geht? Dazu, um so vorzugehen, wie es beispielsweise mit den Regionen Donezk und Luhansk gemacht wurde: Putin erklärte diese Gebiete zu sogenannten Volksrepubliken, gliederte sie in die Russische Föderation ein und verlangt nun von Kyiv, dass die ukrainischen Truppen den nicht von Russland kontrollierten Teil der Regionen Donezk und Luhansk verlassen.

Einfach, um Verhandlungen über einen möglichen Waffenstillstand in dem seit vielen Jahren andauernden Krieg zu führen. Wie wir verstehen, würde, wenn irgendein Referendum in der Region Dnipropetrowsk stattfindet, auch die Region Dnipropetrowsk zu einem solchen Bestandteil der Forderungen des Kremls werden.

Ganz zu schweigen davon, dass selbst dann, wenn Kyiv dem Abzug seiner Truppen aus jenen Gebieten, die Russland formell annektiert hat, nicht zustimmt und ein Waffenstillstand ausgerufen wird, dies noch lange keinen Schlusspunkt unter den Krieg setzt. Es bedeutet, dass der Krieg vorübergehend eingefroren ist, die Russische Föderation jedoch weiterhin die Gebiete jener Regionen, die sie annektiert hat, als vorübergehend von der Ukraine besetzt betrachtet und erklärt, dass sie bereit ist, Anstrengungen zu unternehmen, um diese Gebiete unter russische Kontrolle zu bringen.

Genau auf diese Weise wurde übrigens während der Verhandlungen amerikanischer Vermittler mit Putin vorgeschlagen, einen Waffenstillstand im russisch-ukrainischen Krieg auszurufen. Es war auch eine amerikanische Idee, dass die ukrainischen Truppen die Gebiete der Regionen Donezk und Luhansk verlassen könnten, während der Konflikt in den Regionen Saporischschja und Cherson für eingefroren erklärt würde. Dabei würden jedoch weder die Ukraine noch Russland die Idee aufgeben, im ukrainischen Fall die Kontrolle über jene Gebiete wiederherzustellen beziehungsweise im russischen Fall jene Gebiete zu erobern, in denen sich ihre Truppen nicht befinden.

Und auf diese Weise wird der Krieg, selbst wenn man sich irgendwelche Vereinbarungen über einen Waffenstillstand vorstellt, ausschließlich als aufgeschobenes Ereignis wahrgenommen und kann von der Russischen Föderation als wichtiges Instrument zur Einflussnahme auf die Ukraine und die Ukrainer eingesetzt werden, beispielsweise bei beliebigen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in unserem Land.

So wie es beispielsweise in Georgien geschieht, wo alle sehr gut verstehen, dass nach der Anerkennung Abchasiens und Südossetiens als unabhängige Staaten durch Russland selbst jeder Gedanke in Tiflis an die Wiederherstellung der territorialen Integrität ein Schritt in Richtung eines aufgeschobenen Krieges ist. Und deshalb braucht es eine Führung, die garantiert, dass zumindest von georgischer Seite niemals Anstrengungen zur Wiederherstellung der territorialen Integrität des Landes unternommen werden. Von russischer Seite hingegen kann alles Mögliche geschehen.

Ja, bei uns ist die Situation noch komplizierter, weil Russland während des letzten Krieges mit Georgien seine Kontrolle über Abchasien und Südossetien innerhalb der administrativen Grenzen dieser Regionen errichtete. Im ukrainischen Fall hingegen gelingt es Russland nicht, die Kontrolle über die Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja innerhalb ihrer administrativen Grenzen zu erlangen.

Und die Russen wollen im Gegenteil auch noch Gebiete der Regionen Charkiw und Dnipropetrowsk hinzufügen. Das ist die berühmte Salamitaktik, mit der Putin versucht, die Misserfolge seiner Streitkräfte in der ersten Phase des jahrelangen, endlosen russisch-ukrainischen Krieges, die Misserfolge des Blitzkriegs, zu kaschieren.

Deshalb bedeutet es jedes Mal, wenn die Verteidigungskräfte der Ukraine den Feind auch nur aus einem kleinen Gebiet irgendeiner ukrainischen Region vertreiben, in dem dieser Feind bis dahin geherrscht hat, dass sie die Bewohner dieser Region, alle Bewohner der Regionen Dnipropetrowsk oder Charkiw, vor der Gefahr bewahren, dass die Russische Föderation die Annexion verkündet, diese Region zu einem Teil der Russischen Föderation erklärt und diese Region zum Gegenstand dauerhafter politischer Ansprüche nicht nur Putins, sondern, wie wir verstehen, auch von Putins Nachfolgern wird. Denn auch seine Nachfolger können sich an den Wortlaut der Verfassung der Russischen Föderation halten, die im Grunde ein Dokument des Raubes fremder Gebiete ist und keineswegs ein Dokument, das auch nur irgendwie mit dem modernen Völkerrecht verbunden wäre.

Deshalb möchte ich uns allen dazu gratulieren, dass die Region Dnipropetrowsk frei ist vom chauvinistischen, imperialistischen Geist einer der abscheulichsten und widerwärtigsten Armeen der modernen Welt und eines der terroristischsten Staaten auf der politischen Landkarte des 21. Jahrhunderts.

Wo der russische Feind nicht ist, dort scheint die Sonne und die Menschen denken an die Zukunft. Wo er ist, herrscht schwarze Finsternis und die Vorbereitung immer neuer Verbrechen, mit denen allein die terroristische Föderation ihre staatliche Macht unter Beweis stellen kann.


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Titel des Originals: ЗСУ звільнили Дніпропетровщину | Віталій Портников. 15.08.2026.
Autor/Kanal: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 15.08.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Russland lehnt einen Waffenstillstand ab | Vitaly Portnikov. 15.08.2026.

Der Außenminister der Russischen Föderation Sergej Lawrow hat selbst die Möglichkeit einer Erörterung der Frage eines Waffenstillstands entlang der Kontaktlinie zwischen den russischen und ukrainischen Truppen kategorisch zurückgewiesen. Mehr noch: Lawrow begann jenen im Westen zu drohen, die der Ukraine weiterhin helfen, gegen die russische Aggression zu kämpfen, und betonte zufrieden, dass man dort bereits zu stöhnen beginne.

Diese Antwort des russischen Außenministers war zugleich eine Reaktion auf die öffentlichen Äußerungen vieler Politiker, selbst solcher, die der russischen Führung nahestehen, über die Notwendigkeit, den Krieg zu beenden. „So wird es nicht sein“, betonte Lawrow und reagierte damit im Grunde auf die jüngste Erklärung des kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew, der in Anwesenheit des russischen Präsidenten Putin die Notwendigkeit betonte, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, und die Frage nach den Ursachen für den Beginn dieser Tragödie stellte.

