Witkoff wird aus den Verhandlungen gedrängt | Vitaly Portnikov. 10.09.2026.

Der Direktor der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten, John Ratcliffe, könnte künftig eine führende Rolle im Verhandlungsprozess zwischen Russland und der Ukraine spielen, der auf die Möglichkeit eines Endes des Krieges abzielt, den der russische Diktator Putin gegen unser Land begonnen hat. Damit könnte Ratcliffe zumindest einen Teil der Aufgaben von Steve Witkoff und Jared Kushner übernehmen, die vor Kurzem Moskau und Kyiv besucht haben, um diesen Verhandlungsprozess wieder in Gang zu bringen.

John Ratcliffe war bekanntlich bereits vor der Ankunft der Vermittler in der russischen Hauptstadt. Über die tatsächlichen Einzelheiten seines Aufenthalts in Moskau wissen wir so gut wie nichts, doch etwas anderes ist bekannt. Der Präsident der Russischen Föderation Putin reagierte auf den Besuch des CIA-Direktors ohne große Begeisterung und versuchte ebenso wie sein amerikanischer Amtskollege Donald Trump, die Bedeutung dieses ersten Besuchs eines CIA-Direktors in Moskau seit vielen Jahren herunterzuspielen. Dabei betonte er, dies sei Teil der üblichen Kontakte zwischen den Geheimdiensten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation.

Allerdings sagten auch während dieses Besuchs viele Beobachter, dass Ratcliffe, der für seine deutlich härtere Haltung gegenüber Russland bekannt ist als Witkoff, mit seinen Gesprächspartnern in Moskau gerade über die Notwendigkeit eines Endes des russisch-ukrainischen Krieges gesprochen haben könnte.

Gerade als Putin in Bischkek Ratcliffes Aufenthalt in der russischen Hauptstadt kommentierte, lud er demonstrativ Witkoff und Kushner nach Moskau ein und betonte, dass nicht nur er ihnen vertraue, sondern auch der amerikanische Präsident Donald Trump.

Was ist das anderes als die Suche nach angenehmen Verhandlungspartnern, denen man mithilfe von Putins Sonderbeauftragtem Dmitrijew einen Bären aufbinden kann? Dmitrijew wurde schließlich gerade deshalb auf seinen Posten berufen, um Vertretern der amerikanischen Administration von den unglaublichen wirtschaftlichen Perspektiven einer Zusammenarbeit zwischen der Russischen Föderation und den Vereinigten Staaten zu erzählen. Und natürlich können diese Perspektiven nur dann entstehen, wenn die Vereinigten Staaten ihre Unterstützung für die Ukraine aufgeben und sich eindeutig auf die Seite der Position der Russischen Föderation in diesem Krieg stellen.

Mit dem Direktor der Central Intelligence Agency könnte das nun nicht funktionieren. Ratcliffe könnte sowohl Putins Versprechen als auch – und das ist das Wichtigste – die Möglichkeiten des russischen Präsidenten in den weiteren Phasen des Krieges wesentlich realistischer einschätzen. Und genau das versucht Putin zu verhindern.

Daraus ergibt sich also eine recht einfache Schlussfolgerung. Wenn die Verhandlungen real werden können, wenn selbst Witkoff und Kushner in der russischen Hauptstadt erkennen konnten, dass Putin bereit ist, nicht nur über Verhandlungen zu reden, sondern bei diesen Verhandlungen auch Vereinbarungen zu treffen, dann können an diesen Prozessen nun tatsächlich zuständige Personen beteiligt werden. 

Und das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt, denn tatsächlich zuständige Personen sind Menschen, die Ämter in der Administration Donald Trumps bekleiden und nicht bloß Vermittler ohne irgendwelche dienstlichen Verpflichtungen sind. Und es sind Menschen, die die Logik der russischen Politik besser verstehen als die Immobilienmakler Witkoff und Kushner, die versuchen, die Interessen des russischen Präsidenten vor allem an ihren eigenen Geschäftsinteressen zu messen.

Wie Quellen in Washington betonen, hat der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump allerdings bislang noch keine Entscheidung darüber getroffen, wie der Verhandlungsprozess der Amerikaner mit den Russen und Ukrainern in nächster Zeit aussehen soll und ob Witkoff tatsächlich nicht an diesem Prozess teilnehmen wird.

Zwischen Witkoff, der gemeinsam mit Kushner in jedem Fall der wichtigste Vermittler bei der Regelung im Nahen Osten bleiben wird, und Ratcliffe gibt es, wie angenommen wird, einen ernsthaften Konkurrenzkampf darum, wer sich um den Verhandlungsprozess zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine kümmern wird. Und es ist offensichtlich, dass Witkoff bei seinem Versuch, seine eigene Rolle zu bewahren, sowohl an seine Bedeutung für Donald Trump denken kann, mit dem ihn bekanntlich nicht nur berufliche, sondern auch persönliche Beziehungen verbinden, als auch an seine eigenen Geschäftsinteressen. Denn wir können uns vorstellen, was Dmitrijew Witkoff und Kushner während der stundenlangen Essen alles erzählt hat und was Putin selbst Witkoff und Kushner während der stundenlangen Verhandlungen alles über Geschäfte erzählt haben könnte.

Aus dem Prozess auszusteigen bedeutet, die Kontrolle über die erträumten, aber bislang noch gar nicht existierenden Finanzströme zu verlieren. Deshalb könnten Ratcliffe auf der einen Seite und Witkoff auf der anderen Seite ein völlig unterschiedliches Interesse am eigentlichen Wesen des Verhandlungsprozesses haben. Und auch das muss man verstehen, wenn wir über die Lage im Zusammenhang mit der Fortsetzung des Dialogs zwischen Moskau und Kyiv und über die Perspektiven dieses Dialogs sprechen.

Denn wenn die russische Führung von der Notwendigkeit spricht, die Verhandlungen fortzusetzen, und ihre Bereitschaft erklärt, an diesen Verhandlungen teilzunehmen, bedeutet das noch lange nicht, dass tatsächlich die Möglichkeit besteht, dass solche Verhandlungen schon bald stattfinden werden. Und man sollte nicht glauben, dass ein Austausch der Vermittler – sagen wir Witkoff und Kushner, die Putin in die russische Hauptstadt eingeladen hatte, gegen Ratcliffe, über dessen Besuch Putin offensichtlich nicht erfreut war – die Begeisterung der Führung der Russischen Föderation für den eigentlichen Konsultationsprozess zwischen Russland und der Ukraine steigern würde.

In dieser Hinsicht können wir also sagen, dass die Amerikaner den Verhandlungsprozess einerseits ernster nehmen könnten. Und das wird zu einem wichtigen Anzeichen dafür, dass dieser Prozess aus Sicht des Weißen Hauses reale Konturen annehmen und Donald Trump vor den Zwischenwahlen zumindest irgendeinen Verdienst als Friedensstifter einbringen soll. Andererseits verstehen wir, dass die Russische Föderation einen echten Prozess lediglich imitieren und darauf hoffen könnte, die Vermittler für ihre Zwecke zu nutzen. Und aus dieser Sicht müssen wir ungeachtet aller Erklärungen der Führung der Russischen Föderation verstehen, dass das Auftreten eines ernst zu nehmenden Vermittlers – und noch dazu des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten – gerade durch die Bemühungen des Kremls blockiert werden könnte.

Das Wichtigste ist also, was Trump selbst über den russisch-ukrainischen Verhandlungsprozess und dessen Realisierbarkeit denkt. Und was der amerikanische Präsident heute tatsächlich braucht: eine Imitation des Verhandlungsprozesses vor den Zwischenwahlen, um zu zeigen, dass Trump die Ukraine nicht vergessen hat? Oder doch echte Verhandlungen, die zu einem wirklichen Frieden führen sollen?

Doch in dieser Situation ist natürlich nicht nur der Verhandlungsprozess entscheidend, sondern auch echter wirtschaftlicher und politischer Druck auf die Russische Föderation, um sie zur Beendigung des Krieges zu zwingen. Und natürlich eine Ausweitung der militärischen Hilfe für die Ukraine. Ohne das geht es nicht. Ohne das wird kein Putin der Welt irgendwelche Verhandlungen ernst nehmen.


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Titel des Originals: Віткоффа відтісняють від перемовин | Віталій Портников. 10.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 10.09.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Wozu braucht Putin Witkoff und Kushner? Vitaly Portnikov. 07.09.2026.

Навіщо Путіну Віткофф і Кушнер. Віталій Портников. 07.09.2026.

Noch vor einigen Monaten erschien allein die Möglichkeit einer Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses zwischen Russland und der Ukraine unter Beteiligung amerikanischer Vermittler eher als politische Fantasie, obwohl sowohl in Moskau als auch in Kyiv neue Besuche von Steve Witkoff und Jared Kushner nicht ausgeschlossen wurden. Doch die Vermittler waren mit einer Sisyphusarbeit beschäftigt – der Suche nach Wegen zur Regelung der Lage nach dem Krieg mit Iran –, und auch im Kreml hatte man es mit Verhandlungen nicht eilig. Es sei daran erinnert, dass nicht die Amerikaner und nicht die Ukrainer den Konsultationsprozess verließen, sondern ausgerechnet die Russen. In Moskau wurde bis vor Kurzem betont, dass die Verhandlungen erst wieder aufgenommen werden könnten, nachdem Kyiv seine Truppen aus jenem Teil der Gebiete Donezk und Luhansk abgezogen habe, der weiterhin unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung steht. Bis dahin verweigert Putin jegliche Gespräche.

