Musterbeispiel für Menschenfresserei.. Vitaly Portnikov. 31.08.2026.

Зразок людожерства. Віталій Портников. 31.08.2026.

Die russischen Funktionäre haben aufgehört, sich zu schämen. Noch vor einigen Wochen konnten wir die vertraute Rhetorik von der Befreiung der Ukrainer von den Nazis hören, von der Vorherrschaft des Westens, der gegen Russland Krieg führe, und von dem „einen Volk“, das von den verfluchten „Nationalisten“ gewaltsam auseinandergerissen worden sei.

Doch nun ruft der stellvertretende Vorsitzende der russischen Staatsduma von Putins „Einigem Russland“, Pjotr Tolstoi, zur Vernichtung ukrainischer Städte auf und behauptet, dass es in der Ukraine keine Unschuldigen gebe. Und der Staatsduma-Abgeordnete einer anderen putintreuen Partei – „Gerechtes Russland“ –, Alexej Schurawljow, bezeichnet den Einsatz von Atomwaffen als Pflicht der Russischen Föderation und vergleicht die Ukrainer mit … den Japanern, die nach den Atombombenabwürfen zu Verbündeten der Vereinigten Staaten wurden. Obwohl man meinen sollte: Was haben Amerikaner und Japaner mit Ukrainern und Russen zu tun? Amerikaner und Japaner hat schließlich nie jemand als ein Volk bezeichnet, nicht wahr?

Putins Handlanger verstehen, dass der Krieg ganz anders verläuft, als man ihn im Kreml geplant hatte. Dass die Armee nicht in dem Tempo vorankommt, das Putins Generäle ihm versprechen. Dass die Europäer der Ukraine auch nach der Reduzierung der Hilfe aus den Vereinigten Staaten weiterhin helfen. Dass die Schläge gegen die russische Wirtschaft ernsthafte Probleme für das künftige Funktionieren des Tschekistenregimes schaffen. Und ihre Wut sind sie bereit, an Frauen und Kindern auszulassen – buchstäblich! Denn die Abrechnung mit Kyiv und dem Kyiver Gebiet ist buchstäblich eine Kompensation dafür, dass es ihnen nicht gelingt, die Kapitulation der Ukraine zu erzwingen.

Ich werde nicht behaupten, dass dies die Hysterie einer Agonie ist. Bis zur Agonie des Putin-Regimes ist es noch weit, sehr weit, und ich schließe nicht aus, dass der russische Präsident auf dem Weg zum Zusammenbruch noch mehrere Angriffskriege entfesseln wird. Aber das ist ein echtes Schuldeingeständnis für ein Kriegstribunal, eine offene Darlegung der tatsächlichen russischen Absichten. Was Tolstoi, Schurawljow und andere russische Propagandisten und Funktionäre jetzt sagen, zerstört endgültig die Legende von der „Brüderlichkeit“ und der Befreiung. 

Die russischen Chauvinisten haben auch früher nie so gedacht, haben die Ukrainer auch früher als Fremde betrachtet und die Eroberung ukrainischer Gebiete auch früher ausdrücklich als Besatzung verstanden – es genügt, die Dokumente aus der Zeit des Vertrags von Perejaslaw und des bolschewistischen Angriffs auf die Ukraine zu lesen, um sich davon zu überzeugen. Aber sie haben immer freudig gelogen, um die Eroberung fremder Gebiete zu rechtfertigen, um zu erklären, warum sie töten, plündern und brandschatzen.

Doch jetzt haben sie aufgehört zu lügen. Und sie haben gezeigt, dass wir es mit der Banalität des reinen Bösen zu tun haben, das nicht einmal mehr versucht, sich als das Gute auszugeben. Und tatsächlich – warum sollte der Teufel verbergen, dass er einen Schwanz hat, wenn es ohnehin jeder sieht? Tolstoi jedenfalls verbirgt ihn nicht mehr.

Übrigens zu Tolstoi, diesem Kannibalen und Widerling, der ein direkter Nachfahre des berühmten russischen Schriftstellers ist. Vor genau 117 Jahren schrieb Lew Tolstoi in einem letztlich nicht abgeschickten Brief an einen hochrangigen russischen Beamten, er schreibe „über einen sehr bemitleidenswerten Menschen, den bemitleidenswertesten von allen, die ich heute in Russland kenne. Diesen Menschen kennen Sie und, seltsam genug, lieben Sie ihn, aber Sie begreifen nicht das ganze Ausmaß seines Unglücks und bedauern ihn nicht so, wie es seine Lage verdient. Dieser Mensch sind Sie selbst … Ich kann die Verblendung nicht begreifen, die es Ihnen erlaubt, Ihre schreckliche Tätigkeit fortzusetzen, denn durch Ihre heutige Tätigkeit haben Sie sich bereits jenen schrecklichen Ruf erworben, aufgrund dessen Sie für immer als Beispiel für Grobheit, Grausamkeit und Lüge gelten werden.“

Heute könnte man diese Worte des russischen Klassikers sowohl an seinen verlogenen Urenkel als auch an diejenigen richten, denen er dient – an Putin, die Generäle der Tschekisten und der Armee, an alle Mittäter des offen angekündigten Mordens an friedlichen Ukrainern. Besser als Tolstoi selbst – der echte Tolstoi wohlgemerkt und nicht der Abschaum mit dem berühmten Nachnamen – kann man es nicht sagen. All diese Menschen sind ein Beispiel für Grobheit, Grausamkeit und Lüge.

Ein Musterbeispiel für Menschenfresserei.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Зразок людожерства. Віталій Портников. 31.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 31.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Putin verwandelt Kyiv in die Hölle | Vitaly Portnikov. 29.08.2026.

Bereits den vierten Tag in Folge greift der Feind Kyiv und das Kyiver Gebiet an. Zunächst möchte ich den Angehörigen und Nahestehenden der bei diesem brutalen Angriff Getöteten sowie allen Betroffenen mein aufrichtiges Beileid aussprechen.

Wir müssen uns zunächst darüber klar werden, welche Absichten der russische Machthaber Putin mit diesem Angriff verfolgt und wie sich die Ukraine gegen diese neue Situation im seit vielen Jahren andauernden russisch-ukrainischen Krieg verteidigen muss. Das Erste, was man dazu sagen muss, ist, dass Putin wie gewohnt technologische Zeitfenster nutzt.

Zunächst war es ein ballistisches Zeitfenster, das damit zusammenhing, dass die Ukraine ebenso wie andere mit den Vereinigten Staaten verbündete Länder nicht über genügend Flugabwehrraketen verfügt. Eine direkte Folge des jüngsten Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran.

Jetzt hängt dieses Zeitfenster damit zusammen, dass es keinen ausreichenden Schutz gegen strahlgetriebene Shahed-Drohnen gibt. Die Ukraine hat im Kampf gegen gewöhnliche Shahed-Drohnen erhebliche Erfolge erzielt, doch Russland hat die ganze Zeit über seine unbemannten Fluggeräte weiterentwickelt und nutzt nun den unzureichenden Schutz gegen sie für Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur und zivile Objekte.

Der zweite Punkt im Zusammenhang mit Putins Zielen ist der Luftterror: die Einschüchterung der ukrainischen Zivilbevölkerung und die Erzeugung einer Stimmung von Panik und Kapitulationsbereitschaft gegenüber Russland. Putin ist überzeugt, dass die Ukrainer von ihrer Staatsführung genau eine solche Kapitulation verlangen müssen, als praktisch einzige Alternative zur Zerstörung ihres eigenen Landes. Deshalb versucht er, mit den Mitteln des Terrors die ukrainische Gesellschaft dazu zu bringen, seinen Forderungen zuzustimmen und die eigene Staatsführung zur Kapitulation zu zwingen.

Der dritte, ziemlich wichtige Punkt hängt damit zusammen, dass Putin sich tatsächlich auf weitere Kampfhandlungen vorbereitet. Auf diese Weise zerstört die russische Armee Infrastrukturobjekte. Dabei handelt es sich nicht nur um Militärdepots, sondern auch um Einrichtungen, die mit dem Funktionieren großer ukrainischer Städte verbunden sind.

Und hier kommen wir bereits zu Putins viertem wichtigen Ziel, das sich weniger gegen die Ukraine als vielmehr gegen die feindlichen Länder des Westens richtet. Putin bereitet sich auf einen langen Konflikt mit der zivilisierten Welt vor, möglicherweise auf einen hybriden und einen echten Krieg mit europäischen Staaten. Er braucht eine Migrationskrise. Er wollte sie bereits 2022 herbeiführen, doch damals stellte sich heraus, dass seine Erwartungen auf ein Aufflammen migrationsfeindlicher Stimmungen in den europäischen Ländern vergeblich waren. Und nun will er unter neuen Bedingungen zur Idee einer Migrationskrise zurückkehren.