Wie wir sehen, gibt es keinerlei reale Anzeichen, die auf den Wunsch der Russen hindeuten könnten, auch nur ansatzweise zu irgendeinem Verhandlungsprozess zurückzukehren. Am selben Tag wie Lawrows Äußerungen hörten wir auch Erklärungen seiner Untergebenen, der Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa, die dem türkischen Außenminister Hakan Fidan die Möglichkeit eines Waffenstillstands auf See kategorisch verweigerte und nicht nur die Notwendigkeit eines solchen Waffenstillstands für Russland selbst, sondern auch die Haltung der Türkei ziemlich skeptisch charakterisierte, die, wie Sacharowa betonte, die ukrainischen Angriffe auf russische Schiffe nicht verurteilt.

Das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation betonte gleichzeitig, dass es beabsichtige, die Ukraine in diesem Winter erfrieren zu lassen und die Angriffe auf das feindliche Land zu verstärken, das weiterhin das Hauptziel für den russischen Präsidenten Putin, seine Armee und die chauvinistisch aufgeladene Gesellschaft bleibt.

All diese Erklärungen und die Art und Weise, wie Lawrow die Notwendigkeit des Krieges begründet – er ist bereits so weit gegangen, die Notwendigkeit einer Fortsetzung des Krieges mit dem sogenannten Andenken an die Vorfahren zu begründen und den Russen zu raten, sich keine Sorgen darüber zu machen, dass der Krieg in ihre Häuser gekommen ist, weil es um die Geschichte Russlands und seine staatlichen Möglichkeiten gehe –, all das zeugt davon, dass das russische Regime die Eskalation endgültig als Instrument seines Drucks sowohl auf die Ukraine und ihr Volk als auch auf die westlichen Partner gewählt hat.

Aus dieser Perspektive gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass angesichts derart harter Äußerungen russischer Beamter die Bemühungen der Vereinigten Staaten um eine Wiederaufnahme der Verhandlungen, von denen der Leiter des amerikanischen Außenministeriums Marco Rubio vor Kurzem gesprochen hat, zu irgendwelchen realistischen Ergebnissen führen könnten. 

Selbst wenn man sich vorstellt, dass die amerikanischen Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner, die damit beschäftigt sind, dass es ihnen nicht gelingt, die Probleme im Nahen Osten zu lösen, ihre vergeblichen Bemühungen in dieser Region unterbrechen und tatsächlich mit neuen Initiativen nach Kyiv und Moskau reisen werden, ist klar, dass die Russische Föderation sämtliche Vorschläge und Erklärungen, die sie von den amerikanischen Vermittlern hören wird, mit Sarkasmus aufnehmen wird.

Deshalb muss man die Realität so wahrnehmen, wie sie ist, und nicht so, wie sie uns von Beamten in Washington oder Kyiv dargestellt wird. Man darf die Augen vor dem Wunsch des russischen Regimes, den Krieg fortzusetzen, nicht verschließen, weil es sich nicht lohnt, darauf zu hoffen, dass das Putin-Regime unter Bedingungen, in denen der Krieg in die Häuser der Russen eingezogen ist und sich die Geografie dieses Krieges auf dem Territorium Russlands selbst in den kommenden Jahren der Konfrontation nur noch ausweiten wird, etwas anderes als Eskalation und Verschärfung der Konfrontation wählen könnte. Denn in dieser Eskalation, in dieser Konfrontation liegt gewissermaßen das Rezept für das Überleben dieses autoritären Regimes, das sich vom Krieg nährt und gerade dank des Krieges den Autoritarismus der jüngeren Vergangenheit in einen brutalen und schändlichen Autoritarismus und Totalitarismus verwandeln konnte. Jede Rakete, die auf Kyiv fliegt, bietet die Möglichkeit, in Moskau die Schrauben immer fester anzuziehen.

Aus dieser Perspektive sollte man die Erklärung Sergej Lawrows wohl kaum ausschließlich als Propagandadokument betrachten. Sie könnte den Standpunkt des russischen Präsidenten selbst widerspiegeln sowie Putins Bestreben, den russisch-ukrainischen Krieg auszuweiten, um den Russen selbst zu zeigen, dass die Gefahr buchstäblich auf Schritt und Tritt auf sie lauert und dass Russland tatsächlich einen Krieg gegen den sogenannten kollektiven Westen führt.

In diese Politik des russischen Präsidenten fügt sich auch der Angriff mit einem Marschflugkörper auf polnisches Territorium ein, unweit eines Werks, das Produkte für die ukrainischen Verteidigungskräfte herstellte. Ebenso die inzwischen systematischen Sabotageakte in Rüstungsbetrieben westlicher Länder: vor Kurzem in Bulgarien, jetzt in Italien. Und natürlich Putins Reise auf die Kurilen, die erste in den 27 Jahren, in denen der russische Machthaber die Ämter des Regierungschefs und des Präsidenten der Russischen Föderation bekleidet.

Das heißt, Moskau will nicht nur die Konfrontation mit den europäischen Verbündeten der Vereinigten Staaten, sondern auch mit den asiatischen. Aus dieser Perspektive kann man sagen, dass wir bereits sehen: Putin will gemeinsam mit der Volksrepublik China eine gemeinsame Politik der Konfrontation und des Kampfes gegen den Westen betreiben. Und zwar nicht nach dem Prinzip: „Ihr werdet die Konfrontation in Europa verschärfen, und wir werden die Konfrontation in Asien verschärfen.“ So könnte es aus der Perspektive Pekings aussehen. Aus der Perspektive Moskaus könnte es hingegen so aussehen: „Wir werden gemeinsam die Konfrontation in Asien verschärfen. Und ihr, liebe chinesische Freunde, helft uns bitte dabei, die Konfrontation in Europa zu verschärfen.“

Lawrows Erklärungen, in denen er die Möglichkeit zurückweist, nach Wegen zu einem Waffenstillstand oder auch nur zu einer Wiederaufnahme der Diplomatie im russisch-ukrainischen Krieg zu suchen, bestärken nur in der Überzeugung, dass der Kreml heute genau diese, für die Welt noch gefährlichere Eskalationslinie gewählt hat, die mit der Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges verbunden ist.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росія відмовляється від перемирʼя | Віталій Портников. 15.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 15.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube15.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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„Die Ukraine ist in ein ‚ideales Labyrinth‘ von Fallen geraten“ – Vitaly Portnikov. 08.06.2026.

„Україна потрапила в „ідеальний лабіринт“ пасток“, – Віталій Портников. 08.06.2026.

Vergangene Woche wurde bekannt, dass zwischen der Ukraine und Russland nichtöffentliche Kontakte bestanden, die mit Verhandlungen über die Beendigung des Krieges zusammenhingen. Außerdem veröffentlichte Präsident Volodymyr Zelensky am 4. Juni einen offenen Brief an den russischen Staatschef Wladimir Putin, in dem er ebenfalls zur Beendigung des Krieges aufrief. Über die Perspektiven des Verhandlungsprozesses, das Risiko einer russischen Invasion in die baltischen Staaten sowie über die Möglichkeit eines Umsturzes innerhalb Russlands spricht der bekannte ukrainische Journalist und Publizist Vitaly Portnikov.

