Russland wird Polen angreifen | Vitaly Portnikov. 03.07.2026.

Die Zeitung Telegraph behauptet, dass die Vereinigten Staaten Polen vor einem möglichen russischen Angriff auf das Territorium des Landes gewarnt haben. Ein russischer Angriff könnte sowohl in Form von Drohnenangriffen auf die kritische Infrastruktur der Republik Polen erfolgen als auch – im schlimmsten Fall – als hybrider Angriff mit dem Eindringen russischer Militäreinheiten auf polnisches Staatsgebiet unter dem einen oder anderen Vorwand.

Die Amerikaner gehen davon aus, dass die Russen überzeugt sind, Polen werde auf einen solchen russischen Angriff nicht mit militärischer Gewalt reagieren, sondern versuchen, Verhandlungen mit Russland aufzunehmen.

Damit wird nun auch auf Ebene der Nachrichtendienste bestätigt, worauf ich in den vergangenen Monaten immer wieder hingewiesen habe. Die Logik des russisch-ukrainischen Krieges selbst verlangt aus Sicht des Kremls nach einer Ausweitung des Krieges.

Sie können das selbst gut nachvollziehen. In Russland ist man überzeugt, die Ukraine aus eigener Kraft besiegen und der Existenz unserer Staatlichkeit ein Ende setzen zu können. Das Einzige, was Putin bei diesen ehrgeizigen Plänen eines Abnutzungskrieges im Wege steht, ist die europäische Unterstützung für die Ukraine. Russland führt somit keinen Krieg gegen eine einzelne ehemalige Sowjetrepublik, sondern gegen den gesamten Westen – heute gegen die gesamte Europäische Union. Und die einzige reale Möglichkeit, die Lage zu seinen Gunsten zu verändern, wenn man den Krieg möglichst rasch zu russischen Bedingungen beenden möchte, besteht darin, der Ukraine die europäische Unterstützung zu entziehen.

Politische Instrumente, um Druck auf die europäischen Regierungen auszuüben, besitzt Russland – insbesondere nach der Niederlage Viktor Orbáns bei den Parlamentswahlen – nicht mehr. Deshalb müssen die gesellschaftlichen Stimmungen in Europa verändert werden, um jene Politiker zu stärken, die betonen werden, dass die europäischen Länder ohne Vereinbarungen mit Moskau dazu verurteilt seien, den Krieg auf ihr eigenes Territorium kommen zu sehen. Und damit diese Politiker Recht behalten, muss der Krieg tatsächlich auf dieses Territorium gelangen.

Zugleich muss gezeigt werden, dass die Vereinigten Staaten nicht bereit sind, ihre europäischen Verbündeten aktiv vor einem russischen Angriff zu schützen. Das bedeutet, dass das Zeitfenster für eine russische Aggression gegen Länder wie Polen oder die baltischen Staaten genau dann besteht, wenn sich Donald Trump im Oval Office befindet. Unter den Bedingungen einer deutlichen Schwächung seiner politischen Positionen in der Welt infolge des iranischen Fiaskos wird er kaum bereit sein, auch noch einen offenen Konflikt mit der Russischen Föderation zu riskieren – einen Konflikt, der ebenfalls unvorhersehbare Folgen für die Vereinigten Staaten haben könnte, wenn Washington ebenso unüberlegt und unentschlossen handeln würde wie während des Iran-Krieges.

Damit entstehen für den Präsidenten der Russischen Föderation und für die russische Armee kurzfristige, aber ideale Voraussetzungen für eine Ausweitung des Krieges – zumindest auf das Territorium der Länder Mitteleuropas. Und unter diesen Bedingungen wird der Krieg unvermeidlich. In erster Linie natürlich für Polen, wo sich wichtige Einrichtungen zur militärischen Unterstützung der Ukraine in unserem Widerstand gegen die russische Aggression befinden und wo es zahlreiche Politiker des rechten und ultrarechten Spektrums gibt, die schon heute behaupten, die Ukraine stelle für Polen eine größere Bedrohung dar als Russland.

Das heißt, sie sind zu Separatvereinbarungen mit dem russischen Regime unter dem Deckmantel des Schutzes der nationalen Interessen Polens bereit, ohne zu begreifen – ebenso wenig wie viele Vertreter der ukrainischen politischen Elite und der ukrainischen Gesellschaft dies insbesondere vor dem großen russischen Angriff verstanden haben –, dass jeder Versuch, sich mit der Russischen Föderation zu verständigen, das Raubtier lediglich zu noch härteren und schwereren Angriffen auf das Territorium des feindlichen Staates ermutigt. Mit ihren Erklärungen über die Notwendigkeit, sich mit Putin zu verständigen, stärken sie daher nur Putins Bereitschaft, nicht nur auf ukrainischem, sondern auch auf polnischem Boden Krieg zu führen.

Kann diese Gefahr für Polen oder etwa die baltischen Staaten abgewendet werden? Wenn man ehrlich ist, gibt es dafür keine großen Möglichkeiten. Die Ausweitung des Krieges folgt ihrer eigenen Logik. Und wenn ein Krieg wie der russisch-ukrainische einmal begonnen hat und nicht beendet werden kann, führt er zwangsläufig zu einer Ausweitung auf den gesamten Kontinent.

Man kann jedoch die militärischen Fähigkeiten der Russischen Föderation schwächen, der Ukraine entschlossener helfen und uns sowohl Flugabwehrsysteme als auch Raketen liefern, mit denen das russische militärisch-industrielle Potenzial zerstört, die Zahl russischer Raketen und Drohnen verringert und damit technische Schwierigkeiten für weitere Angriffe auf das Territorium Polens und anderer Staaten der Europäischen Union geschaffen werden. Das wäre ein weitaus richtigerer Schritt in die notwendige Richtung als historische Streitigkeiten zwischen Warschau und Kyiv, das Aberkennen von Orden und andere sinnlose Aktivitäten auf der Ebene des Präsidenten der Republik Polen und bestimmter Vertreter der polnischen politischen Elite.

Wie in der Ukraine im Jahr 2022 begreifen auch in Warschau im Jahr 2026 viele Menschen schlicht nicht, dass ihr Land in die letzten friedlichen – wenn nicht Monate, dann Jahre – seiner Existenz eingetreten ist und unter der Bedrohung von Angriffen durch die räuberische Russische Föderation steht sowie vor der Notwendigkeit, seine Bevölkerung vor solchen Angriffen zu schützen.

Schützen kann man sich nur durch euro-atlantische Solidarität und durch die Suche nach realen statt mythischen Bündnissen – denn all jene Bündnisse, die Polen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion geschlossen hat, sowie die Hoffnung, die euro-atlantische Integration werde zu jenem Schutzschirm werden, der einen neuen Krieg auf polnischem Boden unmöglich macht, haben sich in Mythen verwandelt. Schon jetzt lässt sich sagen, dass dieser Schutzschirm eher wie ein Accessoire zur Selbstberuhigung aussieht als wie ein tatsächliches Instrument, das uns mit Sicherheit sagen ließe, dass wir in den kommenden Monaten oder den nächsten Jahren kein brennendes Polen erleben werden.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росія нападе на Польщу | Віталій Портников. 03.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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