Trump stoppt die Ukraine | Vitaly Portnikov. 25.07.2026.

Die Regierung des Weißen Hauses hat die ukrainische Führung im Vorfeld des Treffens von Präsident Donald Trump mit seinem ukrainischen Amtskollegen Volodymyr Zelensky in den Vereinigten Staaten davor gewarnt, im Schwarzen Meer Tanker anzugreifen, die nicht der Russischen Föderation gehören.

Diese Warnung erfolgte, nachdem sich herausgestellt hatte, dass eines der durch einen ukrainischen Angriff beschädigten Tankschiffe mit dem Kaspischen Pipeline-Konsortium verbunden war, dessen Pipeline bekanntlich direkt in der Bucht des Hafens von Noworossijsk endet. Einer der wichtigsten Investoren im kasachischen Energiesektor ist bekanntlich das amerikanische Unternehmen Chevron. Dessen Führung könnte befürchten, dass weitere ukrainische Angriffe die Lieferungen von Erdöl und anderen Gütern aus Kasachstan gefährden und damit Probleme für die Investitionen von Chevron schaffen würden.

Der Vorstandsvorsitzende von Chevron, Mike Wirth, der für seine guten Beziehungen zu Donald Trump bekannt ist, besuchte in diesen Tagen das Weiße Haus und führte gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Gespräche mit Vertretern der amerikanischen Regierung, unter denen sich selbstverständlich auch der Präsident der Vereinigten Staaten selbst befunden haben könnte. Nach Informationen des Wall Street Journal erfolgte die amerikanische Warnung unmittelbar nach diesem Besuch des Chevron-Chefs bei der Führung der Vereinigten Staaten. Sie zeigte erneut, dass Donald Trump, wenn es um die Suche nach Wegen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges einerseits und um die Interessen von Geschäftsleuten aus seinem engsten Umfeld andererseits geht, naturgemäß den Interessen der Wirtschaft den Vorzug geben wird.

In diesem Zusammenhang sollte daran erinnert werden, dass der Kampf zwischen Russland und der Ukraine im Schwarzen Meer heute ein entscheidender Faktor für das wirtschaftliche Überleben der Ukraine in den kommenden schwierigen Jahren des russisch-ukrainischen Krieges ist. Bereits jetzt sind die ukrainischen Schwarzmeerhäfen praktisch blockiert. Der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist zum Erliegen gekommen. Dies kann sowohl zu erheblichen Problemen für jenen Teil der ukrainischen Wirtschaft führen, der weiterhin funktioniert – und damit auch zu einer zusätzlichen Belastung der Haushalte europäischer Staaten –, als auch zu ernsthaften Versorgungsproblemen mit Getreide weltweit, die wiederum die Stabilität in den Ländern des Globalen Südens gefährden könnten. Genau das geschah bereits, als Russland und die Ukraine unter Vermittlung der Türkei und der Vereinten Nationen das Getreideabkommen vereinbarten.

Nun stehen wir erneut vor einer möglichen globalen Krise mit unvorhersehbaren Folgen. Sollte es der Ukraine ihrerseits gelingen, die russischen Transportkorridore unter Kontrolle zu bringen, könnte dies den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dazu bewegen, über ein Ende der Blockade der ukrainischen Häfen und die Freigabe des ukrainischen Handels nachzudenken.

Man kann sagen, dass dies eine geopolitische Aufgabe ist. Denn es geht nicht nur um die ukrainische Wirtschaft, sondern auch darum, dass ein Getreidemangel die Stabilität zahlreicher Regime im Globalen Süden infrage stellen und zusätzliche Schwierigkeiten für den Präsidenten der Vereinigten Staaten schaffen könnte, der bereits jetzt kaum einen Ausweg aus der Sackgasse des Nahostkonflikts findet. Doch wie wir sehen, orientiert sich Donald Trump ausschließlich an den Interessen, die gegenwärtig als Priorität für die amerikanische Wirtschaft gelten. Denn auch dort denkt man ausschließlich an den heutigen Gewinn und nicht an die Folgen von morgen.

Aus dieser Perspektive lohnt sich übrigens auch ein Blick auf die Haltung des kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew, der die Folgen der Kämpfe im Schwarzen Meer offenbar besser versteht als Trump. Bei seinem heutigen Treffen mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, betonte Tokajew, dass all dies beendet werden müsse – womit er in erster Linie den russisch-ukrainischen Krieg meinte. Wie wir jedoch sehen, fällt es derzeit schwer zu behaupten, dass man in den Vereinigten Staaten den Kampf zwischen Russland und der Ukraine im Schwarzen Meer mit den Möglichkeiten verbindet, den russisch-ukrainischen Krieg tatsächlich zu beenden.

Bemerkenswert ist auch, dass in Washington niemals ernsthafte Vorwürfe gegen die Russische Föderation erhoben wurden, als diese amerikanische Unternehmen in der Ukraine buchstäblich zerstörte. Vielleicht deshalb, weil die Unternehmer, die als Lobbyisten für die Interessen dieser Unternehmen hätten auftreten können, dem heutigen Hausherrn des Weißen Hauses nicht so nahestehen wie jene Geschäftsleute, die infolge von Putins demonstrativer Reaktion auf Trumps Behauptung, amerikanische Unternehmen in der Ukraine seien eine Sicherheitsgarantie für unser Land, Investitionen und Vermögenswerte verlieren.

Wie sich herausstellte, ist das keineswegs der Fall. Der russische Präsident hat gezeigt, dass er amerikanische Unternehmen in der Ukraine völlig ungestraft zerstören kann – ohne irgendwelche Konsequenzen für sein eigenes Land oder seine Streitkräfte befürchten zu müssen. Und niemand wird ihn auch nur darauf ansprechen, dass er amerikanische Fabriken auf ukrainischem Boden systematisch und demonstrativ vernichtet hat. Greift die Ukraine jedoch Tankschiffe an, von denen Russlands Rolle als Energielieferant und als Transitland für kasachisch-amerikanische Projekte abhängt, dann kann man, wie sich zeigt, tatsächlich auf amerikanischen Schutz hoffen.

Das bedeutet letztlich, dass die Vereinigten Staaten unter Donald Trump keine Sicherheitsgarantie für die Ukraine darstellen, indem sie die Interessen amerikanischer Unternehmen in unserem Land schützen. Für Russland hingegen könnten die heutigen Vereinigten Staaten – so paradox das auch klingen mag – durchaus eine solche Sicherheitsgarantie sein.

Der Ausweg aus dieser Situation ist selbstverständlich nur einer. Unter Berücksichtigung der Position des Präsidenten der Vereinigten Staaten und seiner Regierung muss alles getan werden, um die Ukraine vor den Folgen der russischen Handelsblockade zu schützen.

Letztlich verfügt der Präsident der Vereinigten Staaten gemeinsam mit seiner Regierung kaum noch über Möglichkeiten, Druck auf unser Land auszuüben, nachdem die amerikanische Finanzhilfe für die Ukraine praktisch ausgelaufen ist. Und selbst die Waffen, die die Amerikaner an uns liefern, verkaufen sie zunächst an die NATO-Mitgliedstaaten in Europa. Die Vereinigten Staaten können daher lediglich Wünsche äußern, nicht aber ihre Bedingungen diktieren.

Auch die amerikanischen Geschäftsleute, deren Interessen mit Noworossijsk verbunden sind, sollten darüber nachdenken, dass ihre Investitionen in jedem Fall Schaden nehmen werden, solange sie nicht nach Wegen suchen, Putins Angriffskrieg zu beenden, anstatt die ukrainische Antwort auf diesen Krieg einzuschränken.


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Titel des Originals: Трамп зупиняє Україну| Віталій Портников. 25.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 25.07.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Senator Lindsey Graham ist gestorben | Vitaly Portnikov. 12.07.2026.

Der republikanische Senator Lindsey Graham ist in Washington gestorben, nur wenige Tage nachdem er aus der ukrainischen Hauptstadt zurückgekehrt war. Dort hatte er Präsident Volodymyr Zelensky getroffen und mitgeteilt, dass es ihm gelungen sei, den sogenannten Gesetzentwurf über „höllische Sanktionen“ gegen Russland sowie gegen die Energiesponsoren dieses Landes mit der Administration von Donald Trump abzustimmen.

Senator Graham hatte sich praktisch seit den ersten Monaten nach dem großangelegten Angriff der Russischen Föderation auf die Ukraine für die Verabschiedung dieses Gesetzes eingesetzt. Er betonte, dass Frieden nur durch intensiven Druck auf die Russische Föderation und die Zerstörung ihrer Wirtschaft erreicht werden könne. Mehr noch: Senator Lindsey Graham rief die Russen dazu auf, ihren Präsidenten Putin zu stoppen und sogar ein Attentat auf ihn zu verüben – nach dem Vorbild des Attentats auf den Hitler-Diktator Adolf Hitler, den Putin in seiner Politik nachzuahmen versucht.

Man kann sagen, dass Senator Lindsey Graham hinsichtlich der Verbindung jener Positionen und Prinzipien, die er in den vergangenen Jahrzehnten im Senat und in der Republikanischen Partei verteidigte, eine bemerkenswerte Persönlichkeit war. Einerseits wurde er zu einem offensichtlichen Unterstützer des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, obwohl er zu Beginn der politischen Karriere des Milliardärs diesem gegenüber keine besonders wohlwollende Haltung eingenommen hatte. Doch nachdem Lindsey Graham zu einem Unterstützer Trumps geworden war, änderte er seine außenpolitischen Prioritäten nicht.

Man kann sagen, dass Lindsey Graham, obwohl er vom Alter her jünger war als bekannte Veteranen der amerikanischen Politik wie der inzwischen verstorbene Senator John McCain, einer der letzten Reaganisten-Falken auf dem Capitol Hill war und diese seine Prinzipien niemals aufgab – weder unter der Regierung Donald Trumps, mit dem ihn freundschaftliche Beziehungen verbanden, noch in der Zeit, als die Demokraten an der Macht waren.

Wenn er die Präsidenten Barack Obama und Joseph Biden kritisierte, dann wegen ihres vorsichtigen Umgangs mit den Diktaturen der Welt, zu denen für ihn stets auch die Russische Föderation gehörte. Und wenn er Donald Trump unterstützte, dann immer mit der Aufforderung, gegenüber Russland oder dem Iran eine härtere Haltung einzunehmen.

Aus dieser Perspektive war Senator Lindsey Graham nie ein klassischer Diplomat. Im Gegenteil: Er war ein Politiker, der die Notwendigkeit entschlossenen Drucks auf Diktaturen und ihre Machthaber betonte. Er unterstrich, dass nur eine solche Haltung der Vereinigten Staaten dazu beitragen könne, die Grundlagen ihrer eigenen Sicherheit in unserer schwierigen Welt zu schaffen.

Auch die Unterstützung der Ukraine durch Senator Lindsey Graham war seit Beginn der russischen Aggression gegen unser Land stets konsequent und prinzipientreu. Denn auch in allen anderen Fällen russischer Aggression vertrat der Senator genau diese Position – etwa, als Russland beschloss, das kleine Georgien anzugreifen, was zum Vorspiel der großen Kriege im postsowjetischen Raum wurde. Schon damals hatte Senator Lindsey Graham eine vollkommen klare Position und eine eindeutige Botschaft an die Regierung von Präsident George Bush – bis hin zu der Forderung, den georgischen Souveränitätsschutz entschlossener zu verteidigen und deutlichere politische Schritte zu unternehmen.

Ebenso klar und eindeutig war die Haltung des Senators auch in Fragen des Nahen Ostens. Dort rief er stets dazu auf, gegenüber dem Iran und anderen diktatorischen Regimen, die die Sicherheit sowohl der Vereinigten Staaten als auch der demokratischen Staaten der Region bedrohen, eine harte Linie einzuschlagen.

Aus dieser Sicht kann man sagen, dass auch hier die Position von Senator Lindsey Graham einzigartig war – in einer Zeit, in der sowohl Israel als auch die Ukraine ihre traditionelle parteiübergreifende Unterstützung weitgehend verloren hatten und diese sich entweder in den Reihen der Republikaner oder der Demokraten konzentrierte. Senator Graham unterstützte beide Länder, und heute wird seiner sowohl in Kyiv als auch in Jerusalem mit Worten des Dankes gedacht.

Das ist zugleich eine Erinnerung daran, wie die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber demokratischen Staaten aussehen sollte, die um ihre Existenz kämpfen – im Widerstand gegen abscheuliche diktatorische Regime, die glauben, Gewalt, Zwang und ideologische Hirngespinste könnten die Ermordung von Zivilisten und die Besetzung fremder Gebiete rechtfertigen.

Natürlich könnte man sagen, dass dieses Vermächtnis im amerikanischen politischen Leben sicherlich berücksichtigt werden wird. Doch ich wäre nicht so optimistisch. Wir alle sehen, dass neue politische Zeiten angebrochen sind. Es sind Menschen an die Macht gekommen, die weniger über Prinzipien als über Wahlsiege nachdenken. Menschen, die ihren Mitbürgern nicht die Bedeutung von Werten erklären wollen, sondern ihnen vor allem gefallen möchten, um rasch Wahlen zu gewinnen. Sie denken nicht einmal daran, dass es für eben diese Mitbürger wegen der Kriegsgefahr und ihres möglichen Todes vielleicht gar keine nächsten Wahlen mehr geben wird.

Was früher lediglich ein Bild war, wenn wir über diese Gefahr und diesen Tod sprachen, wird heute in vielen Ländern der Welt zur Realität. Und natürlich wird die Zahl dieser Länder in unserem schwierigen 21. Jahrhundert nur zunehmen, wenn wir nicht auf das politische Vermächtnis solcher Menschen hören wie Senator Lindsey Graham oder Senator John McCain, den Graham seinerzeit sogar gegen Donald Trump verteidigte.

Lindsey Graham wird die Verkörperung jener amerikanischen Politik bleiben, die der Welt über viele schwierige Jahrzehnte hinweg – sowohl im 20. Jahrhundert als auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts – Hoffnung auf Frieden und Überleben gab.

Und heute kann diese Haltung Hoffnung darauf geben, dass die Welt den politischen und militärischen Abgrund, in den wir alle geraten sind, mit weniger Zerstörung, weniger Opfern und einem geringeren Gefühl der Katastrophe verlassen kann – jenem Gefühl, das uns in den 2020er Jahren des 21. Jahrhunderts nicht loslässt und im kommenden Jahrzehnt zu einem prägenden Motiv des Lebens der Menschheit werden könnte.


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Titel des Originals: Помер сенатор Ліндсі Грем | Віталій Портников. 12.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 12.07.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Graham hat Trump überzeugt: Neue Sanktionen gegen Russland | Vitaly Portnikov. 11.07.2026.

Der Senator Lindsey Graham, einer der engsten Verbündeten des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der sich in den vergangenen Monaten für das sogenannte neue „Höllengesetz“ über Sanktionen gegen Russland und dessen Ölsponsoren eingesetzt hat, erklärte, es sei ihm gelungen, diesen Gesetzentwurf mit der Regierung von Präsident Donald Trump abzustimmen.

Sollten die Vereinbarungen, die der Senator erzielt hat, umgesetzt werden, würde dies bedeuten, dass das Gesetz nicht nur den Senat, sondern auch das Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses passieren könnte, wo die Republikaner bekanntlich die Mehrheit besitzen. Ein solcher Gesetzentwurf könnte zudem von der überwiegenden Mehrheit der demokratischen Abgeordneten unterstützt werden. Unter welchen Bedingungen Senator Graham und der Mitautor des Gesetzes, Senator Blumenthal, diese Vereinbarungen mit der US-Regierung erreicht haben, wissen wir allerdings bislang noch nicht.

Der Inhalt des Gesetzes ist seit Langem bekannt, und die Senatoren Graham und Blumenthal haben Präsident Volodymyr Zelensky während ihrer Reise nach Kyiv darüber informiert. Es geht vor allem darum, dass Sanktionen nicht nur gegen die Russische Föderation selbst, sondern auch gegen jene Länder verhängt werden sollen, die russisches Öl kaufen. Dadurch könnte ein ernsthaftes Problem für den Verkauf russischen Öls an die Staaten des Globalen Südens entstehen.

Angesichts der Tatsache, dass Russland derzeit schwierige Zeiten im Bereich der Ölraffination durchlebt und der Ölverkauf eines der wichtigsten Instrumente sowohl zur Auffüllung der Devisenreserven der Russischen Föderation als auch zur Bewältigung der Probleme mit Erdölprodukten ist, könnte die Verabschiedung eines solchen Gesetzes tatsächlich zu einem bedeutenden Druckmittel gegen Russland werden.

