Putins „Cholodomor“. Vitaly Portnikov. 19.01.2026.

https://vilni-media.com/2026/01/19/putinskyj-kholodomor/?fbclid=IwZnRzaAPc4olleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEe48YJ9LLgQJV93iFYTeeUkTZCzqunK8uwS2-JUFfzdcKIpJlCUKFIGw2HwaI_aem_RsspwQWrle_nJl-eO45vbA

In diesem kalten Winter erwarten die Ukrainer fast jeden Tag neue massive Angriffe Russlands auf die Energieinfrastruktur des Landes. Die Angriffe erfolgen methodisch und grausam – inzwischen wird sogar über die Möglichkeit von Attacken auf die Verteilungsstationen ukrainischer Atomkraftwerke gesprochen, um noch größere Probleme mit Wärme- und Stromversorgung zu verursachen.

Offenkundig versucht Putin auf diese Weise, der Welt Stärke und Grausamkeit zu demonstrieren, zeigt in Wirklichkeit jedoch höchstens seine Ohnmacht. Denn die Versuche, die Ukraine unbewohnbar zu machen, sind eine weitere Erinnerung an das Scheitern seines Blitzkriegs und an die Misserfolge der russischen Armee.

Der große Krieg, den Putin vor vier Jahren begonnen hat, sollte innerhalb weniger Wochen mit der Besetzung eines Großteils des Landes enden – einschließlich Kyivs – und mit der wahrscheinlichen Angliederung der östlichen und südlichen Regionen der Ukraine an die Russische Föderation. Doch nach vier Jahren dieses Krieges ist die russische Armee noch immer nicht einmal in der Lage, die gesamte Region Donezk unter Kontrolle zu bringen – und nutzt den sogenannten „Friedensprozess“, um zu versuchen, dieses Gebiet kampflos zu erhalten, indem sie den Abzug der ukrainischen Truppen fordert.

In diesen vier Jahren ist die Ukraine nicht nur kein Satellitenstaat Russlands geworden, sondern hat den Status eines EU-Beitrittskandidaten erhalten und nicht auf die euroatlantische Integration verzichtet. Und natürlich ist die Zahl der ukrainischen Bürger, die sich heute eine „gemeinsame Zukunft“ mit dem grausamen nördlichen Nachbarn wünschen würden, selbst unter dem politischen Mikroskop nicht zu erkennen.

Seinen Zorn über die Niederlagen der eigenen Armee demonstriert Putin an ukrainischen Frauen und Kindern. Denn man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Beschuss der ukrainischen Energieinfrastruktur keinerlei Bezug zu den Bedürfnissen der Armee oder des militärisch-industriellen Komplexes hat. Die Russen wollen ganz bewusst Wohnviertel ohne Strom zurücklassen.

Wozu? Zunächst einmal zur Rache. Dann, um Angst zu verbreiten. Damit die ukrainische Gesellschaft sich mit der klassischen putinschen Logik abfindet: Russland – oder der Tod.

Es gibt auch strategischere Ziele. Die Ukraine in ein Gebiet zu verwandeln, das zum Leben ungeeignet ist, und zu beweisen, dass ein Land, das sich entschieden hat, der russischen Aggression zu widerstehen, einfach nicht erfolgreich sein kann. Das heißt, am Beispiel der Ukraine andere einzuschüchtern – insbesondere die ehemaligen Sowjetrepubliken, für deren Territorien Moskau eigene Pläne haben könnte. Und auch die Länder Mitteleuropas: Putin träumt noch immer von der Wiederherstellung der „Einflusssphäre“ der Sowjetunion auf dem Kontinent.

Hinzu kommt der Wunsch, die Bevölkerungszahl des Nachbarlandes deutlich zu verringern, die Ukrainer durch russische Bombardierungen zur Ausreise zu zwingen. Dieser demografische Krieg dauert seit Jahrhunderten an – man denke nur an den stalinistischen Holodomor. Heute beobachten wir Putins „Kältemord“.

Politisch kann der russische Präsident nicht gewinnen, denn man kann ein Land nicht durch Raketenangriffe und Schläge gegen die Infrastruktur erobern. Doch das hebt das Leid der Zivilbevölkerung nicht auf, die Opfer seiner Heimtücke wird.

Das bedeutet, dass man nicht nach einem sinnlosen Dialog mit Putin suchen darf, sondern den Druck auf Russland verstärken muss. Das bedeutet auch, dass man sich nicht mit dem Ausbleiben von Hilfe für die Ukraine brüsten darf, sondern diese Hilfe ausbauen muss – insbesondere durch die Verstärkung der Luftverteidigung. Denn die hohe Zahl der Treffer erklärt sich durch die schlichte Begrenztheit der vorhandenen Ressourcen.

Und natürlich muss der Schutz der reparierten Energieobjekte verstärkt werden, damit der Feind sie nicht erneut zerstören kann. Außerdem gilt es, gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, um diesen schwierigen Winter zu überstehen und die Sinnlosigkeit von Putins Bemühungen zu beweisen.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Путінський «холодомор». Віталій Портников. 19.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 19.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Offener Brief an die europäischen „Führer“. Paul-Michel Manandise. 14.01.2026.

Zur Kenntnis der „Leiter“ der „Regierungen“ der europäischen Staaten, an den Kreml und den Tyrannen Wladimir Putin

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Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreibe Ihnen mit dem kalten Zorn dessen, der vielfach Rückzüge und Verrat erlebt hat, verborgen hinter der samtigen Sprache der Diplomatie. Sie sind informiert. Sie wissen Bescheid. Und dennoch lassen Sie dies weiter geschehen.

In der Ukraine, im Herzen Europas, im 21. Jahrhundert, erleidet ein ganzes Volk das, was nur bei seinem wahren Namen genannt werden kann: ein Vernichtungskrieg, methodisch, kalkuliert, geführt von der Russischen Föderation und Wladimir Putin mit einer Grausamkeit, die schamlos das Völkerrecht, die menschliche Würde und die Idee der Zivilisation selbst mit Füßen tritt.

Sie wissen es: Die ukrainische Energieinfrastruktur wird gezielt zerstört, Objekt für Objekt, im Rahmen einer Terrorstrategie. Ein Land in Dunkelheit und Kälte zu stürzen, ist keine „bloße militärische Taktik“ – es ist ein Angriff auf die Zivilbevölkerung, auf Kinder, auf Kranke, auf ältere Menschen. Es ist die bewusste Entscheidung, Strom, Heizung, Wasser und Licht als Waffen einzusetzen.

Jedes zerstörte Kraftwerk, jeder herausgerissene Transformator, jede zerrissene Stromleitung bedeutet Krankenhäuser im Notbetrieb, abgebrochene Operationen, stillstehende Inkubatoren, ganze Familien, die in eisigen Wohnungen zittern, ältere Menschen, die in der Dunkelheit sterben.

Und Sie können nicht so tun, als wüssten Sie davon nichts.

An Sie, die europäischen Regierungen, muss ich mich ohne jede Beschönigung wenden:

Infolge Ihrer endlosen Abwägungen, Halbmaßnahmen und „roten Linien“, die Sie einmal ziehen, dann wieder ausradieren, akzeptieren Sie faktisch das Unakzeptable. Ihre „Vorsicht“ wird zur moralischen Mitverantwortung. Ihre Langsamkeit wird zur stillschweigenden Zustimmung. Ihre diplomatische Sprache ist der Vorhang, hinter dem Sie Verbrechen verbergen.

Sie wissen, dass der Ukraine Mittel der Luftverteidigung fehlen, um ihr Energiesystem zu schützen. Sie wissen, dass es einsatzbereite Systeme gibt, die diese Raketen und Drohnen abfangen könnten, die die Infrastruktur zerstören. Sie wissen, dass jeder Tag Verzögerung bei den Lieferungen neue Tote bedeutet, neue zerstörte Lebenswege, ganze Städte, die in Dunkelheit versinken.

