Amerikanische M1-Abrams-Panzer bei einer Militärparade in Polen. Foto: Artur Widak/NurPhoto via Getty Images
In Warschau versucht man die Folgen der faktisch gescheiterten Rotation amerikanischer Truppen in Polen zu minimieren. Präsident Karol Nawrocki telefonierte mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump, nach Warschau reist der stellvertretende Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs der US-Streitkräfte, General Christopher Mahoney, und die Führung des polnischen Verteidigungsministeriums fährt ins Pentagon.
Das Wichtigste ist: Sowohl in Warschau als auch in Washington versucht man so zu tun, als sei nichts Außergewöhnliches geschehen, als handle es sich um routinemäßige Maßnahmen und als sei der Brief, in dem über die Absage der Rotation informiert wurde, einfach in irgendeinem geheimen Postfach liegen geblieben. All das wirkt ziemlich unbeholfen.
Praktisch offensichtlich ist, dass US-Verteidigungsminister Pete Hegseth beschlossen hat, die amerikanische Präsenz in Polen zu reduzieren. Und nicht nur in Polen – die amerikanische Präsenz in Europa insgesamt.
In Polen wird dies besonders schmerzhaft wahrgenommen, weil das Land stets Anspruch auf die Rolle des wichtigsten Verbündeten der Vereinigten Staaten erhob, und der frühere Präsident Andrzej Duda sogar plante, während Donald Trumps erster Amtszeit im Oval Office einen amerikanischen Stützpunkt im Land nach Trump zu benennen.
Und natürlich fühlt sich Polen – im Unterschied zu seinen westlichen Nachbarn – buchstäblich an der Frontlinie des russisch-ukrainischen Krieges. Deshalb hätte man auf eine aufmerksamere Haltung des Pentagons hoffen können.
Aber genau darin liegt der entscheidende Punkt: Im Pentagon möchte man nicht, dass die Vereinigten Staaten an dieser Frontlinie präsent sind, und versucht, Donald Trumps bizarre Idee umzusetzen, wonach der Krieg durch eine Verringerung der westlichen Präsenz und der amerikanischen Beteiligung beendet werden könne.
Deshalb könnten die Kürzungen gerade in Polen begonnen haben.
Es lohnt sich daran zu erinnern, dass Ende 2021, als in Russland bereits mit Hochdruck die Vorbereitungen für den Krieg gegen die Ukraine liefen, das Außenministerium der Russischen Föderation an das US-Außenministerium sowie an die Außenministerien anderer NATO-Mitgliedstaaten ein Schreiben verschickte, in dem sogenannte Sicherheitsgarantien für Russland gefordert wurden.
Dabei ging es nicht nur um das Versprechen, dass ehemalige Sowjetrepubliken – vor allem die Ukraine und Georgien – niemals Mitglieder der NATO werden würden, sondern auch um den Abzug moderner Waffensysteme aus den Gebieten jener Länder, die dem Bündnis nach 1997 beigetreten waren.
Im Grunde verlangte Präsident Putin von Washington die Wiederherstellung der russischen Einflusssphäre in Form der Einflusssphäre der ehemaligen Sowjetunion vor 1991.
Damals stimmte die amerikanische Regierung diesen dreisten Forderungen natürlich nicht zu, schlug Moskau jedoch vor, Verhandlungen über Sicherheitsgarantien in Mittel- und Osteuropa aufzunehmen.
Doch manchmal entsteht der Eindruck, dass Trump, wenn er sagt, unter seiner Präsidentschaft hätte der russisch-ukrainische Krieg niemals begonnen, damit meint, dass er Putins Forderungen gerne erfüllt hätte.
Die jetzige Idee mit der abgesagten Rotation könnte schlicht ein Schritt in die vorgegebene Richtung sein – in Richtung jener „Sicherheitsgarantien“, die Moskau bereits 2021 von Washington verlangt hatte.
Im Pentagon könnte man der Ansicht sein, dass die amerikanische Position dadurch nicht geschwächt, sondern im Gegenteil gestärkt werde – weil die Trump-Administration Bereitschaft demonstriert, Putins Wünschen entgegenzukommen, und dieser deshalb den Krieg beenden könne, indem er seine geopolitischen Ambitionen ohne aktive Kampfhandlungen befriedigt.
Natürlich kann man fragen: Wo bleiben dabei die Interessen der Ukraine, die Interessen Polens und die Interessen Europas?
Aber genau darin besteht das Wesen der gegenwärtigen Situation: Donald Trump interessieren weder die Interessen der Ukraine noch die Interessen Europas insgesamt – weil er überzeugt ist, dass diese Interessen in keinerlei Zusammenhang mit den nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten stehen.
Die Sicherheitsinteressen der USA bestehen seiner Ansicht nach vielmehr in einem besseren Einvernehmen mit Putin und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping sowie natürlich darin, diese beiden strategischen Partner voneinander zu trennen – obwohl diese keinerlei Anstalten machen, sich den Träumen des amerikanischen Präsidenten zuliebe voneinander zu lösen.
Und die Administration ist bereit, die Interessen der Europäer ihren unrealistischen Erwartungen zu opfern – nicht nur rhetorisch, sondern auch ganz konkret bei der Zahl der Soldaten, die in Europa stationiert bleiben sollen, und bei den Summen, die sie für die Sicherheit nicht nur der Ukraine, sondern auch ihrer Verbündeten im Nordatlantischen Bündnis bereitzustellen bereit ist.
Wenn man die Situation um die Rotation aus dieser Perspektive betrachtet, wirkt das Geschehen keineswegs chaotisch – sondern vollkommen logisch.
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Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Логіка і хаос відступу. Віталій Портников. 19.05.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung / Entstehung:19.05.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:Zeitung Link zum Originaltext:
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Unser heutiges Gespräch wird der ErklärungPutins gewidmet sein, die jetzt so aktiv in den Medien und in den sozialen Netzwerken diskutiert wird. Man spricht darüber, dass der russische Präsident angeblich davon gesprochen habe, dass das Ende des Krieges schon nahe sei. Und was bedeutet das? Putins Verständnis der Tatsache, dass die Sache sich dem Finale dieses aggressiven Krieges nähert, den er 2014 gegen unser Land begonnen hat und der 2022 in einen großen Krieg überging?
Absolut offensichtlich ist die Tatsache, dass Putins Erklärung in Wirklichkeit vor allem darauf gerichtet ist, eine entsprechende Reaktion in der russischen öffentlichen Meinung zu erzeugen, denn Putin muss die eigene Gesellschaft beruhigen. Und natürlich ist es auch ein weiterer Versuch, in den Beziehungen zum Westen Zeit zu gewinnen. Putin hat überhaupt eine solche Taktik. Er tritt gern als konstruktiver Anhänger des Friedens auf und setzt gleichzeitig den Krieg fort.
Und auch jetzt, wenn man sich aufmerksam in Putins Signale hineinliest, müssen wir uns erstens die Frage beantworten: „Was ist für Putin das Ende des Krieges?“ Der russische Präsident ist angeblich von seiner Idee abgerückt, dass er sich mit dem ukrainischen Staatsoberhaupt Volodymyr Zelensky nur in Moskau treffen könne, und betonte, dass ein solches Treffen auch in der Ukraine und in einem anderen Land möglich sei. Aber die Präsidenten können sich nur treffen, um ein vollwertiges Friedensabkommen zu unterzeichnen.
Was dieses Friedensabkommen für Putin bedeuten würde, können wir aus denselben Worten bei seinem Treffen mit Journalisten verstehen, als er über Sicherheitsgarantien für Russland sprach und darüber, dass diese Sicherheitsgarantien natürlich bis an die westlichen Grenzen der Ukraine reichen müssten. Im Prinzip war das ein solcher Pass von ihm an einen Journalisten, der, wie wir verstehen, ganz und gar nicht zufällig die Frage nach diesen westlichen Grenzen stellte.
Man muss auch daran erinnern, dass gerade vor diesem Auftritt Putins sein Berater Yuri Ushakov betonte, dass die Russische Föderation den Verhandlungstisch der dreiseitigen Konsultationen mit der Ukraine und den Vereinigten Staaten verlässt und erst dann an diesen Verhandlungstisch zurückkehren wird, wenn die ukrainischen Truppen jenen Teil des Gebiets der Region Donezk verlassen, der heute von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert wird. Putin verriet bei diesem Treffen mit Journalisten in keiner Weise den Wunsch, diese Erklärung Ushakovs irgendwie zu widerlegen.
Und übrigens möchte ich Sie daran erinnern, dass in Ushakovs Erklärung und in den Erklärungen anderer russischer Beamter gerade von einer Aussetzung der Kriegshandlungen die Rede war und keineswegs von einer Beendigung des Krieges, falls ukrainische Truppen den Donbas verlassen. Das heißt, der Abzug ukrainischer Truppen aus dem Gebiet der Region Donezk ist nicht einmal eine Vorbedingung für das Ende des Krieges, sondern eine Vorbedingung für irgendeine vorübergehendeFeuerpause an der russisch-ukrainischen Front für weitere Friedensabkommen. Also, für die Schaffung, sagen wir, einer solchen Situation, wie wir sie heute in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran oder zwischen Israel und der terroristischen libanesischen Organisation Hisbollah beobachten, wenn ein Waffenstillstand zwar offiziell gilt, aber jederzeit in einen neuen großen Krieg umschlagen kann.
Nur wird unser Unterschied darin bestehen, dass wir in dem Moment, in dem dieser große Krieg wieder beginnt, keine Kontrolle über die Region Donezk mehr haben werden. Und auch das ist eine absolut offensichtliche Tatsache von Putins Interesse.
Dann versucht Putin in demselben Gespräch, irgendwelche neuen Plattformen für Verhandlungen zu schaffen, irgendwelche neuen Vermittler zu suchen. Dass er den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder erwähnte, einen der wenigen westlichen Politiker, der weiterhin Kontakte zum Kreml unterhielt, selbst um den Preis des eigenen Rufes und des Rufes seiner eigenen Partei, der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, die er einst führte und für die er für das Amt des deutschen Regierungschefs kandidierte, erinnert uns noch einmal daran, dass Putin sich in seinen Vorstellungen von Außenpolitik weiterhin, ich würde sagen, vom KonzeptMedvedchuk leiten lässt.
In jedem solchen Land, mit dem Putin Verhandlungen führen will, muss es seinen eigenen Medvedchuk geben, der nicht so sehr für eine Vermittlungsmission bereit ist, sondern für die Erfüllung der Launen des Kremls. Und genau einen solchen Menschen nimmt Putin als Vermittler bei Verhandlungen mit jenen wahr, die ihm irgendeinen Verhandlungsprozess anbieten.
Also haben wir es in Wirklichkeit nicht so sehr mit einer Erklärung über das Ende des Krieges zu tun, sondern mit einer Erklärung darüber, wie Putin dessen weitere Fortsetzung sieht und wie er möchte, dass dieser Krieg ihm auf die eine oder andere Weise bei der Schaffung seines eigenen totalitären Regimes auf dem Territorium Russlands und der von ihm besetzten Gebiete hilft.
Und das ist eine absolut verständliche Tatsache, die man, wie mir scheint, berücksichtigen muss, wenn wir diese oder andere Erklärungen Putins kommentieren. Mir scheint, dass wir sehr oft in den Erklärungen des russischen Präsidenten nicht das sehen wollen, was Putin wirklich sagen möchte, sondern das, was wir von ihm hören wollen. Und Putin nutzt das übrigens als erfahrener Provokateur zweifellos aus und formuliert diese Erklärungen gerade so, dass diejenigen, die sich von seiner Friedfertigkeit überzeugen wollen, genau das tun werden, wenn sie die eine oder andere Pressekonferenz des russischen Präsidenten kommentieren.
Wenn Putin also im Prinzip von einem realen Ende des Krieges spricht, steht dahinter keinerlei reale Konkretheit. Die Konkretheit besteht darin, dass Russland den Verhandlungsprozess mit der Ukraine und den Vereinigten Staaten im Grunde ausgesetzt hat. Die Konkretheit besteht darin, dass Russland den Europäern vorschlägt, Schröder zu benutzen, wenn sie wirklich über etwas mit der Russischen Föderation sprechen wollen. All das ist die reale Konkretheit, über die gesprochen werden muss, wenn wir Putins Erklärungen diskutieren. Und genau das ist das reale Problem in unserem Verständnis dessen, was der Kreml will.
Ich habe das übrigens an jener Reaktion bemerkt, die es auf andere Worte Putins bei dieser Pressekonferenz gab, auf Reaktionen im Zusammenhang damit, dass Putin sagte, Russland habe bisher keine ukrainischen Vorschläge zum Austausch gesehen, dass Russland der Ukraine eine Liste mit 500 seiner Bürger übermittelt habe, die ausgetauscht werden sollten, die Ukraine aber von den Radaren verschwunden sei. Und wieder sah ich in sozialen Netzwerken und in den Medien Erklärungen, dass Putin nun den Austausch platzen lassen wolle. Und dass dies seine Reaktion auf diesen scherzhaften Erlass Zelenskys sei, mit dem der ukrainische Präsident die Durchführung der Parade auf dem Roten Platz in der russischen Hauptstadt erlaubte, also seinen Truppen befahl, die Parade nicht zu beschießen. Obwohl wir verstehen, dass dieser Erlass keinerlei konkreten Inhalt hatte, nachdem die Ukraine faktisch gezwungen war, um den amerikanischen Präsidenten Donald Trump nicht zu reizen, diesem dreitägigen Waffenstillstand zuzustimmen. Und damit war nicht nur das Quadrat des Roten Platzes, sondern das gesamte Territorium der Russischen Föderation für diese drei Tage für Handlungen der ukrainischen Streitkräfte nicht zugänglich. Nun, wenn wir real darüber sprechen, wozu wir uns verpflichtet haben.
Aber ich habe schon gesagt, dass ich selbst von der Reaktion der Russen auf diesen scherzhaften Erlass verblüfft war, der noch einmal jenen tiefen Minderwertigkeitskomplex und jene tiefe Verachtung gegenüber der Ukraine als einem Nicht-Staat zeigte, die sich bei Russen in einer solchen Situation immer äußert. Für mich wurde das zu einem weiteren Anzeichen dafür, dass die Ukraine als Staat für Russland nicht existiert, und nicht nur für Putin. Und dass sich jedes Mal, wenn der Präsident der Ukraine die Russen verspottet, diese gerade darüber beleidigt zeigen, dass „irgendein Führer einer aufständischen Provinz, der unserem großen Zaren nicht einmal ebenbürtig ist, sich erlaubt zu scherzen. Was für ein Schrecken! Man muss es ihnen heimzahlen.“
Aber man sollte nicht denken, dass Putin sich über solche Dinge beleidigt und in einem solchen beleidigten Zustand irgendeine Entscheidung trifft. Diese ewige ukrainische Idee, dass man Putin beleidigen kann und er als Antwort irgendetwas zu tun beginnt, ist faktisch, wenn Sie so wollen, eine Spiegelung ukrainischer Handlungen in Bezug auf die reaktive, reale Reaktion auf die Handlungen Moskaus.
Und ich spreche ständig darüber. Die Ukraine hat faktisch eine reaktiveStaatsgeschichte. Jede Entscheidung der Ukraine, die mit ihrer Souveränität, mit ihrer Zukunft verbunden ist, ist immer eine Reaktion auf die Handlungen Moskaus, beginnend mit 1917, entschuldigen Sie, und endend mit 2022.
Erinnern Sie sich einfach daran, wann die Ukrainer die Ukrainische Volksrepublik ausriefen, wann sie ihre Autonomie ausriefen, wann sie ihre Unabhängigkeit ausriefen, wann die Werchowna Rada der Ukrainischen SSR die Erklärung über die Souveränität verkündete, wann die Werchowna Rada der Ukraine den Akt über die Unabhängigkeit verkündete, wann die Ukrainer die Wichtigkeit der europäischen Integration begriffen, wann die Ukrainer mehrheitlich begannen, die euroatlantische Integration zu unterstützen. Wann russische Namen von ukrainischen Straßen zu verschwinden begannen, wann Ukrainer in dieser Situation begannen, auf die russische Sprache und Kultur zu verzichten, und so weiter, und so weiter, und so weiter. Und überall werden Sie sehen, dass dies Reaktionen auf entsprechende Handlungen Moskaus sind, auf die Februarrevolution, auf den Oktoberumsturz, auf Tuzla, auf die russische Reaktion auf den ersten Maidan, auf die Annexion der Krim, auf den Krieg im Donbas, auf den großen Krieg.
Und man hätte immer fragen können: „Und wenn die Russen anders gehandelt hätten, wie hätten dann die Ukrainer reagiert?“ Erinnern Sie sich, dass wir heute am 10. Mai miteinander sprechen; allein die Diskussion darüber, an welchem Mai man den Tag des Sieges im Zweiten Weltkrieg begehen soll, am achten, wie die ganze Welt, oder am neunten, wie die Sowjetunion und das heutige Russland, wurde in unserer Gesellschaft jahrzehntelang geführt. Und der 8. Mai siegte nur deshalb, weil Russland uns angegriffen hat. 2022 war die Krim bereits besetzt, im Donbas ging bereits der Krieg, russische Soldaten töteten bereits Ukrainer, aber der überwiegende Teil der Gesellschaft hielt an russischen, an sowjetischen Markern fest. Es musste so weit kommen, dass Raketen in die Wohnungen der Ukrainer flogen, damit sie sich schließlich entschieden, dass der 8. Mai ihnen mehr zusagt als der neunte. Und selbst das ist noch nicht die Meinung der gesamten Gesellschaft. Es gibt noch Teile, die noch solche Handlungen, solche Explosionen, solche Morde und solche Verbrechen brauchen, um sich davon zu überzeugen, dass es sich lohnen würde zu reagieren.
Warum erinnere ich Sie an all das als an ein Bild einer reaktiven Gesellschaft? Das ist das normale Erbe jeder kolonialen Nation. Die Ukrainer sind zu meinem großen Bedauern eine koloniale Nation, weil Russland nicht so ist und Putin nicht so ist. Ein Imperium ist ein initiativer Aggressor.
Haben Sie keine Angst, Putin zu beleidigen. Nehmen Sie seine Handlungen, die Handlungen der Russen, nicht als Ihre eigenen wahr. Wenn die Russen und Putin auf Geschichte, auf die Handlungen des Gegners so reagieren würden, wie die Ukrainer reagieren, wären auch sie eine koloniale Nation und keine imperiale aggressive Nation, bereit, alles um sich herum unter sich zu begraben und zu zerstören.
Nein, Zelenskys Erlass mag Ihnen gefallen oder nicht gefallen, aber Putin reagiert nicht darauf. Putin trifft einfach Entscheidungen, die mit einer konkreten Situation verbunden sind. Wenn er wirklich die Idee hat, den Gefangenenaustausch zu sprengen, dann wird er ihn ohne irgendwelche Erlasse Zelenskys sprengen.
Aber mir scheint, dass das aus einem einfachen Grund, den man ebenfalls verstehen muss, keine sehr reale Sache ist: Dieser Austausch ist kein russisch-ukrainischer Austausch. Es ist ein Austausch, der mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, abgestimmt wurde. Und wenn Putin diesen Austausch verweigert, wird er vor allem den Präsidenten der Vereinigten Staaten hereinlegen. Ich glaube nicht, dass er bereit ist, diesen Schritt zu gehen. Deshalb scheint es mir gerade, dass dieser Austausch höchstwahrscheinlich stattfinden wird. Ich hoffe darauf. Und dafür braucht es einfach noch eine gewisse Zeit.
Russland wird den Vereinigten Staaten seine ganze Konstruktivität gegenüber deren Vereinbarungen demonstrieren müssen, denn andernfalls wird Putin in den nächsten Kriegsperioden keine Möglichkeiten haben – und wir verstehen, dass wir noch an der Schwelle der nächsten Perioden eines erschöpfenden Krieges stehen –, sich an Trump um Unterstützung zu wenden, sagen wir, falls es nötig sein sollte, die nächste Siegesparade durchzuführen. Denn auch der 9. Mai 2027 wird kommen. Und der Krieg kann zu dieser Zeit mit nicht geringerer, sondern sogar größerer Intensität weitergehen. Und das Territorium Russlands kann angesichts der Entwicklung der Situation 2027 und 2028 für Beschuss durch ukrainische Truppen noch zugänglicher sein als 2026. Und wenn Putin diese Tendenz versteht, kann er sich wirklich Sorgen darüber machen, inwieweit dieser amerikanische Präsident bereit sein wird, ihm entgegenzukommen.
2029, und auch das ist eine absolut wahrscheinliche Zeit des russisch-ukrainischen Krieges, wird er bereits über den nächsten Präsidenten nachdenken müssen. Deshalb kann er Trump 2028 leicht hereinlegen, aber nicht 2026. Und auch das ist absolut verständlich.
Putin musste während dieser Pressekonferenz auch eine solche, ich würde sagen, Tatsache schaffen, dass der Krieg sich dem Ende nähert, weil der Westen eine Niederlage erleidet. Auch das war eine solche bewusste Spiegelung der Situation. „Sie haben Monate damit verbracht zu warten, bis Russland eine vernichtende Niederlage erleidet, bis seine Staatlichkeit fällt. Das hat nicht funktioniert. Und dann blieben sie in diesem Rhythmus stecken und können jetzt nicht mehr daraus herauskommen“, sagte Putin.
Und jetzt ersetzen Sie in diesem Zitat das Wort Russland durch das Wort Ukraine. „Russland hat Monate damit verbracht zu warten, bis die Ukraine eine vernichtende Niederlage erleidet, bis ihre Staatlichkeit fällt. Das hat nicht funktioniert, und dann blieben sie in diesem Rhythmus stecken und können jetzt nicht mehr daraus herauskommen.“ Das ist ein genaues Bild jener Situation, in der sich die russische politische und militärische Führung im fünften Jahr des großen Krieges gegen den Nachbarstaat befindet. Aber Putin, wie wir sehen, extrapoliert diese Situation nicht auf sich selbst, sondern auf den Westen.
Und wir könnten ebenfalls sagen, dass das eine riesige Katastrophe ist, dass er die Realität nicht so sieht. Ich aber denke, dass man dem positiv gegenüberstehen sollte, weil er begreift, dass Russland dem Westen gegenübersteht, dass die Konfliktpartei nicht die Ukraine ist, die man erledigen, der man das Geld entziehen kann und so weiter, sondern der Westen, der bereit ist, der Ukraine zu helfen, der bereits Geld bereitgestellt hat und das weiter tun kann.
Übrigens wissen Sie, dass der neue Ministerpräsident der Niederlande, darüber wollte ich gerade sprechen, betont hat, dass er die Verhandlungen über die Übergabe eingefrorener russischer Vermögenswerte an die Ukraine wieder aktivieren wird. Im vergangenen Jahr wurde diese Geschichte mit den eingefrorenen russischen Vermögenswerten, die der Ukraine übergeben werden sollten, damit unser Land seinen Haushalt für die weiteren Jahre des russisch-ukrainischen Krieges ausgleichen kann, faktisch blockiert. Die Vermögenswerte blieben dort, wo sie sich befinden, dank energischen Drucks nicht aus Moskau, sondern aus Washington. Und im Ergebnis stellte die Europäische Union der Ukraine Geld aus eigenen Reserven bereit. Das ist das, was tatsächlich geschah.
Aber in dieser Zeit sind Veränderungen eingetreten, an die auch Putin denken muss. Erstens ist das eine erhebliche geopolitische Schwächung von Präsident Trump und seiner Administration. Und ich denke, infolge des Krieges in Iran, der keineswegs beendet ist, infolge der Energie- und Wirtschaftskrise in der Welt, die weitergehen und mit ihren Schlägen neue und neue Länder erfassen und ernste Probleme für die Vereinigten Staaten selbst schaffen werden, sieht Trumps geopolitischer Druck jetzt ganz anders aus als in dem Moment, als die Frage der eingefrorenen russischen Vermögenswerte diskutiert wurde.