Doch dann kam der September – und die Vermittler reisten nach Moskau und Kyiv. Obwohl auf eine Regelung der Lage um Iran kaum zu hoffen ist. Obwohl die ukrainischen Truppen im Donbas bleiben. Und obwohl die russischen Angriffe auf Kyiv und andere ukrainische Städte weitergehen, gegen die man sich bislang nur schwer schützen kann.

Wir verstehen, wozu Zelensky die Wiederaufnahme der Verhandlungen braucht: Als Staatsoberhaupt eines Landes, das Opfer einer Aggression und von Zerstörungen geworden ist, ist er schlicht verpflichtet, nach Wegen zu einem gerechten Frieden zu suchen. Sowohl mit Blick auf die Erwartungen der eigenen Gesellschaft, die des endlosen Krieges müde ist, als auch mit Blick auf die Interessen der Partner, die möchten, dass Kyiv Chancen auf Frieden nicht zurückweist.

Wir verstehen, wozu Trump die Wiederaufnahme der Verhandlungen braucht, der sich einen Erfolg seiner Friedensbemühungen und Möglichkeiten zur Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Russland wünscht.

Und wir verstehen nicht so recht, wozu Putin die Wiederaufnahme der Verhandlungen braucht. Es sei denn, der russische Präsident ist tatsächlich über den Zustand seiner Wirtschaft besorgt und möchte die ukrainischen Angriffe beenden. Aber wie soll das ohne Vereinbarungen über Frieden geschehen?

Doch die Verhandlungen Witkoffs und Kushners in Moskau haben keine wirklichen Veränderungen der russischen Position erkennen lassen. Deshalb lässt sich Putins Bereitschaft zu Verhandlungen vorerst mit seiner üblichen Taktik der Zeitverzögerung erklären. Nur zieht Putin diesmal höchstwahrscheinlich nicht allein gegenüber Trump die Zeit in die Länge, sondern auch gegenüber den Staats- und Regierungschefs des Globalen Südens, den wirtschaftlichen Sponsoren Russlands – dem chinesischen Staatschef Xi Jinping und dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi. Putin traf sich mit beiden während des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Bischkek. Und übrigens änderte sich gerade danach der Ton seiner Äußerungen merklich.

Ein weiterer Grund, der Putins Haltung beeinflusst haben könnte, ist der Wunsch des russischen Präsidenten, seinen amerikanischen Amtskollegen beim APEC-Gipfel im November im chinesischen Shenzhen zu treffen. Es ist klar, dass Putins Weigerung, sich mit den amerikanischen Vermittlern zu treffen und Bereitschaft zur Suche nach Wegen zum Frieden zu demonstrieren, einem solchen Treffen im Wege stehen könnte. Zumal Putin noch eine ehrgeizigere Idee hat, die der Berater des russischen Präsidenten Juri Uschakow nach Putins Verhandlungen mit Witkoff und Kushner „ausplauderte“.

Es geht um die Abhaltung eines Dreiergipfels von Trump, Putin und Xi Jinping am Rande des Treffens in Shenzhen. Für Putin wäre ein solches Treffen ein gewaltiger Erfolg, weil es festhalten würde, dass er zu den führenden Politikern der heutigen Welt gehört und auf einer Stufe mit dem Präsidenten der USA und dem Staatschef der Volksrepublik China steht. Und auch Trump neigt bekanntlich zu einem solchen Format.

Und es ist durchaus möglich, dass die Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges Teil der Pläne des Kremls zur Organisation dieses Dreiertreffens geworden ist – und nicht mehr. Mit einem wirklichen Ende des Krieges und einem Übergang Russlands zu konstruktiveren und realistischeren Positionen dagegen könnte der Besuch der amerikanischen Vermittler überhaupt nichts zu tun haben.


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Titel des Originals: Навіщо Путіну Віткофф і Кушнер.
Віталій Портников. 07.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 07.09.2026.
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Plattform: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Rubio verspricht Verhandlungen | Vitaly Portnikov. 09.09.2026.

Der Außenminister der Vereinigten Staaten Marco Rubio hat versprochen, in Kürze die Voraussetzungen für neue Verhandlungsrunden zwischen der Ukraine, Russland und den Vereinigten Staaten über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu schaffen.

Der Chef des US-Außenministeriums bewertete die jüngsten Gespräche positiv, die die Vertreter von Präsident Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, in der russischen und der ukrainischen Hauptstadt geführt hatten, und betonte, diese Gespräche hätten reale Möglichkeiten dafür geschaffen, dass sich die Seiten bei künftigen Treffen auf eine Beendigung des Krieges zu Bedingungen einigen könnten, die alle zufriedenstellen würden.

Zugleich warnte der Außenminister der Vereinigten Staaten, dass zwischen Moskau und Kyiv weiterhin ernsthafte Meinungsverschiedenheiten bestünden, die bislang nicht überwunden werden konnten und die man nicht ignorieren könne. Es könnte also sein, dass die optimistischen Prognosen des Außenministers, wie schon mehr als einmal zuvor, auf die unerbittliche Realität treffen werden, dass die russische Führung nicht bereit ist, irgendwelche wirklichen Verhandlungen unter Vermittlung der Vereinigten Staaten fortzusetzen.

Der Kreml versucht allerdings gerade, einen Streit mit Donald Trump zu vermeiden. Nachdem der amerikanische Präsident mit seinem russischen Amtskollegen gesprochen hat – ich möchte übrigens daran erinnern, dass auch noch ein Gespräch Trumps mit dem Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky stattfinden soll –, betonte der Berater des Präsidenten der Russischen Föderation Juri Uschakow, das Hauptthema des Gesprächs zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten sei die Wiederaufnahme der amerikanisch-russischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit im Falle einer Lösung der Frage nach der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges gewesen.

Wie man erkennen kann, ist genau das Trumps wichtigster Trumpf bei seinen Gesprächen mit Putin, mit dessen Hilfe er den russischen Präsidenten davon zu überzeugen hofft, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Doch so merkwürdig es auch klingen mag: Trump verfügt heute gerade im Hinblick auf die wirtschaftlichen Interessen des Kreml über mehr Möglichkeiten, auf Putin einzuwirken, als noch vor einigen Monaten. Und das ist kein großes Verdienst des amerikanischen Präsidenten selbst. Es ist ein Verdienst der Streitkräfte der Ukraine.

Denn je mehr für Russland wichtige Wirtschaftsobjekte die ukrainischen Soldaten zerstören, je häufiger die Erdölraffinerien der Russischen Föderation brennen und je weniger Möglichkeiten Russland hat, Öl aus seinen Häfen zu exportieren, desto größer wird das Interesse des russischen Präsidenten an einer Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation und an einer Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten.

Bis vor Kurzem war man in Moskau der Ansicht, alle mit den westlichen Sanktionen verbundenen Probleme gelöst zu haben und dass sich die Beendigung der Zusammenarbeit sowohl mit den Vereinigten Staaten als auch mit der Europäischen Union in keiner Weise auf die russische Wirtschaft auswirken werde, die Putin auf den Globalen Süden, auf China und Indien, umorientieren wollte. Doch nun zeigt sich, dass die Möglichkeiten, die Verluste durch die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Peking und Neu-Delhi auszugleichen, immer geringer werden. Zum einen deshalb, weil die Sanktionen gegen russisches Öl eben doch wirken und selbst Indien weniger davon kauft als noch vor einigen Jahren. Zum anderen deshalb, weil Russland inzwischen Probleme mit seiner Erdölverarbeitungsindustrie und mit dem Verkauf von Öl hat.

Jeder weitere Tag mit Angriffen auf die Erdölverarbeitung, jeder weitere Tag, an dem russische Ölhäfen zerstört werden, jeder weitere Tag, an dem die Europäer Jagd auf russische Tanker machen, die Öl transportieren, wird zusätzliche Probleme für die russische Wirtschaft schaffen. Und auf diese Weise wird Putin gezwungen sein, den Vorschlägen Donald Trumps ernsthafter Gehör zu schenken.

Das einzige Problem bei all dem ist die Frage, wann der Präsident der Russischen Föderation tatsächlich realistische Gespräche über die Beendigung des Krieges aufnehmen möchte. Dazu gibt es, wie wir wissen, zahlreiche widersprüchliche Informationen. Quellen aus dem Kreml betonen, Putin hoffe weiterhin darauf, dass es ihm gelingen werde, die gesamte Oblast Donezk zu erobern, und halte es zumindest für notwendig abzuwarten, wie die Ukraine den Winter 2026/2027 bewältigen wird.

Natürlich ist für Putin die Kapitulation unseres Staates und sein anschließendes Verschwinden von der politischen Weltkarte wichtiger als die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten. Und der russische Präsident kann schlicht davon ausgehen, dass die Amerikaner im Falle dieser Kapitulation ihre Beziehungen zu Moskau ohnehin wieder aufnehmen werden. Und deshalb besteht für ihn vorerst kein Grund zur Eile.

Die Amerikaner dagegen haben es eilig. Sowohl die Reise von Steve Witkoff und Jared Kushner in die russische und die ukrainische Hauptstadt als auch die Erklärungen des Außenministers der Vereinigten Staaten Marco Rubio über eine baldige Wiederaufnahme der Verhandlungen sowie die Tatsache, dass Steve Witkoff seinen europäischen Gesprächspartnern versprochen hat, Moskau werde sich nach den sogenannten Wahlen zur Staatsduma der Russischen Föderation, die bereits in den kommenden Wochen stattfinden werden, intensiver an den Verhandlungen beteiligen – all das zeigt, dass die Administration zumindest irgendein positives Ergebnis im Zusammenhang mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges vor den Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten erzielen möchte, die für Trump buchstäblich eine Frage des politischen Überlebens sind.