Die Unbewohnbarkeit ukrainischer Städte ist somit ein direkter Weg zur Destabilisierung europäischer Städte, zu migrationsfeindlichen Stimmungen und zu Wahlerfolgen ultrarechter und ultralinker politischer Kräfte, die bereit sind, sich mit Moskau zu den Bedingungen des russischen Präsidenten und seines Umfelds zu verständigen.

Der fünfte Punkt, über den ebenfalls gesprochen werden muss, ist der Versuch, auch die an die Ukraine angrenzenden Länder des postsowjetischen Raums einzuschüchtern. Es geht nicht einmal darum, ob Putin die Ukraine erobern kann oder nicht. Es geht darum, dass allein die Zerstörungen in der Ukraine die ehemaligen Sowjetrepubliken davon überzeugen sollen, sich nicht von Russland abzuwenden, sondern sich mit ihm zu arrangieren. Sie sollen begreifen, dass eine Abkehr vom politischen Raum der Russischen Föderation mit erheblichen Migrationsverlusten und Zerstörungen auf dem eigenen Territorium verbunden sein kann.

Und natürlich irrt sich auch, wer behauptet, Putin bestätige mit diesen Zerstörungen in Wirklichkeit, dass er nicht vorhabe, die gesamte Ukraine zu erobern. Denn für die Russen war es nie wichtig, was auf dem Territorium geschieht, das sie erobern. Für die Russen war immer wichtig, dass dieses Territorium als Sprungbrett für eine weitere Expansion dient.

Ob es dort Menschen, Fabriken oder Infrastruktur gibt, ist dagegen eine völlig nachrangige Frage. Auf einem großen Teil des russischen Territoriums gibt es, wie wir wissen, nichts davon. Und das hindert die Russen nicht daran, auf dieses leere Territorium stolz zu sein – als das Territorium des flächenmäßig größten Staates der Welt.

Und noch ein wichtiger Punkt, an den wir uns erinnern müssen. Manche werden es Rache nennen, aber ich nenne es die Psychologie des russischen Machthabers. Putin reagiert auf Versuche, ihn zum Frieden zu zwingen, auf Eskalation stets mit noch härteren Maßnahmen, die deutlich machen sollen, dass man keinen Druck auf ihn ausüben sollte.

Die ukrainischen Streitkräfte haben – und das ist eine offensichtliche Tatsache – der russischen Wirtschaft schwere Schläge versetzt. Auch die russische Wirtschaft nähert sich einer unausweichlichen Katastrophe, und Putin versteht das sehr gut. Jeder realistisch denkende Mensch würde in dieser Situation über die Notwendigkeit eines Waffenstillstands oder sogar des Friedens nachdenken – nur Putin nicht.

Ich möchte daran erinnern, dass er in seinem ersten Interviewbuch, das unmittelbar vor seiner Wahl zum Präsidenten der Russischen Föderation im Jahr 2000 erschien, von einer Begegnung mit einer Ratte erzählte, die der noch junge Putin in die Enge getrieben hatte. Doch die Ratte drehte sich um und begann denjenigen anzugreifen, der sie dorthin getrieben hatte. Und Putins Lebensmodell, das Modell seines Verhaltens, ist das Verhaltensmodell dieser Ratte.

Man muss immer daran denken: Wenn du Putin in die Enge treibst, wird er dich aus dieser Ecke heraus angreifen. Genau das geschieht. Es gibt also derzeit nichts im Handeln des russischen Präsidenten, was nicht vorhersehbar gewesen wäre.

Aber wie kann man sich gegen dieses Vorgehen verteidigen? Nun, erstens muss man verstehen, dass jede Panikstimmung und jeder Aufruf zur Kapitulation die Gefahr des Krieges nicht beseitigen, sondern nur noch vergrößern werden. Denn Putin ist fest davon überzeugt: Wenn man versucht, sich mit ihm zu verständigen, bedeutet das, dass man immer stärkeren Druck ausüben, den Feind zur endgültigen Kapitulation zwingen und ihn vernichten muss. Die russische Wirtschaft zu treffen und Russland auszubluten ist daher möglicherweise das einzige Rezept, das uns erlaubt, diese Phase der Eskalation zu überleben.

Der nächste Punkt betrifft einen wirksamen Schutz gegen ballistische Raketen und strahlgetriebene Shahed-Drohnen. Bei ballistischen Raketen ist es natürlich schwieriger, aber auch hier müssen sowohl Raketen als auch entsprechende Möglichkeiten gefunden werden. Bei den strahlgetriebenen Shahed-Drohnen geht es um unseren nächsten technologischen Durchbruch.

Wir sagen ständig, dass sich der Krieg verändert, und er wird sich auch in allen kommenden Phasen weiter verändern. Deshalb müssen wir auf jede russische Weiterentwicklung mit einer eigenen Verbesserung unserer Verteidigung reagieren und nach neuen Möglichkeiten für Angriffe auf Russland suchen – und zwar so, dass Russland darauf nicht antworten kann.

Und natürlich stellt sich in einer solchen Situation immer die Frage nach einer effektiven Führung des Staates. Wenn wir aus Angriffen auf Militärdepots keine Konsequenzen ziehen und sich solche Angriffe in Wohngebieten wiederholen, reicht es nicht aus, dass der Präsident des Landes oder der Ministerpräsident darauf lediglich reagiert. Man muss begreifen, dass der Staat ineffizient geführt wird. Und das ist, wie mir scheint, eine Wahrheit, die man, wenn schon nicht innerhalb von sieben Monaten, so doch zumindest innerhalb von sieben Jahren hätte begreifen können.

Nun, dafür muss man kein großes Genie der Politik und der Staatsführung sein. Nur eine Regierung der nationalen Rettung, nur eine richtige Verteilung der Kompetenzen, nur die Beteiligung von Menschen an der Staatsführung, die tatsächlich ernst zu nehmende Manager in der Führung des Landes sind und bereit sind, Verantwortung für die kommende Phase zu übernehmen, kann uns helfen, uns von dem Abgrund zu entfernen, in den uns nicht nur der russische Präsident treibt, sondern auch unser eigenes Unverständnis darüber, wie ein Staat in einer derart schwierigen Situation geführt werden muss.

Deshalb müssen aus jedem solchen mehrtägigen Angriff Schlussfolgerungen gezogen werden, die darauf abzielen, dass sich solche Angriffe nicht mehr wiederholen oder für die Bevölkerung der Ukraine, die ukrainische Infrastruktur und die Lebensfähigkeit des Landes weniger schmerzhaft sind.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін перетворює Київ на пекло | Віталій Портников. 29.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Die Hoffnung, die Mariupol am Leben hielt. Nadia Sukhorukova. 23.08.2026.


Der Tag der ukrainischen Flagge im ukrainischen Odesa

https://www.facebook.com/share/r/1EydsRN5WG/?mibextid=wwXIfr

Heute wurde mir ein Video geschickt, in dem ein anderthalbjähriges, lockiges Mädchen aus einer kleinen Stadt im Süden der Ukraine dem Klang der Luftschutzsirene lauscht.

Die Mutter fragt sie: „Was heult da, mein Schatz?“ Das kleine Mädchen reißt die Augen weit auf und wiederholt: „Uuuu.“

Die Mutter fragt noch einmal: „Und was macht das ‚Uuuu‘?“

Und das kleine lockige Mädchen hebt die Ärmchen über den Kopf, lässt sie dann plötzlich nach unten fallen und sagt: „Ba-bumm.“

Dieses Video werde ich nicht veröffentlichen. Ich habe keine Erlaubnis dazu. Ich werde es auf meinem Handy speichern, auf meinen Computer und auf einen USB-Stick übertragen.

Ich werde dieses Video für all jene bewahren, die nicht sehen wollen, was die Missgeburten aus Russland mit meiner Ukraine machen.

Ich werde dieses Video für all jene bewahren, die von den „guten Russen“ erzählen und die Worte eines russischen Schriftstellers „über die Träne eines Kindes“ zitieren.

Für diejenigen, die ein so kurzes Gedächtnis haben wie ein Aquarienfisch und vergessen haben, wann dieser Krieg begann und wie viele ukrainische Städte Russland zerstört hat.

Ich werde es für all jene bewahren, die Geld und persönliche Interessen über das Leben von Kindern stellen.

Wahrscheinlich werde ich jetzt etwas Schreckliches schreiben. Aber im März 2022, in Mariupol, hatte ich mehr Hoffnung als heute. Ich rannte unter Beschuss von einer Straße zur anderen, in einer halb toten Stadt, und glaubte daran, dass die Ukraine standhalten würde, selbst wenn wir hier alle sterben sollten. Die ganze Welt würde ihr helfen. Die Welt würde nicht zulassen, dass mein Land gequält wird. Und danach würde sie die russischen Bastarde bestrafen.

