Der Terrorakt in Kyiv: Schlussfolgerungen | Vitaly Portnikov. 18.04.2026.

Terroranschlag in der ukrainischen Hauptstadt. Bei dieser Gelegenheit möchte ich zu Beginn dieser Sendung den Angehörigen und Freunden derjenigen, die während dieses Terrorakts ums Leben gekommen sind, mein aufrichtiges Beileid aussprechen. Dieser erinnert, kann man sagen, nur sehr bedingt an jene Schießereien, von denen wir immer aus den Nachrichten in den Vereinigten Staaten von Amerika hören, wenn der eine oder andere Schütze Menschen in Einkaufszentren oder in Schulen erschießt. Und jedes Mal führt das zu Diskussionen darüber, inwieweit man im amerikanischen Gesellschaftssystem von einem Recht auf Waffenbesitz sprechen kann.

Aber ich würde diesen Terrorakt, ehrlich gesagt, überhaupt nicht mit dem amerikanischen vergleichen. Ich würde ihn mit israelischen Terrorakten vergleichen, wenn Terroranschläge verübt werden, um die Bürger Israels davon zu überzeugen, dass sie hier keinen Platz haben, dass dies kein Ort der Sicherheit ist, dass sie besser über irgendeinen anderen Wohnort nachdenken sollten. Genau damit hängt der radikale arabische Terror auf dem Territorium Israels im Verlauf der letzten Jahrzehnte zusammen.

Und ich erinnere mich sehr gut daran, dass, als ich zum ersten Mal nach Israel kam, noch in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, das Erste, was ich dort möglicherweise sah, ein Terroranschlag war, als ein Bus explodierte, neben dem ein Auto fuhr, in dem ich mich befand. Und ich verstand, wie so etwas überhaupt geschieht, was Menschen empfinden, die zu Opfern oder Zeugen eines solchen Terrorakts werden. Und genau das geschieht jetzt auf ukrainischem Boden. Und für mich ist auch völlig offensichtlich, warum ich grundsätzlich der Meinung bin, dass ein solcher Terror genauso ein Teil des Krieges ist wie der Vormarsch der feindlichen Armee auf ukrainischem Boden, wie die antiukrainische Propaganda, wie Raketen- und Drohnenangriffe auf zivile ukrainische Wohnviertel.

Ich habe viele Male davon gesprochen, dass wir unausweichlich mit einem solchen Terror konfrontiert werden. Schon deshalb, weil es in der Ukraine nicht wenige Menschen gibt, die Sympathisanten des russischen Weltbilds sein können, Anhänger der russischen Sicht auf die Ukraine als einen nicht existierenden, vorübergehenden Staat, dessen Territorium ganz bestimmt, ganz bestimmt an die Russische Föderation angeschlossen werden wird. Und diese Menschen können entweder zu Agenten russischer Geheimdienste werden, die bereit sind, deren Befehl auszuführen, oder zu Aktivisten, die bereit sein werden, so zu handeln, dass es ihrer eigenen Sicht auf die Zukunft der Ukraine entspricht. So, wie es mit Anhängern der autoritären Idee immer der Fall ist.

Die autoritäre Idee schätzt in der Regel das Leben selbst nicht, und ihre Anhänger können keinen Wert im eigenen Leben sehen. Hier haben Sie auch die Antwort auf die Frage, wie ein Mensch sich zu einer Tat entschließen kann, die im Wesen Selbstmord ist. Und wenn die ersten Informationen über die Biografie eines solchen Menschen auftauchen, sehen wir tatsächlich einen realen Anhänger der russischen Welt, einen Menschen, der sich in russischer Militäruniform fotografieren ließ, der für die Streitkräfte der Russischen Föderation spendete. Dabei handelt es sich um einen Berufsmilitär, und zwar darum, dass dieser Militär nicht russisch war, sondern ein ukrainischer Militärangehöriger.

Aber wiederum: Was ist ein ukrainischer Militär vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine? Gerade in diesem Angriff härtete sich die wirkliche ukrainische Armee. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Dienst in der ukrainischen Armee für viele Menschen einfach nur ein Arbeitsplatz. Und die ukrainische Armee selbst eine Fortsetzung der russischen, so wie, sagen wir, für viele in Belarus die belarussische Armee, die Armee des Diktators Lukaschenko, eine Fortsetzung der russischen ist.

Auch das ist ein Erbe der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts, als wir, statt eine eigene Armee zu schaffen, einfach den Weg gingen, dass die Militärangehörigen jener sowjetischen Militärbezirke, die sich auf unserem Boden befanden, der Ukraine den Eid leisteten. Und natürlich leisteten alle mit Freude den Eid, einfach damit sie danach nicht irgendwo nach Sachalin oder Ussurijsk versetzt würden. Denn in der Ukraine bis zur Pensionierung zu bleiben, das war der Traum jedes sowjetischen Fähnrichs und Offiziers, woher auch immer er stammte.

Aber man muss sich dennoch bewusst machen, dass die überwältigende Mehrheit der Menschen mit sowjetischen Rangabzeichen die ukrainische Armee nie als eine echte wahrnahm. Und das Erstaunlichste und Schrecklichste ist, dass die überwältigende Mehrheit der Bürger unseres Staates die ukrainische Armee ebenfalls nicht als eine echte wahrnahm. Wie konnte sich in einer solchen Armee ein ukrainischer Offizier Dmytrij Wasyltschenko herausbilden? Oder war er wirklich ein ukrainischer Offizier? Das ist ebenfalls eine ziemlich gute Frage, ebenso wie die Frage, dass der Mensch im Donezker Gebiet und später in Kyiv lebte, in einem Umfeld starker prorussischer Einflüsse.

Und auch das spricht im Prinzip für das, was wir beobachten, wenn wir die Situation mit der Mentalität von Menschen besprechen, die sich bereits unter diesen letzten sowjetischen und postsowjetischen Bedingungen herausgebildet haben. Ich denke, dass ich weiß, wovon ich spreche, denn dieser Mensch ist in meinem Alter. Ich wurde in einer Gesellschaft erzogen, in der eine riesige Anzahl meiner Altersgenossen klassische sowjetische Menschen waren. Und für viele von ihnen, wenn diese Menschen obendrein russischer Herkunft waren, in Russland geboren – und das hängt gerade mit diesem Schützen Dmytrij Wasyltschenko zusammen –, nahmen diese Menschen das Entstehen eines unabhängigen ukrainischen Staates, das Entstehen einer ukrainischen Armee einfach als Zufall wahr, als etwas, dem man keine Aufmerksamkeit schenken müsse. Und natürlich wurden das Jahr 2014 und das Jahr 2022 für sie zu einer wirklichen Tragödie, weil sie auf eine Befreiung warteten – und sie kam nicht.

Und natürlich gibt es hier eine unglaubliche kognitive Dissonanz in den Köpfen solcher Menschen und in ihrem Verhältnis zur ukrainischen Gesellschaft. Denn die ukrainische Gesellschaft wartet auf die Befreiung von den Russen, und solche Menschen warten auf die Befreiung durch die Russen und gehen unter Menschen umher, die ihnen ihrem Wesen nach aufgrund ihrer Wünsche feindlich sind. Und das ist ein riesiges Problem für unsere Sicherheit, wenn wir natürlich nicht auf die Gefahr solcher Prozesse achten werden. Es gab Informationen – ich weiß nicht, inwieweit sie sich bestätigen werden –, dass Wasyltschenko zwei Staatsbürgerschaften hatte: die russische und die ukrainische. Es ist unbekannt, inwieweit diese Information real ist.

Natürlich ist die Frage ziemlich wichtig, wie man unter solchen Bedingungen Terrorismusprävention betreiben soll. Und es geht hier nicht um den konkreten Schützen, sondern um die Gesamtheit agenturner Maßnahmen zur Vorbeugung dieser Welle des Terrors, die eintreten kann. Terror schafft absolut neue Spaltungen in der Gesellschaft. Terror lähmt sehr oft die Gesellschaft. Das konnte man in vielen Ländern beobachten.

Ich habe in Russland gelebt in der Periode des Terrors, der mit den beiden Kaukasuskriegen verbunden war. Und ich kann Ihnen ganz klar sagen, dass gerade dieser Terror es den Leuten aus dem Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation, aus dem KGB, ermöglichte, die Macht endgültig in die eigenen Hände zu nehmen. Denn wenn Terror, und dazu noch vor dem Hintergrund eines Krieges, gewöhnlich und massenhaft wird, dann wird der Wunsch, jemanden zu finden, der Ordnung schafft, in der Gesellschaft vorherrschend.

Ich habe die israelische Gesellschaft gesehen, wie sie sich während des massiven Terrors veränderte. Natürlich erhielten damals Menschen einen Freibrief vom Wähler, die radikale Maßnahmen anboten, die natürlich an keinerlei Möglichkeit eines Dialogs glaubten. Wie kann man an die Möglichkeit eines Dialogs mit Terroristen glauben? Und das ist, wie Sie verstehen, immer ein Weg in die Sackgasse.

Aber wie kann man der terroristischen Gefahr vorbeugen? Nun, erstens muss man wiederum darüber nachdenken, auf welche Weise die Spezialdienste der Russischen Föderation mit den künftigen Ausführern ihrer Aufträge arbeiten. Denn wir stehen ja jetzt erst am Anfang der Prozesse. Der individuelle Terror, kann man sagen, hat bereits begonnen, ist bereits zur Norm unseres Lebens geworden. Erinnern wir uns an den schrecklichen Mord an Iryna Farion. Erinnern wir uns an den schrecklichen Mord an Andrij Parubij. Das alles sind doch waschechte Terroranschläge. Und zwar demonstrative, wenn wehrlose Menschen einfach auf den Straßen einer ukrainischen Stadt ermordet werden, die weit von der Kampfzone entfernt ist. Und jetzt geschieht bereits, sagen wir so, Massen-Terror, wenn man einfach gewöhnliche Menschen in einem Einkaufszentrum erschießt.

Hier sind wiederum die Einschränkung der Kommunikationsmöglichkeiten der Russen über Messenger und entsprechende Netzwerke ebenfalls Teil einer solchen Arbeit. Noch einmal: Ich habe nie zur Schließung von Telegram aufgerufen. Ich habe zur Begrenzung der Präsenz jener Kanäle und Plattformen auf Telegram aufgerufen, die eine Gefahr für das nationale Überleben der Ukraine darstellen können. Und selbst in vielen Ländern des Westens, die sich nicht im Krieg mit der Russischen Föderation befinden, findet eine solche Begrenzung statt, während es sie bei uns bis heute nicht gibt.