Und natürlich würde der amerikanische Präsident den Amerikanern vor diesen Wahlen gerne konkrete Erfolge zumindest auf außenpolitischem Gebiet präsentieren. Erfolge im Zusammenhang mit der Möglichkeit, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, mit der Beendigung der Krise im Nahen Osten und mit der Möglichkeit, die Kraftstoffpreise an den amerikanischen Tankstellen zu senken.

All diese Dinge hängen miteinander zusammen. Denn wenn es gelingt, das Feuer an der russisch-ukrainischen Front einzustellen oder zumindest eine Waffenruhe im Energiebereich zu vereinbaren, würde das automatisch bedeuten, dass die Ukraine die russische Erdölverarbeitungsindustrie und die Häfen der Russischen Föderation nicht mehr angreifen würde und Russland mehr Öl an die Länder des Globalen Südens verkaufen könnte. Für die Russen bleibt das in der nächsten Zukunft tatsächlich eine ziemlich wichtige Frage.

Wie dem auch sei: Die Worte des Außenministers der Vereinigten Staaten, wonach es Möglichkeiten gibt, den Verhandlungsprozess selbst wieder aufzunehmen, werden schon bald auf die Probe gestellt werden. Und möglicherweise werden der amerikanische und der ukrainische Präsident, die sich ebenfalls bereits in den kommenden Wochen in den Vereinigten Staaten treffen könnten, vielleicht am Rande der Generalversammlung, genau darüber sprechen.


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Titel des Originals: Рубіо обіцяє перемовини | Віталій Портников. 09.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 09.09.2026.
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Deutsche Übersetzung vonViktoriya Limbach,
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Die Ankunft von Witkoff und Kushner: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 06.09.2026.

Der Besuch der Vertreter des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff und Jared Kushner, in der russischen und der ukrainischen Hauptstadt ist zu Ende gegangen. Diesem Besuch wurde, wie Sie wissen, besondere Aufmerksamkeit geschenkt, weil es sich faktisch um die erste derartige Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine unter Vermittlung der Vereinigten Staaten handelte, nachdem die Verhandlungen während der Angriffe der Vereinigten Staaten und Israels auf Iran faktisch eingefroren worden waren.

Aber man sollte daran erinnern, dass die Verhandlungen in Wirklichkeit weder von den Vereinigten Staaten noch von der Ukraine blockiert wurden, sondern dass die Russische Föderation selbst aus den Verhandlungen ausgestiegen war. Dabei stellte der Kreml als Bedingung für die Wiederaufnahme dieser Verhandlungen den Abzug der ukrainischen Truppen aus jenem Teil der Gebiete Donezk und Luhansk, der sich bis heute unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung befindet.

Dass der Verhandlungsprozess wieder aufgenommen wurde, obwohl im Donbas weiterhin schwere Kämpfe stattfinden und es der russischen Armee nicht gelingt, die Kontrolle über das gesamte Gebiet der Oblast Donezk zu erlangen, zeigt bis zu einem gewissen Grad, dass man im Kreml trotz aller Gespräche über eine Schwächung der Ukraine nicht sicher ist, ohne Verhandlungen auskommen zu können.

Aber die wichtigste Frage lautet: Wozu braucht die Russische Föderation diese Verhandlungen?

Viele mögen glauben, dass die Verhandlungen faktisch durch die Einladung initiiert wurden, die der Präsident der Russischen Föderation während seiner Pressekonferenz in Bischkek an Witkoff und Kushner richtete. Es ist klar, dass diese Verhandlungen im Voraus vorbereitet wurden und auch schon früher darüber gesprochen wurde, aber eine solche öffentliche Einladung könnte damit zusammenhängen, dass Putin eine Schwächung seiner Position spürt.

Ich gehe nicht davon aus, dass Putin darüber nachdenkt, die wirtschaftliche Lage in seinem Land sei inzwischen so schwierig, dass er gezwungen wäre, Verhandlungen aufzunehmen, deren Ziel die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges wäre. Ich habe wiederholt gesagt, dass Verhandlungen, die während fortdauernder Kampfhandlungen stattfinden, überhaupt keine Verhandlungen sind, sondern ein Spiel auf Zeit.

Dass Russland es sich erlaubte, die Angriffe auf Kyiv für einige Stunden einzustellen, einfach weil sich dort die amerikanischen Vermittler aufhalten würden, spricht gerade nicht dafür, dass Putin nach Frieden strebt, sondern dafür, dass er weiterhin Anhänger eines Konzepts ist, in dem Verhandlungen Teil des Krieges sind und erstens dazu dienen sollen, in den Beziehungen zu den Vereinigten Staaten Zeit zu gewinnen, und zweitens als Instrument für die Kapitulation der Ukraine dienen sollen, wenn man im Kreml entscheidet, dass sich sämtliche militärischen Anstrengungen sowohl gegen die ukrainische Front als auch gegen das ukrainische Hinterland bereits bemerkbar gemacht haben. Und dann wird man mit Kyiv ausschließlich noch über eine solche Kapitulation sprechen.

Eine weitere Motivation des Präsidenten der Russischen Föderation für die Wiederaufnahme dieses Verhandlungsprozesses könnte sein Treffen mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping in Bischkek gewesen sein. Es mag den Anschein haben, dass Xi Jinping, der grundsätzlich an einem langen russisch-ukrainischen Krieg interessiert ist, nicht an einer Form dieses Krieges interessiert sein kann, bei der die Wirtschaft der Russischen Föderation zerstört wird – die Wirtschaft eines Landes, das bekanntlich ein wichtiger strategischer politischer Partner sowie ein politischer und wirtschaftlicher Satellit der Volksrepublik China ist.

Und in dieser Situation ist Putin einfach gezwungen, eine gewisse Imitation eines Verhandlungsprozesses zu inszenieren – auch das ist verständlich –, damit man in China sieht, dass er den Krieg ohne erhebliche Verluste für die russische Wirtschaft beenden möchte. Obwohl diese erheblichen Verluste den russischen Präsidenten meiner Ansicht nach wesentlich weniger interessieren als den chinesischen Staatschef. Denn Putin ist es nicht gewohnt, in wirtschaftlichen Kategorien zu denken. Und manchmal scheint mir sogar, dass er gar nicht in diesen wirtschaftlichen Kategorien denken kann.

Wie bekannt ist, dauerten die Gespräche, die Steve Witkoff und Jared Kushner gestern im Kreml unter Beteiligung des russischen Präsidenten Putin und seiner engsten Mitarbeiter führten, dreieinhalb Stunden. Von amerikanischer Seite wurden überhaupt keine Erklärungen abgegeben.

Wir hörten ausschließlich die Erklärungen des Beraters des Präsidenten der Russischen Föderation, Uschakow, der, wie Sie wissen, solche Treffen immer kommentiert und so etwas wie Moskaus wichtigster News-Maker ist. Und Uschakow sagte im Grunde nichts Konkretes zu den Fragen, die mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zusammenhängen.

Er sagte, Putin habe Witkoff und Kushner erzählt, was weiter an der Front geschehen könne; Putin werde die wichtigen Ziele der sogenannten Spezialoperation weiterverfolgen und ändere seine Position grundsätzlich nicht; die russische Seite habe erneut über die Ursachen des Konflikts gesprochen und ihre Sicht der Dinge der Sicht von Witkoff und Kushner gegenübergestellt; und es seien dort nicht nur Fragen im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg, sondern auch Fragen wirtschaftlicher Kontakte zwischen Russland und den Vereinigten Staaten erörtert worden.

Und übrigens scheint mir, dass wir gerade heute verstanden haben, warum Putin Witkoff und Kushner im Kreml treffen wollte und was er ihnen tatsächlich anbieten wollte.

Das Wichtigste ist, dass Putin während des bevorstehenden APEC-Gipfels ein trilaterales Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und Russlands und des Staatspräsidenten der Volksrepublik China abhalten möchte. Das ist das Hauptziel dessen, dass Witkoff und Kushner die russische Hauptstadt besucht haben.

Ich halte es übrigens sogar für möglich, dass dies das Hauptziel der Reise des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten nach Moskau war.

Ich habe wiederholt gesagt, dass Trump der russisch-ukrainische Krieg als solcher in Wirklichkeit nicht besonders interessiert. Jetzt beschäftigt er sich ausschließlich mit den Zwischenwahlen. Die Ergebnisse des russisch-ukrainischen Krieges haben keinerlei Einfluss auf diese Wahlen. Deshalb erschien mir schon die Tatsache, dass Trump Witkoff und Kushner in die russische Hauptstadt schickt, um eine Frage zu lösen, die für die amerikanischen Wahlen keine Priorität besitzt, insgesamt merkwürdig.

Jetzt, da man in Moskau von der Möglichkeit eines solchen trilateralen Treffens spricht, denke ich, dass genau das das ist, was sie Trump verkaufen wollen. Und Trump, der bekanntlich von der Idee einer Aufteilung der Einflusssphären zwischen zwei – nein, nicht zwei, Entschuldigung – sondern drei Hauptakteuren lebt, zwischen Peking, Washington und Moskau, könnte diesen Köder schlucken und glauben, dass ein solches Treffen der Weltherrscher Trump, Putin und Xi Jinping Eindruck auf die republikanischen Wähler machen könnte.

Ob dieses Treffen tatsächlich stattfinden wird oder ob es bilaterale Treffen Trump–Putin, Putin–Xi Jinping, Xi Jinping–Trump und so weiter geben wird, ist allerdings unbekannt. Auch das ist also ein sehr wichtiger Punkt.

Gleichzeitig wird über die Möglichkeit eines trilateralen Treffens Russlands, der Vereinigten Staaten und der Ukraine gesprochen. Darüber sprach Steve Witkoff während seiner Verhandlungen in Kyiv. Aber es ist unbekannt, in welchem Format ein solches Treffen stattfinden könnte.