Doch auch ein solches Instrument hat, wie wir verstehen, seine Grenzen. Denn man sollte daran erinnern, dass sich im Senat derzeit noch ein weiterer Gesetzentwurf befindet, der, wie ich sagen würde, für die Ukraine weitaus wichtiger ist als Grahams Gesetz. Es handelt sich um den Ukraine Support Act, der die finanzielle Unterstützung unseres Landes bereits in naher Zukunft wieder aufnehmen könnte und damit Bedingungen schaffen würde, die sich tatsächlich auf die Lage bei der Bewaffnung der Ukraine und auf die Situation an der russisch-ukrainischen Front auswirken könnten.

Die amerikanische Finanzhilfe besteht nicht nur aus Zahlen – sie bedeutet auch modernste Waffen, die nicht lediglich von europäischen Ländern im Rahmen des PEARL-Programms beschafft würden, wie es derzeit geschieht. Sie bedeutet die reale Möglichkeit, Waffen direkt vom Pentagon zu erhalten. Amerikanische Unterstützung sind zusätzliche Milliarden Dollar, die sich stets auf die Lage an der Front auswirken.

Man muss sich nur daran erinnern, dass wir in der Zeit, als diese Unterstützung zeitweise ausblieb, weil die Republikaner die Verabschiedung des entsprechenden Gesetzes blockierten, leider den Verlust von Awdijiwka erleben mussten, was die Lage an der gesamten russisch-ukrainischen Front empfindlich veränderte. Man kann also sagen, dass die amerikanische Hilfe tatsächlich ein wesentlicher Bestandteil des russisch-ukrainischen Krieges ist.

Doch wie wir sehen, möchte die Trump-Regierung einen anderen Weg gehen – jenen Weg, den Trump seit seinem ersten Tag als Präsident der Vereinigten Staaten verfolgt: keine umfangreiche finanzielle Unterstützung für die Ukraine, sondern stattdessen Druck auf jene Länder auszuüben, die am Krieg beteiligt sind.

Positiv ist heute, dass niemand mehr davon spricht, Druck auf unser Land auszuüben. Die Rede ist in erster Linie von Druck auf Russland; in Washington setzt man Aggressor und Opfer in diesem Krieg nicht länger gleich. Und das hängt natürlich in erster Linie mit den Erfolgen der ukrainischen Streitkräfte im Kampf gegen den russischen Aggressor zusammen sowie mit dem Interesse der Vereinigten Staaten daran, dass Russland auf dem weltweiten Energiemarkt keine führende Rolle mehr spielt. Auch dies ist ein wichtiger Bestandteil der Situation, die infolge des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran entstanden ist, sowie des Verständnisses von Präsident Donald Trump für die Rolle, die Russland in diesem Krieg gespielt hat – auch wenn der amerikanische Präsident dies nicht offen ausspricht.

Wir können also klar feststellen, dass das Gesetz, für das sich die Senatoren Graham und Blumenthal mehrere Monate lang eingesetzt haben und das erhebliche Veränderungen im Ölgleichgewicht der Russischen Föderation bewirken könnte, tatsächlich in den kommenden Wochen verabschiedet werden könnte. Die Frage ist jedoch, wie es tatsächlich umgesetzt werden wird. Denn schon heute verkauft Russland den Großteil seiner Ölvorräte mithilfe der sogenannten Schattenflotte und umgeht damit die Sanktionen Europas und Amerikas.

Derzeit gibt es faktisch keine wirksamen Instrumente, die diesen Schmuggel russischen Öls stoppen und nicht nur Indien, sondern auch die Volksrepublik China beeinflussen könnten. Und sich in der gegenwärtigen Energiesituation der Welt einen neuen Zollkrieg der Vereinigten Staaten mit China und Indien vorzustellen, ist ebenfalls äußerst schwierig.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der mit der tatsächlichen Anwendung dieses Gesetzes zusammenhängt, betrifft die weitere Entwicklung der Lage im Nahen Osten. Denn obwohl Präsident Donald Trump keine Wiederaufnahme des Krieges mit dem Iran wünscht, könnte das Verhalten des iranischen Regimes zu einer neuen Eskalation führen und damit die Suche nach neuen Instrumenten zur Stabilisierung des Energiemarktes erforderlich machen – und folglich zu neuen Zugeständnissen an Russland, wenn auch nur vorübergehend.

Tatsächlich hat also selbst dieses „Höllengesetz“ seine Grenzen. Es bleibt zu hoffen, dass das Gesetz zumindest tatsächlich verabschiedet wird und zu einem Signal für alle Energiesponsoren der Russischen Föderation wird: auf wessen Seite die Vereinigten Staaten stehen und mit welchen Folgen die Länder, die russisches Öl kaufen, früher oder später rechnen müssen, wenn sie ihre Politik der wirtschaftlichen Unterstützung Russlands in dessen Krieg gegen unser Land fortsetzen. Selbst wenn dieses Gesetz nicht so funktionieren sollte, wie es sich sein Autor wünscht, wird es doch ein echtes politisches Signal sein, auf das man setzen sollte.


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Titel des Originals: Грем переконав Трампа: нові санкції проти Росії | Віталій Портников. 11.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 11.07.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Ein Krieg der Paläste in Polen.  Artem Bidenko. 07.07.2026.

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Und nun eine ausführliche Analyse der Beziehungen zu Polen – mit vielen Nuancen, über die bei uns kaum gesprochen wird.

Das polnische Büro unserer Beratungsgruppe SEC Newgate CEE hat einen Bericht über das erste Jahr des Zusammenwirkens von Präsident Karol Nawrocki und der Regierung von Donald Tusk veröffentlicht. Der Titel lautet mit charakteristischer Selbstironie: „Ein Jahr des Zusammenlebens oder der Konfrontation?“. In der Ukraine betrachtet man die polnische Politik meist nur durch einen schmalen Spalt („Was hat Nawrocki diese Woche über Wolhynien gesagt?“). Deshalb möchte ich wiedergeben, wie die Polen selbst diesen Konflikt sehen – und warum alles sehr viel komplizierter ist. Den Bericht selbst stelle ich in die Kommentare; dort findet sich auch meine Folie.

Die zentrale These betrifft nicht einzelne Personen, sondern die Konstruktion des politischen Systems. Die beiden Machtzentren in Polen – Präsident und Ministerpräsident – sind unabhängig davon, wer diese Ämter innehat, zum Konflikt verurteilt, weil das System selbst so aufgebaut ist: unterschiedliche Wahlzyklen, verschiedene Amtszeiten und sich überschneidende Kompetenzen. Diese Konstruktion enthält den Konflikt bereits in sich.

Der schärfste Konflikt zwischen Präsident und Ministerpräsident in der jüngeren Geschichte Polens entbrannte übrigens nicht zwischen politischen Gegnern, sondern zwischen Aleksander Kwaśniewski und Leszek Miller – zwei Politikern derselben Partei, die zwanzig Jahre lang befreundet waren und buchstäblich im selben Hauseingang wohnten; ihre Wohnungen lagen sogar auf derselben Etage. Am Ende führte dieser Konflikt zur Spaltung der Linken und zum Absturz des SLD von 41 auf 11 Prozent.

Daraus ergibt sich eine Formel, die man sich merken sollte: Für einen Krieg zwischen zwei Palästen braucht es keine zwei politischen Lager – zwei Paläste genügen. Persönliche Absprachen können die Spannungen mindern, aber den Konflikt selbst nicht beseitigen.

Die Außenpolitik Polens hat sich inzwischen in das verwandelt, was die Autoren als „mehrere Außenpolitiken gleichzeitig“ bezeichnen. Der Präsident verantwortet die amerikanische Richtung, die Regierung und das Außenministerium die europäische. Jeder Gipfel und jeder Staatsbesuch wird dadurch zum Anlass eines Konkurrenzkampfes darum, wessen Foto später in den Geschichtsbüchern erscheinen wird.

Ein klassisches Beispiel: Vor dem Treffen mit Donald Trump im September 2025 übermittelte das Außenministerium Präsident Nawrocki eine „Anweisung“ für das Gespräch. Die Präsidialkanzlei reagierte empört und warf dem Ministerium vor, die verfassungsmäßige Hierarchie nicht zu kennen. Das Außenministerium wiederum bestand darauf, dass es sich um die offizielle Position des Staates handele, die der Präsident berücksichtigen müsse.

Ein weiteres dauerhaftes Konfliktfeld sind die Ernennungen von Botschaftern – besonders scharf beim Botschafterposten in den Vereinigten Staaten, wo bis heute lediglich ein Geschäftsträger im Amt ist.

Für uns besonders interessant ist das Kapitel über die Sicherheitspolitik, denn dort geht es um Fragen, die die Ukraine unmittelbar betreffen. Die Autoren sprechen vom „Ende der Schonfrist“: Die Sicherheitspolitik, die seit 2022 in Polen eine parteiübergreifende Konsenszone gewesen war, ist inzwischen in den innenpolitischen Machtkampf hineingezogen worden.

Zum symbolischen Wendepunkt wurde der Streit über die Lieferung von Kampfflugzeugen an die Ukraine. Der Präsident warf der Regierung öffentlich vor, ihn darüber nicht informiert zu haben. Die Regierung entgegnete, sämtliche Verfahren seien ordnungsgemäß unter Beteiligung des Nationalen Sicherheitsbüros abgewickelt worden.

Noch schärfer verlief ein Vorfall im Pentagon: Vertreter des Präsidialamtes für nationale Sicherheit schlossen nach Angaben des Berichts den polnischen Verteidigungsattaché von Besprechungen aus. Das Verteidigungsministerium wertete dies als Verletzung der zivilen Kontrolle über die Streitkräfte.

Den Höhepunkt bildete schließlich Nawrockis Veto gegen das Gesetz, das Polen den Zugang zum europäischen Verteidigungsinstrument SAFE eröffnet hätte. Dadurch musste die Regierung das gesamte Modell der Rüstungsfinanzierung überarbeiten und mit den Partnern neu verhandeln.

Daneben schwelt weiterhin ein Konflikt um Personalentscheidungen in den Geheimdiensten. Der Präsident blockierte die Ernennung von mehr als hundert Offizieren und verlangte direkten Zugang zu den Leitern der Nachrichtendienste, während die Regierung darauf besteht, dass dies ausschließlich innerhalb klar definierter institutioneller Verfahren erfolgen dürfe.

Nun direkt zur Ukraine.

Der Bericht bezeichnet Nawrockis Kurs als „zweigleisig“. Einerseits erkennt er die Ukraine als Opfer der russischen Aggression an und versteht, dass ihre Unabhängigkeit für die Sicherheit Polens von entscheidender Bedeutung ist. Andererseits lehnt er eine „bedingungslose“ Beziehung zu Kyiv grundsätzlich ab und stellt polnische Interessen – insbesondere historische Fragen – in den Vordergrund.

Konkret erklärte Nawrocki bereits im Wahlkampf, einer Integration der Ukraine in NATO und EU müsse eine „ehrliche Verständigung über die schwierigen Seiten der gemeinsamen Geschichte“ vorausgehen – gemeint sind Wolhynien sowie eine Neubewertung der ukrainischen Haltung gegenüber OUN und UPA.

Im August 2025 legte er zudem ein Veto gegen die Novellierung des Gesetzes zur Unterstützung ukrainischer Staatsbürger ein. Und was anschließend mit dem Orden des Weißen Adlers geschah, kennen wir alle.

Der Bericht zieht daraus eine nüchterne Schlussfolgerung: Mit einer baldigen Abschwächung dieser Haltung ist nicht zu rechnen. Für uns ist jedoch besonders wichtig, worum sich der gesamte Bericht eigentlich dreht: um die Komplexität der innenpolitischen Debatten in Polen – und nicht um irgendeine angeblich falsche Position der Ukraine.

Ebenso aufschlussreich ist die Perspektive der Nachbarländer, die der Bericht aus einem Dutzend europäischer Hauptstädte zusammenträgt.

In Prag werden die innerpolnischen Konflikte offen als Gefahr für die Berechenbarkeit der gesamten Region bezeichnet. Man weist darauf hin, dass Warschau zunehmend die Fähigkeit verliere, mit einer Stimme für Mitteleuropa zu sprechen.

In Belgrad spricht man bereits von einem „Kalten Krieg“ an der Spitze der Staatsführung.

Berlin und Paris reagieren gelassener. Die Franzosen erinnern daran, dass sie selbst mehrere Phasen der Kohabitation erlebt hätten, ohne dass der Staat daran zerbrochen wäre. Die Deutschen betonen, Polen sei für sie inzwischen unverzichtbar geworden, und keine innenpolitischen Streitigkeiten würden daran etwas ändern.

Allen Einschätzungen gemeinsam ist jedoch folgender Gedanke: Solange es sich um innere Angelegenheiten Polens handelt, bleibt es eine polnische Angelegenheit. Sobald jedoch externe Akteure beginnen, mit einem Machtzentrum gegen das andere zu spielen – und Washington tut dies nach Einschätzung des im Bericht zitierten Analysten bewusst, indem es den Präsidenten unter Umgehung der Regierung bevorzugt –, hört der Konflikt auf, ausschließlich ein polnisches Problem zu sein.

Zum Schluss versuchen die Autoren, den Konflikt nicht nur zu beschreiben, sondern auch messbar zu machen.

Ihr „Spannungsmesser“ bewertet jede Auseinandersetzung anhand von drei Kriterien: institutionelles Gewicht, Intensität der Rhetorik und tatsächliche Folgen.

Das Ergebnis: Innerhalb von zehn Monaten fiel der Spannungsindex kein einziges Mal auf das Niveau eines wirklichen Waffenstillstands. In acht der zehn Monate übertraf die Schärfe der Rhetorik die tatsächlichen Konsequenzen deutlich. Es handelt sich also vor allem um einen Krieg der Narrative, der sich nur gelegentlich, dann aber schmerzhaft, in Vetos und blockierten Ernennungen konkretisiert.

Für die Ukraine ergeben sich daraus zwei praktische Schlussfolgerungen.

Die erste haben wir bereits verstanden: Man kann nicht mehr davon ausgehen, dass die polnische Unterstützung automatisch dieselbe bleibt wie unter Präsident Duda. Sie ist inzwischen Gegenstand des innenpolitischen Machtkampfes in Polen und nicht länger der kleinste gemeinsame Nenner der beiden Machtzentren.

Wir müssen diese innerpolnischen Konflikte berücksichtigen, Polen nicht mutwillig provozieren – denn sonst verlieren wir Verbündete –, zugleich aber unsere eigenen nationalen Interessen nicht preisgeben. Mit kühlem Kopf sollten wir darauf warten, dass unser engster Verbündeter die Kraft findet, politisch reifer zu werden.

Die zweite Schlussfolgerung ist grundsätzlicher.

Ein Konflikt zwischen zwei Zentren der Exekutive, in den sich externe Akteure einmischen und sich jeweils den für sie günstigeren „Palast“ aussuchen, stellt für jedes Land mit einer doppelten Exekutive ein ernstzunehmendes Risiko dar – auch für unseres.

Streitigkeiten, die zunächst wie harmlose politische Debatten erscheinen, führen unweigerlich zu regionalen Spannungen, zum Verlust von Chancen und zur Schwächung des politischen Potenzials.

Kurz gesagt: Das sind Fehler anderer, aus denen wir selbst lernen sollten.

Anlage:

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Autor: Artem Bidenko
Veröffentlichung: 07.07.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Russland wird Polen angreifen | Vitaly Portnikov. 03.07.2026.

Die Zeitung Telegraph behauptet, dass die Vereinigten Staaten Polen vor einem möglichen russischen Angriff auf das Territorium des Landes gewarnt haben. Ein russischer Angriff könnte sowohl in Form von Drohnenangriffen auf die kritische Infrastruktur der Republik Polen erfolgen als auch – im schlimmsten Fall – als hybrider Angriff mit dem Eindringen russischer Militäreinheiten auf polnisches Staatsgebiet unter dem einen oder anderen Vorwand.

Die Amerikaner gehen davon aus, dass die Russen überzeugt sind, Polen werde auf einen solchen russischen Angriff nicht mit militärischer Gewalt reagieren, sondern versuchen, Verhandlungen mit Russland aufzunehmen.

Damit wird nun auch auf Ebene der Nachrichtendienste bestätigt, worauf ich in den vergangenen Monaten immer wieder hingewiesen habe. Die Logik des russisch-ukrainischen Krieges selbst verlangt aus Sicht des Kremls nach einer Ausweitung des Krieges.

