Ein anderer Donald Trump | Vitaly Portnikov. 19.10.2026.

Інший Дональд Трамп. Віталій Портников. 19.10.2026.

Schon während seiner ersten Amtszeit im Oval Office kritisierte Donald Trump Europa für den Kauf russischen Gases und betonte, dass dadurch eine gefährliche Abhängigkeit vom Kreml entstehen würde. Es gibt bekannte A ML ufnahmen, auf denen deutsche Minister zu sehen sind, die über diese Worte des amerikanischen Präsidenten lachen. Heute erscheint dieses Lachen als hervorragender Beleg für Kurzsichtigkeit und mangelndes strategisches Denken. Schließlich war Berlin davor gewarnt worden, dass die Fertigstellung der Nord-Stream-Pipelines keineswegs dazu führen könnte, Putin in große Geschäfte mit Europa einzubinden, sondern zu einem großen Krieg in Europa.

Doch derjenige, der damals auf die Gefahren der Energieabhängigkeit hinwies, verhandelt heute unter völlig veränderten Umständen mit Putin über die Lieferung russischen Dieselkraftstoffs auf die Weltmärkte. Mehr noch: Medienberichten zufolge soll die Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen nach Europa und die Nutzung des ukrainischen Gastransportsystems für diese Lieferungen zu einer wichtigen Bedingung für die Beendigung des Krieges werden.

Es entsteht der Eindruck, als würde diese Entscheidungen bereits ein anderer Donald Trump treffen – ein ganz anderer Mensch als jener, der den Europäern von den Gefahren einer Abhängigkeit von Russland erzählte. Aber warum hat sich die Haltung des amerikanischen Präsidenten gegenüber russischen Energieträgern so stark verändert? Vielleicht, weil er die Aussicht auf eine Bündelung der Kräfte und eine amerikanische Beteiligung am russischen Geschäft erkannt hat? Vielleicht erscheint eine solche Abhängigkeit gar nicht mehr als so große Abhängigkeit, wenn man nicht nur von russischen Energieträgern abhängig ist, sondern auch von amerikanischen Gewinnen aus deren Verkauf?

Doch welche Motive Donald Trump auch immer haben mag, sie dürften sich kaum auf die Beendigung des Krieges auswirken oder die Einnahmen Russlands beeinflussen.

Erstens, weil die Europäer offenbar der Ansicht Trumps zugestimmt haben – jenes Trumps, der sie davon überzeugte, sich aus der Energieabhängigkeit zu lösen, und nicht jenes Trumps, der ihnen nun anbieten könnte, diese Abhängigkeit wiederherzustellen. Der Verzicht auf russisches Gas – zumindest auf Pipelinegas – erfolgte in einem Tempo, mit dem selbst die Europäer nicht gerechnet hatten. Und selbst wenn man sich vorstellt, dass der Krieg endet und die Sanktionen gegen Russland gelockert werden: Wer sagt denn, dass Europa auf die Diversifizierung seiner Gaslieferungen verzichten wird? Schließlich hatte Trump recht: All diese Gaspipelines erwiesen sich als eine regelrechte Falle, mit deren Hilfe Putin Europa seine Bedingungen diktieren wollte – und möglicherweise noch immer diktieren will.

Zweitens: Russland hatte all das bereits. Es hatte eine Monopolstellung auf dem europäischen Markt, die durch jahrzehntelange Bemühungen sowjetischer und russischer Politiker und Energiefachleute aufgebaut worden war. Und es gab das ukrainische Gastransportsystem, das in der Lage war, größere Mengen russischen Gases zu transportieren, das in die europäischen Länder geliefert wurde.

Was tat Putin, als er gerade erst an die Macht gekommen war? Zunächst ersetzte er die Führung von Gazprom um den einflussreichen Mitbegründer des Konzerns Rem Wjachirew. Anschließend beauftragte er den neuen Gazprom-Chef Alexej Miller, der den Konzern inzwischen fast ebenso lange leitet, wie Putin Russland regiert, mit der Ausarbeitung eines Plans zum Bau sogenannter Umgehungspipelines – also eines Unterwassernetzes, das es ermöglichen sollte, auf die Dienste des ukrainischen Gastransportsystems zu verzichten. Und ungefähr zur selben Zeit begann die russische Propaganda, das mythische Bild eines Ukrainers zu erschaffen, der russisches Gas stiehlt und den man durch die Unterbrechung der Lieferungen erpressen kann. So begannen Putin und Miller, sich darauf vorzubereiten, auf die ukrainischen Dienstleistungen zu verzichten.

Mit anderen Worten: All das, was Trump Putin heute im Gegenzug für die Einstellung der Kampfhandlungen in der Ukraine und gemeinsame Energieprojekte anzubieten bereit ist, hatte Putin bereits. Und all das hat er für die Kontrolle über die Ukraine geopfert. Denn Putins politische Prioritäten unterscheiden sich erheblich von denen Trumps. Trump glaubt weiterhin an die Macht des Profits. Putin hingegen ist überzeugt, dass Profit mit Gewalt erwirtschaftet wird – genau das beweist er während seiner gesamten Herrschaft in Russland.

Deshalb wird aus den amerikanischen Vorschlägen an die Russen, Europäer und Ukrainer nichts werden. Putin will die Ukraine, und er ist überzeugt, dass er auf diese Weise auch ohne die Hilfe von Gazprom und Trump die Kontrolle über Europa erlangen wird – mit Gewalt. Die Ukrainer wiederum waren bereit, den Betrieb des Gastransportsystems sogar während des Krieges aufrechtzuerhalten, doch das hat uns nicht vor dem Krieg bewahrt.

Die Europäer haben einfach der Logik Donald Trumps vertraut, der sie vor fast zehn Jahren davon überzeugte, sich aus der Energieabhängigkeit von Russland zu lösen. Die Logik dieses „ersten“ Donald Trump gefiel uns allen besser.


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Autor/Kanal: Інший Дональд Трамп. Віталій Портников. 19.10.2026.
Veröffentlichung: 19.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Schmutzige Tänze mit Trump | Vitaly Portnikov @tvoyemistoTV. 18.10.2026.

Moderator: Ich begrüße alle zu einem weiteren Treffen des Expertenclubs von „Tvoye Misto“. Dieses Format, zunächst Podcasts und später Treffen, wurde irgendwann im vergangenen Jahr von seiner Leiterin Svitlana Zhabjuk ins Leben gerufen, die auch Mitbegründerin und Redakteurin von „Tvoye Misto“ war.

Die Idee war, dass nicht nur zwei oder drei Menschen im Land alles kommentieren sollten – oder, wie wir heute sehen, geschieht das auch weltweit –, sondern dass Menschen, die wirkliche Fachleute und Experten in ganz unterschiedlichen Bereichen sind, die für die Entwicklung der Gesellschaft wichtig sind, gehört werden und dass Sie sich auch persönlich mit ihnen unterhalten können. So kamen wir damals zu diesem Format persönlicher Treffen, die ebenfalls aufgezeichnet werden, wie auch das heutige. Unser heutiges Treffen des Expertenclubs wird also dem Thema gewidmet sein, wie sich die Welt verändert und welche Rolle die Ukraine auf der erneuerten oder neuen Weltkarte spielt. Und ich denke, der beste Redner dafür ist natürlich Vitaly Portnikov.

Wir hatten im Frühjahr bereits ein Treffen in etwas kleinerem Kreis, bei dem Sie viel über jene geopolitischen Verschiebungen gesprochen haben, die in der Welt stattfinden. Ich denke, am besten beginnen wir unser heutiges Gespräch mit dem, was gerade aus Amerika kommt, mit den jüngsten Äußerungen von Donald Trump. Als ich hierherfuhr, fragte man mich in der Redaktion: „Was meinst du, Taras, ist das etwas Bewusstes oder sind das einfach irgendwelche Stimmungsschwankungen, eine herbstliche Verschlimmerung?“ Was meinen Sie, was geschieht heute mit Donald Trump, der noch vor wenigen Tagen, vor einigen Wochen, eine Menge positiver Dinge über die Ukraine gesagt hat und jetzt plötzlich wieder alles verändert hat?

Portnikov: Ich würde mit den globalen Gesetzmäßigkeiten beginnen, denn man kann diese Frage aus journalistischer Sicht beantworten oder aus der Perspektive jener Veränderungen, die sich vor unseren Augen im Leben und in der Geschichte der Menschheit vollziehen. Bis zu einem gewissen Grad ist es durchaus symbolisch, dass wir dieses Treffen auf dem Stanisław-Lem-Platz abhalten. Eines der letzten Bücher von Stanisław Lem war sehr populär. Ich erinnere mich, dass man damals, als es erschien, mit diesem Buch den Salon der Fluggesellschaft LOT betrat und sah, dass die Sitznachbarn in verschiedenen Reihen es ebenfalls lasen. Das war das Buch „Die Welt am Abgrund“, in dem Lem über die sehr rasche Entwicklung der Informationstechnologien, der künstlichen Intelligenz und der Biotechnologie sprach und vorhersagte – denn im Unterschied zu vielen anderen Menschen war er immer Pessimist und kein Optimist, und es wäre auch seltsam gewesen, von einem Menschen, der das Pogrom in Lwiw und die kommunistische Zeit überlebt hatte, etwas anderes zu erwarten –, dass dies sehr unerfreuliche Folgen für die Menschheit haben würde: eine schwere Krise der Zivilisation, das Auftreten von Menschen an der Spitze dieser Zivilisationen, die unfähig sind, sich von Werten leiten zu lassen, und einen solchen Triumph des lumpenproletarisierten Teils der Bevölkerung. Und all das wurde vor einigen Jahrzehnten geschrieben, und wir leben jetzt einfach darin, bereits ohne Lem, aber auf dem Lem-Platz. Und das ist tatsächlich bis zu einem gewissen Grad die Antwort auf die Frage.

Wir verstehen sehr gut, dass die jüngsten Wahlereignisse in den Vereinigten Staaten von Amerika und in vielen anderen Ländern, übrigens auch in der Ukraine, kein Triumph des politischen Wettbewerbs sind, kein Triumph des gesunden Menschenverstands, kein Wettbewerb von Werten und Ideen. Es ist ein Triumph der Informationstechnologien und des Geldes, mit dem Informationstechnologien gekauft werden. Das Ausmaß ist so gewaltig, so groß, dass Sie gesehen haben, was geschah, als ukrainische Drohnen irgendein unbedeutendes Rechenzentrum von Yandex trafen, nicht einmal das wichtigste. Plötzlich stellte sich heraus, dass die Landschaft der sozialen Netzwerke völlig anders war als das, woran wir uns im letzten Jahrzehnt gewöhnt hatten. Ich möchte Sie davon überzeugen, dass wir eine völlig andere Welt sehen würden, wenn jetzt die Rechenzentren der Russischen Föderation und der Volksrepublik China verstummen würden und wenn das Geld von Elon Musk vom Markt verschwände, das er seinerseits durch die Zusammenarbeit mit der Regierung des Präsidenten der Vereinigten Staaten erhält und für die Aufrechterhaltung der Tätigkeit dieser Regierung ausgibt.

Wir leben einfach in einer Matrix, ohne uns dessen überhaupt bewusst zu sein. Und Donald Trump ist die anschauliche Verkörperung des Sieges eben dieser Matrix. Ein Mensch ohne irgendwelche Werte, ohne irgendwelche Überzeugungen, mit einer Gier nach Bereicherung, mit der Bereitschaft, seine Interessen buchstäblich innerhalb von 24 Stunden gerade wegen dieser Gier nach Bereicherung zu ändern. Ein Mensch, der gleichsam aus den Karikaturen der Zeitschriften „Krokodil“ und „Perec“ über amerikanische Imperialisten ins Oval Office geflohen ist. Wir lachten darüber und dachten: Wie primitiv sind diese sowjetischen Propagandisten, wenn sie dieses Bild von Uncle Sam schaffen. Denn solche Menschen hatten wir nie gesehen, auch nicht in Amerika. Und plötzlich stellte sich heraus, dass man eine solche Figur buchstäblich im Reagenzglas neuer Informationstechnologien züchten und zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika machen kann. Und man kann eine riesige Zahl von Menschen dazu bringen, zu glauben, dass gerade der Erfolg einer solchen Figur ihnen selbst die Möglichkeit gibt, ihr Leben zu verbessern, obwohl es in Wirklichkeit nur schlechter wird. Und ein kleiner Spoiler: Es wird auch weiterhin schlechter werden. Das lässt uns keineswegs kalt, im Gegenteil, es ist eher schlecht als gut, denn es ist schlecht, wenn der Einfluss der Vereinigten Staaten von Amerika schwächer wird. Aber es ist nun einmal so, wie es ist.

Wenn man also sagt, Trump habe plötzlich seine Position geändert, dann muss man feststellen: Trump war vom ersten Tag seiner politischen Karriere an gegen die Ukraine. Von dem Moment an, als er ins Weiße Haus kam, versuchte er, unsere Hilfe auszusetzen. Sie müssen sich daran erinnern, dass die Geschichten über die Javelins einfach mit dem Druck des Kongresses zusammenhingen, in dem die Demokraten die Mehrheit hatten. Das geschah unter dem Druck des Kongresses. Und jetzt hoffen wir doch darauf, dass Veränderungen im Kongress zu einer Ausweitung der Hilfe für uns führen können, weil Trump gezwungen sein wird, den Kongress zu berücksichtigen, den er jetzt nicht berücksichtigt. Trump suchte während seiner ersten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten nach Vereinbarungen mit Putin. Und sein damaliges Team, auf das er noch Rücksicht nehmen musste, zog ihn an Händen und Füßen von diesen Vereinbarungen weg. Wir wissen bis heute nicht, worüber sie bei diesen Treffen gesprochen haben, weil dort kein Dolmetscher des Weißen Hauses anwesend war, sondern nur ein Dolmetscher des Kremls. Als Trump nicht mehr Präsident war, blockierte er im Kongress erfolgreich die Hilfe für die Ukraine, die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten vorgeschlagen worden war, sodass der damalige und heutige Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, die Frage dieser Hilfe einfach nicht zur Abstimmung stellte. Und die Demokraten hatten damals nicht genügend Stimmen, um diesen Widerstand des Sprechers zu überwinden.

Was geschah infolgedessen? Wir verloren Awdijiwka. Das ist eine direkte Folge der Tätigkeit von Donald Trump. Als Präsident der Vereinigten Staaten veranstaltet Trump im Oval Office hysterische Ausbrüche gegenüber Zelensky, wofür natürlich alle gemeinsam Zelensky Vorwürfe machten. Aber das war ausschließlich ein Vorwand, die Suche nach einem Vorwand, um der Ukraine nicht zu helfen. Denn Trump war sich bewusst, dass er nach der Unterzeichnung dieses unglückseligen Rohstoffabkommens nicht mehr so einfach auf diese Unterstützung verzichten könnte, und tat alles Mögliche, um die Unterzeichnung zu verhindern. Denn es gab einen Teil seines Teams, der ihn buchstäblich dazu zwang, uns zu helfen, und uns sagte, wir sollten dieses Abkommen unterzeichnen. Das war Senator Lindsey Graham, damit Trump keine Trümpfe mehr in der Hand hätte und nicht erklären könnte, warum er uns nicht hilft. Und jetzt sind wir in einer neuen Phase angekommen, in der das Gesetz von Lindsey Graham verabschiedet wurde und hier alle vor Freude tanzten. Und ich fragte die ganze Zeit: „Warum freut ihr euch denn eigentlich? Was ändert sich durch dieses Gesetz? Glaubt ihr wirklich, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, der den Zollkrieg gegen China bereits verloren hat, Sanktionen gegen die Volksrepublik China verhängen wird? Wie stellt ihr euch das vor?“ Ohne Sanktionen gegen China haben all diese Gespräche über die Bestrafung der Abnehmer russischen Öls keinerlei Bedeutung, denn alle anderen Länder beziehen wesentlich geringere Mengen russischen Öls, die keinen Einfluss auf den russischen Haushalt haben. Und wie Sie sehen konnten, hat Trump dieses Gesetz zwar unterzeichnet, tat dies aber äußerst zurückhaltend, ohne große Zeremonien, ohne Journalisten. Es wurde einfach ein Foto veröffentlicht. Obwohl er, wie Sie wissen, normalerweise aus jeder Gesetzesunterzeichnung eine Show macht.

Ich kann also nicht sagen, dass hier jetzt etwas Neues geschieht. Ich halte das, was geschieht, sogar für einen Fortschritt und nicht für einen Rückschritt. Ich kann Ihnen sagen, warum. Denn als er beim letzten Mal zu dem Schluss kam, dass er die Möglichkeit habe, unsere Hilfe zu stoppen, kündigte er das öffentlich an. Das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten unter der Leitung von Pete Hegseth erklärte, dass es die Lieferung von Geheimdienstinformationen einstelle, dass es die Waffenlieferungen einstelle – damals galt noch das Hilfspaket von Biden –, dass es alles einstelle. Jetzt schweigen sie, sie verheimlichen es.

Moderator: Nun, sie haben bereits gesagt, dass sie nichts eingestellt haben.

Portnikov: Dass sie die Lieferung von Geheimdienstinformationen nicht ausgesetzt haben. Sie werden auch sagen, dass sie Starlink nicht gedrosselt haben. Sie verhalten sich wie Saboteure im Einsatz, machen still und heimlich irgendetwas und geben es nicht zu. Und wie Sie verstehen, kann das ohnehin nicht lange so weitergehen.

Moderator: Und was kann sich ändern?

Portnikov: Nichts, alles wird zurückkehren. Entweder werden sie sagen: „Ja, wir stellen alles ein“, aber dazu werden sie nicht den Mut aufbringen, weil sie in wenigen Tagen Zwischenwahlen haben. Oder sie werden zur Normalität zurückkehren, ihnen bleibt nichts anderes übrig. Alle sagen: „Man darf Donald Trump nicht beleidigen, man muss alles tun, was er sagt, sonst wird er wütend.“ Nein, das funktioniert ganz anders. Donald Trump versteht nur Stärke und die Möglichkeit, zu verlieren. Wenn man Angst vor ihm hat, wird er einen mit Füßen zertreten, genau wie Putin. Diese Menschen verstehen nur die Sprache der Stärke. Alle haben bereits versucht, mit Donald Trump so zu sprechen: „Ach, schau mal, mein Kleiner, hier ist so ein Püppchen, schau mal.“ Alle europäischen Staats- und Regierungschefs haben vor ihm getanzt. Der NATO-Generalsekretär führte überhaupt irgendwelche akrobatischen Kunststücke auf. Und was hat das gebracht? Was hat das gebracht? Dass Trump jetzt Besprechungen über die Zukunft der NATO abhält und zu diesen Besprechungen gerade jene Länder nicht eingeladen werden, die den von Donald Trump geforderten Anteil der Verteidigungsausgaben erfüllen. Warum? Weil diese Länder in der Nähe Russlands liegen. All dieses Geld ist ihm völlig egal. Ich habe immer gesagt, dass dieses Geld für ihn ausschließlich ein Vorwand ist, um die NATO zu zerstören.

Wie Putin verlangt er von uns ständig Unmögliches, damit wir nicht zustimmen und er die Fortsetzung des Krieges legitimieren kann. „Schneidet euch doch den Kopf ab, dann kehren wir an den Verhandlungstisch zurück.“ Genauso denkt sich Trump ständig Bedingungen aus, die seine Partner seiner Meinung nach nicht erfüllen werden, damit er sagen kann: „Wir brauchen keine NATO.“ Und wenn das nicht geschieht, wenn sie alle seine Bedingungen erfüllen, stellt sich am Ende heraus, dass die NATO trotzdem nicht gebraucht wird. Und es stellt sich heraus, dass man gerade jene Länder ignorieren kann, die Donald Trumps Bedingungen erfüllen. Da haben Sie die Beispiele. Was soll man da machen? So ist diese Regierung.

Wir müssen also verstehen, dass wir erstens den 3. November 2026 erleben müssen. Das ist sehr wichtig. Danach beginnt eine neue politische Epoche, und dann werden wir sehen und entscheiden können. Wenn es einen demokratisch dominierten Kongress gibt, wenn es eine demokratische Mehrheit gibt, müssen wir mit dieser Mehrheit zusammenarbeiten, um die Regierung zu zwingen, im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten von Amerika zu handeln. Das ist unsere gemeinsame Aufgabe und die der Amerikaner. Wenn es in den Vereinigten Staaten von Amerika einen Bürgerkrieg gibt, was durchaus möglich ist, falls Trump die Wahlergebnisse nicht anerkennt – in welcher Form, weiß ich nicht, aber es kann geschehen. Und wenn Sie dem skeptisch gegenüberstehen, erinnern Sie sich daran, dass alle auch dem Sturm auf das Kapitol skeptisch gegenüberstanden. Ich erinnere mich sogar nicht nur daran, dass man skeptisch war. Ich erinnere mich, dass ich während des Sturms auf das Kapitol mit einem Kollegen irgendwo war, ich weiß nicht mehr, in irgendeinem Café, und er sagte zu mir: „Schau mal auf den Bildschirm, da besetzen irgendwelche Leute das Kapitol.“ Und ich erlebte, würde ich sagen, ganz deutlich diesen Effekt, dass ein Mensch etwas sieht und es nicht sehen will. Ich sagte zu ihm: „Das kann nicht sein.“ „Wie kann das nicht sein? Schau, sie gehen die Treppe hinauf.“ „Nein, das kann nicht sein. Dort gibt es doch Sicherheitskräfte, dort gibt es solche Sicherheitsmaßnahmen. Das kann nicht sein. Das ist irgendein Fake.“ Ich trank noch ungefähr 15 Minuten weiter meinen Kaffee. Nach 15 Minuten dachte ich: „Nein, ich muss mich zusammenreißen. Das geschieht wirklich.“

Moderator: Wenn Sie sagen, dass er schon immer so war, dass es keine Stimmungsschwankung ist, sondern eine zielgerichtete Politik seit seiner vorherigen Amtszeit: Was ist sein Endziel?

Portnikov: Das Endziel ist, die Welt unter drei starken Männern aufzuteilen: sich selbst, Putin und Xi Jinping. Wobei völlig unklar ist, wozu er diese Welt braucht, wenn er 2029 das Präsidentenamt verlassen will. Aber wir müssen verstehen, dass er in seinen Fantasien vielleicht überhaupt nicht gehen wird. Noch einmal: Dieser Mensch lebt in seiner eigenen Welt. In seiner Welt kann seine Macht niemals enden. In seiner Welt wird Donald Trump Junior der nächste Präsident sein. In seiner Welt kann alles Mögliche geschehen. Erinnern Sie sich, dass er noch vor Kurzem einen Friedensrat gründete? Das haben schon alle vergessen. Erinnern Sie sich? Und er sagte, dass er lebenslanger Vorsitzender dieses Friedensrates sein werde und der Präsident der Vereinigten Staaten diesem Friedensrat als sein Sekretär angehören werde. Das hat er doch gemacht. Warum sollten wir glauben, dass er nicht irgendwelche Möglichkeiten ausarbeitet, um nach 2029 an der Macht zu bleiben? Das alles muss nicht geschehen, aber er kann so denken.

Seine Welt ist also eine Welt, in der es drei starke Führer und drei starke Staaten gibt und alle anderen Länder ihren Willen erfüllen müssen. Kanada ist ein Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika. Es soll auf Trump hören. Die Ukraine ist eine gewöhnliche Region irgendwo am Rande Russlands. Sie soll auf Putin hören. Was gibt es da zu diskutieren? Worüber soll man da überhaupt reden? Das ist die ganze Idee. Sie ist so einfach wie die Windeln des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Falls er welche trägt, natürlich.

Moderator: Wenn wir jetzt den Atlantik überqueren und nach Europa zurückkehren: Sie haben gesagt und sehr gut bemerkt, dass die digitale Welt heute vieles entscheidet und das prägt, worin wir leben, darunter auch Rechenzentren, die einfach physische Hardware sind und von irgendjemandem gesteuert werden. Könnte es eine Situation geben, in der in Europa solche Donald Trumps auftauchen? Wir haben heute bereits von Marine Le Pen gehört, dass sie im Falle eines Sieges die Ukraine nicht militärisch unterstützen werde.

Portnikov: Sehen Sie, in Bezug auf Europa gibt es eine vollständige Übereinstimmung der Interessen zwischen der Russischen Föderation, den Vereinigten Staaten von Amerika und der Volksrepublik China. Daran darf man ebenfalls nicht zweifeln. In der Russischen Föderation hört man ständig, wie schlecht die Europäische Union sei, wie sie die nationalen Regierungen unterdrücke, wie sie Russland daran hindere, normal mit europäischen Regierungen und Völkern Handel zu treiben, wie die Europäische Kommission und Ursula von der Leyen Agenten des Weltkapitals seien. All das hören wir von russischen Beamten. In der nationalen Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten von Amerika steht ausdrücklich, dass die größte Bedrohung für Europa von transnationalen Organisationen wie der Europäischen Union ausgehe. Dort steht es schwarz auf weiß, dass die Europäische Union eine Bedrohung für Europa und die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa darstellt. Das ist der offiziell beschlossene Kurs dieser Regierung.

Die Volksrepublik China würde, wie Sie verstehen, ebenfalls lieber mit jeder einzelnen nationalen Regierung zusammenarbeiten als mit der Europäischen Union als solcher. Alle diese Akteure haben unglaubliche Anstrengungen unternommen, damit Großbritannien die Europäische Union verlässt. Das war eine echte geopolitische Katastrophe des 21. Jahrhunderts, sowohl für Großbritannien als auch für die Europäische Union. Wobei viele das bis heute noch nicht verstehen. Ganz zu schweigen davon, dass sich Großbritannien seit dem Brexit in einer permanenten politischen Krise befindet. Dort gibt es inzwischen, ich weiß nicht mehr, den siebten, achten oder wievielten Premierminister seitdem, man kann sie kaum zählen. Cameron, Theresa May, Boris Johnson, Liz Truss, Rishi Sunak, Starmer und der jetzige Premierminister. Das sind sieben. Sieben in diesem kurzen Zeitraum. So etwas hat es noch nie gegeben. Die beiden größten Parteien befinden sich in einer Krise, die Stimmungen radikalisieren sich, es gibt Probleme in der Wirtschaft. Und ich erinnere mich sehr gut daran, wie die Brexit-Befürworter an den Tagen der Brexit-Abstimmung sagten: „Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie Großbritannien aufblühen wird, wie wunderbar es sich ohne Migranten, ohne europäisches Diktat leben lässt. Niemand wird uns vorschreiben, wie wir zu leben haben.“ Ich weiß nicht, ob Sie in letzter Zeit in London oder Manchester waren, ob Sie dort Migranten gesehen haben oder nicht, aber das nur nebenbei. Ich werde diesen ganzen Unsinn nicht einmal diskutieren. Die Ergebnisse sind völlig klar. Wenn die Europäische Union heute Großbritannien umfassen würde, wäre der Einfluss der Länder des gesunden Menschenverstands in Europa wesentlich stärker. Und da man immer auf Großbritannien hören musste, um es in der Union zu halten, wäre auch die antirussische Haltung der Europäischen Union heute wesentlich entschiedener. Stattdessen haben wir die Unterstützung Großbritanniens, das aber politisch von Europa isoliert ist.

Moderator: Könnte in dieser Situation eine neue, ich weiß nicht, Sicherheitsarchitektur zwischen diesen Ländern entstehen, unabhängig von der Europäischen Union? Oder könnte Großbritannien irgendwann einen Ausstieg aus dem Brexit vollziehen und eines Tages zurückkehren?

Portnikov: Ich denke, dass es jetzt gerade Schritte geben wird, die auf die Zerstörung der Europäischen Union als solcher abzielen. Und tatsächlich werden diese Schritte sowohl von der amerikanischen Regierung als auch vom Kreml unternommen. Einer der ersten solchen Schritte ist zweifellos die technologische und finanzielle Unterstützung ultrarechter Kräfte auf dem gesamten Kontinent. Und auch das verheimlicht niemand. Führende Vertreter der Vereinigten Staaten treten in europäischen Hauptstädten mit rechtspopulistischen Manifesten auf. Sowohl JD Vance als auch Marco Rubio, und auch Elon Musk verheimlicht das nicht. Dafür werden politische Ressourcen und Geld eingesetzt, Bots, Sabotageaktionen, die Verschärfung von Migrationskrisen. All das ist der Nährboden, auf dem das Ansehen von Parteien wie der Alternative für Deutschland und von Politikern wie Marine Le Pen wächst. Das ist ein realer Einfluss von außen.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass ich 2022, vor der großen Invasion, in meinen Sendungen gerade darüber sprach, dass ich große Angst hatte, der Zustrom von Millionen Migranten aus der Ukraine könnte zu einer Migrationskrise vom Ausmaß der syrischen Krise führen und dadurch den Einfluss rechtsradikaler Kräfte in ganz Europa stärken. Das ist zum Glück nicht geschehen, aber es geschieht jetzt. Und all diese Angriffe auf die Ukraine sind ebenfalls Teil der Bemühungen, eine neue Welle der Migrationskrise auszulösen, also eine neue Migrationswelle, eine Migrationskrise zu organisieren: „Wenn man den Ukrainern jetzt nicht mehr mit derselben Begeisterung begegnet wie 2022, dann versuchen wir doch, sie noch einmal dorthin zu schicken.“ Auch das gehört zu diesem Kalkül. All das ist eine reale Gefahr.

Moderator: Und außerdem bedeutet das den Verlust von Menschen. Hier sind viele Unternehmer anwesend, die das sehr stark spüren.

Portnikov: Natürlich, und sie werden es auch weiterhin spüren, denn all das wird nicht aufhören. Auch das gehört also zu dieser Geschichte. Die Zerstörung des europäischen Projekts ist eine der wichtigen Aufgaben der rechtspopulistischen und auch linkspopulistischen Kräfte in Europa, die im Grunde Kräfte des äußeren Einflusses entlang der Achse Washington–Moskau–Peking sind. Und ich glaube, Sie können sich nicht einmal vorstellen, welche Summen dafür ausgegeben werden. Übrigens nicht nur von Amerikanern und nicht nur von Russen. Wenn Sie den Fernseher einschalten, falls Sie ihn überhaupt noch einschalten, und dort einen ukrainischen Experten sehen, der mit kluger Miene sagt: „China ist sehr daran interessiert, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine endet, und sucht nach politischen Mechanismen, während unsere Regierung keinen ernsthaften Dialog mit Peking zustande bringt“, dann wissen Sie, dass für diesen wunderbaren Menschen nicht nur ein Yuan ausgegeben wurde. Alle russischen Rubel, die zur Unterstützung der ukrainischen Pseudoelite eingesetzt wurden, sind jetzt durch chinesische Yuan ersetzt worden. Es ist im Grunde dasselbe. Oder Dollar, das spielt keine Rolle. Entscheidend ist die Herkunft dieser Währung.