Ich denke, man muss einerseits jene Bürger Russlands und der Republik Belarus schützen, die sich als politische Flüchtlinge in der Ukraine befinden. Andererseits muss man die Kontakte jener russischen Bürger aufmerksam verfolgen, die in den letzten Jahren in die Ukraine gekommen sind. Natürlich können sich unter diesen Menschen völlig apolitische Menschen befinden, für die das Leben in Russland oder in der Ukraine keinen besonderen Unterschied macht. Aber es können auch Menschen mit ganz konkreten Überzeugungen und Verpflichtungen gegenüber Russland darunter sein.

Ich sehe kein Problem darin, präventive Gespräche mit Bürgern des Landes zu führen, das gegen uns einen Eroberungskrieg führt. Diese Bürger selbst, wenn sie die Ukraine während des Krieges mit Russland als Ort ihres Aufenthalts gewählt haben, könnten einem solchen Gespräch ebenfalls mit offensichtlichem Verständnis begegnen. Das ist auch ein Teil unserer Arbeit an der kollektiven Sicherheit.

Jetzt werden natürlich wieder Gespräche beginnen darüber, dass man allen Ukrainern die Möglichkeit des freien Gebrauchs von Waffen geben müsse, und alle werden zu überzeugen versuchen, dass genau das die Möglichkeit sei, solchen Terroranschlägen vorzubeugen. Ich möchte Sie daran erinnern, dass in den Vereinigten Staaten die Möglichkeit des freien Waffenbesitzes die Situation mit Schützen, die die Zivilbevölkerung erschossen, niemals verändert hat.

In Israel hat sie sie verändert, aber einfach deshalb, weil in Israel während eines Terrorakts erstens die Menschen, die Waffen besitzen, in der Regel Profis im Umgang damit sind, weil alle Menschen die Streitkräfte durchlaufen, sowohl Männer als auch Frauen. Zweitens ist in Israel während eines Terrorakts völlig offensichtlich, wer der Eigene und wer der Fremde ist. Ich möchte daran erinnern: Wenn dieser Terrorakt von einer Gruppe von Komplizen verübt wird, dann verstehst du in der Regel, auf wen du schießt, denn die Menschen, die schießen, unterscheiden sich von den Menschen, auf die sie schießen.

In der Ukraine kann der Waffenbesitz sowohl des Angreifers als auch derjenigen, die sich gegen ihn verteidigen werden, einfach zu einem massenhaften Schusswechsel führen, weil du in dieser Situation, in einer Situation noch dazu von Stress und Zeitnot, nicht verstehen wirst: Ist dieser Mensch, der sich jetzt neben dem Terroristen befindet, sein Komplize oder einfach ein zufälliger Besucher des Geschäfts, der sich nur zufällig in der Nähe befand? Nun, und das ist ebenfalls eine Frage, die wir uns alle stellen müssen.

Aber ich denke, dass diese Diskussion aus einem einfachen Grund nicht stattfinden wird. Ich bin überzeugt, dass auch nach dem Ende der Kampfhandlungen Fälle von Massenschießereien in der Ukraine ständig vorkommen werden, sogar nicht im Rahmen des Terrors, sondern im Rahmen dessen, dass wir im friedlichen Leben eine riesige Zahl von Menschen mit Stress, mit Kriegstraumata bekommen werden, in einer zerrütteten, korrupten Gesellschaft, in der es keine Gerechtigkeit gibt. Und diese Menschen, glauben Sie mir, werden bereit sein, ihre Fragen zu lösen oder sich für Respektlosigkeit und Nichtbeachtung mit Hilfe von Waffen zu rächen.

Solche Episoden wird man nicht vermeiden können. Man muss ihrer Zukunft als einer realen Perspektive des Lebens in einem Land begegnen, in dem sie zum Alltag werden. Die Erschießung irgendeines Beamten, irgendeiner Sitzung eines Gebiets- oder Stadtrats, Schießereien auf den Straßen. All das wird zur Norm unseres Nachkriegslebens werden. Und selbst wenn wir mit Ihnen eine wirksame Wiedereingliederung der Menschen entwickeln können, die aus den Kampfzonen zurückkehren, wird es dennoch Menschen geben, die unzufrieden sein werden, einfach weil sie von all dem Grauen traumatisiert sein werden, das sie durchleben. Und ich denke, vor dem Hintergrund all dieser Massenbegräbnisse, die es in vielen ukrainischen Städten und Dörfern geben wird, werden die Gespräche über Waffenbesitz enden. Deshalb ist diese Diskussion jetzt einfach unangebracht.

Gerade deshalb, weil ich mir die weitere Entwicklung der Ereignisse vorstelle, ebenso wie ich mir vorstelle, dass Russland Terrorismus als wichtigen Teil der Destabilisierung der ukrainischen Gesellschaft in den kommenden Jahren des Kampfes einsetzen wird. Umso mehr, als Putin jetzt wiederum tatsächlich ernste wirtschaftliche Probleme spürt. Wir haben tatsächlich seine wunde Stelle ertastet: die Ölhäfen, vor allem die Ölverarbeitung. Sie verstehen doch, was technologisch im Prinzip mit Russland geschieht, nachdem wir seine Öltransporte gestoppt haben und es jetzt einfach die Präferenzen Trumps nicht nutzen kann, der Putin die Möglichkeit gegeben hat, noch einen Monat lang sein Öl von Tankern auf dem Meer zu verkaufen.

Aber woher sollen neue Tanker kommen, wenn die Häfen nicht arbeiten? Das bedeutet, dass Russland kein Öl verkaufen kann. Es kann sein eigenes Rohöl in seinen eigenen Raffinerien für den Eigenbedarf verarbeiten, aber diese Raffinerien werden ebenfalls bombardiert und fallen ebenfalls aus. Und in dieser Situation, wie wir sehr gut verstehen, muss Russland einfach die Ölförderung verringern, Bohrlöcher schließen, von denen noch unbekannt ist, wie schnell sie wieder geöffnet werden. Und das ist eine schwierige Situation.

Deshalb fällt das Bruttoinlandsprodukt der Russischen Föderation bereits den zweiten Monat in Folge. Ich nehme diese Zahlen ja nicht aus der Luft. Ich zitiere Putin selbst, der bereits darauf aufmerksam gemacht hat, und das alles können noch geschönte Zahlen des Rückgangs sein. Und in dieser Situation – wie antwortet Putin natürlich? Er hat das Konzept der in die Ecke getriebenen Ratte. Schon aus seinem ersten biografischen Buch, das am Vorabend der Präsidentschaftswahlen des fernen Jahres 2000 veröffentlicht wurde, wie er eine Ratte verfolgte, sie in eine Sackgasse trieb und die Ratte auf ihn losging. Und Putin lief schon vor der Ratte davon. Diese Ratte also – das ist das Wesen, dem Putin ähnlich sein möchte. Man muss verstehen, wer überhaupt Putins Held ist, der Held seiner Kindheit: diese Ratte.

Deshalb müssen Sie, wenn Sie Putin in die Ecke, in eine Sackgasse treiben, ganz klar verstehen, dass er nicht mit Ihnen verhandeln wird. Er wird aus dieser Ecke heraus Sie angreifen. So stellt er sich das Leben vor. Wie wird er angreifen? Er wird dem Krieg und dem Beschuss Terror hinzufügen. Das könnte erst der Anfang sein. Solche Ereignisse können jetzt regelmäßig geschehen. Das heißt, es ist sehr wichtig, über die Vorbeugung solcher Ereignisse verschiedener Art nachzudenken. Das muss zu einer der Hauptaufgaben der ukrainischen Spezialdienste werden. Und auch die Bürger müssen aufmerksam darauf schauen, was um sie herum geschieht, auf verdächtige Menschen, die plötzlich Wohnungen mieten, denn das können Gruppen sein, die in ukrainische Städte kommen werden, auf das seltsame Verhalten der eigenen Nachbarn.

Wir haben doch gehört, dass dieser Schütze angeblich seine eigene Wohnung in Brand gesetzt hat, bevor er zum Verbrechen aufbrach. Man erzählt doch, dass dieser Wasyltschenko im Jahr 2023 eine Prügelei in einem Supermarkt veranstaltete. Sich dort also aggressiv verhielt. Das heißt, die Person war die ganze Zeit über, sagen wir so, psychisch nicht ganz normal. Und auch das konnte für seine Anwerbung genutzt werden. Zudem tauchen ebenfalls recht interessante Informationen auf, dass er in den Jahren 2015–2017 – der Krieg Russlands gegen die Ukraine hatte schon begonnen, die Krim war bereits besetzt, ein Teil des Donbas war besetzt – in Rjasan lebte. In Rjasan, und davor war er in Bakhmut. Nun, Sie verstehen, dass es während des Lebens in Rjasan bei einem ehemaligen Militärangehörigen irgendwelche Kontakte zu irgendwelchen russischen Spezialdiensten gegeben haben könnte.

Nun richtet jetzt natürlich jeder seine Aufmerksamkeit auf seine Seiten in sozialen Netzwerken. Hätte man ihnen vielleicht früher Aufmerksamkeit schenken müssen? Antiukrainische Einträge, antisemitische Äußerungen. Wie viel von alledem erscheint in den sozialen Netzwerken. Und wir winken einfach ab. „Ach, wenn er in sozialen Netzwerken schreibt, wird er schon nichts tun.“ Er pries Hitler, rief zu gewaltsamen Säuberungen in der Gesellschaft auf, nannte die Ukraine eine sogenannte, bedauerte, dass Girkin seine Heimatstadt Bakhmut nicht vernichtet habe. Nun, nicht Heimatstadt, er wurde in Moskau geboren, aber Bakhmut war sein Wohnort. Dabei war er ein ukrainischer Militärpensionär.

Und jetzt, eben jetzt, gibt es Zugang zu dieser Webseite. Jetzt kann man verstehen, warum Menschen sich so verhalten. Diese Webseite hieß „Bakhmut WDW“. „Sehen Sie, Balaklija, das sind Explosionen von Waffenlagern. Dagegen wirkt Tschernobyl harmlos. Schade, dass Balaklija nicht im Gebiet Kyiv liegt. Man sagt, es gehe ein hybrider Krieg, aber das ist ein hybrider Genozid. Wenn Girkin Strelkow als Statthalter und Gauleiter von Slowjansk und der slowjansker Region ein echter Militär gewesen wäre, dann hätte so etwas 2014 mit Artjomowsk-Bakhmut geschehen müssen.“ Das also sind die Gedanken und Äußerungen eben dieses Wasyltschenko. Bakhmut WDW, verstehen Sie? WDW (russischen Luftlandetruppen) – wir verstehen doch, was das ist. Also sind das alles absolut klare, verständliche Äußerungen eines Menschen, der das Land hasste, in dem er lebte.