Und Trumps Gewicht wird ebenfalls mit jedem Tag abnehmen. Und wenn der amerikanische Präsident sich mit einer Niederlage seiner Partei bei den Kongresswahlen konfrontiert sehen und zumindest das Repräsentantenhaus verlieren sollte, obwohl ich denke, dass infolge der vernichtenden wirtschaftlichen und energetischen Krise in Amerika die Republikaner auch den Senat verlieren können, wird Präsident Trump vor unseren Augen von einem selbstbewussten Herrn des Landes zu einer lahmen Ente werden, die in ständiger Konfrontation mit dem Kongress feststecken und kein einziges ihrer Gesetze durch den Kongress bringen können wird.
Und die Europäer bereiten sich darauf vor. Und sie wünschen sich genau so einen Trump, hinkend, machtlos, unfähig, die euroatlantische Solidarität loszuwerden, in Erwartung eines neuen Präsidenten, der einen völlig anderen politischen Kurs einschlagen könnte.
Es gibt keinen Viktor Orbán mehr, einen der wichtigsten Spieler des Kremls auf der europäischen politischen Bühne, einen Menschen, der mit Freude jede russische Laune erfüllte, wie wir wissen, sogar indem er russische Oligarchen bediente. Gestern wurde Péter Magyar zum neuen Ministerpräsidenten Ungarns gewählt, und Viktor Orbán, beschämt und politisch geschwächt, erschien nicht einmal zur feierlichen Sitzung des ungarischen Parlaments, während der der Schlusspunkt unter seine schändliche politische Karriere gesetzt wurde, die Ungarn entkräftete.
Das alles sind neue Realitäten für die Europäische Union, wie wir verstehen, völlig neue. Und in diesen Realitäten kann man wieder zu den Verhandlungen über die Bereitstellung eingefrorener russischer Vermögenswerte für die Ukraine zurückkehren. Und das ist viel realistischer als das Auftreten Gerhard Schröders in der Rolle eines Vermittlers bei Verhandlungen mit den Europäern.
Aber es gibt noch eine wichtige Tatsache, die meiner Meinung nach gerade gezeigt hat, dass sich Vladimir Putins Position nicht geändert hat. Und diese Tatsache ist nicht mit der Ukraine verbunden, sie ist mit einem anderen Land verbunden, sie ist mit Armenien verbunden. Als Putin auf Fragen antwortete, sagte er, Armenien – es ging um die europäische Wahl dieses Landes – könne alles tun, was es wolle. Und wenn sie entscheiden, dass sie bereit sind, der Europäischen Union beizutreten, können sie der Europäischen Union beitreten, aber dafür müssten sie ein Referendum abhalten. Und zugleich sagte Putin eine ziemlich interessante Sache, wie mir scheint, nämlich dass man „sich daran erinnern muss, womit in der Ukraine alles begonnen hat“.
Nun, in der Ukraine hat damit eben nicht alles begonnen. Die Aggression Russlands gegen die Ukraine begann gerade im Zusammenhang mit der europäischenWahl unseres Staates. Wir müssen uns daran erinnern, wie all das geschah. Und übrigens geschah das synchron mit Armenien. Damals, im Jahr 2013, trifft Putin sich mit zwei Präsidenten: dem Präsidenten der Ukraine Viktor Janukowytsch und dem Präsidenten Armeniens Serzh Sargsyan. Die Treffen mit Sargsyan fand öffentlich statt. Mit Janukowytsch gab es mehrere geheime Treffen. Und nach diesem Treffen verzichtete Serzh Sargsyan, ohne sich auch nur mit den Mitgliedern seiner eigenen Delegation, mit seiner eigenen Regierung, mit seinem eigenen Parlament zu beraten, bei einem Treffen mit den Russen auf die Unterzeichnung des bereits fertigen Assoziierungsabkommens Armeniens mit der Europäischen Union, das im Prinzip sehr an jenes Abkommen erinnerte, das die Ukraine jetzt hat, das 2013 von Moldau und Georgien unterzeichnet wurde, und wählt den Weg der eurasischen Integration. Und viele meinen, dass Putin Sargsyan wie auch Janukowytsch einschüchterte, unter anderem mit dem Verlust armenischer Positionen rund um Bergkarabach. Und möglicherweise konnte er ihn wie auch Janukowytsch mit irgendeinem individuellen Druck einschüchtern. Nennen wir es so.
Janukowytsch handelte ungefähr so, aber nicht ganz so. Er verzichtete nicht persönlich auf das Assoziierungsabkommen, sondern beauftragte die Regierung unter Führung von Mykola Asarow, auf die sofortige Unterzeichnung dieses Abkommens bis zu seiner weiteren Prüfung zu verzichten. Auf dem Gipfel der Europäischen Union in Vilnius setzte Janukowytsch seine Unterschrift nicht unter das Abkommen und berief sich auf diese Regierungsentscheidung. Und gerade das löste Ende 2013 Massenproteste in der Ukraine aus, die in den zweiten Maidan, in die RevolutionderWürde, in den Zusammenbruch des Janukowytsch-Regimes übergingen.
Und vor dem Hintergrund dieses Zusammenbruchs wurde, wie bekannt, das Abkommen über die EuropäischeAssoziationderUkraine in zwei Etappen unterzeichnet. Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk unterzeichnete einen Teil. Später unterzeichnete der neu gewählte Präsident Petro Poroschenko den zweiten Teil, und es begann bereits in vollem Umfang zu wirken. Aber in der Ukraine gab es, wie bekannt, keinen inneren Konflikt um das Abkommen über die Europäische Assoziation. Das Abkommen über die europäische Assoziation wurde von der Partei der Regionen der Ukraine unterstützt. Ihre jungen Aktivisten zerstreuten Kundgebungen der Kommunisten, der Gegner dieses Abkommens, die sehr klein waren. Sowohl die Partei der Regionen als auch die demokratische Opposition, die Parteien Batkiwschtschyna, UDAR und Swoboda, unterstützten die Idee der Europäischen Assoziation.
Was also begann in der Ukraine? Die russischeAggressiongegendieUkraine begann in dem Moment, als Putin begriff, dass der europäische Weg der Ukraine unvermeidlich ist. Und dass die einzige Möglichkeit, diesen Weg zu verhindern, darin besteht, das Territorium des Nachbarlandes zu besetzen oder ihm, wie 2022 entschieden wurde, ein Marionettenregime aufzuzwingen.
Im Grunde ist das also eine direkte Drohung an Armenien. „Ihr könnt natürlich ein Referendum abhalten, und ihr könnt euch bei diesem Referendum sogar wie die Ukrainer für den Weg der Europäischen Assoziation aussprechen. Aber vergesst nicht, dass wir euch danach angreifen können.“ Das ist natürlich schwieriger mit Armenien als mit der Ukraine, weil Armenien zu seinem großen Glück keine gemeinsamen Grenzen mit Russland hat. Aber auf dem Territorium Armeniens befinden sich derzeit russische Truppen. Man muss sie nicht einmal dorthin einführen. Russland kann andere Einflusshebel nutzen, versuchen, erneut einen Krieg im Südkaukasus zu schaffen. Das ist von ihm zu erwarten.
Aber gerade die Haltung zur Idee der europäischen Integration, nicht der euroatlantischen, ich möchte das betonen, sondern der europäischen, als etwas unglaublich Gefährlichem für das Land selbst, das nach Europa geht, sagt meiner Meinung nach bereits viel aus und sagt uns zumindest, dass Putin in Wirklichkeit von keiner seiner Vorstellungen darüber abgerückt ist, wie sich die Situation im postsowjetischen Raum entwickeln soll. Und genau auf die Fortsetzung dieser Vorstellung müssen wir vorbereitet sein.
Ich werde auf einige Fragen antworten, die in dieser Sendung gestellt wurden.
Zuschauer: Von diesem Öl gibt es auf der Welt doch im Überfluss, was ist da schon Russland, wenn man die Selbstkosten berücksichtigt. Ruhm der Ukraine! Ruhm den Helden!
Portnikov: Öl gibt es auf der Welt tatsächlich sehr viel, aber im Zusammenhang mit der Blockade der Straße von Hormus und mit der amerikanischen Blockade des iranischen Öls ist der Ölpreis in der Welt bereits um 30 Prozent gestiegen. Und es gibt ein 20-prozentiges Öldefizit. Das sind Zahlen. In dieser Situation wird die Rolle der Länder, die Öl außerhalb der Straße von Hormus liefern, natürlich wachsen. Deshalb nennen praktisch alle nüchtern denkenden Beobachter das Putin-Regime den Hauptbegünstigten des Nahostkrieges. Das ist objektive Realität. Die Einnahmen des russischen Haushalts wachsen. Und hier wird alles natürlich nicht nur davon abhängen, wie sich die Situation im Nahen Osten entwickelt – Spoiler: Sie wird sich schlecht entwickeln –, sondern davon, inwieweit es den Streitkräften der Ukraine gelingt, die Ölhäfen und die ölverarbeitende Industrie der Russischen Föderation zu zerstören. Wenn solche Anstrengungen nicht ausreichend effektiv sind, wird Russland seinen Haushalt für weitere Jahre des Krieges gegen die Ukraine füllen. Das ist eine objektive Realität, der wir in den 20er Jahren und vielleicht auch in den 30er Jahren des 21. Jahrhunderts begegnen werden. Alles hängt also von den Streitkräften der Ukraine und von Ihrer Unterstützung für die Streitkräfte der Ukraine ab.
Zuschauer: Souveränität und territoriale Integrität der Grenzen der Ukraine von 1991. Alles andere ist die Kapitulation der Ukraine.
Portnikov: Ich stimme Ihnen absolut zu, dass die Wiederherstellung jeglicher Gerechtigkeit mit der Rückkehr der Ukraine zu ihren Grenzen von 1991 verbunden sein muss. Aber damit das Wirklichkeit wird, muss man ausreichende militärische, technische, demografische Möglichkeiten haben. Man muss sagen, dass die Ukraine weder 2014 noch 2022 noch 2026 solche Möglichkeiten hatte. Und wiederum, wenn Sie diese Realität nicht berücksichtigen, wird sie Sie unweigerlich einholen und Sie werden sich ihr stellen müssen. Ich bin absolut überzeugt, dass nicht nur die Ukraine, sondern die gesamte zivilisierte Welt an der Wiederherstellung der Grenzen der Ukraine zum Zeitpunkt der Verkündung ihrer Unabhängigkeit interessiert sein muss, weil dies mit dem Triumph des Völkerrechts selbst verbunden ist. Zugleich bin ich überzeugt, dass das weltweite Völkerrecht bereits zerstört ist und wir in den nächsten kriegerischen Jahrzehnten nicht zu ihm zurückkehren werden. Und ich halte es für möglich, dass viele Länder, die heute in der Welt existieren, ihre Grenzen verlieren werden.
Und Sie müssen klar verstehen, dass die Welt des 20. Jahrhunderts für immer beendet ist. Wir hatten einfach Glück mit diesen friedlichen Jahrzehnten. Jetzt ist die Zeit kriegerischer Jahrzehnte, schwarzer, schrecklicher und entsetzlicher, nicht nur für die Ukraine. Glauben Sie mir, dass die Krise Realität unseres Lebens in den 20er bis mindestens 50er Jahren des 21. Jahrhunderts sein wird. Warten Sie nicht auf das, was es in Ihrem Leben nie wieder geben wird: Frieden als Norm.
Und wenn Sie mich fragen: „Und wie überlebt man?“ Nun, nicht alle werden überleben, wie Sie verstehen, aber diejenigen, die überleben können, und es werden nicht so viele sein, müssen eine einfache Sache begreifen. Es gibt zwei nahöstliche Formeln. Die erste sind lange Kriege mit kurzem Frieden. Das ist die Situation, in der wir jetzt leben. Und sie ist schrecklich. Denn lange Kriege mit kurzem Frieden erschöpfen die Wirtschaft, vernichten die Bevölkerung und bringen solche Völker wie das ukrainische, und übrigens auch solche Völker wie das russische, an den Rand einer echten demografischen Katastrophe ohne Chancen auf Wiederherstellung. Ich denke übrigens, dass die demografische Katastrophe des russischen Volkes, ich spreche sogar von ethnischen Russen, viel gravierender und gefährlicher für sie sein wird als die demografische Katastrophe des ukrainischen Volkes. Wir können schon beginnen, uns zu verabschieden.
Aber es gibt eine andere, positivere Variante, wenn auch keineswegs eine solche, mit der wir leben wollten, sondern jene Variante, mit der der Nahe Osten bis zum 7. Oktober 2023 lebte, bis zum Angriff der Hamas auf Israel: langer Frieden mit kurzen Kriegen. Wenn es uns irgendwann gelingt, ich weiß nicht, wann das sein wird, zur Variante langer Frieden mit kurzen Kriegen zu kommen, wird das unsere größte Errungenschaft für die nächsten Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts sein.
Aber Gott bewahre Sie davor, dauerhaften Frieden dadurch zu wünschen, dass man alles zurückerobert, was man vom Standpunkt der Gerechtigkeit aus zurückerobern könnte. Dann werden Sie in die nächste Periode langer Kriege und kurzen Friedens stürzen. Die Wahl ist nur diese: kurze Kriege, langer Frieden oder lange Kriege, kurzer Frieden. Zwei Varianten. Eine dritte Variante des Friedens liegt nicht auf dem Tisch. Auf dem Tisch Ihres Schicksals fehlt sie. Suchen Sie nicht ständig die schwarze Katze des dauerhaften Friedens im dunklen Raum des Krieges. Das ist, was ich Ihnen sagen möchte. Begreifen Sie das endlich. Leben Sie nicht in Märchen und Illusionen. Versuchen Sie gemeinsam mit nüchtern denkenden Menschen in der ganzen Welt, zu einer solchen Periode in Europa zu gelangen: kurze Kriege, langer Frieden.
Wie macht man das? Ich sage Ihnen, wie. Man muss ein starker Staat sein. Ein starker Staat ist wirklich das, was sich langen Frieden leisten kann, selbst wenn er neben einem Aggressor liegt. Ein starker Staat ist der Staat, den man vielleicht nicht fürchtet anzugreifen, mit dem man aber nicht lange Krieg führen will. Ein solcher Staat, wie Israel es im Nahen Osten seit der Verkündung seiner Unabhängigkeit und dem Sieg im Unabhängigkeitskrieg war. Das ist das Modell, das meiner Meinung nach für diese Situation maßgeblich sein sollte.
Frage: Herr Vitaly, hat es Sie nicht gereizt, wie man bei uns zu Beginn des Krieges von unbekannten Drohnen über Russland sprach, als schäme man sich der eigenen Fähigkeit, es anzugreifen? Wann werden wir diese Mentalität der Unterwürfigkeit endlich los?
Portnikov: Mich hat das unglaublich gereizt, aber ich glaube, dass es nicht mit unserer Mentalität der Unterwürfigkeit verbunden war, sondern mit unserem Unwillen, unsere Verbündeten zu erschrecken. Hier muss man noch eine weitere Frage stellen. Nicht die Frage, wann aus den Ukrainern ihr koloniales Erbe und dieses Gefühl der Unterwürfigkeit gegenüber Russland los wird, wie man Russland angreifen kann. Sondern wann Europa und die Vereinigten Staaten die Angst vor Russland los wird. Das ist die Hauptfrage. Wir wollten sie wirklich nicht mit unseren Schlägen reizen.
Und hier muss man eine wichtige Sache sagen: In diesem Verständnis haben wir bereits eine große Distanz gemeinsam mit ihnen zurückgelegt. Und jetzt, da nicht nur das geopolitische Gewicht Russlands, sondern auch das geopolitische Gewicht der Vereinigten Staaten abnimmt, verändert das im Prinzip die gesamte Weltpolitik.
Als klar wurde, dass man das Territorium nuklearer Staaten, die theoretisch in einigen Stunden die gesamte Menschheit vernichten können, angreifen kann und nichts Fatalistisches geschieht. Das Territorium Russlands, amerikanische Basen. Dann verändert das die gesamte Konfiguration der Konfrontation in der Welt vollständig. Auch diese Frage ist absolut verständlich.
Dann die Frage: Warum in der Ukraine bleiben?
Portnikov: Nun, mir schien, dass man in der Ukraine bleiben muss, um sie zu verteidigen und wiederaufzubauen. Dass die Ukraine der einzige Ort auf der Erde ist, an dem ein Ukrainer Ukrainer sein kann. Sie können Ihr Kind vor dem Krieg wegbringen, aber vergessen Sie nicht, dass dieses Kind, und höchstwahrscheinlich zumindest seine Kinder, niemals mehr Ukrainer sein werden. Sie setzen einen Schlusspunkt unter die Existenz des ukrainischen Volkes. Natürlich behält irgendjemand dort seine Identität, aber, wie Sie verstehen, bei weitem nicht alle.
Aber das Wichtigste ist etwas anderes. Wie können Sie genau wissen, dass Sie in ein Land kommen, in das eines schönen Tages keine feindliche Rakete fliegen wird? Wo haben Sie eine Garantie? Haben Sie irgendeinen Spiegel, in dem Sie die Zukunft sehen? Nein, diesen Spiegel haben Sie nicht. Fragen Sie die Menschen, die gezwungen waren, ihre Wohnungen in Dubai zu verlassen, weil sie sie am sichersten Ort gekauft hatten, neben der amerikanischen Basis. Oder in Bahrain. Wo befinden sie sich jetzt? Dem Schicksal entkommt man nicht. Der Krieg wird Sie einholen und vernichten. So sehr Sie auch vor ihm weglaufen, wenn dies ein solches Schicksal ist. So sieht das 21. Jahrhundert aus. Wenn Sie als Mensch überzeugt sind, dass man aus gefährlichem Gebiet so schnell wie möglich verschwinden muss, dann können Sie Ihren Tod dort finden, wo Sie glauben, dass Sie die größte Sicherheit erwartet.
Ich glaube, dass ein Mensch ein Land verlassen sollte, wenn die Gefahr über ihm persönlich schwebt. Und ich selbst habe, wie Sie wissen, eine solche Entscheidung während des Maidan 2013–2014 getroffen, als ich genau wusste, dass ich persönlich liquidiert werden könnte, weil dies Teil einer Operation russischer und ukrainischer Sonderdienste war. Und Sie erinnern sich, wie Menschen im Wald zusammengeschlagen wurden, wie man Jagd auf sie machte, wie Titushky zu meiner Wohnung kamen. Das war Realität. Ich wollte mich nicht wie eine Ratte verstecken. Und deshalb fuhr ich für einige Wochen nach Polen, um das laut zu sagen. Und ich hoffe, dass ich damals viele Pläne gegen meine Kollegen durchkreuzt habe, die bereits auf den Tischen all dieser Janukowytschs und Bortnikows lagen.
Aber wenn eine kollektive Gefahr über dir schwebt, eine Gefahr über deinem Land und deinem Volk, wirst du nirgendwohin fliehen. Selbst deine Flucht kann sich als völlig nutzlos erweisen. Das bedeutet nicht, dass Menschen, wenn sie die Möglichkeit haben, sich auf dem Territorium anderer Länder zu verwirklichen, in zwei Ländern zu leben, sich verschiedene Möglichkeiten zu schaffen, das nicht tun sollten. Davon spreche ich nicht einmal. Aber wenn Sie sich entscheiden irgendwohin zu fliehen, denken Sie nicht, dass es so leicht ist, einen Ort zu wählen, an dem es Ihnen ganz sicher behaglich sein wird.
Ganz zu schweigen davon, dass Sie sehr oft in Länder fahren, für deren Geschichte und geopolitische Lage Sie sich einfach nicht interessieren. Sie wissen einfach, dass es dort gut ist, dass einem dort ganz ordentlich geholfen wird und dass es gute Gehälter gibt. Sie fahren in irgendein Australien, und dann stellt sich heraus, dass es in fünf oder sechs Jahren zur Arena einer Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und China werden kann. Das wird lustig. Und ich mache übrigens keinen Scherz. Also ist das alles absolut real.
Zuschauer: Das Ende unseres Krieges bei Erhalt der Staatlichkeit der Ukraine wird die westliche Welt zur stabilen Demokratie zurückführen.
Portnikov: Ich kann das nicht garantieren im Zusammenhang mit der Stärkung, ich würde sagen, rechtspopulistischer und linkspopulistischer Tendenzen, die in dieser Welt existieren. Für die Demokratie, wie die jüngsten Ereignisse in der Welt der letzten Jahrzehnte gezeigt haben, muss man kämpfen. Sie ist selbst für entwickelte Länder mit entwickelter Demokratie nicht automatisch.
Früher erklärten wir all diese Ereignisse, die wir etwa bei Wahlen in der Ukraine beobachteten, immer mit der Unreife der ukrainischen Demokratie, damit, dass die Ukrainer erst 1991 begonnen hatten, Demokratie zu lernen, und keine solche Erfahrung hatten. Und was ist mit Mitteleuropa? Nun, es hatte auch keine Demokratie. Nun, Orbán, nun, das ist ja klar. Wann begann in Ungarn überhaupt die demokratische Entwicklung? In Wirklichkeit 1991. Davor war Ungarn mal unter den Kommunisten, mal unter dem Szálasi-Regime, mal unter dem Horthy-Regime, und davor kommt bereits Österreich-Ungarn. Eine ganz alte Periode.
Nun, und die Vereinigten Staaten? Sie waren doch die ganze Zeit eine Demokratie, und die Briten stimmten für den Brexit. Jetzt raufen sie sich die Haare. Sie hatten doch immer eine so große Demokratie. Vielleicht verändert sich einfach etwas in der Welt? Und auch darüber muss man absolut konkret sprechen.
Also, wie Sie verstehen, werde ich Ihnen nicht garantieren, dass der ukrainische Sieg im Sinne der Bewahrung unseres Staates und unserer Souveränität ein zwingender Sieg der Demokratie ist. Ich werde Sie nicht täuschen. Die Demokratie wird im 21. Jahrhundert einen schwierigen Weg der Verteidigung durchlaufen müssen.
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Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Путін заговорив про „закінчення“ війни | Віталій Портников. 10.05.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung / Entstehung:10.05.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
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Das Pentagon hat den Abzug von 5.000 amerikanischen Soldaten aus Deutschland bestätigt, was einer Brigade entspricht – vor dem Hintergrund eines öffentlichen Streits zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und dem deutschen Bundeskanzler, Friedrich Merz, der es gewagt hatte, Zweifel an der Wirksamkeit des amerikanischen Ansatzes im Krieg mit Iran zu äußern.
Zuvor hatte die US-Regierung die Entscheidung aufgehoben, eine weitere Brigade der amerikanischen Armee in Deutschland zu stationieren – zusätzlich zu den bereits dort befindlichen Truppen. Damit sinkt die Zahl der in Europa stationierten amerikanischen Soldaten auf das Niveau von 2022, also auf den Stand vor der russischen Invasion in die Ukraine.
Man muss verstehen, dass es sich hier keineswegs nur um einen Streit zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem deutschen Bundeskanzler handelt. Zwar hat Donald Trump vermutlich die scharfen Äußerungen von Friedrich Merz als Vorwand genutzt, um die Truppenstärke in Europa zu reduzieren. Tatsächlich aber haben wir es höchstwahrscheinlich mit dem Bestreben der amerikanischen Regierung zu tun, dem russischen Präsidenten Vladimir Putin entgegenzukommen und zu demonstrieren, dass die Vereinigten Staaten Russland nicht als reale Bedrohung betrachten und bereit sind, ihre militärische Präsenz in Europa zu verringern, um so den Sicherheitsbedenken des Kremls Rechnung zu tragen.
Und das ist, wie wir wissen, ernst zu nehmen. Es entspricht jener Strategie der Beziehungen zu Putin, die Trump unmittelbar nach seiner Rückkehr ins Oval Office zu gestalten versucht hat. Vor dem Hintergrund der Ablehnung weiterer Hilfe für die Ukraine – selbst ein Programm über lediglich 400 Millionen US-Dollar wurde inzwischen aus dem Entwurf des neuen amerikanischen Militärhaushalts gestrichen – zeigt dies erneut den Wunsch des amerikanischen Präsidenten, dem Kreml die neue amerikanische Politik gegenüber Europa deutlich zu machen.