Ich glaubte, dass dieselbe Menge an Bomben und Raketen, die auf meine Stadt niedergegangen war, anschließend auf die verdammten Raschisten fallen würde. Ich dachte daran ohne Hass. Ich wartete ruhig darauf, denn ich war mir sicher, dass diese abscheulichen Kreaturen, die grundlos Menschen töten, unweigerlich bestraft werden würden.

Diese Hoffnung schenkte mir ein einziger Telefonanruf. Den ich bis heute für ein Wunder halte. Damals bekam ich zum ersten Mal seit der russischen Invasion eine Verbindung zur Außenwelt. Es war der 9. März 2022.

Ich stand auf der Treppe des dritten Eingangs eines neunstöckigen Wohnhauses am Prospekt Myru, gegenüber einem ausgebrannten Auto, hörte das Dröhnen eines russischen Flugzeugs und schrie einem Menschen, der sich außerhalb der Hölle von Mariupol befand, ins Telefon:

„Ist Kyiv noch unser? Ist Odesa noch unser? Ist Charkiw noch unser?“

Auf alle Fragen erhielt ich bejahende Antworten und gab sie an Männer in Arbeitskleidung weiter. Als sie sahen, dass ich mit dem Handy telefonierte, waren sie sehr überrascht und baten mich herauszufinden, wie sich die anderen Städte der Ukraine hielten.

Am Tag zuvor hatten die russischen Missgeburten es irgendwie geschafft, verlogene Nachrichten an unsere fast toten Handys zu schicken. In den Nachrichten stand etwas in der Art: „Ukrainischer Soldat, ergib dich. Du bist eingekesselt. Widerstand ist zwecklos.“

Wir dachten damals voller Entsetzen, dass nur Mariupol noch Widerstand leistete und alle anderen Städte zerstört und besetzt waren.

Können Sie sich vorstellen, was für ein Glück es war, als wir auf der Treppe des neunstöckigen Wohnhauses, unter dem Dröhnen eines russischen Flugzeugs, erfuhren, dass die Ukraine standhielt und dass es damit auch für uns Hoffnung gab. Und scheiß auf alle russischen Flugzeuge zusammen.

Die unbekannten Männer in Arbeitskleidung schüttelten mir die Hand und drohten dem russischen Piloten, der unterwegs war, um Bomben auf Wohnhäuser abzuwerfen, mit der Faust zum Himmel.

Ich hörte, wie sie die Straße entlanggingen und den Menschen, die über offenem Feuer kochten oder vor einem Wasserfass Schlange standen, zuriefen: „Kyiv ist unser, ukrainisch! Odesa ist unser! Charkiw ist unser!“

Und ich saß auf der eiskalten Treppe des neunstöckigen Wohnhauses, lauschte ihren sich entfernenden Stimmen und wollte nicht mehr sterben. Denn es ist einfach dumm zu sterben, wenn man wieder Hoffnung hat.

Damals dachte ich, bis zum Ende des Krieges seien nur noch wenige Tage übrig. Ich glaubte, dass die Welt gerecht sei. Dass die Welt furchtlos sei. Dass wir alle gemeinsam den Raschisten in die Fresse polieren würden und sie zurück in ihr schwarzes Loch kriechen würden. Für lange Zeit, vielleicht sogar für immer.

Ich wusste, dass sie sich vor Gegenwehr fürchten würden. Denn Mörder und Wahnsinnige sind ihrem Wesen nach feige. Und die Macht, die die Welt gegen sie entfesseln würde, würde diesen Krieg beenden.

Doch die Welt erwies sich als anders. Sie erwies sich als feige, hilflos und käuflich. Die Welt schmeichelt sich weiterhin bei Mördern und Wahnsinnigen ein. Der Welt sind die sterbende Menschen scheißegal. Der Welt ist sogar ihre eigene Zukunft scheißegal.

Ich möchte wieder daran glauben, dass noch nicht alles verloren ist. Dass alles Schlechte vorübergehen wird wie eine Sonnenfinsternis. Und dass das winzige lockige Mädchen aus einer kleinen Stadt im Süden der Ukraine, ebenso wie alle unsere Kinder, ein glückliches Leben führen wird, in dem es keine Luftalarme, keine Bombardierungen und keine Missgeburten aus einem geistig toten Land geben wird.

Möge unsere Hoffnung zu uns zurückkehren!

Und auf dem Video ist der Tag der ukrainischen Flagge im ukrainischen Odesa zu sehen. Alles Gute zum Feiertag, meine wunderbaren und mutigen Freunde!


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Social Media
Autor: Nadia Sukhorukova
Veröffentlichung: 23.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Der schreckliche russische Angriff auf die Ukraine | Vitaly Portnikov. 30.07.2026.

Ein neuer furchtbarer Angriff des Feindes auf die Ukraine. Zunächst möchte ich den Angehörigen und Freunden der Getöteten sowie allen, die bei diesem Angriff in der gesamten Ukraine verletzt wurden, mein aufrichtiges Beileid aussprechen.

Im Zentrum dieses Angriffs standen mehrere große Städte – im Osten, im Zentrum und im Westen des Landes. Angegriffen wurden Kyiv und Lwiw, Winnyzja und Krywyj Rih, Poltava und Sumy. Dabei wurden rund 70 Raketen eingesetzt, darunter eine große Zahl ballistischer Raketen, aber auch Antischiffsraketen vom Typ Zirkon, die sich ebenfalls nur sehr schwer abfangen lassen, wenn keine entsprechenden Luftverteidigungssysteme vorhanden sind.

Bereits jetzt ist von schweren Zerstörungen und zahlreichen Todesopfern die Rede. Zum jetzigen Zeitpunkt spricht man von sechs Toten in Krywyj Rih sowie jeweils einem Todesopfer in Kyiv und in der Region Poltava. In Lwiw werden die Trümmer beschädigter Wohnhäuser geräumt, die ebenfalls von diesem gewaltigen Angriff getroffen wurden.

Man kann sagen, dass dies einer der größten und massivsten russischen Angriffe auf die Ukraine während dieses schrecklichen Krieges war. Während sich die jüngsten Angriffe der vergangenen Wochen vor allem gegen die ukrainische Hauptstadt richteten, war Kyiv diesmal nur eines der Ziele von Putins Angriff. Zugleich sehen wir, dass die Russen den Angriffen auf den Westen unseres Landes große Aufmerksamkeit gewidmet haben. Dies war die zweite Angriffswelle.

Offenkundig ist auch, dass die Angriffe auf die Energieinfrastruktur nicht nur für den Herbst dieses Jahres geplant sind – sie dauern bereits jetzt an. So wurden mehrere Raketen in Richtung des Wärmekraftwerks Burschtyn abgefeuert, um auf diese Weise die Energieversorgung der westlichen Regionen unseres Landes zu treffen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Zirkon-Raketen erstmals seit Beginn des Krieges Winnyzja erreicht haben. Dort blieb nicht einmal genügend Zeit, Luftalarm auszulösen. Der Einschlag der Zirkon-Raketen erfolgte eine Minute, bevor in Winnyzja die Sirenen ertönten. Das erinnert uns übrigens erneut daran, wie heimtückisch die russischen Angriffe sind und wie sehr Putin am Terror interessiert ist. Die Bewohner der Städte, die Ziel russischer Angriffe werden können, haben nicht einmal genügend Zeit, eine Warnung zu erhalten und Schutz zu suchen.

Tatsächlich führt Russland gezielte Angriffe durch, die nicht nur auf die ukrainische Infrastruktur gerichtet sind, sondern vor allem darauf abzielen, unsere Bevölkerung einzuschüchtern und Wege zu finden, die die Ukraine zur Kapitulation vor dem russischen Aggressor zwingen könnten.

Ich habe bereits mehrfach darauf hingewiesen – und angesichts der Bilder, die wir jetzt aus vielen Regionen unseres Landes sehen, angesichts dieses Luftterrors, lässt sich das nur wiederholen –, dass Russland vor allem jenes Zeitfenster nutzt, das sich für seine Streitkräfte nach Beginn des Krieges am Persischen Golf geöffnet hat: vor dem Hintergrund des katastrophalen Mangels an Luftverteidigungssystemen, man kann sagen, in der ganzen Welt, und angesichts der Tatsache, dass die Vereinigten Staaten sich weiterhin auf mögliche neue Kampfhandlungen im Nahen Osten vorbereiten.

