Trump und Zelensky: Die Krise verschärft sich | Vitaly Portnikov. 15.10.2026.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky droht damit, die Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation nach einer dreitägigen Pause wieder aufzunehmen, die mit der Erklärung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu einem Energiewaffenstillstand zusammenhing.

Wir alle haben deutlich gesehen, was während dieses Energiewaffenstillstands geschah. Die Ukraine verzichtete auf Angriffe gegen die Ölraffinerieinfrastruktur der Russischen Föderation, während Russland weiterhin systematisch die Energieinfrastruktur der Ukraine zerstörte. Wir wissen nicht, was Donald Trump unter einem Energiewaffenstillstand verstand, aber wir verstehen sehr gut, was der Präsident der Russischen Föderation darunter versteht, der sich kürzlich mit seinem amerikanischen Amtskollegen über die Lieferung russischen Dieselkraftstoffs und die sechsmonatige Aufhebung der Energiesanktionen gegen die Russische Föderation geeinigt hat, damit Russland wieder Zugang zum legalen Weltmarkt für Energieressourcen erhält. Gemeint ist ein Verbot für die Ukraine, die Ölraffinerien der Russischen Föderation anzugreifen. Russland kann im Gegenzug ebenfalls darauf verzichten, die Ölraffinerien der Ukraine anzugreifen, die es bereits im fernen Jahr 2022 zerstört hat, als im Kreml die endgültige Entscheidung getroffen wurde, die ukrainische Staatlichkeit und das ukrainische Volk selbst zu vernichten.

Somit ist Putin mit dem, was geschieht, vollkommen zufrieden. Es kann auch Trump zufriedenstellen, der seit mehreren Monaten an den Erhalt des Ölraffineriesektors der Russischen Föderation denkt und den ukrainischen Präsidenten davon zu überzeugen versucht, die Zerstörung dieses wichtigsten Vermögenswerts der russischen Wirtschaft einzustellen. Aber das kann offensichtlich weder Zelensky noch die Ukrainer zufriedenstellen, die sehen, dass Russland weiterhin darauf hofft, unseren Staat in den kommenden Monaten oder Jahren dieses endlosen Krieges zu vernichten.

Die europäischen Staats- und Regierungschefs, mit denen Zelensky sich in diesen Tagen berät und trifft – morgen wird gerade ein Treffen in größerer Runde mit den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten der Europäischen Union stattfinden –, unterstützen im Großen und Ganzen die Angriffe auf die Ölraffinerieinfrastruktur der Russischen Föderation. Sie hoffen, die russische Wirtschaft so weit zu schwächen, dass Russland in absehbarer Zeit nicht in der Lage sein wird, einen großen Krieg in Europa zu beginnen, der im Generalstab der Streitkräfte der Russischen Föderation offensichtlich bereits geplant ist. Gleichzeitig versuchen diese europäischen Staats- und Regierungschefs, wie man verstehen kann, Volodymyr Zelensky von einer weiteren persönlichen Konfrontation mit Donald Trump und von emotionalen Äußerungen gegen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und seine engsten Vertrauten abzuhalten.

In den letzten Tagen hält Zelensky seine Emotionen nicht zurück. Er sagt, dass er sich nach dem Geschäft zwischen Trump und Putin, natürlich einem schändlichen Geschäft, verraten gefühlt habe. Und aus dieser Sicht ist er der Meinung, dass ein Land, das sich selbst zum neutralen Vermittler erklärt hat, sich nicht auf die falsche Seite stellen dürfe. Aber wiederum wissen wir nicht, was der Präsident der Vereinigten Staaten selbst für die richtige oder falsche Seite hält. Seine politischen Maßstäbe haben sich bekanntlich wiederholt ganz anders gezeigt, als wir uns die Prioritäten des Präsidenten des größten demokratischen Landes der heutigen Welt wünschen würden.

Die Krise verschärft sich also. Gleichzeitig sehen wir, dass Donald Trump bislang keine Eile zeigt, Volodymyr Zelensky zu antworten. Möglicherweise ist er der Ansicht, dass eine derart offene Auseinandersetzung zwischen den Präsidenten den Wahlchancen der Republikaner schaden würde, und zwar in einer Situation, in der die überwältigende Mehrheit sowohl der republikanischen als auch der demokratischen Wähler die Ukraine in unserer Konfrontation mit der Russischen Föderation weiterhin unterstützt. Und was am wichtigsten ist: Die Unterstützung für die Ukraine ist auch unter jenen Wählern verbreitet, die noch unentschlossen sind. Von ihnen wird weniger die Entscheidung über die Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus abhängen. Dort gilt ein Sieg der Demokraten für fast alle bereits vor Beginn der Wahlen als sicher. Vielmehr geht es um den für Trump wichtigsten Punkt: die Möglichkeit, dass die Republikaner ihre Mehrheit im Senat behalten, was sich, wie wir verstehen, auf den weiteren Verlauf der Präsidentschaft Donald Trumps auswirken wird. Sollte es den Demokraten gelingen, sowohl die Kontrolle über das Repräsentantenhaus als auch über den Senat zu gewinnen, werden sie den 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten endgültig zu einer lahmen Ente machen, die nicht einmal mehr Einfluss auf den Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei nehmen kann. Denn jeder ernsthafte potenzielle Präsident wird versuchen, sich nicht mit Trumps zweifelhaftem Erbe und dem Trumpismus in Verbindung bringen zu lassen.

All das sind innenpolitische amerikanische Machenschaften, die auf die eine oder andere Weise die Haltung Donald Trumps und anderer amerikanischer Politiker zum russisch-ukrainischen Krieg und zu ihrer eigenen Rolle in diesem Krieg beeinflussen. Sehen Sie sich an, was nach dem berühmten Skandal im Oval Office geschah. Weder Donald Trump noch andere amerikanische Beamte nahmen damals ein Blatt vor den Mund, wenn es darum ging, Volodymyr Zelensky zu charakterisieren und dem ukrainischen Präsidenten zu raten, sich gegenüber dem Präsidenten der Vereinigten Staaten höflicher zu verhalten. Auch dass Amerika die Ukraine durch die Einstellung der Unterstützung für unser Land bestrafen könnte, wurde praktisch von niemandem verheimlicht. In dieser Situation wurde buchstäblich am Tag nach dem Konflikt zwischen Trump und Zelensky, erinnern Sie sich daran, auch die Entscheidung getroffen, den Austausch von Geheimdienstinformationen zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine einzustellen. Auch die Waffenlieferungen wurden faktisch gestoppt, die uns die Vereinigten Staaten damals gemäß dem Unterstützungsgesetz für die Ukraine zur Verfügung stellten, das der amerikanische Kongress noch zu der Zeit verabschiedet hatte, als Joseph Biden Präsident der Vereinigten Staaten war.

Jetzt, wo wir mit offensichtlichen Versuchen konfrontiert sind, uns Geheimdienstinformationen nicht in dem erforderlichen Umfang zur Verfügung zu stellen, was natürlich verhindert, rechtzeitig von Abschüssen ballistischer Raketen zu erfahren, und jetzt, wo die Geschwindigkeit der militärischen Version von Starlink gedrosselt wird, übernehmen weder Donald Trump noch ein anderer, man könnte sagen, wichtiger Vertreter des ultrarechten politischen Lagers in den Vereinigten Staaten von Amerika, Elon Musk, die Verantwortung für das, was geschieht. Sie versuchen, die Verantwortung gegenseitig aufeinander abzuwälzen. Sie erklären, dass es keinerlei offizielle Entscheidungen gegeben habe.

Das heißt, faktisch geht es nicht um eine Erklärung des politischen Willens, sondern um Sabotage, zu der sich die Beteiligten nicht zu bekennen wagen. Und ich denke, dass wir erst nach dem Ende von Trumps Präsidentschaft und der Öffnung der Archive die Namen derjenigen erfahren werden, die diese oder jene geheimen Befehle erteilten, weil sie deren öffentliche Bekanntmachung und die Reaktion der Öffentlichkeit darauf fürchteten. Ich halte das bereits für einen Fortschritt in dieser Situation. Aber offensichtlich schließt das nicht die Notwendigkeit aus, den Dialog mit Washington fortzusetzen, selbst in einer Situation, in der Trump eindeutig eine Verständigung mit seinem russischen Amtskollegen anstrebt.

Im Grunde verstehe ich nicht, was daran jetzt so sensationell sein soll. Trump hat seit dem ersten Tag seiner Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten, schon während seiner ersten Amtszeit, seine besonderen Sympathien für Putin ebenso wenig verborgen wie für andere autoritäre Staatschefs dieser Welt. Und da Putin sich in diesen zehn Jahren von einem autoritären Staatschef zu einem totalitären Diktator entwickelt hat, ist es offensichtlich, dass sein Ansehen in Trumps Augen auf eine Höhe gestiegen ist, die für niemanden sonst in der heutigen Weltpolitik erreichbar ist. Deshalb applaudierte Trump dem Kriegsverbrecher auf dem Flugplatz in Anchorage. Deshalb bezeichnete er Putin am 24. Februar 2022 als Genie. Putins politischer Stil ist genau jener Stil, den Donald Trump gern zu seinem eigenen Lebensstil machen würde. Nur wurde er zu seinem Unglück im falschen Land geboren. Sonst wäre ihm vielleicht alles gelungen. Sobald also klar wurde, dass eine Einigung mit Putin in greifbare Nähe rückte, auch wenn das vielleicht nur eine Illusion war, spielte Trump sein Spiel mit dem Diesel.

Aber darüber hinaus muss man verstehen, was Putin tatsächlich anstrebt. Die New York Times beschreibt heute im Grunde, wie sein neuer Plan zur Vernichtung der Ukraine aussieht. In einer Situation, in der die russischen Truppen im Donbas feststecken, in der es keine spürbaren militärischen Erfolge gibt und in der das ukrainische Volk keinerlei Bereitschaft zeigt, auf seine Staatlichkeit zu verzichten, beschreitet Putin einen Weg, den man immer gewählt hat, wenn die militärischen Erfolge zu wünschen übrig ließen: die Bombardierung großer Städte, die Zerstörung ihrer Infrastruktur, der Entzug normaler Überlebensmöglichkeiten für die Bevölkerung, verbunden mit der Forderung, dass gerade diese Bevölkerung zur entscheidenden treibenden Kraft der Kapitulation und des Zusammenbruchs werden soll, die den feindlichen Staat vernichtet und ihn bereits in den kommenden Monaten der Jahre 2026 und 2027 in Trümmer verwandelt. Kyiv, Odessa und Charkiw sollen zu unbewohnbaren Gebieten werden, und ihre Bevölkerung soll auf die Straßen gehen und die Kapitulation der Ukraine vor Russland, die Abschaffung der ukrainischen Staatlichkeit und den Anschluss dieser Gebiete an die Russische Föderation fordern, die ihnen Leben und Schutz gewährleisten werde. Das ist Putins Plan, ein vollkommen verständlicher, konsequenter Maßnahmenplan, der im Sicherheitsrat der Russischen Föderation gebilligt wurde. Zweifeln Sie nicht einmal daran. Und der Dialog mit Trump ist Teil dieses Plans.

„Wenn wir beschließen, dass wir die Sache mit der Ukraine bereits im Dezember bis Februar 2026/2027 beenden, wenn schon im März 2027 die Entscheidung getroffen wird, die ehemaligen Gebiete der Ukraine als Föderationssubjekte in die Russische Föderation einzugliedern, wenn bereits im Mai 2027 die russische Armee von Uschhorod aus die europäischen Länder bedrohen wird, warum zum Teufel verlieren wir dann unsere Ölindustrie? Warum sollten wir sie verlieren, wenn die Ukraine doch schon in unserer putinschen Tasche steckt? Deshalb rufen wir Trump an und sagen ihm ganz klar: ‚Donald, mit der Ukraine ist es vorbei. In wenigen Monaten wird dieses Gebiet russisch sein. Während du noch Kanada annektieren willst, annektiere ich bereits die Ukraine. Du Trottel! Bitte, wenn du eine normale wirtschaftliche Zusammenarbeit mit mir, dem Herrscher Eurasiens, willst, dann rette meine Ölraffinerieindustrie. Sonst könnte es passieren, Donald, dass ich die Ukraine erobere, aber nichts mehr habe, womit ich mit dir Handel treiben kann, weil meine Ölraffinerien von den verrückten Ukrainern zerstört worden sind, bevor ich sie endgültig vernichtet habe. Also bitte, solange ich die Ukraine zur Kapitulation zwingen und ihre Bevölkerung vernichten, ihre Frauen und Kinder töten und sie zwingen werde, entweder meine Gebiete zu verlassen oder zu akzeptieren, dass sie Russen sind, bewahre den wichtigsten Vermögenswert Russlands, die Ölraffinerieindustrie. Sie wird uns beiden noch nützlich sein, zumal du Lukoil-Aktien haben willst.‘“

Das ist der Kern dessen, was geschieht. Mehr steckt dahinter nicht. Denn wir verstehen doch sehr gut, dass in Wirklichkeit keine Lieferungen von 300 Tonnen Dieselkraftstoff, darüber haben wir schon mehrfach gesprochen, dazu führen werden, dass sich die Preise an den Tankstellen in den Vereinigten Staaten wesentlich verändern. Das werden sie nicht, zumal dieser Dieselkraftstoff selbst gar nicht an die Vereinigten Staaten von Amerika verkauft werden darf. Das wird sich nicht positiv auf die Chancen der Republikaner im Repräsentantenhaus und im Senat auswirken. Mehr noch, Sie sehen, dass sich jetzt zahlreiche republikanische Kongressabgeordnete gemeinsam mit den Demokraten gegen Trump stellen und an einer Gesetzgebung arbeiten, die Trump und seinem Unternehmen den Kauf russischer Energieträger erneut verbieten soll. Obwohl es bereits zwei Gesetze gibt, die dies ausdrücklich untersagen, und eines davon sogar Sanktionen gegen Länder vorsieht, die russische Energieträger kaufen. Übrigens war in der ersten Fassung des Gesetzes von Lindsey Graham überhaupt von Zöllen gegen alle Länder die Rede, die russische Energieträger kaufen. Gegen alle. Erst später kamen die fünf größten Abnehmer hinzu. Stellen wir uns also vor, das Graham-Gesetz wäre in seiner ersten Fassung verabschiedet worden, die im Senat diskutiert wurde. Was hätte Donald Trump dann tun müssen? Sanktionen gegen sich selbst verhängen? Das nur zur Erinnerung an diese Situation.

Jedenfalls ist, wie wir beide sehr gut verstehen, für die Ukraine jetzt das Wichtigste, diesem gemeinsamen Druck standzuhalten. Es gibt also mehrere besonders wichtige Aufgaben.

  • Aufgabe Nummer eins sind der Winter und die Städte. Kyiv, Odessa, Charkiw, Dnipro. 

Wir müssen verstehen, dass dies die vier wichtigsten Ziele sein werden, um diese Gebiete unbewohnbar zu machen. Wir wissen nicht, ob das gelingen wird. Jeden Winter sprechen wir darüber, dass die Russische Föderation Pläne hat, den Winter zu nutzen, um der ukrainischen Staatlichkeit ein Ende zu setzen. Ich erinnere immer daran, dass Kyiv, Odessa, Charkiw und Dnipro noch nicht die gesamte Ukraine sind. Ja, das sind wichtige Städte für jeden von uns. Kyiv ist schließlich meine Heimatstadt. Aber die Ukraine besteht nicht nur aus Kyiv, nicht nur aus Odessa und nicht nur aus Charkiw. Man muss sich entweder auf einen schweren Winter in diesen Städten vorbereiten oder darüber nachdenken, wie ein großer Teil der Bevölkerung dieser Städte den Winter außerhalb dieser Städte überstehen kann. Aber das ist eine staatliche Aufgabe und nicht einfach die Aufgabe eines einzelnen Menschen.

Denn man kann sich zwar vorstellen, dass einige Menschen für den Winter aus diesen Städten entweder in andere ukrainische Städte oder ins Ausland ziehen. Aber es gibt Menschen, die dazu körperlich nicht in der Lage sind. Die Aufgabe des Staates und der Gemeinden besteht darin, diese Menschen in diesem Winter und möglicherweise auch im nächsten Winter 2027/28 zu unterstützen, der nicht leichter sein muss als dieser. Denn wir stehen erst am Anfang eines wirklichen Krieges, der sowohl die Front als auch das Hinterland erfassen und für uns wie für die Russen noch viele lange, schwere Jahre dauern kann. Man sollte sich keine Illusionen machen.

  • Zweitens. Man muss sich allen Vorstellungen widersetzen, dass die Kapitulation der Ukraine ein Ausweg aus dieser Situation sei. 

Erstens erinnere ich noch einmal daran, dass die Ukraine flächenmäßig das größte Land Europas ist und dass man diese territorialen Vorteile nutzen muss. Für die Ukraine ist es leichter, mit dem Druck fertigzuwerden, als für Belgien, Luxemburg oder beispielsweise Israel, dessen Fläche, sagen wir, ungefähr der Fläche des Gebiets Kyiv entspricht. Der überwiegende Teil der israelischen Bevölkerung lebt in Tel Aviv, Jerusalem und Haifa, alles auf einem kleinen Gebiet. Düsengetriebene Shahed-Drohnen, die die Infrastruktur zerstören, können ein Land tatsächlich unbewohnbar machen. Das stimmt. Und wohin sollten die Israelis gehen, wenn die Städte nicht mehr funktionieren würden, falls so etwas geschähe? In die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Ägypten oder Jordanien? Sie verstehen doch, wovon wir sprechen. Hier aber gibt es glücklicherweise enorme territoriale Vorteile, und auch diese muss man nutzen.

Politisch muss man verstehen, dass es für die Ukrainer keine Kapitulation gibt. Es gibt keine Wahl zwischen Krieg und Kapitulation, sondern eine Wahl zwischen Widerstand und Vernichtung. Die russische Führung betrachtet die Ukrainer nicht als Menschen, sondern als Insekten, die vernichtet werden müssen, um die „angestammten Gebiete“ der Russischen Föderation freizumachen. Und das muss jeder verstehen.

  • Der dritte Punkt ist das, was gerade geschieht. Die Gespräche mit den europäischen Partnern über einen gemeinsamen Plan, um sowohl der russischen Aggression als auch der amerikanischen Dummheit und Gier entgegenzutreten. 

Das ist wichtig. Die Europäer müssen begreifen, dass nach der Vernichtung der Ukraine – ich verwende nicht das Wort Kapitulation, sondern Vernichtung – sie selbst die nächsten Ziele der Expansion sein werden, weil Putin glauben wird, dass ihm nun alles erlaubt ist. Neue technologische Möglichkeiten der Kriegsführung könnten grundsätzlich die Chance eröffnen, einen großen Teil der an die Ukraine angrenzenden Gebiete zu zerstören, ohne dass Artikel 5 des NATO-Vertrags aktiviert wird. Zumal mich eines interessieren würde: Glaubt heute überhaupt noch jemand an Artikel 5 der NATO? Könnte Artikel 5 der NATO gegen Dieselkraftstoff eingetauscht werden? Aber leicht.

