Ein anderer Donald Trump | Vitaly Portnikov. 19.10.2026.

Інший Дональд Трамп. Віталій Портников. 19.10.2026.

Schon während seiner ersten Amtszeit im Oval Office kritisierte Donald Trump Europa für den Kauf russischen Gases und betonte, dass dadurch eine gefährliche Abhängigkeit vom Kreml entstehen würde. Es gibt bekannte A ML ufnahmen, auf denen deutsche Minister zu sehen sind, die über diese Worte des amerikanischen Präsidenten lachen. Heute erscheint dieses Lachen als hervorragender Beleg für Kurzsichtigkeit und mangelndes strategisches Denken. Schließlich war Berlin davor gewarnt worden, dass die Fertigstellung der Nord-Stream-Pipelines keineswegs dazu führen könnte, Putin in große Geschäfte mit Europa einzubinden, sondern zu einem großen Krieg in Europa.

Doch derjenige, der damals auf die Gefahren der Energieabhängigkeit hinwies, verhandelt heute unter völlig veränderten Umständen mit Putin über die Lieferung russischen Dieselkraftstoffs auf die Weltmärkte. Mehr noch: Medienberichten zufolge soll die Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen nach Europa und die Nutzung des ukrainischen Gastransportsystems für diese Lieferungen zu einer wichtigen Bedingung für die Beendigung des Krieges werden.

Es entsteht der Eindruck, als würde diese Entscheidungen bereits ein anderer Donald Trump treffen – ein ganz anderer Mensch als jener, der den Europäern von den Gefahren einer Abhängigkeit von Russland erzählte. Aber warum hat sich die Haltung des amerikanischen Präsidenten gegenüber russischen Energieträgern so stark verändert? Vielleicht, weil er die Aussicht auf eine Bündelung der Kräfte und eine amerikanische Beteiligung am russischen Geschäft erkannt hat? Vielleicht erscheint eine solche Abhängigkeit gar nicht mehr als so große Abhängigkeit, wenn man nicht nur von russischen Energieträgern abhängig ist, sondern auch von amerikanischen Gewinnen aus deren Verkauf?

Doch welche Motive Donald Trump auch immer haben mag, sie dürften sich kaum auf die Beendigung des Krieges auswirken oder die Einnahmen Russlands beeinflussen.

Erstens, weil die Europäer offenbar der Ansicht Trumps zugestimmt haben – jenes Trumps, der sie davon überzeugte, sich aus der Energieabhängigkeit zu lösen, und nicht jenes Trumps, der ihnen nun anbieten könnte, diese Abhängigkeit wiederherzustellen. Der Verzicht auf russisches Gas – zumindest auf Pipelinegas – erfolgte in einem Tempo, mit dem selbst die Europäer nicht gerechnet hatten. Und selbst wenn man sich vorstellt, dass der Krieg endet und die Sanktionen gegen Russland gelockert werden: Wer sagt denn, dass Europa auf die Diversifizierung seiner Gaslieferungen verzichten wird? Schließlich hatte Trump recht: All diese Gaspipelines erwiesen sich als eine regelrechte Falle, mit deren Hilfe Putin Europa seine Bedingungen diktieren wollte – und möglicherweise noch immer diktieren will.

Zweitens: Russland hatte all das bereits. Es hatte eine Monopolstellung auf dem europäischen Markt, die durch jahrzehntelange Bemühungen sowjetischer und russischer Politiker und Energiefachleute aufgebaut worden war. Und es gab das ukrainische Gastransportsystem, das in der Lage war, größere Mengen russischen Gases zu transportieren, das in die europäischen Länder geliefert wurde.

Was tat Putin, als er gerade erst an die Macht gekommen war? Zunächst ersetzte er die Führung von Gazprom um den einflussreichen Mitbegründer des Konzerns Rem Wjachirew. Anschließend beauftragte er den neuen Gazprom-Chef Alexej Miller, der den Konzern inzwischen fast ebenso lange leitet, wie Putin Russland regiert, mit der Ausarbeitung eines Plans zum Bau sogenannter Umgehungspipelines – also eines Unterwassernetzes, das es ermöglichen sollte, auf die Dienste des ukrainischen Gastransportsystems zu verzichten. Und ungefähr zur selben Zeit begann die russische Propaganda, das mythische Bild eines Ukrainers zu erschaffen, der russisches Gas stiehlt und den man durch die Unterbrechung der Lieferungen erpressen kann. So begannen Putin und Miller, sich darauf vorzubereiten, auf die ukrainischen Dienstleistungen zu verzichten.

Mit anderen Worten: All das, was Trump Putin heute im Gegenzug für die Einstellung der Kampfhandlungen in der Ukraine und gemeinsame Energieprojekte anzubieten bereit ist, hatte Putin bereits. Und all das hat er für die Kontrolle über die Ukraine geopfert. Denn Putins politische Prioritäten unterscheiden sich erheblich von denen Trumps. Trump glaubt weiterhin an die Macht des Profits. Putin hingegen ist überzeugt, dass Profit mit Gewalt erwirtschaftet wird – genau das beweist er während seiner gesamten Herrschaft in Russland.

Deshalb wird aus den amerikanischen Vorschlägen an die Russen, Europäer und Ukrainer nichts werden. Putin will die Ukraine, und er ist überzeugt, dass er auf diese Weise auch ohne die Hilfe von Gazprom und Trump die Kontrolle über Europa erlangen wird – mit Gewalt. Die Ukrainer wiederum waren bereit, den Betrieb des Gastransportsystems sogar während des Krieges aufrechtzuerhalten, doch das hat uns nicht vor dem Krieg bewahrt.

Die Europäer haben einfach der Logik Donald Trumps vertraut, der sie vor fast zehn Jahren davon überzeugte, sich aus der Energieabhängigkeit von Russland zu lösen. Die Logik dieses „ersten“ Donald Trump gefiel uns allen besser.


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Autor/Kanal: Інший Дональд Трамп. Віталій Портников. 19.10.2026.
Veröffentlichung: 19.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Putins neue Erklärungen: Das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 22.10.2026.

In diesen Minuten erscheinen in den sozialen Netzwerken Ausschnitte aus einem Interview des russischen Präsidenten Putin, das er einem der Kreml-Propagandisten gegeben hat, unmittelbar nachdem bekannt geworden war, dass Moskau der Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses mit der Ukraine zugestimmt hat. Und genau deshalb ist der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, der Sankt Petersburg besucht und im Konstantinpalast mehrstündige Verhandlungen mit Putin geführt hat, hinsichtlich dieser künftigen Verhandlungen optimistisch eingestellt. Aber es ist sehr wichtig zu verstehen, was Putin selbst tatsächlich über den Verhandlungsprozess denkt und wie er die Situation nutzt, um seine eigenen Ziele zu erreichen.

Also, Putin im Wortlaut: „Was unsere Verhandlungen mit dem Vertreter der Regierung der Vereinigten Staaten betrifft, so haben wir uns tatsächlich darauf verständigt, dass wir bereit sind, unsere trilateralen Kontakte wieder aufzunehmen. Ziel dieser Verhandlungen wird es sein, die Frage der Gewährleistung der Sicherheit der Ukraine und Russlands nach dem Abschluss von Friedensvereinbarungen zu erörtern, und zwar in deren endgültiger Fassung und nicht als Ergebnis einer Einstellung der Kampfhandlungen für einen kurzen Zeitraum. Wir sind bereit, diese Kontakte wieder aufzunehmen, um dieses Ziel zu erreichen. Gleichzeitig hat der Vertreter der Regierung der Vereinigten Staaten darauf hingewiesen, dass wir, wenn wir Fragen im Zusammenhang mit der künftigen Gewährleistung der Sicherheit sowohl der Ukraine als auch Russlands erörtern, selbstverständlich auch über die Architektur der europäischen Sicherheit insgesamt sprechen müssen. Und dem stimme ich ebenfalls zu.“

Was bedeutet das in der Praxis? Erstens, dass im Kreml überhaupt kein Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine in Betracht gezogen wird. Dort ist man weiterhin der Ansicht, dass sämtliche Verhandlungen, die, wie Sie verstehen, selbst wenn sie tatsächlich stattfinden, jahrelang dauern können, vor dem Hintergrund intensiver Kampfhandlungen stattfinden müssen. Und zwar vor dem Hintergrund fortgesetzter Raketen- und Drohnenangriffe auf das ukrainische Hinterland, mit dem Ziel, es zu demoralisieren und die Ukraine dazu zu bringen, einer Kapitulation vor der Russischen Föderation zuzustimmen.

Und die Kapitulationsbedingungen könnten zugleich die Sicherheitsbedingungen für die Ukraine sein, denn bekanntlich vertritt man in Moskau die Vorstellung, dass die Russische Föderation selbst zum eigentlichen Garanten der Sicherheit der Ukraine werden müsse. Darüber haben sowohl Präsident Putin als auch Außenminister Lawrow und andere russische Beamte wiederholt gesprochen. Das wurde während der Verhandlungen in Istanbul erörtert. Russland sieht sich als ein Land, das die Ukraine verschlingen wird, wenn nicht territorial, dann zumindest dadurch, dass es sie in seine Einflusssphäre eingliedert und der Ukraine seine Bedingungen für das Zusammenleben aufzwingt.

Und Putin hofft, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, dem zustimmen wird. Ebenso wie der Vorstellung, dass gerade Russland zum eigentlichen Gendarmen Europas werden müsse, indem es die Kontrolle über die Ukraine erhält. Wenn nicht über das Territorium, das in die Russische Föderation integriert wird, dann über einen Staat, der weiterhin in der Einflusssphäre der Russischen Föderation verbleibt.

Genau das ist die Idee hinter dem Verhandlungsprozess. Denn wir können erkennen, dass Witkoff Putins grundsätzlichem Ansatz zugestimmt hat, wonach nicht nur die Sicherheit der Ukraine, sondern auch die Sicherheit Russlands erörtert werden müsse. Als würde dieser größten Atommacht der heutigen Welt, die innerhalb weniger Minuten mit einem Atomangriff die Menschheit vernichten könnte, tatsächlich irgendetwas drohen. Als hätte irgendjemand Russland angegriffen und ihm Territorien gestohlen.

Aber wenn man der Auffassung zustimmt, dass Russland Sicherheitsbedenken hat, und dieser russischen Vorstellung stimmt man bekanntlich in Peking tatsächlich zu, sodass nur noch Washington zustimmen müsste, dann muss man natürlich Bedingungen schaffen, unter denen Russland keine Sorgen mehr haben muss. Und die wichtigste Voraussetzung dafür, dass die Russische Föderation tatsächlich keine Sorgen mehr haben muss, ist die Unterwerfung ihrer Nachbarstaaten. Denn wenn diese nicht damit einverstanden sind, dass der Wolf sie fressen will, und sich wehren, dann bekommt der Wolf unangenehme Gefühle. Das ist die ganze Logik dieses Prozesses.

Und das Wichtigste ist die Erörterung von Sicherheitsgarantien für die Zeit nach dem Abschluss eines Friedensabkommens. Das heißt, Putin schlägt vor, zunächst die Sicherheitsgarantien und erst danach die Bedingungen für einen Frieden zwischen Russland und der Ukraine zu erörtern. Und auch das ist, würde ich sagen, ein innovativer Ansatz zur Beendigung eines Krieges, wie Sie verstehen.

Jedenfalls erkennen wir zumindest, dass es Putin derzeit nicht darum geht, diese Verhandlungen zu beginnen, sondern darum, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, die Möglichkeit zu geben, sich vor seinen Landsleuten am Vorabend der Zwischenwahlen am 3. November mit seiner Rolle als Friedensstifter zu brüsten. Genau deshalb wurde beschlossen, dass die Verhandlungen nach dem 3. November stattfinden sollen. Denn wenn sie bereits jetzt stattgefunden hätten und das erwartete Fiasko eingetreten wäre, hätte Trump die Rolle des Friedensstifters nicht spielen können. Jetzt aber kann er bei seinen letzten Wahlkampfveranstaltungen in den umkämpften Bundesstaaten der Vereinigten Staaten, in denen die Republikaner Sitze im Senat verlieren könnten, über seine friedensstiftende Rolle sprechen. Das ist die ganze Kombination. Ziemlich einfach.

Nun zur friedensstiftenden Rolle Russlands. Russland hat sich, wie sich herausstellt, immer für eine friedliche Lösung des Konflikts eingesetzt. „2014 haben wir bereits darüber gesprochen. Lassen Sie uns Ihnen helfen, sich mit dem südöstlichen Teil des damaligen Landes zu einigen. Nein, stattdessen wurden Geschütze und Flugzeuge gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt, praktisch ein Krieg begonnen.“

Dann kamen die Minsker Vereinbarungen. „Wir haben immer angestrebt, dass sie sich mit jenem Teil der Ukraine einigen können, der mit dem Staatsstreich nicht einverstanden ist. Aber sie haben das abgelehnt.“ Das ist natürlich eine völlige Lüge. Denn wir erinnern uns sehr gut daran, dass es im Süden und Osten der Ukraine überhaupt keine Bestrebungen gab, irgendwelche alternativen Machtstrukturen zu denen in Kyiv zu schaffen. Mehr noch: Weder in Donezk noch in Charkiw, wohin der russische Handlanger Viktor Janukowytsch nach seinem gewaltsamen Vorgehen gegen seine eigenen Landsleute geflohen war, wollte man ihn aufnehmen oder sehen. Genau deshalb landete er auf der Krim.

Alle Probleme im Donbas begannen, wie Sie sich erinnern, nachdem Banden russischer Söldner unter der Führung von Strelkow, der derzeit weiterhin seine Strafe in einem russischen Gefängnis verbüßt, auf dem Territorium des Gebiets Donezk auftauchten. Sie begannen dort, alternative Machtstrukturen zu schaffen und den Mechanismus der sogenannten Volksbürgermeister zu nutzen. Ich erinnere daran, dass dies zunächst in Sewastopol unter Beteiligung des Agenten des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation, Tschaly, begann und danach in Slowjansk. Es gab also keinen Teil des Landes, der gegen einen anderen kämpfen wollte. Es gab keinen Konflikt. Es gab russische Truppen und Kollaborateure, die bereit waren, ihnen zu dienen.

Diese Situation besteht auch heute noch. Aber wie Sie verstehen, denkt Putin inzwischen nicht einmal mehr an die territoriale Integrität der Ukraine. „So stehe ich zu dieser Angelegenheit“, sagt Putin. „Das ist nicht ihr Territorium. Das ist das Territorium des historischen Russlands. Mehr noch: Die Menschen, die auf diesen Territorien leben, haben erstens für die staatliche Unabhängigkeit gestimmt. Und ich möchte betonen, dass sie als zweiten Schritt für die Wiedervereinigung mit der Russischen Föderation gestimmt haben. Deshalb halte ich es für unangebracht, von irgendwelchen territorialen Verlusten zu sprechen. Nun, das ist eine strittige Frage, darüber kann man endlos diskutieren. Das wurde für einige unserer ausländischen Gegner zum Grund oder Vorwand. Wie wir heute sehen, wird in den europäischen Ländern eine antirussische Kampagne geführt. Ständig wird von einer Bedrohung durch Russland und vom Beginn der Vorbereitungen auf einen Krieg mit Russland gesprochen, was meiner Meinung nach eine gewisse politische Schizophrenie ist.“

Also, bleiben wir zunächst beim ersten Absatz dieser Erklärung. Man muss verstehen, warum Putin so hartnäckig an der Vorstellung festhält, dass die Menschen, die auf diesen Territorien leben, für die staatliche Unabhängigkeit und anschließend für die Vereinigung mit der Russischen Föderation gestimmt hätten.

Die Verfassung der Russischen Föderation verbietet die Eingliederung von Territorien anderer Staaten in dieses Land. In die Russische Föderation können als föderalen Staat nur andere unabhängige Staaten aufgenommen werden. Und deshalb musste Russland zu dieser völlig schamlosen, völlig idiotischen Erfindung greifen, die mit der Ausrufung der Unabhängigkeit ukrainischer Gebiete zusammenhängt. Das wurde zunächst auf der Krim ausprobiert. Obwohl völlig offensichtlich ist, dass auch eine autonome Republik sich nicht selbst zu einem unabhängigen Staat erklären kann. Danach wurde es bereits bei solchen Gebieten wie Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja ausprobiert. Noch einmal: Das sind Gebiete in einem Einheitsstaat, in dem die Grenzen lediglich administrativ-territorial gezogen wurden und völlig anders gezogen werden können, wenn die gesamtstaatlichen Machtorgane eine entsprechende Entscheidung treffen. Das ist keine Föderation, die für jede solche Einheit einen staatlichen oder sonstigen besonderen Status vorsieht. Nicht die Vereinigten Staaten von Amerika und nicht die Russische Föderation.

Das Gebiet Donezk könnte als zwei Gebiete existieren. Das Gebiet Luhansk könnte Teil des Gebiets Donezk sein. Das alles ist eine Frage dessen, wie effizient der wirtschaftliche und volkswirtschaftliche Komplex in einem bestimmten Teil des Territoriums funktioniert, das gewissermaßen für eine effizientere Entwicklung abgegrenzt wurde. Wie Sie wissen, hatten wir auch andere Gebiete, die es heute in der Ukraine nicht mehr gibt. Es gab das Gebiet Drohobytsch, daran kann man sich erinnern. Aber all das hat überhaupt nichts mit irgendeinem besonderen staatlichen Status zu tun oder damit, dass das Territorium eines Gebiets zu einem unabhängigen Staat erklärt werden könnte, etwa das Gebiet Saporischschja, wie es während dieses Quasi-Referendums geschah.

Aber Putin versteht sehr gut, dass, wenn er nicht an diesen ersten Schritt erinnert, jeder seiner Nachfolger im Amt des Präsidenten der Russischen Föderation, der sich mit der Ukraine und der zivilisierten Welt einigen möchte, einfach sagen könnte, dass das gar nicht möglich gewesen sei, dass es nicht der Verfassung entspreche und dass diese Territorien nicht russisch seien. Und damit wäre die Sache erledigt.

Andererseits verstehen wir sehr gut, dass Putin nicht einmal daran denkt, irgendwelche Territorien der Ukraine zurückzugeben, die er als Territorien des historischen Russlands bezeichnet. Und aus dieser Sicht kann er jedes beliebige Territorium der Ukraine zum Territorium des historischen Russlands erklären. Wie Sie verstehen, wurde dieses sogenannte Territorium des historischen Russlands nur deshalb deklarativ Teil der Russischen Föderation, weil es besetzt ist. Aber hier gibt es eine ziemlich wichtige Frage: Wo endet das Territorium des historischen Russlands, wenn Putin auch in diesem Interview weiterhin darauf besteht, dass Russen und Ukrainer ein Volk seien und dass die neuesten genetischen Erkenntnisse dies belegen würden? Wenn Russen und Ukrainer also ein Volk sind, dann ist das gesamte Territorium dieses einen Volkes russisches Territorium. Stimmen Sie mir zu.

Putins Begehrlichkeiten haben sich also nicht verändert. Seine Herangehensweise hat sich nicht verändert. Und an der Stelle der Europäer würde ich sehr ernsthaft über seine Worte nachdenken, dass Russland nicht vorhabe, Krieg gegen Europa zu führen, und dass die Vorbereitung auf einen Krieg mit Russland politische Schizophrenie sei. Denn ungefähr dieselben Erklärungen gab dieser Mann vor dem Krieg gegen die Ukraine ab. Noch ein oder zwei Jahre vor diesem Krieg sagten Putin und andere russische Beamte und Propagandisten: „Wie stellen Sie sich die Möglichkeit eines Krieges zwischen Russland und der Ukraine vor? Wir sind doch Brudervölker, Bruderstaaten, wir sind überhaupt ein Volk. Wie könnten wir Krieg gegeneinander führen?“ Und dann stellte sich heraus, dass das ganz problemlos möglich ist. Mehr noch: Das, was zum Territorium des historischen Russlands erklärt wird, kann mit Raketen und Drohnen bombardiert werden. Noch 2022 fragten alle: „Wie stellen Sie sich vor, dass die Russen die Lawra und die Sophienkathedrale bombardieren?“ Ganz problemlos. Das können wir uns problemlos vorstellen. Jetzt sehen Sie es mit eigenen Augen.

Und dabei will Russland natürlich Frieden und keinen Krieg. „Warum hat die heutige ukrainische Führung beschlossen, dass alle, dass die ganze Welt diese ukrainische Führung bezahlen, für sie kämpfen und Waffen, Munition und Technik liefern müsse? Das ist unverständlich. Nun, wenn sie kämpfen wollen, dann sollen sie kämpfen. Aber wir wollen keinen Krieg gegen die Ukraine führen. Warum aber glauben sie, dass alle dafür bezahlen und ihnen Waffen liefern müssen?“

Nun stellt sich die Frage: Wenn Russland keinen Krieg gegen die Ukraine führen will, warum führt es dann Krieg? Warum geht der Krieg weiter? Aus welchem Grund hat Russland die Ukraine angegriffen und setzt diesen Krieg fort? Und auch das ist, wie Sie verstehen, genau jene Propaganda, mit der Putin nicht nur seine eigene Bevölkerung bearbeitet. Er bearbeitet damit auch Donald Trump. Denn er sagt ebenfalls ständig: „Wir wollen nicht kämpfen. Die Ukrainer wollen kämpfen, und Sie helfen ihnen dabei. Wenn Sie ihnen nicht helfen würden, wäre der Krieg längst vorbei. Glauben Sie mir, Genosse Trump.“

Und so läuft Trump zwischen diesen Erzählungen Putins darüber, dass Russland keinen Krieg führen wolle, und den tatsächlichen Handlungen des russischen Präsidenten hin und her, die die ganze Welt sieht und die sich, wie Sie verstehen, auf die amerikanische öffentliche Meinung auswirken, die ebenfalls auf Putins Angriffe gegen die Ukraine reagieren kann. Und noch einmal: Wenn wir über all diese sogenannten traditionellen russischen Territorien sprechen, müssen wir fragen: Wo hat aus Putins Sicht das Referendum über ihre Unabhängigkeit und danach über ihren Beitritt zur Russischen Föderation stattgefunden? Zweifeln Sie nicht daran, dass aus Putins Sicht das Referendum über die Unabhängigkeit und den Beitritt zur Russischen Föderation auf dem gesamten Territorium der Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja stattgefunden hat. Und wir besetzen auf niederträchtige Weise diese historischen russischen Gebiete, in denen sich die Menschen für die Unabhängigkeit ausgesprochen haben. Genau das tun wir. Wir wollten uns nicht mit ihnen einigen und besetzen sie jetzt.

Und ich erinnere noch einmal daran, dass Putin in ebendiesem Interview erneut sagt, dass alle Ziele der sogenannten militärischen Spezialoperation erreicht werden. Russland will also unter keinen Umständen Krieg gegen die Ukraine führen, will aber alle Ziele der Spezialoperation erreichen. Damit Sie an diesem politischen Irrsinn nicht zweifeln. Und dass diese Ziele der Spezialoperation zum Tod von Ukrainern führen, die zusammen mit Putin ein Volk bilden sollen, ist ebenfalls eine völlige Schizophrenie, die Putin in einem Interview mit russischen Propagandisten ganz ruhig zum Ausdruck bringt.