Auch den Amerikanern selbst fehlen inzwischen Luftverteidigungssysteme – zumindest im Hinblick auf die Bestände, die nach den Planungen des Pentagons vorgesehen waren. Deshalb können wir die Vereinigten Staaten zwar bitten, uns weitere Raketen zur Verfügung zu stellen, so wie Präsident Volodymyr Zelensky dies bei seinem jüngsten Treffen mit Präsident Donald Trump getan hat. Doch es bleibt fraglich, ob die Amerikaner unter den Bedingungen des Wiederaufbaus ihrer eigenen Bestände und der Sorge, im Falle eines möglichen Konflikts etwa mit der Volksrepublik China – ganz zu schweigen von einer Fortsetzung der Auseinandersetzungen mit dem Iran – selbst schutzlos dazustehen.

Können die Amerikaner uns unter solchen Umständen genügend Raketen für die Luftverteidigung liefern? Die Zahl, die Volodymyr Zelensky Donald Trump bei ihrem letzten Treffen in Washington nannte – 300 Raketen für die Patriot-Batterien –, stellt angesichts des derzeitigen Produktionstempos von Abfangraketen tatsächlich eine enorme Herausforderung für den amerikanischen militärisch-industriellen Komplex dar.

Und genau darin liegt die Antwort auf die Frage, wie man sich heute gegen Russland schützen kann. Unter den gegenwärtigen Bedingungen wird es niemals genügend Abfangraketen geben, um die ballistischen Raketen Russlands vollständig unschädlich zu machen – zumal Russland bereit ist, die Ukraine sogar mit Antischiffsraketen anzugreifen, deren Treffgenauigkeit bekanntlich nicht besonders hoch ist. Selbst wenn man davon ausgeht, dass Russland tatsächlich bestimmte Infrastrukturziele angreifen wollte – obwohl ich weiterhin glaube, dass dies keineswegs der Fall ist –, kann eine solche Rakete dennoch in einem Wohnviertel oder in einem Wohnhaus einschlagen.

Die wirkliche Möglichkeit, die russischen Angriffe zu stoppen, besteht deshalb darin, diejenigen unschädlich zu machen, die diese Waffen herstellen: durch Angriffe auf den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation und auf die Abschussstellungen russischer Raketen. Mit Abfangraketen allein lässt sich auf dieser strategischen Ebene derzeit kaum etwas erreichen – und woher sollen all diese Abfangraketen überhaupt kommen?

Angriffe auf die Fabriken und auf die Abschussstellungen hingegen können der Russischen Föderation zumindest in naher Zukunft tatsächlich erhebliche Probleme bereiten – gerade jetzt, da bereits neue Wellen massiver Angriffe geplant werden. Zumal Russland über diese Raketen keineswegs in unbegrenzter Zahl verfügt, wie oft angenommen wird. Es sammelt sie über Wochen hinweg entsprechend der Produktionsleistung eben jener Fabriken.

Wenn die Fabriken nicht arbeiten, werden auch keine Raketen gestartet. Und ich bin der Ansicht, dass genau dies zu einem wichtigen Bestandteil des Dialogs der Ukraine mit unseren westlichen Partnern werden muss. Es geht nicht nur darum, uns Luftabwehrraketen zu liefern, von denen es ohnehin zu wenige gibt, sondern uns die Möglichkeit zu geben, das Territorium des Staates, der demonstrativ Terror gegen die friedliche Bevölkerung der Ukraine ausübt und friedliche Städte sowie ihre Wohnviertel angreift, nicht nur mit Drohnen, sondern auch mit Raketen anzugreifen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Жахлива атака Росії по Україні | Віталій
Портников. 30.07.2026.

Autor/Kanal: [Autor]
Veröffentlichung: 30.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Heute hat man mich getötet. Olena Kudrenko. 29.07.2026.

https://www.facebook.com/share/p/1JVgHatbWD/?mibextid=wwXIfr

Heute hat man mich getötet. Das Ungeheuer auf der anderen Seite der Grauzone zündete zufrieden eine Zigarette an. Es warf den Zigarettenstummel auf die vor Schmerz aufschreiende ukrainische Erde.

Aber der Reihe nach …

Am Anfang war die Kindheit. Und in ihr gab es gute Dinge – die Illusion, dass alles gut werden würde. Ich glaubte aufrichtig, dass die Sonne immer hell scheinen würde und die reifen Erdbeeren im Garten meiner Eltern ewig wachsen würden. Während ich sie aß, kostete ich jene Jahre aus, in denen man mir nicht einmal die Hälfte dessen erzählt hatte, wozu Menschen fähig sind. In der Illusion von Güte und Vertrauen konnte man sich eine Zeit lang fühlen wie Gott in Frankreich. Einfach deshalb, weil man nichts von der Existenz der Hölle auf Erden weiß.

Dann begannen die Lektionen – Lektionen, die das Leben selbst erteilte. Dass man sogar ein hohes Alter erreichen kann und erst dann begreift, dass man all die Jahre in Wirklichkeit gar nicht gelebt hat. Dieselben Illusionen, dieselbe Imitation, derselbe Selbstbetrug, die Unkenntnis seiner selbst und derjenigen, die man an sich heranlässt. Verliebtheit, Glück, Enttäuschung. Jugend, ihr Verlust und Krankheiten. Zeiten, in denen etwas wichtig ist – und Zeiten, in denen einem einfach alles gleichgültig ist. Die Liebe zu etwas – und mit der Zeit der Hass auf eben dieses.

Das Leben ist kein warmes Bett, man muss seinen Weg durch das Leben gehen. Man muss an ihm leiden, man muss es genießen.

Aber es ist zerbrechlich.

Da fahre ich mit dem Auto auf einer fast menschenleeren Straße. Ich bringe etwas in eine Nachbarstadt und denke an den Abend, der kommen wird. An das schmutzige Geschirr, das ich nicht mehr geschafft habe zu spülen. An die Blumen, die ich gestern nicht gegossen habe. Daran, dass ich einen Termin für eine Ultraschalluntersuchung vereinbaren muss. Und an das Hoftor der Nachbarn, das quietscht und meine ohnehin schon strapazierten Nerven noch mehr belastet.

Auf der anderen Seite der Grauzone hat er seinen todbringenden Vogel bereits losgeschickt. Aus der Vogelperspektive sieht er mein einsames Auto. Ich lasse das Auto am Straßenrand stehen und renne schwer atmend quer über das Feld zu einem schmalen Waldstreifen. Er nimmt nicht das Auto ins Visier.

Er nimmt mich ins Visier.

Mein Gehirn weigert sich zu glauben, dass mein Tod ganz nah ist. Ich renne, und das hohe Gras schneidet mir in die Beine und hinterlässt Schnitte auf meiner hellen Haut. Die Bäume kommen immer näher, und er dort oben scheint sich über mich lustig zu machen. Er sieht mich. Er sieht meine Angst. Er sieht meine Augen. Derjenige, der die Drohne steuert, sieht, wer ich bin – aber das hält ihn nicht davon ab, mich weiter zu verfolgen. Ich schaffe es noch, mich an die Illusionen zu erinnern. An die Erdbeeren. An die Blumen zu Hause, die ich nicht gegossen habe.

Bevor er mich tötete.

Das Ungeheuer auf der anderen Seite der Grauzone zündete sich zufrieden eine Zigarette an. Es warf den Zigarettenstummel auf die vor Schmerz aufschreiende ukrainische Erde.

P. S. Natürlich handelt dieser Beitrag nicht von mir. Es ist meine Reaktion auf eine Nachricht, die inzwischen wohl schon etwa einen Monat alt ist. Eine Drohne verfolgte eine Dorfschullehrerin, die ihr Auto auf der Straße stehen ließ und in Richtung Wald lief. Sie wurde vorsätzlich getötet, nachdem auf der Kamera eindeutig zu erkennen war, dass sie eine zivile Frau war.

Region Charkiw, 2026.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Social Media
Autor: Olena Kudrenko
Veröffentlichung: 29.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Der bislang größte ballistische Angriff auf Kyiv | Vitaly Portnikov. 19.07.2026.

Ein weiterer russischer ballistischer Angriff auf Kyiv, möglicherweise der größte während dieses gesamten großen Krieges. Zunächst möchte ich den Betroffenen dieses Angriffs mein Mitgefühl aussprechen. Bislang ist bereits ein Todesopfer bekannt.

Natürlich erinnert uns das erneut daran, was in Wirklichkeit die wichtigste Tagesordnung für die Ukraine in ihrem Krieg gegen die Russische Föderation ist: die Zerstörung der Möglichkeiten des Feindes, die darauf gerichtet sind, die Ukrainer einzuschüchtern und zu vertreiben, unsere Städte in unbewohnbare Orte zu verwandeln und ukrainisches Territorium zu besetzen.

Das ist es, was uns einen und dazu bewegen sollte, nach den wirksamsten Möglichkeiten zu suchen, diesen Versuchen Moskaus in den kommenden Monaten und Jahren entgegenzutreten.