Sie können das selbst gut nachvollziehen. In Russland ist man überzeugt, die Ukraine aus eigener Kraft besiegen und der Existenz unserer Staatlichkeit ein Ende setzen zu können. Das Einzige, was Putin bei diesen ehrgeizigen Plänen eines Abnutzungskrieges im Wege steht, ist die europäische Unterstützung für die Ukraine. Russland führt somit keinen Krieg gegen eine einzelne ehemalige Sowjetrepublik, sondern gegen den gesamten Westen – heute gegen die gesamte Europäische Union. Und die einzige reale Möglichkeit, die Lage zu seinen Gunsten zu verändern, wenn man den Krieg möglichst rasch zu russischen Bedingungen beenden möchte, besteht darin, der Ukraine die europäische Unterstützung zu entziehen.

Politische Instrumente, um Druck auf die europäischen Regierungen auszuüben, besitzt Russland – insbesondere nach der Niederlage Viktor Orbáns bei den Parlamentswahlen – nicht mehr. Deshalb müssen die gesellschaftlichen Stimmungen in Europa verändert werden, um jene Politiker zu stärken, die betonen werden, dass die europäischen Länder ohne Vereinbarungen mit Moskau dazu verurteilt seien, den Krieg auf ihr eigenes Territorium kommen zu sehen. Und damit diese Politiker Recht behalten, muss der Krieg tatsächlich auf dieses Territorium gelangen.

Zugleich muss gezeigt werden, dass die Vereinigten Staaten nicht bereit sind, ihre europäischen Verbündeten aktiv vor einem russischen Angriff zu schützen. Das bedeutet, dass das Zeitfenster für eine russische Aggression gegen Länder wie Polen oder die baltischen Staaten genau dann besteht, wenn sich Donald Trump im Oval Office befindet. Unter den Bedingungen einer deutlichen Schwächung seiner politischen Positionen in der Welt infolge des iranischen Fiaskos wird er kaum bereit sein, auch noch einen offenen Konflikt mit der Russischen Föderation zu riskieren – einen Konflikt, der ebenfalls unvorhersehbare Folgen für die Vereinigten Staaten haben könnte, wenn Washington ebenso unüberlegt und unentschlossen handeln würde wie während des Iran-Krieges.

Damit entstehen für den Präsidenten der Russischen Föderation und für die russische Armee kurzfristige, aber ideale Voraussetzungen für eine Ausweitung des Krieges – zumindest auf das Territorium der Länder Mitteleuropas. Und unter diesen Bedingungen wird der Krieg unvermeidlich. In erster Linie natürlich für Polen, wo sich wichtige Einrichtungen zur militärischen Unterstützung der Ukraine in unserem Widerstand gegen die russische Aggression befinden und wo es zahlreiche Politiker des rechten und ultrarechten Spektrums gibt, die schon heute behaupten, die Ukraine stelle für Polen eine größere Bedrohung dar als Russland.

Das heißt, sie sind zu Separatvereinbarungen mit dem russischen Regime unter dem Deckmantel des Schutzes der nationalen Interessen Polens bereit, ohne zu begreifen – ebenso wenig wie viele Vertreter der ukrainischen politischen Elite und der ukrainischen Gesellschaft dies insbesondere vor dem großen russischen Angriff verstanden haben –, dass jeder Versuch, sich mit der Russischen Föderation zu verständigen, das Raubtier lediglich zu noch härteren und schwereren Angriffen auf das Territorium des feindlichen Staates ermutigt. Mit ihren Erklärungen über die Notwendigkeit, sich mit Putin zu verständigen, stärken sie daher nur Putins Bereitschaft, nicht nur auf ukrainischem, sondern auch auf polnischem Boden Krieg zu führen.

Kann diese Gefahr für Polen oder etwa die baltischen Staaten abgewendet werden? Wenn man ehrlich ist, gibt es dafür keine großen Möglichkeiten. Die Ausweitung des Krieges folgt ihrer eigenen Logik. Und wenn ein Krieg wie der russisch-ukrainische einmal begonnen hat und nicht beendet werden kann, führt er zwangsläufig zu einer Ausweitung auf den gesamten Kontinent.

Man kann jedoch die militärischen Fähigkeiten der Russischen Föderation schwächen, der Ukraine entschlossener helfen und uns sowohl Flugabwehrsysteme als auch Raketen liefern, mit denen das russische militärisch-industrielle Potenzial zerstört, die Zahl russischer Raketen und Drohnen verringert und damit technische Schwierigkeiten für weitere Angriffe auf das Territorium Polens und anderer Staaten der Europäischen Union geschaffen werden. Das wäre ein weitaus richtigerer Schritt in die notwendige Richtung als historische Streitigkeiten zwischen Warschau und Kyiv, das Aberkennen von Orden und andere sinnlose Aktivitäten auf der Ebene des Präsidenten der Republik Polen und bestimmter Vertreter der polnischen politischen Elite.

Wie in der Ukraine im Jahr 2022 begreifen auch in Warschau im Jahr 2026 viele Menschen schlicht nicht, dass ihr Land in die letzten friedlichen – wenn nicht Monate, dann Jahre – seiner Existenz eingetreten ist und unter der Bedrohung von Angriffen durch die räuberische Russische Föderation steht sowie vor der Notwendigkeit, seine Bevölkerung vor solchen Angriffen zu schützen.

Schützen kann man sich nur durch euro-atlantische Solidarität und durch die Suche nach realen statt mythischen Bündnissen – denn all jene Bündnisse, die Polen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion geschlossen hat, sowie die Hoffnung, die euro-atlantische Integration werde zu jenem Schutzschirm werden, der einen neuen Krieg auf polnischem Boden unmöglich macht, haben sich in Mythen verwandelt. Schon jetzt lässt sich sagen, dass dieser Schutzschirm eher wie ein Accessoire zur Selbstberuhigung aussieht als wie ein tatsächliches Instrument, das uns mit Sicherheit sagen ließe, dass wir in den kommenden Monaten oder den nächsten Jahren kein brennendes Polen erleben werden.


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Titel des Originals: Росія нападе на Польщу | Віталій Портников. 03.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.07.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Der Moment nach Putin. Vitaly Portnikov. 30.06.2026.

Моментът след Путин. Виталий Портников. 30.06.2026.

Nähert sich nach fünf Jahren Krieg wirklich ein Wendepunkt?

Fünf Jahre sind genug Zeit, um eine einfache Sache zu verstehen: Der Wendepunkt in diesem Krieg hängt nicht von der militärischen Lage an der Front ab, sondern vom wirtschaftlichen Zustand Russlands. Putin kann eskalieren, so viel er will – aber Eskalation kostet Geld. Und das Geld wird immer weniger.

Und hier ist wichtig zu verstehen, was jetzt geschieht. Die Angriffe der Ukraine auf die russische Ölinfrastruktur – Häfen, Raffinerien, Logistikknotenpunkte – und auf den militärisch-industriellen Komplex Russlands zeigen bereits eine reale Wirkung. Die Öleinnahmen des Kremls sinken. Die Waffenproduktion wird erschwert. Das ist keine Metapher und keine Propaganda – das sind Zahlen, die Reuters, Foreign Affairs und russische Beamte selbst in geschlossenen Sitzungen bestätigen.

Der Wendepunkt wird nicht dann eintreten, wenn Putin beschließt aufzuhören, sondern dann, wenn er nicht mehr weitermachen kann. Das sind verschiedene Dinge. Und dank der ukrainischen Angriffe auf das Herz der russischen Kriegswirtschaft ist Letzteres deutlich näher, als es scheint.

Was ist das eigentliche Ziel der russischen Provokationen in Rumänien und im Baltikum – Einschüchterung oder offener Konflikt?

Weder das eine noch das andere – und zugleich beides. Russland will keinen offenen Konflikt mit der NATO – das würde seine Vernichtung bedeuten. Aber es will die Grenzen kennen, wo das Bündnis stoppen wird, wo es Angst bekommen wird, wo es beginnen wird, sich zu rechtfertigen, statt zu handeln.

Und hier gibt es eine gefährliche Asymmetrie. Russland testet – die NATO reagiert zurückhaltend, erklärt, beruhigt. Der Kreml liest das nicht als Besonnenheit, sondern als Schwäche. Und beim nächsten Mal geht er ein Stück weiter. Genau eine solche vorsichtige Reaktion ermutigt Moskau zu neuen Provokationen, wie die jüngste Geschichte mit dem Auftauchen einer russischen Drohne im Luftraum Rumäniens anschaulich gezeigt hat. Das Bündnis reagierte zurückhaltend. Russland merkt sich das.

Das ist keine Vorbereitung auf einen großen Krieg, sondern eine Vorbereitung darauf, dass sich die NATO an Verletzungen gewöhnt und überhaupt nicht mehr darauf reagiert.

Das gefährlichste Szenario ist nicht jenes, in dem Russland ein NATO-Land offen angreift, sondern jenes, in dem es dies so schrittweise tut, dass der Moment, in dem man hätte reagieren müssen, bereits vorbei ist.

Sind Szenarien einer „schleichenden“ Eskalation im Baltikum oder rund um den Suwałki-Korridor realistisch?

Russland wird ein NATO-Land nicht im klassischen Sinne dieses Wortes angreifen – mit Kriegserklärung und großangelegter Invasion. Das wäre Selbstmord, und im Kreml versteht man das sogar jetzt, da Putins Zurechnungsfähigkeit immer mehr Fragen aufwirft.

Aber es gibt ein anderes Szenario, und es ist deutlich realistischer. Langsam, Schritt für Schritt, die Grenzen dessen verwischen, was als Angriff gilt. Ein Zwischenfall auf See. Eine Drohne über dem Territorium eines Bündnismitglieds. Eine Provokation am Suwałki-Korridor. Jedes Mal reagiert die NATO zurückhaltend, und Moskau zieht den Schluss, dass auch der nächste Schritt toleriert werden wird.

Der Suwałki-Korridor ist ein eigenes und sehr ernstes Thema. Er ist die einzige Landverbindung zwischen Polen und den baltischen Staaten. Wenn Russland ihn gemeinsam mit Belarus blockiert, ist das formal kein Angriff auf die NATO. Aber es ist die faktische Isolierung dreier Bündnisstaaten. Und was wird das Bündnis dann tun? Das ist die Frage, auf die Brüssel bis heute keine klare Antwort hat.

Welche Faktoren könnten Putin zwingen, seine absurden Bedingungen für einen Waffenstillstand aufzugeben?

Putin wird seine Bedingungen nicht freiwillig aufgeben. Das muss man klar und ohne Illusionen verstehen. Er kann sie verschweigen, verschieben, anders formulieren – aber nicht aufgeben, denn für ihn ist das keine Verhandlungsposition, sondern ein ideologisches Fundament.

Ihn zu einer Änderung seiner Position zwingen kann nur eines: der Mangel an Ressourcen zur Fortsetzung des Krieges. Und hier kehren wir wieder zur Wirtschaft zurück. Die Angriffe auf die Ölinfrastruktur, der Rückgang der Einnahmen, die Erschöpfung des militärisch-industriellen Komplexes – all das verengt Putins Handlungsspielraum schrittweise.

Bedingungen für ein Ende der intensiven Phase des Krieges existieren, aber nicht durch Verhandlungen, sondern durch den Moment, in dem Russland physisch nicht mehr in der Lage sein wird, das heutige Niveau der Kampfhandlungen aufrechtzuerhalten. Das ist keine Frage von Putins Wunsch. Es ist eine Frage seiner Möglichkeiten. Und gerade deshalb ist es so wichtig, den Druck nicht zu verringern – weder den sanktionspolitischen noch den militärischen –, in dem Moment, in dem er reale Ergebnisse zu zeigen beginnt.

Welcher Kompromiss wäre für die Ukraine beim Abschluss eines Waffenstillstands zulässig – besonders unter äußerem Druck, und welche Risiken bestehen für das Land?

Das ist keine Frage an mich – das ist eine Frage an die ukrainische Gesellschaft und an die ukrainische Führung. Ich habe kein Recht zu entscheiden, welcher Kompromiss für ein Land zulässig ist, das kämpft und Menschen verliert. Das wäre anmaßend von jedem Kommentator – unabhängig davon, wie nah er der Ukraine steht.

Aber ich kann sagen, was unzulässig ist. Unzulässig ist jeder Waffenstillstand, der Russland die Möglichkeit lässt, den Krieg nach einigen Jahren unter für Russland günstigeren Bedingungen wieder aufzunehmen. Unzulässig ist ein Waffenstillstand ohne reale Sicherheitsgarantien – keine Versprechen, sondern rechtlich bindende Garantien mit einem Mechanismus zu ihrer Umsetzung. Und unzulässig ist Druck auf Kyiv, Bedingungen zu akzeptieren, die Moskau später als Brückenkopf für den nächsten Schlag nutzen wird.

Die Risiken sind offensichtlich. Wenn die Ukraine unter Druck territoriale Zugeständnisse macht, ist das kein Frieden, sondern eine Pause. Russland wird sie zur Wiederaufrüstung nutzen und zurückkehren. Dieses Szenario haben wir bereits 2014–2022 gesehen. Es zu wiederholen wäre ein Verbrechen – sowohl gegenüber der Ukraine als auch gegenüber ganz Europa.

Was halten Sie von den Berichten über einen „Verlust des Glaubens“ an Putin und Umgruppierungen innerhalb der Kreml-Elite?

Ich würde diese Berichte weder zurückweisen noch überschätzen. Ja, in Putins Umfeld existiert Unzufriedenheit. Das ist keine Erfindung westlicher Analysten – das bestätigen sowohl Gespräche russischer Nomenklaturvertreter mit westlichen Journalisten als auch bestimmte Signale, die aus Russland selbst kommen.

Aber man muss die Natur dieser Unzufriedenheit verstehen. Diese Menschen sind nicht mit dem Krieg als solchem unzufrieden – sie sind damit unzufrieden, dass Putin ihn ineffektiv und inadäquat führt. Sie teilen dasselbe imperiale Programm und wollen dasselbe Ergebnis. Sie würden es nur gern mit geringeren Verlusten und größerer Vorhersehbarkeit erreichen.

Deshalb ist es verfrüht, von irgendeinem Putsch oder Kurswechsel zu sprechen. Diese Menschen haben Angst vor Putin und werden nicht handeln, solange sie nicht spüren, dass er wirklich schwach ist. Und wenn sie es spüren – falls sie es spüren –, kann alles sehr schnell gehen. Die russische Geschichte kennt solche Präzedenzfälle. Doch bisher beobachten wir Unzufriedenheit ohne Handlung. Und das ist keine politische Kraft. Das ist nur eine Stimmung.

Kann Putin davon überzeugt werden, dass er die Ukraine verloren hat? Oder könnten die Strukturen in Moskau seine neoimperiale Doktrin irgendwann aufgeben?

Putin kann nicht überzeugt werden – er kann nur gestoppt werden. Das ist ein grundsätzlicher Unterschied. Ein Mensch, der fest glaubt, dass es kein ukrainisches Volk gibt, dass die Ukraine ein künstliches Gebilde ist, dass er eine historische Mission erfüllt – ein solcher Mensch ändert seine Meinung nicht unter dem Einfluss von Argumenten. Er ändert sein Verhalten nur unter dem Einfluss der Umstände.

Aber es gibt eine tiefere Frage: Wird sich Russland nach Putin verändern? Und hier muss ich ehrlich sein: nicht automatisch und nicht schnell. Die neoimperiale Doktrin ist keine Erfindung Putins – sie ist ein Produkt der russischen politischen Kultur, die sich über Jahrhunderte herausgebildet hat. Putin hat sie nicht geschaffen – er hat sie genutzt und verstärkt.

Veränderung ist möglich, aber nur durch ein tiefes Trauma der Niederlage und durch Generationen, die in einem anderen Kontext aufwachsen werden. Deutschland veränderte sich nach 1945 – aber dafür waren die vollständige militärische und moralische Vernichtung des NS-Regimes und Jahrzehnte der Entnazifizierung unter äußerer Kontrolle notwendig. Russland hat bisher nichts Vergleichbares durchlaufen. Und solange es das nicht durchläuft, sollte man nicht auf einen organischen Verzicht auf imperiale Ambitionen setzen.

Russland will ein „Zivilisationsstaat“ und die Metropole des Eurasianismus sein. Sie haben erklärt, dass Russland dies durch die Konfrontation mit dem Westen erreichen will, ohne sich damit abzufinden, lediglich ein asiatischer Staat zu sein. Ist das möglich?

Das ist ein schönes Konzept – und völlig lebensunfähig. Russland kann aus einem einfachen Grund keine Metropole des Eurasianismus sein: Es verfügt dafür weder über das wirtschaftliche Potenzial noch über kulturelle Anziehungskraft oder realen Einfluss auf die Länder, die es anführen müsste.

