Putins neue Erklärungen: Das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 22.10.2026.

In diesen Minuten erscheinen in den sozialen Netzwerken Ausschnitte aus einem Interview des russischen Präsidenten Putin, das er einem der Kreml-Propagandisten gegeben hat, unmittelbar nachdem bekannt geworden war, dass Moskau der Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses mit der Ukraine zugestimmt hat. Und genau deshalb ist der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, der Sankt Petersburg besucht und im Konstantinpalast mehrstündige Verhandlungen mit Putin geführt hat, hinsichtlich dieser künftigen Verhandlungen optimistisch eingestellt. Aber es ist sehr wichtig zu verstehen, was Putin selbst tatsächlich über den Verhandlungsprozess denkt und wie er die Situation nutzt, um seine eigenen Ziele zu erreichen.

Also, Putin im Wortlaut: „Was unsere Verhandlungen mit dem Vertreter der Regierung der Vereinigten Staaten betrifft, so haben wir uns tatsächlich darauf verständigt, dass wir bereit sind, unsere trilateralen Kontakte wieder aufzunehmen. Ziel dieser Verhandlungen wird es sein, die Frage der Gewährleistung der Sicherheit der Ukraine und Russlands nach dem Abschluss von Friedensvereinbarungen zu erörtern, und zwar in deren endgültiger Fassung und nicht als Ergebnis einer Einstellung der Kampfhandlungen für einen kurzen Zeitraum. Wir sind bereit, diese Kontakte wieder aufzunehmen, um dieses Ziel zu erreichen. Gleichzeitig hat der Vertreter der Regierung der Vereinigten Staaten darauf hingewiesen, dass wir, wenn wir Fragen im Zusammenhang mit der künftigen Gewährleistung der Sicherheit sowohl der Ukraine als auch Russlands erörtern, selbstverständlich auch über die Architektur der europäischen Sicherheit insgesamt sprechen müssen. Und dem stimme ich ebenfalls zu.“

Was bedeutet das in der Praxis? Erstens, dass im Kreml überhaupt kein Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine in Betracht gezogen wird. Dort ist man weiterhin der Ansicht, dass sämtliche Verhandlungen, die, wie Sie verstehen, selbst wenn sie tatsächlich stattfinden, jahrelang dauern können, vor dem Hintergrund intensiver Kampfhandlungen stattfinden müssen. Und zwar vor dem Hintergrund fortgesetzter Raketen- und Drohnenangriffe auf das ukrainische Hinterland, mit dem Ziel, es zu demoralisieren und die Ukraine dazu zu bringen, einer Kapitulation vor der Russischen Föderation zuzustimmen.

Und die Kapitulationsbedingungen könnten zugleich die Sicherheitsbedingungen für die Ukraine sein, denn bekanntlich vertritt man in Moskau die Vorstellung, dass die Russische Föderation selbst zum eigentlichen Garanten der Sicherheit der Ukraine werden müsse. Darüber haben sowohl Präsident Putin als auch Außenminister Lawrow und andere russische Beamte wiederholt gesprochen. Das wurde während der Verhandlungen in Istanbul erörtert. Russland sieht sich als ein Land, das die Ukraine verschlingen wird, wenn nicht territorial, dann zumindest dadurch, dass es sie in seine Einflusssphäre eingliedert und der Ukraine seine Bedingungen für das Zusammenleben aufzwingt.

Und Putin hofft, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, dem zustimmen wird. Ebenso wie der Vorstellung, dass gerade Russland zum eigentlichen Gendarmen Europas werden müsse, indem es die Kontrolle über die Ukraine erhält. Wenn nicht über das Territorium, das in die Russische Föderation integriert wird, dann über einen Staat, der weiterhin in der Einflusssphäre der Russischen Föderation verbleibt.

Genau das ist die Idee hinter dem Verhandlungsprozess. Denn wir können erkennen, dass Witkoff Putins grundsätzlichem Ansatz zugestimmt hat, wonach nicht nur die Sicherheit der Ukraine, sondern auch die Sicherheit Russlands erörtert werden müsse. Als würde dieser größten Atommacht der heutigen Welt, die innerhalb weniger Minuten mit einem Atomangriff die Menschheit vernichten könnte, tatsächlich irgendetwas drohen. Als hätte irgendjemand Russland angegriffen und ihm Territorien gestohlen.

Aber wenn man der Auffassung zustimmt, dass Russland Sicherheitsbedenken hat, und dieser russischen Vorstellung stimmt man bekanntlich in Peking tatsächlich zu, sodass nur noch Washington zustimmen müsste, dann muss man natürlich Bedingungen schaffen, unter denen Russland keine Sorgen mehr haben muss. Und die wichtigste Voraussetzung dafür, dass die Russische Föderation tatsächlich keine Sorgen mehr haben muss, ist die Unterwerfung ihrer Nachbarstaaten. Denn wenn diese nicht damit einverstanden sind, dass der Wolf sie fressen will, und sich wehren, dann bekommt der Wolf unangenehme Gefühle. Das ist die ganze Logik dieses Prozesses.

Und das Wichtigste ist die Erörterung von Sicherheitsgarantien für die Zeit nach dem Abschluss eines Friedensabkommens. Das heißt, Putin schlägt vor, zunächst die Sicherheitsgarantien und erst danach die Bedingungen für einen Frieden zwischen Russland und der Ukraine zu erörtern. Und auch das ist, würde ich sagen, ein innovativer Ansatz zur Beendigung eines Krieges, wie Sie verstehen.

Jedenfalls erkennen wir zumindest, dass es Putin derzeit nicht darum geht, diese Verhandlungen zu beginnen, sondern darum, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, die Möglichkeit zu geben, sich vor seinen Landsleuten am Vorabend der Zwischenwahlen am 3. November mit seiner Rolle als Friedensstifter zu brüsten. Genau deshalb wurde beschlossen, dass die Verhandlungen nach dem 3. November stattfinden sollen. Denn wenn sie bereits jetzt stattgefunden hätten und das erwartete Fiasko eingetreten wäre, hätte Trump die Rolle des Friedensstifters nicht spielen können. Jetzt aber kann er bei seinen letzten Wahlkampfveranstaltungen in den umkämpften Bundesstaaten der Vereinigten Staaten, in denen die Republikaner Sitze im Senat verlieren könnten, über seine friedensstiftende Rolle sprechen. Das ist die ganze Kombination. Ziemlich einfach.

Nun zur friedensstiftenden Rolle Russlands. Russland hat sich, wie sich herausstellt, immer für eine friedliche Lösung des Konflikts eingesetzt. „2014 haben wir bereits darüber gesprochen. Lassen Sie uns Ihnen helfen, sich mit dem südöstlichen Teil des damaligen Landes zu einigen. Nein, stattdessen wurden Geschütze und Flugzeuge gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt, praktisch ein Krieg begonnen.“

Dann kamen die Minsker Vereinbarungen. „Wir haben immer angestrebt, dass sie sich mit jenem Teil der Ukraine einigen können, der mit dem Staatsstreich nicht einverstanden ist. Aber sie haben das abgelehnt.“ Das ist natürlich eine völlige Lüge. Denn wir erinnern uns sehr gut daran, dass es im Süden und Osten der Ukraine überhaupt keine Bestrebungen gab, irgendwelche alternativen Machtstrukturen zu denen in Kyiv zu schaffen. Mehr noch: Weder in Donezk noch in Charkiw, wohin der russische Handlanger Viktor Janukowytsch nach seinem gewaltsamen Vorgehen gegen seine eigenen Landsleute geflohen war, wollte man ihn aufnehmen oder sehen. Genau deshalb landete er auf der Krim.

Alle Probleme im Donbas begannen, wie Sie sich erinnern, nachdem Banden russischer Söldner unter der Führung von Strelkow, der derzeit weiterhin seine Strafe in einem russischen Gefängnis verbüßt, auf dem Territorium des Gebiets Donezk auftauchten. Sie begannen dort, alternative Machtstrukturen zu schaffen und den Mechanismus der sogenannten Volksbürgermeister zu nutzen. Ich erinnere daran, dass dies zunächst in Sewastopol unter Beteiligung des Agenten des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation, Tschaly, begann und danach in Slowjansk. Es gab also keinen Teil des Landes, der gegen einen anderen kämpfen wollte. Es gab keinen Konflikt. Es gab russische Truppen und Kollaborateure, die bereit waren, ihnen zu dienen.

Diese Situation besteht auch heute noch. Aber wie Sie verstehen, denkt Putin inzwischen nicht einmal mehr an die territoriale Integrität der Ukraine. „So stehe ich zu dieser Angelegenheit“, sagt Putin. „Das ist nicht ihr Territorium. Das ist das Territorium des historischen Russlands. Mehr noch: Die Menschen, die auf diesen Territorien leben, haben erstens für die staatliche Unabhängigkeit gestimmt. Und ich möchte betonen, dass sie als zweiten Schritt für die Wiedervereinigung mit der Russischen Föderation gestimmt haben. Deshalb halte ich es für unangebracht, von irgendwelchen territorialen Verlusten zu sprechen. Nun, das ist eine strittige Frage, darüber kann man endlos diskutieren. Das wurde für einige unserer ausländischen Gegner zum Grund oder Vorwand. Wie wir heute sehen, wird in den europäischen Ländern eine antirussische Kampagne geführt. Ständig wird von einer Bedrohung durch Russland und vom Beginn der Vorbereitungen auf einen Krieg mit Russland gesprochen, was meiner Meinung nach eine gewisse politische Schizophrenie ist.“

Also, bleiben wir zunächst beim ersten Absatz dieser Erklärung. Man muss verstehen, warum Putin so hartnäckig an der Vorstellung festhält, dass die Menschen, die auf diesen Territorien leben, für die staatliche Unabhängigkeit und anschließend für die Vereinigung mit der Russischen Föderation gestimmt hätten.

Die Verfassung der Russischen Föderation verbietet die Eingliederung von Territorien anderer Staaten in dieses Land. In die Russische Föderation können als föderalen Staat nur andere unabhängige Staaten aufgenommen werden. Und deshalb musste Russland zu dieser völlig schamlosen, völlig idiotischen Erfindung greifen, die mit der Ausrufung der Unabhängigkeit ukrainischer Gebiete zusammenhängt. Das wurde zunächst auf der Krim ausprobiert. Obwohl völlig offensichtlich ist, dass auch eine autonome Republik sich nicht selbst zu einem unabhängigen Staat erklären kann. Danach wurde es bereits bei solchen Gebieten wie Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja ausprobiert. Noch einmal: Das sind Gebiete in einem Einheitsstaat, in dem die Grenzen lediglich administrativ-territorial gezogen wurden und völlig anders gezogen werden können, wenn die gesamtstaatlichen Machtorgane eine entsprechende Entscheidung treffen. Das ist keine Föderation, die für jede solche Einheit einen staatlichen oder sonstigen besonderen Status vorsieht. Nicht die Vereinigten Staaten von Amerika und nicht die Russische Föderation.

Das Gebiet Donezk könnte als zwei Gebiete existieren. Das Gebiet Luhansk könnte Teil des Gebiets Donezk sein. Das alles ist eine Frage dessen, wie effizient der wirtschaftliche und volkswirtschaftliche Komplex in einem bestimmten Teil des Territoriums funktioniert, das gewissermaßen für eine effizientere Entwicklung abgegrenzt wurde. Wie Sie wissen, hatten wir auch andere Gebiete, die es heute in der Ukraine nicht mehr gibt. Es gab das Gebiet Drohobytsch, daran kann man sich erinnern. Aber all das hat überhaupt nichts mit irgendeinem besonderen staatlichen Status zu tun oder damit, dass das Territorium eines Gebiets zu einem unabhängigen Staat erklärt werden könnte, etwa das Gebiet Saporischschja, wie es während dieses Quasi-Referendums geschah.

Aber Putin versteht sehr gut, dass, wenn er nicht an diesen ersten Schritt erinnert, jeder seiner Nachfolger im Amt des Präsidenten der Russischen Föderation, der sich mit der Ukraine und der zivilisierten Welt einigen möchte, einfach sagen könnte, dass das gar nicht möglich gewesen sei, dass es nicht der Verfassung entspreche und dass diese Territorien nicht russisch seien. Und damit wäre die Sache erledigt.

Andererseits verstehen wir sehr gut, dass Putin nicht einmal daran denkt, irgendwelche Territorien der Ukraine zurückzugeben, die er als Territorien des historischen Russlands bezeichnet. Und aus dieser Sicht kann er jedes beliebige Territorium der Ukraine zum Territorium des historischen Russlands erklären. Wie Sie verstehen, wurde dieses sogenannte Territorium des historischen Russlands nur deshalb deklarativ Teil der Russischen Föderation, weil es besetzt ist. Aber hier gibt es eine ziemlich wichtige Frage: Wo endet das Territorium des historischen Russlands, wenn Putin auch in diesem Interview weiterhin darauf besteht, dass Russen und Ukrainer ein Volk seien und dass die neuesten genetischen Erkenntnisse dies belegen würden? Wenn Russen und Ukrainer also ein Volk sind, dann ist das gesamte Territorium dieses einen Volkes russisches Territorium. Stimmen Sie mir zu.

Putins Begehrlichkeiten haben sich also nicht verändert. Seine Herangehensweise hat sich nicht verändert. Und an der Stelle der Europäer würde ich sehr ernsthaft über seine Worte nachdenken, dass Russland nicht vorhabe, Krieg gegen Europa zu führen, und dass die Vorbereitung auf einen Krieg mit Russland politische Schizophrenie sei. Denn ungefähr dieselben Erklärungen gab dieser Mann vor dem Krieg gegen die Ukraine ab. Noch ein oder zwei Jahre vor diesem Krieg sagten Putin und andere russische Beamte und Propagandisten: „Wie stellen Sie sich die Möglichkeit eines Krieges zwischen Russland und der Ukraine vor? Wir sind doch Brudervölker, Bruderstaaten, wir sind überhaupt ein Volk. Wie könnten wir Krieg gegeneinander führen?“ Und dann stellte sich heraus, dass das ganz problemlos möglich ist. Mehr noch: Das, was zum Territorium des historischen Russlands erklärt wird, kann mit Raketen und Drohnen bombardiert werden. Noch 2022 fragten alle: „Wie stellen Sie sich vor, dass die Russen die Lawra und die Sophienkathedrale bombardieren?“ Ganz problemlos. Das können wir uns problemlos vorstellen. Jetzt sehen Sie es mit eigenen Augen.

Und dabei will Russland natürlich Frieden und keinen Krieg. „Warum hat die heutige ukrainische Führung beschlossen, dass alle, dass die ganze Welt diese ukrainische Führung bezahlen, für sie kämpfen und Waffen, Munition und Technik liefern müsse? Das ist unverständlich. Nun, wenn sie kämpfen wollen, dann sollen sie kämpfen. Aber wir wollen keinen Krieg gegen die Ukraine führen. Warum aber glauben sie, dass alle dafür bezahlen und ihnen Waffen liefern müssen?“

Nun stellt sich die Frage: Wenn Russland keinen Krieg gegen die Ukraine führen will, warum führt es dann Krieg? Warum geht der Krieg weiter? Aus welchem Grund hat Russland die Ukraine angegriffen und setzt diesen Krieg fort? Und auch das ist, wie Sie verstehen, genau jene Propaganda, mit der Putin nicht nur seine eigene Bevölkerung bearbeitet. Er bearbeitet damit auch Donald Trump. Denn er sagt ebenfalls ständig: „Wir wollen nicht kämpfen. Die Ukrainer wollen kämpfen, und Sie helfen ihnen dabei. Wenn Sie ihnen nicht helfen würden, wäre der Krieg längst vorbei. Glauben Sie mir, Genosse Trump.“

Und so läuft Trump zwischen diesen Erzählungen Putins darüber, dass Russland keinen Krieg führen wolle, und den tatsächlichen Handlungen des russischen Präsidenten hin und her, die die ganze Welt sieht und die sich, wie Sie verstehen, auf die amerikanische öffentliche Meinung auswirken, die ebenfalls auf Putins Angriffe gegen die Ukraine reagieren kann. Und noch einmal: Wenn wir über all diese sogenannten traditionellen russischen Territorien sprechen, müssen wir fragen: Wo hat aus Putins Sicht das Referendum über ihre Unabhängigkeit und danach über ihren Beitritt zur Russischen Föderation stattgefunden? Zweifeln Sie nicht daran, dass aus Putins Sicht das Referendum über die Unabhängigkeit und den Beitritt zur Russischen Föderation auf dem gesamten Territorium der Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja stattgefunden hat. Und wir besetzen auf niederträchtige Weise diese historischen russischen Gebiete, in denen sich die Menschen für die Unabhängigkeit ausgesprochen haben. Genau das tun wir. Wir wollten uns nicht mit ihnen einigen und besetzen sie jetzt.

Und ich erinnere noch einmal daran, dass Putin in ebendiesem Interview erneut sagt, dass alle Ziele der sogenannten militärischen Spezialoperation erreicht werden. Russland will also unter keinen Umständen Krieg gegen die Ukraine führen, will aber alle Ziele der Spezialoperation erreichen. Damit Sie an diesem politischen Irrsinn nicht zweifeln. Und dass diese Ziele der Spezialoperation zum Tod von Ukrainern führen, die zusammen mit Putin ein Volk bilden sollen, ist ebenfalls eine völlige Schizophrenie, die Putin in einem Interview mit russischen Propagandisten ganz ruhig zum Ausdruck bringt.

Und natürlich gibt es in diesem Interview einen sehr wichtigen Satz: „Dass sich alle davon überzeugt haben, dass es unmöglich ist, Russland eine strategische Niederlage zuzufügen, und dass man sich deshalb mit Russland einigen muss.“ Das ist die ganze Logik dessen, was in Putins Vorstellungen über die Situation im russisch-ukrainischen Krieg vor sich geht. Deshalb können wir kaum davon sprechen, dass wir während des Verhandlungsprozesses etwas Reales erwarten können. Denn wir sehen, dass dieser ganze, ich würde sagen, Redeschwall des russischen Präsidenten im Grunde zeigt, dass er von seinen Vorstellungen darüber, wie das Ganze enden muss, von seinen Vorstellungen aus dem Jahr 2022, nicht abgerückt ist. Er hofft jetzt lediglich, dass ihm die Amerikaner helfen werden.

Aber wenn Putin ausschließlich über seine Ansprüche auf diese Territorien spricht, senkt das bis zu einem gewissen Grad bereits die Messlatte seiner Erwartungen. Und das ist ein Signal dafür, dass Putin erstens versteht, dass er den Verhandlungsprozess nicht ignorieren kann, ohne sich mit den Amerikanern zu überwerfen. Denn ich erinnere Sie daran, dass Putin diesen Verhandlungsprozess unter der Bedingung verlassen hatte, dass er erst dann zurückkehren werde, wenn die ukrainische Armee Kramatorsk, Slowjansk und die anderen Gebiete der Region Donezk verlässt, die unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung stehen. Erst danach. Und er ist an den Verhandlungstisch zurückgekehrt, während sich ukrainische Truppen weiterhin auf diesen Territorien befinden und sie verteidigen. Und es ist klar, dass die Russen sie nicht schnell einnehmen werden, vielleicht überhaupt nicht. Das bedeutet, dass er den Verhandlungsprozess selbst braucht.

Der zweite Punkt ist die Frage, ob er sich in diesem Verhandlungsprozess tatsächlich ausschließlich auf die Besetzung der Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja beschränken will, entweder vollständig oder entlang der Kontaktlinie der Truppen. Oder ob er den Verhandlungsprozess einfach für normale Beziehungen zu Trump nutzen will, um in der nächsten Phase des Krieges, zumindest während Trumps Amtszeit, zu versuchen, das ukrainische Hinterland zu zerstören und in dieser Zeit neue Territorien der Ukraine zu besetzen. Das wird nach dem 10. November klar werden, falls die Verhandlungen überhaupt stattfinden.

Ich denke, dass eine Verhandlungsrunde aus einem einfachen Grund stattfinden muss. Und dieser Grund ist Shenzhen. Putin ist sehr an einem trilateralen Treffen mit Trump und Xi Jinping gelegen. Und er könnte befürchten, dass Trump, wenn er ihn bei den Verhandlungen hängen lässt, einem solchen trilateralen Treffen einfach nicht zustimmen wird, das Putin zu einem Mitglied des Klubs der einflussreichsten Staats- und Regierungschefs der heutigen Welt machen würde. Deshalb könnte Putin selbst eine bloße Simulation von Verhandlungen bis zum 18. oder 19. November, bis zum Treffen in Shenzhen, brauchen.

Andererseits wird dieses Treffen bereits zwei Wochen nach den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten stattfinden. Derzeit kennen wir deren Ergebnisse nicht. Am 18. November werden wir sie kennen und verstehen, ob Trump zumindest die Kontrolle über den Senat behalten hat. Denn wenn er die Kontrolle über den Senat nicht behält, glaube ich, dass Putin möglicherweise wenig Lust haben wird, ihn noch ernsthaft zu berücksichtigen. Wir wissen nicht einmal, ob Trump eine Niederlage bei diesen Wahlen anerkennen wird. Und ob die Situation nach den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten zu einem großen politischen Chaos führen wird.

Wir wissen noch etwas anderes Wichtiges nicht: Was wird nach dem 27. Oktober im Nahen Osten geschehen? Am 27. Oktober finden in Israel Parlamentswahlen statt. Eine große Bewährungsprobe für den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, der versucht, sein Amt zu behalten. Und deshalb will Israel derzeit keine abrupten Schritte in der Region unternehmen und kann natürlich auch die Vereinigten Staaten von Amerika von solchen Schritten abhalten. Aber wenn die Wahlen vorbei sind, werden alle freie Hand haben. Und wir verstehen, dass der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, Pete Hegseth, Israel keineswegs zufällig besucht und dort Verhandlungen mit Netanjahu geführt hat. Offensichtlich haben sie gerade die Frage erörtert, was sie nach dem 27. Oktober tun werden.

Heute ist der Ölpreis erstmals seit Mai 2026 wieder auf über 113 gestiegen, und zwar für die Sorte Brent. Wie Sie verstehen, werden die Preise an den amerikanischen Tankstellen wieder steigen und die ohnehin nicht besonders guten Chancen der Republikaner weiter zerstören. Das bedeutet, dass Trump vor den Zwischenwahlen zumindest irgendwelche Anstrengungen unternehmen könnte, um die Preise durch die Wiederherstellung einer tatsächlichen Schifffahrt in der Straße von Hormus zu senken. Oder zumindest zeigen möchte, dass er sich darum bemüht. Denn tatsächlich hing auch Trumps und Putins Dieselgeschäft mit dem Versuch des amerikanischen Präsidenten zusammen, zu zeigen, dass er Anstrengungen unternimmt, um die Situation bei den Diesel- und Benzinpreisen zu normalisieren.

Das hat natürlich nicht funktioniert und konnte auch nicht funktionieren. Denn die Menge der russischen Diesellieferungen konnte sich in keiner Weise auf den Weltmarkt auswirken, nicht einmal auf die Erwartungen dieses Weltmarktes. Verstehen Sie, es geht ja nicht um 300 Tonnen Diesel, sondern darum, was der Markt erwartet. 300 Tonnen, dann 500 Tonnen, dann eine Million Tonnen, dann weiß niemand, was weiter geschieht. Wie soll sich das überhaupt auf den Preis auswirken? Wenn sich aber herausstellt, dass die Straße von Hormus tatsächlich frei von iranischer Kontrolle ist, dass also dort bald wieder eine echte Schifffahrt möglich sein wird, die nicht so teuer ist wie derzeit, dann könnte das die Markterwartungen verändern. Und deshalb könnte Trump in Versuchung geraten, zu diesem Krieg zurückzukehren, obwohl er zugleich zu einer Falle, zu einem Fiasko für den amerikanischen Präsidenten werden könnte.

Warum gehe ich so ausführlich darauf ein? Weil die Welt am 10. November 2026 ganz anders aussehen könnte als die Welt, die wir am 22. Oktober haben. In der Welt könnte bereits ein neuer großer Krieg lodern. Es könnte Angriffe auf die Länder des Persischen Golfs geben. Statt einer Wiederherstellung der Kontrolle über die Straße von Hormus könnte es zum Zusammenbruch der Möglichkeiten der Ölstaaten kommen und zu einem Ölpreis von 200 Dollar. Hören Sie, wenn die Huthis das Verteidigungsministerium Saudi-Arabiens angreifen, wie es heute geschieht, dann verstehen Sie doch das Ausmaß dieses Konflikts, falls die Angriffe auf den Iran wieder aufgenommen werden. Deshalb können wir nicht einmal vorhersagen, in welcher Atmosphäre die Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und der Ukraine stattfinden werden, falls sie überhaupt stattfinden.

Ich erinnere ständig daran, dass das russische Versprechen von Verhandlungen noch nicht bedeutet, dass Verhandlungen tatsächlich stattfinden. Etwas zu versprechen bedeutet noch lange nicht, zu heiraten. Aber gleichzeitig denke ich immer daran, Freunde, dass wir nicht vollständig wissen, was mit der Wirtschaft der Russischen Föderation geschieht. Und dass der Präsident der Russischen Föderation, Putin, darüber ziemlich gut informiert ist. Und dass es bestimmte Indikatoren gibt, sowohl wirtschaftliche als auch personelle, die zeigen, dass es dort ernsthafte Probleme gibt.

Der erste Indikator ist dieser, ich würde sagen, massive Verkauf der Goldreserven, die immer Putins Stolz waren: dass Russland über so große Goldreserven verfügt. Und jetzt wird dieses Gold in riesigen Mengen verkauft, um einen wirtschaftlichen Zusammenbruch zu verhindern.

