Zelenskys Rede vor Diplomaten: Das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 03.08.2026.

Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, hat auf der Tagung der Leiter der ukrainischen Auslandsvertretungen gesprochen. Traditionell richtet sich die Botschafterkonferenz und die Rede des Präsidenten gerade an Diplomaten – also an Menschen, die die Interessen der Ukraine im Ausland vertreten und sich über den tatsächlichen Zustand der Dinge im Staat besser im Klaren sein sollten.

Selbst in dieser öffentlichen Rede können wir daher etwas andere Akzente erkennen als in jenen Ansprachen Zelenskys, die sich sozusagen an ein breites, wahlberechtigtes Publikum richten.

Zunächst einmal ist bemerkenswert, dass Zelensky den Wunsch Putins erkennt, den Krieg fortzusetzen. Er sagt, dass die Maßnahmen der Ukraine, insbesondere die Angriffe auf die russische Industrie, darauf abzielen müssten, Moskau die Notwendigkeit des Friedens vor Augen zu führen. Gleichzeitig erkennt er jedoch, dass Putin derzeit keinerlei Notwendigkeit sieht, den Krieg zu beenden, sondern vielmehr eine Mobilisierung und neue Angriffe vorbereitet.

Gleichzeitig hofft Zelensky weiterhin darauf, dass Washington und Peking den russischen Präsidenten stoppen können, falls dieser selbst den Krieg nicht beenden will.

Das ist natürlich eine durchaus diskussionswürdige Frage. Wir wissen nicht, über welche tatsächlichen Druckmittel der amerikanische Präsident Donald Trump gegenüber Russland verfügt. Bereits 2025 habe ich betont, dass in Wirklichkeit kein amerikanischer Präsident über reale Mechanismen verfügt, die Russland dazu zwingen könnten, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden.

Wenn sich Donald Trump also überhaupt von seinem Vorgänger Joseph Biden unterscheidet, dann nicht dadurch, dass er über solche Instrumente verfügt, sondern durch seinen Unwillen, Geld für die Unterstützung der Ukraine auszugeben. Das ermutigt Putin lediglich dazu, den russisch-ukrainischen Krieg in den kommenden Jahren fortzusetzen.

Bislang sehen wir beim amerikanischen Präsidenten keinerlei Bereitschaft, diese grundlegende Politik zu ändern. Die Treffen des ukrainischen Präsidenten mit seinem amerikanischen Amtskollegen tragen – trotz der guten Atmosphäre, die sich nach dem berühmten Eklat im Oval Office zwischen ihnen eingestellt hat – nicht dazu bei, dass Trump die Grundlagen seiner Außenpolitik überdenkt. Damit schließen sie auch jede Möglichkeit eines solchen Drucks auf Russland aus, der Moskau tatsächlich dazu bewegen könnte, über die Notwendigkeit einer Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nachzudenken.

Noch weitaus diskussionswürdiger ist die Rolle des Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, des engsten Verbündeten Putins, der seinen Partner sowohl wirtschaftlich als auch politisch bei der Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges unterstützt.

Sich von der Illusion zu verabschieden, Peking könne seine Position ändern, bedeutet ebenfalls, den Weg des Realismus einzuschlagen und nach Möglichkeiten zu suchen, den russisch-ukrainischen Krieg künftig zumindest einzufrieren. Zu verstehen, dass China dabei keine Rolle spielen wird, ist ebenfalls ein Schritt zu mehr Nüchternheit.

Zelensky sagt klar, dass das größte Problem der Ukraine derzeit die ballistischen Raketen sind. Er hebt dieses Problem auf die globale Ebene – und darin irrt er sich nicht. Denn wir verstehen, dass es in der Welt der Zukunft immer mehr ballistische Raketen als Abwehrsysteme gegen ballistische Raketen geben wird.

Davon macht inzwischen nicht nur die Russische Föderation Gebrauch. Auch Iran nutzt dies und hat den amerikanischen Präsidenten Donald Trump geschickt in eine echte Falle gelockt. Bereits jetzt sehen wir, wie Trump versucht, einen Ausweg aus dieser Falle zu finden, ohne dabei sein eigenes Land schutzlos ballistischen Angriffen seiner Gegner auszusetzen.

Doch eine wirkliche Antwort auf die Gefahr ballistischer Raketen aus der Russischen Föderation – und wir verstehen, dass diese Gefahr sich in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges weiter ausbreiten und verschärfen wird – kann nicht nur in der Suche nach Abwehrsystemen für die Ukraine bestehen. Sie kann auch in der Entwicklung eigener ballistischer Waffen liegen. Darüber sprach Zelensky ebenfalls mit den Diplomaten und betonte, dass das Projekt, das derzeit im Rahmen der antiballistischen Koalition entwickelt wird und zur Entstehung eigener ukrainischer ballistischer Waffen führen könnte, auch für andere Teilnehmer offen sei.