Offensichtlich ist es unwahrscheinlich, dass ein Treffen auf Ebene der Staatschefs in nächster Zeit stattfindet, und es geht ausschließlich um die Möglichkeit einer Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses, der vor dem Hintergrund der Kampfhandlungen ohnehin – erinnern Sie sich an diese Worte – keine greifbaren Ergebnisse bringen wird, sondern vom Kreml dazu genutzt werden wird, in den amerikanisch-russischen Beziehungen Zeit zu gewinnen, um neue Sanktionen gegen die Russische Föderation zu verhindern.

Witkoff und Kushner sagen Zelensky, dass sie vor dem Winter einen Durchbruch bei den Verhandlungen erreichen und an einem aktualisierten Friedensvorschlag arbeiten wollen. Was das bedeutet, weiß in Wirklichkeit niemand.

Denn zunächst hieß es, Witkoff und Kushner hätten Trumps alten Plan in die russische Hauptstadt gebracht. Der Präsident der Vereinigten Staaten selbst sagte, sie brächten nichts Neues nach Moskau. Jetzt ist plötzlich die Idee eines aktualisierten Vorschlags mit unbekannten Details aufgetaucht. Und auch Zelensky sagte, man müsse das erörtern, was die amerikanische Seite vorgeschlagen habe. Im Grunde haben wir nichts wirklich Konkretes gehört.

Witkoff sagte, in Moskau seien viele wichtige und substanzielle Ideen erörtert worden, die man nach Kyiv mitgebracht habe, und die Zusammenarbeit bei der Lösung dieser Probleme sei von entscheidender Bedeutung. Gerade deshalb waren bei dem Treffen die nationalen Sicherheitsberater europäischer Länder anwesend.

Und Witkoff betonte, dass beide Seiten gewisse Kompromisse eingehen und die Differenzen zwischen ihnen verringern müssten.

„Wir glauben, dass wir über die notwendigen Bestandteile verfügen“, sagt Witkoff, „um dieses Ziel zu erreichen. Wir sind entschlossen, es ist uns nicht gleichgültig. Und wir hoffen, dass all dies zu einer erfolgreichen, friedlichen, diplomatischen Regelung führen wird.“

Aber ich wiederhole noch einmal: All das ist wichtig, doch in diesen Worten steckt keinerlei Konkretes. Zum heutigen Zeitpunkt ist das einfach weißes Rauschen eines optimistisch gestimmten Vermittlers.

Zelensky sagt zugleich auf derselben Pressekonferenz mit Witkoff und Kushner, dass die Frage des Donbas die Frage des gesamten Krieges sei, dass sie eine der Schlüsselfragen bei den Verhandlungen über die Beendigung des Krieges sei und dass die Ukraine ihre Position hinsichtlich der Übergabe ihrer Gebiete im Donbas an Russland nicht ändern werde.

Ich möchte Sie davon überzeugen, dass die Frage des Donbas nicht die Schlüsselfrage dieses Krieges ist. Hier irrt sich der Präsident der Ukraine entschieden.

Der Donbas ist ausschließlich ein Brückenkopf, der dazu benutzt wird, die ukrainische Staatlichkeit selbst zu zerstören und die überwiegende Mehrheit der Ukrainer aus ihrem angestammten Siedlungsgebiet zu vertreiben, um die ukrainische Frage durch das Russische Imperium endgültig zu lösen.

So wird es kommen, wenn die Ukraine den Krieg verliert. Auf ukrainischem Boden wird es keine Ukrainer geben. Die Geschichte des ukrainischen Volkes in der Ukraine wird beendet sein. Und es wird einfach eine weitere über die Welt verstreute Diasporanation ohne eigenen Staat sein. So kann es bereits in den kommenden Jahren kommen, wenn der Krieg verloren wird.

Aber wenn die Ukraine den Donbas verteidigt, bedeutet das nicht, dass Russland nicht versuchen wird, andere ukrainische Gebiete zu erobern. Wenn die Ukraine den Donbas abgibt, bedeutet das nicht, dass Russland nicht von diesem Donbas aus andere ukrainische Regionen angreifen wird.

Wenn die Ukraine in den kommenden Jahren in der Lage sein wird, Russland seines militärischen und wirtschaftlichen Potenzials zu berauben, wird das bedeuten, dass der Krieg für eben diese Jahre aufhört, um später mit neuer Kraft wieder auszubrechen, falls die Ukraine in dieser Zeit keine entschlossenen Veränderungen ihrer eigenen Staatlichkeit mit dem Ziel einer maximalen Militarisierung und Befestigung durchführt.

Eine Ukraine, die keine Festung, kein militarisiertes Land ist, wird so oder so von der politischen Weltkarte verschwinden, selbst wenn sie der NATO beitritt.

Früher habe ich das nicht so gesehen. Aber jetzt, da wir verstehen, dass militärische Bündnisse infolge des schwindenden Sicherheitsverständnisses der Vereinigten Staaten selbst an Bedeutung verlieren, können nur die Länder selbst dafür sorgen, ihre Bürger vor der Perspektive des Verschwindens und der Flucht in andere Länder zu schützen, in denen später wiederum ein großer zerstörerischer Krieg beginnen wird.

Also nicht der Donbas. Und es ist völlig unrealistisch zu behaupten, der Donbas sei die Hauptgeschichte dieses Krieges.

Gleichzeitig muss man jedoch verstehen, dass Putin die Donbas-Frage in diesen Verhandlungen zur weiteren Destabilisierung der Situation in der Ukraine, zur Vertiefung des Bruchs zwischen Staatsführung und Gesellschaft, zwischen Staatsführung und Armee und zur Schaffung von Bedingungen nutzen wird, die es ermöglichen sollen, wesentlich größere ukrainische Gebiete zu besetzen. Auch das muss man verstehen, wenn wir über die Situation im Donbas sprechen.

Und wiederum werde ich der ukrainischen Führung nicht vorwerfen, es mangele ihr an Realismus. Denn anders als Witkoff und Kushner, die sagen, sie wollten den Krieg bis zum Winter beenden, sagt Zelensky realistisch, dass der Krieg auch im Winter weitergehen werde. Ich sage gleich, dass ich es für möglich halte, dass der Krieg auch im nächsten Winter, im Winter 2027/2028, weitergehen wird, wenn es uns nicht gelingt, das wirtschaftliche und demografische Potenzial Russlands zu verringern.

Objektive Voraussetzungen für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges gab es 2022 nicht, und es gibt sie auch 2026 nicht. Jetzt zeichnet sich lediglich eine Tendenz zur Entstehung solcher Voraussetzungen in den kommenden Jahren ab – falls es der Ukraine gelingt, die russische Wirtschaft zu zerstören.

Das ist der einzige realistische Weg, der die Annahme erlaubt, dass der Präsident der Russischen Föderation beginnen könnte, über eine Unterbrechung des Krieges gegen die Ukraine nachzudenken – um Kräfte zu sammeln für weitere zerstörerische Angriffe in der Zukunft, auf die wir vorbereitet sein müssen. Eine sehr einfache und, wie mir scheint, elementare Situation, die sich ebenfalls aus diesem Besuch ergibt.

Im Grunde ist also genau das geschehen, was wir erwartet haben. Weder in Moskau noch in Kyiv haben wir irgendwelche wirklich konkreten Aussagen darüber gehört, wie der Krieg enden könnte, und wir konnten sie auch gar nicht hören. Man kann nicht hören, was es nicht gibt. Man kann in dem dunklen Raum eines nicht vorhandenen Kompromisses nicht nach einer schwarzen Katze suchen.

Dann kann natürlich die Frage entstehen: Wozu trifft man sich überhaupt mit Witkoff und Kushner? Dafür gibt es, würde ich sagen, für jede Seite, die jetzt diese Treffen führt, ihre eigenen Voraussetzungen.

Putins Interesse ist für mich verständlich, und heute ist es noch verständlicher geworden. Putins Interesse besteht in seinem Wunsch, ein trilaterales Treffen Trump–Xi Jinping–Putin abzuhalten und zu demonstrieren, dass er ein Herr der Welt ist.

Sie verstehen doch, dass ein solches Treffen, sollte es beim APEC-Gipfel stattfinden, zu einem echten politischen Triumph für den Präsidenten der Russischen Föderation werden würde. Das ist genau jenes G3-Format, von dem sowohl Trump als auch Putin träumen. Es ist ein Format, das im Grunde einen Schlusspunkt unter jene Weltordnung setzt, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist.

Der APEC-Gipfel soll zu einem regelrechten politischen Umsturz mit unklaren Folgen werden und könnte uns im Grunde schneller in den Dritten Weltkrieg führen, als wir denken. Viel schneller. Dieser Express steht bereits am Bahnsteig, man muss nur noch die entsprechenden Knöpfe drücken, und dann wird alles derart losrasen, dass Sie es sich nicht einmal vorstellen können. Aber damit dieses trilaterale Treffen stattfinden kann, muss Putin Friedfertigkeit vorspielen.

Trump, der sich nicht mit Putin trifft, der nicht einmal mit dessen Vertretern sprechen und Verhandlungen führen will, kann sich nicht einmal ein bilaterales Treffen mit dem russischen Präsidenten erlauben, geschweige denn ein trilaterales.

Jetzt aber, nachdem Witkoff und Kushner die russische Hauptstadt besucht, dort mit Dmitrijew zu Mittag gegessen und mit Putin gesprochen haben, sind alle Schleusen sowohl für ein bilaterales Treffen der Präsidenten der Russischen Föderation und der Vereinigten Staaten von Amerika als auch grundsätzlich für einen trilateralen Gipfel China–USA–Russland geöffnet – sofern Washington und Peking dazu bereit sind. Das wäre ein echter politischer Triumph für Putin. Zweifeln Sie nicht daran.