Schauen Sie sich die sogenannte eurasische Peripherie an. Kasachstan distanziert sich immer stärker von Moskau und sucht seinen eigenen Weg. Aserbaidschan verfolgt eine völlig unabhängige Politik. Selbst Belarus, dessen Machthaber Alexander Lukaschenko buchstäblich auf russischen Bajonetten sitzt, versucht zumindest formale Souveränität zu bewahren und blickt nach Peking als Gegengewicht zu Moskau.

China ist hier das Schlüsselwort. Die wirkliche Metropole des Eurasianismus ist Peking und nicht Moskau. Und Russland versteht das, kann es aber nicht eingestehen, denn die Anerkennung dieser Tatsache würde das Ende des gesamten Konzepts des „Zivilisationsstaates“ bedeuten.

Die Konfrontation mit dem Westen macht Russland nicht zum eurasischen Zentrum – sie macht es zum Juniorpartner Chinas. Und das ist genau das Gegenteil dessen, wovon Putin träumt. Der eurasische Traum Moskaus endet dort, wo die chinesische Realität beginnt.

Mit welchen Realitäten wird Russland bei einem möglichen Ende der Kampfhandlungen oder sogar schon davor konfrontiert sein? Welche Prozesse erwarten Sie?

Russland ist bereits mit einem Teil dieser Realitäten konfrontiert und versucht, sie nicht wahrzunehmen. Eine demografische Katastrophe – Hunderttausende Tote, Verwundete und Emigranten. Wirtschaftliche Erschöpfung – Inflation, sinkende Realeinkommen, ein Haushaltsdefizit, das auf Kosten künftiger Generationen gedeckt wird. Technologischer Rückschritt – der Abzug westlicher Unternehmen und Technologien, für die es keinen Ersatz gibt.

Doch das schwerwiegendste Problem ist politischer Natur. Putin und der FSB haben ein System geschaffen, das auf einem einzigen Menschen und auf Angst beruht. Wenn dieser Mensch geht – und früher oder später wird er gehen –, könnte sich das System nicht geordnet transformieren. Es wird entweder zusammenbrechen oder sich im Machtkampf zwischen jenen drei Kräften, von denen ich bereits gesprochen habe – dem FSB, dem FSO und der Armee –, in etwas noch Brutaleres verwandeln.

Der gefährlichste Moment für Russland und für die Welt ist nicht der Krieg selbst. Es ist die Zeit nach Putin, wenn Menschen mit Atomwaffen und ohne klare Legitimität die Macht in einem Atomstaat unter sich aufteilen werden. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass der Westen schon jetzt nicht nur darüber nachdenkt, wie der Krieg beendet werden kann, sondern auch darüber, was danach mit Russland geschehen soll.

Wo wird Russland weiterhin versuchen, Einfluss auszuüben, und wie erfolgreich könnten diese Versuche nach dem Scheitern seiner großimperialen Ambitionen sein?

Russland wird seine Versuche, Einfluss auszuüben, nicht aufgeben – selbst geschwächt, selbst nach einer Niederlage. Das liegt in der Natur des Regimes. Die einzige Frage ist, welche Instrumente ihm dafür noch zur Verfügung stehen werden.

Das militärische Instrument wird erheblich eingeschränkt sein – die Armee ist erschöpft, die Technik zerstört, die personellen Ressourcen gehen zur Neige. Der Wiederaufbau echter militärischer Stärke erfordert Jahrzehnte und Geld, das nicht vorhanden sein wird.

Doch es gibt andere Instrumente. Die Energie – solange Russland Öl und Gas verkauft, verfügt es über einen Hebel. Desinformation und hybrider Krieg – das ist billig und effektiv, und hier hat Moskau erhebliche Erfahrungen gesammelt. Die Unterstützung prorussischer Bewegungen und Parteien in Europa – auch das wird nicht verschwinden.

Geografisch wird sich Russland auf das konzentrieren, was in seiner Reichweite bleibt – Zentralasien, den Südkaukasus und Afrika, wo es bereits aktiv über die Wagner-Gruppe und deren Nachfolger operiert. Doch auch dort wird es verdrängt – von China in Zentralasien, von der Türkei im Südkaukasus und von verschiedenen Akteuren in Afrika.

Gesondert sollte man über den Balkan sprechen. Russland wird erhebliche Anstrengungen unternehmen, dort über prorussische Kräfte in Serbien, Bulgarien und Nordmazedonien präsent zu bleiben. Der Balkan ist eine traditionelle russische Einflusszone, und Moskau betrachtet ihn als Brückenkopf innerhalb Europas. Gerade deshalb sind Wahlen in diesen Ländern und die Stärkung prorussischer Parteien keine rein inneren Angelegenheiten dieser Staaten. Sie sind Teil der russischen Strategie.

Nach dem Scheitern seiner großimperialen Ambitionen läuft Russland Gefahr, sich in einen Regionalstaat zu verwandeln, der vorgibt, weiterhin global zu sein. Das ist eine gefährliche Kombination, denn solche Staaten kompensieren den Verlust realen Einflusses gewöhnlich durch Aggressivität und Unberechenbarkeit.

Warum erwies sich Russlands hybrider Krieg gegen Europa als so erfolgreich?

Weil Europa lange Zeit nicht glauben wollte, dass dieser Krieg überhaupt geführt wird. Das ist der Hauptgrund. Russland griff ganz offen an – über soziale Netzwerke, durch die Finanzierung von Parteien, durch Energieerpressung, durch Desinformation –, während Europa sich jahrelang selbst einredete, es handle sich lediglich um „unterschiedliche Sichtweisen“ und „komplizierte Geopolitik“.

Der zweite Grund ist, dass Russland auf reale Probleme setzt. Es erfindet die Unzufriedenheit der Europäer nicht – es findet sie und verstärkt sie. Ungleichheit, Migration, Identitätsverlust, Misstrauen gegenüber den Eliten – all das existierte schon vor Russland. Moskau hat lediglich gelernt, diese Risse in Abgründe zu verwandeln.

Der dritte Grund ist die Asymmetrie. Russland gibt für die Destabilisierung Europas nur einen Bruchteil dessen aus, was Europa für seinen Schutz aufwendet. Ein paar Trollfabriken, einige bestochene Politiker, einige Medienprojekte – und das Ergebnis ist unverhältnismäßig groß.

Und schließlich handelt Russland geduldig. Es wartet nicht auf sofortige Ergebnisse. Es sät jahrelang Zwietracht und erntet dann, wenn eine Krise entsteht – eine Energiekrise, eine Migrationskrise oder eine Wirtschaftskrise. Dann stellt sich heraus, dass es in jedem europäischen Land bereits Stimmen gibt, die genau das sagen, was Moskau hören möchte.

Warum fanden russische hybride Narrative – über „traditionelle Werte“, ein „Europa der Vaterländer“ usw. – eine solche Übereinstimmung mit der Welle der extremen Rechten?

Das ist weder Zufall noch bloße Übereinstimmung. Es ist eine bewusste Strategie – und sie begann lange bevor die meisten Analysten sie bemerkten.

Russland erkannte eine einfache Wahrheit: Die liberale Demokratie ist nicht von außen verwundbar, sondern von innen. Sie kann nicht mit Panzern besiegt werden, aber sie kann durch ihre eigenen Werte untergraben werden. Meinungsfreiheit. Offenheit. Toleranz gegenüber unterschiedlichen Ansichten. Und Moskau begann, Narrative zu produzieren und zu verbreiten, die genau diese Offenheit gegen das System selbst richten.

„Traditionelle Werte“ sind die ideale Waffe. Sie sprechen das reale Gefühl des Verlustes an, das Millionen Menschen in Europa und Amerika empfinden. Die Globalisierung hat die vertraute Welt verändert – und Russland bietet eine einfache Antwort: Schuld sind die Liberalen, die Globalisten, die Eliten. Das ist dasselbe populistische Narrativ, das man auch bei Trump, Orbán und Le Pen findet. Moskau hat es nicht erfunden, verstärkt und finanziert es jedoch aktiv.

„Europa der Vaterländer“ ist überhaupt eine alte französische Idee, die Russland einfach übernommen und für seine eigenen Bedürfnisse umgefärbt hat. Ein gespaltenes Europa ohne gemeinsame Außenpolitik – genau das braucht Moskau. Und es hat Verbündete gefunden, die aufrichtig an diese Ideen glauben – oder zumindest so tun.

Wie sehen aus Kyiv die neue politische Rolle von Rumen Radew und die Veränderungen der politischen Landschaft Bulgariens aus?

Ich habe Radew bereits kommentiert, und meine Position hat sich nicht geändertp. Er ist nicht Orbán und wird auch keiner werden. Nicht, weil er proeuropäisch wäre – das ist er nicht –, sondern weil ihm die Instrumente dafür fehlen.

Orbán konnte es sich leisten, Orbán zu sein, weil er über eine verfassungsändernde Mehrheit und die vollständige Kontrolle über die staatlichen Institutionen verfügte. Radew hat das nicht. Um überhaupt irgendeine reale Politik umzusetzen – sei es eine innenpolitische Reform oder selbst der Austausch des Generalstaatsanwalts –, braucht er die Unterstützung der proeuropäischen Kräfte. Und diese erinnern sich an seine Präsidentschaft.

Aus Kyiv sieht das wie eine Situation aus, in der ein Mensch mit prorussischen Sympathien sich in Umständen wiederfindet, die es ihm nicht erlauben, diese Sympathien umzusetzen. Bulgarien braucht Geld aus den europäischen Fonds. Der bulgarische militärisch-industrielle Komplex verdient an Lieferungen für die Ukraine. Das ist die reale Wirtschaft – und sie ist stärker als jede Ideologie.

Das Wichtigste, was man verstehen muss, ist Folgendes: Was für Orbán ein Vorwand war – alles zu blockieren und eine Rechtfertigung zu finden –, muss für Radew ein tatsächliches Ziel sein. Wenn er wirklich Reformen in Bulgarien will, muss er mit jenen zusammenarbeiten, die die Ukraine unterstützen. Einen anderen Weg gibt es nicht. Und ich hoffe, dass er das versteht.

Was verfolgt Trump tatsächlich mit seiner Haltung gegenüber der Ukraine? Jetzt ist er durch den Iran abgelenkt, zuvor behauptete er jedoch, eine Annäherung an Moskau habe einen tiefen geostrategischen Sinn – nämlich die Konfrontation mit China?

Trump verfolgt gegenüber der Ukraine keine konsistente Strategie. Was er gelegentlich als Strategie formuliert – Russland und China auseinanderzubringen –, ist keine Strategie. Es ist ein Wunsch. Und noch dazu ein unrealistischer Wunsch.

Russland und China sind keine Verbündeten im klassischen Sinne, aber sie haben ein gemeinsames Interesse: den amerikanischen Einfluss in der Welt zu schwächen. Solange dieses Interesse besteht, wird keine amerikanische Annäherung an Putin ihn dazu bringen, sich von Peking abzuwenden. China ist für Russland heute die wirtschaftliche Lebensader. Es ermöglicht die Umgehung der Sanktionen. Es ist Absatzmarkt für russisches Öl. Auf solche Dinge verzichtet man nicht wegen netter Gespräche mit Trump.

Die eigentliche Triebkraft von Trumps Politik gegenüber der Ukraine ist die amerikanische Innenpolitik. Die Benzinpreise. Die Kriegsmüdigkeit seiner Wählerschaft. Der Wunsch, irgendeinen Sieg zu verkünden – ganz gleich welchen und zu welchem Preis – und anschließend weiterzugehen. Die Ukraine ist in diesem Weltbild weder ein Verbündeter noch ein Wert an sich. Sie ist ein Problem, das gelöst und anschließend vergessen werden soll.

Und genau das ist die gefährlichste aller möglichen Positionen gegenüber einem Land, das um seine Existenz kämpft.

Die neue amerikanische Strategie der nationalen Sicherheit verbirgt ihre Feindseligkeit gegenüber Europa nicht. Welche Politik wäre für den Kontinent die beste – unabhängig von den Entwicklungen in den USA?

Europa hat endlich das bekommen, wovor es sich so lange gedrückt hat – die Verantwortung für seine eigene Sicherheit. Und so seltsam es auch klingen mag: Das könnte sich nicht als Katastrophe, sondern als Chance erweisen.

Die beste Politik für Europa besteht jetzt darin, nicht länger zu warten. Nicht länger auf amerikanische Entscheidungen, amerikanische Genehmigungen oder amerikanische Garantien zu warten. Eine eigene Verteidigungsindustrie aufzubauen – und das geschieht bereits, wenn auch langsamer, als es nötig wäre. Die Ukraine zu unterstützen – nicht, weil Washington das wünscht, sondern weil es im unmittelbaren Interesse Europas selbst liegt.

Eine gemeinsame Außenpolitik zu entwickeln – und genau das ist am schwierigsten. Nicht nur, weil es innerhalb der EU trojanische Pferde gibt. Die Lage hat sich verändert – Orbán hat die Wahlen verloren, und Ungarn kehrt schrittweise zu einer konstruktiveren Position zurück. Aber die Interessen von 27 Staaten mit unterschiedlicher Geschichte, unterschiedlichen Erfahrungen und unterschiedlichem Bedrohungsempfinden miteinander in Einklang zu bringen, ist außerordentlich schwierig. Und genau diese Harmonisierung – nicht einzelne prorussische Stimmen – ist die größte Herausforderung für die europäische Einheit.

Die amerikanische Feindseligkeit gegenüber Europa ist nicht bloß eine Laune Trumps. Sie ist ein Symptom eines tiefergehenden Wandels in der politischen Kultur der Vereinigten Staaten. Und Europa muss seine Politik auf der Grundlage gestalten, dass sich dieser Wandel als dauerhaft erweisen könnte.

Doch eines kann Europa sich nicht leisten: vor russischem Druck aus der Illusion heraus zu kapitulieren, dadurch Stabilität zu gewinnen. Denn Russland versteht Zugeständnisse nicht als Geste des guten Willens, sondern als Einladung zum nächsten Schritt. Das haben wir bereits erlebt – und dürfen es nicht vergessen.

Wird die Ukraine nach allem, was geschehen ist, die Kraft haben, sich zu der von vielen erwarteten neuen Stütze des europäischen Raums zu entwickeln, die dem Druck nicht nur Russlands, sondern auch der USA und Chinas standhalten kann?

Das ist eine Frage, die ich mir ständig stelle. Und ihre Antwort hängt nicht von äußeren Faktoren ab, sondern von der Ukraine selbst.

Die Ukraine hat bereits bewiesen, dass sie kämpfen kann. Das war im Februar 2022 nicht selbstverständlich – selbst für diejenigen, die an sie glaubten. Fünf Jahre Widerstand gegen eine der größten Armeen der Welt – das ist eine Tatsache, die das Bild dieses Landes für immer verändert hat.

Aber eine Stütze Europas zu sein, ist etwas anderes. Das bedeutet nicht nur zu kämpfen, sondern auch aufzubauen. Institutionen. Rechtsstaatlichkeit. Eine Wirtschaft, die attraktiv ist und nicht abschreckt. Und hier hat die Ukraine ernsthafte Probleme, die der Krieg nicht gelöst, sondern teilweise sogar verschärft hat. Doch das ist eine Frage für die Zeit nach dem Krieg. Und ich hoffe, dass die ukrainische Gesellschaft, die diese Prüfung durchgestanden hat, sowohl die Kraft als auch den Willen haben wird, ein neues Land aufzubauen.

Der Druck seitens der USA unter Trump, der mögliche Druck Chinas – all das ist eine Realität, mit der die Ukraine umgehen müssen wird. Und diesem Druck kann sie nur auf eine Weise standhalten: indem sie so eng in die europäischen Strukturen integriert ist, dass Druck auf die Ukraine automatisch zu Druck auf ganz Europa wird.

Werden die Kräfte ausreichen? Ich hoffe es. Aber das ist keine Frage des Schicksals, sondern der Entscheidungen, die jetzt getroffen werden und nach dem Sieg getroffen werden.

Ich verfolge Ihre Kommentare und Prognosen seit einigen Jahren und würde gern wissen: Wann haben Sie sich in Ihrer Einschätzung geirrt?

Ich habe mich mehrere Male geirrt und schäme mich nicht, das zuzugeben. Ein Mensch, der sich niemals irrt, sagt entweder überhaupt nichts oder lügt.

1991 glaubte ich, dass der Zusammenbruch der Sowjetunion und die Ausrufung der Unabhängigkeit der Ukraine nicht so schnell erfolgen würden – und das nur wenige Wochen nachdem der Präsident der Vereinigten Staaten, George Bush, von der Tribüne der Werchowna Rada die ukrainischen Abgeordneten dazu aufgerufen hatte, die erneuerte Sowjetunion Gorbatschows zu unterstützen. Die Geschichte erwies sich als schneller als meine Prognosen.