Wie viele solcher Menschen sehen Sie ganz unverhohlen in sozialen Netzwerken – keine Bots, mit ukrainischem Wohnort, mit ukrainischer Registrierung? Und Sie verfolgen sie vielleicht nicht, aber der russische Genosse Major vom Föderalen Sicherheitsdienst, der hat solche Menschen im Blick. Er wird ihnen ganz bestimmt schreiben. Er wird irgendeine Tätigkeit vorschlagen oder einfach anstoßen. „Keine Kraft mehr, all diese verfluchten Nationalisten, Banderowzy zu ertragen? Vernichte wenigstens einen Teil von ihnen, dann wird es dir leichter.“ Sie verstehen doch, dass diese Leute das Andropow-Institut absolvieren, um mit ähnlichen Terroristen zu arbeiten. Auch das ist eine reale Wahrheit über das, was mit einem solchen Kontingent geschieht.

Man darf nicht denken, dass nach 2022 unsere ganze Gesellschaft alles über Russland verstanden hätte. Hören Sie, machen Sie sich keine Illusionen. Menschen, die Feinde der Ukraine waren, sind Feinde der Ukraine geblieben. Wenn wir über „die Wartenden“ sprechen, dann sind sie es. Nur dass manche von diesen „Wartenden“ jetzt vielleicht schon eine reale, reale Möglichkeit haben, ihre Wünsche zu erfüllen, ohne darauf zu warten, dass die Besatzer in Kyiv einmarschieren, in Kharkiv einmarschieren, in Odesa einmarschieren. Und diese  „Wartenden“ können die Russen, weil sie vielleicht auch verstehen, dass sie nicht nach Kharkiv, nach Odesa, nach Kyiv einmarschieren werden, benutzen. Es ist sehr gefährlich, mit einem solchen realen Problem so umzugehen, als existiere es nicht. Das ist es, was ich zu diesem Terrorakt sagen wollte.

Nun die Frage: Warum betont niemand die Tatsache, dass sehr viele Vertriebene aus den östlichen Regionen einfach weiterhin Russland unterstützen und weiter auf ihren Sieg warten und ihn wünschen?

Portnikov. Ich bin grundsätzlich dagegen, Menschen nach ihrer Herkunft aus irgendwelchen Regionen zu teilen. Ja, vielleicht war in den östlichen und südlichen Regionen der Einfluss prorussischer Kräfte größer als in den zentralen und westlichen. Aber gab es in den zentralen und westlichen Regionen keine Menschen, die für prorussische Kräfte, wie Janukowytsch gestimmt haben? Gab es dort keine, die gegen die ukrainische Sprache und gegen die ukrainische Unabhängigkeit auftraten? Eine große Zahl von Menschen, die die besetzten Gebiete im Osten verlassen haben, ist ja gerade deshalb von dort weggegangen, weil sie nicht unter den Russen leben wollte. Deshalb denke ich, dass das Problem nicht darin besteht, dass es in verschiedenen Regionen Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten gibt, die von den Russen zu eigenen Zwecken benutzt werden können. Und das wissen Sie sehr gut.

Eine der Aufgaben Moskaus besteht auch darin, die Ukrainer nach Sorten und nach Wohnorten zu spalten. Und das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt. Und tatsächlich: Je mehr Terror es geben wird, desto mehr wird es solche Möglichkeiten geben. Heute, wenn Sie russische Sprache in öffentlichen Verkehrsmitteln hören, können Sie einfach so reagieren: „Warum sprechen sie weiterhin Russisch?“ Morgen werden Sie schon allein wegen terroristischer Aktionen denken: Werden diese Leute nicht einen Terrorakt in dieser Metro verüben, wenn sie Russisch sprechen, dazu noch akzentfrei? Nun, sie sind ja irgendwoher gekommen, nicht von hier. Und in Wirklichkeit kann einen Terrorakt auch ein ukrainischsprachiger Mensch verüben, wie wir wissen, gegen Geld. Solche Fälle gibt es ebenfalls viele. Wie wir wissen, beherrschte der Mensch, der Rebet und Bandera tötete, die ukrainische Sprache ausgezeichnet, war aber ein Agent Schelepins, der die ukrainische Sprache nicht beherrschte.

Auch das ist eine Erinnerung daran, wie all das aussehen kann. Und daran, dass ich dagegen bin, Menschen nach ethnischer Herkunft, nach Wohnort, sogar nach Staatsbürgerschaft zu teilen. Denn ich verstehe sehr gut, dass es unter den Bürgern Russlands und Belarus’ sehr viele Menschen geben kann, die wirklich für den Sieg der Ukraine mitfiebern, während es unter den Bürgern der Ukraine nicht wenige Verräter geben kann, so wie diesen Wasyltschenko, der einen ukrainischen Pass hatte und ukrainische Menschen getötet hat und das immer wollte. Das Interessanteste ist: Er wollte das immer.

Frage. Mich interessiert, warum das ganze Gesindel, das zu pro-hamasischen Kundgebungen hingeht, über all das, was es in der Ukraine passiert, schweigt und über das Fehlen anti-antisemitischer Gesetze in Europa – entspricht das der Stimmung der Bürger?

Portnikov. Warum? In Europa gibt es Gesetze, die Verantwortung dafür vorsehen, dass Menschen die Tatsache des Holocaust nicht anerkennen. Wir müssen übrigens dafür kämpfen, dass es solche Gesetze auch in Bezug auf den Holodomor gibt, damit es Verantwortung gibt, und zwar nicht nur in der Ukraine, für die Leugnung der Tatsache des Holodomor. Nicht einfach nur die Anerkennung des Holodomor als Genozid. Das ist eine politische Aktion, aber es muss eine juristische Aktion geben. Verstehen Sie? Denn glücklicherweise gibt es zumindest im Westen einen Konsens in Bezug auf den Holocaust. Und in Bezug auf den Holodomor gibt es einen solchen Konsens nicht. Die Russen können ihren Mist straflos verbreiten und erzählen, dass es das alles nicht gegeben habe, dass überall Hunger gewesen sei. Darüber muss man irgendwie nachdenken.

Nun, und was die Pro-Hamas Kundgebungen betrifft, so müssen Sie sehr gut verstehen, dass die Menschen, die zu Pro-Hamas Kundgebungen gehen, einfach gewöhnliche Antisemiten sind, die die Tragödie, die im Nahen Osten geschieht, für legalen Antisemitismus benutzen. Gerade deshalb, weil es Gesetze gibt, und sie sind angeblich nicht gegen Juden, sie sind gegen das Grauen, das Israel auf dem Territorium des Gazastreifens und im Libanon anrichtet. Und wenn wir sagen: „Warum bemerkt ihr nicht, dass es dort israelische Geiseln gab, dass Hamas-Leute Kinder getötet haben, dass die Hisbollah auf friedliche israelische Städte schießt und sie besetzte Territorien nennt, auf die man straflos schießen könne, weil das aus Sicht der Hisbollah überhaupt keine Städte seien? Dort geschieht doch dasselbe.“ Man kann die Frage stellen: „Warum interessieren diese Menschen sich nicht für ukrainische Kinder?“

„Nun, vielleicht deshalb, weil Russland ein Verbündeter der Hamas ist und Präsident Putin ein toller Kerl, der sich als Erster unter Politikern, die überhaupt irgendein Gewicht in der Welt haben, mit den Führern der Hamas getroffen hat. Er lud den Chef der Hamas, Ismail Hanija, als Premierminister der Palästinensischen Autonomiebehörde nach Moskau ein, Hamas-Minister. All das geschah zuerst in Moskau. Und die Ukraine ist nicht auf der Seite der Hamas. Wozu also ukrainische Kinder bemitleiden? Bemitleiden muss man jene Kinder, deren Regierung die Terroristen unterstützt. Das heißt, russische Kinder muss man bemitleiden. Das sind die arme Kinder, Opfer der Banderowzy.“

Ich bin also absolut nicht überrascht von dem, was auf all diesen Demonstrationen geschieht. Und ich habe wiederholt gesagt, dass diesen Leuten auch die palästinensischen Kinder egal sind, dass das einfach eine Legalisierung alter Komplexe ist, die wir in Europa gesehen haben und die schließlich zum Holocaust geführt haben. Und auch das ist eine absolut offensichtliche Sache, die damit zusammenhängt, was wir beobachten, wenn wir über die Ereignisse im Nahen Osten sprechen.

Also ist es jetzt im Prinzip sehr wichtig zu verstehen, inwieweit die Situation mit all diesen terroristischen Gefahren von uns richtig aufgearbeitet werden wird. Verstehen Sie, diese Erschießung in einem Supermarkt in Kyiv kann ja einfach als so ein Vorfall gewertet werden. Mehr wird so etwas nicht geschehen. Ein unausgeglichener Mensch. Aber wenn sich das wiederholt, wenn das weitergeht? Wie Sie verstehen, ist das doch eine sehr ernste Gefahr. Die Unterschätzung der Terrorgefahr ist immer ein sehr ernstes Problem für eine Gesellschaft, in der Terror geschieht. Daran muss man sich erinnern, wenn wir über die Situation auch nur der Einschätzung des gegenwärtigen Terrorakts sprechen.

Nun gut, meinetwegen sei es ein unausgeglichener, aggressiver Mensch. Aber dieser unausgeglichene, aggressive Mensch hatte seine politischen Ansichten bereits gezeigt, bevor er diesen Terroranschlag verübte. Er war faktisch bereits mit antiukrainischen Erklärungen aufgetreten. Nun, versuchen wir wenigstens zu verstehen, dass die Situation mit der Terrorprävention auch mit der Prävention in sozialen Netzwerken zusammenhängt. Wenn Menschen aggressive Posts antiukrainischen Charakters schreiben und sich nicht einmal verstecken, dann muss man mit diesen Menschen ebenfalls sprechen. Auch ihre Kontakte müssen verfolgt werden. Übrigens, sehen Sie, eine Frau wurde getötet, als sie im Park spazieren ging, dieser Widerling tötete sie einfach auf dem Weg zum Supermarkt. Nicht einmal im Supermarkt selbst, es gab nicht einmal irgendeinen Akt der Aggression, der zu solchen Handlungen provoziert hätte. Nein, das war ein vorbereiteter, kaltblütiger Akt des Mordens an Menschen, wie Sie verstehen.