Man kann sagen, dass Donald Trump Europa Russland überlässt. Und das ist keineswegs übertrieben. Allein die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten bereit sind, die Zahl ihrer Soldaten in Europa auf das Niveau von 2022 zu reduzieren – und übrigens hat niemand gesagt, dass diese Reduzierung nicht fortgesetzt wird, da Trump auch die Möglichkeit erwägt, amerikanische Truppen aus Italien und Spanien abzuziehen –, zeigt, dass die Verteidigung des europäischen Kontinents für die Vereinigten Staaten keine Priorität mehr ist. Mehr noch: Die Regierung unter Donald Trump scheint nicht zu begreifen, dass zur Aufrechterhaltung der geopolitischen Rolle Amerikas auch ein ausreichendes militärisches Kontingent in Europa und eigene Militärbasen notwendig sind. Ohne eine solche Präsenz werden die Vereinigten Staaten natürlich sowohl gegenüber der Russischen Föderation als auch gegenüber der Volksrepublik China an Einfluss verlieren.
Es bleibt daher die wichtigste Frage, warum Donald Trump all dies tut: Versteht er wirklich nicht, dass seine Maßnahmen zum Abzug amerikanischer Truppen aus Europa den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten widersprechen? Oder ist er so sehr von der Möglichkeit neuer Beziehungen zum Kreml fasziniert, dass er diese nationalen Interessen einfach außer Acht lässt?
Wie dem auch sei, wir sehen, dass der amerikanische Präsident von bloßen Drohungen zu realen Maßnahmen übergeht. Und es wird für seinen Nachfolger sehr schwierig sein, nicht nur die amerikanische Präsenz in Europa wiederherzustellen, sondern auch das Vertrauen der europäischen Verbündeten in die Vereinigten Staaten.
Man könnte sagen, dass die Präsenz der Vereinigten Staaten in Europa angesichts der Aufrüstung der europäischen Staaten selbst nicht mehr so entscheidend ist. Doch das ist eine Illusion. Es geht nicht nur um die Anzahl der Truppen oder die Existenz von Militärbasen. Es geht um ein Land, das über ein Atomwaffenarsenal verfügt, das praktisch dem der Russischen Föderation entspricht. Genau darin liegt der Kern der europäischen Sicherheit: dass die Vereinigten Staaten auf dem europäischen Kontinent als nukleare Macht mit Russland konkurrieren können.
Ja, die europäischen Staaten können aufrüsten, sie können ihre Streitkräfte vergrößern. All dies mag schon bald geschehen. Doch die Russische Föderation wird weiterhin – gemeinsam mit den Vereinigten Staaten – die größte Atommacht der Welt bleiben. Und selbst Veränderungen in der modernen Kriegsführung werden diese unbestreitbare Tatsache nicht aufheben.
Die Befürchtung, dass es niemanden geben könnte, der Europa schützt, könnte sowohl die Außenpolitik der europäischen Staaten als auch die Stimmung der Wähler verändern, die nach jemandem suchen werden, der mit Putin verhandelt. Ebenso könnte dies die Absichten der russischen Führung beeinflussen, die erkennen und daran glauben wird, dass die Vereinigten Staaten nicht mehr bereit sind, Kräfte und Ressourcen für die Unterstützung Europas aufzuwenden – Europa also praktisch sich selbst überlassen.
So werden die verantwortungslosen Handlungen des amerikanischen Präsidenten – ganz gleich, ob sie durch den Wunsch motiviert sind, Putin zu gefallen, oder durch persönliche Kränkungen gegenüber Merz oder Meloni – zwangsläufig zu äußerst gefährlichen Konsequenzen führen, sowohl für die europäischen Staaten als auch, ohne jeden Zweifel, für die Vereinigten Staaten selbst. Und natürlich werden sie sich leider auch auf den weiteren Verlauf des russisch-ukrainischen Krieges auswirken. Denn der Abzug amerikanischer Truppen aus Deutschland ist ein Signal an den Kreml – ein Signal, das auch die russische Position in diesem Krieg beeinflusst.
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Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Трамп залишає Європу Путіну | Віталій
Портников. 02.05.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung / Entstehung:02.05.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
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Amerikanische Medien betonen, dass man im Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten von der Erklärung von Donald Trump über einen möglichen Abzug amerikanischer Truppen aus Deutschland schockiert war.
Diese Erklärung kam völlig überraschend, denn in den Vereinigten Staaten gibt es keinerlei konkrete Pläne zur Reduzierung der militärischen Präsenz in diesem Land. Ein Abzug der US-Truppen aus Deutschland wäre heute ein schwerer logistischer Schlag für die amerikanische Armee selbst – umso mehr vor dem Hintergrund einer möglichen Fortsetzung des Krieges mit Iran.
Da stellt sich die Frage, warum Donald Trump überhaupt solche Aussagen macht. Die Antwort ist recht einfach: Der Präsident der Vereinigten Staaten versucht, den Bundeskanzler Friedrich Merz zu bestrafen, nachdem dieser es gewagt hatte, die Handlungen Donald Trumps im Krieg mit der Islamischen Republik zu kritisieren.
Der Bundeskanzler hatte darauf hingewiesen, dass die Vereinigten Staaten in diesen Krieg ohne ernsthafte Konsultationen mit ihren Verbündeten eingetreten seien, dass es keinen klaren strategischen Plan für die Fortsetzung des Krieges gebe und dass Iran die Verhandlungen recht geschickt führe und damit die Vereinigten Staaten demütige.
All das konnte dem amerikanischen Präsidenten natürlich nicht gefallen, der weiterhin darauf beharrt, dass in dem, was einige als Krieg bezeichnen – ich zitiere hier den Präsidenten selbst aus Gesprächen mit Journalisten – alles nach Plan verlaufe, dass die Amerikaner bereits einen militärischen Sieg errungen hätten und dass Trump sich lediglich wünschen würde, dass dieser Sieg größer ausfalle.
So versucht der Präsident der Vereinigten Staaten schlicht, die Tatsache zu verschleiern, dass praktisch keines der Ziele, mit denen dieser Krieg begründet wurde – die Zerstörung des iranischen Atomprogramms sowie seiner Möglichkeiten zu Raketenangriffen auf Israel und andere Länder des Nahen Ostens – erreicht worden ist. Stattdessen ist eine neue, nicht minder ernste Bedrohung entstanden: die Fortsetzung der Blockade der Straße von Hormus, die zu schwerwiegenden energie- und wirtschaftspolitischen Folgen für die ganze Welt führen kann – und zu einem echten politischen Fiasko für Donald Trump vor dem Hintergrund steigender Öl- und Treibstoffpreise in den Vereinigten Staaten. Man kann sagen, dass sich dies bereits jetzt abzeichnet.
Und Trump – wie jeder Führer, der nicht möchte, dass andere über die Realität sprechen – konnte die Erklärung von Merz nicht gefallen. Der amerikanische Präsident wartete einige Tage und begann dann, dem Bundeskanzler vorzuwerfen, er erfülle seine Aufgaben schlecht und hätte sich stärker mit der Situation in der Ukraine befassen können. Dabei wissen wir, dass gerade der deutsche Bundeskanzler – im Gegensatz zum Präsidenten der Vereinigten Staaten – auf eine Fortsetzung der Hilfe für die Ukraine drängt und auf den letzten Gipfeln der Europäischen Union ein echter Motor entsprechender Entscheidungen war.
Trump versucht jedoch offensichtlich, die derzeitige Unpopularität des Bundeskanzlers in Meinungsumfragen in Deutschland auszunutzen. Und möglicherweise auch, der rechtsextremen politischen Kraft Alternative für Deutschland zu helfen – im Rahmen der Unterstützung, die Donald Trump und sein Vizepräsident JD Vance ultrarechten politischen Kräften auf nahezu dem gesamten europäischen Kontinent gewähren.
Merz hat seine scharfen Einschätzungen zur Situation rund um den Krieg mit Iran inzwischen etwas korrigiert und ruft Teheran dazu auf, weitere Angriffe auf Israel und die Länder des Persischen Golfs einzustellen sowie auf die Möglichkeit des Besitzes von Atomwaffen zu verzichten. Doch kaum ist anzunehmen, dass diese Korrektur der Position des deutschen Bundeskanzlers Donald Trump zufriedenstellen wird.
Die wichtigste Frage ist, ob die Vereinigten Staaten tatsächlich bereit sind, ihre Truppen aus Deutschland – und nicht nur aus Deutschland – abzuziehen. Denn bei einer der letzten Begegnungen mit Journalisten wurde der Präsident der Vereinigten Staaten gefragt, ob er ebenso bereit sei, amerikanische Truppen auch aus Italien und Spanien abzuziehen. Trump antwortete darauf, dass auch dies in Betracht gezogen werden könne, da diese Länder den Vereinigten Staaten in ihrem Krieg mit Iran nicht helfen wollten und Spanien sich schlicht „schrecklich“ verhalten habe.
Doch die entscheidende Frage ist, wie sehr die Vereinigten Staaten selbst darauf angewiesen sind, ihre Truppen auf dem europäischen Kontinent zu stationieren. Eine nüchterne Analyse der globalen Lage zeigt, dass sowohl die europäischen Länder ein Interesse an der Fortsetzung der euro-atlantischen Solidarität und der Präsenz amerikanischer Truppen haben sollten, als auch die Vereinigten Staaten selbst aus rein logistischen Gründen Militärbasen in Europa benötigen – vorausgesetzt, sie wollen eine einflussreiche Supermacht bleiben, und zwar nicht nur auf dem europäischen Kontinent.
Die zentrale Frage ist, inwieweit Donald Trump selbst sich dessen bewusst ist. Inwieweit seine Bereitschaft, diejenigen zu bestrafen, die sich seinen Vorstellungen von der Realität nicht unterordnen – diejenigen, die das Recht ihrer Staaten auf Souveränität verteidigen und eigene Bewertungen der politischen Lage abgeben –, mit seiner Vorstellung davon vereinbar ist, wie sich die Beziehungen zu solchen Ländern und ihren Führern entwickeln sollten.
Am wichtigsten ist zu verstehen, ob Donald Trump die Abhängigkeit der Sicherheit der Vereinigten Staaten vom Konzept der europäischen und euro-atlantischen Solidarität begreift. Wenn man die Aussagen des amerikanischen Präsidenten nüchtern analysiert, erkennt man, dass er nicht nur politisch, sondern selbst geografisch kaum Grundkenntnisse hat – und möglicherweise nicht versteht, wie sich die Schließung der einen oder anderen Militärbasis in Europa, insbesondere der bekannten Basis Ramstein Air Base, auf die Verteidigungsfähigkeit der Vereinigten Staaten auswirken könnte.
Und noch eine wichtige Frage: Gibt es im Umfeld von Donald Trump überhaupt kompetente Fachleute, die dem amerikanischen Präsidenten die Risiken seiner wenig sachkundigen Entscheidungen erklären könnten – und dabei auch gehört werden? Wir verstehen sehr gut, dass die Hoffnungen auf den US-Verteidigungsminister Pete Hegseth eher gering sind.
Und damit stellt sich die Frage: Wer kann ernsthaft, kompetent und vor allem mit Autorität mit einem Menschen sprechen, der niemandem zuhört – außer sich selbst?
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Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Трамп шокує Пентагон і нападає на Мерца| Віталій Портников. 01.05.2026. Autor:[Name oder Kanal] Veröffentlichung / Entstehung:Vitaly Portnikov Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
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Portnikov. Russisches Taiwan. Und wie der Weg der russischen demokratischen Opposition in der Epoche des Krieges mit der Ukraine und des Vormarsches ultrarechter Kräfte gegen liberale Werte in der ganzen Welt aussehen könnte. Über all das werden wir mit unserem Gast des Kanals „Portnikov Argumente“, Garry Kasparov, sprechen. Guten Tag, Garry.
Kasparov. Ich begrüße Sie, Vitaly. Danke für die Einladung.
Portnikov. Danke, dass Sie zugestimmt haben, mit mir über, wie mir scheint, ziemlich wichtige Themen zu sprechen, die gerade in den letzten Tagen der Sichtweise, mit der Sie auftreten, noch mehr Aufmerksamkeit verschafft haben. Eben diese Idee des russischen Taiwan wird jetzt sehr lebhaft diskutiert, und zwar nicht nur in Kreisen der russischen Opposition, sie wird in der Ukraine diskutiert, sie wird im Westen diskutiert. Und immer entsteht die wichtigste Frage: Wie kann russisches Taiwan exterritorial sein? Nun, letzten Endes ist Taiwan selbst ein Territorium, das man, kann man sagen, den Kommunisten abgerungen hat, wohin die Volksbefreiungsarmee Chinas nicht gekommen ist, wo eine alternative Regierung gebildet wurde und letzten Endes ein echter Staat mit demokratischen Werten. Aber was ist russisches Taiwan ohne einen Tropfen russischer Erde, wenn Sie so wollen?
Kasparov. Nun, tatsächlich verstehe ich die Frage natürlich, sie ist absolut logisch, aber wir sprechen vorerst von einer Metapher. Tatsächlich habe ich die Wortverbindung „russisches Taiwan“ benutzt, um gerade diese Trennung festzuhalten, diese sehr wichtige Trennung, die in Wirklichkeit schon existiert; wieder habe ich Angst, Taiwan zu sagen, man kann auch freies Frankreich sagen, obwohl auch de Gaulle irgendein Territorium hatte,
Portnikov. Er hatte ein Territorium in den Kolonien, ja. Es gab eine territoriale Stütze.
Kasparov. Ja, es gab immer eine territoriale Stütze. Aber in diesem Fall haben wir es meines Erachtens mit einer Situation zu tun, die insgesamt eine unverzügliche Lösung verlangt, nämlich damit, dass bereits Hunderttausende Menschen, mindestens, faktisch aus dem russischen Rechtsraum herausgefallen sind. Ein Teil von ihnen befindet sich weiterhin gewissermaßen zwischen Himmel und Erde, ist nicht bereit, eine prinzipielle Position einzunehmen, aber ein ziemlich großer Teil, und dieser Teil wächst mit jedem Tag, ist der Ansicht, dass alle Verbindungen bereits abgebrochen sind und wir uns im Prinzip auf der Seite der Ukraine befinden. Wir nehmen, jeder so gut er kann, am Krieg teil, helfen. Nun, ich tue insgesamt, wie Sie wissen, ziemlich viel. Denn für uns ist dieser Krieg ein gemeinsamer Krieg. In Russland wird sich nichts ändern, solange die Ukraine nicht siegt. Deshalb müssen heute all unsere Ressourcen, all unsere Möglichkeiten auf die Unterstützung der Ukraine in diesem Krieg eingesetzt werden. Nun also, wie organisiert man diese Unterstützung maximal effektiv? Denn jene Bürger Russlands, die sich in diesem Zwischenraum rechtlicher Art befinden, können im Grunde nicht jenen Archimedischen Punkt finden. Bei mir ist mehr oder weniger alles in Ordnung, ich habe einen kroatischen Pass, ich bin Bürger der Europäischen Union. Aber in diesem Fall haben wir es mit Hunderttausenden Menschen zu tun, potenziell mit Millionen, die diesen Stützpunkt für sich nicht finden können. Und mir scheint, dass gerade die Anschaulichkeit der Idee von Taiwan die Aufmerksamkeit europäischer Politiker darauf lenken soll, dass wir hier eine doppelte Aufgabe lösen.
DieersteAufgabe ist, der Ukraine zu helfen, den Krieg zu gewinnen. Und hier ist dieses konzeptionelle Taiwan eine Möglichkeit, Probleme des travel document, Passprobleme, Probleme der Eröffnung von Bankkonten zu lösen. Das heißt, jenen Teil der russischen Gesellschaft heranzuziehen, der, meiner Meinung nach, und das ist offenkundig, natürlich die Beziehungen zu diesem Regime abbrechen möchte. Nun, wohin sollen diese Menschen im Prinzip gehen? Und jenen zu helfen, die schon hier sind, sich zu etablieren, und all das immer organisierter zu machen. Denn neben rein praktischen Fragen gibt es zum Beispiel noch so eine Frage. Wenn wir uns vorstellen, nun, fantasieren wir, dass die Idee des russischen Taiwan funktioniert hat und dort 100.000 russische Ingenieure, Computerfachleute und Finanziers, sehr wahrscheinlich werden gerade diese Leute in den Westen fliehen, beschlossen haben wegzugehen. Dann ist doch völlig offensichtlich, dass das den Kriegsverlauf beeinflussen wird, denn der Krieg wird im Prinzip auf drei Komponenten geführt.
DieersteKomponente ist die menschliche Kraft. Davon hat Putin vorerst genug, obwohl es auch da schon Unterbrechungen gibt. Diezweite sind Geldmittel. Mit dem Geld wird es schlechter, aber vorerst ist es insgesamt auch noch nicht zu Ende. Diedritte sind Köpfe. Der heutige Krieg ist in Wirklichkeit ein Krieg, in dem Köpfe eine immer größere Rolle spielen. Die Ukraine hat das auf glänzende Weise der ganzen Welt gezeigt. Und davon hat Putin viel weniger. Und wenn es gelingt, wenigstens einen Teil davon abzuziehen, dann ist dort jeder Ingenieur, jeder Computerfachmann, der weggegangen ist und Teil des russischen Taiwan geworden ist, minus eine bestimmte Menge von Raketen und Drohnen, die in die Ukraine fliegen, und vielleicht sogar die Herstellung von Drohnen und Raketen auf der anderen Seite. Das ist also, wie mir scheint, eine praktische Komponente.
Diezweite wichtige ist die ideologischeKomponente. Wiederum, Kriege werden ja auch ideologisch geführt. Putin hat für sich ein wichtiges Ergebnis erzielt. Er hat die russische Gesellschaft davon überzeugt, dass das ein Krieg gegen Russland ist, gegen ganz Russland. Ich werde hier keinen Streit darüber anfangen, wie viele Menschen ihn unterstützen oder nicht unterstützen. Ich, wie Sie wissen, distanziere mich überhaupt von jener russischen liberalen Opposition, die dort irgendwelche Proteste sucht. Aber es ist völlig offensichtlich, dass es eine gewisse Anzahl von Menschen gibt, denen das sehr missfällt. Doch heute können sie nirgendwohin gehen.
Diese westlichen Sanktionen treffen ja insgesamt auch jene, die diese Verbindungen abbrechen möchten. Das heißt, ich versuche, irgendein anschauliches Konzept zu finden, das den Westen zum Handeln zwingt, denn es gibt die gegenwärtige Frage, aber auch die Frage der Zukunft. In Wirklichkeit muss man auch damit rechnen: Wenn etwas geschieht, die Ukraine siegt – nun, wie werden dann die Veränderungen in Russland verlaufen? Nun, diese Fantasten vom schönen Russland der Zukunft erzählen, wie sie dort Prozesse führen werden. Das alles ist schön zu erzählen. Aber wer wird das machen? All diese heutigen Menschen – man könnte auch versuchen, einen Kern zu bilden, einen solchen Cluster von Menschen, die später vielleicht, sehr viel jüngere, nicht solche wie ich oder Chodorkowski vom Alter her, sondern die, die jetzt bereit sind, auf unsere Seite zu treten – vielleicht kann es gelingen, aus ihnen den Kern jener zu schaffen, die garantieren werden, dass sich Russland doch verändert.
Denn wir sprechen ja in Wirklichkeit von einer vollständigen Veränderung, einem vollständigen Verzicht auf diese traditionelle russische Matrix. Taiwan ist nicht einfach nur ein Konzept, es ist in Wirklichkeit der Verzicht auf Rechtsnachfolge. Russland wurde schließlich Rechtsnachfolger der UdSSR, mit allen daraus folgenden Konsequenzen. Die UdSSR wiederum, auch wenn man das abstritt, wurde Rechtsnachfolger des zaristischen Russland. Das heißt, diese imperiale Rechtsnachfolge reproduziert sich endlos in verschiedenen Variationen. Taiwan ist der Versuch, auch darauf zu verzichten. Ich verstehe, dass das idealistisch ist, selbstverständlich, und man wird darauf zeigen, dass es kein Territorium gibt. Aber letzten Endes, wenn es juristische Rechte gibt, nun ja, irgendeine Insel finden, ich weiß nicht, eine Insel mieten – ich denke, wir werden einen Ort finden. Die Frage ist doch nicht das Territorium, davon gibt es genug in der Welt. Die Frage stößt jetzt, wie man sagt, an die dokumentarische Anerkennung.
Portnikov. „Eine Insel mieten“ erinnert mich daran, dass Sie mit denen, die dieser Idee zustimmen, einfach eine zionistische Idee propagieren werden. Lassen Sie uns einen idealen Staat schaffen und ein Territorium dafür finden. Aber der Zionismus hatte zumindest ein historisches Territorium, man verstand, wohin man zurückkehren konnte.
Kasparov. Erinnern Sie sich, tatsächlich gab es Streit. Das Territorium gab es, aber dennoch wurde alles Mögliche diskutiert. Sogar Madagaskar.
Portnikov. Und Uganda.
Kasparov. In der Anfangsphase war Herzl bereit, verschiedenen Varianten zuzustimmen.
Portnikov. Aber wenn wir ernsthaft sprechen, gibt es noch eine solche Befürchtung. Mir scheint, dass unsere Generation so oder so unter verschiedenen Bedingungen aufgewachsen und geformt worden ist: unter den Bedingungen der Breschnew-Stagnation, unter den Bedingungen der Gorbatschow-Perestroika. Dann begannen die Jelzin-Jahre. Wenn man auf die heutigen jungen Menschen in Russland schaut – für sie ist Putin schon 26 Jahre Präsident, nun, mit einer Unterbrechung für Medwedew, was keine Bedeutung hat. Sechsundzwanzig Jahre Tschekisten-Regime, und davor einige Jahre späte Jelzin-Zeit, die man vor dem Hintergrund des Tschetschenien-Krieges, der Explosionen in der Metro, der Explosionen von Wohnhäusern und all dessen, was man will, auch schwerlich demokratisch nennen kann. Es ergibt sich, dass Menschen, die jetzt 30 bis 40 Jahre alt sind, kein anderes Russland als ein autoritäres überhaupt kennen. Das heißt, im Grunde ist das für sie ein Ticket in eine unbekannte Zukunft. Darin liegt die Sache.
Kasparov. Ich stimme zu. In Wirklichkeit ist das ein sehr wichtiger Punkt. Gerade eben haben Sie die Generationenfrage angesprochen. Auch ich denke darüber nach, bespreche das mit meinen Freunden, Kollegen. Erinnern Sie sich an die neunziger Jahre, an Gaidars Konzept, dass jetzt nichts gelingt, weil das die sowjetische Generation hätten Sowjetmentalität, und dass dann neue heranwachsen würden, die jetzt geboren werden.
Portnikov. Ja, so sage ich, wenn es um die Ukraine geht: Da werden schon neue Kinder geboren, die niemals die sowjetische Ukraine gesehen haben und sogar die prorussische Ukraine nicht gesehen haben. Ja.
Kasparov. Aber bei uns ist heute das Rückgrat dieser sogenannten speziellen Militäroperation, dieses aggressiven Krieges gegen die Ukraine, von Menschen gebildet, Bürgern Russlands, die schon entweder am Ende der Sowjetunion oder überhaupt nach ihrem Zerfall geboren wurden. Das heißt, das sind genau jene Generationen, sogar zwei kann man wohl schon sagen, die nach Meinung Gaidars und der Reformer dieses neue demokratische Russland hätten aufbauen sollen. Herausgekommen ist, was herausgekommen ist. Aber da erinnern wir uns an die neunziger Jahre, Sie haben das richtig gesagt. Sogar jene, die damals ins Leben eintraten, wurden doch sofort vergiftet von den „Liedern über das Wichtigste“. Bruder eins, Bruder zwei. In Wirklichkeit sind das nicht nur die späten Jelzin-Jahre; der Tschetschenien-Krieg begann 1994. Das Fenster der Möglichkeiten, um sich von der imperialen Vergangenheit in Russland zu befreien, war minimal. Ich denke, das waren tatsächlich die Jahre 1991 bis 1993. Genau da gab es ein ganz kleines Fenster nach dem Ende der Konfrontation zwischen Jelzin und dem Parlament, unter Begleitung von Panzern. Ich denke, wir können jetzt nach so vielen Jahren objektiv sagen, dass Russland wieder in die ausgetretene Spur zurückgegangen ist.