  • Der nächste Punkt. Der Dialog mit den Vereinigten Staaten muss fortgesetzt werden. 

Man muss sich an eine sehr wichtige Sache erinnern: Das amerikanische Volk, die amerikanische Gesellschaft steht auf der Seite der Ukraine. Donald Trump vertritt mit seinen Ansichten eine absolute Minderheit der Amerikaner. Auch wenn er Präsident der Vereinigten Staaten ist. Ja, es gibt Dinge, für die ihn ein großer Teil der Menschen unterstützt, obwohl er inzwischen der unpopulärste Präsident der amerikanischen Geschichte ist, zumindest in seiner zweiten Amtszeit. Seine Zustimmungswerte sind gesunken, sinken weiter und werden weiter sinken, selbst unter republikanischen Wählern, weil nichts von dem eingetreten ist, was man von Donald Trump erwartet hatte. Aber das bedeutet nicht, dass man mit der Regierung nicht sprechen sollte. Schließlich kann man auch darüber sprechen, welche Ziele für unsere Angriffe ebenfalls wichtig und überzeugend sein könnten, wenn der Dialog sich um die Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation dreht. Die Zerstörung von Online-Marktplätzen, die Zerstörung von Rechenzentren, die Zerstörung von Industrieanlagen der Russischen Föderation, des militärisch-industriellen Komplexes und der Energieinfrastruktur außerhalb der Ölraffinerien, damit Städte wie Moskau und Petersburg in winterliche Finsternis versinken.

Wenn Donald Trump sagt, Zelensky könne alles angreifen, was er wolle, dann soll er eben angreifen. Wo liegt dann das Problem? Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten seinen Segen dazu gibt, Russland in eine Eiswüste zu verwandeln, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten nicht versteht, dass, wenn Russland zu einer Eiswüste wird, niemand mehr da sein wird, der in den Ölraffinerien arbeitet. Dann werden die Menschen andere Sorgen haben. Aber auch sein mangelndes Verständnis muss man zum Nutzen der Ukraine und zum Nachteil der Regierung des Präsidenten der Vereinigten Staaten einsetzen. „Steht die Fabrik still? Sie steht still. Arbeitet sie nicht? Sie arbeitet nicht. Wo dürfen wir sonst noch nicht angreifen? Was sollen wir noch tun? Vereinbare mit deinem Freund Putin Frieden, Trump. Sonst werden deine Lukoil-Aktien zu nichts, zu wertlosen Papierfetzen.“ Aber trotzdem bin ich ein Befürworter eines solchen Dialogs. Und auch das muss man verstehen. Der Dialog muss dennoch realistisch sein. Ebenso wie das Verständnis der Ziele unserer Angriffe auf Russland. 

Heute sehe ich eine Veröffentlichung von Simon Shuster in The Atlantic, der bekanntlich Zelenskys Biograf ist, ein schmeichelhaftes Buch über ihn geschrieben hat und offensichtlich gerade deshalb jemand ist, der mit Zelensky selbst und mit Menschen aus seinem Büro sprechen kann. Und dort habe ich folgende These gelesen: „Wir dachten, dass Russland infolge der ukrainischen Angriffe auf den Ölraffineriesektor der Russischen Föderation zusammenbrechen würde, aber es bricht nicht zusammen. Und dann werden wir, wenn sich die Amerikaner auf seine Seite stellen, mit ihnen über Frieden sprechen müssen.“

An diesem Abschnitt ist einfach alles bemerkenswert. Erstens kann ich überhaupt nicht verstehen, wer all diesen Menschen – ich verstehe ja, dass sich in der ukrainischen Regierung auch politisch unerfahrene Menschen befinden, die vielleicht nicht einmal fünf Bücher gelesen haben – in den Kopf setzt, dass Russland durch Angriffe auf Ölraffinerien zusammenbrechen müsste. Dass es überhaupt objektive Voraussetzungen für einen Zusammenbruch der russischen Staatlichkeit gäbe, wenn 80 Prozent der Bevölkerung der Russischen Föderation ethnische Russen sind, zwischen denen die Unterschiede geringer sind als zwischen ethnischen Ukrainern in der Ukraine. Wie um alles in der Welt kommt man darauf?

Natürlich können sich im Laufe der Jahre Voraussetzungen für eine politische Krise in der Russischen Föderation, für irgendwelche gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und all das entwickeln. Aber wir müssen uns auf eine Situation einstellen, in der neben uns jahrzehntelang die größte Supermacht der heutigen Welt mit einer riesigen Menge an Atomwaffen existieren wird, wenn auch mit einer winzigen, zwergenhaften Wirtschaft, aber mit dem größten Staatsgebiet der Welt. Und wir müssen mit diesem Land als Nachbarn leben, statt zu glauben, dass es jeden Augenblick zusammenbricht. Sollte es aus irgendwelchen heute noch unbekannten Gründen zusammenbrechen, wäre das ein Bonus. Aber höchstwahrscheinlich wird es nicht zusammenbrechen, sondern putinistisch, vom Geheimdienst geprägt, aggressiv und auf die Vernichtung der Ukraine und der Ukrainer ausgerichtet bleiben. So können die 2020er-, 2030er- und 2040er-Jahre vergehen. Das wäre so, als hätte man in Israel in den 1940er- oder 1950er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts geglaubt, dass Ägypten, der Irak und Syrien bald zusammenbrechen würden. Warum sollten sie?

Kurz gesagt, wir müssen lernen, neben diesem Russland zu überleben. Das bedeutet, dass die Hauptaufgabe der Angriffe nicht darin bestehen darf, Russland zum Zusammenbruch zu bringen. Man darf nicht auf irgendwelche Experten hören, die nichts von Russland verstehen und lediglich von der Unwissenheit der Machthaber profitieren. Vielmehr müssen Bedingungen geschaffen werden, unter denen für Russland, für dieses übermächtige Russland mit Atomwaffen, der Preis des Krieges höher ist als der Gewinn durch die Eroberung der Ukraine. Genau so muss man es formulieren. Der finanzielle, demografische, wirtschaftliche und soziale Preis des Krieges für Russland, für Russland von Kursk bis Wladiwostok, muss höher sein als sämtliche Vorteile der Eroberung der Ukraine und des Aufstiegs in den Rang eines geopolitischen Akteurs in Europa. Und genau das kann in den kommenden Jahren der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation durch ukrainische Angriffe auf Russland erreicht werden. Das ist die Idee.

Mit Russland über Frieden zu sprechen ist möglich. Aber ich wiederhole: Russland wird mit Insekten nicht über Frieden sprechen. Es wird sie einfach zertreten, wenn es ihre Schwäche erkennt. Wenn man erzählt, wie Russland nach dem Winterkrieg und dem Fortsetzungskrieg zweimal mit Finnland Frieden schloss, sollte man daran erinnern, dass in Helsinki Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt wurden: der eigene Präsident, der Ministerpräsident und Minister, die den Widerstand gegen die sowjetische Aggression organisiert hatten, nachdem Stalin Finnland noch in den 1930er-Jahren angegriffen hatte. Da würde mich interessieren: Wollen Zelensky und seine Mitstreiter auf der Anklagebank sitzen? Diese Anklagebank wird nicht in Kyiv stehen, sondern in Moskau. Zelensky wird dort in einem Käfig sitzen, wenn er glaubt, sich mit Putin einigen zu können. Nur darüber wird er sich einigen können. Und danach wird eine lebenslange Haftstrafe in der Strafkolonie „Weißer Schwan“ folgen, mit einem unerwarteten Tod zwei Monate nach Beginn der Haftstrafe. Das ist die ganze Kapitulation, das sind sämtliche Gespräche über Frieden mit Putin.

Das Schicksal gewöhnlicher Menschen wird nicht viel besser sein als das Schicksal Zelenskys und der Mitarbeiter des Präsidialamts, der Minister und Abgeordneten. Nur wird sich mit ihnen nicht ein Gericht in Moskau befassen, sondern ein gewöhnlicher Angehöriger der russischen Nationalgarde, der die Befugnis erhalten wird, die Ukraine von Ukrainern zu säubern. Und glauben Sie mir, er wird diese Aufgabe bewältigen. All diese Hoffnungen nach dem Motto „Ich werde hier weiterleben, man wird nur die Fahnen austauschen“ werden also mit einem kräftigen Schlag eines Schlagstocks auf den Schädel enden, der dabei zerbricht. Und die Fahne wird sich nicht ändern. Es wird einfach rotes Blut, einen weißen Tisch und einen blauen Körper geben. Das wird die Fahne sein, und nicht eine Fahne über irgendeinem Verwaltungsgebäude. Nein.

Machen Sie sich also nichts vor. Es gibt keine Wahl zwischen Widerstand und Kapitulation. Es gibt eine Wahl zwischen Widerstand und Vernichtung. Und das muss jeder begreifen, der auf ukrainischem Boden lebt. Natürlich kann man auf verschiedene Idioten hören, die erzählen, wie man sich mit Russland einigen könne, weil sie sich davon aus irgendeinem Grund irgendwelche Perspektiven versprechen. Aber auch sie werden einen Schlag mit diesem Schlagstock auf den Kopf bekommen. Und auch sie werden sich auf dem Tisch in der Leichenhalle als russische Flagge wiederfinden, ganz gleich, was sie daherreden, in der Hoffnung, dass Sie bei irgendwelchen unrealistischen Wahlen für sie stimmen werden, falls die ukrainische Staatlichkeit zusammenbricht. Diejenigen, die am Leben bleiben, weder fliehen noch vertrieben werden, werden bei den Wahlen zur Staatsduma abstimmen. Ich glaube nicht, dass viele Menschen in der Ukraine einen solchen Schrecken wollen.

Das sind also die ersten Skizzen zur Entwicklung dieser Situation, die mit der Verschärfung der Krise zwischen der Ukraine und Russland zusammenhängt.

Ich werde einige Fragen beantworten, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Sie haben Trump früher nach seinem Gespräch mit Putin mit Janukowytsch verglichen und mögliche Drohungen gegen das Leben des amerikanischen Präsidenten vermutet. Können die russischen Geheimdienste tatsächlich ein solches Attentat erfolgreich organisieren?

Portnikov: Nun, erstens wissen wir sogar aus Trumps eigener Biografie, dass Attentate auf amerikanische Präsidenten möglich sind. Zweitens glaube ich nicht, dass Putin Trump damit droht, ihn zu töten. Er kann ihm mit der Veröffentlichung beliebiger Informationen drohen, die sich im Besitz der russischen Geheimdienste befinden könnten. Wir wissen ja in Wirklichkeit nicht, was diese beiden Menschen verbindet. Das gehört alles in den Bereich der Verschwörungstheorien. Aber man sollte nicht glauben, dass Putin einfach dasitzt und sagt: „Ich werde dich töten.“ So kann er mit einem erfahrenen ehemaligen Häftling wie Janukowytsch sprechen. Bei Trump, denke ich, geht es in dem Gespräch um ganz andere Drohungen und Gefahren.

Frage: Warum wird Ihrer Meinung nach dem Beschuss des Flughafens von Riad so wenig Aufmerksamkeit geschenkt? Das ist doch eine sehr ernste Sache, die von einer schweren Eskalation im Nahen Osten zeugt.

Portnikov: Entschuldigen Sie, Freunde. Ich muss sagen, dass mir scheint, dass der Krieg in der Ukraine und der Krieg im Nahen Osten für die Welt inzwischen zu einer Art Routine geworden sind. Und deshalb werden sehr viele bedeutende Ereignisse übersehen. Gerade diese barbarische Bombardierung Kyivs und anderer großer ukrainischer Städte wäre noch vor zwei Jahren auf den Titelseiten der Weltpresse gewesen. Heute ist das nicht mehr so. Wenn vor drei Jahren der Flughafen von Riad beschossen worden wäre und damit die Verwundbarkeit Saudi-Arabiens gegenüber den Huthi-Einheiten deutlich geworden wäre, wäre das ein echter Schock gewesen.

Aber wozu hätte das geführt? Zu einem Anstieg des Ölpreises? Ja, der Ölpreis ist ohnehin schon sehr hoch und wird nicht fallen. Das heißt, inzwischen verstehen einfach alle, dass sie inmitten der ukrainischen und der nahöstlichen Krise leben. Und aus beiden Krisen ist kein Ausweg zu erkennen. Die Welt hat gelernt, unter den Bedingungen endloser Kriege zu leben. Und so wird das 21. Jahrhundert sein. Deshalb erregen viele Dinge, die Aufmerksamkeit erregten, als die Menschen glaubten, in Frieden zu leben, heute keine Aufmerksamkeit mehr, weil alle verstehen, dass sie im Krieg leben. Und jetzt besteht die Hauptaufgabe jedes Landes darin, nicht selbst in diesen Fleischwolf zu geraten.

Frage: Halten Sie es für möglich, dass Putin Trump etwas gesagt hat, das für ihn persönlich so schrecklich war, dass er jetzt schon bei bloßen Fragen von Journalisten so nervös wird?

Portnikov: Ja, ich freue mich, dass auch Sie bemerkt haben, wie nervös Trump auf alle Fragen reagiert, die mit seinem Geschäft mit Putin zusammenhängen. Er fühlt sich nicht sicher. Er überhörte die Erinnerung daran, dass Zelensky seine Entscheidung über das Geschäft mit Putin als schwach bezeichnet hatte. Dabei hätte er sich in jeder anderen Situation sofort aufregen, schreien und vor Wut schnauben müssen. Stattdessen wartete er eine Weile, um dann irgendeinen Tweet mit der Forderung nach Wahlen in der Ukraine zu schreiben. Das ist überhaupt nicht der Ton, den er noch 2025 gegenüber Zelensky anschlug, als er ihn einen Diktator nannte, der an der Fortsetzung des Krieges interessiert sei und Wahlen fürchte. Also muss während dieses Gesprächs etwas geschehen sein. Aber ich denke, es war eine Art Mischung, eine Symbiose aus Drohungen und Angeboten, die man nicht ablehnen kann, weil sie finanzieller Natur sind. Und das war im Grunde das Hauptthema des Gesprächs zwischen Putin und Trump, nach dem sich die Stimmung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, würde ich sagen, auf diese Weise veränderte.

Frage: Heute liegt die Alternative für Deutschland laut Umfragen bei 30 Prozent und die Christlich Demokratische Union bei 18 Prozent. Welche Folgen könnten uns erwarten, wenn sie die nächsten Wahlen gewinnt? Und hat sie Chancen, tatsächlich an die Macht zu kommen?

Portnikov: Bei den nächsten Wahlen wird die Alternative für Deutschland wohl kaum gewinnen, weil die Umfragewerte überhaupt nicht widerspiegeln, wie die Stimmenauszählung nach Parteilisten in den verschiedenen Bundesländern und so weiter tatsächlich funktioniert. Die Popularität, die die Alternative für Deutschland in den ostdeutschen Bundesländern genießt, muss sich nicht in Popularität im Westen umsetzen. Das Wichtigste ist, dass die Alternative für Deutschland, selbst wenn sie zur stärksten Partei im Bundestag wird, in der Opposition gegenüber einer Regierung landen kann, die beispielsweise von Christdemokraten, Sozialdemokraten und Grünen gebildet wird.

Aber zweifellos ist die Alternative für Deutschland ein sehr beunruhigendes Signal für die Bundesrepublik. Und es bedeutet vor allem eines: das Schmelzen des Eises, verstehen Sie? Jedes Land hat eine bestimmte Eisschicht, die entsteht, nachdem es Autoritarismus erlebt, im Zusammenhang mit einem autoritären Regime schwere Niederlagen erlitten und die Erfahrungen autoritärer Herrschaft neu bewertet hat. In der Sowjetunion schmolz auf diese Weise das Eis, das mit der Neubewertung der stalinistischen Erfahrung verbunden war. Sie verstehen sehr gut, dass der Totalitarismus nationalsozialistischer Prägung in Deutschland selbst niemals entstanden wäre, wenn er nicht von einem großen Teil der Bevölkerung Unterstützung erhalten hätte. Das heißt, das ist bis zu einem gewissen Grad eine Gesetzmäßigkeit. Danach fürchtet dieser Teil der Bevölkerung solche Regime einfach und verständigt sich deshalb mit jenen, die für Demokratie eintreten. Und später taut er, wenn Sie so wollen, einfach wieder auf. Das heißt, dieses Eis ist einfach geschmolzen. Und genau deshalb sind die Ergebnisse der Alternative für Deutschland so, wie sie sind.

Aber die deutsche Demokratie verfügt diesmal über enorme Erfahrungen damit, was geschieht, wenn jemand Vereinbarungen mit solchen Kräften eingeht, und über Erfahrungen im Widerstand gegen solche Kräfte. Sie verstehen doch, dass die Nationalsozialisten Adolf Hitlers, als sie in Deutschland an die Macht kamen, in den ersten Reichstagskonstellationen, in denen Hitler Reichskanzler war, keine Stimmenmehrheit hatten. Für die demokratischen Parteien hätte es genügt, sich zusammenzuschließen, um eine eigene Regierung zu bilden. Aber das hätte bedeutet, dass sich Konservative und Sozialdemokraten zusammenschließen, Parteien, die einander so sehr hassten, dass die Konservativen um Franz von Papen bereit waren, sich mit Hitler zu verbünden, nur um zu verhindern, dass eine sozialdemokratische Regierung oder sozialdemokratische Minister in irgendeiner Form an die Macht kamen. Papen war bereit, Hitlers Stellvertreter zu werden, nur damit keine Sozialdemokraten in der Regierung saßen. Das war ein tragischer Fehler. Das ist den Deutschen bis heute bewusst.

Frage: Der Kreml hätte raffinierter vorgehen und Trump vor den Wahlen möglichst viele Stimmen verschaffen können. Warum verzichten sie darauf, seine Idiotie noch zwei Jahre lang auszunutzen?

Portnikov: Nun, das ist Ihre Bewertung Trumps, dass es sich um Idiotie handelt. Wie Sie verstehen, kann man das in Moskau anders sehen. Und ich sage Ihnen, dass für den Kreml möglicherweise Instabilität in den Vereinigten Staaten besser ist als eine stabile Herrschaft Trumps. Vergessen Sie nicht, dass wir es mit Menschen zu tun haben, die die Vereinigten Staaten ihr ganzes Leben lang aus tiefster Überzeugung hassen. Und möglicherweise sehen sie die Perspektive, dass es ihnen nur nützt, wenn es infolge einer Wahlniederlage dort Chaos und einen Machtkampf zwischen dem US-Präsidenten und dem Kongress gibt, weil das Amerika destabilisiert. Das ist also ihre einfache Idee.

Frage: Kann Trumps offene Unterstützung für republikanische Kandidaten deren Wahlchancen verringern?