Und damit verstehen wir sehr gut, warum Putin mit Kushner und Witkoff sprechen muss. Das hat überhaupt nichts Reales mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu tun.

Und nun der zweite, nicht weniger wichtige Punkt. Warum trifft sich Zelensky mit Witkoff und Kushner, obwohl er sehr gut versteht, dass sie sich mit Putin nicht über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges einigen können und dies vielleicht auch gar nicht anstreben?

Weil wir die Unterstützung der Vereinigten Staaten sichern müssen. Wenn Zelensky darüber scherzt, Witkoff und Kushner hätten die Rolle von Patriots gespielt – nun, seinerzeit spielten andere Vertreter der amerikanischen Administration, die in die Ukraine kamen, wie Sie sich erinnern, dieselbe Rolle. Wir haben sogar über diese Reisen des Vertreters des amerikanischen Präsidenten, Keith Kellogg, gelacht, der in der Administration keinerlei Einfluss hatte, dessen Status die Russen aber respektierten. Und wenn er zu völlig bedeutungslosen Besuchen kam, schossen sie wenigstens nicht.

Aber Scherz beiseite: Die Ukraine braucht Unterstützung. Die Unterstützung Amerikas ist für die Ukraine von entscheidender Bedeutung – sowohl hinsichtlich der Bereitstellung von Geheimdienstinformationen als auch hinsichtlich des Verkaufs von Waffen an Europa, die Europa anschließend uns zur Verfügung stellt. Auch das ist ein vollkommen verständlicher Teil unseres Interesses. Und wir können uns weder gegenüber den Amerikanern noch gegenüber den Europäern als Menschen darstellen, die keinen Frieden wollen. Das heißt, wir sind gezwungen, dieses Spiel mitzuspielen, das mit einem wirklichen Friedensprozess überhaupt nichts zu tun hat.

Sie können mich fragen: „Und wann wird dann ein wirklicher Friedensprozess beginnen?“

Erstens kann er auch niemals beginnen. Es kann einfach zu einem Abflauen des Krieges ohne irgendwelche Verhandlungen kommen, weil die Seiten so erschöpft sein werden, dass sie nicht mehr weiterkämpfen können.

Und ich hoffe, dass wir Russland so erschöpfen können, dass sie sich einigen wollen. Das ist der realistischste Ausgang jener Ereignisse, die mit dem großen russischen Angriff auf die Ukraine begonnen haben.

Und noch ein Punkt: Es gibt einen Indikator. Wenn eine Waffenruhe verkündet wird, wenn Witkoff eines schönen Tages gemeinsam mit Kushner nach Moskau kommt und sie sich mit Putin auf eine Waffenruhe einigen – dann verrate ich ihnen ein großes Geheimnis: Wenn Putin im russisch-ukrainischen Krieg eine Waffenruhe verkünden will, braucht er die Amerikaner überhaupt nicht.

Er hat übrigens selbst während seiner Pressekonferenz in Bischkek gesagt, dass Russland und die Ukraine sich über die Beendigung des Krieges einigen müssten. Der springende Punkt ist, dass die Amerikaner dort überhaupt nicht gebraucht werden.

Putin führt nicht deshalb Verhandlungen mit den Amerikanern, damit sie Vermittler im russisch-ukrainischen Konflikt sind. Er braucht ihre Vermittlung überhaupt nicht. Er trifft sich mit ihnen, um anderen Möglichkeiten der Amerikaner, Druck auf Russland auszuüben, zuvorzukommen.

Und wenn Putin zu der Auffassung gelangt, dass er den Krieg tatsächlich beenden muss – ich weiß nicht, ob das überhaupt geschehen wird, bislang sehe ich dafür keine Voraussetzungen –, wird er einfach eine Möglichkeit finden, damit irgendein Abramowitsch sich mit einem hypothetischen Arachamija trifft.

Und danach verkünden die Generalstabschefs der Streitkräfte der Ukraine und der Russischen Föderation eine Waffenruhe, und das war’s. Erst danach beginnt der Friedensprozess. Und die Teilnahme an diesem Friedensprozess wird für die Vermittler ein politischer Preis sein.

Wenn Putin Trump ein solches Geschenk machen will – oder vielleicht wird es um denjenigen gehen, der nach 2028 Präsident der Vereinigten Staaten sein wird –, dann ist auch das eine vollkommen realistische Variante für das Ende dieses Krieges. Er kann sie als Vermittler einladen. Wenn er der Ansicht ist, dass er die Amerikaner nicht braucht, wird er ihnen ein solches Geschenk nicht machen.

Wenn wir den Europäern ein Geschenk machen wollen und uns darauf einigen, dass auch die Russen bereit sind, dies zu berücksichtigen, laden wir die Europäer zu den Verhandlungen ein.

Wenn jemand China ein Geschenk machen will – ich halte es für möglich, dass dies in einer solchen Situation sowohl der Präsident Russlands als auch der Präsident der Ukraine sein könnte –, dann wird China bei diesen Verhandlungen vermitteln.

Aber die Rolle des Verhandlers, die Rolle des Vermittlers bei den Verhandlungen, ist rein dekorativ. Verstehen Sie das? Dekorativ.

Die Vereinigten Staaten spielen eine dekorative Rolle, weil sie erstens keinerlei wirksame Instrumente besitzen, um Druck auf die Russische Föderation auszuüben. Sie haben keine mehr, sie können kaum noch etwas tun. Und nach dem Krieg gegen Iran können sie überhaupt nichts mehr tun.

Sie beschweren sich sogar über die Ukraine, weil sie das Ölgleichgewicht in der Welt durcheinandergebracht habe. Das ist das Ergebnis, das wir von amerikanischen Regierungsvertretern hören, von Finanzminister Bessent, von Energieminister Wright. Sie beschuldigen die Ukraine inzwischen ganz offen. Weil sie die Lage auf dem Ölmarkt nicht in den Griff bekommen. Trump hat diesen Kampf verloren.

Und Trump kann auch gegen uns nicht besonders viel unternehmen, denn ja, wir brauchen amerikanische Hilfe, aber sie ist nicht so kritisch, dass wir wegen dieser Hilfe irgendwelche Entscheidungen treffen würden, die mit der Zerstörung unserer Souveränität verbunden sind.

Deshalb ist das keine Shuttle-Diplomatie Kissingers im Nahen Osten. Als Kissinger zwischen den Ländern des Nahen Ostens hin und her reiste und über die Beendigung des Krieges verhandelte, verfügten die Vereinigten Staaten über ein Vielfaches mehr Einfluss als heute, weil es China und die chinesische Wirtschaft in ihrer heutigen Form nicht gab.

Das Entstehen zweier wirtschaftlicher Systeme, die einander ausbalancieren, führt grundsätzlich dazu, dass die Vereinigten Staaten längst nicht mehr jener Vermittler sind, der sie selbst noch zu Zeiten Barack Obamas waren. All das verliert rasch an Bedeutung. Und Trump unternimmt übrigens unglaubliche Anstrengungen, um all das weiter zu entwerten.

Das ist also ein ziemlich ernstzunehmender Umstand, der uns eine Vorstellung davon vermittelt, wie der Verhandlungsprozess in nächster Zukunft aussehen wird.

Und noch ein Punkt, über den wir sprechen: Wir müssen dennoch verstehen, in welchem Maße die Positionen der Staatschefs dieselben bleiben wie zuvor.

Putin erzählt weiterhin davon, dass sämtliche Ziele der „Spezialoperation“ erreicht werden müssten, obwohl er sie nicht erreichen kann. Und er erzählt Witkoff und Kushner von irgendeiner „Faschisierung“ der Ukraine, begründet dies mit der Entscheidung, die Führer der Organisation Ukrainischer Nationalisten umzubetten, und erzählt den amerikanischen Vermittlern deren Biografien.

Zelensky wiederum betont weiterhin, dass territoriale Fragen auf Ebene der Staatschefs entschieden werden müssten. Das heißt, er strebt weiterhin ein Treffen mit Putin an, der sich nicht mit ihm treffen will.

All das hören wir schon seit vielen Jahren. Und das bedeutet nicht, dass sich dort jemand einfach querstellt – Putin oder Zelensky. Nein. Es bedeutet, dass es keinerlei reale Grundlage für einen Kompromiss gibt.

Putin ist nach wie vor der Ansicht, die Ukraine sei lediglich ein separatistisches Territorium mit einer nichtigen Regierung, das entweder mit Waffengewalt oder durch Kapitulation an Russland zurückgegeben werden müsse.

Zelensky wiederum betrachtet sich weiterhin als Staatschef eines souveränen Staates, der mit dem Präsidenten der Russischen Föderation auf Augenhöhe sprechen muss.

Diese beiden Positionen lassen sich nicht miteinander vereinbaren. Sie sind unvereinbar. Und so wird es bleiben, bis es gelingt, diese beiden Positionen miteinander in Einklang zu bringen.

Es gibt zwei Möglichkeiten.

Entweder erkennt der Präsident der Ukraine an, dass er überhaupt kein Staatschef eines souveränen Staates ist, stimmt der Liquidierung der Ukraine zu, wie Medwedew uns das bereits vor einigen Jahren vorgeschlagen hat. Die Werchowna Rada tritt zusammen und liquidiert die Ukraine. Das wäre der Weg zu Verhandlungen – zu solchen Verhandlungen, wie Hitler sie mit dem letzten Präsidenten der Tschechoslowakei vor dem Krieg, Emil Hácha, führte, als er ihn zum Staatspräsidenten des Protektorats Böhmen und Mähren machte.