2014 war ich der Ansicht, dass die Besetzung der Krim zur Ausrufung eines quasiunabhängigen Staates führen würde und nicht zu ihrer Annexion und Eingliederung in die Russische Föderation. Was tatsächlich geschah, erwies sich als eine wahre Katastrophe für die russisch-ukrainischen Beziehungen und für das Völkerrecht insgesamt – eine Katastrophe für Jahrzehnte.

Und schließlich hoffte ich, dass die Menschheit länger in der Lage sein würde, die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg zu bewahren. Dass die Erinnerung an jene Katastrophe eine Wiederholung verhindern würde. Diese Hoffnungen erwiesen sich als vergeblich.

Sehen Sie in der Unberechenbarkeit der heutigen Welt auch etwas Optimistisches? Zum Beispiel scheint es, als funktionierten die Absprachen der „Großen“ und das Zeichnen neuer Grenzen auf Servietten nicht mehr nach Plan.

Das ist zugleich eine optimistische und eine pessimistische Beobachtung. Ja, die Welt ist unberechenbarer geworden. Und ja, die großen Absprachen auf Servietten funktionieren nicht mehr so wie früher. Aber ist das wirklich etwas Gutes?

Das System von Jalta, in dem die Großmächte die Welt über die Köpfe kleiner Völker hinweg aufteilten, war ungerecht und führte letztlich zu dem, was wir heute erleben. Die Ukraine wurde in gewissem Sinne gerade zum Opfer eines solchen Denkens – als man versuchte, über ihr Schicksal ohne sie selbst zu entscheiden.

Andererseits bedeutet Unberechenbarkeit nicht immer Freiheit. Manchmal bedeutet sie einfach Chaos. Und im Chaos überleben nicht unbedingt die Gerechtesten, sondern die Stärksten und Skrupellosesten.

Deshalb gründet sich mein vorsichtiger Optimismus auf etwas anderes – nicht auf die Unberechenbarkeit der Welt, sondern darauf, dass kleine Völker gelernt haben, für sich selbst zu kämpfen. Die Ukraine hat das bewiesen. Und genau das ist die wirkliche Veränderung, die von Bedeutung ist. Denn letztlich wird Geschichte nicht durch Absprachen auf Servietten gemacht, sondern durch Menschen und Völker, die sich weigern, fremde Entscheidungen über ihr eigenes Schicksal hinzunehmen.


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Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Моментът след Путин. Виталий Портников. 30.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 30.06.2026.
Originalsprache: bg
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Nicht alles auf einen einzigen Mann setzen. Vitaly Portnikov. 20.06.2026.

Don’t Bet Everything on One Man. Vitaly Portnikov. 20.06.2026.

Während praktisch des gesamten US-Präsidentschaftswahlkampfs 2024 und des ersten Jahres der neuen Präsidentschaft Donald Trumps musste ich mich buchstäblich gegen meine amerikanischen und israelischen Bekannten verteidigen, die mich davon zu überzeugen versuchten, dass meine Kritik am neuen amerikanischen Präsidenten ausschließlich mit seinem hartnäckigen Unwillen zusammenhänge, der Ukraine zu helfen, und mit seiner Abkehr vom Ansatz der vorherigen Regierung. Währenddessen sei die Präsidentschaft Trumps für Israel das vorteilhafteste politische Projekt der Geschichte – wie Premierminister Benjamin Netanyahu ohne jede Andeutung erklärte.

Darauf antwortete ich stets, dass ich nur an Partnerschaften glaube, die auf Werten beruhen, nicht auf Vorteilen. Wenn Menschen gemeinsame Werte haben, wenn Staaten gemeinsame Werte haben, dann werden sie auch gemeinsame Ansätze verfolgen. Fehlen diese gemeinsamen Werte jedoch, kann sich der Kurs jederzeit und gegenüber jedem ändern.

Ich ging davon aus, dass die Regierung von Joseph Biden die Ukraine nicht deshalb unterstützte, weil sie an Bodenschätzen oder an einer Stärkung der amerikanischen Rolle in Europa interessiert war, sondern weil sie den Vorrang des Völkerrechts verteidigen wollte, die Unmöglichkeit der Annexion fremder Gebiete und die Unzulässigkeit, dass ein Großstaat einem Nachbarland seine Vorstellungen von dessen Zukunft aufzwingt. Genau das ist die Rolle der Vereinigten Staaten als Führungsmacht der demokratischen Welt: nicht die Kontrolle über fremdes Öl oder fremde Mineralien anzustreben, sondern zur Aufrechterhaltung einer zivilisierten Weltordnung beizutragen. Denn nur in einer solchen zivilisierten Welt können sich die Vereinigten Staaten sicher fühlen.

Ich war der Ansicht, dass auch im Fall Israels genau ein solcher Ansatz gelten sollte. Die Vereinigten Staaten sollten Israel aufgrund seines Existenzrechts unterstützen und es gegen jene verteidigen, die ihm dieses Recht absprechen. Es geht dabei nicht um die Kontrolle über iranisches Öl oder um amerikanischen Einfluss in der Region. Es geht vor allem um Gerechtigkeit, um einen friedlichen Nahen Osten, in dem Menschen nicht Krieg führen, sondern gemeinsam eine zivilisierte Zukunft aufbauen.

Ich möchte außerdem daran erinnern, dass der vorherige Präsident praktisch seine eigenen Chancen und die Chancen seiner Mitstreiter auf eine Wiederwahl opferte, als er sich weigerte, Israel während des Gaza-Krieges scharf zu verurteilen – trotz der zunehmenden Radikalisierung in seiner eigenen Partei und unter seinen eigenen Wählern. Denn wer für Werte eintritt, darf Niederlagen nicht fürchten.

Mir schien, dass dies ein universeller Ansatz sei. Dass politisches Scheitern unvermeidlich wird, wenn man ihn nicht befolgt. Geirrt habe ich mich nicht in diesem Verständnis selbst, sondern darin, dass ich davon ausging, Menschen in Politik, Journalismus und Wirtschaft würden ähnlich denken. Es stellte sich jedoch heraus, dass viele von ihnen im wahrsten Sinne des Wortes ihre moralischen Orientierungspunkte verloren haben – und sogar ihren geschäftlichen Instinkt.

Das erste Alarmsignal ertönte nicht einmal, als Donald Trump den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky im Oval Office zurechtwies. Tatsächlich wurde der Punkt ohne Wiederkehr bereits überschritten, als amerikanische Fallschirmjäger den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro festnahmen – und in Washington dennoch niemand auch nur daran dachte, die venezolanische Demokratie wiederherzustellen oder die Macht denjenigen zu übergeben, die die letzten Wahlen in diesem Land gewonnen hatten. Als Trump sich als Partner des venezolanischen autoritären Regimes erwies und von Oppositionsführerin María Machado sogar die Medaille eines Friedensnobelpreisträgers zurückforderte.

Schon damals hätte eigentlich klar sein müssen: Wer bereit ist, mit dem venezolanischen Regime Geschäfte zu machen, kann jederzeit auch mit dem iranischen Regime Geschäfte machen – sofern dieses überlebensfähig bleibt und seinen Willen durchsetzen kann. Wenn das Hauptinteresse darin besteht, die eigene Macht zu demonstrieren und an iranisches Öl zu gelangen, dann lassen sich politische Prioritäten jederzeit neu ordnen.

Die Ukraine hat nach dem Konflikt zwischen Trump und Zelensky und nach dem Rückfahren der intensiven amerikanischen Unterstützung gelernt, ohne diese Unterstützung zu überleben. Das geschah nicht zuletzt dank des komplexen Bündnissystems, das Kyiv nach dem russischen Angriff aufzubauen begann. Die Ukraine hätte sich allerdings auch anders verhalten können. Bereits unter der Regierung Biden hätte sie alle Eier in den amerikanischen Korb legen können – und wäre dann nach Trumps Absage hilflos und orientierungslos dagestanden. Heute bombardieren ukrainische Drohnen russische Städte, während amerikanische Militärs versuchen, von ihren ukrainischen Kollegen den Kampf gegen Drohnen zu lernen. Das ist es, was tatsächlich geschehen ist.

Man könnte mir entgegenhalten, dass die Ukraine europäische Verbündete hat, während Israel auf niemanden zählen könne. Dabei ist die gesamte Geschichte des jüdischen Staates ein lebendiges Beispiel dafür, wie man komplexe Systeme situativer Bündnisse aufbaut und keine Angst davor hat, von einer Vereinbarung zur nächsten überzugehen, wenn sich ein Verbündeter als unzuverlässig erweist. Wie logisch war es also, das gesamte Bündnissystem Israels nicht einmal auf die Beziehungen zu einem einzigen Staat, sondern auf die Beziehungen zu einem einzigen Menschen zu reduzieren – noch dazu zu einem älteren und launischen Menschen? Bereits die Niederlage Donald Trumps bei den vorherigen Präsidentschaftswahlen hätte Benjamin Netanyahu und die israelische Elite von der Gefahr überzeugen müssen, ihren gesamten Einsatz auf Zero zu setzen. Doch Trumps Rückkehr ins Oval Office hat diesen Ansatz, Politik wie ein Glücksspiel im Kasino zu betreiben, wiederbelebt.

Welcher Ausweg bleibt also aus der gegenwärtigen Situation?

Erstens muss man aufhören, in der Illusion zu leben, Donald Trump werde zur Vernunft kommen, Israel wieder lieben, den Iran angreifen und all das tun, was Netanyahu oder Smotrich von ihm erwarten. Ja, die internationale Lage kann sich so entwickeln, dass die Vereinigten Staaten erneut in einen Konflikt mit dem Iran geraten. Doch in jedem solchen Konflikt wird Trump in erster Linie seine eigenen Interessen verfolgen und erst danach die Interessen Israels.

Zweitens muss man zu einem Ansatz zurückkehren, der es Israel erlaubt, eigenständig Maßnahmen für seine Sicherheit zu ergreifen, ohne ständig auf die Vereinigten Staaten zu blicken. Israel ist kein Überseegebiet der Vereinigten Staaten. Die Juden, die möchten, dass ihre Zukunft vom Präsidenten der Vereinigten Staaten bestimmt wird, leben in den Vereinigten Staaten. Die Juden, die in einem Nationalstaat leben wollen, leben in Israel – und dürfen nicht von den Launen des Weißen Hauses oder irgendeiner anderen ausländischen Regierung abhängig sein. Jeder gegenteilige Ansatz setzt faktisch der Idee des Zionismus selbst ein Ende. Israel ist, um es mit den Worten Vladimir Jabotinskys auszudrücken, ein Staat und kein nationales Zentrum, das von Ausländern regiert wird.

Drittens muss die israelische Gesellschaft die Bedeutung einer Partnerschaft auf Grundlage gemeinsamer Werte begreifen – und nicht die einer Zweckehe oder gar einer Liebesheirat, selbst wenn diese Liebesheirat mit der Tochter eines Präsidenten geschlossen wird. Ohne den Ruf eines demokratischen Staates im Nahen Osten – eines Staates, der selbst existieren will und anderen ihr Existenzrecht nicht abspricht – hat Israel schlicht keine Chance, situative Bündnisse neu zu schließen und sich eine sichere Zukunft zu sichern. Und genau das scheint mir die wichtigste Lehre Donald Trumps zu sein.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Don’t Bet Everything on One Man. Vitaly Portnikov.20.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 20.06.2026.
Originalsprache: en
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext: Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach, veröffentlicht auf uebersetzungenzuukraine.data.blog.


Russland bereitet sich auf einen neuen Krieg vor | Vitaly Portnikov. 12.06.2026.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, betont, dass die Russische Föderation bereits im Jahr 2029 zu einem umfassenden Konflikt mit den NATO-Mitgliedstaaten bereit sein wird.

Es muss betont werden, dass dies die professionelle Einschätzung eines Militärs ist, der ein Amt innehat, das mit den Positionen von Generalstabschefs in den Armeen anderer Länder vergleichbar ist. General Carsten Breuer spricht vor allem darüber, wozu die russische Armee im Hinblick auf die Modernisierung ihres militärisch-technischen Potenzials und die Ansammlung von Truppen in den für das Nordatlantische Bündnis problematischen Grenzregionen Russlands und seiner Verbündeten an der NATO-Grenze fähig sein wird. Und man geht davon aus, dass gerade das Jahr 2029 zu dem Zeitpunkt werden könnte, an dem Russland zu einem echten Krieg bereit sein wird und nicht nur zu Drohungen gegenüber westlichen Staaten.

Die Situation wird zudem dadurch verschärft, dass man heute in Europa nicht weiß, wie sich die amerikanische Armee im Falle eines solchen Angriffs verhalten würde. Wie groß wird die Zahl der amerikanischen Truppen sein, die auf dem europäischen Kontinent stationiert sein werden? Und werden die Amerikaner bereit sein, gemeinsam mit den Europäern eine mögliche russische Aggression abzuwehren?

Und hier gelangen wir natürlich zu politischen Bewertungen, denn vieles in der Welt wird davon abhängen, was in den kommenden Jahren geschieht – in den Jahren von Donald Trumps Präsidentschaft mit seinem offensichtlichen Unwillen, sich auf irgendwelche europäischen Konflikte einzulassen, und seinem Wunsch, die amerikanische Präsenz in Europa zu verringern; davon, wie der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf 2028 verlaufen wird, und davon, wer im Jahr 2029 Donald Trumps Nachfolger im Oval Office sein wird.

Die Frage ist nicht einmal, ob es ein Demokrat oder ein Republikaner sein wird. Die Frage ist, welche außenpolitische Strategie diese Person verfolgen wird. Wie bereit wird sie sein, die euro-atlantische Solidarität wiederherzustellen? Wie bereit wird sie – falls es ein republikanischer Präsident sein sollte – zu einer entschlossenen Revision des außenpolitischen Erbes Donald Trumps und überhaupt der isolationistischen Ansätze sein, die die amerikanische Politik dominieren, man könnte sagen, seit der neue Präsident der Vereinigten Staaten nicht der Republikaner, sondern der Demokrat Barack Obama wurde, der gerade wegen seiner Übereinstimmung mit diesem isolationistischen politischen Konzept bereits in den ersten Monaten seiner Präsidentschaft den Friedensnobelpreis erhielt?

Und danach begann die Welt rasch in die irreparablen Folgen einer solchen Strategie abzurutschen: in einen neuen großen Krieg in Europa, in die Krise im Nahen Osten und in die Sackgasse, in der wir uns heute befinden, wenn es sowohl um die Möglichkeit eines Auswegs aus dem russisch-ukrainischen Krieg als auch um die Möglichkeit einer Lösung des Nahostkonflikts geht, sodass neue Zusammenstöße in Osteuropa und im Nahen Osten nicht bereits wenige Monate nach einer Regelung der aktuellen Konfliktphase erneut beginnen – obwohl wir auch davon noch sehr, sehr weit entfernt sind.

Übrigens wurde der deutsche General auch gefragt, ob man auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges hoffen könne. Er betonte recht vorsichtig, dass man auf einen entscheidenden Wendepunkt im Krieg zugunsten der Ukraine noch warten müsse, äußerte sich jedoch optimistisch über neue technologische Entwicklungen, die bereits heute an der Front erschienen seien und die Situation zugunsten der Ukraine veränderten.

Gleichzeitig unterstrich General Breuer völlig logisch, dass der eigentliche Wendepunkt des Krieges der Moment sein werde, in dem die Russische Föderation ihn nicht mehr fortsetzen wolle – wofür es derzeit keinerlei Anzeichen gibt. Derzeit sollte man die russischen Drohungen neuer Raketenangriffe auf die Ukraine und sogar mögliche Vorbereitungen Russlands für neue Offensiven, etwa aus Belarus, ernster nehmen. Über konkrete Absichten der russischen Streitkräfte sprach der Generalinspekteur der Bundeswehr allerdings nicht und verwies lediglich auf seine ständigen Kontakte mit seinem ukrainischen Kollegen, General Syrskyj.

Wie wir sehen, gibt es im Westen derzeit zahlreiche Einschätzungen dazu, ob die Russische Föderation tatsächlich einen echten Krieg gegen NATO-Mitgliedstaaten wagen wird. Doch wir müssen bedenken, dass sich die technologische Kriegsführung jeden Tag, jede Woche und jeden Monat verändert. Und alle Prognosen, die sich auf das Jahr 2029 beziehen, haben in Wirklichkeit keinen wirklichen Sinn, weil niemand weiß, wie die Welt schon in wenigen Monaten aussehen wird.