Und natürlich gibt es in diesem Interview einen sehr wichtigen Satz: „Dass sich alle davon überzeugt haben, dass es unmöglich ist, Russland eine strategische Niederlage zuzufügen, und dass man sich deshalb mit Russland einigen muss.“ Das ist die ganze Logik dessen, was in Putins Vorstellungen über die Situation im russisch-ukrainischen Krieg vor sich geht. Deshalb können wir kaum davon sprechen, dass wir während des Verhandlungsprozesses etwas Reales erwarten können. Denn wir sehen, dass dieser ganze, ich würde sagen, Redeschwall des russischen Präsidenten im Grunde zeigt, dass er von seinen Vorstellungen darüber, wie das Ganze enden muss, von seinen Vorstellungen aus dem Jahr 2022, nicht abgerückt ist. Er hofft jetzt lediglich, dass ihm die Amerikaner helfen werden.

Aber wenn Putin ausschließlich über seine Ansprüche auf diese Territorien spricht, senkt das bis zu einem gewissen Grad bereits die Messlatte seiner Erwartungen. Und das ist ein Signal dafür, dass Putin erstens versteht, dass er den Verhandlungsprozess nicht ignorieren kann, ohne sich mit den Amerikanern zu überwerfen. Denn ich erinnere Sie daran, dass Putin diesen Verhandlungsprozess unter der Bedingung verlassen hatte, dass er erst dann zurückkehren werde, wenn die ukrainische Armee Kramatorsk, Slowjansk und die anderen Gebiete der Region Donezk verlässt, die unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung stehen. Erst danach. Und er ist an den Verhandlungstisch zurückgekehrt, während sich ukrainische Truppen weiterhin auf diesen Territorien befinden und sie verteidigen. Und es ist klar, dass die Russen sie nicht schnell einnehmen werden, vielleicht überhaupt nicht. Das bedeutet, dass er den Verhandlungsprozess selbst braucht.

Der zweite Punkt ist die Frage, ob er sich in diesem Verhandlungsprozess tatsächlich ausschließlich auf die Besetzung der Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja beschränken will, entweder vollständig oder entlang der Kontaktlinie der Truppen. Oder ob er den Verhandlungsprozess einfach für normale Beziehungen zu Trump nutzen will, um in der nächsten Phase des Krieges, zumindest während Trumps Amtszeit, zu versuchen, das ukrainische Hinterland zu zerstören und in dieser Zeit neue Territorien der Ukraine zu besetzen. Das wird nach dem 10. November klar werden, falls die Verhandlungen überhaupt stattfinden.

Ich denke, dass eine Verhandlungsrunde aus einem einfachen Grund stattfinden muss. Und dieser Grund ist Shenzhen. Putin ist sehr an einem trilateralen Treffen mit Trump und Xi Jinping gelegen. Und er könnte befürchten, dass Trump, wenn er ihn bei den Verhandlungen hängen lässt, einem solchen trilateralen Treffen einfach nicht zustimmen wird, das Putin zu einem Mitglied des Klubs der einflussreichsten Staats- und Regierungschefs der heutigen Welt machen würde. Deshalb könnte Putin selbst eine bloße Simulation von Verhandlungen bis zum 18. oder 19. November, bis zum Treffen in Shenzhen, brauchen.

Andererseits wird dieses Treffen bereits zwei Wochen nach den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten stattfinden. Derzeit kennen wir deren Ergebnisse nicht. Am 18. November werden wir sie kennen und verstehen, ob Trump zumindest die Kontrolle über den Senat behalten hat. Denn wenn er die Kontrolle über den Senat nicht behält, glaube ich, dass Putin möglicherweise wenig Lust haben wird, ihn noch ernsthaft zu berücksichtigen. Wir wissen nicht einmal, ob Trump eine Niederlage bei diesen Wahlen anerkennen wird. Und ob die Situation nach den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten zu einem großen politischen Chaos führen wird.

Wir wissen noch etwas anderes Wichtiges nicht: Was wird nach dem 27. Oktober im Nahen Osten geschehen? Am 27. Oktober finden in Israel Parlamentswahlen statt. Eine große Bewährungsprobe für den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, der versucht, sein Amt zu behalten. Und deshalb will Israel derzeit keine abrupten Schritte in der Region unternehmen und kann natürlich auch die Vereinigten Staaten von Amerika von solchen Schritten abhalten. Aber wenn die Wahlen vorbei sind, werden alle freie Hand haben. Und wir verstehen, dass der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, Pete Hegseth, Israel keineswegs zufällig besucht und dort Verhandlungen mit Netanjahu geführt hat. Offensichtlich haben sie gerade die Frage erörtert, was sie nach dem 27. Oktober tun werden.

Heute ist der Ölpreis erstmals seit Mai 2026 wieder auf über 113 gestiegen, und zwar für die Sorte Brent. Wie Sie verstehen, werden die Preise an den amerikanischen Tankstellen wieder steigen und die ohnehin nicht besonders guten Chancen der Republikaner weiter zerstören. Das bedeutet, dass Trump vor den Zwischenwahlen zumindest irgendwelche Anstrengungen unternehmen könnte, um die Preise durch die Wiederherstellung einer tatsächlichen Schifffahrt in der Straße von Hormus zu senken. Oder zumindest zeigen möchte, dass er sich darum bemüht. Denn tatsächlich hing auch Trumps und Putins Dieselgeschäft mit dem Versuch des amerikanischen Präsidenten zusammen, zu zeigen, dass er Anstrengungen unternimmt, um die Situation bei den Diesel- und Benzinpreisen zu normalisieren.

Das hat natürlich nicht funktioniert und konnte auch nicht funktionieren. Denn die Menge der russischen Diesellieferungen konnte sich in keiner Weise auf den Weltmarkt auswirken, nicht einmal auf die Erwartungen dieses Weltmarktes. Verstehen Sie, es geht ja nicht um 300 Tonnen Diesel, sondern darum, was der Markt erwartet. 300 Tonnen, dann 500 Tonnen, dann eine Million Tonnen, dann weiß niemand, was weiter geschieht. Wie soll sich das überhaupt auf den Preis auswirken? Wenn sich aber herausstellt, dass die Straße von Hormus tatsächlich frei von iranischer Kontrolle ist, dass also dort bald wieder eine echte Schifffahrt möglich sein wird, die nicht so teuer ist wie derzeit, dann könnte das die Markterwartungen verändern. Und deshalb könnte Trump in Versuchung geraten, zu diesem Krieg zurückzukehren, obwohl er zugleich zu einer Falle, zu einem Fiasko für den amerikanischen Präsidenten werden könnte.

Warum gehe ich so ausführlich darauf ein? Weil die Welt am 10. November 2026 ganz anders aussehen könnte als die Welt, die wir am 22. Oktober haben. In der Welt könnte bereits ein neuer großer Krieg lodern. Es könnte Angriffe auf die Länder des Persischen Golfs geben. Statt einer Wiederherstellung der Kontrolle über die Straße von Hormus könnte es zum Zusammenbruch der Möglichkeiten der Ölstaaten kommen und zu einem Ölpreis von 200 Dollar. Hören Sie, wenn die Huthis das Verteidigungsministerium Saudi-Arabiens angreifen, wie es heute geschieht, dann verstehen Sie doch das Ausmaß dieses Konflikts, falls die Angriffe auf den Iran wieder aufgenommen werden. Deshalb können wir nicht einmal vorhersagen, in welcher Atmosphäre die Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und der Ukraine stattfinden werden, falls sie überhaupt stattfinden.

Ich erinnere ständig daran, dass das russische Versprechen von Verhandlungen noch nicht bedeutet, dass Verhandlungen tatsächlich stattfinden. Etwas zu versprechen bedeutet noch lange nicht, zu heiraten. Aber gleichzeitig denke ich immer daran, Freunde, dass wir nicht vollständig wissen, was mit der Wirtschaft der Russischen Föderation geschieht. Und dass der Präsident der Russischen Föderation, Putin, darüber ziemlich gut informiert ist. Und dass es bestimmte Indikatoren gibt, sowohl wirtschaftliche als auch personelle, die zeigen, dass es dort ernsthafte Probleme gibt.

Der erste Indikator ist dieser, ich würde sagen, massive Verkauf der Goldreserven, die immer Putins Stolz waren: dass Russland über so große Goldreserven verfügt. Und jetzt wird dieses Gold in riesigen Mengen verkauft, um einen wirtschaftlichen Zusammenbruch zu verhindern.

Der zweite wichtige Punkt hängt mit den Umbesetzungen in der russischen Regierung zusammen, die buchstäblich in diesen Tagen, unmittelbar vor Witkoffs Besuch, stattgefunden haben. Es gibt dort viele Veränderungen, die ich als rein bürokratisch bezeichnen würde. Aber worauf ich wirklich aufmerksam machen möchte, ist, dass der russische Finanzminister Anton Siluanow wieder auf den Posten eines stellvertretenden Ministerpräsidenten der Russischen Föderation berufen wurde. Er war bereits früher, bis 2020, Erster stellvertretender Ministerpräsident gewesen. Warum mache ich überhaupt auf diese Ernennung Siluanows aufmerksam? Weil unter den Bedingungen des Geldmangels in Russland, eines ernsthaften Mangels an Finanzmitteln, zahlreiche Behörden der Russischen Föderation natürlich mehr Aufmerksamkeit für ihre Bedürfnisse verlangen, während das Finanzministerium ihnen dieses Geld nicht gibt. Und das ist ein echtes Problem. Und der zuständige stellvertretende Ministerpräsident versucht immer, irgendwie zwischen dem zu vermitteln, was der Finanzminister denkt, und dem, was die jeweiligen Fachminister denken. Er ist eine Art Schiedsrichter zwischen den Fachministern und dem Leiter des Finanzministeriums.

Nun ist die Situation mit den Staatsfinanzen offenbar so kritisch, dass der Finanzminister selbst zu diesem Schiedsrichter ernannt wurde. Das bedeutet: Ich bin Minister irgendeines Ressorts, komme zu Siluanow und brauche Geld. Siluanow sagt mir, dass es kein Geld gibt und auch keines geben wird. Eigentlich müsste ich dann zum stellvertretenden Ministerpräsidenten gehen und mit ihm diese Frage klären, damit er irgendwie auf Siluanow einwirkt. Aber jetzt ist dieser stellvertretende Ministerpräsident Siluanow selbst. Ich kann nirgendwo mehr hingehen. Siluanow wird zum Diktator über die russischen Finanzen, die hinsichtlich der wirtschaftlichen Möglichkeiten immer weniger flexibel werden. Das bedeutet natürlich nicht, dass alles zusammenbricht. Es bedeutet, dass Putin die Anzeichen einer problematischen Entwicklung erkennt. Darauf wollte ich hinaus, als ich diese Ernennung erwähnte.

Ich werde einige Fragen beantworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage: Und diese erfundenen 350 Milliarden, die die USA der Ukraine angeblich gegeben haben und die Trump ständig erwähnt: Gibt es denn keine Dokumente und Verträge, um diese Lüge zu entlarven?

Portnikov: Warum wollen Sie denn irgendeine Lüge entlarven? Trump sagt eine Menge Dinge, die völlig absurd sind. Wenn er zum 155. Mal von dem General erzählt, der seine Truppen in den Schlamm geführt und deshalb Kyiv nicht eingenommen habe, wollen Sie dann auch irgendwelche Dokumente finden, die zeigen, dass er Unsinn erzählt? Die überwiegende Mehrheit dessen, was Trump sagt, entspricht nicht der Wirklichkeit. Die amerikanischen Medien machen nach jedem seiner Auftritte einen Faktencheck und zeigen, dass er bei vielen Fragen schlicht lügt. Ganz zu schweigen von den Wahlen 2020, die er angeblich gewonnen hat. Und für Ämter in den Vereinigten Staaten werden jetzt nur Menschen eingestellt, die der Vorstellung zustimmen, dass er die Wahlen 2020 gewonnen habe. Und was nun? Wie wollen Sie das entlarven? Das ist tatsächlich so, und das scheint mir nicht weniger wichtig zu sein als diese 350 Milliarden.

Frage: Glauben Sie, dass Trump für sich und seine Familie einen Platz in Russland vorbereitet? Janukowytsch, Baschar al-Assad und so weiter?

Portnikov: Nein. Trump bereitet für seine Familie keinen Platz in Russland vor. Trump ist überzeugt, dass er einer der bedeutendsten Milliardäre der Vereinigten Staaten sein kann und dass seine Kinder die Erben seines Reichtums und möglicherweise auch seiner Macht sein werden. Glauben Sie mir, Trump denkt überhaupt nicht an Russland in diesem Sinne. Trump könnte im Gegenteil hoffen, in dieser Zeit alles Mögliche zu tun, um sein Vermögen und seine Möglichkeiten zu vergrößern, indem er seine Kontakte zu Putin nutzt.

Frage: Kommentieren Sie bitte die Ereignisse in Europa. Ich meine Frankreich, Italien und die angekündigten Demonstrationen in Deutschland.

Portnikov: Europa gerät immer wieder in eine Situation, in der seine sozialen Probleme auf die Straßen getragen werden. Auch jetzt erleben wir eine solche Situation. Und Sie sehen, dass sich das wie ein Feuer ausbreitet. Es begann in Frankreich, jetzt geschieht es in anderen Ländern. In Italien, Spanien, Belgien und anderen europäischen Staaten sehen wir diese Proteste der Menschen. Es ist verständlich, warum. Denn es gibt ernsthafte soziale Missstände in Europa. Es gibt einen großen Teil der Bevölkerung, der mit seiner gegenwärtigen sozialen Stellung unzufrieden ist. Natürlich können auch Migranten zu diesen Unzufriedenen gehören, aber es handelt sich keineswegs um reine Migrationsprobleme. Das ist etwas, was in Europa alle zehn, zwanzig oder fünfzig Jahre geschieht und zu solchen massiven Protesten führt. Es kann die politische Landschaft in die eine oder andere Richtung verändern. Wir wissen noch nicht, wie. Aber das ist es, was Europa zu Europa macht.

Man kann darüber natürlich lachen und sagen: „Sie haben einfach Migranten hereingelassen, und deshalb gibt es dort solche Unruhen.“ Und Menschen mit rechtsradikalen und rechten Überzeugungen verbreiten diesen ganzen Unsinn, besonders im russischsprachigen Teil der sozialen Netzwerke. Solche Idioten gibt es viele. Aber es handelt sich um objektive Probleme. Und sagen Sie mir: Als 1968 infolge der Studentenproteste in Frankreich ganz Europa in Aufruhr geriet, als es in Frankreich selbst unglaubliche Unruhen von praktisch revolutionärem Ausmaß gab und die politische Karriere von Präsident Charles de Gaulle zu Ende ging, war das etwa eine Migrationskrise? Nein. Das ist es, was den europäischen Kontinent letztlich stark macht. Das ist es, was Frankreich zur Avantgarde revolutionärer Stimmungen in Europa macht. Das verändert den Kontinent.

Damit Sie mich richtig verstehen: Ich sage damit nicht, dass ich alle Forderungen der Demonstranten unterstütze oder nicht sehe, dass sich unter ihnen viele Menschen mit radikalen Ansichten befinden und dass dies von Linksradikalen ausgenutzt wird. Ich sehe das alles sehr gut. Aber so war es immer. Auch die Studentenunruhen von 1968 wurden natürlich von französischen Kommunisten, Maoisten und Trotzkisten unterstützt. Aber gerade weil die europäischen Gesellschaften immer Schlussfolgerungen aus diesen linksliberalen Aktionen gezogen, stabile Gesellschaften geschaffen und ein Gleichgewicht gefunden haben, leben wir in der Welt, in der wir leben.

Ich hoffe, dass die europäischen Gesellschaften auch jetzt genug Vernunft haben werden, um erstens die Anarchie zu stoppen. Zweitens eine Antwort auf die Frage zu finden, wie man unter den Bedingungen sozialer Ungleichheit zusammenleben kann, die sich infolge zahlreicher wirtschaftlicher und politischer Prozesse verschärft. Drittens eine Antwort auf die Frage zu geben, was mit den Migrationsprozessen geschieht. Auch das ist eine große Herausforderung, wie ich verstehe.

Frage: Glauben Sie, dass Putin nach dem 3. November die Möglichkeit verlieren wird, als Aggressor zu für ihn günstigen Bedingungen aus dem Krieg auszusteigen? Es ist unwahrscheinlich, dass Trump 2028 noch die Möglichkeit haben wird, Putin dieselben Bedingungen anzubieten, falls dieser aufhören möchte.

Portnikov: Ich habe beim Präsidenten der Russischen Föderation bisher keinerlei Wunsch gesehen, aus dem Krieg auszusteigen, bevor der ukrainische Staat vernichtet und die Mehrheit seiner Bevölkerung vertrieben und ausgelöscht ist. Deshalb hat Putin überhaupt keinen Wunsch, aus dem Krieg auszusteigen. Putin möchte derzeit die Situation nutzen, um den Krieg fortzusetzen, ohne ernsthafte Sanktionen der Vereinigten Staaten befürchten zu müssen.

Möglicherweise könnten diese Sanktionen nach 2029 härter und schwerwiegender werden. Aber die Ukraine und die Ukrainer müssen diese nächsten Jahre eines grausamen Krieges erst noch überleben. Auch die Russische Föderation wird sie durchleben. Ich sage immer wieder, dass wir, wenn wir zu einem Waffenstillstand kommen, einen Waffenstillstand auf den Ruinen ukrainischer und russischer Städte und unseres früheren Lebens haben werden. Aber es wäre viel besser, wenn es uns bereits heute gelänge, Bedingungen zu schaffen, die Russland zum Aufhören zwingen. Bisher sehe ich diese Bedingungen nicht. Aber möglicherweise sieht Putin sie. Möglicherweise weiß Putin besser als ich, was mit seiner Wirtschaft geschieht. Hoffen wir zumindest darauf.

Frage: Glauben Sie nicht, dass Putin außer der Hilfe für Trump auch deshalb Verhandlungen zugestimmt hat, weil man die Ukraine zu irgendwelchen Zugeständnissen gedrängt hat?

Portnikov: Ich glaube, dass Putin überhaupt keine Zugeständnisse von dem von ihm gehassten pseudoseparatistischen Staat braucht, der zusammen mit seinen Anhängern vernichtet werden soll. Das glaube ich. Ich erinnere ständig daran. Die Ukraine ist kein eigenständiger Akteur in den Verhandlungen, denn für Putin ist sie Teil des historischen Territoriums Russlands. Das hat er heute erneut gesagt. Ein Volk, historisches Territorium Russlands. Das hören Sie ständig von Putin. Er sagt Ihnen offen, dass er Sie vernichten wird. Und Sie wollen das nicht hören. Sie können sich selbst nicht sagen: Die Russen sind gekommen, um uns zu vernichten. Und sie werden nicht aufhören, solange wir leben.

Warum sagen Sie sich das nicht? Das wäre doch die Wahrheit. Alles andere, was Sie erzählen, ist, sage ich Ihnen, Selbstberuhigung und Augenwischerei. Die Russen sind gekommen, um uns zu vernichten. Und die Russen wären keine Russen, wenn sie sich solche Ziele nicht setzen und sie nicht verfolgen würden. Genau deshalb war die Ukraine Teil des Russischen Reiches und nicht umgekehrt. Denn jemanden zu vernichten, etwas zu zerstören und bereit zu sein, jahrelang Krieg zu ertragen, das ist das Wesen der russischen staatlichen und nationalen Mentalität. Damit haben wir es zu tun. Das muss man einfach verstehen. Warum ist es so wichtig, ihnen ihre Stärke und ihre Möglichkeiten zu nehmen? Weil es überhaupt keine anderen Chancen gibt, aus dem Krieg herauszukommen. Das werden Sie nach dem 10. November sehen.

Frage: Werden im Falle einer totalen Niederlage der Republikaner Köpfe von Trump nahestehenden Personen in seiner Regierung rollen, um seine Umfragewerte zu stützen?

Portnikov: Ich halte es für möglich, dass es in der Regierung zu einigen personellen Veränderungen kommt. Denn Trump wird niemals anerkennen, dass er selbst für Niederlagen verantwortlich ist. Er versucht immer, die Verantwortung auf jemand anderen abzuwälzen. Natürlich. So wie er jetzt versucht, die Amerikaner davon zu überzeugen, dass der Anstieg der Dieselpreise nicht das Ergebnis seiner völlig undurchdachten Handlungen im Krieg gegen den Iran ist, sondern das Ergebnis ukrainischer Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation und so weiter. Dass also „nicht ich schuld bin, sondern Zelensky“. Und mit genau derselben Logik könnte er auch an sein eigenes Umfeld herangehen.

Aber welche Bedeutung hat das für Sie? Sagen Sie mir das bitte. Wir verstehen doch sehr gut, nach welchen Kriterien Trump die Menschen für seine Regierung auswählt. Wenn nun tatsächlich irgendein Minister oder jemand anderes zurücktritt, was wird das überhaupt ändern, wenn das Problem bei Trump selbst liegt? Auch das muss man ganz klar verstehen.

Deshalb glaube ich nicht, dass wir uns derzeit überhaupt vorstellen können, wie sich die Ereignisse nach den Wahlen in den Vereinigten Staaten entwickeln werden. Ich sage noch einmal: Hoffen wir, dass wir überhaupt damit rechnen können, dass diese Wahlen in den Vereinigten Staaten als ordnungsgemäß durchgeführt anerkannt werden. Dass Trump nicht von Wahlfälschungen in den demokratisch regierten Bundesstaaten sprechen wird. Wir könnten nach den Wahlen ein völlig neues Verhalten Trumps erleben. Auch daran muss man denken, wenn wir über die Situation im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg sprechen.

Deshalb würde ich hier natürlich zunächst den 3. November abwarten. Auch das ist ein sehr wichtiger Zeitpunkt, der uns auf die eine oder andere Weise nicht nur zeigen wird, wie sich die Situation im russisch-ukrainischen Krieg verändern wird und wie sich Trumps Einfluss in den Vereinigten Staaten entwickeln wird. Wir werden auch verstehen, wie sich die Situation hinsichtlich der amerikanischen Stabilität selbst verändert. Genau das muss für das Verständnis der Situation nach dem 3. November tatsächlich am wichtigsten sein. Genau das wird zum Hauptproblem für die Zukunft des amerikanisch-ukrainischen Dialogs und der amerikanischen Beteiligung am Friedensprozess werden.