Oder Putin – beziehungsweise Putins Nachfolger, denn all das kann erst unter Putins Nachfolgern enden, schließlich ist es ein langer Prozess – akzeptiert, dass die Ukraine ein Existenzrecht besitzt, dass sie kein Land mit eingeschränkter Souveränität und kein Territorium der Russischen Föderation, sondern ein wirklicher Staat ist.

In Russland hat das noch nie jemand ernsthaft so gesehen. Selbst als man die Ukraine anerkannte und Verträge mit ihr unterzeichnete, hielt man sie stets für ein vorübergehendes staatliches Gebilde.

Wenn irgendwann jemand in Russland zu der Auffassung gelangt, dass sich die Ukraine zumindest nicht von Polen oder Finnland unterscheidet – ich spreche noch nicht einmal von Deutschland oder Frankreich –, wäre das bereits eine solche Revolution im russischen Nationalbewusstsein, wie es sie seit den Zeiten des Moskauer Fürstentums nicht gegeben hat.

Und bislang gibt es keinerlei objektive Voraussetzungen für eine solche Revolution. Also werden wir uns verteidigen müssen.

Das sind im Grunde die wichtigsten Punkte, über die man, würde ich sagen, sprechen konnte, bevor wir vielleicht künftig irgendwelche konkreten Einzelheiten im Zusammenhang mit dem Besuch Witkoffs und Kushners in der ukrainischen und der russischen Hauptstadt erfahren.

Ich werde auf einige Fragen antworten, die während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Welche Rolle spielten die Vertreter der europäischen Länder bei dem heutigen Treffen?

Portnikov: Ich denke, dass die Vertreter der europäischen Länder vor allem eine Idee haben. Die Vertreter der europäischen Länder wollen, dass ihre Stimme Gewicht hat, dass man auf ihre Position hört. Sie wollen, dass auch die Ukraine in der Trump-Administration Gehör findet. Das ist alles.

Zumal die Amerikaner, wie Sie verstehen, ohne die europäische Position ohnehin keine ernsthaften Zugeständnisse an Moskau machen können, weil der Löwenanteil der Sanktionen gegen Russland – SWIFT und so weiter – eine europäische Angelegenheit ist.

Frage: Eine Frage der Logik: Wenn Putin selbst die Kampfhandlungen beenden will, warum sollte er Trump eine so einmalige Gelegenheit schenken, daran beteiligt zu sein? Er kann sich doch direkt einigen?

Portnikov: Natürlich kann er das. Genau das sage ich die ganze Zeit. Putin braucht Trump überhaupt nicht. Nur wenn Putin Trump aus irgendwelchen Gründen ein politisches Geschenk machen will. Putin kann das ganz sicher direkt vereinbaren.

Frage: Gibt es eine Chance, dass nach Putins Tod ein weniger imperialistischer Herrscher kommt, der unser Land nicht angreifen wird? Oder sind wir zu einem ewigen Kampf verdammt, bis entweder wir oder sie nicht mehr da sind?

Portnikov: Nach Putins Tod oder seinem politischen Zusammenbruch kann ein Mensch an die Macht kommen, der der Ansicht ist, die Ukraine könne nicht mit militärischen, sondern mit wirtschaftlichen und politischen Mitteln in die russische Zange genommen werden.

Übrigens könnte ein solcher Mensch wesentlich größere Erfolge erzielen als Putin, weil es Millionen Ukrainer gibt, die zu irgendeiner Form des Zusammenlebens mit Russland bereit sind und sich weiterhin als Teil der russischsprachigen Welt betrachten.

Und glauben Sie mir: Sobald der Krieg endet, werden sich diese Menschen wieder lautstark zu Wort melden und für entsprechende politische Kräfte stimmen. Damit Sie sich keinerlei Illusionen machen.

Wenn Putin kein Idiot wäre, befände sich die Ukraine längst faktisch in der Einflusssphäre der Russischen Föderation. Putin wollte von der Ukraine immer mehr, als sie ihm geben konnte. Er verweigerte prorussischen Ukrainern schlicht das Recht, prorussische Ukrainer zu sein. Er versuchte, sie zu Russen zu machen, wie es in den besetzten Gebieten geschieht.

Ein klügerer Mensch an der Spitze Russlands kann die Ukraine ohne Panzer und Raketen besiegen. Auch daran muss man denken.

Denn die ukrainische politische Nation in der Form, wie wir sie heute kennen, haben Putin und Yanukovych geschaffen. Andernfalls hätte sie möglicherweise auch in den kommenden drei oder vier Jahrzehnten nicht entstehen können.

Und die Ukrainer mit einem europäischen und nationalpatriotischen Bewusstsein wären in unserem Land, wie es auch vor Putin der Fall war, eine absolute Minderheit geblieben beziehungsweise hätten 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung ausgemacht.

Frage: Sie sagten, Trump werde diese beiden Herren jetzt nur dann zu Verhandlungen schicken, wenn realistische Vereinbarungen möglich seien. Was war diesmal anders?

Portnikov: Vielleicht war alles genau so? Vielleicht besteht die realistische Vereinbarung in einem trilateralen Gipfel von Trump, Putin und Xi? Vielleicht wollten sie darüber sprechen?

Realistische Vereinbarungen müssen nicht das Ende des Krieges betreffen. Ich sage noch einmal: Wir können unter Realismus bestimmte Dinge verstehen, während sie darunter etwas völlig anderes verstehen können.

Sie haben doch gesehen, dass sie sich nicht über das einigen, worüber wir glauben, dass sie sich einigen. Und das ist ein gewaltiges Problem, wenn wir über den russisch-ukrainischen Krieg und die Haltung der Trump-Administration zu diesem Krieg sprechen.

Frage: Wenn die Demokraten nach den Wahlen in den Vereinigten Staaten die Mehrheit bekommen, kann die Ukraine dann mit militärischer Hilfe der USA rechnen?

Portnikov: Grundsätzlich bestehen solche Möglichkeiten. Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten bleibt unabhängig davon, wer im Kongress die Mehrheit besitzt, unter der Kontrolle des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Aber wenn man berücksichtigt, dass das Gesetz zur Unterstützung der Ukraine bereits verabschiedet wurde und sich jetzt im Senat befindet, wo es von den Trump-treuen Führern des Senats und von Trump selbst blockiert wird – und dieses Gesetz ist wesentlich wichtiger als das Graham-Gesetz –, dann können die Demokraten, wenn sie an die Macht kommen, die Zustimmung zu bestimmten Vorhaben Trumps gegen die Zustimmung zu eigenen Gesetzesvorhaben eintauschen.. So etwas geschieht in Amerika.

Wenn Trump unbedingt etwas verabschieden muss – bis hin zu einer Begnadigung irgendwelcher Verwandten oder Mitarbeiter, der Bestätigung irgendeiner Person für ein Amt oder der Verabschiedung bestimmter Haushaltsposten –, wir wissen nicht, was es sein wird. Er hat schließlich noch zwei Jahre als Präsident vor sich. Danach kommen 2026, 2027, 2028. Gott bewahre, dass in diesen Jahren nicht der Dritte Weltkrieg beginnt, denn unter Trump ist alles möglich.

Nun, er kann diese Gesetze gegeneinander eintauschen. Und auf diese Weise können wir von den Vereinigten Staaten mehr militärische Hilfe bekommen. Nicht weil Trump das verlangen würde, sondern weil der Kongress es verlangen würde. Diese Möglichkeiten bestehen durchaus. Das sage ich gleich.

Frage: Müssen wir also mindestens bis 2029 warten?

Portnikov: Ich kann Ihnen nicht sagen, wann der russisch-ukrainische Krieg enden wird. Es gibt auf der Welt keinen einzigen Menschen, der weiß, wie er enden soll und wann.

Ich wiederhole: Es gibt keine objektiven Voraussetzungen für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges und, weiter gefasst, des russisch-ukrainischen Konflikts.

2029 ist nicht das Jahr, in dem der Krieg endet. Es ist das Jahr, in dem im Sicherheitsrat der Russischen Föderation Entscheidungen getroffen werden. Das wird nach November 2028 sein: Welche Taktik soll man im Krieg angesichts eines neuen amerikanischen Präsidenten wählen?

Aber wer hat Ihnen gesagt, dass der Krieg nicht weitergehen kann oder dass der Konflikt nicht während der gesamten nächsten Präsidentschaft weitergehen kann? Wer hat Ihnen das gesagt?

Ich sage Ihnen lediglich, dass Putin nach 2029 einige ernsthafte Entscheidungen treffen wird. Das bedeutet aber nicht, dass dann irgendetwas beendet sein wird. Es ist einfach eine Etappe.

Der russisch-ukrainische Krieg und der russisch-ukrainische Konflikt haben verschiedene Etappen. Das Jahr 2028, das Jahr der Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten, wird eine bestimmte Etappe sein, aber vielleicht keine so wichtige, wie es uns erscheint.

Aus dem einfachen Grund, dass Putin 2024, als in den Vereinigten Staaten Präsidentschaftswahlen stattfanden, möglicherweise dachte, ein Wechsel des amerikanischen Präsidenten würde es ermöglichen, den Krieg zugunsten Russlands zu beenden, dass diese ganze Geschichte mit dem Krieg dann vorbei wäre und Putin die Ukraine besiegen könnte, weil es keine amerikanische Hilfe mehr geben würde.

Könnte das die Vorstellung des russischen Präsidenten gewesen sein? Ja, das könnte sie gewesen sein.

Jetzt ist bereits klar, dass der Wechsel des Präsidenten der Vereinigten Staaten darauf keinen so wesentlichen Einfluss hat.

Deshalb überschätzen vielleicht sowohl ich als auch wir alle gemeinsam die Bedeutung des Wechsels an der Spitze der amerikanischen Macht im Jahr 2029.