Und dennoch zögern Sie, zaudern, diskutieren endlos, wägen politische, wahlstrategische und wirtschaftliche Kosten ab – als wögen ein paar Prozentpunkte Wirtschaftswachstum oder ein paar Dezibel innenpolitischer Unzufriedenheit mehr als Tausende ukrainischer Leben, die Ihrem Komfort geopfert werden.

Das ist nicht bloß Schwäche: Es ist ein historisches Verbrechen.

Der russischen Macht, dem Kreml und Wladimir Putin muss man Folgendes sagen – klar und nüchtern:

Was Sie der Ukraine antun, ist keine „Spezialoperation“, keine „Sicherheitsmaßnahmen“, kein „Schutz der russischsprachigen Bevölkerung“. Es ist ein aggressiver, illegaler, verbrecherischer Krieg. Es ist die Vernichtung eines ganzen Volkes.

Indem Sie die Energieinfrastruktur angreifen, haben Sie sich bewusst dafür entschieden, das Leid der Zivilbevölkerung als Instrument Ihres Krieges zu nutzen. Sie haben beschlossen, Millionen Menschen Wärme, Licht und Wasser zu entziehen. Sie haben Winter und Nacht zu Waffen gemacht, Elektrizität zu einem Instrument der Erpressung.

Dies ist ein Verbrechen, das mit jeglichem Anspruch auf „Größe“ unvereinbar ist.

Die Geschichte wird sich nicht an Ihre Reden, Ihre Lügen und Ihre inszenierten Bilder erinnern. Sie wird sich an zerstörte Städte erinnern, an Kinder, die sich in Kellern verstecken, an Patienten, die im Licht von Taschenlampen operiert werden, an Familien, die beten, dass der Generator noch ein paar Stunden durchhält.

Sie behaupten, „Russland zu verteidigen“; in Wahrheit beschmutzen Sie nur seinen Namen und bedecken Ihre Gegenwart und Ihre Zukunft mit Schande.

Kehren wir zu Ihnen zurück, den europäischen Führern.

Sie rühmen sich, bestimmte Werte zu verteidigen: Menschenrechte, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit. Diese Worte, die Sie unaufhörlich in Ihren Reden wiederholen und in Verträge schreiben, haben nur dann Wert, wenn sie in Handeln umgesetzt werden – insbesondere dann, wenn es etwas kostet.

Die Ukraine zahlt bereits einen blutigen Preis.

Sie bittet nicht darum, dass Ihre Kinder in Schützengräben sterben. Sie bittet Sie um Waffen, um Luftverteidigung, um wirtschaftliche und politische Unterstützung, die dem Ausmaß der Bedrohung entspricht, der sie gegenübersteht – einer Bedrohung, die, täuschen Sie sich nicht, auch gegen den Rest Europas gerichtet ist.

Jedes Mal, wenn Sie Entscheidungen hinauszögern, Hilfe kürzen oder sie an Ihre innenpolitischen Kalküle knüpfen, senden Sie nach Moskau ein sehr klares Signal: „Macht weiter, wir werden nichts Entschlossenes unternehmen. Wir fürchten steigende Energiepreise mehr als die Zerstörung eines ganzen Landes.“

Ist es wirklich dieses Europa, das Sie verkörpern wollen?

Ein Europa, das zusieht, wie ein verbündetes Volk massive Angriffe auf Kraftwerke, Netze und Städte erleidet, und darauf lediglich mit „tiefer Besorgnis“ in Kommuniqués und mit kümmerlichen Waffenlieferungen reagiert?

Ich wende mich an Sie als Oberst, der den Preis der Untätigkeit kennt und die Kosten allzu lange aufgeschobener Entscheidungen.

Das ist es, was Ehre, gesunder Menschenverstand und einfache Menschlichkeit verlangen:

1. Die Luftverteidigung der Ukraine unverzüglich und umfassend verstärken. Schluss mit Halbmaßnahmen. Schluss mit dem Zögern bezüglich Typ, Reichweite oder Anzahl der Systeme. Jeder Tag und jede Nacht ohne zusätzlichen Schutz ist ein weiterer Tag, der den russischen Angriffen geschenkt wird.

2. Eine dauerhafte Unterstützung der ukrainischen Energieinfrastruktur sicherstellen. Lieferung von Ausrüstung, Transformatoren, Generatoren, Ersatzteilen und technischen Teams: Es reicht nicht, Hilfe anzukündigen – sie muss schnell vor Ort eintreffen, in ausreichender Menge, um zu reparieren, zu verstärken und zu schützen.

3. Die Dinge beim Namen nennen. Schluss mit lahmer, verschwommener Rhetorik. Klar feststellen, dass systematische Angriffe auf kritische zivile Infrastruktur Verbrechen sind. Die direkte Verantwortung der russischen Führung und Wladimir Putins für den Terror offen anerkennen.

4. Internationale Strafverfolgung vorbereiten. Sammeln, dokumentieren, bezeugen – so, dass das, was heute in der Ukraine geschieht, vor Gericht verhandelt wird. Sie können sich nicht länger überrascht oder uninformiert geben. Die Welt wird wissen, wer befohlen hat, wer ausgeführt hat – und wer dies hat geschehen lassen.

5. Die politischen und wirtschaftlichen Kosten der Entscheidungen bewusst tragen. Ein Staat zu führen bedeutet nicht nur, kurzfristige Zyklen und Umfragen zu managen. Es bedeutet auch, den eigenen Bürgern ehrlich zu erklären, dass der Schutz von Freiheit, menschlicher Würde und europäischer Sicherheit seinen Preis hat. Ihn heute nicht zu zahlen heißt, morgen einen viel höheren Preis zu zahlen – in einer brutaleren, instabileren und gefährlicheren Welt.

Eines Tages wird der Krieg enden.

Die Ukraine wird ihre Toten und Verwundeten zählen, ihre zerstörten Häuser und Kraftwerke. Die Archive werden sprechen. Zeugnisse werden sich anhäufen. Bilder werden bleiben.

Dann wird die Geschichte eine einfache Frage stellen: Was taten die europäischen Regierungen, während Russland systematisch Kraftwerke bombardierte, Städte in Dunkelheit tauchte und Kälte und Nacht zu Waffen langsamer Vernichtung machte? Und Ihre Namen, Ihre Ämter, Ihre Entscheidungen – oder Ihr Ausbleiben von Entscheidungen – werden Zeugnis Ihrer Untätigkeit ablegen.

Sie haben noch die Wahl, nicht zu denen zu gehören, die wegsahen.

Sie haben noch die Möglichkeit, den Werten würdig zu sein, die Sie proklamieren. Aber diese Wahl muss jetzt getroffen werden, nicht in Memoiren, die Sie eines Tages schreiben werden, um Ihre eigene Rolle zu beschönigen.

Ich schreibe Ihnen ohne Illusionen, aber mit einer kompromisslosen Forderung:

Hören Sie auf, sich hinter „Komplexität“, hinter Verfahren und Wahlkalendern zu verstecken. Blicken Sie denen in die Augen, die in der Ukraine leben, leiden und sterben – unter Beschuss, in Kälte und Dunkelheit –, die Ihre Langsamkeit erst ermöglicht.

Oberst Paul-Michel Manandiz, Oberst, der sich weigert, Vorsichtd mit Feigheit zu verwechseln, Strategie mit Gleichgültigkeit, Diplomatie mit stillschweigender Mittäterschaft


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Art der Quelle: Social Media
Titel des Originals: Offener Brief an die europäischen „Führer“. Paul-Michel Manandise. 14.01.2025.
Autor: Paul-Michel Manandise
Veröffentlichung / Entstehung: 14.01.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Das „Oreschnik“-Signal | Vitaly Portnikov. 12.01.2025.

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Ein weiteres barbarisches Bombardement Kyivs und anderer ukrainischer Städte durch die Russen – und in diesem Fall ist das Wort „barbarisch“ keine pathetische Übertreibung, denn es geht um den Versuch, Millionen Menschen auf dem Höhepunkt der Winterkälte Heizung und Wasser zu nehmen – wurde von einem Schlag mit dem berüchtigten russischen „Oreschnik“ gegen die Region Lwiw begleitet.