Was die Verhandlungen betrifft, so haben wir, wie Sie verstehen, von Putin bisher das gehört, was wir gehört haben: dass das Hauptziel der Verhandlungen darin bestehe, Frieden zu erreichen. „Aber wenn das andere Land keinen Frieden will, nun gut, dann werden wir weiterkämpfen. Die Ziele der Spezialoperation werden erfüllt.“ Man kann also sagen, dass Russland keinerlei Verpflichtung übernimmt, während dieser Verhandlungen Frieden zu erreichen. Und die Vorstellung, dass dieses Friedensabkommen bereits während des G20-Gipfels in Miami unterzeichnet werden könnte, erscheint mir bisher völlig wirklichkeitsfern. Obwohl das Magazin The Atlantic, wie Sie wissen, bereits berichtet hat, dass Trump die Unterzeichnung eines Friedensabkommens gerade während des G20-Gipfels erreichen möchte. Und der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky hat bereits gesagt, dass er bereit sei, an Verhandlungen während des G20-Gipfels teilzunehmen, wenn Trump ihn in einem entsprechenden Format zu diesem Treffen einlädt. Bisher hat die Ukraine, wie Sie wissen, keine Einladung zum G20-Gipfel erhalten. Den russischen Präsidenten Putin haben die Amerikaner dagegen eingeladen. Er hat allerdings ebenfalls noch nicht zugesagt, in die Vereinigten Staaten zu reisen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Нові заяви Путіна: головне | Віталій
Портников. 22.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 22.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Trump rettet Gazprom | Vitaly Portnikov. 18.10.2026.

Die Regierung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, versucht nach Angaben der New York Times, die Lieferungen russischen Erdgases nach Europa über das ukrainische Gastransportsystem wieder aufzunehmen.

Vertreter der amerikanischen Regierung behaupten bei den Verhandlungen mit Moskau, dass dies einen erheblichen wirtschaftlichen Anreiz für den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, darstellen würde. Eine solche Entscheidung würde ihn zu ernsthaften Verhandlungen über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges bewegen.

Im Rahmen einer friedlichen Lösung sollen die Europäer wieder größere Mengen russischen Erdgases kaufen und die Ukraine die Kapazitäten ihres Gastransportsystems zur Verfügung stellen, über das erst seit Kurzem kein russisches Gas mehr an europäische Verbraucher geliefert wird.

Sollten diese Informationen offiziell bestätigt werden, würde dies eine revolutionäre Kehrtwende in der amerikanischen Energiepolitik bedeuten. Schon während seiner ersten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten erklärte Donald Trump sowohl öffentlich als auch bei vertraulichen Treffen mit europäischen Staats- und Regierungschefs, dass die russischen Gaslieferungen nach Europa reduziert werden müssten und dass der Bau von Gaspipelines wie Nord Stream die Energieabhängigkeit Europas und insbesondere Deutschlands vom Kreml nur verstärke.

Bekannt ist ein öffentlicher Auftritt des Präsidenten der Vereinigten Staaten, bei dem er eine ganze Reihe durchaus logischer Argumente vorbrachte, die seiner Meinung nach Berlin dazu bewegen sollten, sich aus dieser Abhängigkeit zu lösen. Die Kamera zeigte in diesem Moment nicht nur Trump, sondern auch Vertreter der deutschen Regierung, die sich ganz offen über die Worte des amerikanischen Präsidenten lustig machten. Die Szene mit Trumps Rede ist für immer zu einem Sinnbild der politischen Kurzsichtigkeit der deutschen Führung unmittelbar vor der groß angelegten Invasion der Russischen Föderation in die Ukraine und dem faktischen Verzicht Europas auf russische Energieträger geworden.

Und plötzlich erklärt derselbe Mann den Europäern, dass sie mehr Gas aus Russland kaufen sollten und dass dies angeblich helfen werde, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Dabei begann Wladimir Putin diesen Krieg in seiner heutigen Form gerade erst, nachdem der Bau des letzten Strangs der Nord-Stream-Pipeline abgeschlossen worden war. Damit hätte Russland für die Lieferung seiner Rohstoffe an europäische Verbraucher auf die Dienste des ukrainischen Gastransportsystems verzichten können.

Natürlich stellt sich die Frage, warum Donald Trump, der sich viele Jahre lang gegen die Energieabhängigkeit Europas von Russland ausgesprochen hat, nun energisch auf eben dieser Abhängigkeit besteht und dabei die Beendigung des russischen Krieges gegen die Ukraine als Vorwand benutzt. 

Möglicherweise deshalb, weil in den früheren Varianten dieses energiepolitischen Spiels für die Vereinigten Staaten kein Platz vorgesehen war, während nun im Zuge der Verhandlungen zwischen dem Sonderbeauftragten des Präsidenten der Russischen Föderation, Kirill Dmitrijew, und den Vertretern des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff und Jared Kushner, eine mögliche Beteiligung amerikanischer Investoren erörtert werden könnte.

Wir wissen bereits von zahlreichen solchen Vereinbarungen zwischen Moskau und Washington, bei denen es vor allem darum geht, dass Personen aus dem Umfeld der amerikanischen Regierung an Gewinnen aus den Wirtschaftsbeziehungen mit Russland interessiert sind. Und es ist durchaus möglich, dass die Wiederaufnahme des Energietransits nach Europa Teil eines solchen gemeinsamen Projekts sein könnte. Genau deshalb dürften solche Vereinbarungen für die Europäer selbst keineswegs überzeugende Garantien ihrer eigenen Energiesicherheit darstellen.

Ja, hätten wir noch gestern erfahren, dass die Vereinigten Staaten an einem Konzern beteiligt sein würden, dessen Ziel die Lieferung russischen Erdgases an europäische Länder wäre, hätte dies durchaus wie eine zusätzliche Sicherheitsgarantie für den europäischen Kontinent aussehen können. Doch angesichts der gegenwärtigen Atmosphäre in den Beziehungen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin kann die Beteiligung von Personen aus dem Umfeld der amerikanischen Regierung an irgendwelchen Energieprojekten mit Russland bei denjenigen, die sich Gedanken über die Zukunft des europäischen Kontinents machen, nur Besorgnis auslösen.

Es gibt noch einen weiteren wichtigen Umstand, der auf die Gründe für diesen bewussten Positionswechsel Donald Trumps und der ihm nahestehenden Personen hinweist. Dabei könnte es nicht nur um Gewinne gehen, sondern auch um das Interesse an politischen Veränderungen auf dem europäischen Kontinent. Die Trump-Regierung ist bekanntlich ein politischer Förderer ultrarechter und antieuropäischer Kräfte, die nach ihrer Niederlage im Zweiten Weltkrieg in ganz Europa eine politische Revanche anstreben. 

Vertreter genau dieser Kräfte – die übrigens nicht nur von Washington, sondern auch von Moskau unterstützt werden – sind ebenfalls am Scheitern des europäischen Projekts interessiert. Sie sprechen ständig davon, wie wichtig billiges russisches Gas für die Entwicklung der europäischen Wirtschaft sei und dass der Verzicht auf russische Energieträger auf dem gesamten europäischen Kontinent ernsthafte wirtschaftliche Probleme verursacht habe. Dies ist die Position der ultrarechten Partei Alternative für Deutschland, die derzeit die populärste politische Kraft des Landes ist.

Übrigens treten auch ultralinke politische Kräfte in Deutschland mit ähnlichen Parolen auf. Auch sie bestehen auf der Notwendigkeit, die Energiebeziehungen zur Russischen Föderation wieder aufzunehmen und erneut russisches Erdgas zu beziehen. Das Argument, dass eine solche Entscheidung nicht nur der deutschen Wirtschaft helfen, sondern auch den russisch-ukrainischen Krieg beenden könnte, indem die Ukraine zu einer Pufferzone für den Gastransit zwischen Russland und den europäischen Ländern gemacht würde, könnte den politischen Aufstieg jener Parteien zusätzlich befördern, die bereit sind, sich die Vorschläge Donald Trumps und Wladimir Putins aufmerksam anzuhören.

Und der Vorschlag, russisches Erdgas zu einem Faktor der Stabilisierung der Lage auf dem Kontinent zu machen, könnte weniger zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges führen – denn wir verstehen, dass solche Pläne Wladimir Putins aggressive Begehrlichkeiten nur weiter steigern – als vielmehr zu besseren Wahlchancen für jene Parteien, die schon heute von vielen Beobachtern als Totengräber des europäischen Projekts betrachtet werden.

Und dann könnten wir die Suche nach Vereinbarungen zwischen der Trump-Regierung und der Putin-Regierung als den Aufbau einer gemeinsamen politischen Inszenierung verstehen, die nicht nur zur Kapitulation der Ukraine vor den russischen Waffen führen, sondern auch Europa zu Grabe tragen soll.


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Titel des Originals: Трамп спасает Газпром | Виталий Портников. 18.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 18.10.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Trump rechtfertigt sich vor den Ukrainern | Vitaly Portnikov. 13.10.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, betonte heute, dass sein Land weiterhin Geheimdienstinformationen mit der Ukraine teilt. Im Pentagon heißt es, dass die Lieferungen im Rahmen des PURL-Programms nicht eingestellt wurden, bei dem europäische Länder die Vereinigten Staaten für Waffen bezahlen, die diese an die Ukraine liefern. Diese Erklärungen Donald Trumps erfolgten, nachdem es in Kyiv, übrigens nicht zum ersten Mal, einen Angriff mit russischen ballistischen Raketen gegeben hatte, ohne dass die Einwohner der ukrainischen Hauptstadt zuvor gewarnt worden waren.

Natürlich können wir nicht wissen, was das Ausbleiben der Informationen verursacht hat. Tatsächlich hat es solche Vorfälle mit dem Start russischer ballistischer Raketen ohne vorherige Warnung auch früher gegeben. Aber das gab dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, die Möglichkeit, infrage zu stellen, ob der Mechanismus der Informationsübermittlung noch derselbe ist wie vor dem Dieselabkommen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation.

Das Wichtigste an dieser Situation ist vor allem, dass Trump sich vor Journalisten rechtfertigt und der Ukraine nicht mit einer möglichen Einstellung des Austauschs von Geheimdienstinformationen droht. Es lohnt sich, daran zu erinnern, dass die Situation während des vorherigen großen Skandals zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine, der sich im Oval Office vor dem Hintergrund der Unterzeichnung eines weiteren bedeutungslosen Dokuments über die ukrainischen Bodenschätze ereignete, völlig anders war. Danach wird es, wie Sie wissen, noch viele bedeutungslose Vereinbarungen und Gesetzesvorlagen geben, von denen die jüngste, das Graham-Gesetz, Donald Trump buchstäblich erst vor wenigen Wochen unterzeichnet hat. Damals war die Situation völlig anders. Das Pentagon entzog der Ukraine buchstäblich innerhalb weniger Stunden den Zugang zu Geheimdienstinformationen.

Und Sie können fragen: „Was ist denn in dieser Zeit geschehen, das den Präsidenten der Vereinigten Staaten dazu zwingt, sich völlig anders zu verhalten? Denn es scheint offensichtlich, dass nach Trumps Drohungen gegen die Ukraine eine Entscheidung über irgendeine Bestrafung, etwa die Einstellung der Übermittlung von Geheimdienstinformationen oder die Schließung des PURL-Programms, einfach eine logische Weiterentwicklung der Ereignisse in der Ukraine-Frage gewesen wäre.“ Aber wie Sie sehen, geschieht das nicht. Ich denke, nicht nur deshalb, weil die Ukraine seit zwei Tagen keine Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation durchführt und Donald Trump damit die Möglichkeit nimmt, neue Drohungen auszusprechen, sondern auch deshalb, weil Trump nicht mehr derselbe ist.

In dieser Zeit hat der Krieg im Nahen Osten stattgefunden, der für den amerikanischen Präsidenten zu einem regelrechten politischen Fiasko wurde und zu einem erheblichen und praktisch nicht mehr rückgängig zu machenden Anstieg der Kraftstoffpreise an amerikanischen Tankstellen geführt hat. Nicht mehr rückgängig zu machen, zumindest deshalb, weil es für Trump wichtig ist, dass dieses Preisniveau bereits bis zu den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress am 3. November dieses Jahres sinkt. Und das wird wohl kaum geschehen, zumindest nicht in größerem Umfang. Und keinerlei Vereinbarungen mit Präsident Putin werden dazu beitragen.

Trump hat sich verändert, weil er jetzt die niedrigsten Popularitätswerte sowohl seiner eigenen politischen Karriere als auch der politischen Karriere jedes amerikanischen Präsidenten in dessen zweiter Amtszeit hat. Ja, er ist der unpopulärste amerikanische Präsident der jüngeren Geschichte, und die Zahl der Menschen, die ihn nicht unterstützen, wird mit jedem Tag weiter wachsen. Trump hat sich verändert, weil er all die Bedrohungen spürt, die für ihn und seine Familienmitglieder entstehen, nachdem die Republikaner zumindest die Kontrolle über das Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses verloren haben werden. Von der Möglichkeit, auch die Kontrolle über den Senat zu verlieren, will ich gar nicht erst sprechen.

Und deshalb ist er einfach gezwungen, keine abrupten Schritte zu unternehmen. Er ist gezwungen, so zu handeln, dass er zumindest jene Wähler nicht verschreckt, die noch bereit sind, für die Republikaner zu stimmen. Und diese Wähler könnten, wie wir verstehen, nicht einmal ausreichen, um wenigstens die Kontrolle über den Senat zu behalten. Deshalb sieht diese ganze Geschichte in Wirklichkeit wie ein gutes Signal aus, das man im Gedächtnis behalten sollte. Trump kann sich am Vorabend der Zwischenwahlen keinen ernsthaften Konflikt mit der Ukraine erlauben.

Und die Idee selbst, mit Putin Vereinbarungen über Dieselkraftstoff zu treffen, wurde zu einem weiteren Fehler in der Reihe jener vielen Fehler, die Donald Trump seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus bereits begangen hat. Wir wissen in Wirklichkeit nicht, welche Ziele dieses Abkommen hatte, denn es kann sich nicht auf die Dieselpreise auf dem Weltmarkt auswirken, wo nach wie vor letztlich die Straße von Hormus alles bestimmt. Das müssen sogar republikanische Kongressabgeordnete selbst einräumen, wie etwa der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson. Es kann die Einnahmesituation des russischen Staatshaushalts nicht wirklich verändern, der immer mehr Geld für den ununterbrochenen, jahrelangen Krieg benötigt, den der Präsident der Russischen Föderation für den politischen Kalender der zwanziger und dreißiger Jahre dieses kriegerischen 21. Jahrhunderts vorgesehen hat.

Wozu wurde das alles dann getan? Ich habe nur eine wirkliche Erklärung. Das alles könnte ausschließlich zur Rettung des Erdölverarbeitungskomplexes der Russischen Föderation geschehen sein. Der Erdölverarbeitungskomplex der Russischen Föderation wird von den Amerikanern gebraucht, damit sie sich an Lukoils Vermögenswerten im Ausland bereichern können. Ich erinnere Sie daran, dass Trump, nachdem er die sogenannten Sanktionen aus der Hölle gegen die russischen Konzerne Lukoil und Rosneft verhängt hatte, deren Umsetzung aussetzte, offensichtlich bis zu dem Zeitpunkt, an dem über das Schicksal der Vermögenswerte von Lukoil im Ausland, eines der wichtigsten Erdölkonzerne der Welt, entschieden sein wird. Und in diesem Moment stellte sich heraus, dass sich unter denjenigen, die bereit sind, diese Aktien zu kaufen, Personen befinden, die Witkoff und Kushner nahestehen, also Menschen, die für ihre engen Verbindungen zur Administration Donald Trumps bekannt sind.

Putin, ein, wie ich sagen würde, geschickter Rattenfänger, nahm sofort diesen Geruch des Geldes wahr, mit dem man Trumps engste Mitstreiter anlocken und sie dazu bringen kann, im Weißen Haus zu Vertretern seiner eigenen Interessen zu werden. Genau das geschah auch mit Witkoff und Kushner. Und offensichtlich schildern sie Donald Trump diese Aussichten auf eine tatsächliche Bereicherung mit Freude beim gemeinsamen Golfspiel. Wenn man schon nicht Golf spielen kann, kann man wenigstens beim Spielen darüber reden.

Und darin liegt eine gewisse Logik. Welchen Sinn hat es, Lukoils Vermögenswerte zu kaufen, wenn ukrainische Angriffe die Erdölraffinerien dieses Unternehmens in Schrott verwandeln? Und ich möchte Sie übrigens daran erinnern, dass eine der letzten Aktionen der ukrainischen Verteidigungskräfte in Russland gerade die Zerstörung der Produktionsanlagen eines Lukoil-Unternehmens war, das nach diesen Angriffen seinen Betrieb einstellte. Was meinen Sie, ist es für Witkoff und Kushner und andere Trump nahestehende Personen, die bereits den Geruch dieser blutigen russischen Milliarden wahrnehmen, angenehm, solche Nachrichten zu lesen?

Natürlich nicht. Und deshalb gibt es ein sehr einfaches Programm, das, wie ich verstehe, von Witkoff und Kushner während der Verhandlungen in Miami nicht nur den Vertretern der ukrainischen Delegation, sondern auch jenen europäischen Beamten und nationalen Sicherheitsberatern vorgestellt wurde, die gemeinsam mit der ukrainischen Delegation in die Vereinigten Staaten gekommen waren, in der Hoffnung, über etwas Reales und Konkretes sprechen zu können.

Zunächst stellt die Ukraine ihre Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation ein. Und danach reisen Witkoff und Kushner in die russische Hauptstadt und schlagen dem Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, einen Plan zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges vor, wie er es wollte. Aber sie begleiten diesen Plan mit einigen beträchtlichen Zahlen, mit jenem Geld, mit dem sie den Präsidenten der Russischen Föderation für Lukoil-Aktien bezahlen wollen.

Das heißt, wenn man die Dinge beim Namen nennt, wollen Beamte des Weißen Hauses den Präsidenten der Russischen Föderation bestechen, damit er einer Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zustimmt, vielleicht sogar noch vor den Zwischenwahlen. Das wäre tatsächlich ein ernsthafter, ich würde sagen, gewichtiger Beitrag zum Wahlkampf der Republikaner, denn es könnte zeigen, dass Donald Trump ein wirklicher Friedensstifter ist und nicht jemand, der von irgendwelchen acht angeblich beendeten Kriegen erzählt, die es in Wirklichkeit nicht gibt.

Aber ich denke, dass es hier auch den entgegengesetzten Wunsch gibt. Putin will ebenfalls Witkoff, Kushner und Trump mit Lukoils Vermögenswerten im Ausland bestechen. Nur verfolgt der Präsident der Russischen Föderation ein völlig anderes Ziel. Er will, dass sie die Ukraine in Ruhe lassen und ihm ermöglichen, unseren Staat mitsamt seiner ihm gegenüber illoyalen Bevölkerung zu vernichten und auf dem von russischen Truppen eroberten Gebiet von Uschhorod bis Charkiw ihm gegenüber loyale ethnische Russen und andere Bürger der Russischen Föderation anzusiedeln, die später bereit sein werden, als Kanonenfutter für die russische Armee bei ihrem siegreichen Marsch auf Europa zu dienen. Denn genau darauf bereitet sich Putin in den nächsten Jahren seiner Karriere vor.

Und hier liegt ein Missverständnis vor. Die einen wollen die anderen kaufen, aber ihre Ziele sind völlig entgegengesetzt. Witkoff und Kushner wollen Putin Geld für die Beendigung des Krieges anbieten. Putin will der amerikanischen Administration Geld anbieten, damit sie ihn nicht daran hindert, zu töten, zu schießen, zu vergewaltigen, zu zerstören und all das zu tun, was sowohl dem Präsidenten der Russischen Föderation als auch seinen auf Chauvinismus und Krieg ausgerichteten Landsleuten so sehr gefällt.

Ich frage nicht einmal, wer in dieser Geschichte der Bestechung gewinnen wird. Ich denke, niemand. Dass die Reise von Witkoff und Kushner, wie zu erwarten ist, mit einer absoluten Niederlage und dem Zusammenbruch aller Hoffnungen auf wirkliche Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine enden wird. Wie ich bereits gesagt habe, wird es in einer absehbaren Zukunft keine wirklichen Friedensverhandlungen zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine geben. Und man sollte aufhören, darüber nachzudenken.

Wenn der russisch-ukrainische Krieg tatsächlich in irgendeiner absehbaren Zukunft endet und wir sagen können, dass die nächsten Jahre das Finale dieses endlosen Krieges sein werden, dann kann er ohne irgendwelche wirklichen Vereinbarungen, ohne ein Treffen der Präsidenten, durch ein Abflauen und ein sporadisches Wiederaufflammen dieses Konflikts in der Zukunft enden. Und das wird das Schicksal zweier verfeindeter Länder und zweier verfeindeter Völker sein, die für die nächsten schweren und schwierigen Jahrzehnte Todfeinde bleiben werden.

Wenn sich natürlich nicht etwas in Russland verändert, wenn dort nicht solche umwälzenden politischen Prozesse stattfinden, die zum Zusammenbruch des Geheimdienstregimes, zum Beginn einer innergesellschaftlichen Konfrontation in der Russischen Föderation führen und das Nachbarland mit dem Blut verfeindeter Bevölkerungsgruppen überziehen, die bereit sind, gegeneinander zu kämpfen. Aber bislang sehe ich keine Perspektiven für eine solche Entwicklung der Ereignisse. Denn wir wissen, dass die Eroberung fremder Gebiete die Russen immer zusammenschweißt und aus ihnen eine ziemlich monolithische Gesellschaft macht. Wenn das russische Volk anders wäre, würde es nicht über das Territorium des flächenmäßig größten Landes der heutigen Welt verfügen. Auch daran muss man denken, wenn wir über die Ethnogenese dieses Imperiums sprechen.

Wie könnte also der Plan aussehen, den Witkoff und Kushner dem russischen Präsidenten vorschlagen? Heute hat bereits in der Washington Post einer der führenden Kolumnisten dieser Zeitung über diesen Plan gesprochen. Im Grunde wurde er dort als westlicher Plan bezeichnet, aber dann kam aus dem Büro des ukrainischen Präsidenten die Klarstellung, dass es sich vor allem um die amerikanische Position handelt. Der Plan ist vollkommen utopisch. Das heißt, man kann verstehen, warum wir ihm zustimmen könnten. Es ist völlig unverständlich, warum der Kreml ihm zustimmen sollte.

Nun, beispielsweise gibt es in dem Plan einen Abschnitt über den Wiederaufbau der Ukraine. Aber den können wir sofort vergessen, denn mit einem Wiederaufbau der Ukraine wird, wie Sie verstehen, nicht begonnen werden, bevor eine Entscheidung über die Beendigung der Kampfhandlungen getroffen und eine Entscheidung über Sicherheitsgarantien gefällt wurde. Und beide Entscheidungen erscheinen, gelinde gesagt, illusorisch.