Und hier stellt sich die Frage: Wozu musste man dann Geiseln nehmen, wenn der Terrorist keinerlei reale Forderungen stellte? Und irgendeinen Sinn in diesen Verhandlungen – das Innenministerium schickte eine Verhandlerin dorthin, die versuchte, mit ihm zu sprechen – gab es nicht. Der Innenminister erzählt, dass der Schütze an jeden herantrat und Einzelschüsse abgab. Ebenfalls ein absolut kaltblütiger Wunsch, Menschen zu töten.

Tragisch natürlich, aber ich wiederhole: Solche Situationen können systematisch werden, wenn wir keine reale Arbeit am Verständnis des Zustands der Gesellschaft und des Zustands jener Menschen beginnen, die Anhänger Russlands in unserer Gesellschaft sind. Natürlich sind wir ein demokratisches Land, Menschen haben das Recht auf eigene Gedanken, aber wenn ein Mensch dem Staat, den Bürgern offen, ohne sich zu verstecken, droht, muss man daran denken, dass eine solche Drohung verwirklicht werden kann.

Wir, Menschen unseres Berufs, leben die ganze Zeit unter Gottes Augen. Wir erhalten persönliche Drohungen. Wir verstehen, dass jeder beliebige verrückte Anhänger Moskaus kommen und dir Schaden zufügen oder dich töten wollen kann. Sie verstehen doch, wie viele solcher Drohungen ich in meinem Leben erhalten habe, Dutzende, Hunderte. Aber wenn Drohungen massenhaft werden, wenn Drohungen tatsächlich auf die Untergrabung der Sicherheit eines ganzen Staates während des Krieges gerichtet sind, dann ist das wirklich schon ein Problem für unsere, ich würde sagen, Durchhaltefähigkeit im Krieg mit der Russischen Föderation.

Man muss all diese Gefahren einfach verstehen, dass das alles verschiedene Fronten sind. Die Front realer Kampfhandlungen der Armeen, die Front des Beschusses ukrainischer Städte und Siedlungen mit Raketen und Drohnen, die Front des individuellen und Massenterrors. Heute kann ich faktisch sagen, dass die Front des Massenterrors eröffnet wurde. Heute ist so ein Tag. Und die Front der antiukrainischen Propaganda. Dabei ist die Front der antiukrainischen Propaganda sehr oft gerade darauf gerichtet, Terror gegen die Zivilbevölkerung von Seiten einzelner Individuen zu provozieren, die an solchen Handlungen teilnehmen.

Also hat die Untersuchung die Ermordung unserer Mitbürger in Kyiv – leider sind bereits sechs Bürger ums Leben gekommen, 14 wurden verletzt – eben als einen Terrorakt qualifiziert, der zum Tod von Menschen in der ukrainischen Hauptstadt geführt hat. Das ist eine so traurige Bilanz dieses Tages. Zu meinem größten Bedauern. Bitte kommentieren Sie, was Sie darüber denken, wie man gegen den russischen Terror und den Terror russischer Handlanger auf unserem Boden kämpfen kann.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Теракт в Києві: висновки | Віталій Портников. 18.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 18.04.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Der neue Chamenei gegen Trump | Vitaly Portnikov. 09.03.2026.

Die Wahl des Sohnes von Ajatollah Ali Chamenei, Modschtaba, zum neuen Obersten Führer Irans kann kaum als Sensation bezeichnet werden. Darüber, dass der jüngere Chamenei zum Obersten Führer des Landes gewählt worden sei, wurde bereits in den ersten Tagen nach der Eliminierung seines Vaters gesprochen. Damals berichtete auch die iranische oppositionelle Nachrichtenagentur Iran International darüber.

Im Korps der Islamischen Revolutionsgarden wiesen sie diese Information jedoch aus einem einfachen Grund zurück: Man wollte die Gelegenheit abwarten, bis sich praktisch alle Vertreter der politischen und militärischen Kreise des Landes zur Kandidatur des Ajatollah Chamenei äußern konnten – vor dem Hintergrund der natürlichen Meinungsverschiedenheiten, die diese Kandidatur hervorrief. Und auch deshalb, weil im politischen System der Islamischen Republik keine Thronfolge vorgesehen ist, was Iran sonst nicht mehr zu einer Wahl-, sondern zu einer erblichen Monarchie machen würde. Und außerdem, weil der jüngere Ajatollah Chamenei in den politischen und militärischen Kreisen Irans ausschließlich als Kandidat der Revolutionsgarden wahrgenommen wurde, der nicht einmal über den Anteil an Autonomie und die Möglichkeit zu eigenständigen Entscheidungen verfügte, über die sein Vater verfügte.

Mit der Wahl und – was am wichtigsten ist – der Verkündung des neuen Obersten Führers musste man sich jedoch aus mehreren Gründen beeilen. Der erste Grund ist der Druck des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der erklärte, er würde gern an der Wahl des neuen Staatsoberhauptes Irans teilnehmen. Die Wahl von Ajatollah Chamenei zum Obersten Führer demonstriert, dass die iranische Führung weiterhin volle Eigenständigkeit bei der Wahl der neuen Leitung des Landes bewahrt und die Äußerungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten ignorieren kann.

Der zweite, nicht weniger wichtige Punkt ist eine sich abzeichnende Spaltung in der politischen Elite des Landes: Während der iranische Präsident Masud Peseschkian sich bei den arabischen Staaten entschuldigt, die vom Korps der Islamischen Revolutionsgarden angegriffen wurden, weisen andere führende Vertreter des Landes diese Entschuldigungen zurück und setzen – was besonders wichtig ist – ihre Angriffe auf die Staaten des Persischen Golfs fort. Das zeigt bereits, dass es weder in der Führung Irans noch – was besonders wichtig ist – in dem provisorischen Rat, der nach der Tötung von Ajatollah Chamenei zur Leitung des Landes gebildet wurde, ein gemeinsames Verständnis darüber gibt, wie es weitergehen soll.

Dass der Sohn des Getöteten zum Führer des Landes wird, zeigt die Bereitschaft, den radikalen Kurs fortzusetzen. Und das ist eine ziemlich einfache Entscheidung, vor der die Elite der Islamischen Republik in den letzten nicht einmal Monaten, sondern Jahren stand: entweder den radikalen Kurs fortzusetzen – im Bewusstsein, dass er zu einer erheblichen Schwächung der Positionen Irans und seiner Möglichkeiten zur Entwicklung des Landes führen wird, aber zugleich zur Schwächung der Nachbarstaaten beitragen und die Hilflosigkeit der Vereinigten Staaten beim Sturz des islamischen Regimes in Iran demonstrieren kann –, oder aber gewisse Kompromisse mit den Vereinigten Staaten einzugehen, um das Regime um den Preis einer Verringerung seiner Aggressivität zu erhalten.

Und möglicherweise vertreten genau diese zweite Position der derzeitige iranische Präsident Masud Peseschkian und jene Reformer, die schließlich in ihrem politischen Kampf gegen die radikalen Kreise eine Niederlage erlitten haben – gegen jene Kreise also, die gerade durch das Korps der Islamischen Revolutionsgarden repräsentiert werden. Doch dass der jüngere Ajatollah Chamenei nun das Land führen wird, zeigt die Bereitschaft zu radikalem Widerstand.

Das ist offensichtlich nicht der Mensch, den Donald Trump an der Spitze Irans sehen möchte. Wohl aber genau der Mensch, der den Tod seines eigenen Vaters nicht nur an den Vereinigten Staaten und an Israel rächen möchte, sondern persönlich an Donald Trump und an Vertretern der amerikanischen und israelischen politischen und militärischen Führung.

Deshalb würde es mich nicht überraschen, wenn das Umfeld des neuen Obersten Führers Irans nicht nur auf Raketen- und Drohnenangriffe gegen Nachbarländer setzt, nicht nur auf Angriffe gegen amerikanische Militäranlagen, sondern auch gegen konkrete führende Persönlichkeiten der Staaten der zivilisierten Welt. Das heißt, man könnte nicht nur auf Krieg setzen, sondern auch auf Terror – was wiederum kaum eine sensationelle Prognose wäre angesichts der Unterstützung terroristischer Organisationen, die den Nahen Osten bereits seit Jahrzehnten destabilisieren.

Letztlich hätte die Terrororganisation Hamas ohne die so bedeutende Rolle Irans – und natürlich auch Katars – ihren schrecklichen Angriff am 7. Oktober 2023 nicht durchführen können. Ohne Iran hätte die Terrororganisation Hisbollah den Libanon nicht in Geiselhaft genommen. Und nun könnte Iran in geschwächtem Zustand, ohne einen bedeutenden Teil seines militärischen Potenzials, ebenfalls auf Terror als zusätzliche Option zur Destabilisierung der zivilisierten Welt im Kontext des andauernden Krieges setzen.

Und es ist klar, dass der jüngere Ajatollah Chamenei Träger dieses neuen Ansatzes sein wird. Ebenso wie viele andere – ich würde sagen – geradezu kultische Figuren der jüngeren politischen Geschichte des Nahen Ostens Träger eines terroristischen Ansatzes als Mittel zur Schwächung des Westens waren. Zum Beispiel der ehemalige Führer der Palästinensischen Befreiungsorganisation Jassir Arafat, der den Weg vom Leiter einer terroristischen Organisation über die Oslo-Abkommen mit Israel bis hin zur erneuten Unterstützung terroristischer Aktivitäten in den Gebieten der Palästinensischen Autonomiebehörde zurücklegte.

Man kann sagen, dass dies ein sehr ähnliches Verhaltensmodell für den neuen Obersten Führer Irans sein könnte. Natürlich nur, wenn er unter den Bedingungen der fortgesetzten amerikanischen und israelischen Angriffe am Leben bleiben kann. Denn in Israel hat man bereits erklärt, dass jeder neue Oberste Führer der Islamischen Republik zum Ziel der israelischen Streitkräfte in ihrer fortgesetzten Operation gegen das feindliche Regime in Iran werden wird.