Es ist bereits der zweite derartige Angriff nach dem demonstrativen Schlag auf Dnipro. Offensichtlich war der erste Angriff dazu gedacht, zu zeigen: Russland verfügt über ein Waffensystem, das den Luftabwehrsystemen, die die Ukraine schützen, nicht unterliegt. Aber wozu dann der zweite?

Meiner Ansicht nach ist das in letzter Linie der Versuch, die Ukrainer einzuschüchtern. Die Ukrainer werden mit dem gesamten Arsenal an Mitteln, das Putin zur Verfügung steht, zur Kapitulation gezwungen – und der „Oreschnik“ spielt dabei längst nicht die Hauptrolle, verglichen mit dem menschenfresserischen Wunsch, Kyiv oder Odesa „einzufrieren“. Aber die Europäer will Putin erschrecken.

Ich habe bereits mehrfach gesagt, dass Putin ein schnelles Ende des Krieges nicht weniger, vielleicht sogar mehr wünscht als Trump oder die Ukrainer. Er kann sich der schwierigen Lage seiner Wirtschaft und der enormen Verluste der russischen Armee an der ukrainischen Front nicht entziehen. Doch der russische Machthaber will, dass der Krieg zu seinen Bedingungen endet – zu Bedingungen der Kapitulation der Ukraine.

Und Putin kann durchaus glauben, dass gerade die Europäer mit ihrer Bereitschaft, der Ukraine zu helfen, diesen Traum verhindern. Die Entscheidung der EU, der Ukraine einen Zuschuss von 90 Milliarden Dollar zu gewähren – Gelder, die es der Ukraine ermöglichen werden, die nächsten zwei Jahre durchzuhalten – war für den russischen Präsidenten eine unangenehme Überraschung. Ebenso wie die Bereitschaft der führenden europäischen Länder, weiterhin über ein eigenes Militärkontingent auf ukrainischem Boden zu diskutieren.

Zwar ist derzeit noch von einer Stationierung dieser Truppen erst nach einem Friedensabkommen und einem Waffenstillstand die Rede. Doch niemand weiß, wie sich die Situation entwickeln wird, wenn endgültig klar wird, dass Putin gar keinen Frieden will. Deshalb muss der russische Präsident dafür sorgen, dass die Europäer bis dahin eingeschüchtert sind und nicht einmal mehr von irgendeiner militärischen Präsenz zu träumen wagen.

Und natürlich ist das auch ein Signal an Trump – damit der amerikanische Präsident nicht einmal daran denkt, irgendwelche Friedensbedingungen mit Volodymyr Zelensky und den europäischen Führern abzustimmen. Er soll begreifen: Verhandelt werden muss nur mit Putin und ausschließlich zu dessen Bedingungen. Und Zelensky sowie die Europäer sollen einfach über das informiert werden, worauf sich Putin und Trump geeinigt haben, und gezwungen werden, diesen Vorschlägen zuzustimmen. Andernfalls – Krieg und „Oreschnik“.

Ich behaupte natürlich nicht, dass Putin blufft. Den Gegner zu unterschätzen – und erst recht seine Unberechenbarkeit und Verbissenheit – ist ein direkter Weg in Niederlage und Zusammenbruch. Putins Handlungen und Absichten müssen als reale und ernste Bedrohung verstanden werden. Und als Drohung.

Aber auch Drohungen kann man unterschiedlich begegnen. Man kann sich fürchten und versuchen, auf den Bedingungen des Aggressors zu einem Einvernehmen zu kommen. Oder man kann eigene Signale der Stärke finden – zumal Putin auf solche Signale in der Regel keine wirkliche Antwort hat.

Er konnte seinem Verbündeten Baschar al-Assad, der aus Syrien Hals über Kopf nach Moskau fliehen musste, nicht helfen. Er konnte auch seinem Verbündeten Nicolás Maduro nicht helfen, der sich vor Gericht in New York wiederfand. Und erinnern wir uns daran, wie er 2014 seiner jämmerlichen Marionette Viktor Janukowytsch nicht helfen konnte, als dieser bis nach Rostow davonlief.

Wenn man also mit Putin in der Sprache von Druck, Sanktionen und der Zerstörung seiner Energiekonzerne spricht – dann versteht er das.

Wenn er jedoch sieht, dass man versucht, mit ihm zu verhandeln – dann startet er den „Oreschnik“ nahe den europäischen Grenzen.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Сигнал «Орєшніком». Віталій Портников. 12.01.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 12.01.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Putin hat mit „Oreschnik“ zugeschlagen | Vitaly Portnikov. 09.01.2026.

Ein weiterer barbarischer Angriff der Russen auf die Ukraine. Zunächst möchte ich den Angehörigen der bei diesem Angriff Getöteten und allen Verletzten mein aufrichtiges Beileid aussprechen. Und natürlich wird sein barbarischer Charakter vor allem dadurch bestätigt, dass der Kreml bewusst beschlossen hat, die Energieinfrastruktur der Ukraine in der Zeit der stärksten Fröste in unserem Teil Europas anzugreifen.

Was auch immer Putin darüber erzählt, dass seine Armee militärische Objekte oder jene Energieanlagen angreift, die für die Energieversorgung des militärisch-industriellen Komplexes der Ukraine notwendig sind – die Tatsache, dass die Hauptschläge gerade während der strengsten Fröste erfolgen, zeigt, dass die russischen Barbaren keineswegs der militärisch-industrielle Komplex interessiert. Nicht einmal die Energieversorgung an sich. Es gibt ein enormes Verlangen, Menschen einzufrieren, um die Bevölkerung der Ukraine zu verringern und jene, die sich auf dem freien Territorium unseres Staates befinden, zu zwingen, vor Russland zu dessen Bedingungen zu kapitulieren.

Ich habe schon mehrfach erklärt, dass der russische Präsident am Ende des Krieges nicht weniger interessiert ist als die Ukrainer oder der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump – vielleicht sogar mehr, weil er den schwierigen Zustand seiner Wirtschaft und den Druck erkennt, der auf Russland ausgeübt wird, um die Kampfhandlungen zu beenden. Doch das Ende des Krieges sieht Putin weiterhin in der Kapitulation der Ukraine vor Russland, in der Schaffung von Bedingungen, unter denen der ukrainische Staat sich zunächst in ein Grenzland verwandelt und schließlich ganz von der politischen Landkarte der Welt verschwindet und Teil der Russischen Föderation wird.

Und da die russischen Truppen diese Aufgabe, die Putin ihnen bereits im Februar 2022 gestellt hat, seit vier Jahren nicht erfüllen können, hofft er mit seinen grausamen Schlägen gegen die Ukraine, die ukrainische Bevölkerung davon zu überzeugen, dass es keine Alternative zur Kapitulation vor Russland gibt. Genau damit hängt die Serie von Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur in den letzten Monaten des Jahres 2025 und jetzt im Januar 2026 zusammen.

Ich habe keinen Zweifel daran, dass diese Angriffe so lange andauern werden, wie Putin darauf hofft, dass die unerträglichen Lebensbedingungen in der Ukraine die Bevölkerung dazu bringen, für eine vollständige Kapitulation vor Moskau einzutreten. Und dass dies nicht geschieht, dass die Ukraine unter den unerträglichen Bedingungen, die ihr die putinschen Bombardierungen auferlegen, überlebt, ärgert den russischen Präsidenten und sein kriminalisiertes Umfeld nur noch mehr.

Ein besonderer Aspekt dieses Angriffs ist der mögliche Einsatz des „Oreschnik“ gegen die Region Lwiw. Wir kennen die Details dieses Angriffs bislang nicht. Es gibt Berichte, dass der Schlag vom Testgelände Kapustin Jar aus erfolgte, wo sich dieses russische System befindet. Es gibt auch Meldungen, dass selbst wenn es der sogenannte Oreschnik war, er ohne Gefechtskopf eingesetzt wurde – also genau so, wie es beim ersten Abschuss des Oreschnik auf Dnipro der Fall war.