Sie sehen, dass Putin – wie ich bereits mehrfach betont habe, als ich über diese Angriffe sprach – vor allem versucht, das Zeitfenster der Möglichkeiten zu nutzen, damit die ballistischen Raketen, die er gegen Kyiv und andere ukrainische Städte und Regionen einsetzt, ihre Ziele treffen.

Denn wir beobachten einen gravierenden Mangel an Raketenabwehr gegen ballistische Flugkörper – sowohl in der Ukraine als auch weltweit. Umso mehr vor dem Hintergrund, dass die Vereinigten Staaten und der Iran ihre gegenseitigen Angriffe wieder aufgenommen haben und der Iran bereits heute mit schwerwiegenden Aktionen zur Zerstörung der Infrastruktur am Persischen Golf droht. 

Übrigens greift er dabei praktisch zu denselben Methoden wie die Russische Föderation. Denn in Teheran spricht man davon, die Entsalzungsanlagen in den Staaten des Persischen Golfs zerstören zu wollen. Nicht amerikanische Militärobjekte, nicht Stützpunkte, sondern das, was den Menschen Zugang zu Wasser verschafft. Das heißt, die Idee, die Städte am Persischen Golf in unbewohnbare Orte zu verwandeln, deckt sich auf erstaunliche Weise mit dem gleichen Wunsch Moskaus.

Wenn Ihnen also jemand erzählt, Russland suche in Wirklichkeit gezielt militärische Ziele aus, um die Fähigkeiten der Streitkräfte der Ukraine zu schwächen, und greife militärische Betriebe oder Lager an, dann können Sie diese Person an die iranischen Drohungen und die bereits erfolgten Angriffe auf Entsalzungsanlagen erinnern.

Der Iran hat – anders als Russland – seine Ziele nie verborgen. Doch die Ziele autoritärer Regime sind stets dieselben: das zu zerstören, was den Menschen ermöglicht, sich zu entwickeln und normal zu leben. Militärische Ziele werden dabei natürlich nie ausgeschlossen. Das eigentliche Wesen dieser Angriffe besteht jedoch in der Zerstörung der städtischen Infrastruktur und darin, die Stadt selbst in Trümmer zu legen.

Schauen Sie sich diese Ruinen in Lukjaniwka an. Fragen Sie sich selbst, welche militärischen Ziele Moskau nach den jahrelangen systematischen Angriffen auf diesen Stadtteil der ukrainischen Hauptstadt dort heute eigentlich noch zu finden versucht. Nein – das sind Ruinen um der Ruinen willen. Dahinter steht das völlig offensichtliche Ziel, gerade Wohnviertel zu zerstören, um die Menschen davon zu überzeugen, dass sie in Kyiv keinen Platz mehr haben.

Die Zirkon-Raketen, die Russland auch in dieser Nacht für Angriffe auf Kyiv eingesetzt hat, zeichnen sich ohnehin nicht durch eine solche Zielgenauigkeit aus, dass die russischen Streitkräfte ernsthaft hoffen könnten, ein bestimmtes Objekt präzise zu zerstören. Schließlich handelt es sich um Raketen, die eigentlich für den Seekrieg vorgesehen sind. Und deshalb werden sie, wenn sie gegen eine friedliche Stadt eingesetzt werden, genau zu dem, was sie sind: ein Instrument des Terrors. Genau das geschieht, wenn Russland Kyiv angreift – ein Instrument des Terrors.

Man könnte fragen: Warum ist ausgerechnet die Hauptstadt in einer Zeit, in der es an Raketenabwehr gegen ballistische Flugkörper mangelt, ständig Ziel solcher Angriffe?

Weil die Russen mit ihrer zentralistischen Denkweise, mit ihrer Überzeugung, dass in Russland alles auf Moskau konzentriert sein müsse, glauben, dass die Verwandlung Kyivs in Trümmer automatisch die Niederlage der gesamten Ukraine bedeuten würde. Sie meinen, dass dann auch in allen anderen ukrainischen Städten erkannt werde, dass den Einwohnern der Ukraine nichts anderes bleibe als die Kapitulation und der Anschluss ihres Landes an die Russische Föderation. Und diejenigen, die keine loyalen Bürger von Putins Russland sein wollen, sollen das Land verlassen, das Putin weiterhin für russisches Territorium hält.

Das ist das ganze Programm der Einschüchterung, des Mordens und der Zerstörung, das wir jede Nacht am Himmel über Kyiv beobachten, wenn diese Terrorangriffe stattfinden.

Und noch einmal: Man sollte nicht glauben, dies seien Vergeltungsschläge für die Zerstörung russischer Lager oder Fabriken. Wenn russische Lager und Fabriken nicht zerstört würden, wenn Militärbetriebe, Raffinerien und Lagerhäuser mit den für Drohnen und Raketen benötigten Bauteilen nicht brennen würden, dann gäbe es schlicht noch viel mehr solcher Angriffe.

Die Lubjanka nimmt keine Rache. Sie setzt kaltblütig das Programm um, das sie sich selbst vorgenommen hat. Und die einzige Möglichkeit, dieses Programm zu stoppen, besteht darin, dem Raubtier seine Zähne zu ziehen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Наймасштабніша балістична атака на Київ | Віталій Портников. 19.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 19.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Die Logik des Terrors. Vitaly Portnikov. 07.07.2026.

Логіка терору. Віталій Портников. 07.07.2026.

Der jüngste russische Angriff, der sich vor allem gegen die ukrainische Hauptstadt richtete, ließ selbst bei jenen keine Zweifel mehr, die bislang noch vermutet hatten, Russland versuche, militärische oder industrielle Ziele zu treffen und nehme lediglich in Kauf, dass seine Raketen in Wohnvierteln einschlagen, die sich in der Nähe der angegriffenen Objekte befinden. Nein – dieser Angriff richtete sich gezielt gegen Wohnviertel. Es scheint, als hätten die Russen überhaupt keine anderen Ziele gesucht. Sie wollten zerstören und Angst verbreiten. Das ist die reine Logik des Terrors.

Es stellt sich die naheliegende Frage: Was will Putin mit diesem Terror gegen die Zivilbevölkerung erreichen? Glaubt er tatsächlich, durch solche Angriffe das Ausbleiben größerer Erfolge an der Front kompensieren zu können? Wenn man das Verhaltensmuster des russischen Präsidenten kennt, lässt sich das keineswegs ausschließen. Zu Beginn seiner politischen Karriere, im Jahr 1999, griff Putin Wohnhäuser in seiner eigenen Hauptstadt an. Die Explosionen von Wohngebäuden in Moskau und anderen Städten der Russischen Föderation sollten die Bürger davon überzeugen, dass nur dieser kleine, schmächtige Mann ihre Sicherheit garantieren könne – jener Mann, der versprach, Terroristen „selbst auf dem Klo zu erledigen“.

Heute handelt er genau umgekehrt: Er greift Wohnviertel in Kyiv an, damit die Ukrainer begreifen, dass es keine Sicherheit geben wird, solange sie seine Bedingungen nicht akzeptieren und auf ihren Staat sowie ihre Souveränität verzichten.

Ein weiteres Ziel fügt sich in die Logik des demografischen Krieges ein, den Putin praktisch seit den ersten Tagen der großangelegten Invasion gegen die Ukraine führt. Wir haben oft darüber gesprochen, dass Putins eigentliches Ziel ein Blitzkrieg war – die blitzschnelle Besetzung der Ukraine und der Austausch ihrer Regierung durch ein Marionettenregime. In Russland war man sich jedoch völlig darüber im Klaren, dass ein solcher Angriff zwangsläufig eine Flüchtlingswelle nach Europa auslösen würde. 

Damit verfolgte man zugleich zwei Ziele.

  • Das erste bestand darin, die einheimische Bevölkerung loszuwerden, um die ukrainischen Gebiete anschließend bequem mit russischen Staatsbürgern zu besiedeln – genau das geschieht heute in den besetzten Gebieten der Ukraine.
  • Das zweite Ziel war es, in Europa eine massive Migrationskrise auszulösen, die moskaufreundlichen politischen Kräften den Weg an die Macht ebnen sollte.

Putin hatte bereits Erfahrung mit der Organisation einer solchen Krise, als er den syrischen Diktator Baschar al-Assad unterstützte. Damals gewannen rechts- und linksradikale Kräfte, die stets zu einer Verständigung mit dem Kreml aufgerufen hatten, erheblich an Einfluss, und ihre Umfragewerte stiegen rasant an. Ich bin überzeugt: Ohne die syrische Migrationskrise hätte es den Aufstieg der Alternative für Deutschland und anderer rechtsextremer Parteien in Europa in dieser Form nicht gegeben.

