Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, hat eingeräumt, dass Moskau Verhandlungen über den Import von Erdölprodukten führt, um die Lage auf dem Markt nach den ukrainischen Angriffen auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation zu stabilisieren.
Täglich erreichen uns aus Russland neue Meldungen über Einschränkungen beim Verkauf von Treibstoff und anderen Erdölprodukten an russischen Tankstellen. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die russischen Raffinerien bereits nicht mehr mit ihrer Vorkriegskapazität arbeiten können und einige ihre Produktion sogar ganz einstellen mussten.
In dieser Situation verstehen wir natürlich, dass auch die russische Armee, die ihre Aggression auf ukrainischem Territorium fortsetzt, mit Treibstoffproblemen zu kämpfen hat. Ebenso gibt es Probleme für die russische Wirtschaft insgesamt. Sollten diese nicht rasch gelöst werden, werden bereits in den kommenden Monaten zahlreiche Unternehmen in Russland ihre Arbeit einstellen müssen. Außerdem werden in vielen Regionen der Russischen Föderation Versorgungsprobleme bei Gütern des täglichen Bedarfs entstehen – ebenfalls eine unmittelbare Folge des Treibstoffmangels.
Man könnte natürlich sagen, Russland könne diese Probleme durch Importe lösen. Doch auch hier ist die Lage für Putin keineswegs einfach.
Erstens nennt selbst Peskow nicht, mit welchen Ländern Russland diese Verhandlungen führt. Offensichtlich ist für viele Staaten, die derzeit von der schwierigen Lage auf dem russischen Markt profitieren könnten, zugleich wichtig, ihre Wirtschaftsbeziehungen zu den westlichen Ländern aufrechtzuerhalten. Viele möchten weder sekundäre Sanktionen noch eine Verschlechterung ihrer Beziehungen zum Westen riskieren.
Gerade deshalb muss Moskau verbergen, mit wem es Konsultationen führt, um jene Länder nicht abzuschrecken, die bereit sein könnten, Erdölprodukte gewissermaßen auf Schmuggelwegen, also illegal, zu liefern – so, wie Russland sein Öl derzeit an die Länder des Globalen Südens verkauft. Es könnte sogar dazu kommen, dass die sogenannte Schattenflotte, die für den Transport russischen Öls eingesetzt wird, auf dem Rückweg Erdölprodukte nach Russland bringt – aus Ländern, die zwar Geld verdienen wollen, darüber aber lieber schweigen.
Wir verstehen jedoch sehr gut, dass der Preis für Treibstoff und andere Erdölprodukte für die Russische Föderation in diesem Fall auch eine Risikoprämie enthalten wird. Das schafft ein zusätzliches Problem, denn Russland verkauft sein Öl derzeit überwiegend gegen Yuan und Rupien, während es Erdölprodukte künftig in Dollar und Euro bezahlen muss.
Denn es liegt auf der Hand, dass Länder, die ihre Erdölprodukte gegen harte Währungen verkaufen können, diese kaum für Rupien oder Yuan an die Russische Föderation liefern werden.
Das ist schließlich das bekannte Geschäftsmodell Indiens: billiges russisches Öl beziehen, dafür mit Rupien bezahlen – von denen ohnehin unklar ist, wie sie überhaupt in den russischen Staatshaushalt gelangen –, dieses billige Öl zu teuren Erdölprodukten verarbeiten und diese anschließend auf den westlichen Märkten gegen Dollar und Euro verkaufen.
Warum sollten die indischen Raffinerien – selbst wenn wir annehmen, dass sie ihre Produkte derzeit nicht aus russischem Öl herstellen, und erst recht, wenn sie dies tun – Russland ihre Erdölprodukte für Rupien verkaufen? Dafür gibt es überhaupt keinen Grund.
So kann ein weiteres Problem entstehen.