Waffen, Raketen und Finanzen – das sind die Aufgaben, die der Präsident der Ukraine seinen Botschaftern gestellt hat. Er betonte, dass sie sowohl öffentlich in jenen Ländern tätig werden können, deren Gesellschaften bereit sind, die Ukraine zu unterstützen, als auch nicht öffentlich in jenen Staaten, die offensichtlich gute Beziehungen sowohl zur Ukraine als auch zur Russischen Föderation aufrechterhalten möchten. Deshalb möchten sie selbst dann, wenn sie der Ukraine helfen, nicht, dass diese Hilfe öffentlich bekannt wird. Andernfalls würden sie ihre eigene Initiative beim Aufbau ihrer Beziehungen zum Aggressor verlieren.

Das sind die Realitäten der Weltpolitik, in denen die Ukraine in den kommenden Jahren leben, überleben und gegen Moskau kämpfen muss. Es ist jedoch offensichtlich, dass gerade ein solcher Ansatz, der die Notwendigkeit ausschließt, jede Hilfe für die Ukraine öffentlichkeitswirksam zu vermarkten, den ukrainischen Verteidigungskräften in der kommenden Phase der Auseinandersetzung neue und sogar größere Möglichkeiten eröffnen könnte.

Zumal wir wissen, dass es zahlreiche Länder gibt, die trotz ihrer guten Beziehungen zur Russischen Föderation zugleich Geld mit ihrem eigenen militärisch-industriellen Komplex verdienen möchten. Es gibt Staaten, deren Führungen öffentlich verkünden, die Hilfe für die Ukraine einzustellen, und damit zusätzliche Stimmen ihrer Wähler gewinnen. Gleichzeitig ermöglichen sie jedoch ihrem militärisch-industriellen Komplex, Gewinne durch die Unterstützung der Ukraine beim Aufbau ihres eigenen militärischen Potenzials zu erzielen.

All diese Gesetzmäßigkeiten müssen in einer Welt berücksichtigt werden, die niemals schwarz-weiß war und niemals schwarz-weiß sein wird. Und wir selbst müssen uns selbstverständlich von einer schwarz-weißen Sicht auf diese Welt verabschieden, wie sie für postkoloniale Staaten typisch ist, zu denen auch die Ukraine bis vor Kurzem gehörte. Aus dieser Gruppe führt uns gerade der jahrelange, endlos erscheinende russisch-ukrainische Krieg heraus, weil er uns den Staaten gleichstellt, die diese für den Staatsaufbau so gefährliche koloniale Erfahrung nie gemacht haben.

Und schließlich geht es um Einfluss. Auch darüber spricht Zelensky. Er betont, dass die Ukraine erreichen müsse, dass sich die Welt nicht mit der von der russischen Propaganda verbreiteten These einverstanden erklärt, die Ukraine wolle keinen Frieden und sei am Krieg interessiert. Dass gerade die Ukraine am Frieden interessiert ist, Russland diesen Frieden jedoch offensichtlich nicht anstrebt – darüber müssten sowohl die internationalen Medien sprechen, die Einfluss auf ihre Gesellschaften haben, als auch Vertreter der sogenannten neuen Medienindustrie – Blogger und Influencer, die heute bei neuen Zielgruppen nicht weniger Vertrauen genießen als die traditionellen Medien in einer Welt, die sich hinsichtlich der Meinungsbildung rasant verändert.

Ich würde den Worten des Präsidenten jedoch noch hinzufügen, dass eine enorme Zahl von Menschen beginnt zu glauben, die Ukraine wolle keinen Frieden – einfach weil ihnen das so besser passt. Das sehen wir sogar unter unseren eigenen Landsleuten, die schon heute ein Ende des Krieges fordern, als hätte der Präsident der Ukraine irgendeinen Zauberschlüssel, mit dem er sich mit dem russischen Staatschef einigen könnte.

Und die ukrainische Gesellschaft davon zu überzeugen, dass die Ukraine, ihre Führung und ihr Volk nur einen einzigen Ausweg haben – nämlich zu kämpfen –, und dass es im Verhältnis zum russischen Präsidenten, der weiterhin die Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit anstrebt, keinen Zauberschlüssel gibt, ja geben kann, scheint mir ebenfalls ein sehr wichtiges Nachwort zu dieser Rede des Präsidenten der Ukraine vor den Leitern der diplomatischen Vertretungen unseres Landes im Ausland zu sein.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Виступ Зеленського перед дипломатами: головне | Віталій Портников. 03.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 03.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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