Wird es gelingen, den Nahostkonflikt zu regeln? Wird die Straße von Hormus wieder geöffnet? Wird die Welt nicht in eine gewaltige Energie- und Wirtschaftskrise geraten, die die Möglichkeiten der wichtigsten Akteure grundsätzlich verändern und zeigen wird, wer ihr Hauptprofiteur sein wird, wer daraus hervorgehen wird mit der Fähigkeit, der übrigen Menschheit seine Bedingungen zu diktieren? Werden vor dem Hintergrund dieser Energiekrise nicht technologische Veränderungen stattfinden, die die Möglichkeiten der Ölstaaten infrage stellen?

Mit anderen Worten: Es gibt so viele mögliche Entwicklungen in einer Welt, die faktisch in militärischen Konflikten ohne Ausweg feststeckt, dass ich jeder Prognose mit großer Vorsicht begegne, die von einer Veränderung der Situation nicht einmal bis 2029, sondern etwa bis August oder September 2026 spricht. 

Die Menschheit lebt endgültig in einer Situation, in der keine ernsthaften Prognosen mehr funktionieren – aus dem einfachen Grund, dass es keinen professionellen Ansatz mehr für politische Realitäten gibt. Und die wichtigsten Staaten der Welt werden von Menschen geführt, die sich vor allem an ihren eigenen Emotionen und Wünschen orientieren und nicht daran, wie sich die Situation infolge ihrer Handlungen tatsächlich entwickeln wird.

Deshalb bleibt einem, ehrlich gesagt, nur, mit solchen Fachleuten wie General Breuer mitzufühlen, die gezwungen sind, ihre Schlussfolgerungen auf der Grundlage professioneller Kriterien und Methoden zu ziehen, die in der modernen Welt praktisch nicht mehr funktionieren und lediglich ein Rudiment analytischer Versuche aus einer jüngeren Vergangenheit sind, als sich Politik auf nachvollziehbaren Wegen entwickelte und man sich vorstellen konnte, dass der Aufbau eines bestimmten militärischen Potenzials der militärischen Führung des Gegners ermöglichen würde, bestimmte Entscheidungen zu treffen.

Vergessen wir nicht: Wir leben in einer Welt, in der Politiker unlogische Entscheidungen treffen, ohne über deren Folgen nachzudenken, und sie viel früher treffen können, als es irgendeinem Fachmann plausibel erscheinen würde.

  • Putin marschierte nicht ohne Grund mit einer Armee auf Kyiv, die unsere Stadt niemals hätte einnehmen können, und stützte sich ausschließlich auf eine emotionale Komponente, weil er glaubte, es mit einer schwachen ukrainischen Armee und einer Bevölkerung zu tun zu haben, die bereit sei, die russischen Eroberer zu begrüßen.
  • Trump begann den Krieg gegen den Iran ebenfalls nicht zufällig – einen Krieg, den er innerhalb weniger Wochen beenden wollte –, weil er glaubte, dass der Tod von Ajatollah Chamenei und seiner Gefolgsleute zu einem Aufstand des iranischen Volkes und zu einem raschen Regimewechsel im Iran führen würde.

Sowohl Putin als auch Trump haben sich lächerlich gemacht – nicht deshalb, weil sie keine Fachleute um sich hatten, sondern weil sie selbst zu keiner professionellen Einschätzung der Lage fähig sind. Und so wird es auch in Zukunft sein.

Deshalb lautet die Frage nicht, ob es 2029 einen russisch-nordatlantischen Krieg geben wird. Die Frage lautet, wie man das überhaupt realistisch vorhersagen soll.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росія готується до нової війни | Віталій Портников. 12.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 12.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Abkommen oder Krieg | Vitaly Portnikov. 11.06.2026.

Als ich mich auf diese Sendung vorbereitete, wollte ich natürlich vor allem über die Perspektiven einer Wiederaufnahme eines neuen großen Krieges am Persischen Golf sprechen und darüber, wie diese Perspektiven aussehen werden.

Praktisch den ganzen Tag über trat der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, mit ernsthaften Drohungen gegen Teheran auf. Er sagte, die Iraner hätten seine Geduld bereits erschöpft, Iran sei bereit, neue Schläge der Vereinigten Staaten zu erleben, und die Situation, die für Iran schrecklich sein werde, werde praktisch alle seine wirtschaftlichen Möglichkeiten vernichten. Trump sprach von der Einnahme dieser berühmten Insel Chark, die bekanntlich das Zentrum des Ölpotenzials der Islamischen Republik ist.

Gleichzeitig erschienen in Informationsquellen Meldungen darüber, dass Iran sich auf die Verteidigung dieser Insel recht gründlich vorbereitet habe. Und Trump sagte, er habe den großen Wunsch und es sei seine Wahl, die Insel Chark einzunehmen, aber er wisse nicht, ob Amerika dafür genug Mut habe. Und das ist ein sehr merkwürdiger Satz, der ebenfalls eine riesige Zahl von Fragen aufwirft.

Ist Trump also Amerika oder nicht? Wenn der Oberbefehlshaber der Streitkräfte eines bestimmten Landes eine bestimmte Militäroperation durchführen will, wem fehlt dann der Mut, sie durchzuführen? Gibt es mehrere Trumps: einen Trump, der diese iranische Insel einnehmen und Iran seiner Ölmöglichkeiten berauben will, und einen anderen Trump, der Angst hat, das zu tun?

Oder geht es darum, dass die mit Iran verbundene Situation inzwischen schon die amerikanischen Militärs beunruhigt? Und dass sie Trump keine Garantie geben können, dass seine militärischen Pläne zu irgendeinem realen Ergebnis führen werden.

Bevor unser Gespräch begann, veröffentlichte Trump in den sozialen Netzwerken einen langen Tweet und teilte mit, dass die Gespräche mit der Islamischen Republik Iran bereits auf die höchste Ebene der iranischen Führung gebracht und gebilligt worden seien. Er sagte die für heute Abend geplanten Schläge und Bombardierungen gegen Iran ab. 

Trump teilte außerdem mit, dass die endgültigen Bestimmungen dieses Abkommens von allen beteiligten Seiten gebilligt worden seien, darunter den Vereinigten Staaten, Israel, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, der Türkei, Pakistan, Bahrain, Kuwait, Jordanien, Ägypten und anderen Teilnehmern. Trump teilte auch mit, dass die Seeblockade der Islamischen Republik in voller Kraft und Wirkung bleiben werde, bis dieses Abkommen abgeschlossen sei; Zeit und Ort der Unterzeichnung würden in nächster Zeit bekanntgegeben.

Unmittelbar nachdem Trump mit dieser Erklärung aufgetreten war, betonten iranische Quellen, Iran habe keinen Entwurf eines Abkommens oder eines vorläufigen Memorandums mit den Vereinigten Staaten gebilligt. Dies meldete die offizielle iranische Agentur Fars. Auch iranische Amtsträger betonten, sie hätten keinerlei Abkommen gebilligt.

In Axios, einem dem Weißen Haus nahestehenden Medium, erschien die Information, katarische und iranische Verhandler hätten einen bestimmten Entwurf ausgearbeitet, der ihrer Meinung nach für die Vereinigten Staaten akzeptabel wäre, nachdem die Differenzen über eingefrorene iranische Vermögenswerte, die Wiederaufnahme der Arbeit der Straße von Hormus während der Waffenruhe und den Rahmen für Atomverhandlungen eingeengt worden seien. Aber das bedeutet nicht das Ende, sondern eher den Beginn von Verhandlungen.

Ziemlich interessant ist, dass man auch in Israel betonte, diesem Staat sei kein Abkommen bekannt. Und in Jerusalem war man erstaunt über Trumps Erklärung, wonach die iranische Führung es gebilligt habe. Soweit ich verstehe, hat die israelische Führung das Abkommen schlicht deshalb nicht gebilligt, weil niemand Israel mit diesem Abkommen bekannt gemacht hatte. Was ist das also?

Ich werde Ihnen erneut sagen müssen, dass wir in einer Welt des vollständigen unkontrollierbaren Chaos leben. In einer Welt, in der Donald Trump nach Möglichkeiten sucht, aus dem Iran-Krieg herauszukommen, und sie nicht findet. Wir haben jeden Tag über den Krieg in Iran gesprochen, als die aktive Phase der Kampfhandlungen lief. Sie erinnern sich gut daran, jene, die diese Sendung gesehen haben.

Und mich beunruhigte gerade, welche Möglichkeiten dieser Krieg für die Entwicklung der Lage in der Welt schafft. Warum müssen wir so genau auf diesen Krieg schauen? Warum verändert er die Lage im russisch-ukrainischen Krieg?

Zumindest deshalb, weil vor unseren Augen zwei große Atommächte, die über die Kapazitäten zur Vernichtung der gesamten Menschheit verfügen, ihre Fähigkeit verloren haben, als Architekten der Schicksale anderer Länder und Völker zu erscheinen. Verstehen Sie: Die Stärke eines Atomstaates, zumal eines wirtschaftlich großen Staates wie der Vereinigten Staaten von Amerika oder eines territorial großen Staates wie der Russischen Föderation, besteht nicht darin, Krieg zu führen, sondern allein mit der Möglichkeit des Einsatzes von Gewalt gegen denjenigen zu drohen, der die Interessen eines solchen Landes nicht berücksichtigt. Sobald man statt an die eigene Stärke zu erinnern beginnt, sie einzusetzen, können Ereignisse eintreten, die zeigen, dass man nicht in der Lage ist, die eigenen Möglichkeiten umzusetzen.

Mit Russland geschah das im Februar 2022. Sie erinnern sich: Als Putin die Ukraine angriff, hatte niemand, nicht einmal im Westen, irgendwelche Zweifel daran, dass danach das Schicksal der Ukraine entschieden sein würde, dass es der Ukraine danach nicht gelingen würde, ihre Souveränität zu bewahren. Unseren Amtsträgern wurde geraten, eine Exilregierung zu bilden. Niemand dachte auch nur daran, dass die Ukraine eine gewisse Zeit gegen die Russische Föderation standhalten könnte. Sie erinnern sich gut, wie all das begann.

Und nun haben wir 2026. Russland führt praktisch auf jenen Positionen weiter Krieg, die es 2022 eingenommen hat. Das Territorium Russlands selbst wird sowohl mit Raketen als auch mit Drohnen angegriffen. In Russland beginnt eine ernste Wirtschafts- und Energiekrise. In einzelnen Regionen, sowohl eigenen als auch besetzten, erhalten die Menschen Benzin auf Bezugsscheine. Russland verliert eine große Zahl von Einwohnern.

Die Führer ehemaliger Sowjetrepubliken, die vor 2022 glaubten, sie seien zu einem Dasein in der russischen Einflusssphäre verurteilt – ich erinnere daran, dass sich in diesem Moment russische Truppen im Grunde in Kasachstan befanden und russische sogenannte Friedenstruppen in Berg Karabach –, erlauben sich, über Moskau zu ironisieren, wie es der armenische Premierminister Nikol Paschinjan in Anwesenheit Präsident Putins im Kreml tat, oder sich mit dem ukrainischen Präsidenten Zelensky zu treffen, wie es sowohl Premierminister Paschinjan als auch der Präsident Aserbaidschans Alijew und der Präsident Kasachstans Kassym-Schomart Tokajew taten. Alle haben verstanden, dass der Tiger, sogar in den Worten Präsident Trumps, sich als Papiertiger erwiesen hat. Als Papiertiger. Und das hat die gesamte Situation mit den russischen Möglichkeiten in der Welt in diesen vier Jahren ziemlich ernsthaft verändert.

Aber dann kam der 28. Februar 2026, als die Vereinigten Staaten und Israel einen gemeinsamen Angriff auf Israel, auf Iran, die Operation „Epischer Zorn“, begannen. Erinnern Sie sich, wie Trump diese Worte mit Genuss aussprach? Er tanzte fast vor Freude.

In diesen Tagen wurde der Oberste Führer der Islamischen Republik, Ayatollah Ali Chamenei, getötet, ebenso eine ganze Reihe iranischer Führungspersonen. Wichtige strategische Objekte der Armee der Islamischen Republik sowie der Revolutionsgarden wurden bombardiert.

Und in Washington wie in Jerusalem schien es, als würden noch ein paar Tage vergehen und das Regime entweder fallen oder um Frieden zu beliebigen Bedingungen bitten, bereit sein, den Vereinigten Staaten sein Öl zu überlassen, wie es zuvor die venezolanische Führung nach der Ergreifung des Präsidenten dieses Landes, Nicolás Maduro, getan hatte. Nun kann doch irgendein Iran sich nicht wirklich mit den Vereinigten Staaten anlegen, wenn es nicht mehr um Verhandlungen, sondern um einen echten, ernsten Krieg geht? Wie kann man überhaupt die militärischen Potenziale Irans und Amerikas vergleichen?

Und nun ist der 11. Juni 2026. Die Straße von Hormus ist geschlossen, die Energievorräte der Welt gehen rapide zur Neige. Bald wird die ganze Welt in Bezug auf Benzinmarken Russland ähneln, wenn das so weitergeht.

Die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich sowohl in der Welt als solcher als auch in den Vereinigten Staaten. Die Inflation steigt jeden Tag. Und es ist ebenfalls unbekannt, zu welchen Folgen das führen wird. Obwohl Donald Trump sagt, er sei in die Inflation verliebt, sollte er wissen, dass seine Landsleute sie nicht besonders lieben.

Donald Trump hat in dieser Zeit 38-mal mitgeteilt, dass ein Abkommen kurz vor dem Abschluss stehe. Heute war es das 39. Mal. Man kann sagen, dass in einer monopolaren – entschuldigen Sie – Welt niemand den Erklärungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika irgendeine Aufmerksamkeit schenkt, und viele bewerten all diese Erklärungen offen als Farce. Obwohl das vielleicht eine völlig falsche Einschätzung ist und Trumps Wunsch einfach darin besteht, den Energiemarkt nicht aufzuwühlen und den Ölhändlern die Illusion zu geben, dass bald alles gut enden werde, noch bevor die Ölvorräte aufgebraucht sind. Nun, man kann im Prinzip auch mit Schwankungen der Ölpreise Geld verdienen. Wir wissen, dass auch das in der modernen Welt funktioniert.

Das heißt, es stellte sich heraus, dass der größte Staat der heutigen Welt, der größte, wichtigste Akteur in modernen Kriegen, wenn man in der modernen Wirtschaft seine Schwachstelle findet, die, wie sich gezeigt hat, auf einigen wenigen Routen beruht, einfach nichts tun kann. Raketen helfen nicht, Kampfflugzeuge helfen nicht, die Sechste Flotte hilft nicht, nichts hilft.

Es stellt sich heraus, dass man ruhig amerikanische Militärobjekte angreifen, amerikanische Technik auf den aus tragischer Sicht wichtigsten Stützpunkten der Vereinigten Staaten am Persischen Golf zerstören kann – und nichts geschieht.

Das heißt, der Februar 2026 wurde für die Vereinigten Staaten von Amerika zu dem, was der Februar 2022 für die Russische Föderation wurde. 

Ich vergleiche in diesem Fall, damit Sie es verstehen, Iran nicht mit der Ukraine. Wir verstehen sehr gut, dass sich die Ziele des amerikanisch-israelischen Krieges gegen Iran von den Zielen des russischen Krieges gegen die Ukraine unterscheiden. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine ist ein Krieg zur Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit und zur Abschaffung des ukrainischen Volkes. Der Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran ist ein Krieg gegen ein tyrannisches Regime, das selbst seine Landsleute tötet und aufhängt, sogar während der Kampfhandlungen. Es ist der Versuch, einer nuklearen Bedrohung vorzubeugen. Es ist der Versuch, harmonischere Lebensbedingungen in einer der wichtigsten Regionen der modernen Welt zu schaffen, einer der wichtigsten für die Wirtschaft.

Aber wir sprechen jetzt nicht darüber, wie sich die Länder unterscheiden, sondern darüber, dass ein schwaches, wenn Sie so wollen, Subjekt des Krieges dem Handeln eines starken solche Hindernisse schaffen kann, die die Umsetzung der Ziele faktisch unmöglich machen und den Riesen in, ich würde sagen, ein Kind verwandeln, das nicht versteht, wie es sich allein aufgrund seiner Größe in dem Laden, in den es geraten ist, umdrehen kann, ohne alles um sich herum umzustoßen.

Und ich denke die ganze Zeit, wissen Sie, worüber? Ob es noch einen Februar geben wird. Ob es für die Volksrepublik China eine Versuchung geben wird, diese, ich würde sagen, epische Schwächung der Positionen der Vereinigten Staaten von Amerika auszunutzen. Ob die Chinesen versuchen werden, irgendeine Gewaltoperation gegen irgendein Land durchzuführen, das ihrer Meinung nach Angst haben sollte, aber bisher keine ausreichende Loyalität gegenüber Peking zeigt. Das ist, wie Sie verstehen, eine ausgezeichnete Frage.