Nun also zu den Sicherheitsgarantien, dem zweiten Punkt dieses Plans. Dort wird vorgeschlagen, der Ukraine Sicherheitsgarantien zu geben, die ihrem Sinn nach mit Artikel 5 des NATO-Vertrags vergleichbar wären. Entschuldigen Sie, aber dieser Ansatz erscheint als völliger Idiotismus, wenn wir hoffen, dass Russland dem zustimmen wird. Denn es stellt sich die Frage: Wenn Moskau will, dass uns niemand hilft und dass im Falle eines möglichen neuen Angriffs, falls es den alten beenden will, kein einziges Land der Welt der Ukraine zu Hilfe eilt und erst recht nicht an ihrer Seite kämpft, wozu sollte es dann wollen, dass am Ende des Krieges zwischen der Ukraine und Russland die Ukraine von westlichen Ländern, von denen einige Atommächte sind, Sicherheitsgarantien erhält, die Artikel 5 des NATO-Vertrags entsprechen? Denn das bedeutet für Russland die Aussicht auf einen möglichen Atomkrieg. Wozu sollte es das brauchen? Nennen Sie mir wenigstens einen einzigen Grund.

Oder wir müssten der russischen Erzählung zustimmen, wie es einige ukrainische Abgeordnete tun, die ihren Wahlkampf bereits in ihren, wie ich sagen würde, schmutzigen Träumen vor sich sehen, dass Russland tatsächlich über das Heranrücken der NATO an seine Grenzen besorgt sei. Warum führt es dann keinen Krieg gegen Finnland? Warum führt es keinen Krieg gegen Schweden? Warum führt es keinen Krieg gegen Polen? Warum führt es keinen Krieg gegen Litauen, Lettland und Estland? Warum hat es mit der Ukraine begonnen, die kein NATO-Mitglied ist, statt einen entschlossenen Schlag gegen Länder zu führen, die bereits Mitglieder des Nordatlantischen Bündnisses sind? Denn wenn die NATO eine Bedrohung ist, muss man die NATO angreifen. Deshalb ist das völliger Unsinn.

Russland wird niemals zustimmen, dass die Ukraine irgendwelche wirklichen Sicherheitsgarantien erhält. Das wird nicht geschehen. Sonst müssten die Russen anerkennen, dass sie all diese Jahre vergeblich Krieg geführt und die Ukraine zerstört haben. Damit die Russen also einer solchen Sache zustimmen, müssten feindliche Armeen in der russischen Hauptstadt stehen und der russische Präsident, nicht einmal Putin, irgendwelche Vereinbarungen unter vorgehaltener Maschinenpistole unterzeichnen. Solange das nicht geschieht, erwarten Sie nicht, dass Russland etwas Derartigem zustimmen wird.

Der nächste Punkt, den die Amerikaner vorschlagen werden, ist die Wiederaufnahme der Lieferungen russischen Erdöls und Erdgases nach Europa. Dabei wird die Ukraine zu einem Transitdrehkreuz für dieses Gas. Ukrainische Erdöl- und Erdgaspipelines werden zu Transitrouten für russische Energieträger. Wiederum kann ich verstehen, wozu die Ukraine das braucht, die Geld für den Transit erhalten wird. Ich kann verstehen, dass Russland an der Wiederaufnahme seiner Energieexporte nach Europa interessiert wäre. Obwohl ich mir da nicht ganz sicher bin, denn Russland würde sich offensichtlich lieber nach Osten orientieren. Aber das ist eine andere Frage. Es würde gern, kann aber nicht so recht, obwohl es Anstrengungen unternimmt. Gerade in diesen Tagen bespricht einer von Putins wichtigsten Beratern, Nikolai Patruschew, in Peking den Weiterbau der Gaspipeline „Kraft Sibiriens 2“. Nun ja, wissen Sie, eine Pipeline weiterzubauen und bereits über die entsprechenden Möglichkeiten zu verfügen, ist natürlich nicht dasselbe.

Aber die Ukraine war doch viele Jahrzehnte lang ein Transitdrehkreuz für die Russische Föderation. Europa war doch der Kontinent, in den Russland jahrzehntelang Gas lieferte. Und Russland begann den Krieg genau aus dieser Position heraus. Mehr noch: Eine der ersten Entscheidungen Putins, als er Präsident der Russischen Föderation wurde, war die Übernahme der Kontrolle über Gazprom. Die alte Führungsmannschaft, die noch mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten der Russischen Föderation Viktor Tschernomyrdin und dem Gazprom-Chef Rem Wjachirew verbunden war, wurde aus diesem Konzern entfernt und durch Putins Manager unter der Führung von Alexei Miller ersetzt, der Gazprom all diese Jahrzehnte lang leitet. Und welche erste Aufgabe gab Putin Miller? Umgehungspipelines zu bauen, damit die Ukraine aufhört, ein Transitland für die Russische Föderation zu sein.

Putin bereitete sich praktisch vom ersten Tag seiner Amtszeit als Präsident der Russischen Föderation darauf vor, der Ukraine ihren Status als Transitland zu nehmen. Der große russisch-ukrainische Krieg begann kurz nach der Fertigstellung der Gaspipeline Nord Stream 2. Damit brauchte Russland die Transitdienstleistungen der Ukraine nicht mehr und musste sich keine Gedanken mehr über das Schicksal unseres Gastransportsystems machen.

Und übrigens war ich einer jener Journalisten, die sowohl die Ukrainer als auch, übrigens, die Deutschen immer gewarnt haben. Ich sagte meinen deutschen Kollegen, dass der große Krieg genau dann beginnen werde, wenn Putin sicher sei, dass er über Transitmöglichkeiten zur Umgehung der Ukraine mithilfe von Unterwasserpipelines verfüge. Leider ist es genau so gekommen. Das ist einer der Gründe, warum er 2022 keine Angst vor einem solchen Angriff hatte. Denn wenn diese Gaspipelines fertiggestellt worden wären und die Coronavirus-Pandemie nicht begonnen hätte, wäre der große russische Angriff auf die Ukraine einige Monate nach dem Treffen des russischen Präsidenten Putin mit dem ukrainischen Präsidenten Zelensky in Paris im Normandie-Format erfolgt. Putin hätte dabei gesehen, dass Zelensky nicht zu jener Kapitulation vor Russland bereit war, die die russische Führung unmittelbar nach den ukrainischen Präsidentschaftswahlen 2019 erwartet hatte, weil diese in Moskau als Triumph der Kapitulationsstimmung in unserem Land betrachtet wurden. So funktioniert das im Grunde.

Dann stellt sich die Frage: Wozu sollte Putin dem jetzt zustimmen? Diesem Punkt des Plans. Und auch das ist ein ziemlich wichtiger Punkt, über den man sprechen muss, wenn wir die Situation im Zusammenhang mit den Plänen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges erörtern, wie Sie verstehen.

Deshalb scheint es mir, dass man alle anderen Punkte dieses Plans schon gar nicht mehr diskutieren muss. Sie sind traditionell: die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland. Nun, das wäre ein logisches Ergebnis der Beendigung des Krieges, wenn man nach Wegen sucht, sich mit Putin zu verständigen. Und außerdem die Beendigung der Kampfhandlungen entlang der Trennlinie. Ich glaube auch nicht so recht, dass jemand dem zustimmen wird, denn Sie sehen, dass Russland nicht bereit ist, die Kampfhandlungen einzustellen, bevor es die Gebiete Donezk und Luhansk vollständig erobert hat. Aber Sie sehen, dass solche Pläne von amerikanischer Seite vorgeschlagen werden. Das bezeugt erneut, dass einige amerikanische Beamte in ihrem Wunsch, die Kontrolle über Lukoils Vermögenswerte im Ausland zu erlangen, den gesunden Menschenverstand verlieren.

Nun stellt sich die Frage: Wie werden sich die Ereignisse tatsächlich entwickeln? Genau so werden sie sich entwickeln. Wenn Putin sagt, dass Russland nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren wird, bevor die ukrainischen Truppen das Gebiet der Regionen Donezk und Luhansk verlassen haben oder bevor die russische Armee die vollständige Kontrolle über diese Regionen erlangt hat, sollte man ihm glauben. So wie man ihm damals hätte glauben sollen, als er praktisch ganz offen vor einem Angriff auf die Ukraine warnte. Das heißt, solange die Frage der vollständigen Kontrolle über Donezk und Luhansk nicht auf die eine oder andere Weise geklärt ist oder bis eine der Seiten so erschöpft ist, dass sie keine wirksamen Kampfhandlungen mehr fortsetzen kann, wird es überhaupt keine wirklichen Verhandlungen geben.

Was wird geschehen, wenn beispielsweise die Frage von Donezk auf die eine oder andere Weise diplomatisch oder militärisch gelöst wird und irgendwelche Verhandlungen beginnen? Auch sie werden zu keinem wirklichen Ergebnis führen. Schon in der ersten Verhandlungsrunde wird Russland neue Bedingungen an die Ukraine stellen. Wenn die Ukraine die Regionen Donezk und Luhansk nicht verteidigen kann und sie verloren gehen, wird Russland verlangen, dass sich die Ukraine aus den Gebieten Saporischschja und Cherson zurückzieht.

Wenn die Frage von Donezk und Luhansk auf diplomatischem Wege gelöst wird und Russland beispielsweise auf Druck der Vereinigten Staaten die Kontrolle über diese Gebiete kampflos erlangen kann, woran ich nicht glaube, aber ich sage nur: Wenn die Frage der Gebiete Saporischschja und Cherson auf demselben diplomatischen Wege gestellt wird, wird damit alles enden. Das heißt, Russland hatte niemals den Wunsch, durch Verhandlungen einen Frieden in der Ukraine zu vereinbaren, hat ihn nicht und wird ihn auch in absehbarer Zukunft nicht haben.

Was kann man dem entgegensetzen? Man kann dem die schrittweise Zerstörung der russischen Ressourcen und die Verwandlung Russlands in einen dysfunktionalen Staat entgegensetzen: Rechenzentren zerstören, Erdölraffinerien zerstören, sobald Trump von seinen Forderungen ablässt oder ohne auf Trump zu achten, Rüstungsbetriebe zerstören, Brücken sprengen, die Situation destabilisieren, alles Mögliche tun, damit der russische Staat nicht mehr funktionsfähig ist, aber nicht so sehr, dass er auseinanderbricht. Denn die demografische Katastrophe in Russland und Flüchtlinge aus der Russischen Föderation könnten für die Nachbarländer, einschließlich der Ukraine, zu einem Verhängnis werden. Man sollte nicht glauben, dass wir damit fertigwerden, wenn es zu einer humanitären Katastrophe kommt, oder dass wir die Grenzen schließen und niemanden hereinlassen werden. Auch das könnte bis zu einem gewissen Grad eine Illusion sein.

In jedem Fall ist das eine Frage des Gleichgewichts. Wenn es uns gelingt, die Möglichkeiten der Russischen Föderation zu untergraben, wird der Krieg abflauen. Wenn es uns nicht gelingt, wird der Krieg weitergehen, die ukrainischen Städte werden Infrastruktur und Ressourcen verlieren, die Bevölkerung wird immer kleiner werden. Und so wird sich die Situation in den nächsten Jahren entwickeln. Das sind im Grunde zwei Szenarien für die Entwicklung der Ereignisse. Ein drittes Szenario, dass wir uns zusammensetzen und uns einigen, wird es nicht geben, denn niemand hat vor, sich mit uns zu einigen.

Im ersten Szenario müssen wir von unseren Verbündeten energischere Hilfe verlangen. Vielleicht können die Amerikaner, wenn sie endgültig zu der Überzeugung gelangen, dass Putin Trump völlig egal ist und dass er ihn täuscht, mehr und schneller handeln. Obwohl ich nicht besonders daran glaube. Vielleicht wird nach den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten bereits der Kongress von Trump entschlossenere Maßnahmen verlangen. Auch das könnte geschehen. Das heißt, man muss irgendwelche Wege suchen, den Krieg durch die Erschöpfung des Aggressorstaates zu beenden. Man muss sich bewusst machen, dass der diplomatische Weg eine Sackgasse ist. Man muss verstehen, dass Russland versuchen wird, die Ukraine mithilfe seiner Agenten und nützlichen Idioten zu destabilisieren, die nach Macht und Geld gieren und erzählen werden: „Wir setzen uns hier zusammen und einigen uns.“ Auch dieses Bewusstsein muss vorhanden sein.

Man darf den Fehler von 2019 nicht noch einmal wiederholen. Was beim ersten Mal einfach als Tragödie durchging, wird beim nächsten Mal zum endgültigen Verschwinden sowohl der Ukraine als auch der Ukrainer führen. Das garantiere ich Ihnen. Einen solchen fatalen Fehler darf man nicht zweimal hintereinander begehen. Zumal Volodymyr Zelensky 2019 noch das Recht auf einen gewissermaßen entschuldbaren Fehler hatte, weil niemand in der Ukraine bis zum Ende begriff, wozu Russland bereit sein könnte, um die Kontrolle über das wiederherzustellen, was es als historische russische Gebiete betrachtet. Jetzt aber verstehen das alle, und Menschen, die versuchen, etwas anderes zu behaupten, sind absolut widerwärtige, niederträchtige Zyniker, deren tatsächliche Verbindungen man untersuchen sollte, nicht ihre Ansichten, verdammt noch mal, sondern ihre Verbindungen.

Und auch hier darf man keine naiven Idioten sein. Wie viele russische Agenten sind inzwischen von hier geflohen? Die einen 2014, dann flohen in den zwanziger Jahren jene, die geblieben waren. All diese Menschen befanden sich in den höchsten Etagen der ukrainischen Macht und erwiesen sich sämtlich als russische Agenten. Der Präsident, der Ministerpräsident, der Innenminister, der Leiter des Sicherheitsdienstes der Ukraine, der Generalstabschef, der Befehlshaber der Seestreitkräfte, der Generalstaatsanwalt, der Leiter des Zolldienstes. Was muss man denn noch erklären, wenn ich daran erinnere, dass wir buchstäblich mit Agenten der Russischen Föderation, mit Offizieren und Agenten des FSB und des russischen Auslandsgeheimdienstes durchsetzt waren? 

Ja, das war 2014. Und welche Schlussfolgerungen wurden gezogen? Dass diese Agenten 2022 unmittelbar vor der russischen Invasion einfach in Autos, Züge und Flugzeuge stiegen und die Ukraine verließen. Man hat wieder nichts gelernt. Der ehemalige Vizepremierminister der Ukraine und ehemalige Chef der ukrainischen Nationalbank Arbusow ist jetzt Abgeordneter der Staatsduma der Russischen Föderation. Der ehemalige Abgeordnete der Werchowna Rada der Ukraine Derkatsch ist jetzt Mitglied des Föderationsrates der Föderalversammlung Russlands, ein Held Russlands. Der ehemalige Leiter der Präsidialverwaltung der Ukraine, Medwedtschuk, behauptet, dass es die Ukraine als Staat niemals gegeben habe und dass es das ukrainische Volk nicht gegeben habe. Reicht Ihnen das nicht, oder glauben Sie, dass die Liste der Agenten damit endet?

So viele es gab, so viele sind geblieben. Sie werden später einfach feststellen, dass all diese Menschen nicht bloß irgendwelche Betrüger waren, sondern Menschen mit ganz konkreten russischen Verbindungen. Dabei ist es schon erstaunlich, dass diese Leute nicht gleich mit den spitzen Mützen der Roten Armee herumlaufen. Und ich frage meine Kollegen immer: „Warum laden Sie diese Menschen in Ihre Sendungen ein? Warum sprechen Sie mit ihnen? Sehen Sie denn nicht, dass sie keinerlei eigene Gedanken äußern? Sie verbreiten russische Narrative.“

Nun, bis 2022 liefen bei meinen Kollegen irgendwelche Dschangirow und Pogrebinski durch die Sendungen. Menschen, bei denen man, wissen Sie, gar nicht genug Brandzeichen hätte anbringen können. Das waren einfach russische Agenten. Jetzt übernimmt irgendein verrückter Dazjuk, der als Einziger aus dieser Gesellschaft übrig geblieben ist, diese Rolle. Nun, das ist doch dasselbe. Das ist doch genau dasselbe, nur in anderer Aufmachung. Die anderen sind einfach irgendwo verschwunden oder geflohen, ich weiß nicht einmal, wo sie sind. Er ist geblieben. Irgendwann wird auch er fliehen, und alle werden sagen: „Oh, er ist geflohen.“ Verstehen Sie das wirklich nicht? Wir sind ein Land, in dem Russland immer wie eine Metropole in einer Kolonie gearbeitet hat. Sowohl der KGB als auch der FSB haben Menschen angeworben. Nun seien Sie doch nicht naiv. Das ist eine ganz einfache Geschichte.

Und ich soll mich auch noch mit diesen Menschen streiten, irgendwelche ihrer Thesen diskutieren, obwohl das überhaupt keine Thesen sind, sondern ganz gewöhnliche Arbeit für den Feind. Zweifeln Sie nicht einmal daran. Sie werden es später nur bereuen. Ganz zu schweigen von all diesen nützlichen Trotteln, entschuldigen Sie, die uns erzählt haben, wie Trump nach seinem Wahlsieg den Krieg beenden werde. Da gab es eine ganze Brigade russischsprachiger Rentner aus Brighton Beach, bildlich gesprochen, und aus verschiedenen anderen Gegenden der Vereinigten Staaten, die niemand jemals gekannt oder zu Gesicht bekommen hatte. Glauben Sie, die sind zufällig aufgetaucht?

Ihre Anhänger haben mir regelrecht, ich würde sagen, das Telefon heißlaufen lassen und verrückte Kommentare geschrieben: „Warum sind Sie nicht zu einer Debatte mit dem nächsten Schwindler gegangen?“, dessen  Agent, wie ich ebenfalls glaube, ein bekannter politischer Berater mit Verbindungen ins Ausland, hatte mir vorgeschlagen, diese Debatte auf dem zentralen Platz von Charkiw auf Russisch zu führen. Zum Teufel mit ihm. Und Oles Donij sollte die Debatte ebenfalls auf Russisch moderieren. Im Ernst, das ist doch alles Auftragsarbeit, verstehen Sie? Das ist doch keine journalistische Tätigkeit. Das ist ein Auftrag, der von bekanntlich wem erteilt wurde.

Und diese Menschen verschwinden ja nicht. Sie setzen ihr schmutziges Werk fort. Einer von ihnen erklärt jetzt, wie Georgien und Finnland sich mit Russland geeinigt hätten und warum wir uns nicht einigen. Er stellt sich dumm. Als wäre nicht klar, warum wir uns mit den Russen nicht einigen. Weil sie wahrscheinlich glauben, dass Finnen und Georgier andere Völker sind. Und deshalb dürfen sie dort vorerst im Vorzimmer warten, bis die wichtigsten Fragen geklärt sind. Wir aber seien ein Volk mit den Russen. Und deshalb wird jenen Ukrainern, die sich als Ukrainer betrachten, einfach das Existenzrecht abgesprochen. Und diese Leute versuchen in reinem Ukrainisch, diese Schweine, so zu tun, als würden sie das nicht bemerken. Dafür fehlen einem einfach die Nerven, verstehen Sie? Man hat keine Nerven mehr für diesen niederträchtigen Idiotismus. Nun ja, das sind Emotionen.

Ich werde die Fragen beantworten, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Was meinen Sie, sind diese Rechtfertigungen eine neue Fassade, und tut Trump alles, damit die Republikaner den Senat wiedergewinnen beziehungsweise behalten? Ergibt das in dieser Hinsicht irgendeinen Sinn?

Portnikov: Natürlich tut er alles, damit die Republikaner den Senat behalten. Deshalb kann er nicht besonders viel riskieren, zumal er bereits gesehen hat, dass es selbst unter den Republikanern nicht wenige Menschen gibt, die sich gegen seine sinnlose Dieselabsprache mit Putin ausgesprochen haben. Denn nochmals: Diese Absprache ergibt überhaupt keinen Sinn, außer dem Versuch, wissen Sie, das Fell des von Witkoff noch nicht erlegten Bären nicht zu beschädigen. Also die Lukoil-Aktien. Deshalb versucht er tatsächlich irgendwie, beides zu haben: seinen Vorteil zu bekommen und sich gleichzeitig nicht mit uns zu zerstreiten.

Frage: Könnte es sein, dass Trump versucht, sämtliche Geschäfte noch vor den Kongresswahlen abzuschließen, weil er versteht, dass sie im Falle einer Niederlage der Republikaner wesentlich schwieriger zu organisieren sein werden?

Portnikov: Nun, ich glaube nicht, dass es so viel schwieriger sein wird. Schließlich wird er die Kontrolle über die Außenpolitik behalten, ganz gleich, wie der Kongress zusammengesetzt sein wird. Aber es stimmt, dass er dann vielleicht einfach keine Zeit mehr für solche Geschäfte haben wird. Das ist realistisch. Dem stimme ich zu. Denn wenn der Kongress, selbst wenn es nur das Repräsentantenhaus ist, sich in einen Untersuchungsausschuss verwandelt und alles untersucht, was Trump und seine Administration in dieser Zeit angerichtet haben, können Sie sich nicht einmal vorstellen, was wir alles erfahren könnten. Es sei denn natürlich, wir werden in den Vereinigten Staaten sogar Zeugen eines Bürgerkriegs, denn Trump könnte die Niederlage einfach stumpfsinnig nicht anerkennen. Auch das ist möglich. Auch darauf muss man sich vorbereiten. Aber wenn er die Niederlage anerkennt und all das beginnt, dann wird uns Watergate, glaube ich, wie eine Kleinigkeit vorkommen. Sie können sich das Ausmaß dessen, was da geschehen könnte, einfach nicht vorstellen.

Frage: Wie stehen die Chancen, dass nach Trump der Ultralinke in den Vereinigten Staaten an die Macht kommt? Welche Folgen könnte das für die Ukraine haben?

Portnikov: Im Grunde habe ich keine Gewissheit, dass gerade in diesem Abschnitt des Wahlzyklus ein ultralinker Kandidat an die Macht kommen könnte, dass die Demokraten gerade einen solchen Kandidaten aufstellen werden. Ja, der ultralinke Flügel gewinnt innerhalb der Demokratischen Partei an Einfluss. Das stimmt. Ja, er kann bei der Auswahl des Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei eine sehr wichtige Rolle spielen. Das alles stimmt, aber er stellt dort keine Mehrheit. Das heißt, heute habe ich keine Gewissheit, dass eine Person wie beispielsweise Zohran Mamdani als Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei aufgestellt werden könnte.

Aber ich schließe nicht aus, dass sich die weitere Entwicklung der Ereignisse in den Vereinigten Staaten nach einem solchen Szenario vollziehen könnte, denn wir wissen nicht, was in den nächsten Jahren von Trumps Präsidentschaft geschehen wird. Denken Sie nur daran, dass wir noch nicht einmal zwei Jahre hinter uns haben. Dieses ganze, sagen wir, Feuerwerk der Ereignisse findet seit Februar 2025 statt. Praktisch sind das ein Jahr und acht Monate, noch nicht einmal zwei Jahre, und vor uns liegen noch zwei weitere Jahre. Sie können sich nicht einmal vorstellen, wie sie werden könnten. Stellen Sie es sich lieber gar nicht vor.