Moderator: Früher gab es den Pessimisten Stanisław Lem. Jetzt haben wir den Realisten Vitaly Portnikov, der uns auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Aber vielleicht könnten wir zum Positiven übergehen, denn bei unserem vorherigen Treffen des Expertenclubs sprach Pavlo Sheremeta, der ehemalige Minister für Wirtschaft und Handel, darüber, dass es eine Studie gibt, der zufolge Optimisten im Durchschnitt acht Jahre länger leben.

Portnikov: Wenn sie überleben.

Moderator: Das klang fast optimistisch. Wenn wir nun auf unsere Eigenständigkeit schauen: Was kann die Ukraine in all dem tun? Ich erinnere mich, dass ungefähr 1990, wenn ich mich nicht irre, Dmytro Pawlytschko von der Tribüne der Werchowna Rada aus die damalige Margaret Thatcher bat, eine britische Botschaft in Kyiv, in der Ukraine, zu eröffnen. Darauf antwortete sie, dass unterworfene Länder diese Möglichkeit, dieses Recht nicht hätten, und lächelte sogar. Seitdem sind gerade einmal 35 Jahre vergangen. Im historischen Kontext ist das wahrscheinlich sehr wenig. Und wir haben nicht nur eine Botschaft, die die Ukraine aktiv unterstützt, sondern inzwischen gibt es sogar in Lwiw ein Büro des britischen Königs. Bedeutet das, dass wir in einem ziemlich kurzen Zeitraum einen Quantensprung gemacht haben, besonders in den letzten Jahren, was die Veränderung unserer Eigenständigkeit in der Welt betrifft?

Portnikov: Nun, Margaret Thatcher sagte Dmytro Pawlytschko einfach die Wahrheit. Man muss nicht mit einer Botschaft anfangen, sondern mit der eigenen Eigenständigkeit. Wenn du eigenständig bist, wirst du eine Botschaft haben. Wenn du nicht eigenständig bist, wird dir keine Botschaft helfen. Übrigens gab es damals, als Dmytro Pawlytschko sich an Margaret Thatcher wandte, bereits eine völlig vollwertige Vertretung der Ukrainischen SSR bei den Vereinten Nationen, mit eigenem Büro, einem Ständigen Vertreter und allem, was auch andere souveräne Staaten hatten, außer einer einzigen Sache: der Souveränität und der Möglichkeit, eigene außenpolitische Entscheidungen und überhaupt irgendwelche eigenen Entscheidungen zu treffen. In dieser Hinsicht war das meiner Meinung nach eine absolut nüchterne Antwort. Überhaupt erscheint vieles, was damals nüchtern war und wie Unsinn klang, heute wie eine Vorhersage, die sich bewahrheitet hat. Wir diskutieren immer als Zeichen geopolitischer, würde ich sagen, Kurzsichtigkeit die berühmte Rede des Präsidenten der Vereinigten Staaten, George Bush senior, vor der Werchowna Rada der Ukraine im August 1991, in der George Bush uns aufforderte, Gorbatschows erneuerte Union zu unterstützen. Und diese Rede wurde damals natürlich sehr kritisch aufgenommen. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass ich die Entwürfe dieser Rede noch in Moskau von dem Team sah, das George Bush begleitete, und ihnen sagte, dass es ein gewaltiger Fehler wäre, wenn er das verkünden würde. Denn wenn die Ukraine unabhängig werde – ich sagte ihnen, dass dies in den nächsten Jahren geschehen könnte, nicht in Wochen, sondern in Jahren; ich dachte nicht, dass es den Putsch des Staatskomitees für den Ausnahmezustand geben und sich dadurch alles so beschleunigen würde –, dann würde diese Rede, gelinde gesagt, strategisch nicht besonders begründet erscheinen. Und sie sagten mir, George Bush senior werde dann schon nicht mehr Präsident der Vereinigten Staaten sein, und das werde keine Bedeutung mehr haben. Niemand erwartete, dass es so unmittelbar geschehen würde.

Aber wovon ließ sich George Bush leiten, als er das sagte? Er sagte, dass im Falle der Unabhängigkeit der Ukraine große Kriege unvermeidlich seien. Er stützte sich auf die Erfahrungen des Krieges im ehemaligen Jugoslawien, der damals stattfand, und übertrug die Erfahrungen Russlands und der Ukraine auf die Erfahrungen Serbiens und Kroatiens. Das heißt, das Gefährlichste für Staaten wie die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien oder die Sowjetunion ist ein Konflikt zwischen den beiden wichtigsten Teilstaaten. Denn Konflikte zwischen kleineren Teilstaaten und sogar zwischen der Metropole und kleineren Teilstaaten erwecken den Eindruck von Stabilität. Vereinfacht gesagt erweckte die lange Krise in den Beziehungen zwischen Serbien und seiner Autonomie Kosovo nicht den Eindruck eines großen Krieges. Das, was mit den georgischen Autonomien und mit Transnistrien in Moldau geschah, erweckte nicht den Eindruck eines großen Krieges. Der Karabach-Konflikt wurde einfach als ethnischer Zusammenstoß zweier Völker wahrgenommen.

Als aber der Krieg zwischen Russland und der Ukraine begann, verstanden alle, wie die Welt und Europa künftig aussehen würden und was auf uns zukommen würde. Dasselbe geschah, als es den Krieg zwischen Serbien und Kroatien gab. Er zerriss Jugoslawien buchstäblich und weitete sich auf Bosnien aus, auf den Konflikt zwischen den Serben in Kroatien und der dortigen muslimischen Bevölkerung. Das wurde also zu einer einzigen großen Katastrophe. Und all das geschah gerade 1991. Wir müssen anerkennen, dass George Bush eine absolut richtige Prognose abgegeben hat, die sich erst später erfüllte. Sein Problem war, dass unsere Unabhängigkeit eintrat, als er Präsident war, unser Krieg aber erst stattfand, als er nicht mehr Präsident war. Wenn das unmittelbar geschehen wäre, würde seine Rede als geniale Vorhersage der Zukunft gelten, wenn Sie sie heute noch einmal lesen.

Dabei erwies sich sogar die von ihm genannte Ursache dieses Krieges als geniale Vorhersage der Zukunft, denn er sprach in seiner Rhetorik von nationalistischen Stimmungen in der Ukraine. Aber genau das ist doch das Wesen der russischen Haltung zu dieser Frage. Sobald die Russen sahen, dass die Ukrainer in ihrem eigenen nationalstaatlichen Paradigma leben wollten und nicht einfach ein Randgebiet der Sowjetunion und eine umbenannte Sowjetrepublik sein wollten, sobald sie sahen, dass die Ukrainer bereit waren, ihre eigene geopolitische Wahl zu treffen – was im Grunde Nationalismus ist, wenn ein Land selbst entscheiden will und nicht nach dem Diktat der Metropole –, begannen sie einen großen Krieg zur endgültigen Lösung der ukrainischen Frage und zur Vernichtung des ukrainischen Staates. Was war daran falsch? Wir wollten einfach, dass all das falsch wäre, aber es war richtig.

Die Sache ist nur, dass man Menschen mit solchen Prognosen nicht davon abhalten kann, frei sein zu wollen. Aber die Menschen verstehen manchmal nicht einmal, dass sie, wenn sie sich für die Freiheit entscheiden, zugleich eine Entscheidung zugunsten des Krieges treffen. Wann begann der russisch-ukrainische Konflikt tatsächlich, der auf keine andere Weise als durch Krieg und die gegenseitige Vernichtung dieser beiden benachbarten Völker gelöst werden konnte? Am 24. August 1991, als eindeutig erklärt wurde, dass die Ukraine und Russland zwei verschiedene Staaten sein würden. Alle Voraussetzungen für diesen Konflikt wurden damals geschaffen. Und Sie wissen, dass ich einer derjenigen war, die das schon damals verstanden und alles Mögliche zu tun versuchten, damit es nicht dazu kam.

Gerade wenn ich an diese Zeit der Auseinandersetzung zwischen Pawlytschko und Margaret Thatcher denke, erinnere ich mich daran, dass ich meiner Meinung nach der einzige Publizist im gesamten postsowjetischen Raum war, der einen großen Text gegen die Unabhängigkeit der Russischen Föderation schrieb. Denn damals entstand die, wie ich bis heute finde, völlig bizarre Idee einer Unabhängigkeit Russlands von der Sowjetunion. Wie soll das gehen? War die Sowjetunion etwa nicht Russland? Ich schrieb in Moskau einen großen Artikel für die „Nesawissimaja Gaseta“, den ich irgendwann auch auf Facebook veröffentlicht habe. Darin sagte ich, dass die Russische Föderation gemeinsam mit denen, die eine erneuerte Union schaffen wollten, eine erneuerte Union gründen müsse, gemeinsam mit denen, die mit Russland in dieser erneuerten Union zusammen sein wollten und die ihre Unabhängigkeit als solche nicht erklärt hatten. Wir wussten, wer das war. Das war die Russische Föderation, das war die Mehrheit der Länder Zentralasiens. Zumindest Kasachstan, Tadschikistan, Turkmenistan und Kirgisistan. Wahrscheinlich alle mit Ausnahme Usbekistans. Das war die Republik Belarus. Eine riesige Grundlage für eine erneuerte Union.

Und wir, die Länder, die ihren Austritt aus der Union und die Aufkündigung des Unionsvertrags erklärt hatten – Lettland, Litauen, Estland, die Ukraine, die Republik Moldau und wahrscheinlich Armenien, Georgien und Aserbaidschan –, würden unseren eigenen Weg gehen. Wobei wiederum jedes Land selbst entscheiden würde, ob es dieser erneuerten Union beitreten möchte oder nicht. Ihr schafft in eurem Staat diese erneuerte Union, und wir unterhalten gute Beziehungen zu euch als Union. Wir sind gegangen, ihr seid geblieben, alles ist in Ordnung. Von wem erklärt ihr eure Unabhängigkeit?

Und damals, ich habe das schon mehrfach erzählt, traf sich Boris Nikolajewitsch Jelzin nach diesem Artikel mit mir und sagte: „Drei Punkte, merk dir drei Punkte. Verstehst du? Erstens: Ich will Gorbatschow loswerden.“ Nun, verständlich, „er hindert mich daran, Reformen durchzuführen“. Das klingt logisch. Wir sehen heute, was das für Reformen waren. „Zweitens: Die russischen Republiken, die jetzt aus der Russischen Föderation austreten und Unionsrepubliken werden keinen Ort mehr haben, wohin sie austreten können.“ Nun, verständlich, der Tschetschenienkrieg. Wir wissen, wozu das führte. Zu zwei Tschetschenienkriegen, zu Flächenbombardements von Grosny, zum Tod Tausender Menschen. Das war der zweite Punkt. Und als dritten Punkt sagte er: „Du musst wissen, welcher der wichtigste ist.“ „Und welcher ist der wichtigste?“, fragte ich. „Mit der Ukraine“, sagte Boris Nikolajewitsch, „bin ich Präsident eines europäischen Staates, und ohne die Ukraine bin ich Präsident eines asiatischen Staates. Und Präsident eines asiatischen Staates will ich nicht sein und werde ich nicht sein.“ Und er ging.

Und das geschah noch vor dem 1. Dezember 1991. Am 1. Dezember 1991 begann die Idee, die Ukraine in eine erneuerte Union hineinzuziehen. Aber schon davor hatte der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Waschtschanow, gerade am 24. August 1991 erklärt: „Wir haben keinerlei Ansprüche gegenüber den ehemaligen Unionsrepubliken, die ihre Unabhängigkeit erklären, solange sie sich mit uns in einer Union befinden, und behalten uns das Recht auf solche Ansprüche vor, wenn sie aus einer solchen Union austreten.“ Das wurde doch alles sofort gesagt. Wir hatten, bildlich gesprochen, diesen Unabhängigkeitsakt noch nicht einmal ausdrucken können. Und sie hatten das bereits gesagt.

Nur hatten die Russen bis zum Jahr 2000 und irgendetwas, ich weiß nicht einmal genau bis wann, wahrscheinlich bis 2019, immer noch die Illusion, dass sie die Ukraine auf politischem Wege zurückholen könnten. Und selbst wenn in dieser Ukraine plötzlich Ukrainer, ukrainisch denkende Menschen, an die Macht kamen, würden sie später trotzdem Revanche nehmen. „2004 kamen sie an die Macht und veranstalteten einen Aufstand. Wir nahmen 2010 Revanche. 2014 kamen sie an die Macht und veranstalteten einen Aufstand. Wir nahmen 2019 Revanche.“ Die Erkenntnis, dass diese Revanche von 2019 keine solche Revanche war wie die von 2010 und dass Zelensky, um Putin zu zitieren, „Angst vor den Nationalisten bekam“ – das ist ein wörtliches Zitat –, bestimmte im Grunde all das voraus, worin wir heute leben. Aber wir hätten schon sehr viel früher so leben müssen, wenn sie nicht in ihren Illusionen gelebt hätten. Mehr als 30 Jahre.

Moderator: Als sie also begriffen, dass wir niemals mit ihnen zusammen sein würden, beschlossen sie im Grunde, einfach zu versuchen, uns zu vernichten.

Portnikov: Nun, wenn wir von „uns“ sprechen, nehmen wir uns wieder einmal viel zu wichtig. Die Russen brauchen uns so nötig wie ein Kropf. Sie brauchen nicht uns, sie brauchen ukrainischen Boden, Territorium. Die ukrainische Bevölkerung brauchen sie nicht. Überschätzen Sie sich nicht, sozusagen. Bei ihnen gibt es, entschuldigen Sie: „Sibirien allein – unermesslich weit! Wie viel Kerker! Wie viel Leut!“ Aber in Sibirien gibt es schon niemanden mehr. Hinter dem Ural lebt niemand. Wie groß ist der Bevölkerungsanteil der föderalen Bezirke Ural, Sibirien und dieses, wie heißt es, Fernost? Zehn, fünfzehn, zwanzig Prozent der Bevölkerung der Russischen Föderation? Alle leben dort, wo sie schon immer lebten, zwischen Wladimir, Susdal und Moskau. Aber ihr Territorium gefällt ihnen, weil dieses Territorium sie zum größten Land der Welt macht. Es erlaubt ihnen, irgendeinen Blödsinn über einen Tunnel zwischen Alaska und Tschukotka zu erzählen, verstehen Sie? Und ein solcher geopolitischer Akteur zu sein.

Um ein geopolitischer Akteur in Europa zu sein, und damit setze ich Jelzins Gedanken fort, brauchen sie ukrainisches Territorium. Je näher sie an den Orten sind, die sie mit ihren Raketen erreichen können, desto wichtiger ist ihre Rolle auf dem europäischen Kontinent. Zivilisatorisch haben sie doch nichts geschaffen außer Angst. Aber auch die Angst braucht Raum, um sich auszubreiten. Verstehen Sie, es ist eine Sache, wenn Sie es mit irgendeinem Banditen zu tun haben, der irgendwo in einer Arbeitersiedlung lebt und bei dem unklar ist, ob er mit seiner Vorortbahn überhaupt zu Ihnen gelangt. Vor allem, wenn Sie zwischen dieser Bahn und Ihrem Bahnhof Grenzbeamte und Polizei aufstellen und er ausschließlich auf seiner eigenen inneren Strecke fahren kann. Eine andere Sache ist es, wenn er den Bahnhof selbst besetzt. Die Ukraine ist für ihn ein solcher Bahnhof. Sie versuchen, ihn zu besetzen.

Moderator: Für ihn ist es so, aber für uns ist es ganz anders. Für uns sind die Menschen wichtig. Wir wissen ganz genau, dass es hier, sogar in unserem Publikum, Menschen gibt, die unglaubliche Spitzenleistungen erreichen und in ihren Geschäftsbereichen weltweit, in Europa und in der Welt, führende Positionen einnehmen. Sie kennen wahrscheinlich ebenfalls viele solche Beispiele. Bedeutet das, dass wir so etwas werden können wie, vereinfacht gesagt, Israel? Im Grunde ein kleines Land, das aber immer sehr einflussreiche Menschen hatte, natürlich auch infolge vieler schlimmer Jahrzehnte.

Portnikov: Vieler Jahrzehnte des Krieges, infolge vieler Jahrzehnte des Krieges.

Moderator: Nun, bei uns sind es auch schon zwölf Jahre, oder wenn man, wie Sie sagten, seit 1991 rechnet, dann ist es anders. Nur fand der Krieg damals wahrscheinlich auf einer anderen, kognitiven Ebene statt. Können wir genauso werden? Nicht nur, dass wir heute populär sind, dass die Ukraine populär wird, sondern können wir einflussreich werden, so wie die jüdischen oder protestantischen Gemeinschaften in Amerika oder wie es sie auch in vielen europäischen Ländern gibt? Wird die ukrainische politische Nation heute einflussreich? Und was müssen wir tun, damit wir, während der Feind hier den Boden schätzt, unsere Menschen besser wertschätzen und diese Menschen die Ukraine noch besser verteidigen können?

Portnikov: Nun, das ist eine gute Frage, weil sie die wichtigste Voraussetzung aufwirft: Wir können einflussreich sein, wenn wir den Staat bewahren. Und das sage ich den Ukrainern im Ausland ständig. Hoffen Sie nicht, dass Sie Ukrainer bleiben können, wenn es keinen Staat mehr gibt. Das wird bei den Ukrainern nicht so funktionieren wie, vereinfacht gesagt, bei den Juden oder Armeniern. Juden und Armenier sind auf die eine oder andere Weise abgeschlossene religiöse Gemeinschaften, die Armenier weniger, die Juden stärker, aber es sind trotzdem abgeschlossene religiöse Gemeinschaften, in denen schon das Gotteshaus von anderen Gotteshäusern getrennt ist. Man kann nicht einfach etwas anderes werden. Oder man muss sich selbst verändern, und nicht jeder ist dazu bereit. Die Ukrainer sind eine viel offenere Nation, weil sie Teil der allgemeinen orthodoxen und griechisch-katholischen Welt sind. Deshalb werden die Ukrainer ohne die Ukraine nicht überleben. Ich sage immer, dass man das verstehen und die Ukraine sowohl als Staat als auch als Land wertschätzen muss, das einem erlaubt, man selbst zu sein. Das ist der höchste Wert für einen Menschen: man selbst zu bleiben. Glauben Sie mir als einem Menschen jüdischer Herkunft. Das ist also der erste Punkt in Bezug auf den Einfluss.

Der zweite Punkt in Bezug auf den Einfluss ist eine realistische Haltung zum Dialog. Ich beginne ebenfalls zu denken, dass sich für uns jetzt neue Möglichkeiten eröffnen, falls es uns gelingt, in diesem Konflikt eine Art stabiles Plateau zu erreichen. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir die Möglichkeiten dieses ukrainischen Staates nutzen können, die Diaspora, die inzwischen viele Millionen Menschen umfasst. Ich sehe jetzt eine völlig neue Qualität der ukrainischen Diaspora in der Welt, in Europa, in den Vereinigten Staaten. Ich erinnere mich ganz genau daran, dass die Diaspora, der ich in den 1990er-Jahren begegnete, hinsichtlich des Einflusses und der Möglichkeiten ihrer Mitglieder nicht so war. Wenn ich mich mit der jüdischen und mit der ukrainischen Diaspora traf, verstand ich den Unterschied sehr gut. Selbst in den Vereinigten Staaten besuchte ich ukrainische Museen in Amerika und sah dort beispielsweise einen Gedenkraum für ein Mitglied irgendeiner städtischen gesetzgebenden Versammlung. Und in einem polnischen Museum gab es einen Gedenkraum für irgendeinen, sagen wir, polnischstämmigen Senator aus dem Bundesstaat Illinois. Da war also ein Pole, Senator des Bundesstaates Illinois. Das ist eine große Leistung der Diaspora.

Sie verstehen doch, dass es in einem jüdischen Museum keine Gedenkräume für Kongressabgeordnete gibt, weil man ein jüdisches Museum nicht in eine Flucht von Gedenkräumen verwandeln kann. Nun, es gab dort Kongressabgeordnete, und das war es dann auch. Wie viele es waren, werden wir nicht lange zählen. Das ist also keine Leistung. Die Leistung liegt in etwas anderem. Für Juden besteht die Leistung darin, dass die Gemeinschaft erhalten bleibt, und nicht darin, dass sie bestimmte Menschen an der Macht hat. Und das ist ein wichtiger Punkt, denn heute müssen wir darüber nachdenken, wie wir den Einfluss dieser Menschen nutzen können, die in großen Konzernen arbeiten, die übrigens Pastoren in großen Gemeinden werden. Völlig neue Menschen, völlig neue Prozesse, völlig neue Möglichkeiten. Menschen, die sich vor dem Hintergrund des ukrainischen Widerstands daran erinnern, dass sie Ukrainer sind. Im Grunde gibt der ukrainische Widerstand ihnen die Möglichkeit aufzuwachen, vielen Menschen, die sich vielleicht vorher nicht als Ukrainer empfunden haben.

Und ich sehe darin übrigens, würde ich sagen, Parallelen zum Jahr 1967 in der Sowjetunion, zu den Juden, von denen sich eine riesige Zahl einfach dafür schämte, Juden zu sein, weil man ihnen ständig sagte: „Wo wart ihr denn? Was habt ihr gemacht? Als Krieg war, haben wir alle gekämpft, und ihr wart in Taschkent, weil ihr nicht kämpfen könnt.“ Und selbst Menschen, die selbst Frontsoldaten waren, mit Orden, oder deren Großväter oder Großmütter im Krieg gefallen waren, schämten sich dafür, dass sie angeblich so unglücklich und unfähig zum Kämpfen waren, im Gegensatz zum russischen Menschen, diesem großen Krieger überhaupt. Und dann kam 1967, als Israel die sowjetischen Flugzeuge vernichtete, noch bevor sie starten konnten, sowjetische Militärinstrukteure tötete und die Armeen der Staaten vernichtete, die sich an Moskau orientierten. Das löste natürlich eine unglaubliche Welle des Antisemitismus aus, aber auch einen Aufschwung des Nationalstolzes. Die Menschen erinnerten sich daran, wer sie waren und wer sie sein konnten. Und mit den Ukrainern in der Welt geschieht jetzt ebenfalls so etwas. Das darf man nicht ungenutzt lassen, verstehen Sie?

Moderator: Aber wir sprechen heute sehr wenig über die globalen Ukrainer im positiven Sinne. Wir hören viel über das Monaco-Bataillon, wissen aber sehr wenig über jene Ukrainer, die wirklich viel erreicht haben und Unterstützung leisten.

Portnikov: Nun, es gibt bereits viele solche Ukrainer, die noch in den Vorkriegsjahren ausgewandert sind, die schon lange in verschiedenen Ländern leben, Unternehmen haben, der Ukraine helfen und vielleicht ebenfalls nicht besonders bekannt sind. Ich treffe viele solche Menschen. Und ich treffe übrigens viele Menschen, die sich bewusst für das Ukrainertum entschieden haben und die im Grunde sehr oft sogar ihre eigenen Positionen in den einen oder anderen religiösen oder politischen Gemeinschaften für ihr Ukrainertum riskieren. Ich sehe das. Wir sprechen viel über die Unterstützung für Trump, über die Evangelikalen, auf die er sich stützt. Das ist übrigens gerade ein großer Teil jener Gemeinschaften, die Israel unterstützen. Aber zugleich sehe ich jetzt, wie in diesen evangelikalen Gemeinschaften der Vereinigten Staaten echte Prozesse stattfinden, bei denen Menschen eigens ukrainische Kirchen und ukrainische Gemeinden gründen. Neue Pastoren, neue geistliche Leiter treten auf, Menschen, die riesige Summen für die Ukraine sammeln. Es gibt Menschen, die, wie ich in Portland in Oregon gesehen habe, russischsprachige protestantische Radiosender kaufen, um daraus ukrainische zu machen. Ich habe einen solchen Sender gesehen und ihm ein Interview gegeben. Er heißt jetzt Radio Maidan. Noch gestern war das ein Radiosender der slawischen Gemeinde. Aber dieser Mensch hat sein eigenes Geld investiert, verstehen Sie, weil er sich als Ukrainer empfand.

Moderator: Im Grunde beginnen wir erst langsam, das zu tun, was Russland jahrzehntelang, wenn nicht jahrhundertelang, im Informationsbereich getan hat.

Portnikov: Sowohl bei uns als auch in der ganzen Welt versuchte Russland, die Menschen davon zu überzeugen, dass nur seine Zivilisation wichtig sei. Deshalb versuche ich seit ungefähr einem Jahr – das ist natürlich keine leichte Arbeit, wenn man so herumreist wie dieser Handelsreisende Menachem Mendel von Scholem Alejchem –, aber dadurch sehe ich, welch großes Potenzial das ukrainische Volk im weitesten Sinne dieses Wortes hat. Und wie viele Menschen ihr Ukrainertum wiederfinden und es nicht verlieren, sowohl hier als auch außerhalb des Landes. Ich glaube, dass die zukünftige Ukraine gerade in dieser Symbiose existieren muss. So wie übrigens Irland existiert. Wir sprechen viel über Israel, aber Israel ist wiederum eine besondere Situation, weil es um die Entscheidung von Menschen geht, die in das Land ihrer Vorfahren gekommen sind, um einen Staat aufzubauen. Aber es gibt doch Irland, wo niemand irgendwohin gekommen ist, wo alle schon da waren, aber eine große Zahl von Menschen ausgewandert ist und Iren geblieben ist.

Moderator: Und einen Irish Pub gibt es in jedem Land, in jeder Stadt.

Portnikov: Nun, nicht nur einen Pub, sondern auch einen irischen Präsidenten. Ich erinnere mich, dass ein BBC-Korrespondent Joseph Biden nach seiner Wahl bat, zwei Worte an das BBC-Publikum zu richten. Er sagte zwei Worte. Er sagte: „Ich bin Ire.“ Denn das ist Stolz auf das Eigene, auf die eigenen Wurzeln. Und ich würde mir wünschen, dass die ukrainische Gemeinschaft genauso wäre wie die irische: global, aber verwurzelt. Dafür braucht es jedoch eine entsprechende staatliche Politik. Der Premierminister Irlands und die irischen Minister packen am St. Patrick’s Day ihre Koffer und reisen zu den irischen Gemeinschaften in aller Welt. Der Premierminister kommt, glaube ich, in die Vereinigten Staaten. Und die Iren sehen, dass der Staat sich an sie erinnert, sich um sie kümmert und sich als eine Einheit mit ihnen betrachtet.

Moderator: Das heißt, wir sollten sowohl die öffentliche als auch die nichtöffentliche Volksdiplomatie stärken.

Portnikov: Ich denke einfach, dass unsere einzige wirkliche Antwort auf Russlands Krieg gegen die Ukraine der Widerstand gegen die russische Aggression ist. Und unsere einzige wirkliche Antwort auf die „Russki Mir“, die russische Welt, ist die ukrainische Welt. Und dafür muss man sich nicht schämen. Die ukrainische Welt kann nicht weniger interessant, nicht weniger groß, nicht weniger attraktiv und nicht weniger zivilisatorisch eigenständig sein als die „Russki Mir“, vielleicht sogar noch mehr.

Moderator: Zugleich haben wir, als wir letzte Woche mit Pavlo Sheremeta über die Produktivität gesprochen haben, die unsere Verteidigungsfähigkeit erhöhen soll, gehört, dass Wettbewerb ein außerordentlich wichtiger Faktor für das Wachstum der Produktivität ist. Er sagte auch, dass das Land global mit anderen Ländern konkurrieren müsse und wir uns dann besser entwickeln würden. Und diese unsere Eigenständigkeit habe ich persönlich zum Beispiel dieses Jahr in Polen, auf der Halbinsel Hel bei Danzig, gespürt, als ich mit vielen Polen sprach. Das geschah gerade in einer Zeit, in der sich unsere Beziehungen verschärften, sowohl zwischen den Völkern auf politischer Ebene als auch in persönlichen Gesprächen. Alles begann mit historischen Fragen, aber als wir länger und eingehender miteinander sprachen, kamen wir zu dem Schluss, dass sie die Wolhynien-Frage eigentlich gar nicht so sehr ärgert. Denn hier gibt es tatsächlich viele Dinge, die sie einfach noch nicht wissen, und auch wir kennen unsere eigene Geschichte schlecht. Was sie aber sehr ärgert, und das war in jedem Gespräch deutlich zu spüren, ist, dass wir nicht mehr der kleine Bruder auf dem Weg in die EU sind, dass unser Produkt wettbewerbsfähiger ist. Und genau das beschäftigt und schmerzt sie sehr oft.

Portnikov: Nun, für jeden Staat, der sich als Zentrum einer Region betrachtet, ist es schwierig, das Auftauchen eines Konkurrenten zu erleben. Außerdem glaube ich, dass es in Polen noch ein großes Problem gesellschaftlicher Natur gibt. Es besteht darin, dass Polen nach dem Zweiten Weltkrieg, übrigens durch kommunistische Anstrengungen, und nicht zufällig, zu einem der wenigen ethnisch homogenen Länder Europas wurde. Wo gibt es solche Länder überhaupt noch? Welches Land könnte sich einer solchen, würde ich sagen, nationalen Reinheit rühmen? Nun, vielleicht die Ukraine, aber in der Ukraine gab es immerhin Millionen Russen. Bis in die 1990er-Jahre gab es dort eine große jüdische Gemeinde. Es gibt nationale Minderheiten, Ungarn, Rumänen. In Polen gab es praktisch nichts davon. Das heißt, selbst Menschen, die nationalen Minderheiten angehörten, verbargen ihre Herkunft und waren Polen. Ich kannte ethnische Ukrainer, die sich ihr ganzes Leben lang mit ukrainischer Kultur in Polen beschäftigten und sagten, sie seien Polen. Professoren der ukrainischen Literatur, die sagten, sie seien Polen. Das habe ich erlebt. Von den Juden ganz zu schweigen. Es gab Menschen, bei denen ich erst erfuhr, dass sie Juden waren – Menschen, die mir nahestanden und mit denen ich jahrzehntelang Kontakt hatte –, als sie bereits gestorben waren und ich einen Artikel in einer Enzyklopädie las. Ich dachte: „Wie kann das sein? Wir saßen doch hier, tranken bei dir zu Hause Tee, sprachen über irgendwelche jüdischen Themen, und du hast mit mir gesprochen wie ein Pole mit einem Juden. Aber du warst doch gar kein Pole.“ Die Menschen hatten also instinktiv Angst, auch nur zu erwähnen, dass sie im Grunde keine Polen waren. Nicht, dass man ihnen deswegen etwas angetan hätte. So war das gesellschaftliche Klima. Und plötzlich kommen in ein solches Land, in dem jeder Pole ein Pole ist und jeder Nichtpole ebenfalls ein Pole ist, wir alle sind Polen, eine Million Menschen, die nun einmal keine Polen sind. Man sieht, dass sie keine Polen sind. Und sie sind jetzt überall, ganz in der Nähe. Nun, da ist es klar, dass man sich an eine solche …

Moderator: Ungehörigkeit.