Und das muss nicht unbedingt ein Krieg Chinas gegen die Regierung der Republik China auf Taiwan sein. Nein, ich denke an Japan, ich denke sogar an die Philippinen. China hat viele Konflikte im Chinesischen Meer, die mithilfe der Volksbefreiungsarmee Chinas und der Seestreitkräfte der VR China gelöst werden könnten.

Und ich habe keinen Zweifel daran, dass China, ausgehend von der Logik des modernen Kriegsprozesses, in seinem Krieg stecken bleiben wird, so wie Russland hier in der Ukraine steckengeblieben ist, wie die Amerikaner im Nahen Osten steckengeblieben sind. Und dann beginnt die Welt des wirklichen Chaos, in der niemand mehr auf irgendjemanden ernsthaft achten wird. Das wird eine unglaublich interessante Welt sein. Das werden weltweite Dschungel sein, in denen es keine Hauptakteure mehr geben wird. Verstehen Sie?

Praktisch gelangen wir in eine Epoche des Verschwindens der Dinosaurier. Es gab solche politischen Dinosaurier. Riesige, riesige. Die dich einfach zerdrücken konnten, ohne es überhaupt zu bemerken. Die Größenverhältnisse passen nicht zusammen. Dann stellte sich heraus, dass du die Schwachstelle des Dinosauriers entdeckt und ihm genau dort einen Treffer versetzt hattest. Er läuft scheinbar noch herum, brummt etwas, aber er läuft schon blau an, er möchte sich schon unter einen Busch setzen und nicht mehr hinter dir herlaufen und versuchen, dich zu zerquetschen.

Und es ist einfach interessant, was am Ende dieser Jurazeit geschehen wird, wie das Leben ohne Dinosaurier aussehen wird. Inwieweit jene mittleren Akteure, über die übrigens der kanadische Premierminister Mark Carney auf dem Wirtschaftsforum in Davos schrieb und sprach, in der Lage sein werden, sich untereinander zu verständigen, um aus vielen verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Interessen und unterschiedlichen Möglichkeiten einen solchen Dinosaurier zu schaffen, der fähig ist, diesen dreien zu widerstehen, die ihre eigene Unfähigkeit beweisen. Das ist, wie Sie verstehen, eine interessante Frage, auf die man antworten sollte.

Aber es gibt noch eine mögliche Entwicklung der Ereignisse. Nämlich, dass China sich dennoch von einem militärischen Eingreifen fernhält und zusieht, wie die Sicherheitsmöglichkeiten Amerikas und Russlands verfallen. Russland, das sich auf diese Weise in ein chinesisches Protektorat verwandelt, und Amerika, das seine Unfähigkeit beweist, irgendwelche Sphären – nicht einmal des Einflusses, sondern von Interessen – in vielen Ländern der Welt zu etablieren, zumal Donald Trump selbst real auf diese Interessen verzichtet.

Und dann erhält China einen zusätzlichen Trumpf. Nicht Trump, sondern seinen eigenen Trumpf, um in der Welt der Zukunft zu dominieren. Noch einen, denn einen dieser Trümpfe haben wir China bereits gegeben, als wir faktisch auf unsere eigene Industrie verzichteten. Ich sage „wir“ als zivilisierte westliche Welt.

Jahrzehntelang gab es eine Situation, die mich immer beunruhigte. Ich habe wiederholt darüber gesprochen. Jetzt kann ich es mit noch größerer Sicherheit sagen. Die Situation der Verlagerung der Produktion in die Volksrepublik China, um verschiedene billige Waren zu kaufen, von iPhones bis zu Kleidung. Ich bin fast sicher, dass ich, wenn ich mir jetzt dieses Hemd anschaue, dort ein Etikett finden werde, dass es in China hergestellt wurde. Nun, wir werden jetzt natürlich nicht experimentieren.

All das kann zur absoluten Degradation des Westens im zivilisatorischen Sinne des Wortes führen, denn viele sagen weiterhin: „Ach, welche große Bedeutung hat das denn? Das Design wird ohnehin in Europa gemacht. Das iPhone wird ohnehin in Amerika erfunden. Die Chinesen bauen weiterhin alles nur zusammen. Das ist die Werkhalle des Westens. Und wenn wir ihnen nicht die Möglichkeit geben, unser Design oder unsere technischen Erfindungen zu nutzen, was wird dann aus dieser chinesischen Wirtschaft?“

Mit ihr wird alles in Ordnung sein. Wenn man eine Produktionslinie hat – das weiß jeder Ingenieur, der jetzt diese Sendung sieht, Sie können das in die Kommentare schreiben, wenn Sie wissen, wie eine Produktionslinie funktioniert –, wenn man dieses ganze Fließband sieht, wenn man diese ganze Werkhalle sieht, generiert man neue technologische Ideen.

Neue technologische Ideen entstehen nicht in der Luft. Die Vorstellung, dass wir hier in einem sauberen Büro, in einem Labor sitzen und erfinden, wie ein iPhone aussehen soll oder welche neuen technischen Funde es geben wird, während sie es dort zusammenbauen, ist eine falsche Vorstellung. Denn der Tag wird zwangsläufig kommen, er kommt bereits, an dem sie, weil sie die Produktionsmöglichkeiten verstehen, ebenfalls zu verstehen beginnen, wie man etwas erfindet.

Um ein Kleidungsdesign zu erfinden, muss man nähen. Wenn hier Schneider sind, wissen sie das sehr gut. Man muss, wenn man so will, mit Nadel und Faden arbeiten können. Und dann erscheint unter tausend Schneidern zwangsläufig ein Dior oder eine Chanel. Die Menschen, die im 20. Jahrhundert die besten Kleidungsdesigner Europas waren, konnten hervorragend nähen. Sie arbeiteten mit Faden und Nadel. Ja, natürlich ist nicht jeder Schneider Balenciaga, aber du wirst niemals Balenciaga werden, wenn du nicht nähen kannst.

Und so hat der Westen faktisch all diese Nadeln, Fäden, Maschinen, Fabriken und Werke den Chinesen gegeben und tut jetzt faktisch alles Mögliche, um sich selbst davon zu überzeugen, dass es auch weiterhin so funktionieren wird. Das wird es nicht.

Aber es gibt noch einen Punkt, der mich in dieser Situation sogar noch mehr beunruhigt. Damit all diese Ideen entstehen, muss das Land, das Ideen generiert – hier spreche ich von den Vereinigten Staaten von Amerika –, offen für neue Menschen sein. Nicht nur für Menschen mit Diplomen und akademischen Graden. Nicht nur für Albert Einstein, der vor Hitler flieht, obwohl auch das nicht schlecht ist, sondern für gewöhnliche einfache Pakistaner, Inder oder Ukrainer, bei denen morgen, am 12. Juni 2026, ein Albert Einstein geboren wird. Wenn man aber eine Migrationspolitik Donald Trumps betreibt, kehrt man zum Modell eines provinziellen Landes zurück, in dem niemand geboren wird. Auch das muss man verstehen, wenn wir über die Zukunft sprechen.

Das heißt, Amerika betreibt jetzt faktisch eine Politik, die in die Vergangenheit gerichtet ist und nicht in die Zukunft. Amerika hat aufgehört, eine Werkhalle zu sein, und hält sich jetzt ausschließlich an irgendwelchen bedingten Silicon-Erinnerungen fest. Denn ich wiederhole noch einmal: Wissenschaftlich-technische Unternehmen, die von der Produktion losgelöst sind, verfallen früher oder später.

Amerika verliert die Migration. Stellen Sie sich vor, wie die amerikanische Wirtschaft heute aussähe, wenn man die Familie Musk, die Eltern von Musk, Elon Musk selbst, einen Menschen aus der Republik Südafrika, nicht in die Vereinigten Staaten gelassen hätte. Und so ist es mit vielen Menschen. Ich spreche wieder nicht über die politischen Ansichten der Familie, sondern darüber, wie eine riesige Zahl von Ideen generiert wurde.

Und außerdem hat Amerika gezeigt, dass es viele Dinge nicht mit seiner Stärke lösen kann, dass es in der modernen Welt Grenzen seiner Stärke gibt. Und hier kommen wir wieder zu der Frage, wie sich all das weiterentwickeln wird. Wird es den Vereinigten Staaten gelingen, zumindest ein nicht sehr großes Problem zu lösen, nämlich die Möglichkeit der Öffnung der Straße von Hormus, um das Funktionieren der Weltwirtschaft wiederherzustellen?

Ich werde die Fragen beantworten, die mit dieser Sendung verbunden sind und während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Was ist Ihre Meinung, Herr Vitaly: Hätte es für die Ukraine Sinn, interethnische Konflikte auf dem Territorium Russlands zu provozieren, um es zu destabilisieren und unseren Kampf gegen sie zu erleichtern? Oder hat das keinen Sinn?

Portnikov: Wissen Sie, Sie leben wieder einmal in Bedingungen, die Russland selbst erfindet. Es ist unmöglich, einen künstlichen ethnischen Konflikt zu provozieren. Wenn es eine reale ethnische Konfrontation gibt, wird sie zwangsläufig explodieren. Wenn es einen ethnischen oder nationalen Konflikt gibt, wird er zwangsläufig explodieren, selbst wenn man alles Mögliche tun wird, um seine mögliche Entwicklung zu verhindern. Wenn es dafür keine Voraussetzungen gibt oder, sagen wir, einen starken Unterdrückungsapparat gibt, der den Menschen nicht erlaubt, ihre Möglichkeiten zu zeigen, dann wird es keinen Konflikt geben.

Russland ist zweifellos ein, ich würde sagen, sehr konfliktträchtiges Land, was die Haltung ethnischer Russen gegenüber anderen Völkern betrifft, vor allem natürlich gegenüber den Völkern des Kaukasus mit ihrem explosiven Potenzial. Aber Russland ist zugleich ein Land, das zwei Tschetschenienkriege erlebt hat. Aus diesen Tschetschenienkriegen haben die Völker Russlands einen einfachen Schluss über Gewichtsklassen gezogen und darüber, wozu das Zentrum fähig ist, um die Souveränität der Russischen Föderation in jenem Verständnis dieser Souveränität zu schützen, das heute im Kreml existiert.

Sie wissen, dass der Kaukasus auch jetzt eine Krisenregion bleibt, die im Grunde in einem Modus ständiger Antiterroroperation, der Willkür der Geheimdienste oder von Regimen wie dem Regime in Tschetschenien lebt, die russische Interessen sichern. Was können Sie also provozieren?

Ein wichtiger Moment ist auch die Tatsache, dass in den vergangenen 26 Jahren, den Jahren gerade von Putins Herrschaft, die Russifizierungsprozesse in der Russischen Föderation – gerade die Russifizierungsprozesse –, die Wahrnehmung einer riesigen Zahl junger Menschen nichtethnischer Russen von sich selbst nicht als Bürger der russischen Fédération, sondern als Russen, um ein Vielfaches zugenommen hat. Vieles ist geschehen, was nicht einmal in der sowjetischen Epoche geschah, etwa die Abschaffung des verpflichtenden Unterrichts der Sprachen nationaler Minderheiten in ihren eigenen nationalen Republiken. Die vollständige Verwandlung des Nationalen, würde ich sagen, in etwas Perspektivloses. Und auch das trägt natürlich nicht zur Entwicklung dieser Konfliktsituation bei.

Frage: Herr Vitaly, wird es nicht so sein, dass sich die Länder der Welt bald nicht nach Atomwaffen, sondern nach Drohnentechnologien anstellen, die in der Rolle einer solchen Schleuder Davids die Verfügbarkeit von Atomwaffen in naher Zukunft ersetzen können?

Portnikov: Ich glaube nicht, dass Drohnen in ferner Zukunft Atomtechnologie ersetzen können, weil die Ergebnisse des Einsatzes von Drohnen bisher nicht mit dem vergleichbar sind, was vor allem beim Einsatz strategischer Atomwaffen geschehen kann. Und das muss man klar verstehen.

Aber wenn der russisch-ukrainische Krieg noch einige Jahre dauern wird – und alle Grundlagen sprechen dafür, dass uns genau eine solche Entwicklung erwartet –, werden wir im Verlauf dieses Krieges auch mit einer erheblichen technologischen Revolution rechnen können, die vor allem für die Ukraine notwendig sein wird, um der Russischen Föderation in den kommenden Jahren dieses Kampfes wirksam entgegenzutreten.

Und so wird es tatsächlich, wenn es noch einen Krieg im Nahen Osten gibt, wenn es noch einen Krieg in Asien gibt – all das ist möglich, denn wir haben bereits verstanden, dass das 21. Jahrhundert ein ideale Jahrhunderts gerade für den Krieg ist. Es gibt keine Weltordnung mehr, es gibt keine Hauptakteure, sie verlieren im Hinblick auf die Möglichkeit eines Gewaltmonopols. Das bedeutet ein Jahrhundert des Chaos, der Kriege, der Tode, der Epidemien. So wird es in die Menschheitsgeschichte eingehen, falls es in der Menschheitsgeschichte ein 22. Jahrhundert geben wird, denn im Prinzip gibt es derzeit angesichts dessen, wie sich alles entwickelt, kaum Perspektiven für ein 22. Jahrhundert.

Vielleicht ist dies das letzte Jahrhundert. Deshalb ist es so interessant, ich würde sagen, unglaublich erschöpfend, weil sich einerseits die Wissenschaft, neue Möglichkeiten, neue Technologien unglaublich entwickeln, und andererseits Voraussetzungen für das Verschwinden der Menschheit geschaffen werden. Das ist zugleich ein unglaublicher Prozess, würde ich sagen, im Hinblick auf die Entwicklung der Ereignisse.

Aber Krieg ist immer eine rasante Entwicklung des militärisch-technischen Fortschritts. Im Krieg arbeitet die Wissenschaft an der Vernichtung der Menschheit, an neuen Waffen und zugleich an Mitteln, diese Waffen zu bekämpfen oder unschädlich zu machen. Ich denke, ja, es wird eine Waffe geben – es werden nicht Drohnen sein –, die die Antithese zu Atomwaffen sein wird und es erlauben wird, große Massen der feindlichen Bevölkerung in kurzer Zeit effektiver zu vernichten, ohne jene Möglichkeiten einzusetzen, die Atomwaffen bieten. Wir stehen an der Schwelle solcher großen Entdeckungen. Künstliche Intelligenz helfe Ihnen. Sie können selbst mit künstlicher Intelligenz arbeiten. Sie können etwas erfinden.

Frage: Heute beginnt in den Vereinigten Staaten das größte internationale Ereignis, die Fußballweltmeisterschaft. Kann Trump handeln wie einst Putin, also das Ende dieses Ereignisses abwarten und Iran angreifen?

Portnikov: Sie denken völlig logisch. Während der Fußballweltmeisterschaft braucht Trump wahrscheinlich wirklich keinen Angriff auf Iran – wobei wir wieder nicht wissen, wie logisch Trump selbst die Realität wahrnimmt –, weil er die Folgen dieses Angriffs nicht kennt. Und natürlich würde er nicht wollen, dass es während der Fußballweltmeisterschaft irgendwelche Probleme gibt, sagen wir mit amerikanischen Stützpunkten, mit Verbündeten Irans am Persischen Golf. All das ist verständlich. 

Aber hier gibt es ein anderes Problem. Trump hat Iran schon ohne Fußballweltmeisterschaft nicht angegriffen. Wer hat Ihnen gesagt, dass ein amerikanischer Angriff auf Iran zu irgendwelchen spürbaren Ergebnissen führen und vor allem erlauben wird, die Straße von Hormus zu entsperren? 

Schauen Sie sich an, welche Ziele es jetzt im Krieg gibt:

  • Erstens ist Trumps eigentliches Hauptziel, die Straße von Hormus zu entsperren, weil noch einige Monate ihrer Blockade zu unumkehrbaren Folgen in der amerikanischen Wirtschaft führen und allen Hoffnungen der Republikaner, bei den Kongresswahlen wenigstens etwas zu erreichen, ein Ende setzen werden.
  • Zweitens geht es darum, Iran zum Verzicht auf Atomwaffen zu zwingen, wobei völlig unklar ist, wie man das technologisch tun soll, denn wenn man sich nicht auf dem Territorium Irans befindet, werden sie einen trotzdem täuschen.

