Der russische Horror. Marina Nikolaeva. 30.06.2026.

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Den gruseligsten Film in Russland nennt man „Fracht 200“ („Gruz 200“) von Balabanow. Darin hält ein russischer Uniformierter, ein Psychopath, mehrere Tage lang eine Geisel neben der Leiche ihres Verlobten fest. In Russland mag man diesen Film nicht, man behauptet, es sei Verleumdung – die „russische Welt“ sei nicht so.

Vor einigen Tagen, Gebiet Charkiw, eine Landstraße in der Gemeinde Solotschiw: Ein russischer FPV-Drohnenpilot, ein Psychopath, trifft vorsätzlich ein ziviles Auto, in dem ein älteres Ehepaar auf dem Heimweg ist. Die Frau wird getötet, der Mann liegt mit zertrümmerten Beinen neben der Leiche seiner geliebten Frau und verbringt mehrere Tage im Auto. Im Sommer, ohne Verbindung zur Außenwelt, mit nur geringen Chancen, gefunden zu werden, und einer großen Wahrscheinlichkeit, erneut getroffen zu werden, denn der Psychopath konnte ihn über die FPV-Drohne sehen. Zufällig wurde das beschädigte Auto entdeckt. Die Frau wurde beerdigt, der Mann gerettet …

Es ist mir völlig scheißegal, was Balabanow geschaffen hat, genauso wie die Videos von Moskauer Einwohnern und Zugezogenen auf der Krim, die wegen Benzinmangels und ständiger Luftalarme heulen, die ihnen de facto keinerlei Gefahr bringen. Mehr noch – ich habe sie satt. Denn seit mehreren Tagen besteht der Nachrichtenstrom aus Charkiw nur noch aus Einschlägen und getöteten Zivilisten. Bis zum Ende des Arbeitstages weiß ich schon gar nicht mehr, wie viele Treffer es heute gegeben hat.

Und das passiert nicht irgendwo. Es passiert vor unserem Fenster, auf den Straßen, auf denen wir jeden Tag zu Fuß gehen, auf den Straßen, auf denen wir ständig unterwegs sind.

Im Gebiet Charkiw und in Charkiw selbst gibt es alle paar Stunden Einschläge, alle zehn bis fünfzehn Minuten fliegt irgendetwas heran, und Luftalarm ertönt fast ohne Unterbrechung. Während irgendwo im Moskauer Gebiet irgendein fetter Kerl wegen Benzinmangels nicht einmal mehr zur Bierkneipe fahren kann, um dort „eine Angelegenheit zu regeln“, und irgendeine Tussi den Schönheitssalon nicht erreicht und mit Rotz und Tränen in ihrem Telegram-Kanal Likes sammelt, tötet in Charkiw eine gelenkte Fliegerbombe (KAB) im Stadtzentrum eine junge Ärztin, die sechs Jahre ihres Lebens für ihre Ausbildung aufgewendet hatte und gerade auf dem Weg zur feierlichen Diplomverleihung war. Der Festumhang fällt aus ihrer Tasche und bleibt neben ihrem leblosen Körper liegen.

Zur gleichen Zeit schlagen Splitter in die Scheiben einer Straßenbahn in Charkiw ein, und in Saporischschja verbrennen Menschen bei lebendigem Leib in einem Linienbus nach einem direkten Treffer.

Zur gleichen Zeit schlagen Raketen in Dnipro in ein Unternehmen ein und im Gebiet Charkiw am Ufer eines ruhigen Flusses, an dem Menschen ihre Freizeit verbrachten. Jetzt erscheinen sie in den Meldungen als Tote und Verletzte.

Zur gleichen Zeit brennen auf der Straße Charkiw–Sumy Lastwagen mit Lebensmitteln, Getreidefelder stehen in Flammen, Tankstellen brennen – manchmal zusammen mit den Menschen, die sich dort befinden –, sogar in Gemeinden, die bis vor Kurzem als sicherer Hinterraum galten: Walky und Berestyn. Das Gebiet Sumy brennt.

Zur gleichen Zeit stirbt ein 25-jähriger Polizist, der Menschen aus einer Gemeinde evakuierte, in der man bis vor Kurzem noch ganz normal leben konnte. Und Tausende Menschen sind gezwungen, ihre Häuser zu verlassen und ins Ungewisse zu gehen, obwohl sich die Frontlinie nicht verändert hat.

All das geschieht nicht innerhalb eines Monats, sondern in genau der Zeit, in der irgendeine Moskauer Schlampe mit Rotz und Tränen Likes sammelt. Und niemand schreibt mehr Lieder über die Festung Kostjantyniwka, Kramatorsk oder Slowjansk, Solotschiw, Bohoduchiw, Sumy … die Liste ließe sich fortsetzen.

Im Jahr 2022 besetzte der Feind rund ein Drittel des Gebiets Charkiw – etwas mehr als 11.000 Quadratkilometer. Heute übersteigt die Gesamtfläche der besetzten Gebiete, der Zonen mit verpflichtender Evakuierung und der Kampfgebiete – also jener Gebiete, in denen man jederzeit durch eine Rakete oder eine Drohne getötet werden kann – bereits 12.000 Quadratkilometer.

In den anderen Grenzregionen ist die Lage nicht besser. Der Donbas ist längst ein totes Land mitten in Europa.

Doch etwas weiter entfernt scheint man bereits den Sieg zu feiern, über Putins Tod zu diskutieren und über Gewinne aus dem Verkauf ukrainischer Waffen sowie ukrainischer Kriegserfahrungen zu sprechen. In Europa sollte man nicht darüber sprechen – weder über Waffen noch über Benzin –, sondern über den Tod von Menschen und darüber, dass der Feind den Luftraum über den Gemeinden beherrscht, über Schutzmaßnahmen. Andernfalls wird der Tod weiterziehen – bis zur Bankowa-Straße und bis in die europäischen Hauptstädte.

Kommentare:

  • Wir haben nichts, womit wir uns verteidigen können … Gegen KAB-Bomben gibt es überhaupt keinen Schutz, Abfangraketen gegen ballistische Raketen haben wir nur sehr wenige, und unsere sogenannten „Partner“ füttern uns seit Jahren überwiegend mit Versprechungen. Manche wollen sogar an unserem Blut verdienen und erpressen uns, während wir unsere Kinder unter den Trümmern suchen und versuchen, verkohlte Leichen anhand von DNA zu identifizieren.
  • Weißt du, ich lese deinen Text und empfinde völlige Ausweglosigkeit … Gleichzeitig heißt es hier, die Ukraine werde bald siegen. Aber was soll man mit all diesem Schmerz anfangen? Diese Wunden werden noch sehr lange nicht verheilen. Und niemand weiß, wie lange das noch andauern wird – selbst nach dem Krieg.
  • Es gibt nichts hinzuzufügen und nichts wegzunehmen. Die Dunkelheit legt sich immer dichter über die Ukraine. Trotz aller technischen und politischen Erfolge spürt man die Verschlechterung mit der eigenen Haut und den Haaren auf dem Kopf, wenn die Explosionen in unmittelbarer Nähe einschlagen.
  • Genau so ist es! Umso mehr sind die Gespräche über Putins Ende und ein „neues Russland“ propagandistische Lügen. Ja, Russland hat Treibstoffprobleme, die unsere Armee verursacht hat. Aber diese Unmenschen werden jetzt, da man ihnen ein wenig auf den Schwanz getreten ist, nur noch gefährlicher …

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Art der Quelle: Social Media

Autor: Marina Nikolaeva
Veröffentlichung: 30.06.2026.
Originalsprache: uk/ ru/ en]
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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