Und ich sage immer, dass der wertemäßigeBruch zwischen Russland und der Ukraine das Jahr 1994 ist. Das ist Jelzin, der den Krieg in Tschetschenien beginnt, um Jelzins Null-Rating vom Gefrierpunkt irgendwie anzuheben. Und die Ukraine, in der ein friedlicher Machtwechsel stattfindet, in der Krawtschuk die Wahlen verliert, und zwar gegen den prorussischen Kandidaten Kutschma, und geht. Mir scheint, psychologisch, wenn man auf die Menschen schaut, die, sagen wir, in Charkiw und in Kursk geboren wurden und aufgewachsen sind, nun, einige Hundert Kilometer voneinander. Und klar ist, sie wurden in der Sowjetunion geboren, sie sprachen dieselbe Sprache, lesen dieselben Bücher. Lange Zeit gab es dort in Wirklichkeit nicht einmal eine Grenze, aber psychologisch ist die Ukraine, wie mir scheint, in eine andere Qualität übergegangen, es kam zu einem Machtwechsel.
Diese Formel „Wir sind das Volk“ beginnt für die Bürger bereits verständlich zu werden. Und zehn Jahre später endet Putins Versuch, Janukowytsch aufzuzwingen, mit dem erstenMaidan, und weitere zehn Jahre später bereits mit dem zweitenMaidan und schon einer echten Revolution und einer vollständigen Hinwendung nach Europa. Und in Russland ist in Wirklichkeit dieser Bewegungsvektor in jene Richtung stecken geblieben, weil es keine friedliche Machtübertragung gab. Gerade das, was jetzt in Ungarn geschehen ist, Orbán hat verloren, ist gegangen. Das ist es doch. Man muss doch verstehen, er ist gegangen. Natürlich hat er sehr deutlich verloren, wahrscheinlich hätte er angefangen zu fälschen, wenn die Niederlage geringer gewesen wäre, aber dennoch – so funktioniert Demokratie.
Die Ukraine ist in dieser Frage vollständig demokratisch geworden, und dort sind bereits zwei Generationen. Und wenn man berücksichtigt, dass für diese Freiheit jetzt ein so kolossaler Preis gezahlt wird, dann ist das alles bereits ein Land mit einer anderen Mentalität. Unabhängig davon, in welcher Sprache der Mensch dort denkt. Ich werde nicht einmal sagen, in welcher. In Russland hat sich leider ein völlig anderes Konzept herausgebildet.
Und dennoch gibt es dort wahrscheinlich eine gewisse Zahl von Menschen. Nun, irgendwen vertreten wir ja doch, die anders denken. Es gibt doch Verbindungen mit der übrigen Welt, Verbindungen mit dem Westen, also es gibt doch schon irgendwelche anderen Lebensparameter, die Hoffnung lassen können – ich spreche jedenfalls sehr vorsichtig – Hoffnung darauf, dass der Sieg der Ukraine im Krieg und der Zusammenbruch dieses imperialen Fetischs eine Chance, ich wiederhole, eine Chance zur Veränderung geben können. Und diese Chance wird auch damit verbunden sein, dass jene, die noch bei Verstand sind, verstehen: Die Bedrohung geht für Russland nicht vom Westen aus, sondern vom Osten. Und dass im Prinzip der Verlust riesiger Territorien – nicht zweier Dörfer, sondern Hunderttausender Quadratkilometer – an China, das sie höchstwahrscheinlich ohnehin schon stillschweigend kontrolliert, Realität wird. Deshalb besteht meine Hoffnung auf der Bildung eines gewissen Clusters von Menschen, die verstehen, dass die Wahl einfach sein wird: chinesischeProvinz oder TeilEuropas. Und für die ZugehörigkeitzuEuropa wird man teuer bezahlen müssen.
Portnikov. Haben Sie nicht das Gefühl, dass eine riesige Menge von Menschen Russland bereits als chinesische Provinz wahrnimmt und sagt: Die Reise nach Europa ist zu Ende?
Kasparov. Diese Antiutopie Sorokins wird verwirklicht. Man hat das Gefühl, er hätte besser gar nichts geschrieben. Man hat das Gefühl, dass die russische Literatur es beschrieben hat und es sich nun so zusammenfügt. Wissen Sie, dieser „TagdesOpritschniks“. Genau das haben wir jetzt. Aber vielleicht ist eine Antwort möglich, welche anderen Varianten gibt es überhaupt? Eine solche Variante ist möglich, mehr noch, höchstwahrscheinlich ist sie sogar wahrscheinlicher, aber das bedeutet nicht, dass man nichts tun muss. Es braucht irgendeine, ich sage, grundlegende Idee; und wenn man berücksichtigt, dass auf jener Seite China steht, passt Taiwan auch hier hinein. In Wirklichkeit ist das ein Versuch, diese Situation aufzurütteln, die bisher recht unbeirrt ins Verderben steuert.
Mehr noch, in der Deklaration, die wir veröffentlicht haben, ist klar gesagt, dass es nicht um die Schaffung eines demokratischen Russland geht, eines schönen Russland der Zukunft. Vielleicht werden es Staaten sein, das wird ausdrücklich gesagt. Das heißt, in Wirklichkeit scheint mir das offensichtlich. Russland wird sich im Prozess der Veränderungen nicht in den heutigen Grenzen erhalten können. Das ist für mich, meiner Meinung nach, bereits ein Axiom.
Deshalb wird die territoriale Frage jetzt, wie mir scheint, oft einfach genutzt, um die Idee zu begraben. Gebt eine juristische Grundlage für die Formierung jenes neuen Russland, das heute bereit ist, gemeinsam mit der Ukraine zu kämpfen. Denn der Übergang von der BerlinerDeklaration, die einfach nur festhielt, dass ja, die Ukraine unterstützt werden muss, ja, wir stehen auf dieser Seite, aber radikale Dinge gab es dort noch nicht – die StraßburgerDeklaration sagt, dass wir auf dieser Seite kämpfen werden. Auch das ist ein wichtiger Übergang. Es ist klar, dass die Zahl der Menschen, die sie unterschreiben werden, höchstwahrscheinlich geringer sein wird als bei der Berliner Deklaration, aber auch das ist keineswegs sicher.
Wenn der Westen bereit ist, die offensichtliche Tatsache anzuerkennen, dass der Krieg mit Russland andauern wird, solange Putin an der Macht ist, dann beginnt er vielleicht zu handeln. Ich sehe hier Beamte der Europäischen Union, wissen Sie, und auf ihren Gesichtern steht dieses Zeichen kognitiverDissonanz. Das heißt, sie verstehen, dass der Krieg läuft. Mehr noch, Europa bereitet sich auf den Krieg vor. Die deutsche Industrie stellt auf Rüstungsindustrie um. Vom Baltischen Kristall spreche ich gar nicht. Sie bereiten sich real, bereits vielleicht sogar in diesem Jahr auf irgendwelche Provokationen vor. Aber das eine ist die Vorbereitung, und das andere ist, dies anzuerkennen. Wissen Sie, auf ihren Gesichtern steht, ich würde sagen, abergläubischer Schrecken geschrieben.
Portnikov. Nun stellen Sie sich eine andere Sache vor. Diese Beamten haben dieser Idee zugestimmt. Es ist ein juristischer Status entstanden, irgendwelche bedingten Nansen-Pässe, die jenen ausgestellt werden, für die, sagen wir, das Forum des freien Russland bürgt. Und Sie sagen den Menschen damit: „Aber Sie müssen anerkennen, dass Russland ein aggressives Land ist, ein imperialistisches, und Sie müssen anerkennen, dass das Hauptziel darin besteht, der Ukraine im Krieg gegen Russland zu helfen.“
Kasparov. Das ist die einzige Chance, etwas in Russland zu ändern. So wie der Weg, potenziell, dorthin nach Russland über Sewastopol führt.
Portnikov. Stellen Sie sich vor, ein Mensch, der auf diese Weise aus Russland emigrieren will, ohne Ihre Ansichten zu teilen, erkennt das völlig ruhig an. Das ist, wissen Sie, wie die Geschichte mit dem Erhalt bulgarischer Pässe durch Bürger Nordmazedoniens. Sie halten sich nicht für Bulgaren. Um einen Pass zu erhalten, musst du eine Prüfung in bulgarischer Geschichte ablegen, sagen: „Ja“, dann mit dem Pass hinausgehen und denken: „Mein Gott, was für Idioten, dass sie glauben, ich hätte tatsächlich ihrer Version der Geschichte zugestimmt.“ Oder wie viele Ukrainer, die Putin und Russland im Grunde unterstützt haben, sind nach 2022 mit dem ukrainischen Pass nach Europa ausgewandert? Für sie war das einfach ein Mittel, um wegzukommen.
Kasparov. Vollkommen richtig. Aber hier gibt es eine Nuance, eine wichtige Nuance. Mit der Unterzeichnung der Deklaration wird der Mensch in Russland ungefähr nach zehn Artikeln des Strafgesetzbuches zum Kriminellen. Man kann noch eine Spende von 10 Euro für die ukrainische Armee-Spende hinzufügen, um das endgültig zu fixieren. Das ist nicht wichtig. Er kappt die Verbindungen zu Russland, weil er bereits ein Krimineller ist. Dort ist jeder Punkt der Deklaration ein ArtikeldesStrafgesetzbuches. So einfach ist das nicht, verstehen Sie? Einen Weg zurück wird es nicht mehr geben. Das ist nicht, wie Sie über die bulgarische Geschichte sagten: man ist durchgegangen, hinausgegangen. Nein, das ist öffentlich. Deine Unterschrift steht dort mit Familiennamen, mit all diesen Dingen. Dir wird ein neues Dokument ausgestellt, dort bist du ein Krimineller.
Portnikov. Nun, vielleicht ist er bereit, ein Krimineller zu werden, wenn er nur nicht in Russland leben muss, wenn er sich nur, bedingt gesagt, als IT-Fachmann irgendwo im Westen verwirklichen kann.
Kasparov. Gut, er ist weggegangen. Ja, er ist weggegangen, hat alle getäuscht. Er baut für Putin keine Drohnen mehr. Das heißt, rechne mit hundert Drohnen weniger, die in die Ukraine fliegen. Gut. Ja. Er hat uns getäuscht, ist weggegangen, Gott sei Dank ist er weggegangen. Putin ist dadurch schwächer geworden. Wir knüpfen ihm wenigstens eine Ressource ab.
Portnikov. Das ist übrigens eine Veränderung des Ansatzes, denn Sie erinnern sich, dass in der Ukraine, als Menschen vor der Mobilisierung flohen, diese sogenannten Mobiki, man in der Ukraine in der ersten Phase des Krieges sehr unzufrieden damit war, dass der Westen sie aufnimmt. Und im Westen wollten viele sie nicht aufnehmen und sagten: „Warum sollen wir Menschen aufnehmen, die Bürger Russlands sind und vor dem Krieg fliehen?“ Und sie veränderten im Grunde die Mobilisierungspolitik.
Kasparov. Schauen Sie, wir kennen die genaue Zahl der Bürger Russlands nicht, die 2022 davonlaufen, besonders als im September die Mobilisierung ausgerufen wurde; die Zahl schwankt von einer Million bis drei Millionen. Warum sage ich so eine Spannbreite? Weil niemand Buch geführt hat. Natürlich flohen sie in jene Länder, in die man ohne Visum einreisen konnte. Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Armenien. Nach indirekten Daten zu urteilen, war diese Zahl gewaltig, denn welche indirekten Daten? Der starke Anstieg der Immobilienpreise in Taschkent, eine unglaubliche Zahl von Anfragen nach Kreditkarten in Tadschikistan oder das riesige BIP-Wachstum Armeniens. Also, ihrer waren viele. Etwa 75 Prozent – das kann man sagen, ich kenne es aus den Zahlen des Projekts „Kowtscheg“, das Chodorkowski geführt hat – etwa 75 Prozent waren gezwungen zurückzukehren, weil die Dokumente ablaufen. In Wirklichkeit ist genau das Problem, dass dir physisch das Dokument abläuft. Und Putin hat sofort erklärt, dass Dokumente nur dort in Moskau gemacht werden können. Aus, das war’s. Praktisch ist es jetzt schon für fast niemanden mehr möglich, Dokumente zu verlängern. Und er versteht im Prinzip, dass die Menschen in Russland festgehalten werden müssen. Und im Idealfall, ich sage noch einmal, fügen sich diese Menschen in das Konzept ein, aber selbst wenn sie nicht bereit sind, der Ukraine zu helfen, werden sie dort nicht sein. Das ist dennoch die Untergrabung irgendeiner Ressource, die Putin heute hat. Diese Ressource hat er in geringerem Maß als Kanonenfutter und Geld. Und deshalb gilt: Wenn es gelingt, auch nur auf der Ebene einiger Zehntausend Menschen diese herauszuziehen, dann ist das, wie ich meine, minus eine bestimmte Zahl von Raketen und Drohnen, die in die Ukraine fliegen werden.
Außerdem ist das auch psychologisch ein sehr wichtiger Moment. Denn heute liest man ja, nun ja, im russischen Internet hört man: Was sollen wir tun? Damit es diese Ausrede nicht mehr gibt. Was sollst du tun? Nimm ein Ticket und flieg nach Jerewan, geh dort zur französischen Botschaft, füll die Deklaration aus. Im Grunde musst du antworten – sobald ein solches Thema erscheint, wird das in Wirklichkeit für sehr viele Menschen moralisch ein Problem sein.
Portnikov. Verengt das nicht die Möglichkeit der Wahl? Wenn Sie dem Menschen sagen: Was sollt ihr tun? Ihr müsst euch dieses Regimes entledigen. Und Sie sagen dem Menschen, dass er fliehen muss.
Kasparov. Das Regime – das ist wie Deutschland im Jahr 1943. Natürlich gefällt es mir vielleicht nicht, aber solange die Alliierten nicht kommen, wird nichts geschehen. Nichts kann geschehen. Wir beide kennen die russische Geschichte. In der russischen Geschichte stürzten Zaren, Diktatoren, wie man sagt, nur im Fall eines verlorenen Krieges. Ein verlorener Krieg, sogar ein nicht gewonnener Krieg, ein entfesselter Krieg, ist immer ein Indikator einer tiefen Krise, angefangen beim Livländischen Krieg bis hin zum Krimkrieg des 19. Jahrhunderts, dem Russisch-Japanischen Krieg, dem Ersten Weltkrieg und so weiter.
Deshalb ist für Putin heute, wie wir sehen, ein ziemlich unangenehmer Moment gekommen, denn es raucht ja schon von überall. Gestern lese ich einfach, wissen Sie, so ein höhnisches Lächeln der Geschichte. Der Chef der KPRF sagt voller Angst, dass sich das Jahr 1917 wiederholen könnte. Das heißt, die Nachfolger Lenins sagen voller Entsetzen: Haltet ein, ihr Wahnsinnigen.
Portnikov. Das sind doch wohlhabende Lenins Nachfolger, sozusagen, nicht die aus der Schweiz, sondern die aus Moskauer Restaurants, ja? Warum sollten sie diese verlassen? Das ist gerade verständlich. Aber Sie haben noch vor ganz kurzer Zeit gesagt, dass der Westen im Grunde seine eigenen Werte verrät, wenn er das ukrainische Leid nicht beachtet und sich im Grunde nicht mobilisieren kann. Und nach dieser Ihrer Rede ist die Situation nur noch schlechter geworden, denn die Spaltung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa verstärkt sich mit jedem Tag.
Kasparov. Sie beschuldigen mich doch nicht der Spaltung zwischen…
Portnikov. Nein, ich verstehe nur nicht ganz, welchen Sinn Erklärungen haben, wenn sie danach die Stimmung in die entgegengesetzte Richtung beeinflussen. Nicht die Erklärungen selbst, ich meine die Situation.
Kasparov. Diese Situation ist mir gut bekannt. Erstens muss man einfach reden. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Wir haben keine Zeit für eine ernsthafte Analyse von all dem, aber ja, die Ukraine wurde im Stich gelassen. Und übrigens ist das in erster Linie ein amerikanisches Thema. Europa war ja insgesamt sehr passiv. Wir verstehen doch, dass in Europa ebenfalls eine Generation von Politikern, und die Gesellschaft erst recht, in der Überzeugung aufgewachsen ist, dass Amerika sie immer schützen werde. Europa lebte unter dem amerikanischen Schirm, sozusagen. Und sogar nach 1991 hat sich daran im Grunde nichts geändert. Zumal die UdSSR verschwunden war, entspannte sich der Kontinent.
Das Wachstum der putinschen Aggressivität hing damit zusammen, dass er einfach spürte: Europa ist schwach. Warum sollte man es nicht auf seine Belastbarkeit prüfen? Und das alles beginnt: zuerst Georgien, ich schrieb schon im August 2008, dass die Nächste die Ukraine sein werde. Und als man mich fragte: „Warum denken Sie das?“, sagte ich: „Man muss auf die Karte schauen.“ Das heißt, in Wirklichkeit war offensichtlich, dass Putin seine Handlungen fortsetzen würde. Und die syrische Geschichte, diese schändliche Weigerung Obamas, die Überschreitung der roten Linie, den Einsatz chemischer Waffen, festzuschreiben und Assad einfach eins auf den Hintern zu geben.
Danach kam die Krim; übrigens schrieb ich auch damals, dass es nach Syrien an anderen Orten Folgen geben werde. Die Krim kam ebenfalls. Und wie war die Reaktion auf die Krim? Keine Reaktion gab es auf die Krim. Das heißt, in Wirklichkeit nahm Putin einfach, was man nehmen konnte. Ich meine, ich habe dazu damals einen großen Text geschrieben, vor etwa drei Jahren, er hieß „Geschichte des Verrats“, darüber, wie Amerika unter Biden die Ukraine aufgab. Jetzt habe ich das Gefühl, dass Putins Ultimatum vom Dezember 2021, erinnern Sie sich, als die NATO…
Portnikov. Ja, ihre Basen entfernen sollte.
Kasparov. … im Grunde auf irgendwelchen Abmachungen mit Trump beruhte. Ich bin fast sicher, dass Trump – warum sagt Trump: „Es hätte keinen Krieg gegeben“? Ja weil sie planten, die Ukraine in Wirklichkeit ohne Krieg zu teilen.
Portnikov. Oder bei jenen Konsultationen, die Stoltenberg mit Lawrow nach eigenem Eingeständnis Stoltenbergs führte. Er hat selbst darüber gesprochen.
Kasparov. Genau das hat mir gefehlt, dieses kleine Detail. Das heißt, das bedeutet, dass der Plan höchstwahrscheinlich bereits unter Trump abgestimmt worden war. Deshalb. Und ich denke, das Treffen Bidens mit Putin, das erste in Genf, und dann noch zwei per Telefon, also faktisch drei Gipfel, standen damit in Zusammenhang, dass die Amerikaner eigentlich verstanden, dass Putin das ernsthaft tun würde. Und Putin sagte im Dezember 2021 einfach: „Also, diesen Plan haben wir doch besprochen.“
Und die Ukraine wurde preisgegeben; es ist völlig offensichtlich, dass die amerikanische Administration sich, ebenso wie Europa, darauf vorbereitete, dass Putin in drei Tagen in Kyiv sein würde und ja, dann eine Exilregierung oder vielleicht irgendein Stück erhalten bliebe. Jetzt werden wir wahrscheinlich erfahren – ich hoffe sehr, dass Magyar zu graben beginnt –, was Ungarn vorhatte zu tun, denn mit Sicherheit versuchte Orbán dort ein Stück der Ukraine mit ungarischer Bevölkerung abzubeißen.
Das heißt, die Ukraine wurde einfach ausgeliefert. Es geschah ein Wunder, wie es, wie man sagt, seit altgriechischen Zeiten oft geschah. Freie Menschen verteidigten sich selbst gegen, wie man sagt, alle Wahrscheinlichkeitsrechnung. Sie hielten einfach stand, und die Situation hat sich jetzt verändert.
Trump hat in Wirklichkeit übrigens ebenfalls eine wichtige Sache getan. Er hat Europa geweckt. Tatsächlich denke ich, dass die Situation jetzt viel, viel besser ist als damals, als es diese Unbestimmtheit gab, denn erstens wird Trump nicht lange durchhalten. Die Zwischenwahlen werden die Situation doch verändern. Sie verändert sich, wie mir scheint, insgesamt schon jetzt.
Und in Europa – nun, Europa bereitet sich auf den Krieg vor. Es wäre unmöglich gewesen, sich vorzustellen, dass Europa, das jahrzehntelang in diesem lethargischen Schlaf lebte, sich so zu verhalten beginnen würde. Natürlich ist das nicht ganz Europa. Estland ist das eine, Portugal etwas anderes. Und dennoch sehen wir in Europa diese Veränderungen. Die Ukraine hat in Wirklichkeit die gesamte geopolitische Konstellation verändert.
Deshalb wenden wir uns heute gerade an Europa. Amerika brauchen wir nicht, weil es dort sowieso andere Konstellationen in der Welt geben wird. Und in Europa braucht es heute einen mächtigen Verteidigungswall. Es gibt die Ukraine, die wie ein Felsen vor Putin steht. Aber fügen Sie noch die russische Komponente hinzu, im Prinzip jene Bürger Russlands, die bereits mit Putin brechen wollen, denen aber irgendeine juristische Legitimität fehlt. Und auch das ist dennoch ein Faktor.
Wie viele Russen kämpfen denn heute im Prinzip in Bataillonen? Nun, real einige Hunderte. Ich habe mit Pjotr Rusawin gesprochen. Er, „Chartija“, hat einen Aufruf gemacht, denn es gibt dort nicht nur Ultrarechte, sondern im Prinzip auch liberale Menschen, die ebenfalls irgendetwas tun wollen. Es gibt eine gewisse Nachfrage. Ich weiß nicht, wie viele Menschen bereit sein werden, direkt zu kämpfen. Obwohl Krieg heute ja nicht nur die Frontlinie ist, sondern auch die zweite Linie der Front, die Wand von Drohnen.
Das heißt, ich bin überzeugt, dass das, um noch einmal auf russisches Taiwan zurückzukommen, eine wichtige Komponente sowohl des ukrainischen Sieges als auch einer potenziellen Umgestaltung Europas in der Zukunft ist. Obwohl ich an den ukrainischen Sieg glaube, an die Fähigkeit Russlands aber, sich in neuer Qualität normal zu materialisieren, weniger glaube.
Portnikov. Wenn Sie sagen, dass man keine ernsthafte Analyse der Situation mit dem Westen durchführen kann, dann kann man es vielleicht doch versuchen, mir scheint, und zwar nicht politisch, sondern vielleicht wird es für Sie einfacher sein, mir das in einem Schachmodell zu erklären, denn ich habe immer das Gefühl, dass jetzt jeder neue Schritt im Westen, jeder neue Zug, zur Verschlechterung der Positionen führt. Die amerikanische Administration macht einen Zug und verschlechtert ihre Position im Nahen Osten. Die Europäer versuchen, sich mit den Amerikanern zu verständigen, machen einen Zug und verschlechtern ihre Position in Amerika. Das ist so eine schlechte Partie. Ich verstehe nicht ganz, welche Züge man jetzt machen kann, um die Position zu verbessern.