Moderatorin: Herr Vitaly, ich begrüße Sie. Heute werden die Perspektiven einer Beendigung des Krieges, zumindest seiner „heißen“ Phase, intensiv diskutiert. Kürzlich erklärte Kyrylo Budanow, Präsident Zelensky habe dazu aufgerufen, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die aktiven Kampfhandlungen bis zum Winter zu beenden. Wir haben gemeinsame Fotos der Staatsführung gesehen, Besuche amerikanischer Amtsträger wurden angekündigt. Kann man annehmen, dass sich der Verhandlungsprozess tatsächlich intensiviert hat? Und wie begründet sind die Erwartungen an eine Kompromisslösung?

Vitaly Portnikov: Mir scheint, dass ich seit Jahren immer wieder erkläre: Jegliche Schritte zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges sind keine Frage Kyivs, sondern eine Frage Moskaus. Wir wollen den Krieg seit Februar 2022 beenden. Präsident Zelensky und andere ukrainische Amtsträger sprechen alle paar Wochen über die Möglichkeit einer Beendigung des Krieges unter Beteiligung amerikanischer Vermittler. Zelensky sagte, sie würden kommen, sobald die Frage des Nahen Ostens gelöst sei, doch diese gerät jetzt in eine Sackgasse.

Damit Verhandlungen unter Beteiligung der USA tatsächlich funktionieren, muss Washington über reale Druckmittel sowohl gegenüber Moskau als auch gegenüber Kyiv verfügen. Solche Möglichkeiten gibt es derzeit nicht. Donald Trump hoffte, Druck auf die Russische Föderation über die Ölpreise und Energiesanktionen auszuüben, doch die Lizenzen für den Verkauf russischen Öls, das sich bereits auf See befindet, werden verlängert. Wenn der Krieg andauert und die Straße von Hormus blockiert bleibt, werden die Vereinigten Staaten diese Lizenzen nicht nur verlängern, sondern Russland auch erlauben, neues Öl zu verkaufen, um die Illusion eines Gleichgewichts aufrechtzuerhalten.

Was die Ukraine betrifft, so verfügen die USA ebenfalls über keine Möglichkeiten, Druck auf uns auszuüben. Wir waren von amerikanischen Waffen abhängig, doch inzwischen haben die USA im Konflikt im Nahen Osten eine beträchtliche Anzahl von Patriot-Raketen verbraucht, wo sie für die Verbündeten in den Staaten des Persischen Golfs äußerst notwendig sind.

Dann stellt sich die Frage: Von welchen Kompromissen sprechen wir überhaupt? Moskau hat seine Bedingung klar formuliert: „Wir nehmen die Verhandlungen wieder auf, wenn die Truppen aus dem Donbas abgezogen werden.“ Das ist keine Bedingung für einen Dialog, sondern eine Methode, ihn zu vergessen. Kyiv ist nicht verpflichtet, unpopuläre Zugeständnisse zu machen, weil Trump im Gegenzug nichts anzubieten hat.

Wenn wir solche Erklärungen kommentieren, sollten wir uns fragen: Warum glauben wir, dass diese Prognosen angemessen sind? Alle Beteiligten des Konflikts haben sich bei ihren Einschätzungen wiederholt geirrt. Gibt es heute objektive Voraussetzungen für ein Kriegsende? Nein. Sie können nur entstehen, wenn das russische militärisch-industrielle und das Ölraffineriepotenzial intensiv zerstört werden.

Wenn dies anhält, könnten mit der Zeit Voraussetzungen für eine Waffenruhe entstehen, ähnlich wie im Krieg der USA mit dem Iran – eine Situation eines langanhaltenden „Einfrierens“ oder intensiver Raketenangriffe ohne Veränderung der Frontlinie.

Moderatorin: Wenn wir über das Potenzial Russlands sprechen – besteht das Risiko, dass es eine „zweite Front“ gegen die baltischen Staaten eröffnet? Militäranalysten sagen, die Ressourcen der Russischen Föderation seien in der Ukraine gebunden, daher könne es keine Offensive geben. Stimmen Sie dem zu?

Vitaly Portnikov: Ich stimme zu, einen groß angelegten Angriff auf die baltischen Staaten oder Polen wird es nicht geben. Aber Beschüsse militärischer Objekte oder Provokationen mit Drohnen kann man nicht ausschließen. Das beunruhigt die Europäer sogar mehr als die Gefahr einer Bodeninvasion.

Das verändert die Psychologie: Wenn ein Einwohner von Riga oder Tallinn versteht, dass etwas direkt bei ihm einschlagen kann, dann ist das eine völlig andere Geschichte. Viele demokratische Politiker fürchten solche Aktionen, weil Russland eine Atommacht ist, und sie tun alles, damit der Krieg nicht auf ihr Territorium kommt. Das sind die Regeln der Wahlpolitik in jedem Land.

Wenn die Ukraine nicht Konfliktpartei wäre und der Krieg beispielsweise in Belarus stattfinden würde, würden die Ukrainer genauso reagieren wie heute die Polen oder Rumänen: „Wir verurteilen die Aggression, aber wir wollen keine Teilnehmer sein.“

Moderatorin: Sie haben Armenien erwähnt. Putin hat ihm mit einem „ukrainischen Szenario“ gedroht, falls es sich für den europäischen Weg entscheidet. Kann die Russische Föderation irgendwelche realen Schritte unternehmen, wenn man die dortige russische Militärbasis berücksichtigt?

Vitaly Portnikov: Die russische Militärbasis in Armenien ist keine Kraft, die den politischen Prozess beeinflussen könnte. Nachdem Aserbaidschan seine territoriale Integrität wiederhergestellt hat, bleiben Russland nur wirtschaftliche Instrumente und     Versuche, prorussische Aktivisten einzuschleusen.

Doch die Soziologie zeigt eine tiefe Enttäuschung der armenischen Gesellschaft über Moskau. Menschen, die sogar mit prorussischen Parolen auftreten, haben in Wirklichkeit Angst, ohne den „Schutz“ Russlands den regionalen Akteuren allein gegenüberzustehen, glauben aber nicht mehr an Russland als freundliches Land.

Der Krieg in der Ukraine hat Moskaus Pläne durchkreuzt, ethnische Konflikte in der Region auszunutzen, und heute versuchen Armenien und Aserbaidschan, ihren eigenen Weg zu finden.

Moderatorin: Ist ein Umsturz innerhalb Russlands aufgrund der wirtschaftlichen Enttäuschung der Eliten möglich?

Vitaly Portnikov: Ich sehe dafür keine Grundlage. Russland ist ein Staat, in dem ein Monopol der Geheimdienste errichtet wurde. Der Kampf zwischen FSB, FSO und Armee dauert historisch an, aber sie haben in der Hauptsache keine Meinungsverschiedenheiten: Russland soll innerhalb der Grenzen der ehemaligen UdSSR bestehen.