Der zweite wichtige Punkt hängt mit den Umbesetzungen in der russischen Regierung zusammen, die buchstäblich in diesen Tagen, unmittelbar vor Witkoffs Besuch, stattgefunden haben. Es gibt dort viele Veränderungen, die ich als rein bürokratisch bezeichnen würde. Aber worauf ich wirklich aufmerksam machen möchte, ist, dass der russische Finanzminister Anton Siluanow wieder auf den Posten eines stellvertretenden Ministerpräsidenten der Russischen Föderation berufen wurde. Er war bereits früher, bis 2020, Erster stellvertretender Ministerpräsident gewesen. Warum mache ich überhaupt auf diese Ernennung Siluanows aufmerksam? Weil unter den Bedingungen des Geldmangels in Russland, eines ernsthaften Mangels an Finanzmitteln, zahlreiche Behörden der Russischen Föderation natürlich mehr Aufmerksamkeit für ihre Bedürfnisse verlangen, während das Finanzministerium ihnen dieses Geld nicht gibt. Und das ist ein echtes Problem. Und der zuständige stellvertretende Ministerpräsident versucht immer, irgendwie zwischen dem zu vermitteln, was der Finanzminister denkt, und dem, was die jeweiligen Fachminister denken. Er ist eine Art Schiedsrichter zwischen den Fachministern und dem Leiter des Finanzministeriums.

Nun ist die Situation mit den Staatsfinanzen offenbar so kritisch, dass der Finanzminister selbst zu diesem Schiedsrichter ernannt wurde. Das bedeutet: Ich bin Minister irgendeines Ressorts, komme zu Siluanow und brauche Geld. Siluanow sagt mir, dass es kein Geld gibt und auch keines geben wird. Eigentlich müsste ich dann zum stellvertretenden Ministerpräsidenten gehen und mit ihm diese Frage klären, damit er irgendwie auf Siluanow einwirkt. Aber jetzt ist dieser stellvertretende Ministerpräsident Siluanow selbst. Ich kann nirgendwo mehr hingehen. Siluanow wird zum Diktator über die russischen Finanzen, die hinsichtlich der wirtschaftlichen Möglichkeiten immer weniger flexibel werden. Das bedeutet natürlich nicht, dass alles zusammenbricht. Es bedeutet, dass Putin die Anzeichen einer problematischen Entwicklung erkennt. Darauf wollte ich hinaus, als ich diese Ernennung erwähnte.

Ich werde einige Fragen beantworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage: Und diese erfundenen 350 Milliarden, die die USA der Ukraine angeblich gegeben haben und die Trump ständig erwähnt: Gibt es denn keine Dokumente und Verträge, um diese Lüge zu entlarven?

Portnikov: Warum wollen Sie denn irgendeine Lüge entlarven? Trump sagt eine Menge Dinge, die völlig absurd sind. Wenn er zum 155. Mal von dem General erzählt, der seine Truppen in den Schlamm geführt und deshalb Kyiv nicht eingenommen habe, wollen Sie dann auch irgendwelche Dokumente finden, die zeigen, dass er Unsinn erzählt? Die überwiegende Mehrheit dessen, was Trump sagt, entspricht nicht der Wirklichkeit. Die amerikanischen Medien machen nach jedem seiner Auftritte einen Faktencheck und zeigen, dass er bei vielen Fragen schlicht lügt. Ganz zu schweigen von den Wahlen 2020, die er angeblich gewonnen hat. Und für Ämter in den Vereinigten Staaten werden jetzt nur Menschen eingestellt, die der Vorstellung zustimmen, dass er die Wahlen 2020 gewonnen habe. Und was nun? Wie wollen Sie das entlarven? Das ist tatsächlich so, und das scheint mir nicht weniger wichtig zu sein als diese 350 Milliarden.

Frage: Glauben Sie, dass Trump für sich und seine Familie einen Platz in Russland vorbereitet? Janukowytsch, Baschar al-Assad und so weiter?

Portnikov: Nein. Trump bereitet für seine Familie keinen Platz in Russland vor. Trump ist überzeugt, dass er einer der bedeutendsten Milliardäre der Vereinigten Staaten sein kann und dass seine Kinder die Erben seines Reichtums und möglicherweise auch seiner Macht sein werden. Glauben Sie mir, Trump denkt überhaupt nicht an Russland in diesem Sinne. Trump könnte im Gegenteil hoffen, in dieser Zeit alles Mögliche zu tun, um sein Vermögen und seine Möglichkeiten zu vergrößern, indem er seine Kontakte zu Putin nutzt.

Frage: Kommentieren Sie bitte die Ereignisse in Europa. Ich meine Frankreich, Italien und die angekündigten Demonstrationen in Deutschland.

Portnikov: Europa gerät immer wieder in eine Situation, in der seine sozialen Probleme auf die Straßen getragen werden. Auch jetzt erleben wir eine solche Situation. Und Sie sehen, dass sich das wie ein Feuer ausbreitet. Es begann in Frankreich, jetzt geschieht es in anderen Ländern. In Italien, Spanien, Belgien und anderen europäischen Staaten sehen wir diese Proteste der Menschen. Es ist verständlich, warum. Denn es gibt ernsthafte soziale Missstände in Europa. Es gibt einen großen Teil der Bevölkerung, der mit seiner gegenwärtigen sozialen Stellung unzufrieden ist. Natürlich können auch Migranten zu diesen Unzufriedenen gehören, aber es handelt sich keineswegs um reine Migrationsprobleme. Das ist etwas, was in Europa alle zehn, zwanzig oder fünfzig Jahre geschieht und zu solchen massiven Protesten führt. Es kann die politische Landschaft in die eine oder andere Richtung verändern. Wir wissen noch nicht, wie. Aber das ist es, was Europa zu Europa macht.

Man kann darüber natürlich lachen und sagen: „Sie haben einfach Migranten hereingelassen, und deshalb gibt es dort solche Unruhen.“ Und Menschen mit rechtsradikalen und rechten Überzeugungen verbreiten diesen ganzen Unsinn, besonders im russischsprachigen Teil der sozialen Netzwerke. Solche Idioten gibt es viele. Aber es handelt sich um objektive Probleme. Und sagen Sie mir: Als 1968 infolge der Studentenproteste in Frankreich ganz Europa in Aufruhr geriet, als es in Frankreich selbst unglaubliche Unruhen von praktisch revolutionärem Ausmaß gab und die politische Karriere von Präsident Charles de Gaulle zu Ende ging, war das etwa eine Migrationskrise? Nein. Das ist es, was den europäischen Kontinent letztlich stark macht. Das ist es, was Frankreich zur Avantgarde revolutionärer Stimmungen in Europa macht. Das verändert den Kontinent.

Damit Sie mich richtig verstehen: Ich sage damit nicht, dass ich alle Forderungen der Demonstranten unterstütze oder nicht sehe, dass sich unter ihnen viele Menschen mit radikalen Ansichten befinden und dass dies von Linksradikalen ausgenutzt wird. Ich sehe das alles sehr gut. Aber so war es immer. Auch die Studentenunruhen von 1968 wurden natürlich von französischen Kommunisten, Maoisten und Trotzkisten unterstützt. Aber gerade weil die europäischen Gesellschaften immer Schlussfolgerungen aus diesen linksliberalen Aktionen gezogen, stabile Gesellschaften geschaffen und ein Gleichgewicht gefunden haben, leben wir in der Welt, in der wir leben.

Ich hoffe, dass die europäischen Gesellschaften auch jetzt genug Vernunft haben werden, um erstens die Anarchie zu stoppen. Zweitens eine Antwort auf die Frage zu finden, wie man unter den Bedingungen sozialer Ungleichheit zusammenleben kann, die sich infolge zahlreicher wirtschaftlicher und politischer Prozesse verschärft. Drittens eine Antwort auf die Frage zu geben, was mit den Migrationsprozessen geschieht. Auch das ist eine große Herausforderung, wie ich verstehe.

Frage: Glauben Sie, dass Putin nach dem 3. November die Möglichkeit verlieren wird, als Aggressor zu für ihn günstigen Bedingungen aus dem Krieg auszusteigen? Es ist unwahrscheinlich, dass Trump 2028 noch die Möglichkeit haben wird, Putin dieselben Bedingungen anzubieten, falls dieser aufhören möchte.

Portnikov: Ich habe beim Präsidenten der Russischen Föderation bisher keinerlei Wunsch gesehen, aus dem Krieg auszusteigen, bevor der ukrainische Staat vernichtet und die Mehrheit seiner Bevölkerung vertrieben und ausgelöscht ist. Deshalb hat Putin überhaupt keinen Wunsch, aus dem Krieg auszusteigen. Putin möchte derzeit die Situation nutzen, um den Krieg fortzusetzen, ohne ernsthafte Sanktionen der Vereinigten Staaten befürchten zu müssen.

Möglicherweise könnten diese Sanktionen nach 2029 härter und schwerwiegender werden. Aber die Ukraine und die Ukrainer müssen diese nächsten Jahre eines grausamen Krieges erst noch überleben. Auch die Russische Föderation wird sie durchleben. Ich sage immer wieder, dass wir, wenn wir zu einem Waffenstillstand kommen, einen Waffenstillstand auf den Ruinen ukrainischer und russischer Städte und unseres früheren Lebens haben werden. Aber es wäre viel besser, wenn es uns bereits heute gelänge, Bedingungen zu schaffen, die Russland zum Aufhören zwingen. Bisher sehe ich diese Bedingungen nicht. Aber möglicherweise sieht Putin sie. Möglicherweise weiß Putin besser als ich, was mit seiner Wirtschaft geschieht. Hoffen wir zumindest darauf.

Frage: Glauben Sie nicht, dass Putin außer der Hilfe für Trump auch deshalb Verhandlungen zugestimmt hat, weil man die Ukraine zu irgendwelchen Zugeständnissen gedrängt hat?

Portnikov: Ich glaube, dass Putin überhaupt keine Zugeständnisse von dem von ihm gehassten pseudoseparatistischen Staat braucht, der zusammen mit seinen Anhängern vernichtet werden soll. Das glaube ich. Ich erinnere ständig daran. Die Ukraine ist kein eigenständiger Akteur in den Verhandlungen, denn für Putin ist sie Teil des historischen Territoriums Russlands. Das hat er heute erneut gesagt. Ein Volk, historisches Territorium Russlands. Das hören Sie ständig von Putin. Er sagt Ihnen offen, dass er Sie vernichten wird. Und Sie wollen das nicht hören. Sie können sich selbst nicht sagen: Die Russen sind gekommen, um uns zu vernichten. Und sie werden nicht aufhören, solange wir leben.

Warum sagen Sie sich das nicht? Das wäre doch die Wahrheit. Alles andere, was Sie erzählen, ist, sage ich Ihnen, Selbstberuhigung und Augenwischerei. Die Russen sind gekommen, um uns zu vernichten. Und die Russen wären keine Russen, wenn sie sich solche Ziele nicht setzen und sie nicht verfolgen würden. Genau deshalb war die Ukraine Teil des Russischen Reiches und nicht umgekehrt. Denn jemanden zu vernichten, etwas zu zerstören und bereit zu sein, jahrelang Krieg zu ertragen, das ist das Wesen der russischen staatlichen und nationalen Mentalität. Damit haben wir es zu tun. Das muss man einfach verstehen. Warum ist es so wichtig, ihnen ihre Stärke und ihre Möglichkeiten zu nehmen? Weil es überhaupt keine anderen Chancen gibt, aus dem Krieg herauszukommen. Das werden Sie nach dem 10. November sehen.

Frage: Werden im Falle einer totalen Niederlage der Republikaner Köpfe von Trump nahestehenden Personen in seiner Regierung rollen, um seine Umfragewerte zu stützen?

Portnikov: Ich halte es für möglich, dass es in der Regierung zu einigen personellen Veränderungen kommt. Denn Trump wird niemals anerkennen, dass er selbst für Niederlagen verantwortlich ist. Er versucht immer, die Verantwortung auf jemand anderen abzuwälzen. Natürlich. So wie er jetzt versucht, die Amerikaner davon zu überzeugen, dass der Anstieg der Dieselpreise nicht das Ergebnis seiner völlig undurchdachten Handlungen im Krieg gegen den Iran ist, sondern das Ergebnis ukrainischer Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation und so weiter. Dass also „nicht ich schuld bin, sondern Zelensky“. Und mit genau derselben Logik könnte er auch an sein eigenes Umfeld herangehen.

Aber welche Bedeutung hat das für Sie? Sagen Sie mir das bitte. Wir verstehen doch sehr gut, nach welchen Kriterien Trump die Menschen für seine Regierung auswählt. Wenn nun tatsächlich irgendein Minister oder jemand anderes zurücktritt, was wird das überhaupt ändern, wenn das Problem bei Trump selbst liegt? Auch das muss man ganz klar verstehen.

Deshalb glaube ich nicht, dass wir uns derzeit überhaupt vorstellen können, wie sich die Ereignisse nach den Wahlen in den Vereinigten Staaten entwickeln werden. Ich sage noch einmal: Hoffen wir, dass wir überhaupt damit rechnen können, dass diese Wahlen in den Vereinigten Staaten als ordnungsgemäß durchgeführt anerkannt werden. Dass Trump nicht von Wahlfälschungen in den demokratisch regierten Bundesstaaten sprechen wird. Wir könnten nach den Wahlen ein völlig neues Verhalten Trumps erleben. Auch daran muss man denken, wenn wir über die Situation im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg sprechen.

Deshalb würde ich hier natürlich zunächst den 3. November abwarten. Auch das ist ein sehr wichtiger Zeitpunkt, der uns auf die eine oder andere Weise nicht nur zeigen wird, wie sich die Situation im russisch-ukrainischen Krieg verändern wird und wie sich Trumps Einfluss in den Vereinigten Staaten entwickeln wird. Wir werden auch verstehen, wie sich die Situation hinsichtlich der amerikanischen Stabilität selbst verändert. Genau das muss für das Verständnis der Situation nach dem 3. November tatsächlich am wichtigsten sein. Genau das wird zum Hauptproblem für die Zukunft des amerikanisch-ukrainischen Dialogs und der amerikanischen Beteiligung am Friedensprozess werden.

Was die Verhandlungen betrifft, so haben wir, wie Sie verstehen, von Putin bisher das gehört, was wir gehört haben: dass das Hauptziel der Verhandlungen darin bestehe, Frieden zu erreichen. „Aber wenn das andere Land keinen Frieden will, nun gut, dann werden wir weiterkämpfen. Die Ziele der Spezialoperation werden erfüllt.“ Man kann also sagen, dass Russland keinerlei Verpflichtung übernimmt, während dieser Verhandlungen Frieden zu erreichen. Und die Vorstellung, dass dieses Friedensabkommen bereits während des G20-Gipfels in Miami unterzeichnet werden könnte, erscheint mir bisher völlig wirklichkeitsfern. Obwohl das Magazin The Atlantic, wie Sie wissen, bereits berichtet hat, dass Trump die Unterzeichnung eines Friedensabkommens gerade während des G20-Gipfels erreichen möchte. Und der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky hat bereits gesagt, dass er bereit sei, an Verhandlungen während des G20-Gipfels teilzunehmen, wenn Trump ihn in einem entsprechenden Format zu diesem Treffen einlädt. Bisher hat die Ukraine, wie Sie wissen, keine Einladung zum G20-Gipfel erhalten. Den russischen Präsidenten Putin haben die Amerikaner dagegen eingeladen. Er hat allerdings ebenfalls noch nicht zugesagt, in die Vereinigten Staaten zu reisen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Нові заяви Путіна: головне | Віталій
Портников. 22.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 22.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Putin–Witkoff: Erste Ergebnisse | Vitaly Portnikov. 21.10.2026.

Also, der Besuch des Vertreters des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, in Russland. Seine dreistündigen Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Putin im Konstantinpalast in Sankt Petersburg. Und all die Erklärungen, die nach diesen dreistündigen Verhandlungen abgegeben wurden, sowohl vom Vertreter des Präsidenten der Russischen Föderation, seinem außenpolitischen Berater Juri Uschakow, als auch vom norwegischen Ministerpräsidenten Støre, der Witkoff im Flugzeug traf, nachdem der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten aus Sankt Petersburg nach Oslo zurückgekehrt war.

Ich erinnere daran, dass zuvor in Oslo seine Verhandlungen mit dem ukrainischen Präsidenten, dem finnischen Präsidenten und dem norwegischen Ministerpräsidenten stattgefunden hatten. Hinzu kommt der Kommentar von Jared Kushner, dem Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, der bei diesem Treffen nicht anwesend war, sich jedoch virtuell an den Verhandlungen in Oslo beteiligte und, soweit man verstehen konnte, während der Verhandlungen zwischen Witkoff und Putin telefonisch mit Putin sprach.

Und hier sind die ersten Ergebnisse dieser Treffen, die man gewissermaßen kommentieren kann.

Erstens sind die Erklärungen auf allen Seiten optimistisch. Diese Erklärungen deuten zumindest auf eine gewisse Abschwächung, eine rhetorische Abschwächung der russischen Position hin. Der Berater des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, sagt, dass bereits im November die Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten wieder aufgenommen werden. Möglicherweise wird dies in Abu Dhabi geschehen.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass Russland zuvor kategorisch jegliche Verhandlungen mit der Ukraine abgelehnt hatte, solange die ukrainischen Truppen nicht das gesamte Gebiet der Regionen Donezk und Luhansk verlassen hätten. Wie Sie sehen, ist es Russland bisher zumindest nicht gelungen, Kramatorsk, Slowjansk und andere Städte im Gebiet Donezk einzunehmen, die von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert werden. Das wissen die Russen auch. Trotzdem stimmen sie Verhandlungen zu.

Solange sie mit Witkoff verhandelten, konnten sie diese Gespräche als etwas anderes als Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine darstellen. Wenn nun erneut Verhandlungen zwischen russischen und ukrainischen Delegationen beginnen, bedeutet das, dass sie von ihren früheren Positionen abgerückt sind und dass auch sie gezwungen sind, zumindest wieder einen Verhandlungsprozess zu simulieren.

Dass ihre Situation aus wirtschaftlicher Sicht keineswegs so makellos ist, wie Putin zu demonstrieren versucht. Dass sowohl die westlichen Sanktionen als auch unsere Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation und ihre Infrastruktur Wirkung gezeigt haben. Glauben Sie mir: Wenn es diese Angriffe nicht gegeben hätte, wenn Russland nicht brennen würde, gäbe es überhaupt keine Gespräche, nicht nur über Verhandlungen mit uns, sondern nicht einmal über Witkoff.

Das ist also der erste Punkt: die Wiederaufnahme der Verhandlungen.

Der zweite Punkt sind die Aussagen, dass das Hauptthema der Verhandlungen die Sicherheit der Ukraine und Russlands sein soll. Was bedeutet das, wenn man es aus Uschakows Sprache in eine verständliche Sprache übersetzt? Dass die Russische Föderation derzeit nicht davon ausgeht, dass sie die ukrainische Staatlichkeit als solche vernichten kann, was weiterhin Putins Hauptziel bleibt. Und damit rücken Fragen der politischen und wirtschaftlichen Unterwerfung des ukrainischen Staates in den Vordergrund.

Die Sicherheitsfragen waren im Grunde bereits in dem Schreiben klar formuliert, das das Außenministerium der Russischen Föderation 2021, vor Beginn des großen russisch-ukrainischen Krieges, an das Außenministerium der Vereinigten Staaten und die Außenministerien der NATO-Staaten richtete. Sie erinnern sich, dass der Kern dieses Schreibens ein kategorisches Verbot des NATO-Beitritts der Ukraine und anderer ehemaliger Sowjetrepubliken war.

Russland wird also als eine seiner Sicherheitsgarantien die Möglichkeit solcher verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Änderungen in der Ukraine betrachten, die jegliche Militärbündnisse unseres Landes mit anderen Staaten unmöglich machen und natürlich den euroatlantischen Ambitionen der Ukraine endgültig ein Ende setzen. Und das soll nun nicht vonseiten der NATO geschehen, denn die NATO hat schlicht nicht die rechtlichen Möglichkeiten dazu, sondern vonseiten jener Länder, die NATO-Mitglieder werden könnten: der ehemaligen Sowjetrepubliken und vor allem der Ukraine. 

Auch das kann zu den Fragen gehören, die Russland unter seiner Sicherheit versteht. Denn das ist, wie Sie verstehen, reine Demagogie. Die Ukraine hat Russland in keiner Weise bedroht und wird Russland auch künftig nicht bedrohen, wenn Russland seine aggressiven Ansprüche gegenüber unserem Staat aufgibt.

Die Frage der Sicherheit für die Ukraine ist ebenfalls eine gute Frage. Wenn Russland bereit ist, diese Frage zu erörtern, kann es natürlich der Ansicht sein, dass es selbst einer der Garanten der ukrainischen Sicherheit sein sollte. Und das ist kein Scherz. Russische Beamte sagen ständig, dass der einzige Staat, der die Sicherheit der Ukraine garantieren könne, die Russische Föderation sei.

Ich schließe nicht aus, dass aus dieser Sicht zumindest ein Teil der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen als Garanten der ukrainischen Sicherheit auftreten könnte. Und für Putin könnte das Teil jener Tagesordnung sein, die für ein trilaterales Treffen zwischen Putin, Trump und Xi Jinping vorgeschlagen wurde. Das ist im Grunde eine durchaus realistische Möglichkeit, die er vorantreiben könnte.

Wir wissen nicht, inwieweit Xi Jinping bereit sein wird, einem solchen Treffen zuzustimmen. Denn sich vorzustellen, dass diese Situation für China in einer Weise interessant wäre, dass China ein tatsächlicher Garant der ukrainischen Sicherheit sein und beispielsweise die Verantwortung für neue Phasen russischer Aggression übernehmen wollte, fällt schwer.

Aber Russland könnte versuchen, genau jenen Sicherheitsmechanismus wiederherzustellen, den es bereits während früherer Verhandlungen vorgeschlagen hatte: Es gibt Sicherheitsgaranten, aber jeder von ihnen kann die Handlungen der anderen Garanten blockieren. Das bedeutet eine Rückkehr zu Minsk und Istanbul. Das kann durchaus ein Thema dieser Verhandlungen sein.

Könnten es Verhandlungen um der Verhandlungen willen sein? Ja. Ich habe bereits mehrfach gesagt, dass Putin auch den Wunsch haben könnte, Zeit bis zum Ende der Amtszeit Donald Trumps zu schinden. Und aus Sicht der Führung der Russischen Föderation könnte es jetzt, wenn man Trump vor den Zwischenwahlen nicht wenigstens irgendetwas gibt, zu einer Abkühlung der persönlichen Beziehungen zwischen den Präsidenten und der russisch-amerikanischen Beziehungen insgesamt kommen.

Deshalb lässt Putin einen Amerikaner frei, dem die Russen vorgeworfen hatten, ukrainischer Soldat gewesen zu sein und sich der Territorialverteidigung angeschlossen zu haben. Soweit ich mich erinnere, hatten seine Angehörigen genau das bestritten. Und natürlich ist diese Freilassung eines amerikanischen Staatsbürgers ein typisches Wahlgeschenk an Trump. So handeln Diktatoren immer, oder sie machen das Gegenteil. Beispielsweise ließen die iranischen Ajatollahs die amerikanischen Diplomaten, die während der Herrschaft Ajatollah Chomeinis als Geiseln genommen worden waren, am Tag der Amtseinführung Ronald Reagans frei. Auch das ist ein ganz typisches Vorgehen. Das ist der erste Punkt.

Der zweite Punkt ist das Versprechen von Verhandlungen.

Der dritte Punkt ist die Skizzierung einer gewissen Verhandlungsagenda, die Fragen der nationalen Sicherheit Russlands und der Ukraine betrifft und bei der die territoriale Frage offenbar nicht an erster Stelle steht. Auch das ist ein wichtiger Punkt: die Territorialfrage.

Nun zum nächsten Punkt. Der norwegische Ministerpräsident sagt, dass es erstmals Verhandlungen auf hoher Ebene geben könnte. Auch das ist ein sehr wichtiger Punkt. Wir wissen wiederum nicht, was Verhandlungen auf hoher Ebene aus Sicht des norwegischen Ministerpräsidenten bedeuten. Welche Person soll nun die russische Delegation leiten?

Uschakow sagt etwas anderes. Er sagt, dass der Delegation Militärangehörige angehören könnten und dass auch Medinski dabei sein könnte. Aber natürlich werde der russische Präsident im Verlauf weiterer Konsultationen über die Zusammensetzung der Delegation entscheiden.

Einige weitere Punkte können wir schlicht nicht kennen. Denn man kann jetzt ganz eindeutig sagen, dass die Teilnehmer der Verhandlungen optimistische Prognosen äußern, diese aber gleichzeitig überhaupt nicht konkretisieren. Wir hören nach diesem Treffen keinerlei konkrete Angaben vonseiten der ukrainischen Führung. Wir haben von Witkoff keine konkreten Kommentare gehört. Wir haben von Uschakow keine konkreten inhaltlichen Kommentare gehört.

Wir können lediglich eine gewisse Zurückhaltung der russischen Seite feststellen, die nicht gleich von vornherein sämtliche Vorschläge vollständig verwirft, die während Witkoffs Treffen mit Zelensky, Stubb und Støre unterbreitet wurden. Wir sehen, dass Russland bereit ist, den Verhandlungsprozess erneut aufzunehmen.

Aber wie oft hat Russland bereits solche Verhandlungsprozesse begonnen, die zu nichts führen? Denn andererseits sehen wir, dass die russischen Angriffe auf die Ukraine weitergehen, auch in diesen Minuten.

Gerade jetzt wird der Westen der Ukraine weiter beschossen, während wir diese Sendung machen. Wir haben auch von Luftalarm in Kyiv und einem Angriff auf Hostomel gehört. Es gibt Angriffe auf Burschtyn, Halytsch, Tschortkiw und Kalusch.

Das heißt, es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass die Russen auch nur für einen Augenblick den Krieg beenden wollen, geschweige denn einem Energiewaffenstillstand zustimmen würden. Keinerlei Anzeichen. Im Gegenteil: Russland beschießt die ukrainische Energieinfrastruktur mit großer Hartnäckigkeit.

Wenn es tatsächlich auf ein Ende des Krieges hinausläuft, wie Uschakow sagt, warum sollten die Russen dann die intensiven Angriffe mit russischen Drohnen und Raketen auf die ukrainische Energieinfrastruktur fortsetzen?

Und hier wird es übrigens sehr interessant sein zu sehen, wie sich die ukrainische Seite verhält. Werden wir vor diesen sogenannten Verhandlungen, die im November stattfinden könnten, Angriffe auf die Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation selbst durchführen?