Portnikov: Nun, derzeit glauben das viele Menschen in Amerika. Sogar einige republikanische Kandidaten sind der Meinung, dass Trumps aktive Beteiligung am Wahlkampf die Chancen der republikanischen Kandidaten in Wirklichkeit nicht erhöht, sondern verringert. Das ist tatsächlich so. Das geschieht, und dagegen lässt sich nichts machen. Aber Sie verstehen doch, dass keiner dieser Menschen Trump das jemals sagen wird. Etwa: „Wissen Sie, es wäre besser, wenn Sie nirgendwo hinfahren, zu Hause bleiben und Golf spielen, damit alle Sie vergessen. Dann erzielen wir vielleicht irgendwelche Ergebnisse.“ Menschen dieses Typs, solche selbstverliebten Narzissten, wollen so etwas nicht einmal hören.

Ich erinnere mich, wie ich mit Micheil Saakaschwili sprach, als er vor einem Parlamentswahlkampf zum ersten Mal nach Georgien zurückkehren wollte, um die Opposition zu unterstützen. Und ich sagte ihm: „Micheil Nikolosowitsch, Sie sind für Georgien eine sehr umstrittene Persönlichkeit. Es gibt Menschen, die Sie aufrichtig lieben, aber noch mehr Menschen, die Sie einfach hassen. Gleichzeitig können sie auch Bidsina Iwanischwili hassen. Und wenn Sie nach Georgien reisen, werden Sie faktisch zur Niederlage der Opposition beitragen. Sie werden ihr Stimmen wegnehmen.“ Saakaschwili sah mich an und sagte: „Die sind nicht einmal meinen kleinen Finger wert, all diese georgischen Oppositionspolitiker.“ Er war aufrichtig von seiner Einzigartigkeit, seiner Auserwähltheit überzeugt, davon, dass es in der ganzen Welt und erst recht in Georgien niemanden gebe, der besser sei als er, und dass alle das wüssten.

Nun, das ist eine solche politische Krankheit, die selbst bei außergewöhnlichen Menschen vorkommt. Und übrigens erreichen gerade Menschen mit einem solchen Selbstbild, mit absoluter, hundertprozentiger Selbstverliebtheit, sehr oft solche Höhen in der Politik. Aber danach beginnen sie, ihrem eigenen Umfeld dabei im Weg zu stehen, seine Positionen zu bewahren, wenn es sich natürlich um einen demokratischen Staat handelt, in dem Wahlen stattfinden. Das ist alles.

Frage: Welches Szenario erwartet den Iran, falls die Demokraten bei den US-Zwischenwahlen gewinnen?

Portnikov: Nun, ich erinnere noch einmal daran, dass die Außenpolitik der Vereinigten Staaten weiterhin in den Händen von Präsident Trump liegen wird. Möglicherweise werden die Demokraten versuchen, irgendwelche Gesetze zu verabschieden, die die Handlungsmöglichkeiten des US-Präsidenten einschränken.

Aber ich wiederhole, vieles wird davon abhängen, was nicht nur im Repräsentantenhaus, sondern auch im Senat geschieht. Außerdem verstehen Sie sicherlich, dass die Demokraten keine großen Freunde des Iran sind. Sie werden einfach auf eine überlegtere Haltung der Regierung setzen. Aber insgesamt ist das eine Sackgasse, die auf die eine oder andere Weise künftig für jede Regierung zur Falle werden kann. In dieser Hinsicht scheint mir das verständlich zu sein.

Frage: Glauben Sie, dass die ukrainischen Geheimdienste den tatsächlichen Inhalt der Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland während der Reise von Kushner und Witkoff übersehen haben?

Portnikov: Kushner und Witkoff waren übrigens in Kyiv. Ich glaube nicht, dass sie dort besonders viel darüber verheimlicht haben, worüber sie mit den Russen sprechen. Und da würde mich wirklich interessieren: Warum haben Sie sich ausgerechnet auf diese Geheimdienste eingeschossen? Nehmen wir an, die Geheimdienste hätten gewusst, dass Witkoff und Kushner mit Putin über Lukoils Vermögenswerte im Ausland verhandeln. Ist das etwa ein großes Geheimnis? Nachdem Trump Sanktionen gegen Lukoil und Rosneft verhängt hatte, verschob er deren Inkrafttreten gerade deshalb, weil Käufer für diese Vermögenswerte im Ausland gesucht wurden. Man muss kein großer Geheimdienstexperte sein, entschuldigen Sie, um vorherzusehen, dass irgendwelche Menschen, die auf die eine oder andere Weise mit Trumps Umfeld verbunden sind, Anspruch auf diese Vermögenswerte erheben könnten. Was ist daran unverständlich, und was bringt uns das? Nehmen wir also an, wir hätten davon erfahren. Was dann? Produzieren wir plötzlich dringend Patriot-Systeme in Lukjaniwka? Was tun wir denn anders, wenn wir von den Ergebnissen der russisch-amerikanischen Verhandlungen erfahren?

Überschätzen Sie nicht Ihre eigene Handlungsfähigkeit. Bitte betrachten Sie die Situation nüchtern, in der sich unser Land befindet: ein Land ohne Atomwaffen, mit einer zerstörten Wirtschaft und einer kleineren Bevölkerung, das sich der größten Macht unserer Zeit entgegenstellt, einem großen Atomstaat mit dem weltweit größten Atomwaffenpotenzial neben den Vereinigten Staaten. Ich habe immer gesagt: Dass wir einer solchen Macht seit viereinhalb Jahren widerstehen, während der Konflikt mit Russland bereits zwölf Jahre andauert und alle Chancen hat, bis in die 2030er-Jahre des 21. Jahrhunderts weiterzugehen, obwohl er schon in den 2010er-Jahren begann, ist bereits eine Heldentat, verstehen Sie? Das ist doch kein Krieg zwischen Amerika und Russland, bei dem man sagen könnte: „Oh, sehen Sie, sie führen schon seit viereinhalb Jahren Krieg.“ Das ist nicht einmal der Krieg des Deutschen Reiches gegen die Sowjetunion.

Deshalb hätte sich nichts geändert, ob wir davon gewusst hätten oder nicht. Worauf hätten wir Einfluss nehmen können? Ob wir es wissen oder nicht, Einfluss nehmen können wir erst dann, wenn diese Vereinbarungen öffentlich bekannt gegeben werden. Und wir können uns im Grunde an die öffentliche Meinung wenden, an die amerikanische öffentliche Meinung, an die europäische öffentliche Meinung, an die europäischen Staats- und Regierungschefs. Genau das, womit Zelensky sich im Grunde derzeit beschäftigt. Aber solange es nicht öffentlich bekannt gemacht wurde und nicht zur Tatsache geworden ist, haben wir kaum Möglichkeiten, darauf Einfluss zu nehmen. Denn niemand in der amerikanischen Führung glaubt ernsthaft, entschuldigen Sie, dass er irgendwelche ukrainischen Ratschläge beachten müsste, ebenso wenig wie kanadische oder europäische.

Im Weltbild Donald Trumps und seiner Mitstreiter gibt es all das überhaupt nicht. Für sie gibt es Putin, Xi Jinping und Trump als die wichtigste Figur dieses Triumvirats starker Kerle. Es geht also überhaupt nicht darum, wann wir etwas erfahren. Es geht darum, wie wir auf Herausforderungen reagieren und wie realistisch wir die Gefahren einschätzen, die bereits in den 2010er- und 2020er-Jahren bestanden und uns, wie Sie verstehen, auch in den 2030er- und 2040er-Jahren verfolgen werden. Selbst wenn wir irgendwann, und das hoffe ich sehr, das Ende der intensiven Kampfhandlungen erleben und die Situation in einen schwelenden Konflikt übergeht.

Denn Frieden können Sie komplett vergessen. Es gibt keinerlei Voraussetzungen für einen vollständigen Frieden. Aber die Voraussetzungen dafür, zu einer Formel eines langen Friedens mit kurzen Kriegen überzugehen, bestehen vorerst noch. Die Formel langer Kriege mit kurzem Frieden ist für uns bisher noch nicht unausweichlich. Aber ich werde Ihnen unbedingt mitteilen, wenn diese Formel unausweichlich wird. Glauben Sie mir, ich werde der Erste sein, der sagt, dass es nun so weit ist. Aber vorerst haben wir dank des Mutes unserer Streitkräfte, denen Sie hoffentlich helfen, weil Sie ihre Bedeutung für den weiteren Fortbestand der Ukraine auf der politischen Weltkarte, für das Überleben des ukrainischen Volkes und für Ihr eigenes physisches Überleben in den kommenden Jahren verstehen, dank der Streitkräfte haben wir vorerst noch solche Chancen. Das ukrainische Volk hält dem Angriff stand.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп і Зеленський: загострення кризи |Віталій Портников. 15.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 15.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Zelensky geht auf Trump los | Vitaly Portnikov. 14.10.2026.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky hat möglicherweise die schärfste Kritik am Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, geübt, seit der amerikanische Milliardär 2025 ins Weiße Haus zurückgekehrt ist.

Selbst während des letzten großen Skandals zwischen Zelensky und Trump im Oval Office hatte sich Zelensky mit scharfen Bewertungen von Trumps Politik zurückgehalten. Doch jetzt sagt er, dass der amerikanische Präsident auf der falschen Seite der Geschichte stehe, und nennt Trump dabei praktisch beim Namen.

„Wenn man eine neutrale Position einnimmt, muss man auch dabei bleiben und darf sich nicht auf die falsche Seite stellen. Das ist nicht die Seite der Geschichte, auf der man stehen sollte“, betonte der ukrainische Präsident in einem Interview mit einem britischen Fernsehsender und unterstrich, dass die Ukrainer ihr Land nicht verkaufen würden. „Für uns ist das kein Geschäft, es geht um unser Leben“, betonte Zelensky. Damit hat die Konfrontation zwischen Kyiv und Washington ein neues, möglicherweise bisher beispielloses Niveau erreicht.

Andererseits geschieht dies, wenn man darüber nachdenkt, vor dem Hintergrund der faktischen Weigerung der Vereinigten Staaten, jene Vereinbarungen einzuhalten, die zuvor zwischen diesem Land und der Ukraine über die Versorgung der Ukraine mit Geheimdienstinformationen sowie mit Daten der Satelliten des Starlink-Systems für die ukrainischen Streitkräfte getroffen worden waren. Und das geschah übrigens sowohl aus Solidarität mit der Ukraine, die Opfer einer dreisten russischen Aggression geworden ist, als auch, um die Chancen beider Seiten bis zu einem gewissen Grad anzugleichen. Denn man sollte daran erinnern, dass die Ukraine gegen die mächtigste Atommacht der heutigen Welt kämpft, die in der Lage ist, die Vereinigten Staaten innerhalb weniger Stunden zu vernichten. Obwohl natürlich klar ist, dass in diesen wenigen Stunden auch das Leben auf dem Gebiet der terroristischen Föderation selbst zu Ende wäre.

Aber so oder so waren die Kräfte der Ukraine und der Russischen Föderation seit 2022 nicht miteinander vergleichbar. Und die Vereinigten Staaten halfen der Ukraine gerade deshalb, weil sie verstanden, dass unser Land Opfer einer unprovozierten Aggression seitens der Russischen Föderation geworden war.

In dieser Situation gibt es immer eine Wahl. Entweder man stimmt sämtlichen Handlungen der Regierung von Präsident Trump zu und tut so, als gäbe es diese Handlungen nicht, oder man appelliert an die öffentliche Meinung und erinnert daran, dass die überwältigende Mehrheit der Amerikaner im Gegensatz zu ihrem Präsidenten und seinen engsten Vertrauten auf der Seite der Ukraine und nicht Russlands steht und Russland als Gegner und nicht als Partner betrachtet. Und diese Auffassung teilen sowohl die Wähler der Demokratischen Partei als auch die Wähler der Republikanischen Partei und jene Wähler, die noch unentschlossen sind und sich, wie ich hoffe, bei den kommenden Wahlen für Kandidaten entscheiden werden, die Donald Trump und seine dreiste, gegen die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika gerichtete Außenpolitik nicht unterstützen. Eines steht für mich fest: Die Politik Donald Trumps, die auf seiner persönlichen Bereicherung und der Bereicherung seiner Familienmitglieder sowie seines engsten Umfelds beruht, hat grundsätzlich nichts mit den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten zu tun.

Natürlich kann man der Meinung sein, dass man den Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht reizen sollte. Und genau diese Linie verfolgte Zelensky übrigens seit jenem berühmten Streit im Oval Office. Auch unsere europäischen Partner rieten dem ukrainischen Präsidenten, sich gegenüber Donald Trump genau so zu verhalten und alles Mögliche zu tun, damit sich der Präsident der Vereinigten Staaten beruhigt und den ukrainischen Präsidenten lieb gewinnt. Im Grunde kann man sagen, dass Zelensky anderthalb Jahre lang nach dieser Anweisung handelte. Er übersah die offensichtlichen Sympathien des amerikanischen Präsidenten für seinen russischen Amtskollegen, reagierte gelassen auf das Treffen des Präsidenten der Vereinigten Staaten mit dem Präsidenten der Russischen Föderation in Anchorage und darauf, wie Donald Trump den Kriegsverbrecher Putin auf dem Flugplatz in der Hauptstadt Alaskas mit Applaus begrüßte.

Aber wozu wurde das alles getan? Wozu hat diese Nachsicht gegenüber dieser Gier und diesem offenen politischen Irrsinn geführt? Sagen Sie es mir! Zur Abschaltung von Starlink, vorerst zur Drosselung seines Betriebs, und zur faktischen Weigerung, uns Geheimdienstinformationen zur Verfügung zu stellen. Und man muss sich klar darüber sein, dass Donald Trump ebenso wie Putin nur eine Sprache versteht: die Sprache brutalen Drucks. Und genau diese Sprache brutalen Drucks zwingt ihn, wie der Krieg gegen Iran gezeigt hat, eine völlig andere Linie zu verfolgen. Wenn man dagegen versucht, so zu tun, als würde man seine Eskapaden nicht bemerken, wird einem ein Mensch dieses Typs unweigerlich auf der Nase herumtanzen. Und genau das ist geschehen.

Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass es einen Unterschied zwischen Trumps Verhalten während des Skandals im Oval Office und seinem heutigen Verhalten gibt. Nach dem Skandal im Oval Office wurde ganz unmissverständlich verkündet, dass die Vereinigten Staaten die Weitergabe von Geheimdienstinformationen an die Ukraine und die Waffenlieferungen an die Ukraine einstellen würden. Ich erinnere daran, dass damals noch jenes Hilfspaket lief, das während der Präsidentschaft von Trumps Vorgänger Joseph Biden, einem echten Freund der Ukraine, bewilligt worden war. Sie erinnern sich alle gut daran. Jetzt wird nichts dergleichen verkündet. Im Gegenteil, man sagt, die Hilfe werde weiterhin geleistet.

Das heißt, sowohl Trump als auch sein engstes Umfeld verstehen, dass die Ankündigung einer Einstellung der Hilfe für die Ukraine vor den Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten zu weiteren Stimmenverlusten für die Republikaner führen würde. Und ich hoffe sehr, dass diese Wahlen zur Agonie der ultrarechten politischen Kräfte in den Vereinigten Staaten werden und 2028 zu ihrem endgültigen, schmachvollen Zusammenbruch führen. Einfach deshalb, weil ich den Vereinigten Staaten von Amerika nur das Beste wünsche. Und deshalb hoffe ich sehr, Zeuge dieser Agonie und des Erfolgs der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden. Denn der Erfolg der Vereinigten Staaten von Amerika ist unser gemeinsamer Erfolg – und er ist kein Erfolg für Putin. Auch das muss man verstehen.

Wenn man also diesen intensiven Druck fortsetzt, wenn die amerikanischen Medien ihren Zuschauern und Lesern von Trumps Verrat berichten, und genau das wird geschehen, dann werden sie gezwungen sein, die Hilfe in vollem Umfang wiederherzustellen und mit terroristischen Sabotageakten aufzuhören. Denn wenn wir nicht wissen, dass ballistische Raketen im Anflug sind, ist das faktisch eine Unterstützung der terroristischen Angriffe Russlands. Denn dabei sterben Zivilisten, die nicht einmal rechtzeitig gewarnt werden können, damit sie Schutzräume aufsuchen können. Denn die Abschaltung von Starlink ist eine Unterstützung der russischen Aggression und der Eroberung ukrainischer Gebiete. Und all das ist eine vollkommen bewusste Arbeit auf die Kapitulation der Ukraine hin, damit die Ukraine zu Bedingungen kapituliert, die Trumps Dieselfreund Putin vorgeben wird. Darin liegt das Problem.

Ganz zu schweigen davon, dass ich absolut überzeugt bin, dass diese Hilfe den Interessen der Vereinigten Staaten selbst dient. Denn die Ukraine ist ein Land, das von einem Staat angegriffen wurde, der das Völkerrecht verletzt. Die Ukraine ist ein Land, das für die Wiederherstellung dieses Völkerrechts und der Rechtsordnung kämpft. Und die Vereinigten Staaten waren immer ein Staat, der das Völkerrecht verteidigt und unterstützt hat. Nur weil Russland über viel Öl und Gas verfügt und man irgendwelche Lukoil-Aktien kaufen kann, wird es noch lange nicht zum Partner der Vereinigten Staaten von Amerika.

Natürlich kann man sagen, dass sich Donald Trumps grundsätzliche Haltung durch keinerlei Druck ändern lässt. Ich bin mir vollkommen darüber im Klaren, wie Donald Trumps Weltbild aussieht. Ja, das ist mir vollkommen klar. Donald Trump betrachtet die Welt als eine Sphäre, die unter drei großen Staaten, drei starken Männern aufgeteilt werden muss: Trump, Putin und Xi Jinping. In diesem Weltbild muss Kanada, wie wir bereits mehrfach gesehen haben, die Launen des amerikanischen Präsidenten erfüllen, andernfalls verhängt er empörende Zölle auf kanadische Produkte. Und übrigens ist diese ganze Geschichte mit dem Diesel auch eine Folge seines Konflikts mit Kanada.

Vergessen wir nicht: Im Falle der Ukraine ist er innerlich absolut davon überzeugt, dass die Ukraine sämtliche Launen Putins erfüllen müsste, und er will sich nicht einmal mit den Einzelheiten befassen. Und in dieser Situation werden Sie einem Menschen, der bereits 80 Jahre alt ist, nicht mehr erklären können, dass die Welt in Wirklichkeit auf Werten und nicht auf Gier beruhen sollte, dass das Völkerrecht eine große Errungenschaft ist, die im Wesentlichen mit dem Blut der Völker während des Zweiten Weltkriegs erkämpft wurde, als es ebenfalls durch Hitlerdeutschland, also durch die damaligen Ultrarechten, zerstört worden war.