Der Tod Putins wird die Situation nicht verändern, weil es keine Alternative zu einer Herrschaft der Sicherheitsapparate gibt. Damit eine solche Alternative entsteht, wäre eine Revolution nötig, und für eine solche sind derzeit keine Voraussetzungen zu erkennen.

Moderatorin: Stimmt es, dass die Frage der Ukraine bis zur Lösung der Krise mit dem Iran auf Eis liegen wird?

Vitaly Portnikov: Wenn die Straße von Hormus blockiert bleibt, wird dies zu einer Energiekrise führen, vor deren Hintergrund man alle anderen Kriege einfach vergessen wird. Wir können uns nicht einmal das Ausmaß des wirtschaftlichen Zusammenbruchs vorstellen, der die Welt Ende 2026 erwarten könnte.

Die Ukraine ist in ein „ideales Labyrinth“ von Fallen geraten. Der einzige Ausweg besteht in einer systematischen Schwächung des Potenzials der Aggressoren. Autoritäre Regime können aber auf eine höhere Leidensbereitschaft ihrer Bevölkerung bauen als demokratische Staaten.

Letztlich müssen wir uns daran gewöhnen: Zwischen Russland und der Ukraine wird es in den kommenden Jahrzehnten keinen „Friedensvertrag“ geben. Es wird einen Waffenstillstand mit episodischen Eskalationen geben. Und das wird bereits ein Glück sein, wenn es uns gelingt, ein solches Format anstelle eines endlosen Krieges zu erreichen.

Moderatorin: In welcher Welt wird Europa leben?

Vitaly Portnikov: In einer schwierigen. Wenn es nicht gelingt, den Krieg „einzufrieren“, wird er sich auf Europa ausweiten. Russland kann beginnen, europäische Militäranlagen anzugreifen, um die EU dazu zu zwingen, die Unterstützung der Ukraine aufzugeben.

Die gefährlichste Periode werden die Jahre 2027–2028 sein, wenn Putin überzeugt sein könnte, dass der Westen auf Angriffe nicht mit militärischen Mitteln reagieren wird.


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Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Україна потрапила в
„ідеальний лабіринт“ пасток“, – Віталій
Портников. 08.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 08.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Der Kreml verschärft die „Friedensbedingungen“ | Vitaly Portnikov. 02.06.2026.

Um den Krieg zu beenden – sogar innerhalb eines Tages –, müsse der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, seinen Streitkräften den Befehl geben, die russischen Regionen zu verlassen, betont der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation Putin, Dmitri Peskow. Mit den russischen Regionen meint man in Moskau bekanntlich die Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja der Ukraine sowie die Autonome Republik Krim und Sewastopol, die in der Verfassung der Russischen Föderation als Subjekte Russlands verzeichnet sind.

Somit ist Russland der Auffassung, dass nicht seine Truppen die aus Sicht des Völkerrechts und des gesunden Menschenverstands besetzten ukrainischen Gebiete verlassen sollten, sondern im Gegenteil die Streitkräfte der Ukraine den Donbass, das Gebiet Saporischschja und die Region Cherson räumen müssten, damit Putins geopolitische Fantasien verwirklicht werden können – zumindest unter Bedingungen, in denen die russische Armee nicht in der Lage ist, das gesamte Territorium der Ukraine zu besetzen.

Schon als die Russen betonten, dass die ukrainische Armee für den Beginn von Verhandlungen über einen Waffenstillstand die Gebiete Donezk und Luhansk verlassen müsse, stellte ich mir die Frage: Warum sind für den Kreml damals nur Donezk und Luhansk Gegenstand von Verhandlungen über den Frieden gewesen? Warum sollten die Gebiete Saporischschja und Cherson, die von Russland genauso annektiert wurden wie die Gebiete Donezk und Luhansk der Ukraine, nicht ebenfalls jene Territorien sein, aus denen Russland den Abzug ukrainischer Truppen fordert?

Offensichtlich war dies damals Teil irgendwelcher Konsultationen mit der Administration von Präsident Donald Trump. Damit man in Washington die Ansprüche des Kremls nicht für überzogen hielt, entschied man sich, zunächst mit den Gebieten Donezk und Luhansk zu beginnen. Auch deshalb, weil Kramatorsk, Slowjansk und andere Städte des Gebiets Donezk, die unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung stehen, von Russland als befestigte Festungen wahrgenommen wurden, deren Eroberung das Leben vieler russischer Söldner sowie militärischer Ausrüstung kosten würde, die – wie wir verstehen – für Putin weitaus wichtiger ist als das Leben irgendwelcher russischer Bürger, die bereit sind, für Geld unsere Landsleute zu töten.

Doch nun sehen wir, dass Peskow ausspricht, was tatsächlich gemeint ist, da keinerlei echte Verhandlungen mit der Ukraine stattfinden und dieser Verhandlungsprozess für Putin nicht mehr erforderlich ist, um Kontakte mit der Trump-Administration aufrechtzuerhalten. Damit Russland überhaupt über einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front nachdenken kann, muss Putin seinen Landsleuten zumindest den Anschein eines Sieges vermitteln können – davon, dass es Russland gelungen ist, die Kontrolle über sämtliche Gebiete zu erlangen, die nach der Verfassung dieses Landes als russisch erklärt wurden.

Das wäre zumindest eine Art Simulation eines Sieges in einer Situation, in der die Kontrolle über das gesamte Territorium unseres Landes nicht erreicht werden kann. Gleichzeitig besteht natürlich auch der Wunsch, Zwietracht innerhalb der ukrainischen Gesellschaft zu säen, denn die Destabilisierung der Ukraine war und bleibt eine der wichtigsten Aufgaben der russischen politischen Führung.

Man möchte erreichen, dass die Menschen in der Ukraine glauben, es gebe doch Möglichkeiten, den Krieg zu beenden, den Beschuss ukrainischer Städte und die Tötung ukrainischer Bürger zu stoppen. Und diese Möglichkeit bestehe darin, Russland jene ukrainischen Gebiete zu überlassen, auf die es territoriale Ansprüche erhebt und die es in seine Verfassung eingetragen hat – eine Verfassung, die Putin längst zu einem wertlosen Lappen gemacht hat.

Ich würde jedoch nicht empfehlen, die Erklärungen des Kreml-Sprechers oder auch die Aussagen Putins ernst zu nehmen. Man sollte sich immer daran erinnern: Mit einem Menschenfresser kann man über nichts verhandeln. Der Appetit des Menschenfressers wächst beim Essen. Wenn man ihm das Territorium von vier ukrainischen Regionen überlässt, wird er, glauben Sie mir, sofort Pläne zur Eroberung benachbarter ukrainischer Gebiete schmieden. Gibt man ihm diese benachbarten Gebiete, wird er weitergehen.