Wir verstehen sehr gut, dass die Russen jetzt ebenfalls erkennen, unter welchem Zeitdruck Donald Trump steht. Das ist nicht nur der Zeitdruck vor den Wahlen. Denn die Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten finden bereits am 3. November statt. Und bis zum 3. November lässt sich natürlich nichts entscheiden.

Aber es gibt noch einen weiteren wichtigen Zeitpunkt, an den wir denken müssen. Das ist der Januar 2027, wenn der neue amerikanische Kongress seine Arbeit aufnehmen wird. Und Trump könnte davon ausgehen, dass es ihm dann ganz sicher nicht mehr gelingen wird, vom Kongress irgendwelche Entscheidungen zu erreichen, die mit einer Verbesserung der amerikanisch-russischen Beziehungen zusammenhängen. Mehr noch: Die Kongressabgeordneten werden alles Mögliche und Unmögliche tun, um es der Regierung zu erschweren, die Beziehungen zu Russland zu normalisieren, falls der russisch-ukrainische Krieg bis dahin nicht endgültig beendet ist.

Deshalb halte ich es durchaus für möglich, dass Trump tatsächlich ein Dokument über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges vorbereiten möchte, zumindest über seine Aussetzung, und zwar für Dezember 2026, zum G20-Gipfel, der in seiner Residenz bei Miami, in Mar-a-Lago und an anderen Veranstaltungsorten im Bundesstaat Florida stattfinden wird. Und möglicherweise könnte während dieses Gipfels auch ein Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation sowie des Staatspräsidenten der Volksrepublik China stattfinden, falls zuvor bereits das Treffen in Shenzhen stattgefunden hat.

Gleichzeitig könnte aus Trumps Sicht auch irgendeine russisch-ukrainische Erklärung unterzeichnet werden. Dabei hat Trump gesagt, dass Putin und Zelensky sich für die Unterzeichnung einer solchen Erklärung keineswegs unbedingt treffen müssten. Zelensky könnte in die Vereinigten Staaten kommen und mit Trump eine entsprechende Erklärung unterzeichnen, während Trump dieselbe Erklärung mit Putin unterzeichnet.

Übrigens möchte ich Sie daran erinnern, dass dies das Format des Getreideabkommens ist. Genau so haben wir während dieses Krieges ein einziges Mal eine Vereinbarung über den Getreidekorridor getroffen. Damals trafen sich die Vertreter der Russischen Föderation und der Ukraine nicht miteinander. Sie unterzeichneten getrennte Dokumente mit identischem Inhalt mit dem Präsidenten der Republik Türkei, Recep Tayyip Erdoğan, und dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, die Garanten dieser Vereinbarung waren.

Und Trump ist offensichtlich bereit, genau diese Rolle zu übernehmen. Ich glaube nicht, dass es für ihn unbedingt notwendig ist, sich gemeinsam mit Putin und Zelensky fotografieren zu lassen. Zumal er sehr gut versteht, dass Putin ein solches gemeinsames Foto mit dem ukrainischen Präsidenten ganz sicher nicht will. Aber er braucht ein Abkommen, das die Kampfhandlungen aussetzt. Zumindest ein Waffenstillstandsabkommen, zumindest eine Vereinbarung, die auf die eine oder andere Weise als langfristiges Ende des Krieges interpretiert werden kann.

Und genau darauf möchte Trump offensichtlich den Verhandlungsprozess der nächsten Monate ausrichten. Genau deshalb übt er Druck auf die Ukraine aus und nicht auf Russland. Denn erstens verfügt er unter den Bedingungen, die nach dem Iran-Krieg auf dem weltweiten Energiemarkt entstanden sind, nicht über besonders große Möglichkeiten, Druck auf Russland auszuüben. Und das einzige Land, auf das er in dieser Situation Druck ausüben kann, ist nicht Russland, sondern die Ukraine.

Aber auch hier sind seine Möglichkeiten nicht besonders groß. Denn angesichts des Umfangs der amerikanischen Unterstützung und der Haltung der amerikanischen Gesellschaft zu dieser Unterstützung sind auch Trumps Möglichkeiten begrenzt. Sie sehen doch, dass unmittelbar nachdem der Präsident der Vereinigten Staaten mit seinen antiukrainischen Ausfällen begonnen hatte, die Geschwindigkeit von Starlink faktisch ohne förmliche Ankündigung gedrosselt wurde und eine Zeit lang keine Informationen über den Abschuss ballistischer Raketen durch die Russische Föderation weitergegeben wurden und so weiter. Der amerikanische Außenminister Marco Rubio, der sich derzeit auf einer Asienreise befindet, sprach mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky, und all diese Maßnahmen im Zusammenhang mit der amerikanischen Hilfe wurden wieder aufgenommen.

Das heißt, vor dem Hintergrund, dass die Mehrheit der Amerikaner die Unterstützung der Ukraine weiterhin befürwortet und es für völlig logisch hält, dass ihr Staat diese Hilfe leistet, können wir in einer solchen Situation davon ausgehen, dass Trump nicht lautstark über die Einstellung der Unterstützung sprechen wird. Denn das könnte sich auf die Wahlchancen der Republikaner auswirken.

Übrigens könnte er nach dem 3. November offener sein, denn dann hat er bereits das Ergebnis erhalten, das er erhalten hat. Aber hier könnte ihm seine eigene Unbeliebtheit im Weg stehen. Und vergessen Sie nicht, dass sich nach dem 3. November im noch amtierenden Kongress, nicht im bereits neu gewählten, tatsächlich eine Mehrheit bilden könnte, die aus Demokraten und jenen Republikanern besteht, die nicht mehr über ihre Wiederwahl nachdenken müssen, weil sie ihre Sitze verloren haben oder für den neuen Kongress gar nicht kandidiert haben. Auch diese Menschen werden versuchen, mögliche prorussische Maßnahmen der Regierung zu blockieren, falls es solche Maßnahmen geben sollte.

Das ist also die zeitliche Frist für die Treffen, die jetzt stattfinden, bis zum Zusammentritt des neuen Kongresses. Obwohl die Situation für Trump auch hier nicht einfach sein wird. Und wir verstehen dann, dass nun sowohl Putin als auch Trump gleichzeitig Druck auf die Ukraine ausüben werden, damit sie mehr russischen Forderungen zustimmt, als sie sonst akzeptieren könnte, um dieses Abkommen im Dezember zu erreichen.

Und natürlich bedeutet das nicht, dass tatsächlich irgendetwas unterzeichnet oder wirklich vereinbart werden kann. Denn wir kennen Putins wahre Absichten nicht. Er könnte nicht an ein Abkommen denken, sondern gerade daran, dass Russland der Ukraine solche Bedingungen stellt, die für die ukrainische Führung unannehmbar sein werden. Aber schon die bloße Tatsache, dass diese Bedingungen diskutiert und angenommen oder abgelehnt werden, könnte Möglichkeiten zur Destabilisierung des feindlichen Staates schaffen.bDenn wir müssen daran denken, dass Putins Ziel der Vernichtung der Ukraine keineswegs verschwunden ist.

Übrigens möchte ich noch etwas sagen. Wir hören ständig, dass die ukrainische Führung keine Verhandlungen mit Russland führen wolle. Unsere verschiedenen Parlamentsabgeordneten und Experten veröffentlichen Friedenspläne und kritisieren Kyiv dafür, dass es keine Friedensverhandlungen führen wolle. Als würden wir grundsätzlich darüber entscheiden, ob Verhandlungen stattfinden oder nicht. Und das, obwohl vonseiten Kyivs ständig von der Notwendigkeit gesprochen wird, Verhandlungen zu führen.

Ständig wird von der Notwendigkeit gesprochen, einen Energiewaffenstillstand zu schließen. Zelensky sagt ständig, dass er bereit ist, die Ölraffinerien der Russischen Föderation nicht zu beschießen, wenn Russland aufhört, die ukrainische Energieinfrastruktur zu beschießen. Und nun können Sie sich selbst davon überzeugen: Sobald die Russen bereit sind, mit uns zu sprechen, sind wir bereit, mit ihnen zu sprechen.nNicht an die ukrainische Führung sollte man sich mit wichtiger Miene und den Worten wenden: „Warum führen Sie keine Verhandlungen? Es ist längst Zeit, diesen Krieg zu beenden. Die Menschen haben schon genug gelitten.“

Es hängt nicht von der ukrainischen Führung ab, wann Verhandlungen stattfinden und wann der Krieg beendet wird. Die Ukraine ist in diesem Krieg aus Sicht der Durchführung von Verhandlungen kein eigenständiger Akteur. Sie ist ein Akteur, wenn sie Russland durch die Zerstörung russischer Infrastruktur zum Frieden bewegen kann. Der entscheidende Akteur ist hier aber Russland.

Sobald Russland über Frieden sprechen will, sind wir immer bereit, mit ihm zu sprechen. Nur stellt sich danach zur Enttäuschung aller Beteiligten heraus, dass Russland gar nicht über Frieden spricht, nicht einmal über Kapitulation, sondern einfach Zeit schindet, um nicht von einer weiteren Runde amerikanischer Sanktionen getroffen zu werden. Dass es seine Verhandlungen mit der Ukraine oder seine Verhandlungen mit Witkoff als eine Art Instrument benutzt, um Sanktionen zu entgehen. Und das ist alles. Auch das muss man verstehen, wenn wir miteinander über die Situation im Verhandlungsprozess sprechen.

Wir haben es also mit einigen, würde ich sagen, ziemlich widersprüchlichen Punkten zu tun. Einerseits ist offensichtlich, dass Russland seine Verhandlungsposition verändert hat und nun zu wirklichen Verhandlungen bereit ist. Wirklich nicht im Hinblick auf das Ergebnis, sondern im Hinblick auf ihre Durchführung. Und es wird sogar von der Möglichkeit gesprochen, dass diese Verhandlungen auf einer höheren Ebene stattfinden werden als die früheren Verhandlungen, bei denen Medinski die Hauptrolle spielte.

Der nächste Punkt ist, dass nicht nur in den Vereinigten Staaten optimistisch über die Möglichkeit solcher Verhandlungen gesprochen wird. Nicht nur Kushner oder Witkoff, die immer Optimisten sind und immer von der Konstruktivität solcher Verhandlungen sprechen. Wir haben solche Worte sowohl von Witkoff als auch von Kushner in ihren sozialen Netzwerken gesehen.

Aber auch der norwegische Ministerpräsident spricht davon. Und er wäre wohl kaum bereit gewesen zu sagen, dass alles so gut und so konstruktiv sei, wenn Witkoff ihm nicht irgendwelche Vorschläge unterbreitet hätte, die der norwegische Ministerpräsident als tatsächliche Veränderungen im Verlauf der Verhandlungen zumindest zwischen den Vereinigten Staaten und Russland hätte wahrnehmen können.

Andererseits kennen wir die wahren Absichten der Russischen Föderation nicht. Was strebt sie jetzt an? Einen teilweisen Waffenstillstand, das Schinden von Zeit, oder hat Putin tatsächlich beschlossen, den Krieg zu beenden oder auszusetzen?

Und übrigens: Wozu? Wenn wir ständig hören, dass Russland sich auf einen Krieg mit Europa vorbereitet und dass es die Amtszeit Trumps als günstiges Zeitfenster für einen solchen Krieg betrachten könnte, dann muss es Ressourcen freisetzen. Das ist alles.

Übrigens möchte ich noch ein paar Worte sagen, damit Sie nicht glauben, ich hätte das übersehen: über den Skandal darum, dass Witkoff Putin öffentlich einen Humanisten genannt hat. Und das am Tag, nachdem wir erneut ukrainische Kinder gesehen hatten, die bei russischen Bombardierungen getötet worden waren.

Und dieser Skandal findet keineswegs nur bei uns statt. Jetzt wurde der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, JD Vance, der bekanntlich neben Marco Rubio einer der Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikanischen Partei ist, danach gefragt.

Wie reagierte JD Vance? Erwartungsgemäß. „Ich stimme zu, dass Steve Witkoff etwas Nettes zu einem Menschen gesagt hat, der gerade eine amerikanische Geisel freigelassen hat. Unabhängig davon, ob wir dieser Meinung zustimmen oder nicht. Steve Witkoff ist Diplomat. Seine Aufgabe ist es, dorthin zu fahren und ein Ergebnis zu erzielen“, sagte Vance. Nun wird dieses weitere Kompliment Witkoffs an Putin einfach als diplomatischer Erfolg im Zusammenhang mit der Freilassung eines amerikanischen Staatsbürgers betrachtet werden.

Ich denke, Sie verstehen selbst sehr gut, dass die Freilassung des amerikanischen Staatsbürgers eine der wichtigsten Aufgaben Trumps und Witkoffs zum gegenwärtigen Zeitpunkt war. Und ich bin übrigens überzeugt, dass Trump auch die Geschichte mit dem Diesel mit der Freilassung dieses Menschen in Verbindung gebracht haben könnte. Denn er kann eine solche Freilassung immer als einen wichtigen Teil seiner Arbeit als Präsident betrachten. Und natürlich auch seines Wahlkampfs. Ich erinnere daran, dass Trump die Freilassung von Menschen erreichen kann, die von den Amerikanern als Landsleute begrüßt werden, die aus den Gefängnissen autoritärer Regime befreit werden konnten. Vor Wahlen spielt das eine wichtige Rolle.

Nun gibt es bereits einen Kommentar von Volodymyr Zelensky zum Treffen Witkoffs mit den Russen. „Russland unterstützt Verhandlungen auf Delegationsebene“, sagt der ukrainische Präsident. Russland, die Vereinigten Staaten und die Ukraine könnten bereits Anfang November trilaterale Verhandlungen führen. Die USA schlagen vor, sie so schnell wie möglich abzuhalten. Das Hauptziel besteht darin, das Ende des Krieges näherzubringen und ein Treffen der Staats- und Regierungschefs der drei Länder vorzubereiten.

Die Ukraine unterstützt einen Waffenstillstand, die Rückkehr der Gefangenen und andere humanitäre Initiativen. Aber Zelensky hat meiner Meinung nach völlig zu Recht daran erinnert, dass Russland bereits mehrfach Verhandlungen zugestimmt, danach jedoch seine Position verändert hat. Ich schließe keineswegs aus, dass es jetzt leider wieder genauso sein könnte. Und dass wir diese ganze Situation buchstäblich vor dem Hintergrund von Bombardierungen im ganzen Land diskutieren, im Süden, in Kyiv, im Westen, zeigt ebenfalls, dass es eine Sache ist, Verhandlungen auf Delegationsebene zu unterstützen, und eine ganz andere, über ein tatsächliches Ende des Krieges zu sprechen.

Nun gibt es noch eine weitere wichtige Information. Die Zeitung New York Times berichtet, dass die Kritik Volodymyr Zelenskys an Donald Trump bei Steve Witkoff und natürlich auch bei Jared Kushner Unzufriedenheit ausgelöst habe. Sie hätten dies während der Verhandlungen in Oslo angesprochen und Zelensky gesagt, dass der Präsident der Vereinigten Staaten über diese Worte geradezu unglaublich wütend gewesen sei. Und Zelensky habe angeblich aus diesen Mitteilungen von Witkoff und Kushner seine Schlüsse gezogen.

Aber mir scheint, dass der ukrainische Präsident sehr genau wusste, worauf er sich einließ, als er das Verhalten des amerikanischen Präsidenten gegenüber der Ukraine in den vergangenen Wochen charakterisierte. Und ich sage Ihnen noch mehr: Wenn es dieses Verhalten nicht gegeben hätte, wenn Trump durch sein unverantwortliches Verhalten gegenüber der Ukraine nicht buchstäblich in eine Sackgasse geraten wäre, dann wäre all das ebenfalls nicht geschehen.

Denn Trump möchte, dass er zumindest in seinen Beziehungen zu Putin alles tun kann, was ihm gerade einfällt, ohne dass irgendjemand darauf achtet. Er möchte in den Augen der amerikanischen Öffentlichkeit nicht als jemand erscheinen, der die Ukraine verraten hat, wenn der ukrainische Präsident davon spricht. Und ein großer Teil seiner Gesprächspartner könnte dem zustimmen.

Wie Sie verstehen, hätte Rubio ohne all das nicht versucht, die Situation durch seine Gespräche mit Zelensky zu korrigieren. Vance hätte nicht versucht, die Situation zu rechtfertigen, indem er in seinem eigenen Interview die Fragen zum russisch-ukrainischen Krieg so vorsichtig kommentierte. Trumps engste Mitarbeiter würden sich nicht so vorsichtig zu den Vorgängen in den ukrainisch-amerikanischen Beziehungen äußern und nicht Zelensky für alles verantwortlich machen. Und selbst der Sprecher des Repräsentantenhauses würde nicht sagen, dass die hohen Kraftstoff- und Dieselpreise durch die Straße von Hormus verursacht werden und nicht durch ukrainische Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation, wie Trump zu behaupten versucht. Das ist also eine ganz reale Sache, die im Grunde zeigt, dass man beachten muss, was Trump in dieser Situation tut.

Und natürlich: Wenn gesagt wird, dass das Hauptziel des künftigen Delegationstreffens darin besteht, ein trilaterales Treffen zwischen Trump, Zelensky und Putin vorzubereiten, wie Zelensky sagt, dann scheint mir, dass gerade das nicht die Hauptidee sein wird. Ich sehe bei Putin bisher keinerlei Begeisterung für ein Treffen mit Zelensky. Obwohl ich glaube, dass Trump ein solches Treffen gerade beim G20-Gipfel in den Vereinigten Staaten gerne durchführen würde.

Aber mir scheint, wenn er sagt, dass Putin und Zelensky sich nicht unbedingt treffen müssten, dann erkennt auch Trump, dass es ein solches Treffen möglicherweise einfach nicht geben wird. Und das könnte für ihn ebenfalls akzeptabel sein, wenn am Ende ein Friedensabkommen unterzeichnet wird.

Das ist also diese Turbulenz. Ich habe Ihnen in unseren Sendungen der vergangenen Tage mehrfach gesagt, dass wir uns in einem Zustand völliger Turbulenz befinden, dass wir noch vieles sehen und vieles hören werden. Aber vergessen Sie nicht, dass man auch im Kreml versteht, dass dies Tage der Turbulenz sind. Und dass man dort auf diese Tage der Turbulenz nicht unangemessen reagieren darf, um Trump nicht wirkliche Gründe für Unzufriedenheit zu liefern und sich beispielsweise neue Sanktionen einzuhandeln.

Das sind also die ersten Skizzen dieser Verhandlungen, die in Sankt Petersburg stattgefunden haben. Ich denke, dass wir in den nächsten Tagen noch einige Einzelheiten erfahren werden. Zumindest die amerikanische Presse wird darüber berichten.

Ich werde auf einige Fragen antworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage: Wenn die Republikaner die Wahlen verlieren, wie wahrscheinlich ist eine Untersuchung der nicht öffentlich bekannten Maßnahmen der Trump-Regierung, mit denen Druck auf die Ukraine ausgeübt wurde, und welche Folgen könnte eine solche Untersuchung haben?

Portnikov: Ich versichere Ihnen, dass es im Repräsentantenhaus Dutzende Untersuchungen zu den Handlungen dieser Regierung geben wird, wenn die Republikaner die Wahlen verlieren. Und ich schließe keineswegs aus, dass einer der Untersuchungsbereiche die Geschichte dessen sein wird, was in diesen Tagen geschehen ist. Das könnte die Beteiligten noch einholen.

Wie könnte das geschehen? Ganz einfach. Wenn jemand der Ansicht ist, dass die Regierung Russland heimlich im Krieg gegen die Ukraine unterstützt und bestimmte Hilfen für die Ukraine ohne irgendwelche Beschlüsse und schriftlichen Anordnungen heimlich zurückgehalten hat und so weiter, dann könnten Personen zur Aussage unter Eid vor den Kongress geladen werden.

Und das könnte natürlich im Falle einer Falschaussage zu einer strafrechtlichen Verfolgung des amerikanischen Verteidigungsministers, des Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs oder von Personen aus der Regierung führen. Und das könnte schwerwiegende Folgen haben, beispielsweise den Rücktritt des Verteidigungsministers oder die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen ihn.

Ich möchte Ihnen allerdings sagen, dass dies keineswegs das Hauptthema der Untersuchungen sein wird. Ich versichere Ihnen einfach, dass wir von Missständen in einem Ausmaß erfahren könnten, das wir uns nicht einmal vorstellen können.

Frage: Wir wissen, dass die Mehrheit der Amerikaner die Ukraine unterstützt. Aber wirkt sich das auf das Wahlverhalten aus? Die Demokraten sind ohnehin für uns, und die Republikaner werden sich nicht gerade wegen der Ukraine von ihren eigenen Kandidaten abwenden.

Portnikov: Erstens sollte man nicht glauben, dass jeder demokratische Wähler für uns und jeder republikanische Wähler gegen uns ist. Das ist überhaupt nicht so. Wir genießen gerade eine breite parteiübergreifende Unterstützung.

Aber die Wahrheit ist, dass die Ukraine-Frage weder für demokratische noch für republikanische Wähler an erster Stelle steht. Natürlich sage ich das immer wieder, wenn jemand behauptet: „Trump kann die Wahlsituation verändern, weil er uns nicht unterstützt.“ Das ist nicht so. Das stimmt nicht.

Die Wahrheit ist, dass sich die Unterstützung der Ukraine derzeit nicht so auf das tägliche Leben von Millionen Amerikanern auswirkt wie beispielsweise die Situation im Nahen Osten. Und übrigens versucht Trump ständig, das zu ändern. Trump selbst, wenn er sagt: „Nein, nicht der Nahe Osten ist der Grund dafür, dass Sie nicht genug Diesel oder Benzin kaufen können oder dass Sie dafür hohe Preise bezahlen. Nein, die ukrainischen Angriffe auf die russische Ölraffinerieindustrie sind die Ursache all Ihrer Probleme.“ Aber niemand glaubt das.

Und hier geht es nicht darum, ob jemand die Ukraine-Frage als vorrangig oder zweitrangig betrachtet. Es geht darum, dass die unentschlossenen Wähler, und gerade diese Menschen entscheiden die Wahlergebnisse in vielen amerikanischen Bundesstaaten, eine ganze Reihe von Fragen an Trump haben, die dazu führen könnten, dass sie nicht für einen republikanischen Kandidaten stimmen. Die Unterstützung oder Nichtunterstützung der Ukraine ist gewissermaßen ein Teil dieses gesamten Fragenkomplexes.

Frage: Wenn Marine Le Pen die Wahlen in Frankreich und die Alternative für Deutschland die Wahlen in Deutschland gewinnt, wie wird sich das auf die Unterstützung der Ukraine in Europa auswirken?

Portnikov: Bisher gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass die Alternative für Deutschland der Bildung einer Bundesregierung in Deutschland nähergekommen wäre. Erstens finden die Wahlen dort noch lange nicht statt. Zweitens haben die anderen Parteien keineswegs ihre Haltung aufgegeben, dass sie mit ihr keine Koalition bilden können.

Selbst wenn diese Partei also eine große Zahl von Stimmen im deutschen Parlament erhält, könnte sie vollständig in der Opposition bleiben. Und eine Regierung könnte beispielsweise von Christdemokraten, Sozialdemokraten und Grünen gebildet werden. Dann gäbe es eben eine Dreierkoalition statt einer Zweierkoalition, einfach um die Ultrarechten aufzuhalten. Deshalb erscheinen all diese Vorstellungen, dass die Alternative für Deutschland in Deutschland kurz vor der Machtübernahme stehe, bisher nicht realistisch.

Ein Sieg Marine Le Pens erscheint realistischer. Aber ich glaube nicht, dass es für Marine Le Pen, wenn sie Präsidentin Frankreichs wird, so einfach sein wird, den Kurs der Europäischen Union zu verändern, wenn man die wirtschaftliche Situation Frankreichs selbst und seine Abhängigkeit von den Prozessen innerhalb der Europäischen Union berücksichtigt. Der Umfang der wirtschaftlichen, finanziellen und militärischen Hilfe Frankreichs für die Ukraine ist mit dem deutschen nicht vergleichbar.

Aber Marine Le Pen könnte versuchen, Einfluss auf den Umfang der gesamteuropäischen Unterstützung zu nehmen. Das stimmt, das könnte geschehen. Aber dafür muss sie erst noch gewinnen und ihr Amt antreten. Bis dahin ist es noch sehr lange.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass der zweite Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen am 2. Mai 2027 stattfinden wird. Überlegen Sie, wann das erst sein wird, was der 2. Mai 2027 überhaupt bedeutet und wie viele Ereignisse bis dahin noch stattfinden werden. Deshalb würde ich mich mit solchen Prognosen für einen so weit entfernten Zeitraum nicht beeilen.

Wir wissen überhaupt nicht, wie Europa aussehen wird, ob nicht bis 2027 irgendein neuer Konflikt beginnt. Sie haben, denke ich, gesehen, wie sich die Situation in der Welt nach Beginn des Iran-Krieges verändert hat. Wie Sie verstehen, werden bis Mai 2027, bis zu einem Machtwechsel in Frankreich, selbst wenn Marine Le Pen gewinnt, noch viele solcher Ereignisse stattfinden, deren Ausmaß Sie sich heute nicht einmal vorstellen können. Ich werde Ihnen in dieser Sendung nicht davon erzählen. Deshalb sollten Sie sich mit Prognosen nicht beeilen.

Frage: Kehren wir wieder zum Mai 2025 zurück, als Putin vorschlug, die Verhandlungen mit Russland wieder aufzunehmen, bei denen Medinski drohen wird: „Gebt den Donbas schon heute ab, damit ihr morgen nicht noch mehr verliert“?

Portnikov: Nein, ich glaube gerade, dass es anders sein könnte. Dass Uschakows Worte über die Sicherheitsfragen der Ukraine und Russlands gerade nicht vom Donbas sprechen, sondern von einem breiteren Ausmaß des Drucks auf die Ukraine, der gemeinsam von Amerikanern und Russen ausgeübt werden könnte. Wenn es nicht um den Vorrang territorialer Fragen gehen wird, sondern um den Vorrang von Sicherheitsfragen. Darum, dass die Ukraine zustimmt, den Frieden gegen die Rolle eines russischen Satelliten einzutauschen, unter Garantien der Vereinigten Staaten, dass die Ukraine ihre Staatlichkeit nicht verlieren wird. Und möglicherweise wird man versuchen, auch China daran zu beteiligen.

