
Дух Анкориджа. Віталій Портников. 29.06.2026.
In dieser Woche begann sich der in Moskau erfundene Geist von Anchorage endgültig zu verflüchtigen. Zunächst erklärte der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, dass in Anchorage keinerlei tatsächliche Vereinbarungen erzielt worden seien – es seien lediglich Vorschläge erörtert worden. Später erschienen in amerikanischen Medien Berichte, wonach der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, während des G7-Gipfels in Évian deutlich gemacht habe, dass er nicht mehr zum sogenannten Verständnis von Anchorage zurückkehren wolle, und seinen russischen Amtskollegen scharf kritisiert habe. Und nun erklärt bereits der russische Außenminister Sergej Lawrow, er wolle nicht glauben, dass das Treffen in Anchorage dazu genutzt worden sei, die Ukraine wieder aufzurüsten.
Tatsächlich wollte Trump das Treffen mit dem russischen Präsidenten nicht dazu nutzen, die Ukraine zu bewaffnen. Er wollte es nutzen, um den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Genau aus diesem Grund war der Sondergesandte des amerikanischen Präsidenten, Steve Witkoff, unmittelbar vor dem Treffen der Präsidenten in Alaska in die russische Hauptstadt gereist. Er überbrachte Putin ein Paket amerikanischer Vorschläge. Offensichtlich konnte zu diesen Vorschlägen auch die Zustimmung zum Abzug der ukrainischen Truppen aus jenem Teil des Gebiets Donezk gehören, der bis heute von der legitimen Regierung der Ukraine kontrolliert wird. Das entsprach Putins Wünschen. Andere Punkte konnten jedoch Putins Vorstellungen widersprechen – die Wahrung der Souveränität und Unabhängigkeit der Ukraine, der Erhalt ihrer Streitkräfte sowie ihre europäische Integration. Damit wollte sich Putin, der weiterhin auf die Zerschlagung der ukrainischen Staatlichkeit hofft, nicht einverstanden erklären.
Während des Gipfels in der Hauptstadt Alaskas kam Putin auf die Vorschläge Witkoffs zurück und forderte den amerikanischen Sondergesandten auf zu bestätigen, dass es sich tatsächlich um dessen Vorschläge gehandelt habe. Witkoff bestätigte jeden einzelnen Punkt, den Putin in Anwesenheit Trumps und der übrigen Teilnehmer der Gespräche vorlas. Der entscheidende Punkt war jedoch, dass Putin nicht bereit war, allen Punkten zuzustimmen, während Trump nicht beabsichtigte, von ihnen abzurücken. Deshalb endete das Treffen ohne jegliche konkreten Ergebnisse, was Trump während der gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem russischen Amtskollegen selbst bestätigte.
Bereits im Flugzeug auf dem Weg nach Washington wurde Trump offenbar klar, dass die Weltmedien von einem Fiasko des Gipfels sprechen würden, und er versuchte, dies zu verhindern. Er sprach von einem sehr erfolgreichen Treffen, nannte jedoch keinerlei konkrete Ergebnisse oder Vereinbarungen. Der Kreml beschloss, diesen Wunsch des amerikanischen Präsidenten auszunutzen, Wunschdenken als Realität erscheinen zu lassen – und genau in diesem Moment entstand die Erfindung vom Geist von Anchorage. Aus Sicht des Kremls bedeutet dieser Geist, der die tatsächlichen Vereinbarungen ersetzt, die Bereitschaft, jene amerikanischen Bedingungen anzunehmen, die Putins expansiver Linie entsprechen, nicht jedoch jene, die dem ukrainischen Staat das Überleben ermöglichen würden.
Gleichzeitig hat Putin nichts gegen Verhandlungen einzuwenden, sofern sie während der Kampfhandlungen stattfinden, denn er hofft, dass der Verhandlungsprozess den Amerikanern die Möglichkeit geben wird, Druck auf Kyiv auszuüben, damit die ukrainischen Truppen das Gebiet Donezk verlassen. Trump hingegen erwartet von Putin etwas anderes – die Einstellung der Kampfhandlungen oder zumindest eine rasche Einigung über die wichtigsten Punkte eines Friedensabkommens, die ein Ende des Krieges ermöglichen würde. Die amerikanische Regierung widerspricht der Vorstellung eines solchen Geistes jedoch nicht, denn andernfalls müsste sie Trumps Scheitern in Alaska eingestehen.
Letztlich geschieht jedoch nichts. Die Russen sind nicht bereit, ein Friedensabkommen ernsthaft zu diskutieren, und die Ukraine ist nicht bereit, das Gebiet Donezk aufzugeben. Trump beginnt die Operation gegen den Iran und sieht sich damit der größten Herausforderung seiner gesamten politischen Laufbahn gegenüber. Natürlich bleibt ihm da kaum Zeit für den russisch-ukrainischen Krieg. Putin wiederum ist enttäuscht, dass der amerikanische Druck auf Kyiv zu keinem Ergebnis geführt hat, und erklärt, er ziehe sich aus dem Prozess der russisch-ukrainischen Verhandlungen zurück.
Derzeit findet überhaupt kein Verhandlungsprozess statt. Stattdessen greifen die ukrainischen Streitkräfte strategische Objekte in Russland an. Das weckt bei Trump, der sich allmählich aus der Falle der Nahostkrise zu befreien beginnt, die Hoffnung, Putin nun doch zu Verhandlungen bewegen zu können – zu Verhandlungen, die auf dem Wunsch beruhen, den Krieg zu beenden, und nicht darauf, Zeit zu gewinnen und Washington für Druck auf Kyiv zu nutzen. Vom Geist von Anchorage spricht inzwischen niemand mehr.
Denn einen solchen Geist hat es nie gegeben.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Дух Анкориджа. Віталій Портников. 29.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:
Original ansehen
Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.