Ich sage immer: Wenn es während dieser Präsidentschaft keinen Dritten Weltkrieg gibt, wird das schon ein riesiger Erfolg sein, ein solcher Erfolg. Wenn Trump im Winter 2029 das Oval Office verlässt und es bis dahin noch keinen Dritten Weltkrieg gegeben hat, dann werden wir sagen: „Mein Gott, mein Gott, was haben wir für ein Glück gehabt. Was haben wir für ein Glück gehabt.“ Verstehen Sie, wir hätten mit Zelensky so viel Glück haben müssen. Wenn Zelensky sein Amt ohne einen russisch-ukrainischen Krieg verlassen hätte, wäre das ein Glück gewesen. Aber wir hatten kein Glück, denn im Grunde war der Krieg durch die Wahl Zelenskys vorprogrammiert. Die Wahl Trumps programmiert den Dritten Weltkrieg vor. Nun, wir werden sehen. Nicht immer geschieht alles nach Programm. Wir sind schließlich alle lebendige Menschen.

Aber ich glaube nicht, dass ein ultralinker Kandidat ein gewaltiges Problem für die Ukraine wäre. Für Israel könnte das ein großes Problem sein. Das ist eine Tatsache. Die Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten könnten sich bis zur Unkenntlichkeit verändern. Die Ukraine aber ist ein Land, das immerhin in beiden politischen Parteien Unterstützung genießt. Die Mehrheit der Bürger der Vereinigten Staaten unterstützt die Ukraine und nicht Russland. Deshalb würde ich nicht sagen, dass sich dort etwas so Wesentliches ändern wird.

Aber hören Sie, wir müssen bis 2029 überleben. Die nächsten Jahre werden sehr schwere Kriegsjahre sein. Deshalb sollten wir nicht darüber nachdenken, was 2029 sein wird, sondern versuchen, bis 2029 zu überleben. Auch das ist eine Aufgabe mit fünf Sternchen.

Frage: Gibt es oder kann es wirkliche Voraussetzungen für einen Friedensvertrag zwischen der Ukraine und Russland geben? Gibt es historische Beispiele dafür, dass wir einen dauerhaften Frieden erreichen könnten?

Portnikov: Nein. Wenn ein Land einem anderen das Existenzrecht abspricht und glaubt, dass sich dieses Land auf seinem historischen Territorium befindet, dann gibt es keinerlei Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden zwischen diesem Land und jenem Land, das ihm und sogar seinem eigenen Volk das Existenzrecht abspricht. Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden zwischen Russland und der Ukraine wird es nie wieder geben.

Sie können fragen, warum es früher anders war. Weil man in Russland von 1991 bis ungefähr 2014 der Meinung war, dass die Eingliederung der Ukraine mit politisch-wirtschaftlichen Mitteln erfolgen würde und man keine Gewalt anwenden müsse. Der Sieg des Maidan 2013–2014 und der Zusammenbruch des prorussischen Regimes Janukowytschs, das die Institutionen des ukrainischen Staates selbst hätte demontieren sollen, denn russische Aufseher saßen bereits in all unseren Behörden und einige russische Staatsbürger leiteten sogar solche Behörden, beispielsweise das Verteidigungsministerium.

Die Schlussfolgerung war vollkommen eindeutig: Ohne Gewaltanwendung würde es nicht gelingen, die Ukraine einzugliedern. Das heißt, wenn es uns gelingt, Russland zurückzuschlagen, werden wir für eine gewisse Zeit die Möglichkeit erhalten, uns auf die nächste Konfrontation vorzubereiten. Und wenn wir einen ausreichend starken Staat schaffen und nicht auf Idioten hören, die uns sagen werden, dass jetzt Frieden herrsche, dann wird Russland uns beim nächsten Mal vielleicht nicht angreifen, sondern sich ausschließlich mit der politischen und wirtschaftlichen Destabilisierung der Ukraine beschäftigen und nichtmilitärische Mittel einsetzen.

Dann werden wir, bildlich gesprochen, so leben wie Israel in der Zeit zwischen den Kriegen. Terror, Sabotage, politische Morde, irgendwelche Explosionen in Rüstungsbetrieben, aber zu einem regelrechten Krieg wird es nicht kommen. Oder es wird kurze Kriege geben. Ich sage immer, dass das Glück der Ukraine im Grunde in kurzen Kriegen und lang anhaltendem Frieden liegt.

So werden die Beziehungen zu Russland aussehen. Aber damit wir einen dauerhaften Frieden mit Russland haben können, müsste Russland die Idee einer möglichen Eingliederung der Ukraine selbst aufgeben. Wenn der Krieg Russlands gegen die Ukraine mit einem gewissen Abflauen endet und wir in den nächsten Jahrzehnten keine aktiven Kampfhandlungen zulassen, weil wir ein starker militärisch ausgerichteter Staat an der Grenze zu Russland sein werden, dann werden jene Kinder, die ungefähr jetzt geboren werden und zum Zeitpunkt des Endes der Kampfhandlungen in die erste Klasse gehen werden, sagen wir, ich weiß nicht, in welchem Jahr das sein wird, nehmen wir das Jahr 2030, also Kinder des Geburtsjahres 2023, wenn sie erwachsen werden und die Mehrheit der Bevölkerung stellen, also etwa in den Jahren 2063 bis 2069, die Ukraine tatsächlich als einen anderen Staat wahrnehmen. Sie werden nichts mit ihr gemeinsam haben. Sie werden niemals hier gewesen sein, werden das Land nicht als etwas betrachten, das ihnen gehört. Vielleicht als etwas Feindliches, aber nicht als etwas Eigenes. Dann könnten in den sechziger oder siebziger Jahren des 21. Jahrhunderts gewisse Voraussetzungen für die Unterzeichnung irgendeines Friedensabkommens entstehen. Vielleicht aber auch nicht. Zwischen den beiden Koreas geschieht das schließlich auch nicht. Ungefähr so. Aber solche Chancen wird es in den siebziger und achtziger Jahren des 21. Jahrhunderts geben.

Frage: Sehen Sie ein realistisches Szenario, in dem Donald Trump aufhört, Druck auf die Ukraine auszuüben, und beginnt, systematisch Druck auf Putin auszuüben? Oder sollte die Ukraine anerkennen, dass das niemals geschehen wird?

Portnikov: Ich denke, dass das niemals geschehen wird. Ich sehe für Donald Trump keinen Grund, systematisch Druck auf Putin auszuüben und aufzuhören, Druck auf die Ukraine auszuüben. Wozu denn? Wozu sollte er systematisch Druck auf Putin ausüben? Wenn er darüber besorgt ist, dass Russland sich China noch weiter annähern könnte, wenn er Russland von China lösen will, wozu sollte er dann systematisch Druck auf Putin ausüben? Man muss einfach verstehen, dass diese Präsidentschaft so sein wird. Sie sollte auch so sein. Sie ist für uns übrigens, das muss ich Ihnen sagen, Freunde, viel besser, als man sich Trumps Präsidentschaft vorgestellt hatte. Sowohl in unserer Vorstellung als auch, würde ich sagen, in Putins Vorstellung, denn Putin hatte mit Trumps Präsidentschaft wesentlich größere Hoffnungen verbunden als das, was er bekommen hat. Also wollen wir das Schicksal nicht herausfordern. Trump ist gezwungen, diese offensichtliche Unterstützung für die Ukraine zu berücksichtigen, die ich mehrfach beobachtet habe und die es in der amerikanischen Gesellschaft gibt. Zweifellos gibt es sie.

Frage: Wird Trump nach den Zwischenwahlen über genügend Ressourcen verfügen, um Russlands Sieg im Krieg zu garantieren?

Portnikov: Nein, Russlands Sieg im Krieg hängt nicht von Trump ab. Russlands Sieg im Krieg hängt von der ukrainischen Armee, vom ukrainischen Volk und von ihrer Fähigkeit ab, dem russischen Aggressor Widerstand zu leisten. Wenn die Ukraine dazu bereit ist, wird es keinen Sieg Russlands im Krieg geben, denn Russland verfolgt im Krieg wesentlich maximalistischere Siegesziele als wir. Unser Ziel ist es, den Angriff abzuwehren. Unser Maximalziel ist es, unsere Staatsgrenzen von 1991 wiederherzustellen. Und Russlands Maximalziel ist es, die Ukraine vollständig zu zerstören, die ukrainischen Gebiete von Transkarpatien bis Charkiw der Russischen Föderation einzuverleiben und den größten Teil der ukrainischen Bevölkerung zu vernichten, indem man sie über die Grenzen vertreibt, die Städte in Ruinen verwandelt und das Territorium der Ukraine mit Russen besiedelt. Und das sind nicht meine Worte, das sind die Worte des Beraters des russischen Präsidenten, dieses Koltunow, der genau das gesagt hat: „Die Ukraine nähert sich bereits der Grenze ihrer Existenz, und nur Russland kann sie retten, so wie es sie immer gerettet hat, durch die Umsiedlung von Menschen aus dem Gebiet der Russischen Föderation.“ Denn man könnte sagen, dass ich irgendwelche unglaublich radikalen Dinge erzähle, dass ich mir etwas ausdenke. Ich zitiere doch immer. Ich denke mir das doch nicht einfach selbst aus. Ich zitiere Ihnen einfach russische Beamte. Sie wollen ihnen nur nicht glauben, diejenigen, die mit mir streiten. Nun, glauben Sie ihnen nicht. Wenn man Ihnen die Kehle durchschneidet, werden Sie schon glauben. Wo liegt das Problem?

Frage: Welchen Sinn haben Geschäfte mit Russland, wenn die Demokraten sie für Ermittlungen gegen Trump nutzen können? Sich die Taschen vollstopfen und sich nach 2028 selbst begnadigen?

Portnikov: Nun, natürlich ist die Bereicherung eines der wichtigsten Ziele dieser Präsidentschaft. Außerdem könnte Trump in einer Welt unmittelbarer Ziele leben. Er könnte nicht daran glauben, dass es irgendwelche Ermittlungen geben wird, die ihn wirklich bedrohen. Er ist ein Kämpfer. Sie konnten doch bemerken, dass er ein Kämpfer ist. Wie er in der Zeit zwischen seinen Präsidentschaften für sich gekämpft hat, wie er ins Oval Office zurückgekehrt ist. Er wird auch weiterhin für sich und sein Geld kämpfen. Deshalb wird er sich nicht davon ablenken lassen, dass die Demokraten ihm irgendwelche Steine in den Weg legen werden. Diese Menschen denken nicht nach, sie denken: „Wir werden sowieso alles bekommen, wir werden sowieso alle ausnehmen und wissen schon, was wir tun werden.“ Das ist eben dieser Typus von Oligarch.

Also ist das alles, wie mir scheint, zum heutigen Zeitpunkt vollkommen verständlich. Alles andere ist unverständlich. Und wir werden verfolgen, wie sich diese Situation weiterentwickelt. Wir werden in den nächsten Tagen darüber sprechen. Vielleicht beruhigt sich alles ein wenig. Aber ich sage Ihnen noch einmal das, was ich seit diesem Dieselgeschäft zwischen Trump und Putin unermüdlich wiederhole: Denken Sie daran, dass wir uns in einer schwierigen Wahlkampfphase in den Vereinigten Staaten von Amerika befinden und dass uns bis zum 3. November noch unzählige Überraschungen erwarten. Deshalb sollte man sich mit Beruhigungsmitteln eindecken, unsere Nerven sind ja jetzt bei all diesen Beschüssen, Angriffen, Shahed-Drohnen und so weiter ohnehin bestens, und nicht mit übersteigerten Emotionen auf Donald Trump reagieren. Man muss verstehen, dass es für ihn jetzt sehr, sehr schwer ist. Nicht so schwer wie für uns, aber auch nicht besonders einfach.


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Titel des Originals: Трамп виправдовується перед українцями | Віталій Портников. 13.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 13.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Verhandlungen mit Russland: Dummheit oder Demagogie? Vitaly Portnikov. 07.10.2026.

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Jedes Mal dasselbe: unterschiedliche Auffassungen über die Bedingungen für einen Frieden. 

  • Wir können erst dann über Frieden verhandeln, wenn unsere territoriale Integrität wiederhergestellt ist und wir Sicherheitsgarantien erhalten haben, sagen die einen. 
  • Wir können um unserer Zukunft willen Gebiete abtreten, sagen die anderen. 
  • Wenn wir Gebiete abtreten, müssen wir Sicherheitsgarantien erhalten, sonst werden wir von diesen Gebieten aus angegriffen, versichern die Dritten. 
  • Wir dürfen Putin nicht erlauben, unseren NATO-Beitritt zu blockieren, sagen die einen. 
  • Wir können keinen Krieg für die NATO führen, sagen die anderen.

Sagen Sie mir, wozu diskutieren Sie das alles? Können Sie wirklich nicht begreifen, dass die Russen überhaupt nicht vorhaben, mit uns zu sprechen oder über irgendetwas Reales zu verhandeln – außer vielleicht über Dinge, die ihnen helfen, während des Krieges Geld zu verdienen? Dass sie jedes Mal, wenn sie zu Verhandlungen erscheinen, mit einem Programm zur Destabilisierung der Ukraine oder zur Verzögerung bis zu den nächsten Wahlen in den USA kommen? Die Station, an der man sich mit den Russen zumindest vorübergehend noch über etwas Ernsthaftes hätte verständigen können, haben wir längst hinter uns gelassen.

Ich möchte einfach verstehen – und zwar nicht nur einen Hontscharenko, sondern uns alle. Sind diese Diskussionen über die Verhandlungsbedingungen Zynismus oder einfach ein psychologischer Schutzmechanismus von Menschen, die schlicht nicht glauben können, dass der Feind sie nicht als Menschen betrachtet? Und versuchen die Menschen einfach, in jene Zeiten zurückzukehren, in denen er zumindest noch so tat, als würde er sie als Menschen betrachten und als könnte man mit ihm reden?

In Wirklichkeit gibt es für diesen Krieg – wenn wir bis zum Schluss aufrichtig sein wollen – genau zwei mögliche Ausgänge, deren Ende noch offen ist. Der erste ist die Erschöpfung Russlands und die Einstellung der Kampfhandlungen. Ich hoffe, dass wir diese Zeit nutzen können, um uns auf eine neue Invasion vorzubereiten. Und der zweite ist die Erschöpfung und das Verschwinden der Ukraine sowie die Eingliederung ihrer ehemaligen Gebiete in die Russische Föderation. Natürlich mit einem offenen Ausgang für jeden Einzelnen. Manch einer mag hoffen, dass man ihm erlaubt, zu bleiben und einfach unter einer fremden Flagge zu leben. Aber jeder muss dann seine eigenen Chancen nüchtern abwägen und verstehen, wo die Gefahr für ihn und seine Familie größer ist: bei der Fortsetzung des Widerstands oder bei einer solchen Kapitulation.

Außer diesen beiden möglichen Ausgängen gibt es keine andere Realität. Und alles Gerede über etwas anderes ist entweder Dummheit oder Demagogie.


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Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 07.10.2026.
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Interview mit Zelensky: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 03.10.2026.

Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, betonte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Ukraine ihre Angriffe auf die Erdölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation als Reaktion auf die Intensivierung neuer russischer Angriffe auf die Ukraine verstärken, dabei jedoch keine zivilen Objekte angreifen werde.

Zelensky sagt, der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, habe eine neue Doktrin beschlossen, in der es keinerlei Beschränkungen mehr hinsichtlich der Ziele gebe, auf die russische Raketen und unbemannte Luftfahrzeuge gerichtet werden könnten.

Meiner Ansicht nach ist der Grund für diese neue Doktrin jedoch nicht Putins Wut, die seit 2022 unvermindert anhält, sondern die Möglichkeit, die Ukraine ungestraft mit Raketen und Drohnen anzugreifen, solange es nicht genügend Raketen für die Patriot-Luftverteidigungsbatterien und auch keine ausreichenden Möglichkeiten gibt, strahlgetriebene Drohnen abzuschießen. Und wenn sich dieses Zeitfenster der russischen Möglichkeiten schließt, werden natürlich auch die Angriffe zurückgehen, die heute gegen zivile Objekte in der Ukraine geführt werden.

Die Worte, dass die Ukraine ihre Angriffe auf die Erdölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation fortsetzen werde, sind im Grunde nicht nur eine Antwort an Putin, sondern auch an den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der die Ukraine wiederholt dazu aufgerufen hat, diese Angriffe einzustellen. Er begründete dies damit, dass gerade infolge dieser Angriffe die Dieselpreise weltweit und auch an den amerikanischen Tankstellen rapide zu steigen begonnen hätten.

Übrigens stimmt, so seltsam es klingen mag, nicht nur Zelensky dieser Erklärung Trumps nicht zu, mit der dieser die Situation um die Blockade der Straße von Hormus zu kaschieren versucht, sondern auch der russische Präsident Putin. Dieser betonte bei seinem Auftritt auf einer Diskussionsrunde des Waldai-Klubs, dass sein Land über genügend Kraftstoff verfüge, westliche Sanktionen jedoch verhinderten, dass dieser Dieselkraftstoff auf den Weltmarkt gelange.

Als Zelensky über die Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges sprach, zeigte er sich keineswegs optimistisch. Er betonte, dass die Bemühungen der Administration von Präsident Donald Trump um eine Wiederaufnahme solcher Verhandlungen bislang zu keinen konkreten Ergebnissen geführt hätten. Nach Ansicht des ukrainischen Staatschefs ist der russische Präsident Putin weder an irgendwelchen Friedensverhandlungen noch auch nur an einer Diskussion über einen Waffenstillstand im Bereich der Energieinfrastruktur interessiert.

Diese Worte Zelenskys werden auch durch die Äußerungen Putins selbst bestätigt, der bei seinem Auftritt beim Waldai-Klub bereits die Vorschläge für eine Energiewaffenruhe als absurd bezeichnete und damit jegliche Bemühungen der amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner zurückwies, die vor Kurzem Moskau und Kyiv besucht hatten – mit einem Besuch, der im Hinblick auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges ergebnislos blieb.

Im Grunde wird gerade jetzt deutlich, worin der eigentliche Sinn dieser Reise bestand. Wie sich herausstellt, führen die Vereinigten Staaten mit der Russischen Föderation Verhandlungen über den Verkauf von Vermögenswerten des russischen Ölkonzerns Lukoil in aller Welt. Bekanntlich ist dieses Unternehmen von amerikanischen Sanktionen betroffen. Und zu den Unternehmen, die an einem solchen Kauf interessiert sind, gehören auch solche, die unmittelbar mit dem Schwiegersohn von Präsident Trump, Jared Kushner, und Trumps Sondergesandtem und engem Freund Steve Witkoff verbunden sind. Angeblich war es Putin selbst, der Witkoff und Kushner bei ihrem jüngsten Treffen im Kreml ein solches Angebot machte.

Dann wird verständlich, worüber die amerikanischen Vertreter mit dem russischen Präsidenten tatsächlich sprechen und wie sehr sie der Friedensprozess selbst wirklich interessiert angesichts der Gewinne, die sich durch den Kauf von Vermögenswerten eines der größten russischen Ölkonzerne erzielen ließen.

Somit können wir feststellen, dass der einzige Ansatz der ukrainischen Führung für die nächste Phase der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation weiterhin darin besteht, das russische Energiepotenzial zu verringern.

Gleichzeitig kann die Ukraine natürlich aus mehreren Gründen nicht zu Angriffen in einem solchen Ausmaß greifen, wie sie die Russische Föderation gegen unser Land führt.

  • Erstens verfügt die Ukraine bislang nicht über eigene ballistische Waffen. Ein wichtiger Punkt ist dabei, dass Zelensky in seinem Reuters-Interview bereits über die Perspektiven der Entwicklung ballistischer Waffen spricht.
  • Zweitens verfügt die Ukraine nicht über jenes Zeitfenster, das Russland heute für seine ballistischen Angriffe und für Angriffe mit Raketen hat, die im Grunde strahlgetriebene „Shaheds“ sind.
  • Drittens kann die Ukraine schon aus Gründen ihrer eigenen Selbstachtung nicht so barbarisch Krieg führen wie Russland. Hinzu kommt, dass ein Krieg gegen den zivilen Sektor der russischen Wirtschaft und gegen Wohnviertel russischer Städte die Unterstützung für die Ukraine im Westen infrage stellen und die Position derjenigen stärken könnte, die für ein Ende dieser Unterstützung eintreten.

Das versteht auch Putin sehr gut. Gerade deshalb verstärkt er seine Angriffe auf die Ukraine, um die ukrainische Gesellschaft zu der Überzeugung zu bringen, dass sie vor der Russischen Föderation und ihren verbrecherischen Angriffen kapitulieren müsse. Und das ist ein klassischer historischer Moment, in dem eine barbarische Zivilisation, die vor massiven Angriffen auf Wohnviertel nicht zurückschreckt und deren Vertreter sich faktisch über die Tötung von Zivilisten freuen und dies als Vergeltung bezeichnen, darauf hofft, einen Vorteil gegenüber Zivilisationen zu erlangen, die an Menschlichkeit und am Respekt vor dem Leben festhalten – selbst vor dem Leben der Bürger jenes Landes, das sich in eine regelrechte terroristische Organisation verwandelt hat, die sich als Staat tarnt. Und darin liegt natürlich der eigentliche Kern jener Konfrontation, die wir im russisch-ukrainischen Krieg beobachten.

Deshalb bleiben die Wirksamkeit der Angriffe auf die russische Wirtschaft, die Zerstörung des Erdölverarbeitungssektors der Russischen Föderation, die Verringerung der russischen Ölförderung und der Nachweis, dass die russischen Streitkräfte nicht in der Lage sind, weitere Teile des ukrainischen Territoriums zu erobern, tatsächlich wichtige Instrumente, um die russische Aggression zu stoppen und Putin und sein Umfeld davon zu überzeugen, dass selbst derart brutale Mittel im Krieg gegen unser Land weder zur Kapitulation der Ukraine noch zu dem von Putin ersehnten Verschwinden des ukrainischen Staates von der politischen Landkarte der modernen Welt führen können. Und wir verstehen sehr gut, dass genau dies das Ziel sowohl von Putins Offensive als auch von Putins Angriffen auf Kyiv und andere ukrainische Städte und Ortschaften ist. 


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Titel des Originals: інтервʼю Зеленського: головне | Віталій Портников. 03.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 03.10.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Der FSB bereitete Morde in den USA vor | Vitaly Portnikov. 17.09.2026.

Das Justizministerium der Vereinigten Staaten hat gleich fünf Mitglieder eines russischen Sabotage- und Terrornetzwerks angeklagt, die Auftragsmorde und Sabotageakte in den Vereinigten Staaten und europäischen Ländern vorbereitet haben sollen.

Ein Klassiker des Genres: Ein Offizier des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation rekrutiert Bürger der Vereinigten Staaten, Kubas und Venezuelas für solche Sabotageakte und beauftragt sie mit der Überwachung russischer Oppositioneller, die in den Vereinigten Staaten und europäischen Ländern leben, um sie später zu ermorden. Als einer der Rekrutierten sich weigert, an einem Mord mitzuwirken, bietet er ihm für weniger Geld an, Sabotageakte auf dem Gebiet Litauens zu verüben.

