Der russische Rückzug setzt sich fort | Vitaliy Portnikov. 05.05.2026.

Russische Militärangehörige des sogenannten Afrikakorps des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation haben bereits die dritte strategisch wichtige Stadt im Norden Malis verlassen – Aguelhok. Und wie schon in den beiden vorherigen Fällen verlassen die russischen Truppen die Stadt kampflos und nutzen faktisch einen Korridor, der ihnen von den Rebellen gewährt wird.

Gemeinsam mit den Russen verlässt auch das Militär der malischen Regierungsarmee die Stadt, wobei diese Armee buchstäblich vor den Augen zerfällt. Denn malische Soldaten ziehen nach dem Verlassen der jeweils für die malische Junta strategisch wichtigen Städte Zivilkleidung an und fliehen, damit weder die Rebellen noch die eigenen Generäle sie finden können. Russische Söldner haben, wie wir verstehen, diese Möglichkeit nicht. Aber auch sie wollen entweder nicht oder sind nicht in der Lage, für die malische Junta zu kämpfen, die so große Hoffnungen auf Putin gesetzt hatte.

Es lohnt sich daran zu erinnern, dass das Regime, das heute nach einem weiteren Militärputsch dieses afrikanische Land regiert, auf die Hilfe französischer Streitkräfte verzichtet hat. Diese hatten die malische Regierung jahrzehntelang im Kampf gegen Dschihadisten und Separatisten unterstützt. Stattdessen übertrug man die Verantwortung für die Sicherheitslage im Land der privaten Militärfirma Wagner von Jewgeni Prigoschin, die nach dessen Aufstand und Tod durch das Afrikakorps des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation ersetzt wurde. Im Grunde handelt es sich um dieselben ehemaligen Wagner-Söldner, nur unter der Führung russischer Generäle. Doch wie wir sehen, ist das Afrikakorps nicht in der Lage, der malischen Regierung wirkliche Hilfe im Kampf gegen Dschihadisten und die separatistischen Tuareg im Norden zu leisten.

Man kann inzwischen von einem echten Kollaps des malischen Staates sprechen. Der Verteidigungsminister des Landes, Sadio Camara, der wichtigste Lobbyist russischer Interessen in der Region, wurde von Rebellen getötet. Und der Diktator Assimi Goïta, der nach dem Tod seines Verteidigungsministers auch dessen Aufgaben übernommen hat, wirkt erheblich geschwächt, nachdem russische Truppen gemeinsam mit seiner eigenen Armee die wichtigsten Festungen im Norden aufgegeben haben, während die malische Hauptstadt Bamako von Rebellenkräften blockiert wird.

Und dieses beschämende Scheitern der Russen in Afrika – ich erinnere daran, dass die Kontrolle über die Regime in der Sahelzone zu den wichtigsten geopolitischen Erfolgen Putins der letzten Jahre gehörte – erlaubt es uns erneut, den französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu zitieren, der während seines Staatsbesuchs in Armenien sagte, dass man sich auf Russland nicht verlassen sollte.

Man sollte sich nicht auf Russland verlassen – weder im postsowjetischen Raum, wo der Kreml als aggressiver Mörder von Zivilisten auftritt, und das keineswegs nur in der Ukraine. Man sollte sich auch nicht auf Russland in Afrika verlassen, wo russische Söldner im Wesentlichen vor allem die Bereicherung der eigenen korrupten Eliten durch die Ausplünderung afrikanischer Länder gemeinsam mit Militärjuntas verfolgten. Und man sollte sich auch in den Vereinigten Staaten nicht auf Russland verlassen, wo Präsident Donald Trump weiterhin auf irgendeine Form fruchtbarer wirtschaftlicher Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation hofft.

Wieder einmal sehen wir die Anachronismen russischer Ansätze moderner Kriegsführung und die Rückständigkeit der Vorstellungen russischer Politiker und Generäle über die geopolitische Rolle der Russischen Föderation. Als Putin beschloss, den Juntas in der Sahelzone zu helfen, bestand seine Hauptaufgabe darin, die Möglichkeiten des Westens zu schwächen. Vor allem wollte er sich an Frankreich und Präsident Emmanuel Macron für die Unterstützung der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland rächen. Das Ergebnis war jedoch, dass Russland den Juntas zwar helfen und sogar Militärputsche unterstützen konnte, durch die Leute wie General Assimi Goïta an die Macht kamen. Aber Moskau ist schlicht nicht in der Lage, den Rebellenbewegungen in diesen Ländern tatsächlich Widerstand zu leisten.

Man muss sagen, dass die Franzosen während ihrer Operationen in Afrika keine derart beschämenden Niederlagen erlitten haben. Und nun stellt sich die Frage, wie sich die Situation in naher Zukunft entwickeln wird. Viele Beobachter, die sich mit Afrika beschäftigen, betonen, dass wir Zeugen des Entstehens eines weiteren faktisch handlungsunfähigen Staates in einer der Schlüsselregionen des afrikanischen Kontinents werden könnten.