Die Israelis verstehen das sehr gut, deshalb wollten sie so sehr einen Regimewechsel. Trump kann mit Iran beliebige Abkommen schließen, aber er ist nicht in der Lage, sie real zu kontrollieren, was schon während des vorherigen Abkommens sichtbar war. Das heißt, man ist gezwungen nur einem Regime vertrauen, das bereits genau verstanden hat: Wenn es keine Atomwaffen besitzt, wird es hinweggefegt. Das ist alles. Das ist eine völlig klare Sache, an die man denken muss. Also ja, ich kann mir vorstellen, dass Trump selbst so denken kann wie Sie. 

Lassen Sie uns darüber sprechen, was in der Zukunft geschehen wird. Nicht im Sinne dessen, dass Trump sagt, er könne angreifen, also nicht sagt, sondern denkt, dass er die Iraner nach der Meisterschaft angreifen kann. Was wird er erreichen, wenn er sie nach der Meisterschaft angreift? Denn auch sie können sich in dieser Zeit weiter auf Angriffe vorbereiten, ihr Potenzial wiederherstellen. Verstehen Sie, dass jeder Tag ohne Angriffe ist ein Tag, den er ihnen schenkt, damit sie sich auf den nächsten Angriff vorbereiten können?

Frage: Wie kann man die Russen nach Putin davon überzeugen, dass all ihre Misserfolge mit dem Widerstand der Ukraine zusammenhängen und nicht mit schlechter Führung und damit, dass der Zar getäuscht wurde?

Portnikov: Erstens glaube ich nicht, dass das Ende von Putins Herrschaft automatisch das Ende des russisch-ukrainischen Konflikts als solchen bedeuten wird. Ich denke, dass Putins Nachfolger nicht weniger an der Vernichtung der Ukraine interessiert sein könnte als sein Vorgänger.

Wenn die Machtvertikale des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation erhalten bleibt, kann das absolut so sein. Wenn nach dem FSB die Armee an die Macht kommt, kann ein Präsident-General noch mehr an einem Sieg über die Ukraine interessiert sein, um zu beweisen, dass die Tschekisten den Krieg schlecht geführt haben und eine so einfache Aufgabe wie die Vernichtung irgendeiner Ukraine nicht lösen konnten. Somit verringern sich die Perspektiven des russisch-ukrainischen Krieges im Prinzip nicht, sondern nehmen zu, wenn Putin die politische Bühne verlässt.

Alle Gespräche darüber, dass nach dem Verschwinden Putins der russisch-ukrainische Krieg zwangsläufig enden werde, hängen mit der Mentalität ehemaliger sowjetischer Menschen zusammen, die wissen, dass es nach Stalin immer besser wird. Erstens ist das nicht Stalin, zweitens ist das nicht die Sowjetunion, drittens wird es nach Stalin nicht immer besser, weil Stalin selbst Lenins Nachfolger war und nach Lenin wurde es schlimmer. Niemand weiß also, wie es sein wird.

Man sollte nicht die ganze Zeit auf das Ende von Putins Verbleib im Präsidentenamt warten, um sich dann nicht an diesen Verbleib als die einzige Chance zu denken, den Krieg zu beenden. Sagen wir es so: Wir wissen nicht, was danach sein wird, aber wir verstehen, dass Putin Präsident der Russischen Föderation noch viele Jahre bleiben kann, er ist in einem solchen Alter. Niemand wird ihn daran hindern, 2040 zu kandidieren, wie er sagte – nur wenn die Gesundheit es erlaubt; offensichtlich wird er kandidieren.

Aber wiederum: Putin ist nicht einfach irgendeine Persönlichkeit, er ist ein Diktator an der Spitze einer tschekistischen Vertikale. Die tschekistische Vertikale ist effektiv, stark, bereit zur weiteren Vernichtung aller, ich würde sagen, realen staatlichen Institutionen in Russland. Im Grunde ist das die Herrschaft der Sicherheitsapparate. An ein derartiges Regime kann ich mich übrigens sonst nirgends auf der Welt erinnern.

Frage: Wie sehen Sie das weitere Schicksal der Krim?

Portnikov: Das wird sehr stark davon abhängen, wie sich der Verlauf des russisch-ukrainischen Krieges weiterentwickelt. Im Prinzip sehen wir, dass die Russen irgendwelche realen Möglichkeiten verlieren, den Korridor zu kontrollieren, der zur Krim führt, den Landkorridor. Auf der Krim selbst ist die Lage ziemlich schwer, aber auch wir können, wie Sie verstehen, keine effektive Kontrolle über die Krim herstellen.

Das heißt, mit der Krim geschieht das, was immer mit ihr geschah. Sie ist die Achillesferse jedes Landes, das sie kontrolliert.

– Einst war sie die Achillesferse des Osmanischen Reiches. Dieses verlor die Kontrolle über dieses Gebiet ziemlich leicht, nachdem der russische Staat die Kontrolle über einen Teil des Krim-Khanats auf dem Festland hergestellt hatte und die der Krim faktisch aufgezwungene völlige Unabhängigkeit von der Pforte zu ihrem Verschwinden von der politischen Landkarte der damaligen Welt führte.

– Dann wurde die Krim nach der Vertreibung der Krimtataren zur Achillesferse Sowjetrusslands, das sich als unfähig erwies, sie zu entwickeln, aufgrund des Fehlens einer Bevölkerung, die an die extremen klimatischen Bedingungen der Krim und ihrer Landwirtschaft angepasst war, und aufgrund dessen, dass die Krim keine administrative Verbindung mit dem ukrainischen Festland hatte.

– Dann wurde die Krim zur Achillesferse der Ukraine. Es stellte sich heraus, dass dies genau jene ukrainische Region war, über die der Feind am einfachsten die Kontrolle herstellen konnte, und nicht nur wegen der Präsenz eines Besatzungskontingents in Form der Schwarzmeerflotte.

– Die Krim war die Achillesferse Russlands im Krieg gegen die westlichen Staaten während des berühmten Krimkrieges, den das Russische Reich verlor, was zu ernsten Veränderungen in seiner, ich würde sagen, staatlichen Architektur führte.

– Die Krim war die Achillesferse der Weißen Bewegung, die den letzten Vorposten, die letzte Festung im Widerstand gegen die Bolschewiki nicht halten konnte.

– Jetzt verwandelt sich die Krim erneut in die Achillesferse des Staates, der sie annektiert hat. Es stellt sich heraus, dass diese Halbinsel, vielleicht gerade wegen ihrer Geografie – weil sie eine Halbinsel ist, was soll man tun –, nur unter Bedingungen relativen Friedens normal existieren und sich entwickeln kann. Unter Bedingungen eines militärischen Konflikts verfällt sie vorhersehbar.

Denken Sie einmal darüber nach, wenn wir über die Krim sprechen, wie viele Anstrengungen Putin unternommen hat. Nicht nur Putin, auch Jelzin. Erinnern Sie sich an die 1990er Jahre: 1994 weigerte sich Jelzin, zu einem Staatsbesuch nach Kyiv zu kommen, solange die Frage des Aufenthalts der Schwarzmeerflotte auf der Krim nicht geregelt war; er weigerte sich, den großen Vertrag zwischen Russland und der Ukraine zu unterzeichnen, solange die Ukraine nicht bestimmte Vereinbarungen mit Russland geschlossen hatte.

Diese Vereinbarungen stellten Russland trotzdem nicht zufrieden. Die erste Bedingung, die es Janukowytsch 2010 stellte, war die Unterzeichnung der Charkiwer Abkommen, also die Verlängerung des Aufenthalts der Schwarzmeerflotte in der Ukraine.

Und Sie erinnern sich, dass dies im Grunde der Beginn der Degradation dieses Regimes wurde. Alle sahen, dass Regime Janukowytsch ein Marionettenregime war, als Janukowytsch mit dem damaligen russischen Präsidenten Medwedew diese Abkommen unterzeichnete.

Und was wurde daraus? Dann kam die Annexion der Krim, bei der die Schwarzmeerflotte die Rolle eines Besatzungskontingents spielte. Und was wurde daraus? Wo ist diese Schwarzmeerflotte, möchte ich fragen? Wo ist ihre führende Rolle im Krieg? Wo ist ihre führende Rolle im Schwarzen Meer?

Sie versteckt sich in den Buchten von Noworossijsk. Faktisch werden ihre Möglichkeiten nur genutzt, um Raketenangriffe auf unser Land durchzuführen. Sie hat ihr Flaggschiff verloren, verstehen Sie? Und um uns mit Kalibr-Raketen zu beschießen, hätte man die Krim nicht erobern müssen. Das ist die Antwort auf die Frage.

Frage: Ist in der Ukraine das Saar-Modell als Mechanismus zur Lösung eines Territorialstreits möglich?

Portnikov: Sie geraten wieder in die russische Falle. Zwischen Frankreich und Deutschland gab es tatsächlich die Bereitschaft, die Saarfrage durch ein Referendum auf diesem Gebiet zu lösen, das damals unter französischer Kontrolle stand, damit die Bewohner des Saarlandes entscheiden konnten, wo sie sein werden: in Frankreich oder in Deutschland. Russland und die Ukraine haben keinerlei Territorialstreitigkeiten. Russland hat Gebiete mit ukrainischer Bevölkerung erobert, deren Mehrheit 1991 für eine unabhängige Ukraine gestimmt hat. Das ist erstens.

Zweitens ist die Hauptfrage des russisch-ukrainischen Krieges nicht die Frage der Krim, der Regionen Donezk, Luhansk, Cherson, Saporischschja, sondern die Frage der Existenz des ukrainischen Staates. Selbst wenn Sie den Weg des Saar-Modells gehen und in diesen von Russland kontrollierten Regionen irgendwelche Referenden durchführen würden. Und selbst wenn Sie sich vorstellen, dass sich die Bevölkerung dort entweder für Russland oder für die Ukraine ausspricht, würde das eine einfache Sache bedeuten. 

Wenn sich diese Gebiete für Russland aussprechen, werden sie weiterhin Brückenköpfe für die Besetzung neuer ukrainischer Regionen bleiben. Und wenn sie sich für die Ukraine aussprechen, bedeutet das, dass Russland sie in Zukunft erneut besetzen wird, wenn es dazu in der Lage ist.

Dieser Krieg wird nicht um Territorien geführt. Das Hauptziel Russlands bleibt, ich erinnere noch einmal daran, die Vernichtung der ukrainischen Staatlichkeit und die Rückkehr zum Modell eines russischen Volkes, das auf dem Territorium der Russischen Föderation, der Ukraine und der Republik Belarus lebt.

Bis zur Erfüllung dieser Aufgabe, also bis zum Verschwinden des ukrainischen Volkes von der ethnografischen Karte der Welt, wird die Russische Föderation nicht ruhen. Das muss man einfach akzeptieren.

Und wir werden uns in diesem Krieg entweder gegen die Russische Föderation verteidigen können, oder man wird unter die Geschichte des ukrainischen Volkes als eigenständiger Nation, überhaupt als Nation, abschreiben müssen und sich vom ukrainischen Volk verabschieden müssen, zumindest auf den ethnisch ukrainischen Gebieten.

Einige Menschen werden noch im Exil leben, es wird für eine gewisse Zeit einfach noch ein weiteres Volk in der Emigration ohne Staat geben, bis es verschwindet.

Wenn Sie nicht wollen, dass das geschieht, wenn Sie sich nicht vom ukrainischen Volk verabschieden wollen, vergessen Sie das Saar-Modell. Sie werden sich von Russland nicht mit Territorien freikaufen. Es weiß, was es will. Vielleicht wissen Sie es nicht, aber es weiß es. Und niemand dort verbirgt das.

Warum wollen Sie den Russen ihre Ziele nicht glauben, sondern erfinden sich, dass es nur um den Donbass oder die Krim gehe? Nein, das sind nur die ersten Regionen, die dank der Salamitaktik besetzt werden konnten. Aber Salami wird bis zum Ende geschnitten. Das Ende liegt in der Region Transkarpatien der Ukraine.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Угода чи війна | Віталій Портников. 11.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 11.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform >YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Ppl

Zelensky schreibt an Trump | Vitaly Portnikov. 01.06.2026

Зеленський пише Трампу. Віталій Портников. 01.06.2026.

Volodymyr Zelensky hat Donald Trump einen Brief geschrieben. Nach dem erneuten russischen Angriff auf Kyiv – wieder auf Märkte, Einkaufszentren und Wohnviertel – wandte sich der Präsident der Ukraine an seinen amerikanischen Kollegen mit der Bitte, bei der Verstärkung der Luftverteidigung zu helfen.

Bislang kam die Antwort nur indirekt – vom US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Ihr Inhalt lässt sich einfach zusammenfassen: Wir werden helfen, soweit wir können. Doch offenbar sind die Möglichkeiten derzeit begrenzt. Nach der Nahostkrise sind die amerikanischen Raketenbestände erschöpft, und es wird Zeit benötigen, sie wieder aufzufüllen.

Diese Logik kann man verstehen. Theoretisch.

Aber die Menschen in Kyiv können nicht darauf warten, bis das Pentagon seine Lagerbestände wieder aufgefüllt hat. Sie leben – oder überleben nicht – schon jetzt unter russischen Angriffen. Und wir verstehen sehr gut, dass Putin nicht beabsichtigt, diese Angriffe einzustellen. Der Luftterror ist zu einem seiner wichtigsten Instrumente in diesem Krieg geworden. Mehr noch: Der russische Präsident versucht, den territorialen Krieg in einen demografischen Krieg zu verwandeln. Er hofft weiterhin, dass mit jedem Angriff die Bevölkerung der Ukraine schrumpfen wird und große ukrainische Städte selbst für diejenigen nicht mehr sicher erscheinen werden, die ihre Häuser bislang nicht verlassen haben.

Und hier stellt sich eine Frage, deren Antwort nicht besonders angenehm klingt.

Wie konnte es dazu kommen, dass die mächtigste Armee der Welt nach nur wenigen Monaten eines begrenzten Konflikts im Nahen Osten bereits nicht mehr in der Lage ist, einen Verbündeten mit einer ausreichenden Anzahl von Luftverteidigungssystemen zu versorgen? Wenn ein einziger Kriegsschauplatz die Ressourcen so stark erschöpft, was wird dann im Falle mehrerer gleichzeitiger Krisen geschehen? Und was bleibt dann von den Vorstellungen über die militärische Macht der Vereinigten Staaten?

Aber gut. Nehmen wir an, dass es so ist.

Was soll die Ukraine dann tun?

Die Antwort existiert, und sie ist nicht neu. Ich muss sie nur immer wieder wiederholen.

Erstens: Europa. IRIS-T, SAMP/T, Patriot-Systeme europäischer Produktion – all das existiert. Das Problem besteht nicht darin, dass es diese Systeme nicht gibt. Das Problem besteht darin, ob die europäischen Länder bereit sind, sie der Ukraine schnell und in ausreichender Menge zu übergeben. Manchmal ist diese Bereitschaft vorhanden. Häufiger muss sie jedoch nach jedem neuen Angriff auf ukrainische Städte erneut erkämpft werden.

Zweitens: die eigene Produktion. Die Ukraine produziert bereits unter Kriegsbedingungen Drohnen und Raketen. Das wird Patriot-Systeme nicht ersetzen, aber es ist eine Realität, die ausgeweitet werden muss. Dafür braucht es Technologien, Komponenten, Investitionen und industrielle Zusammenarbeit mit den Verbündeten. Nicht nur Worte der Unterstützung.

Und schließlich – das Wichtigste.

Der beste Schutz ukrainischer Städte ist die Zerstörung der russischen Möglichkeiten, Angriffe durchzuführen. Fabriken, Lagerhäuser, Logistikzentren, Abschussanlagen. Genau um solche Möglichkeiten bittet die Ukraine ihre Partner seit Jahren. Und genau davor haben viele im Westen noch immer Angst – aus Gründen, die nach jedem neuen Angriff auf Kyjiw, Charkiw, Odessa oder Dnipro immer weniger überzeugend erscheinen.

Das Paradox dieses Krieges ist einfach und grausam. Der Westen gibt der Ukraine einen Schild – und selbst diesen nicht immer in ausreichender Menge –, schränkt gleichzeitig aber oft die Möglichkeiten ein, denjenigen anzugreifen, der die Angriffe ausführt. Und anschließend wundert man sich, warum diese Angriffe nicht aufhören.

Zelenskys Brief war völlig logisch. Hegseths Antwort war vorhersehbar. Aber Briefe und Antworten sind ein Gespräch, keine Strategie.

Eine Strategie beginnt dort, wo man die Möglichkeit hat, den nächsten Angriff auf Kyiv bereits im Ansatz zu vereiteln.

Und zwar möglichst, bevor die Raketen erneut in Richtung ukrainischer Städte fliegen.


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Titel des Originals: Зеленський пише Трампу. Віталій Портников. 01.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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