Aber glücklicherweise ist Trump im Gegensatz zu Putin kein totalitärer Herrscher, dem seine eigenen Landsleute vollkommen gleichgültig sind und der sie lediglich als Kanonenfutter betrachtet. Er ist ein Mensch, der gezwungen ist, auf Institutionen Rücksicht zu nehmen, der gezwungen ist, auf den Kongress Rücksicht zu nehmen. Und genau auf diese Weise kann und muss man auf diesen Menschen Einfluss nehmen. Eine andere Möglichkeit, Trumps Entscheidungen zu beeinflussen, gibt es nicht, denn seine Ansichten stehen in diametralem Gegensatz zu dem, was wir uns von einem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika wünschen würden. Und das ist übrigens ebenfalls eine bekannte Tatsache. Daran ist nichts unbekannt.

Hören Sie, Trump war schon während seiner ersten Präsidentschaft von der Ukraine nicht begeistert, schon damals, wie Sie sich erinnern. Das alles war für ihn, gelinde gesagt, unverständlich: Warum sollte man die Ukraine unterstützen? Dieselben berühmten Javelins, mit denen er prahlt, gelangten nur dank des intensiven Drucks des Kongresses auf den amerikanischen Präsidenten in unsere Hände. Der Kongress war demokratisch dominiert. Genau deshalb können wir auch jetzt hoffen, dass eine demokratische Mehrheit im amerikanischen Kongress, sollte sie zustande kommen, intensiven Druck auf die Regierung ausüben und sie zwingen wird, ihre kapitulationistische Haltung gegenüber Putins Russland zu ändern.

Das alles ist eine völlig offensichtliche Tatsache. Tatsache ist auch, dass er selbst dann, als er nicht Präsident war, aber im Grunde weiterhin der Hoffnungsträger der Republikaner blieb, ab einem bestimmten Zeitpunkt irgendwelche halb geheimen Kontakte zu Putin unterhielt. Und möglicherweise führten gerade diese Kontakte dazu, dass er mit seinem Einfluss auf die republikanischen Kongressabgeordneten monatelang die Bewilligung der Militärhilfe für uns blockierte, die Präsident Biden beim Kongress beantragt hatte. Und genau diese Pause führte zu Veränderungen an der Front, zum Verlust von Awdijiwka, zu dem es niemals gekommen wäre, wenn sich die Abstimmung über die Einzelheiten dieses Hilfspakets nicht so lange hingezogen hätte. Und übrigens war es für mich schon damals ein Warnsignal, als die Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhaus gegen die Hilfe für die Ukraine stimmte. Dieses Paket kam nur zustande, weil fast alle Demokraten und ein Teil der Republikaner dafür stimmten.

Aber damals gab es für mich noch ein weiteres, sehr beunruhigendes Warnsignal: Dieselben Republikaner stimmten in großer Zahl auch gegen die Hilfe für Taiwan. Das deutete für mich ebenfalls auf eine mögliche Neuausrichtung der amerikanischen Außenpolitik hin. Und ja, er versucht, nicht nur Putin, sondern auch Xi Jinping zu gefallen. Und jetzt wird die Bereitstellung von Mitteln für die Verteidigung Taiwans, obwohl diese durch das Taiwan-Gesetz geregelt wird, das der Kongress noch während der Präsidentschaft Jimmy Carters vor dem Hintergrund der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Volksrepublik China verabschiedete, diese Bereitstellung von Waffen wird erneut verzögert.

Und übrigens: Genauso, wie er jetzt Putins Begehrlichkeiten anheizt und dazu beiträgt, dass der russische Präsident nicht einmal eine Minute darüber nachdenkt, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden – wozu auch, wenn er einen solchen Trump hat –, kann er auch die Begehrlichkeiten Xi Jinpings anheizen. Dieser könnte unter diesen Umständen glauben, dass ihm nichts droht, wenn er eine Militäroperation zur Rückführung Taiwans in den Heimathafen durchführt. Und dann könnten bereits die Voraussetzungen für einen Dritten Weltkrieg geschaffen sein, mit all diesen Dummheiten. Denn diese Menschen, sowohl Putin als auch Xi Jinping, verstehen ebenfalls nur die Sprache harter Macht und nicht die Sprache der Zugeständnisse. Sie sind genauso eingestellt wie Trump.

Vor allem aber ist es sehr schwer, den Sinn dessen zu verstehen, was gerade geschieht. Warum hat Trump im russisch-ukrainischen Krieg alle roten Linien überschritten und sich nahezu eindeutig auf Putins Seite gestellt? Was ist passiert? Was hat Putin ihm gesagt, das Trump so furchtbar erschreckt hat? Wir verstehen doch, dass 300.000 Tonnen Dieselkraftstoff, die nach amerikanischem Recht nicht einmal auf den amerikanischen Markt gelangen können und die, selbst wenn sie dorthin gelangten, auf diesem Markt keinen Unterschied machen würden – denn was sind schon 300.000 Tonnen, entschuldigen Sie, für ein Land, das, wie ich schon mehrfach gesagt habe, monatlich sechs Millionen Tonnen exportiert? Es gibt also keinen Grund anzunehmen, dass Trump sich mit diesen 300.000 Tonnen irgendetwas erkaufen könnte oder dass sie ihm helfen würden, das Kräfteverhältnis im Kampf um den Kongress zu verändern. Zumal sich die Zahlen auf den Preistafeln amerikanischer Tankstellen durch diese 300.000 Tonnen nicht verändern.

Natürlich kann man sagen, dass das alles ein Spiel mit Lukoil-Aktien ist, dass Witkoff und Kushner zu Putin reisen werden, nachdem wir aufgehört haben, die Ölraffinerien anzugreifen. Na und? Wir greifen die Ölraffinerien schon seit mehreren Tagen nicht mehr an, und dadurch ändert sich nichts zum Besseren. Mehr noch, Russland bombardiert weiterhin unsere Energieinfrastruktur. Die vergangene Nacht in Kyiv war schrecklich, das haben diejenigen unter Ihnen, die in der ukrainischen Hauptstadt leben, selbst erlebt. Deshalb lassen sich diese Handlungen Trumps logisch nicht erklären. Und wenn ich darüber nachdenke, denke ich an Putins Kontakte zu einem anderen Präsidenten desselben Typs, Viktor Janukowytsch, im Jahr 2013. Heute wissen wir, dass es sowohl öffentliche als auch geheime Treffen gab und dass Putin von Janukowytsch verlangte, auf die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit Europa zu verzichten. Irgendwann, wie Sie wissen, kam es tatsächlich zu dieser Absage, die eine schwere politische Krise in der Ukraine auslöste, aus der später die Revolution der Würde hervorging.

Aber Janukowytsch hatte überhaupt nicht vorgehabt, auf diese Unterzeichnung zu verzichten. Obwohl russische Spitzenpolitiker, von Putin bis Glasjew, lange Zeit entschieden dagegen aufgetreten waren. Und dann geschah etwas bei einem Treffen hinter verschlossenen Türen zwischen Putin und Janukowytsch, etwas, das Janukowytsch dazu brachte, innerhalb von buchstäblich 24 Stunden seine Haltung zum Assoziierungsabkommen zu ändern, obwohl ihm bewusst war, welche schwere Krise das auslösen würde. Er zwang die Regierung, eine Erklärung abzugeben, mit der sie von einem Kurs abrückte, den Janukowytsch selbst und seine Partei der Regionen mehrere Jahre lang propagiert hatten. Und heute haben alle vergessen, dass jene Menschen, die später die Ukraine verlassen sollten, sowohl in der Regierung als auch im Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat, die wichtigsten, sagen wir, Akteure dieses Prozesses der europäischen Integration und der Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens gewesen waren. Das Einzige, was Janukowytsch im Grunde verlangte, war, dass man ihn mit der Inhaftierung von Julia Tymoschenko nicht reizen und ihm damit nicht auf die Nerven gehen sollte. Und ich war gerade der Meinung, dass das falsch sei, dass man mit einem Land, in dem es eine selektive Justiz gibt, kein Abkommen unterzeichnen dürfe. Aber die Europäische Union ließ sich schließlich darauf ein. Janukowytsch selbst lehnte es ab.

Was zwischen ihm und Putin geschah, wissen wir nicht. Genauso wenig wissen wir, was zwischen Putin und einem anderen Präsidenten geschah, Sersch Sargsjan, dem damaligen Präsidenten Armeniens, der unmittelbar nach einem Treffen mit dem russischen Präsidenten auf die Unterzeichnung eines bereits fertig ausgehandelten Assoziierungsabkommens verzichtete, ohne auch nur seine eigene Regierung, das Parlament oder das Außenministerium über seine Entscheidung zu informieren. Was sagte Putin dem ukrainischen und dem armenischen Präsidenten, dass sie ihren propagierten politischen Kurs, der die Grundlage ihrer Umfragewerte und ihrer Popularität gewesen war, vollständig revidierten und dass dies schließlich zum Zusammenbruch beider führte, bei dem einen schnell, bei dem anderen nicht so schnell? Und wie Sie sehen, gelang es weder im Falle der Ukraine noch im Falle Armeniens, diesen Kurs der europäischen Integration tatsächlich aufzuhalten. Aber das ist ein anderes Thema. 

Etwas Ähnliches ist während des letzten Gesprächs zwischen Putin und Trump geschehen. Ich denke, wir werden nicht so bald erfahren, welche Argumente der russische Präsident gefunden hat, damit sich der amerikanische Präsident so verhält. Und zwar ohne besondere Freude. Sie sehen ja, dass er auf alle Fragen zu seinen Handlungen gereizt antwortet. Er kann es sich selbst nicht vollständig erklären. Also muss Putin irgendetwas gefunden haben, irgendwelche Worte, die ihn nicht erfreut, sondern vielleicht erschreckt haben. Ja, wenn die Untersuchungsausschüsse des Kongresses ihre Arbeit aufnehmen und die Aktivitäten Trumps und seiner engsten Vertrauten untersuchen, wenn Minister und andere Mitglieder der Regierung unter Eid vor dem Kongress aussagen, werden wir vielleicht etwas erfahren. Vielleicht erfahren wir es erst, nachdem Trump aus dem Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten ausgeschieden ist, vielleicht erfahren wir es niemals. Aber man kann nicht sagen, dass dieses demonstrative Verhalten jetzt durch irgendwelche logischen Interessen im Zusammenhang mit dem Wahlkampf oder den Lukoil-Aktien begründet wäre. Darin liegt keine erkennbare Logik, außer der Logik der Angst. Denn Trump sympathisierte schon früher mit Putin und hat diese Sympathien niemals verborgen, war aber in seinen politischen Äußerungen hinreichend zurückhaltend. Und auch das lässt sich verstehen. Deshalb kann man natürlich über die gegenwärtige Situation diskutieren.

Gerade ist eine Mitteilung eingegangen, die der ehemalige Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow veröffentlicht hat, wonach der Betrieb von Starlink bei Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h wiederhergestellt wird. Und jetzt muss daran gearbeitet werden, die Geschwindigkeitsbeschränkung für Starshield, diese militärische Version von Starlink, vollständig aufzuheben. Genau davon habe ich gesprochen. Wenn man darauf entschieden reagiert, werden sie gezwungen sein, das wiederherzustellen, denn sie wollen nicht eingestehen, dass sie uns die Hilfe verweigern. Sehen Sie, das geschieht buchstäblich vor unseren Augen. Sie wollen keine Verantwortung für die Einstellung der Hilfe für die Ukraine übernehmen, auch keine Verantwortung gegenüber den Wählern. Und das ist ebenfalls ein ziemlich wichtiger Punkt.

Deshalb bin ich überzeugt, dass wir in dieser Situation darüber nachdenken müssen, wie unsere Beziehungen zu dieser Regierung künftig aussehen sollen und wie wir sie gestalten: durch entschiedenen Druck unter Nutzung der öffentlichen Meinung oder dadurch, dass wir allen Abenteuern zustimmen, die wir weiterhin erleben werden. Ich würde allerdings weder in die eine noch in die andere Richtung ins Extrem gehen. Ich würde keine scharfen Anschuldigungen gegen den Präsidenten der Vereinigten Staaten erheben, aber ich würde mich stets an die amerikanische Öffentlichkeit wenden. Natürlich kann Zelensky seine eigene Auffassung von dieser Taktik haben. Schließlich ist er der Präsident der Ukraine. Und man muss sich über die Realität im Klaren sein.

Diese Realität besteht darin, dass wir nicht auf irgendwelche bewussten Sympathien Donald Trumps für die Ukraine hoffen können. Er hat keinerlei bewusste Sympathien für die Ukraine. Und er hat bewusste Sympathien für Putin. Und das wurde niemals verborgen. Das bedeutet, dass er der Ukraine nur unter dem Druck der Umstände oder der öffentlichen Meinung helfen kann. Also müssen wir daran arbeiten, dass dieser Druck der Umstände und dieser Druck der öffentlichen Meinung möglichst wirksam werden. Wir müssen unsere europäischen Partner für diesen Druck nutzen, die amerikanische öffentliche Meinung für diesen Druck nutzen und die ukrainische Diaspora nutzen. Ich bin der Meinung, dass die Möglichkeiten der ukrainischen Diaspora für einen solchen Druck, für den Dialog mit Kongressabgeordneten und Senatoren, bisher noch nicht ausgeschöpft wurden. In Amerika leben heute viel mehr Ukrainer als früher. Und das muss man nutzen.

Das heißt, alles, was man nutzen kann, muss man gerade dafür nutzen, die Wahlmechanismen in Gang zu setzen. Zumal sich die Vereinigten Staaten praktisch ständig im Wahlkampf befinden. Wenn alle zwei Jahre Wahlen stattfinden, verstehen Sie doch, dass man damit politisch spielen kann. Und die Russen spielen damit. Warum sollten wir also nicht auch damit spielen? Jetzt werden die Wahlen, die Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten, im Grunde die Wahlen zum Repräsentantenhaus, zu Ende gehen, und schon 2027 wird der Präsidentschaftswahlkampf beginnen. Man wird bereits nach Menschen suchen, die ihre Parteien bei den Präsidentschaftswahlen anführen können. Und auch das wird ein sehr wichtiger Moment sein, der ebenfalls mit uns zusammenhängt.

Frage: Ich wollte schon lange fragen: Bedeutet rechts in Ihrem Verständnis gleich schlecht? Ich höre von Ihnen oft Aussagen dieses Inhalts. Und ich verstehe nicht, worin Putins Ultrarechtsextremismus besteht. Es scheint, als bestehe er nur darin, dass alle das sagen. In meinem Verständnis bedeutet rechts nicht gleich schlecht.

Portnikov: Ich spreche immer nicht von Rechten, sondern von Ultrarechten. Ich verstehe überhaupt nicht, wie Sie darauf kommen, dass ich irgendwelche Rechten für schlecht halte. Ich bin ein leidenschaftlicher Anhänger des politischen Stils von Ronald Reagan, der ein, wie ich sagen würde, rechter Konservativer war. Ich betrachte es bis heute als Ehre, dass ich über den ersten Besuch Ronald Reagans und später seines Nachfolgers George Bush senior in der Sowjetunion berichtet habe. Das waren rechte Konservative. Auch George Bush junior habe ich damals immer großen Respekt entgegengebracht, selbst als er in den Vereinigten Staaten selbst unglaublich unpopulär war. Er ist ein rechter Konservativer, ein ehemaliger Gouverneur von Texas. Man darf Ultrarechte nicht mit Rechten verwechseln, Rechtsradikale nicht mit Rechten.

Warum ist Putin ultrarechts? Weil sein politisches Programm das Programm einer ultrarechten politischen Bewegung ist. Es beruht auf Chauvinismus. Es beruht auf dem Lebensraum für einen bestimmten Staat. Es beruht auf der Schaffung, ich würde sagen, auf der Übersteigerung der Idee sogenannter traditioneller Werte, auf der gewaltsamen Verteidigung dieser traditionellen Werte durch die Verabschiedung repressiver Gesetze. Das alles ist ein ultrarechtes politisches Programm. Putins Präsidentschaft ist ideologisch ein typisches Beispiel für eine ultrarechte, postfaschistische Präsidentschaft. Was gibt es da zu erklären?

Lesen Sie all diese Programme und Gesetze, die die Staatsduma der Russischen Föderation verabschiedet hat. Der Kampf gegen Andersdenkende, der Kampf gegen sexuelle Minderheiten. Das alles ist ein ultrarechtes, postfaschistisches politisches Programm. Lebensraum für Russen, das Recht des Stärkeren. Vielleicht sollten Sie einmal das wunderbare Büchlein Mein Kampf von Adolf Hitler lesen, um zu verstehen, was ultrarechte Ideologie ist. Oder irgendwelche Schriften von Benito Mussolini oder Salazars Buch Der neue Staat. Dort steht das alles.

Wenn Sie sich die Rede von Marco Rubio in Athen anhören, dann ist das die Rede eines ultrarechten Politikers. Denn in dieser Rede, in der von der Größe der antiken Welt die Rede ist, fand das Wichtigste keinen Platz, das schon immer das Wesen der westlichen Zivilisation ausgemacht hat: Humanismus, Toleranz, Respekt vor dem Mitmenschen, all das, was die christlichen Werte und die Werte der monotheistischen Religionen ausmacht. Deshalb ist Marco Rubio ein postfaschistischer Politiker, genau wie Putin, JD Vance und Trump. Was gibt es da noch zu sagen? Ist das etwa falsch?

Verwechseln Sie das nicht. Ein Konservativer verteidigt traditionelle Werte und lässt andere leben. Ein Ultrarechter tötet diejenigen, die seine Ansichten nicht teilen, oder drängt sie an den Rand der Gesellschaft. Das ist doch keine höhere Mathematik.

Frage: Die Demokraten sprechen auf ihren Kundgebungen und bei ihren Debatten überhaupt nicht über die Ukraine, und selbst wenn sie Trump kritisieren, erwähnen sie uns nicht. Sind sie nicht genauso isolationistisch wie MAGA?

Portnikov: Bei Debatten werden außenpolitische Fragen in der Regel nicht als die wichtigsten betrachtet. Die Demokraten versuchen derzeit, möglichst viele Wählerstimmen gerade durch die Thematisierung innenpolitischer Probleme zu gewinnen. Deshalb gehören außenpolitische Themen, insbesondere bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus, sagen wir, sehr oft nicht zu den Hauptthemen der Diskussion. Wenn Sie sagen, die Demokraten seien genauso isolationistisch wie MAGA, möchte ich Sie daran erinnern, dass die gesamte demokratische Fraktion im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten das Gesetz zur Unterstützung der Ukraine unterstützt hat, das jetzt vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde. Dafür stimmten eine kleine Zahl von Republikanern und alle Demokraten. Und dieser Plan sieht vor, uns Milliarden Dollar bereitzustellen, wie es während Bidens Präsidentschaft geschah, uns kostenlose Militärhilfe zu leisten und die Sanktionen gegen Russland zu verschärfen.