Wie Sie alle würde auch ich sehr gerne wissen, wann der russisch-ukrainische Krieg enden wird. Leider verfügt bislang keiner von uns über dieses Wissen.

Aber zum Abschluss unserer Sendung und während wir darauf warten, vielleicht konkrete Einzelheiten im Zusammenhang mit dem Besuch der amerikanischen Vermittler zu erfahren, möchte ich Sie an eine wichtige Sache erinnern.

Es wird von den Streitkräften der Ukraine abhängen und von der Bereitschaft der Ukrainer, ihr Land in den Reihen dieser Streitkräfte zu verteidigen, sowie von der Bereitschaft der Gesellschaft, den Streitkräften dabei zu helfen, Ressourcen und Möglichkeiten für den Widerstand gegen die russische Aggression in den kommenden schweren Jahren zu finden.

Einen anderen historischen Ausweg hat es für das ukrainische Volk nie gegeben, gibt es nicht und wird es nicht geben. Das garantiere ich Ihnen mit hundertprozentiger Klarheit.

Und wenn es der Ukraine gelingt, die russische Wirtschaft zu zerstören und die Zahl der russischen Mörder auf ukrainischem Boden so weit zu verringern, dass keine Mobilmachung Russland dabei helfen kann, seine Pläne zur Zerstörung unseres Staates fortzusetzen, können wir das ersehnte Abflauen erreichen. Ein Abflauen, kein Ende. Für ein Ende gibt es überhaupt keine Voraussetzungen. Ein Abflauen des Krieges.

Dafür müssen die Ukrainer arbeiten und kämpfen. Zumal sich uns, wie Sie verstehen, bald eine enorme Zahl von Menschen anschließen wird, die in europäischen Ländern leben, weil auch diese Länder zu Ländern werden, die von Konflikten betroffen sind. Und viele unserer Landsleute werden entweder diese Länder in neuen Konflikten verteidigen oder Teil der ukrainischen Verteidigung werden.

Auch das ist eine Perspektive, an die jeder denken muss, der über die Zukunft des ukrainischen Staates, über die Zukunft des russisch-ukrainischen Krieges und über einen möglichen großen Krieg in Europa nachdenkt, an dessen Grenze wir uns nun ebenfalls befinden.

Ich denke, der Besuch der amerikanischen Vermittler Witkoff und Kushner in der russischen und der ukrainischen Hauptstadt hat Sie davon überzeugt, dass gerade die ukrainische Armee in den kommenden Jahren der wichtigste Garant für den Erhalt des ukrainischen Staates und für Ihr physisches Überleben als solches bleiben wird, denn die Alternative besteht in der Zerstörung des Staates und im Tod seiner Bürger.

Ich hoffe, dass es eine solche Alternative für uns nicht geben wird, dass die Ukraine standhalten wird und dass keinerlei Manöver um die Ukraine herum uns dazu zwingen werden, auf die ukrainische staatliche Souveränität und auf die Existenz der ukrainischen Nation auf ukrainischem Boden zu verzichten.

Das heißt, Putin wird es nicht gelingen, jene Ziele zu erreichen, die bereits formuliert und verkündet wurden und die der russische Aggressor derzeit in die Tat umzusetzen versucht.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Приїзд Віткоффа і Кушнера: головне |Віталій Портников. 06.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 06.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Warum Witkoff und Kushner kommen | Vitaly Portnikov. 04.09.2026.

Die Reise der Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff und Jared Kushner, in die russische und die ukrainische Hauptstadt weckt Hoffnungen – wenn schon nicht auf Frieden, dann zumindest auf eine Wiederbelebung des Verhandlungsprozesses über ein Ende des Krieges in der Ukraine.

Es sei daran erinnert, dass es gerade die Russische Föderation war, die sich aus diesem Verhandlungsprozess zurückgezogen hat. Damals forderte man in Moskau als Voraussetzung für seine Wiederaufnahme, dass die Ukraine dem Abzug ihrer eigenen Truppen aus jenen Teilen der Gebiete Donezk und Luhansk zustimmt, die sich weiterhin unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Staatsführung befinden.

Die Tatsache, dass man sich im Kreml bereit erklärt hat, mit den amerikanischen Vertretern zu sprechen und sie darüber hinaus sogar nach Moskau eingeladen hat, ohne dass die Ukraine diese Forderungen der russischen Führung erfüllt hat, zeugt bereits von einem gewissen diplomatischen Erfolg Kyivs.

Denn Putin ist offenbar klar geworden, dass es ohne einen Verhandlungsprozess schlicht nicht möglich sein wird, in den Beziehungen zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump weiter auf Zeit zu spielen. Und selbst wenn das Hauptziel des russischen Staatschefs gerade darin besteht, bis zum Ende von Trumps Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten Zeit zu schinden, muss er nicht Drohungen gegen die Ukraine, sondern die Existenz eines tatsächlichen Verhandlungsprozesses vortäuschen.

Aber das ist nur eine der Möglichkeiten, die sich im Zusammenhang mit den Besuchen von Witkoff und Kushner ergeben. Die zweite Möglichkeit hängt mit den bevorstehenden Wahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten zusammen. Putin könnte befürchten, dass ein nahezu unvermeidlicher Sieg der Demokraten bei diesen Wahlen einen Kongress hervorbringen wird, der nicht nur Trump, sondern auch ihm selbst gegenüber wesentlich feindseliger eingestellt ist. Und dass die Demokraten, wenn sie über eine Mehrheit im Kongress verfügen, beispielsweise vom amerikanischen Präsidenten verlangen werden, ein Gesetz über Hilfen für die Ukraine zu unterstützen und der Ukraine eine milliardenschwere finanzielle Unterstützung zu gewähren – im Gegenzug für bestimmte Zugeständnisse der parlamentarischen Mehrheit im Kongress. Mit anderen Worten: Bedingungen zu schaffen, die für eine Fortsetzung des Krieges durch Russland äußerst ungünstig wären. Und hier wird die Suche nach einem Konzept zumindest für einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu einer realistischen Option.

Die dritte Version besteht darin, dass die ukrainischen Streitkräfte tatsächlich erhebliche Erfolge bei ihren Angriffen auf die russische Wirtschaft erzielt haben. Diese Angriffe räumt inzwischen selbst Putin ein. Natürlich versuchte der russische Staatschef bei seinen Auftritten in Bischkek und Wladiwostok, die Auswirkungen der ukrainischen Angriffe auf die russische Wirtschaft herunterzuspielen. Doch mit welchen Zahlen Putin auch jonglieren mag, die Tatsache bleibt offensichtlich. Sowohl die Erdölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation als auch die Möglichkeiten, Öl in die Länder des Globalen Südens zu liefern, und die Landwirtschaft der Russischen Föderation – all das leidet erheblich unter den ukrainischen Angriffen und wird auch weiterhin darunter leiden.

Ja, Russland kann seine terroristischen Angriffe auf die städtische Infrastruktur Kyivs und anderer ukrainischer Städte fortsetzen. Aber dadurch, dass Russland die ukrainische Infrastruktur zerstört, wird die russische Infrastruktur nicht wiederhergestellt. Zudem können der Ukraine in einer derart schwierigen Phase der Konfrontation mit Moskau ihre europäischen Verbündeten beim Überleben helfen. Und wer, wenn nicht Putin, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Volksrepublik China zwar russisches Öl kaufen und dadurch reale Möglichkeiten für das Überleben der russischen Wirtschaft schaffen kann, Putin aber nicht einfach so Geld geben wird.

Und im Übrigen ist offensichtlich, dass die Wiederbelebung der Verhandlungsbemühungen auch mit dem jüngsten Treffen zwischen Putin und dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping in der kirgisischen Hauptstadt zusammenhängen könnte. Denn gerade nach diesen Gesprächen, nach denen der chinesische Staatschef von der Bedeutung einer stärkeren politischen Koordinierung zur Beendigung des russisch-ukrainischen Konflikts sprach, lud der russische Präsident Steve Witkoff und Jared Kushner öffentlich nach Moskau ein.

Natürlich können wir davon ausgehen, dass die Reise der amerikanischen Vertreter im Voraus vorbereitet worden war. Solche Besuche lassen sich nicht buchstäblich innerhalb weniger Tage vorbereiten. Aber die öffentliche Einladung könnte eine Demonstration der Loyalität nicht nur gegenüber dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten gewesen sein. Sie könnte zugleich eine Demonstration der Bereitschaft gewesen sein, den Verhandlungsprozess fortzusetzen. Putin muss das also sowohl Trump als auch Xi Jinping zeigen. Er muss zeigen, dass er sich den Verhandlungsbemühungen nicht verweigert.

Später kann man dann der Ukraine mangelnde Konstruktivität vorwerfen, behaupten, Moskau und Washington hätten versucht, einen Kompromiss zu finden, zu dem die ukrainische Führung nicht bereit sei, und genau solche Bedingungen erfinden, die nicht zu einem Ende des Krieges, sondern zu einer Destabilisierung der politischen Lage in der Ukraine führen würden.

Jetzt aber könnte Putin bestrebt sein, die Vertreter des Präsidenten der Vereinigten Staaten an seiner Seite zu sehen, um zu zeigen: „Sehen Sie, ich habe tatsächlich Bedingungen geschaffen, unter denen Russland bereit ist, nach politischen Lösungen für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu suchen. Ich treffe mich mit den Vertretern Donald Trumps. Gemeinsam mit ihnen suche ich nach einem ernsthaften Kompromiss. Und dass die ukrainische Führung nicht bereit ist, diesen Kompromiss einzugehen – nun, davor habe ich doch bereits gewarnt, noch bevor Witkoff und Kushner in der russischen Hauptstadt eingetroffen sind.“

Übrigens: in der russischen Hauptstadt. Moskau wird jetzt alles Mögliche tun, damit Witkoff und Kushner nach Moskau kommen und sich mit Putin treffen, zugleich aber aus Sicherheitsgründen auf eine Reise nach Kyiv verzichten. Bekanntlich haben die Sondergesandten des amerikanischen Präsidenten die ukrainische Hauptstadt bislang kein einziges Mal besucht. Allein die Tatsache ihrer Ankunft, sollte sie tatsächlich stattfinden, wäre daher bereits ein echter diplomatischer Durchbruch, der dem russischen Präsidenten offensichtlich nicht gefällt und den er in den kommenden Tagen zu verhindern versuchen wird.