Portnikov: … nur schwer gewöhnen kann. Und Sie verstehen nicht einmal das ganze Ausmaß dieses Zustands, würde ich sagen, besonders in der Volksrepublik Polen, denn die polnische Kommunistische Partei war auch noch eine Partei glühender Chauvinisten. Die polnischen Dissidenten waren natürlich schon wesentlich toleranter, sie hatten eine andere Einstellung zu all dem. Aber dieses Regime, das es in Polen gab, war chauvinistisch. Nun, schließlich: Wer hat die Operation Weichsel durchgeführt?

Ich erinnere mich, wie fassungslos ich war, als ich – welches Jahr war das? 1991. Ich war gerade dabei, mein Studium beziehungsweise mein Aufbaustudium abzuschließen. Und ich war in der Redaktion einer sehr angesehenen polnischen demokratischen Zeitung. Da es ein privates Gespräch war, werde ich keine Namen nennen. Ich sitze also im Garten mit dem Chefredakteur dieser Zeitung, der für mich einfach ein Lehrer ist. Und ich frage ihn: „Wie steht es um die jüdische Gemeinde, um die jüdische Frage in Polen?“ Er sagt zu mir: „Weißt du, du kannst hier mit mir darüber sprechen, aber in der Redaktion oder auf der Straße solltest du besser nicht danach fragen.“ Ich sage: „Warum?“ Nun, ich war ja ein kleiner Junge, völlig ahnungslos. Ich war so, ich war nach Polen gekommen, „Professor Pleischner war von diesem Geschmack der Freiheit berauscht“. Vergessen Sie nicht, das war noch vor dem Putsch von 1991. Und er sagt zu mir: „Frag einfach nicht.“ Und dann vergehen 35 Jahre, und ich trinke wieder genauso Tee mit ihm. Und plötzlich erinnere ich mich an irgendein Buch mit seinen Memoiren und sage: „Warum hast du mir 1991, als ich dich nach der jüdischen Frage fragte, nicht gesagt, dass du selbst eigentlich Jude bist?“ Und er sagt: „Du hast nicht gefragt.“ Auch das muss man verstehen. Diesen inneren Zustand. Diesen inneren Zustand. Und plötzlich eine Million Ukrainer. Ich glaube, das ist sogar schlimmer als eine Million Juden. Das bleibt unter uns, man darf das niemandem erzählen, aber es ist nun einmal so.

Moderator: Und was sollen wir damit machen? Wir sind doch Nachbarn.

Portnikov: Eine gemeinsame Sprache mit den Nachbarn finden. Nun, hören Sie, was soll man denn sonst machen? Früher gab es die Stadt Lwiw in einer völlig anderen nationalen Vielfalt. Polen, Ukrainer, Juden, Armenier und Deutsche fanden hier eine gemeinsame Sprache, nicht ohne Zwischenfälle, aber im Grunde war das ein einziger Kosmos. Wenn wir an das Lwiw der Vorkriegszeit denken, erinnern wir uns an Polen, Ukrainer und Juden als Menschen dieser Stadt. Das ist einfach eine andere Kultur des Zusammenlebens. Es ist eine, wenn Sie so wollen, konfliktreiche Symbiose. Nun, wir werden mit dem polnischen Volk – das es meiner Meinung nach als unser Nachbar auf jeden Fall wert ist, denn es ist eine Zivilisation von Menschen mit Selbstachtung und Freiheitsgefühl – eine solche konfliktreiche Symbiose aufbauen müssen. Und wir müssen Verbündete finden, denn genauso wie die ukrainische Gesellschaft nicht homogen ist, ist auch die polnische Gesellschaft nicht homogen.

Die Krankheit des imperialen Chauvinismus ist dem polnischen Volk eigen, aber in wesentlich geringerem Maße als dem russischen. Denn ich würde sagen, dass in Russland die überwältigende Mehrheit am imperialen Chauvinismus leidet. Und in Polen leidet am polnischen Chauvinismus, sagen wir es vorsichtig, weniger als die Hälfte. Und auch das ist wichtig. Es gibt also immer Menschen, die zu einer solchen Symbiose bereit sind. Wichtig ist, dass auch wir bereit sind und verstehen, dass eine konfliktreiche Symbiose Zugeständnisse von unserer Seite bedeutet.

Moderator: Wie müsste diese konfliktreiche Symbiose richtig aussehen? Das heißt, wir müssen doch trotzdem unsere Position verteidigen, ohne nachzugeben. Wenn man uns beispielsweise auf politischer Ebene sagt: „Nun, vielleicht solltet ihr mit diesem Bandera, Schuchewytsch und der UPA doch ein wenig zurückhaltender sein.“ Müssen wir irgendwo einen Kompromiss suchen, oder müssen wir bei unserer Position bleiben und sie erklären? Und wie macht man das in dieser konfliktreichen Symbiose richtig, damit wir eine Win-win-Situation erreichen?

Portnikov: Nun, erstens glaube ich, dass es keine geben kann, in der ein Volk die Helden für ein anderes auswählt. Zumal auch dieses andere Volk unterschiedliche Helden hat. Wir verstehen sehr gut, dass die Bedeutung Banderas in Lwiw und die Bedeutung Banderas in Charkiw zwei verschiedene Banderas sind. Hier ist er eine historische Persönlichkeit. Dort ist er heute ein Symbol, ein abstraktes Symbol des Widerstands, und auch das nicht für alle. Und ich glaube, vieles hängt damit zusammen, dass wir unseren polnischen Nachbarn vieles nicht erklären können und sie vieles nicht hören wollen. Ich erkläre beispielsweise in polnischen Zuhörerkreisen immer, dass sie ihre Geschichte der Beziehungen zu Galizien auf die gesamte Ukraine übertragen. Aber die Menschen außerhalb der Gebiete Lwiw, Iwano-Frankiwsk, Ternopil und Wolhynien betrachten Polen, die Themen des historischen Erbes und alles andere ungefähr so wie das rumänische oder tschechische oder sogar deutsche Erbe. Das ist für sie sehr weit entfernt. All diese Tatsachen der polnischen Geschichte sind etwas sehr Fernes. Und jemand aus Charkiw oder sogar aus Kyiv kann manches einfach mit einem gewissen Abstand betrachten und verstehen.

Und ich weiß nicht, inwieweit das zutrifft, denn ich sage noch einmal, dass ich immerhin Jude bin. Und für das jüdische Volk ist die Nähe zur polnischen Kultur und zur polnischen Zivilisation wesentlich größer als für Ukrainer aus dem Osten und dem Zentrum der Ukraine. Deshalb kann auch ich mich bei dieser Distanz irren, denn mir scheint, dass meine eigene Distanz diejenige jedes Menschen in Kyiv ist, während meine Distanz in Wirklichkeit viel geringer ist. Nun, aus verschiedenen Gründen. Ich esse dieselben Kuchen, die die Menschen in Lwiw essen und die die Menschen in Krakau essen. Andere Menschen in Kyiv hatten diese Kuchen nie gesehen, bevor sie nach Lwiw kamen. Verstehen Sie, das geht sogar bis auf die Ebene der Alltagskultur und der Namensgebung. Hören Sie, meine Mutter und meine Großmutter, sie alle hatten polnische Vornamen. So etwas gibt es bei den Ukrainern nicht. Und deshalb scheint mir manchmal, dass meine Distanz die Distanz der Zentralukraine ist, aber die Zentralukraine ist eigentlich viel weiter entfernt. Und genau das muss man erklären.

Man darf der gesamten Ukraine nicht die Erfahrungen der traumatischen polnischen Beziehungen zu Galizien und Wolhynien aufzwingen. Vielleicht wird dann alles leichter zu verstehen sein. Man darf einen Menschen aus Charkiw nicht ständig dazu zwingen, sich für das zu entschuldigen, was, sagen wir, zwischen einem Menschen aus Wolhynien und einem Menschen aus dem damaligen Kleinpolen (Małopolska) geschah. Denn das wäre, wenn wir ernsthaft darüber sprechen, dasselbe, als würde man einen Menschen aus Zürich dazu zwingen, sich für die Handlungen eines Menschen aus Hamburg zu entschuldigen. Nun, beide sprechen im Grunde Deutsch, aber sie lebten in unterschiedlichen Zivilisationsräumen. Dieser Mensch aus Zürich hätte niemals einen solchen Staat gewollt wie der Mensch aus Hamburg.

Danach entstand die staatliche Symbiose, aber sie entstand erst nach all diesen Ereignissen. Tatsächlich begegneten sich die Ukrainer aus Galizien und Wolhynien und die Ukrainer aus der Zentral-, Ost- und Südukraine erst, nachdem die Geschichte der polnisch-ukrainischen Konflikte zu Ende gegangen war. Unser wirkliches gemeinsames nationalstaatliches Leben begann nach 1945. Und wie soll ein Mensch, der sein ganzes Leben im Osten der Ukraine verbracht hat, seine Zugehörigkeit zu etwas verstehen, die man ihm aufzwingt? Wie soll Zelensky das verstehen? In seinem Krywyj Rih hat überhaupt niemand jemals einen lebenden Polen gesehen. Nun, im Ernst, das ist nicht Lwiw. Und damit muss man anfangen. Man darf Konflikte, sagen wir, regionalen Charakters nicht zu einem gesamtnationalen Konflikt zwischen dem polnischen und dem ukrainischen Volk machen. Denn das ukrainische Volk ist mehr als Galizien, und das polnische Volk ist mehr als Wolhynien. Und mehr als die Operation Weichsel. Auch das ist wahr.

Und wenn wir anfangen, ernsthaft darüber zu sprechen, glaube ich, dass viele dieser Probleme verschwinden werden. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass die Zukunft Mitteleuropas von der Symbiose und dem gegenseitigen Verständnis zwischen dem polnischen und dem ukrainischen Volk abhängt. Ich bin jedenfalls ein Mensch, der immer aufrichtig an einer solchen Verständigung interessiert war, immer getan hat, was er in dieser Hinsicht konnte, und hoffe, dass ich das auch weiterhin tun werde. Obwohl das natürlich vielleicht schon das Alter ist, aber mit den Jahren beginnt mich die Frage der Entwicklung der ukrainischen Welt als solcher mehr zu interessieren als die Frage der ukrainischen Symbiose mit irgendjemandem. Vielleicht, weil ich darin heute eine größere Perspektive sehe. Und hier kündige ich gleich an, dass unsere nächste große Veranstaltung des Expertenclubs in nächster Zeit gerade dem Thema der ukrainisch-polnischen Beziehungen gewidmet sein wird, bei der wir gute Menschen von beiden Seiten einladen werden, um darüber zu sprechen.

Moderator: Aber zum Abschluss: Sie haben gesagt, wovon die Zukunft Mitteleuropas abhängt. Wovon hängt unser zukünftiger Sieg ab?

Portnikov: Unser zukünftiger Sieg hängt davon ab, dass wir die Bedrohung realistisch wahrnehmen und verstehen, wie wir mit dieser Bedrohung umgehen müssen. Denn wenn wir ernsthaft darüber sprechen, ist es uns in diesen viereinhalb Jahren tatsächlich gelungen, den Vormarsch der russischen Armee auf ukrainischem Boden aufzuhalten. Vergessen Sie nicht, dass sich die Frontlinie seit 2023 nicht bewegt. Dass die Russen, die meiner Meinung nach vorhatten, den größten Teil der Ukraine innerhalb weniger Wochen zu erobern, das Gebiet Donezk in viereinhalb Jahren nicht erobern können, ist eine wirkliche Heldentat des ukrainischen Volkes, denn die ukrainische Armee ist das ukrainische Volk. Dort kämpfen gewöhnliche Menschen, die in den letzten Jahren Teil dieser Armee geworden sind. Das sind keine Berufssoldaten, das sind keine Söldner wie in Russland, das sind unsere Verwandten, Nachbarn und Freunde. Und das ist eine Heldentat. 

Aber jetzt wird alles von der Widerstandsfähigkeit des Hinterlands abhängen. Wenn das Hinterland diesen brutalen Druck aushalten kann, wird der ukrainische Staat nicht nur erhalten bleiben, sondern sich auch weiterentwickeln. Wenn das Hinterland diese Widerstandsfähigkeit gegen eine scheinbare Ruhe eintauscht und die russische Shahed-Drohne oder die russische Rakete über dem eigenen Kopf gegen einen russischen Nationalgardisten im eigenen Treppenhaus – und genau das ist die Wahl, keine andere –, dann werden der ukrainische Staat und das ukrainische Volk verschwinden, trotz des Mutes der Armee. Denn in der Geschichte gab es viele Fälle, in denen Armeen einen Staat verteidigten, aber keinen Ort mehr hatten, an den sie zurückkehren konnten. Aber ich glaube an die erste Möglichkeit.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Брудні танці з Трампом | Віталій Портников @tvoyemistoTV. 18.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 18.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Verhandlungen in Oslo: Die Ergebnisse | Vitaly Portnikov. 20.10.2026.

Heute fanden in Oslo Verhandlungen statt, bei denen der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky gemeinsam mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre und dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb mit dem Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, sprach. Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, der einigen Berichten zufolge derzeit an Grippe erkrankt ist, nahm telefonisch an diesem Gespräch teil.

Morgen wird Steve Witkoff in Sankt Petersburg mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, zusammentreffen, um ihm die abgestimmte Position der Vereinigten Staaten, der Ukraine und der europäischen Länder hinsichtlich eines möglichen Friedens in der Ukraine zu übermitteln.

Nach den Verhandlungen mit Witkoff trat Zelensky auf einer Pressekonferenz auf, auf der er sagte, dass die Versorgung der Ukraine mit Geheimdienstinformationen sowie die Geschwindigkeit von Starlink bereits wiederhergestellt seien. Er dankte der amerikanischen Seite dafür. Er betonte, dass Witkoff und, wie wir annehmen können, auch Kushner der Ukraine während der Verhandlungen in Oslo Sicherheitsgarantien angeboten hätten, die in ihrer Wirksamkeit mit Artikel 5 des NATO-Vertrags vergleichbar seien. Mir war das nie verständlich, weil ich nicht verstanden habe, warum Putin, der einem NATO-Beitritt der Ukraine gerade deshalb nicht zustimmt, damit Artikel 5 nicht zur Anwendung kommt, einer gesonderten Anwendung ähnlicher Garantien für die Ukraine zustimmen sollte. Aber das ist ein anderes Thema.

Wie dem auch sei, diese Konsultationen zwischen dem ukrainischen Präsidenten und dem amerikanischen Vermittler haben stattgefunden. Und wie man verstehen kann, soll Witkoff dem russischen Präsidenten dieselben Vorschläge unterbreiten, wenn sie sich morgen in Sankt Petersburg treffen.

Trump gibt unterdessen keine Ruhe. Als ich unser heutiges Gespräch plante, wollte ich gerade über diese Ergebnisse der Verhandlungen sprechen und darüber, dass sich die Situation, die sich nach dem bekannten Telefongespräch zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten und dem sogenannten Dieselgeschäft zwischen Donald Trump und Putin zugespitzt hatte, jetzt etwas verbessert hat. Aber wir sehen, dass Trump gerade im Oval Office spricht, und diese Rede wiederholt ihrem Inhalt nach im Grunde genau das, was er 2025 gesagt hat, als er versuchte, den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky davon zu überzeugen, den von Präsident Putin gestellten Kapitulationsbedingungen zuzustimmen. Genau dasselbe.

„Die Russen bewegten sich auf einer betonierten Autobahn mit 1.000 Panzern. Sie wären innerhalb von vier Stunden in der Ukraine gewesen, wenn sie mit der Höchstgeschwindigkeit der Panzer gefahren wären. Nichts hätte sie aufhalten können. Der Krieg wäre an einem einzigen Tag beendet gewesen. Aber dieser dumme General beschloss, nach rechts auf landwirtschaftliche Flächen abzubiegen und dann nach links in Richtung Kyiv zu fahren. Statt auf der Autobahn zu bleiben.“ Wer hat sich das für ihn ausgedacht? Warum erfindet er das ständig?

„Wir haben der Ukraine sehr viel Hilfe geleistet und dafür nichts bekommen außer Leid, Tod und kolossalen finanziellen Ausgaben. Die Ukraine sollte eine Vereinbarung anstreben, denn die USA haben dafür ein Vermögen ausgegeben, Europa hat ein Vermögen ausgegeben, Europa ist dessen bereits müde. Wenn sie keine Vereinbarung schließen, wird die Situation meiner Meinung nach letztlich viel schlimmer werden.“

Trump rechtfertigt Putin offen. „Einige Menschen leiden in einer Stadt, die von einem russischen Angriff getroffen wurde, oder so etwas, aber größtenteils sterben Soldaten.“ Im Grunde sehen wir, dass sich Trumps prorussische und völlig unrealistische Rhetorik nicht verändert. Aber Trump glaubt wahrscheinlich, dass er auf diese Weise Druck auf Zelensky ausübt, damit Zelensky gerade die russischen Friedensbedingungen akzeptiert, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt.

Und es entsteht der Eindruck, dass selbst in der Trump-Regierung bereits erkannt wird, wie gefährlich das für die Republikaner ist und wie sehr es ihre Positionen untergräbt. Deshalb sprach der amerikanische Außenminister Marco Rubio heute mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky und gab anschließend ein Interview, in dem er betonte: „Alles, was das Verteidigungsministerium in Bezug auf die Ukraine getan hat, hat sich nicht verändert, es bleibt unverändert. PURL, das Programm, bei dem Waffen an die Europäer verkauft werden und diese sie an die Ukraine weitergeben, bleibt unverändert. Der Austausch von Geheimdienstinformationen bleibt bestehen. Trump hat eindeutig erklärt, dass er keinerlei Anordnungen erteilt hat, diese Hilfe einzustellen. Nichts hat sich verändert, überhaupt nichts. Ich sehe Berichte über Veränderungen, aber das entspricht nicht der Wirklichkeit, das ist nicht wahr.“

Da haben Sie es. Eine ziemlich einfache Geschichte. „Der Ukraine wird nichts absichtlich vorenthalten. Wenn es um Patriots geht, handelt es sich einfach um eine Abwägung zwischen den Verpflichtungen gegenüber unseren Partnern und, offen gesagt, unseren eigenen Standards und Anforderungen an die Bestände.“ Und all das sagt Rubio. Während Trump erneut betont, wie es seiner Meinung nach sein sollte.

Was geschieht tatsächlich aus der Sicht der ukrainischen Position? Im Grunde befindet sich Trump in einer politischen Umklammerung. Er nähert sich den Zwischenwahlen. Und mit jedem neuen Tag sinken die Umfragewerte der Republikaner, während die der Demokraten steigen. Dabei geht es bereits nicht mehr nur um das Repräsentantenhaus, sondern auch um den Senat. Trump versteht sehr gut, dass Untersuchungen seiner Tätigkeit für ihn, seine Familienmitglieder und sein engstes Umfeld katastrophal sein könnten. Gerade deshalb können Menschen wie Rubio oder Vance, die wissen, dass sie davon nicht betroffen sein werden, es sich leisten, von Trumps Linie abzuweichen und den amerikanischen Präsidenten schon heute beinahe in seinem eigenen Schmutz zu ertränken. Stellen wir uns vor, wie sie sich morgen verhalten werden.

Trump muss etwas unternehmen. Sie könnten fragen: Was? Das ist eine gute Frage. Nun, er würde gerne die Kraftstoffpreise senken und demonstrieren, dass er ein Friedensstifter ist.

Im Nahen Osten wird das alles nicht gelingen. Dort lohnt es sich derzeit überhaupt nicht, über irgendetwas nachzudenken, zumal auch in Israel selbst jetzt, würde ich sagen, richtungsweisende Parlamentswahlen anstehen. Und Trump könnte noch befürchten, dass er Benjamin Netanjahu als Partner verliert und der nächste israelische Ministerpräsident bestimmte Bedrohungen völlig anders beurteilen könnte.

Also muss zumindest der Krieg gegen die Ukraine beendet werden. Das würde wiederum ermöglichen, die Sanktionen gegen die Russische Föderation aufzuheben, ihr Öl und ihre Erdölprodukte auf den legalen Markt zu bringen und damit die Belastung zu verringern, unter der dieser Markt aufgrund der faktischen Kontrolle Irans über die Straße von Hormus steht. Und dabei wird es sich, wie Sie verstehen, nicht mehr um die 300.000 Tonnen Kraftstoff handeln, über die Putin sich kürzlich mit Trump geeinigt hat.

Auf wen kann Donald Trump in dieser Situation Druck ausüben? Wirkliche Möglichkeiten, Druck auf Russland auszuüben, die Russland zur Beendigung des Krieges zwingen würden, hat der Präsident der Vereinigten Staaten nicht besonders viele, wie ich seit den Wahlen von 2024 immer wieder gesagt habe. Wenn wir die Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation sowie ihre Energie- und militärisch-industrielle Infrastruktur zerstören, üben wir auf Russland tatsächlich einen viel größeren Einfluss aus als alle amerikanischen Sanktionen zusammengenommen. Denn Russland pfeift auf diese Sanktionen, solange es sein Öl und Gas nach China und Indien verkaufen kann. Wenn wir aber ihre Häfen bombardieren und sie kein Öl mehr exportieren können, wenn sie ihre Bohrlöcher stilllegen müssen, wenn sie ihre Ölraffinerien lange reparieren müssen, dann ist das tatsächlich ein Problem.

Wer bleibt also in dieser Situation übrig, auf den Trump Druck ausüben kann? Die Ukraine. Trumps gesamte Rhetorik richtet sich an uns. „Los, kapituliert.“ Aber hier müsste man eine andere Frage stellen: Wie sehr brauchen der Präsident der Russischen Föderation, der russische Staat, die russische Armee und auch das russische Volk unsere Kapitulation? Ich werde nicht müde, immer wieder daran zu erinnern, dass wir nicht zwischen Widerstand und Kapitulation wählen, sondern zwischen Widerstand und Vernichtung. Vernichtung ist keine Kapitulation. Sie bedeutet Vertreibung und Tod. Mögen die Scharen russischer Bots und ukrainischer nützlicher Idioten, von denen es auf ukrainischem Boden schon immer reichlich gab, versuchen, Sie von etwas anderem zu überzeugen. Aber Sie müssen sich das für Ihr ganzes Leben merken.

Die Situation ist also die, dass Trump zur Kapitulation der Ukraine bereit ist, nicht aber zu ihrer Vernichtung, denn diese würde ihm keinerlei Vorteile bringen. Was bedeutet die Kapitulation der Ukraine aus Trumps Sicht? Die Übergabe der Kontrolle über die Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja sowie die Krim an Russland und die Anerkennung dieser Kontrolle. Die Anerkennung der russischen Souveränität über die Krim durch die Vereinigten Staaten. Trump scheut sich nicht, das zu sagen. Er sagt: „Putin wird dort einen gewissen Teil des Eigentums bekommen, das er erobert hat.“

Dazu gehört ein neutraler Status der Ukraine. Sowohl Trump als auch sein Vizepräsident JD Vance, der sich anscheinend bereits darauf vorbereitet, Trumps Platz sogar ohne Wahlen einzunehmen, sagen, dass sie nicht sicher seien, ob die Ukraine NATO-Mitglied sein sollte. Obwohl wiederum aus Sicht der formalen Logik völlig unverständlich ist, von welchen Garantien auf dem Niveau von Artikel 5 hier überhaupt noch die Rede sein kann.

Es geht um Neutralität, um die russische Sprache und die russische Kirche und um russischen Einfluss in der Ukraine. Selbst trotz dieses grausamen Krieges glaubt Trump, Zelensky müsse eine solche Kapitulation akzeptieren und die Ukrainer müssten ihr zustimmen, unter der Drohung, dass die amerikanische Unterstützung endgültig eingestellt wird.

Wir können darüber sprechen, dass ein solcher Zustand für die Ukrainer unangemessen und inakzeptabel wäre. Aber jetzt geht es nicht um die Ukrainer, die für Trump in dieser Geschichte keine eigenständigen Akteure sind. Es geht um den Menschen, den er als Akteur betrachtet. Das ist Putin. Und nun stellt sich die Frage: Braucht Putin die ukrainische Kapitulation? Nein. Putin braucht die Vernichtung der Ukraine.

Denn diese langjährigen Bemühungen dauern, wie ich Sie erinnern möchte, nicht einmal nur viereinhalb Jahre, sondern zwölf Jahre. Und nicht einmal zwölf Jahre, sondern 26 Jahre von Putins Herrschaft. Denn Putin begann buchstäblich vom ersten Tag seiner Amtszeit als Präsident der Russischen Föderation an, sich mit der Vernichtung der Ukraine zu beschäftigen.

Erinnern Sie sich: Koltschuga, Tusla, der Maidan von 2004 und der Versuch, Janukowytsch auf den Präsidentensessel zu setzen. Die Revanche von 2010. Das Jahr 2013. Die Absage an die europäische Assoziierung. Die Annexion der Krim 2014. Der Krieg im Donbas. Die Diskreditierung der Regierung nach dem Maidan und die direkte Beteiligung Putins und Russlands am politischen Prozess von 2019, als sie alles Mögliche unternahmen, um eine Revanche zu erreichen, und verloren. Das alles war Putin während dieser 26 Jahre.

Die Umgehungsgaspipelines, deren Bau Putin Alexej Miller buchstäblich vom ersten Tag an auftrug, als dieser Vorstandsvorsitzender von Gazprom wurde. Nord Stream 1, Turkish Stream, Nord Stream 2 – das alles diente der Eroberung der Ukraine. Denn diese Gaspipelines sollten Russland niemals Gewinne bringen. Sie wurden gerade dafür gebraucht, um sich später rücksichtslos in ukrainische Angelegenheiten einzumischen und der Ukraine den Verzicht auf ihre Staatlichkeit zu diktieren.

Und nun sagt man Putin nach 26 Jahren solcher Bemühungen und Niederlagen, sowohl 2004 als auch 2014 und im Grunde auch 2019: „Gut. Nimm dir die Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja zusammen mit der Krim und verschwinde wieder in deine Höhle.“

Nun, das ist eine Beleidigung, das ist einfach eine Verhöhnung durch einen alten Mann aus Washington. Der obendrein bereits seinen Einfluss verliert und in zwei Jahren nicht mehr Präsident der Vereinigten Staaten sein wird. Auf wen hören wir da? Was will er überhaupt?

Deshalb glaube ich, dass Zelensky all diesem Unsinn gegenüber Respekt gezeigt hat. Er hörte Witkoff zu. Er sagte, dass die Ukraine bereit sei, ihre Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Russischen Föderation einzustellen, falls Russland aufhöre, die Energieinfrastruktur der Ukraine anzugreifen. Kommt Ihnen das nicht bekannt vor?

Morgen wird Witkoff zu Putin reisen, sich mit ihm in Sankt Petersburg treffen, und Putin wird diesen Plänen der amerikanischen Regierung erneut nicht zustimmen. Was wird dann tatsächlich geschehen? Wie wird Trump sich verhalten? Wie werden sich die Vereinigten Staaten verhalten? Nun, das ist eine gute Frage.

Mir scheint, die wichtigste Frage ist nicht, ob es Witkoff gelingen wird, mit Putin Frieden zu vereinbaren. Ich glaube, diese Idee muss man sich als Hirngespinst aus dem Kopf schlagen, denn Putin will keinen Frieden. Mir scheint, man sollte auch nicht darüber diskutieren, ob Witkoff mit Putin über die Kapitulation der Ukraine sprechen kann. Auch diese Idee muss man als Hirngespinst verwerfen. Nicht einmal deshalb, weil wir heute eine solche Kapitulation nicht wollen, sondern weil der Präsident der Russischen Föderation, sein Volk und seine Armee sie nicht brauchen.

Unsere wichtigste Aufgabe besteht darin, zu verstehen, wie Trump handeln wird, wenn Putin ihn erneut zum Teufel schickt. Das ist das Interessanteste. Und Trump hat sich mit seinem Druck auf die Ukraine bereits richtig in Fahrt gebracht. Wird er diesen Druck einstellen? Wird er aufhören, all den erstaunlichen Unsinn zu erzählen, den er erzählt? Oder wird er weitermachen? Das ist das Interessanteste, was man in dieser Situation verstehen muss.

Denn Witkoff trifft sich mit Putin, und Putin sagt: „Nein, das ist für uns inakzeptabel.“ Der Außenminister der Russischen Föderation, Sergej Lawrow, hat bereits gesagt, dass Russland keinerlei Zugeständnisse machen werde. Keine. Sie sind absolut davon überzeugt, dass sie die Vernichtung der Ukraine erreichen und unser Territorium in ein Gebiet verwandeln werden, das für unser Leben ungeeignet, aber für das Leben russischer Siedler geeignet ist, die bereits ihre Koffer packen.

Das ist die Frage: Was geschieht danach? Denn wenn Zelensky Trump zustimmt, dass es Friedensbedingungen gibt, dass die Amerikaner diese vorschlagen und wir sie akzeptieren, dass wir zu diesem, jenem und noch anderem bereit sind, während die Russen zu überhaupt nichts bereit sind – was macht Trump dann?

Wenn er sieht, dass Putin ihn vor dem 3. November erneut durch den Dreck gezogen hat. Ihn gründlich durch den Dreck gezogen hat. Wird er dann einsehen, dass er der Ukraine doch die Patriots geben muss, die Pete Hegseth derzeit vor uns zurückhält? Natürlich nicht aus eigenem Antrieb. Wir verstehen, dass Hegseth in seinem Leben keinerlei selbstständige Entscheidungen trifft, dass das alles Trump ist.

Oder werden wir vielleicht Tomahawks bekommen? Oder wird man uns vielleicht dabei helfen, die russische Energiewirtschaft und Wirtschaft so gründlich zu zerstören, dass von ihr nichts mehr übrig bleibt, wenn Putin Trump schon auslacht? Oder wird Trump weiter auf Putin hoffen? Welchen Sinn hätte es noch, auf ihn zu hoffen?

Man muss verstehen, dass Trump nach dem 3. November, selbst bevor der neue Kongress seine Arbeit aufnimmt, nicht mehr viel Zeit dafür haben wird, Putin zu helfen. Selbst der dann noch amtierende Kongress, der sogenannte Lame-Duck-Kongress, in der Zeit von November 2026 bis Januar 2027, könnte sich bereits gegen Trump stellen.