Es geht also um ganz gewöhnliche russische Geheimdienstarbeit nach Art der Tschekisten, bei der ein für die Anwerbung von Agenten zuständiger Offizier versucht, sie dazu zu bringen, wenigstens irgendeinen Auftrag des FSB auszuführen, damit er seinen Vorgesetzten Bericht erstatten kann. Doch trotz aller Plumpheit der Arbeit des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation müssen wir bedenken, dass diese Arbeit durchaus greifbare Ergebnisse hat. Die Ermordung von Menschen, Sabotageakte, die von Tag zu Tag häufiger werden, Versuche, die Lage in den Vereinigten Staaten und europäischen Ländern zu destabilisieren und sich in politische Prozesse einzumischen.

Ja, diesmal haben wir es mit einem Teil dieser Arbeit zu tun, der nicht ausgeführt werden konnte, und wir kennen zahlreiche Beispiele dafür, wie Offiziere des Föderalen Sicherheitsdienstes und der Hauptverwaltung für Aufklärung des Generalstabs der russischen Streitkräfte die Anweisungen ihrer Vorgesetzten nicht erfüllen konnten. Aber wir kennen auch andere Beispiele. Wir kennen Beispiele tatsächlich verübter Morde, der Beseitigung von Menschen, die es wagten, Putins Politik zu kritisieren und sich gegen Russlands Krieg in Tschetschenien oder in der Ukraine aussprachen. Wir wissen, wie oppositionelle Politiker und Journalisten in der Russischen Föderation selbst ermordet wurden. Schließlich wissen wir von einer ganzen Reihe von Morden in der Ukraine, bei denen Personen, die offensichtlich mit russischen Nachrichtendiensten in Verbindung standen, die oppositionellen Politiker und Aktivisten Iryna Farion und Andriy Parubiy ermordeten. Und das ist nur eine Ebene jener Tätigkeit, der die russischen Geheimdienste im Westen und in den Ländern nachgehen, gegen die Russland Krieg führt.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass alle Verdächtigen, denen die Vorbereitung der mutmaßlichen Straftaten vorgeworfen wird, zur Fahndung ausgeschrieben wurden. Den amerikanischen Sicherheitsdiensten ist es also praktisch nicht gelungen, jemanden festzunehmen. Es gelang lediglich, die Pläne der Tschekisten zur Organisation von Morden aufzudecken, die direkt in der amerikanischen Hauptstadt, vor der Nase der Führung der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten und des Federal Bureau of Investigation, stattfinden sollten. Doch die Effektivität der Arbeit von Sicherheitsdiensten besteht nicht nur darin, die Pläne des Gegners aufzudecken, sondern auch in der Möglichkeit, diejenigen festzunehmen, die diese Pläne vorbereiten.

Bislang kann jedoch nicht davon gesprochen werden, dass es den amerikanischen Sicherheitsdiensten gelungen wäre, über die Gewinnung dieser Informationen hinaus weitere Fortschritte zu erzielen. Natürlich werden die Mitarbeiter des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation nun sowohl bei der Auswahl der Rekrutierten als auch bei der Auswahl ihrer Ziele vorsichtiger sein. Aber das bedeutet nicht, dass sie ihre Arbeit einstellen werden. Schon deshalb nicht, weil wir sehen, dass diese Arbeit wie eine ganz gewöhnliche traditionelle Bürokratie funktioniert. Wenn es nicht gelingt, einen Agenten zur Beteiligung an Überwachung und Mord zu bewegen, überträgt man ihm andere, weniger riskante Aufgaben. Doch all dies soll auf die eine oder andere Weise dazu beitragen, in den Ländern, mit denen die Russische Föderation ihre Konfrontation fortsetzt, eine Atmosphäre der Angst und Unsicherheit zu schaffen.

Und dabei spreche ich noch gar nicht von der einfachen Tatsache, dass wir jetzt erleben werden, wie der FSB seine Bemühungen zur Destabilisierung der Lage im Westen verstärkt. Jedes Mal, wenn in demokratischen Ländern Wahlen stattfinden, sind die russischen Tschekisten sofort zur Stelle.

Das deutlichste Beispiel dafür sind die jüngsten Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, für die der Föderale Sicherheitsdienst der Russischen Föderation offensichtlich ein ganzes Feuerwerk an Sabotageakten vorbereitet hatte, die potenzielle Wähler der Alternative für Deutschland davon überzeugen sollten, dass es besser sei, sich im Guten mit Russland zu einigen, damit es nicht im Bösen ende. Wie kürzlich in einem Wahlkampfvideo der Partei Einiges Russland der Spitzenkandidat ihrer Liste und nebenbei angebliche Außenminister der Russischen Föderation Sergej Lawrow erklärte, der sich in Wirklichkeit zu einem regelrechten Minister entwickelt, der Sabotageakte und Bestrafungen verspricht.

Diejenigen, die überzeugt waren, Terroranschläge in Washington verüben zu können, haben die Fähigkeiten der amerikanischen Sicherheitsdienste, ihre Pläne aufzudecken, offensichtlich unterschätzt. Aber es ist klar, dass es neben den Bürokraten, die versuchen, ihren Vorgesetzten über die Anwerbung möglicher Agenten Bericht zu erstatten, auch Menschen gibt, die weitaus professioneller und weitaus kaltblütiger arbeiten.

Die Tatsache, dass Russland bereit ist, oppositionelle Politiker und Aktivisten im Westen zu ermorden, und die Tatsache, dass selbst die freie Welt, in der die Menschen sich, so scheint es, sicherer fühlen sollten, in Wirklichkeit zu einem Schauplatz für die Tätigkeit von Agenten des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands wird, müsste dem Westen im Grunde vor Augen führen, dass ein weitaus ernsthafterer Kampf gegen die Lubjanka notwendig ist. Andernfalls werden Auftragsmorde und Erschießungen in westlichen Hauptstädten zur Normalität. Und zu einer weiteren Erinnerung daran, dass die Tschekisten jeden holen können und dass es für sie weder Tabuzonen noch rote Linien gibt.

Die russische Führung macht in den vergangenen Jahren keinen Hehl daraus, dass sie sich in einem regelrechten Krieg mit dem Westen befindet. Und die Unterstützung der Ukraine, die gegen die Aggression der Russischen Föderation kämpft, durch die Vereinigten Staaten und die europäischen Länder ist für Moskau lediglich ein zusätzlicher Beweis dafür, dass seinen Agenten im Westen nun alles erlaubt sei.

Deshalb ist die Enttarnung des Spionagenetzwerks, das ein Offizier des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten und der Länder der Europäischen Union aufgebaut hat, eine weitere Erinnerung an die Notwendigkeit, die Wachsamkeit zu erhöhen und russische Drohungen ernst zu nehmen. Wenn Putin und andere russische Machthaber den Westen vor Destabilisierung warnen, sind das nicht einfach nur Worte. Dahinter steht ein ganzer Aktionsplan, der vom Kollegium des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation oder des Auslandsnachrichtendienstes der Russischen Föderation gebilligt wurde.

Und wie wir an der Entscheidung des Justizministeriums der Vereinigten Staaten von Amerika sehen, wird dieser Plan durchaus erfolgreich in die Tat umgesetzt, auch wenn es bislang keine offensichtlichen Ergebnisse gibt – und zwar ohne jeden Willen, die Existenz staatlicher Grenzen zu berücksichtigen. 


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: ФСБ готовила убийства в США | Виталий
Портников. 17.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 17.09.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Imitation eines neuen Friedens | Vitaly Portnikov. 01.09.2026.

Das Treffen der Finanzminister der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation, das während des Treffens der G20-Finanzminister in den Vereinigten Staaten stattfand, hat die Diskussionen über mögliche Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland unter Vermittlung der Vereinigten Staaten wiederbelebt, darüber, dass man in Russland solche Verhandlungen in Betracht zieht und von den Vereinigten Staaten bestimmte Zugeständnisse in Fragen erwartet, die mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zusammenhängen.

Dazu trugen auch Meldungen bei, wonach die Finanzminister der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation bei ihrem Treffen Trumps 28-Punkte-Plan zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges erörtert hätten. Und dass Bessent Siluanow gesagt habe, vor dem Ende des Krieges werde es keinerlei wirtschaftliche Zugeständnisse geben, und damit erneut Druck auf die Russische Föderation ausgeübt habe, damit diese bereit sei, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden.

Und genau eine solche Darstellung der Informationen, über die jetzt viele diskutieren, schafft erneut eine verzerrte Informations- und politische Realität, die es zu durchbrechen gilt. Versuchen wir also, aus diesem Wald herauszukommen und uns der Situation der realen Politik zuzuwenden, auf eine, sagen wir, Lichtung, von der aus alles zu sehen ist.

Erstens besteht die Hauptbedeutung des Treffens zwischen den Finanzministern der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation darin, dass es überhaupt stattgefunden hat. Und dass Anton Siluanow, der Finanzminister der Russischen Föderation, von den Amerikanern, den Gastgebern des G20-Finanzministertreffens, zur Teilnahme an diesem prestigeträchtigen Gipfel eingeladen wurde, entspricht der Politik Donald Trumps, hochrangige Kontakte mit der Russischen Föderation zu legitimieren.

Bekanntlich hat sich der Präsident der Vereinigten Staaten entschieden von der Politik seines Vorgängers, des Präsidenten der Vereinigten Staaten Joseph Biden, abgewandt, der beschlossen hatte, die politische Führung Russlands von allen ernsthaften Kontakten mit der zivilisierten Welt zu isolieren, bis Russland bereit wäre, seine Aggression gegen die Ukraine zu beenden.

Trump hat sich eingeredet, er könne durch einen Dialog mit Putin das Ende des russisch-ukrainischen Krieges, wie wir uns erinnern, innerhalb weniger Wochen erreichen, und hat in dieser Situation, wie auch in allen anderen außenpolitischen Situationen, in die er sich eingemischt hat, ein überwältigendes, aber vorhersehbares Fiasko erlitten. Das ist es, was tatsächlich geschehen ist.

Aber Trump, der, wie wir wissen, an seinen eigenen Fehlern festhält und diesen Weg der Fehler unbeirrt weitergeht, besteht weiterhin darauf, dass seine Politik richtig und im Hinblick auf die weitere Entwicklung möglicher Wege zu einer Regelung des russisch-ukrainischen Krieges nachvollziehbar sei.

Nicht nur Trump traf sich in Anchorage mit Putin, sondern auch amerikanische Beamte trafen sich mit russischen. Rubio mit Lawrow, jetzt Bessent mit Siluanow. Diese Treffen haben jedes Mal keinerlei Sinn, umso mehr, wenn es um irgendwelche Friedensverhandlungen geht. Weder Bessent noch, erst recht, Siluanow haben irgendeinen Einfluss auf Prozesse, die mit den außenpolitischen Entscheidungen der Präsidenten zusammenhängen.

Für Bessent gilt das in geringerem Maße als für Siluanow. In der Russischen Föderation ist der Finanzminister ein Mensch, der das Geld zählt. Was politische Initiative angeht, ist er ein Niemand, und er ist nicht dazu befugt, mit Bessent über irgendeinen Trump-Plan zu sprechen.

Einen Trump-Plan gibt es, wie wir wissen, in Wirklichkeit überhaupt nicht und hat es auch nie gegeben. Es gibt einen Plan, der vom Vertreter des Präsidenten der Russischen Föderation Dmitrijew ausgearbeitet und über einen amerikanischen Vermittler Witkoff und Kushner vorgelegt wurde. Und schon damals war völlig offensichtlich, dass weder Moskau noch Kyiv diesem Plan zustimmen würden. Und dass er ausschließlich dazu ausgearbeitet wurde, in den Beziehungen zu Donald Trump Zeit zu gewinnen.

Ich habe bereits mehrfach gesagt, dass es das Ziel des Präsidenten der Russischen Föderation ist, diese Beziehungen ohne ernsthaften neuen Druck auf die Russische Föderation bis zu den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten im Jahr 2028 hinzuziehen. Und das ist alles, was ihn interessiert, wenn es um Trump oder um jene Minister Trumps geht, die mit ihm verhandeln.

Ich wiederhole also noch einmal: Es gibt keinen realen Trump-Plan. Und Bessent und Siluanow konnten keinen Trump-Plan erörtern. Und natürlich sagte Bessent Siluanow nur das, was er ihm sagen kann: dass es vor dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges keine Änderungen an den Sanktionen der Vereinigten Staaten gegen die Russische Föderation geben könne.

Wie sollte es auch anders sein? Wie stellen Sie sich vor, dass vor den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress, während das Repräsentantenhaus selbst ein Gesetz zur Unterstützung der Ukraine verabschiedet, Donald Trump auftritt und sagt: „Wissen Sie, wir haben beschlossen, die Sanktionen gegen Russland aufzuheben. Russland bombardiert weiterhin ukrainische Städte. Es tötet weiterhin ukrainische Bürger. Es stimmt keinem unserer Vorschläge zur Regelung der Situation zu. Es spuckt auf das Völkerrecht. Wir können Putin nicht dazu bringen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Wir können Putin nicht dazu bringen, einen Waffenstillstand im russisch-ukrainischen Krieg auszurufen. Aber wir verschärfen nicht nur die Sanktionen gegen Russland nicht, sondern lockern sie sogar.“

Sie verstehen doch, dass das unlogisch ist. Und vor allem hat Bessent das nicht zu entscheiden. Bessent sagte Siluanow einfach etwas, schaute auf die Uhr und sagte zu ihm: „Wie spät ist es gerade?“ Genau so sah dieser Meinungsaustausch aus. „Wie spät ist es, Herr Minister?“, fragte Siluanow Bessent. „So spät ist es, sehen Sie, hier ist die Uhr“, sagte Bessent zu Siluanow.

Das waren die gesamten Verhandlungen zwischen den Finanzministern der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation. Ihr Inhalt ist gleich null. Das Treffen selbst war wiederum notwendig, damit die Amerikaner zeigen konnten, dass sie im Unterschied zu ihren europäischen und kanadischen Verbündeten, den Teilnehmern des G20-Treffens, einen Dialog mit den Russen für besser halten als Isolation.

Die westlichen Verbündeten der Vereinigten Staaten waren damit nicht einverstanden. Und deshalb gelang es Siluanow nicht einmal, auf dem gemeinsamen Foto der Finanzminister der G20-Staaten zu erscheinen, weil die anderen Teilnehmer dieses Gipfels zu verstehen gaben, dass sich die überwiegende Mehrheit der Gipfelteilnehmer nicht mit dem Gastgeber des Treffens, Bessent, fotografieren lassen würde, wenn Siluanow auf diesem Foto wäre.

Und wenn Sie so wollen, ist das eine Art Kompromiss. „Wir laden Sie nicht zum gemeinsamen Foto ein, führen aber ein bilaterales Treffen durch und veröffentlichen ein Foto des bilateralen Treffens der Finanzminister. Was ist für Sie letztlich wichtiger? Ein gemeinsames Foto mit irgendwelchen Leuten, die niemand kennt, oder ein Foto, auf dem die Finanzminister der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation höchstpersönlich nebeneinander stehen?“ Das ist alles. Der ganze Friedensprozess.

Natürlich kann man vor diesem Hintergrund wieder davon sprechen, dass die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Witkoff und Kushner, in die russische und die ukrainische Hauptstadt reisen und wieder irgendetwas besprechen werden. Aber wir verstehen doch, dass es dort für sie nichts zu besprechen gibt. Zum Tango gehören zwei, wie der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump bei seinem Treffen mit dem Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky noch vor seiner Wiederwahl in dieses Amt völlig klar und geradezu prophetisch betonte.

Einen Tangopartner im Kreml haben wir nicht und werden wir nicht haben. Zumindest nicht in absehbarer historischer Perspektive. Zumindest solange Putin Präsident der Russischen Föderation ist. Zumindest solange die russische Gesellschaft davon überzeugt ist, dass die Entwicklung des russischen Staates mit Expansion und der Eroberung ukrainischer Gebiete verbunden ist und dass Russland ohne diese Expansion, ohne die Eroberung ukrainischer Gebiete, ein geopolitischer Niedergang erwartet.

Das bedeutet nicht, dass eine bestimmte Phase des Krieges, nämlich diese heiße Phase, für die Ukrainer nicht in absehbarer Zukunft enden könnte. Sie kann enden, und die Streitkräfte der Ukraine unternehmen dafür alle Anstrengungen. Aber Donald Trump und Bessent haben damit real nichts zu tun. Wenn Trump diesen Prozess beschleunigen wollte, würde er nicht Siluanow in die Vereinigten Staaten einladen, sondern den Ukrainern erlauben, unter Nutzung von Starlink Ziele auf dem Gebiet der Russischen Föderation anzugreifen, ballistische Abschussanlagen zu zerstören, Produktionsstätten für ballistische Raketen zu zerstören und damit die Aufgabe der ukrainischen Armee zu erleichtern.

Trump tut das nicht, weil er nicht bereit ist, für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges den Preis einer Verschlechterung seiner Beziehungen zum Präsidenten der Russischen Föderation zu zahlen. Das ist die ganze Realität. Damit können wir sowohl das Thema von Trumps 28-Punkte-Friedensplan, den man bereits vergessen hatte und an den man sich jetzt wieder erinnert hat, nachdem er einige Monate lang nicht erwähnt worden war, sodass er plötzlich wie irgendein neues Dokument vor unseren Augen erscheint, als auch das Treffen der Finanzminister der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation, die Treffen auf G20-Ebene und mögliche Treffen amerikanischer Vermittler mit Zelensky und Putin als im politischen Kontext nicht existent abhaken.

All das gibt es nicht. Was es gibt, sind russische Angriffe auf Kyiv und andere ukrainische Städte und Ortschaften. Es gibt die Tatsache, dass in vielen Schulen in Kyiv und nicht nur dort wegen der Gefahr die Feier zum ersten Schultag abgesagt wurde. Es gibt die Tatsache, dass die Abgeordneten der Werchowna Rada wegen der neuen Sicherheitslage in der ukrainischen Hauptstadt nun in Schutzräumen abstimmen können. Es gibt die Tatsache, dass die Ukraine weiterhin Infrastrukturziele in Russland angreift. Es gibt die Tatsache, dass auf diesen Marktplätzen trotz ukrainischer Angriffe sowohl bei Wildberries als auch bei Ozon weiterhin Güter mit doppeltem Verwendungszweck verkauft werden, die die russische Armee für die weitere Produktion eben jener strahlgetriebenen Shahed-Drohnen benötigt, die Kyiv und andere ukrainische Städte und Ortschaften angreifen.

Das übrigens für diejenigen, die fragen, warum wir diese Marktplätze angreifen und nicht ausschließlich die russische Ölverarbeitungsindustrie. Auch sie greifen wir an, wie wir in den vergangenen Tagen gesehen haben. Ebenso wie Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes des uns feindlich gesinnten Staates. Es ist ein ganz gewöhnliches Wettrennen. Wer den anderen wirtschaftlich zuerst unter die Erde bringt, wird die Voraussetzungen schaffen – nicht für die Beendigung des Krieges. Objektive Voraussetzungen für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges gibt es nicht. Voraussetzungen für seine Ausweitung auf Europa gibt es. Die gibt es. Voraussetzungen für die Beendigung des Krieges gibt es nicht. Wer zuerst Erfolg hat, kann dafür sorgen, dass der Krieg abflaut.

Wir brauchen ein Abflauen des russisch-ukrainischen Krieges, weil der Präsident der Russischen Föderation, die russische Armee und das russische Volk dann keine Ressourcen mehr haben werden, diesen Krieg fortzusetzen, weitere ukrainische Gebiete zu erobern und jene Gebiete zu zerstören, die sich nicht unter der Besatzung der russischen Armee befinden.

Die Russen brauchen eine Kapitulation der Ukraine, damit sie von der politischen Weltkarte getilgt wird und damit die Ukrainer – wie Abgeordnete der Staatsduma der Russischen Föderation inzwischen völlig offen und ohne jede, ich würde sagen, humanistische Verpackung erklären – entweder auf dem Gebiet ihres angestammten Siedlungsraums vernichtet oder aus ihrem angestammten Siedlungsraum vertrieben werden.

Es hat eine Epoche der endgültigen Lösung der ukrainischen Frage und des Abschieds des russischen Volkes vom ukrainischen begonnen, indem die Ukrainer auf den ehemaligen ukrainischen Gebieten durch Russen ersetzt werden. Das ist die politische Aufgabe, die die Russische Föderation heute verfolgt. Das ist es, was sie in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges mithilfe ihrer Streitkräfte und ihres militärisch-industriellen Komplexes in die Tat umsetzen wird. Dagegen müssen wir kämpfen.

Haben Bessent und Siluanow damit etwas zu tun? Überhaupt nichts. Damit haben ausschließlich unsere militärischen Möglichkeiten in der Konfrontation mit Russland zu tun.

Wenn es um die endgültige Lösung der ukrainischen Frage geht, muss jeder Ukrainer verstehen, dass er in einer solchen Epoche lebt: Diplomatie funktioniert nicht. Am Beispiel der Juden lässt sich das sehr einfach erklären. Wenn Sie sich im Warschauer Ghetto befinden, bevor man Sie nach Auschwitz deportiert und zusammen mit den Mitgliedern Ihrer Familie verbrennt, vielleicht einfach in verschiedenen Gaskammern, dann funktioniert Diplomatie im Umgang mit SS-Leuten nicht, weil Sie für sie kein Subjekt der Diplomatie sind. Für sie sind Sie einfach ein Insekt, das zertreten werden muss. Und die einzige Möglichkeit für ein Insekt, dafür zu sorgen, dass es nicht zertreten wird, wenn man dich als Insekt betrachtet, besteht darin, deinen Feind so zu stechen, dass er an Malaria erkrankt und krepiert, bevor du zertreten und zusammen mit den Mitgliedern deiner Familie verbrannt wirst.

Wir sprechen über die russische Armee, über den russischen militärisch-industriellen Komplex. Solange ihre Anstrengungen nicht gestoppt werden, ist all das bedeutungslos. Worüber kann man dann überhaupt sprechen? Darüber, dass wir uns aus diplomatischer Sicht schlicht in einer Sackgasse befinden. Das ist übrigens nicht nur in den Vereinigten Staaten so. Das ist auch beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit im Format SOZ Plus deutlich geworden, der in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek stattfand.

Auch hier sind alle Nachrichten auf ein kurzes Gedächtnis zugeschnitten. Jetzt sprechen viele darüber, dass Putin sich mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi getroffen hat. Und der indische Ministerpräsident Narendra Modi habe ihm gesagt, dass dieser Krieg nun beendet werden müsse. Wahnsinn, was für ein unglaublicher Mut eines Mannes, der neben dem Präsidenten der Russischen Föderation auf dem Familienfoto der Staats- und Regierungschefs der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und der Gäste dieses Gipfels posiert. Wie Sie sehen, weigert sich dort niemand, sich mit Putin fotografieren zu lassen. Und er steht auf dem prominentesten Platz.