Ich sage nicht, dass es so kommen wird. Ich sage, dass die Russen zumindest ein solches Modell in Betracht ziehen könnten, im vollen Bewusstsein, dass, sobald Trump nicht mehr Präsident ist, auch all diese amerikanischen Garantien verschwinden werden und nur noch die Rolle eines russischen Satelliten übrig bleibt. Und das könnte eine solche Idee sein.

Frage: Erläutern Sie bitte den Zusammenhang zwischen den gegenwärtigen Verhandlungen und den Wahlen in den Vereinigten Staaten. Es sieht so aus, als würde Putin Trump die Illusion von Fortschritten vermitteln, aber wirkliche Fortschritte wird Trump bis zum 3. November nicht erleben.

Portnikov: Wer hat Ihnen denn gesagt, dass Trump bis zum 3. November eine Illusion von Fortschritten braucht? Er muss bis zum 3. November sagen können, dass die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine unmittelbar bevorstehen, dass dabei erhebliche Fortschritte erzielt werden und dass Frieden erreicht wird. Und inzwischen hat sein Vertreter bei den Verhandlungen die Freilassung einer amerikanischen Geisel erreicht. Gut gemacht. Und Trump hat es auch gut gemacht. Und niemand außer Trump hat das geschafft.

Inzwischen liefert Russland Dieselkraftstoff auf den Weltmarkt, was die Kraftstoffpreise bereits senkt und sie auch weiterhin senken wird, noch vor Beginn der Verhandlungen. Der Prozess läuft. Er kann nicht schnell sein. Aber Trump hat von Putin die Möglichkeit bekommen, sich mit seiner Rolle als Friedensstifter zu brüsten.

Putin hat nicht abgelehnt. Der Prozess der Vorbereitung der Verhandlungen läuft. Es werden die ersten ernsthaften Verhandlungen sein, die ersten Verhandlungen auf hoher Ebene. Ich zitiere jetzt nicht Trump, sondern den norwegischen Ministerpräsidenten. Sehen wir, was Trump selbst sagen wird.

Und ich wiederhole: Trumps Zeitdruck hängt nicht nur mit dem 3. November zusammen, sondern auch mit der Zeit im November, Dezember und Anfang Januar 2027. Auch das ist eine Zeit, in der er glauben könnte, dass er seine letzten Möglichkeiten hat, bestimmte Maßnahmen in den Beziehungen zu Moskau zu ergreifen.

Frage: Wenn Russland mit Europa Krieg führen will, soll es doch Krieg führen. Warum sollen die Ukrainer ein Schutzschild sein?

Portnikov: Die Ukraine ist kein Schutzschild, sondern ein potenzielles Aufmarschgebiet für einen solchen Krieg. Um Krieg gegen Europa führen zu können, muss Russland das Territorium der Ukraine erobern und dieses Territorium von einer illoyalen Bevölkerung befreien, die nicht bereit ist, die historische Rolle Russlands anzuerkennen.

Ihre Entscheidung, verehrter Zuschauer, betrifft also nicht die Frage eines Schutzschilds. Es geht darum, ob Sie in feuchter Erde liegen werden, während in Ihrem Haus ein Besatzer lebt, der bereit ist, Krieg gegen Europa zu führen, oder ob es Ihnen gelingt, zu überleben und die Staatlichkeit der Ukraine zu verteidigen. Das ist eine sehr einfache Entscheidung, vor der Sie schon bald stehen werden.

Frage: Wenn es jetzt keine intensiven Maßnahmen gibt, um Russland zum Frieden zu zwingen, wie wahrscheinlich ist es dann, dass die Armee und andere Sicherheitsorgane Trump folgen werden, falls Trump mit allen Mitteln an der Macht festhalten will?

Portnikov: Eine solche Wahrscheinlichkeit gibt es nicht. Die amerikanischen Institutionen sehen nicht wie Institutionen aus, in denen vor allem die Sicherheitskräfte alles entscheiden. Und angesichts von Trumps gegenwärtiger Popularität: Wer von den Menschen, die in diesen Institutionen dienen oder arbeiten, würde es riskieren, ihn zu unterstützen, wenn er gegen das Gesetz verstößt?

Frage: Glauben Sie, dass Witkoffs Besuch nicht eine Fortsetzung der Vereinbarung über den Erwerb von Lukoil war, getarnt als Friedensverhandlungen?

Portnikov: Witkoffs Besuch ist natürlich, wie jeder solche Besuch, eine Fortsetzung der Suche nach Möglichkeiten, die ausländischen Vermögenswerte von Lukoil an sich zu bringen. Zweifeln Sie nicht daran, dass Witkoff und Putin während dieses dreistündigen Gesprächs darüber gesprochen haben. Außerdem erschien erstmals bei russisch-amerikanischen Verhandlungen, ich glaube, ich habe das noch nicht erwähnt, Maxim Oreschkin.

Maxim Oreschkin ist stellvertretender Leiter der russischen Präsidialverwaltung und Berater des Präsidenten der Russischen Föderation. Er war früher stellvertretender Leiter der Präsidialverwaltung der Russischen Föderation und ehemaliger Minister für wirtschaftliche Entwicklung der Russischen Föderation. Das heißt, dieser Mann ist tatsächlich für die russische Wirtschaft zuständig, denn in Russland wird, wie auch bei uns, alles vor allem in der Präsidialverwaltung entschieden.

Und nun erschien Oreschkin zum ersten Mal bei den Verhandlungen zwischen Putin und Witkoff. Das bedeutet, dass bei diesen Verhandlungen über sehr ernsthafte wirtschaftliche Fragen gesprochen wurde, wenn Putin dafür Oreschkin brauchte und nicht nur Kirill Dmitrijew. Denn Kirill Dmitrijews Aufgabe besteht darin, den Amerikanern Märchen aufzutischen, während Oreschkins Aufgabe darin besteht, konkrete wirtschaftliche Fragen zu lösen.

Sie müssen dort also über etwas sehr Ernstes gesprochen haben, wenn Oreschkin zu diesen Verhandlungen kam. Oder ist er etwa eigens nach Sankt Petersburg geflogen? Wissen Sie, dass das alles in Sankt Petersburg stattfindet? Es ist ja nicht so, dass Putin sagt: „Ach, wo ist denn unser Oreschkin? Fragen wir ihn doch mal.“ Das bedeutet, dass sie sich auf solche Verhandlungen vorbereitet haben. Und Oreschkin flog zusammen mit Putin nach Sankt Petersburg, um mit Witkoff zu sprechen.Dabei kann es um Lukoil gehen und um alles andere. 

Aber ich erinnere Sie daran, dass Witkoff ständig sagt, dass all diese Beziehungen erst nach dem Ende der Kampfhandlungen im russisch-ukrainischen Krieg zustande kommen und geregelt werden können. Das heißt, hier hat sich eine bestimmte amerikanische Position nicht verändert. Ein sehr wichtiger Punkt, wie mir scheint. Ich denke, dass auch Sie das sehr gut verstehen.

Aber dass der Wunsch, die Vermögenswerte von Lukoil zu erwerben, und überhaupt der Wunsch, irgendwelche Geschäfte mit Russland im Energiebereich und nicht nur dort zu machen, ein wichtiger Bestandteil des Handelns dieser Regierung ist, das muss ich meiner Meinung nach nicht immer wieder wiederholen. Denn das ist eine objektive Wahrheit, mit der auch wir umgehen müssen.

Und wir müssen verstehen, dass wir den Vereinigten Staaten aus Trumps Sicht trotz dieses gesamten Abkommens über ukrainische Mineralien, das bereits 2025 auf Initiative eben jenes Lindsey Graham unterzeichnet wurde, nicht so viel anbieten können, wie Putin ihnen anbieten kann.

Natürlich bedeutet etwas anzubieten noch lange nicht, dass man heiratet. Aber er bietet es an. Und wenn Trump sagt: „Wir haben der Ukraine Milliarden Dollar gegeben, und was haben wir dafür bekommen? Steigende Ölpreise?“, dann meint er genau das. Zweifeln Sie nicht daran.

Seien Sie deshalb sicher, dass dies erst der Beginn bestimmter Prozesse ist. Aber man kann nicht sagen, dass dies einfach eine Situation ist, die überhaupt zu keinen Veränderungen führen wird. Das heißt, wir spüren gewisse Korrekturen der russischen Position. Aber wir wissen nicht, womit diese Perspektiven und Korrekturen zusammenhängen. Ob tatsächlich mit dem Wunsch, die Kampfhandlungen irgendwann auf irgendeine Weise auszusetzen. Oder mit dem Wunsch, erneut Zeit zu schinden, in einer für Donald Trump so schwierigen Zeit vor den Wahlen und während der Bildung eines neuen Kongresses in den Vereinigten Staaten, der nach allen Anzeichen dem amtierenden amerikanischen Präsidenten gegenüber nicht wohlgesinnt sein wird.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін-Віткофф: перші підсумки | Віталій
Портников. 21.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 21.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Der Glaube an Frieden mit Putin. Vitaly Portnikov. 05.10.2026.

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Das Problem bei allen Diskussionen über ein Ende des Krieges läuft letztlich auf eine Frage des Glaubens hinaus. Ja, genau: des Glaubens. Wir würden schließlich auch nicht mit einem Gläubigen über die bloße Existenz Gottes diskutieren. Diskussionen über alle möglichen anderen Themen sind möglich, aber wenn du der Ansicht bist, dass es Gott als solchen nicht gibt und niemandem Erlösung bevorsteht, hörst du auf, an diesem Gespräch teilzunehmen. Automatisch.

Genauso ist es mit Putin. Wenn jemand glaubt, dass man sich mit dem russischen Präsidenten einigen kann und es nur darum geht, was man ihm anbieten soll – den Donbas, die Gebiete Cherson und Saporischschja, die russische Sprache und Neutralität –, während du davon überzeugt bist, dass er sich überhaupt auf nichts einigen will und schlicht die Vernichtung der Ukraine zum Ziel hat, hörst du für denjenigen, der daran glaubt, dass Frieden durch Verhandlungen erreicht werden kann, auf, ein Gesprächspartner zu sein. Denn man schlägt dir vor, über die Bedingungen von etwas zu diskutieren, das nicht eintreten wird.

Und übrigens hat Putin selbst wiederholt darüber gesprochen und geschrieben. Nur wollen die Gläubigen an Friedensverhandlungen ihn nicht hören. Sie glauben nicht nur uns nicht, sie glauben auch Putin nicht. Sie glauben an ihren Traum, dass man sich einigen könne.

Manche dieser Gläubigen wollen Geld verdienen – im Oval Office kann man davon schließlich nie genug haben. Manche wollen bei den hypothetischen Wahlen mehr Stimmen potenzieller Wähler gewinnen. Manche sind einfach naive Menschen. Aber sie alle bringen uns dem Untergang näher.

Denn ob die Erlösung real ist, lässt sich erst nach dem Tod überprüfen. Der Glaube daran, dass Verhandlungen mit Putin tatsächlich möglich sind, kann uns dagegen allen das Leben kosten.


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Art der Quelle: Social Media
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 05.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Zelensky hat mit Trump gesprochen: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 20.09.2026.

Die sogenannten Parlamentswahlen in der Russischen Föderation gehen zu Ende. Und viele versuchen, Prognosen darüber anzustellen, was im Krieg Russlands gegen die Ukraine geschehen wird, und berücksichtigen dabei gerade die Situation im Zusammenhang mit diesen Wahlen. Und natürlich können wir in dieser Situation darüber sprechen, was tatsächlich geschehen könnte. 

Wenn wir die Entwicklung des russisch-ukrainischen Krieges erörtern und versuchen, sie mit dem weiteren Verlauf der Ereignisse in Beziehung zu setzen, müssen wir uns natürlich bewusst machen, dass die Wahlen in der Russischen Föderation in Wirklichkeit kein Teil eines Prozesses sind, der mit den russischen Absichten zusammenhängt. Ein wirklicher Teil dieses Prozesses ist vielmehr das, was in den Beziehungen der Ukraine zu unseren Verbündeten geschieht, der Umfang der Hilfe und das, was das künftige wirtschaftliche und militärische Potenzial der Ukraine tatsächlich bestimmen wird.

Deshalb muss man dieses Gespräch natürlich nicht mit den russischen Wahlen beginnen – auf sie werden wir heute auf jeden Fall noch zurückkommen und versuchen zu erklären, was tatsächlich geschieht –, sondern mit dieser letzten Nachricht, die buchstäblich wenige Minuten vor unserer Sendung kam: Schließlich hat ein Gespräch zwischen den Präsidenten der Ukraine und der Vereinigten Staaten stattgefunden.

Präsident Zelensky berichtete über dieses Gespräch, teilte mit, dass es in New York zu einem Treffen mit Donald Trump kommen werde, und ist der Ansicht, dass dieses Treffen vieles verändern könne. Er betonte, dass dies tatsächlich der wichtigste Gesprächskanal in diesem Prozess zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten sei.

Warum müssen wir gerade mit diesem Gespräch beginnen? Warum müssen wir gerade mit diesem Thema beginnen? Weil, wie wir alle sehr gut verstehen, der weitere Verlauf der Ereignisse davon abhängen wird, welches Potenzial Russland für seine Aggression haben wird und welche Haltung die Vereinigten Staaten zu diesem Potenzial einnehmen werden.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass nach den Gesprächen, die die amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner in der russischen und der ukrainischen Hauptstadt geführt hatten, mitgeteilt wurde, Präsident Trump werde – und er selbst sagte das ebenfalls – mit den Präsidenten Russlands und der Ukraine sprechen und mit ihnen die Ergebnisse der Reise seiner Vertreter erörtern. Tatsächlich aber fand nur das Gespräch mit Putin statt. Mit dem ukrainischen Präsidenten sprach Donald Trump bis zum heutigen Tag, bis zum heutigen Abend beziehungsweise bis zum heutigen Tag in Amerika, nicht. Das Gespräch mit Putin bezeichnete er als sehr gut und betonte, Putin wünsche Frieden.

Danach sagte der Präsident der Vereinigten Staaten mehrfach, dass gerade die ukrainischen Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation mit dem Anstieg der Treibstoffpreise zusammenhingen. Es erschienen Meldungen darüber, dass die Regierung sogar Möglichkeiten zur Wiederaufnahme wirtschaftlicher Beziehungen mit der Russischen Föderation erwäge, ohne die Frage von Krieg und Frieden in der Ukraine zu lösen.

Für mich sind das sehr spekulative Informationen, denn ich möchte Sie daran erinnern, dass eben jenes Graham-Gesetz über Sanktionen, das Trump gestern unterzeichnet hat, natürlich keine so offensichtlichen Voraussetzungen für neue Sanktionen gegen die Russische Föderation schafft, aber eindeutig reale Möglichkeiten dafür, die alten aufrechtzuerhalten. Das heißt, es erlaubt dem amerikanischen Präsidenten im Grunde nicht, auf Sanktionen zu verzichten, die bereits von den Regierungen Barack Obamas, Donald Trumps selbst während seiner ersten Amtszeit und Joseph Bidens eingeführt wurden.

Und wie wollen Sie wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation aufbauen, wenn Sie keinerlei reales Potenzial haben, die Sanktionsbelastung aufzuheben? Ohne die Aufhebung dieser Sanktionsbelastung können Sie nicht einmal darauf hoffen, dass sich in Ihren Wirtschaftsbeziehungen etwas entwickelt.

Aber so oder so war allein die Tatsache, dass es keinen Dialog zwischen Trump und Zelensky gab, ein Signal.

  • Erstens ein Signal dafür, dass Trump noch immer hofft, mit Putin über irgendetwas eine Einigung zu erzielen.
  • Zweitens, dass er mit den Kontakten zu Zelensky nicht besonders zufrieden ist.
  • Drittens, dass er die Ukraine für den Anstieg des Dieselpreises an den amerikanischen Tankstellen verantwortlich machen will.

Nun, und all das konnte sich, wie Sie sehen, nicht lange halten. Noch gestern hieß es, im Arbeitsplan des Präsidenten der Vereinigten Staaten während seines Aufenthalts bei der Sitzung der UN-Generalversammlung in New York sei kein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten vorgesehen, und heute ist es bereits vorgesehen. Das heißt, Trump kann Zelensky in dieser Situation ebenfalls nicht ignorieren.

Für uns ist das kein schlechtes Signal. Die Frage ist nicht einmal, was wir bei diesem Treffen des amerikanischen und des ukrainischen Präsidenten erreichen können. Die Frage ist, dass solche Kontakte Trump so oder so von übermäßigen Hoffnungen auf eine Normalisierung der Beziehungen zu Putin abhalten werden. Ganz abgesehen davon, dass der Präsident der Ukraine gerade vor dem Hintergrund der Unterzeichnung des Sanktionsgesetzes durchaus etwas mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zu besprechen hat.

Ja, dieses Gesetz verpflichtet Trump zu nichts, aber nun können Trump und Zelensky über eine weitere Sanktionsbelastung für die Russische Föderation und ihre Unterstützer im Energiebereich sprechen. Ich erinnere daran, dass all dies zudem vor dem Hintergrund der Kontakte zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Staatschef der Volksrepublik China geschieht. Und die Volksrepublik China mag glauben, dass die Vereinigten Staaten es nicht wagen werden, Zölle von 100 Prozent auf ihre Produkte zu erheben, falls sie ihre Zusammenarbeit mit Russland im Energiebereich fortsetzt, aber diese Möglichkeit besteht.

Wir müssen uns bewusst machen, dass Xi Jinping derzeit womöglich überhaupt nicht begeistert von der Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges ist: sowohl weil die Ukraine die russischen Raffineriekapazitäten zerstört und damit das wirtschaftliche und energetische Potenzial des wichtigsten Satelliten der Volksrepublik China untergräbt, als auch weil Putin Peking keine klare Perspektive dafür bieten kann, wie und mit welchen Ergebnissen er den russisch-ukrainischen Krieg beenden will und wie sich das letztlich auf die russische Wirtschaft auswirken wird. Vielleicht sind China die ukrainischen Ruinen gleichgültig, die russischen aber nicht.

Und noch ein wichtiger Punkt betrifft gerade unsere Angriffe auf die russischen Raffinerien. Ich möchte Sie daran erinnern, dass der Präsident der Vereinigten Staaten davon gesprochen hat, er habe angeblich bereits eine Energie-Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine erreicht, und diese Waffenruhe gerade mit den ukrainischen Angriffen auf die russischen Raffinerien in Verbindung brachte. Er sagte, er habe Zelensky aufgefordert, den russischen Diesel nicht anzugreifen. Auch daran erinnern Sie sich sehr gut.

Aber hier haben Sie ein wunderbares Ergebnis. Wir führen den massivsten Angriff auf die russische Hauptstadt und das Moskauer Gebiet durch, möglicherweise sogar seit Beginn dieses großen Krieges. Sie sehen, wie die Ölraffinerie in Kapotnja brennt, ein für den russischen Raffineriesektor strategisch wichtiges Unternehmen. Na und?

Was meinen Sie, hat das irgendwie mit der Dieselproduktion zu tun oder nicht? Und weiß eine ukrainische Drohne etwa ganz genau, dass hier Diesel ist und dort kein Diesel? Nun, das ist völlig unrealistisch. Und nichts passiert. Nach diesem massiven Angriff, vor dem Hintergrund der Brände in Russland, des brennenden Kapotnja, des brennenden Woronesch und der brennenden Lager russischer Infrastrukturunternehmen spricht Trump ganz ruhig mit Zelensky und vereinbart mit ihm ein Treffen.

Das muss man sich bewusst machen, wenn wir über die Situation im Zusammenhang mit den amerikanisch-ukrainischen Kontakten sprechen. Jetzt ist einfach nicht die Situation, in der man sich vor den lauten Worten des Präsidenten der Vereinigten Staaten fürchten sollte. Mit jedem Tag, der ihn den Zwischenwahlen zum Kongress näher bringt, wird der Präsident der Vereinigten Staaten die ganze Schwierigkeit der Lage spüren, in die die Republikanische Partei der Vereinigten Staaten durch seine Politik geraten ist.

Er versteht sehr gut, wie viele Wähler von den wirtschaftlichen Ergebnissen enttäuscht sind. Obwohl ein großer Teil der Republikaner natürlich nach wie vor bereit ist, für die Vertreter der eigenen Partei zu stimmen, weil er immer und ohne Alternative für sie stimmt, gibt es bereits enttäuschte Republikaner und, was am wichtigsten ist, enttäuschte sogenannte unabhängige Wähler, die von Trump eine Verbesserung ihres Lebens erwartet hatten und stattdessen eine durchgehende Verschlechterung bekommen haben. Denn wie Sie verstehen, hält das Lohnwachstum in den Vereinigten Staaten mit dem erstaunlichen Anstieg der Preise für Erdölprodukte und dem Preisanstieg bei allem anderen nicht Schritt, wie das immer der Fall ist, wenn die Preise für Erdölprodukte steigen.

Das ist das Ergebnis, das die Republikaner bekommen könnten. Und natürlich fürchtet Trump das sehr. Wenn man noch gestern davon ausging, dass die Demokraten zwar enorme Chancen auf einen Sieg im Repräsentantenhaus haben, sich aber die Frage stellte, wie sie die Kontrolle über den Senat gewinnen sollen, wenn dort nur ein Drittel der Senatoren neu gewählt wird, dann erscheint ein gleichzeitiger Verlust beider Kammern des Kongresses durch die Republikanische Partei inzwischen nicht mehr wie Science-Fiction. Denn praktisch in der Mehrheit der Bundesstaaten, in denen Senatoren neu gewählt werden, liegen die Kandidaten der Demokraten faktisch völlig gleichauf mit den republikanischen Kandidaten. Selbst in Bundesstaaten, in denen traditionell gerade Republikaner Senatoren wurden: in Texas, in Alaska. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Republikaner ihre jeweiligen Wahlkämpfe nicht gewinnen werden, denn 50 zu 50 schafft, wie Sie verstehen, immer Chancen für beide Seiten. Aber es erlaubt einem nicht, sich im warmen Bad der Erwartungen zu sonnen.

Und Trump muss etwas tun, um seinen Wählern Entschlossenheit bei der Suche nach Schritten zur Verringerung der Belastung durch die Ölpreise und Entschlossenheit bei der Suche nach Schritten zur Beendigung von Kriegen zu demonstrieren, wenn er schon nichts gegen den Iran unternehmen kann. Mehr noch: Wir nähern uns jetzt einer Situation, in der die Möglichkeit einer Blockade der Meerenge Bab al-Mandab zunimmt. Vielleicht kann er also etwas mit dem russisch-ukrainischen Krieg anfangen? Vielleicht kann man ihn davon überzeugen, dass gerade eine Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front, zumindest eine Energie-Waffenruhe, einen gewissen Schutzschirm für den russischen Raffineriesektor schaffen und den Dieselpreis senken oder zumindest den Amerikanern demonstrieren würde, dass ihr Präsident sich darum kümmert, dass er darüber nachdenkt? Auch das ist ein sehr wichtiger Punkt, der erwähnt werden muss. Nun dazu, was man in einer solchen Situation erreichen kann.

Putin wird jetzt natürlich darüber nachdenken, ob es sich für ihn lohnt, die Eskalation bis zum 3. November, bis zu den Zwischenwahlen zum Kongress, zu verschärfen oder ob er sie im Gegenteil nicht braucht. Denn es ist klar, dass eine Verschärfung der Eskalation jetzt ein direkter Schlag gegen Trumps Interessen wäre. So seltsam es klingen mag: Die Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress sind für Putin wesentlich wichtiger als seine eigenen Wahlen.

Und genau das erstaunt mich. Ich kehre zum Anfang unseres Gesprächs zurück. Warum verbinden alle mögliche Eskalationsschritte der russischen Führung gegenüber der Ukraine und im russisch-ukrainischen Krieg ständig gerade mit den russischen und nicht mit den amerikanischen Wahlen? Die Zwischenwahlen zum Kongress sind schließlich tatsächlich ein politisches Ereignis. Wir wissen nicht, wer als Sieger daraus hervorgehen wird. Menschen kämpfen miteinander um Parlamentssitze. Von der Kontrolle über den Kongress hängt ab, wie frei sich die Trump-Regierung fühlen und wie sie handeln wird. Das alles verstehen wir sehr gut.

Die russischen Wahlen dagegen – nun, ich habe bereits mehrfach gesagt, dass Putin, als er Präsident wurde, beschloss, ein System zu schaffen, das er in seiner Jugend gesehen hatte, als er in der Deutschen Demokratischen Republik als Direktor eines Kulturhauses arbeitete. In der Deutschen Demokratischen Republik gab es ein politisches System, das sich von dem der Sowjetunion unterschied. In der Sowjetunion gab es eine Partei, den Block der Kommunisten und Parteilosen bei den sogenannten Wahlen zum Obersten Sowjet der Sowjetunion und der Unionsrepubliken. Die Sowjetbürger stimmten überhaupt nicht wirklich ab. Sie warfen einfach den Stimmzettel ein. Und das war eine Art Plebiszit, das Vertrauen in die Kommunisten voraussetzte.

Die ersten wirklichen Wahlen in der Sowjetunion seit der Auflösung der Verfassunggebenden Versammlung durch die Bolschewiki 1917 fanden erst 1988 oder 1989 statt – ich erinnere mich nicht mehr genau an das Datum –, als die Abgeordneten des Kongresses der Volksdeputierten der Sowjetunion gewählt wurden. Und das waren Wahlen mit Alternativen. Die Sowjetbürger erfuhren zum ersten Mal, dass man zwischen zwei Kandidaten wählen konnte und nicht nur einen einzigen zur Auswahl hatte.