Doch hier muss man eine sehr wichtige Sache verstehen: Für die russischen Streitkräfte gibt es keinerlei Notwendigkeit, einen Oreschnik ohne Gefechtskopf auf die Region Lwiw abzufeuern. Es geht hier nicht darum, irgendein Objekt im Westen unseres Landes zu zerstören. Das ist kein Signal an uns. Es ist in erster Linie der Versuch, die Europäer einzuschüchtern.

Während der russische Machthaber die Ukrainer durch unerträgliche Lebensbedingungen zur Kapitulation zwingen will, aber zugleich versteht, dass es in diesem Konflikt nach vier Jahren eines großen russisch-ukrainischen Krieges und fast zwölf Jahren des Konflikts zwischen Ukraine und Russland nicht um Angst geht, will Russland im Umgang mit den europäischen Staaten gerade Angst als entscheidende Waffe einsetzen. Diese soll den Europäern zeigen, dass sie der Russischen Föderation nicht die Stirn bieten dürfen, weil es sonst Folgen geben kann, vor denen sie sich nicht schützen können – zumal wir heute nicht wissen, ob die Vereinigten Staaten von Amerika, die einzige große nukleare Macht der Welt auf Seiten der autoritären Atomstaaten, bereit sind, Europa vor möglichen aggressiven Absichten Putins zu schützen.

So könnte der mutmaßliche Einsatz des Oreschnik gegen die Region Lwiw ein Signal des russischen Präsidenten gewesen sein, nachdem die europäischen Länder beschlossen haben, russische Vermögenswerte, die in europäischen Verwahrstellen liegen, auf unbestimmte Zeit einzufrieren, der Ukraine Gelder zur Verfügung zu stellen, die es uns ermöglichen, den Staatshaushalt in den nächsten zwei Kriegsjahren auszugleichen, sowie natürlich nachdem europäische Länder ihre Absicht erklärt haben, der Ukraine Sicherheitsgarantien zu geben, falls sich Möglichkeiten zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges ergeben – und nicht nur Sicherheitsgarantien, sondern solche durch die Entsendung eigener Militärkontingente auf ukrainisches Territorium.

Darüber wurde, wie ihr wisst, auf dem jüngsten Treffen der Führer der „Koalition der Entschlossenen“ gesprochen. Und natürlich ist allein die Idee, dass Truppen von NATO-Mitgliedstaaten auf ukrainischem Boden stationiert werden und so eine künftige Besetzung dieses Territoriums unmöglich machen würden, für Putin absolut inakzeptabel und unerträglich.

Wie ich schon oft gesagt habe, wird Moskau mit der Fortdauer des russisch-ukrainischen Krieges gezwungen sein, diesen zu eskalieren, denn die Einschüchterung Europas und die Notwendigkeit, die Europäer von der Unterstützung der Ukraine abzuhalten, sind aus Sicht des Kremls eine zentrale Voraussetzung für den Sieg über den Nachbarstaat und dessen Kapitulation zu russischen Bedingungen mit der späteren Eingliederung ehemaliger ukrainischer Regionen in die Russische Föderation als Subjekte.

Wie dies geschieht, wissen wir bereits aus der russischen Annexion der Krim, Sewastopols sowie der Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja. Und ich möchte daran erinnern, dass Putin dieses politische Rezept auf das gesamte Territorium der Ukraine anwenden will. Seine Ambitionen erschöpfen sich keineswegs in einigen wenigen ukrainischen Regionen. Und gerade jetzt, wo Putin erstaunliche Gespräche mit dem Umfeld von Donald Trump führt, wird ihm genau durch die europäische Hilfe für unser Land ein Riegel vorgeschoben.

Deshalb ist dies keine Einschüchterung von uns. Es ist vor allem der Versuch, Europa zu zeigen, dass Putin über Waffen verfügt, vor denen sich europäische Länder offenbar ohne amerikanische Hilfe nicht schützen können – obwohl unklar ist, ob die Amerikaner überhaupt bereit sind, ihre Waffen zum Schutz Europas vor eben diesem Oreschnik einzusetzen.

Der Schlag gegen die Region Lwiw und die Berichte über die Verlegung des Oreschnik nach Belarus, dessen Marionettenherrscher Lukaschenko diese Bedürfnisse Putins bedient, sind erste Schritte zur Eskalation des russisch-ukrainischen Krieges – zumindest in Form eines hybriden Krieges auf dem europäischen Kontinent, der sich 2026 entfalten könnte.

Das ist also kein bloß barbarischer Angriff. Es ist der Versuch, den Winter und die Angst für Putins Ambitionen und Ziele zu benutzen.


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Titel des Originals: Путін вдарив «Орєшніком» | Віталій Портников. 09.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 09.01.2026.
Originalsprache: uk
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Unsere Kinder sind für sie Späne. Natalia Yaremchuk. 12.12.2025.

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Vor drei Jahren hat Facebook mein altes Konto mit vierzigtausend Abonnenten dauerhaft gelöscht.

Vor drei Jahren veröffentlichte ich die Aufzeichnung eines Gesprächs mit einer russischen Ärztin, einer Frauenärztin und Geburtshelferin aus Twer, die mich über WhatsApp angerufen hatte.

Mit glücklicher Stimme plapperte sie über eine internationale medizinische Konferenz und über ihren Vortrag, der den Problemen von Frühgeburten gewidmet war.

„Du könntest doch problemlos zu dieser Konferenz kommen, wir würden uns austauschen! Dich interessiert doch unsere Erfahrung bei der Verlängerung von Schwangerschaften bei langanhaltendem Fruchtwasserabgang? Und auch zu Antibiotika gibt es interessante Studien …“

Ich fragte sie, ob sie überhaupt wisse, dass bei uns Krieg herrscht und Menschen sterben – genau jene Kinder sterben, die wir manchmal unter so großen Mühen austragen.

Und als Antwort hörte ich, ich solle in jedes beliebige Land der Welt gehen, sogar nach Russland. Mit meiner Erfahrung und meinem Wissen würde ich überall Arbeit finden. Und warum sollte man sich darüber aufregen, dass Kinder sterben? So etwas gebe es doch immer – wenn man den Wald fällt, fliegen eben die Späne.

„Natalja, du musst verstehen, dass wir euch nichts Böses wollen. Im Gegenteil, wir wollen euch helfen. Du irrst dich einfach. Alle unsere angesehenen Ärzte und Wissenschaftler, alle unsere Rektoren der medizinischen Hochschulen haben einen Unterstützungsbrief für die sogenannte spezielle Militäroperation unterzeichnet …“

Unsere Kinder sind für sie Späne.

Unsere Kinder sind Späne für die moskauer Ärzte.

Diese kleinen, schutzlosen Wesen mit Knopfnäschen und einer Million Fragen, diese kleinen Universen mit bunt bemalten Handflächen und Rucksäcken in Katzenform – das ist Müll für die moskauer Ärzte.

So haben sie es für sich entschieden. Das ist ihre Lebensphilosophie. Die Philosophie jener, die keine Menschen sind.

Damals, vor drei Jahren, beruhigte ich mein Herzrasen, antwortete über das Gesetz des Gleichgewichts im Universum und blockierte den Kontakt für immer.

Seit drei Jahren habe ich ein neues Konto …

Ich habe gelernt, meinen Hass zu kontrollieren, konstruktive Wut zu haben, ich habe gelernt zu warten und sehr vorsichtig auf Facebook zu schreiben. Ich kenne das Gesetz des Gleichgewichts im Universum.

Die schmerzhafteste Wahrheit dieses Gesetzes: Die Kinder, die jetzt in der Ukraine sterben, sind keine „Strafe“ für uns. Es ist die Bezahlung dafür, dass irgendwann frühere Generationen (unsere wie auch ihre) zugelassen haben, dass ein solches Böse heranwächst, und es nicht rechtzeitig gestoppt haben.