Man darf jedoch nicht vergessen, dass es hier nicht um einzelne Persönlichkeiten geht, sondern um den Ansatz politischer Aktivität. Selbst wenn man annimmt, dass es der israelischen Armee gelingen sollte, auch den dritten Obersten Führer der Islamischen Republik so zu beseitigen, wie sie den zweiten beseitigt hat, ist ebenso offensichtlich, dass der nächste Oberste Führer Irans – sofern Vertreter der Führung des Korps der Islamischen Revolutionsgarden die Macht in ihren Händen behalten – ebenso radikal und ebenso bereit zu Krieg und Terror sein wird wie Ajatollah Chamenei der Erste und Ajatollah Chamenei der Zweite.

Die Frage besteht darin, inwieweit es den Vereinigten Staaten und Israel gelingen wird, das iranische Regime zu beseitigen, oder ob man gezwungen sein wird, mit diesem Regime, mit Krieg, Terror und wirtschaftlicher Krise in den kommenden Monaten – vielleicht sogar Jahren – zu koexistieren, die zur schwersten Herausforderung für den Nahen Osten in den letzten Jahrzehnten werden könnten.

Man kann sagen, dass die Türen zu genau einer solchen Entwicklung der Ereignisse offenstehen. Allerdings keineswegs durch die Operation der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran, sondern durch die Vorstellungen der iranischen Führung darüber, welche Rolle ihr Regime in der modernen Welt spielen soll.


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Titel des Originals: Новый Хаменеи против Трампа | Виталий Портников. 09.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 09.03.2026.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Der russische Terror demoralisiert die Ukraine nicht. Kolumne von Vitaly Portnikov. 25.02.2026.


Ein ukrainischer Polizist am Ort der Explosion in einem Einkaufszentrum in Lwiw. 22. Februar 2026. Foto: Juri Djatschyschyn / AFP / East News

https://vot-tak.tv/91767427/portnikov-rossiyskiy-terror?fbclid=IwZnRzaAQMF_hleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEePOdQ6VkLZzdYRuUUChKJl2BzTQ7j3f4y_jTNlN3U28gNn6MgGv0kwp8oZ6w_aem_1Mg-jvHprK4Lw9gtNl1t9A

Meldungen über Terroranschläge gegen ukrainische Polizisten führen zurück nach Moskau der frühen 2000er Jahre — zu den Sprengungen von Wohnhäusern, zu Explosionen in der Metro, zum „Nord-Ost“ und zu Beslan. Damals half die Atmosphäre der Angst der russischen Macht, sich zu festigen und ein gesellschaftliches Mandat für die Fortsetzung des Krieges zu erhalten. Heute setzt der Kreml erneut auf Terror — nun jedoch in der Ukraine. Doch die russische Erfahrung zeigt, dass Angst nicht immer zur Kapitulation führt. Manchmal stärkt sie nur den Widerstand.

Zurück in die Vergangenheit

Die erschütternden Nachrichten über Terrorakte gegen ukrainische Polizisten versetzten mich unerwartet in das Moskau der Zeit des zweiten Tschetschenienkriegs zurück. Die Stadt — und ganz Russland — lebten damals in einer Atmosphäre unaufhörlichen Terrors. Explosionen in der Metro, gesprengte Wohnhäuser in den Schlafvierteln der russischen Hauptstadt, Dubrovka, später Beslan …

All das erzeugte ein lähmendes Gefühl der Angst, erklärte die Notwendigkeit der Fortsetzung des Krieges im Kaukasus und die Bedeutung einer „starken Hand“. All das half dem Regime der Tschekisten, aus dem Schatten der Jelzin-Jahre zu treten und sich endgültig als vollwertige Herren Russlands zu etablieren.

Der neue Terror trägt ebenfalls das unverkennbare Siegel des FSB — nur mit einem anderen Ziel: der Destabilisierung der Gesellschaft in einem feindlichen Land. Bereits 2014 behauptete man im Kreml, man strebe keinen umfassenden Krieg mit der Ukraine an, sei jedoch bereit, im Osten und Süden des Landes „Benzin ins Feuer zu gießen“ — in der Erwartung, dass Destabilisierung und Demoralisierung der Gesellschaft die Kontrolle über den größten Teil des ukrainischen Territoriums ohne Kampf ermöglichen würden.

Der Kreml setzt auf Destabilisierung

Ja, der Februar 2022 verschob die Prioritäten zugunsten offener Eroberungspläne. Doch jetzt, da es der russischen Armee nach vier Jahren erbitterten Krieges nicht gelungen ist, auch nur das gesamte Gebiet der Region Donezk unter Kontrolle zu bringen, richtet sich das Interesse des Kremls erneut auf Destabilisierung. Und Destabilisierung erweist sich — wie schon so oft — als wichtiger als der Krieg selbst.

Die Anschläge auf Polizisten verfolgen mehrere Ziele zugleich. Erstens soll demonstriert werden, dass die Ukraine als Staat nicht funktioniert: Wenn nicht einmal die Sicherheit der Ordnungskräfte gewährleistet werden kann, worauf kann dann ein gewöhnlicher Mensch hoffen?

Zweitens eröffnet sich die Möglichkeit, in sozialen Netzwerken eine Kampagne gegen die Polizei zu organisieren — sowohl mithilfe eigener Bots als auch mithilfe „nützlicher Idioten“ — die finden sich immer. Die Hauptaufgabe besteht darin, zu destabilisieren. Und das Ziel der Destabilisierung ist es, die ukrainische Gesellschaft von der Unvermeidlichkeit und Notwendigkeit einer Kapitulation zu überzeugen.

Und genau in dieser Wette auf Destabilisierung liegt einer der größten Fehler des Kremls in diesem Krieg. Es ist geradezu erstaunlich — einen Krieg gegen eine ehemalige Sowjetrepublik zu führen und zugleich zu glauben, man kämpfe gegen eine völlig anders strukturierte Gesellschaft!

Die Ukrainer werden weiter Widerstand leisten

Die Explosionen von Wohnhäusern in Moskau hätten Putin eigentlich vom Gegenteil überzeugen müssen. Die Mehrheit der Russen begann nicht, ein Ende des Krieges zu fordern, der ihnen so viel Leid gebracht und ihnen faktisch das Gefühl der Sicherheit genommen hatte. Im Gegenteil: Der Kreml erhielt von der Bevölkerung ein Mandat zur Fortsetzung der Kampfhandlungen.

So überzeugt auch der Terror Moskaus in der Ukraine die Ukrainer von der Notwendigkeit weiteren Widerstands, weil er anschaulich zeigt, wozu Russland fähig ist und was es tun könnte, sollte es den Krieg gewinnen. Destabilisierung ist kein Schlüssel zur Demoralisierung, sondern ein Beweis für die Notwendigkeit, den Widerstand gegen den Feind fortzusetzen und Bedingungen nicht zu akzeptieren, die der Ukraine ihre Souveränität nehmen würden.

Das Unverständnis dieser einfachen Tatsache ist eines der zahlreichen Paradoxe dieses Krieges. So wie die Ukrainer nicht bereit sind zu begreifen, dass keinerlei soziale Probleme die chauvinistisch gesinnte Mehrheit der Russen dazu bringen werden, die Unterstützung für den Krieg und für Putins Regime aufzugeben, so kann man in Russland nicht verstehen, dass weder Entbehrungen noch Terroranschläge die Ukrainer dazu bewegen werden, auf ihr eigenes Land und ihre Identität zu verzichten.

Dieses erstaunliche Unverständnis dessen, was geschieht, wird letztlich zur Formel eines nun schon im fünften Jahr andauernden Krieges — und zur Antwort auf die Frage, warum es so schwierig, wenn nicht unmöglich ist, ihn in absehbarer Zukunft zu beenden.


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Titel des Originals: Российский террор не деморализует Украину. Колонка Виталия Портникова. 25.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 25.02.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: Zeitung
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Neue Terroranschläge in der Ukraine | Vitaly Portnikov. 23.02.2026.

Explosion in Mykolajiw an einer stillgelegten Tankstelle, als Polizeibeamte zur Schichtablösung dort eintrafen. Sieben Personen wurden verletzt, zwei von ihnen schwer. Und eine Explosion in einer Polizeidienststelle in der Region Dnipropetrowsk. Zum Glück gab es dort keine Todesopfer. Und all das vor dem Hintergrund des jüngsten Terroranschlags in Lwiw, als Polizisten zu einem fingierten Notruf wegen eines angeblichen Eindringens in ein Geschäft gerufen wurden. Wie Sie wissen, kam dabei eine Polizistin ums Leben, viele Menschen wurden verletzt.

Natürlich ist das kein Zufall. Das ist der Beginn einer neuen Putin’schen Spezialoperation gegen die Ukraine – nun verbunden mit Terror, und zwar gezielt mit Terror gegen die Nationale Polizei der Ukraine, gegen die Strafverfolgungsbehörden. Putin denkt überhaupt nicht in Kategorien eines klassischen Krieges als Frontverlauf, sondern in einer Reihe von Spezialoperationen, die er zur Erschöpfung und Zerstörung des Gegners durchführt. Das ist die elementare Logik eines Offiziers des ehemaligen Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion, das später zum Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation wurde. Und jetzt sehen wir eine neue Phase dieser Tätigkeit Putins, eine neue Spezialoperation – Terror gegen Polizisten, gegen Sicherheitsorgane.

Warum gerade gegen die Polizei? Das ist selbstverständlich der Versuch, Unzufriedenheit mit der Staatsmacht als solcher zu provozieren. „Sie ist ineffektiv, unsere Polizei ist ineffektiv. Normale Menschen werden nicht in die Luft gesprengt – Polizisten schon. Mit ihnen hat man natürlich kein Mitleid, weil sie ihre Arbeit schlecht machen. Sie sind ohnehin korrupt, sie verdienen unser Vertrauen nicht. Warum sollten wir mit ihnen Mitleid haben?“ Selbst wenn solche Stimmungen nicht unter vielen Menschen vorhanden sind, werden sie von russischen Bots in den sozialen Netzwerken angeheizt werden. Und natürlich ist auch das Teil der Arbeit zur Schwächung der Ukraine.

Schon als wir vom Terroranschlag in Lwiw erfuhren, sagte ich, dass dies erst der Anfang sei. Wie wir sehen, ließen die Ereignisse leider nicht lange auf sich warten. Man möchte den in Mykolajiw verletzten Polizisten und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aussprechen. Selbstverständlich kann es weitere Terrorakte geben, die gezielt darauf ausgerichtet sind, eine Welle des Misstrauens in der ukrainischen Gesellschaft gegenüber den Strafverfolgungsbehörden zu erzeugen.