Wie bekannt ist, scheiterten diese Pläne Putins. Der Blitzkrieg misslang. Auch die Migrationskrise blieb aus, weil die Ankunft ukrainischer Flüchtlinge in den europäischen Gesellschaften nicht dieselben Folgen hatte wie die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten – auch wenn man der Wahrheit halber sagen muss, dass sich die Stimmung gegenüber Migration in Europa inzwischen allmählich zu verändern beginnt.

Ein bedeutender Effekt des Angriffs vom Februar 2022 trat jedoch tatsächlich ein: Die Bevölkerung der Ukraine ist erheblich geschrumpft. Millionen Menschen haben das Land verlassen, und mit jedem weiteren Kriegsjahr schwinden die Hoffnungen, dass der Großteil von ihnen jemals zurückkehren wird.

Putin nutzt weiterhin Instrumente, die diesen demografischen Druck verstärken können. Angriffe auf Großstädte führen ebenfalls zu einer möglichen Umsiedlung der Bevölkerung – in kleinere Städte oder ins Ausland. Damit versucht er, dem Nachbarstaat seine wirtschaftliche und demografische Zukunft zu nehmen. Auch das ist die Logik des Terrors.

Deshalb sollte Präsident Volodymyr Zelensky meiner Ansicht nach auf dem bevorstehenden NATO-Gipfel in Ankara mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und den anderen westlichen Staats- und Regierungschefs genau über diesen Terror sprechen. Nicht nur über den Krieg, sondern über den Terror.

Darüber, dass Putin sich endgültig zum Anführer einer terroristischen Organisation entwickelt hat, die lediglich einen Staat imitiert. Und dass die gewöhnlichen Bürger, die seinen Angriffen zum Opfer fallen, nun vor diesem größten Terroristen des Planeten geschützt werden müssen.

Denn dies ist längst nicht mehr nur ein Krieg zwischen Armeen. Es ist ein klassischer Krieg gegen Frauen und Kinder – genau das, womit sich terroristische Organisationen im Nahen Osten beschäftigen.

Deshalb ist die Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung zum Schutz der Zivilbevölkerung so wichtig. Deshalb sind weitere Schläge gegen die russische Wirtschaft so entscheidend – um den Terroristen die finanziellen Mittel zu entziehen, die ihnen die Fortsetzung ihrer Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung ermöglichen.

Dazu gehören nicht nur westliche Sanktionen, die den Verkauf russischen Erdöls und den Kauf russischer Erdölprodukte durch andere Staaten unterbinden sollten. Dazu gehört auch die Lieferung weitreichender Waffen an die Ukraine, mit denen die russische Industrie zerstört und die Terroristen in die Knie gezwungen werden sollen – genau auf jene Knie, von denen sie in ihrer Selbstgefälligkeit so gerne sprechen.

Es zeigt sich, dass Russland nur deshalb von den Knien aufsteht, um zu töten, zu vergewaltigen und zu verstümmeln. Dann soll es eben auf den Knien bleiben und niemanden mehr bedrohen.

Für diejenigen, die in der Ukraine leben, ist Terror nicht bloß ein Bild oder eine Metapher.

Es ist das Gefühl, im Luftschutzkeller zu sitzen und zu wissen, dass Raketen und Drohnen in unmittelbarer Nähe einschlagen.

Oder im Flur der eigenen Wohnung zu sitzen und die Explosionen zu hören.

Oder zu begreifen, dass die eigene Wohnung nicht mehr existiert – und dass auch die eigenen Angehörigen nicht mehr leben, getötet von Putin und seinen bewaffneten Männern in Uniform.

Hilfe für die Ukraine bedeutet deshalb nicht einfach Geld und Waffen.

Sie bedeutet die Möglichkeit zu überleben, wenn dein Tod geplant ist.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Логіка терору. Віталій Портников. 07.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 07.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Brutaler Angriff auf Kyiv. Der Terror geht weiter | Vitaly Portnikov. 06.07.2026.

Erneut ein massiver Angriff auf die ukrainische Hauptstadt. Vielleicht nicht ganz so groß angelegt wie jener, den wir erst vor wenigen Tagen erlebt haben, aber deshalb nicht weniger brutal als die vorherigen Angriffe auf Kyiv.

Erneut kamen sowohl Marschflugkörper als auch ballistische Raketen zum Einsatz, wobei diesmal im Vergleich zur vorangegangenen Zeit ungewöhnlich wenige Drohnen eingesetzt wurden. Und erneut richteten sich die gezielten Angriffe gegen Wohnviertel der ukrainischen Hauptstadt. Brände wüten, Rauch steigt über der Stadt auf.

Und wir sehen, dass die Raketen direkt in Wohnviertel und in die Häuser der Kyiver eingeschlagen sind. Natürlich möchte ich auch jetzt allen mein aufrichtiges Mitgefühl aussprechen, die Opfer dieses neuen Angriffs geworden sind, die ihr Zuhause verloren haben oder bei diesem Angriff verletzt wurden, während ich diesen Beitrag über eine weitere russische Grausamkeit aufzeichne.

Genaue Opferzahlen dieses russischen Verbrechens liegen noch nicht vor. Doch angesichts des Ausmaßes der Zerstörungen, die wir in Kyiv sehen, können wir uns bereits vorstellen, weshalb die Russen diese Angriffe durchführen: um zu töten, zu zerstören und Angst zu verbreiten.

Putin verfolgt dabei ein recht einfaches und pragmatisches Ziel. Er weiß, dass es derzeit nicht genügend Luftverteidigungsmittel gibt, um Kyjiw und andere ukrainische Regionen vor den Angriffen der russischen Invasoren zu schützen. Dieses Zeitfenster nutzt er gezielt, um die Ukrainer einzuschüchtern und Kyjiw sowie andere ukrainische Städte in Orte zu verwandeln, die nicht mehr bewohnbar sind.

Dabei verfolgt er mehrere Ziele zugleich: Er versucht, die Ukrainer davon zu überzeugen, dass der einzige Ausweg aus dem russisch-ukrainischen Krieg die Kapitulation vor dem Feind sei. Mag Putin auch auf dem Schlachtfeld keine wirklichen Erfolge erzielen. Mag seine Armee seit viereinhalb Jahren praktisch an derselben Frontlinie im Donezker Gebiet feststecken. Die Angriffe auf die Zivilbevölkerung der ukrainischen Hauptstadt und anderer Regionen sollen seine Unfähigkeit kompensieren, der Existenz des ukrainischen Staates und des ukrainischen Volkes ein Ende zu setzen.

Natürlich muss in diesem Zusammenhang auch ein weiteres Ziel des russischen Präsidenten genannt werden: sein Wunsch, im demografischen Krieg Vorteile zu erzielen. Selbst der sogenannte Putin-Blitzkrieg begann mit der Absicht, in Europa eine massive Migrationskrise auszulösen. Die russische Führung verstand sehr wohl, dass selbst dann, wenn es ihr gelingen sollte, in Kyjiw ein Marionettenregime aus den bedauernswerten Janukowytsch und Medwedtschuk einzusetzen, dies dennoch dazu führen würde, dass Millionen Ukrainer vor dem Krieg fliehen würden. Im Kreml hoffte man, dadurch eine ähnliche Migrationskrise auszulösen wie jene, die Putin infolge des Bürgerkriegs in Syrien hervorrufen konnte, und auf diese Weise den Einfluss ultrarechter und ultralinker politischer Kräfte in Europa zu stärken, die auf eine Zusammenarbeit mit Moskau ausgerichtet und von Moskau finanziert werden.

Wie Sie wissen, ist das nicht gelungen. Die demografische Migrationskrise, auf die Putin in Europa gesetzt hatte, trat nicht ein. Dafür kam es jedoch zu einer demografischen Krise in der Ukraine. Und mit seinen Angriffen auf ukrainische Städte versucht Putin, diese Krise weiter zu verschärfen. Selbst wenn es ihm nicht gelingt, die gesamte Ukraine zu erobern, träumt er davon, dass sie zu einem entvölkerten Gebiet wird, das er künftig – falls er es eines Tages doch noch besetzen kann – mit den eigenen Landsleuten besiedeln kann, gehorsamen Menschen, die bereit sind, jedes Verbrechen ihres Herrschers hinzunehmen. Auch das gehört zu seinen Zielen.