Kasparov. Interessant. Ich weiß nicht, inwieweit das hier passt, an irgendwelche höheren Materien zu erinnern. Der erste Satz Gödel. Also, erinnern wir uns.
Portnikov. Das wird schwieriger als eine Schachpartie.
Kasparov. Es wird schwieriger. Gut. Es gibt einen der wichtigsten mathematischen Sätze des 20. Jahrhunderts. In der Mathematik bin ich ein Laie, aber da ich 2006 in Wien zum hundertsten Geburtstag Gödels gesprochen habe, erinnere ich mich daran. Er sagt in vereinfachter Form, dass in jedem System eine Periode eintritt, in der es innerhalb dieses Systems keine Lösung für die Probleme gibt, die das System selbst erzeugt. Deshalb erfolgt automatisch der Übergang auf ein neues Niveau, die Schaffung jenes Systems, in dem die Probleme gelöst werden, die in diesem System unlösbar waren.
Portnikov. In der Politik, scheint mir, kann es auch zu Degeneration kommen. Es kann auch ein neues Niveau geben.
Kasparov. Ich spreche davon, dass insgesamt ein solcher Niveauanstieg stattfindet. Meiner Meinung nach befinden wir uns jetzt gerade in einer solchen Übergangsphase. Das ist so ein Phasenübergang. Im Großen und Ganzen funktionieren alle Komponenten der alten Welt nicht. Was ist die UNO heute? Nun, das ist eine Versammlung von Diktatoren, es ist einfach eine Schande, sich das anzusehen. Dort werden hauptsächlich die Resolutionen gegen Israel verabschiedet. Im Prinzip verstehen wir doch, wie das ist. Jeder verfolgt seine eigene Agenda.
Portnikov. Meiner Meinung nach geschieht das seit 80 Jahren, und niemand hat es bemerkt.
Kasparov. Bis 1991 löste die UNO immerhin die Aufgabe, das Risiko eines Atomkrieges zwischen der UdSSR und den USA zu minimieren. Nach 1991 wurde diese Funktion sinnlos. Deshalb ist die UNO heute ein bodenloses Loch, in dem eine Menge Geld verschwindet, und ihre Beschlüsse zu lesen – das ist zu viel.
Portnikov. Jetzt sprechen Sie wie Trump.
Kasparov. Was hat Trump damit zu tun, das verstehe ich nicht. Gott sei Dank habe ich viele dissidente Freunde. Schauen Sie sich an: Der Iran tritt dort in eine Kommission ein…
Portnikov. Für Menschenrechte, das ist einfach Wahnsinn.
Kasparov. Das ist in Wirklichkeit eine Parodie. Die meisten Institutionen, die heute existieren, funktionieren nicht. Das ist gerade diese klare historische Parallele: Wenn Institutionen aufhören zu funktionieren, entsteht eine Krise. Der Völkerbund funktionierte nicht – es kam zum Krieg. Tatsächlich gilt: Sobald ein System internationaler Beziehungen sich erschöpft, entsteht eine Krise, die leider immer tragisch durch Krieg gelöst wurde. Jetzt befinden wir uns im Grunde in einer Kriegsperiode. Und solche Kriege, wenn wir die Geschichte seit dem Dreißigjährigen Krieg nehmen, sind lang. Deshalb ist das fünfte Kriegsjahr – im Prinzip dauern diese Kriege, man nehme den Zweiten Weltkrieg, den sechs Jahre dauerte. Diese Kriege dauern lange, denn es muss sich ein neues Gleichgewicht bilden. Jetzt schaffen wir im Grunde ein neues Gleichgewicht.
In diesem Sinne hat Trump einen gewissen Nutzen, er ist ein Bulldozer. Ein Bulldozer räumt alles weg, aber im Prinzip räumt er das weg, was ohnehin nicht mehr funktioniert. Natürlich kann das auch tragisch sein, er kann auch ein Wohnhaus wegräumen, in dem Menschen wohnen. Aber im Prinzip war Trump in gewisser Weise unvermeidlich, weil das, was wir bei Obama und Biden gesehen haben, ein Versuch war, zu bewahren, was nicht funktionierte. Putin erhob sich doch real unter Obama, genau dann begann Putin außer Kontrolle zu geraten und roch Blut. Das war wieder der Versuch, zu bewahren, was nicht funktioniert.
Portnikov. Lassen Sie uns anschauen, was nicht funktioniert. Funktioniert die NATO oder funktioniert auch sie schon nicht mehr?
Kasparov. Was funktioniert nicht?
Portnikov. Die UNO funktioniert nicht. Funktioniert die NATO oder funktioniert sie nicht? Ich will verstehen, was nicht funktioniert.
Kasparov. Das habe ich schon in Halifax gesagt: Eine solche Organisation gibt es nicht. Es gibt sie einfach nicht. Nein. Deshalb sagte ich, als sie mit ihren 75 Jahren kamen: Das ist das Rentenalter, 75 Jahre, verstehen Sie? Einfach aus und vorbei.
Portnikov. Und die Europäische Union, funktioniert sie oder funktioniert sie nicht? Auch eine Frage.
Kasparov. Ja, sie funktioniert. Aber wiederum, wofür wurde sie geschaffen? Sie wurde unter Bedingungen geschaffen, in denen Europa vollständig auf irgendwelche militärischen Vorbereitungen verzichtet hatte. Die Europäische Union ist eine Organisation, die sich mit Finanzen, gesellschaftlich-sozialen Programmen befasst; selbst politisch ist es dort schon schwieriger, weil es Konsens gab. Militärisch, dieses Wort kannte man dort einfach nicht. Das Problem besteht darin, dass Europa jetzt innerhalb seiner eigenen Strukturen, die für Krieg nicht angepasst waren, umgebaut werden muss. Übrigens, es wird umgebaut. Es läuft ein Prozess der Formierung dessen, was Deutschland, Polen, die baltischen Staaten, die skandinavischen Länder zu tun versuchen. Und in Wirklichkeit reagiert Europa doch. Wiederum: Man hat der Ukraine einen Kredit gegeben, obwohl man natürlich alle russischen Gelder hätte nehmen müssen, aber nun, was soll man jetzt machen? Natürlich hat Belgien, mit Frankreich hinter seinem Rücken, riesige Interessen, alles klar. Und natürlich wurde laviert. Aber Merz hat den Kredit doch durchgedrückt, es wird Geld gegeben, die Ukraine kämpft, das heißt, Europa ist in diesem Fall aufgewacht. Das Potenzial ist doch da.
Portnikov. Das heißt, die europäischen Institutionen sind doch lebensfähiger als die euroatlantischen. Sie haben, ich versuche zu sagen, nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.
Kasparov. Deshalb wenden wir uns an Europa, weil es nur hier handlungsfähige Institutionen gibt. Und…
Portnikov. Sagen Sie mir bitte: Wenn Ihrer Meinung nach die NATO nicht funktioniert, welche Sicherheitsgarantien kann es dann in der Welt überhaupt für mittlere Staaten geben, von denen der Premierminister Kanadas, Michael Carney, sprach? Zelensky bespricht mit Trump die ganze Zeit Sicherheitsgarantien.
Kasparov. Das sind keinerlei Garantien. Hören Sie, in Budapest wurden alle Garantien gegeben. Alles, alles ist klar. Jetzt trollt der Iran die Amerikaner ironischerweise und sagt: „Ihr habt der Ukraine doch Garantien gegeben.“ Garantie bedeutet eine VeränderungderallgemeinenSituationinderWelt, in Wirklichkeit.
Portnikov. Das ist eine gute Antwort.
Kasparov. Heute hat die Ukraine die Geopolitik verändert. In Wirklichkeit, ich sage es ja, es findet die Schaffung eines neuen Koordinatensystems statt. Wie es aussehen wird, weiß ich nicht. Natürlich wird dafür eine nukleare Komponente nötig sein, aber die gibt es auch in Europa. Es würde mich nicht wundern, wenn morgen im Prinzip auch in Deutschland und Polen der Prozess der Schaffung einer solchen nuklearenKomponente beginnt. Ich hoffe, dass es dazu nicht kommt. Aber mir scheint, dass das Ergebnis des ukrainischen Krieges, das sich bereits abzeichnet und für Putin negativ sein wird, doch eine neue Sicherheitsstruktur schaffen muss; denn wenn Putin sein Potenzial verliert und Russland zusammenbricht, bleibt China.
Nun, bei China ist doch nicht alles so einfach. Alle sagen: Taiwan wird jetzt erobert. Aber dort gibt es ja nicht nur Amerika, dort gibt es unter anderem Japan. Und wir sollten nicht vergessen, dass es ein Land ist, das eine große Erfahrung mit den Chinesen hat, eine besondere. Und wie viel Zeit Japan brauchen wird, um eine Atombombe zu bauen, wenn es das will.
Portnikov. Einige Monate, denke ich.
Kasparov. Eben. Deshalb – wieder braunsche Bewegung, wieder, entschuldigen Sie, benutze ich diese Begriffe, Chaos – aber daraus zeichnen sich gewisse Konturen ab. Und wieder ist der Gravitationspunkt der Sammlung die Ukraine, der ukrainische Krieg; ich sage doch, er ist zur Hauptfront des weltweiten Kampfes von Freiheit und Tyrannei geworden. Mir scheint nur, dass dieser Krieg in Wirklichkeit auch mit dem Krieg im Nahen Osten verbunden ist. Hier ist es komplizierter, weil viele Menschen deswegen, wie man sagt, hysterisch werden. Aber im Prinzip, wenn man hinschaut, kämpft Israel mit derselbenKoalition.
Portnikov. Die gegen die Ukraine kämpft.
Kasparov. Im Grunde sind die Feinde dieselben. Natürlich ist Russland heute dort weniger sichtbar, obwohl das von Anfang an, seit der Gründung dieser Organisation, der PLO, im Grunde alles Moskau war. Man hat sie 1964 in Moskau geschaffen.
Portnikov. Paradoxerweise wollen die Ukraine und Israel selbst nicht anerkennen, dass das hier bereits ein gemeinsames Problem ist; sie werfen es wie eine heiße Kartoffel hin und her.
Kasparov. Das erste Problem mit Israel ist das Problem Netanyahu. Und ich denke, dass er insgesamt ein gesondertes Thema ist; leider hat Israel einen Führer, der insgesamt auch andere Spiele spielt. Ich bin überzeugt, dass er in Trumps erster Amtszeit das Bindeglied zwischen Putin und Trump war. Und jetzt versucht er die ganze Zeit, irgendeine Zwischenvariante zu finden.
Portnikov. Löst es in Ihnen keinen inneren Schrecken aus, dass nun so große Hoffnungen auf die Vernunft der Länder gesetzt werden, die den Zweiten Weltkrieg verloren haben – Deutschland und Japan –, als Gegengewicht zum faktischen Fehlen von Vernunft bei den Siegerländern?
Kasparov. Vielleicht ist das eine neue Lehre der Geschichte, das ist paradox, aber ich sage ja, die Welt besteht überhaupt aus Paradoxien. Dass in der neuen Sicherheitskonfiguration in Asien und Europa Deutschland und Japan eine wichtige Rolle spielen können, das klingt natürlich für unsere Generation seltsam.
Portnikov. Seltsam, ja, aber das ist doch eine Tatsache.
Kasparov. Aber vielleicht liegt darin eine gewisse historischeLogik. Das sind Länder, die gelitten haben und durch all das hindurchgegangen sind. Denn heute findet in Deutschland in Wirklichkeit eine Revolution des Bewusstseins statt. Generationen von Deutschen wurden darin erzogen, dass „wir im Prinzip schuldig sind“, dass Krieg schlecht ist, dass selbst Waffenproduktion ebenfalls sehr schlecht ist. Schon der Gedanke, dass deutsche Panzer irgendwann mit Russen in den ukrainischen Steppen kämpfen könnten, wäre nicht einmal in einen Science-Fiction-Film vorgekommen. Jetzt sehen wir in Wirklichkeit, dass in Deutschland eine vollständige Neubewertung stattfindet; ein Prozess läuft. Schmerzliche Prozesse, aber hier erscheint immer eine Möglichkeit, ein Spalt, wenn das System und dieser Phasenübergang stattfindet, es entstehen Spielräume. Deshalb meine ich, dass auch die radikalsten Ideen sich verwirklichen können, sich aber auch nicht verwirklichen können, aber man muss, wissen Sie, das historische Glück beim Schopf packen.
Portnikov. Ich danke Ihnen für dieses Gespräch, Garry. Und ich hoffe, dass wir jedenfalls nach einiger Zeit sehen werden, inwieweit beliebige unerwartete Ideen rationale und realistische Formen annehmen können.
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Art der Quelle:Interview Titel des Originals:Россия после краха: план Каспарова |
Виталий Портников. 23.04.2026. Autor:Vitaly Portnikov,Garry Kasparov Veröffentlichung / Entstehung:23.04.2026. Originalsprache:ru Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
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Noch vor kurzem schien die italienische Ministerpräsidentin und Führerin der Ultrarechten, Giorgia Meloni, die treueste Verbündete des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu sein. Die Nähe der ideologischen Ansichten, die persönliche Sympathie – all das führte dazu, dass sogar die Führer anderer europäischer Länder gerade auf Frau Meloni setzten, wenn es darum ging, einen besonderen Zugang zum Herzen des amerikanischen Präsidenten zu finden. Und Trump schien sich ebenfalls nicht lumpen zu lassen und überschüttete die Chefin der italienischen Regierung mit Komplimenten.
Doch nun hat sich alles ins Gegenteil verkehrt. Kein Tag vergeht ohne Kritik des Präsidenten der Vereinigten Staaten am italienischen Regierungschef. Zunächst unterstützte Giorgia Meloni den Nahostkrieg Donald Trumps nicht, und der amerikanische Präsident erinnert ständig daran und tat dies auch heute, indem er den italienischen Ministerpräsidenten erwähnte und betonte, dass die Beziehungen zu jenen Ländern, die ihn im Iran nicht unterstützt haben, nicht mehr so sein werden wie zuvor. Hinzu kam eine besondere Situation im Zusammenhang mit der Kritik, die Donald Trump am Papst Leo XIV. äußerte, indem er erklärte, ein solcher Papst sei für ihn nicht akzeptabel und der Pontifex verdanke ihm, Trump, überhaupt erst seinen Thron.
Natürlich konnte Giorgia Meloni nicht anders handeln. Der Krieg im Nahen Osten genießt in der italienischen Gesellschaft keine Popularität. Und was die Autorität des Papstes betrifft, so wäre es für jeden, selbst für den populärsten italienischen Politiker, politischer Selbstmord, die grobe Kritik am Pontifex zu ignorieren. Der Rating von Giorgia Meloni war stetig gesunken. Er war gesunken – und könnte nun wieder in etwa im gleichen Verhältnis steigen.
Warum? Weil wir bereits gesehen haben, dass, wenn Donald Trump oder sein Vizepräsident J. D. Vance jemanden in Europa unterstützen, dieser Politiker mit Unverständnis bei einem großen Teil der Wähler rechnen kann. Ein hervorragendes Beispiel ist die Unterstützung Donald Trumps für den umstrittenen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán sowie die Reise des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten J. D. Vance nach Budapest als Wahlkämpfer für Orbán. Wie bekannt ist, kostete diese Reise Orbán mehrere Prozentpunkte an Wählerunterstützung. Zumindest zeigten dies die ungarischen Vorwahlumfragen.
Auch viele andere europäische Politiker meiden derzeit Trump, wie der Teufel das Weihwasser, und verstehen, dass, wenn er jemanden kritisiert, dies höchstwahrscheinlich Sympathie gerade in dem Land hervorrufen wird, dessen Führung er angreift.
Etwas Ähnliches kann auch mit Giorgia Meloni geschehen. Sie hat erst kürzlich ein für sie bedeutendes Referendum über die Reform des Justizsystems verloren. Viele begannen zu sagen, dass es ihr kaum gelingen werde, ihre frühere Popularität zu bewahren. Und nun tritt die italienische Ministerpräsidentin in der Rolle der Verteidigerin der nationalen Souveränität und der Ehre des Papstes auf, der vom Präsidenten der Vereinigten Staaten beleidigt wird – und übrigens auch von dessen Vizepräsidenten, der weiterhin auf die Nachfolge hofft und zudem ein neu bekehrter Katholik ist.
Es ist klar, dass für viele Italiener diese Aussagen Donald Trumps ein echtes Gütesiegel darstellen werden, das bestätigt, dass sie sich nicht geirrt haben, als sie bei den Wahlen zum italienischen Parlament für die Partei von Giorgia Meloni gestimmt haben.
Schlimm ist etwas anderes: dass wir in eine Situation geraten sind, in der Äußerungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten über einen europäischen Politiker genau die entgegengesetzte Reaktion hervorrufen, als der amerikanische Präsident erwartet; dass die Unterstützung durch den Präsidenten eines Staates, der noch vor kurzem der wichtigste der demokratischen Welt war, bei den Wählern unweigerlich die Überzeugung erzeugt, dass dieser Politiker die nationalen Interessen nicht vertritt und überhaupt nicht das Land führen sollte. Und wenn der Präsident der Vereinigten Staaten sich mit beleidigenden Aussagen an einen europäischen Regierungschef richtet, dann bedeutet dies für den Wähler in Europa gerade, dass es sich um einen gefestigten politischen Akteur handelt.
Noch vor kurzem war alles anders. Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten sich zu einem Politiker oder einer öffentlichen Person äußerte, wurde dies ganz anders wahrgenommen, weil der Präsident der Vereinigten Staaten über etwas verfügte, das Donald Trump katastrophal fehlt – Respekt und moralische Autorität.
Andererseits kann man sagen, dass Trump selbst nie nach dieser moralischen Autorität strebte. Sowohl er selbst als auch sein Vizepräsident J. D. Vance, Außenminister Marco Rubio und andere amerikanische Beamte haben wiederholt deutlich gemacht, dass von Moral in der Politik keine Rede sein könne. Mit genau solchen Aussagen wandte sich J. D. Vance, wie bekannt, in seiner beschämenden Rede auf der Münchner Konferenz an das Publikum. Mit ähnlichen Ausfällen trat Donald Trump vom Podium des Weltwirtschaftsforums in Davos auf.
Wenn also Unmoral als wichtigstes politisches Instrument vom Präsidenten der Vereinigten Staaten selbst formuliert wird und von jenen, die sich in seinem Umfeld bewegen, unterstützt wird, dann kann man sagen, dass auch die Europäer dem amerikanischen Präsidenten mit derselben Münze des mangelnden Respekts antworten können – in dem Verständnis, dass von Moral in der Politik, wenn es um Donald Trump geht, keine Rede sein kann.
Deshalb würde ich an Stelle von Giorgia Meloni die herablassende Kritik Donald Trumps, die sie offensichtlich nicht verdient hat, nicht allzu ernst nehmen. Denn in Wirklichkeit kann diese Kritik zu einem echten politischen Geschenk für die italienische Ministerpräsidentin werden, nicht nur ihre Amtszeit verlängern, sondern auch ihre Chancen auf politisches Überleben selbst dann sichern, wenn man Donald Trump und seine politische Karriere bereits zu vergessen beginnt.
Und ich habe den Verdacht, dass kein zukünftiger Präsident der Vereinigten Staaten sich erlauben wird, sich in derart grober Weise über Kollegen zu äußern, mit denen die Vereinigten Staaten strategische Beziehungen verbinden. Denn letztlich bleiben – ungeachtet aller Ausfälle, die wir seit Trumps Rückkehr ins Oval Office hören – die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten unverändert, und die Sicherheit dieses Landes hängt von den Positionen ab, die die Vereinigten Staaten in ihren Beziehungen zu europäischen Partnern einnehmen, insbesondere wenn es um Sicherheit geht.
Und diese Wahrheit lässt sich durch keine Inkompetenz und Parteilichkeit Donald Trumps auslöschen, der hartnäckig versucht, so offensichtliche, durch die Zeit und vor allem durch zwei Weltkriege bestätigte Fakten zu ignorieren, die den Amerikanern eigentlich hätten zeigen müssen, wie wichtig Europa für das Überleben der Vereinigten Staaten selbst ist. Doch für Menschen wie Donald Trump, wie bekannt, existieren historische Beweise nicht.
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Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Трамп атакует Мелони | Виталий Портников. 15.04.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung / Entstehung:15.04.2026. Originalsprache:ru Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
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Die Weltmedien behaupten, dass die Niederlage des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán und seiner ultrarechten politischen Partei Fidesz bei den Parlamentswahlen ein schwerer Schlag für die Positionen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump und der MAGA-Bewegung sein wird, die derzeit den Kern der amerikanischen Republikaner bildet.
Viktor Orbán und seine Vorstellung von Politik wurden in Kreisen, die Donald Trump nahestehen, wiederholt als Ideal einer europäischen politischen Reaktion auf Trumps Wahlsieg bei den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten und auf die Rolle gesehen, die die europäischen Eliten in ihren Beziehungen zum neuen Weißen Haus spielen sollten. Zudem war Orbán bereit, sowohl auf die Wünsche Donald Trumps als auch auf die Wünsche Wladimir Putins zu hören, wenn es um die Ausarbeitung der Position der Europäischen Union ging. Ein Beispiel dafür ist die Blockade von Sanktionen gegen Russland oder die Weigerung Viktor Orbáns, die Vergabe eines Kredits von neunzig Milliarden für die Ukraine zu unterstützen.
Es gab jedoch auch viele andere Beispiele im Zusammenhang mit der Reaktion europäischer Politiker auf bestimmte Maßnahmen der Vereinigten Staaten oder auf Äußerungen des amerikanischen Präsidenten. Vor den Wahlen zum ungarischen Parlament unterstützte Trump nicht nur selbst Viktor Orbán, sondern schickte auch seinen Vizepräsidenten J. D. Vance nach Budapest, der bei Wahlkundgebungen als Orbáns Wahlkampfunterstützer auftrat und versicherte, dass der ungarische Regierungschef die Wahlen auf jeden Fall gewinnen werde. Wie sollte es auch anders sein? Schließlich versprach Trump den Ungarn Geld, wenn sie für Fidesz stimmen würden.
Infolgedessen muss sich J. D. Vance nun vor Journalisten rechtfertigen und behaupten, dass man im Weißen Haus verstanden habe, dass Orbán die Wahlen verlieren könne, ihn aber dennoch unterstützt habe, weil man die Politik des ungarischen Ministerpräsidenten für richtig hielt. Dennoch ist der Nachgeschmack dieser Reise von J. D. Vance natürlich geblieben. Nicht nur Europäer, sondern auch Amerikaner haben gesehen, dass das Auftreten eines ultrarechten Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten auf einer Wahlkundgebung und die Unterstützung durch Donald Trump keineswegs zum Erfolg auf der europäischen politischen Bühne beitragen, sondern im Gegenteil sogar zu einer schmählichen Niederlage führen können.
Und es ist keineswegs zufällig, dass wir einen Prozess beobachten, bei dem sich viele europäische Politiker mit ultrarechten Ansichten nach den jüngsten Äußerungen des amerikanischen Präsidenten gezwungen sehen, sich von Donald Trump zu distanzieren.
So erklärte beispielsweise die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, dass sie die Äußerungen Donald Trumps über Papst Leo XIV. für inakzeptabel halte. Bekanntlich hatte der amerikanische Präsident den Pontifex mit Beleidigungen und Angriffen überzogen, nachdem dieser erklärt hatte, dass die angesammelten Probleme der Welt mit friedlichen Mitteln gelöst werden müssten – was für einen Geistlichen durchaus selbstverständlich ist. Trump erklärte daraufhin, dass er einen solchen Papst nicht brauche.
Für den italienischen Wähler jedoch grenzen derartige Aussagen eines Politikers an eine Beleidigung der nationalen Würde und der religiösen Gefühle. Und Meloni konnte, so sehr sie auch gute Beziehungen zum Weißen Haus aufrechterhalten wollte, diese Äußerungen Donald Trumps nicht ignorieren.