Denn gegen die Militärjunta von General Assimi Goïta kämpfen sowohl Dschihadisten, die die Schaffung eines islamischen Staates in Mali anstreben – möglicherweise in einer abgeschwächten Form ähnlich dem Staat, der derzeit in Syrien nach dem Zusammenbruch eines weiteren Verbündeten Moskaus, des „Schlächters von Damaskus“ Bashar al-Assad, aufgebaut wird – als auch die Tuareg im Norden, die seit Langem von einem eigenen unabhängigen Staat träumen.

Und falls es gelingt, die Junta zu stürzen, ist keineswegs ausgeschlossen, dass diese beiden Gruppierungen keine gemeinsame Sprache finden und stattdessen einen Krieg gegeneinander beginnen – zwischen jenen, die sich von Mali abspalten wollen, und jenen, die Mali als islamischen Staat unter der Führung von Rebellenführern sehen möchten.

Dies ist nicht das erste Mal, dass russische Einmischung zu einem derart schrecklichen Kollaps führen könnte. Und es ist nicht das erste Mal, dass Russland die Folgen seiner eigenen Handlungen nicht begreift, weil es die Möglichkeiten seines Staates und – wie wir aus eigener Erfahrung wissen – seiner Armee überschätzt.

Im Moment beobachten wir jedoch, wie russische Militärangehörige ohne jeglichen Widerstand, ohne auch nur den Versuch, ihre Positionen irgendwie zu verteidigen, aus den wichtigsten Festungen eines afrikanischen Staates fliehen – unter dem jubelnden Applaus der lokalen Bevölkerung. Deren Vertreter berichten anschließend über Grausamkeiten und Verbrechen, die identisch mit jenen sind, die die Russen in Butscha, Isjum und anderen ukrainischen Städten begangen haben, die in der ersten Phase des großen russisch-ukrainischen Krieges unter ihre Besatzung gerieten.

Denn Russen bleiben mit ihren Verbrechen, Plünderungen, Vergewaltigungen und anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit auf jedem Kontinent Russen. Und auch das scheint jedem offensichtlich zu sein, der die Handlungen des Putin-Regimes und seiner Vorgänger in allen Kriegen verfolgt, die Russland geführt hat.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росіяни продовжують відступати | Віталій
Портников. 05.05.2026.

Autor: Vitaliy Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 05.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Macron und Meloni blockieren Hilfe für die Ukraine | Vitaly Portnikov

Die Bereitstellung eines 20 Milliarden Euro schweren Hilfspakets für die Ukraine, das als Antwort der Europäischen Union auf die amerikanischen Schwankungen gedacht war, könnte sich aufgrund der Haltung der französischen und italienischen Führung verzögern oder in abgeänderter Form beschlossen werden. 

Wie bekannt ist, wurde die Initiative zur Bereitstellung neuer militärischer Unterstützung für die Ukraine von Vertretern der europäischen Diplomatie, der ehemaligen estnischen Premierministerin Kaja Kallas, vorgebracht. 

Zunächst ging es um die Bereitstellung von 7 Milliarden Euro, jetzt ist eine Summe von 20 Milliarden Euro im Gespräch. Die Ukraine soll im Rahmen dieses Hilfspakets etwa 1,5 Millionen Einheiten Munition, Unterstützung für Luftabwehrsysteme sowie Möglichkeiten zur Rehabilitation ukrainischer Soldaten und zur weiteren Ausbildung ukrainischer Brigaden erhalten, die sich an der Frontlinie befinden oder sich auf eine aktive Teilnahme an Kampfhandlungen vorbereiten.

Die Opposition Ungarns und der Slowakei war traditionell zu erwarten. Der ungarische Außenminister Péter Szijjártó erklärte sofort, dass sein Land das Paket blockieren werde, da Gelder europäischer Steuerzahler nicht zur Unterstützung des Krieges verwendet werden könnten. Natürlich wurde auch vom slowakischen Regierungschef eine ähnliche Haltung erwartet, zumal der slowakische Premierminister Robert Fico an einer Konferenz der Konservativen in den Vereinigten Staaten teilnahm und sich mit Elon Musk traf.  Doch wie bekannt ist, war diese Opposition Ungarns und der Slowakei immer recht vorhersehbar und endete in der Regel mit der Zustimmung zur Meinung aller anderen EU-Staaten.

Diesmal kamen die Probleme jedoch nicht aus Budapest und Bratislava, sondern aus Paris und Rom. Sowohl der französische Präsident Emmanuel Macron als auch die italienische Premierministerin Giorgia Meloni sprachen sich dagegen aus, dass ein solches Hilfspaket in nächster Zeit bereitgestellt werden sollte. Der Spiegel behauptet, dass sowohl Frankreich als auch Italien derzeit eine hohe Verschuldung aufweisen und daher keinen Spielraum in ihren Staatshaushalten haben.  Es geht aber nicht nur um die Haushaltsplanung.  Bekanntlich ist Giorgia Meloni eine der treuesten Anhängerinnen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump und leitet die postfaschistische Partei Fratelli d’Italia. Meloni ist eine Gleichgesinnte der amerikanischen Ultrarechten und war eine der wenigen ausländischen Politikerinnen, die während der Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten in die Rotunde eingeladen wurden.