Aber das Wichtigste ist: Narendra Modi hat Putin das bereits gesagt, Sie haben es wahrscheinlich vergessen. Im Jahr 2022 sagte Narendra Modi Putin beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Samarkand genau dasselbe. Mit genau denselben Worten: Kriege lösten die Probleme der Menschheit nicht, der Krieg müsse beendet und zum Frieden übergegangen werden, Krieg sei der schlechteste Weg und so weiter. Und damals sagten ebenfalls alle: „Oh, was für ein mutiger indischer Ministerpräsident. Wie er Putin das direkt ins Gesicht sagt. Großartig, er hat Putin in Samarkand gedemütigt“. Jetzt, viereinhalb Jahre später, hat er Putin in Bischkek „gedemütigt“.

Und Putin? Aber Putin kann auf diese Worte Narendra Modis von den Glockentürmen sämtlicher Kreml-Kathedralen herab spucken. Denn Narendra Modi kauft sowohl 2022 als auch 2026 weiterhin russisches Öl, schafft für Russland komfortable finanzielle Bedingungen für die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges, für die Produktion von Raketen, für die Produktion von Drohnen, für die Produktion von Waffen und stützt mit seinen Käufen den Staatshaushalt der Russischen Föderation.

Vor dem Hintergrund der Krise im Energiesektor infolge der Katastrophe in der Straße von Hormus ist der Preis für russisches Öl inzwischen im Vergleich zu 2022 deutlich gestiegen und kann sogar mit dem Brent-Preis konkurrieren. Auf diese Weise erzielt Russland zusätzliche Einnahmen aus seinen Ölverkäufen an Indien und China und muss sich in diesem Fall keine allzu großen Sorgen um seine künftige Haushaltslage machen. Und gäbe es nicht unsere Angriffe auf die russische Ölverarbeitung und unsere Angriffe auf russische Ölhäfen, die glücklicherweise wieder begonnen haben, würde sich Russland um nichts mehr scheren, denn Putin hätte genug Geld für sein Kriegsspiel.

Auch hier ist Narendra Modi keineswegs besonders mutig. Er ist einfach ein Mensch, der bestimmte Dinge artikuliert, die mit realer Politik nichts zu tun haben. Wenn Narendra Modi wollte, dass Putin den Krieg beendet, müsste er lediglich mit seinem eigenen Ölverarbeitungssektor arbeiten und seine eigenen Raffineriebetreiber davon überzeugen – Indien ist im wirtschaftlichen Bereich schließlich eine „Demokratie“. –, dass sie kein russisches Öl kaufen sollten, um Extraprofite zu erzielen, so wie sie es vor 2022 nicht kauften, als russisches Öl nur einige wenige Prozent des gesamten in Indien verarbeiteten Öls ausmachte und nicht Dutzende Prozent, in vielen Raffinerien inzwischen fast die Hälfte. Wir lassen uns also wieder einmal von den lautstarken Erklärungen jener Menschen beeindrucken, deren Handeln in Wirklichkeit dazu beiträgt, Putin zu unterstützen.

Dasselbe gilt für den Staatspräsidenten der Volksrepublik China, Xi Jinping, der wie zuvor der wichtigste Gast des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit war. Auch hier ist es eine völlig nachvollziehbare Sache, wenn der Staatspräsident der Volksrepublik China von der Notwendigkeit politischer Koordinierung zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges spricht. Wie soll man es entschlüsseln? Will er Druck auf Putin ausüben oder Putin durch irgendeine gemeinsame politische Koordinierung zum Sieg verhelfen und den Westen dazu zwingen, die russischen Bedingungen für die Beendigung des Krieges als für die Ukraine kapitulationsähnliche, unvermeidliche Bedingungen zu akzeptieren? Was hat sich hier geändert? Hat auch nur einer der Teilnehmer dieses Gipfels seit den Erklärungen, die Xi Jinping 2022 zum russisch-ukrainischen Krieg abgegeben hat, auch nur mit einem Wort Putins Handlungen verurteilt oder sich geweigert, mit ihm zu sprechen?

Gerade der Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit hat gezeigt, dass Putin im sogenannten Globalen Süden überhaupt nicht isoliert ist. Putin steht auf einem Ehrenplatz unter den Gästen des Gipfels, und dessen Gastgeber, der kirgisische Präsident Sadyr Dschaparow, stellte auf dem Familienfoto der Teilnehmer dieses prestigeträchtigen Treffens auf die eine Seite den Staatspräsidenten der Volksrepublik China und auf die andere den Präsidenten der Russischen Föderation. Der indische Ministerpräsident steht etwas weiter entfernt.

Wie wir verstehen, zeigt das deutlich, wen man im Globalen Süden für die wichtigsten Akteure der heutigen Welt hält. Es sind Xi Jinping und Putin. Das bedeutet übrigens eine Aufwertung der Rolle, die Putin noch beim Gipfel in Samarkand 2022 spielte, als er lediglich wie der Führer einer ehemaligen Sowjetrepublik wirkte, der zusammen mit den anderen Führern ehemaliger Sowjetrepubliken angereist war, um mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China zu sprechen. So viel zur Geschichte von Putins Isolation. Sein Finanzminister trifft sich mit dem Finanzminister der Vereinigten Staaten, während er selbst Gespräche mit den wichtigsten Akteuren des Globalen Südens führt.

Und hier gibt es noch sehr wichtige Details. Wer steht noch in der ersten Reihe unter den Teilnehmern dieses Treffens? Der iranische Präsident Massud Peseschkian, mit dem sich ebenfalls alle treffen. Und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan führt ein beinahe familiäres Treffen mit dem Präsidenten der Russischen Föderation Putin, gemeinsam mit Lukaschenko. Auch mit ihnen wird irgendetwas besprochen, wie mit alten guten Bekannten. Und es kommt sogar zu einem Treffen des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev mit Putin, trotz all der offensichtlichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Baku und Moskau, obwohl der Präsident Aserbaidschans erst kürzlich auf seiner Pressekonferenz sagte, er unterstütze die territoriale Integrität der Ukraine und wünsche ihre Wiederherstellung. Aber wie Sie sehen, hindert ihn das nicht daran, sich mit dem Präsidenten der Russischen Föderation zu treffen, genauso wenig wie es Erdoğan daran hindert.

Putin bleibt trotzdem nicht einfach nur Teilnehmer, sondern einer der Bosse dieses Klubs. Auch deshalb, weil alle sehr gut verstehen, dass es ohne eine wirkliche Verständigung mit Moskau keine Verständigung mit China geben kann. Und beim Iran ist die Situation eine besondere. Trotz aller Angriffe Trumps auf den Iran, obwohl der Iran weiterhin die Straße von Hormus blockiert, obwohl der Iran alle Voraussetzungen für eine derart schwindelerregende Energiesituation in der Welt, für eine solche Krise schafft, aus der die Menschheit möglicherweise jahrzehntelang nicht herauskommen wird, ist auch der iranische Präsident ein willkommener Gast. Auch hier denkt niemand: „Vielleicht sollten wir nicht mit ihm sprechen, wenn Trump ihn nicht mag, wenn Trump seinen Krieg gegen den Iran fortsetzt? Vielleicht sollten wir über unsere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten nachdenken?“ Wie wir sehen, geschieht auch davon nichts.

Es bilden sich zwei alternative Klubs von Staaten heraus, die miteinander verfeindet sind. Es geht nicht einfach nur um die Feindschaft Russlands gegen die Ukraine und um die Ukraine als Teil der zivilisierten Welt. Nein, die Welt hat sich bereits in feindliche Lager geteilt, die zur Konfrontation miteinander bereit sind, und zwar, denke ich, auch zu einer Konfrontation großen militärischen Ausmaßes. Und erstaunlich ist, dass es heute Länder gibt, die versuchen, gewissermaßen auf zwei Stühlen zu sitzen, mit einem Bein in dem einen Klub und mit dem anderen im anderen.

Ein hervorragendes Beispiel dafür ist die Türkei, deren Präsident sich mit Teilnehmern des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit trifft, außerdem mit Putin und anderen angereisten Staats- und Regierungschefs spricht und sich selbst als einen der Führer der turksprachigen Welt betrachtet, die sich ihrerseits derzeit sehr stark um China und nicht um die Türkei dreht. Andererseits ist die Türkei der wichtigste NATO-Verbündete der Vereinigten Staaten. Ein Land, das von den Vereinigten Staaten moderne Waffen verlangt, für deren Konstruktion sich wiederum Peking und Moskau interessieren.

Und auch Indien ist einerseits ein strategischer Partner der Vereinigten Staaten. Und Trump glaubt, dass er hervorragende Beziehungen zu Narendra Modi hat. Nun, Trump glaubt generell bei vielen Menschen, die auf ihn pfeifen, dass er hervorragende Beziehungen zu ihnen habe, weil Trump in seiner eigenen erstaunlichen Welt lebt. Wie dem auch sei, offensichtlich ist Indien an den Vereinigten Staaten und an einem gewissen Gegengewicht zu dem Druck interessiert, den China auf Indien ausübt, sowohl wirtschaftlich als natürlich auch politisch. Gleichzeitig ist Narendra Modi dort, in diesem Klub. Das Einzige, was er für diese Teilnahme bezahlen muss, ist, Putin alle paar Jahre zu sagen, dass er den Krieg beenden müsse.

Er würde es häufiger sagen, nur haben sich der indische Ministerpräsident und der Staatspräsident der Volksrepublik China wegen ihrer schwierigen Beziehungen bei bestimmten Gipfeln eine Zeit lang nicht getroffen. Narendra Modi reiste nicht dorthin und verlor deshalb die Möglichkeit, Putin all diese rituellen Worte zu sagen. Jetzt aber, da sich die Beziehungen zwischen Peking und Neu-Delhi übrigens infolge des amerikanischen Drucks auf Indien wegen des Kaufs russischen Öls verbessert haben, ist Narendra Modi wieder in den ersten Reihen, auf dem Familienfoto, und kann Putin erzählen, wie Putin den Krieg beenden sollte.

Gibt es hier irgendeine Grundlage für eine diplomatische Lösung? Wiederum: nein. Putin fühlt sich in dieser Situation nur noch selbstsicherer, weil er die Eskalation gegenüber der Ukraine ganz eindeutig verstärkt, zum systematischen Töten ukrainischer Zivilisten übergeht, zu Handlungen, die grundsätzlich von jedem zivilisierten wie auch unzivilisierten Land als Kriegsverbrechen eingestuft werden könnten. Und das beeindruckt niemanden auch nur im Geringsten.

Der Finanzminister der Russischen Föderation reist als Ehrengast zum G20-Gipfel in die Vereinigten Staaten, obwohl er dort gar nicht sein müsste. Der Präsident der Russischen Föderation reist als einer der prominentesten Gäste nach Bischkek, um neben dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China, dem indischen Ministerpräsidenten, wiederum demselben iranischen Präsidenten, diesem großen Freund Amerikas, dem pakistanischen Ministerpräsidenten, Paschinjan und Aliyev zu stehen, die erst vor Kurzem in Trumps Büro gereist waren, um über die Öffnung von Handelsrouten in der Region zu verhandeln, sowie neben den Staats- und Regierungschefs Zentralasiens, die erst vor Kurzem zu Trump ins Weiße Haus zum Gipfel Vereinigte Staaten–Zentralasien gereist waren. Wie wir sehen, steht all das ihren Kontakten mit Moskau nicht im Wege.

Warum sollte Putin dann den Krieg beenden, wenn er sieht, dass seine ganz offensichtlich menschenverachtenden und blutigen Handlungen sowohl von Washington völlig ruhig akzeptiert werden, das aus Protest den Besuch seines Finanzministers beim G20-Treffen nicht absagt, als auch von Peking, von Neu-Delhi, von Ankara, von allen? Niemand isoliert ihn. An seine Verbrechen hat man sich bereits gewöhnt. Als dürften überhaupt keine anderen Probleme mit der Russischen Föderation entstehen.

Das ist im Grunde das, was wir über den Inhalt der Ereignisse der vergangenen Tage wissen müssen, damit wir uns keinen Friedensprozess einbilden. Unser Friedensprozess besteht darin, nach Möglichkeiten zu suchen, die strahlgetriebenen Shahed-Drohnen aus der Produktion der Russischen Föderation und ihrer Verbündeten im Anflug auf Kyiv und andere ukrainische Städte zu stoppen. Unser Weg besteht darin, Raketen für die Patriot-Systeme zu finden. Unser Weg besteht darin, das wirtschaftliche Potenzial der Russischen Föderation zu zerstören, ihre Ölhäfen zu zerstören, ihre Ölraffinerien zu zerstören, ihren militärisch-industriellen Komplex zu zerstören.

Und wiederum müssen andere Länder der Welt begreifen, dass wir angesichts der Entwicklung des russisch-ukrainischen Krieges nicht nur auf eine massive Energiekrise, sondern auch auf eine massive Nahrungsmittelkrise in der Welt zusteuern, weil weder in der Ukraine noch in der Russischen Föderation die ertragreichen Flächen bestellt werden können. Seine Majestät der Hunger zieht über die Erde herauf. Und das betrifft nicht uns, sondern die Länder des Globalen Südens, die schlicht ohne Nahrungsmittel bleiben werden.

Wenn sie nicht wollen, dass in den kommenden Jahren Millionen Menschen verhungern, weil durch die gegenseitigen Angriffe Russlands und der Ukraine bereits alle Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dann müssen sie darüber nachdenken, wie sie den Krieg beenden können, statt Putin in Bischkek zu küssen. Das ist alles. Und wenn es ihnen völlig egal ist, wie viele Millionen sterben, was können wir dann machen? Wir können diese Millionen schließlich nicht ersetzen.

Ich werde auf einige Fragen antworten, die in dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Während des Iran-Irak-Krieges halfen die Vereinigten Staaten zynisch beiden Seiten, weil sie keinen endgültigen Sieg einer von ihnen wollten. Sie lieferten heimlich Waffen an den Iran. Haben wir vielleicht dieselbe Situation?

Portnikov. Nein, wir haben nicht dieselbe Situation. Die Vereinigten Staaten machen überhaupt kein Geheimnis daraus, dass sie den Europäern Waffen verkaufen, die diese anschließend an uns weitergeben. Das ist kein Geheimnis. Und die Vereinigten Staaten helfen der Russischen Föderation nicht, sondern haben im Gegenteil eine ganze Reihe von Beschränkungen gegen die russische Wirtschaft verhängt. Ja, diese Beschränkungen haben nicht so funktioniert, wie die amerikanischen Präsidenten es sich schon seit Barack Obama gewünscht hätten. Das stimmt. Aber ohne diese Beschränkungen wäre es für die Ukraine schwieriger, gegen Russland zu kämpfen. Deshalb ist das keine vergleichbare Situation. Und während des Iran-Irak-Krieges halfen die Amerikaner auch nicht beiden Seiten heimlich. Sie hatten im Iran-Irak-Krieg ihre eigene Priorität. Das war der Irak. Und auch das ist für jeden, der die Geschichte dieses Krieges studiert hat, kein Geheimnis.

Frage. Und warum zum Teufel machen wir bei dieser Imitation von Verhandlungen weiter mit?

Portnikov. Ich glaube nicht, dass nur wir diese Imitation von Verhandlungen betreiben. In erster Linie spielt der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump dieses Spiel der Verhandlungsimitation. Donald Trump befindet sich in einer sehr schwierigen politischen Lage. Die Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress rücken näher. Bei diesen Zwischenwahlen haben die Demokraten reale Chancen, im Kongress zu gewinnen. Und sie planen tatsächlich – darin stimme ich Donald Trump, seinem Sprecher Mike Johnson und anderen Republikanern völlig zu –, den Kongress in eine regelrechte Untersuchungskommission zu den Missbräuchen des Präsidenten der Vereinigten Staaten, seiner Familienmitglieder und seines engsten Umfelds zu verwandeln. Und glauben Sie mir, da wird es einiges zu untersuchen geben.

Und Trump will das natürlich verhindern. Würden Sie das an seiner Stelle nicht wollen? Er braucht bestimmte Erfolge, um seine Effektivität in unterschiedlichen Fragen demonstrieren zu können, selbst wenn diese Erfolge nicht unmittelbar mit den Interessen der amerikanischen Wähler zusammenhängen, die natürlich vor allem an niedrigen Treibstoffpreisen interessiert sind. Und das wird Trump in der gegenwärtigen, ich würde sagen, schwierigen Situation kaum erreichen können. Das ist alles. Deshalb zeigt Trump, dass er weiterhin Anstrengungen unternimmt, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, wenn sich dafür irgendeine Gelegenheit bietet. Er beschäftigt sich ja nicht eigens damit. Sie haben Siluanow einfach zu dem Treffen eingeladen. Und nun müssen sie dieses Treffen gleichzeitig nutzen, um zu zeigen, dass sie den russisch-ukrainischen Krieg nicht vergessen haben und dass sie die Sanktionen gegen Russland nicht lockern werden. Nun, sie haben es gesagt und wieder vergessen. Für sie ist das eine zweitrangige Frage.

Warum reden wir über all das? Weil wir normale Beziehungen zu dieser Administration aufrechterhalten müssen, die weiterhin Waffen verkauft, wenn auch nicht in der Menge, die wir benötigen, und die weiterhin Geheimdienstinformationen mit uns austauscht. Wir wollen doch nicht, dass sie damit aufhört. Deshalb machen wir bei dieser Geschichte mit. Wäre es für uns etwa besser, wenn wir sagen würden: „Nein, es gibt keinerlei Verhandlungen. Das war’s, auf Wiedersehen“?

Außerdem demonstrieren wir anderen Ländern unsere Friedensbereitschaft. Ich möchte immer wieder daran erinnern: Wir sind das Opfer dieser Aggression. Wenn davon gesprochen wird, dass es sich um gleichberechtigte Seiten handelt, können wir hinsichtlich des Potenzials, Russland Schaden zuzufügen, gleichwertig sein, aber wir sind das Opfer der Aggression und nicht der Aggressor. Jedes Mal, wenn wir versuchen, etwas in Russland zu zerstören, wenn wir eine Fabrik angreifen, wenn wir einen Hafen angreifen, wenn wir einen militärischen Komplex angreifen, tun wir das als Opfer, das sich verteidigt. Unsere Angriffe sind, ganz gleich, was wir dort in Russland zerstören – selbst wenn wir Russland selbst zerstören sollten –, vollkommen legitim, weil wir uns verteidigen. Und deshalb müssen wir nicht nur zuschlagen, nicht nur zerstören, sondern auch sagen, dass wir zum Frieden bereit sind. Und zwar zu Kompromissbedingungen, zu einem Waffenstillstand entlang der Kontaktlinie. Obwohl wir sehr gut verstehen, dass weder der Präsident der Russischen Föderation noch sein Umfeld noch seine Armee bereit sind, in absehbarer Zukunft auch nur an solche Zugeständnisse zu denken.

Frage. Kann man sagen, dass die Demokratie verliert?

Portnikov. Nein, das kann man nicht. Wie kann man sagen, dass die Demokratie verliert, wenn die Ukraine seit viereinhalb Jahren gegen die größte Atommacht in der Geschichte der Menschheit kämpft, gegen ein Land, das so viele Atomraketen besitzt, dass es innerhalb von 48 elenden Stunden einen Schlusspunkt unter die Geschichte der Menschheit setzen könnte? Und die Menschheit würde vergessen werden wie irgendein Zwischenfall in der Geschichte der Erde. Und wir zerstören die Wirtschaft dieses seligen Landes, wir zerstören seine militärischen Möglichkeiten, obwohl wir ein Land mit weniger Einwohnern und geringerem Potenzial sind, mithilfe der demokratischen Welt, die uns, so hoffe ich, auch in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges weiterhin dabei helfen wird, Russland Widerstand zu leisten und seinen eigenen Möglichkeiten ein Ende zu setzen – möglicherweise für Jahrzehnte, die für Russland schwarze Jahrzehnte völliger Ausweglosigkeit sein sollen, Jahrzehnte, die in das Haus jedes Russen seinen wichtigsten Freund, den Krieg, bringen und sie dort einquartieren werden, wie Wyssozki einst sang: „Und das Unglück blieb für lange Zeit.“ Dann soll das Unglück dort bleiben. Es soll von dort niemals fortgehen. Es soll nicht nur bei russischen Beerdigungen, sondern auch bei russischen Hochzeiten Ehrengast sein. Wir heißen es herzlich willkommen.

Frage. Glauben Sie, dass China in nächster Zeit, gerade im Vorfeld der Wahlen in den Vereinigten Staaten, seine Offensive auf der weltpolitischen Bühne beginnen wird? Und glauben Sie, dass China einen hybriden Krieg führen wird?

Portnikov. Ich verstehe nicht, was mit einer Offensive Chinas auf die weltpolitische Bühne gemeint ist. China befindet sich bereits auf der weltpolitischen Bühne und tut dort alles, was es kann. China steht vor einer ganz anderen Entscheidung, und die hat nichts mit einem hybriden Krieg zu tun. Sie hat mit einem echten Krieg zu tun. China muss sich entscheiden. Und ich denke, genau darüber denkt der Staatspräsident der Volksrepublik China jeden Morgen nach, wenn er aufwacht: Ist er bereit, Gewalt so einzusetzen, wie die Vereinigten Staaten und die Russische Föderation sie bereits erfolglos eingesetzt haben, oder ist es besser, mit Gewalt zu drohen und eine solche ewige Bedrohung zu bleiben, die ständig Drohungen ausspricht?

Ich habe bereits mehrfach gesagt, dass aus meiner Sicht die Stärke einer Großmacht gerade in ihren Drohungen liegt und nicht darin, dass sie Gewalt einsetzt. Darin besteht das Wesen eines jeden solchen Landes. Sobald eine Großmacht aufhört, nur zu drohen, und beginnt, Gewalt einzusetzen, wird ihre Effektivität auf die Probe gestellt. Genau das geschieht in Wirklichkeit sowohl mit den Vereinigten Staaten als auch mit der Russischen Föderation: Sie haben diese Effektivitätsprüfung nicht bestanden. Bei China wissen wir es nicht. Nun, wir wissen es nicht, was soll man machen? Die Chinesen müssen entscheiden, ob sie in jener Welt bleiben wollen, in der sie sich befinden, sodass man sie einfach fürchtet, wie man sie in Südostasien fürchtet, oder ob sie Taiwan, die Philippinen oder Japan tatsächlich angreifen wollen und sich dann herausstellt, dass ihre Armee in einem modernen Krieg gar nicht so modern und nicht so effektiv ist und ihre Angriffe abgewehrt werden. Dann würden sie eben in Taiwan oder auf den Philippinen feststecken. Und das war’s. Damit wäre Chinas Vorstoß auf die weltpolitische Bühne beendet. Finita.

Frage. Die Drohungen aus Moskau mit dem Einsatz von Atomwaffen: Entstehen sie aus der Unfähigkeit, die Ukraine zu besiegen, oder ist es ein weiterer Bluff, der auf Einschüchterung abzielt?