Und jene, die sagen: „Es fliegen eben die Späne“, zahlen bereits. Nur zahlen sie nicht mit Geld und nicht mit Gesundheit (noch nicht). Sie zahlen mit ihrer Seele. Mit ihrer Menschlichkeit. Mit der Zukunft ihrer eigenen Kinder. Und dieser Preis ist der höchste.

Und der heilendste Teil dieses Gesetzes: Jede deiner guten Taten, jedes „Ich werde nicht so sein wie sie“, jedes gerettete Kind, jede gespendete Dose für die Streitkräfte der Ukraine – das ist dein Beitrag dazu, dass sich das Gleichgewicht eines Tages in die andere Richtung neigt.

Nicht morgen. Vielleicht in 50 Jahren. Vielleicht werden es deine Urenkel erleben.

Aber das Gesetz wirkt. Langsam. Unerbittlich genau.

Und heute Nacht flogen die Späne in Twer. Danke an die Streitkräfte der Ukraine!

Halten wir durch 🇺🇦


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Autor: Natalia Yaremchuk
Veröffentlichung / Entstehung: [Datum12.12.2025.
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Odesa steht in Flammen. Odesa liegt im Dunkeln. Victoria Nikolaeva. 13.12.2025.

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Odesa steht in Flammen. Odesa liegt im Dunkeln.

Ich weiß nicht, was ich tun soll, um nicht verrückt zu werden.
Verrückt zu werden ist leicht und einfach.
Praktisch elementar!
– Was kann retten?
– Nichts! – Gar nichts mehr!

Immer derselbe Traum: Ich kehre nach Odesa zurück.
Ich bin zu Hause, in meiner Wohnung, aber ich fahre noch schnell etwas erledigen.
Sonja bleibt allein zu Hause.
Sie ist in ihrem Zimmer.
Sie wartet auf mich und beschäftigt sich mit ihren Sachen.
Sie ist ein erwachsenes Mädchen.
Sie ist jetzt vier Jahre älter als zu Beginn des Krieges.
Als wir fortgingen, war sie 15, jetzt ist sie 19.

Ich fahre ins Stadtzentrum.
Ich bin noch gar nicht weit gekommen – da gerate ich unter einen massiven Angriff.

Odessa steht in Flammen.

Ein Teufelskreis.
Hinter mir brennt alles.
Vor mir brennt alles.
Aber hinter mir sind mein Zuhause, meine Tochter, meine Hunde, mein Leben.
Vor mir sind das Haus meiner Eltern und die Häuser all meiner Freunde.
Ich begreife, dass ich weder zu denen hinter mir noch zu denen vor mir gelangen kann.
Ich verstehe, dass ich nirgendwo und niemals mehr hinkommen werde, dass es keinen Ausweg aus dieser Falle gibt.

Das ist das Ende, in dem jeder allein stirbt.

In meiner Verzweiflung denke ich an Israel, an mein Leben dort, und durch den Wahnsinn dieses Traums höre ich die Stimme von Marina, Marina Pisarenko.
Warum ausgerechnet ihre Stimme!
Verzweifelt, ziemlich aggressiv, fordernd, empört:
„Vika, wie konntest du?! Wie konntest du das, Vika! Du hast dich nicht einmal verabschiedet! Wir haben Bach dir gesucht, Vika! Und was jetzt?!“

Immer derselbe Traum.
Immer und immer wieder.

Und jetzt – nichts mehr.
Es gibt nichts mehr.
Kein Verstecken, kein Zurückkehren, kein Leben.

Wie soll man das erklären? Wem erzählen? Wer wird das verstehen?!
Alle wollen Leichtigkeit und Optimismus.
Ich schenke Leichtigkeit und Optimismus.
Ich bin mobil, aktiv, neugierig, wortreich.
Ich sterbe.

Ich sterbe langsam – jeden Tag.
Denn so ein Leben ist Folter.

Meine physische Anwesenheit hier verwirrt viele. Ich bin in Sicherheit. Und Krieg in Israel – das ist ja nichts Ungewöhnliches!
Aber wie lange wird diese Anwesenheit hier noch dauern?
Was zieht sie nach sich?
Welche Perspektiven gibt es?

Ich bin wie diese Schnecke während des bekannten Sturms „Byron“…
Ich habe sie gestern gesehen.
Sie trug ihr zerbrochenes Häuschen mit sich.
An einem Punkt war sie ganz ohne geblieben.
Große Regentropfen, böiger Wind, ein plötzlicher starker Kälteeinbruch, es war schon fast Nacht, Ashkelon hat es diesmal heftig erwischt –
eine Schnecke ohne Haus, etwas Nacktes, das irgendwohin kriecht, blind, tastend.

Was konnte ich tun?
Ich konnte sie nur von der Straße nehmen, ihr Leben ein wenig verlängern.

So sind wir alle.
So verlängere auch ich mir selbst ein wenig das Leben, täusche andere und mich selbst –
und rücke doch unaufhaltsam dem Jahrestag des vierjährigen Wahnsinns näher.

„Wir sind müde vom Krieg, wir sind müde von den Ukrainern, wir sind von allem müde!..
Unterschreibt endlich Friedensabkommen, gebt alles her und haltet den Mund!“
„Geht nach Hause! Flüchtlinge, Touristen, wer weiß wer! Verschwindet endlich!“

Aber es wird keinen Frieden geben.
Es wird keinen Frieden geben.
Warum wollen so wenige diese einfache Wahrheit begreifen?

Der fragile Mechanismus von Stabilität und Garantien ist zerbrochen.
Nichts funktioniert mehr.
Es gibt nichts mehr.
Und ein „Zuhause“ existiert für die meisten schon nicht mehr.

Und sie gehen, wandern, kriechen durch die Welt – Schnecken mit Haus und ohne, mit durchlöchertem und zertrümmertem Besitz.
Ausgeplünderte, leere Fensterhöhlen blicken uns aus Häusern an, die es nicht mehr gibt…
Und uns gibt es auch nicht.

Es gibt kein Früher mehr und kein Morgen.

Es gibt jemanden im Jetzt.
Jene, die geblieben sind, die noch reagieren können und es für möglich halten, irgendwie noch auf etwas zu antworten.

„Wir sind müde von den Ukrainern!..
Wie lange soll Europa, Israel, die ganze Welt sie noch ernähren?!“

Sattgefüttert, meine Lieben!
Aber den Terror habt ihr nicht gestoppt.

Wir haben genug, auf Vorrat, für immer.
Ich habe nichts mehr zu sagen.

Danke denen, die weiterhin Schnecken aller Art von der Straße nehmen und ihnen das Recht geben, wenigstens ein paar Tage, Wochen, Monate oder Jahre länger zu leben.

Die Zeit der Not und des Krieges siegt.
Die Zeit der Liebe schwindet.

Schreibt mir keine traurigen Nachrichten darüber, dass ihr es gern fröhlicher hättet.
Glaubt mir – ich hätte das auch gern!
Aber ich bin nur ein Mensch.
Ich bin eine Frau, die im Krieg so überlebt, wie sie kann.

Mein „kann“ befindet sich jetzt in einer kritischen Phase.

Am Ende ist mein Beruf ein ganz anderer – ich bin keine Animateurin.
Und ich denke immer häufiger daran, dass, wenn mir etwas zustößt, meine Sonja hier völlig allein bleibt –
aber sie ist zumindest ein Mensch, und hat noch eine Chance.
Meine Hunde dagegen würden ganz sicher einfach eingeschläfert werden.

Das ist alles, was ich jetzt schreiben kann, während ich wie erstarrt bin und einfach Angst habe, alle meine Leute in Odessa anzurufen.
Und ich will keine weinenden Emojis. Bitte setzt nichts. Solche Leser habe ich genug. Inkognito.

Natascha, Weronika, Maria, Lew, Ira, Irina, Irka, Aljoscha, Lenka, Lenotschka, Galina, Jelena Alexejewna,
Natalja Petrowna, Jarina Wladimirowna, Wadik, Boris Issakowitsch, Tolik, Sascha, Schanna Alexejewna,
Ljoscha, Ljudmila, Wera Alexejewna, Swetlana, Waleri, Alexander, Dimka, Inna, Olja, Polinka!!!…
Mama, Papa!!!