Das ist systematische Arbeit. Es gibt einen Plan, es gibt Verantwortliche, sie erfüllen ihre Aufgaben. So war es beispielsweise auch in Russland selbst während des zweiten Tschetschenienkrieges, als plötzlich Wohnhäuser in die Luft flogen. Zunächst in Wolgodonsk – und wie es in der Russischen Föderation üblich ist, beunruhigte die Explosion eines Hauses in einer fernen Provinz niemanden besonders. Russland lebt generell nicht mit Blick auf seine Provinz. Dann begannen Häuser in Moskau selbst zu explodieren – was natürlich sofort zu Hauptnachrichten im damaligen russischen Staat wurde.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Häuser explodierten in Wohnbezirken, nicht im Zentrum Moskaus, um zu zeigen, dass die Terroristen Menschen angreifen, die völlig außerhalb der Politik stehen, außerhalb der Elite, die nichts mit den Ereignissen im Kaukasus zu tun haben. Aber diese niederträchtigen Leute töten einfache, unbeteiligte Menschen. Und die Explosionen hörten erst auf, als in einem Haus in Rjasan, das offenbar das nächste Opfer der FSB-Leute werden sollte, zufällig Sprengstoffvorräte entdeckt wurden.

Dem damaligen Leiter des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands, einem der engsten Vertrauten Putins – Patruschew –, blieb nichts anderes übrig, als die öffentliche Meinung auf ihre Gutgläubigkeit zu testen und sich damit zu rechtfertigen, dass es sich gar nicht um Sprengstoff, sondern um Zucker gehandelt habe – und überhaupt seien es nur gewöhnliche FSB-Übungen gewesen.

Dabei verstand jeder sehr gut, dass es nur eine Organisation gibt, die an jenen Sprengstoff gelangen konnte, der bei den Explosionen der Häuser in der russischen Hauptstadt verwendet wurde. Und als dieser Sprengstoff in Rjasan gefunden wurde – er wurde nur in einem einzigen Betrieb hergestellt und um ihn zu erhalten, brauchte man eine entsprechende Genehmigung aus Moskau, vom FSB –, irritierte das niemanden. Nicht einmal, als der Sänger des russischen Regimes, der Schriftsteller Prochanow, den Roman „Herr Hexogen“ über diese Ereignisse schrieb.

Und jetzt sehen wir eine sehr ähnliche Situation – ebenfalls ohne besondere, ich würde sagen, intellektuelle Anstrengung, einfach nach einem Dienstplan, der offensichtlich von jemandem aus der Führung des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands oder des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation oder eben jener Hauptverwaltung des Generalstabs gebilligt wurde, deren Leiter noch vor kurzem von Putin als Chef der russischen Delegation bei Verhandlungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten eingesetzt wurde.

Fast jeden Tag nun Anschläge gegen Polizisten, die einerseits Hass auf die Polizei schüren und andererseits die Gesellschaft einschüchtern sollen: „Wenn sogar die Polizei in die Luft gesprengt wird, welche Sicherheitsgarantien können wir dann noch haben?“ – damit die Menschen das häufiger sagen, damit es mehr Destabilisierung gibt, damit mehr Verständnis entsteht, dass der einzige Ausweg für einfache Menschen, wenn sie überleben wollen, die Kapitulation vor Russland zu Putins Bedingungen sei.

Und dass das so nicht funktioniert, dass die Zunahme des Terrors neben den fortgesetzten massiven Angriffen gegen die Ukraine die Ukrainer nicht zur Kapitulation und zur Zustimmung zur Zerstörung ihres Staates bewegt – das beunruhigt weder Putin noch seine Kollegen an der Lubjanka. Sie sind es gewohnt, nach genehmigten Plänen von Spezialoperationen zu arbeiten und fest daran zu glauben, dass diese Pläne früher oder später zu dem Ergebnis führen werden, das der Präsident der Russischen Föderation benötigt – zur Erfüllung jener Aufgabe, die Putin seinen FSB-Leuten und Militärs bereits im Februar 2022 gestellt hat, als er die Entscheidung traf, die Ukraine anzugreifen, um die ukrainische Führung und später auch die ukrainische Staatlichkeit zu liquidieren.

Praktisch genau am 23. Februar 2022 hatte Putin sich endgültig über das Tempo seiner Spezialoperation und darüber entschieden, wie sie sich entwickeln sollte. Und jetzt, da von seinem Blitzkrieg nicht einmal mehr eine Erinnerung geblieben ist, bleibt ihm nichts anderes übrig, als den Terror fortzusetzen.


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Titel des Originals: Нові теракти в Україні | Віталій Портников. 23.02.2026.
Autor / Verfasser / Kanal: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.02.2026.
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Russland rekrutiert Terroristen | Vitaly Portnikov. 22.02.2026.

Der Organisation des Terroranschlags in Lwiw wird eine Einwohnerin von Kostopil im Gebiet Riwne, Iryna Sowetzi, verdächtigt, die wenige Wochen vor der Tat nach Lwiw gezogen war. Nach vorläufigen Angaben könnte sie Anweisungen zur Durchführung dieses Anschlags über Telegram erhalten haben.

Und wir sehen, dass die Durchführung dieser sogenannten weiteren Spezialoperation ziemlich amateurhaft wirkt. Die Frau verließ den Ort, an dem der Sprengsatz deponiert wurde, mit einem gewöhnlichen Taxi. Sie wurde relativ schnell gefunden. Doch das ist eine absolut typische Taktik der russischen Geheimdienste – nach Menschen zu suchen, die bereit sind, ein Verbrechen zu begehen. Diese Menschen kümmern ihre Kuratoren selbstverständlich nicht. Das Wichtigste ist, in der Gesellschaft eine Atmosphäre des Misstrauens und des Hasses zu säen.

Hasses – gegen wen? Wir verstehen, gegen wen. Gegen den Staat. Denn die Idee besteht darin, dass die Begehung terroristischer Aktionen gerade gegen Vertreter des Staates es ermöglicht, entsprechende Propagandakampagnen in denselben sozialen Netzwerken zu starten, die zur Rekrutierung von Saboteuren genutzt werden, die Terrorakte begehen – gegen die Territorialen Rekrutierungszentren, gegen andere staatliche Institutionen, die „doch einfach leben, wie sie wollen, während wir im Krieg leiden“. Auf dieser Grundlage können Tausende Bots aktiviert werden.

Und das ist ebenfalls, wie ich bereits mehrfach betont habe, Teil des Krieges. Denn für Putin und seine Mitstreiter ist Krieg nicht nur militärisches Handeln. Mehr noch, ich würde sagen, dass diese Leute sich mit militärischen Handlungen gar nicht besonders auskennen, weil sie aus dem System des ehemaligen Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion stammen. Und genau deshalb halten sie jegliche Spezialoperationen, jegliche terroristische Handlungen für ein viel gewichtigeres Argument bei der Schaffung entsprechender Stimmungen in der Gesellschaft als alle anderen Handlungen, die mit der weiteren Entwicklung der Ereignisse an der Front zusammenhängen.

So haben sie auch im eigenen Land gehandelt. Ich möchte daran erinnern, dass während der Tschetschenienkriege, besonders während des zweiten Tschetschenienkrieges, vor allem versucht wurde, in der russischen Gesellschaft eine Atmosphäre der Panik und Angst zu säen. Die Idee bestand darin, dass eine solche Atmosphäre es der Macht erlauben würde, im Kaukasus zu tun, was immer sie wollte.

Ich erinnere mich sehr gut, wie der erste Tschetschenienkrieg mit Hilfe von Geschichten über Russen vorbereitet wurde, die bei den Tschetschenen als Sklaven gehalten würden. Ich erinnere mich, was während des zweiten Tschetschenienkrieges geschah, als Wohnhäuser in Moskau und anderen russischen Städten explodierten und die Menschen bereit waren, jeder Handlung ihrer eigenen Regierung zuzustimmen – solange sie nur Ordnung schuf und das terroristische Nest in Tschetschenien vernichtete.

Und dass faktisch Teppichbombardements von Grosny und anderen tschetschenischen Städten und Siedlungen stattfanden, kümmerte in Russland natürlich niemanden. Denn wenn ein Mensch in Angst lebt, denkt er nicht über solche Kategorien nach. Er will nur, dass ihm und seiner Familie ein Gefühl von Sicherheit gegeben wird.

Hier ist im Grunde die gleiche Situation, nur mit einem anderen Nenner. Die Ukrainer sollen Sicherheit wünschen und begreifen, dass ihre Regierung diese Sicherheit nicht garantiert, dass Sicherheit für sie und ihre Familien nur im Falle der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges gewährleistet werden kann. Und der russisch-ukrainische Krieg hat nur ein reales Rezept für sein Ende: die Kapitulation der Ukraine vor Russland und das Verschwinden des ukrainischen Staates von der politischen Landkarte dieser Welt.

Welchen Unterschied macht es, unter welcher Flagge Sie leben, wenn Ihnen nichts droht, wenn Sie von einer viel effektiveren Regierung geschützt werden als Ihrer ukrainischen? Dass diese effektive russische Regierung selbst Anschläge inszeniert und nun auch uns Anschläge beschert – das wird die von der terroristischen Welle verängstigten Menschen natürlich nicht interessieren, zumal wenn sie entsprechend in sozialen Netzwerken vorbereitet wurden. Denn das ist eine mehrschichtige Arbeit: Einerseits die Suche, Vorbereitung und Bezahlung von Saboteuren in sozialen Netzwerken, andererseits die Suche, Vorbereitung und Propagierung nützlicher Idioten in sozialen Netzwerken.

Und hier muss klar gesagt werden, dass die Russen Meister sind. Schon die Entstehung  von Telegram zeigt, dass die alte Schule nicht vergessen wurde. Telegram ist zu einem echten, ich würde sagen, meisterhaften Instrument der Desinformation geworden.

Ich erinnere mich gut daran, wie in den Zeiten meiner beruflichen Jugend, als klar wurde, dass niemand Vertrauen in die Informationen der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS hatte – auch nicht ausländische Journalisten, die damals in die Sowjetunion kamen, um über Gorbatschows Perestroika zu berichten – eilig eine unabhängige Nachrichtenagentur Interfax gegründet wurde, deren Sitz und Büros sich im staatlichen Rundfunk- und Fernsehkomitee der Sowjetunion befanden und später auch am Alten Platz im Zentralkomitee der KPdSU, die jedoch als unabhängige Agentur wahrgenommen wurde. Diese schuf übrigens später auch eine entsprechende Filiale in der Ukraine, die dem zweiten Präsidenten der Ukraine, Leonid Kutschma, half, der für seine engen Beziehungen zu Boris Jelzin und dessen Premierminister Wiktor Tschernomyrdin bekannt war. Und man muss sagen, dass ausländische Journalisten vollkommen in diese Falle tappten und lange Zeit Interfax vertrauten, während entsprechende Nachrichten von TASS bei ihnen keinerlei Vertrauen erweckten.