Portnikov. Ich denke, das ist ein Teil des Wahlkampfs. Wir werden jetzt viele Erklärungen hören, hinter denen keinerlei politische Bedeutung steckt. Natürlich muss man immer darauf achten, wer solche Erklärungen abgibt. Bislang stammen all diese Erklärungen von Menschen, die für unterschiedliche politische Kräfte an der sogenannten Wahlkampagne in der Russischen Föderation teilnehmen. Sie versuchen, einander bei der Steigerung der Expressivität ihrer Aussagen zu überbieten.

Nehmen wir etwa den stellvertretenden Vorsitzenden der Staatsduma der Russischen Föderation von der Partei Einiges Russland, den widerwärtigen Tolstoi, der sagte, man müsse ukrainische Zivilisten vernichten und das sei legitim. Und der Abgeordnete der Staatsduma der Russischen Föderation von der Partei Gerechtes Russland, der widerwärtige Schurawljow, sagte, Russland habe die Pflicht, eine Atombombe einzusetzen. 

Verstehen Sie denn nicht, dass all diese Parlamentsabgeordneten niemand sind und nichts zu sagen haben? Das russische Parlament besitzt keinerlei politische Eigenständigkeit. Diese Menschen treffen keinerlei Entscheidungen. Sie treffen sich mit niemandem, sie sehen niemanden. Nun, einige, die FSB-Agenten sind, sehen ihre Betreuer beim FSB. In den Kreml werden sie nur eingeladen, wenn dort irgendein ernsthaftes Gespräch mit den Fraktionsführern stattfindet. Alle Entscheidungen werden ihnen von oben vorgegeben. Sie drücken einfach auf die Knöpfchen. Niemand in der russischen Präsidialverwaltung interessiert sich dafür, was sie dort denken.

Warum tun sie das?

Erstens wollen sie sich bei ihren Betreuern in der Präsidialverwaltung einschmeicheln. Sie zeigen, was für begeisterte Anhänger der Generallinie der Partei sie sind. Nun, es ist schließlich ein postsowjetisches Land. Das haben sie immer so gemacht. Als es noch Parteikomitees und Gewerkschaftskomitees gab, bekamen sie dafür all ihre Vergünstigungen. Sie haben all das nicht vergessen und ihre Kinder genauso erzogen.

Zweitens können sie glauben, dass dies der Stimmung der Wählerschaft entspricht. Umso mehr jetzt, da der Krieg nach Russland gekommen ist. Was denkt der durchschnittliche Russe? Dass man die Ukraine vernichten müsse, damit es Sicherheit gibt. Was glauben Sie denn, worüber er nachdenkt? Dass er den Krieg beenden will? Nun, wenn er den Krieg beenden will, wird er doch nicht Einiges Russland oder Gerechtes Russland wählen. Er ist doch kein Idiot. Diese Banditenparteien haben keine Antikriegswählerschaft. Die Antikriegswählerschaft gibt es, sagen wir, bei der Partei Jabloko oder bei jenen Parteien, die niemals auch nur in die Nähe irgendwelcher Wahlen gelassen werden.

Tolstoi oder Schurawljow oder irgendwelche anderen Leute, die dort über Entnazifizierung, die Vernichtung der Ukrainer oder die Atombombe sprechen, setzen auf andere Menschen, auf Idioten. Nun, wer kein Idiot ist, wird Einiges Russland nicht wählen, wer kein Idiot ist, wird Gerechtes Russland nicht wählen. Verstehen Sie das nicht? Selbst wenn sie in Wirklichkeit etwas völlig anderes denken – stellen wir uns einmal vor, dass die meisten von ihnen gewöhnliche opportunistische Räuber sind –, müssen sie doch das sagen, was den Idioten gefällt, die für sie stimmen werden.

Und noch ein wichtiger Punkt. Wenn das, was den Idioten gefällt, gleichzeitig auch Putin gefällt – eine solche Symbiose von Präsident und Volk –, warum sollte man es dann nicht sagen? Sie riskieren damit nichts. Sie entsprechen sowohl den Interessen ihrer Wähler als auch denen ihres Chefs. Deshalb ist das keineswegs Verzweiflung über die Unfähigkeit, die Ukraine zu besiegen. Sie können glauben, dass die Zeit auf ihrer Seite ist und dass sie die Ukraine früher oder später – mögen noch fünf Jahre vergehen – besiegen und diese Gebiete Russland einverleiben werden. Und es ist ganz sicher kein Bluff, der auf Einschüchterung abzielt. Das sind alles Elemente des Wahlkampfs, auf die wir reagieren.

Und es ist logisch, dass wir darauf reagieren. Jeder Mensch reagiert, wenn man ihm sagt: „Wir werden dich vernichten, wir werden eine Atombombe auf dich werfen, wir glauben, dass man die Zivilbevölkerung erschießen muss.“ Und das wird zusätzlich von einer Eskalation der Angriffe russischer Raketen und strahlgetriebener Drohnen auf ukrainische Städte begleitet. Aber ich wiederhole: Aus politischer Sicht hat all das keinerlei Bedeutung. Wir sprechen während dieser gesamten Sendung darüber, dass all das keinerlei Bedeutung hat. So wie das Treffen zwischen Bessent und Siluanow keinerlei Bedeutung hatte, haben auch all diese Äußerungen von Menschen, die niemand sind, keinerlei politische Bedeutung.

Und wenn ich diese Äußerungen erwähne – und ich erwähne sie ständig und kommentiere sie, übrigens sowohl auf Ukrainisch als auch auf Russisch für jenes Publikum, das Russisch versteht –, dann erwähne ich sie nur, um, sagen wir, widerzuspiegeln und klar festzuhalten, dass diese Menschen grundsätzlich Erklärungen abgeben, die Kriegsverbrechen dokumentieren. Das ist das Wichtige: dass sie während der sogenannten Wahlkampagne zur sogenannten Staatsduma in der sogenannten Föderation – denn sie ist ungefähr so sehr eine Föderation, wie ich Solist am Bolschoi-Theater in Moskau bin – eine Rhetorik verwenden, die im Grunde die Rhetorik von Kriegsverbrechen ist.

Und wichtig ist, dass diese Tatsache weder diejenigen auch nur im Geringsten stört, die in den Vereinigten Staaten bereit sind, dem Finanzminister der Russischen Föderation die Hand zu schütteln, noch diejenigen, die Putin auf den Fotos beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit einen Ehrenplatz geben und ihn damit zu einem der wichtigsten Führer des Globalen Südens und jenes Lagers machen, das bereits zu einem tödlichen Zusammenstoß bereit ist – einem Zusammenstoß, dessen Zeugen wir sein werden –, zwischen zwei Welten, die in den kommenden, wenn nicht Jahren, dann Jahrzehnten zwangsläufig in einem blutigen Kampf aufeinandertreffen werden. Auf eine solche Begegnung unter den Bedingungen neuer Technologien müssen sich auch diejenigen vorbereiten, die selbst überleben und wollen, dass unser Staat überlebt.


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Titel des Originals: Імітація нового миру | Віталій Портников. 01.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 01.09.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Russland sprengt Europa | Vitaly Portnikov. 13.08.2026.

Eine gewaltige Explosion hat sich in einem der wichtigen Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes Italiens in der Stadt Colleferro bei Rom ereignet. Obwohl der Bürgermeister von Colleferro, Giulio Calamato, betont, dass die Lage unter Kontrolle sei, äußern italienische Medien ernsthafte Besorgnis darüber, dass sich solche Explosionen auch in Zukunft wiederholen könnten. Denn das Unternehmen KNDS, dessen Betrieb so erheblich beschädigt wurde, ist ein wichtiger Waffenlieferant für die Verteidigungskräfte der Ukraine und hat sogar einen eigenen Betrieb auf dem Territorium unseres Landes eröffnet.

Dies ist bereits die zweite Explosion in einer Waffenfabrik in Europa innerhalb der vergangenen Tage. Am 10. August ereignete sich eine ebenso heftige Explosion in einem Betrieb des Unternehmens EMCO in Bulgarien. Und dies ist nicht der erste Angriff auf dieses Unternehmen, das für seine Verbindungen zum ukrainischen militärisch-industriellen Komplex und für Waffenlieferungen an die Streitkräfte der Ukraine bekannt ist. Ähnliche Explosionen ereigneten sich auch 2022 und 2023.

Der Eigentümer des Unternehmens, Emilian Gebrew, berichtete, dass Agenten der Hauptverwaltung für Aufklärung des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation im April 2015 versucht hätten, ihn in seiner eigenen Wohnung im bulgarischen Burgas zu vergiften. Und im Übrigen führte die Analyse der Umstände zu der Erkenntnis, dass bei dem Versuch, den bulgarischen Geschäftsmann zu vergiften, das inzwischen sehr bekannte „Nowitschok“ eingesetzt wurde.

Diese Erinnerung an den Vergiftungsversuch an Emilian Gebrew ist auch heute aktuell. Denn gerade heute teilte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk mit, dass die Geheimdienste seines Landes einen Versuch der Russen vereitelt hätten, einen Bürger der Vereinigten Staaten zu töten, der nach Berichten polnischer Medien ebenfalls mit dem militärisch-industriellen Komplex zu tun hat und mit Waffenlieferungen an die Ukraine verbunden ist.

Somit versuchen die Russen, die Unterstützung der ukrainischen Armee bereits auf dem Territorium der Länder der Europäischen Union zu sabotieren, und tun dies systematisch mithilfe von Explosionen in Waffenfabriken sowie durch Versuche, die Eigentümer von Unternehmen zu töten, die Waffen für die Ukraine produzieren.

Man kann nicht sagen, dass dies angesichts der Aktivitäten russischer Geheimdienste auf europäischem Boden eine Sensation wäre. Ich möchte daran erinnern, dass die Russen, als sie sich auf den Krieg gegen die Ukraine vorbereiteten, eine ganze Serie von Explosionen in Munitionslagern sowohl in unserem Land als auch in europäischen Ländern durchführten. Auch der Anschlagsversuch auf Gebrew ereignete sich 2015, als man in Russland die Möglichkeit einer Ausweitung der militärischen Operationen auf ukrainischem Territorium erwog, um einen größeren Teil der Regionen Donezk und Luhansk zu erobern.

Doch die Systematik der Aktionen, die Russland heute in europäischen Ländern durchzuführen versucht, zwingt mich erneut, auf einen Gedanken zurückzukommen, den ich in den vergangenen Monaten geäußert habe. Die Ausweitung des russisch-ukrainischen Krieges ist unvermeidlich, und Europa kann zu einem ebenso großen Aufmarschgebiet für diesen Krieg werden, wie es einst die Krim und der von Russland besetzte Donbas waren.

In Moskau kann man nicht umhin zu verstehen, dass die europäische Hilfe Russland daran hindert, den benachbarten Staat zu beseitigen und anschließend dessen Territorium der Russischen Föderation einzuverleiben. Und ohne die Einverleibung der Ukraine, ohne einen entscheidenden Sieg im russisch-ukrainischen Krieg, der in den russischen Wahnvorstellungen mit der Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit und der Vertreibung des größten Teils der ethnischen Ukrainer aus ihren Siedlungsgebieten verbunden ist, wird Russland seinen imperialen Status nicht wiedererlangen und auf der internationalen Bühne kein gleichberechtigter Partner der Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China werden können.

Genau ein solches Russland – ein imperiales Russland, das ungeachtet der Degeneration seiner eigenen Wirtschaft in der Lage ist, um größeren Einfluss zu kämpfen – will der selbstverliebte Wahnsinnige Putin seinen Nachfolgern aus dem Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation hinterlassen. Für genau ein solches Russland sind er und seine Landsleute bereit, in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges zu kämpfen.

Doch damit dieser Krieg für Russland siegreich sein kann, muss er zu einem russisch-europäischen Krieg werden. Und diese Schlussfolgerung wurde in den Büros des Kremls offenbar bereits gezogen. Somit sind Explosionen in europäischen Betrieben und Versuche, diejenigen zu töten, die in europäischen Ländern mit der Waffenproduktion beschäftigt sind, nur der Anfang der russischen Expansion.

Putin muss die europäischen Gesellschaften einschüchtern und die Staats- und Regierungschefs Europas dazu zwingen, der Ukraine nicht zu helfen. Putin braucht einen europäischen Wähler, der konsequent für politische Kräfte stimmt, die Putin nicht daran hindern werden, die Ukraine zu besetzen, sondern Putin dabei helfen werden, die Ukraine zu besetzen.

Und somit werden die Versuche, die Europäer einzuschüchtern, nun zu einem untrennbaren Bestandteil der gesamten Politik Moskaus auf dem europäischen Kontinent. Zumal die offenkundige Gleichgültigkeit des amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, gegenüber europäischen Angelegenheiten Putin nur zu immer aggressiveren und gefährlicheren Handlungen anstachelt.

Nun, damit sich niemand Illusionen über das Ausmaß dieses künftigen großen und schrecklichen Krieges macht, möchte ich einfach darauf hinweisen, dass Explosionen inzwischen keineswegs nur in Bulgarien, Tschechien oder Polen stattfinden. Explosionen finden jetzt in Italien statt.

Keines der europäischen Länder kann sich sicher fühlen, solange Russland in seinem Krieg gegen die Ukraine nicht besiegt ist. Keines der europäischen Länder kann auf Ruhe und Frieden hoffen, solange die imperialen Ambitionen Russlands nicht überwunden sind.

Die Alternative ist eine immer größere Zahl von Explosionen, Auftragsmorden und massenhaften Opfern unter der Zivilbevölkerung, die Sabotageakten oder der hybriden Aggression der russischen Geheimdienste und der Armee dieses terroristischen Gebildes zum Opfer fallen könnte. Das ist es, was Europa bereits in den kommenden, wenn nicht Monaten, so doch Jahren erwartet, wenn es dem Westen gemeinsam mit uns nicht gelingt, Putins Wahnvorstellungen und Bestrebungen ein Ende zu setzen und seinem offensichtlichen Interesse am Krieg, an dessen Fortsetzung und Verschärfung er weiterhin wie an einem wahr gewordenen Jugendtraum festhält.


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Titel des Originals: Росія підриває Європу | Віталій Портников. 13.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 13.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Zelenskys Rede vor Diplomaten: Das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 03.08.2026.

Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, hat auf der Tagung der Leiter der ukrainischen Auslandsvertretungen gesprochen. Traditionell richtet sich die Botschafterkonferenz und die Rede des Präsidenten gerade an Diplomaten – also an Menschen, die die Interessen der Ukraine im Ausland vertreten und sich über den tatsächlichen Zustand der Dinge im Staat besser im Klaren sein sollten.

Selbst in dieser öffentlichen Rede können wir daher etwas andere Akzente erkennen als in jenen Ansprachen Zelenskys, die sich sozusagen an ein breites, wahlberechtigtes Publikum richten.

Zunächst einmal ist bemerkenswert, dass Zelensky den Wunsch Putins erkennt, den Krieg fortzusetzen. Er sagt, dass die Maßnahmen der Ukraine, insbesondere die Angriffe auf die russische Industrie, darauf abzielen müssten, Moskau die Notwendigkeit des Friedens vor Augen zu führen. Gleichzeitig erkennt er jedoch, dass Putin derzeit keinerlei Notwendigkeit sieht, den Krieg zu beenden, sondern vielmehr eine Mobilisierung und neue Angriffe vorbereitet.

Gleichzeitig hofft Zelensky weiterhin darauf, dass Washington und Peking den russischen Präsidenten stoppen können, falls dieser selbst den Krieg nicht beenden will.

Das ist natürlich eine durchaus diskussionswürdige Frage. Wir wissen nicht, über welche tatsächlichen Druckmittel der amerikanische Präsident Donald Trump gegenüber Russland verfügt. Bereits 2025 habe ich betont, dass in Wirklichkeit kein amerikanischer Präsident über reale Mechanismen verfügt, die Russland dazu zwingen könnten, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden.

Wenn sich Donald Trump also überhaupt von seinem Vorgänger Joseph Biden unterscheidet, dann nicht dadurch, dass er über solche Instrumente verfügt, sondern durch seinen Unwillen, Geld für die Unterstützung der Ukraine auszugeben. Das ermutigt Putin lediglich dazu, den russisch-ukrainischen Krieg in den kommenden Jahren fortzusetzen.

Bislang sehen wir beim amerikanischen Präsidenten keinerlei Bereitschaft, diese grundlegende Politik zu ändern. Die Treffen des ukrainischen Präsidenten mit seinem amerikanischen Amtskollegen tragen – trotz der guten Atmosphäre, die sich nach dem berühmten Eklat im Oval Office zwischen ihnen eingestellt hat – nicht dazu bei, dass Trump die Grundlagen seiner Außenpolitik überdenkt. Damit schließen sie auch jede Möglichkeit eines solchen Drucks auf Russland aus, der Moskau tatsächlich dazu bewegen könnte, über die Notwendigkeit einer Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nachzudenken.

Noch weitaus diskussionswürdiger ist die Rolle des Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, des engsten Verbündeten Putins, der seinen Partner sowohl wirtschaftlich als auch politisch bei der Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges unterstützt.

Sich von der Illusion zu verabschieden, Peking könne seine Position ändern, bedeutet ebenfalls, den Weg des Realismus einzuschlagen und nach Möglichkeiten zu suchen, den russisch-ukrainischen Krieg künftig zumindest einzufrieren. Zu verstehen, dass China dabei keine Rolle spielen wird, ist ebenfalls ein Schritt zu mehr Nüchternheit.

Zelensky sagt klar, dass das größte Problem der Ukraine derzeit die ballistischen Raketen sind. Er hebt dieses Problem auf die globale Ebene – und darin irrt er sich nicht. Denn wir verstehen, dass es in der Welt der Zukunft immer mehr ballistische Raketen als Abwehrsysteme gegen ballistische Raketen geben wird.

Davon macht inzwischen nicht nur die Russische Föderation Gebrauch. Auch Iran nutzt dies und hat den amerikanischen Präsidenten Donald Trump geschickt in eine echte Falle gelockt. Bereits jetzt sehen wir, wie Trump versucht, einen Ausweg aus dieser Falle zu finden, ohne dabei sein eigenes Land schutzlos ballistischen Angriffen seiner Gegner auszusetzen.

Doch eine wirkliche Antwort auf die Gefahr ballistischer Raketen aus der Russischen Föderation – und wir verstehen, dass diese Gefahr sich in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges weiter ausbreiten und verschärfen wird – kann nicht nur in der Suche nach Abwehrsystemen für die Ukraine bestehen. Sie kann auch in der Entwicklung eigener ballistischer Waffen liegen. Darüber sprach Zelensky ebenfalls mit den Diplomaten und betonte, dass das Projekt, das derzeit im Rahmen der antiballistischen Koalition entwickelt wird und zur Entstehung eigener ukrainischer ballistischer Waffen führen könnte, auch für andere Teilnehmer offen sei.

Waffen, Raketen und Finanzen – das sind die Aufgaben, die der Präsident der Ukraine seinen Botschaftern gestellt hat. Er betonte, dass sie sowohl öffentlich in jenen Ländern tätig werden können, deren Gesellschaften bereit sind, die Ukraine zu unterstützen, als auch nicht öffentlich in jenen Staaten, die offensichtlich gute Beziehungen sowohl zur Ukraine als auch zur Russischen Föderation aufrechterhalten möchten. Deshalb möchten sie selbst dann, wenn sie der Ukraine helfen, nicht, dass diese Hilfe öffentlich bekannt wird. Andernfalls würden sie ihre eigene Initiative beim Aufbau ihrer Beziehungen zum Aggressor verlieren.

Das sind die Realitäten der Weltpolitik, in denen die Ukraine in den kommenden Jahren leben, überleben und gegen Moskau kämpfen muss. Es ist jedoch offensichtlich, dass gerade ein solcher Ansatz, der die Notwendigkeit ausschließt, jede Hilfe für die Ukraine öffentlichkeitswirksam zu vermarkten, den ukrainischen Verteidigungskräften in der kommenden Phase der Auseinandersetzung neue und sogar größere Möglichkeiten eröffnen könnte.

Zumal wir wissen, dass es zahlreiche Länder gibt, die trotz ihrer guten Beziehungen zur Russischen Föderation zugleich Geld mit ihrem eigenen militärisch-industriellen Komplex verdienen möchten. Es gibt Staaten, deren Führungen öffentlich verkünden, die Hilfe für die Ukraine einzustellen, und damit zusätzliche Stimmen ihrer Wähler gewinnen. Gleichzeitig ermöglichen sie jedoch ihrem militärisch-industriellen Komplex, Gewinne durch die Unterstützung der Ukraine beim Aufbau ihres eigenen militärischen Potenzials zu erzielen.

All diese Gesetzmäßigkeiten müssen in einer Welt berücksichtigt werden, die niemals schwarz-weiß war und niemals schwarz-weiß sein wird. Und wir selbst müssen uns selbstverständlich von einer schwarz-weißen Sicht auf diese Welt verabschieden, wie sie für postkoloniale Staaten typisch ist, zu denen auch die Ukraine bis vor Kurzem gehörte. Aus dieser Gruppe führt uns gerade der jahrelange, endlos erscheinende russisch-ukrainische Krieg heraus, weil er uns den Staaten gleichstellt, die diese für den Staatsaufbau so gefährliche koloniale Erfahrung nie gemacht haben.

Und schließlich geht es um Einfluss. Auch darüber spricht Zelensky. Er betont, dass die Ukraine erreichen müsse, dass sich die Welt nicht mit der von der russischen Propaganda verbreiteten These einverstanden erklärt, die Ukraine wolle keinen Frieden und sei am Krieg interessiert. Dass gerade die Ukraine am Frieden interessiert ist, Russland diesen Frieden jedoch offensichtlich nicht anstrebt – darüber müssten sowohl die internationalen Medien sprechen, die Einfluss auf ihre Gesellschaften haben, als auch Vertreter der sogenannten neuen Medienindustrie – Blogger und Influencer, die heute bei neuen Zielgruppen nicht weniger Vertrauen genießen als die traditionellen Medien in einer Welt, die sich hinsichtlich der Meinungsbildung rasant verändert.

Ich würde den Worten des Präsidenten jedoch noch hinzufügen, dass eine enorme Zahl von Menschen beginnt zu glauben, die Ukraine wolle keinen Frieden – einfach weil ihnen das so besser passt. Das sehen wir sogar unter unseren eigenen Landsleuten, die schon heute ein Ende des Krieges fordern, als hätte der Präsident der Ukraine irgendeinen Zauberschlüssel, mit dem er sich mit dem russischen Staatschef einigen könnte.

Und die ukrainische Gesellschaft davon zu überzeugen, dass die Ukraine, ihre Führung und ihr Volk nur einen einzigen Ausweg haben – nämlich zu kämpfen –, und dass es im Verhältnis zum russischen Präsidenten, der weiterhin die Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit anstrebt, keinen Zauberschlüssel gibt, ja geben kann, scheint mir ebenfalls ein sehr wichtiges Nachwort zu dieser Rede des Präsidenten der Ukraine vor den Leitern der diplomatischen Vertretungen unseres Landes im Ausland zu sein.


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Titel des Originals: Виступ Зеленського перед дипломатами: головне | Віталій Портников. 03.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 03.08.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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