Denn dort werden Republikaner sitzen, die verstehen, dass er ihnen nur Probleme bereitet, und die nicht wieder in den Kongress gewählt wurden. Wenn sie den Kongress verlassen müssen, werden sie wissen, dass sie nicht mehr von Trump abhängig sind. Sie können Gesetzentwürfe verabschieden, die im Grunde allen Absichten des amerikanischen Präsidenten widersprechen, auch denen im Zusammenhang mit den russisch-amerikanischen Beziehungen.

Einige Republikaner im Repräsentantenhaus verbergen ihre kämpferische Haltung nicht. Das ist, wie Sie verstehen, der interessanteste Punkt. Was wird geschehen, nachdem Putin erneut sämtliche Vorschläge Trumps zurückgewiesen hat? Das interessiert mich mehr.

Aus logischer Sicht müsste Putin Trump zumindest für eine gewisse Zeit etwas geben, das Trump als seinen Erfolg präsentieren könnte. Nun, beispielsweise könnte es um einen Energiewaffenstillstand gehen. Was verliert Putin im Grunde durch einen Energiewaffenstillstand? Eigentlich verliert er nichts, wenn man es genau betrachtet.

Nun, dann greift er drei oder vier Wochen lang die ukrainische Energieinfrastruktur nicht an. Aber auch die Ukraine wird seine Energieanlagen nicht angreifen und ihm dadurch ermöglichen, die Reparaturen zu beschleunigen und die Menge des exportierten Kraftstoffs zu erhöhen, der für die Fortsetzung des Krieges auch in den kommenden Jahren gebraucht wird. Und Trump wird als Friedensstifter dastehen.

Nach dem 3. November, nach dem 10., gut, kann man das alles wieder aufnehmen und die Ukraine beschuldigen, den Energiewaffenstillstand gebrochen zu haben. Putin beherrscht das alles.

Die Frage ist, wie weit er zu all dem bereit sein wird. Denn es gibt die Logik der Politik, und es gibt die Logik von Putins Verhalten. Er könnte der Ansicht sein, dass er Trump bereits einmal ausgenutzt hat und ihn nicht mehr braucht. Und deshalb könnte er die Gefühle seines amerikanischen Kollegen völlig ignorieren.

Und er wird nichts tun, was zeigen würde, dass Trump in dieser Angelegenheit wenigstens irgendeinen Erfolg erzielen konnte. Er wird weder als Friedensstifter dastehen, noch werden die Kraftstoffpreise sinken. Und es wird ihm schwerfallen, Zelensky die Schuld zu geben, der allen amerikanischen Vorschlägen zustimmen wird, statt Putin, der keinem dieser amerikanischen Vorschläge zustimmen wird.

Nun, im Grunde muss man sagen, dass die Teilnehmer dieser Pressekonferenz mit Zelensky, wie Sie verstehen, sehr vorsichtig waren. Der finnische Präsident sagte: „Nun ja, wir haben bestimmte Rahmenbedingungen für einen Frieden besprochen, wir werden sehr vorsichtig sein.“

Und dass Witkoff, genau das ist es, wovon ich spreche, „Putin einen Plan für einen teilweisen Waffenstillstand vorschlagen wird, der den Schutz der Energie- und Nahrungsmittelinfrastruktur vorsieht“. Also etwas, dem Putin bereits mehrfach nicht zugestimmt hat.

Ich erinnere Sie daran, dass er die Idee eines Energiewaffenstillstands als absurd bezeichnet hat. Nun stellt sich auch die Frage, inwieweit ihm diese Idee jetzt nicht mehr absurd erscheinen wird. Das ist doch die wichtigste Frage.

Jedenfalls sagt der finnische Präsident, dass die Verhandlungen zwischen Zelensky und Trumps Gesandten gut und konstruktiv gewesen seien. Niemand will sich also mit dem amerikanischen Präsidenten streiten. Alle sprechen von Fortschritten.

Übrigens könnte gerade jetzt noch ein weiteres Treffen stattfinden. Ein Treffen von Vertretern der Ukraine, Norwegens und Finnlands mit den nationalen Sicherheitsberatern der Europäischen Union, der NATO, Großbritanniens, Deutschlands und Italiens.

Das heißt, auf unserer Ebene, sagen wir, auf der Ebene der Ukraine und des Westens, gibt es Fortschritte. Auf russischer Ebene bleibt alles beim Alten. „Wir sind bereit, Ihnen zuzuhören, aber wir haben nicht die Absicht, politische Zugeständnisse zu machen“, sagt Lawrow.

Wie soll ein solcher Verhandlungsprozess überhaupt funktionieren? Nun, im Grunde müssen wir nicht lange warten. Man kann alles Mögliche tun, um Russland in der Ukraine zu entlarven, um zu zeigen, dass Putin nichts will, um Trump dazu zu bringen, unsere Unterstützung zu verstärken, weil es keine andere Alternative gibt.

Und dann kann man durch Druck auf Russland, auch durch militärischen Druck, Putin zum Abschluss eines wirklichen Friedens zwingen. Das ist die Logik der Situation, die mir am wichtigsten erscheint.

Und man sollte nicht glauben, dass in Russland alles so wunderbar läuft. Eine Nachricht, die buchstäblich in den letzten Minuten erschienen ist und auf die ich an Ihrer Stelle, liebe Freunde, aufmerksam achten würde: Russland hat angesichts des wachsenden staatlichen Haushaltsdefizits die größte Verkaufsaktion von Gold aus den staatlichen Reserven seit 1998 durchgeführt. Das sind Informationen der Zentralbank der Russischen Föderation. Im September verringerte sich der russische Goldbestand um weitere sechs Tonnen. Seit Dezember 2025 hat Russland etwa 62 Tonnen Gold verkauft. Der Gesamtumfang der Reserven sank auf den niedrigsten Stand seit Ende 2019. Die Verkäufe hängen mit der Verwendung von Mitteln des Nationalen Wohlstandsfonds zur Deckung des Haushaltsdefizits zusammen, das 2026 7,3 Billionen russische Rubel erreichen wird.

Wenn wir also sagen, Putin würde diesen Krieg gerne möglichst schnell beenden, dann sind wir der Wahrheit sehr nahe. Er könnte diesen Krieg tatsächlich gerne schneller beenden wollen. Nur besteht seine Vorstellung von einem Kriegsende darin, dass es ihm gelingt, die Ukraine schnell zu vernichten und uns schnell dazu zu zwingen, ihm unser eigenes Territorium, unser eigenes Zuhause, unser eigenes Land zu überlassen. Ihm und seinen Anhängern aus Russland.

Das ist die ganze Situation, die sich jetzt rund um dieses Treffen entwickelt. Noch einmal: Diese Situation ist nicht abgeschlossen, denn morgen werden wir über die Ergebnisse von Witkoffs Aufenthalt in Russland sprechen können. Obwohl, wie wir wissen, in der Regel keinerlei wirkliche Ergebnisse veröffentlicht werden, nachdem Witkoff sich mit Putin getroffen hat. Zumindest ist das bisher kein einziges Mal geschehen.

Und es ist klar, dass wir bis zum 3. November weiter in einer Welt unsinniger Äußerungen Trumps leben werden. Hier ist wieder eine Erklärung, die er abgegeben hat: „Ich glaube nicht, dass Zelenskys Volk das noch länger hinnehmen wird. Er muss eine Vereinbarung schließen. Zelensky hätte bereits im März 2025 eine vorteilhafte Vereinbarung schließen können. Damals hätte er viel bessere Bedingungen aushandeln können als diejenigen, mit denen er heute rechnen kann.“

„Sie erinnern sich doch, dass im März 2025 überhaupt alle Voraussetzungen für den Abschluss einer russisch-ukrainischen Vereinbarung bestanden und Putin damit einverstanden war“. Das ist reine Mythologie, aber Trump hält an dieser Mythologie fest.

Und dass er sagt, Zelenskys Volk werde das nicht hinnehmen, ist genau dieselbe russische Propaganda, die sich derzeit in den sozialen Netzwerken ausbreitet. Es sind genau dieselben berühmten Yandex-Bots und ukrainischen nützlichen Idioten, die sagen: „Man muss den Krieg unter allen Bedingungen beenden. Aber die ukrainische Regierung will ihn nicht beenden.“

Das heißt, die Geschichte mit der russischen Propaganda von 2019 wiederholt sich. Sie geben nicht einmal Geld für irgendwelche anderen Narrative aus. Sie haben lediglich gelernt, sich mithilfe künstlicher Intelligenz auf Ukrainisch auszudrücken. Und das ist im Grunde alles.

Das Einzige, was noch geschehen könnte, ist, dass Witkoff den Amerikaner Hubbard aus Moskau mitbringt, den russische Soldaten gefangen genommen haben, einen Amerikaner, der auf der Seite der Ukraine gekämpft hat. Vielleicht könnte das zu einem wirklichen Ergebnis werden. Es handelt sich um einen sehr alten Menschen, er ist 72 Jahre alt. Und natürlich ist die Freilassung jedes Amerikaners, der auf der Seite der Ukraine gekämpft hat oder sich überhaupt in einem russischen Gefängnis befindet, für Trump vor den Wahlen ein wichtiger Punkt.

Das ist eine erste Skizze dieses erneuten, würde ich sagen, Verhandlungsprozesses zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine, nicht zwischen der Ukraine, Russland und den Vereinigten Staaten.

Ich werde auf einige der Fragen antworten, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden, natürlich nur auf einige davon.

Frage: Warum ist Witkoff Ihrer Meinung nach nicht gemeinsam mit den Staats- und Regierungschefs der Ukraine, Norwegens und Finnlands zur Pressekonferenz erschienen?

Portnikov: Nun, offensichtlich, weil er nach Sankt Petersburg geflogen ist. Vielleicht hat er einen solchen Zeitplan. Und außerdem glaube ich, dass Witkoff unangenehme Fragen vermeiden wollte. Er könnte aus jener Pressekonferenz, an der er in Kyiv teilgenommen hat, seine Schlüsse gezogen haben, als ihm und Kushner sehr unangenehme Fragen gestellt wurden. Nach einer solchen kalten Dusche möchte man diesen Journalisten nicht noch einmal begegnen. Er ist schließlich nicht Trump, der auf jede Frage reagiert.

Frage: Erklären Sie, welchen Sinn all diese Verhandlungen haben, wenn doch offensichtlich ist, auf wessen Seite Trump steht. Er hat seine Maske fallen lassen, das haben Sie selbst gesagt. Was diskutieren wir hier überhaupt, worauf hoffen wir?

Portnikov: Nun, ich versuche doch schon seit 30 Minuten, das zu erklären. Erstens unterstützen die Vereinigten Staaten die Ukraine weiterhin mit Geheimdienstinformationen und Starlink, und wir sprechen weiterhin über Patriots.

Welche ideologischen Bewertungen wir auch immer über die Tätigkeit des Präsidenten der Vereinigten Staaten abgeben, er muss trotzdem die amerikanische öffentliche Meinung berücksichtigen.

Donald Trump steht seit dem ersten Tag seiner politischen Karriere auf Putins Seite. Aus der Sicht von Verschwörungstheorien, dass er dort angeworben worden sei, oder aus der Sicht dessen, worüber ich kürzlich gesprochen habe, dass er einfach ideologische Gemeinsamkeiten mit dem Präsidenten der Russischen Föderation hat.

Dass wir eine Welt erleben, in der ultrarechte Politiker bald mit ultralinken konkurrieren werden, eine Welt Adolf Hitlers und Josef Stalins, gewissermaßen ins 21. Jahrhundert übertragen.

Aber das bedeutet nicht, dass wir außer Acht lassen dürfen, dass die Vereinigten Staaten uns weiterhin wichtige Unterstützung leisten, die wir nicht zurückweisen sollten. Deshalb führen wir Verhandlungen mit Witkoff, um Trump keinen Anlass zu geben, uns die Unterstützung zu verweigern.

Wir können ganz ruhig über alles Mögliche sprechen, in dem Wissen, dass die Russische Föderation in den nächsten schweren Jahren nicht einmal daran denken wird, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Eine solche Perspektive existiert nicht.

Es sei denn, es gelingt uns, die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Russischen Föderation durch die Bombardierung ihres terroristischen Territoriums – oh, das klingt gut – so weit zu verringern, dass sie zum Frieden bereit sein wird.

Aber glauben Sie mir, wenn die Russen zum Frieden bereit sind, brauchen sie weder irgendwelche Trumps noch irgendwelche Witkoffs.

Frage: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die USA genug Verstand aufbringen, um Trump nicht zu erlauben, einen Bürgerkrieg zu entfachen?

Portnikov: Ich glaube, dass die Stärke der amerikanischen Institutionen derzeit realer ist als die Popularität Donald Trumps. Deshalb glaube ich nicht, dass es einfach so in einem Bürgerkrieg enden würde, wenn Trump beschließen sollte, die Ergebnisse der Kongresswahlen nicht anzuerkennen. Und ich glaube auch nicht, dass er überhaupt so weit gehen wird. Absichten mag es geben, Möglichkeiten gibt es nicht.

Frage: Was die Vereinigten Staaten betrifft: Warum stellen die Demokraten Ihrer Meinung nach bei Wahlen extrem linke Kandidaten auf, und das auch noch in roten Bundesstaaten, wo sie wahrscheinlich nicht gewinnen werden?

Portnikov: Nun, vielleicht stellen sie sie gerade deshalb in roten Bundesstaaten auf, wo sie nicht auf einen Sieg hoffen. Aus dem einfachen Grund, dass sie, ich würde sagen, eine Alternative zu den Alternativen zeigen wollen.

Und auch innerhalb der Demokratischen Partei verstärken sich linksradikale Stimmungen. Das ist ein völlig normales Ergebnis der Reaktion auf die Verstärkung rechtsradikaler Stimmungen in der Republikanischen Partei.

Den linksradikalen Strömungen gehört in den Vereinigten Staaten überhaupt die politische Zukunft. Denn Menschen, die bereit sind, für Rechtsradikale zu stimmen, können jederzeit für Linksradikale stimmen. So ist die menschliche Psychologie nun einmal beschaffen.

Ein roter Bundesstaat wird gerade dann blau werden, wenn ein Wähler eines rechtsradikalen Senators oder Kongressabgeordneten eine linksradikale Alternative sieht.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass Tucker Carlson einen linksradikalen demokratischen Kandidaten im Bundesstaat Michigan unterstützt. Und er sagt, dessen Programm sei der wahre Trump, während der heutige Trump nicht der wahre Trump sei.

Nun, da haben Sie die Antwort auf Ihre Frage. Wer bereit ist, für einen Ultrarechten zu stimmen, wird irgendwann zwangsläufig auch für einen Ultralinken stimmen. Das wird aus wahlstrategischer Sicht völlig richtig gemacht.

Frage: Wie viele zusätzliche Jahre hat Trump Russland durch seine Ideen ermöglicht, den Krieg fortzusetzen?

Portnikov: Ich glaube, gar keine. Denn alles hängt von der Menge der russischen Ressourcen ab. Trump hat keine der Sanktionen gegen die Russische Föderation aufgehoben, die sein Vorgänger eingeführt hatte. Das derzeitige Graham-Gesetz erlaubt es nicht, diese Sanktionen aufzuheben.

Wir haben von den Vereinigten Staaten Militärhilfe erhalten. Natürlich könnte man annehmen, dass unser Widerstand gegen die russische Offensive wirksamer gewesen wäre, wenn wir mehr Militärhilfe bekommen hätten. Aber wie Sie sehen, konzentriert sich Putin nicht besonders auf die Offensive seiner Armee. Er konzentriert sich auf die Vernichtung des Hinterlands.

Und hier verstehen wir sehr gut, dass alles davon abhängt, wie viel Geld Putin hat, um das ukrainische Territorium aus seiner Sicht bald in ein unbewohnbares Gebiet zu verwandeln.

Und dafür ist nicht Trump entscheidend, sondern China. Trump kann aber den Wirtschaftskrieg gegen China nicht gewinnen, wie wir aufgrund der kritischen Abhängigkeit der amerikanischen Wirtschaft von eben jenen chinesischen Seltenen Erden und so weiter gesehen haben.

Deshalb würde ich das alles nicht auf diese Weise in Jahren messen. Auch hier müssen wir realistisch sein.

Frage: Werden wir in den nächsten etwa 50 Jahren einen Sieg der Demokratie und der Menschen guten Willens in der westlichen Welt über die ultrarechten und ultralinken Feinde eben dieser Demokratie erleben?

Portnikov: Ich bin mir nicht sicher. Ich halte es für möglich, dass 50 Jahre sehr viele unterschiedliche Ereignisse umfassen können. Große Kriege, einen Sieg ultralinker Kräfte, was absolut realistisch ist, wenn ultrarechte Kräfte stärker werden, und neue Krisen.

Aber die menschliche Zivilisation sieht nicht vor, dass irgendjemand dauerhaft über irgendjemanden siegt. Die menschliche Zivilisation selbst ist Vielfalt. Vielfalt bedeutet, dass der Radikalismus der Mäßigung weicht, die Mäßigung dem Radikalismus weicht und der Frieden dem Krieg weicht. So wird die Menschheit in den nächsten Jahrhunderten leben.

Denn jetzt befinden wir uns gerade in der Zeit vor einem großen Krieg und danach vor einer Phase der Ruhe nach diesem großen Krieg. Wir sind einfach in eine solche unglaubliche Epoche geraten.

Das ist normal, das geschieht in der Geschichte der Menschheit alle 80 bis 90 Jahre auf verschiedenen Kontinenten. Wenn Sie also nicht wollen, dass eines Tages auf der Erde nur noch künstliche Intelligenz existiert und keine Menschen mehr, müssen Sie akzeptieren, dass die Zivilisation komplexer ist, als wir sie uns vorstellen möchten. Daran lässt sich nichts ändern. Das ist die Logik der Geschichte.

Frage: Glauben Sie, dass Trump nach den Wahlen in den Vereinigten Staaten seine Rhetorik gegenüber der Ukraine mäßigen wird?

Portnikov: Ich glaube, dass er sie mäßigen wird. Denn dann wird er sie nicht mehr besonders brauchen. Und außerdem glaube ich generell, dass Trump nach den Wahlen, besonders wenn der neue Kongress seine Arbeit aufnimmt, weder für die Ukraine noch für den Nahen Osten Zeit haben wird.

Er wird eine Million innenpolitischer Probleme lösen müssen, die mit Russland, mit Untersuchungen und mit irgendwelchen Dingen zusammenhängen, die ans Licht kommen werden, irgendwelchen Sensationen. Wir wissen nicht einmal, was. Wir können uns nicht einmal vorstellen, wovon wir erfahren könnten.

Trump spricht jetzt so energisch über die Ukraine, weil er sich erlaubt hat zu glauben, dass er bis zum 3. November ein Ergebnis erzielen wird oder zumindest bis zu dem trilateralen Treffen in Shenzhen, das möglicherweise gar nicht stattfindet.

Aber Sie haben doch gesehen, dass er schon lange nicht mehr mit einer solchen Rhetorik aufgetreten ist. Er ist wieder in den Zustand zurückgekehrt, in dem er sich 2025 befand. Deshalb bin ich nicht sicher, dass er das fortsetzen wird.

Aber ich sage noch einmal: Ich rate Ihnen, sich daran zu erinnern, dass wir uns aufgrund dieser amerikanischen Zwischenwahlen in einer Welt völliger Turbulenzen befinden.

Dass Trump angesichts ihrer möglichen Ergebnisse einfach entsetzt ist, dass er geradezu außer sich vor Wut ist, das sehen wir. Er ähnelt nicht mehr jenem selbstsicheren Trump, den wir früher gesehen haben, denn er beantwortet Fragen zur Ukraine nicht besonders sicher, er verheddert sich. Das heißt, er hat Probleme. Und das alles ist verständlich.

Frage: Welche Ereignisse werden Ende 2029 stattfinden, und warum könnte der Krieg in der Ukraine dann enden?

Portnikov: Ich verstehe nicht, warum Sie glauben, dass der Krieg in der Ukraine Ende 2029 enden müsse.

Ich sage immer wieder etwas Wichtiges. Vor den Wahlen in den Vereinigten Staaten 2028 und nach den Wahlen, wenn er den Sieger kennt, kann Präsident Putin entscheiden, was er mit dem russisch-ukrainischen Krieg weiter tun soll, falls dieser Krieg bis dahin nicht beendet ist.

Er wird den Namen des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten kennen. Er wird wissen, wie dieser Präsident zu Russland und zum russisch-ukrainischen Krieg steht. Er kann darüber nachdenken, ob es, wenn man diesen Krieg grundsätzlich aussetzen will, sinnvoller ist, ihn mit Trump auszusetzen, der offensichtlich sein Sympathisant ist, oder ob er sich ein solches Geschenk für den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten aufheben sollte.

Oder ob er davon ausgehen sollte, dass auch der neue Präsident der Vereinigten Staaten nichts ändern wird und man deshalb auch ihn überdauern kann, so wie „wir hier im Kreml schon viele amerikanische Präsidenten überdauert haben“. Denn „wir sind hier für immer, wir sind schließlich Putin, und sie sind nur für vier Jahre da“.

Ich habe lediglich gesagt, dass 2028 eine neue Phase der Überlegungen darüber beginnen könnte, wie der russisch-ukrainische Krieg fortgesetzt werden soll. Bis 2028 weiß Putin aber bereits, wie er sich verhalten soll. Für ihn gibt es nichts Unbekanntes. Er kann ganz ruhig bis 2028 Krieg führen, ohne auch nur seine Herangehensweise an das Geschehen zu korrigieren.

Wenn wir wollen, dass das früher endet, haben wir nur ein einziges Instrument, um die Situation in den kommenden Kriegsjahren zu beeinflussen: die Zerstörung des russischen Energie- und Wirtschaftspotenzials.

Niemand hat jemals ohne Geld Krieg geführt. Wenn Russland kein Geld mehr hat, wenn es kein Öl mehr verkaufen kann, wenn es keine Waffen mehr produzieren kann, könnte beim Präsidenten der Russischen Föderation der Wunsch entstehen, den Krieg früher auszusetzen, ohne auf irgendwelche amerikanischen Wahlen zu warten. Das ist eine völlig logische Sache.

Frage: Könnte Putin Trump nicht versprochen haben, den Republikanern zu helfen und sich in die Wahlen in Amerika einzumischen?

Portnikov: Ich glaube nicht, dass die Russische Föderation, zumal gerade jetzt, sich so in die Wahlen in Amerika einmischen kann, dass sie deren Ergebnis beeinflussen könnte.

Natürlich könnte Putin Trump alles Mögliche versprochen haben. Aber das Ausmaß der Einmischung …

Übrigens wurde bei dem jüngsten Referendum in der kanadischen Provinz Alberta die Frage gestellt, ob ihre Bewohner bereit wären, der Durchführung eines Referendums über die Unabhängigkeit Albertas zuzustimmen.

Und wie Sie wissen, haben die Befürworter der Unabhängigkeit gegen diejenigen, die wollen, dass Alberta zu Kanada gehört, eine vernichtende Niederlage erlitten. Die Menschen wollen nicht einmal ein Referendum darüber abhalten. Nun, nach unseren Angriffen auf die Rechenzentren von Yandex ging die Zahl der Bots, die für die Unabhängigkeit Albertas eintraten, um ein Vielfaches zurück.

Das heißt, es stellte sich heraus, dass die Russen Botfarmen nicht nur in der Ukraine unterhalten, wo Sie sehen, welches Ausmaß ihre Tätigkeit hat, und nicht nur im Nahen Osten, wo der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, dass die Aktivität antiisraelischer Bots in den weltweiten sozialen Netzwerken nach den Angriffen auf Yandex um 60 Prozent zurückgegangen sei. Sie tun das auch in Nordamerika. Und stellen Sie sich vor: Wenn sie Bots unterstützen, die für den Zusammenbruch der kanadischen Staatlichkeit und die Abspaltung Albertas eintreten, dann stellen Sie sich ihre tatsächliche mögliche Rolle in den Wahlkämpfen der Vereinigten Staaten vor.

Sie tun das ohnehin bereits. Aber ihre Aufgabe besteht nicht darin, Trump und den Republikanern zu helfen. Ihre Aufgabe, und daran müssen wir uns immer erinnern, besteht darin, die Vereinigten Staaten zu destabilisieren. Putin ist kein Verbündeter Donald Trumps. Putin ist ein Mensch, der den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, als Instrument benutzt, als eine Art Werkzeug, um die Stabilität der Welt aufzubrechen.

Und Trump zu helfen, interessiert ihn überhaupt nicht. Ihn interessiert gerade, dass Trump sich in seinen Beziehungen zum Kongress verheddert, dass er sich festfährt, dass er überhaupt nichts mehr unternehmen kann, was die Möglichkeiten und Handlungen der Russischen Föderation irgendwie beeinflussen könnte.

Genau das nutzt er aus. Nicht zum ersten Mal. Wie Sie sich erinnern, war Putins Haltung gegenüber Trump während dessen erster Amtszeit genau dieselbe. Was könnte sich jetzt verändert haben? Nun, praktisch nichts. Außer dass Putin außerdem will, dass man ihm im Krieg gegen die Ukraine freie Hand lässt.

Das hat übrigens sein Außenminister Sergej Lawrow während seines Auftritts bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen und auf seiner anschließenden Pressekonferenz in New York ganz klar gesagt, als er erklärte: „Wenn wir gute nachbarschaftliche Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika wollen und darüber Vereinbarungen treffen wollen, müssen wir die Ukraine aus unseren bilateralen Beziehungen ausklammern.“

Und ich glaube, dass Putin Steve Witkoff morgen in Sankt Petersburg genau das erneut sagen wird, wenn das Treffen zwischen dem Präsidenten der Russischen Föderation und dem amerikanischen Vermittler stattfindet. Und ich glaube, dass wir morgen natürlich unbedingt über dieses Treffen, seine Ergebnisse und überhaupt über seine Hintergründe in unserer nächsten Sendung auf diesem Kanal sprechen werden.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини в Осло: підсумки | Віталій Портников. 20.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 20.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Zelenskys Auftritt in Brüssel: Das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 16.10.2026.

Zelensky ist heute in Brüssel aufgetreten, hat auf einer Pressekonferenz Fragen von Journalisten beantwortet und dabei eine ganze Reihe wichtiger Aussagen gemacht, auf die es sich näher einzugehen lohnt.

Die erste dieser Aussagen betrifft die Ziele des russischen Machthabers Putin im Krieg gegen die Ukraine. Zelensky erklärt, dass Putin sich nicht mit dem Donbas zufriedengeben werde, sondern versuche, die Ukraine als solche zu vernichten. Und sollte er dieses Ziel erreichen, wäre ganz Europa unmittelbar bedroht, denn der Appetit des Aggressors würde natürlich weiter wachsen. Genau deshalb wendet sich Zelensky an die europäischen Partner mit der Bitte, die Lieferungen von Luftabwehrsystemen zu erhöhen, um die russischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur zu stoppen.

Zugleich beziffert er die Kosten des Krieges für das kommende Jahr 2027 auf 155 Milliarden Euro und schlägt vor, der Ukraine 70 Milliarden Euro aus dieser Gesamtsumme zur Verfügung zu stellen. Er betont, dass der Druck auf Russland dadurch wesentlich größer würde. So könnte beispielsweise die Produktion von Drohnen gesteigert werden, die die wirtschaftliche Infrastruktur der Russischen Föderation zerstören, ihre Ölraffinerien und andere für Putin wichtige Einrichtungen der russischen Wirtschaft angreifen könnten. Und das ist tatsächlich der einzige Weg zum Frieden. Denn eine diplomatische Lösung des russisch-ukrainischen Krieges hat es angesichts der tatsächlichen Ziele des russischen Präsidenten, der russischen Armee und des russischen Volkes nie gegeben, es gibt sie nicht, und es wird sie auch in absehbarer Zukunft nicht geben, solange das russische Volk seine Haltung gegenüber der bloßen Existenz der Ukraine und des ukrainischen Staates nicht ändert.

Gleichzeitig zeigt Zelensky auch seine Bereitschaft zu Kompromissen. So erklärte er, dass er bereit sei, die Angriffe auf die Ölraffinerie-Infrastruktur der Russischen Föderation einzustellen, über die der amerikanische Präsident Donald Trump ständig spricht – vorausgesetzt, die Ukraine erhält eine ausreichende Zahl von Abfangraketen für das Patriot-Luftabwehrsystem, um sich gegen die menschenvernichtenden russischen Angriffe zu schützen.

Meiner Meinung nach werden die Vereinigten Staaten auf einen solchen Kompromiss kaum eingehen, und zwar aus einem einfachen Grund. Trump ist sich bewusst, dass die ukrainischen Angriffe auf den russischen Öl- und Gaskomplex keinerlei Einfluss auf die Öl- oder Gaspreise auf dem Weltmarkt haben. Denn diese Preise hängen mit dem Fiasko des amerikanischen Präsidenten im Krieg gegen den Iran und mit der faktischen Kontrolle Teherans über die Straße von Hormus zusammen. Daher ist es für Trump höchstwahrscheinlich wichtig, Zelensky als Sündenbock zu haben. Übrigens wurde diese Frage auch auf der Pressekonferenz des ukrainischen Präsidenten gestellt. Zelensky verzichtete jedoch darauf, sie mit Worten zu beantworten, und beschränkte sich auf ein Lächeln, das den Journalisten deutlich machte, was er tatsächlich von den Bemerkungen seines amerikanischen Amtskollegen hält.

Was Trumps Bemerkungen betrifft, so versuchte Zelensky übrigens, nicht persönlich darauf zu reagieren. Er sagte in Brüssel, dass es für ihn wesentlich leichter sei, mit Trump zu verhandeln als mit Putin. Damit reagierte er auf die Worte des amerikanischen Präsidenten, der inzwischen behauptet, es falle ihm wesentlich leichter, mit Putin zu verhandeln als mit Zelensky. Gleichzeitig versäumte es der ukrainische Präsident nicht, zu betonen, dass die Lage auf dem weltweiten Dieselmarkt nicht von den ukrainischen Angriffen abhänge, was dem amerikanischen Präsidenten kaum gefallen dürfte. Außerdem wandte er sich direkt an das amerikanische Volk und sprach über jene Werte, die die Vereinigten Staaten und die Bürger dieses großen Landes seit Jahrhunderten prägen.

„Das amerikanische Volk wird noch sein Wort sprechen“, betonte Volodymyr Zelensky. Und man kann sich vorstellen, wie Trump und andere ultrarechte und prorussisch eingestellte Politiker und Geschäftsleute der Vereinigten Staaten auf diese berechtigten Worte reagieren könnten. Denn sie können als Signal verstanden werden, dass die Herrschaft über die Gedanken einer riesigen Zahl amerikanischer Wähler, die Trump und seine Mitstreiter dazu gebracht haben, sich von den traditionellen Idealen und Werten der Vereinigten Staaten abzuwenden, mit einem Fiasko für diejenigen enden könnte, die sich an diesen Werten der freien Welt vergriffen haben.