In der Deutschen Demokratischen Republik war dagegen alles anders, weil sie das Schaufenster des sowjetischen Sozialismus war. Und die sowjetischen Kommunisten wollten beweisen, dass sich die Deutsche Demokratische Republik hinsichtlich der Demokratie in nichts von der benachbarten Bundesrepublik Deutschland unterschied. Also schufen sie dort dasselbe System wie in der Bundesrepublik, nur erfunden, imitiert, aus Pappe. In der Deutschen Demokratischen Republik gab es eine Vielzahl von Parteien. Neben der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, die faktisch eine kommunistische Partei unter anderem Namen war, gab es dort die Christlich-Demokratische Union, die Liberal-Demokratische Partei, ein Gegenstück zur Partei der Freien Demokraten in der Bundesrepublik, die National-Demokratische Partei als Gegenstück zu solchen rechtsradikalen Parteien in der Bundesrepublik und die Demokratische Bauernpartei Deutschlands. Und all diese Parteien waren in der Volkskammer der DDR vertreten.

Mehr noch: Zusammen mit den gesellschaftlichen Organisationen und dem Jugendverband, die ebenfalls eigene Quoten in der Volkskammer hatten, stellten all diese Parteien die Mehrheit der Abgeordneten, während die Kommunisten, die Regierungspartei, während der gesamten Existenz der DDR in der Minderheit waren. Aber das störte niemanden, weil all diese Parteien gemäß der deutschen Verfassung die führende Rolle der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands anerkannten. Und natürlich war diese Volkskammer ein Schaufenster, in dem keinerlei Diskussion und keinerlei Demokratie stattfanden. Was übrigens nicht verhinderte, dass sich im Moment des Falls der Berliner Mauer all diese nichtkommunistischen Pseudoparteien zusammenschlossen und die Kommunisten entmachteten. So war der letzte Vorsitzende des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik noch vor den ersten freien Wahlen bereits kein Kommunist mehr, sondern der sogenannte Liberaldemokrat Manfred Gerlach, der dem Regime zuvor jahrelang treu gedient hatte und stellvertretender Vorsitzender dieses Staatsrates gewesen war. Ein solches Paradox.

Ja, Putin, der all das gesehen hatte, hat es bei sich faktisch nachgebildet. Aber alle Parteien, die zu den Wahlen zur Staatsduma zugelassen sind, unterstützen sein politisches Programm. Und wie wir sehr gut verstehen, unterstützen sie den Krieg. Sowohl das verbrecherische „Einiges Russland“ als auch das verbrecherische „Gerechtes Russland“, das inzwischen an Popularität verliert, die verbrecherische Partei Schirinowskis, die Kommunisten, ewige Anhänger von Krieg und Autoritarismus, und natürlich die Partei „Neue Leute“, die geschaffen wurde, um den Anschein einer Alternative zu erwecken, sich aber nicht gegen die offizielle Staatspolitik stellt.

Das bedeutet nicht, dass die russische Gesellschaft nicht nach einer Alternative sucht. Natürlich sucht sie danach, sie kann sie nur nicht finden. Wie Sie gesehen haben, registrierten die Behörden lediglich zur Demonstration dieses DDR-Pluralismus die Partei mJabloko, die als einzige mit einem Antikriegsprogramm antrat. Mag dieses noch so verschwommen gewesen sein, mag es keinerlei Vorwürfe gegen Putin wegen der Aggression enthalten haben, aber die Partei rief zu Friedensverhandlungen auf. Die nicht öffentliche Meinungsforschung des Kremls zeigte eine derartige Popularität Jablokos, dass die Partei unter völlig erfundenen Vorwänden aus dem Wahlkampf genommen wurde und man begann, ihre führenden Vertreter zu verfolgen. Als wären sie selbst daran schuld, dass die Staatsmacht ihre Partei zu den Wahlen zugelassen hatte.

Aber selbst das ist noch nicht alles. Vor unserer Sendung habe ich Umfragen an den ausländischen Wahllokalen gesehen, und dort erhält die Partei „Neue Leute“ die überwältigende Mehrheit der Stimmen, während „Einiges Russland“ etwa zwei bis drei Prozent bekommt. Das heißt, selbst jene Russen im Ausland, die dem Putin-Regime gegenüber loyal sind und zur Wahl gehen, wollen trotzdem nicht für Parteien stimmen, die sie mit dem Kreml verbinden, und stimmen für „Neue Leute“ – vielleicht sogar in dem Bewusstsein, dass dies eine Marionettenpartei, eine erfundene Partei ist. Aber so oder so hoffen sie, dass dies ihr Signal dafür sein wird, dass sie die Politik nicht akzeptieren, die, wie ich sagen würde, die alten politischen Parteien der Putin-Zeit betreiben.

Also dort, wo die Menschen nicht im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, wo sie nicht vom Staat abhängig sind, wo sie nicht überwacht werden. Sie verstehen doch, dass, wenn etwa 50 Prozent oder wie viele Menschen auch immer im Ausland für die Partei „Neue Leute“ stimmen, unter diesen Menschen auch Mitarbeiter des diplomatischen Dienstes der Russischen Föderation selbst sind, also Vertreter des Systems. Es sind doch mehr als zwei oder drei Prozent, wie Sie verstehen, die eigentlich für „Einiges Russland“ hätten stimmen müssen. Und sie haben es nicht getan. Aber das System ist so geschaffen, dass du, für wen auch immer du stimmst, für das blutige Putin-Regime stimmst. Das ist das Ergebnis.

Da stellt sich die Frage: Warum sollte Putin auf diese Wahlen Rücksicht nehmen? Warum sollte er entscheiden, dass er eine Mobilmachung durchführen muss, falls er überhaupt ein solches Programm für die Zeit nach den Wahlen hat? Warum sollte er die Frage des russisch-ukrainischen Krieges erst nach den Wahlen entscheiden, wenn in Russland nicht entscheidend ist, wie abgestimmt, sondern wie ausgezählt wird?

Und noch einmal: Wenn es irgendein Jabloko gibt, für das eine große Zahl von Menschen stimmt, und diese große Zahl von Menschen danach erkennt, dass sie betrogen wurde, kann das zu Instabilität führen. Wenn die Menschen aber für Parteien stimmen, die sich untereinander in nichts unterscheiden, dann ist es im Grunde nicht besonders wichtig, wenn sie schon zu diesen Wahlen gegangen sind, wie ihre Stimme angerechnet wird. Und auch das ist ein wichtiger Punkt, der erwähnt werden muss. Putins Wahlen sind also ganz sicher nicht das, was die politische Situation in Russland verändert. Und sie sind ganz sicher nicht das, was die Situation rund um den russisch-ukrainischen Krieg verändert.

Anders als die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Darauf muss man genau achten. Und übrigens muss man auch die europäischen Wahlen genau beobachten. Die Ergebnisse der Wahlen in zwei deutschen Bundesländern, deren Exitpolls gerade eingetroffen sind, zeigen ebenfalls, dass Russland in Europa weiterhin beharrlich arbeitet. Die Partei Alternative für Deutschland, die, wie Sie wissen, bei den vorherigen Landtagswahlen im Bundesland Sachsen-Anhalt die meisten Stimmen erhalten hatte und nur knapp die absolute Mehrheit verfehlte, mit der sie eine Regierung hätte bilden können, ohne auf die Position anderer Parteien Rücksicht nehmen zu müssen, triumphierte auch in einem anderen ostdeutschen Bundesland, in Mecklenburg-Vorpommern, mit 37 Prozent der Stimmen.

Die Christlich Demokratische Union, die Partei, an deren Spitze der derzeitige Bundeskanzler Friedrich Merz steht, schaffte es dagegen mit ungefähr fünf Prozent der Stimmen der Wähler, die sie in diesem Bundesland unterstützten, gerade noch in den Landtag. Und alle sagen, das sei ein vernichtendes Ergebnis. Tatsächlich würde ich aber sagen, dass es im Vergleich zu den Erwartungen ein Erfolg für die Christdemokraten ist, denn man hatte angenommen, dass sie überhaupt nicht in den Landtag einziehen könnten. Das wäre tatsächlich eine absolute Katastrophe für die Partei Friedrich Merz’ gewesen. Insofern kann man natürlich wohl auch nicht sagen, dass dies das schlechteste Ergebnis gewesen wäre, das es in der Geschichte der Christlich Demokratischen Union hätte geben können, aber es ist ganz sicher kein Ergebnis, das dazu beiträgt, die Position von Bundeskanzler Friedrich Merz zu stärken.

Auch in Berlin findet eine Art Revolution statt. Dort, wo bislang ein Vertreter der Christlich Demokratischen Union Regierender Bürgermeister war, ist die Linkspartei auf den ersten Platz gekommen. Das ist wiederum eine Partei, die aus dem Zusammenschluss derjenigen entstanden ist, die die Sozialdemokratische Partei Deutschlands verlassen hatten, mit den Nachfolgern der ehemaligen Kommunisten Ostdeutschlands, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Und diese Partei, die einst im Grunde Ost-Berlin regierte – damals war der Ost-Berliner Stadtchef Mitglied des Politbüros –, erhebt nun ebenfalls Anspruch auf das Amt des Regierenden Bürgermeisters von ganz Berlin.

Die Christlich Demokratische Union liegt deutlich hinter ihr. Und das ist ein ernsthaftes Problem sowohl für die Christlich Demokratische Union als auch übrigens für ihren Koalitionspartner, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die bei der Zahl der Stimmen nur auf den fünften Platz kam.

Wissen Sie, früher haben wir davon gesprochen, dass es in Deutschland zwei Volksparteien gibt. Das sind die Christlich Demokratische Union und die Sozialdemokratische Partei, die bei praktisch allen Bundestags- und Landtagswahlen die Mehrheit der Wählerstimmen auf sich vereinten, während alle anderen Parteien sozusagen nur die Beilage zu ihrem ewigen Kampf waren. Aber wenn wir uns nun die Wahlergebnisse im selben Berlin ansehen – denn Berlin ist kein typisches ostdeutsches Bundesland; Sie wissen, dass Berlin aus einem östlichen und einem westlichen Teil besteht.

Die Einwohner des westlichen Teils lebten im politischen Raum im Grunde in dem der Bundesrepublik. Sie wurden mit niemandem vereinigt. Sie wählten praktisch so, wie die Westdeutschen wählten. Und wir sehen, dass dort die Linkspartei auf dem ersten Platz liegt, danach die Christlich Demokratische Union, danach die Alternative für Deutschland, danach die Grünen und erst dann die Sozialdemokraten.

Wo sind also diese deutschen Volksparteien, die miteinander um die Macht kämpfen? Das ist in der gegenwärtigen Situation des politischen Prozesses vollkommen vorbei. Und selbst wenn die Alternative jetzt in einigen weiteren Bundesländern noch nicht an die Macht kommt, verstehen wir zugleich sehr gut, dass sich solche Tendenzen zumindest im Osten Deutschlands verstärken. Das bedeutet nicht, dass die Alternative für Deutschland eine Regierung für ganz Deutschland bilden kann, wo ihre Popularität in den westlichen Bundesländern geringer ist als im Osten.

Aber genau damit arbeitet Putin, denn er versteht sehr gut, dass Friedrich Merz einer der europäischen Politiker ist, die bereit sind, sich dem Kreml entschlossen entgegenzustellen, und dass er diese Bereitschaft nicht verbirgt. Und Moskau muss die Position jener Menschen schwächen, die erstens keine Vereinbarung über die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Kreml treffen wollen und zweitens bereit sind, der Ukraine mit Geld und Waffen zu helfen.

Denn in Moskau hat man eine ziemlich einfache Schlussfolgerung gezogen: Die Vorstellung, dass die Ukraine nach den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten 2024 zur Kapitulation gezwungen sein würde, weil sie keinerlei Möglichkeiten mehr hätte, Widerstand zu leisten, ist gescheitert – selbst als Trump die tatsächliche finanzielle Unterstützung für die Ukraine wirklich aussetzte und man begann, uns Waffen für europäisches Geld zu verkaufen.

Es stellte sich heraus, dass die europäische Unterstützung im Prinzip ausreicht, damit die Ukraine nicht nur weiterhin gegen die russische Aggression kämpfen, sondern auch mit einer systematischen Zerstörung der russischen Wirtschaft beginnen kann, die für Russland in nicht allzu ferner Zukunft in Trümmern enden könnte. Und wir wünschen dem russischen Staat aufrichtig genau diese unermesslichen Ruinen. Wir verstehen, dass der Zusammenbruch des wirtschaftlichen Potenzials der Russischen Föderation und eine Krise in diesem aggressiven Terrorstaat für die gesamte zivilisierte Welt ein Geschenk der Ukraine wären, man kann sagen: ein gewaltiges, nicht nur für uns.

Nun, aber die Russen verstehen ebenfalls, worauf sie zusteuern. Glauben Sie etwa, Putin sei ein Dummkopf? Er versteht alles sehr gut. Er will nur nicht, dass dies seinen Kampf gegen uns behindert. Aber die Schlussfolgerung ist einfach. Um gegen die Ukraine kämpfen zu können, muss die europäische Hilfe für die Ukraine gestoppt werden. Um die Hilfe für die Ukraine zu stoppen, muss Europa destabilisiert werden.

Europa kann auf verschiedene Weise destabilisiert werden.

  • Eine dieser Möglichkeiten besteht darin, irgendwelche Sabotageakte zu verüben, Drohnen zu schicken, Raketen zu schicken.

Und übrigens ist auch das Teil des politischen Prozesses, denn wir verstehen, dass Putin davon ausgehen kann, dass eine solche Instabilität, insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern, der Alternative für Deutschland dabei hilft, die Menschen davon zu überzeugen, dass man die Zusammenarbeit mit Russland wiederaufnehmen und der Ukraine nicht helfen müsse – und dann werde es auch keine Raketen und Drohnen geben.

  • Die zweite Möglichkeit besteht darin, die Position jener Politiker zu schwächen, die für die Unterstützung der Ukraine gegen Russland eintreten.

Diese Unterstützung für die Alternative, deren führende Vertreter bildlich gesprochen in der russischen Botschaft übernachten, ist Teil dieser Arbeit zur Destabilisierung Deutschlands und dazu, den Politikern, die bereit sind, eine Alternative zu Putin zu sein, den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Aber ich weiß nicht, inwieweit das alles tatsächlich funktionieren kann, denn wir haben bereits Situationen erlebt, in denen ultrarechte Politiker an die Macht kamen. Ja, vielleicht nicht so umstritten wie die führenden Vertreter der Alternative, aber die Alternative ist schließlich noch sehr weit von der Macht entfernt.

Nun, Giorgia Meloni, die Vorsitzende der Partei Fratelli d’Italia, einer typischen ultrarechten politischen Partei, schloss sich mit anderen rechten und mitte-rechts stehenden politischen Parteien Italiens zu einer Regierungskoalition zusammen, in der sogar ein, wie ich sagen würde, Putin-Sympathisant wie Matteo Salvini als stellvertretender Ministerpräsident tätig ist. Aber nein, Meloni erwies sich als eine der entschlossensten Kritikerinnen Putins in der Europäischen Union. Sie trat immer für die Unterstützung der Ukraine ein. Selbst als dies die Beziehungen zum Weißen Haus zu gefährden drohte, nachdem Trump dort bereits eingezogen war.

Marine Le Pen, eine reale Kandidatin für das Amt der Präsidentin der Französischen Republik. Eine, die immer wieder reale Chancen hat. Sie ist mehrfach in die zweite Runde gekommen. Und jetzt ist es vielleicht das erste Mal, dass sie diese zweite Runde voraussichtlich gewinnen könnte. Aber es ist auch das erste Mal, dass sie auf dem Weg zu dieser zweiten Runde und sogar schon zur ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl hart über Russland spricht und von der Notwendigkeit spricht, der Ukraine zu helfen. Sowohl sie als auch der Vorsitzende ihrer Partei Rassemblement National, Jordan Bardella. Und wir sehen, dass sie schlicht das Bedürfnis verspüren, sich von Putin zu distanzieren, weil sie zu verstehen beginnen, dass Verbindungen zum Kreml einer wirklichen politischen Karriere nicht helfen, sondern sie behindern.

Das heißt, wenn jemand in seinem Land tatsächlich an der Schwelle zur Macht steht – vielleicht gilt das für die Vereinigten Staaten weniger als für Europa, aber dennoch –, versteht er, dass übermäßige Sympathien für Putin und Verbindungen zum Kreml faktisch den nationalen Interessen des Landes widersprechen, das er führt, und ihm nicht die Möglichkeit geben, sich als Politiker und natürlich als künftiger Präsident des Landes zu verwirklichen. Und es kann sein, dass Putin enorme Anstrengungen unternehmen und anschließend enttäuscht sein wird.

Nun, hören Sie, schließlich haben wir auch ukrainische historische Beispiele. Moskau unternahm unglaubliche Anstrengungen für den Sieg Leonid Kutschmas 1994 und Viktor Janukowytschs 2010. In Moskau freute man sich tatsächlich über den Sieg Volodymyr Zelenskys 2019. Der einzige dieser Präsidenten, der einfach begann, das politische Programm Moskaus umzusetzen und damit den ukrainischen Staat faktisch zu zerstören – vielleicht aus Gier, vielleicht aus Dummheit, vielleicht weil er immer nur ein gewöhnlicher bezahlter Agent der russischen Geheimdienste gewesen war –, war Janukowytsch. Er verlor schließlich die Macht und war gezwungen, über eine von den Russen vorbereitete Route zu fliehen, um ihnen die Annexion der Krim zu erleichtern.

Sowohl Kutschma als auch Zelensky begannen, nachdem sie Präsident der Ukraine geworden waren – der eine schneller, der andere langsamer –, zu erkennen, dass die Bereitschaft, vor dem Kreml zu kapitulieren, nicht nur den staatlichen Interessen der Ukraine widerspricht, sondern auch den Interessen ihres eigenen politischen Überlebens. Nun, auch das ist ein ganz gutes Beispiel, nicht wahr, über das man ebenfalls sprechen muss. Warum sollte sich das also nicht auf europäischer Ebene wiederholen können? Das kann durchaus geschehen, und auch das ist ein wichtiger Punkt.

Nun, das sind einige erste Randnotizen zu diesem lang erwarteten Telefongespräch des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump.

Ich werde auf einige der Fragen antworten, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage. Warum versuchen die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien nicht einmal, die Huthis in die Schranken zu weisen, die inzwischen völlig außer Kontrolle geraten sind und allzu ernsthafte Probleme für die Weltwirtschaft schaffen könnten?

Portnikov. Nun, Saudi-Arabien versucht durchaus, die Huthis in die Schranken zu weisen. Es stellt sich nur heraus, dass Saudi-Arabien dafür nicht über genügend militärisches Potenzial verfügt. Und dass der Kampf gegen Ansar Allah für Saudi-Arabien ungefähr dasselbe ist, wie es für die Vereinigten Staaten der Krieg gegen den Iran oder für Israel beispielsweise der Kampf gegen die Hisbollah war, solange man sich nicht unmittelbar auf dem Territorium befindet, das man säubern kann. Aber selbst dann kann man sie nicht alle vernichten, weil sie sich in Gebiete zurückziehen, zu denen man keinen Zugang hat.

Im Jemen ist die Situation noch komplizierter, das Gelände ist noch schwieriger, und die Vereinigten Staaten wollen sich tatsächlich nicht darauf einlassen, weil Trump vor den Wahlen große Angst vor jeder ernsthaften Eskalation hat. Und wiederum glaube ich, wie in allen anderen Fällen, dass er meint, mit Ansar Allah eine Vereinbarung treffen zu können. Zumal die jemenitischen Huthis sagen, sie würden keine amerikanischen Schiffe angreifen, es handle sich ausschließlich um einen Konflikt mit Saudi-Arabien. Trump lässt sich darauf ein. Warum folgt er dieser Logik? Ich glaube, das ist eine Geschichte, die aus einer falschen Einschätzung der Möglichkeiten des Iran entstanden ist. Wer sich an der Milch verbrannt hat, bläst bekanntlich auf das Wasser.

Frage. Wenn Putin nicht genug Geld für den Krieg hat, wie viel Zeit wird Russland brauchen, um seine Wirtschaft wiederherzustellen und erneut anzugreifen?

Portnikov. Ich glaube, die Frage ist falsch gestellt. Ich erinnere Sie immer wieder an eine sehr wichtige Sache. Es hätte niemals einen russischen Angriff auf die Ukraine gegeben, wenn Russland nicht davon überzeugt gewesen wäre, innerhalb weniger Tage einen Blitzkrieg erfolgreich abschließen zu können, und wenn es den ukrainischen Staat nicht für einen schwachen Staat gehalten hätte: institutionell schwach, nicht auf einen Angriff vorbereitet und mit einer Staatsführung, die sich faktisch in einer mentalen Falle der russischen Führung befand.

Die Vorstellung von der Möglichkeit eines solchen Blitzkriegs entstand erst nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2019 und dem Treffen Putins und Zelenskys in Paris, bei dem Zelensky Putin zeigte, dass er nicht kapitulieren würde, während Putin ihn nach seinem eigenen Wertesystem als Verräter und Schwächling einschätzte. Denn wir verstehen sehr gut, dass Zelensky ihn in der realen Welt nicht verraten hat, aber in Putins Wertewelt hat Zelensky, der selbst Teil der „russischen Welt“ hätte sein sollen und, wie Putin sagte, Angst vor den Nationalisten bekommen habe, Verrat begangen.

Und denken Sie außerdem daran, dass man die Wahlen von 2019 in Russland als Wunsch der überwältigenden Mehrheit der Ukrainer deutete, sich mit dem Kreml zu einigen und vor ihm zu kapitulieren. Man glaubte, die russischen Truppen würden mit Applaus empfangen. Wären die Ergebnisse von 2019 anders gewesen und hätte Putin die Ukraine danach natürlich nicht für einen schwachen Staat und Zelensky nicht für einen Menschen gehalten, der vor ihm kapitulieren müsse, dies aber nicht wolle, wäre all das nicht geschehen. Im Grunde ist der tatsächliche Weg zum großen Krieg ein direktes Ergebnis der Abstimmung von 2019 und der Bewertung dieser Abstimmungsergebnisse durch russische Politiker.

Warum erinnere ich daran? Nicht nur, damit jeder, der an den Wahlprozessen in der Ukraine beteiligt war, seine Verantwortung für alles spürt, was geschieht, und versucht, in Zukunft keine Einschätzungen vorzunehmen und keine Wahlentscheidungen zu treffen, die ihn und seine Angehörigen das Leben, die Gesundheit und ihr Schicksal kosten können. Man muss die Menschen einfach davon abhalten, selbst noch am Rand des Grabes muss man sie davon abhalten. Und das ist eine wichtige Aufgabe für mich.

Russland hätte eine starke Ukraine, die sich auf einen Krieg vorbereitet hätte, nicht angegriffen. Wenn Russland verstanden hätte, dass ihm ein jahrelanger Krieg droht, dass Raketen auf sein Territorium niedergehen könnten und dass seine Bürger in großer Zahl sterben würden, hätte es diesen Krieg nicht begonnen, sondern nach anderen Wegen gesucht. Wenn man natürlich bereits in einem Blitzkrieg steckt, alles bereits geschehen ist und man eine Beendigung des Krieges als Niederlage betrachten kann, handelt man anders. Aber solange er noch nicht begonnen hat, denkt man über die Risiken nach.

Die Situation ist also sehr einfach. Man sollte nicht fragen: Wenn Putin kein Geld mehr hat, wie viel Zeit wird er brauchen? Man sollte so fragen: Wenn die Ukraine eine militarisierte Festung ist, deren Gesellschaft zur Verteidigung bereit ist, wird es keinen russischen Angriff geben. Wenn sich die Ukraine erneut in ein Land verwandelt, in dem die Menschen nicht in der Lage sind, die Gefahr einzuschätzen, wird der Angriff auf jeden Fall stattfinden, ganz gleich, wie wenige Kräfte Russland haben mag, und erneut werden Tausende Ukrainer unter Raketen und Bomben sterben. Das verspreche ich Ihnen nicht, das garantiere ich Ihnen. Eine schwache Ukraine ist der Weg zu ihrem Tod. Eine starke Ukraine ist der Weg zum Frieden.

Der ukrainische Sozialstaat muss demontiert werden. Die Prioritäten müssen andere sein: Verteidigung, Verteidigung und noch einmal Verteidigung – auf Kosten des Wohlstands, leider für eine ziemlich lange Zeit. Wie, glauben Sie, hat Israel von 1948 bis ungefähr 1988 überlebt, bis es gelang, gewisse Voraussetzungen für Frieden zu schaffen? Auf Kosten des Wohlstands. Deshalb bin ich völlig bereit, der überwältigenden Mehrheit der Menschen den Wohlstand zu verweigern, damit Sie überleben und Ihre Kinder nicht beerdigt werden müssen.

Natürlich darf es, wenn dieser Preis beim Wohlstand gezahlt werden soll, auch nicht dazu kommen, dass das Geld dieser armen Menschen gestohlen wird, die in der Ukraine in den kommenden militarisierten Jahrzehnten leben werden. Auch das ist eine wichtige Voraussetzung, aber an all dem wird man arbeiten müssen. Und übrigens verstehen Sie doch, dass unsere Armut schnell enden wird, wenn es uns vor diesem Hintergrund noch gelingt, der Europäischen Union beizutreten.

Dann wird bei uns eine wirkliche wirtschaftliche Entwicklung beginnen, zumindest nicht in der Nähe der Grenzen zur Russischen Föderation, sondern dort, wo man sich voraussichtlich gegen mögliche Angriffe verteidigen kann. Und in 20 oder 30 Jahren könnte sich Russland selbst verändern, aber das ist dann bereits eine Frage des Überlebens nicht einmal unserer Kinder, sondern unserer Enkel und nicht mehr unsere eigene.

Frage. Stellen Sie sich Wahlen in der Ukraine vor. Wie viele Menschen würden für eine Friedenspartei stimmen?

Portnikov. Das wird davon abhängen, welche Ideen diese Partei tatsächlich vertritt. „Friedenspartei“ ist schließlich nur eine bedingte Bezeichnung. Sie werden sagen: „Wir werden uns mit Putin einigen.“ Aber welche Wege zu einer solchen Einigung werden sie vorschlagen? Es wird davon abhängen, wann der Krieg endet. Gegenwärtig gibt es keinerlei objektive Voraussetzungen dafür, dass er endet und wir Wahlen abhalten, nicht einmal in absehbarer Zukunft. Wie groß wird die Bevölkerung in dem Gebiet sein, das nicht nur vor russischen Truppen, sondern auch vor russischen Angriffen bewahrt wurde? Wie wird diese Bevölkerung zusammengesetzt sein? Wir wissen nichts. Wir befinden uns erst in der ersten Phase der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation, erst die ersten viereinhalb Jahre des großen Krieges sind vergangen. Wir können über die nächsten viereinhalb Jahre nachdenken, falls es uns nicht gelingt, das wirtschaftliche Potenzial Russlands zu zerstören.