Auch der Vorsitzende der britischen Reformpartei, Nigel Farage, der in den Umfragen zunehmend hinter die linken Grünen zurückfällt, die eine Rückkehr Großbritanniens in die Europäische Union befürworten, sah sich gezwungen, sich von Donald Trump zu distanzieren, nachdem dieser den britischen Premierminister Keir Starmer angegriffen hatte – Angriffe, die an Respektlosigkeit gegenüber der Souveränität Großbritanniens grenzten.
Und der neue ungarische Ministerpräsident Péter Magyar, der bald den umstrittenen Viktor Orbán im Amt ablösen wird, erklärte, dass er Donald Trump nicht anrufen werde, aber bereit sei, mit dem amerikanischen Präsidenten zu sprechen, falls dieser ein entsprechendes Interesse bekunde. Für den egozentrischen und ausschließlich auf seine eigenen Möglichkeiten fixierten amerikanischen Präsidenten wirkt eine solche Aussage selbstverständlich wie eine kalte Dusche.
In Europa hat man inzwischen eine recht einfache Schlussfolgerung gezogen: Jede Orientierung an Trump und am Trumpismus erweist sich als verlustbringende Karte für die politische Karriere – selbst für jene, deren Weltanschauung der von Donald Trump und J. D. Vance ähnelt. Damit hört der Trumpismus auf, eine globale Ideologie zu sein, und wird zu einer Bewegung, die ausschließlich auf schnelle Siege in den Vereinigten Staaten selbst ausgerichtet ist. Es stellt sich jedoch die Frage, inwieweit solche Siege möglich sind, wenn sich die wirtschaftliche Lage in den USA infolge der Folgen des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran von Tag zu Tag verschlechtert.
Auch die außenpolitischen Handlungen Trumps wirken nicht wie die eines selbstsicheren Politikers. Zumal derzeit niemand sagen kann, wie der amerikanisch-iranische Krieg enden wird. Wird es Trump gelingen, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden? Und wird er einen Dialog mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, aufbauen können, der mit Genugtuung die wirtschaftliche und energetische Demütigung des Westens infolge unvorbereiteter Maßnahmen im Persischen Golf beobachtet?
So wird die Niederlage Viktor Orbáns zu einem weiteren Beweis dafür, dass die ultrarechte Ideologie, die noch vor kurzem als Siegerin erschien und als Bedrohung für die moderne Demokratie galt, offenbar ausschließlich mit dem Phänomen der persönlichen Popularität und der Ausstrahlung eines rasch alternden amerikanischen Präsidenten verbunden ist, der zunehmend das Verständnis für die Vorgänge um ihn herum verliert. Und je länger das Establishment der Republikanischen Partei darauf setzt, dass Trump und MAGA dieser Partei das politische Überleben sichern können, desto tiefer wird das politische Grab, das diese Kräfte nicht nur für „Make America Great Again“ und seine Aktivisten – von denen viele Trump inzwischen selbst kritisieren –, sondern auch für die Republikanische Partei selbst ausheben, die einst glaubte, sich die Ausstrahlung eines populistischen Geschäftsmanns zunutze machen zu können, um bei Parlaments- und Präsidentschaftswahlen erfolgreich zu sein und immer wieder triumphal ins Weiße Haus zurückzukehren.
Es hat sich herausgestellt, dass dies eines der schlechtesten Rezepte für politischen Erfolg ist, die je in den Vereinigten Staaten erdacht wurden. Es hat sich gezeigt, dass der traditionelle Konservatismus und die Werte, auf die sich die Republikanische Partei über Jahrhunderte gestützt hat, schlicht nicht durch einen ultrarechten, populistischen und inkompetenten Trumpismus ersetzt werden können. Und so hat sich der Trumpismus als ein echtes Gift für die amerikanischen Konservativen erwiesen, das seinerseits das Überleben der Republikanischen Partei als seriöse politische Plattform für die Zukunft Amerikas infrage stellen könnte.
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Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Орбан подвел Трампа | Виталий Портников. 14.04.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung / Entstehung:14.04.2026. Originalsprache:ru Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
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Der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky spricht von einem neuen russischen Ultimatum: Wenn die ukrainischen Truppen innerhalb von zwei Monaten nicht die vom legitimen ukrainischen Staat kontrollierten Gebiete der Oblast Donezk verlassen, wird Russland andere Friedensbedingungen haben — offensichtlich weniger vorteilhaft als die Aufgabe des Donbass. Das Problem besteht jedoch darin, dass es nicht um einen Weg zum Frieden geht, sondern um den Versuch, Kyiv eine Kapitulation ohne jegliche realen Sicherheitsgarantien aufzuzwingen.
Warum Russland der Ukraine zwei Monate für den Abzug der Truppen aus dem Donbass gegeben hat
Diese Frist kann auf den ersten Blick verwirrend erscheinen. Warum gerade zwei Monate? Warum kann über die Möglichkeit eines Rückzugs der ukrainischen Armee aus den Gebieten der Oblast Donezk nicht einen Monat oder vier Monate verhandelt werden?
Die Antwort liegt im amerikanischen politischen Kalender. Und dieses Ultimatum richtet sich keineswegs an Volodymyr Zelensky, sondern an Donald Trump. Wenn der amerikanische Präsident tatsächlich als Friedensstifter vor den Kongresswahlen erscheinen möchte, muss er die Ukraine unverzüglich dazu bringen, der Aufgabe des Donbass zuzustimmen. Andernfalls wird der Krieg weitergehen, und Putin wird dann nicht mehr so entgegenkommend sein.
Möglicherweise hat Zelensky gerade deshalb öffentlich über amerikanische Forderungen nach einem Truppenabzug aus der Oblast Donezk als Bedingung für die Gewährung von Sicherheitsgarantien für die Ukraine durch die USA gesprochen.
Und genau deshalb konnten Zelenskys Worte eine solche Verärgerung beim amerikanischen Außenminister Marco Rubio auslösen. Obwohl der Leiter der amerikanischen Außenpolitik — zugleich auch Berater des Präsidenten für nationale Sicherheit — einräumte, dass es ohne ein Ende des Krieges keine amerikanischen Sicherheitsgarantien geben werde. Und um den Krieg zu beenden, wie man verstehen kann, sollte die Ukraine die russischen Friedensbedingungen in Betracht ziehen. Ohne den Abzug der Truppen aus der Oblast Donezk will Russland von keinem Frieden sprechen. Die Schlussfolgerungen kann jeder selbst ziehen.
Friedensverhandlungen zur Ukraine: Bedingungen des Kremls und Zweifel in den USA
Doch in diesem Austausch liegt eine eigene Falle. Erstens ist unklar, von welchem Frieden überhaupt die Rede ist, wenn im Kreml zuvor von der Notwendigkeit die Rede war, einen umfassenden Friedensvertrag als Voraussetzung für die Beendigung der Kampfhandlungen zu unterzeichnen. Der Abzug ukrainischer Truppen aus den Gebieten der Oblaste Donezk und Luhansk ist nur eine der Bedingungen für einen Waffenstillstand. Niemand schließt jedoch aus, dass Russland, wenn die Ukraine einer solchen Entscheidung tatsächlich zustimmt, sie an andere Artikel dieses Friedensvertrags erinnern könnte, die darauf abzielen, das Land in einen echten politischen Satelliten Russlands zu verwandeln.
Auch die Gespräche über Sicherheitsgarantien wirken — zumindest solange Donald Trump im Oval Office sitzt —, gelinde gesagt, wie überzogene Erwartungen. Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten offen davon spricht, bereit zu sein, die NATO zu verlassen, und sogar droht, die Hilfe für die Ukraine einzustellen, nur weil die europäischen Verbündeten seinen Forderungen zur Teilnahme an der Operation zur Öffnung der Straße von Hormus nicht zugestimmt haben, was können die Vereinigten Staaten der Ukraine dann garantieren?
Letztlich stellt sich die Frage, was die Vereinigten Staaten der Ukraine garantieren können, wenn sie nicht einmal für die Sicherheit jener Länder bürgen können, auf deren Territorium sich ihre militärischen und maritimen Stützpunkte befinden. Und das in einer Situation, in der der Krieg gegen einen nicht-nuklearen Iran geführt wird, der amerikanische Flugzeuge auf dem Territorium der Staaten des Persischen Golfs zerstört. Man stelle sich vor, was geschehen würde, wenn in einen Krieg, an dem die Vereinigten Staaten teilnehmen müssten, eine nukleare Macht eintritt.
Gerade deshalb wirkt diese ganze Diskussion eher wie eine Simulation als wie ein reales Gespräch darüber, wie der russisch-ukrainische Krieg beendet werden kann. Es existieren schlicht keine echten amerikanischen Sicherheitsgarantien für die Zeit nach dem Krieg — unabhängig davon, was diskutiert wird.
Die wichtigsten amerikanischen Sicherheitsgarantien — diejenigen, die während des Krieges hätten gegeben werden müssen — nämlich stärkerer wirtschaftlicher Druck auf Russland und die Lieferung von Langstreckenwaffen an die Ukraine, will Trump hartnäckig nicht einsetzen oder setzt sie nur selektiv und vorübergehend ein.
Offensichtlich wird er diese Instrumente irgendwann gar nicht mehr einsetzen können, da den Vereinigten Staaten selbst die Waffen fehlen werden, erschöpft durch die militärischen Entscheidungen des Präsidenten, und wirtschaftlicher Druck unter Bedingungen von Energieproblemen wirkungslos erscheinen wird.
Kein Frieden durch Gebietsaufgabe
Die Ukraine wird keinen Frieden erhalten, selbst wenn sie ihre Truppen aus der Oblast Donezk abzieht. Der Grund dafür ist, dass diese Bedingung nicht mit dem Wunsch Russlands zusammenhängt, die Kontrolle über bestimmte Gebiete zu erlangen, sondern mit dem Ziel, das Nachbarland zu destabilisieren und eine Spaltung der Gesellschaft hervorzurufen, die mit der kampflosen Aufgabe von Territorien verbunden ist. Im besten Fall (für Russland) würde dies sogar zu einem Bruch zwischen politischer Führung und Armee führen — ein echtes Geschenk für Putin.
Verhandlungen nur für Trump
Und genau deshalb ergibt auch der Verhandlungsprozess keinen Sinn — gerade weil Putin nicht beabsichtigt, den Krieg zu beenden. Dieser Prozess war für den russischen Präsidenten lediglich notwendig, um die Beziehungen zu seinem amerikanischen Kollegen nicht zu verschlechtern. Sobald Putin erkennt, dass Trump bereit ist, auch ohne dieses Verhandlungsschauspiel mit ihm zu kommunizieren, wird in Moskau sofort das Interesse an Verhandlungen aufgegeben.
Wir haben es also mit einer Scheinpolitik zu tun, die im letzten Jahr generell zum Stil Trumps geworden ist. Man kann lange darüber nachdenken, was im Kopf des amerikanischen Präsidenten vorgeht, wenn er sich die Perspektiven eines Endes des russisch-ukrainischen Krieges vorstellt, aber uns sollte nicht Trumps Denken interessieren, sondern die Realität.
Und in dieser Realität kann dieser Krieg nur enden, wenn die Ressourcen der Parteien erschöpft sind — wie bereits im Februar 2022 gesagt wurde. Seitdem hat sich praktisch nichts geändert, und im Interesse der Ukraine liegt es, dass Russland zuerst erschöpft wird. Im Interesse des Westens liegt es, die Ukraine zu unterstützen, damit sie nicht zuerst zusammenbricht. Und im Interesse Russlands liegt es, die Ukraine zu erschöpfen und den Westen zu marginalisieren.
Der Krieg wird weitergehen
Wenn die europäischen Verbündeten der Ukraine keine Möglichkeiten finden, ihr finanzielle Mittel für das elementare Überleben und die Unterstützung der Armee bereitzustellen, erhält Putin eine Chance, den Krieg zu gewinnen. Das heißt, die ukrainische Staatlichkeit zu zerstören und sich in einen geopolitischen Hegemon Europas zu verwandeln, zumindest Zentraleuropas. Genau das zu erreichen, wofür er diesen Krieg begonnen hat. Genau das zu erreichen, was er ursprünglich mit einem Blitzkrieg erreichen wollte.
Wenn der Westen jedoch über genügend Ressourcen und gesunden Menschenverstand verfügt, wird Russland gezwungen sein, auf seine Ambitionen zu verzichten, die Idee einer Rückkehr zu den Grenzen der Sowjetunion wird endgültig marginal werden, und die Bewohner der Russischen Föderation werden sich erstmals seit den Zeiten des Moskauer Fürstentums unter Iwan Kalita nicht mit Expansion und einem imperialen Projekt beschäftigen müssen, sondern mit dem Aufbau eines Nationalstaates — sofern das russische Volk dazu überhaupt fähig ist und sofern die Mehrheit der ethnischen Russen in dieser Situation die Interessen anderer Völker Russlands berücksichtigen kann.
Doch bislang gehören all diese Perspektiven in den Bereich der politischen Fantasie. Vorerst wird der Krieg weitergehen.
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Art der Quelle:Essay Titel des Originals:Ультиматум для Трампа: зачем Кремль требует от Украины сдать Донбасс. Колонка Виталия Портникова. 03.04.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung / Entstehung:03.04.2026. Originalsprache:ru Plattform / Quelle:Zeitung Link zum Originaltext:
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Portnikov. In dieser Nacht nach Kyiver Zeit haben viele Beobachter, würde ich sagen, mit klopfendem Herzen auf den Auftritt des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump gewartet. Man meinte, er könnte die Frage des Austritts seines Landes aus dem Nordatlantischen Bündnis entscheiden, zumindest die Frage eines Einfrierens der Beziehungen zwischen der NATO und den Vereinigten Staaten. Man befürchtete, dass dies auch die Frage der Hilfe für die Ukraine betreffen könnte.
Bislang ist nichts geschehen, obwohl die Beziehungen zwischen der NATO und den Vereinigten Staaten, gelinde gesagt, schwierig geworden sind. Und es stellt sich die Frage, inwieweit diese Beziehungen verbessert und zum Modell der nordatlantischen, euro-atlantischen Integration zurückgekehrt werden kann. Darüber werden wir in unserer Sendung gemeinsam mit dem Leiter des Ukrainischen Krisenzentrums, dem außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter der Ukraine, Herrn Valeriy Chaly, sprechen.
Nun also, das Wichtigste, worüber ich sprechen wollte. Wissen Sie, was jetzt rund um die NATO geschieht, erinnert mich, so seltsam das klingt, an das Verhalten des russischen Präsidenten Putin im Jahr 2022, nachdem klar geworden war, dass der Blitzkrieg nicht funktioniert hatte. Und Putin gehört zu jenen Politikern, die jedes Problem immer als Chance begreifen. Was begann er zu tun, als offensichtlich wurde, dass er bei seinen Plänen eine reale Niederlage erlitten hatte? Er begann vor unseren Augen, die russische autoritäre Gesellschaft in eine totalitäre zu verwandeln. Er zerstörte all jene Hyde-Park-Plattformen, die es in der Russischen Föderation noch gab, wie etwa Echo Moskwy und Nowaja Gaseta, zerstörte die letzten Erscheinungsformen oppositioneller Aktivität sogar auf dem Niveau der Regionalpolitik. Das heißt, er verwandelte Russland buchstäblich innerhalb weniger Monate in so eine Art stalinistische Sowjetunion. Und dieser Prozess geht weiter. Man kann sagen, dass er den Krieg benutzt, um Russland in etwas noch Ernsteres als die stalinistische Sowjetunion zu verwandeln. Wenn es dort kein Internet geben wird, dann kann man sagen, dass dies die völlige Absage an jede informative Verbindung mit der Welt ist. Und kann es nicht sein, dass Trump sich genauso verhält wie Putin, dass auch er diesen Krieg als Chance nutzt? Er hatte den Wunsch, aus der NATO auszutreten, das wissen Sie sehr gut, zumindest keine engen Verbindungen zur NATO zu haben, schon zu der Zeit, als er zum ersten Mal Präsident der Vereinigten Staaten war, als Sie in Washington arbeiteten. Und damals gab es keinerlei reale Möglichkeiten zu sagen: „Das war’s, wir verlassen die NATO.“ Jetzt aber gibt es Möglichkeiten, es gibt Beweise. „Sehen Sie, was das für Verbündete sind. Wir schützen sie, und sie schützen uns nicht. Wir haben der Ukraine geholfen, und sie helfen uns nicht.“ Es entsteht der Eindruck, dass sowohl er als auch sein nationaler Sicherheitsberater Marco Rubio, der zugleich US-Außenminister ist, einfach diesen Wunsch verwirklichen, der vor dem Krieg mit dem Iran vollkommen unrealistisch erschien.
Chaly. Danke. Sie haben gleich mehrere Fragen aufgeworfen, und sie hängen zusammen, aber ich werde versuchen, der Reihe nach zu antworten. Zur NATO. Es stimmt: Als Trump der 45. Präsident war, sprach er bereits über solche Dinge und erklärte sogar öffentlich seine Absicht, ein entsprechendes Verfahren einzuleiten, aber das war ein Druckmechanismus. Und eben dieser Druck hatte Wirkung: Die NATO-Länder waren schon unter Bedingungen, als es noch keine großangelegte Invasion Russlands in die Ukraine gab, gezwungen, unter diesem Druck der USA und Donald Trumps ihre Budgets zu erhöhen, ich meine die Militärausgaben. Und wenn sie damals nicht damit begonnen hätten, wäre es jetzt viel schwieriger, das zu erhöhen und zu skalieren. Insofern erwies sich das als nützliche Sache. Aber jetzt ist der Ansatz, scheint mir, ein anderer. Oder sagen wir so: Ich kenne die Position einiger Leute, die damals zu Donald Trumps Umfeld gehörten, und jetzt haben sie Schlüsselrollen erhalten. Steve Miller, das Team der Polittechnologen, sie haben tatsächlich Umfragen in Auftrag gegeben. Wird dies als richtiger innenpolitischer Schritt wahrgenommen, der Stimmen bringen und die Stimmen der Republikaner und der Maga-Anhänger Donald Trumps vor den Zwischenwahlen zementieren könnte? Wenn man danach urteilt, dass die Erklärungen in diese Richtung gehen, kann man annehmen, dass wir schon in diesem Jahr, in der nächsten Periode, sogar den Beginn eines formalen Austrittsverfahrens aus der NATO sehen könnten. Also dazu müsste Donald Trump dem Kongress eine entsprechende Vorlage vorlegen.
Aber erstens haben das alle schon früher gesehen. Nicht nur wir, sondern auch die Senatoren, die diese Position heute übrigens sehr aktiv kritisieren. Sie haben damals in die NDAA, also den Haushalt für dieses Jahr, einen genauen Artikel aufgenommen, der genau so formuliert ist, dass der Präsident der Vereinigten Staaten in diesem Haushaltsjahr nicht eigenmächtig eine solche Vorlage zum Austritt aus der NATO einbringen kann. Also man kann sie zwar einbringen, aber sie wird nicht behandelt werden. Es gibt nur einen Vorbehalt. Das alles gilt bis zum 1. Oktober dieses Jahres. Das amerikanische Haushaltsjahr endet dann gerade.
Portnikov. Das heißt, man könnte die Vereinigten Staaten noch vor den Zwischenwahlen aus der NATO herausführen?
Chaly. Nein, das kann man nicht. Ich denke, die Vereinigten Staaten werden nicht aus der NATO austreten. Sie sind an dieser Organisation nicht weniger interessiert als die anderen NATO-Länder. Nun, ein Moment, den wir jetzt sehen, ist die Nutzung der Basen auf europäischem Territorium für die Operation im Nahen Osten. Ohne diese Basen kann ich mir diese Operation nicht vorstellen. Sie erinnern sich doch, wie viel Transportluftfahrt dorthin flog. Donald kann Erklärungen abgeben, sich über manches beleidigt zeigen, zum Beispiel, dass die Spanier die Flugplätze nicht zur gemeinsamen Nutzung im Rahmen des bilateralen Abkommens freigegeben haben, sie haben das jetzt nicht getan, aber andere Basen in Großbritannien, in Deutschland, in Italien sind alle eingebunden.
Portnikov. Sie übertreiben also nicht, das wollte ich fragen, was die Rolle der Soziologie angeht? Denn wir haben immer geglaubt, dass Trump sehr stark von der Soziologie abhängt, aber jetzt sehen wir, dass eine große Zahl von Amerikanern diesen Krieg nicht unterstützt. Nun gut, klar ist, dass die Demokraten jegliche Handlungen Trumps nicht unterstützen können. Das liegt auf der Hand. Klar ist, dass unabhängige Wähler nicht zum Krieg tendieren. Aber gibt es einen großen Bruch in Trumps Basis, im republikanischen Wählerlager, was den Krieg betrifft? Oder schenkt er überhaupt keine Aufmerksamkeit dem, was sein Wähler denkt, wenn es um für ihn prinzipielle Entscheidungen geht?
Chaly. Nun, auch hier wieder zwei Fragen. Die erste: Vertraue ich der amerikanischen Soziologie?
Portnikov. Nein, vertrauen Sie darauf, dass diese Leute, wie Miller, auf Umfragen fixiert sind?
Chaly. Ja, das ist eines der Instrumente zur Messung realer Wahlabsichten.
Portnikov. Aber dann müssten sie doch den Krieg beenden wollen und nicht ihn fortsetzen.
Chaly. Aber sie werden ihn nicht fortsetzen. Also, sagen wir so. Donald Trumps Erklärung, er hat doch klar, übrigens, Sie haben ja auch danach gefragt. Ich würde auf seine gerade eben abgegebene Erklärung achten. Warum? Er hat vom Teleprompter gelesen. Das war ein Text. Ein Text, der nicht nur von Technologen, sondern auch unter Beteiligung des State Department und anderer vorbereitet wurde. Deshalb wurden dort sehr klare, absolut verständliche Dinge gesagt. Man kann über diese Ziele streiten, von denen er dort sprach, etwa, dass Iran nicht mit Atomwaffen angreifen dürfe, obwohl sie bereits 460 Kilogramm zu 60 Prozent angereichertes Uran besitzen. Oder ob Iran ballistische Raketen hat, die weiter fliegen, als wir alle dachten. Aber das ist tatsächlich so. Iran hat bei der Insel 4.000 Kilometer gezeigt. Und wer sagt, was der Iran in einem halben Jahr haben wird? Vielleicht werden sie Raketen haben, die die USA erreichen können. Also, wissen Sie, als Begründung für ein Land wie die USA ist das so eine Sache, wir haben einen Schritt nach vorn gemacht. Genau hier kann man wirklich sagen: Diese neue Logik präventiven Handelns ist sehr gefährlich. Sie ist nirgendwo festgeschrieben. Nun, wie Putin sagt, ja, präventiv, und sie sind schon so weit gekommen, dass man einen präventiven nuklearen Schlag führen könne. Die Amerikaner haben jetzt keine Entscheidung über einen präventiven nuklearen Schlag, aber sie haben die Regel, dass der Präsident beliebige Schritte in militärischen Operationen unternehmen kann, der Kongress dies aber nach einiger Zeit prüfen und eine Fortsetzung verbieten kann, wie es jetzt geschieht, weil der Kongress Einflussmittel hat: Geld. Trumps Anfrage über 200 Milliarden an den Kongress wird derzeit nicht umgesetzt, also übt der Kongress Einfluss aus. Um auf den vorigen Punkt zurückzukommen: Sie können auch ohne Soziologie handeln. Nun ja, so handeln sie im Prinzip auch, aber jetzt, wo sie da hineingezogen wurden, werden sie die Stimmung messen, da stehen große Finanzen dahinter. Alle schauen, wem in dieser Situation was nützt. Deshalb habe ich klar gehört, dass Donald Trump sagte, dass, nun, er dem globalen Business ein Signal gab, dass das alles doch nicht lange dauern werde. Man kann über diese zwei, drei Wochen, zwei, drei Monate scherzen. Der Krieg im Nahen Osten wird sich meiner Meinung nach durch den Einstieg der USA gerade eher fortsetzen, und zwar, wie mir scheint, mit stärkerer Eskalation. Denn paradoxerweise nimmt der Abgang der Vereinigten Staaten von dort die Schlüsselprobleme nicht weg. Israel bleibt bedroht. Die arabischen Länder wollen, dass die USA bleiben. Aber Donald Trump persönlich wird aussteigen. Er hat eine Zwischen-Erklärung abgegeben. Sehen Sie, er hat nicht erklärt, wie alle sagten: „Jetzt wird er sagen: Ich trete aus der NATO aus, ich steige aus dem Krieg aus.“ Nein, er hat gemessen an der heutigen Lage in Amerika eine ziemlich ausgewogene Erklärung abgegeben. Er sagte, ja, es werde noch irgendeine Einbindung brauchen, aber unsere geplanten, nun, bedingten Ziele, die hätten wir faktisch schon erfüllt. Das ist also ein Signal, dass Donald Trump die Beteiligung an diesem Krieg wirklich nicht weiter fortsetzen wird. Das ist ein gutes Signal. Wenn er es umsetzt.