Der ukrainische Präsident sprach auch darüber, wie sich die Lage im russisch-ukrainischen Krieg und im russisch-amerikanischen Dialog weiterentwickeln dürfte. Er erinnerte daran, dass Putin auf sämtliche Vorschläge im Zusammenhang mit Verhandlungen lediglich mit einer Intensivierung seiner Angriffe auf die Ukraine reagiere. Und er erinnerte daran, dass an einem einzigen Tag Tausende Drohnen am ukrainischen Himmel aufgetaucht seien. Auch das ist ein unübersehbarer Hinweis auf die tatsächlichen Absichten des russischen Präsidenten, selbst wenn man diese wahren Absichten in Washington nicht zur Kenntnis nehmen will.

Einerseits kann man also durchaus davon ausgehen, dass der ukrainische Präsident versuchte, eine offene Konfrontation mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zu vermeiden. Andererseits äußerte er sich in einer Weise, die Trump und seinem engsten Umfeld kaum gefallen dürfte. Allerdings gibt es inzwischen auch innerhalb dieses Umfelds Meinungsverschiedenheiten darüber, wie man künftig auf die Entwicklungen im russisch-ukrainischen Krieg reagieren soll.

Wir verstehen allerdings sehr gut, dass Trump seine Entscheidungen nicht davon abhängig macht, ob sich jemand wohlwollend oder mit wenig Sympathie über ihn geäußert hat, sondern ausschließlich davon, was er im jeweiligen Moment für seine eigenen Interessen hält. Und wenn man in Trumps engstem Umfeld der Ansicht ist, dass die Angelegenheit um die Aktien des Unternehmens Lukoil für diesen inneren Kreis und den amerikanischen Präsidenten selbst Vorrang hat, dann müssen wir uns natürlich darüber im Klaren sein, dass Donald Trump der russisch-ukrainische Krieg und die gegenwärtige Lage in der Ukraine völlig gleichgültig sind. Denn all das bedeutet ihm nichts im Vergleich zu seinem Traum von dem Geld, das er verdienen könnte, wenn er weiterhin mit dem russischen Machthaber Putin über verschiedene Energieverträge verhandelt.

Und Putin hat bereits erkannt, dass er Trump mit seinen Energieversprechen am Haken halten und den amerikanischen Präsidenten so einsetzen kann, wie es die russischen Geheimdienste für ihre Zwecke brauchen. Diese haben aus dieser Perspektive bereits eine regelrechte mentale Kontrolle über das Weiße Haus erlangt – allein mithilfe von Geldversprechen.

Stellen wir uns vor, dass es Trump oder Witkoff tatsächlich gelingt, durch die Zusammenarbeit mit dem Kreml beträchtliche Vermögen anzuhäufen. Doch die ukrainischen Angriffe könnten das Interesse der amerikanischen Führung an solchen Gewinnen bis zu einem gewissen Grad verringern. Und meiner Meinung nach hat sich heute, ausgerechnet am Tag von Volodymyr Zelenskys Auftritt in Brüssel, ein historisches Ereignis zugetragen: Ukrainische Drohnen sind bereits bis nach Surgut vorgedrungen und haben eine der wichtigsten Industrieanlagen dieser Stadt getroffen, die sich bekanntlich im Zentrum der russischen Erdölförderindustrie befindet.

Der Gouverneur des Autonomen Kreises, Ruslan Kucharuk, der gerade seine Hochzeit mit der Tochter des berüchtigten Filmregisseurs und Propagandisten Nikita Michalkow feiert und auf diese Weise versucht, Zugang zu den höchsten Kreisen der Elite der Russischen Föderation zu finden, musste einräumen, dass in der Anlage ein Brand ausgebrochen ist. Diese trägt ironischerweise den Namen des ehemaligen russischen Ministerpräsidenten und früheren russischen Botschafters in der Ukraine, Viktor Tschernomyrdin. Und wir wollen hoffen, dass auch dieses Werk in die Liste jener russischen Betriebe aufgenommen werden kann, die infolge ukrainischer Angriffe ihren Betrieb einstellen.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass der vollständige Zusammenbruch der Erdöl- und Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation, verbunden mit der Unmöglichkeit, diese Industrie in absehbarer Zukunft wiederaufzubauen, das mit Abstand wirksamste Mittel wäre, um sowohl auf Trump als auch auf Putin Einfluss zu nehmen. Diese blutige Tankstelle muss für immer geschlossen werden.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Виступ Зеленського у Брюсселі: головне | Віталій Портников. 16.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 16.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump und Zelensky: Die Krise verschärft sich | Vitaly Portnikov. 15.10.2026.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky droht damit, die Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation nach einer dreitägigen Pause wieder aufzunehmen, die mit der Erklärung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu einem Energiewaffenstillstand zusammenhing.

Wir alle haben deutlich gesehen, was während dieses Energiewaffenstillstands geschah. Die Ukraine verzichtete auf Angriffe gegen die Ölraffinerieinfrastruktur der Russischen Föderation, während Russland weiterhin systematisch die Energieinfrastruktur der Ukraine zerstörte. Wir wissen nicht, was Donald Trump unter einem Energiewaffenstillstand verstand, aber wir verstehen sehr gut, was der Präsident der Russischen Föderation darunter versteht, der sich kürzlich mit seinem amerikanischen Amtskollegen über die Lieferung russischen Dieselkraftstoffs und die sechsmonatige Aufhebung der Energiesanktionen gegen die Russische Föderation geeinigt hat, damit Russland wieder Zugang zum legalen Weltmarkt für Energieressourcen erhält. Gemeint ist ein Verbot für die Ukraine, die Ölraffinerien der Russischen Föderation anzugreifen. Russland kann im Gegenzug ebenfalls darauf verzichten, die Ölraffinerien der Ukraine anzugreifen, die es bereits im fernen Jahr 2022 zerstört hat, als im Kreml die endgültige Entscheidung getroffen wurde, die ukrainische Staatlichkeit und das ukrainische Volk selbst zu vernichten.

Somit ist Putin mit dem, was geschieht, vollkommen zufrieden. Es kann auch Trump zufriedenstellen, der seit mehreren Monaten an den Erhalt des Ölraffineriesektors der Russischen Föderation denkt und den ukrainischen Präsidenten davon zu überzeugen versucht, die Zerstörung dieses wichtigsten Vermögenswerts der russischen Wirtschaft einzustellen. Aber das kann offensichtlich weder Zelensky noch die Ukrainer zufriedenstellen, die sehen, dass Russland weiterhin darauf hofft, unseren Staat in den kommenden Monaten oder Jahren dieses endlosen Krieges zu vernichten.

Die europäischen Staats- und Regierungschefs, mit denen Zelensky sich in diesen Tagen berät und trifft – morgen wird gerade ein Treffen in größerer Runde mit den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten der Europäischen Union stattfinden –, unterstützen im Großen und Ganzen die Angriffe auf die Ölraffinerieinfrastruktur der Russischen Föderation. Sie hoffen, die russische Wirtschaft so weit zu schwächen, dass Russland in absehbarer Zeit nicht in der Lage sein wird, einen großen Krieg in Europa zu beginnen, der im Generalstab der Streitkräfte der Russischen Föderation offensichtlich bereits geplant ist. Gleichzeitig versuchen diese europäischen Staats- und Regierungschefs, wie man verstehen kann, Volodymyr Zelensky von einer weiteren persönlichen Konfrontation mit Donald Trump und von emotionalen Äußerungen gegen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und seine engsten Vertrauten abzuhalten.

In den letzten Tagen hält Zelensky seine Emotionen nicht zurück. Er sagt, dass er sich nach dem Geschäft zwischen Trump und Putin, natürlich einem schändlichen Geschäft, verraten gefühlt habe. Und aus dieser Sicht ist er der Meinung, dass ein Land, das sich selbst zum neutralen Vermittler erklärt hat, sich nicht auf die falsche Seite stellen dürfe. Aber wiederum wissen wir nicht, was der Präsident der Vereinigten Staaten selbst für die richtige oder falsche Seite hält. Seine politischen Maßstäbe haben sich bekanntlich wiederholt ganz anders gezeigt, als wir uns die Prioritäten des Präsidenten des größten demokratischen Landes der heutigen Welt wünschen würden.

Die Krise verschärft sich also. Gleichzeitig sehen wir, dass Donald Trump bislang keine Eile zeigt, Volodymyr Zelensky zu antworten. Möglicherweise ist er der Ansicht, dass eine derart offene Auseinandersetzung zwischen den Präsidenten den Wahlchancen der Republikaner schaden würde, und zwar in einer Situation, in der die überwältigende Mehrheit sowohl der republikanischen als auch der demokratischen Wähler die Ukraine in unserer Konfrontation mit der Russischen Föderation weiterhin unterstützt. Und was am wichtigsten ist: Die Unterstützung für die Ukraine ist auch unter jenen Wählern verbreitet, die noch unentschlossen sind. Von ihnen wird weniger die Entscheidung über die Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus abhängen. Dort gilt ein Sieg der Demokraten für fast alle bereits vor Beginn der Wahlen als sicher. Vielmehr geht es um den für Trump wichtigsten Punkt: die Möglichkeit, dass die Republikaner ihre Mehrheit im Senat behalten, was sich, wie wir verstehen, auf den weiteren Verlauf der Präsidentschaft Donald Trumps auswirken wird. Sollte es den Demokraten gelingen, sowohl die Kontrolle über das Repräsentantenhaus als auch über den Senat zu gewinnen, werden sie den 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten endgültig zu einer lahmen Ente machen, die nicht einmal mehr Einfluss auf den Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei nehmen kann. Denn jeder ernsthafte potenzielle Präsident wird versuchen, sich nicht mit Trumps zweifelhaftem Erbe und dem Trumpismus in Verbindung bringen zu lassen.

All das sind innenpolitische amerikanische Machenschaften, die auf die eine oder andere Weise die Haltung Donald Trumps und anderer amerikanischer Politiker zum russisch-ukrainischen Krieg und zu ihrer eigenen Rolle in diesem Krieg beeinflussen. Sehen Sie sich an, was nach dem berühmten Skandal im Oval Office geschah. Weder Donald Trump noch andere amerikanische Beamte nahmen damals ein Blatt vor den Mund, wenn es darum ging, Volodymyr Zelensky zu charakterisieren und dem ukrainischen Präsidenten zu raten, sich gegenüber dem Präsidenten der Vereinigten Staaten höflicher zu verhalten. Auch dass Amerika die Ukraine durch die Einstellung der Unterstützung für unser Land bestrafen könnte, wurde praktisch von niemandem verheimlicht. In dieser Situation wurde buchstäblich am Tag nach dem Konflikt zwischen Trump und Zelensky, erinnern Sie sich daran, auch die Entscheidung getroffen, den Austausch von Geheimdienstinformationen zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine einzustellen. Auch die Waffenlieferungen wurden faktisch gestoppt, die uns die Vereinigten Staaten damals gemäß dem Unterstützungsgesetz für die Ukraine zur Verfügung stellten, das der amerikanische Kongress noch zu der Zeit verabschiedet hatte, als Joseph Biden Präsident der Vereinigten Staaten war.

Jetzt, wo wir mit offensichtlichen Versuchen konfrontiert sind, uns Geheimdienstinformationen nicht in dem erforderlichen Umfang zur Verfügung zu stellen, was natürlich verhindert, rechtzeitig von Abschüssen ballistischer Raketen zu erfahren, und jetzt, wo die Geschwindigkeit der militärischen Version von Starlink gedrosselt wird, übernehmen weder Donald Trump noch ein anderer, man könnte sagen, wichtiger Vertreter des ultrarechten politischen Lagers in den Vereinigten Staaten von Amerika, Elon Musk, die Verantwortung für das, was geschieht. Sie versuchen, die Verantwortung gegenseitig aufeinander abzuwälzen. Sie erklären, dass es keinerlei offizielle Entscheidungen gegeben habe.

Das heißt, faktisch geht es nicht um eine Erklärung des politischen Willens, sondern um Sabotage, zu der sich die Beteiligten nicht zu bekennen wagen. Und ich denke, dass wir erst nach dem Ende von Trumps Präsidentschaft und der Öffnung der Archive die Namen derjenigen erfahren werden, die diese oder jene geheimen Befehle erteilten, weil sie deren öffentliche Bekanntmachung und die Reaktion der Öffentlichkeit darauf fürchteten. Ich halte das bereits für einen Fortschritt in dieser Situation. Aber offensichtlich schließt das nicht die Notwendigkeit aus, den Dialog mit Washington fortzusetzen, selbst in einer Situation, in der Trump eindeutig eine Verständigung mit seinem russischen Amtskollegen anstrebt.

Im Grunde verstehe ich nicht, was daran jetzt so sensationell sein soll. Trump hat seit dem ersten Tag seiner Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten, schon während seiner ersten Amtszeit, seine besonderen Sympathien für Putin ebenso wenig verborgen wie für andere autoritäre Staatschefs dieser Welt. Und da Putin sich in diesen zehn Jahren von einem autoritären Staatschef zu einem totalitären Diktator entwickelt hat, ist es offensichtlich, dass sein Ansehen in Trumps Augen auf eine Höhe gestiegen ist, die für niemanden sonst in der heutigen Weltpolitik erreichbar ist. Deshalb applaudierte Trump dem Kriegsverbrecher auf dem Flugplatz in Anchorage. Deshalb bezeichnete er Putin am 24. Februar 2022 als Genie. Putins politischer Stil ist genau jener Stil, den Donald Trump gern zu seinem eigenen Lebensstil machen würde. Nur wurde er zu seinem Unglück im falschen Land geboren. Sonst wäre ihm vielleicht alles gelungen. Sobald also klar wurde, dass eine Einigung mit Putin in greifbare Nähe rückte, auch wenn das vielleicht nur eine Illusion war, spielte Trump sein Spiel mit dem Diesel.

Aber darüber hinaus muss man verstehen, was Putin tatsächlich anstrebt. Die New York Times beschreibt heute im Grunde, wie sein neuer Plan zur Vernichtung der Ukraine aussieht. In einer Situation, in der die russischen Truppen im Donbas feststecken, in der es keine spürbaren militärischen Erfolge gibt und in der das ukrainische Volk keinerlei Bereitschaft zeigt, auf seine Staatlichkeit zu verzichten, beschreitet Putin einen Weg, den man immer gewählt hat, wenn die militärischen Erfolge zu wünschen übrig ließen: die Bombardierung großer Städte, die Zerstörung ihrer Infrastruktur, der Entzug normaler Überlebensmöglichkeiten für die Bevölkerung, verbunden mit der Forderung, dass gerade diese Bevölkerung zur entscheidenden treibenden Kraft der Kapitulation und des Zusammenbruchs werden soll, die den feindlichen Staat vernichtet und ihn bereits in den kommenden Monaten der Jahre 2026 und 2027 in Trümmer verwandelt. Kyiv, Odessa und Charkiw sollen zu unbewohnbaren Gebieten werden, und ihre Bevölkerung soll auf die Straßen gehen und die Kapitulation der Ukraine vor Russland, die Abschaffung der ukrainischen Staatlichkeit und den Anschluss dieser Gebiete an die Russische Föderation fordern, die ihnen Leben und Schutz gewährleisten werde. Das ist Putins Plan, ein vollkommen verständlicher, konsequenter Maßnahmenplan, der im Sicherheitsrat der Russischen Föderation gebilligt wurde. Zweifeln Sie nicht einmal daran. Und der Dialog mit Trump ist Teil dieses Plans.

„Wenn wir beschließen, dass wir die Sache mit der Ukraine bereits im Dezember bis Februar 2026/2027 beenden, wenn schon im März 2027 die Entscheidung getroffen wird, die ehemaligen Gebiete der Ukraine als Föderationssubjekte in die Russische Föderation einzugliedern, wenn bereits im Mai 2027 die russische Armee von Uschhorod aus die europäischen Länder bedrohen wird, warum zum Teufel verlieren wir dann unsere Ölindustrie? Warum sollten wir sie verlieren, wenn die Ukraine doch schon in unserer putinschen Tasche steckt? Deshalb rufen wir Trump an und sagen ihm ganz klar: ‚Donald, mit der Ukraine ist es vorbei. In wenigen Monaten wird dieses Gebiet russisch sein. Während du noch Kanada annektieren willst, annektiere ich bereits die Ukraine. Du Trottel! Bitte, wenn du eine normale wirtschaftliche Zusammenarbeit mit mir, dem Herrscher Eurasiens, willst, dann rette meine Ölraffinerieindustrie. Sonst könnte es passieren, Donald, dass ich die Ukraine erobere, aber nichts mehr habe, womit ich mit dir Handel treiben kann, weil meine Ölraffinerien von den verrückten Ukrainern zerstört worden sind, bevor ich sie endgültig vernichtet habe. Also bitte, solange ich die Ukraine zur Kapitulation zwingen und ihre Bevölkerung vernichten, ihre Frauen und Kinder töten und sie zwingen werde, entweder meine Gebiete zu verlassen oder zu akzeptieren, dass sie Russen sind, bewahre den wichtigsten Vermögenswert Russlands, die Ölraffinerieindustrie. Sie wird uns beiden noch nützlich sein, zumal du Lukoil-Aktien haben willst.‘“

Das ist der Kern dessen, was geschieht. Mehr steckt dahinter nicht. Denn wir verstehen doch sehr gut, dass in Wirklichkeit keine Lieferungen von 300 Tonnen Dieselkraftstoff, darüber haben wir schon mehrfach gesprochen, dazu führen werden, dass sich die Preise an den Tankstellen in den Vereinigten Staaten wesentlich verändern. Das werden sie nicht, zumal dieser Dieselkraftstoff selbst gar nicht an die Vereinigten Staaten von Amerika verkauft werden darf. Das wird sich nicht positiv auf die Chancen der Republikaner im Repräsentantenhaus und im Senat auswirken. Mehr noch, Sie sehen, dass sich jetzt zahlreiche republikanische Kongressabgeordnete gemeinsam mit den Demokraten gegen Trump stellen und an einer Gesetzgebung arbeiten, die Trump und seinem Unternehmen den Kauf russischer Energieträger erneut verbieten soll. Obwohl es bereits zwei Gesetze gibt, die dies ausdrücklich untersagen, und eines davon sogar Sanktionen gegen Länder vorsieht, die russische Energieträger kaufen. Übrigens war in der ersten Fassung des Gesetzes von Lindsey Graham überhaupt von Zöllen gegen alle Länder die Rede, die russische Energieträger kaufen. Gegen alle. Erst später kamen die fünf größten Abnehmer hinzu. Stellen wir uns also vor, das Graham-Gesetz wäre in seiner ersten Fassung verabschiedet worden, die im Senat diskutiert wurde. Was hätte Donald Trump dann tun müssen? Sanktionen gegen sich selbst verhängen? Das nur zur Erinnerung an diese Situation.

Jedenfalls ist, wie wir beide sehr gut verstehen, für die Ukraine jetzt das Wichtigste, diesem gemeinsamen Druck standzuhalten. Es gibt also mehrere besonders wichtige Aufgaben.

  • Aufgabe Nummer eins sind der Winter und die Städte. Kyiv, Odessa, Charkiw, Dnipro. 

Wir müssen verstehen, dass dies die vier wichtigsten Ziele sein werden, um diese Gebiete unbewohnbar zu machen. Wir wissen nicht, ob das gelingen wird. Jeden Winter sprechen wir darüber, dass die Russische Föderation Pläne hat, den Winter zu nutzen, um der ukrainischen Staatlichkeit ein Ende zu setzen. Ich erinnere immer daran, dass Kyiv, Odessa, Charkiw und Dnipro noch nicht die gesamte Ukraine sind. Ja, das sind wichtige Städte für jeden von uns. Kyiv ist schließlich meine Heimatstadt. Aber die Ukraine besteht nicht nur aus Kyiv, nicht nur aus Odessa und nicht nur aus Charkiw. Man muss sich entweder auf einen schweren Winter in diesen Städten vorbereiten oder darüber nachdenken, wie ein großer Teil der Bevölkerung dieser Städte den Winter außerhalb dieser Städte überstehen kann. Aber das ist eine staatliche Aufgabe und nicht einfach die Aufgabe eines einzelnen Menschen.

Denn man kann sich zwar vorstellen, dass einige Menschen für den Winter aus diesen Städten entweder in andere ukrainische Städte oder ins Ausland ziehen. Aber es gibt Menschen, die dazu körperlich nicht in der Lage sind. Die Aufgabe des Staates und der Gemeinden besteht darin, diese Menschen in diesem Winter und möglicherweise auch im nächsten Winter 2027/28 zu unterstützen, der nicht leichter sein muss als dieser. Denn wir stehen erst am Anfang eines wirklichen Krieges, der sowohl die Front als auch das Hinterland erfassen und für uns wie für die Russen noch viele lange, schwere Jahre dauern kann. Man sollte sich keine Illusionen machen.

  • Zweitens. Man muss sich allen Vorstellungen widersetzen, dass die Kapitulation der Ukraine ein Ausweg aus dieser Situation sei. 

Erstens erinnere ich noch einmal daran, dass die Ukraine flächenmäßig das größte Land Europas ist und dass man diese territorialen Vorteile nutzen muss. Für die Ukraine ist es leichter, mit dem Druck fertigzuwerden, als für Belgien, Luxemburg oder beispielsweise Israel, dessen Fläche, sagen wir, ungefähr der Fläche des Gebiets Kyiv entspricht. Der überwiegende Teil der israelischen Bevölkerung lebt in Tel Aviv, Jerusalem und Haifa, alles auf einem kleinen Gebiet. Düsengetriebene Shahed-Drohnen, die die Infrastruktur zerstören, können ein Land tatsächlich unbewohnbar machen. Das stimmt. Und wohin sollten die Israelis gehen, wenn die Städte nicht mehr funktionieren würden, falls so etwas geschähe? In die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Ägypten oder Jordanien? Sie verstehen doch, wovon wir sprechen. Hier aber gibt es glücklicherweise enorme territoriale Vorteile, und auch diese muss man nutzen.

Politisch muss man verstehen, dass es für die Ukrainer keine Kapitulation gibt. Es gibt keine Wahl zwischen Krieg und Kapitulation, sondern eine Wahl zwischen Widerstand und Vernichtung. Die russische Führung betrachtet die Ukrainer nicht als Menschen, sondern als Insekten, die vernichtet werden müssen, um die „angestammten Gebiete“ der Russischen Föderation freizumachen. Und das muss jeder verstehen.

  • Der dritte Punkt ist das, was gerade geschieht. Die Gespräche mit den europäischen Partnern über einen gemeinsamen Plan, um sowohl der russischen Aggression als auch der amerikanischen Dummheit und Gier entgegenzutreten. 

Das ist wichtig. Die Europäer müssen begreifen, dass nach der Vernichtung der Ukraine – ich verwende nicht das Wort Kapitulation, sondern Vernichtung – sie selbst die nächsten Ziele der Expansion sein werden, weil Putin glauben wird, dass ihm nun alles erlaubt ist. Neue technologische Möglichkeiten der Kriegsführung könnten grundsätzlich die Chance eröffnen, einen großen Teil der an die Ukraine angrenzenden Gebiete zu zerstören, ohne dass Artikel 5 des NATO-Vertrags aktiviert wird. Zumal mich eines interessieren würde: Glaubt heute überhaupt noch jemand an Artikel 5 der NATO? Könnte Artikel 5 der NATO gegen Dieselkraftstoff eingetauscht werden? Aber leicht.

  • Der nächste Punkt. Der Dialog mit den Vereinigten Staaten muss fortgesetzt werden. 

Man muss sich an eine sehr wichtige Sache erinnern: Das amerikanische Volk, die amerikanische Gesellschaft steht auf der Seite der Ukraine. Donald Trump vertritt mit seinen Ansichten eine absolute Minderheit der Amerikaner. Auch wenn er Präsident der Vereinigten Staaten ist. Ja, es gibt Dinge, für die ihn ein großer Teil der Menschen unterstützt, obwohl er inzwischen der unpopulärste Präsident der amerikanischen Geschichte ist, zumindest in seiner zweiten Amtszeit. Seine Zustimmungswerte sind gesunken, sinken weiter und werden weiter sinken, selbst unter republikanischen Wählern, weil nichts von dem eingetreten ist, was man von Donald Trump erwartet hatte. Aber das bedeutet nicht, dass man mit der Regierung nicht sprechen sollte. Schließlich kann man auch darüber sprechen, welche Ziele für unsere Angriffe ebenfalls wichtig und überzeugend sein könnten, wenn der Dialog sich um die Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation dreht. Die Zerstörung von Online-Marktplätzen, die Zerstörung von Rechenzentren, die Zerstörung von Industrieanlagen der Russischen Föderation, des militärisch-industriellen Komplexes und der Energieinfrastruktur außerhalb der Ölraffinerien, damit Städte wie Moskau und Petersburg in winterliche Finsternis versinken.

Wenn Donald Trump sagt, Zelensky könne alles angreifen, was er wolle, dann soll er eben angreifen. Wo liegt dann das Problem? Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten seinen Segen dazu gibt, Russland in eine Eiswüste zu verwandeln, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten nicht versteht, dass, wenn Russland zu einer Eiswüste wird, niemand mehr da sein wird, der in den Ölraffinerien arbeitet. Dann werden die Menschen andere Sorgen haben. Aber auch sein mangelndes Verständnis muss man zum Nutzen der Ukraine und zum Nachteil der Regierung des Präsidenten der Vereinigten Staaten einsetzen. „Steht die Fabrik still? Sie steht still. Arbeitet sie nicht? Sie arbeitet nicht. Wo dürfen wir sonst noch nicht angreifen? Was sollen wir noch tun? Vereinbare mit deinem Freund Putin Frieden, Trump. Sonst werden deine Lukoil-Aktien zu nichts, zu wertlosen Papierfetzen.“ Aber trotzdem bin ich ein Befürworter eines solchen Dialogs. Und auch das muss man verstehen. Der Dialog muss dennoch realistisch sein. Ebenso wie das Verständnis der Ziele unserer Angriffe auf Russland. 

Heute sehe ich eine Veröffentlichung von Simon Shuster in The Atlantic, der bekanntlich Zelenskys Biograf ist, ein schmeichelhaftes Buch über ihn geschrieben hat und offensichtlich gerade deshalb jemand ist, der mit Zelensky selbst und mit Menschen aus seinem Büro sprechen kann. Und dort habe ich folgende These gelesen: „Wir dachten, dass Russland infolge der ukrainischen Angriffe auf den Ölraffineriesektor der Russischen Föderation zusammenbrechen würde, aber es bricht nicht zusammen. Und dann werden wir, wenn sich die Amerikaner auf seine Seite stellen, mit ihnen über Frieden sprechen müssen.“

An diesem Abschnitt ist einfach alles bemerkenswert. Erstens kann ich überhaupt nicht verstehen, wer all diesen Menschen – ich verstehe ja, dass sich in der ukrainischen Regierung auch politisch unerfahrene Menschen befinden, die vielleicht nicht einmal fünf Bücher gelesen haben – in den Kopf setzt, dass Russland durch Angriffe auf Ölraffinerien zusammenbrechen müsste. Dass es überhaupt objektive Voraussetzungen für einen Zusammenbruch der russischen Staatlichkeit gäbe, wenn 80 Prozent der Bevölkerung der Russischen Föderation ethnische Russen sind, zwischen denen die Unterschiede geringer sind als zwischen ethnischen Ukrainern in der Ukraine. Wie um alles in der Welt kommt man darauf?

Natürlich können sich im Laufe der Jahre Voraussetzungen für eine politische Krise in der Russischen Föderation, für irgendwelche gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und all das entwickeln. Aber wir müssen uns auf eine Situation einstellen, in der neben uns jahrzehntelang die größte Supermacht der heutigen Welt mit einer riesigen Menge an Atomwaffen existieren wird, wenn auch mit einer winzigen, zwergenhaften Wirtschaft, aber mit dem größten Staatsgebiet der Welt. Und wir müssen mit diesem Land als Nachbarn leben, statt zu glauben, dass es jeden Augenblick zusammenbricht. Sollte es aus irgendwelchen heute noch unbekannten Gründen zusammenbrechen, wäre das ein Bonus. Aber höchstwahrscheinlich wird es nicht zusammenbrechen, sondern putinistisch, vom Geheimdienst geprägt, aggressiv und auf die Vernichtung der Ukraine und der Ukrainer ausgerichtet bleiben. So können die 2020er-, 2030er- und 2040er-Jahre vergehen. Das wäre so, als hätte man in Israel in den 1940er- oder 1950er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts geglaubt, dass Ägypten, der Irak und Syrien bald zusammenbrechen würden. Warum sollten sie?

Kurz gesagt, wir müssen lernen, neben diesem Russland zu überleben. Das bedeutet, dass die Hauptaufgabe der Angriffe nicht darin bestehen darf, Russland zum Zusammenbruch zu bringen. Man darf nicht auf irgendwelche Experten hören, die nichts von Russland verstehen und lediglich von der Unwissenheit der Machthaber profitieren. Vielmehr müssen Bedingungen geschaffen werden, unter denen für Russland, für dieses übermächtige Russland mit Atomwaffen, der Preis des Krieges höher ist als der Gewinn durch die Eroberung der Ukraine. Genau so muss man es formulieren. Der finanzielle, demografische, wirtschaftliche und soziale Preis des Krieges für Russland, für Russland von Kursk bis Wladiwostok, muss höher sein als sämtliche Vorteile der Eroberung der Ukraine und des Aufstiegs in den Rang eines geopolitischen Akteurs in Europa. Und genau das kann in den kommenden Jahren der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation durch ukrainische Angriffe auf Russland erreicht werden. Das ist die Idee.

Mit Russland über Frieden zu sprechen ist möglich. Aber ich wiederhole: Russland wird mit Insekten nicht über Frieden sprechen. Es wird sie einfach zertreten, wenn es ihre Schwäche erkennt. Wenn man erzählt, wie Russland nach dem Winterkrieg und dem Fortsetzungskrieg zweimal mit Finnland Frieden schloss, sollte man daran erinnern, dass in Helsinki Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt wurden: der eigene Präsident, der Ministerpräsident und Minister, die den Widerstand gegen die sowjetische Aggression organisiert hatten, nachdem Stalin Finnland noch in den 1930er-Jahren angegriffen hatte. Da würde mich interessieren: Wollen Zelensky und seine Mitstreiter auf der Anklagebank sitzen? Diese Anklagebank wird nicht in Kyiv stehen, sondern in Moskau. Zelensky wird dort in einem Käfig sitzen, wenn er glaubt, sich mit Putin einigen zu können. Nur darüber wird er sich einigen können. Und danach wird eine lebenslange Haftstrafe in der Strafkolonie „Weißer Schwan“ folgen, mit einem unerwarteten Tod zwei Monate nach Beginn der Haftstrafe. Das ist die ganze Kapitulation, das sind sämtliche Gespräche über Frieden mit Putin.