So ist es auch mit Telegram: Als die Russen erkannten, dass die Ukrainer ihren Fernsehsendern nicht mehr vertrauen, dass es keine Medwedtschuk-Kanäle mehr gibt, verstanden sie schnell, dass man ein Netzwerk anonymer Kanäle schaffen kann, die einerseits das schreiben, was der durchschnittliche Ukrainer entsprechend seinem recht einfachen Politikverständnis lesen möchte – ein Verständnis, das zusätzlich noch durch die Fernsehserie über „Diener des Volkes“ geprägt wurde – und andererseits unter diesem Deckmantel Informationen liefern, die der russischen Führung und den russischen Geheimdiensten nützen, und gleichzeitig auf Telegram Ausführende für die Absichten der russischen Geheimdienste suchen.

Und in diese Falle geriet nicht nur der durchschnittliche Ukrainer, der anonyme Information nicht von professioneller unterscheiden kann. Nein, in diese Falle geriet ein ganzes Büro des ukrainischen Präsidenten, das ein eigenes Netzwerk von Kanälen schuf – angeblich, um den Informationsraum zusätzlich zum unbeholfenen „Marathon“ zu monopolisieren, in Wirklichkeit aber, um genau nach dem Szenario zu handeln, das in den Büros an der Lubjanka geschrieben wurde.

Und wenn der Präsident der Ukraine jetzt von einer möglichen Rekrutierung der Saboteurin über Telegram spricht, sollte er daran denken, dass in eben diesem Telegram ein ganzes Netzwerk von Kanälen existiert, die weniger auf reale Information als auf Propaganda im Interesse bestimmter politischer Kräfte und einzelner Personen ausgerichtet sind – Personen, die entweder tatsächlich mit der Macht verbunden sind oder Teil der Macht sind –, auf den Kampf gegen die Opposition, auf den Kampf gegen nüchterne Meinungen.

Und das ist ebenfalls Sabotage. Sabotage, die den Russen ungefähr so nützt wie der Terroranschlag in Lwiw und alles, was sie weiter planen werden – sowohl mit Hilfe dieses sozialen Netzwerks als auch mit anderen, an der Lubjanka gut bekannten Instrumenten.

Das sind die Schlussfolgerungen, die man ziehen muss, wenn wir über die Tragödie von Lwiw sprechen.


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Titel des Originals: Росія вербує терористів | Віталій Портников. 22.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.02.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Terroranschlag in Lwiw | Vitaly Portnikov. 22.02.2026.

Ein schrecklicher Terroranschlag im Zentrum von Lwiw. Eine Mitarbeiterin der Strafverfolgungsbehörden kam ums Leben. Mehrere weitere Polizeibeamte wurden verletzt. Sie befinden sich derzeit im Krankenhaus. Nach vorläufigen Angaben handelt es sich um 14 Polizisten.

Die Polizeibeamten waren zu einem fingierten Notruf ausgerückt, der ein Eindringen einer Person in eines der Handelsgeschäfte in Lwiw betraf. Das heißt, der Terroranschlag war sorgfältig vorbereitet. Um möglichst viele Opfer zu fordern, wurde gemeldet, dass sich an dem Ort, an dem der Sprengsatz platziert war, ein Vorfall ereigne. Und natürlich verstehen wir, dass es sich um eine typische Waffe der Destabilisierung handelt, wie sie dem Vorgehen der russischen Spezialdienste eigen ist.

Was man vor allem nach den Worten des Beileids an die Angehörigen der Getöteten, an die Familien derjenigen, die jetzt unter diesem Terroranschlag leiden, an die Verletzten selbst sagen möchte: Im Grunde braucht man sich über diese Grausamkeit nicht zu wundern. Natürlich laufen derzeit Ermittlungen, die Ursachen werden festgestellt.

Aber sagen Sie, wie viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, dauern Ermittlungen zu Terroranschlägen auf dem Territorium der Russischen Föderation selbst? Schließlich waren die Menschen, die in Russland an die Macht kamen, nicht bereit, ihre eigenen Mitbürger zu schonen – zugunsten von Putins Ratings und seines komfortablen Machtantritts in der Russischen Föderation.

Gerade mit Terroranschlägen, gerade durch Zusammenarbeit mit Terroristen haben sie die Russen eingeschüchtert und die Schaffung dieses Tschekistenstaates ermöglicht, den sie bis heute regieren und noch viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, regieren wollen – eines Staates, der die Ukraine angegriffen hat, weil das Ziel dieses Tschekistenstaates die Rückkehr der Russischen Föderation zu den Grenzen der Sowjetunion von 1991 ist. Das wollten sie immer.

Und es scheint „nur“ ein Terroranschlag in Lwiw zu sein. Doch wir sehen, dass es eine ganze Reihe von Spezialoperationen gibt, mit denen sich diese Leute befassen, wenn sie an einem Plan zum Abbau der ukrainischen Staatlichkeit arbeiten. Ein Teil davon sind militärische Handlungen, die Besetzung von Territorium durch die russische Armee. Aber für die Leute von der Lubjanka war das immer nur ein Teil ihrer Bemühungen.

Der andere Teil des Plans sind Terroranschläge unterschiedlicher Art, die Vernichtung der ukrainischen Führung, die Ermordung von gesellschaftlichen Aktivisten und Politikern, von ukrainischen Patrioten. Übrigens sollte man daran erinnern, dass sich genau das in den letzten Jahren gerade in Lwiw ereignet hat. Propaganda, das ständige Bemühen, die ukrainische Gesellschaft durch Lügen und Zwietracht zu destabilisieren – ebenfalls ein absolut wirksames und ernstzunehmendes Instrument, mit dem sie sich, man kann sagen, seit den ersten Tagen der ukrainischen Unabhängigkeit beschäftigen.

Zunächst waren es russische Fernsehsender, Journalisten, Propagandisten, die sogar mit einer speziellen Mission in die Ukraine kamen, um dort zu arbeiten. Als nach der Annexion der Krim und dem Beginn des Krieges im Donbas der ukrainische Informationsraum von russischen Fernsehsendern gesäubert wurde, erschienen propagandistische Fernsehkanäle, die einfach weiterhin die russische Agenda in die Köpfe der ukrainischen Bürger einhämmerten.

Und dafür wurden keine Gelder gescheut. Wie bekannt, wurden ganze Holdings mit verdeckter russischer Beteiligung geschaffen. Als auch diese prorussischen Fernsehsender aufhörten zu arbeiten, begann man Telegram als Plattform für anonyme Nachrichten zu nutzen, die ebenfalls dazu dient, das Bewusstsein des ukrainischen Bürgers zu vergiften, ihn auf das Schlimmste vorzubereiten, in ihm Verzweiflung und die Überzeugung zu säen, dass der ukrainische Staat früher oder später von der politischen Landkarte der Welt verschwinden werde, dass dieser Staat es nicht wert sei, nicht nur verteidigt zu werden, sondern dass es nicht einmal wert sei, in ihm zu leben.

Jetzt, da das Vertrauen in Telegram geringer ist, versichere ich Ihnen, dass die Russen durch die Hintertür in die Ukraine zurückkehren werden – mithilfe rechtskonservativer Kräfte des Westens, aus denselben Vereinigten Staaten, aus europäischen Ländern. Formal werden es sogenannte amerikanische oder europäische Fernsehsender sein, tatsächlich aber gewöhnliche russische Propaganda, betrieben – natürlich hinter den Kulissen – von Vertretern des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation und des Auslandsgeheimdienstes Russlands. Alles wird sehr kultiviert aussehen, einfach wie der Weg der Ukraine nach Westen und nicht nach Osten.

Und auch das ist ein gewichtiger Teil ihrer Tätigkeit, denn Terror und Propaganda sind die Hauptwaffen des ehemaligen Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion, das zum Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation wurde. Und ein Vertreter dieses Dienstes ist Präsident Russlands. Er ist nicht Marschall Schukow, sozusagen, er ist Marschall Berija. Und was wir in Lwiw gesehen haben, ist die typische Handschrift eines solchen Tschekisten-Marschalls, der hofft, auf diese Weise Revanche dafür zu nehmen, dass seine Armee machtlos ist.

Und all das geschieht vor dem Hintergrund eines weiteren massiven Angriffs Russlands auf die Ukraine, denn es gibt noch eine Form des Terrors, dessen Meister sich Putin erwiesen hat: den Energieterror, den Wunsch, die Ukraine auszufrieren, den Wunsch zu siegen – wenn schon nicht im echten Krieg, weil es im echten Krieg nicht gelingt. Und wenn schon nicht im propagandistischen Krieg, weil auch das zusätzliche Anstrengungen und die Schaffung von Umgehungswegen erfordert – dann wenigstens im demografischen Krieg.

All diese Komponenten der sogenannten endgültigen Lösung der ukrainischen Frage, an die man sich immer erinnern muss, wenn wir schreckliche Explosionen im Zentrum einer ukrainischen Stadt hören – und sich diese Explosionen dann als weiterer Terroranschlag erweisen.


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Titel des Originals: Теракт у Львові | Віталій Портников. 22.02.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.02.2026.
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Mord in Washington | Vitaly Portnikov. 22.05.2025.

Die Ermordung zweier junger israelischer Diplomaten vor dem Jüdischen Museum in der amerikanischen Hauptstadt bestätigte, dass antiisraelische Aufmärsche in westlichen Ländern auf eine neue Ebene der Konfrontation übergehen können, auf die Ebene eines terroristischen Krieges.

Jeder große Krieg hat, wie wir wissen, seine tragischen Folgen. Als der Bürgerkrieg in Syrien begann, warnten Beobachter die westlichen Führer, dass, wenn sie keine Flugverbotszone über Syrien einrichten und die Repressionen Baschar al-Assads gegen das eigene Volk nicht stoppen würden, dies zu einer schweren Migrationskrise im Westen führen würde. Und eine Migrationskrise zu einem Anstieg der Popularität radikaler rechtsextremer und möglicherweise auch linksextremer politischer Kräfte. So geschah es auch. An den Ergebnissen des syrischen Bürgerkriegs für Europa und die Vereinigten Staaten war wohl nichts Unerwartetes.