Und natürlich will Putin die ukrainischen Bürger davon überzeugen, dass er sich für die Angriffe der ukrainischen Armee auf die russische Hauptstadt, auf seine Heimatstadt Sankt Petersburg und auf andere Regionen der Russischen Föderation rächt. Und wir sehen bereits, dass bei einigen Kommentatoren und Nutzern sozialer Netzwerke entsprechende Stimmen aufkommen: „Lasst uns sie nicht mehr angreifen, dann werden auch sie aufhören, uns anzugreifen.“

Dabei verstehen wir sehr gut, dass die tatsächlichen Vergeltungsschläge gerade von der Ukraine ausgehen, denn der Aggressor und Verbrecher ist hier allein die Russische Föderation unter Führung Putins. Wenn wir das Potenzial des Feindes nicht zerstören, wenn wir seine Raffinerien und seine rüstungsindustriellen Betriebe nicht in Brand setzen, wenn wir die Abschussorte ballistischer Raketen, der Schahed-Drohnen und der Marschflugkörper nicht aufspüren und ebenfalls zerstören, dann werden die Angriffe der Russischen Föderation noch massiver und noch brutaler werden.

Sie werden immer einen Vorwand finden, um zu erklären, wofür sie sich rächen. Und wenn es keinen solchen Vorwand gibt, werden sie ganz in ihrem besten Stil eine weitere Provokation organisieren. Man kann sagen, dass der Föderale Sicherheitsdienst der Russischen Föderation darin unübertroffen ist. Und das wissen wir ebenfalls sehr genau.

Deshalb kann man in dieser Situation nur eines sagen: Wenn wir uns künftig vor russischen Angriffen schützen wollen, müssen wir unser Luftverteidigungssystem weiter ausbauen und gemeinsam mit unseren Verbündeten nach den notwendigen Möglichkeiten dafür suchen.

Ich hoffe, dass genau darüber auf dem bevorstehenden Gipfel der Nordatlantischen Allianz in Ankara gesprochen wird. Darüber wird auch der Präsident der Ukraine mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten bei ihrem Treffen auf diesem Gipfel sprechen. Denn für die Ukraine ist dies derzeit die wichtigste Aufgabe: Putins Tötung friedlicher Bürger durch den Ausbau der Luftverteidigung zu stoppen.

Und natürlich ist auch ein weiterer Punkt wichtig: Wir müssen über die Wirksamkeit neuer Angriffe gegen die Russische Föderation nachdenken. Man muss verstehen, dass sich dieser Staat wie eine echte Terrororganisation verhält und sich faktisch nicht mit Krieg, sondern mit der Ermordung friedlicher Menschen beschäftigt – genau mit dem, womit sich Terroristen immer beschäftigen. Deshalb ist die Zerstörung der Wirtschaft dieser Terrororganisation eine gemeinsame Aufgabe der gesamten zivilisierten Welt.

Die russische Wirtschaft muss in die Knie gezwungen werden. Denn es zeigt sich, dass die Russen, wenn sie sich von den Knien erheben, nur töten, zerstören und plündern können. Sollen sie also auf den Knien bleiben und niemandem mehr etwas Böses antun können.

Das ist ebenfalls unsere gemeinsame Aufgabe – die der Ukraine, der Vereinigten Staaten und der europäischen Länder – für die kommenden Jahre: der wirtschaftlichen Funktionsfähigkeit dieser Terrororganisation ein Ende zu setzen. Sollte es Russland eines Tages gelingen, ein zivilisierter Staat zu werden, dann wird es vielleicht auch wieder eine Wirtschaft haben.

Und wir müssen uns bewusst machen, dass all dies einzig und allein dazu dient, die Ukrainer einzuschüchtern und sie dazu zu bringen, auf ihre eigene Staatlichkeit zu verzichten. Deshalb ist die Fähigkeit, die Ziele Russlands zu verstehen und ihnen würdig entgegenzutreten, ebenfalls ein Schlüssel zur endgültigen beschämenden Niederlage des Präsidenten der Russischen Föderation, der russischen Armee und des russischen Volkes, die man durchaus als einen klassischen kriminellen Symbioseverbund im Kampf gegen die Ukraine und die Ukrainer bezeichnen kann.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Жорстока атака по Києву. Терор продовжується | Віталій Портников. 06.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 06.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Mariupol und andere unsere Städte. Keine Vergebung. Nadia Sukhorukova. 06.07.2026.

https://www.facebook.com/share/1JjJzvGEGE/?mibextid=wwXIfr

Man kann nicht vergeben, wenn auf dich geschossen wurde. Oder wenn dein Haus bombardiert wurde. Oder wenn du tote Menschen siehst, die noch vor einer Stunde mit dir über etwas gestritten und versucht haben zu lächeln, um dir Mut zu machen.

Jetzt liegen sie auf dem Asphalt, und du stehst schweigend über ihnen. Das lässt sich nicht aus dem Gedächtnis löschen.

Den Schmerz auslöschen und weiterleben. Wie alten Plunder aus dem Schrank. Wie einen Gegenstand, den niemand mehr braucht.

Wir hatten Glück. Wir konnten wegfahren. Ein Bekannter fragte mich: Wie hättest du gelebt, wenn du in Mariupol geblieben wärst? Ich hätte nicht gelebt.

Ich hätte nicht mit denen sprechen können, die getötet haben, und ihnen dabei zulächeln. Von ihnen Geld annehmen und mich bei ihnen einschmeicheln. Angst vor ihnen haben und auf dem Balkon eine fremde Flagge aufhängen, um ihnen zu gefallen.

Wir verließen Mariupol in zwei beschädigten Autos. Wir waren 16 Menschen und ein Hund. Wir alle wollten leben. Dieser Wunsch kam ganz plötzlich. Erst im Auto. Davor starben wir langsam im Keller. Wir erloschen wie die Dochte unserer Kerzen.

Der Sterbeprozess begann ganz plötzlich. Gestern noch glaubten wir, der Krieg werde bald enden, und ich überlegte angestrengt, wie lange es dauern würde, bis die Stadt wiederhergestellt wäre. Mariupol war zerstört und voller Trümmer. Wir sahen genauso aus wie die Stadt – schmutzig und verwahrlost.

Eine Zeit lang träumte ich davon, dass sofort wieder Wasser fließen würde. Dass es eine heiße Dusche und ein sauberes Bett geben würde. Ich wartete darauf, dass die Apotheken und Tierhandlungen wieder öffnen würden, damit ich Futter für die Tiere und Herztabletten kaufen könnte.

Doch dann kam das Sterben. Als Erstes starb die schwache Hoffnung. Wir glaubten nicht mehr daran, dass der Krieg enden oder die Stadt befreit werden würde. Wir spürten, dass wir niemals entkommen würden.

Und jedes Mal, wenn wir nach draußen gingen, bestätigte sich dieses Gefühl. Man geht zehn Meter, fünfzehn, zwanzig Meter von dem Ort weg, an dem man sich versteckt hat, und begreift, dass jeder Schritt ein Weg ins Nichts ist. Je weiter man geht, desto geringer sind die Chancen, zurückzukehren.

Manchmal musste man gar nirgendwo hingehen. Eine Granate schlug direkt ins Haus ein. Der Tod wurde frei Haus geliefert.

Im Krieg verändert sich alles augenblicklich. Zuerst glich die Stadt einem Zigeunerlager. Die Menschen bewegten sich in kleinen Gruppen. Gemeinsam wachten sie am Feuer, aßen in den Höfen, versteckten sich vor dem Beschuss in den Hauseingängen. Und dann – verschwanden sie.

Zwischen einem belebten Hof und seinem Tod lagen manchmal nur wenige Minuten. Eben noch waren Menschen in diesem Haus gewesen. Sie liefen zum Hauseingang, eilten hin und her, machten Feuer, versuchten nach einem nahen Einschlag die Fenster mit Sperrholz zu vernageln – und plötzlich war da Leere. Schrecklich und hoffnungslos. Manchmal schaffte man es nicht einmal mehr, ein Gespräch zu Ende zu führen.

Du gehst durch die Höfe und verstehst, dass hier niemand mehr ist. Und dass hier wahrscheinlich niemals wieder jemand sein wird. Wir verließen Mariupol über leere, zerstörte Straßen. Es war Morgen. Mittwoch, der 16. März.

Vor dem Krieg herrschte um diese Zeit Stau auf den Straßen. Menschen überquerten die Fahrbahn, Autos hupten, der Oberleitungsbus hielt weit hinter der Haltestelle an, weil er völlig überfüllt war. Wir liefen ihm nach und quetschten uns noch hinein. Mütter brachten ihre Kinder in den Kindergarten, Kinder liefen zur Schule, jemand ging mit seinem Hund spazieren.

Das war erst drei Wochen vor der Invasion gewesen. Meine Stadt lebte. Drei Wochen später fuhren wir halb lebendig aus einer toten Stadt fort. Wir verabschiedeten uns nicht von ihr. Dafür hatten wir keine Kraft mehr.

Es ist sehr merkwürdig, dass heute jemand von Vergebung spricht. Vergeben kann man vielleicht Menschen – und auch das nur, wenn sie Reue gezeigt haben. Bösartigen, stumpfen, bestialischen Wesen brauchen Vergebung überhaupt nicht. Sie denken in ganz anderen Kategorien.