Wie geht es euch?
Wie geht es euch?
Wie geht es euch?…

Ma–ma!!!

Jemand antwortet, jemand noch nicht.
Noch nicht.
Ich hoffe sehr, dass es nur noch nicht ist.

Wie lernt man, in dieser verfluchten Welt Humanist zu sein und nicht verrückt zu werden?!
Wie reagiert man auf Massenmorde live?!
Wie soll ich euch meine rechte oder linke Wange hinhalten, ihr Bestien?!
Und mit euch mitfühlen, euch bemitleiden, mich um eure ruhigen Nächte sorgen?!
Und zustimmen, dass „die Deutschen damals etwas anderes waren“ und „das ein anderer Krieg war“…

Vor den Augen der ganzen Welt geschieht das Unrecht des Jahrhunderts, aber die Welt sorgt sich nur um sich selbst.
„Politik interessiert euch nicht!“
So habt ihr mir vor vier Jahren gesagt – aber die ganze Erde ist mit Blut übergossen.

Politik ist etwas anderes.

13.12.2025, Ashkelon

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Art der Quelle: Social Media

Autor: Victoria Nikolaeva
Veröffentlichung / Entstehung: 13.12.2025.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: Facebook,
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Kyiv. U-Bahn-Station. Oleg Kiy.

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Die Nacht zum 25. November 2025. Kyiv. Eine U-Bahn-Station – tief und rettend.

Zuerst ist der Granit so kalt, dass es scheint, als hätte er schon all die Wärme aufgesogen, die diejenigen abgegeben haben, die hier vor uns lagen. Aber wir wärmen ihn wieder mit unseren Körpern.

Licht gibt es kaum – nur schwache Notlampen und ein mattes Flackern der Handybildschirme. Manche haben noch „1 %“, manche schon einen schwarzen Bildschirm.

Die Menschen liegen da: manche als Familie, manche eng aneinandergedrückt, weil es so wärmer ist, manche allein – ganz wie im normalen Leben. Sie atmen. Manche röcheln, manche stöhnen im Schlaf, andere schweigen einfach und starren an die Decke oder auf das rettende Telefon.

Das kleine Kind, verängstigt von den Explosionen, schreit nicht mehr – es heult. Die Eltern können es nicht beruhigen, schämen sich für ihre Ohnmacht und warten nur darauf, dass es vor Erschöpfung nachgibt.

Die Mutter hält ihm die Hände über die Ohren, als könne sie damit das Echo der Explosionen dämpfen, das tief im Inneren geblieben ist.„Woher nimmst du nur so viel Kraft zum Leiden… Wir sind hier, wir sterben nicht, mein Sonnenschein… wir schlafen nur… schlaf auch du…“ – flüstert sie und küsst ihr Kind an die Schläfe, und ihr Körper zittert – vor ihrer eigenen Angst, aber vor allem wegen ihres untröstlichen Kindes.

Nicht weit weg – eine Großmutter. In ihren Händen eine kleine Ikone. Nach jedem Gebetskreis küsst sie sie, bekreuzigt sich und flüstert: „Vergib uns, Herr… vergib…“ Dann legt sie sich mit dem Gesicht zur Wand und weint leise – ohne Tränen, ohne Stimme, nur ihre Schultern zittern.

Oben ist es schon vier Uhr morgens, Explosionen und Autoalarmanlagen sind zu hören. Auf die Stadt prasseln „Kinschal“-Raketen, Erde und Himmel erzittern wie ein einziger Körper.

Ein Wohnhochhaus steht in Flammen.Ein Mann steht auf einem zerstörten Balkon und versucht verzweifelt, das Feuer mit einem Eimer Wasser zu löschen – es wirkt hoffnungslos. Das Innere des Hauses brennt wie ein gewaltiger Fackelstoß.

In der toten nächtlichen Stille zwischen den Explosionen hört man Schreie aus den Fenstern, jemand ruft nach der Rettung eines Kindes irgendwo auf einem höheren Stockwerk.

Endlich sind die Rettungskräfte da, es gibt Hoffnung, aber nicht für alle – manche können nicht mehr rechtzeitig erreicht werden.

Um sechs Uhr morgens beginnt wieder eine Angriffswelle. Die schlimmste. Die Stadt dröhnt, als würde jemand mit einem Hammer darauf einschlagen.

Das kleine Kind in der U-Bahn hat sich inzwischen beruhigt, liegt nicht im Kinderwagen, sondern in den Armen der Mutter. Die Mutter ist todesmüde, freut sich aber darüber, dass ihr Kind den Menschen um sie herum, die schlafen, keine Umstände macht.

Als um 8:37 Uhr endlich „Entwarnung“ gegeben wird, sammeln sich alle und kriechen nach oben. Draußen – der Geruch des Krieges. Über der Stadt schwarzer Smog. Vom U-Bahn-Eingang aus sieht man nicht, wie das fremde Leben weiterbrennt.

Diese Nacht hat mindestens sechs Bewohner Kyjivs das Leben gekostet.

Kyiv erwacht: Manche gehen in die U-Bahn, um zur Arbeit zu fahren, andere kommen aus ihr heraus wie aus einem Schutzraum.

Die Mutter trägt das Kind auf dem Arm – dasselbe Kind – der Vater den Kinderwagen und die Sachen. Sie wollen die Rollen nicht tauschen, kein Risiko eingehen: Es soll noch schlafen, und die Erwachsenen halten irgendwie durch.

Die Mutter küsst ihren schweren Schatz sanft auf die Stirn. Kyiv steht – wie immer – es hat standgehalten. Die Stadt beginnt wieder zu arbeiten, für das Leben und zur Unterstützung der Front.

Denn ein anderes Zuhause haben wir nicht…


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Autor: Oleg Kiy
Veröffentlichung / Entstehung: 25.11.2025.<Oleg Kiy Originalsprache: uk
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Solowjow ruft zur Zerstörung der Ukraine auf | Vitaly Portnikov. 14.11.2025.

Der widerwärtige Putin-Agitator Wladimir Solowjow ruft dazu auf, Kyiv zu fluten, Charkiw, Odesa, Dnipro, Mykolajiw, Sumy und andere ukrainische Städte zu vernichten. Er schämt sich inzwischen nicht einmal mehr für diese menschenfeindlichen Aufrufe.

Noch vor einigen Jahren verstand jeder, dass Aufrufe zur Zerstörung von Städten mit Millionenbevölkerung ein echter Aufruf zum Völkermord sind, der übrigens nach den entsprechenden Artikeln des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation selbst verfolgt werden müsste. Doch heute kann man sagen, dass alle roten Linien überschritten wurden.

Solowjow versucht, ein Adept des Terrors und der Verbrechen zu sein, weil er versteht, dass solche Aufrufe dem russischen Präsidenten Putin und der politischen Führung Russlands gefallen werden, dass genau solche Pläne zur Zerstörung von Kyiv, Charkiw, Odesa und anderer ukrainischer Städte im Kreml diskutiert werden. Und er muss der Erste sein, der diese menschenfeindlichen Träume Putins ausspricht.

Wenn ich sage, dass das Hauptziel des russischen Präsidenten die Zerstörung der Ukraine sei und dass Putin das Territorium unseres Staates in erster Linie als Sprungbrett zur Kontrolle über Europa wahrnimmt, können viele denken, dass ich übertreibe, dass ich ein Propagandist sei, der sich nicht mit der Möglichkeit einer Einigung mit der Russischen Föderation abfinden könne und daher vorschlage, weiter gegen eines der brutalsten Länder der modernen Welt zu kämpfen. Aber in meinen Aussagen gibt es, wie Sie sehen, keinerlei Propaganda. Ich stelle einfach nur Fakten fest. Fakten, die mit den Überzeugungen jener Führung verbunden sind, die heute in der Russischen Föderation existiert. Fakten, die mit dem Wunsch der Propagandisten zusammenhängen, sich vor dieser Führung einzuschmeicheln – selbst durch die Verkündung der abscheulichsten Thesen der Menschheitsgeschichte, Thesen, die mit den menschenfeindlichen Plänen der Hitler-Nazis konkurrieren könnten, mit dem einzigen Unterschied, dass diese ihre Absichten – sagen wir – zur endgültigen Lösung der Judenfrage und zur Vernichtung von Millionen Menschen nicht offen aussprachen, so wie im stalinistischen Kreml die Pläne zur Vernichtung von Millionen Ukrainern infolge des verbrecherischen Holodomors nicht offen ausgesprochen wurden. Solowjow aber verkündet all diese Pläne zur Tötung von Millionen Ukrainern in den größten ukrainischen Städten im russischen Fernsehen, damit niemand an den tatsächlichen Absichten Moskaus zweifelt.