- Erstens wird Russland erneut auf seine Gold- und Devisenreserven zurückgreifen müssen, die durch den russisch-ukrainischen Krieg ohnehin bereits aufgezehrt werden.
- Und zweitens wird es für Erdölprodukte mehr bezahlen müssen, als sie auf dem Weltmarkt tatsächlich wert sind.
Das heißt: Russland verkauft sein eigenes Öl billig und kauft Erdölprodukte, die genau aus diesem Öl hergestellt werden können, teuer zurück. Was für ein wirtschaftliches Paradoxon für die Führung eines Aggressorstaates. Man hätte eben keinen Krieg beginnen sollen – dann müsste man sich heute nicht mit den einfachsten wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten auseinandersetzen.
Damit verstehen wir auch, wie richtig die weiteren Angriffe auf die Raffinerieinfrastruktur der Russischen Föderation sind.
Erstens verursachen sie reale Probleme für die russische Wirtschaft. Und wir können hoffen, dass diese Wirtschaft mit der Zeit in die Knie gezwungen wird – und in den kommenden düsteren Jahrzehnten der russischen Geschichte nicht mehr aufstehen wird.
Zweitens wird es an Erdölprodukten mangeln – wenn nicht für die Streitkräfte der Russischen Föderation, dann zumindest für die russische Bevölkerung. Das wird die Voraussetzungen für ernste soziale Probleme in Russland schaffen, den Krieg dauerhaft in die Häuser der Russen bringen und möglicherweise Massenproteste auslösen – nicht aus politischen, sondern aus sozialen Gründen. Dadurch entstehen zusätzliche Probleme für das Regime, das gezwungen sein wird, gegen Proteste einer mit ihrem Leben unzufriedenen Zivilbevölkerung vorzugehen. Auch das ist ein wichtiger Bestandteil der russischen Realität, der durchaus Wirklichkeit werden könnte, wenn die Angriffe auf Raffinerien und andere Industrieanlagen der Russischen Föderation fortgesetzt und intensiviert werden.
Drittens werden jene Länder, die Erdölprodukte an die Russische Föderation liefern könnten, die Haltung der zivilisierten Welt berücksichtigen müssen. Deshalb ist es wichtig, dass unsere Diplomatie sowohl mit den Europäern als auch mit den Amerikanern zusammenarbeitet, damit amerikanische und europäische Diplomaten die Länder des Globalen Südens davon abhalten, Erdölprodukte an Russland zu verkaufen. Sie sollten sie davon überzeugen, dass knappe Treibstoffrationen für die Russen und leere Straßen in russischen Städten ein direkter Weg zu Frieden und Wohlstand in der ganzen Welt sind.
Deshalb muss man den Russen den Treibstoff entziehen und sie in die glücklichen Zeiten des Russischen Reiches zurückversetzen – wenn sie sich doch so sehr dorthin sehnen –, als man sich mit ganz anderen Verkehrsmitteln fortbewegte und die Stute zu den wichtigsten Symbolen des Russischen Reiches gehörte. Sollen die Russen also wieder auf eben diese Stuten umsteigen.
Und natürlich entstehen in einer solchen Situation reale Chancen – wenn schon nicht auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges in absehbarer Zukunft, so doch zumindest auf eine Unterbrechung dieses Krieges, bis es der russischen Führung gelingt, die für das Funktionieren der russischen Wirtschaft und die Aufrechterhaltung des sozialen Gleichgewichts notwendige Menge an Treibstoff zu beschaffen.
Je weniger russische Erdölraffinerien in den kommenden Monaten und Jahren arbeiten werden, desto geringer sind die Chancen der Russischen Föderation auf einen solchen Verlauf der Ereignisse.
Und deshalb gilt: Frieden bedeutet immer, dass jedem chauvinistisch gesinnten Russen etwas fehlt, das er dringend braucht.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Ганьба Путіна: Росія імпортує пальне | Віталій Портников. 30.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.06.2026.
Originalsprache: uk/
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.