Und das ist in gewissem Maße ebenfalls eine diplomatische Gefahr und eine Falle, die wir gemeinsam mit unseren amerikanischen Partnern bereits in nächster Zeit umgehen müssen. Offensichtlich ist diese Falle durchaus ernst zu nehmen, denn wenn Witkoff und Kushner nur in Moskau sein werden und nicht nach Kyiv kommen, werden sie zu Übermittlern gerade der russischen Vorstellung davon, wie der Krieg beendet oder ein Kompromiss zur Erreichung eines Waffenstillstands gefunden werden soll.


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Titel des Originals: Чому їдуть Віткофф і Кушнер | Віталій Портников. 04.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 04.09.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Zelensky spricht mit Witkoff: Details | Vitaly Portnikov. 22.07.2026.

Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, hat ein Telefongespräch mit den Sonderbeauftragten von Präsident Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, geführt.

Obwohl die Einzelheiten dieses Gesprächs nicht bekannt gegeben werden, zeigt allein die Tatsache, dass der Präsident der Ukraine erstmals seit vielen Monaten mit amerikanischen Sonderbeauftragten spricht, nicht nur den Wunsch Kyivs, zu diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zurückzukehren, sondern auch die Bereitschaft Washingtons, sich ukrainische Vorschläge in dieser Frage anzuhören.

Das Gespräch zwischen Zelensky sowie Witkoff und Kushner findet am Vorabend zweier wichtiger Ereignisse statt. Zelensky wird in Kürze in die Vereinigten Staaten reisen, um möglicherweise Präsident Donald Trump zu treffen und außerdem an der Beisetzung des Senators Lindsey Graham teilzunehmen. Diese Reise des ukrainischen Präsidenten wird zweifellos auch mit dem Bemühen verbunden sein, politische Möglichkeiten sowohl zur Wiederbelebung der amerikanischen Unterstützung für die Ukraine zu finden als auch zu verstehen, wie realistisch diplomatische Bemühungen zur Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Kyiv und Moskau unter Vermittlung Washingtons sind.

Ein weiteres wichtiges diplomatisches Ereignis findet bereits morgen in Manila statt, wo die Außenminister der Mitgliedstaaten der ASEAN zusammentreffen. Dort wird der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow zusammentreffen. Es wird das erste Treffen der Leiter der Außenministerien der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation seit zehn Monaten sein. Möglicherweise diente das Gespräch Zelenskys mit Witkoff und Kushner auch dazu, eine gewisse Tagesordnung für Marco Rubio zu schaffen, für den Fall, dass Lawrow an einer Rückkehr der Russischen Föderation zum Verhandlungsprozess interessiert sein sollte.

Ich erinnere daran, dass Russland diesen Prozess verlassen hat und von einer Möglichkeit seiner Wiederaufnahme nur dann spricht, wenn die Streitkräfte der Ukraine den Teil des Gebiets der Oblast Donezk verlassen, der sich weiterhin unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung befindet. Die Vereinigten Staaten sind, wie wir wissen, nicht bereit, Druck auf die Ukraine auszuüben, der damit verbunden wäre, dass wir auf einen Teil des Territoriums verzichten, auf dem der Vormarsch der russischen Truppen andauert. Gleichzeitig kann man jedoch hoffen, dass die Angriffe auf russische Erdölraffinerien und Online-Marktplätze ebenfalls Voraussetzungen dafür schaffen, dass man im Kreml zumindest beginnt, über eine Rückkehr zum Verhandlungsprozess nachzudenken.

Gleichzeitig muss verstanden werden, was für ein Verhandlungsprozess das sein soll. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass Verhandlungen während der Fortsetzung der Kampfhandlungen ausschließlich ein Versuch des Präsidenten der Russischen Föderation sind, Zeit bis zum Ende der Amtszeit des amerikanischen Präsidenten zu gewinnen. Genau zu diesem Vorgehen griff Putin, als Joseph Biden Präsident der Vereinigten Staaten war.

Jetzt besteht die Aufgabe des russischen Staatschefs darin, Donald Trump zu überdauern. Und das ist, wie ich sagen würde, keineswegs eine so weit in die Zukunft reichende Aufgabe, wie es scheint. Die erste Hälfte des Jahres 2026 geht zu Ende, und im Jahr 2028 wird in den Vereinigten Staaten bereits der Präsidentschaftswahlkampf offen beginnen. Ende 2028 wird klar sein, wer Herr des Weißen Hauses werden wird. Und Präsident Putin wird entscheiden können, unter welchen Bedingungen der russisch-ukrainische Krieg beendet werden soll oder ob er ihn überhaupt nicht beendet, sondern ihn auch während der nächsten Präsidentschaft fortsetzt, falls ihm der künftige Präsident der Vereinigten Staaten zu Kompromissen nach russischen Bedingungen eher bereit erscheint als dessen Vorgänger.

Die Aufgabe der Ukraine besteht darin, diesen Plan Putins zu durchkreuzen, der auf das Ende der zwanziger Jahre ausgerichtet ist und darauf abzielt, Voraussetzungen für die Zerstörung des ukrainischen Staates durch einen jahrelangen Prozess von Angriffen auf unser Territorium und dem Vormarsch der russischen Armee zu schaffen. 

Man muss Putin diese Illusionen nehmen, und das ist durch Diplomatie unmöglich, die den russischen Präsidenten überhaupt nicht interessiert. Außerdem muss man sich darüber im Klaren sein, dass das Modell der Verhandlungen, mit dem sich Witkoff und Kushner bis vor Kurzem beschäftigt haben, Putin lediglich dabei hilft, sich in seiner Vorstellung davon zu bestärken, wie dieser Krieg weitergeführt werden soll.

Die wichtigste Voraussetzung für Verhandlungen – wenn wir überhaupt hoffen, dass diese Verhandlungen eines Tages zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges und zu irgendwelchen Vereinbarungen zwischen Moskau und Kyiv führen werden – muss auf einem Waffenstillstand entlang der Frontlinie beruhen. Ich erinnere daran, dass dies die erste Initiative des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, war, als er ins Oval Office zurückkehrte.

Ich erinnere auch daran, dass der Präsident der Russischen Föderation eine solche Idee konsequent zurückgewiesen und seinem amerikanischen Amtskollegen zunächst Verhandlungen über einen Waffenstillstand zu Bedingungen aufgedrängt hat, die für unser Land offensichtlich unannehmbar waren, und später die Möglichkeit von Verhandlungen über ein Friedensabkommen während der Fortsetzung der Kampfhandlungen.

Wir befinden uns jetzt nicht einmal mehr an diesem Punkt. Wir befinden uns jetzt an einem Punkt, an dem die Russische Föderation selbst auf diese Verhandlungen gespuckt hat, und nun versuchen alle, sie zu überzeugen, während der Fortsetzung der Kampfhandlungen zu den Verhandlungen zurückzukehren. Und wir müssen klar verstehen, dass solche Verhandlungen nicht einmal Ansätze zu Frieden bringen werden, sondern lediglich ein Instrument zur Fortsetzung des Krieges sein werden.

Deshalb sollten die Konsultationen des Präsidenten der Ukraine mit den Sonderbeauftragten des Präsidenten der Vereinigten Staaten sowie die Gespräche des Außenministers der Vereinigten Staaten mit dem Außenminister der Russischen Föderation meiner Ansicht nach auf der Idee beruhen, die Russische Föderation zu einem Waffenstillstandsabkommen entlang der Kontaktlinie der Truppen oder zumindest zum Beginn von Gesprächen über einen teilweisen Waffenstillstand, beispielsweise im Energiebereich, zu zwingen.

Übrigens sprach darüber vor Kurzem auch der Außenminister der Türkei, Hakan Fidan, während seines Besuchs in der ukrainischen Hauptstadt. Und Moskau dementierte sofort, dass es bereit sei, derartige Initiativen zu erörtern.

Vielleicht wissen die Vereinigten Staaten jedoch, wie sie ihren Druck auf die Russische Föderation energischer gestalten können. Vielleicht besteht Hoffnung, dass schwerere ukrainische Schläge gegen den Erdölraffineriekomplex und die Online-Marktplätze der Russischen Föderation Präsident Putin dazu zwingen werden, genau einer solchen Variante des Verhandlungsprozesses zuzustimmen.

Große Erwartungen habe ich ehrlich gesagt nicht. Aber daran zu arbeiten, dass ein Waffenstillstand zumindest in den kommenden Jahren für die Ukrainer Wirklichkeit wird und dass er früher beginnt, als sich die Städte der Ukraine in Orte verwandeln, die zumindest im Winter unbewohnbar sind, ist eine wichtige, gewichtige und ernsthafte Aufgabe der ukrainischen Diplomatie sowie der Bemühungen des Präsidenten der Ukraine während seiner Gespräche mit den amerikanischen Vertretern, die immer noch hoffen, den russischen Staatschef dazu bewegen zu können, den Krieg gegen unser Land und unser Volk zu beenden.


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Titel des Originals: Зеленський спілкується з Віткофом: деталі | Віталій Портников. 22.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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