Wenn Sie also sagen, die Demokraten seien genauso isolationistisch wie MAGA, verstehe ich nicht, wie Sie das nach der Verabschiedung dieses Dokuments durch alle Demokraten überhaupt behaupten können. Eine einzige Demokratin hat dagegen gestimmt oder sich enthalten, ich erinnere mich nicht mehr, wer es war. Alle haben dafür gestimmt, während die Republikaner nicht dafür stimmten. Nur eine Minderheit von ihnen stimmte dafür, genau wie beim vorherigen Unterstützungsgesetz.

Frage: Europa wartet in der warmen Badewanne das Ende von Trumps Amtszeit ab. Oder hat es das Vertrauen in die Vereinigten Staaten für immer verloren? Gibt es eine Garantie, dass die Amerikaner nicht irgendwann einen neuen Trump wählen?

Portnikov: Erstens glaube ich nicht, dass Europa in einer warmen Badewanne sitzt. Was derzeit in Europa geschieht, ähnelt, ehrlich gesagt, allem Möglichen, nur keiner warmen Badewanne. Aber ich denke, dass das Misstrauen gegenüber den Vereinigten Staaten nach Trumps zweiter Wahl ein unglaubliches Ausmaß erreicht hat. In Europa gab es politisch schon immer eine ziemlich starke, ich würde sagen, Strömung des Antiamerikanismus, aber jetzt hat sie einen unglaublichen Auftrieb erhalten.

Als nach Trumps erster Präsidentschaft Joseph Biden gewählt wurde und sagte, Amerika sei zurück, nahmen alle das als Realität wahr und betrachteten Trump als eine Art, ich würde sagen, Missverständnis an der Spitze der Vereinigten Staaten, das infolge der Informationstechnologien und seiner Popularität als Showman zustande gekommen war. Man glaubte, dass sich das alles nicht wiederholen könne. Trumps zweite Rückkehr zeigte, dass es sich um ein Symptom und nicht um einen Einzelfall handelt. Und zweifellos wird man keinem neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten, der sagt, Amerika sei zurück, glauben, nicht einmal diejenigen, die so tun werden, als glaubten sie ihm.

Zweifellos ist das große Vertrauen in die Vereinigten Staaten, das das Wesen der Nachkriegswelt ausmachte, verloren gegangen. Das ist ein gewaltiges Problem für uns alle, denn die westliche Nachkriegswelt beruhte gerade auf dem Vertrauen in die Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten selbst haben diese Welt im Grunde geschaffen, als sie den Europäern sowohl den Marshallplan als auch ihren nuklearen Schutzschirm anboten, im Gegenzug dafür, dass die Europäer ihre Waffen kaufen und der Stationierung ihrer Truppen auf dem Kontinent zustimmen würden. Dafür traten in erster Linie die Amerikaner selbst ein und nicht die Europäer. Unter den europäischen Politikern war damals gerade die Frage der Zahl der amerikanischen Truppenkontingente umstritten, weil sie befürchteten, zum Schauplatz eines nicht mehr kalten, sondern heißen Krieges zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zu werden. Die Vereinigten Staaten bestanden darauf. Und jetzt erleben wir einen so drastischen Wandel der Prioritäten. Und dass eine große Zahl amerikanischer Wähler einen Menschen unterstützt hat, der für diesen Wandel steht, ist natürlich ein ernstes Problem.

Frage: Wenn gegen Trump ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet wird, kommt Vance an die Macht. Was erwartet die Ukraine dann?

Portnikov: Ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump wird nicht dazu führen, dass er aus dem Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten ausscheidet. Trump hat alle Möglichkeiten, bis zum Ende seiner Amtszeit im Amt zu bleiben. Wenn das Repräsentantenhaus ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn beschließt, geht dieses Verfahren an den Senat. Im Senat sind für eine Amtsenthebung zwei Drittel der Stimmen erforderlich. So viele Stimmen werden die Demokraten nicht haben, selbst wenn sie im Senat die Mehrheit gewinnen.

Deshalb droht dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, nach heutigem Stand bis 2029 nichts. Aber das ist der heutige Stand. Wir wissen nicht, wie die Untersuchungsausschüsse des Kongresses arbeiten werden und was sie herausfinden. Ob das nicht dazu führen wird, dass ein Teil der Republikaner von den gewonnenen Informationen so erschreckt sein wird, dass er für eine Amtsenthebung stimmt. Aber wer hat Ihnen gesagt, dass JD Vance an die Macht kommen wird? Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde nach dem Rücktritt Richard Nixons angesichts einer drohenden, unvermeidlichen Amtsenthebung Gerald Ford, der nicht gemeinsam mit Nixon zum Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden war. Er war Senator, glaube ich, oder Mitglied des Repräsentantenhauses, den das Repräsentantenhaus nach dem Rücktritt von Vizepräsident Spiro Agnew, der unter der Last von Korruptionsvorwürfen zurücktreten musste, zum Vizepräsidenten gewählt hatte.

Wenn also Trumps Regierung derart auseinanderzufallen beginnt, dass die Republikaner bereit sind, für Amtsenthebungsverfahren gegen ihre Vertreter zu stimmen, könnte auch JD Vance aus dem Amt entfernt werden. Und Präsident der Vereinigten Staaten würde dann eine Person, die vom Repräsentantenhaus zum Vizepräsidenten gewählt wurde, also höchstwahrscheinlich ein Vertreter der Demokratischen Partei. Aber ich halte ein solches Szenario überhaupt nicht für wahrscheinlich. Ich sage Ihnen nur, wie es aus rechtlicher Sicht aussehen könnte.

Frage: Wird sich wirklich alles unmittelbar nach den Wahlen und erst recht nach dem 3. November ändern, oder wird Trump höchstwahrscheinlich wegen der Wahlergebnisse vor Gericht ziehen und Zeit schinden?

Portnikov: Ich glaube nicht, dass Trump vor Gericht ziehen wird, weil die Gerichte ihm kaum irgendein Ergebnis bringen werden. Ich halte es für möglich, dass er die Wahlergebnisse nicht anerkennt, was den Beginn einer neuen politischen Epoche in Form eines Bürgerkriegs in den Vereinigten Staaten von Amerika bedeuten würde. Das halte ich durchaus für möglich. Nach dem 3. November kann sowohl die Agonie der Trump-Regierung beginnen, weil die Demokraten im Kongress an die Macht kommen, als auch die Agonie der Trump-Regierung durch den Beginn eines Bürgerkriegs in den Vereinigten Staaten, falls die Regierung die rechtskräftig festgestellten Ergebnisse der Wahlen zum US-Kongress nicht anerkennt. Beide Möglichkeiten schließe ich nicht aus. Wir können Zeugen beider Szenarien werden. Man muss sich also auf das eine wie auf das andere vorbereiten.

Frage: Wie wichtig ist eine Erneuerung der Republikanischen Partei und ihre Rückkehr auf den Weg Reagans?

Portnikov: Wenn Trump rapide an Popularität verliert, werden sich die Republikaner natürlich nicht nur von ihm abwenden, sondern auch von der MAGA-Bewegung, die im Grunde Donald Trumps Wählerbasis bildet und gerade eine klassische ultrarechte politische Bewegung im heutigen Verständnis dieses Begriffs ist. Aber hier stellt sich eine andere Frage: Wenn die Republikaner zu ihrem klassischen Parteiprofil zurückkehren, werden sie dann genügend Wählerstimmen auf sich vereinen können, um Wahlen zu gewinnen?

Ich vertrete gerade die Auffassung, dass die Republikaner zum Zeitpunkt von Donald Trumps Auftreten auf der politischen Bühne der Vereinigten Staaten, als er gegen Hillary Clinton antrat, das war 2016, bereits damals faktisch eine demografische Niederlage erlitten hatten. Und sie hatten nicht mehr genügend Wähler, um irgendwelche Wahlen gewinnen zu können. Und Trump gab ihnen einen zweiten Atem, weil es ihm gelang, Bevölkerungsgruppen auf ihre Seite zu ziehen, die zuvor nicht für die Republikaner gestimmt oder überhaupt nicht an Wahlen teilgenommen hatten. Und genau das erklärt, warum sich die Republikanische Partei bis heute im politischen System der Vereinigten Staaten als eine Partei behaupten kann, die in der Lage ist, Wahlen zu gewinnen. Wir wissen nicht, ob die Republikanische Partei als solche noch über eine demografische Basis unter diesen klassischen Amerikanern, den Nachkommen der Pioniere im übertragenen Sinne, verfügt. Ich bin mir da nicht sicher.

Frage: Warum können die Demokraten die Dinge nicht beim Namen nennen und Trump der Lüge überführen, indem sie sagen, dass der Grund für den Anstieg der Dieselpreise der Krieg im Iran ist?

Portnikov: Das haben sie schon eine Million Mal gesagt. Und nicht nur sie haben das gesagt. Vor Kurzem sprach darüber in einem Interview auch der Sprecher des Repräsentantenhauses des amerikanischen Kongresses, Mike Johnson, ein engster Verbündeter Trumps. Er sagte: „Wir verstehen, dass die Preise steigen, weil wir in der Straße von Hormus noch nicht alles geklärt haben.“ Das alles wird offen ausgesprochen. Sie verfolgen das einfach nicht. Nur welche Bedeutung hat es für Trump, was irgendjemand sagt?

Frage: Warum brauchte Biden Abstimmungen zwischen den Kammern, die monatelang dauerten, während Trump das nicht braucht und jede Entscheidung allein und sofort trifft?

Portnikov: Weil die Republikaner im Repräsentantenhaus und im Senat die Mehrheit haben. Ganz einfach. Biden hatte das nicht. Er kontrollierte das Repräsentantenhaus nicht, sondern nur den Senat. Deshalb war Trumps Sieg 2024 historisch, weil die Republikaner sowohl bei der Präsidentschaftswahl als auch im Senat und im Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses die Oberhand gewannen. Deshalb brauchte Biden Monate für die Abstimmungen, weil die Republikaner nicht stimmen wollten und die Mehrheit stellten. Und ohne sie konnte man über bestimmte grundsätzliche Fragen nicht abstimmen. Trump dagegen braucht das überhaupt nicht. Das ist einfach Mathematik.

Frage: Wie groß sind Zelenskys Möglichkeiten, durch seine Kritik an Trumps Handlungen potenzielle Wähler in den Vereinigten Staaten zu beeinflussen? Hat Zelensky das Potenzial, den Republikanern bei den Wahlen zu schaden?

Portnikov: Ich bin nicht sicher, dass Zelensky ein derart großes Potenzial hat, amerikanische Wähler zu beeinflussen. Aber zweifellos hat Zelensky das Potenzial, die amerikanischen Medien zu beeinflussen, dieselben Medien, die Trump verächtlich als Fake News bezeichnet. Indem sie aber Zelensky und andere in dieser Situation zitieren, lassen sie Trump keine Wahl. Entweder muss er klar sagen, dass er der Ukraine nicht helfen will, oder er muss zur Hilfe für die Ukraine zurückkehren. Dass Zelensky Trump kritisiert und den Vereinigten Staaten vorwirft, dass infolge der amerikanischen Politik Menschen sterben könnten, dass die Vereinigten Staaten Putins Seite gewählt hätten, verschafft den Demokraten zweifellos zusätzliche Trümpfe. Das verstehen alle sehr gut.

Frage: Sie erinnern die Ukrainer immer an ihre Wahl von 2019. Die Ukraine ist seit 35 Jahren unabhängig, Amerika hat 250 Jahre Demokratie hinter sich, und trotzdem gibt es Trump. Sind das Ihrer Meinung nach Methoden politischer Gehirnwäsche oder etwas anderes?

Portnikov: Ich denke, das sind neue Informationstechnologien. Ich muss Ihnen sagen, dass die Informationstechnologie, die Zelensky zum Wahlsieg verholfen hat, bis zu einem gewissen Grad der politischen Technologie Trumps ähnelt. Beide waren Showmen. Trump wurde nicht als Geschäftsmann populär, sondern als Showman. Zelensky begann seine politische Karriere im Grunde mit der Serie Diener des Volkes. Und ja, ich stimme zu, dass man meinen könnte, in der amerikanischen Demokratie dürfte es nach ihrer 250-jährigen Erfahrung solche Geschichten wie die Geschichte Trumps eigentlich nicht geben. Aber noch einmal: Wir leben in einer Welt neuer Informationstechnologien, die völlig andere Verhaltensregeln diktieren. Das ist zweifellos so.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass Trump nicht nach, sondern vor Zelensky gewählt wurde. Und Zelenskys Wahl war im Grunde eine Fortsetzung von Trumps Wahl, also die Nutzung dieser Informationstechnologien, lediglich unter Berücksichtigung von Zelenskys eigener Persönlichkeit. Aber ich habe das immer als Fortsetzung ein und derselben Epoche betrachtet. Einer Epoche, in der beliebte Fernsehpersönlichkeiten, heute können das auch Persönlichkeiten aus den sozialen Netzwerken sein, gegen sogenannte traditionelle Politiker gewinnen, weil die Menschen keine traditionellen Politiker mehr brauchen, sondern Lieblinge, die sie auf dem Fernsehbildschirm oder auf dem Bildschirm ihres Smartphones sehen und die einfache Antworten auf schwierige Fragen geben.

Frage: Wird sich in der amerikanischen Politik noch jemand finden, der eine ähnliche Politik wie Biden verfolgen könnte, um zumindest mit der Stabilisierung der Weltordnung zu beginnen?

Portnikov: Nun, das ist eine gute Frage, und wir werden während des Präsidentschaftswahlkampfs 2028 eine Antwort darauf bekommen. Welche Wahl werden die Amerikaner letztlich treffen? Wie werden die Politiker aussehen, die um die amerikanische Präsidentschaft kämpfen werden? Welche grundsätzliche Haltung werden sie zu den Beziehungen mit autoritären Regimen und zur Frage haben, wie die Weltordnung aussehen sollte? Aber ich glaube nicht so recht daran, dass im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten erneut ein Mensch erscheinen wird, der derart in autoritäre Herrscher verliebt ist, ein Mensch, der mit seinen herzlichen Beziehungen zu Putin, Xi Jinping oder Kim Jong-un prahlt. Das alles hängt möglicherweise doch gerade mit Trumps Persönlichkeit zusammen und nicht einmal mit irgendwelchen ideologischen Grundsätzen jener Bewegung, die die Grundlage seiner politischen Karriere bildet. Denn auch dort gibt es Menschen, die Putin und den Putinismus entschieden ablehnen, nicht weil es sich um eine ultrarechte Ideologie handelt, sondern weil es sich in Russland um eine totalitäre Ideologie und ein totalitäres Regime handelt. Wir werden also sehen. Ich denke, gewisse Chancen bestehen. Obwohl natürlich klar ist, dass sich die politische Bühne der Vereinigten Staaten durch Trump bis zur Unkenntlichkeit verändert hat. Und auch das muss man tatsächlich berücksichtigen.


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Titel des Originals: Зеленський накинувся на Трампа |
Віталій Портников. 14.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 14.10.2026.
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Trump rechtfertigt sich vor den Ukrainern | Vitaly Portnikov. 13.10.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, betonte heute, dass sein Land weiterhin Geheimdienstinformationen mit der Ukraine teilt. Im Pentagon heißt es, dass die Lieferungen im Rahmen des PURL-Programms nicht eingestellt wurden, bei dem europäische Länder die Vereinigten Staaten für Waffen bezahlen, die diese an die Ukraine liefern. Diese Erklärungen Donald Trumps erfolgten, nachdem es in Kyiv, übrigens nicht zum ersten Mal, einen Angriff mit russischen ballistischen Raketen gegeben hatte, ohne dass die Einwohner der ukrainischen Hauptstadt zuvor gewarnt worden waren.

Natürlich können wir nicht wissen, was das Ausbleiben der Informationen verursacht hat. Tatsächlich hat es solche Vorfälle mit dem Start russischer ballistischer Raketen ohne vorherige Warnung auch früher gegeben. Aber das gab dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, die Möglichkeit, infrage zu stellen, ob der Mechanismus der Informationsübermittlung noch derselbe ist wie vor dem Dieselabkommen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation.

Das Wichtigste an dieser Situation ist vor allem, dass Trump sich vor Journalisten rechtfertigt und der Ukraine nicht mit einer möglichen Einstellung des Austauschs von Geheimdienstinformationen droht. Es lohnt sich, daran zu erinnern, dass die Situation während des vorherigen großen Skandals zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine, der sich im Oval Office vor dem Hintergrund der Unterzeichnung eines weiteren bedeutungslosen Dokuments über die ukrainischen Bodenschätze ereignete, völlig anders war. Danach wird es, wie Sie wissen, noch viele bedeutungslose Vereinbarungen und Gesetzesvorlagen geben, von denen die jüngste, das Graham-Gesetz, Donald Trump buchstäblich erst vor wenigen Wochen unterzeichnet hat. Damals war die Situation völlig anders. Das Pentagon entzog der Ukraine buchstäblich innerhalb weniger Stunden den Zugang zu Geheimdienstinformationen.

Und Sie können fragen: „Was ist denn in dieser Zeit geschehen, das den Präsidenten der Vereinigten Staaten dazu zwingt, sich völlig anders zu verhalten? Denn es scheint offensichtlich, dass nach Trumps Drohungen gegen die Ukraine eine Entscheidung über irgendeine Bestrafung, etwa die Einstellung der Übermittlung von Geheimdienstinformationen oder die Schließung des PURL-Programms, einfach eine logische Weiterentwicklung der Ereignisse in der Ukraine-Frage gewesen wäre.“ Aber wie Sie sehen, geschieht das nicht. Ich denke, nicht nur deshalb, weil die Ukraine seit zwei Tagen keine Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation durchführt und Donald Trump damit die Möglichkeit nimmt, neue Drohungen auszusprechen, sondern auch deshalb, weil Trump nicht mehr derselbe ist.

In dieser Zeit hat der Krieg im Nahen Osten stattgefunden, der für den amerikanischen Präsidenten zu einem regelrechten politischen Fiasko wurde und zu einem erheblichen und praktisch nicht mehr rückgängig zu machenden Anstieg der Kraftstoffpreise an amerikanischen Tankstellen geführt hat. Nicht mehr rückgängig zu machen, zumindest deshalb, weil es für Trump wichtig ist, dass dieses Preisniveau bereits bis zu den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress am 3. November dieses Jahres sinkt. Und das wird wohl kaum geschehen, zumindest nicht in größerem Umfang. Und keinerlei Vereinbarungen mit Präsident Putin werden dazu beitragen.