Das Schicksal gewöhnlicher Menschen wird nicht viel besser sein als das Schicksal Zelenskys und der Mitarbeiter des Präsidialamts, der Minister und Abgeordneten. Nur wird sich mit ihnen nicht ein Gericht in Moskau befassen, sondern ein gewöhnlicher Angehöriger der russischen Nationalgarde, der die Befugnis erhalten wird, die Ukraine von Ukrainern zu säubern. Und glauben Sie mir, er wird diese Aufgabe bewältigen. All diese Hoffnungen nach dem Motto „Ich werde hier weiterleben, man wird nur die Fahnen austauschen“ werden also mit einem kräftigen Schlag eines Schlagstocks auf den Schädel enden, der dabei zerbricht. Und die Fahne wird sich nicht ändern. Es wird einfach rotes Blut, einen weißen Tisch und einen blauen Körper geben. Das wird die Fahne sein, und nicht eine Fahne über irgendeinem Verwaltungsgebäude. Nein.

Machen Sie sich also nichts vor. Es gibt keine Wahl zwischen Widerstand und Kapitulation. Es gibt eine Wahl zwischen Widerstand und Vernichtung. Und das muss jeder begreifen, der auf ukrainischem Boden lebt. Natürlich kann man auf verschiedene Idioten hören, die erzählen, wie man sich mit Russland einigen könne, weil sie sich davon aus irgendeinem Grund irgendwelche Perspektiven versprechen. Aber auch sie werden einen Schlag mit diesem Schlagstock auf den Kopf bekommen. Und auch sie werden sich auf dem Tisch in der Leichenhalle als russische Flagge wiederfinden, ganz gleich, was sie daherreden, in der Hoffnung, dass Sie bei irgendwelchen unrealistischen Wahlen für sie stimmen werden, falls die ukrainische Staatlichkeit zusammenbricht. Diejenigen, die am Leben bleiben, weder fliehen noch vertrieben werden, werden bei den Wahlen zur Staatsduma abstimmen. Ich glaube nicht, dass viele Menschen in der Ukraine einen solchen Schrecken wollen.

Das sind also die ersten Skizzen zur Entwicklung dieser Situation, die mit der Verschärfung der Krise zwischen der Ukraine und Russland zusammenhängt.

Ich werde einige Fragen beantworten, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Sie haben Trump früher nach seinem Gespräch mit Putin mit Janukowytsch verglichen und mögliche Drohungen gegen das Leben des amerikanischen Präsidenten vermutet. Können die russischen Geheimdienste tatsächlich ein solches Attentat erfolgreich organisieren?

Portnikov: Nun, erstens wissen wir sogar aus Trumps eigener Biografie, dass Attentate auf amerikanische Präsidenten möglich sind. Zweitens glaube ich nicht, dass Putin Trump damit droht, ihn zu töten. Er kann ihm mit der Veröffentlichung beliebiger Informationen drohen, die sich im Besitz der russischen Geheimdienste befinden könnten. Wir wissen ja in Wirklichkeit nicht, was diese beiden Menschen verbindet. Das gehört alles in den Bereich der Verschwörungstheorien. Aber man sollte nicht glauben, dass Putin einfach dasitzt und sagt: „Ich werde dich töten.“ So kann er mit einem erfahrenen ehemaligen Häftling wie Janukowytsch sprechen. Bei Trump, denke ich, geht es in dem Gespräch um ganz andere Drohungen und Gefahren.

Frage: Warum wird Ihrer Meinung nach dem Beschuss des Flughafens von Riad so wenig Aufmerksamkeit geschenkt? Das ist doch eine sehr ernste Sache, die von einer schweren Eskalation im Nahen Osten zeugt.

Portnikov: Entschuldigen Sie, Freunde. Ich muss sagen, dass mir scheint, dass der Krieg in der Ukraine und der Krieg im Nahen Osten für die Welt inzwischen zu einer Art Routine geworden sind. Und deshalb werden sehr viele bedeutende Ereignisse übersehen. Gerade diese barbarische Bombardierung Kyivs und anderer großer ukrainischer Städte wäre noch vor zwei Jahren auf den Titelseiten der Weltpresse gewesen. Heute ist das nicht mehr so. Wenn vor drei Jahren der Flughafen von Riad beschossen worden wäre und damit die Verwundbarkeit Saudi-Arabiens gegenüber den Huthi-Einheiten deutlich geworden wäre, wäre das ein echter Schock gewesen.

Aber wozu hätte das geführt? Zu einem Anstieg des Ölpreises? Ja, der Ölpreis ist ohnehin schon sehr hoch und wird nicht fallen. Das heißt, inzwischen verstehen einfach alle, dass sie inmitten der ukrainischen und der nahöstlichen Krise leben. Und aus beiden Krisen ist kein Ausweg zu erkennen. Die Welt hat gelernt, unter den Bedingungen endloser Kriege zu leben. Und so wird das 21. Jahrhundert sein. Deshalb erregen viele Dinge, die Aufmerksamkeit erregten, als die Menschen glaubten, in Frieden zu leben, heute keine Aufmerksamkeit mehr, weil alle verstehen, dass sie im Krieg leben. Und jetzt besteht die Hauptaufgabe jedes Landes darin, nicht selbst in diesen Fleischwolf zu geraten.

Frage: Halten Sie es für möglich, dass Putin Trump etwas gesagt hat, das für ihn persönlich so schrecklich war, dass er jetzt schon bei bloßen Fragen von Journalisten so nervös wird?

Portnikov: Ja, ich freue mich, dass auch Sie bemerkt haben, wie nervös Trump auf alle Fragen reagiert, die mit seinem Geschäft mit Putin zusammenhängen. Er fühlt sich nicht sicher. Er überhörte die Erinnerung daran, dass Zelensky seine Entscheidung über das Geschäft mit Putin als schwach bezeichnet hatte. Dabei hätte er sich in jeder anderen Situation sofort aufregen, schreien und vor Wut schnauben müssen. Stattdessen wartete er eine Weile, um dann irgendeinen Tweet mit der Forderung nach Wahlen in der Ukraine zu schreiben. Das ist überhaupt nicht der Ton, den er noch 2025 gegenüber Zelensky anschlug, als er ihn einen Diktator nannte, der an der Fortsetzung des Krieges interessiert sei und Wahlen fürchte. Also muss während dieses Gesprächs etwas geschehen sein. Aber ich denke, es war eine Art Mischung, eine Symbiose aus Drohungen und Angeboten, die man nicht ablehnen kann, weil sie finanzieller Natur sind. Und das war im Grunde das Hauptthema des Gesprächs zwischen Putin und Trump, nach dem sich die Stimmung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, würde ich sagen, auf diese Weise veränderte.

Frage: Heute liegt die Alternative für Deutschland laut Umfragen bei 30 Prozent und die Christlich Demokratische Union bei 18 Prozent. Welche Folgen könnten uns erwarten, wenn sie die nächsten Wahlen gewinnt? Und hat sie Chancen, tatsächlich an die Macht zu kommen?

Portnikov: Bei den nächsten Wahlen wird die Alternative für Deutschland wohl kaum gewinnen, weil die Umfragewerte überhaupt nicht widerspiegeln, wie die Stimmenauszählung nach Parteilisten in den verschiedenen Bundesländern und so weiter tatsächlich funktioniert. Die Popularität, die die Alternative für Deutschland in den ostdeutschen Bundesländern genießt, muss sich nicht in Popularität im Westen umsetzen. Das Wichtigste ist, dass die Alternative für Deutschland, selbst wenn sie zur stärksten Partei im Bundestag wird, in der Opposition gegenüber einer Regierung landen kann, die beispielsweise von Christdemokraten, Sozialdemokraten und Grünen gebildet wird.

Aber zweifellos ist die Alternative für Deutschland ein sehr beunruhigendes Signal für die Bundesrepublik. Und es bedeutet vor allem eines: das Schmelzen des Eises, verstehen Sie? Jedes Land hat eine bestimmte Eisschicht, die entsteht, nachdem es Autoritarismus erlebt, im Zusammenhang mit einem autoritären Regime schwere Niederlagen erlitten und die Erfahrungen autoritärer Herrschaft neu bewertet hat. In der Sowjetunion schmolz auf diese Weise das Eis, das mit der Neubewertung der stalinistischen Erfahrung verbunden war. Sie verstehen sehr gut, dass der Totalitarismus nationalsozialistischer Prägung in Deutschland selbst niemals entstanden wäre, wenn er nicht von einem großen Teil der Bevölkerung Unterstützung erhalten hätte. Das heißt, das ist bis zu einem gewissen Grad eine Gesetzmäßigkeit. Danach fürchtet dieser Teil der Bevölkerung solche Regime einfach und verständigt sich deshalb mit jenen, die für Demokratie eintreten. Und später taut er, wenn Sie so wollen, einfach wieder auf. Das heißt, dieses Eis ist einfach geschmolzen. Und genau deshalb sind die Ergebnisse der Alternative für Deutschland so, wie sie sind.

Aber die deutsche Demokratie verfügt diesmal über enorme Erfahrungen damit, was geschieht, wenn jemand Vereinbarungen mit solchen Kräften eingeht, und über Erfahrungen im Widerstand gegen solche Kräfte. Sie verstehen doch, dass die Nationalsozialisten Adolf Hitlers, als sie in Deutschland an die Macht kamen, in den ersten Reichstagskonstellationen, in denen Hitler Reichskanzler war, keine Stimmenmehrheit hatten. Für die demokratischen Parteien hätte es genügt, sich zusammenzuschließen, um eine eigene Regierung zu bilden. Aber das hätte bedeutet, dass sich Konservative und Sozialdemokraten zusammenschließen, Parteien, die einander so sehr hassten, dass die Konservativen um Franz von Papen bereit waren, sich mit Hitler zu verbünden, nur um zu verhindern, dass eine sozialdemokratische Regierung oder sozialdemokratische Minister in irgendeiner Form an die Macht kamen. Papen war bereit, Hitlers Stellvertreter zu werden, nur damit keine Sozialdemokraten in der Regierung saßen. Das war ein tragischer Fehler. Das ist den Deutschen bis heute bewusst.

Frage: Der Kreml hätte raffinierter vorgehen und Trump vor den Wahlen möglichst viele Stimmen verschaffen können. Warum verzichten sie darauf, seine Idiotie noch zwei Jahre lang auszunutzen?

Portnikov: Nun, das ist Ihre Bewertung Trumps, dass es sich um Idiotie handelt. Wie Sie verstehen, kann man das in Moskau anders sehen. Und ich sage Ihnen, dass für den Kreml möglicherweise Instabilität in den Vereinigten Staaten besser ist als eine stabile Herrschaft Trumps. Vergessen Sie nicht, dass wir es mit Menschen zu tun haben, die die Vereinigten Staaten ihr ganzes Leben lang aus tiefster Überzeugung hassen. Und möglicherweise sehen sie die Perspektive, dass es ihnen nur nützt, wenn es infolge einer Wahlniederlage dort Chaos und einen Machtkampf zwischen dem US-Präsidenten und dem Kongress gibt, weil das Amerika destabilisiert. Das ist also ihre einfache Idee.

Frage: Kann Trumps offene Unterstützung für republikanische Kandidaten deren Wahlchancen verringern?

Portnikov: Nun, derzeit glauben das viele Menschen in Amerika. Sogar einige republikanische Kandidaten sind der Meinung, dass Trumps aktive Beteiligung am Wahlkampf die Chancen der republikanischen Kandidaten in Wirklichkeit nicht erhöht, sondern verringert. Das ist tatsächlich so. Das geschieht, und dagegen lässt sich nichts machen. Aber Sie verstehen doch, dass keiner dieser Menschen Trump das jemals sagen wird. Etwa: „Wissen Sie, es wäre besser, wenn Sie nirgendwo hinfahren, zu Hause bleiben und Golf spielen, damit alle Sie vergessen. Dann erzielen wir vielleicht irgendwelche Ergebnisse.“ Menschen dieses Typs, solche selbstverliebten Narzissten, wollen so etwas nicht einmal hören.

Ich erinnere mich, wie ich mit Micheil Saakaschwili sprach, als er vor einem Parlamentswahlkampf zum ersten Mal nach Georgien zurückkehren wollte, um die Opposition zu unterstützen. Und ich sagte ihm: „Micheil Nikolosowitsch, Sie sind für Georgien eine sehr umstrittene Persönlichkeit. Es gibt Menschen, die Sie aufrichtig lieben, aber noch mehr Menschen, die Sie einfach hassen. Gleichzeitig können sie auch Bidsina Iwanischwili hassen. Und wenn Sie nach Georgien reisen, werden Sie faktisch zur Niederlage der Opposition beitragen. Sie werden ihr Stimmen wegnehmen.“ Saakaschwili sah mich an und sagte: „Die sind nicht einmal meinen kleinen Finger wert, all diese georgischen Oppositionspolitiker.“ Er war aufrichtig von seiner Einzigartigkeit, seiner Auserwähltheit überzeugt, davon, dass es in der ganzen Welt und erst recht in Georgien niemanden gebe, der besser sei als er, und dass alle das wüssten.

Nun, das ist eine solche politische Krankheit, die selbst bei außergewöhnlichen Menschen vorkommt. Und übrigens erreichen gerade Menschen mit einem solchen Selbstbild, mit absoluter, hundertprozentiger Selbstverliebtheit, sehr oft solche Höhen in der Politik. Aber danach beginnen sie, ihrem eigenen Umfeld dabei im Weg zu stehen, seine Positionen zu bewahren, wenn es sich natürlich um einen demokratischen Staat handelt, in dem Wahlen stattfinden. Das ist alles.

Frage: Welches Szenario erwartet den Iran, falls die Demokraten bei den US-Zwischenwahlen gewinnen?

Portnikov: Nun, ich erinnere noch einmal daran, dass die Außenpolitik der Vereinigten Staaten weiterhin in den Händen von Präsident Trump liegen wird. Möglicherweise werden die Demokraten versuchen, irgendwelche Gesetze zu verabschieden, die die Handlungsmöglichkeiten des US-Präsidenten einschränken.

Aber ich wiederhole, vieles wird davon abhängen, was nicht nur im Repräsentantenhaus, sondern auch im Senat geschieht. Außerdem verstehen Sie sicherlich, dass die Demokraten keine großen Freunde des Iran sind. Sie werden einfach auf eine überlegtere Haltung der Regierung setzen. Aber insgesamt ist das eine Sackgasse, die auf die eine oder andere Weise künftig für jede Regierung zur Falle werden kann. In dieser Hinsicht scheint mir das verständlich zu sein.

Frage: Glauben Sie, dass die ukrainischen Geheimdienste den tatsächlichen Inhalt der Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland während der Reise von Kushner und Witkoff übersehen haben?

Portnikov: Kushner und Witkoff waren übrigens in Kyiv. Ich glaube nicht, dass sie dort besonders viel darüber verheimlicht haben, worüber sie mit den Russen sprechen. Und da würde mich wirklich interessieren: Warum haben Sie sich ausgerechnet auf diese Geheimdienste eingeschossen? Nehmen wir an, die Geheimdienste hätten gewusst, dass Witkoff und Kushner mit Putin über Lukoils Vermögenswerte im Ausland verhandeln. Ist das etwa ein großes Geheimnis? Nachdem Trump Sanktionen gegen Lukoil und Rosneft verhängt hatte, verschob er deren Inkrafttreten gerade deshalb, weil Käufer für diese Vermögenswerte im Ausland gesucht wurden. Man muss kein großer Geheimdienstexperte sein, entschuldigen Sie, um vorherzusehen, dass irgendwelche Menschen, die auf die eine oder andere Weise mit Trumps Umfeld verbunden sind, Anspruch auf diese Vermögenswerte erheben könnten. Was ist daran unverständlich, und was bringt uns das? Nehmen wir also an, wir hätten davon erfahren. Was dann? Produzieren wir plötzlich dringend Patriot-Systeme in Lukjaniwka? Was tun wir denn anders, wenn wir von den Ergebnissen der russisch-amerikanischen Verhandlungen erfahren?

Überschätzen Sie nicht Ihre eigene Handlungsfähigkeit. Bitte betrachten Sie die Situation nüchtern, in der sich unser Land befindet: ein Land ohne Atomwaffen, mit einer zerstörten Wirtschaft und einer kleineren Bevölkerung, das sich der größten Macht unserer Zeit entgegenstellt, einem großen Atomstaat mit dem weltweit größten Atomwaffenpotenzial neben den Vereinigten Staaten. Ich habe immer gesagt: Dass wir einer solchen Macht seit viereinhalb Jahren widerstehen, während der Konflikt mit Russland bereits zwölf Jahre andauert und alle Chancen hat, bis in die 2030er-Jahre des 21. Jahrhunderts weiterzugehen, obwohl er schon in den 2010er-Jahren begann, ist bereits eine Heldentat, verstehen Sie? Das ist doch kein Krieg zwischen Amerika und Russland, bei dem man sagen könnte: „Oh, sehen Sie, sie führen schon seit viereinhalb Jahren Krieg.“ Das ist nicht einmal der Krieg des Deutschen Reiches gegen die Sowjetunion.

Deshalb hätte sich nichts geändert, ob wir davon gewusst hätten oder nicht. Worauf hätten wir Einfluss nehmen können? Ob wir es wissen oder nicht, Einfluss nehmen können wir erst dann, wenn diese Vereinbarungen öffentlich bekannt gegeben werden. Und wir können uns im Grunde an die öffentliche Meinung wenden, an die amerikanische öffentliche Meinung, an die europäische öffentliche Meinung, an die europäischen Staats- und Regierungschefs. Genau das, womit Zelensky sich im Grunde derzeit beschäftigt. Aber solange es nicht öffentlich bekannt gemacht wurde und nicht zur Tatsache geworden ist, haben wir kaum Möglichkeiten, darauf Einfluss zu nehmen. Denn niemand in der amerikanischen Führung glaubt ernsthaft, entschuldigen Sie, dass er irgendwelche ukrainischen Ratschläge beachten müsste, ebenso wenig wie kanadische oder europäische.

Im Weltbild Donald Trumps und seiner Mitstreiter gibt es all das überhaupt nicht. Für sie gibt es Putin, Xi Jinping und Trump als die wichtigste Figur dieses Triumvirats starker Kerle. Es geht also überhaupt nicht darum, wann wir etwas erfahren. Es geht darum, wie wir auf Herausforderungen reagieren und wie realistisch wir die Gefahren einschätzen, die bereits in den 2010er- und 2020er-Jahren bestanden und uns, wie Sie verstehen, auch in den 2030er- und 2040er-Jahren verfolgen werden. Selbst wenn wir irgendwann, und das hoffe ich sehr, das Ende der intensiven Kampfhandlungen erleben und die Situation in einen schwelenden Konflikt übergeht.

Denn Frieden können Sie komplett vergessen. Es gibt keinerlei Voraussetzungen für einen vollständigen Frieden. Aber die Voraussetzungen dafür, zu einer Formel eines langen Friedens mit kurzen Kriegen überzugehen, bestehen vorerst noch. Die Formel langer Kriege mit kurzem Frieden ist für uns bisher noch nicht unausweichlich. Aber ich werde Ihnen unbedingt mitteilen, wenn diese Formel unausweichlich wird. Glauben Sie mir, ich werde der Erste sein, der sagt, dass es nun so weit ist. Aber vorerst haben wir dank des Mutes unserer Streitkräfte, denen Sie hoffentlich helfen, weil Sie ihre Bedeutung für den weiteren Fortbestand der Ukraine auf der politischen Weltkarte, für das Überleben des ukrainischen Volkes und für Ihr eigenes physisches Überleben in den kommenden Jahren verstehen, dank der Streitkräfte haben wir vorerst noch solche Chancen. Das ukrainische Volk hält dem Angriff stand.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп і Зеленський: загострення кризи |Віталій Портников. 15.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 15.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Zelensky geht auf Trump los | Vitaly Portnikov. 14.10.2026.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky hat möglicherweise die schärfste Kritik am Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, geübt, seit der amerikanische Milliardär 2025 ins Weiße Haus zurückgekehrt ist.

Selbst während des letzten großen Skandals zwischen Zelensky und Trump im Oval Office hatte sich Zelensky mit scharfen Bewertungen von Trumps Politik zurückgehalten. Doch jetzt sagt er, dass der amerikanische Präsident auf der falschen Seite der Geschichte stehe, und nennt Trump dabei praktisch beim Namen.

„Wenn man eine neutrale Position einnimmt, muss man auch dabei bleiben und darf sich nicht auf die falsche Seite stellen. Das ist nicht die Seite der Geschichte, auf der man stehen sollte“, betonte der ukrainische Präsident in einem Interview mit einem britischen Fernsehsender und unterstrich, dass die Ukrainer ihr Land nicht verkaufen würden. „Für uns ist das kein Geschäft, es geht um unser Leben“, betonte Zelensky. Damit hat die Konfrontation zwischen Kyiv und Washington ein neues, möglicherweise bisher beispielloses Niveau erreicht.

Andererseits geschieht dies, wenn man darüber nachdenkt, vor dem Hintergrund der faktischen Weigerung der Vereinigten Staaten, jene Vereinbarungen einzuhalten, die zuvor zwischen diesem Land und der Ukraine über die Versorgung der Ukraine mit Geheimdienstinformationen sowie mit Daten der Satelliten des Starlink-Systems für die ukrainischen Streitkräfte getroffen worden waren. Und das geschah übrigens sowohl aus Solidarität mit der Ukraine, die Opfer einer dreisten russischen Aggression geworden ist, als auch, um die Chancen beider Seiten bis zu einem gewissen Grad anzugleichen. Denn man sollte daran erinnern, dass die Ukraine gegen die mächtigste Atommacht der heutigen Welt kämpft, die in der Lage ist, die Vereinigten Staaten innerhalb weniger Stunden zu vernichten. Obwohl natürlich klar ist, dass in diesen wenigen Stunden auch das Leben auf dem Gebiet der terroristischen Föderation selbst zu Ende wäre.

Aber so oder so waren die Kräfte der Ukraine und der Russischen Föderation seit 2022 nicht miteinander vergleichbar. Und die Vereinigten Staaten halfen der Ukraine gerade deshalb, weil sie verstanden, dass unser Land Opfer einer unprovozierten Aggression seitens der Russischen Föderation geworden war.

In dieser Situation gibt es immer eine Wahl. Entweder man stimmt sämtlichen Handlungen der Regierung von Präsident Trump zu und tut so, als gäbe es diese Handlungen nicht, oder man appelliert an die öffentliche Meinung und erinnert daran, dass die überwältigende Mehrheit der Amerikaner im Gegensatz zu ihrem Präsidenten und seinen engsten Vertrauten auf der Seite der Ukraine und nicht Russlands steht und Russland als Gegner und nicht als Partner betrachtet. Und diese Auffassung teilen sowohl die Wähler der Demokratischen Partei als auch die Wähler der Republikanischen Partei und jene Wähler, die noch unentschlossen sind und sich, wie ich hoffe, bei den kommenden Wahlen für Kandidaten entscheiden werden, die Donald Trump und seine dreiste, gegen die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika gerichtete Außenpolitik nicht unterstützen. Eines steht für mich fest: Die Politik Donald Trumps, die auf seiner persönlichen Bereicherung und der Bereicherung seiner Familienmitglieder sowie seines engsten Umfelds beruht, hat grundsätzlich nichts mit den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten zu tun.

Natürlich kann man der Meinung sein, dass man den Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht reizen sollte. Und genau diese Linie verfolgte Zelensky übrigens seit jenem berühmten Streit im Oval Office. Auch unsere europäischen Partner rieten dem ukrainischen Präsidenten, sich gegenüber Donald Trump genau so zu verhalten und alles Mögliche zu tun, damit sich der Präsident der Vereinigten Staaten beruhigt und den ukrainischen Präsidenten lieb gewinnt. Im Grunde kann man sagen, dass Zelensky anderthalb Jahre lang nach dieser Anweisung handelte. Er übersah die offensichtlichen Sympathien des amerikanischen Präsidenten für seinen russischen Amtskollegen, reagierte gelassen auf das Treffen des Präsidenten der Vereinigten Staaten mit dem Präsidenten der Russischen Föderation in Anchorage und darauf, wie Donald Trump den Kriegsverbrecher Putin auf dem Flugplatz in der Hauptstadt Alaskas mit Applaus begrüßte.

Aber wozu wurde das alles getan? Wozu hat diese Nachsicht gegenüber dieser Gier und diesem offenen politischen Irrsinn geführt? Sagen Sie es mir! Zur Abschaltung von Starlink, vorerst zur Drosselung seines Betriebs, und zur faktischen Weigerung, uns Geheimdienstinformationen zur Verfügung zu stellen. Und man muss sich klar darüber sein, dass Donald Trump ebenso wie Putin nur eine Sprache versteht: die Sprache brutalen Drucks. Und genau diese Sprache brutalen Drucks zwingt ihn, wie der Krieg gegen Iran gezeigt hat, eine völlig andere Linie zu verfolgen. Wenn man dagegen versucht, so zu tun, als würde man seine Eskapaden nicht bemerken, wird einem ein Mensch dieses Typs unweigerlich auf der Nase herumtanzen. Und genau das ist geschehen.

Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass es einen Unterschied zwischen Trumps Verhalten während des Skandals im Oval Office und seinem heutigen Verhalten gibt. Nach dem Skandal im Oval Office wurde ganz unmissverständlich verkündet, dass die Vereinigten Staaten die Weitergabe von Geheimdienstinformationen an die Ukraine und die Waffenlieferungen an die Ukraine einstellen würden. Ich erinnere daran, dass damals noch jenes Hilfspaket lief, das während der Präsidentschaft von Trumps Vorgänger Joseph Biden, einem echten Freund der Ukraine, bewilligt worden war. Sie erinnern sich alle gut daran. Jetzt wird nichts dergleichen verkündet. Im Gegenteil, man sagt, die Hilfe werde weiterhin geleistet.

Das heißt, sowohl Trump als auch sein engstes Umfeld verstehen, dass die Ankündigung einer Einstellung der Hilfe für die Ukraine vor den Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten zu weiteren Stimmenverlusten für die Republikaner führen würde. Und ich hoffe sehr, dass diese Wahlen zur Agonie der ultrarechten politischen Kräfte in den Vereinigten Staaten werden und 2028 zu ihrem endgültigen, schmachvollen Zusammenbruch führen. Einfach deshalb, weil ich den Vereinigten Staaten von Amerika nur das Beste wünsche. Und deshalb hoffe ich sehr, Zeuge dieser Agonie und des Erfolgs der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden. Denn der Erfolg der Vereinigten Staaten von Amerika ist unser gemeinsamer Erfolg – und er ist kein Erfolg für Putin. Auch das muss man verstehen.

Wenn man also diesen intensiven Druck fortsetzt, wenn die amerikanischen Medien ihren Zuschauern und Lesern von Trumps Verrat berichten, und genau das wird geschehen, dann werden sie gezwungen sein, die Hilfe in vollem Umfang wiederherzustellen und mit terroristischen Sabotageakten aufzuhören. Denn wenn wir nicht wissen, dass ballistische Raketen im Anflug sind, ist das faktisch eine Unterstützung der terroristischen Angriffe Russlands. Denn dabei sterben Zivilisten, die nicht einmal rechtzeitig gewarnt werden können, damit sie Schutzräume aufsuchen können. Denn die Abschaltung von Starlink ist eine Unterstützung der russischen Aggression und der Eroberung ukrainischer Gebiete. Und all das ist eine vollkommen bewusste Arbeit auf die Kapitulation der Ukraine hin, damit die Ukraine zu Bedingungen kapituliert, die Trumps Dieselfreund Putin vorgeben wird. Darin liegt das Problem.

Ganz zu schweigen davon, dass ich absolut überzeugt bin, dass diese Hilfe den Interessen der Vereinigten Staaten selbst dient. Denn die Ukraine ist ein Land, das von einem Staat angegriffen wurde, der das Völkerrecht verletzt. Die Ukraine ist ein Land, das für die Wiederherstellung dieses Völkerrechts und der Rechtsordnung kämpft. Und die Vereinigten Staaten waren immer ein Staat, der das Völkerrecht verteidigt und unterstützt hat. Nur weil Russland über viel Öl und Gas verfügt und man irgendwelche Lukoil-Aktien kaufen kann, wird es noch lange nicht zum Partner der Vereinigten Staaten von Amerika.

Natürlich kann man sagen, dass sich Donald Trumps grundsätzliche Haltung durch keinerlei Druck ändern lässt. Ich bin mir vollkommen darüber im Klaren, wie Donald Trumps Weltbild aussieht. Ja, das ist mir vollkommen klar. Donald Trump betrachtet die Welt als eine Sphäre, die unter drei großen Staaten, drei starken Männern aufgeteilt werden muss: Trump, Putin und Xi Jinping. In diesem Weltbild muss Kanada, wie wir bereits mehrfach gesehen haben, die Launen des amerikanischen Präsidenten erfüllen, andernfalls verhängt er empörende Zölle auf kanadische Produkte. Und übrigens ist diese ganze Geschichte mit dem Diesel auch eine Folge seines Konflikts mit Kanada.

Vergessen wir nicht: Im Falle der Ukraine ist er innerlich absolut davon überzeugt, dass die Ukraine sämtliche Launen Putins erfüllen müsste, und er will sich nicht einmal mit den Einzelheiten befassen. Und in dieser Situation werden Sie einem Menschen, der bereits 80 Jahre alt ist, nicht mehr erklären können, dass die Welt in Wirklichkeit auf Werten und nicht auf Gier beruhen sollte, dass das Völkerrecht eine große Errungenschaft ist, die im Wesentlichen mit dem Blut der Völker während des Zweiten Weltkriegs erkämpft wurde, als es ebenfalls durch Hitlerdeutschland, also durch die damaligen Ultrarechten, zerstört worden war.

Aber glücklicherweise ist Trump im Gegensatz zu Putin kein totalitärer Herrscher, dem seine eigenen Landsleute vollkommen gleichgültig sind und der sie lediglich als Kanonenfutter betrachtet. Er ist ein Mensch, der gezwungen ist, auf Institutionen Rücksicht zu nehmen, der gezwungen ist, auf den Kongress Rücksicht zu nehmen. Und genau auf diese Weise kann und muss man auf diesen Menschen Einfluss nehmen. Eine andere Möglichkeit, Trumps Entscheidungen zu beeinflussen, gibt es nicht, denn seine Ansichten stehen in diametralem Gegensatz zu dem, was wir uns von einem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika wünschen würden. Und das ist übrigens ebenfalls eine bekannte Tatsache. Daran ist nichts unbekannt.