Damals bezeichneten amerikanische Beobachter diejenigen, die sich in der Rotunde befanden, als Gäste einer Art Familienfeier.  Natürlich, sofern es sich nicht um Amtsträger handelte, die aufgrund ihrer eigenen Pflichten oder der Machtübergabe an die neue Regierung an der Zeremonie dieser Amtseinführung teilnehmen mussten.

Und unter diesen Gästen der Familienfeier befand sich Giorgia Meloni, tatsächlich die einzige europäische Regierungschefin, die Donald Trump dort sehen wollte. Und es ist verständlich, dass die italienische Premierministerin die Beziehungen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht unbedingt beeinträchtigen möchte. Nicht umsonst kam sie eine Stunde zu spät zum europäischen Gipfel, der von Emmanuel Macron in Paris einberufen wurde, und nannte den Gipfel nach ihrer Teilnahme einen „Anti-Trump-Gipfel“.

Emmanuel Macron, der diesen Gipfel einberief und erklärte, er wolle, dass die europäischen Länder die Ukraine in der schwierigen Situation unterstützen, strebt bekanntlich danach, unter den gegebenen Umständen die Führungsrolle in Europa zu übernehmen, und diese Rolle schließt eine Konfrontation mit den Vereinigten Staaten aus, zumindest nach Meinung des französischen Präsidenten selbst.  Wie bekannt ist, wird Emmanuel Macron bereits diesen Montag in die amerikanische Hauptstadt reisen, um mit Donald Trump zu verhandeln.

Und er möchte offensichtlich den amerikanischen Präsidenten in Bezug auf seine Haltung gegenüber der Rolle der europäischen Länder und der Ukraine in den bevorstehenden illusorischen Verhandlungen über eine Waffenruhe mit der Führung der Russischen Föderation umstimmen. Damit Donald Trump den europäischen Führern zuhört, muss er sich möglicherweise nicht mit ernsthafter Opposition aus Europa und demonstrativer militärischer Unterstützung durch die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union konfrontiert sehen, in einer Situation, in der Donald Trump versucht, diese militärische Unterstützung als Druckmittel gegen die Ukraine und nicht gegen Russland einzusetzen, da der amerikanische Präsident, wie wir sehen, in Bezug auf das Land Wladimir Putins eine entschiedene geopolitische Wende vollzogen hat und es sogar scheut, Russland zum dritten Jahrestag seines Angriffs auf die Ukraine als Aggressorstaat zu bezeichnen.

Möglicherweise geht man in Paris davon aus, dass Donald Trump ziemlich bald auf entschlossene Opposition Putins gegen all seine Friedenspläne stoßen wird. Und er wird sich zwischen einer politischen Demütigung entscheiden müssen, die der ganzen Welt und den Amerikanern selbst offensichtlich werden wird, und einem entschlossenen Widerstand der Führung der Russischen Föderation. Bis dahin möchte der französische Präsident die Beziehungen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht verschärfen. Zumindest könnte er die Idee haben, dass zum Zeitpunkt seines Besuchs in Washington, der genau mit dem dritten Jahrestag des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine zusammenfällt, die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten nicht noch weiter verschlechtert werden sollten.  

Früher wurde angenommen, dass die Europäische Union unmittelbar nach den Bundestagswahlen in Deutschland ein neues Paket militärischer Hilfe für die Ukraine bekannt geben würde, damit die Abstimmung über dieses Paket nicht als Einmischung in den Wahlkampf im führenden Land der Europäischen Union erscheint. Doch nun wird deutlich, dass die Entscheidung über die militärische Hilfe der Europäischen Union zumindest bis zu den Gesprächen verschoben werden könnte, die Emmanuel Macron und andere europäische Führer im Weißen Haus führen werden, in der Hoffnung, den amerikanischen Präsidenten umzustimmen.

Denn wenn Donald Trump der Idee der militärischen Hilfe der Europäischen Union für die Ukraine zustimmt, steht es ihm nichts im Wege, nicht nur die Position seiner Verbündeten Giorgia Meloni, sondern auch die Position seines langjährigen Freundes, des ungarischen Premierministers Viktor Orbán, und natürlich die Position Robert Ficos zu beeinflussen, der sowohl auf Wünsche aus Washington als auch auf Wünsche aus Brüssel achtet. Im Moment ist jedoch völlig unklar, wie Emmanuel Macron Donald Trump beeinflussen will, der anscheinend davon überzeugt ist, dass die Ukraine seinem Einvernehmen mit Wladimir Putin und anderen autoritären Führern im Wege steht, was der amerikanische Präsident als unnötiges Hindernis für den Aufbau einer Welt beseitigen möchte, in der sich autoritäre Führer viel wohler und angenehmer fühlen werden als die Führer der demokratischen Welt.