Der Präsident Russlands, Wladimir Putin, erschien zur Trauerfeier für einen seiner früher engsten Vertrauten, Sergej Iwanow.
Formell hatte Sergej Iwanow zwar schon seit längerer Zeit keine wirklich bedeutenden Ämter mehr in der russischen Führung inne, obwohl er erst im Februar 2026 aus dem Kreis der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates der Russischen Föderation ausschied. Dennoch ist er der erste engste Vertraute Putins, der in der russischen Hauptstadt beerdigt wird. Man könnte sagen, dass damit die nächste Fünfjahresperiode prunkvoller Begräbnisse in der Kremlführung beginnt.
Bereits in den ersten Jahren nach Wladimir Putins Machtantritt war ein satirisches Plakat sehr populär, auf dem Putin und seine engsten Vertrauten als gebückte Greise dargestellt wurden – eine Parodie auf die Zusammensetzung eines der letzten Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Damals sprach man von einer Gerontokratie, davon, dass die Mitglieder des Politbüros das Land im Alter von weit über achtzig Jahren regierten und dabei buchstäblich in verantwortungsvollen Ämtern den Verstand verloren.
Der damals noch relativ junge Putin und seine Mitstreiter sahen natürlich keineswegs wie Greise aus. Doch ihr offensichtlicher Wille, die Macht um jeden Preis und auf unbegrenzte Zeit festzuhalten, veranlasste die Autoren dieses satirischen Plakats dazu, Putin, Medwedew und denselben Iwanow als alte Männer darzustellen, die weiterhin Russland regieren.
Heute sind wir an einem Punkt angekommen, an dem das satirische Plakat aus den ersten Jahren der Putin-Herrschaft und die Realität dieser Herrschaft nahezu deckungsgleich geworden sind. Der russische Präsident nimmt Abschied von einem Mann, der noch vor Kurzem Leiter seiner Präsidialverwaltung, Verteidigungsminister Russlands, Erster Stellvertretender Ministerpräsident war und sogar als einer der Anwärter auf die Rolle des sogenannten Nachfolgers Putins galt – jenes Mannes also, dem der russische Präsident nach Ablauf seiner zweiten Amtszeit als Staatsoberhaupt die Macht vorübergehend übertragen sollte.
Hätte sich die russische Führung damals nicht für Dmitri Medwedew, sondern für Sergej Iwanow entschieden, würden wir heute bereits davon sprechen, dass der zweite Präsident der Russischen Föderation seit der Entstehung dieses Staates auf der politischen Weltkarte verstorben ist und man in Moskau Abschied von ihm nimmt. Und selbstverständlich wäre die Abschiedszeremonie für einen ehemaligen Präsidenten weitaus prunkvoller gewesen als die Trauerfeier für einen ehemaligen Verteidigungsminister.
Es besteht übrigens auch die Möglichkeit, dass Sergej Iwanow die Macht Wladimir Putin kaum zurückgegeben hätte, wie Dmitri Medwedew es tat, und stattdessen im Amt gestorben wäre. Dann würden wir heute selbstverständlich über eine völlig andere Epoche sprechen, und Putin würde man als politischen Pensionär um Kommentare bitten – sofern ihn sein ehemaliger Mitstreiter nicht hinter Gitter gebracht hätte.
Möglicherweise entschied sich Putin gerade deshalb für Medwedew als Übergangspräsidenten der Russischen Föderation, weil er den Unterschied zwischen dem Tschekisten Iwanow und dem tschekistischen Diener Medwedew kannte. Vielleicht spielte auch eine Rolle, dass die russischen Geheimdienstkreise damals noch gezwungen waren, einen Kompromiss mit der allmächtigen „Familie“ des ersten Präsidenten der Russischen Föderation, Boris Jelzin, zu suchen.