Hören Sie, Trump war schon während seiner ersten Präsidentschaft von der Ukraine nicht begeistert, schon damals, wie Sie sich erinnern. Das alles war für ihn, gelinde gesagt, unverständlich: Warum sollte man die Ukraine unterstützen? Dieselben berühmten Javelins, mit denen er prahlt, gelangten nur dank des intensiven Drucks des Kongresses auf den amerikanischen Präsidenten in unsere Hände. Der Kongress war demokratisch dominiert. Genau deshalb können wir auch jetzt hoffen, dass eine demokratische Mehrheit im amerikanischen Kongress, sollte sie zustande kommen, intensiven Druck auf die Regierung ausüben und sie zwingen wird, ihre kapitulationistische Haltung gegenüber Putins Russland zu ändern.

Das alles ist eine völlig offensichtliche Tatsache. Tatsache ist auch, dass er selbst dann, als er nicht Präsident war, aber im Grunde weiterhin der Hoffnungsträger der Republikaner blieb, ab einem bestimmten Zeitpunkt irgendwelche halb geheimen Kontakte zu Putin unterhielt. Und möglicherweise führten gerade diese Kontakte dazu, dass er mit seinem Einfluss auf die republikanischen Kongressabgeordneten monatelang die Bewilligung der Militärhilfe für uns blockierte, die Präsident Biden beim Kongress beantragt hatte. Und genau diese Pause führte zu Veränderungen an der Front, zum Verlust von Awdijiwka, zu dem es niemals gekommen wäre, wenn sich die Abstimmung über die Einzelheiten dieses Hilfspakets nicht so lange hingezogen hätte. Und übrigens war es für mich schon damals ein Warnsignal, als die Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhaus gegen die Hilfe für die Ukraine stimmte. Dieses Paket kam nur zustande, weil fast alle Demokraten und ein Teil der Republikaner dafür stimmten.

Aber damals gab es für mich noch ein weiteres, sehr beunruhigendes Warnsignal: Dieselben Republikaner stimmten in großer Zahl auch gegen die Hilfe für Taiwan. Das deutete für mich ebenfalls auf eine mögliche Neuausrichtung der amerikanischen Außenpolitik hin. Und ja, er versucht, nicht nur Putin, sondern auch Xi Jinping zu gefallen. Und jetzt wird die Bereitstellung von Mitteln für die Verteidigung Taiwans, obwohl diese durch das Taiwan-Gesetz geregelt wird, das der Kongress noch während der Präsidentschaft Jimmy Carters vor dem Hintergrund der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Volksrepublik China verabschiedete, diese Bereitstellung von Waffen wird erneut verzögert.

Und übrigens: Genauso, wie er jetzt Putins Begehrlichkeiten anheizt und dazu beiträgt, dass der russische Präsident nicht einmal eine Minute darüber nachdenkt, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden – wozu auch, wenn er einen solchen Trump hat –, kann er auch die Begehrlichkeiten Xi Jinpings anheizen. Dieser könnte unter diesen Umständen glauben, dass ihm nichts droht, wenn er eine Militäroperation zur Rückführung Taiwans in den Heimathafen durchführt. Und dann könnten bereits die Voraussetzungen für einen Dritten Weltkrieg geschaffen sein, mit all diesen Dummheiten. Denn diese Menschen, sowohl Putin als auch Xi Jinping, verstehen ebenfalls nur die Sprache harter Macht und nicht die Sprache der Zugeständnisse. Sie sind genauso eingestellt wie Trump.

Vor allem aber ist es sehr schwer, den Sinn dessen zu verstehen, was gerade geschieht. Warum hat Trump im russisch-ukrainischen Krieg alle roten Linien überschritten und sich nahezu eindeutig auf Putins Seite gestellt? Was ist passiert? Was hat Putin ihm gesagt, das Trump so furchtbar erschreckt hat? Wir verstehen doch, dass 300.000 Tonnen Dieselkraftstoff, die nach amerikanischem Recht nicht einmal auf den amerikanischen Markt gelangen können und die, selbst wenn sie dorthin gelangten, auf diesem Markt keinen Unterschied machen würden – denn was sind schon 300.000 Tonnen, entschuldigen Sie, für ein Land, das, wie ich schon mehrfach gesagt habe, monatlich sechs Millionen Tonnen exportiert? Es gibt also keinen Grund anzunehmen, dass Trump sich mit diesen 300.000 Tonnen irgendetwas erkaufen könnte oder dass sie ihm helfen würden, das Kräfteverhältnis im Kampf um den Kongress zu verändern. Zumal sich die Zahlen auf den Preistafeln amerikanischer Tankstellen durch diese 300.000 Tonnen nicht verändern.

Natürlich kann man sagen, dass das alles ein Spiel mit Lukoil-Aktien ist, dass Witkoff und Kushner zu Putin reisen werden, nachdem wir aufgehört haben, die Ölraffinerien anzugreifen. Na und? Wir greifen die Ölraffinerien schon seit mehreren Tagen nicht mehr an, und dadurch ändert sich nichts zum Besseren. Mehr noch, Russland bombardiert weiterhin unsere Energieinfrastruktur. Die vergangene Nacht in Kyiv war schrecklich, das haben diejenigen unter Ihnen, die in der ukrainischen Hauptstadt leben, selbst erlebt. Deshalb lassen sich diese Handlungen Trumps logisch nicht erklären. Und wenn ich darüber nachdenke, denke ich an Putins Kontakte zu einem anderen Präsidenten desselben Typs, Viktor Janukowytsch, im Jahr 2013. Heute wissen wir, dass es sowohl öffentliche als auch geheime Treffen gab und dass Putin von Janukowytsch verlangte, auf die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit Europa zu verzichten. Irgendwann, wie Sie wissen, kam es tatsächlich zu dieser Absage, die eine schwere politische Krise in der Ukraine auslöste, aus der später die Revolution der Würde hervorging.

Aber Janukowytsch hatte überhaupt nicht vorgehabt, auf diese Unterzeichnung zu verzichten. Obwohl russische Spitzenpolitiker, von Putin bis Glasjew, lange Zeit entschieden dagegen aufgetreten waren. Und dann geschah etwas bei einem Treffen hinter verschlossenen Türen zwischen Putin und Janukowytsch, etwas, das Janukowytsch dazu brachte, innerhalb von buchstäblich 24 Stunden seine Haltung zum Assoziierungsabkommen zu ändern, obwohl ihm bewusst war, welche schwere Krise das auslösen würde. Er zwang die Regierung, eine Erklärung abzugeben, mit der sie von einem Kurs abrückte, den Janukowytsch selbst und seine Partei der Regionen mehrere Jahre lang propagiert hatten. Und heute haben alle vergessen, dass jene Menschen, die später die Ukraine verlassen sollten, sowohl in der Regierung als auch im Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat, die wichtigsten, sagen wir, Akteure dieses Prozesses der europäischen Integration und der Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens gewesen waren. Das Einzige, was Janukowytsch im Grunde verlangte, war, dass man ihn mit der Inhaftierung von Julia Tymoschenko nicht reizen und ihm damit nicht auf die Nerven gehen sollte. Und ich war gerade der Meinung, dass das falsch sei, dass man mit einem Land, in dem es eine selektive Justiz gibt, kein Abkommen unterzeichnen dürfe. Aber die Europäische Union ließ sich schließlich darauf ein. Janukowytsch selbst lehnte es ab.

Was zwischen ihm und Putin geschah, wissen wir nicht. Genauso wenig wissen wir, was zwischen Putin und einem anderen Präsidenten geschah, Sersch Sargsjan, dem damaligen Präsidenten Armeniens, der unmittelbar nach einem Treffen mit dem russischen Präsidenten auf die Unterzeichnung eines bereits fertig ausgehandelten Assoziierungsabkommens verzichtete, ohne auch nur seine eigene Regierung, das Parlament oder das Außenministerium über seine Entscheidung zu informieren. Was sagte Putin dem ukrainischen und dem armenischen Präsidenten, dass sie ihren propagierten politischen Kurs, der die Grundlage ihrer Umfragewerte und ihrer Popularität gewesen war, vollständig revidierten und dass dies schließlich zum Zusammenbruch beider führte, bei dem einen schnell, bei dem anderen nicht so schnell? Und wie Sie sehen, gelang es weder im Falle der Ukraine noch im Falle Armeniens, diesen Kurs der europäischen Integration tatsächlich aufzuhalten. Aber das ist ein anderes Thema. 

Etwas Ähnliches ist während des letzten Gesprächs zwischen Putin und Trump geschehen. Ich denke, wir werden nicht so bald erfahren, welche Argumente der russische Präsident gefunden hat, damit sich der amerikanische Präsident so verhält. Und zwar ohne besondere Freude. Sie sehen ja, dass er auf alle Fragen zu seinen Handlungen gereizt antwortet. Er kann es sich selbst nicht vollständig erklären. Also muss Putin irgendetwas gefunden haben, irgendwelche Worte, die ihn nicht erfreut, sondern vielleicht erschreckt haben. Ja, wenn die Untersuchungsausschüsse des Kongresses ihre Arbeit aufnehmen und die Aktivitäten Trumps und seiner engsten Vertrauten untersuchen, wenn Minister und andere Mitglieder der Regierung unter Eid vor dem Kongress aussagen, werden wir vielleicht etwas erfahren. Vielleicht erfahren wir es erst, nachdem Trump aus dem Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten ausgeschieden ist, vielleicht erfahren wir es niemals. Aber man kann nicht sagen, dass dieses demonstrative Verhalten jetzt durch irgendwelche logischen Interessen im Zusammenhang mit dem Wahlkampf oder den Lukoil-Aktien begründet wäre. Darin liegt keine erkennbare Logik, außer der Logik der Angst. Denn Trump sympathisierte schon früher mit Putin und hat diese Sympathien niemals verborgen, war aber in seinen politischen Äußerungen hinreichend zurückhaltend. Und auch das lässt sich verstehen. Deshalb kann man natürlich über die gegenwärtige Situation diskutieren.

Gerade ist eine Mitteilung eingegangen, die der ehemalige Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow veröffentlicht hat, wonach der Betrieb von Starlink bei Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h wiederhergestellt wird. Und jetzt muss daran gearbeitet werden, die Geschwindigkeitsbeschränkung für Starshield, diese militärische Version von Starlink, vollständig aufzuheben. Genau davon habe ich gesprochen. Wenn man darauf entschieden reagiert, werden sie gezwungen sein, das wiederherzustellen, denn sie wollen nicht eingestehen, dass sie uns die Hilfe verweigern. Sehen Sie, das geschieht buchstäblich vor unseren Augen. Sie wollen keine Verantwortung für die Einstellung der Hilfe für die Ukraine übernehmen, auch keine Verantwortung gegenüber den Wählern. Und das ist ebenfalls ein ziemlich wichtiger Punkt.

Deshalb bin ich überzeugt, dass wir in dieser Situation darüber nachdenken müssen, wie unsere Beziehungen zu dieser Regierung künftig aussehen sollen und wie wir sie gestalten: durch entschiedenen Druck unter Nutzung der öffentlichen Meinung oder dadurch, dass wir allen Abenteuern zustimmen, die wir weiterhin erleben werden. Ich würde allerdings weder in die eine noch in die andere Richtung ins Extrem gehen. Ich würde keine scharfen Anschuldigungen gegen den Präsidenten der Vereinigten Staaten erheben, aber ich würde mich stets an die amerikanische Öffentlichkeit wenden. Natürlich kann Zelensky seine eigene Auffassung von dieser Taktik haben. Schließlich ist er der Präsident der Ukraine. Und man muss sich über die Realität im Klaren sein.

Diese Realität besteht darin, dass wir nicht auf irgendwelche bewussten Sympathien Donald Trumps für die Ukraine hoffen können. Er hat keinerlei bewusste Sympathien für die Ukraine. Und er hat bewusste Sympathien für Putin. Und das wurde niemals verborgen. Das bedeutet, dass er der Ukraine nur unter dem Druck der Umstände oder der öffentlichen Meinung helfen kann. Also müssen wir daran arbeiten, dass dieser Druck der Umstände und dieser Druck der öffentlichen Meinung möglichst wirksam werden. Wir müssen unsere europäischen Partner für diesen Druck nutzen, die amerikanische öffentliche Meinung für diesen Druck nutzen und die ukrainische Diaspora nutzen. Ich bin der Meinung, dass die Möglichkeiten der ukrainischen Diaspora für einen solchen Druck, für den Dialog mit Kongressabgeordneten und Senatoren, bisher noch nicht ausgeschöpft wurden. In Amerika leben heute viel mehr Ukrainer als früher. Und das muss man nutzen.

Das heißt, alles, was man nutzen kann, muss man gerade dafür nutzen, die Wahlmechanismen in Gang zu setzen. Zumal sich die Vereinigten Staaten praktisch ständig im Wahlkampf befinden. Wenn alle zwei Jahre Wahlen stattfinden, verstehen Sie doch, dass man damit politisch spielen kann. Und die Russen spielen damit. Warum sollten wir also nicht auch damit spielen? Jetzt werden die Wahlen, die Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten, im Grunde die Wahlen zum Repräsentantenhaus, zu Ende gehen, und schon 2027 wird der Präsidentschaftswahlkampf beginnen. Man wird bereits nach Menschen suchen, die ihre Parteien bei den Präsidentschaftswahlen anführen können. Und auch das wird ein sehr wichtiger Moment sein, der ebenfalls mit uns zusammenhängt.

Frage: Ich wollte schon lange fragen: Bedeutet rechts in Ihrem Verständnis gleich schlecht? Ich höre von Ihnen oft Aussagen dieses Inhalts. Und ich verstehe nicht, worin Putins Ultrarechtsextremismus besteht. Es scheint, als bestehe er nur darin, dass alle das sagen. In meinem Verständnis bedeutet rechts nicht gleich schlecht.

Portnikov: Ich spreche immer nicht von Rechten, sondern von Ultrarechten. Ich verstehe überhaupt nicht, wie Sie darauf kommen, dass ich irgendwelche Rechten für schlecht halte. Ich bin ein leidenschaftlicher Anhänger des politischen Stils von Ronald Reagan, der ein, wie ich sagen würde, rechter Konservativer war. Ich betrachte es bis heute als Ehre, dass ich über den ersten Besuch Ronald Reagans und später seines Nachfolgers George Bush senior in der Sowjetunion berichtet habe. Das waren rechte Konservative. Auch George Bush junior habe ich damals immer großen Respekt entgegengebracht, selbst als er in den Vereinigten Staaten selbst unglaublich unpopulär war. Er ist ein rechter Konservativer, ein ehemaliger Gouverneur von Texas. Man darf Ultrarechte nicht mit Rechten verwechseln, Rechtsradikale nicht mit Rechten.

Warum ist Putin ultrarechts? Weil sein politisches Programm das Programm einer ultrarechten politischen Bewegung ist. Es beruht auf Chauvinismus. Es beruht auf dem Lebensraum für einen bestimmten Staat. Es beruht auf der Schaffung, ich würde sagen, auf der Übersteigerung der Idee sogenannter traditioneller Werte, auf der gewaltsamen Verteidigung dieser traditionellen Werte durch die Verabschiedung repressiver Gesetze. Das alles ist ein ultrarechtes politisches Programm. Putins Präsidentschaft ist ideologisch ein typisches Beispiel für eine ultrarechte, postfaschistische Präsidentschaft. Was gibt es da zu erklären?

Lesen Sie all diese Programme und Gesetze, die die Staatsduma der Russischen Föderation verabschiedet hat. Der Kampf gegen Andersdenkende, der Kampf gegen sexuelle Minderheiten. Das alles ist ein ultrarechtes, postfaschistisches politisches Programm. Lebensraum für Russen, das Recht des Stärkeren. Vielleicht sollten Sie einmal das wunderbare Büchlein Mein Kampf von Adolf Hitler lesen, um zu verstehen, was ultrarechte Ideologie ist. Oder irgendwelche Schriften von Benito Mussolini oder Salazars Buch Der neue Staat. Dort steht das alles.

Wenn Sie sich die Rede von Marco Rubio in Athen anhören, dann ist das die Rede eines ultrarechten Politikers. Denn in dieser Rede, in der von der Größe der antiken Welt die Rede ist, fand das Wichtigste keinen Platz, das schon immer das Wesen der westlichen Zivilisation ausgemacht hat: Humanismus, Toleranz, Respekt vor dem Mitmenschen, all das, was die christlichen Werte und die Werte der monotheistischen Religionen ausmacht. Deshalb ist Marco Rubio ein postfaschistischer Politiker, genau wie Putin, JD Vance und Trump. Was gibt es da noch zu sagen? Ist das etwa falsch?

Verwechseln Sie das nicht. Ein Konservativer verteidigt traditionelle Werte und lässt andere leben. Ein Ultrarechter tötet diejenigen, die seine Ansichten nicht teilen, oder drängt sie an den Rand der Gesellschaft. Das ist doch keine höhere Mathematik.

Frage: Die Demokraten sprechen auf ihren Kundgebungen und bei ihren Debatten überhaupt nicht über die Ukraine, und selbst wenn sie Trump kritisieren, erwähnen sie uns nicht. Sind sie nicht genauso isolationistisch wie MAGA?

Portnikov: Bei Debatten werden außenpolitische Fragen in der Regel nicht als die wichtigsten betrachtet. Die Demokraten versuchen derzeit, möglichst viele Wählerstimmen gerade durch die Thematisierung innenpolitischer Probleme zu gewinnen. Deshalb gehören außenpolitische Themen, insbesondere bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus, sagen wir, sehr oft nicht zu den Hauptthemen der Diskussion. Wenn Sie sagen, die Demokraten seien genauso isolationistisch wie MAGA, möchte ich Sie daran erinnern, dass die gesamte demokratische Fraktion im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten das Gesetz zur Unterstützung der Ukraine unterstützt hat, das jetzt vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde. Dafür stimmten eine kleine Zahl von Republikanern und alle Demokraten. Und dieser Plan sieht vor, uns Milliarden Dollar bereitzustellen, wie es während Bidens Präsidentschaft geschah, uns kostenlose Militärhilfe zu leisten und die Sanktionen gegen Russland zu verschärfen.

Wenn Sie also sagen, die Demokraten seien genauso isolationistisch wie MAGA, verstehe ich nicht, wie Sie das nach der Verabschiedung dieses Dokuments durch alle Demokraten überhaupt behaupten können. Eine einzige Demokratin hat dagegen gestimmt oder sich enthalten, ich erinnere mich nicht mehr, wer es war. Alle haben dafür gestimmt, während die Republikaner nicht dafür stimmten. Nur eine Minderheit von ihnen stimmte dafür, genau wie beim vorherigen Unterstützungsgesetz.

Frage: Europa wartet in der warmen Badewanne das Ende von Trumps Amtszeit ab. Oder hat es das Vertrauen in die Vereinigten Staaten für immer verloren? Gibt es eine Garantie, dass die Amerikaner nicht irgendwann einen neuen Trump wählen?

Portnikov: Erstens glaube ich nicht, dass Europa in einer warmen Badewanne sitzt. Was derzeit in Europa geschieht, ähnelt, ehrlich gesagt, allem Möglichen, nur keiner warmen Badewanne. Aber ich denke, dass das Misstrauen gegenüber den Vereinigten Staaten nach Trumps zweiter Wahl ein unglaubliches Ausmaß erreicht hat. In Europa gab es politisch schon immer eine ziemlich starke, ich würde sagen, Strömung des Antiamerikanismus, aber jetzt hat sie einen unglaublichen Auftrieb erhalten.

Als nach Trumps erster Präsidentschaft Joseph Biden gewählt wurde und sagte, Amerika sei zurück, nahmen alle das als Realität wahr und betrachteten Trump als eine Art, ich würde sagen, Missverständnis an der Spitze der Vereinigten Staaten, das infolge der Informationstechnologien und seiner Popularität als Showman zustande gekommen war. Man glaubte, dass sich das alles nicht wiederholen könne. Trumps zweite Rückkehr zeigte, dass es sich um ein Symptom und nicht um einen Einzelfall handelt. Und zweifellos wird man keinem neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten, der sagt, Amerika sei zurück, glauben, nicht einmal diejenigen, die so tun werden, als glaubten sie ihm.

Zweifellos ist das große Vertrauen in die Vereinigten Staaten, das das Wesen der Nachkriegswelt ausmachte, verloren gegangen. Das ist ein gewaltiges Problem für uns alle, denn die westliche Nachkriegswelt beruhte gerade auf dem Vertrauen in die Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten selbst haben diese Welt im Grunde geschaffen, als sie den Europäern sowohl den Marshallplan als auch ihren nuklearen Schutzschirm anboten, im Gegenzug dafür, dass die Europäer ihre Waffen kaufen und der Stationierung ihrer Truppen auf dem Kontinent zustimmen würden. Dafür traten in erster Linie die Amerikaner selbst ein und nicht die Europäer. Unter den europäischen Politikern war damals gerade die Frage der Zahl der amerikanischen Truppenkontingente umstritten, weil sie befürchteten, zum Schauplatz eines nicht mehr kalten, sondern heißen Krieges zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zu werden. Die Vereinigten Staaten bestanden darauf. Und jetzt erleben wir einen so drastischen Wandel der Prioritäten. Und dass eine große Zahl amerikanischer Wähler einen Menschen unterstützt hat, der für diesen Wandel steht, ist natürlich ein ernstes Problem.

Frage: Wenn gegen Trump ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet wird, kommt Vance an die Macht. Was erwartet die Ukraine dann?

Portnikov: Ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump wird nicht dazu führen, dass er aus dem Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten ausscheidet. Trump hat alle Möglichkeiten, bis zum Ende seiner Amtszeit im Amt zu bleiben. Wenn das Repräsentantenhaus ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn beschließt, geht dieses Verfahren an den Senat. Im Senat sind für eine Amtsenthebung zwei Drittel der Stimmen erforderlich. So viele Stimmen werden die Demokraten nicht haben, selbst wenn sie im Senat die Mehrheit gewinnen.

Deshalb droht dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, nach heutigem Stand bis 2029 nichts. Aber das ist der heutige Stand. Wir wissen nicht, wie die Untersuchungsausschüsse des Kongresses arbeiten werden und was sie herausfinden. Ob das nicht dazu führen wird, dass ein Teil der Republikaner von den gewonnenen Informationen so erschreckt sein wird, dass er für eine Amtsenthebung stimmt. Aber wer hat Ihnen gesagt, dass JD Vance an die Macht kommen wird? Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde nach dem Rücktritt Richard Nixons angesichts einer drohenden, unvermeidlichen Amtsenthebung Gerald Ford, der nicht gemeinsam mit Nixon zum Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden war. Er war Senator, glaube ich, oder Mitglied des Repräsentantenhauses, den das Repräsentantenhaus nach dem Rücktritt von Vizepräsident Spiro Agnew, der unter der Last von Korruptionsvorwürfen zurücktreten musste, zum Vizepräsidenten gewählt hatte.

Wenn also Trumps Regierung derart auseinanderzufallen beginnt, dass die Republikaner bereit sind, für Amtsenthebungsverfahren gegen ihre Vertreter zu stimmen, könnte auch JD Vance aus dem Amt entfernt werden. Und Präsident der Vereinigten Staaten würde dann eine Person, die vom Repräsentantenhaus zum Vizepräsidenten gewählt wurde, also höchstwahrscheinlich ein Vertreter der Demokratischen Partei. Aber ich halte ein solches Szenario überhaupt nicht für wahrscheinlich. Ich sage Ihnen nur, wie es aus rechtlicher Sicht aussehen könnte.

Frage: Wird sich wirklich alles unmittelbar nach den Wahlen und erst recht nach dem 3. November ändern, oder wird Trump höchstwahrscheinlich wegen der Wahlergebnisse vor Gericht ziehen und Zeit schinden?

Portnikov: Ich glaube nicht, dass Trump vor Gericht ziehen wird, weil die Gerichte ihm kaum irgendein Ergebnis bringen werden. Ich halte es für möglich, dass er die Wahlergebnisse nicht anerkennt, was den Beginn einer neuen politischen Epoche in Form eines Bürgerkriegs in den Vereinigten Staaten von Amerika bedeuten würde. Das halte ich durchaus für möglich. Nach dem 3. November kann sowohl die Agonie der Trump-Regierung beginnen, weil die Demokraten im Kongress an die Macht kommen, als auch die Agonie der Trump-Regierung durch den Beginn eines Bürgerkriegs in den Vereinigten Staaten, falls die Regierung die rechtskräftig festgestellten Ergebnisse der Wahlen zum US-Kongress nicht anerkennt. Beide Möglichkeiten schließe ich nicht aus. Wir können Zeugen beider Szenarien werden. Man muss sich also auf das eine wie auf das andere vorbereiten.

Frage: Wie wichtig ist eine Erneuerung der Republikanischen Partei und ihre Rückkehr auf den Weg Reagans?

Portnikov: Wenn Trump rapide an Popularität verliert, werden sich die Republikaner natürlich nicht nur von ihm abwenden, sondern auch von der MAGA-Bewegung, die im Grunde Donald Trumps Wählerbasis bildet und gerade eine klassische ultrarechte politische Bewegung im heutigen Verständnis dieses Begriffs ist. Aber hier stellt sich eine andere Frage: Wenn die Republikaner zu ihrem klassischen Parteiprofil zurückkehren, werden sie dann genügend Wählerstimmen auf sich vereinen können, um Wahlen zu gewinnen?

Ich vertrete gerade die Auffassung, dass die Republikaner zum Zeitpunkt von Donald Trumps Auftreten auf der politischen Bühne der Vereinigten Staaten, als er gegen Hillary Clinton antrat, das war 2016, bereits damals faktisch eine demografische Niederlage erlitten hatten. Und sie hatten nicht mehr genügend Wähler, um irgendwelche Wahlen gewinnen zu können. Und Trump gab ihnen einen zweiten Atem, weil es ihm gelang, Bevölkerungsgruppen auf ihre Seite zu ziehen, die zuvor nicht für die Republikaner gestimmt oder überhaupt nicht an Wahlen teilgenommen hatten. Und genau das erklärt, warum sich die Republikanische Partei bis heute im politischen System der Vereinigten Staaten als eine Partei behaupten kann, die in der Lage ist, Wahlen zu gewinnen. Wir wissen nicht, ob die Republikanische Partei als solche noch über eine demografische Basis unter diesen klassischen Amerikanern, den Nachkommen der Pioniere im übertragenen Sinne, verfügt. Ich bin mir da nicht sicher.

Frage: Warum können die Demokraten die Dinge nicht beim Namen nennen und Trump der Lüge überführen, indem sie sagen, dass der Grund für den Anstieg der Dieselpreise der Krieg im Iran ist?

Portnikov: Das haben sie schon eine Million Mal gesagt. Und nicht nur sie haben das gesagt. Vor Kurzem sprach darüber in einem Interview auch der Sprecher des Repräsentantenhauses des amerikanischen Kongresses, Mike Johnson, ein engster Verbündeter Trumps. Er sagte: „Wir verstehen, dass die Preise steigen, weil wir in der Straße von Hormus noch nicht alles geklärt haben.“ Das alles wird offen ausgesprochen. Sie verfolgen das einfach nicht. Nur welche Bedeutung hat es für Trump, was irgendjemand sagt?

Frage: Warum brauchte Biden Abstimmungen zwischen den Kammern, die monatelang dauerten, während Trump das nicht braucht und jede Entscheidung allein und sofort trifft?

Portnikov: Weil die Republikaner im Repräsentantenhaus und im Senat die Mehrheit haben. Ganz einfach. Biden hatte das nicht. Er kontrollierte das Repräsentantenhaus nicht, sondern nur den Senat. Deshalb war Trumps Sieg 2024 historisch, weil die Republikaner sowohl bei der Präsidentschaftswahl als auch im Senat und im Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses die Oberhand gewannen. Deshalb brauchte Biden Monate für die Abstimmungen, weil die Republikaner nicht stimmen wollten und die Mehrheit stellten. Und ohne sie konnte man über bestimmte grundsätzliche Fragen nicht abstimmen. Trump dagegen braucht das überhaupt nicht. Das ist einfach Mathematik.

Frage: Wie groß sind Zelenskys Möglichkeiten, durch seine Kritik an Trumps Handlungen potenzielle Wähler in den Vereinigten Staaten zu beeinflussen? Hat Zelensky das Potenzial, den Republikanern bei den Wahlen zu schaden?

Portnikov: Ich bin nicht sicher, dass Zelensky ein derart großes Potenzial hat, amerikanische Wähler zu beeinflussen. Aber zweifellos hat Zelensky das Potenzial, die amerikanischen Medien zu beeinflussen, dieselben Medien, die Trump verächtlich als Fake News bezeichnet. Indem sie aber Zelensky und andere in dieser Situation zitieren, lassen sie Trump keine Wahl. Entweder muss er klar sagen, dass er der Ukraine nicht helfen will, oder er muss zur Hilfe für die Ukraine zurückkehren. Dass Zelensky Trump kritisiert und den Vereinigten Staaten vorwirft, dass infolge der amerikanischen Politik Menschen sterben könnten, dass die Vereinigten Staaten Putins Seite gewählt hätten, verschafft den Demokraten zweifellos zusätzliche Trümpfe. Das verstehen alle sehr gut.

Frage: Sie erinnern die Ukrainer immer an ihre Wahl von 2019. Die Ukraine ist seit 35 Jahren unabhängig, Amerika hat 250 Jahre Demokratie hinter sich, und trotzdem gibt es Trump. Sind das Ihrer Meinung nach Methoden politischer Gehirnwäsche oder etwas anderes?

Portnikov: Ich denke, das sind neue Informationstechnologien. Ich muss Ihnen sagen, dass die Informationstechnologie, die Zelensky zum Wahlsieg verholfen hat, bis zu einem gewissen Grad der politischen Technologie Trumps ähnelt. Beide waren Showmen. Trump wurde nicht als Geschäftsmann populär, sondern als Showman. Zelensky begann seine politische Karriere im Grunde mit der Serie Diener des Volkes. Und ja, ich stimme zu, dass man meinen könnte, in der amerikanischen Demokratie dürfte es nach ihrer 250-jährigen Erfahrung solche Geschichten wie die Geschichte Trumps eigentlich nicht geben. Aber noch einmal: Wir leben in einer Welt neuer Informationstechnologien, die völlig andere Verhaltensregeln diktieren. Das ist zweifellos so.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass Trump nicht nach, sondern vor Zelensky gewählt wurde. Und Zelenskys Wahl war im Grunde eine Fortsetzung von Trumps Wahl, also die Nutzung dieser Informationstechnologien, lediglich unter Berücksichtigung von Zelenskys eigener Persönlichkeit. Aber ich habe das immer als Fortsetzung ein und derselben Epoche betrachtet. Einer Epoche, in der beliebte Fernsehpersönlichkeiten, heute können das auch Persönlichkeiten aus den sozialen Netzwerken sein, gegen sogenannte traditionelle Politiker gewinnen, weil die Menschen keine traditionellen Politiker mehr brauchen, sondern Lieblinge, die sie auf dem Fernsehbildschirm oder auf dem Bildschirm ihres Smartphones sehen und die einfache Antworten auf schwierige Fragen geben.