Und natürlich zerstört das völlig die russische Mythologie darüber, dass die Ukraine eine Fortsetzung Russlands sei, dass auf dem Territorium unseres Staates ein Brudervolk lebe und überhaupt darüber, dass Ukrainer dieselben Russen seien. Wenn man in Moskau das wirklich glauben würde, hätte sich der widerwärtige Propagandist nicht erlaubt, vorzuschlagen, Millionen solcher „gleichen Russen“ zu vernichten – nur weil es den russischen Banditenarmeen nicht gelingt, das Territorium unseres Landes zu besetzen und Russland nun schon seit vier Jahren gezwungen ist, der ganzen Welt seine eigene Grausamkeit, Hilflosigkeit und Niedertracht zu demonstrieren.

Wie wir sehen, gehen die russischen Propagandisten gerade aus dieser Hilflosigkeit und Niedertracht zu den schrecklichsten, hinterhältigsten, abscheulichsten Einschüchterungen über und begehen faktisch Verbrechen live auf Sendung. Wenn es der zivilisierten Welt eines Tages gelingt, durch wirtschaftlichen und politischen Druck das menschenfeindliche russische Regime zu demontieren, ist es wichtig, dass Leute wie Solowjow tatsächlich für ihre Aufrufe und ihre propagandistischen Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden, damit sie später nicht behaupten können, sie hätten alles verstanden, aber keine andere Wahl gehabt. Damit Menschen, die lebenslange Strafe verdienen und ihr ruhmloses und untalentiertes Leben im Gefängnis beenden sollten, auch tatsächlich in diesen Gefängnissen landen – ohne jede Chance, das Tageslicht wiederzusehen, nachdem sie ihre eigenen Landsleute dazu aufgerufen haben, die Ermordung von Millionen – ich betone, Millionen – Frauen und Kindern, älteren Menschen, einfach lebenden Menschen zu unterstützen, die Solowjow töten will, weil sie mit der Politik seines Herrn Putin, mit der Politik einer verbrecherischen Organisation, die nur so tut, als sei sie ein Staat, nicht einverstanden sind.

Denn Staaten verhalten sich nicht so, wie Russland sich verhält. So verhalten sich nur wilde terroristische und mafiöse Gruppierungen. Und natürlich gab es immer schon das Verständnis, den Verdacht, dass Russland eine solche mafiöse Organisation ist, die sich als Staat ausgibt. Aber jetzt hat selbst dieses russische politische Regime nicht mehr das Bedürfnis, sich zu tarnen. Und Solowjow deckt praktisch die Karten auf, die auf dem Schreibtisch des russischen Präsidenten liegen.

Das wäre übrigens etwas, was Donald Trump sich anschauen und verstehen sollte. Welche Karten hat Putin auf seinem Schreibtisch und in seinen Taschen? Karten des Mordes, der Gewalt, der Vergewaltigung, des Völkermords – zu dem vom Bildschirm des russischen Fernsehens aufgerufen wird, so wie einst in Ruanda aus den Lautsprechern eines der Radiosender zu massenhaften Morden an den eigenen Landsleuten aufgerufen wurde. 

Allerdings kamen jene, die damals dazu aufriefen – wenn auch nicht sofort, sondern nach Jahrzehnten – auf die Anklagebank des Internationalen Tribunals und befinden sich heute genau dort, wo jene sein müssen, die zu Morden an unschuldigen Menschen aufrufen. Und ich glaube aufrichtig, dass Solowjow und andere Teilnehmer seiner widerwärtigen Propagandashow ebenfalls dort landen werden, wo Wiederholungstäter, Mörder und Psychopathen landen, dort, wo jene Unmenschen sein müssen, die sich von Angst ernähren und von Träumen über die Ermordung von Millionen. Ich weiß nicht, wo überhaupt der Boden, der Tiefpunkt, für die russische Propaganda und diese Schurken ist.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Соловйов закликає зруйнувати Україну | Віталій Портников. 14.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 14.11.2025
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Neue russische Attacke: die Folgen | Vitaly Portnikov. 14.11.2025.

Die Ukraine hat erneut einen massiven Angriff der russischen Armee erlitten. Im Zentrum dieser Attacke stand Kyiv, doch die Russen setzten ihre Raketen und Drohnen auch für Angriffe auf die Umgebung von Kyiv, Charkiw, Odesa und Sumy ein. Infolge dieses Angriffs gibt es Zerstörungen und Todesopfer. Ich möchte den Angehörigen und Nahestehenden der während dieser Attacke Getöteten sowie den Verletzten mein aufrichtiges Beileid aussprechen.

Wir sehen, dass diese Angriffe auf einem durchdachten und grausamen Plan der russischen politischen Führung für die nächste Phase des russisch-ukrainischen Krieges beruhen. Wie lautet dieser Plan? 

  • Erstens soll damit kompensiert werden, dass es der russischen Armee nicht gelingt, mehr ukrainisches Territorium zu erobern.

Zur Erinnerung: Als der Präsident Russlands im Februar 2022 die sogenannte „Spezialoperation“ begann, hatte die russische Armee die Aufgabe, zumindest die Verwaltungsgrenzen der ukrainischen Regionen Donezk und Luhansk zu erreichen, deren Unabhängigkeit Putin kurz zuvor anerkannt hatte, um diese Regionen auf eine Annexion vorzubereiten. Später wurden auch die Regionen Cherson und Saporischschja zu den annektierten Gebieten hinzugefügt. Und erneut erhielt die russische Armee die Aufgabe, bis an die administrativen Grenzen dieser ukrainischen Regionen vorzudringen.

Fast vier Jahre sind seit Beginn dieses großen Krieges vergangen, doch die Russen rücken bei Weitem nicht in dem Tempo vor, das Putin von seiner Armee erwartet hatte. Die Angriffe auf ziviles Territorium dienen somit als Ersatz für die Misserfolge der Armee.

  • Zweitens zeigt sich ein klarer Wille, die Ukraine in ein Gebiet zu verwandeln, das unbewohnbar ist. 

Es soll zumindest den ehemaligen Sowjetrepubliken demonstriert werden, dass Widerstand gegen Russland immer dazu führt, dass das Land, das diesen Widerstand leistet, jegliche Perspektive auf ein normales zukünftiges Leben verliert.

„Wenn ihr euch gegen die sogenannte russische Integration auflehnt, wird euch das widerfahren, was bereits mit der Ukraine und den Ukrainern geschehen ist und weiterhin geschehen wird“. 

Und auf diese Weise will Putin mit der Zerstörung unseres Landes die faktische Schwächung der russischen Positionen im postsowjetischen Raum negieren – eine Schwächung, die letztlich den Zerfall jenes imperialen Raums auslösen könnte, den die Russische Föderation selbst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 kontrolliert. Und vor unseren Augen beginnt dieser Raum tatsächlich, wenn auch langsam, Risse zu bekommen.

  • Der dritte wichtige Aspekt dieses Plans besteht darin, die Ukraine entlang der Dnepr-Ufer zu spalten und insbesondere den Osten und Süden des Landes in lebensunfähige Gebiete zu verwandeln. 

Damit soll den Bewohnern dieser Regionen demonstriert werden, dass es zwei verschiedene Ukrainen gibt: In einem Teil gibt es Licht und Wärme, während der andere verlassen und vergessen bleibt.