Warum also prognostizieren, was nach Jahren, Jahren und noch mehr Jahren dieses großen Krieges geschehen wird? Beeilen Sie sich nicht. Wenn es Frieden gibt, werden wir über eine Friedenspartei sprechen. Derzeit sind für die nächsten Jahre keinerlei Voraussetzungen für die Entstehung einer Friedenspartei absehbar, weil Krieg, Krieg und noch viele Male Krieg absehbar ist, falls es uns nicht gelingt, Putins Potenzial zu zerstören.

Frage. Glauben Sie wirklich an eine plötzliche Erleuchtung Le Pens? Vielleicht ist das nur eine vorübergehende Veränderung der politischen Stimmung.

Portnikov. Ich glaube überhaupt nicht an die Erleuchtung von Politikern. Politiker erleben keine Erleuchtung. Sie erkennen einfach, was aus Sicht ihrer eigenen Interessen und ihrer Karriereentwicklung für sie vorteilhaft ist. Und manche können, selbst wenn sie Rechtspopulisten sind, der Ansicht sein, dass ihre Karriereentwicklung nicht von den nationalen Interessen zu trennen ist. Sie werden doch nicht bestreiten, dass Marine Le Pen eine erfahrene Politikerin ist. Ihre Ansichten mögen uns nicht gefallen, aber sie ist eine Politikerin mit enormer Erfahrung, ein Idol ultrarechter Kräfte in ganz Europa. Ich erinnere mich noch daran, dass man, als die Partei Recht und Gerechtigkeit in Polen auf dem Weg an die Macht war, in allen polnischen Publikationen, die Jarosław Kaczyński unterstützten, Titelseiten mit dem Gesicht Marine Le Pens sehen konnte. Und so war es von Warschau bis Lissabon. Sie ist eine Heldin. Deshalb riskiert sie nichts, wenn sie ihre Positionen öffentlich macht. Sie beginnt lediglich zu verstehen, wie sich diese Positionen auf ihre künftigen Chancen auswirken und in welchem Verhältnis Russland heute tatsächlich zu den Interessen Frankreichs steht. Das ist schließlich eine neue Situation. Nein, sie hat also keine Erleuchtung erlebt. Sie hat einfach verstanden, wie sich die politische Konjunktur verändert hat. Und auch das sind sehr wichtige Punkte, über die gesprochen werden muss, wenn wir die weitere Entwicklung der Ereignisse in Europa erörtern.


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Titel des Originals: Зеленський поговорив з Трампом: головне
| Віталій Портников. 20.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 20.09.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Die Ukraine bereitet sich auf Verhandlungen vor | Vitaly Portnikov. 12.09.2026.

Der Leiter des Büros des Präsidenten der Ukraine, Kyrylo Budanow, sagt, dass Kyiv sich bereits für Oktober dieses Jahres auf Verhandlungen mit den Russen vorbereitet.

Budanow sagte nicht, wo genau diese Verhandlungen stattfinden könnten, bestätigte jedoch, dass wir es mit einem trilateralen Format zu tun haben werden, bei dem eine amerikanische Delegation die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über ein mögliches Ende des russisch-ukrainischen Krieges begleiten wird.

Sollten die Verhandlungen tatsächlich stattfinden, wäre dies das wichtigste Ergebnis der Reise der Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff und Jared Kushner, in die russische und die ukrainische Hauptstadt. Dabei sollte man jedoch nicht vergessen, dass Verhandlungen während laufender Kampfhandlungen keineswegs zwangsläufig zu einer konkreten Entscheidung führen müssen, die diese Kampfhandlungen zum Stillstand bringen würde. Im Gegenteil: Sie können von Russlands Präsident Putin dazu genutzt werden, den russisch-ukrainischen Krieg fortzusetzen.

Man sollte auch bedenken, dass die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine in Anwesenheit amerikanischer Vermittler vor den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten stattfinden werden – Wahlen, die über das Schicksal von Präsident Donald Trump entscheiden können, was seine Möglichkeiten betrifft, in den kommenden Jahren seiner Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten Entscheidungen durchzusetzen, die für ihn und sein Team von grundlegender Bedeutung sind.

Und so kann Putin bereits die bloße Tatsache, dass Verhandlungen über ein Ende des Krieges stattfinden, als ein echtes politisches Geschenk an Donald Trump betrachten. Das tatsächliche Ende des Krieges dagegen muss keineswegs zu den Plänen des russischen Staatschefs gehören.

Das lässt sich im Grunde auch an der Reaktion russischer Funktionäre auf einen weiteren Vorschlag des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky für ein Treffen mit Putin erkennen. Der ukrainische Präsident, der bereits mehrfach vorgeschlagen hatte, sich mit seinem russischen Amtskollegen zu treffen, und jedes Mal nicht einfach nur eine Absage, sondern den Vorschlag erhielt, nach Moskau zu kommen, ist nun erneut auf genau diese Reaktion gestoßen.

Zelensky schlug vor, ein Treffen zwischen ihm und Putin während des G20-Gipfels in Miami abzuhalten, obwohl bislang nicht bekannt ist, ob der russische Präsident überhaupt in die Vereinigten Staaten fliegen wird, um an einem solchen Format teilzunehmen. Doch im Kreml betonte man sofort – ohne auch nur zu erklären, ob Putin überhaupt bereit ist, am G20-Format teilzunehmen –, dass bereits der Vorschlag an Zelensky, nach Moskau zu kommen, ein gewaltiges Zeichen der Kompromissbereitschaft seitens der russischen politischen Führung sei.

Das sagte unter anderem der Leiter des russischen Außenministeriums, Sergej Lawrow, der für seine propagandistischen Antworten auf jegliche politischen Vorschläge aus Kyiv bekannt ist. Die gleiche Antwort gab auch der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, dem ukrainischen Präsidenten.

Nun, und wir verstehen sehr gut, dass niemand im Kreml die Möglichkeit eines Treffens zwischen den Präsidenten der Ukraine und der Russischen Föderation in Moskau als etwas Reales betrachtet. Wenn man in der russischen Hauptstadt davon spricht, dass Zelensky nach Moskau kommen müsse, dann meint man damit in erster Linie eine Kapitulation der Ukraine zu russischen Bedingungen und wünscht, dass diese Kapitulation gerade in der russischen Hauptstadt stattfindet.

Man sollte aber nicht glauben, dass Putin, Lawrow und Peskow nicht begreifen, dass Zelensky nicht nach Moskau fahren wird. Und man sollte nicht glauben, dass sie diese Bedingung in der Hoffnung stellen, dass ein Treffen zwischen den Präsidenten der Ukraine und der Russischen Föderation in Moskau tatsächlich stattfinden wird. Nein, sie sind gerade an einem solchen Treffen überhaupt nicht interessiert. Das ist der wichtigste Punkt, den man erwähnen muss, wenn wir über ihre Haltung zu einem solchen Dialog sprechen.

Wir wissen natürlich nicht, was Zelensky meint, wenn er von einem Treffen mit Putin spricht: ob er sich tatsächlich immer noch mit dem russischen Präsidenten treffen möchte und darauf hofft, dass ein solches Treffen den Krieg beenden könnte, oder ob er eine solche Initiative vorbringt, damit der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump und unsere europäischen Partner die Friedfertigkeit der ukrainischen Führung und des ukrainischen Staates sowie unsere Bereitschaft zu Verhandlungen mit Russland sehen.

Doch das Wichtigste sind nicht Zelenskys Motive, sondern Putins Motive. Und Putin hat, wie wir sehen, nicht vor, sich mit seinem ukrainischen Amtskollegen zu treffen, und hatte dies, wie mir scheint, auch seit dem ersten und letzten Treffen dieser beiden Präsidenten in Paris während des gescheiterten Versuchs, das sogenannte Normandie-Format wiederzubeleben, nie vor. Und gerade die Tatsache, dass der Präsident der Russischen Föderation nicht vorhat, sich mit dem Präsidenten der Ukraine zu treffen, sondern weiterhin auf Gewalt, auf Raketen und Shaheds, auf die Jagd nach der ukrainischen Zivilbevölkerung setzt, stellt irgendwelche realen Ergebnisse jeglicher Verhandlungen zwischen Moskau und Kyiv infrage, selbst wenn diese im Oktober tatsächlich wieder aufgenommen werden.

Ja, ich bin der Ansicht, dass allein die Wiederaufnahme der Verhandlungen bis zu einem gewissen Grad ebenfalls ein diplomatischer Sieg Washingtons und Kyivs ist, weil Moskau erklärt hatte, es werde die Verhandlungen erst dann wieder aufnehmen, wenn die ukrainischen Truppen die von uns kontrollierten Gebiete der Oblaste Donezk und Luhansk verlassen hätten. Und nun sehen Sie: Sie haben doch zugestimmt, die Verhandlungen wurden wieder aufgenommen, obwohl die ukrainischen Truppen ihre Stellungen weiterhin halten. In jeder anderen Hinsicht wirkt der Verhandlungsprozess bislang jedoch wie eine Totgeburt.

Eine wirkliche Veränderung dieses Verhandlungsprozesses könnte ich nur unter einer einzigen realen Bedingung erkennen: wenn die Führung der Russischen Föderation einer Waffenruhe zustimmt – genau jener Waffenruhe, die bereits im Februar 2025 keineswegs Zelensky, sondern der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump mit dem Präsidenten der Russischen Föderation zu vereinbaren versuchte. Zu Beginn seiner Zeit im Oval Office wollte Trump, dass gerade diese Waffenruhe zum Ausgangspunkt für echte russisch-ukrainische Verhandlungen wird.

Und wie wir sehen, hat Putin Trump sowohl diese Waffenruhe als auch eine Waffenruhe, die durch bestimmte Entscheidungen der Verhandlungsführer hätte vereinbart werden können, völlig kaltblütig verweigert und weiterhin darauf bestanden, dass die Verhandlungen während laufender Kampfhandlungen geführt werden – bis diese Verhandlungen schließlich tatsächlich unter diesen Bedingungen begannen. Verhandlungen, die während laufender Kampfhandlungen stattfinden, können aber nicht nur Gespräche über Frieden sein, sondern vor allem auch ein Instrument, mit dem das Land, das die Aggression begonnen hat, Druck auf das Opfer der Aggression ausübt. Und genau das geschieht im russisch-ukrainischen Verhandlungsprozess.

Und für uns ist es einfach wichtig, dass die Vereinigten Staaten, wenn wir solche Verhandlungen schon nicht verhindern können, sich nicht dem Druck auf unser Land anschließen. Und natürlich ist es ebenso wichtig, für die Russische Föderation selbst, für ihre Wirtschaft, ihre Energiewirtschaft und ihren militärisch-industriellen Komplex solche Bedingungen zu schaffen, dass bei Putin tatsächlich der Wunsch entsteht, echte Verhandlungen zwischen Moskau und Kyiv zu führen.

Aber in einer solchen Situation, denke ich, würde der russische Präsident zunächst über einen Waffenstillstand nachdenken und erst danach über Gespräche über einen umfassenden Frieden.


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Titel des Originals: Україна готується до перемовин | Віталій Портников. 12.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 12.09.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Wozu braucht Putin Witkoff und Kushner? Vitaly Portnikov. 07.09.2026.

Навіщо Путіну Віткофф і Кушнер. Віталій Портников. 07.09.2026.

Noch vor einigen Monaten erschien allein die Möglichkeit einer Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses zwischen Russland und der Ukraine unter Beteiligung amerikanischer Vermittler eher als politische Fantasie, obwohl sowohl in Moskau als auch in Kyiv neue Besuche von Steve Witkoff und Jared Kushner nicht ausgeschlossen wurden. Doch die Vermittler waren mit einer Sisyphusarbeit beschäftigt – der Suche nach Wegen zur Regelung der Lage nach dem Krieg mit Iran –, und auch im Kreml hatte man es mit Verhandlungen nicht eilig. Es sei daran erinnert, dass nicht die Amerikaner und nicht die Ukrainer den Konsultationsprozess verließen, sondern ausgerechnet die Russen. In Moskau wurde bis vor Kurzem betont, dass die Verhandlungen erst wieder aufgenommen werden könnten, nachdem Kyiv seine Truppen aus jenem Teil der Gebiete Donezk und Luhansk abgezogen habe, der weiterhin unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung steht. Bis dahin verweigert Putin jegliche Gespräche.

Doch dann kam der September – und die Vermittler reisten nach Moskau und Kyiv. Obwohl auf eine Regelung der Lage um Iran kaum zu hoffen ist. Obwohl die ukrainischen Truppen im Donbas bleiben. Und obwohl die russischen Angriffe auf Kyiv und andere ukrainische Städte weitergehen, gegen die man sich bislang nur schwer schützen kann.

Wir verstehen, wozu Zelensky die Wiederaufnahme der Verhandlungen braucht: Als Staatsoberhaupt eines Landes, das Opfer einer Aggression und von Zerstörungen geworden ist, ist er schlicht verpflichtet, nach Wegen zu einem gerechten Frieden zu suchen. Sowohl mit Blick auf die Erwartungen der eigenen Gesellschaft, die des endlosen Krieges müde ist, als auch mit Blick auf die Interessen der Partner, die möchten, dass Kyiv Chancen auf Frieden nicht zurückweist.

Wir verstehen, wozu Trump die Wiederaufnahme der Verhandlungen braucht, der sich einen Erfolg seiner Friedensbemühungen und Möglichkeiten zur Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Russland wünscht.

Und wir verstehen nicht so recht, wozu Putin die Wiederaufnahme der Verhandlungen braucht. Es sei denn, der russische Präsident ist tatsächlich über den Zustand seiner Wirtschaft besorgt und möchte die ukrainischen Angriffe beenden. Aber wie soll das ohne Vereinbarungen über Frieden geschehen?

Doch die Verhandlungen Witkoffs und Kushners in Moskau haben keine wirklichen Veränderungen der russischen Position erkennen lassen. Deshalb lässt sich Putins Bereitschaft zu Verhandlungen vorerst mit seiner üblichen Taktik der Zeitverzögerung erklären. Nur zieht Putin diesmal höchstwahrscheinlich nicht allein gegenüber Trump die Zeit in die Länge, sondern auch gegenüber den Staats- und Regierungschefs des Globalen Südens, den wirtschaftlichen Sponsoren Russlands – dem chinesischen Staatschef Xi Jinping und dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi. Putin traf sich mit beiden während des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Bischkek. Und übrigens änderte sich gerade danach der Ton seiner Äußerungen merklich.

Ein weiterer Grund, der Putins Haltung beeinflusst haben könnte, ist der Wunsch des russischen Präsidenten, seinen amerikanischen Amtskollegen beim APEC-Gipfel im November im chinesischen Shenzhen zu treffen. Es ist klar, dass Putins Weigerung, sich mit den amerikanischen Vermittlern zu treffen und Bereitschaft zur Suche nach Wegen zum Frieden zu demonstrieren, einem solchen Treffen im Wege stehen könnte. Zumal Putin noch eine ehrgeizigere Idee hat, die der Berater des russischen Präsidenten Juri Uschakow nach Putins Verhandlungen mit Witkoff und Kushner „ausplauderte“.

Es geht um die Abhaltung eines Dreiergipfels von Trump, Putin und Xi Jinping am Rande des Treffens in Shenzhen. Für Putin wäre ein solches Treffen ein gewaltiger Erfolg, weil es festhalten würde, dass er zu den führenden Politikern der heutigen Welt gehört und auf einer Stufe mit dem Präsidenten der USA und dem Staatschef der Volksrepublik China steht. Und auch Trump neigt bekanntlich zu einem solchen Format.

Und es ist durchaus möglich, dass die Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges Teil der Pläne des Kremls zur Organisation dieses Dreiertreffens geworden ist – und nicht mehr. Mit einem wirklichen Ende des Krieges und einem Übergang Russlands zu konstruktiveren und realistischeren Positionen dagegen könnte der Besuch der amerikanischen Vermittler überhaupt nichts zu tun haben.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Навіщо Путіну Віткофф і Кушнер.
Віталій Портников. 07.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 07.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Rubio verspricht Verhandlungen | Vitaly Portnikov. 09.09.2026.

Der Außenminister der Vereinigten Staaten Marco Rubio hat versprochen, in Kürze die Voraussetzungen für neue Verhandlungsrunden zwischen der Ukraine, Russland und den Vereinigten Staaten über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu schaffen.

Der Chef des US-Außenministeriums bewertete die jüngsten Gespräche positiv, die die Vertreter von Präsident Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, in der russischen und der ukrainischen Hauptstadt geführt hatten, und betonte, diese Gespräche hätten reale Möglichkeiten dafür geschaffen, dass sich die Seiten bei künftigen Treffen auf eine Beendigung des Krieges zu Bedingungen einigen könnten, die alle zufriedenstellen würden.

Zugleich warnte der Außenminister der Vereinigten Staaten, dass zwischen Moskau und Kyiv weiterhin ernsthafte Meinungsverschiedenheiten bestünden, die bislang nicht überwunden werden konnten und die man nicht ignorieren könne. Es könnte also sein, dass die optimistischen Prognosen des Außenministers, wie schon mehr als einmal zuvor, auf die unerbittliche Realität treffen werden, dass die russische Führung nicht bereit ist, irgendwelche wirklichen Verhandlungen unter Vermittlung der Vereinigten Staaten fortzusetzen.

Der Kreml versucht allerdings gerade, einen Streit mit Donald Trump zu vermeiden. Nachdem der amerikanische Präsident mit seinem russischen Amtskollegen gesprochen hat – ich möchte übrigens daran erinnern, dass auch noch ein Gespräch Trumps mit dem Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky stattfinden soll –, betonte der Berater des Präsidenten der Russischen Föderation Juri Uschakow, das Hauptthema des Gesprächs zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten sei die Wiederaufnahme der amerikanisch-russischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit im Falle einer Lösung der Frage nach der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges gewesen.

Wie man erkennen kann, ist genau das Trumps wichtigster Trumpf bei seinen Gesprächen mit Putin, mit dessen Hilfe er den russischen Präsidenten davon zu überzeugen hofft, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Doch so merkwürdig es auch klingen mag: Trump verfügt heute gerade im Hinblick auf die wirtschaftlichen Interessen des Kreml über mehr Möglichkeiten, auf Putin einzuwirken, als noch vor einigen Monaten. Und das ist kein großes Verdienst des amerikanischen Präsidenten selbst. Es ist ein Verdienst der Streitkräfte der Ukraine.

Denn je mehr für Russland wichtige Wirtschaftsobjekte die ukrainischen Soldaten zerstören, je häufiger die Erdölraffinerien der Russischen Föderation brennen und je weniger Möglichkeiten Russland hat, Öl aus seinen Häfen zu exportieren, desto größer wird das Interesse des russischen Präsidenten an einer Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation und an einer Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten.

Bis vor Kurzem war man in Moskau der Ansicht, alle mit den westlichen Sanktionen verbundenen Probleme gelöst zu haben und dass sich die Beendigung der Zusammenarbeit sowohl mit den Vereinigten Staaten als auch mit der Europäischen Union in keiner Weise auf die russische Wirtschaft auswirken werde, die Putin auf den Globalen Süden, auf China und Indien, umorientieren wollte. Doch nun zeigt sich, dass die Möglichkeiten, die Verluste durch die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Peking und Neu-Delhi auszugleichen, immer geringer werden. Zum einen deshalb, weil die Sanktionen gegen russisches Öl eben doch wirken und selbst Indien weniger davon kauft als noch vor einigen Jahren. Zum anderen deshalb, weil Russland inzwischen Probleme mit seiner Erdölverarbeitungsindustrie und mit dem Verkauf von Öl hat.

Jeder weitere Tag mit Angriffen auf die Erdölverarbeitung, jeder weitere Tag, an dem russische Ölhäfen zerstört werden, jeder weitere Tag, an dem die Europäer Jagd auf russische Tanker machen, die Öl transportieren, wird zusätzliche Probleme für die russische Wirtschaft schaffen. Und auf diese Weise wird Putin gezwungen sein, den Vorschlägen Donald Trumps ernsthafter Gehör zu schenken.

Das einzige Problem bei all dem ist die Frage, wann der Präsident der Russischen Föderation tatsächlich realistische Gespräche über die Beendigung des Krieges aufnehmen möchte. Dazu gibt es, wie wir wissen, zahlreiche widersprüchliche Informationen. Quellen aus dem Kreml betonen, Putin hoffe weiterhin darauf, dass es ihm gelingen werde, die gesamte Oblast Donezk zu erobern, und halte es zumindest für notwendig abzuwarten, wie die Ukraine den Winter 2026/2027 bewältigen wird.

Natürlich ist für Putin die Kapitulation unseres Staates und sein anschließendes Verschwinden von der politischen Weltkarte wichtiger als die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten. Und der russische Präsident kann schlicht davon ausgehen, dass die Amerikaner im Falle dieser Kapitulation ihre Beziehungen zu Moskau ohnehin wieder aufnehmen werden. Und deshalb besteht für ihn vorerst kein Grund zur Eile.

Die Amerikaner dagegen haben es eilig. Sowohl die Reise von Steve Witkoff und Jared Kushner in die russische und die ukrainische Hauptstadt als auch die Erklärungen des Außenministers der Vereinigten Staaten Marco Rubio über eine baldige Wiederaufnahme der Verhandlungen sowie die Tatsache, dass Steve Witkoff seinen europäischen Gesprächspartnern versprochen hat, Moskau werde sich nach den sogenannten Wahlen zur Staatsduma der Russischen Föderation, die bereits in den kommenden Wochen stattfinden werden, intensiver an den Verhandlungen beteiligen – all das zeigt, dass die Administration zumindest irgendein positives Ergebnis im Zusammenhang mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges vor den Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten erzielen möchte, die für Trump buchstäblich eine Frage des politischen Überlebens sind.

Und natürlich würde der amerikanische Präsident den Amerikanern vor diesen Wahlen gerne konkrete Erfolge zumindest auf außenpolitischem Gebiet präsentieren. Erfolge im Zusammenhang mit der Möglichkeit, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, mit der Beendigung der Krise im Nahen Osten und mit der Möglichkeit, die Kraftstoffpreise an den amerikanischen Tankstellen zu senken.

All diese Dinge hängen miteinander zusammen. Denn wenn es gelingt, das Feuer an der russisch-ukrainischen Front einzustellen oder zumindest eine Waffenruhe im Energiebereich zu vereinbaren, würde das automatisch bedeuten, dass die Ukraine die russische Erdölverarbeitungsindustrie und die Häfen der Russischen Föderation nicht mehr angreifen würde und Russland mehr Öl an die Länder des Globalen Südens verkaufen könnte. Für die Russen bleibt das in der nächsten Zukunft tatsächlich eine ziemlich wichtige Frage.

Wie dem auch sei: Die Worte des Außenministers der Vereinigten Staaten, wonach es Möglichkeiten gibt, den Verhandlungsprozess selbst wieder aufzunehmen, werden schon bald auf die Probe gestellt werden. Und möglicherweise werden der amerikanische und der ukrainische Präsident, die sich ebenfalls bereits in den kommenden Wochen in den Vereinigten Staaten treffen könnten, vielleicht am Rande der Generalversammlung, genau darüber sprechen.


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Titel des Originals: Рубіо обіцяє перемовини | Віталій Портников. 09.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 09.09.2026.
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Deutsche Übersetzung vonViktoriya Limbach,
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Trump wird Zelensky und Putin anrufen | Vitaly Portnikov. 07.09.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump wird den Präsidenten der Ukraine und den Präsidenten Russlands nach dem Besuch anrufen, den die Vertreter des amerikanischen Staatschefs Steve Witkoff und Jared Kushner in Kyiv und Moskau absolviert haben.

Wie berichtet wird, soll das Gespräch Trumps mit Zelensky und Putin, das bereits heute stattfinden wird, darauf abzielen, nach Möglichkeiten für eine Annäherung der Positionen der Seiten zu suchen sowie möglicherweise ein amerikanisch-ukrainisch-russisches Treffen zu organisieren, um Verhandlungen über Möglichkeiten zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu führen.

Die Tatsache, dass Trump bereit ist, unmittelbar nachdem seine Vertreter die ukrainische Hauptstadt verlassen haben, mit dem ukrainischen und dem russischen Präsidenten zu sprechen, zeigt, dass der amerikanische Präsident diesmal tatsächlich daran interessiert ist, zumindest irgendein reales Ergebnis bei der Regelung der Situation rund um den Krieg in der Ukraine zu erzielen.

Umso mehr, als die Wahlen zum amerikanischen Kongress, die bereits im November dieses Jahres stattfinden werden, für den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu einer ernsthaften Bewährungsprobe werden und Probleme in den Beziehungen zwischen der Administration und dem Kongress schaffen könnten. Und genau das versucht Trump jetzt zu verhindern.

Somit kann man sagen, dass der Besuch Witkoffs und Kushners in Moskau und Kyiv aus Sicht der amerikanischen Administration keineswegs zufällig und auch keine bloße Episode war. Doch es stellt sich die Frage nach den konkreten Inhalten.

Die Financial Times, die sich auf eigene Quellen in der Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten beruft, betont, dass die Vermittler lediglich aktualisierte Fassungen alter Dokumente in die russische und die ukrainische Hauptstadt mitgebracht hätten. Weder in Moskau noch in Kyiv brachten Witkoff und Kushner irgendwelche neuen Ideen dazu vor, wie man die Positionen der Seiten einander annähern und Voraussetzungen für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges schaffen könnte, und zumindest von der russischen Führung erhielten sie darauf auch keine ernsthafte positive Reaktion.