Genau das ist die klassische Salami-Taktik, an die man sich stets erinnern sollte, wenn wir die Situation im russisch-ukrainischen Krieg diskutieren. Und es ist kein Zufall, dass diese Forderungen gerade jetzt erhoben werden, da die Ukraine den Korridor von Russland zur Krim unter Kontrolle nimmt, da russische Raffinerien und militärisch-industrielle Betriebe angegriffen werden, da Putin trotz neuer Einnahmen aus dem Verkauf russischen Öls katastrophal das Geld für den Krieg ausgeht und es im Interesse des russischen Präsidenten liegt, diesen Krieg aus Sicht der Stabilität seines menschenverachtenden Regimes möglichst schnell zu beenden – allerdings mit einem realen Ergebnis, das man als Sieg darstellen und das die Vorbereitung auf einen neuen Krieg nach der Wiederherstellung russischer Möglichkeiten ermöglichen kann. Und Putin kann durchaus davon ausgehen, dass der Abzug ukrainischer Truppen aus vier Regionen unseres Landes ein Sprungbrett für neue Offensiven schaffen würde.

Deshalb bleibe ich dabei, dass von einem echten Friedensvertrag zwischen Russland und der Ukraine keine Rede sein kann. Ebenso wenig kann man echte Friedensverhandlungen zwischen Moskau und Kyiv erwarten – selbst nicht unter Vermittlung der Administration des amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

Worauf man hingegen hoffen kann, ist, dass die russischen Truppen zum Stillstand kommen, weil die Reserven des Aggressorstaates erschöpft sein werden. Genau zur Vernichtung dieser Reserven müssen die ukrainischen Streitkräfte arbeiten. Genau zur Vernichtung dieser Reserven müssen die ukrainischen Diplomaten arbeiten, indem sie Voraussetzungen für neue verheerende Sanktionen gegen die Wirtschaft der Terrorföderation schaffen.

Und natürlich wird es in dieser Situation keinen Truppenabzug geben. Möglich wäre vielmehr ein Waffenstillstand entlang der Kontaktlinie der verfeindeten Armeen, verbunden mit einer ernsthaften weiteren Arbeit zur Verhinderung eines neuen Angriffs der Russischen Föderation durch die Umwandlung der Ukraine in einen echten Festungsstaat.

All das liegt noch vor uns, wenn es gelingt, die russische Armada heute aufzuhalten. Dem Menschenfresser zu geben, was er verschlingen will, wäre nicht der Weg zum Ende des Konflikts, sondern die schlechteste denkbare Form seiner Fortsetzung.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Кремль посилює «умови миру» | Віталій Портников. 02.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 02.06.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Ein Plan ohne Plan: Wie der Kreml Trumps Schwäche ausnutzt. Vitaly Portnikov. 20.11.2025.

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Es gibt keinen abgestimmten Plan.

Es gibt lediglich Trumps Erwartung, dass Putin sich vor der endgültigen Entscheidung über die Einführung der Sanktionen am 21. November doch noch „brechen“ lässt und den für ihn bequemen Bedingungen einer Feuerpause zustimmt, die Trump zuvor vorgeschlagen hatte.

Und dafür benötigen Trump oder jemand aus seinem Beraterkreis die Zustimmung der Ukraine zu diesen Bedingungen.

Doch Putin wird sich – erstens – nicht brechen lassen. Und zweitens, falls in diesem Plan tatsächlich die Idee enthalten ist, dass Russland für den Donbas bezahlen soll – also für ein Territorium, das Putin zum Bestandteil der Russischen Föderation erklärt hat –, dann ist das aus Putins Sicht eine persönliche Beleidigung und eine Demütigung.

Trump und seine Leute, die es gewohnt sind, ausschließlich in Kategorien des Verkaufs von Grundstücken und Wohnungen zu denken, sind unfähig, das zu begreifen.

Deshalb wird dieser Plan nur den Graben zwischen Washington und Moskau vergrößern und Putin dazu bringen, andere Instrumente zu suchen, um Trump im innenpolitischen Feld der USA zu diskreditieren.

Für Trump gibt es eine einfache Wahl: Entweder er führt die Sanktionen am 21. November tatsächlich ein und erhöht damit den Druck auf Putin, oder er verschiebt sie erneut, in der Hoffnung, dass der russische Präsident unter der Drohung solcher Sanktionen doch noch den bequemen Bedingungen zustimmt.

Das Problem besteht nur darin, dass Trump zu dem Zeitpunkt, an dem er sich das nächste Mal endgültig entscheiden müsste, ob er diese Sanktionen einführt oder neue ankündigt, möglicherweise schon tief unter verschiedenen „Files“ begraben sein wird. Putin setzt dafür sämtliche verfügbaren Mittel ein.


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Art der Quelle: Social Media

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 20.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Zelensky antwortet auf Putin | Vitaly Portnikov. 11.05.2025.

Volodymyr Zelensky betonte, dass die Ukraine im Falle eines vollständigen Waffenstillstands an der russisch-ukrainischen Front ab dem 12. Mai dieses Jahres bereit für Verhandlungen in Istanbul ist. Wie es von den europäischen Führern und dem Präsidenten der Ukraine bei ihrem Treffen in Kyiv am 10. Mai vorgeschlagen wurde.

Wie bekannt ist, sagte der russische Präsident Wladimir Putin, der in einer beispiellosen nächtlichen Pressekonferenz im Kreml auftrat, offensichtlich um in die Schlagzeilen der amerikanischen Nachrichten zu gelangen, nichts über die Möglichkeit eines Waffenstillstands an der russisch-ukrainischen Front und betonte sogar die Unangemessenheit eines solchen Waffenstillstands, schlug aber die Wiederaufnahme der, wie er sagte, russisch-ukrainischen Verhandlungen in der Türkei vor.

Bezeichnend ist, dass Putin bereits diesbezüglich mit Präsident Recep Tayyip Erdoğan gesprochen hat. Und Erdoğan, der einen Neuanfang möglicher Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine begrüßte, nannte auch einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front als Voraussetzung dafür, dass solche Verhandlungen wieder aufgenommen werden.

So können wir von einer gewissen Übereinstimmung der Positionen der Präsidenten Frankreichs, der Ukraine und der Türkei, des Premierministers Großbritanniens, des Bundeskanzlers Deutschlands und des polnischen Ministerpräsidenten sprechen, unter welchen Bedingungen Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine stattfinden sollen.

Am anderen Pol, wie zu erwarten war, Putin, der versucht, Verhandlungen vor dem Hintergrund der Fortsetzung der Kriegshandlungen zu beginnen, um so diese Kriegshandlungen und den Terror gegen die ukrainische Zivilbevölkerung, die Russland betreibt und die in den letzten Monaten nur noch verstärkt wurde, als Druckmittel auf Kyiv einzusetzen, um unseren Staat zur Kapitulation vor der Russischen Föderation zu zwingen.

Die Position des Präsidenten der Vereinigten Staaten hingegen bleibt unausgesprochen, nachdem die europäischen Führer und Zelensky einen Waffenstillstand am 12. Mai vorgeschlagen haben. Und Putin hielt eine Rede, in der er vorschlug, am 15. Mai in Istanbul Verhandlungen aufzunehmen, erwähnte aber die Initiative zum Waffenstillstand mit keinem Wort.

