Noch vor kurzem schien die italienische Ministerpräsidentin und Führerin der Ultrarechten, Giorgia Meloni, die treueste Verbündete des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu sein. Die Nähe der ideologischen Ansichten, die persönliche Sympathie – all das führte dazu, dass sogar die Führer anderer europäischer Länder gerade auf Frau Meloni setzten, wenn es darum ging, einen besonderen Zugang zum Herzen des amerikanischen Präsidenten zu finden. Und Trump schien sich ebenfalls nicht lumpen zu lassen und überschüttete die Chefin der italienischen Regierung mit Komplimenten.
Doch nun hat sich alles ins Gegenteil verkehrt. Kein Tag vergeht ohne Kritik des Präsidenten der Vereinigten Staaten am italienischen Regierungschef. Zunächst unterstützte Giorgia Meloni den Nahostkrieg Donald Trumps nicht, und der amerikanische Präsident erinnert ständig daran und tat dies auch heute, indem er den italienischen Ministerpräsidenten erwähnte und betonte, dass die Beziehungen zu jenen Ländern, die ihn im Iran nicht unterstützt haben, nicht mehr so sein werden wie zuvor. Hinzu kam eine besondere Situation im Zusammenhang mit der Kritik, die Donald Trump am Papst Leo XIV. äußerte, indem er erklärte, ein solcher Papst sei für ihn nicht akzeptabel und der Pontifex verdanke ihm, Trump, überhaupt erst seinen Thron.
Natürlich konnte Giorgia Meloni nicht anders handeln. Der Krieg im Nahen Osten genießt in der italienischen Gesellschaft keine Popularität. Und was die Autorität des Papstes betrifft, so wäre es für jeden, selbst für den populärsten italienischen Politiker, politischer Selbstmord, die grobe Kritik am Pontifex zu ignorieren. Der Rating von Giorgia Meloni war stetig gesunken. Er war gesunken – und könnte nun wieder in etwa im gleichen Verhältnis steigen.
Warum? Weil wir bereits gesehen haben, dass, wenn Donald Trump oder sein Vizepräsident J. D. Vance jemanden in Europa unterstützen, dieser Politiker mit Unverständnis bei einem großen Teil der Wähler rechnen kann. Ein hervorragendes Beispiel ist die Unterstützung Donald Trumps für den umstrittenen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán sowie die Reise des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten J. D. Vance nach Budapest als Wahlkämpfer für Orbán. Wie bekannt ist, kostete diese Reise Orbán mehrere Prozentpunkte an Wählerunterstützung. Zumindest zeigten dies die ungarischen Vorwahlumfragen.
Auch viele andere europäische Politiker meiden derzeit Trump, wie der Teufel das Weihwasser, und verstehen, dass, wenn er jemanden kritisiert, dies höchstwahrscheinlich Sympathie gerade in dem Land hervorrufen wird, dessen Führung er angreift.
Etwas Ähnliches kann auch mit Giorgia Meloni geschehen. Sie hat erst kürzlich ein für sie bedeutendes Referendum über die Reform des Justizsystems verloren. Viele begannen zu sagen, dass es ihr kaum gelingen werde, ihre frühere Popularität zu bewahren. Und nun tritt die italienische Ministerpräsidentin in der Rolle der Verteidigerin der nationalen Souveränität und der Ehre des Papstes auf, der vom Präsidenten der Vereinigten Staaten beleidigt wird – und übrigens auch von dessen Vizepräsidenten, der weiterhin auf die Nachfolge hofft und zudem ein neu bekehrter Katholik ist.
Es ist klar, dass für viele Italiener diese Aussagen Donald Trumps ein echtes Gütesiegel darstellen werden, das bestätigt, dass sie sich nicht geirrt haben, als sie bei den Wahlen zum italienischen Parlament für die Partei von Giorgia Meloni gestimmt haben.
Schlimm ist etwas anderes: dass wir in eine Situation geraten sind, in der Äußerungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten über einen europäischen Politiker genau die entgegengesetzte Reaktion hervorrufen, als der amerikanische Präsident erwartet; dass die Unterstützung durch den Präsidenten eines Staates, der noch vor kurzem der wichtigste der demokratischen Welt war, bei den Wählern unweigerlich die Überzeugung erzeugt, dass dieser Politiker die nationalen Interessen nicht vertritt und überhaupt nicht das Land führen sollte. Und wenn der Präsident der Vereinigten Staaten sich mit beleidigenden Aussagen an einen europäischen Regierungschef richtet, dann bedeutet dies für den Wähler in Europa gerade, dass es sich um einen gefestigten politischen Akteur handelt.
Noch vor kurzem war alles anders. Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten sich zu einem Politiker oder einer öffentlichen Person äußerte, wurde dies ganz anders wahrgenommen, weil der Präsident der Vereinigten Staaten über etwas verfügte, das Donald Trump katastrophal fehlt – Respekt und moralische Autorität.
Andererseits kann man sagen, dass Trump selbst nie nach dieser moralischen Autorität strebte. Sowohl er selbst als auch sein Vizepräsident J. D. Vance, Außenminister Marco Rubio und andere amerikanische Beamte haben wiederholt deutlich gemacht, dass von Moral in der Politik keine Rede sein könne. Mit genau solchen Aussagen wandte sich J. D. Vance, wie bekannt, in seiner beschämenden Rede auf der Münchner Konferenz an das Publikum. Mit ähnlichen Ausfällen trat Donald Trump vom Podium des Weltwirtschaftsforums in Davos auf.
Wenn also Unmoral als wichtigstes politisches Instrument vom Präsidenten der Vereinigten Staaten selbst formuliert wird und von jenen, die sich in seinem Umfeld bewegen, unterstützt wird, dann kann man sagen, dass auch die Europäer dem amerikanischen Präsidenten mit derselben Münze des mangelnden Respekts antworten können – in dem Verständnis, dass von Moral in der Politik, wenn es um Donald Trump geht, keine Rede sein kann.
Deshalb würde ich an Stelle von Giorgia Meloni die herablassende Kritik Donald Trumps, die sie offensichtlich nicht verdient hat, nicht allzu ernst nehmen. Denn in Wirklichkeit kann diese Kritik zu einem echten politischen Geschenk für die italienische Ministerpräsidentin werden, nicht nur ihre Amtszeit verlängern, sondern auch ihre Chancen auf politisches Überleben selbst dann sichern, wenn man Donald Trump und seine politische Karriere bereits zu vergessen beginnt.
Und ich habe den Verdacht, dass kein zukünftiger Präsident der Vereinigten Staaten sich erlauben wird, sich in derart grober Weise über Kollegen zu äußern, mit denen die Vereinigten Staaten strategische Beziehungen verbinden. Denn letztlich bleiben – ungeachtet aller Ausfälle, die wir seit Trumps Rückkehr ins Oval Office hören – die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten unverändert, und die Sicherheit dieses Landes hängt von den Positionen ab, die die Vereinigten Staaten in ihren Beziehungen zu europäischen Partnern einnehmen, insbesondere wenn es um Sicherheit geht.
Und diese Wahrheit lässt sich durch keine Inkompetenz und Parteilichkeit Donald Trumps auslöschen, der hartnäckig versucht, so offensichtliche, durch die Zeit und vor allem durch zwei Weltkriege bestätigte Fakten zu ignorieren, die den Amerikanern eigentlich hätten zeigen müssen, wie wichtig Europa für das Überleben der Vereinigten Staaten selbst ist. Doch für Menschen wie Donald Trump, wie bekannt, existieren historische Beweise nicht.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп атакует Мелони | Виталий Портников. 15.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 15.04.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
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