Als wir naiv hofften, wenn wir den Russen erklärten, wie sehr wir litten und wie große Angst wir hatten, würden sie Gewissensbisse bekommen und aufhören zu töten, verschwendeten wir unsere Zeit.

Es wird keine Vergebung geben. Weder von mir noch von denen, die nach mir kommen. Die Ungeheuer, die das Leben anderer Menschen zerstören und vernichten, verdienen nur dieselbe Zerstörung und Vernichtung.

Dies sind Erinnerungen an Mariupol im Jahr 2022. Tatsächlich aber sind es Erinnerungen an all unsere Städte, die von den Wesen aus der Russischen Föderation ungestraft zerstört wurden.

Die russischen Ungeheuer töten und zerstören weiter. Sie greifen friedliche Menschen und Kinder an. Um uns verteidigen zu können, brauchen wir Raketen – doch davon haben wir derzeit viel zu wenige. Und die russischen Ungeheuer wissen das. Sie töten unbewaffnete Menschen, ohne innezuhalten. Jeden Tag gibt es neue Opfer.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Social Media

Autor: Nadia Sukhorukova
Veröffentlichung: 06.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Putin befiehlt die Fortsetzung des Terrors gegen die Ukraine | Vitaly Portnikov. 04.07.2026.

Putin hat befohlen, die massierten Angriffe auf die ukrainische militärisch-industrielle Infrastruktur und auf Objekte, die deren Funktionieren gewährleisten, fortzusetzen.

Übersetzt man dies aus der Sprache Putins, dann sprechen wir von dem Befehl, den massiven Terror gegen die ukrainische Zivilbevölkerung fortzusetzen. Denn beim jüngsten russischen Angriff auf Kyiv und andere ukrainische Regionen konnten wir uns davon überzeugen, dass die Russen gezielt Wohnviertel der ukrainischen Hauptstadt angreifen – dort, wo sich nicht einmal der Schatten einer ukrainischen militärisch-industriellen Infrastruktur oder irgendwelcher geheimer Einrichtungen befindet, die deren Funktionieren gewährleisten könnten. Es sei denn, man betrachtet die Wohnungen gewöhnlicher Ukrainer, die sich nicht vor dem brutalen russischen Regime ergeben wollen, als solche Objekte.

Doch genau auf diese Kapitulation hofft Putin weiterhin mit seinem terroristischen Angriff auf unseren Staat. Denn die militärischen Möglichkeiten zur Besetzung der Ukraine besitzt er schlicht nicht. Er hofft, dass gerade der Terror gegen die Ukrainer sie dazu zwingen wird, freiwillig der Liquidierung ihres Staates zuzustimmen – oder zumindest die Voraussetzungen für eine groß angelegte demografische Katastrophe im Nachbarland schafft.

Allerdings muss gesagt werden, dass Putin, obwohl er der ukrainischen Führung vorwirft, über nicht existierende Erfolge an der Front zu berichten, weil sie sich angeblich nur mit PR beschäftigen könne, selbst ausschließlich vor die Fernsehkameras trat, um die Einnahme von Kostjantyniwka durch die russischen Truppen bekannt zu geben.

Diese Behauptung des Präsidenten der Russischen Föderation wurde bereits vom Generalstab der Streitkräfte der Ukraine widerlegt. Doch selbst wenn man Putins Logik folgen würde – was kommt dann als Nächstes für die russische Armee, was kommt als Nächstes für den russischen Staat?

Putin betont, dass die Einnahme von Kostjantyniwka nur der erste Schritt zur Eroberung der Agglomeration Slowjansk–Kramatorsk sei. Das heißt, die russische Armee hofft weiterhin, die gesamte ukrainische Oblast Donezk erobern zu können. Dabei sollte man daran erinnern, dass die Eroberung der gesamten Donezker Oblast keineswegs – wenn schon nicht taktisch, dann ganz sicher nicht strategisch – das Ziel des Präsidenten der Russischen Föderation, der russischen Militärführung und des russischen Volkes in diesem Angriffskrieg gegen den Nachbarstaat war.

Putins strategisches Ziel war, ist und bleibt die Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit als solcher, verbunden mit der Eingliederung der ukrainischen Regionen als neue Föderationssubjekte in die Russische Föderation – so wie dies formal bereits mit den Oblasten Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja sowie mit der Autonomen Republik Krim und dem ukrainischen Sewastopol geschehen ist.

Putin besitzt keinerlei reale Möglichkeit, die Eingliederung dieser Regionen auch nur innerhalb ihrer administrativen Grenzen sicherzustellen. Wenn er erklärt, die sogenannte Befreiung Kostjantyniwkas sei lediglich der erste Schritt der russischen Armee zur Einnahme von Slowjansk oder Kramatorsk, dann bleibt das Entscheidende bestehen: Selbst wenn man sich vorstellt, Putin würde die geografischen Grenzen seiner eigenen Annexion erreichen, würde ihm das keinerlei reale Möglichkeiten eröffnen, die Ukraine zu erobern oder jenem ehrgeizigen Plan näherzukommen, der bereits im fernen Jahr 1991 auf der Lubjanka entworfen wurde: die Wiederherstellung der russischen Staatlichkeit innerhalb der Grenzen der Sowjetunion mit der anschließenden Schaffung einer russischen Einflusssphäre in den Ländern Mitteleuropas.

Ich erinnere daran, dass genau darauf das Außenministerium der Russischen Föderation bereits im Jahr 2021 bestand, als es forderte, Russland müsse nicht nur die faktische politische Kontrolle über die ehemaligen Sowjetrepubliken erhalten – was durch die Verpflichtung der NATO gewährleistet werden sollte, diese Staaten nicht in ihr Bündnis aufzunehmen –, sondern dass das Nordatlantische Bündnis zugleich die neuen Waffensysteme aus jenen Ländern abziehen müsse, die der NATO nach 1997 beigetreten waren.

Die Grenzen der Ambitionen der russischen Führung sind also klar, ebenso ist klar, weshalb der Krieg gegen die Ukraine bereits 2014 begonnen wurde. Unklar bleibt jedoch das Entscheidende: Wie will Putin die Ziele dieses Krieges erreichen, wenn er die Einnahme jedes einzelnen ukrainischen Dorfes im Donbas als großen Sieg verkündet und als Instrument zur Verwirklichung seiner ehrgeizigen chauvinistischen und imperialen Ziele den Luftterror gegen die friedliche Bevölkerung der Ukraine einsetzt? Damit erinnert er die Welt immer wieder daran, dass wir es mit einer kriminellen Organisation zu tun haben, die lediglich so tut, als sei sie ein zivilisierter Staat.

Tatsächlich kann man von der Staatlichkeit Russlands nur mit gewissen Vorbehalten sprechen. Denn nicht jedes Gebilde, das die Flagge, das Wappen oder die Hymne der ehemaligen Sowjetunion verwendet, ist auch ein Staat. Solcher Symbole kann sich ebenso eine abscheuliche Mafia bedienen – und genau eine solche Mafia ist das heutige Russland unter der Führung Putins. Dass diese Mafia zu kriminellen Handlungen greift, um ihre Ziele zu erreichen, erscheint mir daher völlig logisch und vorhersehbar.

Es gibt heute schlicht keine realen Möglichkeiten mehr, die Putin hoffen lassen könnten, dass die russische Staatlichkeit tatsächlich innerhalb der sowjetischen Grenzen wiederhergestellt wird. Unter den Bedingungen, in denen die wirtschaftlichen Ressourcen der Russischen Föderation, die die Fortsetzung des Krieges in den 2020er- und 2030er-Jahren dieses Jahrhunderts ermöglichen sollen, immer knapper werden, bleibt Putin nichts anderes übrig, als zu immer grausameren Methoden zu greifen, um diesen Krieg möglichst rasch mit einem russischen Sieg zu beenden – einem Sieg, der mit den Ressourcen, über die Russland heute verfügt, mit der Entschlossenheit der Ukraine, sich durch die Zerstörung des russischen militärisch-industriellen und des Raffineriesektors gegen die russische Invasion zu wehren, sowie mit der Bereitschaft unserer europäischen Verbündeten, uns in diesem gerechten Kampf gegen eine der abscheulichsten kriminellen Organisationen der heutigen Welt zu unterstützen, die sich selbst russischer Staat nennt, schlicht unerreichbar ist.

So bleibt ihm nichts anderes übrig, als öffentlich den Befehl zu erteilen, Frauen und Kinder zu töten, und die Welt damit erneut daran zu erinnern, mit welcher Bande sie es in Gestalt des sogenannten Russlands zu tun hat.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін наказує продовжити терор України | Віталій Портников. 04.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 04.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.