Trump hat sich verändert, weil er jetzt die niedrigsten Popularitätswerte sowohl seiner eigenen politischen Karriere als auch der politischen Karriere jedes amerikanischen Präsidenten in dessen zweiter Amtszeit hat. Ja, er ist der unpopulärste amerikanische Präsident der jüngeren Geschichte, und die Zahl der Menschen, die ihn nicht unterstützen, wird mit jedem Tag weiter wachsen. Trump hat sich verändert, weil er all die Bedrohungen spürt, die für ihn und seine Familienmitglieder entstehen, nachdem die Republikaner zumindest die Kontrolle über das Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses verloren haben werden. Von der Möglichkeit, auch die Kontrolle über den Senat zu verlieren, will ich gar nicht erst sprechen.

Und deshalb ist er einfach gezwungen, keine abrupten Schritte zu unternehmen. Er ist gezwungen, so zu handeln, dass er zumindest jene Wähler nicht verschreckt, die noch bereit sind, für die Republikaner zu stimmen. Und diese Wähler könnten, wie wir verstehen, nicht einmal ausreichen, um wenigstens die Kontrolle über den Senat zu behalten. Deshalb sieht diese ganze Geschichte in Wirklichkeit wie ein gutes Signal aus, das man im Gedächtnis behalten sollte. Trump kann sich am Vorabend der Zwischenwahlen keinen ernsthaften Konflikt mit der Ukraine erlauben.

Und die Idee selbst, mit Putin Vereinbarungen über Dieselkraftstoff zu treffen, wurde zu einem weiteren Fehler in der Reihe jener vielen Fehler, die Donald Trump seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus bereits begangen hat. Wir wissen in Wirklichkeit nicht, welche Ziele dieses Abkommen hatte, denn es kann sich nicht auf die Dieselpreise auf dem Weltmarkt auswirken, wo nach wie vor letztlich die Straße von Hormus alles bestimmt. Das müssen sogar republikanische Kongressabgeordnete selbst einräumen, wie etwa der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson. Es kann die Einnahmesituation des russischen Staatshaushalts nicht wirklich verändern, der immer mehr Geld für den ununterbrochenen, jahrelangen Krieg benötigt, den der Präsident der Russischen Föderation für den politischen Kalender der zwanziger und dreißiger Jahre dieses kriegerischen 21. Jahrhunderts vorgesehen hat.

Wozu wurde das alles dann getan? Ich habe nur eine wirkliche Erklärung. Das alles könnte ausschließlich zur Rettung des Erdölverarbeitungskomplexes der Russischen Föderation geschehen sein. Der Erdölverarbeitungskomplex der Russischen Föderation wird von den Amerikanern gebraucht, damit sie sich an Lukoils Vermögenswerten im Ausland bereichern können. Ich erinnere Sie daran, dass Trump, nachdem er die sogenannten Sanktionen aus der Hölle gegen die russischen Konzerne Lukoil und Rosneft verhängt hatte, deren Umsetzung aussetzte, offensichtlich bis zu dem Zeitpunkt, an dem über das Schicksal der Vermögenswerte von Lukoil im Ausland, eines der wichtigsten Erdölkonzerne der Welt, entschieden sein wird. Und in diesem Moment stellte sich heraus, dass sich unter denjenigen, die bereit sind, diese Aktien zu kaufen, Personen befinden, die Witkoff und Kushner nahestehen, also Menschen, die für ihre engen Verbindungen zur Administration Donald Trumps bekannt sind.

Putin, ein, wie ich sagen würde, geschickter Rattenfänger, nahm sofort diesen Geruch des Geldes wahr, mit dem man Trumps engste Mitstreiter anlocken und sie dazu bringen kann, im Weißen Haus zu Vertretern seiner eigenen Interessen zu werden. Genau das geschah auch mit Witkoff und Kushner. Und offensichtlich schildern sie Donald Trump diese Aussichten auf eine tatsächliche Bereicherung mit Freude beim gemeinsamen Golfspiel. Wenn man schon nicht Golf spielen kann, kann man wenigstens beim Spielen darüber reden.

Und darin liegt eine gewisse Logik. Welchen Sinn hat es, Lukoils Vermögenswerte zu kaufen, wenn ukrainische Angriffe die Erdölraffinerien dieses Unternehmens in Schrott verwandeln? Und ich möchte Sie übrigens daran erinnern, dass eine der letzten Aktionen der ukrainischen Verteidigungskräfte in Russland gerade die Zerstörung der Produktionsanlagen eines Lukoil-Unternehmens war, das nach diesen Angriffen seinen Betrieb einstellte. Was meinen Sie, ist es für Witkoff und Kushner und andere Trump nahestehende Personen, die bereits den Geruch dieser blutigen russischen Milliarden wahrnehmen, angenehm, solche Nachrichten zu lesen?

Natürlich nicht. Und deshalb gibt es ein sehr einfaches Programm, das, wie ich verstehe, von Witkoff und Kushner während der Verhandlungen in Miami nicht nur den Vertretern der ukrainischen Delegation, sondern auch jenen europäischen Beamten und nationalen Sicherheitsberatern vorgestellt wurde, die gemeinsam mit der ukrainischen Delegation in die Vereinigten Staaten gekommen waren, in der Hoffnung, über etwas Reales und Konkretes sprechen zu können.

Zunächst stellt die Ukraine ihre Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation ein. Und danach reisen Witkoff und Kushner in die russische Hauptstadt und schlagen dem Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, einen Plan zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges vor, wie er es wollte. Aber sie begleiten diesen Plan mit einigen beträchtlichen Zahlen, mit jenem Geld, mit dem sie den Präsidenten der Russischen Föderation für Lukoil-Aktien bezahlen wollen.

Das heißt, wenn man die Dinge beim Namen nennt, wollen Beamte des Weißen Hauses den Präsidenten der Russischen Föderation bestechen, damit er einer Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zustimmt, vielleicht sogar noch vor den Zwischenwahlen. Das wäre tatsächlich ein ernsthafter, ich würde sagen, gewichtiger Beitrag zum Wahlkampf der Republikaner, denn es könnte zeigen, dass Donald Trump ein wirklicher Friedensstifter ist und nicht jemand, der von irgendwelchen acht angeblich beendeten Kriegen erzählt, die es in Wirklichkeit nicht gibt.

Aber ich denke, dass es hier auch den entgegengesetzten Wunsch gibt. Putin will ebenfalls Witkoff, Kushner und Trump mit Lukoils Vermögenswerten im Ausland bestechen. Nur verfolgt der Präsident der Russischen Föderation ein völlig anderes Ziel. Er will, dass sie die Ukraine in Ruhe lassen und ihm ermöglichen, unseren Staat mitsamt seiner ihm gegenüber illoyalen Bevölkerung zu vernichten und auf dem von russischen Truppen eroberten Gebiet von Uschhorod bis Charkiw ihm gegenüber loyale ethnische Russen und andere Bürger der Russischen Föderation anzusiedeln, die später bereit sein werden, als Kanonenfutter für die russische Armee bei ihrem siegreichen Marsch auf Europa zu dienen. Denn genau darauf bereitet sich Putin in den nächsten Jahren seiner Karriere vor.

Und hier liegt ein Missverständnis vor. Die einen wollen die anderen kaufen, aber ihre Ziele sind völlig entgegengesetzt. Witkoff und Kushner wollen Putin Geld für die Beendigung des Krieges anbieten. Putin will der amerikanischen Administration Geld anbieten, damit sie ihn nicht daran hindert, zu töten, zu schießen, zu vergewaltigen, zu zerstören und all das zu tun, was sowohl dem Präsidenten der Russischen Föderation als auch seinen auf Chauvinismus und Krieg ausgerichteten Landsleuten so sehr gefällt.

Ich frage nicht einmal, wer in dieser Geschichte der Bestechung gewinnen wird. Ich denke, niemand. Dass die Reise von Witkoff und Kushner, wie zu erwarten ist, mit einer absoluten Niederlage und dem Zusammenbruch aller Hoffnungen auf wirkliche Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine enden wird. Wie ich bereits gesagt habe, wird es in einer absehbaren Zukunft keine wirklichen Friedensverhandlungen zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine geben. Und man sollte aufhören, darüber nachzudenken.

Wenn der russisch-ukrainische Krieg tatsächlich in irgendeiner absehbaren Zukunft endet und wir sagen können, dass die nächsten Jahre das Finale dieses endlosen Krieges sein werden, dann kann er ohne irgendwelche wirklichen Vereinbarungen, ohne ein Treffen der Präsidenten, durch ein Abflauen und ein sporadisches Wiederaufflammen dieses Konflikts in der Zukunft enden. Und das wird das Schicksal zweier verfeindeter Länder und zweier verfeindeter Völker sein, die für die nächsten schweren und schwierigen Jahrzehnte Todfeinde bleiben werden.

Wenn sich natürlich nicht etwas in Russland verändert, wenn dort nicht solche umwälzenden politischen Prozesse stattfinden, die zum Zusammenbruch des Geheimdienstregimes, zum Beginn einer innergesellschaftlichen Konfrontation in der Russischen Föderation führen und das Nachbarland mit dem Blut verfeindeter Bevölkerungsgruppen überziehen, die bereit sind, gegeneinander zu kämpfen. Aber bislang sehe ich keine Perspektiven für eine solche Entwicklung der Ereignisse. Denn wir wissen, dass die Eroberung fremder Gebiete die Russen immer zusammenschweißt und aus ihnen eine ziemlich monolithische Gesellschaft macht. Wenn das russische Volk anders wäre, würde es nicht über das Territorium des flächenmäßig größten Landes der heutigen Welt verfügen. Auch daran muss man denken, wenn wir über die Ethnogenese dieses Imperiums sprechen.

Wie könnte also der Plan aussehen, den Witkoff und Kushner dem russischen Präsidenten vorschlagen? Heute hat bereits in der Washington Post einer der führenden Kolumnisten dieser Zeitung über diesen Plan gesprochen. Im Grunde wurde er dort als westlicher Plan bezeichnet, aber dann kam aus dem Büro des ukrainischen Präsidenten die Klarstellung, dass es sich vor allem um die amerikanische Position handelt. Der Plan ist vollkommen utopisch. Das heißt, man kann verstehen, warum wir ihm zustimmen könnten. Es ist völlig unverständlich, warum der Kreml ihm zustimmen sollte.

Nun, beispielsweise gibt es in dem Plan einen Abschnitt über den Wiederaufbau der Ukraine. Aber den können wir sofort vergessen, denn mit einem Wiederaufbau der Ukraine wird, wie Sie verstehen, nicht begonnen werden, bevor eine Entscheidung über die Beendigung der Kampfhandlungen getroffen und eine Entscheidung über Sicherheitsgarantien gefällt wurde. Und beide Entscheidungen erscheinen, gelinde gesagt, illusorisch.

Nun also zu den Sicherheitsgarantien, dem zweiten Punkt dieses Plans. Dort wird vorgeschlagen, der Ukraine Sicherheitsgarantien zu geben, die ihrem Sinn nach mit Artikel 5 des NATO-Vertrags vergleichbar wären. Entschuldigen Sie, aber dieser Ansatz erscheint als völliger Idiotismus, wenn wir hoffen, dass Russland dem zustimmen wird. Denn es stellt sich die Frage: Wenn Moskau will, dass uns niemand hilft und dass im Falle eines möglichen neuen Angriffs, falls es den alten beenden will, kein einziges Land der Welt der Ukraine zu Hilfe eilt und erst recht nicht an ihrer Seite kämpft, wozu sollte es dann wollen, dass am Ende des Krieges zwischen der Ukraine und Russland die Ukraine von westlichen Ländern, von denen einige Atommächte sind, Sicherheitsgarantien erhält, die Artikel 5 des NATO-Vertrags entsprechen? Denn das bedeutet für Russland die Aussicht auf einen möglichen Atomkrieg. Wozu sollte es das brauchen? Nennen Sie mir wenigstens einen einzigen Grund.

Oder wir müssten der russischen Erzählung zustimmen, wie es einige ukrainische Abgeordnete tun, die ihren Wahlkampf bereits in ihren, wie ich sagen würde, schmutzigen Träumen vor sich sehen, dass Russland tatsächlich über das Heranrücken der NATO an seine Grenzen besorgt sei. Warum führt es dann keinen Krieg gegen Finnland? Warum führt es keinen Krieg gegen Schweden? Warum führt es keinen Krieg gegen Polen? Warum führt es keinen Krieg gegen Litauen, Lettland und Estland? Warum hat es mit der Ukraine begonnen, die kein NATO-Mitglied ist, statt einen entschlossenen Schlag gegen Länder zu führen, die bereits Mitglieder des Nordatlantischen Bündnisses sind? Denn wenn die NATO eine Bedrohung ist, muss man die NATO angreifen. Deshalb ist das völliger Unsinn.

Russland wird niemals zustimmen, dass die Ukraine irgendwelche wirklichen Sicherheitsgarantien erhält. Das wird nicht geschehen. Sonst müssten die Russen anerkennen, dass sie all diese Jahre vergeblich Krieg geführt und die Ukraine zerstört haben. Damit die Russen also einer solchen Sache zustimmen, müssten feindliche Armeen in der russischen Hauptstadt stehen und der russische Präsident, nicht einmal Putin, irgendwelche Vereinbarungen unter vorgehaltener Maschinenpistole unterzeichnen. Solange das nicht geschieht, erwarten Sie nicht, dass Russland etwas Derartigem zustimmen wird.

Der nächste Punkt, den die Amerikaner vorschlagen werden, ist die Wiederaufnahme der Lieferungen russischen Erdöls und Erdgases nach Europa. Dabei wird die Ukraine zu einem Transitdrehkreuz für dieses Gas. Ukrainische Erdöl- und Erdgaspipelines werden zu Transitrouten für russische Energieträger. Wiederum kann ich verstehen, wozu die Ukraine das braucht, die Geld für den Transit erhalten wird. Ich kann verstehen, dass Russland an der Wiederaufnahme seiner Energieexporte nach Europa interessiert wäre. Obwohl ich mir da nicht ganz sicher bin, denn Russland würde sich offensichtlich lieber nach Osten orientieren. Aber das ist eine andere Frage. Es würde gern, kann aber nicht so recht, obwohl es Anstrengungen unternimmt. Gerade in diesen Tagen bespricht einer von Putins wichtigsten Beratern, Nikolai Patruschew, in Peking den Weiterbau der Gaspipeline „Kraft Sibiriens 2“. Nun ja, wissen Sie, eine Pipeline weiterzubauen und bereits über die entsprechenden Möglichkeiten zu verfügen, ist natürlich nicht dasselbe.

Aber die Ukraine war doch viele Jahrzehnte lang ein Transitdrehkreuz für die Russische Föderation. Europa war doch der Kontinent, in den Russland jahrzehntelang Gas lieferte. Und Russland begann den Krieg genau aus dieser Position heraus. Mehr noch: Eine der ersten Entscheidungen Putins, als er Präsident der Russischen Föderation wurde, war die Übernahme der Kontrolle über Gazprom. Die alte Führungsmannschaft, die noch mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten der Russischen Föderation Viktor Tschernomyrdin und dem Gazprom-Chef Rem Wjachirew verbunden war, wurde aus diesem Konzern entfernt und durch Putins Manager unter der Führung von Alexei Miller ersetzt, der Gazprom all diese Jahrzehnte lang leitet. Und welche erste Aufgabe gab Putin Miller? Umgehungspipelines zu bauen, damit die Ukraine aufhört, ein Transitland für die Russische Föderation zu sein.

Putin bereitete sich praktisch vom ersten Tag seiner Amtszeit als Präsident der Russischen Föderation darauf vor, der Ukraine ihren Status als Transitland zu nehmen. Der große russisch-ukrainische Krieg begann kurz nach der Fertigstellung der Gaspipeline Nord Stream 2. Damit brauchte Russland die Transitdienstleistungen der Ukraine nicht mehr und musste sich keine Gedanken mehr über das Schicksal unseres Gastransportsystems machen.

Und übrigens war ich einer jener Journalisten, die sowohl die Ukrainer als auch, übrigens, die Deutschen immer gewarnt haben. Ich sagte meinen deutschen Kollegen, dass der große Krieg genau dann beginnen werde, wenn Putin sicher sei, dass er über Transitmöglichkeiten zur Umgehung der Ukraine mithilfe von Unterwasserpipelines verfüge. Leider ist es genau so gekommen. Das ist einer der Gründe, warum er 2022 keine Angst vor einem solchen Angriff hatte. Denn wenn diese Gaspipelines fertiggestellt worden wären und die Coronavirus-Pandemie nicht begonnen hätte, wäre der große russische Angriff auf die Ukraine einige Monate nach dem Treffen des russischen Präsidenten Putin mit dem ukrainischen Präsidenten Zelensky in Paris im Normandie-Format erfolgt. Putin hätte dabei gesehen, dass Zelensky nicht zu jener Kapitulation vor Russland bereit war, die die russische Führung unmittelbar nach den ukrainischen Präsidentschaftswahlen 2019 erwartet hatte, weil diese in Moskau als Triumph der Kapitulationsstimmung in unserem Land betrachtet wurden. So funktioniert das im Grunde.

Dann stellt sich die Frage: Wozu sollte Putin dem jetzt zustimmen? Diesem Punkt des Plans. Und auch das ist ein ziemlich wichtiger Punkt, über den man sprechen muss, wenn wir die Situation im Zusammenhang mit den Plänen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges erörtern, wie Sie verstehen.

Deshalb scheint es mir, dass man alle anderen Punkte dieses Plans schon gar nicht mehr diskutieren muss. Sie sind traditionell: die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland. Nun, das wäre ein logisches Ergebnis der Beendigung des Krieges, wenn man nach Wegen sucht, sich mit Putin zu verständigen. Und außerdem die Beendigung der Kampfhandlungen entlang der Trennlinie. Ich glaube auch nicht so recht, dass jemand dem zustimmen wird, denn Sie sehen, dass Russland nicht bereit ist, die Kampfhandlungen einzustellen, bevor es die Gebiete Donezk und Luhansk vollständig erobert hat. Aber Sie sehen, dass solche Pläne von amerikanischer Seite vorgeschlagen werden. Das bezeugt erneut, dass einige amerikanische Beamte in ihrem Wunsch, die Kontrolle über Lukoils Vermögenswerte im Ausland zu erlangen, den gesunden Menschenverstand verlieren.

Nun stellt sich die Frage: Wie werden sich die Ereignisse tatsächlich entwickeln? Genau so werden sie sich entwickeln. Wenn Putin sagt, dass Russland nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren wird, bevor die ukrainischen Truppen das Gebiet der Regionen Donezk und Luhansk verlassen haben oder bevor die russische Armee die vollständige Kontrolle über diese Regionen erlangt hat, sollte man ihm glauben. So wie man ihm damals hätte glauben sollen, als er praktisch ganz offen vor einem Angriff auf die Ukraine warnte. Das heißt, solange die Frage der vollständigen Kontrolle über Donezk und Luhansk nicht auf die eine oder andere Weise geklärt ist oder bis eine der Seiten so erschöpft ist, dass sie keine wirksamen Kampfhandlungen mehr fortsetzen kann, wird es überhaupt keine wirklichen Verhandlungen geben.