Donald Trump reagierte nur mit einem kurzen Beitrag in den sozialen Medien, in dem er von einem potenziell großen Tag für Russland und die Ukraine sprach. „Stellen Sie sich vor, wenn Hunderttausende von Leben gerettet werden könnten, wenn dieses endlose Blutbad endlich endet. Das wäre eine ganz neue, viel bessere Welt“.

Ja, der Präsident der Vereinigten Staaten hat auf die Ereignisse vom 10. und 11. Mai reagiert. Aber was bedeutet das in der Praxis? Was werden die Vereinigten Staaten und die europäischen Länder überhaupt schon morgen, am 12. Mai, tun?

Es sei daran erinnert, dass die europäischen Führer, als sie Putin vorschlugen, einen vollständigen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front ab dem 12. Mai einzuführen, betonten, dass die Antwort auf die Weigerung der Russischen Föderation, eine solche Entscheidung zu treffen, neue, viel härtere und mit den Vereinigten Staaten abgestimmte Sanktionen gegen die russische Wirtschaft sein würden.

Nun die Frage. Wird Präsident Trump im Falle eines solchen Sanktionsbeschlusses zustimmen, wenn Putin Verhandlungen in Istanbul vorschlägt? Ist sich Washington bewusst, dass Vorschläge zu Verhandlungen vor dem Hintergrund der Fortsetzung der Kriegshandlungen an der russisch-ukrainischen Front tatsächlich eine Verzögerungstaktik sind, um die russisch-ukrainischen Krieg zu verlängern?

Und wie wird Putin auf die Entwicklungen reagieren, denn, wie wir sehen, lehnen weder der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan noch der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky seine Idee ab, Verhandlungen in Istanbul zu führen. Sie erinnern nur an die Notwendigkeit eines Waffenstillstands als ersten Schritt, der zu solchen Verhandlungen führen soll. 

Nach dem Auftritt des russischen Präsidenten vor Journalisten im Kreml betonten russische Propaganda-Medien, dass der Ball nun beim ukrainischen Präsidenten liege, offensichtlich in der Hoffnung, dass Zelensky den Verhandlungsprozess mit der russischen Seite ganz ablehnen würde.

Zelensky lehnte weder die Verhandlungen noch die Initiative zum Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front ab, die übrigens wiederum eine Unterstützung des amerikanischen Vorschlags ist, des Vorschlags von Präsident Donald Trump, mit dem er sich zweimal an den Präsidenten der Russischen Föderation gewandt und zweimal eine Ablehnung von Putin erhalten hat.

Und so muss nun die russische Seite auf Zelenskys Zustimmung zu Verhandlungen im Falle eines Waffenstillstands an der russisch-ukrainischen Front reagieren. Und wenn Russland betont, dass es den Waffenstillstand nicht einhalten wird und die ukrainische Delegation in Istanbul vor dem Hintergrund des anhaltenden Luftterrors und des Vormarsches russischer Truppen auf ukrainische Stellungen erwarten wird, dann müssen nach der Logik der Ereignisse die europäischen Länder und die Vereinigten Staaten mit neuen Sanktionen gegen die russische Wirtschaft und neuer militärischer Hilfe für die Ukraine reagieren.

Auf jeden Fall befinden wir uns in einer Position, in der sich keiner der Beteiligten einer solchen Reaktion entziehen kann. Die erste Reaktion Zelenskys zeigt, dass die Ukraine ihre Position klar formuliert hat.

Die erste Reaktion Trumps zeigt, dass der Präsident der Vereinigten Staaten versucht, einer eindeutigen Reaktion auszuweichen. Wir verstehen jedoch, dass der Zeitraum, in dem Trump dies gelingt, eindeutig nicht ausreicht, um die tatsächliche Entwicklung der Positionen der Kriegsparteien lange zu übersehen.

Die Ukraine mit ihrer Position eines Waffenstillstands und der Bereitschaft, nach einem Waffenstillstand Verhandlungen aufzunehmen, wirkt auf jeden Fall viel konstruktiver als die Russische Föderation, die sich weigert, einen Waffenstillstand zu vereinbaren, und die Ukrainer zu Verhandlungen einlädt, während die Kampfhandlungen weitergehen.

Ja, so geschah es übrigens in Istanbul im Jahr 2022 und führte zu keinen konkreten Ergebnissen, so sehr Putin jetzt auch versucht, die Geschichte dieser Ereignisse zu fälschen.

Putin weigert sich, einen Waffenstillstand zu schließen | Vitaly Portnikov. 11.05.2025.

Während eines beispiellosen nächtlichen Briefings im Kreml lehnte Putin faktisch den Vorschlag einer Waffenruhe ab, der während der gestrigen Verhandlungen der Regierungschefs von Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Polen und der Ukraine unterbreitet wurde, die diesen Vorschlag zudem mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump abgestimmt hatten.

Stattdessen schlug Wladimir Putin vor, die russisch-ukrainischen Verhandlungen in Istanbul bereits am 15. Mai wiederaufzunehmen, oder um genau zu sein, mit einem Zitat, wiederherzustellen. Und er teilte mit, dass er während des heutigen Gesprächs mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan anbieten werde, einen Ort für ein solches direktes Treffen der russischen und ukrainischen Delegation bereitzustellen.

Dabei betonte der russische Präsident, dass während dieser Verhandlungen auch Fragen zukünftiger Entscheidungen über eine Waffenruhe im russisch-ukrainischen Krieg erörtert werden könnten.

Aber jetzt, wie wir sehen, verweigerte Putin jegliche Rede über einen Waffenstillstand. Was bedeutet das? Wir haben mehrfach darüber gesprochen, dass es zwei Ansätze zum Thema des russisch-ukrainischen Krieges gibt.

Der erste ist der Ansatz des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, mit dem er sich wiederholt an Putin gewandt hat und der sowohl von Kyiv als auch von den europäischen Hauptstädten unterstützt wird: das Feuer an der russisch-ukrainischen Front zu beenden und danach Verhandlungen über die Erreichung eines umfassenden Friedens zu führen.

Und es gibt Putins Ansatz: die Kampfhandlungen fortzusetzen und vor dem Hintergrund dieser Kampfhandlungen Verhandlungen über ein mögliches Kriegsende zu führen. Genau das geschah in den ersten 100 Tagen der Amtszeit von Donald Trump in den Vereinigten Staaten.

Die amerikanische Delegation führte Verhandlungen mit russischen Beamten in Saudi-Arabien. Trump sprach mehrmals mit Putin. Der russische Regierungschef wurde von einem Sonderbeauftragten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Witkoff, besucht. In der Zwischenzeit wurden die Feindseligkeiten nicht nur fortgesetzt, sondern entwickelten sich zu einem vollständigen Terror der russischen Regierung gegen die Zivilbevölkerung der Ukraine. Und so wie wir es verstehen, droht die Russische Föderation immer noch mit diesem Terror, insbesondere mit der Schließung des Luftraums über Kapustny Yar am 12. und 13. Mai dieses Jahres. Dies ist natürlich eine Drohung mit einem großen Raketenangriff.