Portnikov. Lassen Sie uns eine Situation auseinandernehmen. An einem Krieg nehmen bekanntlich zwei Seiten teil. Das sagte Trump zu Zelensky. Für einen Tango braucht man zwei. Wir können uns ja eine andere Situation vorstellen: Die Vereinigten Staaten erklären tatsächlich, dass sie im Iran alle besiegt haben, dass der Iran jetzt kein solches Potenzial mehr hat. Israel kann dort handeln oder auch nicht, das ist Sache Israels, aber die Vereinigten Staaten werden daran nicht teilnehmen. Aber es gibt auch noch den Iran. Den Iran, der seine Schläge – natürlich sofern er die Möglichkeiten dazu hat – schon ohne amerikanische Schläge weiterführen kann, gegen die Länder des Persischen Golfs, gegen Israel, und dabei die Erfüllung seiner Bedingungen verlangt. „Zahlt uns Reparationen. Erkennt an, dass dies ein Angriffskrieg war. Gebt uns Garantien für einen vollständigen Nuklearzyklus. Gebt Garantien dafür, dass Israel nicht auf die Hisbollah schlagen wird, gebt der Hisbollah im Libanon Sicherheit, dass nicht auf den Libanon geschossen wird. Und danach werden wir den Beschuss der Länder des Persischen Golfs und Israels einstellen. Wir werden das Feuer nicht einstellen, bis der große Satan unsere Bedingungen anerkennt, denn er muss kapitulieren.“ Aus dieser Sicht könnte das Verhalten des Iran dem Verhalten Russlands ähnlich sein. Warum sollten sie sich wie ein Land verhalten, das sagt: „Oh, wenn ihr aufhört zu schießen, hören auch wir auf zu schießen.“ Wir schlagen dem Iran dann doch, würde ich sagen, ein Verhaltensmodell der Ukraine vor. Dass also die Ukraine sagt: „Wenn die Russen aufhören zu kämpfen, hören auch wir auf zu kämpfen. Wir sind zu einem Waffenstillstand entlang der Kontaktlinie bereit.“ Aber Iran ist, entschuldigen Sie, nicht die Ukraine. Es ist ein Land mit einem aggressiven Regime, das bereit ist, seine Nachbarn zu bedrohen, das Führungsmacht der Region sein wollte. Warum sollten sie die jetzige Gelegenheit nicht nutzen, um Trump politisch den Rest zu geben? Stellen Sie sich vor, er ist aus dem Krieg ausgestiegen, aber die Schläge gegen amerikanische Basen gehen weiter. Was soll Trump dann tun?
Chaly. Den Iran kann man mit Blick auf die Größenordnung der Kriegsparteien schwer mit der Ukraine vergleichen. Also Russland, Ukraine, USA, Iran. Aber der Iran hat tatsächlich begonnen, allen Ländern der Region zu drohen. Wir wissen, dass die Saudis keinen Krieg wollten. Bis heute sind sie nicht in den Krieg eingetreten. Die Arabischen Emirate auch nicht. Aber eine solche Annäherung an Israel, Saudi-Arabien und andere Länder der Region habe ich seit sehr langer Zeit nicht erlebt. Das heißt, der Iran hat diese Länder mit seinen Drohungen geeint, und insofern ist der Iran der wirkliche Aggressor der Region. Deshalb wird er damit nicht aufhören. Der Iran wird sich wie Russland verhalten. Wie Russland. Sie werden weitermachen, solange sie Mittel haben, und die werden sie haben, weil der Iran ein großes Land mit Produktionsmöglichkeiten ist. Sie haben alles 500 Meter unter die Erde verlagert, daher können die USA nicht alles erreichen. Die USA haben also ihr Potenzial verringert. Aber das bedeutet nicht, dass es verschwinden wird. Nein, sie werden den Krieg fortsetzen. Und deshalb sage ich: In diesen Krieg im Nahen Osten werden weitere Länder hineingezogen werden. Er wird regional werden. Ob er aber mit einer so starken Einbindung der USA auf der Ebene der Luftwaffe geführt wird, also bedingt mit den F-35 und den Flugzeugträgern, ob es so sein wird? Oder ob die Unterstützung der USA größer sein wird, ohne solche öffentlichen Erklärungen Trumps? Ich prognostiziere, dass Trump vor den Wahlen mit solchen Aussagen aus dem Informationsraum verschwinden wird. Es entsteht nämlich der Eindruck, dass wir jetzt zwei Modelle in der Welt haben: ein Informationsmodell und ein reales Modell, reale Dinge. In der realen Welt interagieren die USA mit ihren Partnern. In der realen Welt wissen die USA, dass sie den Stab der 82. Luftlandedivision dorthin geschickt haben. Nicht einfach so, dass dort sogar ein Kontingent ist, nun, insgesamt etwa 50.000 in dieser Region, und sie sind sogar noch bereit, weitere zu schicken. Das heißt, die USA werden nicht aussteigen, schon deshalb nicht, weil sie Verpflichtungen gegenüber Israel haben, verbündete Verpflichtungen. Nur in diesem Punkt haben sie solche Bündnisverpflichtungen. Sie haben sich verpflichtet, Israel zu schützen, auch im nuklearen Sinne. Obwohl Israel eigene Atomwaffen hat, meinen die USA, dass sie im Fall solcher Bedrohungen aus dem Iran handeln. Offen gesagt: Die USA erfüllen ihre Bündnisverpflichtungen gegenüber Israel, zumindest gegenüber Israel. Soweit ich sehe, kritisiert in Israel niemand Donald Trump. Und in diesem Sinne wurde ja gefragt: „Warum nicht in der Ukraine?“ Er sagt: „Die Ukraine ist weit weg.“ Man fragt ihn: „Hören Sie, der Nahe Osten ist doch auch weit entfernt.“ Und er sagt: „Ihr versteht nichts, er ist nah.“ Das ist seine ganze Logik. Warum ist es für ihn nah? Nun, weil seine Tochter jetzt den Glauben ihres Schwiegersohns Kushner angenommen hat. Und jetzt, sagt er selbst: „Wir sind jetzt selbst hier Israelis. Unsere ganze Familie ist so, die ganze Familie.“ Ich habe seine Aussagen dazu mehrfach gehört. Er hat sehr oft daran erinnert, dass sein Vater aus eigenen Mitteln eine Synagoge gebaut hat. Er hat das vor dem Krieg sehr oft erwähnt.
Portnikov. Vielleicht ist das doch eher eine wahlpolitische Frage. Vielleicht geht es nicht um Israel, sondern um die amerikanischen Juden, von denen übrigens viele heute sehr weit von Donald Trump und von der israelischen Regierung entfernt sind. Das ist doch auch eine reale Frage. Man kann eine Tochter haben, die den Glauben angenommen hat. Zugleich muss man aber sagen, dass die Spaltung zwischen der amerikanisch-jüdischen Gemeinde und Israel in allen Jahren des Bestehens des Staates Israel beispiellos ist. Und wer Israel hilft, bekommt nicht unbedingt die Stimmen der amerikanischen Juden. Ein Beispiel ist, dass eine große Zahl amerikanischer Juden in New York für Bürgermeister Mamdani gestimmt hat, der bekanntlich ein Sympathisant Palästinas und nicht Israels ist. Und das hinderte sie nicht daran, für ihn zu stimmen. Deshalb gibt es, scheint mir, keine so direkte Konnotation.
Chaly. Direkt nicht. Aber ich habe mit vielen Leuten gesprochen, die sich in den USA damit beschäftigen, und sie stellen klar fest, dass sie jetzt eine gute Interaktion mit Israel haben. Und Israel dankt Donald Trump auf offizieller Ebene, in den Gesprächen Netanyahus ständig. Das ist also in diesem Fall ganz klar eine Manifestation realer Bündnisverpflichtungen.
Portnikov. Nun gut, vielleicht gibt es einfach formale Verpflichtungen. Wir haben kein solches Abkommen mit den Vereinigten Staaten. Übrigens, wenn wir über Sicherheitsgarantien sprechen, vielleicht sind genau das solche Sicherheitsgarantien, dass wir mit den Vereinigten Staaten ein solches Abkommen wie Israel haben sollten. Die Vereinigten Staaten können sagen: „Wir werden euch nach dem Krieg Sicherheitsgarantien geben.“ Welche? Ich sehe keinerlei formale Möglichkeiten, dass wir irgendwelche umsetzbaren Sicherheitsgarantien erhalten. Aber Sicherheitsgarantien, wie sie Israel hat, könnte die Ukraine erhalten. Das würde jedoch bedeuten, dass die Vereinigten Staaten bereit wären, mit einem Atomstaat zu kämpfen, nicht mit irgendeinem Iran, sondern mit einem echten Atomstaat.
Chaly. So ist es. Und ich erinnere Sie an das, was Marco Rubio in seiner Erklärung sagte, die, nun, aus irgendeinem Grund in der Ukraine nur aus dem Blickwinkel aufgenommen wurde, nun, da war die Formulierung: „Der Präsident der Ukraine lügt.“ Im Hinblick auf den Verlauf der Verhandlungen, dass territoriale Zugeständnisse gefordert würden, wird das unterschiedlich ausgelegt. Wobei ich denke, beide legen es so aus, wie sie es müssen, weil man es anders nicht auslegen kann. Der Präsident der Ukraine kann nicht sagen: „Wir stimmen dem kampflosen Abzug vom Territorium der Ukraine zu“, denn das wäre gegen die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine. Und Marco Rubio als Mensch, der sich jetzt einerseits an dieses Trump-Elektorat anpassen will – er will ja einer der nächsten Kandidaten sein, er hofft, die Konkurrenz mit anderen, mit Vance, zu gewinnen. Und er sagte, aber dabei ist er Außenminister, die dritte Person in Amerika, übrigens im Unterschied zur Ukraine. Dort spielt der Außenminister nicht eine solche Rolle. Da müssten wir bei uns nachziehen und dem Außenministerium mehr Möglichkeiten geben. Aber das ist ein anderes Thema. Also, Marco Rubio sagte einen Satz: „Sicherheitsgarantien sind die Einbindung amerikanischer Truppen.“ Er sagte: auf dem Territorium der Ukraine. Ich weiß nicht, warum sich unsere Verhandler nicht an diesem Satz festgebissen haben. Wir brauchen also ein Abkommen wie, nun, mit Israel – Amerika hat mit Israel nicht ein Abkommen, sondern vier Hauptabkommen. Und dort gibt es einen Komplex von Vereinbarungen. Zum Beispiel ist die Situation mit den Verpflichtungen gegenüber der Republik Korea hier klarer. Dieses Abkommen ist kurz, aber dort geht es ausdrücklich um Truppen. Ausdrücklicher als in Artikel fünf des Washingtoner Vertrags übrigens. Der ist diffus, dort ist unklar, wie reagiert werden würde. Dort ist es näher an der Konkretion, und die Amerikaner fügen dem für die Republik Korea noch einen nuklearen Schutzschirm hinzu. In Israel ist es genau dieselbe Situation. Wenn wir solche Garantien wie Israel von Amerika hätten, dann würde das im Grunde die Frage lösen, dann könnte ich sagen, das sind Sicherheitsgarantien, das ist die Einbindung von Truppen. Aber ich, ehrlich gesagt, glaube nicht, dass es in Amerika unter den heutigen Bedingungen ein solches Abkommen in Bezug auf die Ukraine geben wird. Obwohl man dafür natürlich kämpfen muss.
Portnikov. Schon das bloße Auftreten amerikanischer Truppen auf ukrainischem Territorium wäre bis zu einem gewissen Grad eine gewichtige Abschreckung für Russland. Ich kann mir Russland nicht vorstellen, das mit einem Land Krieg führt, in dem amerikanische Soldaten stationiert sind.
Chaly. Wenn die Amerikaner, nun, erstens muss man ihnen in jedem Fall danken, 2022, wie auch immer es anfangs war, aber ohne ihre Unterstützung und danach ohne eine so aktive Unterstützung wäre es uns unmöglich gewesen, jetzt die Situation zu haben, die wir haben. Aber wenn sie, wenn unsere Wünsche, und das stimmt, wenn sie sich von Anfang an mit ihren Truppen eingeschaltet hätten, wäre Putin nicht weitergegangen. Er wäre nicht weitergegangen.
Portnikov. Mir scheint, dass damals in den Vereinigten Staaten überhaupt niemand auch nur daran gedacht hat, dass man mit Truppen eingreifen könnte. Sie haben doch gesehen, dass die Hauptidee von Joseph Biden war, und daran muss man einfach erinnern, dass die Vereinigten Staaten sich auf keinen Fall und unter keinen Umständen an diesem Konflikt beteiligen dürfen. Und man kann sagen, dass auch die europäische Position durch die amerikanische bestimmt war. Ich weiß übrigens bis heute nicht, inwieweit die Europäer heute fähig sind, in diesem Konflikt eigenständige Entscheidungen zu treffen, ohne die amerikanische Position zu berücksichtigen.
Chaly. Wenn Sie erlauben, würde ich das korrigieren. Ihre Position war nicht, sich auf keinen Fall einzumischen. Nein, ihre Position war so, dass, nun, in ihrem Verständnis der große Konflikt zwischen der Ukraine und Russland mit einer schnellen Niederlage der Ukraine enden würde. Und als die Ukraine eine völlig andere Situation demonstrierte und Russland eine Menge Fehler und Fehlschläge zeigte, begann man sofort abzuwägen, was weiter zu tun sei. Am Ende, ich räume ein, dass die Amerikaner in ihrem Stab, der am dritten Tag nach der großangelegten Invasion geschaffen wurde, am dritten Tag schon voll arbeitsfähig war und Vorschläge für den Präsidenten erarbeitete, durchaus Varianten hatten. Nach Aussagen des ehemaligen CIA-Chefs Burns, und er sagte das öffentlich im Oktober, unter den Bedingungen, als die Russen mit dem Einsatz taktischer Nuklearwaffen drohten, und Burns sagt, dass Amerika, das offizielle Weiße Haus, das ernst nahm, also es als reale Bereitschaft auffasste. Das bestätigte übrigens auch General Petraeus. Ich denke übrigens, dass er in den nächsten Tagen in Kyiv sein wird. Man könnte ihn dazu befragen, ich würde sagen, man könnte morgen nachfragen, aber er hat bereits darüber gesprochen. Nicht öffentlich, sondern vor einem engen Kreis, dass es genau so war und dass auch ihm solche Informationen vorlagen – dass die Russen damals drohten. Also, in jener Situation, und ich kann es Ihnen hier nicht zu 100 Prozent bestätigen, aber Experten in Washington sprechen davon, dass die Amerikaner damals Verbindung mit Peking aufnahmen, dass die Volksrepublik China in dieser Situation ihre Rolle spielte. Aber nach Moskau wurde ein solches Signal gesendet: „Falls ein taktischer Sprengsatz eingesetzt wird, treten die USA mit konventionellen Kräften ein, werden zumindest das Schwarze Meer absichern.“ Und dort, ich weiß nicht, was sie über einen Schlag gegen die Schwarzmeerflotte gesagt haben. Ich kann diese Information nicht hundertprozentig bestätigen, aber ich habe diese Version nicht nur einmal gehört. Aber diese Information von Burns bestätige ich Ihnen. Das heißt, die Handlungen Amerikas hingen von der Entwicklung der Situation ab, aber von Anfang an sahen sie keine Niederlage Russlands vor. Das ist das Problem.
Portnikov. Aber hier entsteht, wissen Sie, welche Frage? Gilt Bidens Ultimatum noch in Zeiten Trumps? Inwieweit kann die Russische Föderation heute noch befürchten, dass die Amerikaner reagieren werden, wenn sie taktische Nuklearwaffen einsetzt?
Chaly. Es gilt absolut nicht. Es gilt überhaupt nicht, leider, überhaupt nicht. Ich erzähle Ihnen, wie es war. Und jetzt, nach den Äußerungen zu urteilen, sehen wir, und nach den Handlungen kann ich mir ehrlich gesagt schwer vorstellen, dass die damalige Position wiederholt würde. Stattdessen…
Portnikov. Wie sehr ist Trump daran interessiert, dass Putin einfach Atomwaffen einsetzt? Das liegt doch auch nicht in seinem Interesse.
Chaly. Nein, das liegt nicht in seinem Interesse. Das liegt nicht im Interesse Chinas. Und derzeit liegt es auch nicht im Interesse Putins. Deshalb bin ich im Hinblick auf die Atomwaffenfrage gerade recht ruhig. Ich denke, dieses Kapitel wurde damals umgeblättert. Aber es gibt ein Aber: Sie sehen, und das bestätigt sich, was auch Sie sagen, und im Grunde sind die Signale jetzt sehr klar: das Entfalten eines globalen Krieges. Das heißt, vielleicht werden wir in Zukunft, Gott gebe, nicht sagen müssen, dass dies der Dritte Weltkrieg ist, aber im Wesentlichen sehen wir die Entfaltung des Dritten Weltkriegs. Wenn sich dazu die indo-chinesische Region gesellt, zum Beispiel mit China, dann wird das der Dritte Weltkrieg sein, mit Dutzenden von Ländern, den USA, China und allem anderen. So weit sind wir noch nicht, aber wir sind in diesem Prozess. Und aus dieser Sicht sage ich Ihnen vielleicht etwas Paradoxes. Erstens verstehen wir alle, dass viele Länder sehr schnell Atomwaffen herstellen könnten. Also China wirft Japan heute vor, übrigens, dass es buchstäblich in einem Monat Atomwaffen herstellen könnte. Nun, in einem Monat glaube ich nicht, aber die technologischen und finanziellen Möglichkeiten erlauben es Japan, sagen wir, unter Bedingungen, wenn Amerika sagt: „Ihr habt keinen nuklearen Schutzschirm der USA“, derzeit liegt der amerikanische nukleare Schutzschirm über Japan. Wenn die Amerikaner so etwas sagen, bauen die Japaner ziemlich schnell selbst ihren nuklearen Schutzschirm auf. Dasselbe gilt für die Republik Korea, die derzeit die Amerikaner nutzt, dies aber selbst schaffen kann. Das gilt auch für Deutschland, das derzeit auf Frankreich setzt, aber Frankreich weiß nicht, inwieweit es bereit ist, diese Initiative eines europäischen nuklearen Schutzschirms unter Druck von verschiedenen Seiten umzusetzen. Also alle Länder, ganz zu schweigen von denen, die bereits Waffen haben, diese aber ausbauen könnten. Deshalb ist die Situation hier paradox. Diese Entfaltung des Dritten Weltkriegs kann nur durch zwei Dinge gestoppt werden. Oder sogar drei. Eine weltweite Katastrophe, also mit strategischen Nuklearwaffen. Das sehe ich jetzt, nun, diese Weltuntergangsuhr dreht sich, der Zeiger steht schon näher dran, aber lassen wir dieses Szenario lieber außen vor. Das zweite Szenario…
Portnikov. Weil wir Angst haben oder weil wir nicht glauben?
Chaly. Weil wir Angst haben. Hören Sie, wir wissen nicht, was das ist, aber die Menschen haben Angst. Und übrigens hat genau diese Angst sehr viele Länder von weiteren Schritten der Eskalation abgehalten. Wer weiß, vielleicht ist das sogar ein gutes Instrument, vielleicht ist es überhaupt das einzige, das die Welt rettet. Wer weiß. Zurückzugehen in frühere Zeiten ist schwer, aber früher hat gerade das den Krieg, seine Entfaltung, aufgehalten.
Portnikov. Das, was in der Sowjetunion friedliche Koexistenz von Staaten mit unterschiedlicher Gesellschaftsordnung genannt wurde.
Chaly. Ja, so nannte man das. Aber gleichzeitig waren alle sehr besorgt, dass nicht jemand doch Überlegenheit bei den Sprengköpfen erlangt. Ich erinnere Sie: Kennen wir Beispiele, in denen man allein aus solchen technischen Gründen schon bereit war, auf einen falschen Start zu reagieren? Es gab diesen Start nicht, die Satelliten waren ausgefallen, und die Sowjetunion hätte reagieren sollen. Aber, nun, das ist eine historische Tatsache. Jener Major, der Leiter dieser Einheit war, zwei hätten ja bereits die beiden Schlüssel drehen müssen, tat das nicht. Und ebenso gab es zwei Fälle bei den Amerikanern. Dieselbe Geschichte. Das war lange her, aber dennoch, lassen wir dieses Szenario lieber weg. Das zweite Szenario ist die Entfaltung einer allmählichen Eskalation, die Entfaltung des Dritten Weltkriegs ohne strategische Nuklearwaffen. Und genau dieses Szenario beobachten wir jetzt. Das Umschlagen in einen regionalen Krieg im Nahen Osten, das Umschlagen in einen regionalen Krieg in Europa. Und es kann einen dritten Punkt geben. Was den Einsatz von Atomwaffen betrifft, von taktischen Atomwaffen, noch einmal, taktischen Atomwaffen, so kann er eine unvorhersehbare Rolle spielen. Einerseits kann das, nun, ich sage nicht, dass die Büchse der Pandora noch nicht geöffnet ist, aber es könnte die Zahl der Atomstaaten in der Welt binnen eines Jahres sofort auf 20 erhöhen und mögliche Einsätze eröffnen, weil die Menschen sehen würden, dass taktische Nuklearwaffen in Wirklichkeit für größere Entfernungen, nun, bedingt größere Entfernungen, nicht jener Schrecken sind. Wir sind in Kyiv. Wenn das in Russland eingesetzt worden wäre, hätten wir es nicht einmal gehört, oder? Aber die Angst vor der Atomfrage insgesamt kann weitere Schritte stoppen. Sie kann sie stoppen. Was könnte noch stoppen? Es könnte einfach die Unmöglichkeit stoppen, enorme Ressourcen hineinzustecken. Und genau hier besteht ein großes Risiko, denn diktatorische, autoritäre Länder wie Russland oder Iran wird das nicht aufhalten. Sie können einen Krieg dieses Typs führen, und der Preis des Lebens ist dort minimal. Deshalb freue ich mich zum Beispiel wenig darüber, dass die USA irgendwo aussteigen. Manchmal verstehe ich nicht, warum sie überhaupt eingestiegen sind. So etwas gibt es. Aber wenn die USA aussteigen, kann mich das nicht besonders freuen. Wenn die USA aber im Nahen Osten bleiben, daraus aber keine Informationsgeschichte machen und Donald Trump persönlich, sein Team, sich dennoch wieder auf Europa konzentriert und es keine so große Konkurrenz bei den Waffen gibt, also wohin die Patriot-Raketen gehen, dann denke ich, das wäre eine nützliche Sache. Deshalb denke ich, dass für uns seine heutige Erklärung in einer besseren Variante erklang, als wir erwartet hatten. Und zurück zur NATO: Sie wissen, weil sich die Frage weiter zwischen den Verbündeten entfalten wird, da gibt es auch andere Erklärungen, das wird sich drehen, das wird konfliktgeladen sein, aber all das lässt sich durch Änderungen am Washingtoner Vertrag lösen. Dort gibt es im Washingtoner Vertrag übrigens, er heißt ja anders, Nordatlantik und so weiter, vieles, was schon veraltet ist. Da gibt es viele absolut veraltete Normen. Eigentlich müsste es sogar zu einem juristischen Neustart kommen. Damit die Amerikaner sich dann nicht wundern, warum es keine solche gegenseitige Beteiligung, keine solchen Verpflichtungen gibt. Deshalb scheint mir, dass Trump und jene Leute, die bei ihm sind, und das ist ja nicht nur Trump. Jetzt, in seiner Zeit als 47., sind die Leute, die zu Zeiten seiner 45. Präsidentschaft in der zweiten Reihe standen, in die erste Reihe gekommen. Das sind loyale Leute, das sind, sagen wir so, Leute ohne persönliche Erfahrung, wie es General Mattis war oder McMaster, der nationale Sicherheitsberater. Jeder der nationalen Sicherheitsberater, Bolton, der Vertreter bei der UNO war, Mattis, der gekämpft hat, also amerikanische Truppen führte, und jetzt…
Portnikov. Hat Rubio denn weniger Erfahrung? Er ist nationaler Sicherheitsberater, er ist Senator mit langjähriger Erfahrung in der Außenpolitik, einer der Koryphäen der amerikanischen Diplomatie. Was folgt daraus?