Was wird geschehen, wenn beispielsweise die Frage von Donezk auf die eine oder andere Weise diplomatisch oder militärisch gelöst wird und irgendwelche Verhandlungen beginnen? Auch sie werden zu keinem wirklichen Ergebnis führen. Schon in der ersten Verhandlungsrunde wird Russland neue Bedingungen an die Ukraine stellen. Wenn die Ukraine die Regionen Donezk und Luhansk nicht verteidigen kann und sie verloren gehen, wird Russland verlangen, dass sich die Ukraine aus den Gebieten Saporischschja und Cherson zurückzieht.

Wenn die Frage von Donezk und Luhansk auf diplomatischem Wege gelöst wird und Russland beispielsweise auf Druck der Vereinigten Staaten die Kontrolle über diese Gebiete kampflos erlangen kann, woran ich nicht glaube, aber ich sage nur: Wenn die Frage der Gebiete Saporischschja und Cherson auf demselben diplomatischen Wege gestellt wird, wird damit alles enden. Das heißt, Russland hatte niemals den Wunsch, durch Verhandlungen einen Frieden in der Ukraine zu vereinbaren, hat ihn nicht und wird ihn auch in absehbarer Zukunft nicht haben.

Was kann man dem entgegensetzen? Man kann dem die schrittweise Zerstörung der russischen Ressourcen und die Verwandlung Russlands in einen dysfunktionalen Staat entgegensetzen: Rechenzentren zerstören, Erdölraffinerien zerstören, sobald Trump von seinen Forderungen ablässt oder ohne auf Trump zu achten, Rüstungsbetriebe zerstören, Brücken sprengen, die Situation destabilisieren, alles Mögliche tun, damit der russische Staat nicht mehr funktionsfähig ist, aber nicht so sehr, dass er auseinanderbricht. Denn die demografische Katastrophe in Russland und Flüchtlinge aus der Russischen Föderation könnten für die Nachbarländer, einschließlich der Ukraine, zu einem Verhängnis werden. Man sollte nicht glauben, dass wir damit fertigwerden, wenn es zu einer humanitären Katastrophe kommt, oder dass wir die Grenzen schließen und niemanden hereinlassen werden. Auch das könnte bis zu einem gewissen Grad eine Illusion sein.

In jedem Fall ist das eine Frage des Gleichgewichts. Wenn es uns gelingt, die Möglichkeiten der Russischen Föderation zu untergraben, wird der Krieg abflauen. Wenn es uns nicht gelingt, wird der Krieg weitergehen, die ukrainischen Städte werden Infrastruktur und Ressourcen verlieren, die Bevölkerung wird immer kleiner werden. Und so wird sich die Situation in den nächsten Jahren entwickeln. Das sind im Grunde zwei Szenarien für die Entwicklung der Ereignisse. Ein drittes Szenario, dass wir uns zusammensetzen und uns einigen, wird es nicht geben, denn niemand hat vor, sich mit uns zu einigen.

Im ersten Szenario müssen wir von unseren Verbündeten energischere Hilfe verlangen. Vielleicht können die Amerikaner, wenn sie endgültig zu der Überzeugung gelangen, dass Putin Trump völlig egal ist und dass er ihn täuscht, mehr und schneller handeln. Obwohl ich nicht besonders daran glaube. Vielleicht wird nach den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten bereits der Kongress von Trump entschlossenere Maßnahmen verlangen. Auch das könnte geschehen. Das heißt, man muss irgendwelche Wege suchen, den Krieg durch die Erschöpfung des Aggressorstaates zu beenden. Man muss sich bewusst machen, dass der diplomatische Weg eine Sackgasse ist. Man muss verstehen, dass Russland versuchen wird, die Ukraine mithilfe seiner Agenten und nützlichen Idioten zu destabilisieren, die nach Macht und Geld gieren und erzählen werden: „Wir setzen uns hier zusammen und einigen uns.“ Auch dieses Bewusstsein muss vorhanden sein.

Man darf den Fehler von 2019 nicht noch einmal wiederholen. Was beim ersten Mal einfach als Tragödie durchging, wird beim nächsten Mal zum endgültigen Verschwinden sowohl der Ukraine als auch der Ukrainer führen. Das garantiere ich Ihnen. Einen solchen fatalen Fehler darf man nicht zweimal hintereinander begehen. Zumal Volodymyr Zelensky 2019 noch das Recht auf einen gewissermaßen entschuldbaren Fehler hatte, weil niemand in der Ukraine bis zum Ende begriff, wozu Russland bereit sein könnte, um die Kontrolle über das wiederherzustellen, was es als historische russische Gebiete betrachtet. Jetzt aber verstehen das alle, und Menschen, die versuchen, etwas anderes zu behaupten, sind absolut widerwärtige, niederträchtige Zyniker, deren tatsächliche Verbindungen man untersuchen sollte, nicht ihre Ansichten, verdammt noch mal, sondern ihre Verbindungen.

Und auch hier darf man keine naiven Idioten sein. Wie viele russische Agenten sind inzwischen von hier geflohen? Die einen 2014, dann flohen in den zwanziger Jahren jene, die geblieben waren. All diese Menschen befanden sich in den höchsten Etagen der ukrainischen Macht und erwiesen sich sämtlich als russische Agenten. Der Präsident, der Ministerpräsident, der Innenminister, der Leiter des Sicherheitsdienstes der Ukraine, der Generalstabschef, der Befehlshaber der Seestreitkräfte, der Generalstaatsanwalt, der Leiter des Zolldienstes. Was muss man denn noch erklären, wenn ich daran erinnere, dass wir buchstäblich mit Agenten der Russischen Föderation, mit Offizieren und Agenten des FSB und des russischen Auslandsgeheimdienstes durchsetzt waren? 

Ja, das war 2014. Und welche Schlussfolgerungen wurden gezogen? Dass diese Agenten 2022 unmittelbar vor der russischen Invasion einfach in Autos, Züge und Flugzeuge stiegen und die Ukraine verließen. Man hat wieder nichts gelernt. Der ehemalige Vizepremierminister der Ukraine und ehemalige Chef der ukrainischen Nationalbank Arbusow ist jetzt Abgeordneter der Staatsduma der Russischen Föderation. Der ehemalige Abgeordnete der Werchowna Rada der Ukraine Derkatsch ist jetzt Mitglied des Föderationsrates der Föderalversammlung Russlands, ein Held Russlands. Der ehemalige Leiter der Präsidialverwaltung der Ukraine, Medwedtschuk, behauptet, dass es die Ukraine als Staat niemals gegeben habe und dass es das ukrainische Volk nicht gegeben habe. Reicht Ihnen das nicht, oder glauben Sie, dass die Liste der Agenten damit endet?

So viele es gab, so viele sind geblieben. Sie werden später einfach feststellen, dass all diese Menschen nicht bloß irgendwelche Betrüger waren, sondern Menschen mit ganz konkreten russischen Verbindungen. Dabei ist es schon erstaunlich, dass diese Leute nicht gleich mit den spitzen Mützen der Roten Armee herumlaufen. Und ich frage meine Kollegen immer: „Warum laden Sie diese Menschen in Ihre Sendungen ein? Warum sprechen Sie mit ihnen? Sehen Sie denn nicht, dass sie keinerlei eigene Gedanken äußern? Sie verbreiten russische Narrative.“

Nun, bis 2022 liefen bei meinen Kollegen irgendwelche Dschangirow und Pogrebinski durch die Sendungen. Menschen, bei denen man, wissen Sie, gar nicht genug Brandzeichen hätte anbringen können. Das waren einfach russische Agenten. Jetzt übernimmt irgendein verrückter Dazjuk, der als Einziger aus dieser Gesellschaft übrig geblieben ist, diese Rolle. Nun, das ist doch dasselbe. Das ist doch genau dasselbe, nur in anderer Aufmachung. Die anderen sind einfach irgendwo verschwunden oder geflohen, ich weiß nicht einmal, wo sie sind. Er ist geblieben. Irgendwann wird auch er fliehen, und alle werden sagen: „Oh, er ist geflohen.“ Verstehen Sie das wirklich nicht? Wir sind ein Land, in dem Russland immer wie eine Metropole in einer Kolonie gearbeitet hat. Sowohl der KGB als auch der FSB haben Menschen angeworben. Nun seien Sie doch nicht naiv. Das ist eine ganz einfache Geschichte.

Und ich soll mich auch noch mit diesen Menschen streiten, irgendwelche ihrer Thesen diskutieren, obwohl das überhaupt keine Thesen sind, sondern ganz gewöhnliche Arbeit für den Feind. Zweifeln Sie nicht einmal daran. Sie werden es später nur bereuen. Ganz zu schweigen von all diesen nützlichen Trotteln, entschuldigen Sie, die uns erzählt haben, wie Trump nach seinem Wahlsieg den Krieg beenden werde. Da gab es eine ganze Brigade russischsprachiger Rentner aus Brighton Beach, bildlich gesprochen, und aus verschiedenen anderen Gegenden der Vereinigten Staaten, die niemand jemals gekannt oder zu Gesicht bekommen hatte. Glauben Sie, die sind zufällig aufgetaucht?

Ihre Anhänger haben mir regelrecht, ich würde sagen, das Telefon heißlaufen lassen und verrückte Kommentare geschrieben: „Warum sind Sie nicht zu einer Debatte mit dem nächsten Schwindler gegangen?“, dessen  Agent, wie ich ebenfalls glaube, ein bekannter politischer Berater mit Verbindungen ins Ausland, hatte mir vorgeschlagen, diese Debatte auf dem zentralen Platz von Charkiw auf Russisch zu führen. Zum Teufel mit ihm. Und Oles Donij sollte die Debatte ebenfalls auf Russisch moderieren. Im Ernst, das ist doch alles Auftragsarbeit, verstehen Sie? Das ist doch keine journalistische Tätigkeit. Das ist ein Auftrag, der von bekanntlich wem erteilt wurde.

Und diese Menschen verschwinden ja nicht. Sie setzen ihr schmutziges Werk fort. Einer von ihnen erklärt jetzt, wie Georgien und Finnland sich mit Russland geeinigt hätten und warum wir uns nicht einigen. Er stellt sich dumm. Als wäre nicht klar, warum wir uns mit den Russen nicht einigen. Weil sie wahrscheinlich glauben, dass Finnen und Georgier andere Völker sind. Und deshalb dürfen sie dort vorerst im Vorzimmer warten, bis die wichtigsten Fragen geklärt sind. Wir aber seien ein Volk mit den Russen. Und deshalb wird jenen Ukrainern, die sich als Ukrainer betrachten, einfach das Existenzrecht abgesprochen. Und diese Leute versuchen in reinem Ukrainisch, diese Schweine, so zu tun, als würden sie das nicht bemerken. Dafür fehlen einem einfach die Nerven, verstehen Sie? Man hat keine Nerven mehr für diesen niederträchtigen Idiotismus. Nun ja, das sind Emotionen.

Ich werde die Fragen beantworten, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Was meinen Sie, sind diese Rechtfertigungen eine neue Fassade, und tut Trump alles, damit die Republikaner den Senat wiedergewinnen beziehungsweise behalten? Ergibt das in dieser Hinsicht irgendeinen Sinn?

Portnikov: Natürlich tut er alles, damit die Republikaner den Senat behalten. Deshalb kann er nicht besonders viel riskieren, zumal er bereits gesehen hat, dass es selbst unter den Republikanern nicht wenige Menschen gibt, die sich gegen seine sinnlose Dieselabsprache mit Putin ausgesprochen haben. Denn nochmals: Diese Absprache ergibt überhaupt keinen Sinn, außer dem Versuch, wissen Sie, das Fell des von Witkoff noch nicht erlegten Bären nicht zu beschädigen. Also die Lukoil-Aktien. Deshalb versucht er tatsächlich irgendwie, beides zu haben: seinen Vorteil zu bekommen und sich gleichzeitig nicht mit uns zu zerstreiten.

Frage: Könnte es sein, dass Trump versucht, sämtliche Geschäfte noch vor den Kongresswahlen abzuschließen, weil er versteht, dass sie im Falle einer Niederlage der Republikaner wesentlich schwieriger zu organisieren sein werden?

Portnikov: Nun, ich glaube nicht, dass es so viel schwieriger sein wird. Schließlich wird er die Kontrolle über die Außenpolitik behalten, ganz gleich, wie der Kongress zusammengesetzt sein wird. Aber es stimmt, dass er dann vielleicht einfach keine Zeit mehr für solche Geschäfte haben wird. Das ist realistisch. Dem stimme ich zu. Denn wenn der Kongress, selbst wenn es nur das Repräsentantenhaus ist, sich in einen Untersuchungsausschuss verwandelt und alles untersucht, was Trump und seine Administration in dieser Zeit angerichtet haben, können Sie sich nicht einmal vorstellen, was wir alles erfahren könnten. Es sei denn natürlich, wir werden in den Vereinigten Staaten sogar Zeugen eines Bürgerkriegs, denn Trump könnte die Niederlage einfach stumpfsinnig nicht anerkennen. Auch das ist möglich. Auch darauf muss man sich vorbereiten. Aber wenn er die Niederlage anerkennt und all das beginnt, dann wird uns Watergate, glaube ich, wie eine Kleinigkeit vorkommen. Sie können sich das Ausmaß dessen, was da geschehen könnte, einfach nicht vorstellen.

Frage: Wie stehen die Chancen, dass nach Trump der Ultralinke in den Vereinigten Staaten an die Macht kommt? Welche Folgen könnte das für die Ukraine haben?

Portnikov: Im Grunde habe ich keine Gewissheit, dass gerade in diesem Abschnitt des Wahlzyklus ein ultralinker Kandidat an die Macht kommen könnte, dass die Demokraten gerade einen solchen Kandidaten aufstellen werden. Ja, der ultralinke Flügel gewinnt innerhalb der Demokratischen Partei an Einfluss. Das stimmt. Ja, er kann bei der Auswahl des Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei eine sehr wichtige Rolle spielen. Das alles stimmt, aber er stellt dort keine Mehrheit. Das heißt, heute habe ich keine Gewissheit, dass eine Person wie beispielsweise Zohran Mamdani als Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei aufgestellt werden könnte.

Aber ich schließe nicht aus, dass sich die weitere Entwicklung der Ereignisse in den Vereinigten Staaten nach einem solchen Szenario vollziehen könnte, denn wir wissen nicht, was in den nächsten Jahren von Trumps Präsidentschaft geschehen wird. Denken Sie nur daran, dass wir noch nicht einmal zwei Jahre hinter uns haben. Dieses ganze, sagen wir, Feuerwerk der Ereignisse findet seit Februar 2025 statt. Praktisch sind das ein Jahr und acht Monate, noch nicht einmal zwei Jahre, und vor uns liegen noch zwei weitere Jahre. Sie können sich nicht einmal vorstellen, wie sie werden könnten. Stellen Sie es sich lieber gar nicht vor.

Ich sage immer: Wenn es während dieser Präsidentschaft keinen Dritten Weltkrieg gibt, wird das schon ein riesiger Erfolg sein, ein solcher Erfolg. Wenn Trump im Winter 2029 das Oval Office verlässt und es bis dahin noch keinen Dritten Weltkrieg gegeben hat, dann werden wir sagen: „Mein Gott, mein Gott, was haben wir für ein Glück gehabt. Was haben wir für ein Glück gehabt.“ Verstehen Sie, wir hätten mit Zelensky so viel Glück haben müssen. Wenn Zelensky sein Amt ohne einen russisch-ukrainischen Krieg verlassen hätte, wäre das ein Glück gewesen. Aber wir hatten kein Glück, denn im Grunde war der Krieg durch die Wahl Zelenskys vorprogrammiert. Die Wahl Trumps programmiert den Dritten Weltkrieg vor. Nun, wir werden sehen. Nicht immer geschieht alles nach Programm. Wir sind schließlich alle lebendige Menschen.

Aber ich glaube nicht, dass ein ultralinker Kandidat ein gewaltiges Problem für die Ukraine wäre. Für Israel könnte das ein großes Problem sein. Das ist eine Tatsache. Die Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten könnten sich bis zur Unkenntlichkeit verändern. Die Ukraine aber ist ein Land, das immerhin in beiden politischen Parteien Unterstützung genießt. Die Mehrheit der Bürger der Vereinigten Staaten unterstützt die Ukraine und nicht Russland. Deshalb würde ich nicht sagen, dass sich dort etwas so Wesentliches ändern wird.

Aber hören Sie, wir müssen bis 2029 überleben. Die nächsten Jahre werden sehr schwere Kriegsjahre sein. Deshalb sollten wir nicht darüber nachdenken, was 2029 sein wird, sondern versuchen, bis 2029 zu überleben. Auch das ist eine Aufgabe mit fünf Sternchen.

Frage: Gibt es oder kann es wirkliche Voraussetzungen für einen Friedensvertrag zwischen der Ukraine und Russland geben? Gibt es historische Beispiele dafür, dass wir einen dauerhaften Frieden erreichen könnten?

Portnikov: Nein. Wenn ein Land einem anderen das Existenzrecht abspricht und glaubt, dass sich dieses Land auf seinem historischen Territorium befindet, dann gibt es keinerlei Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden zwischen diesem Land und jenem Land, das ihm und sogar seinem eigenen Volk das Existenzrecht abspricht. Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden zwischen Russland und der Ukraine wird es nie wieder geben.

Sie können fragen, warum es früher anders war. Weil man in Russland von 1991 bis ungefähr 2014 der Meinung war, dass die Eingliederung der Ukraine mit politisch-wirtschaftlichen Mitteln erfolgen würde und man keine Gewalt anwenden müsse. Der Sieg des Maidan 2013–2014 und der Zusammenbruch des prorussischen Regimes Janukowytschs, das die Institutionen des ukrainischen Staates selbst hätte demontieren sollen, denn russische Aufseher saßen bereits in all unseren Behörden und einige russische Staatsbürger leiteten sogar solche Behörden, beispielsweise das Verteidigungsministerium.

Die Schlussfolgerung war vollkommen eindeutig: Ohne Gewaltanwendung würde es nicht gelingen, die Ukraine einzugliedern. Das heißt, wenn es uns gelingt, Russland zurückzuschlagen, werden wir für eine gewisse Zeit die Möglichkeit erhalten, uns auf die nächste Konfrontation vorzubereiten. Und wenn wir einen ausreichend starken Staat schaffen und nicht auf Idioten hören, die uns sagen werden, dass jetzt Frieden herrsche, dann wird Russland uns beim nächsten Mal vielleicht nicht angreifen, sondern sich ausschließlich mit der politischen und wirtschaftlichen Destabilisierung der Ukraine beschäftigen und nichtmilitärische Mittel einsetzen.

Dann werden wir, bildlich gesprochen, so leben wie Israel in der Zeit zwischen den Kriegen. Terror, Sabotage, politische Morde, irgendwelche Explosionen in Rüstungsbetrieben, aber zu einem regelrechten Krieg wird es nicht kommen. Oder es wird kurze Kriege geben. Ich sage immer, dass das Glück der Ukraine im Grunde in kurzen Kriegen und lang anhaltendem Frieden liegt.