Das war Putins Idee, Trump in den Verhandlungsprozess zu ziehen, um ihn zum Komplizen seiner Verbrechen im russisch-ukrainischen Krieg zu machen. Der russische Präsident sieht jedoch, dass dies nicht sehr gut funktioniert. Donald Trump hat wiederholt selbst gesagt, dass er sich aus den russisch-ukrainischen Gesprächen zurückziehen könnte, und auch andere Mitglieder seiner Regierung haben über diese Möglichkeit gesprochen. Und, wie wir verstehen, versucht Putin jetzt, seinen Dialog mit Washington durch einen neuen diplomatischen Vorschlag für direkte Verhandlungen mit der Ukraine fortzusetzen.

Putin könnte hoffen, dass die Amerikaner in einer solchen Situation bereit sind, den Dialog mit ihm fortzusetzen, versuchen werden, als Vermittler im Verhandlungsprozess zu bleiben, was Putin wiederum den Weg für weiteren Terror gegen die Zivilbevölkerung der Ukraine und für weitere Offensivoperationen an der russisch-ukrainischen Front ebnen würde.

Jetzt hängt vieles von der Reaktion ab, in erster Linie der Vereinigten Staaten und der europäischen Länder. Denn wie bekannt, wurde dem russischen Präsidenten mitgeteilt, dass, falls er die Fortsetzung der Kampfhandlungen an der russisch-ukrainischen Front nicht aufgibt, keine Entscheidung getroffen wird, ab dem 12. Mai einen Waffenstillstand zu erklären und danach Verhandlungen gegen die Russische Föderation aufzunehmen, werden neue amerikanische und europäische Sanktionen verhängt.

Es wurden bereits Sanktionen abgestimmt, die einen ziemlich schweren Schlag für die russische Wirtschaft darstellen und zusätzliche Anreize für den russischen Präsidenten schaffen sollen, seine kriminelle Politik gegenüber der Ukraine zu beenden.

Wenn wir morgen oder am 12. Mai erfahren, dass solche Sanktionen verhängt wurden, bedeutet dies, dass die euro-atlantische Solidarität und die Solidarität mit der Ukraine wirklich funktionieren und dass der US-Präsident und die europäischen Staats- und Regierungschefs nach monatelanger Überzeugungsarbeit gegenüber Putin zu einer neuen Runde des Drucks auf die Russische Föderation übergegangen sind, die auch mit neuer militärischer Unterstützung für die Ukraine in ihrem Widerstand gegen die russische Aggression verbunden sein sollte.

Wenn jedoch beschlossen wird, dass die Sanktionen verschoben werden sollten und die Idee von Verhandlungen vor dem Hintergrund der Fortsetzung des Krieges und des Terrors als ein gewisser Fortschritt angesehen werden kann, wird dies natürlich nur den Appetit des russischen Präsidenten steigern und seine Forderungen nach der Kapitulation der Ukraine im russisch-ukrainischen Krieg verlängern. Übrigens sei daran erinnert, dass der Präsident der Russischen Föderation während dieses nächtlichen Briefings im Kreml genau über den Krieg sprach und nicht über eine spezielle Militäroperation.

Somit ist ein weiterer propagandistischer Mythos, der all die Jahre angewendet wurde und wegen dessen Ablehnung die Bürger der Russischen Föderation selbst ins Gefängnis gebracht wurden, heute vom Organisator und Hauptverursacher dieses aggressiven und ungerechten Krieges, Putin, selbst widerlegt.

Die USA könnten sich aus den Verhandlungen zurückziehen | Vitaly Portnikov. 02.05.2025.

Buchstäblich am Tag nach dem sich die Ukraine und die Vereinigten Staaten endlich auf ein bedeutendes Abkommen über fossile Brennstoffe, also über die Schaffung eines Investitionsfonds für die ukrainische Wirtschaft, geeinigt haben, begann man in den Vereinigten Staaten immer lauter über die Möglichkeit eines Ausstiegs dieses Landes aus dem russisch-ukrainischen Verhandlungsprozess zu sprechen. Darüber, dass Russen und Ukrainer selbst über den Frieden verhandeln sollten.

Auf den ersten Blick mag dies seltsam erscheinen, denn es schien, dass die Unterzeichnung des Abkommens über fossile Brennstoffe die Vereinigten Staaten im Verhandlungsprozess proaktiver machen sollte. Nun, erstens ist es verfrüht zu sagen, dass Washington tatsächlich die Entscheidung getroffen hat, sich aus den Verhandlungsbemühungen zurückzuziehen. Eine solche Entscheidung kann nur eine Person treffen. Präsident Donald Trump. 

Vizepräsident J.D. Vance, der sagte, dass Russen und Ukrainer jetzt selbst über den Frieden verhandeln sollten, könnte seine eigene Meinung zum Verhandlungsprozess geäußert haben, an dem er nicht direkt beteiligt ist.

Die Sprecherin des Außenministeriums, auf die man sich als Beamtin bezieht, die angeblich den möglichen Ausstieg der Vereinigten Staaten aus den Verhandlungen angekündigt hat, zitierte nur frühere Erklärungen ihres Chefs, des Außenministers, jetzt Beraters von Präsident Trump für nationale Sicherheit, Marco Rubio.

Es sei jedoch daran erinnert, dass Herr Rubio diese Erklärungen nach dem Treffen in Paris mit Kollegen aus europäischen Ländern und der Ukraine abgegeben hatte, als er sich davon überzeugt hatte, dass die maximalistischen Forderungen der Vereinigten Staaten an Kyiv und die europäischen Hauptstädte von den Teilnehmern des Treffens nicht unterstützt wurden, die der amerikanischen Delegation ihrerseits ihre eigene Sichtweise auf das Verhalten in den Verhandlungen vorschlugen. Und seitdem war kein neues Wort über die Möglichkeit eines Ausstiegs der Vereinigten Staaten aus den Verhandlungen von Marco Rubio zu hören, ja mehr noch, der Außenminister spricht jetzt sogar von einem möglichen Durchbruch in den Verhandlungen.

Außerdem, selbst wenn man sich vorstellt, dass Donald Trump tatsächlich die Entscheidung trifft, die Vereinigten Staaten aus den Verhandlungen ausscheiden zu lassen, wäre dies eine Rückkehr zu der Situation, die bereits vor seiner Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten bestand. Der Vorgänger von Donald Trump, Joe Biden, führte keine Verhandlungen mit Putin, weil er im Gegensatz zu seinem Nachfolger deren Aussichtslosigkeit sehr wohl erkannte. Stattdessen half er der Ukraine.

Donald Trump hat jetzt auch die Möglichkeit, der Ukraine zu helfen, zumindest durch einen Beitrag zu demselben Investitionsfonds, der gemäß den amerikanisch-ukrainischen Absprachen geschaffen wurde. Und Verhandlungen sind nur dann sinnvoll, wenn die Russische Föderation tatsächlich an einer Waffenruhe interessiert ist. 