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine, obwohl er keine mit dem syrischen Krieg vergleichbaren Folgen in Bezug auf Migration hervorrufen konnte, hat bereits einen anderen Prozess ausgelöst, nämlich die Angst vor Krieg in Mittel- und Westeuropa, eine weitere Stärkung der Positionen rechtsextremer und linksextremer politischer Kräfte und die Schaffung von Bedingungen für den Abbau der europäischen Demokratie in den kommenden Jahren.

Und das ist wiederum keine politische Phantasie, sondern eine Realität, mit der Europa konfrontiert ist. Und über diese Realität, als den realistischsten Schlussfolgerung aus dem russisch-ukrainischen Krieg, wurde bereits im Jahr 2022 gesprochen, als der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, die Entscheidung über die Umgestaltung des Konflikts und den Beginn eines Zermürbungskrieges gegen das Nachbarland traf.

Die westlichen Führer beschlossen jedoch, an diesem Zermürbungskrieg teilzunehmen, in der Hoffnung, dass Russland früher oder später von seinen Zielen abrücken würde. Bald werden diese westlichen Führer wahrscheinlich nicht mehr an der Macht in ihren Ländern sein. Sie werden durch ganz andere Leute aus ganz anderen politischen Parteien ersetzt werden.

Krieg im Nahen Osten, 7. Oktober 2023. Schon damals konnte man sagen, dass das Fehlen eines klaren Verständnisses darüber, wie dieser Krieg beendet werden soll, das Fehlen einer Ausrichtung auf die Notwendigkeit von Druck auf die terroristische Organisation Hamas, nicht nur durch die Länder des Westens, sondern auch durch die Länder des globalen Südens, die weiterhin ihre Grenzen für die Bewohner des Gazastreifens schließen, all dies wird auf natürliche Weise zu einer Veränderung der Stimmung in den westlichen Ländern, zu einer Zunahme antisemitischer Aktionen führen und wiederum zur Möglichkeit der Entfaltung von Terror, der allerdings nicht zum ersten Mal eine Geißel für die westlichen Gesellschaften darstellt.

Nach der Ermordung westlicher Diplomaten wurde immer die Frage aufgeworfen, wie die Sicherheit der jeweiligen Botschaften gewährleistet werden kann. Die Vereinigten Staaten handelten energisch, bis hin zur Auslöschung ganzer terroristischer Gruppen. Der Tod israelischer Diplomaten wird wohl nur zu lautstarken Erklärungen führen, die wir bereits von US-Präsident Donald Trump, Außenminister Mark Rubio, anderen amerikanischen Politikern und Vertretern der europäischen politischen Elite gehört haben.

Aber niemand wird darüber sprechen, dass nicht nur Israel, sondern auch der Westen als Ganzes den Informationskrieg verloren hat, der in jedem Fall das Schicksal der bei dem Hamas-Überfall getöteten Israelis und der Geiseln im Vordergrund stehen sollte, die immer noch von der Terrororganisation festgehalten werden, was aus Sicht der Teilnehmer an antiisraelischen Demonstrationen in den Vereinigten Staaten und europäischen Ländern durchaus legitime Handlungen seitens der Hamas-Führung und der Anhänger dieser Organisation in der Palästinensischen Autonomiebehörde zu sein scheinen. Und eine solche Haltung kann natürlich nur Terror hervorbringen.

Außerdem können wir wieder auf den Bürgerkrieg in Syrien zurückkommen, den der Westen nicht stoppen wollte, um sich nicht mit Wladimir Putin zu zerstreiten. Wir erinnern uns, wie sich die amerikanischen und russischen Präsidenten über Syrien buchstäblich auf den Stufen während eines der Gipfeltreffen einigten. Ein weiterer wichtiger Beitrag von US-Präsident Barack Obama zu unserer gemeinsamen Zukunft. Und nun hat dieses Ignorieren des syrischen Bürgerkriegs auch eine Art Grundlage für antiisraelische und antisemitische Aufmärsche in Europa geschaffen. Man könnte sagen, eine demografische Basis, woran der Westen jetzt auch nicht mehr viel ändern kann.

Zu meinem großen Bedauern könnte die Tötung israelischer Diplomaten in Washington also nicht das letzte dieser Morde sein, sondern nur der Beginn einer ganzen Reihe von Terrorakten, gut vorbereitet oder von sogenannten Einzeltätern verübt, die sich sowohl gegen Diplomaten des Staates Israel als auch gegen Vertreter jüdischer Gemeinden in den Vereinigten Staaten und europäischen Ländern richten.

Und je länger der Gazakrieg nicht beigelegt werden kann, und es gibt keine objektiven Bedingungen dafür, dass er beigelegt wird, desto schwerwiegender werden die Probleme mit der terroristischen Aktivität im Westen und im Nahen Osten sein. Und auf diese unaufhaltsame und schreckliche Realität muss man sich schon heute vorbereiten.

„Nord-Ost“. Vitaly Portnikov. 23.03.24.

https://zbruc.eu/node/118025

Ich erinnere mich sehr gut an die Atmosphäre, die vor 22 Jahren in Moskau herrschte, als während des Musicals „Nord-Ost“ im Theaterzentrum Dubrowka Geiseln genommen wurden.

Es war eine Atmosphäre der Hilflosigkeit – so kann man es beschreiben. Es ist ein schweres Gefühl, wenn man weiß, dass nicht weit von einem ein Haus steht, aus dem die Menschen, die gerade ein Konzert besucht haben, nicht mehr herauskommen. Und das Schicksal dieser Menschen wird von denen entschieden, für die der Wert des Lebens überhaupt keine Rolle spielt, sondern nur der Wert des Machterhalts und des Geldes.

Ich verstand, dass die Tschekisten gelernt hatten, mit den menschlichen Gefühlen wie mit einem Musikinstrument zu spielen, und dass sie die Partitur gut beherrschten. Es war Hilflosigkeit bei den Hausbombenanschlägen, es war Hilflosigkeit bei „Nord-Ost“, und dann war da noch Beslan – was kann einen größeren Einfluss auf die Gefühlslage haben als Kinder, die gefangen genommen und getötet werden?

Ich habe diese Gefühle auch erlebt – aber ich war immer noch ein Ausländer und ein Journalist, der über die Ereignisse berichtete und versuchte, ihre Folgen zu analysieren. Der Durchschnittsrusse – bewusst oder unbewusst, unabhängig von seiner politischen Einstellung – wollte einfach nur, dass dieses Grauen so schnell wie möglich aufhört. Und natürlich war ein gewöhnlicher Russe wütend auf jeden, der die Verbrechen seiner eigenen Armee im Kaukasus erwähnte – denn was zählen diese Verbrechen schon, wenn es um Terror geht und er und seine Angehörigen in Gefahr sind? So wurde die letzte Empathie zerstört, so bereitete sich Russland darauf vor, eine von Feinden umgebene Festung zu werden.

Putin wusste genau, was er tat, und er hat sich nichts ausgedacht. Sowohl das Regime der letzten Jahrzehnte des Russischen Reiches als auch das bolschewistische Regime wurden durch Terror angetrieben. Entweder inszenierten die Sonderdienste Terroranschläge, die für die Behörden selbst von Vorteil waren, oder sie mischten sich nicht in die Arbeit der echten Terroristen ein, die in Russland in der Regel sorgfältig kontrolliert werden. Und die Tatsache, dass die US-amerikanischen und britischen Geheimdienste im Voraus vor Terroranschlägen an überfüllten Orten, einschließlich Konzertsälen, gewarnt hatten, ist ein weiterer Beweis dafür, dass der Terroranschlag in der Krokus bei Moskau, wenn schon nicht vorbereitet, so doch zumindest nicht verhindert wurde. Warum die russische Führung diesen terroristischen Akt brauchte und ob er der letzte im Programm zur Destabilisierung und Stärkung des totalitären Regimes sein wird, werden wir erst in Kürze erfahren.

Ich erinnere mich an meine Gefühle während der Kaskade von Terroranschlägen in Russland, aber das wichtigste Gefühl ist das, dass man sich in einem Staat befindet, der seine Bürger nicht nur nicht schützt, sondern für sie sogar noch gefährlicher ist als Banditen und Terroristen. Vielleicht werden Sie in Ihrem Leben nie Banditen und Terroristen begegnen, sie werden Sie nicht unbedingt in einer dunklen Gasse aufhalten oder zu einem Konzert kommen, das Sie besuchen wollen. Aber man kann dem Staat nie und nirgends entkommen. Mein Vater erinnerte sich kürzlich daran, wie er als Kind während des von Stalin angeheizten antisemitischen Kampagne Angst hatte zur Schule zu gehen. Jetzt erfahre ich, wie Bürger der Russischen Föderation, deren Geburtsort die Ukraine ist, beim Überschreiten der Staatsgrenze ihres eigenen Landes gründlich verhört werden. Sowohl unter Stalin als auch unter Putin waren die nationale Herkunft und der Geburtsort kompromittierende Faktoren, die für die Tschekisten von Interesse sein konnten. Und es ist unmöglich, sich vor dieser Sinnlosigkeit und Gesetzlosigkeit zu verstecken, denn ihre Akteure sind Vertreter der Institutionen, die Sie eigentlich schützen sollen – aber in Wirklichkeit verfolgen sie Sie. Und sie schaffen eine Atmosphäre des Terrors in deinem eigenen Land.

Wenn wir die grausamen Bilder des Todes aus einem weiteren russischen Konzertsaal sehen, müssen wir uns bewusst machen, welchem Schrecken wir entkommen sind – selbst um den Preis dieses schrecklichen Krieges. Im Russischen Reich war Kiew eine der Hauptstädte des Terrors. Zu Sowjetzeiten wurden in ukrainischen Städten Schauprozesse gegen „Terroristen“ und „Saboteure“ abgehalten. Das Leben in einer Atmosphäre der Angst – der inneren Angst – war die Norm. Mit unseren Gefühlen wurde genau so gespielt, wie sie jetzt mit den Gefühlen der Russen spielen – nur um zu erobern, zu benutzen und zu töten.

Und der Sinn dieses Krieges besteht für den Kreml darin, uns in diesen Zustand der ewigen Angst und permanenten Gewalt zurückzubringen. Uns zurück nach „Nord-Ost“ bringen . Zurück zu Krokus.