Der russische Präsident Putin hielt weiterhin an seiner harten und kompromisslosen Position hinsichtlich der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges fest, bestand auf dem Abzug der ukrainischen Truppen aus jenem Teil der Gebiete Donezk und Luhansk, der weiterhin unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung steht, und betonte außerdem, Russland werde seine Ziele auf jeden Fall mit Gewalt erreichen, wenn man in der ukrainischen Hauptstadt seinen Bedingungen nicht zustimme.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky betonte dagegen, dass die Ukraine ihre Truppen nicht aus einem Gebiet abziehen werde, das die Russen nicht erobern können.

Übrigens wurde gerade heute beim Institute for the Study of War betont, dass, selbst wenn die russische Armee das derzeitige Tempo ihres Vormarsches auf die ukrainischen Stellungen beibehält, die Russen erst in den 2030er-Jahren wirkliche Erfolge bei der Herstellung der Kontrolle über das gesamte Gebiet der Oblast Donezk erzielen könnten. Somit kann man davon ausgehen, dass Putin in einer Welt der Illusionen lebt, die zudem durch unrealistische Informationen seitens der militärischen Führung der Russischen Föderation genährt werden.

Aber es ist klar, dass die Amerikaner diesen Besuch ziemlich ernst nahmen. Witkoff und Kushner wurden von zahlreichen Beamten des Nationalen Sicherheitsrats der Vereinigten Staaten, des Außenministeriums sowie von Behörden begleitet, die für Sanktionen gegen die Russische Föderation und andere Staaten zuständig sind, die sich heute im Konflikt mit Washington befinden.

Man kann sagen, dass der Besuch der Vermittler diesmal tatsächlich auf staatlicher Ebene vorbereitet wurde, kein amateurhafter Besuch war, sondern von Beamten begleitet wurde. Das zeigt bereits, dass bei einer solchen Zusammensetzung der Delegation irgendwelche besonderen Absprachen hinter verschlossenen Türen nicht möglich waren und dass Beamte, die beispielsweise für die Sanktionen gegen die Russische Föderation zuständig sind, sowohl dem Sonderbeauftragten des russischen Präsidenten Kirill Dmitrijew als auch Putin selbst die Folgen der russischen Unnachgiebigkeit hinsichtlich der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges erläutern konnten.

Aber jetzt liegt das Wort natürlich bei Trump. Während seiner früheren Gespräche mit Putin stimmte der amerikanische Präsident wiederholt solchen Vorschlägen seines russischen Amtskollegen zu, die für die ukrainische Führung eindeutig inakzeptabel waren und weit entfernt von den Möglichkeiten ihrer Umsetzung im Sinne jenes gerechten Friedens lagen, den die Ukrainer anstreben. Doch jetzt hat Trump natürlich nicht nur keine Möglichkeit, ernsthaften Druck auf die Russische Föderation auszuüben, sondern auch keine Möglichkeit, ernsthaften Druck auf die Ukraine auszuüben.

Zumindest die Logik der vergangenen Wahlen in den Vereinigten Staaten und die Sympathie der überwiegenden Mehrheit der Wähler für die Ukraine erlauben es dem amerikanischen Präsidenten nicht, offen Druck auf Kyiv auszuüben und gerade von uns Zugeständnisse in der Frage der Beendigung des Krieges und die Erfüllung russischer Bedingungen zu verlangen.

Es ist jedoch offensichtlich, dass die Telefongespräche mit Putin und Zelensky auch für den ukrainischen Präsidenten zu einer schwierigen Bewährungsprobe werden können, weil der amerikanische Präsident Putins Bedingungen für die Beendigung des Krieges als seine eigenen Wünsche und als konstruktiven Ansatz ausgeben könnte. Erneut könnte die Frage jener Gebiete aufkommen, die die Ukraine im Austausch für die Beendigung der Kampfhandlungen aufgeben könnte.

Und außerdem wissen wir, dass ein solcher Ansatz auch bei einem bestimmten Teil der ukrainischen Gesellschaft Unterstützung findet, weil dort nicht verstanden wird, dass jegliche territorialen Zugeständnisse heute bereits morgen zu neuen Forderungen Russlands führen und keineswegs mit einem positiven Ergebnis enden werden.

Aber so oder so sehen wir, dass es dank des Besuchs Witkoffs und Kushners in der russischen und der ukrainischen Hauptstadt tatsächlich gelungen ist, den Verhandlungsprozess zwischen Russland und der Ukraine unter Vermittlung der Vereinigten Staaten wieder zu aktivieren. Und das ist zum heutigen Zeitpunkt das einzige reale Ergebnis, von dem man sprechen kann, wenn wir den Aufenthalt der Vermittler aus den Vereinigten Staaten in Moskau und Kyiv kommentieren.

Und natürlich ist es ebenfalls sehr wichtig, dass Russland in der Zeit, in der Witkoff und Kushner sich in der ukrainischen Hauptstadt aufhielten, seine barbarischen Angriffe auf Kyiv und auf die friedlichen Einwohner unserer Stadt eingestellt hat.


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Titel des Originals: Трамп зателефонує Зеленському і Путіну|Віталій Портников. 07.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 07.09.2026.
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Die Ankunft von Witkoff und Kushner: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 06.09.2026.

Der Besuch der Vertreter des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff und Jared Kushner, in der russischen und der ukrainischen Hauptstadt ist zu Ende gegangen. Diesem Besuch wurde, wie Sie wissen, besondere Aufmerksamkeit geschenkt, weil es sich faktisch um die erste derartige Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine unter Vermittlung der Vereinigten Staaten handelte, nachdem die Verhandlungen während der Angriffe der Vereinigten Staaten und Israels auf Iran faktisch eingefroren worden waren.

Aber man sollte daran erinnern, dass die Verhandlungen in Wirklichkeit weder von den Vereinigten Staaten noch von der Ukraine blockiert wurden, sondern dass die Russische Föderation selbst aus den Verhandlungen ausgestiegen war. Dabei stellte der Kreml als Bedingung für die Wiederaufnahme dieser Verhandlungen den Abzug der ukrainischen Truppen aus jenem Teil der Gebiete Donezk und Luhansk, der sich bis heute unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung befindet.

Dass der Verhandlungsprozess wieder aufgenommen wurde, obwohl im Donbas weiterhin schwere Kämpfe stattfinden und es der russischen Armee nicht gelingt, die Kontrolle über das gesamte Gebiet der Oblast Donezk zu erlangen, zeigt bis zu einem gewissen Grad, dass man im Kreml trotz aller Gespräche über eine Schwächung der Ukraine nicht sicher ist, ohne Verhandlungen auskommen zu können.

Aber die wichtigste Frage lautet: Wozu braucht die Russische Föderation diese Verhandlungen?

Viele mögen glauben, dass die Verhandlungen faktisch durch die Einladung initiiert wurden, die der Präsident der Russischen Föderation während seiner Pressekonferenz in Bischkek an Witkoff und Kushner richtete. Es ist klar, dass diese Verhandlungen im Voraus vorbereitet wurden und auch schon früher darüber gesprochen wurde, aber eine solche öffentliche Einladung könnte damit zusammenhängen, dass Putin eine Schwächung seiner Position spürt.

Ich gehe nicht davon aus, dass Putin darüber nachdenkt, die wirtschaftliche Lage in seinem Land sei inzwischen so schwierig, dass er gezwungen wäre, Verhandlungen aufzunehmen, deren Ziel die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges wäre. Ich habe wiederholt gesagt, dass Verhandlungen, die während fortdauernder Kampfhandlungen stattfinden, überhaupt keine Verhandlungen sind, sondern ein Spiel auf Zeit.

Dass Russland es sich erlaubte, die Angriffe auf Kyiv für einige Stunden einzustellen, einfach weil sich dort die amerikanischen Vermittler aufhalten würden, spricht gerade nicht dafür, dass Putin nach Frieden strebt, sondern dafür, dass er weiterhin Anhänger eines Konzepts ist, in dem Verhandlungen Teil des Krieges sind und erstens dazu dienen sollen, in den Beziehungen zu den Vereinigten Staaten Zeit zu gewinnen, und zweitens als Instrument für die Kapitulation der Ukraine dienen sollen, wenn man im Kreml entscheidet, dass sich sämtliche militärischen Anstrengungen sowohl gegen die ukrainische Front als auch gegen das ukrainische Hinterland bereits bemerkbar gemacht haben. Und dann wird man mit Kyiv ausschließlich noch über eine solche Kapitulation sprechen.

Eine weitere Motivation des Präsidenten der Russischen Föderation für die Wiederaufnahme dieses Verhandlungsprozesses könnte sein Treffen mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping in Bischkek gewesen sein. Es mag den Anschein haben, dass Xi Jinping, der grundsätzlich an einem langen russisch-ukrainischen Krieg interessiert ist, nicht an einer Form dieses Krieges interessiert sein kann, bei der die Wirtschaft der Russischen Föderation zerstört wird – die Wirtschaft eines Landes, das bekanntlich ein wichtiger strategischer politischer Partner sowie ein politischer und wirtschaftlicher Satellit der Volksrepublik China ist.

Und in dieser Situation ist Putin einfach gezwungen, eine gewisse Imitation eines Verhandlungsprozesses zu inszenieren – auch das ist verständlich –, damit man in China sieht, dass er den Krieg ohne erhebliche Verluste für die russische Wirtschaft beenden möchte. Obwohl diese erheblichen Verluste den russischen Präsidenten meiner Ansicht nach wesentlich weniger interessieren als den chinesischen Staatschef. Denn Putin ist es nicht gewohnt, in wirtschaftlichen Kategorien zu denken. Und manchmal scheint mir sogar, dass er gar nicht in diesen wirtschaftlichen Kategorien denken kann.

Wie bekannt ist, dauerten die Gespräche, die Steve Witkoff und Jared Kushner gestern im Kreml unter Beteiligung des russischen Präsidenten Putin und seiner engsten Mitarbeiter führten, dreieinhalb Stunden. Von amerikanischer Seite wurden überhaupt keine Erklärungen abgegeben.

Wir hörten ausschließlich die Erklärungen des Beraters des Präsidenten der Russischen Föderation, Uschakow, der, wie Sie wissen, solche Treffen immer kommentiert und so etwas wie Moskaus wichtigster News-Maker ist. Und Uschakow sagte im Grunde nichts Konkretes zu den Fragen, die mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zusammenhängen.

Er sagte, Putin habe Witkoff und Kushner erzählt, was weiter an der Front geschehen könne; Putin werde die wichtigen Ziele der sogenannten Spezialoperation weiterverfolgen und ändere seine Position grundsätzlich nicht; die russische Seite habe erneut über die Ursachen des Konflikts gesprochen und ihre Sicht der Dinge der Sicht von Witkoff und Kushner gegenübergestellt; und es seien dort nicht nur Fragen im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg, sondern auch Fragen wirtschaftlicher Kontakte zwischen Russland und den Vereinigten Staaten erörtert worden.

Und übrigens scheint mir, dass wir gerade heute verstanden haben, warum Putin Witkoff und Kushner im Kreml treffen wollte und was er ihnen tatsächlich anbieten wollte.

Das Wichtigste ist, dass Putin während des bevorstehenden APEC-Gipfels ein trilaterales Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und Russlands und des Staatspräsidenten der Volksrepublik China abhalten möchte. Das ist das Hauptziel dessen, dass Witkoff und Kushner die russische Hauptstadt besucht haben.

Ich halte es übrigens sogar für möglich, dass dies das Hauptziel der Reise des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten nach Moskau war.

Ich habe wiederholt gesagt, dass Trump der russisch-ukrainische Krieg als solcher in Wirklichkeit nicht besonders interessiert. Jetzt beschäftigt er sich ausschließlich mit den Zwischenwahlen. Die Ergebnisse des russisch-ukrainischen Krieges haben keinerlei Einfluss auf diese Wahlen. Deshalb erschien mir schon die Tatsache, dass Trump Witkoff und Kushner in die russische Hauptstadt schickt, um eine Frage zu lösen, die für die amerikanischen Wahlen keine Priorität besitzt, insgesamt merkwürdig.

Jetzt, da man in Moskau von der Möglichkeit eines solchen trilateralen Treffens spricht, denke ich, dass genau das das ist, was sie Trump verkaufen wollen. Und Trump, der bekanntlich von der Idee einer Aufteilung der Einflusssphären zwischen zwei – nein, nicht zwei, Entschuldigung – sondern drei Hauptakteuren lebt, zwischen Peking, Washington und Moskau, könnte diesen Köder schlucken und glauben, dass ein solches Treffen der Weltherrscher Trump, Putin und Xi Jinping Eindruck auf die republikanischen Wähler machen könnte.

Ob dieses Treffen tatsächlich stattfinden wird oder ob es bilaterale Treffen Trump–Putin, Putin–Xi Jinping, Xi Jinping–Trump und so weiter geben wird, ist allerdings unbekannt. Auch das ist also ein sehr wichtiger Punkt.

Gleichzeitig wird über die Möglichkeit eines trilateralen Treffens Russlands, der Vereinigten Staaten und der Ukraine gesprochen. Darüber sprach Steve Witkoff während seiner Verhandlungen in Kyiv. Aber es ist unbekannt, in welchem Format ein solches Treffen stattfinden könnte.

Offensichtlich ist es unwahrscheinlich, dass ein Treffen auf Ebene der Staatschefs in nächster Zeit stattfindet, und es geht ausschließlich um die Möglichkeit einer Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses, der vor dem Hintergrund der Kampfhandlungen ohnehin – erinnern Sie sich an diese Worte – keine greifbaren Ergebnisse bringen wird, sondern vom Kreml dazu genutzt werden wird, in den amerikanisch-russischen Beziehungen Zeit zu gewinnen, um neue Sanktionen gegen die Russische Föderation zu verhindern.

Witkoff und Kushner sagen Zelensky, dass sie vor dem Winter einen Durchbruch bei den Verhandlungen erreichen und an einem aktualisierten Friedensvorschlag arbeiten wollen. Was das bedeutet, weiß in Wirklichkeit niemand.

Denn zunächst hieß es, Witkoff und Kushner hätten Trumps alten Plan in die russische Hauptstadt gebracht. Der Präsident der Vereinigten Staaten selbst sagte, sie brächten nichts Neues nach Moskau. Jetzt ist plötzlich die Idee eines aktualisierten Vorschlags mit unbekannten Details aufgetaucht. Und auch Zelensky sagte, man müsse das erörtern, was die amerikanische Seite vorgeschlagen habe. Im Grunde haben wir nichts wirklich Konkretes gehört.

Witkoff sagte, in Moskau seien viele wichtige und substanzielle Ideen erörtert worden, die man nach Kyiv mitgebracht habe, und die Zusammenarbeit bei der Lösung dieser Probleme sei von entscheidender Bedeutung. Gerade deshalb waren bei dem Treffen die nationalen Sicherheitsberater europäischer Länder anwesend.

Und Witkoff betonte, dass beide Seiten gewisse Kompromisse eingehen und die Differenzen zwischen ihnen verringern müssten.

„Wir glauben, dass wir über die notwendigen Bestandteile verfügen“, sagt Witkoff, „um dieses Ziel zu erreichen. Wir sind entschlossen, es ist uns nicht gleichgültig. Und wir hoffen, dass all dies zu einer erfolgreichen, friedlichen, diplomatischen Regelung führen wird.“

Aber ich wiederhole noch einmal: All das ist wichtig, doch in diesen Worten steckt keinerlei Konkretes. Zum heutigen Zeitpunkt ist das einfach weißes Rauschen eines optimistisch gestimmten Vermittlers.

Zelensky sagt zugleich auf derselben Pressekonferenz mit Witkoff und Kushner, dass die Frage des Donbas die Frage des gesamten Krieges sei, dass sie eine der Schlüsselfragen bei den Verhandlungen über die Beendigung des Krieges sei und dass die Ukraine ihre Position hinsichtlich der Übergabe ihrer Gebiete im Donbas an Russland nicht ändern werde.

Ich möchte Sie davon überzeugen, dass die Frage des Donbas nicht die Schlüsselfrage dieses Krieges ist. Hier irrt sich der Präsident der Ukraine entschieden.

Der Donbas ist ausschließlich ein Brückenkopf, der dazu benutzt wird, die ukrainische Staatlichkeit selbst zu zerstören und die überwiegende Mehrheit der Ukrainer aus ihrem angestammten Siedlungsgebiet zu vertreiben, um die ukrainische Frage durch das Russische Imperium endgültig zu lösen.

So wird es kommen, wenn die Ukraine den Krieg verliert. Auf ukrainischem Boden wird es keine Ukrainer geben. Die Geschichte des ukrainischen Volkes in der Ukraine wird beendet sein. Und es wird einfach eine weitere über die Welt verstreute Diasporanation ohne eigenen Staat sein. So kann es bereits in den kommenden Jahren kommen, wenn der Krieg verloren wird.

Aber wenn die Ukraine den Donbas verteidigt, bedeutet das nicht, dass Russland nicht versuchen wird, andere ukrainische Gebiete zu erobern. Wenn die Ukraine den Donbas abgibt, bedeutet das nicht, dass Russland nicht von diesem Donbas aus andere ukrainische Regionen angreifen wird.

Wenn die Ukraine in den kommenden Jahren in der Lage sein wird, Russland seines militärischen und wirtschaftlichen Potenzials zu berauben, wird das bedeuten, dass der Krieg für eben diese Jahre aufhört, um später mit neuer Kraft wieder auszubrechen, falls die Ukraine in dieser Zeit keine entschlossenen Veränderungen ihrer eigenen Staatlichkeit mit dem Ziel einer maximalen Militarisierung und Befestigung durchführt.

Eine Ukraine, die keine Festung, kein militarisiertes Land ist, wird so oder so von der politischen Weltkarte verschwinden, selbst wenn sie der NATO beitritt.

Früher habe ich das nicht so gesehen. Aber jetzt, da wir verstehen, dass militärische Bündnisse infolge des schwindenden Sicherheitsverständnisses der Vereinigten Staaten selbst an Bedeutung verlieren, können nur die Länder selbst dafür sorgen, ihre Bürger vor der Perspektive des Verschwindens und der Flucht in andere Länder zu schützen, in denen später wiederum ein großer zerstörerischer Krieg beginnen wird.

Also nicht der Donbas. Und es ist völlig unrealistisch zu behaupten, der Donbas sei die Hauptgeschichte dieses Krieges.

Gleichzeitig muss man jedoch verstehen, dass Putin die Donbas-Frage in diesen Verhandlungen zur weiteren Destabilisierung der Situation in der Ukraine, zur Vertiefung des Bruchs zwischen Staatsführung und Gesellschaft, zwischen Staatsführung und Armee und zur Schaffung von Bedingungen nutzen wird, die es ermöglichen sollen, wesentlich größere ukrainische Gebiete zu besetzen. Auch das muss man verstehen, wenn wir über die Situation im Donbas sprechen.

Und wiederum werde ich der ukrainischen Führung nicht vorwerfen, es mangele ihr an Realismus. Denn anders als Witkoff und Kushner, die sagen, sie wollten den Krieg bis zum Winter beenden, sagt Zelensky realistisch, dass der Krieg auch im Winter weitergehen werde. Ich sage gleich, dass ich es für möglich halte, dass der Krieg auch im nächsten Winter, im Winter 2027/2028, weitergehen wird, wenn es uns nicht gelingt, das wirtschaftliche und demografische Potenzial Russlands zu verringern.

Objektive Voraussetzungen für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges gab es 2022 nicht, und es gibt sie auch 2026 nicht. Jetzt zeichnet sich lediglich eine Tendenz zur Entstehung solcher Voraussetzungen in den kommenden Jahren ab – falls es der Ukraine gelingt, die russische Wirtschaft zu zerstören.

Das ist der einzige realistische Weg, der die Annahme erlaubt, dass der Präsident der Russischen Föderation beginnen könnte, über eine Unterbrechung des Krieges gegen die Ukraine nachzudenken – um Kräfte zu sammeln für weitere zerstörerische Angriffe in der Zukunft, auf die wir vorbereitet sein müssen. Eine sehr einfache und, wie mir scheint, elementare Situation, die sich ebenfalls aus diesem Besuch ergibt.

Im Grunde ist also genau das geschehen, was wir erwartet haben. Weder in Moskau noch in Kyiv haben wir irgendwelche wirklich konkreten Aussagen darüber gehört, wie der Krieg enden könnte, und wir konnten sie auch gar nicht hören. Man kann nicht hören, was es nicht gibt. Man kann in dem dunklen Raum eines nicht vorhandenen Kompromisses nicht nach einer schwarzen Katze suchen.

Dann kann natürlich die Frage entstehen: Wozu trifft man sich überhaupt mit Witkoff und Kushner? Dafür gibt es, würde ich sagen, für jede Seite, die jetzt diese Treffen führt, ihre eigenen Voraussetzungen.

Putins Interesse ist für mich verständlich, und heute ist es noch verständlicher geworden. Putins Interesse besteht in seinem Wunsch, ein trilaterales Treffen Trump–Xi Jinping–Putin abzuhalten und zu demonstrieren, dass er ein Herr der Welt ist.

Sie verstehen doch, dass ein solches Treffen, sollte es beim APEC-Gipfel stattfinden, zu einem echten politischen Triumph für den Präsidenten der Russischen Föderation werden würde. Das ist genau jenes G3-Format, von dem sowohl Trump als auch Putin träumen. Es ist ein Format, das im Grunde einen Schlusspunkt unter jene Weltordnung setzt, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist.

Der APEC-Gipfel soll zu einem regelrechten politischen Umsturz mit unklaren Folgen werden und könnte uns im Grunde schneller in den Dritten Weltkrieg führen, als wir denken. Viel schneller. Dieser Express steht bereits am Bahnsteig, man muss nur noch die entsprechenden Knöpfe drücken, und dann wird alles derart losrasen, dass Sie es sich nicht einmal vorstellen können. Aber damit dieses trilaterale Treffen stattfinden kann, muss Putin Friedfertigkeit vorspielen.

Trump, der sich nicht mit Putin trifft, der nicht einmal mit dessen Vertretern sprechen und Verhandlungen führen will, kann sich nicht einmal ein bilaterales Treffen mit dem russischen Präsidenten erlauben, geschweige denn ein trilaterales.

Jetzt aber, nachdem Witkoff und Kushner die russische Hauptstadt besucht, dort mit Dmitrijew zu Mittag gegessen und mit Putin gesprochen haben, sind alle Schleusen sowohl für ein bilaterales Treffen der Präsidenten der Russischen Föderation und der Vereinigten Staaten von Amerika als auch grundsätzlich für einen trilateralen Gipfel China–USA–Russland geöffnet – sofern Washington und Peking dazu bereit sind. Das wäre ein echter politischer Triumph für Putin. Zweifeln Sie nicht daran.

Und damit verstehen wir sehr gut, warum Putin mit Kushner und Witkoff sprechen muss. Das hat überhaupt nichts Reales mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu tun.

Und nun der zweite, nicht weniger wichtige Punkt. Warum trifft sich Zelensky mit Witkoff und Kushner, obwohl er sehr gut versteht, dass sie sich mit Putin nicht über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges einigen können und dies vielleicht auch gar nicht anstreben?

Weil wir die Unterstützung der Vereinigten Staaten sichern müssen. Wenn Zelensky darüber scherzt, Witkoff und Kushner hätten die Rolle von Patriots gespielt – nun, seinerzeit spielten andere Vertreter der amerikanischen Administration, die in die Ukraine kamen, wie Sie sich erinnern, dieselbe Rolle. Wir haben sogar über diese Reisen des Vertreters des amerikanischen Präsidenten, Keith Kellogg, gelacht, der in der Administration keinerlei Einfluss hatte, dessen Status die Russen aber respektierten. Und wenn er zu völlig bedeutungslosen Besuchen kam, schossen sie wenigstens nicht.

Aber Scherz beiseite: Die Ukraine braucht Unterstützung. Die Unterstützung Amerikas ist für die Ukraine von entscheidender Bedeutung – sowohl hinsichtlich der Bereitstellung von Geheimdienstinformationen als auch hinsichtlich des Verkaufs von Waffen an Europa, die Europa anschließend uns zur Verfügung stellt. Auch das ist ein vollkommen verständlicher Teil unseres Interesses. Und wir können uns weder gegenüber den Amerikanern noch gegenüber den Europäern als Menschen darstellen, die keinen Frieden wollen. Das heißt, wir sind gezwungen, dieses Spiel mitzuspielen, das mit einem wirklichen Friedensprozess überhaupt nichts zu tun hat.

Sie können mich fragen: „Und wann wird dann ein wirklicher Friedensprozess beginnen?“

Erstens kann er auch niemals beginnen. Es kann einfach zu einem Abflauen des Krieges ohne irgendwelche Verhandlungen kommen, weil die Seiten so erschöpft sein werden, dass sie nicht mehr weiterkämpfen können.

Und ich hoffe, dass wir Russland so erschöpfen können, dass sie sich einigen wollen. Das ist der realistischste Ausgang jener Ereignisse, die mit dem großen russischen Angriff auf die Ukraine begonnen haben.

Und noch ein Punkt: Es gibt einen Indikator. Wenn eine Waffenruhe verkündet wird, wenn Witkoff eines schönen Tages gemeinsam mit Kushner nach Moskau kommt und sie sich mit Putin auf eine Waffenruhe einigen – dann verrate ich ihnen ein großes Geheimnis: Wenn Putin im russisch-ukrainischen Krieg eine Waffenruhe verkünden will, braucht er die Amerikaner überhaupt nicht.

Er hat übrigens selbst während seiner Pressekonferenz in Bischkek gesagt, dass Russland und die Ukraine sich über die Beendigung des Krieges einigen müssten. Der springende Punkt ist, dass die Amerikaner dort überhaupt nicht gebraucht werden.

Putin führt nicht deshalb Verhandlungen mit den Amerikanern, damit sie Vermittler im russisch-ukrainischen Konflikt sind. Er braucht ihre Vermittlung überhaupt nicht. Er trifft sich mit ihnen, um anderen Möglichkeiten der Amerikaner, Druck auf Russland auszuüben, zuvorzukommen.

Und wenn Putin zu der Auffassung gelangt, dass er den Krieg tatsächlich beenden muss – ich weiß nicht, ob das überhaupt geschehen wird, bislang sehe ich dafür keine Voraussetzungen –, wird er einfach eine Möglichkeit finden, damit irgendein Abramowitsch sich mit einem hypothetischen Arachamija trifft.