Dmitri Medwedew, der damals recht geschickt zwischen den verschiedenen konkurrierenden Clans lavierte, erschien nicht als jemand, der weder der „Familie“ noch Putins Opritschniki ernsthaft entgegentreten könnte. Deshalb ging man davon aus, dass man, sollte er Präsident Russlands werden, den weiteren Verlauf der Ereignisse später nach Belieben gestalten könne.
Wie wir wissen, waren die Ergebnisse für alle Konkurrenten Putins und des tschekistischen Clans überwältigend. Nachdem Putin nach seiner kurzen Zeit als Ministerpräsident der Russischen Föderation in den Kreml zurückgekehrt war, begann er den politischen Raum systematisch von allen zu säubern, die ihm oder den Vertretern der sogenannten Genossenschaft Osero Konkurrenz machen konnten.
Gut möglich, dass Sergej Iwanow, obwohl er als einer der engsten Vertrauten des russischen Präsidenten galt, ebenfalls Opfer dieser Säuberung wurde. Denn mit der Zeit erkannte Putin offenbar, dass er Menschen brauchte, die nicht einmal hinter verschlossenen Türen wagten, irgendeiner seiner Entscheidungen zu widersprechen – selbst so folgenschweren Entscheidungen wie dem Beginn des großen Krieges gegen die Ukraine.
In politischen Kreisen kursierte stets die Version, Iwanow sei überzeugt gewesen, dass sich das ukrainische Problem mit vorsichtigeren Mitteln lösen lasse. Zwar war auch er – wie Putin – Anhänger der Wiederherstellung der russischen Staatlichkeit innerhalb der Grenzen der Sowjetunion von 1991, glaubte jedoch, dass dieses Ziel auch mit nichtmilitärischen Methoden erreicht werden könne.
Wie dem auch sei – in den letzten Jahren seines Lebens war Iwanow im politischen Raum Russlands praktisch nicht mehr präsent. Selbst bei der berühmten Sitzung des russischen Sicherheitsrates, auf der Putin die Anerkennung der sogenannten Unabhängigkeit der Volksrepubliken im Donbas beschloss und sich auf seinen Blitzkrieg vorbereitete, während die Mitglieder des Sicherheitsrates ihre Loyalität gegenüber dem Kreml-Selbstherrscher bekunden mussten, trat Sergej Iwanow nicht auf. Auch das war ein Zeichen dafür, dass er entweder eine andere Position vertrat oder sich nicht an Entscheidungen beteiligen wollte, die für den Fortbestand seiner politischen Karriere von grundlegender Bedeutung waren.
Wie dem auch sei – damals hing bereits alles ausschließlich von Putins Entscheidungen ab, der sämtliche Hebel der Macht in Russland endgültig in seinen Händen konzentriert und sein Regime in ein eindeutig personalistisches verwandelt hatte, das nicht einmal mehr Rücksicht auf die Stimmung ehemaliger Mitarbeiter des Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion nahm, zu denen auch Sergej Iwanow gehörte.
Nun beginnt eine neue Phase in der Entwicklung dieses personalistischen Regimes: die Beerdigungen der engsten Weggefährten. Der Diktator wird sich zunehmend isoliert fühlen, den Menschen in Staatsämtern immer weniger vertrauen, weil sie einer anderen Generation angehören, und immer gefährlichere Entscheidungen treffen, die den weiteren Verlauf der Ereignisse bestimmen werden.
Genau das werden wir in den kommenden Jahren der russischen Entwicklung erleben. Schließlich traf Leonid Breschnew die Entscheidung über den Krieg in Afghanistan bereits, so könnte man sagen, kaum noch bei Bewusstsein, während Putin die Entscheidung über den ukrainischen Blitzkrieg in deutlich besserer körperlicher Verfassung traf.
Stellen Sie sich nur vor, welche Entscheidungen der russische Präsident treffen wird, wenn er endgültig in geistigen Verfall gerät und niemand mehr in seiner Nähe sein wird, der zumindest in der Lage wäre, ihn auf seinen tatsächlichen körperlichen und geistigen Zustand hinzuweisen.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Первые похороны Путина | Виталий Портников. 30.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 30.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.