Frage: Wird sich in der amerikanischen Politik noch jemand finden, der eine ähnliche Politik wie Biden verfolgen könnte, um zumindest mit der Stabilisierung der Weltordnung zu beginnen?

Portnikov: Nun, das ist eine gute Frage, und wir werden während des Präsidentschaftswahlkampfs 2028 eine Antwort darauf bekommen. Welche Wahl werden die Amerikaner letztlich treffen? Wie werden die Politiker aussehen, die um die amerikanische Präsidentschaft kämpfen werden? Welche grundsätzliche Haltung werden sie zu den Beziehungen mit autoritären Regimen und zur Frage haben, wie die Weltordnung aussehen sollte? Aber ich glaube nicht so recht daran, dass im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten erneut ein Mensch erscheinen wird, der derart in autoritäre Herrscher verliebt ist, ein Mensch, der mit seinen herzlichen Beziehungen zu Putin, Xi Jinping oder Kim Jong-un prahlt. Das alles hängt möglicherweise doch gerade mit Trumps Persönlichkeit zusammen und nicht einmal mit irgendwelchen ideologischen Grundsätzen jener Bewegung, die die Grundlage seiner politischen Karriere bildet. Denn auch dort gibt es Menschen, die Putin und den Putinismus entschieden ablehnen, nicht weil es sich um eine ultrarechte Ideologie handelt, sondern weil es sich in Russland um eine totalitäre Ideologie und ein totalitäres Regime handelt. Wir werden also sehen. Ich denke, gewisse Chancen bestehen. Obwohl natürlich klar ist, dass sich die politische Bühne der Vereinigten Staaten durch Trump bis zur Unkenntlichkeit verändert hat. Und auch das muss man tatsächlich berücksichtigen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Зеленський накинувся на Трампа |
Віталій Портников. 14.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 14.10.2026.
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Verhandlungen in Miami: Das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 09.10.2026.

Heute treffen sich in Miami die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff und Jared Kushner, mit einer ukrainischen Delegation, der der Leiter des Präsidentenbüros Kyrylo Budanow, sein erster Stellvertreter Serhij Kyslyzja, der Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates Rustem Umjerow sowie der Vorsitzende der Fraktion der Partei „Diener des Volkes“ in der Werchowna Rada der Ukraine, Dawyd Arachamija, angehören.

Bei dem Treffen wird es um die Suche nach Wegen zu einem Frieden im russisch-ukrainischen Krieg gehen. Wie beide Seiten jedoch betonen, wollen sich die USA derzeit vor allem auf die Frage einer Waffenruhe im Energiebereich konzentrieren. In Washington ist man der Ansicht, dass der bevorstehende Winter sowohl in der Ukraine als auch in Russland Besorgnis auslösen könnte und sich dadurch eine reale Möglichkeit bietet, einen Kompromiss zwischen den beiden Seiten zu finden.

Die ukrainische Seite hat selbstverständlich ihre Bereitschaft erklärt, die Vorschläge der US-Präsidialverwaltung zu einer solchen Waffenruhe im Energiebereich zu erörtern. In der Administration des Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, zeigte man erwartungsgemäß keinerlei Interesse an den amerikanischen Vorschlägen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass Witkoff und Kushner nach den Verhandlungen mit der ukrainischen Delegation in die russische Hauptstadt reisen werden. Natürlich nur, wenn man dort überhaupt mit ihnen sprechen möchte.

Ein wichtiger Bestandteil der Verhandlungen zwischen Moskau und Washington ist bekanntlich die Frage des Verkaufs von Aktien des Unternehmens Lukoil, über die die Sondergesandten des US-Präsidenten bei ihrem letzten Besuch in der russischen Hauptstadt persönlich mit dem russischen Präsidenten Putin gesprochen haben. Wir verstehen, dass Vertreter der US-Präsidialverwaltung an diesem Aktienverkauf interessiert sein könnten. Aber auch in Putins Administration könnte es Menschen geben, die daran interessiert sind, mit diesen Vereinbarungen Milliarden US-Dollar zu verdienen. Ganz zu schweigen vom russischen Staatshaushalt, der dadurch zusätzliche Mittel für die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges erhalten würde.

Wenn es aber bei den Lukoil-Aktien sowohl ein amerikanisches als auch ein russisches Interesse gibt, dann lässt sich hier möglicherweise eine gewisse Grundlage für einen Kompromiss finden, der gerade mit einer Waffenruhe im Energiebereich zwischen Moskau und Kyiv verbunden wäre, zumindest für einen kurzen Zeitraum. Und möglicherweise setzt man im Weißen Haus genau darauf.

Das heißt, in Moskau hofft man, dass Trump den Köder der milliardenschweren Aktien des russischen Ölgiganten geschluckt hat. Und in Washington könnte man hoffen, dass Moskau den Köder geschluckt hat, diese Milliarden Dollar zu erhalten. Die Zeit wird zeigen, wessen Hoffnungen realistischer waren.

Die Verhandlungen sind aber auch deshalb tatsächlich ziemlich ernst zu nehmen, weil es neben den Gesprächen mit den Sondergesandten des US-Präsidenten auch Verhandlungen in erweiterter Besetzung geben wird. Die nationalen Sicherheitsberater Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands sowie Vertreter der Europäischen Union und der NATO sind in die USA gereist. Unter ihrer Beteiligung sowie unter Beteiligung der Vertreter der ukrainischen und der amerikanischen Delegation wird in erweiterter Besetzung eine Verhandlungsrunde stattfinden, bei der es um Sicherheitsgarantien für die Ukraine im Falle eines möglichen künftigen Endes des russisch-ukrainischen Krieges gehen wird, aber auch um Garantien für den Wiederaufbau der Ukraine, wiederum für die Nachkriegszeit.

Natürlich kann man diese Gespräche für etwas aus dem Bereich der politischen Science-Fiction halten. Denn wie wir sehen, gibt es schlicht keine objektiven Umstände, die es uns erlauben würden, von einem baldigen Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu sprechen. Und selbst die Vertreter des Weißen Hauses haben inzwischen aufgehört, an diese Utopie zu glauben, über die Donald Trump einst während seines Wahlkampfes und auch in den ersten Monaten nach seiner Rückkehr ins Oval Office so selbstsicher nachgedacht hatte.

Aber entscheidend ist hier nicht das, was mit dem Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg zusammenhängt. Entscheidend ist, schon heute die Frage der Finanzierung zu erörtern. Denn es ist offensichtlich, dass die ukrainische Wirtschaft schwere Schläge durch den Feind erleidet und auch weiterhin erleiden wird. Dieser versucht, alles zu zerstören, was dem ukrainischen Staatshaushalt Geld einbringt, das notwendig ist, um den ukrainischen Widerstand gegen die russische Aggression aufrechtzuerhalten. Deshalb kann die Ukraine heute als Staat nur dank der Hilfe ihrer westlichen Partner existieren. Ohne diese Hilfe könnte die Ukraine schneller von der politischen Weltkarte verschwinden, als die russische Armee ihre Grenzen erreichen könnte.

Somit bleibt die Frage der Unterstützung der Ukraine durch unsere europäischen Verbündeten unter Bedingungen, in denen die Vereinigten Staaten keine solche Hilfe leisten, ein wichtiger Bestandteil des Verhandlungsprozesses und der kommenden Jahre der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation. 

Denn Russland selbst verfügt schlicht und einfach nicht über solche Reserven für diesen Kampf. Russland kann nur auf die Einnahmen aus seinem Öl und seinem Gas hoffen. Und deshalb ist es so wichtig, die Erdölverarbeitungsindustrie der terroristischen Föderation zu zerstören, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem irgendeine Waffenruhe erreicht wird, falls es überhaupt dazu kommt.

Und Russland kann darauf hoffen, dass seine Energiesponsoren weiterhin seine Energieträger kaufen und auf diese Weise Dollar, Yuan und Rupien in den russischen Staatshaushalt fließen lassen, der inzwischen fast vollständig darauf ausgerichtet ist, der russischen Armee bei der Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine zu helfen. Aber ohne dieses Geld kann Russland nicht existieren. Während die Ukraine dank westlicher Hilfe existieren kann.

Allerdings denke ich, dass europäische Beamte der ukrainischen Delegation erklären könnten, dass es ohne die Verabschiedung jener Gesetze durch die Werchowna Rada der Ukraine, die für den Erhalt europäischer Gelder notwendig sind, und ohne die Einbringung dieser Gesetze durch die ukrainische Regierung kein Geld geben wird. Und das wird sich sowohl auf die Verteidigungsfähigkeit der ukrainischen Armee als auch auf die Möglichkeiten gewöhnlicher Ukrainer auswirken, die kommenden dramatischen Monate des russisch-ukrainischen Krieges zu überleben. 

Mir bleibt nur zu hoffen, dass die ukrainische Führung vor dem Hintergrund dieser Verhandlungen ihre inkompetente Selbstüberschätzung aufgibt, die bereits zum wichtigsten Kennzeichen Kyivs auf der internationalen Bühne geworden ist, und endlich beginnt, das zu tun, was unsere Partner von uns verlangen, damit sie uns Geld zum Überleben geben können.

Aus dieser Sicht müssen die Verhandlungen der ukrainischen Delegation in Miami also sowohl zu einem wichtigen Bestandteil einer Vereinbarung über dieses Überleben werden als auch zumindest eine Chance bieten, dass der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky und sein engstes Umfeld eine realistischere Haltung gegenüber der Welt und ihren Realitäten entwickeln. Wozu sonst führen die Vertreter eben dieses engsten Umfelds jetzt diese verantwortungsvollen Verhandlungen in Washington?


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини у Маямі: головне | Віталій
Портников. 09.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 09.10.2026.
Originalsprache: uk
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Worauf hofft Putin? | Vitaly Portnikov. 05.10.2026.

На що сподівається Путін. Vitaly Portnikov. 05.10.2026.

Auf die Frage, worauf Putin nach viereinhalb Jahren des russisch-ukrainischen Krieges eigentlich noch hofft – in einer Situation, in der seine Truppen, die in den ersten Monaten nach dem Angriff zumindest das gesamte Gebiet Donezk hätten erobern sollen (tatsächlich hätten sie es nach Putins Plan bereits 2014 erobern sollen), während die Sanktionen fortbestehen und die Ukraine begonnen hat, russische Erdölraffinerien anzugreifen –, gibt es eine klare und verständliche Antwort.

Putin setzt auf Angst.

Mit Angst zu handeln ist ein beliebtes politisches Mittel der Russen. Sie betreiben diesen Handel seit Jahrhunderten, wenn es darum geht, die eigenen Schwächen und Probleme zu verschleiern. Die „Potemkinschen Dörfer“ des kaiserlichen Günstlings Fürst Potemkin – Kulissensiedlungen aus Pappe, mit denen der Fürst gegenüber Katharina II. die mangelnde Entwicklung und die Korruption in den ukrainischen Gebieten zu rechtfertigen versuchte – sind für die ganze Welt längst zu einem der wichtigsten Symbole russischer Staatlichkeit geworden.

Doch das wichtigste russische „Potemkinsche Dorf“ ist die Angst vor Russland.

Putin hofft, dass die Ukrainer angesichts der Brände, die russische Angriffe auslösen, aus Angst kapitulieren und er dann überhaupt keine Armee mehr braucht, weil er die ganze Ukraine bereits in der Tasche hat. Putin hofft, dass die Europäer vor einem Krieg mit Russland Angst bekommen und für Politiker stimmen werden, die die Hilfe für die Ukraine einstellen, dafür aber erneut die Inbetriebnahme von Pipelines für russisches Gas vereinbaren.

Putin hofft, dass die Amerikaner immer einen Atomkonflikt mit Russland fürchten und deshalb im Umgang mit ihm ein äußerst vorsichtiges Verhalten wählen werden. Natürlich wird er Vertreter der amtierenden Administration mit Versprechungen gemeinsamer Geschäfte bei Laune halten, aber das Wichtigste ist für ihn, dass sie Angst haben. 

Genau deshalb treffen seine Raketen die Brücken von Kyiv – nicht, um sie zu zerstören, sondern um Angst zu verbreiten. Genau deshalb veranstalteten die Russen am Vorabend der Landtagswahlen in Deutschland, die mit einem triumphalen Wahlerfolg der rechtsextremen und noch dazu kremlfreundlichen ‚Alternative für Deutschland‘ endeten, in den östlichen Bundesländern eine regelrechte Serie von Sabotageakten. 

Genau deshalb warnen russische Propagandisten und sogar der Außenminister persönlich, Lawrow, vor einem „sehr kurzen Krieg“ mit Europa. Genau deshalb sprach Putin bei seinem jüngsten Auftritt auf einer Sitzung des Waldai-Diskussionsklubs bereits über einen Atomkrieg, als wäre er nahezu unvermeidlich – das richtet sich nun an die Amerikaner, wie ein Gewehr, das bereits auf der Bühne des politischen Theaters des russischen Präsidenten hängt.

Man muss anerkennen, dass Putin es versteht, mit Angst zu handeln. Die Russen haben dafür Tradition, Erfahrung und, was am wichtigsten ist, den Willen: Gerade in der allgegenwärtigen Angst um sie herum sehen sie die wahre Befriedigung. Machen Sie abends einen Spaziergang durch die Randbezirke irgendeines Nischni Tagil oder Tscherepowez, und Sie werden alles verstehen, ganz ohne meine Erklärungen.

Wenn wir Angst bekommen, werden wir verlieren, ganz gleich, wie unsere tatsächliche Lage und unsere Möglichkeiten aussehen. Genau darauf setzt er.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: На що сподівається Путін. Віталій Портников. 05.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 05.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Russland bedroht die Botschaften in Kyiv | Vitaly Portnikov. 05.10.2026.

Im Kreml hat man begonnen, den Botschaften jener Länder offen zu drohen, die sich weiterhin in der ukrainischen Hauptstadt befinden.

Der Pressesprecher von Präsident Putin, Dmitri Peskow, betonte, dass das Außenministerium der Russischen Föderation und das Verteidigungsministerium des Landes ständig vor der Gefahr in Kyiv warnten, die endgültigen Entscheidungen jedoch von den Regierungen jener Länder getroffen werden müssten, deren Botschaften sich in der ukrainischen Hauptstadt befinden.

Über diese Drohungen sollte man sich meiner Ansicht nach nicht wundern. Denn wir verstehen, dass der Beschuss Kyivs für Russland nicht nur einen militärisch-technischen, sondern vor allem einen psychologischen Zweck hat.

Die russische Armee kann an der Front nicht jene Ergebnisse erzielen, die Präsident Putin bereits 2022 vorgesehen hatte. Und das ist keine Übertreibung, denn aus Sicht des Kremls hätten die russischen Streitkräfte bereits im Frühjahr 2022 die Kontrolle über das gesamte Gebiet der Oblast Donezk erlangen sollen.

Jetzt ist Ende 2026, und es ist offensichtlich, dass es den russischen Truppen nicht gelingen wird, diese Aufgabe ihres Oberbefehlshabers zu erfüllen. An bestimmten Frontabschnitten ziehen sie sich sogar zurück.

Was kann Russland diesem offensichtlichen Scheitern seiner militärischen Pläne entgegensetzen? Nur die Einschüchterung der Ukrainer und Angriffe auf das Hinterland. Das ist, so kann man sagen, der letzte Trumpf des blutrünstigen russischen Präsidenten: die Ukrainer davon zu überzeugen, dass sie vor Russland kapitulieren müssen, selbst in einer Situation, in der die russische Armee nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen kann.

Und aus dieser Sicht wäre die Verlegung der Botschaften, so glaubt man in Moskau, ein wichtiger psychologischer Sieg über die Ukrainer.

Wir alle erinnern uns an das Jahr 2022. Damals ging man im Westen davon aus, dass Kyiv im Falle eines Angriffs der Russischen Föderation von den Besatzungstruppen eingenommen und dort ein Marionettenregime der Agenten russischer Geheimdienste Viktor Janukowytsch und Viktor Medwedtschuk errichtet werden würde.

Schon damals wurden die Botschaften entweder nach Lwiw oder sogar nach Polen verlegt. So kamen etwa die Diplomaten der Vereinigten Staaten nur tagsüber nach Lwiw, übernachteten aber in Polen. Nach diesem oder einem ähnlichen Schema arbeiteten auch die Vertreter der diplomatischen Vertretungen anderer westlicher Länder. Von den Leitern der diplomatischen Vertretungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union und der NATO blieb damals nur der polnische Botschafter in Kyiv.

Damit wurde demonstriert, dass man in den westlichen Hauptstädten die Möglichkeit einer Einnahme der ukrainischen Hauptstadt durch russische Truppen und den Übergang eines erheblichen Teils des ukrainischen Territoriums unter die Kontrolle der Besatzungstruppen und einer illegitimen Marionettenregierung für möglich hielt, deren Zusammensetzung bereits in Putins Büro festgelegt worden war.

Diese Erwartungen erwiesen sich als völlig unbegründet. Und seit diesem Zeitpunkt sind das Ansehen des russischen Staates und der russischen Armee buchstäblich zerstört. Russland begann seinen Einfluss sowohl in der Welt als auch im postsowjetischen Raum zu verlieren.

Einen Teil seines Einflusses konnte Putin erst dank des Sieges des Republikaners Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten und der Rückkehr des Milliardärs ins Weiße Haus wiederherstellen. Gerade dank Trumps Hilfe durchbricht Putin seine diplomatische Isolation. Und bei ihm entsteht die Hoffnung, nun auch seine alten Pläne hinsichtlich der Ukraine wieder aufnehmen zu können.

Doch wie wir verstehen, reichen Trumps Sympathien für seinen russischen Amtskollegen allein nicht aus. Wichtig ist auch, dass die russischen Streitkräfte eine tatsächliche Wirksamkeit zeigen.

Was bleibt also in einer Situation, in der die westlichen Länder ihre Unterstützung für die Ukraine nicht einstellen und die Administration der Vereinigten Staaten keine offenen Vereinbarungen mit dem selbstverliebten russischen Herrscher treffen kann?

Es bleibt, Kyiv und andere ukrainische Städte zu terrorisieren. Es bleibt, Zivilisten zu Opfern zu machen. Es bleibt, so zu handeln, wie die Russen im Laufe der Jahrhunderte der schändlichen Geschichte ihres imperialistischen und menschenverachtenden Staates gehandelt haben.

Damit diese Handlungen jedoch überzeugend wirken, muss man natürlich auch im Westen wieder an die russische Macht glauben und zu jener Angst zurückkehren, die 2022 in den westlichen Hauptstädten herrschte, als Politiker bereits davon ausgingen, dass man sich von der ukrainischen Staatlichkeit verabschieden müsse. Und sie sagten dies den ukrainischen Politikern und Ministern, die sich damals mit ihren westlichen Amtskollegen trafen, beinahe ganz offen.

Die Verlegung der Botschaften wäre gerade für den psychologischen Druck ein gewichtiger Faktor. In der Praxis würde sie allerdings nicht viel verändern.

Nun, was hat die Verlegung der Botschaften aus der ukrainischen Hauptstadt im Jahr 2022 verändert? Wie hat sie den russischen Unmenschen geholfen, Kyiv zu erreichen und die Kontrolle über die ukrainische Hauptstadt zu übernehmen? Wie hat sie ihnen geholfen, all jene Operationen durchzuführen, die bereits im fernen Jahr 2014 in Putins Büro geplant worden waren? Wie hat sie ihnen geholfen, die Kontrolle über das gesamte Gebiet der leidgeprüften Regionen Donezk und Luhansk zu erlangen, die für die russischen Truppen bei ihren Versuchen, ukrainisches Territorium zu besetzen, zu einem regelrechten Erprobungsfeld geworden sind?

In Wirklichkeit hat sich nichts Wesentliches verändert. Verändert hat sich lediglich die psychologische Wahrnehmung der Realität. Und genau diese psychologische Wahrnehmung der Realität wurde zerstört, als die Russen aus der Umgebung von Kyiv und anderen Städten im Norden unseres Landes flohen.

Selbst wenn man sich also vorstellen würde, dass die westlichen diplomatischen Vertretungen heute von Kyiv in andere Städte verlegt würden, würde dies an der Realität des Krieges wenig ändern, an unserer Wahrnehmung dieses Krieges jedoch sehr viel. Und das verstehen wir alle sehr gut.

Deshalb ist es natürlich sehr wichtig, dass man sich in den westlichen Hauptstädten über das Ziel des russischen Präsidenten realistisch im Klaren ist. Sowohl wenn er von der Fortsetzung des Beschusses von Kyiv und anderen ukrainischen Städten spricht, ohne auch nur noch seinen Wunsch zu verbergen, zivile Objekte zu beschießen und friedliche Stadtbewohner zu töten, als auch wenn der Pressesprecher des russischen Präsidenten seinen ehemaligen Kollegen inzwischen ganz unverhohlen droht.

Vielleicht haben Sie vergessen, dass Peskow eigentlich kein professioneller Propagandist, sondern Berufsdiplomat ist und Putin einst gerade in dieser Eigenschaft kennenlernte, als er in der russischen Botschaft in der Türkei arbeitete und dem russischen Präsidenten durch seine Bereitschaft gefiel, jeden, selbst den niederträchtigsten Auftrag auszuführen.

Und nun droht ein ehemaliger Diplomat Diplomaten mit Mord und Tod. Das unterstreicht noch einmal die ganze Amoralität sowohl des Landes, das gegen uns Krieg führt, als auch jener Menschen, die dieses Land regieren und bereit sind, jeder Laune ihres verrohten Diktators nachzugeben, der mit dem Tempo des Vormarsches seiner Armee und damit unzufrieden ist, dass seine geopolitischen Pläne nicht verwirklicht werden.

Doch die Zeit vergeht, und das Imperium in jenem Ausmaß, von dem Putin und andere Tschekisten träumten, lässt sich nicht mehr wiederherstellen. Und die Schuldigen an diesem Scheitern der Pläne des Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion und des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation sind nicht etwa sie selbst, Menschen, die mit blutbefleckten Händen in der Vergangenheit verharren, sondern die Zivilbevölkerung von Kyiv und westliche Diplomaten, die lediglich ihre beruflichen Pflichten in der Hauptstadt eines europäischen Staates erfüllen. Eine bestechende Logik, muss man schon sagen.


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Titel des Originals: Росія погрожує посольствам у Києві | Віталій Портников. 05.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 05.10.2026.
Originalsprache: uk
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Neue Äußerungen Lawrows: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 27.09.2026.

Der Leiter des russischen Außenministeriums, Sergej Lawrow, trat nach Abschluss der hochrangigen Woche der Sitzung der UN-Generalversammlung vor die Journalisten und erinnerte an die außenpolitischen Positionen der Russischen Föderation, die keinen Zweifel daran lassen, dass der Kreml nicht nur seine harte Haltung gegenüber der Ukraine nicht ändert, sondern auch nach Möglichkeiten sucht, sich mit Washington darauf zu verständigen, dass gerade die Ukraine-Frage aus dem Kontext der russisch-amerikanischen Beziehungen herausgenommen wird, weil sie deren Entwicklung behindert.

Genau darüber sprach Lawrow auf seiner Pressekonferenz. Genau davon versuchen offenbar sowohl russische Beamte als auch Präsident Putin selbst Donald Trumps Vertreter Steve Witkoff und Jared Kushner zu überzeugen. Und nun wissen wir, dass diese These – die These, dass Putin und Trump einfach aufhören sollten, über die Ukraine zu sprechen – aus Sicht des Kremls zu einer zentralen Richtung in den Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten wird.

Gleichzeitig betont Lawrow, dass Moskau bereit sei, zu dem zurückzukehren, was man in Russland als die Vereinbarungen von Anchorage bezeichnet. Obwohl in Wirklichkeit alle wissen, dass beim Treffen von Donald Trump und Putin in Alaska keinerlei konkrete Vereinbarungen erzielt wurden. Obwohl gerade Außenminister Marco Rubio vom Fehlen solcher Vereinbarungen gesprochen hat. Obwohl amerikanische Vertreter wiederholt betont haben, dass selbst die Suche nach einer Verständigung, die in Alaska unternommen wurde, inzwischen nicht mehr aktuell sei, weil sie nicht den Vorstellungen der Ukraine entspreche.

Lawrow und andere russische Beamte berufen sich ständig auf das, was sie früher als den „Geist von Anchorage“ bezeichneten und nun als die „Vereinbarungen von Anchorage“ bezeichnen, obwohl niemand weder das eine noch das andere finden kann. Und so können wir von einer weiteren bewussten Verzögerung bei der Suche nach Wegen zur Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine mit dem Ziel einer Beendigung des Krieges sprechen.

Und gerade die mangelnde Bereitschaft, nach solchen Möglichkeiten zu suchen, zeigt sich darin, dass Lawrow nicht einmal auf die Warnungen eingeht, die ausländische Partner Moskaus etwa hinsichtlich der faktischen Zerstörung der Möglichkeiten zur Lieferung ukrainischer Agrarprodukte in die Länder des Globalen Südens aussprechen.

Wenn Lawrow darauf hingewiesen wird, dass eine solche Blockade ukrainischen Getreides zu Hunger in der Welt führen werde, antwortet er lediglich, für die entstandene Situation im Schwarzen Meer seien die sogenannten ukrainischen Terroristen verantwortlich. Das heißt, wie wir verstehen, beabsichtigt Russland keinerlei Anstrengungen zu unternehmen, um Bedingungen für die Freigabe der Seewege durch das Schwarze Meer zu schaffen. Und die Position seiner Partner aus den Ländern des Globalen Südens sowie die Katastrophe, die im kommenden Jahr in diesen Ländern beginnen könnte, interessieren Putin und Lawrow überhaupt nicht.

Ein weiteres wichtiges Thema sind die Beziehungen zwischen der Russischen Föderation und den europäischen Ländern. Ein Thema, das auch vor dem Hintergrund des ersten Treffens der Außenminister Russlands und Deutschlands seit vier Jahren, das am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung stattfand, wieder aktuell geworden ist.

Wir haben keinerlei positive Reaktion des russischen Ministers darauf gesehen, dass es Moskau erneut gelungen ist, jene internationale Isolation zu durchbrechen, in die Russland infolge seines Angriffs auf die Ukraine geraten ist. Vielleicht gerade deshalb, weil Russland mit seiner heutigen Neuausrichtung der Außenpolitik nach Osten, auf China und Indien, diese Isolation im Westen nicht sonderlich kümmert. Zu einer Verständigung zwischen dem russischen und dem deutschen Minister kam es nicht, was Lawrow auf seiner Pressekonferenz ausdrücklich hervorhob. Er sagte, man hätte einfach mit ihm telefonieren und auf diese Weise vermeiden können, seine kostbare Zeit zu verschwenden.

Am beunruhigendsten ist jedoch Lawrows These, dass die Vorbereitungen europäischer Länder auf einen möglichen Angriff der Russischen Föderation zu einer Prophezeiung werden könnten, die sich selbst erfüllt. Genau so charakterisierte Lawrow die Befürchtungen der europäischen Nachbarn der Russischen Föderation, Putins aggressives Land könnte einen Krieg gegen sie beginnen.

Und das ist natürlich bereits eine offene und eindeutige Drohung, wenn im selben Zusammenhang einerseits versichert wird, Russland beabsichtige nicht, europäische Länder anzugreifen, und andererseits erklärt wird, ihre Befürchtungen vor einem Krieg mit Russland könnten zu einer Prophezeiung werden, die sich von selbst erfüllt. Man muss nicht erklären, worauf sich der Kreml in seinen Beziehungen zu den Ländern der Europäischen Union tatsächlich vorbereitet.

Das ist eine sehr wichtige Äußerung des russischen Außenministers, die ich an der Stelle unserer europäischen Nachbarn sehr ernst nehmen würde, denn wir verstehen sehr gut, dass der Leiter des russischen Außenministeriums solche Aussagen nicht einfach so macht und dass die These, die Europäer bereiteten sich auf einen Krieg vor, der gerade deshalb stattfinden könnte, weil sie versuchen, sich zu schützen, sehr stark an Russlands Vorbereitung auf den Krieg gegen die Ukraine erinnert. Damals wurde auch uns vorgeworfen, dass wir versuchten, uns vor einer möglichen russischen Aggression zu schützen – nach der Annexion der Krim und dem Beginn des nicht erklärten Krieges Russlands gegen die Ukraine im Donbas.

Und natürlich ist hier noch die Tatsache von Bedeutung, dass Lawrow den europäischen Ländern weiterhin vorwirft, der Ukraine zu helfen. Er betont, dass sie der Ukraine keine Waffen übergeben sollten, die sie in vielen Ländern der Welt kaufen, betont, dass Europa Russland gegenüber immer feindseliger eingestellt sei und dass europäische Politiker die Friedensbemühungen der Administration von Präsident Donald Trump im russisch-ukrainischen Krieg behinderten.

Das heißt, ein weiterer Versuch, Europäer und Amerikaner wieder auseinanderzubringen und gegeneinander aufzubringen, Donald Trump und seine Vertreter davon zu überzeugen, dass gerade die europäische Unterstützung der Ukraine einen Friedensschluss verhindere. Und auch das ist ein sehr wichtiger Teil der russischen Taktik, die darauf abzielt, der Ukraine diese für unseren Widerstand gegen die russische Aggression so dringend benötigte Hilfe zu entziehen.

Die Pressekonferenz des Leiters des russischen Außenministeriums am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung würde ich daher nicht einfach als eine Ansammlung propagandistischer Klischees bezeichnen. Wir haben uns davon überzeugen können, dass wir es mit einer zunehmend aggressiveren Haltung zu tun haben – nicht nur gegenüber der Ukraine, sondern auch gegenüber den Ländern des europäischen Kontinents.

Und dabei kann es natürlich nicht nur um den Wunsch gehen, Washington und die europäischen Staats- und Regierungschefs gegeneinander aufzubringen, nicht nur um den Versuch, weitere Hilfe für die Ukraine zu verhindern, sondern auch um den Versuch, vor neuen Wahlzyklen in europäischen Ländern jene politischen Kräfte in Europa zu unterstützen, die auf eine Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation setzen.

Das könnte zu einer durchaus aktuellen Aufgabe für den Kreml werden. Und Lawrow beginnt bei seinem Treffen mit den Journalisten bereits, sich an all diesen künftigen europäischen Wahlkämpfen zu beteiligen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Нові заяви Лаврова: головне | Віталій
Портников. 27.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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uebersetzungenzuukraine.data.blog
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