Wenn Trump sich davon überzeugt hat, dass Putin dieses Interesse, trotz großzügiger Angebote von Washingtoner Seite, nicht hat. Und ist die Idee der Anerkennung der Krim als russisch nicht die größte Großzügigkeit? Der amerikanische Präsident hat keinen Grund, die Verhandlungen mit dem russischen Führer fortzusetzen, er kann einfach zur Politik Bidens zurückkehren. Kein wirklicher Dialog mit der russischen Seite, aber Fortsetzung der Hilfe für die Ukraine bei der Eindämmung der russischen Aggression, so dass im Kreml der Wunsch, den Krieg zu beenden entsteht.

Dann verstehen wir die Logik der Argumentation von Jay D. Vance, der sagt, dass Russen und Ukrainer die Frage des Kriegsendes selbst lösen müssen. Nur der Wunsch, dieses Problem zu lösen, muss in erster Linie bei der Seite sein, die diesen ungerechten und grausamen Krieg begonnen hat, nämlich bei der Russischen Föderation, nicht in der Ukraine, die Opfer der Aggression geworden ist und seitdem einfach dem russischen Vorgehen Widerstand leistet.

Es muss auch ein weiterer wichtiger Punkt berücksichtigt werden. Gespräche über eine Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front und darüber, dass diese Waffenruhe durch amerikanische Bemühungen noch nicht erreicht wird, könnten Teil des Kampfes im Umfeld von Trump selbst sein.

Wie wir sehen, wird um den Einfluss auf den amerikanischen Präsidenten, seine Außenpolitik, den außenpolitischen Block in der amerikanischen Politik ein ziemlich harter Kampf geführt, wenn es darum geht, wer den außenpolitischen Kurs von Donald Trump bestimmen wird. Mike Waltz, der jetzt ehemalige Berater für nationale Sicherheit, der nun nur noch Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen sein wird, hat diesen Kampf bereits verloren.

Eine weitere Person, die praktisch das gesamte außenpolitische Umfeld Trumps verärgert, ist Steve Witkoff, der Sonderbeauftragte für den Nahen Osten, der sowohl Vertreter in den Verhandlungen mit Putin als auch Vertreter in den Verhandlungen mit dem Iran wurde und nirgendwo ein konkretes Ergebnis erzielen kann. 

Möglicherweise beziehen sich die Worte der Sprecherin des US-Außenministeriums, dass die Amerikaner nicht mehr auf Bestellung ans andere Ende der Welt fahren werden, um Probleme von Krieg und Frieden zu lösen, speziell auf Steve Witkoff, der ständig Moskau besucht oder im Nahen Osten auftaucht, um Verhandlungen mit seinen russischen oder iranischen Partnern zu führen.

Der Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem Verhandlungsprozess könnte den Einfluss von Witkoff deutlich verringern und dementsprechend den Einfluss von Rubio erhöhen. Und dass diese Leute darum kämpfen, das entscheidende Wort bei der Festlegung der Position von Donald Trump zu haben, sollte man auch nicht vergessen.

Was könnte also passieren, wenn die Vereinigten Staaten aus den Verhandlungen ausscheiden? Im ukrainischen Interesse wäre es, den Status quo der Biden-Zeit zu bestätigen. Erstens, dass die militärische Hilfe für die Ukraine fortgesetzt wird.

Es gibt jetzt ein Pilotprojekt in Form der Käufe in Höhe von 50 Millionen Dollar, der ersten Käufe während der Präsidentschaft Trumps. Und wir müssen hoffen, dass dieses Pilotprojekt im September dieses Jahres zu umfangreicheren Möglichkeiten für die Ukraine und die europäischen Länder führen wird, Waffen in den Vereinigten Staaten zu kaufen, um weiterhin gegen den russischen Aggressor zu kämpfen und seine Streitkräfte und Ausrüstung zu zerstören.

Neben dem Kaufprozess könnte es den Prozess der Beiträge der Vereinigten Staaten zu dem Investitionsfonds in Form neuer moderner Waffen geben. Natürlich wäre es nicht schlecht, die Erlaubnis zu erhalten, mit diesen Waffen auf das Hoheitsgebiet der Russischen Föderation zu schlagen, um so viele russische strategische Objekte der Ölverarbeitung wie möglich zu zerstören, alles, was Russland das Kämpfen ermöglicht, um Russland diese Möglichkeiten zu berauben.

Der zweite Punkt des Status quo ist die Verschärfung der Sanktionen gegen die Russische Föderation, die Schaffung neuer und immer neuer Probleme für die russische Wirtschaft, die Umwandlung des Nachbarlandes in ein Gebiet der völligen wirtschaftlichen Hoffnungslosigkeit, sowohl für die Führung des Landes als auch natürlich für die einfachen Bürger, die die chauvinistische, imperialistische Politik Putins und seines engsten kriminellen Umfelds unterstützen.

In die russischen Gebäude soll wirtschaftliches Elend einziehen und sich dort für lange, aussichtslose Jahrzehnte niederlassen. Für Präsident Trump bereiten seine Berater bereits jetzt Pläne vor, welche zusätzlichen Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängt werden könnten. 

Natürlich hat der amerikanische Präsident in dieser Hinsicht noch keine Entscheidungen getroffen, da er noch auf eine diplomatische Lösung der Probleme hofft. Aber wichtig ist, dass, wenn die Aussichtslosigkeit dieser Hoffnungen offensichtlich wird, der Plan für neue verheerende Sanktionen gegen die Russische Föderation und alle, die mit der Russischen Föderation zusammenarbeiten, bereits auf dem Tisch des amerikanischen Präsidenten liegen sollte, um zu neuen atemberaubenden Ereignissen für die russische Wirtschaft und für die Bürger des Nachbarlandes zu führen.

Natürlich ist dies keine Frage des schnellen Erfolgs, aber im ukrainischen Interesse ist es, dass die russische Wirtschaft nicht auf Jahre, sondern auf Jahrzehnte stagniert, dass Russland im nächsten Jahrzehnt, sowohl unter Putin als auch nach Putin, keine Möglichkeit haben wird, irgendwie über aggressive Aktionen gegen andere Staaten nachzudenken, dass Russland sich ausschließlich mit der Lösung seiner eigenen Probleme befasst und das wichtigste dieser Probleme die Ernährung der eigenen Bevölkerung ist.

Und das wäre natürlich auch eine Rückkehr zu dieser Politik, die die Vereinigten Staaten in der Zeit von Joe Biden betrieben haben, der Politik der Eindämmung der Russischen Föderation, der gleichzeitigen Marginalisierung dieses Staates und seiner Gesellschaft und der Vermeidung eines Atomkonflikts unter Beteiligung der Russen.

Dies wäre der Weg zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges, zur Entwicklung der Ukraine und zur Nichtentwicklung Russlands.