Chaly. Welcher Rubio? Der Rubio des Jahres 2016 oder der Rubio des Jahres 2026?
Portnikov. Ein und derselbe Mensch mit derselben Erfahrung.
Chaly. Ich zitiere den Rubio des Jahres 2016, den erfahrenen Senator. Er sagte: „Die Ukraine, die zwangsweise entnuklearisiert wurde, und wir haben die Verpflichtung, dieses Land zu schützen, falls es angegriffen wird.“ Das ist Rubio 2016. Und Rubio jetzt.
Portnikov. Das heißt, es geht also doch nicht um Erfahrung, sondern um Konjunktur.
Chaly. Natürlich. Rubio sagt das leider, weil er Präsident dieses Amerika werden will. Nicht Amerika 2016, sondern Amerika 2028. Und er korrigiert seine Position bereits entsprechend. Dennoch würde ich nicht alles gleichsetzen, nicht sagen, dass sie alle dieselbe Position hätten, dass Donald Trump die Position aller ausdrücke. Die Position Donald Trumps ist nicht die Position der USA, besonders wenn das Gleichgewicht nach den Zwischenwahlen etwas korrigiert wird.
Portnikov. Versuchen wir trotzdem, es zu verstehen. Sie sagten, das sei eine ermutigende Erklärung, dass Trump in drei, vier Monaten aussteigen könne. Aber wenn er nicht aussteigt, wenn er keine Möglichkeit hat auszusteigen, wenn der Iran weiterkämpfen wird, wie lange kann dieser Krieg dauern? Ich erinnere Sie übrigens: Am 7. Oktober 2023, als die Hamas nach Israel eindrang und Israel entschied, im Gazastreifen eine Operation zu beginnen, meinten damals die meisten Beobachter doch auch, das werde, nun, drei Wochen dauern, einen Monat, anderthalb. Wie kann die Hamas monatelang, jahrelang gegen Israel kämpfen? Was soll das überhaupt sein? Nun, Sie erinnern sich, wie lange das gedauert hat? Im Grunde anderthalb Jahre. Ein intensiver Krieg. Warum kann der Iran nicht wie die Hamas sein?
Chaly. Kann er. Ich präzisiere noch einmal: Genau das habe ich ja gesagt, dass ich das für einen großen Krieg halte, der sich an verschiedenen Punkten der Welt entfaltet. Also dieser große Krieg, nun, wir befinden uns in ihm, mindestens seit 2008, als Putin einen Teil Georgiens annektierte. Hoffentlich haben wir mindestens die Hälfte schon hinter uns, sage ich mal so. Nun, die andere Hälfte bleibt leider noch. Noch eine Generation.
Portnikov. Sie wollen sagen, das wird noch 20 Jahre so weitergehen. Aufmunternd vor der Nacht.
Chaly. An verschiedenen Orten. Aber ich zitiere Sie, Sie denken doch auch, dass der Krieg weitergehen wird. Und Sie haben recht. Ich sage es nur etwas anders, nämlich, dass man ihn aus Europa herausschieben kann, denn im Unterschied zum Nahen Osten, im Unterschied zur Region Korea oder zu Pakistan-Indien oder Taiwan, Insel-China und Festland-China, hat Putin den Krieg künstlich nach Europa verlagert. Das ist schlimmer als ein Verbrechen. Das ist ein Fehler für Russland, für alles. Er wird Russland zerstören. Er wird es früher oder später zerstören. Er geht diesen Weg. Nur haben wir, wissen Sie, wir können mit Ihnen über Prognosen sprechen, aber Kriegsperioden sind ebenso Gegenstand der Wissenschaft wie die Zyklen wirtschaftlicher Krisen. Also man sagt, dass es Perioden mit weniger Kriegen und mit mehr Kriegen gibt. Das sind in der Regel zwei Generationen, und die Gesetze der Dialektik hat niemand abgeschafft. Wenn es das Gesetz der Dialektik gibt, die Negation der Negation, also wenn alles spiralförmig auf einer neuen Stufe verläuft, dann hat das doch niemand abgeschafft. Ich habe einmal ein Auditorium angesehener Leute gefragt, so ein Programm, dessen Teilnehmer alle Premierminister oder Präsidenten werden wollen. Ich fragte sie nach den drei Gesetzen der Dialektik. Es waren nur drei oder vier Leute im ganzen Saal, die sagten: „Das sind objektive Gesetze, wie die Gesetze der Physik.“ Es gibt Gesetze, die wirken.
Portnikov. In unserer Zeit muss ein Mensch, der Präsident werden will, keine objektiven Gesetze kennen. Da irren Sie sich. Aber ich kann Ihnen aus einem anderen Grund widersprechen. Sie sprechen von Generationen, aber im Nahen Osten begann der Krieg faktisch im Mai 1948 mit der Ausrufung des Staates Israel. Dieser große Krieg dauert, mit Unterbrechungen, fast ein Jahrhundert. Wer sagt, dass Europa nicht ein Ort für einen solchen großen Krieg sein kann, selbst wenn er künstlich begann? Gerade die Fortsetzung eines solchen Krieges über Jahre schafft doch Bedingungen gegenseitigen Hasses.
Chaly. Die Geschichte sagt das. In Europa betrachte ich die Periode vom Ersten Weltkrieg bis zum Zweiten als die Periode eines einzigen Krieges, nun, im Grunde, mit nicht abgeschlossenen… also Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, aber im Grunde von 1914 bis 1945. Aber schauen wir doch auf die Zeit seit 1945, als dieses ganze amerikazentrierte System geschaffen wurde, also sowohl finanziell als auch später die Petrodollars. Wir sprechen ja nicht umsonst von Petrodollars, oder?
Portnikov. Ja, nicht von Petro-Yuan.
Chaly. Eben, das war nicht zufällig. Es gab eine große Periode nach dem Kalten Krieg, als es einen Hegemonen in der Welt gab, die USA. Jetzt hat sich das geändert. Das ist die Zerstörung der Welt. Übrigens ist Trump sehr gut darin zu zerstören, nur ist unklar, wer auf all dem aufbauen wird. Sie haben das verrottende russische Regime wie einen Torpedo auf Europa losgelassen, so wie man es in Bandengruppen macht. Dieser Torpedo flog nach Europa, aber dann stellte sich die Ukraine ihm in den Weg. Das heißt, hätte die Ukraine den Schlag nicht ausgehalten, dann wären diese Panzer längst in anderen europäischen Ländern. Daran habe ich keinen Zweifel. Überhaupt keinen.
Portnikov. Oder vielleicht in ehemaligen Sowjetrepubliken. Man muss übrigens daran erinnern, dass die russischen Truppen, als die Ukraine 2022 begann, mit Russland Krieg zu führen, bereits in Kasachstan waren und sich bereits auf dem Territorium Bergkarabachs befanden. Jetzt sind sie weder dort noch dort.
Chaly. Und in Estland war es auch geplant, und jetzt machen sie überhaupt so etwas. Paschinjan macht Witze über Putin, der Präsident Armeniens sitzt da und sagt: „Wir haben Demokratie, wir schalten das Internet nicht ab.“ Und Putin kann nichts sagen. Warum? Weil er, wie Donald Trump sagt, keine Karten hat. Und der Präsident Aserbaidschans sagt ihm: „Kommen Sie und entschuldigen Sie sich dafür, was Sie mit unserem Passagierflugzeug gemacht haben. Danach denken wir darüber nach, ob wir überhaupt mit Ihnen sprechen.“ Stellen Sie sich vor: Die Ukraine verändert die europäische Geschichte, nur trägt sie das leider im Wesentlichen aus eigener Kraft, mit den ukrainischen Menschen, mit Hilfe Europas. Deshalb nutze ich unser Gespräch, um zu sagen: Ich denke, es wäre gerecht, die europäischen Länder schon jetzt in die Verteidigung Europas einzubeziehen. Dann kann man schon konkret auf unserem Territorium jetzt die Einbindung in Trainingszentren, die Einbindung in Flugplätze für die Ausbildung von Flugzeugen umsetzen. All das muss man tun. Man darf keine Angst haben.
Portnikov. Welche europäischen Länder sind dazu überhaupt bereit? Sie haben doch auch die ganze Zeit dasselbe gesagt wie die Amerikaner. „Wir können hineingehen, aber wenn die Kampfhandlungen enden.“ Und hier muss man sagen: und wenn es eine Zustimmung Russlands gibt, denn wie sollen Kampfhandlungen ohne die Zustimmung Russlands enden?
Chaly. Das ist die eine Seite. Andererseits gab es bereits Momente, in denen Bereitschaft vorhanden war, aber sie wagen es nicht, das ohne die USA zu tun. Da haben sie so eine Art Kinderkrankheit in Sicherheitsfragen. Sie haben einmal versucht, eine Organisation ohne die USA aufzubauen, Sie kennen diese Geschichte, also eine Sicherheitsstruktur in Europa. Sie hieß Westeuropäische Union. Sie war im Grunde eine vollständige Kopie der NATO, nur dass die USA mit ihren Möglichkeiten dort nicht dabei waren. Und diese Organisation ist erfolgreich in Frieden entschlafen, weil sich herausstellte, dass das ohne das System amerikanischer strategischer Bomber, und das ist eine teure, sehr teure Sache, und ohne moderne Weltraumsysteme unmöglich ist. Und deshalb hat Deutschland übrigens jetzt verstanden und investiert Geld, es wird ein eigenes Satellitensystem für eine eigene mobile Kommunikation schaffen, unabhängig von Starlink. Wissen Sie, Musk hat mithilfe vieler Strukturen die Europäer aus der Ausschreibung verdrängt, Starlink hat dort gewonnen. Das war nicht zufällig. Dort konkurrierten zwei, drei Unternehmen, zwei amerikanische und ein europäisches. Das europäische hatte damals große Vorteile in Bezug auf die Geschwindigkeit der Entscheidungen und in Bezug auf die technologische Reife, man ließ es einfach nicht zu, man warf es einfach hinaus. Da liefen sehr lange Gerichtsverfahren. Musk gewann schließlich diese Prozesse.
Portnikov. Wenn wir unser Gespräch zusammenfassen: Wird die NATO Trump überleben oder nicht?
Chaly. Ich bin absolut überzeugt, dass sie ihn überleben wird. Das erstens. Möge er gesund bleiben. Sie wird Trumps Präsidentschaft überleben. Sagen wir es so.
Portnikov. Trumps Präsidentschaft. Ja, natürlich.
Chaly. Die NATO wird überleben. Ganz sicher. Aber ich habe eine zweite Frage. Versteht die NATO, was mit ihr weiter geschieht, wenn sie die Ukraine nicht in ihre Zusammensetzung aufnimmt? Ich würde das so präzisieren. Die NATO lebt jetzt. Aber ich habe eine zweite Frage. Werden innerhalb des NATO-Systems nicht subregionale, kleinere Bündnisse entstehen, aber entschlossenere? Das heißt, ich denke, es kann die Situation eintreten, dass in der NATO die Willigen bleiben und die Entschlossenen ein neues subregionales Verteidigungsbündnis schaffen.
Portnikov. Und wie stellen Sie sich das praktisch vor? Stellen wir uns vor, die Entschlossenen tauchen auf, Frankreich, Großbritannien, Deutschland schaffen dieses Bündnis und schlagen der Ukraine vor, hineinzukommen. Wir treten bei, dann beginnt ein Konflikt mit Russland, und Russland ist bereit, mit diesem Bündnis zu kämpfen, in dem Frankreich und Deutschland sind. Bedeutet das dann, dass die anderen NATO-Staaten Frankreich und Deutschland helfen müssen? Oder werden sie sagen: „Hören Sie, das ist Ihr subregionales Bündnis, wir werden Sie nicht verteidigen.“ Die Vereinigten Staaten würden dasselbe sagen: „Warum haben Sie dieses Bündnis geschaffen?“ Worin liegt dann der Sinn?
Chaly. Eben der Sinn besteht darin, dass man innerhalb großer Verteidigungsvereinigungen subregionale schaffen kann, die sich juristisch nicht widersprechen. Aber derzeit wird das nicht geschaffen, weil die europäischen Länder tatsächlich genau so der Ukraine sagen, die einige Dinge mit Großbritannien, mit Polen vorgeschlagen hat, solche Dinge wurden vorgeschlagen, aber sie sagen: „Damit zerstören Sie unsere NATO als Ganzes.“ Nun, es gibt Risiken, aber soll man deshalb dasitzen und darauf warten? Ich denke, einige Länder, die Russland näher sind, werden nicht mehr warten. Also gibt es in Wahrheit viele Szenarien. Und das muss nicht einmal eine Organisation sein. Organisationen zerfallen nicht sofort. Die NATO wurde übrigens auch nicht so schnell geschaffen. Und die grundlegende Idee für die EU war anfangs überhaupt, einen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland, also zwischen den eigenen, nicht zuzulassen. Und die NATO war auf die Eindämmung der Sowjetunion gerichtet, also Abschreckung durch das Bündnis mit den USA. Wie auch immer, irgendeine Struktur dieser Art wird es geben, ganz gleich, wie Sie sie nennen. Transformationen sind also möglich. Die NATO wird Trumps Präsidentschaft überleben. Davon bin ich überzeugt.
Portnikov. Danke. Ich erinnere unsere Zuschauer und Zuhörer daran, dass wir mit dem Leiter des Ukrainischen Krisenzentrums, dem außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter der Ukraine, Valeriy Chaly, gesprochen haben. Danke, Herr Valeriy, dass Sie an diesem Gespräch teilgenommen haben. Kommentieren Sie, was Sie über unser heutiges Gespräch denken und darüber, ob die NATO Trump überleben wird. Auch Sie können auf diese Frage antworten. Vielleicht ist Ihre Sichtweise nicht so optimistisch wie die von Herrn Valeriy. Helfen Sie der ukrainischen Armee. Sowohl ich als auch Herr Valeriy können Ihnen bestätigen, dass unter den Bedingungen, in denen wir uns befinden, und in den nächsten 20 Jahren gerade die ukrainische Armee das wichtigste Instrument unserer Zukunft sein wird. Wenn wir überhaupt hoffen, Teil irgendwelcher regionalen oder subregionalen Militärbündnisse zu sein, und genau darin liegt das Wesen dessen, was die ukrainische Armee in Zukunft für den ukrainischen Staat tun kann, nicht nur im Krieg.
Chaly. Aber wir dürfen nicht 20 Jahre lang Krieg führen. Wir müssen den Krieg zynisch aus Europa verdrängen, wir haben unseren Teil bereits durchgestanden. Wir müssen erreichen, dass, wenn sich dieser Krieg weiterentwickelt, die Menschen einfach verstehen: Ein solcher globaler Krieg kann einfach irgendwo woanders in der Welt stattfinden.
Portnikov. Das muss nicht unbedingt auf ukrainischem Boden geschehen.
Chaly. Genau, entscheidend ist: man muss erreichen, dass es bei uns nicht mehr stattfindet.
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Art der Quelle:Interview Titel des Originals:Трамп руйнує НАТО: наслідки | Віталій Портников. 02.04.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung / Entstehung:02.04.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
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Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat vor dem Hintergrund des Krieges mit dem Iran erneut von der Möglichkeit eines Austritts der Vereinigten Staaten aus dem Nordatlantischen Bündnis gesprochen. Dass die Vereinigten Staaten ihre Rolle in der NATO nach dem Ende des Iran-Krieges unbedingt überdenken werden, erklärte auch der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, der die Weigerung europäischer Staaten kommentierte, den Vereinigten Staaten in ihrem Krieg gegen den Iran zu helfen.
Es ist jedoch daran zu erinnern, dass die Idee eines möglichen Austritts aus der NATO schon während seiner ersten Amtszeit im Weißen Haus stets ein wichtiger Bestandteil von Trumps politischer Ideologie war. Und jetzt kann Trump die Situation des Krieges mit dem Iran nutzen, um die Beteiligung der Vereinigten Staaten an der NATO tatsächlich zu überdenken.
Ungefähr so, wie Putin den Krieg gegen die Ukraine genutzt hat, um sein Regime endgültig von einem autoritären in ein totalitäres zu verwandeln und den Bruch mit dem Westen für ein neues, enges Bündnis mit der Volksrepublik China zu nutzen.
Doch eine solche Entscheidung in die Realität umzusetzen, ist weitaus schwieriger, als einfach den Austritt aus der NATO zu verkünden. Erstens wissen wir nicht, inwieweit Donald Trump eine Entscheidung über den Austritt aus dem Nordatlantischen Bündnis ohne Zustimmung des Kongresses treffen kann. Und selbst wenn man sich vorstellt, dass eine solche Entscheidung unter Umgehung der in den Vereinigten Staaten bestehenden Verfahren getroffen wird, ist nicht ausgeschlossen, dass eine weitere Gerichtsinstanz sie nach einigen Monaten einfach außer Kraft setzt – so wie es bereits mehrfach mit den wichtigsten Entscheidungen des amerikanischen Präsidenten geschehen ist, etwa mit denselben Zöllen, von denen die Administration unter dem Druck der Gerichte Abstand nehmen musste.
Zweitens bedeutet selbst die Annahme, dass Trump die Beteiligung der Vereinigten Staaten am Nordatlantischen Bündnis einfriert, noch nicht, dass dies den Vereinigten Staaten selbst zugutekommen würde. Ungeachtet der Vorwürfe, die die Vereinigten Staaten heute ihren europäischen Verbündeten wegen deren Beteiligung am Iran-Krieg machen, bleibt die europäische Logistik für die Vereinigten Staaten bei ihren militärischen Operationen im Nahen Osten entscheidend. Und wenn das amerikanische Militär ernsthaft beginnt, die Möglichkeit der Auflösung amerikanischer Militärbasen in Europa zu prüfen, etwa des gleichen Ramstein, könnte sich herausstellen, dass die Vereinigten Staaten viel mehr verlieren, als sie gewinnen würden, wenn sie tatsächlich aus der NATO austreten.
Außerdem muss man verstehen, dass der Austritt aus einem Bündnis die Suche nach neuen Verbündeten erfordert – und solche sind am Horizont der Vereinigten Staaten nicht zu erkennen. Natürlich kann Donald Trump selbst an ein Bündnis mit zwei autokratischen Führern von Atommächten denken: dem Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, und dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping. Doch der amerikanische Präsident sollte die russischen und chinesischen Führer fragen, ob sie überhaupt ein Bündnis mit Amerika wünschen oder ob sie die kurzsichtige und abenteuerliche Politik der aktuellen amerikanischen Administration lediglich nutzen, um den globalen Einfluss der Vereinigten Staaten zu schwächen und ihn durch den Einfluss der Russischen Föderation und der Volksrepublik China zu ersetzen.
In jedem Fall können wir derzeit nicht einmal davon sprechen, dass Trump ein schnelles Ende des Krieges mit dem Iran bevorsteht. Der amerikanische Präsident kann natürlich hoffen, dass dieser Krieg in wenigen Wochen endet und dass der Iran, nachdem Trump feierlich den Sieg in diesem Krieg und die Zerstörung des militärischen Potenzials der Islamischen Republik verkündet hat, keine Angriffe mehr auf die Länder des Persischen Golfs und auf Israel verüben wird. Doch das Regime der Ajatollahs kann eine völlig andere Vorstellung davon haben, unter welchen Bedingungen und wann dieser Krieg enden wird – ein Krieg, der für die Vereinigten Staaten nicht nur zu einer reputativen, sondern auch zu einer ernsthaften politischen und wirtschaftlichen Belastung werden kann, die den politischen Einfluss des Landes und den Einfluss Donald Trumps auf die Entwicklungen in den Vereinigten Staaten zunehmend verringern wird.
Und wir dürfen nicht vergessen, dass all dies auch vor dem Hintergrund eines Wahlkampfes geschehen wird, in den Demokraten ihren Wählern versprechen werden, die Bündnisse der Vereinigten Staaten zu bewahren und das wichtigste demokratische Land der modernen Welt nicht in einen isolierten Staat zu verwandeln – in einer Zeit, in der Entfernungen für Drohnen und Raketen keine große Rolle mehr spielen. Und kein noch so wunderbarer Ozean wird die Vereinigten Staaten und ihre Bewohner vor Angriffen ihrer Feinde schützen.
So lässt sich vorerst lediglich das offensichtliche, aufrichtige Bestreben Donald Trumps feststellen, den Iran-Krieg zu nutzen, um eine seiner wichtigsten und bedeutendsten politischen Vorstellungen zu verwirklichen, die mit der Unterschätzung der Bedeutung der euro-atlantischen Integration für die Vereinigten Staaten selbst verbunden ist. Ob es dem amtierenden amerikanischen Präsidenten jedoch tatsächlich gelingen wird, diesen ehrgeizigen Traum zu verwirklichen und die Vereinigten Staaten in einen isolierten Staat zu verwandeln, der in der Lage ist, eigenständig Kriege gegen zahlreiche Feinde zu führen, die nur darauf warten, dass Amerika geschwächt wird – das ist eine ganz andere Frage.
Die Gegner Donald Trumps könnten hier nicht nur Kongressabgeordnete sein, sondern auch die amerikanische Öffentlichkeit selbst und die gerichtlichen Institutionen. Auch wenn man es nicht leugnen kann: Das Vertrauen in Amerika als Garant der Sicherheit in Europa und in der gesamten demokratischen Welt könnte durch Donald Trumps Handlungen untergraben werden – wenn nicht für immer, dann doch für ein langes Jahrzehnt. Selbst wenn die Ära Trump mit einem glanzlosen Scheitern des ultrarechten Politikers und Geschäftsmannes endet und der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von einer Rückkehr Amerikas zur Weltpolitik sprechen wird, so wie es Trumps Vorgänger Joe Biden tat, könnte man diesem Nachfolger schlicht nicht mehr glauben. Denn man wird davon ausgehen, dass nach einem verantwortungsvollen amerikanischen Führer im Amt des Präsidenten des wichtigsten Landes der demokratischen Welt erneut ein verantwortungsloser Populist an die Macht kommen kann, der auf sein eigenes Ego fixiert ist sowie auf die schamlose Bereicherung seiner Familienmitglieder.
Und einem solchen Amerika – einem Amerika, in dem ein professioneller Politiker im Präsidentenamt von einem weiteren Populisten mit Ambitionen und einem Glauben an das Geld abgelöst wird – wird man in der Welt natürlich kein echtes Vertrauen mehr entgegenbringen. Und es ist unklar, ob ein solches Amerika überhaupt noch Vertrauen innerhalb Amerikas selbst genießen wird.
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Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Трамп прагне залишити НАТО | Віталій Портников. 01.04.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung / Entstehung:01.04.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
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