Putin hofft, dass die Einwohner jener Regionen, auf die sich die prorussischen Kräfte im politischen Leben unseres Landes stets orientiert haben, die ukrainische Regierung und nicht die russischen Besatzer für die Situation verantwortlich machen werden, in der sie sich befinden. Das soll Möglichkeiten für zukünftige Konflikte schaffen.

  • Der vierte Teil dieses menschenverachtenden, ehrgeizigen Plans besteht darin, so viele Ukrainer wie möglich aus dem Osten und Süden in das Zentrum und den Westen des Landes umzusiedeln – und vom Zentrum und Westen der Ukraine weiter in die Nachbarländer Europas.

Erstens glaubt Putin, dass das Territorium der Ukraine ohnehin Teil Russlands werden wird. Deshalb braucht er so wenige illoyale Menschen wie möglich in den Gebieten, die er den Bürgern seines eigenen Landes überlassen will – wie es in der Geschichte zwischen dem russischen und ukrainischen Volk bereits mehrfach geschehen ist. Der „Virus der Demokratie“ und der Schutz eigener Rechte ist für ihn auf den Gebieten, die er zu erobern hofft, völlig unerwünscht.

Zweitens hofft Putin im Rahmen dieses Vertreibungsplans, ernste Probleme in den Beziehungen zwischen der Ukraine und den Nachbarländern sowie deren Bevölkerungen zu schaffen. Wir sehen bereits, dass sich die Haltung gegenüber ukrainischen Flüchtlingen in Europa verändert. Und es ist keineswegs zufällig, dass der deutsche Bundeskanzler vor dem Hintergrund dieser Angriffe dem ukrainischen Präsidenten mitteilte, er solle den Zuzug seiner Bürger – unabhängig von deren Alter – nach Deutschland bremsen.

Das heißt, die Europäer empfangen ukrainische Flüchtlinge heute mit weit weniger Enthusiasmus als noch 2022. Schon allein deshalb, weil damals viele Ukrainer glaubten, dies werde nur eine kurze Zeit dauern – und viele Europäer dachten dasselbe. Ein realistisches Verständnis, dass wir in den längsten Krieg seit dem Zweiten Weltkrieg eingetreten sind – einen Krieg, der deutlich länger dauern könnte als der letzte große Krieg in Europa –, gab es damals weder hier in der Ukraine noch im Westen.

Heute wächst dieses Verständnis – und damit auch die Verärgerung darüber, dass aus temporären inzwischen dauerhafte Bewohner europäischer Länder geworden sind. Und glauben Sie mir: Mit jedem weiteren Jahr dieses großen Krieges wird diese Verärgerung nur zunehmen. Und Millionen neuer Menschen, die vor fehlender Wärme und Elektrizität in ihren Häusern fliehen werden, können die Europäer verärgern und die politischen Aktivitäten jener Kräfte stärken, auf die Putin setzt – in der Hoffnung, dass sein Land durch diesen Krieg zum politischen Hegemon Europas wird.

Denn der Zusammenbruch der Ukraine ist für ihn nur eine Stufe auf dem Weg zum geopolitischen Erfolg Russlands. Und Putin hofft, dass ukrainische Flüchtlinge ihren Beitrag leisten, indem sie den Wahlerfolg rechts- wie linksextremer prorussischer politischer Kräfte von Lissabon bis Warschau fördern. Von Budapest gar nicht zu reden.

Dies sind also nicht einfach nur Angriffe. Im Sicherheitsrat der Russischen Föderation sieht man jeden solchen Angriff als Schritt zum Erfolg. Auch wenn dieser Weg über die Körper der friedlichen ukrainischen Zivilbevölkerung führt – der Präsident Russlands, die politische Führung des Landes und die chauvinistisch eingestellte Bevölkerung sehen darin nur eine Inspiration, diesen Krieg fortzusetzen. Und wenn wir von westlichen Politikern hören, dass das Sanktionspotenzial ihrer Länder nahezu ausgeschöpft sei – wie kürzlich der US-Außenminister Marco Rubio sagte –, dann verstärkt das nur den russischen Wunsch zu bomben, zu töten und zu zerstören. Denn Putin kann so glauben, dass Erfolg – eine unterworfene Ukraine und ein eingeschüchtertes Europa – bereits greifbar nahe ist. Man müsse nur noch ein paar schwierige Jahre für Moskau durchhalten und die Bevölkerung durch wirtschaftliche Stabilität und chauvinistische Gier an der Stange halten.

Und wir müssen in dieser Situation ebenfalls durchhalten, damit diese vom russischen Führungspersonal ausgearbeiteten, menschenfresserischen Pläne genauso in einer schmachvollen Niederlage enden wie der Blitzkrieg von 2022.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Нова атака Росії: наслідки | Віталій Портников. 14.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 24.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Das Volk, das tötet. Jan Valietov. 08.11.2025.

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Nach dem nächtlichen Angriff.

Nicht Putin persönlich, nicht Patruschew und nicht Medwedew haben die Drohnen und Raketen auf uns abgefeuert.

Sie standen nicht selbst an den Maschinen, um all das herzustellen.

Sie berechneten nicht die Flugbahnen und programmierten keine Flugaufträge.

Uns töten nicht diese einzelnen Schurken.

Uns tötet das multiethnische russische Volk.

Für ein Gehalt.

Für Geld aus einem Vertrag.

Für die Möglichkeit, in der Dienstlaufbahn aufzusteigen.

Einige dieser Unmenschen sind niemals auch nur auf tausend Kilometer an die Ukraine herangekommen.

Andere hatten hier Tanten, Onkel, Großmütter und Großväter.

Man schickte sie im Sommer hierher,  „für Obst zu genießen“, um Wareniki mit Kirschen zu essen und Karauschen im Fluss Orel oder Psel zu fangen.

Manche ihrer Eltern haben hier studiert, und einige haben aus der Ukraine ihren Ehemann oder ihre Ehefrau mitgebracht.

Doch weder die Kirschen-Wareniki noch die Tante bei Myrhorod stören irgendwen von ihnen.

Merkt euch das Gesagte:

Schuld an dem, was geschieht, tragen nicht nur die Machthaber, sondern auch jene,

die mit ihren Händen, ihrem Schweigen, ihren Steuern diesen Krieg unterstützen.

Sie sind keine unschuldigen Ausführenden, keine Opfer des Regimes.

Sie sind seine Stütze, seine Kraft, seine Fähigkeit.

Der gewöhnliche Programmierer, der in eine dumme Rakete die Zielkoordinaten und die Flugroute eingibt,

der gewöhnliche Arbeiter, der die „Shahed“-Drohne zusammenbaut, die in das nächste Wohnhaus im Stadtteil Pobeda einschlagen wird –

sie alle sind der Krieg.

Und wenn der Krieg irgendwann aussetzt oder endet,

werden sie erzählen, dass sie nichts wussten, nichts wollten, nichts erwartet, nichts gedacht hätten.

Dass sie nur Befehle ausgeführt haben.

Dass sie doch eine Tante in Myrhorod hätten.

Dass sie doch einen Onkel in Schmerynka hätten.

Dass sie in Kyjiw das Grab ihres Großvaters hätten.

Habt kein Mitleid mit ihnen.

Vergebt ihnen nicht.

Ein Mensch, der einen verbrecherischen Befehl ausführt, ist ein Verbrecher.

Sie alle sind Soldaten Putins.

Sie alle sind Mörder.

Alle, die diesen Krieg mit Tat, Schweigen oder Steuern unterstützen,

sind Unmenschen und Seelenmörder.

Man darf ihnen nichts verzeihen, man darf ihnen kein Mitgefühl entgegenbringen.

Sie sind keine Opfer des Regimes – sie sind das Regime.

Schon drei Tote im Stadtteil Pobeda.

Ich fürchte, das ist noch nicht alles.


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Art der Quelle: Social Media
Titel des Originals: Das Volk, das tötet
Autor: Jan Valietov
Veröffentlichung / Entstehung: 08.11.2025.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach“,
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