Und danach verkünden die Generalstabschefs der Streitkräfte der Ukraine und der Russischen Föderation eine Waffenruhe, und das war’s. Erst danach beginnt der Friedensprozess. Und die Teilnahme an diesem Friedensprozess wird für die Vermittler ein politischer Preis sein.

Wenn Putin Trump ein solches Geschenk machen will – oder vielleicht wird es um denjenigen gehen, der nach 2028 Präsident der Vereinigten Staaten sein wird –, dann ist auch das eine vollkommen realistische Variante für das Ende dieses Krieges. Er kann sie als Vermittler einladen. Wenn er der Ansicht ist, dass er die Amerikaner nicht braucht, wird er ihnen ein solches Geschenk nicht machen.

Wenn wir den Europäern ein Geschenk machen wollen und uns darauf einigen, dass auch die Russen bereit sind, dies zu berücksichtigen, laden wir die Europäer zu den Verhandlungen ein.

Wenn jemand China ein Geschenk machen will – ich halte es für möglich, dass dies in einer solchen Situation sowohl der Präsident Russlands als auch der Präsident der Ukraine sein könnte –, dann wird China bei diesen Verhandlungen vermitteln.

Aber die Rolle des Verhandlers, die Rolle des Vermittlers bei den Verhandlungen, ist rein dekorativ. Verstehen Sie das? Dekorativ.

Die Vereinigten Staaten spielen eine dekorative Rolle, weil sie erstens keinerlei wirksame Instrumente besitzen, um Druck auf die Russische Föderation auszuüben. Sie haben keine mehr, sie können kaum noch etwas tun. Und nach dem Krieg gegen Iran können sie überhaupt nichts mehr tun.

Sie beschweren sich sogar über die Ukraine, weil sie das Ölgleichgewicht in der Welt durcheinandergebracht habe. Das ist das Ergebnis, das wir von amerikanischen Regierungsvertretern hören, von Finanzminister Bessent, von Energieminister Wright. Sie beschuldigen die Ukraine inzwischen ganz offen. Weil sie die Lage auf dem Ölmarkt nicht in den Griff bekommen. Trump hat diesen Kampf verloren.

Und Trump kann auch gegen uns nicht besonders viel unternehmen, denn ja, wir brauchen amerikanische Hilfe, aber sie ist nicht so kritisch, dass wir wegen dieser Hilfe irgendwelche Entscheidungen treffen würden, die mit der Zerstörung unserer Souveränität verbunden sind.

Deshalb ist das keine Shuttle-Diplomatie Kissingers im Nahen Osten. Als Kissinger zwischen den Ländern des Nahen Ostens hin und her reiste und über die Beendigung des Krieges verhandelte, verfügten die Vereinigten Staaten über ein Vielfaches mehr Einfluss als heute, weil es China und die chinesische Wirtschaft in ihrer heutigen Form nicht gab.

Das Entstehen zweier wirtschaftlicher Systeme, die einander ausbalancieren, führt grundsätzlich dazu, dass die Vereinigten Staaten längst nicht mehr jener Vermittler sind, der sie selbst noch zu Zeiten Barack Obamas waren. All das verliert rasch an Bedeutung. Und Trump unternimmt übrigens unglaubliche Anstrengungen, um all das weiter zu entwerten.

Das ist also ein ziemlich ernstzunehmender Umstand, der uns eine Vorstellung davon vermittelt, wie der Verhandlungsprozess in nächster Zukunft aussehen wird.

Und noch ein Punkt, über den wir sprechen: Wir müssen dennoch verstehen, in welchem Maße die Positionen der Staatschefs dieselben bleiben wie zuvor.

Putin erzählt weiterhin davon, dass sämtliche Ziele der „Spezialoperation“ erreicht werden müssten, obwohl er sie nicht erreichen kann. Und er erzählt Witkoff und Kushner von irgendeiner „Faschisierung“ der Ukraine, begründet dies mit der Entscheidung, die Führer der Organisation Ukrainischer Nationalisten umzubetten, und erzählt den amerikanischen Vermittlern deren Biografien.

Zelensky wiederum betont weiterhin, dass territoriale Fragen auf Ebene der Staatschefs entschieden werden müssten. Das heißt, er strebt weiterhin ein Treffen mit Putin an, der sich nicht mit ihm treffen will.

All das hören wir schon seit vielen Jahren. Und das bedeutet nicht, dass sich dort jemand einfach querstellt – Putin oder Zelensky. Nein. Es bedeutet, dass es keinerlei reale Grundlage für einen Kompromiss gibt.

Putin ist nach wie vor der Ansicht, die Ukraine sei lediglich ein separatistisches Territorium mit einer nichtigen Regierung, das entweder mit Waffengewalt oder durch Kapitulation an Russland zurückgegeben werden müsse.

Zelensky wiederum betrachtet sich weiterhin als Staatschef eines souveränen Staates, der mit dem Präsidenten der Russischen Föderation auf Augenhöhe sprechen muss.

Diese beiden Positionen lassen sich nicht miteinander vereinbaren. Sie sind unvereinbar. Und so wird es bleiben, bis es gelingt, diese beiden Positionen miteinander in Einklang zu bringen.

Es gibt zwei Möglichkeiten.

Entweder erkennt der Präsident der Ukraine an, dass er überhaupt kein Staatschef eines souveränen Staates ist, stimmt der Liquidierung der Ukraine zu, wie Medwedew uns das bereits vor einigen Jahren vorgeschlagen hat. Die Werchowna Rada tritt zusammen und liquidiert die Ukraine. Das wäre der Weg zu Verhandlungen – zu solchen Verhandlungen, wie Hitler sie mit dem letzten Präsidenten der Tschechoslowakei vor dem Krieg, Emil Hácha, führte, als er ihn zum Staatspräsidenten des Protektorats Böhmen und Mähren machte.

Oder Putin – beziehungsweise Putins Nachfolger, denn all das kann erst unter Putins Nachfolgern enden, schließlich ist es ein langer Prozess – akzeptiert, dass die Ukraine ein Existenzrecht besitzt, dass sie kein Land mit eingeschränkter Souveränität und kein Territorium der Russischen Föderation, sondern ein wirklicher Staat ist.

In Russland hat das noch nie jemand ernsthaft so gesehen. Selbst als man die Ukraine anerkannte und Verträge mit ihr unterzeichnete, hielt man sie stets für ein vorübergehendes staatliches Gebilde.

Wenn irgendwann jemand in Russland zu der Auffassung gelangt, dass sich die Ukraine zumindest nicht von Polen oder Finnland unterscheidet – ich spreche noch nicht einmal von Deutschland oder Frankreich –, wäre das bereits eine solche Revolution im russischen Nationalbewusstsein, wie es sie seit den Zeiten des Moskauer Fürstentums nicht gegeben hat.

Und bislang gibt es keinerlei objektive Voraussetzungen für eine solche Revolution. Also werden wir uns verteidigen müssen.

Das sind im Grunde die wichtigsten Punkte, über die man, würde ich sagen, sprechen konnte, bevor wir vielleicht künftig irgendwelche konkreten Einzelheiten im Zusammenhang mit dem Besuch Witkoffs und Kushners in der ukrainischen und der russischen Hauptstadt erfahren.

Ich werde auf einige Fragen antworten, die während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Welche Rolle spielten die Vertreter der europäischen Länder bei dem heutigen Treffen?

Portnikov: Ich denke, dass die Vertreter der europäischen Länder vor allem eine Idee haben. Die Vertreter der europäischen Länder wollen, dass ihre Stimme Gewicht hat, dass man auf ihre Position hört. Sie wollen, dass auch die Ukraine in der Trump-Administration Gehör findet. Das ist alles.

Zumal die Amerikaner, wie Sie verstehen, ohne die europäische Position ohnehin keine ernsthaften Zugeständnisse an Moskau machen können, weil der Löwenanteil der Sanktionen gegen Russland – SWIFT und so weiter – eine europäische Angelegenheit ist.

Frage: Eine Frage der Logik: Wenn Putin selbst die Kampfhandlungen beenden will, warum sollte er Trump eine so einmalige Gelegenheit schenken, daran beteiligt zu sein? Er kann sich doch direkt einigen?

Portnikov: Natürlich kann er das. Genau das sage ich die ganze Zeit. Putin braucht Trump überhaupt nicht. Nur wenn Putin Trump aus irgendwelchen Gründen ein politisches Geschenk machen will. Putin kann das ganz sicher direkt vereinbaren.

Frage: Gibt es eine Chance, dass nach Putins Tod ein weniger imperialistischer Herrscher kommt, der unser Land nicht angreifen wird? Oder sind wir zu einem ewigen Kampf verdammt, bis entweder wir oder sie nicht mehr da sind?

Portnikov: Nach Putins Tod oder seinem politischen Zusammenbruch kann ein Mensch an die Macht kommen, der der Ansicht ist, die Ukraine könne nicht mit militärischen, sondern mit wirtschaftlichen und politischen Mitteln in die russische Zange genommen werden.

Übrigens könnte ein solcher Mensch wesentlich größere Erfolge erzielen als Putin, weil es Millionen Ukrainer gibt, die zu irgendeiner Form des Zusammenlebens mit Russland bereit sind und sich weiterhin als Teil der russischsprachigen Welt betrachten.

Und glauben Sie mir: Sobald der Krieg endet, werden sich diese Menschen wieder lautstark zu Wort melden und für entsprechende politische Kräfte stimmen. Damit Sie sich keinerlei Illusionen machen.

Wenn Putin kein Idiot wäre, befände sich die Ukraine längst faktisch in der Einflusssphäre der Russischen Föderation. Putin wollte von der Ukraine immer mehr, als sie ihm geben konnte. Er verweigerte prorussischen Ukrainern schlicht das Recht, prorussische Ukrainer zu sein. Er versuchte, sie zu Russen zu machen, wie es in den besetzten Gebieten geschieht.

Ein klügerer Mensch an der Spitze Russlands kann die Ukraine ohne Panzer und Raketen besiegen. Auch daran muss man denken.

Denn die ukrainische politische Nation in der Form, wie wir sie heute kennen, haben Putin und Yanukovych geschaffen. Andernfalls hätte sie möglicherweise auch in den kommenden drei oder vier Jahrzehnten nicht entstehen können.

Und die Ukrainer mit einem europäischen und nationalpatriotischen Bewusstsein wären in unserem Land, wie es auch vor Putin der Fall war, eine absolute Minderheit geblieben beziehungsweise hätten 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung ausgemacht.

Frage: Sie sagten, Trump werde diese beiden Herren jetzt nur dann zu Verhandlungen schicken, wenn realistische Vereinbarungen möglich seien. Was war diesmal anders?

Portnikov: Vielleicht war alles genau so? Vielleicht besteht die realistische Vereinbarung in einem trilateralen Gipfel von Trump, Putin und Xi? Vielleicht wollten sie darüber sprechen?

Realistische Vereinbarungen müssen nicht das Ende des Krieges betreffen. Ich sage noch einmal: Wir können unter Realismus bestimmte Dinge verstehen, während sie darunter etwas völlig anderes verstehen können.

Sie haben doch gesehen, dass sie sich nicht über das einigen, worüber wir glauben, dass sie sich einigen. Und das ist ein gewaltiges Problem, wenn wir über den russisch-ukrainischen Krieg und die Haltung der Trump-Administration zu diesem Krieg sprechen.

Frage: Wenn die Demokraten nach den Wahlen in den Vereinigten Staaten die Mehrheit bekommen, kann die Ukraine dann mit militärischer Hilfe der USA rechnen?

Portnikov: Grundsätzlich bestehen solche Möglichkeiten. Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten bleibt unabhängig davon, wer im Kongress die Mehrheit besitzt, unter der Kontrolle des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Aber wenn man berücksichtigt, dass das Gesetz zur Unterstützung der Ukraine bereits verabschiedet wurde und sich jetzt im Senat befindet, wo es von den Trump-treuen Führern des Senats und von Trump selbst blockiert wird – und dieses Gesetz ist wesentlich wichtiger als das Graham-Gesetz –, dann können die Demokraten, wenn sie an die Macht kommen, die Zustimmung zu bestimmten Vorhaben Trumps gegen die Zustimmung zu eigenen Gesetzesvorhaben eintauschen.. So etwas geschieht in Amerika.

Wenn Trump unbedingt etwas verabschieden muss – bis hin zu einer Begnadigung irgendwelcher Verwandten oder Mitarbeiter, der Bestätigung irgendeiner Person für ein Amt oder der Verabschiedung bestimmter Haushaltsposten –, wir wissen nicht, was es sein wird. Er hat schließlich noch zwei Jahre als Präsident vor sich. Danach kommen 2026, 2027, 2028. Gott bewahre, dass in diesen Jahren nicht der Dritte Weltkrieg beginnt, denn unter Trump ist alles möglich.

Nun, er kann diese Gesetze gegeneinander eintauschen. Und auf diese Weise können wir von den Vereinigten Staaten mehr militärische Hilfe bekommen. Nicht weil Trump das verlangen würde, sondern weil der Kongress es verlangen würde. Diese Möglichkeiten bestehen durchaus. Das sage ich gleich.

Frage: Müssen wir also mindestens bis 2029 warten?

Portnikov: Ich kann Ihnen nicht sagen, wann der russisch-ukrainische Krieg enden wird. Es gibt auf der Welt keinen einzigen Menschen, der weiß, wie er enden soll und wann.

Ich wiederhole: Es gibt keine objektiven Voraussetzungen für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges und, weiter gefasst, des russisch-ukrainischen Konflikts.

2029 ist nicht das Jahr, in dem der Krieg endet. Es ist das Jahr, in dem im Sicherheitsrat der Russischen Föderation Entscheidungen getroffen werden. Das wird nach November 2028 sein: Welche Taktik soll man im Krieg angesichts eines neuen amerikanischen Präsidenten wählen?

Aber wer hat Ihnen gesagt, dass der Krieg nicht weitergehen kann oder dass der Konflikt nicht während der gesamten nächsten Präsidentschaft weitergehen kann? Wer hat Ihnen das gesagt?

Ich sage Ihnen lediglich, dass Putin nach 2029 einige ernsthafte Entscheidungen treffen wird. Das bedeutet aber nicht, dass dann irgendetwas beendet sein wird. Es ist einfach eine Etappe.

Der russisch-ukrainische Krieg und der russisch-ukrainische Konflikt haben verschiedene Etappen. Das Jahr 2028, das Jahr der Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten, wird eine bestimmte Etappe sein, aber vielleicht keine so wichtige, wie es uns erscheint.

Aus dem einfachen Grund, dass Putin 2024, als in den Vereinigten Staaten Präsidentschaftswahlen stattfanden, möglicherweise dachte, ein Wechsel des amerikanischen Präsidenten würde es ermöglichen, den Krieg zugunsten Russlands zu beenden, dass diese ganze Geschichte mit dem Krieg dann vorbei wäre und Putin die Ukraine besiegen könnte, weil es keine amerikanische Hilfe mehr geben würde.

Könnte das die Vorstellung des russischen Präsidenten gewesen sein? Ja, das könnte sie gewesen sein.

Jetzt ist bereits klar, dass der Wechsel des Präsidenten der Vereinigten Staaten darauf keinen so wesentlichen Einfluss hat.

Deshalb überschätzen vielleicht sowohl ich als auch wir alle gemeinsam die Bedeutung des Wechsels an der Spitze der amerikanischen Macht im Jahr 2029.

Wie Sie alle würde auch ich sehr gerne wissen, wann der russisch-ukrainische Krieg enden wird. Leider verfügt bislang keiner von uns über dieses Wissen.

Aber zum Abschluss unserer Sendung und während wir darauf warten, vielleicht konkrete Einzelheiten im Zusammenhang mit dem Besuch der amerikanischen Vermittler zu erfahren, möchte ich Sie an eine wichtige Sache erinnern.

Es wird von den Streitkräften der Ukraine abhängen und von der Bereitschaft der Ukrainer, ihr Land in den Reihen dieser Streitkräfte zu verteidigen, sowie von der Bereitschaft der Gesellschaft, den Streitkräften dabei zu helfen, Ressourcen und Möglichkeiten für den Widerstand gegen die russische Aggression in den kommenden schweren Jahren zu finden.

Einen anderen historischen Ausweg hat es für das ukrainische Volk nie gegeben, gibt es nicht und wird es nicht geben. Das garantiere ich Ihnen mit hundertprozentiger Klarheit.

Und wenn es der Ukraine gelingt, die russische Wirtschaft zu zerstören und die Zahl der russischen Mörder auf ukrainischem Boden so weit zu verringern, dass keine Mobilmachung Russland dabei helfen kann, seine Pläne zur Zerstörung unseres Staates fortzusetzen, können wir das ersehnte Abflauen erreichen. Ein Abflauen, kein Ende. Für ein Ende gibt es überhaupt keine Voraussetzungen. Ein Abflauen des Krieges.

Dafür müssen die Ukrainer arbeiten und kämpfen. Zumal sich uns, wie Sie verstehen, bald eine enorme Zahl von Menschen anschließen wird, die in europäischen Ländern leben, weil auch diese Länder zu Ländern werden, die von Konflikten betroffen sind. Und viele unserer Landsleute werden entweder diese Länder in neuen Konflikten verteidigen oder Teil der ukrainischen Verteidigung werden.

Auch das ist eine Perspektive, an die jeder denken muss, der über die Zukunft des ukrainischen Staates, über die Zukunft des russisch-ukrainischen Krieges und über einen möglichen großen Krieg in Europa nachdenkt, an dessen Grenze wir uns nun ebenfalls befinden.

Ich denke, der Besuch der amerikanischen Vermittler Witkoff und Kushner in der russischen und der ukrainischen Hauptstadt hat Sie davon überzeugt, dass gerade die ukrainische Armee in den kommenden Jahren der wichtigste Garant für den Erhalt des ukrainischen Staates und für Ihr physisches Überleben als solches bleiben wird, denn die Alternative besteht in der Zerstörung des Staates und im Tod seiner Bürger.

Ich hoffe, dass es eine solche Alternative für uns nicht geben wird, dass die Ukraine standhalten wird und dass keinerlei Manöver um die Ukraine herum uns dazu zwingen werden, auf die ukrainische staatliche Souveränität und auf die Existenz der ukrainischen Nation auf ukrainischem Boden zu verzichten.

Das heißt, Putin wird es nicht gelingen, jene Ziele zu erreichen, die bereits formuliert und verkündet wurden und die der russische Aggressor derzeit in die Tat umzusetzen versucht.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Приїзд Віткоффа і Кушнера: головне |Віталій Портников. 06.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 06.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Warum Witkoff und Kushner kommen | Vitaly Portnikov. 04.09.2026.

Die Reise der Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff und Jared Kushner, in die russische und die ukrainische Hauptstadt weckt Hoffnungen – wenn schon nicht auf Frieden, dann zumindest auf eine Wiederbelebung des Verhandlungsprozesses über ein Ende des Krieges in der Ukraine.

Es sei daran erinnert, dass es gerade die Russische Föderation war, die sich aus diesem Verhandlungsprozess zurückgezogen hat. Damals forderte man in Moskau als Voraussetzung für seine Wiederaufnahme, dass die Ukraine dem Abzug ihrer eigenen Truppen aus jenen Teilen der Gebiete Donezk und Luhansk zustimmt, die sich weiterhin unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Staatsführung befinden.

Die Tatsache, dass man sich im Kreml bereit erklärt hat, mit den amerikanischen Vertretern zu sprechen und sie darüber hinaus sogar nach Moskau eingeladen hat, ohne dass die Ukraine diese Forderungen der russischen Führung erfüllt hat, zeugt bereits von einem gewissen diplomatischen Erfolg Kyivs.

Denn Putin ist offenbar klar geworden, dass es ohne einen Verhandlungsprozess schlicht nicht möglich sein wird, in den Beziehungen zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump weiter auf Zeit zu spielen. Und selbst wenn das Hauptziel des russischen Staatschefs gerade darin besteht, bis zum Ende von Trumps Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten Zeit zu schinden, muss er nicht Drohungen gegen die Ukraine, sondern die Existenz eines tatsächlichen Verhandlungsprozesses vortäuschen.

Aber das ist nur eine der Möglichkeiten, die sich im Zusammenhang mit den Besuchen von Witkoff und Kushner ergeben. Die zweite Möglichkeit hängt mit den bevorstehenden Wahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten zusammen. Putin könnte befürchten, dass ein nahezu unvermeidlicher Sieg der Demokraten bei diesen Wahlen einen Kongress hervorbringen wird, der nicht nur Trump, sondern auch ihm selbst gegenüber wesentlich feindseliger eingestellt ist. Und dass die Demokraten, wenn sie über eine Mehrheit im Kongress verfügen, beispielsweise vom amerikanischen Präsidenten verlangen werden, ein Gesetz über Hilfen für die Ukraine zu unterstützen und der Ukraine eine milliardenschwere finanzielle Unterstützung zu gewähren – im Gegenzug für bestimmte Zugeständnisse der parlamentarischen Mehrheit im Kongress. Mit anderen Worten: Bedingungen zu schaffen, die für eine Fortsetzung des Krieges durch Russland äußerst ungünstig wären. Und hier wird die Suche nach einem Konzept zumindest für einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu einer realistischen Option.

Die dritte Version besteht darin, dass die ukrainischen Streitkräfte tatsächlich erhebliche Erfolge bei ihren Angriffen auf die russische Wirtschaft erzielt haben. Diese Angriffe räumt inzwischen selbst Putin ein. Natürlich versuchte der russische Staatschef bei seinen Auftritten in Bischkek und Wladiwostok, die Auswirkungen der ukrainischen Angriffe auf die russische Wirtschaft herunterzuspielen. Doch mit welchen Zahlen Putin auch jonglieren mag, die Tatsache bleibt offensichtlich. Sowohl die Erdölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation als auch die Möglichkeiten, Öl in die Länder des Globalen Südens zu liefern, und die Landwirtschaft der Russischen Föderation – all das leidet erheblich unter den ukrainischen Angriffen und wird auch weiterhin darunter leiden.

Ja, Russland kann seine terroristischen Angriffe auf die städtische Infrastruktur Kyivs und anderer ukrainischer Städte fortsetzen. Aber dadurch, dass Russland die ukrainische Infrastruktur zerstört, wird die russische Infrastruktur nicht wiederhergestellt. Zudem können der Ukraine in einer derart schwierigen Phase der Konfrontation mit Moskau ihre europäischen Verbündeten beim Überleben helfen. Und wer, wenn nicht Putin, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Volksrepublik China zwar russisches Öl kaufen und dadurch reale Möglichkeiten für das Überleben der russischen Wirtschaft schaffen kann, Putin aber nicht einfach so Geld geben wird.

Und im Übrigen ist offensichtlich, dass die Wiederbelebung der Verhandlungsbemühungen auch mit dem jüngsten Treffen zwischen Putin und dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping in der kirgisischen Hauptstadt zusammenhängen könnte. Denn gerade nach diesen Gesprächen, nach denen der chinesische Staatschef von der Bedeutung einer stärkeren politischen Koordinierung zur Beendigung des russisch-ukrainischen Konflikts sprach, lud der russische Präsident Steve Witkoff und Jared Kushner öffentlich nach Moskau ein.

Natürlich können wir davon ausgehen, dass die Reise der amerikanischen Vertreter im Voraus vorbereitet worden war. Solche Besuche lassen sich nicht buchstäblich innerhalb weniger Tage vorbereiten. Aber die öffentliche Einladung könnte eine Demonstration der Loyalität nicht nur gegenüber dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten gewesen sein. Sie könnte zugleich eine Demonstration der Bereitschaft gewesen sein, den Verhandlungsprozess fortzusetzen. Putin muss das also sowohl Trump als auch Xi Jinping zeigen. Er muss zeigen, dass er sich den Verhandlungsbemühungen nicht verweigert.

Später kann man dann der Ukraine mangelnde Konstruktivität vorwerfen, behaupten, Moskau und Washington hätten versucht, einen Kompromiss zu finden, zu dem die ukrainische Führung nicht bereit sei, und genau solche Bedingungen erfinden, die nicht zu einem Ende des Krieges, sondern zu einer Destabilisierung der politischen Lage in der Ukraine führen würden.

Jetzt aber könnte Putin bestrebt sein, die Vertreter des Präsidenten der Vereinigten Staaten an seiner Seite zu sehen, um zu zeigen: „Sehen Sie, ich habe tatsächlich Bedingungen geschaffen, unter denen Russland bereit ist, nach politischen Lösungen für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu suchen. Ich treffe mich mit den Vertretern Donald Trumps. Gemeinsam mit ihnen suche ich nach einem ernsthaften Kompromiss. Und dass die ukrainische Führung nicht bereit ist, diesen Kompromiss einzugehen – nun, davor habe ich doch bereits gewarnt, noch bevor Witkoff und Kushner in der russischen Hauptstadt eingetroffen sind.“

Übrigens: in der russischen Hauptstadt. Moskau wird jetzt alles Mögliche tun, damit Witkoff und Kushner nach Moskau kommen und sich mit Putin treffen, zugleich aber aus Sicherheitsgründen auf eine Reise nach Kyiv verzichten. Bekanntlich haben die Sondergesandten des amerikanischen Präsidenten die ukrainische Hauptstadt bislang kein einziges Mal besucht. Allein die Tatsache ihrer Ankunft, sollte sie tatsächlich stattfinden, wäre daher bereits ein echter diplomatischer Durchbruch, der dem russischen Präsidenten offensichtlich nicht gefällt und den er in den kommenden Tagen zu verhindern versuchen wird.

Und das ist in gewissem Maße ebenfalls eine diplomatische Gefahr und eine Falle, die wir gemeinsam mit unseren amerikanischen Partnern bereits in nächster Zeit umgehen müssen. Offensichtlich ist diese Falle durchaus ernst zu nehmen, denn wenn Witkoff und Kushner nur in Moskau sein werden und nicht nach Kyiv kommen, werden sie zu Übermittlern gerade der russischen Vorstellung davon, wie der Krieg beendet oder ein Kompromiss zur Erreichung eines Waffenstillstands gefunden werden soll.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Чому їдуть Віткофф і Кушнер | Віталій Портников. 04.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 04.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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