So werden die Beziehungen zu Russland aussehen. Aber damit wir einen dauerhaften Frieden mit Russland haben können, müsste Russland die Idee einer möglichen Eingliederung der Ukraine selbst aufgeben. Wenn der Krieg Russlands gegen die Ukraine mit einem gewissen Abflauen endet und wir in den nächsten Jahrzehnten keine aktiven Kampfhandlungen zulassen, weil wir ein starker militärisch ausgerichteter Staat an der Grenze zu Russland sein werden, dann werden jene Kinder, die ungefähr jetzt geboren werden und zum Zeitpunkt des Endes der Kampfhandlungen in die erste Klasse gehen werden, sagen wir, ich weiß nicht, in welchem Jahr das sein wird, nehmen wir das Jahr 2030, also Kinder des Geburtsjahres 2023, wenn sie erwachsen werden und die Mehrheit der Bevölkerung stellen, also etwa in den Jahren 2063 bis 2069, die Ukraine tatsächlich als einen anderen Staat wahrnehmen. Sie werden nichts mit ihr gemeinsam haben. Sie werden niemals hier gewesen sein, werden das Land nicht als etwas betrachten, das ihnen gehört. Vielleicht als etwas Feindliches, aber nicht als etwas Eigenes. Dann könnten in den sechziger oder siebziger Jahren des 21. Jahrhunderts gewisse Voraussetzungen für die Unterzeichnung irgendeines Friedensabkommens entstehen. Vielleicht aber auch nicht. Zwischen den beiden Koreas geschieht das schließlich auch nicht. Ungefähr so. Aber solche Chancen wird es in den siebziger und achtziger Jahren des 21. Jahrhunderts geben.

Frage: Sehen Sie ein realistisches Szenario, in dem Donald Trump aufhört, Druck auf die Ukraine auszuüben, und beginnt, systematisch Druck auf Putin auszuüben? Oder sollte die Ukraine anerkennen, dass das niemals geschehen wird?

Portnikov: Ich denke, dass das niemals geschehen wird. Ich sehe für Donald Trump keinen Grund, systematisch Druck auf Putin auszuüben und aufzuhören, Druck auf die Ukraine auszuüben. Wozu denn? Wozu sollte er systematisch Druck auf Putin ausüben? Wenn er darüber besorgt ist, dass Russland sich China noch weiter annähern könnte, wenn er Russland von China lösen will, wozu sollte er dann systematisch Druck auf Putin ausüben? Man muss einfach verstehen, dass diese Präsidentschaft so sein wird. Sie sollte auch so sein. Sie ist für uns übrigens, das muss ich Ihnen sagen, Freunde, viel besser, als man sich Trumps Präsidentschaft vorgestellt hatte. Sowohl in unserer Vorstellung als auch, würde ich sagen, in Putins Vorstellung, denn Putin hatte mit Trumps Präsidentschaft wesentlich größere Hoffnungen verbunden als das, was er bekommen hat. Also wollen wir das Schicksal nicht herausfordern. Trump ist gezwungen, diese offensichtliche Unterstützung für die Ukraine zu berücksichtigen, die ich mehrfach beobachtet habe und die es in der amerikanischen Gesellschaft gibt. Zweifellos gibt es sie.

Frage: Wird Trump nach den Zwischenwahlen über genügend Ressourcen verfügen, um Russlands Sieg im Krieg zu garantieren?

Portnikov: Nein, Russlands Sieg im Krieg hängt nicht von Trump ab. Russlands Sieg im Krieg hängt von der ukrainischen Armee, vom ukrainischen Volk und von ihrer Fähigkeit ab, dem russischen Aggressor Widerstand zu leisten. Wenn die Ukraine dazu bereit ist, wird es keinen Sieg Russlands im Krieg geben, denn Russland verfolgt im Krieg wesentlich maximalistischere Siegesziele als wir. Unser Ziel ist es, den Angriff abzuwehren. Unser Maximalziel ist es, unsere Staatsgrenzen von 1991 wiederherzustellen. Und Russlands Maximalziel ist es, die Ukraine vollständig zu zerstören, die ukrainischen Gebiete von Transkarpatien bis Charkiw der Russischen Föderation einzuverleiben und den größten Teil der ukrainischen Bevölkerung zu vernichten, indem man sie über die Grenzen vertreibt, die Städte in Ruinen verwandelt und das Territorium der Ukraine mit Russen besiedelt. Und das sind nicht meine Worte, das sind die Worte des Beraters des russischen Präsidenten, dieses Koltunow, der genau das gesagt hat: „Die Ukraine nähert sich bereits der Grenze ihrer Existenz, und nur Russland kann sie retten, so wie es sie immer gerettet hat, durch die Umsiedlung von Menschen aus dem Gebiet der Russischen Föderation.“ Denn man könnte sagen, dass ich irgendwelche unglaublich radikalen Dinge erzähle, dass ich mir etwas ausdenke. Ich zitiere doch immer. Ich denke mir das doch nicht einfach selbst aus. Ich zitiere Ihnen einfach russische Beamte. Sie wollen ihnen nur nicht glauben, diejenigen, die mit mir streiten. Nun, glauben Sie ihnen nicht. Wenn man Ihnen die Kehle durchschneidet, werden Sie schon glauben. Wo liegt das Problem?

Frage: Welchen Sinn haben Geschäfte mit Russland, wenn die Demokraten sie für Ermittlungen gegen Trump nutzen können? Sich die Taschen vollstopfen und sich nach 2028 selbst begnadigen?

Portnikov: Nun, natürlich ist die Bereicherung eines der wichtigsten Ziele dieser Präsidentschaft. Außerdem könnte Trump in einer Welt unmittelbarer Ziele leben. Er könnte nicht daran glauben, dass es irgendwelche Ermittlungen geben wird, die ihn wirklich bedrohen. Er ist ein Kämpfer. Sie konnten doch bemerken, dass er ein Kämpfer ist. Wie er in der Zeit zwischen seinen Präsidentschaften für sich gekämpft hat, wie er ins Oval Office zurückgekehrt ist. Er wird auch weiterhin für sich und sein Geld kämpfen. Deshalb wird er sich nicht davon ablenken lassen, dass die Demokraten ihm irgendwelche Steine in den Weg legen werden. Diese Menschen denken nicht nach, sie denken: „Wir werden sowieso alles bekommen, wir werden sowieso alle ausnehmen und wissen schon, was wir tun werden.“ Das ist eben dieser Typus von Oligarch.

Also ist das alles, wie mir scheint, zum heutigen Zeitpunkt vollkommen verständlich. Alles andere ist unverständlich. Und wir werden verfolgen, wie sich diese Situation weiterentwickelt. Wir werden in den nächsten Tagen darüber sprechen. Vielleicht beruhigt sich alles ein wenig. Aber ich sage Ihnen noch einmal das, was ich seit diesem Dieselgeschäft zwischen Trump und Putin unermüdlich wiederhole: Denken Sie daran, dass wir uns in einer schwierigen Wahlkampfphase in den Vereinigten Staaten von Amerika befinden und dass uns bis zum 3. November noch unzählige Überraschungen erwarten. Deshalb sollte man sich mit Beruhigungsmitteln eindecken, unsere Nerven sind ja jetzt bei all diesen Beschüssen, Angriffen, Shahed-Drohnen und so weiter ohnehin bestens, und nicht mit übersteigerten Emotionen auf Donald Trump reagieren. Man muss verstehen, dass es für ihn jetzt sehr, sehr schwer ist. Nicht so schwer wie für uns, aber auch nicht besonders einfach.


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Titel des Originals: Трамп виправдовується перед українцями | Віталій Портников. 13.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 13.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Zelensky antwortet auf Trumps Waffenruhe | Vitaly Portnikov. 12.20.2026.

Volodymyr Zelensky betonte in seiner Ansprache an das Warschauer Sicherheitsforum erneut, dass die Ukraine bereit sei, der vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump vorgeschlagenen Waffenruhe im Energiebereich zuzustimmen, falls die Russische Föderation ihre Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur einstellt.

Zelensky erinnerte daran und betonte, dass dies auch den Amerikanern gut bekannt sei: Die Ukraine verfügt über keine bedeutenden Erdölraffinerien, während Russland versucht, ihre Energieinfrastruktur außer Betrieb zu setzen. Und die Ukraine ist bereit, ihre Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation einzustellen, sobald Russland seine Angriffe auf die Energieanlagen der Ukraine beendet.

Er betonte ironisch, dass die russischen Shahed-Drohnen offenbar nicht mit den Inhalten sozialer Netzwerke vertraut seien. Damit meinte er, dass die Russen, nachdem Donald Trump bereits eine Mitteilung über eine Waffenruhe im Energiebereich zwischen Russland und der Ukraine veröffentlicht hatte, ein Heizkraftwerk in Charkiw angegriffen und damit ihre völlige Missachtung der Vorschläge des amerikanischen Präsidenten demonstriert hatten. Obwohl, warum völlige Missachtung? Die Amerikaner können durchaus verstehen, dass die Erdölraffinerien der Russischen Föderation und die Energieanlagen der Ukraine genau das sind, was bei der Vereinbarung einer Waffenruhe Gegenstand der Gespräche sein muss. Aber etwas zu verstehen und Bedingungen vorzuschlagen, ist keineswegs dasselbe.

Derzeit sieht die sogenannte Waffenruhe im Energiebereich von Donald Trump ganz offensichtlich so aus: Die Ukraine muss ihre Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation einstellen. Und Russland muss seine Angriffe auf Erdölraffinerien oder andere Anlagen desselben Typs in der Ukraine einstellen. Dabei spielt es offenbar keine Rolle, dass es solche Anlagen praktisch nicht gibt. Und die einzige Erdölraffinerie der Ukraine wurde durch russische Angriffe bereits zu Beginn des großen Krieges Russlands gegen seinen Nachbarstaat außer Betrieb gesetzt. Wenn die Ukraine ihre Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation einstellt, könnten die Russen theoretisch – und mir scheint, dass dies nur in den Fantasien des amerikanischen Präsidenten existiert – erwägen, ihre Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine, auf Heizkraftwerke, auf Umspannwerke und auf andere wichtige Anlagen der Energieversorgung einzustellen.

Und was geschieht, wenn die Russen einem solchen Vorschlag nicht zustimmen? Aus Sicht des Weißen Hauses wird nichts geschehen. Die Ukrainer werden einfach keine Angriffe mehr auf die Erdölverarbeitungsinfrastruktur Russlands durchführen. Und wenn sie sich weigern, einen solchen Verlauf der Ereignisse hinzunehmen, wird man im Weißen Haus Kyiv vorwerfen können, die von Trump verkündete Waffenruhe im Energiebereich verletzt zu haben, und sich auf diese Weise weigern können, der Ukraine weiterhin Hilfe zu leisten.

Und ja, das ist eine ganz gewöhnliche Falle für Kyiv und eine Chance für Moskau. Und ich schließe nicht einmal aus, dass die Einzelheiten dieser erstaunlichen Konstruktion während des letzten Telefongesprächs des Präsidenten der Vereinigten Staaten mit dem Präsidenten der Russischen Föderation besprochen worden sein könnten. Nicht umsonst konnten Donald Trump und Putin nach Angaben des Beraters des russischen Präsidenten, Jurij Uschakow, lange nicht auflegen und setzten ihre Diskussion fort. Worüber?

Schon die Idee, Dieselkraftstoff in geringer Menge aus Russland zu kaufen, sieht wie eine regelrechte Falle für die Ukraine aus. Die Vereinigten Staaten brauchen diesen Dieselkraftstoff nicht. Die Vereinigten Staaten exportieren jeden Monat sechs Millionen Tonnen dieses Kraftstoffs. 300.000 Tonnen Dieselkraftstoff aus Russland haben auf nichts einen Einfluss. Auch nicht auf den Dieselpreis auf dem Weltmarkt.

Und als Donald Trump diese Vereinbarung mit Putin verkündete, konnten sich Beobachter natürlich kaum der Frage entziehen, wozu die beiden das alles tun und warum Trump dies als gewaltigen Sieg verkündet. Ob er tatsächlich glaubt, dass auf diese Weise die Preise an amerikanischen Tankstellen sinken könnten. Und selbst wenn man sich vorstellt, dass ein solches Modell funktionieren würde, wobei völlig unklar ist, weshalb, stellt sich die Frage, wann dies geschehen könnte und ob bis dahin nicht bereits die Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress stattgefunden haben werden.

Jetzt haben wir grundsätzlich eine Antwort auf die Frage, die so schwierig erschien, nachdem Donald Trump die Ergebnisse seines Telefongesprächs mit dem Präsidenten der Russischen Föderation bekannt gegeben hatte. Es geht überhaupt nicht um den Dieselkraftstoff als solchen. Donald Trump braucht seinen Kauf nicht. Putin kann die geringen verbliebenen Dieselüberschüsse auch ohne Genehmigung des amerikanischen Finanzministeriums verkaufen, wie er es all diese Jahre getan hat, als er monatlich drei Millionen Tonnen Dieselkraftstoff ohne jede amerikanische Genehmigung absetzte. Denn in Peking oder Neu-Delhi schert man sich einen Dreck um die Genehmigungen des Ministeriums von Scott Bessent. Auch das muss man verstehen.

Aber die Vereinbarung zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation schafft aus Sicht von Trump und Putin die Möglichkeit, eine Falle für die ukrainische Führung zu konstruieren, um sie unter der Drohung, die militärische Hilfe und den Austausch von Geheimdienstinformationen durch die Vereinigten Staaten einzustellen, dazu zu zwingen, ihre Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation zu beenden. Wenn Kyiv dem nicht zustimmt, kann man darauf hoffen, dass eine Verringerung des Umfangs der Geheimdienstinformationen Russland ermöglichen wird, die Energieinfrastruktur der Ukraine schneller zu zerstören und Kyiv auf diese Weise zur Kapitulation zu zwingen.

Und dabei kann Trump glauben, dass er für diese Kapitulation nicht verantwortlich ist, weil die Ukraine die Bedingungen der Waffenruhe im Energiebereich verletzt und dadurch eine Situation geschaffen habe, in der ihr nichts anderes übrig geblieben sei, als vor Russland zu kapitulieren. Keine Ukraine, keine Probleme für diese Administration.

Die Forderungen nach einem Wechsel des ukrainischen Präsidenten passen vollkommen in diese Konstruktion, die Trump mit Putin besprochen haben könnte. Der amerikanische Präsident übt Druck auf den ukrainischen Präsidenten aus und droht ihm mit dem Verlust seiner Macht, falls er sich nicht darauf einlässt, in diese Falle zu tappen, und seine Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation nicht einstellt. Nicht umsonst begrüßte Putins Sonderbeauftragter Kirill Dmitrijew, der Witkoff und Kushner in den vergangenen Monaten gerade mit gewaltigen Gewinnen aus dem Erwerb von Lukoil-Aktien durch sie und ihnen nahestehende Personen den Kopf verdreht hat, Trumps Erklärung über die Notwendigkeit eines Machtwechsels in der Ukraine mit solcher Freude und bezeichnete sie als historisches Ereignis.

Es handelt sich also um ein ziemlich einfaches, primitives Schema zur Einflussnahme auf einen Partner. Und der größte Fehler in Kyiv wäre es, sich darauf einzulassen, an diesem Schema mitzuwirken. Zelenskys Formulierung ist vollkommen logisch und transparent. Die Ukraine kann ihre Angriffe auf den Erdölverarbeitungskomplex der Russischen Föderation nur dann einstellen, wenn die Russische Föderation auf Angriffe gegen die Energieinfrastruktur der Ukraine verzichtet. Und darauf wird sie nicht verzichten, weil dies kein Bestandteil des Geschäfts zwischen Trump und Putin ist.

Wenn die ukrainischen Angriffe auf die Erdölraffinerien Russlands fortgesetzt werden und erfolgreich sind, wenn sie alle Möglichkeiten einer künftigen Entwicklung der russischen Erdölverarbeitungsindustrie und den Wert der Lukoil-Aktien zerstören, dann werden sowohl der Präsident der Russischen Föderation als auch der Präsident der Vereinigten Staaten, Sie werden sehen, mit uns in einem anderen Ton sprechen. Man darf sich nicht auf Erpressung einlassen, die zudem primitiv und selbstverliebt wirkt, wie es bei Menschen, die sich längst von der Realität entfernt haben, immer der Fall ist.


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Titel des Originals: Зеленський відповів на перемирʼя Трампа | Віталій Портников. 12.20.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 12.20.2026.
Originalsprache: uk
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Interview mit Zelensky: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 03.10.2026.

Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, betonte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Ukraine ihre Angriffe auf die Erdölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation als Reaktion auf die Intensivierung neuer russischer Angriffe auf die Ukraine verstärken, dabei jedoch keine zivilen Objekte angreifen werde.

Zelensky sagt, der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, habe eine neue Doktrin beschlossen, in der es keinerlei Beschränkungen mehr hinsichtlich der Ziele gebe, auf die russische Raketen und unbemannte Luftfahrzeuge gerichtet werden könnten.

Meiner Ansicht nach ist der Grund für diese neue Doktrin jedoch nicht Putins Wut, die seit 2022 unvermindert anhält, sondern die Möglichkeit, die Ukraine ungestraft mit Raketen und Drohnen anzugreifen, solange es nicht genügend Raketen für die Patriot-Luftverteidigungsbatterien und auch keine ausreichenden Möglichkeiten gibt, strahlgetriebene Drohnen abzuschießen. Und wenn sich dieses Zeitfenster der russischen Möglichkeiten schließt, werden natürlich auch die Angriffe zurückgehen, die heute gegen zivile Objekte in der Ukraine geführt werden.

Die Worte, dass die Ukraine ihre Angriffe auf die Erdölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation fortsetzen werde, sind im Grunde nicht nur eine Antwort an Putin, sondern auch an den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der die Ukraine wiederholt dazu aufgerufen hat, diese Angriffe einzustellen. Er begründete dies damit, dass gerade infolge dieser Angriffe die Dieselpreise weltweit und auch an den amerikanischen Tankstellen rapide zu steigen begonnen hätten.

Übrigens stimmt, so seltsam es klingen mag, nicht nur Zelensky dieser Erklärung Trumps nicht zu, mit der dieser die Situation um die Blockade der Straße von Hormus zu kaschieren versucht, sondern auch der russische Präsident Putin. Dieser betonte bei seinem Auftritt auf einer Diskussionsrunde des Waldai-Klubs, dass sein Land über genügend Kraftstoff verfüge, westliche Sanktionen jedoch verhinderten, dass dieser Dieselkraftstoff auf den Weltmarkt gelange.

Als Zelensky über die Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges sprach, zeigte er sich keineswegs optimistisch. Er betonte, dass die Bemühungen der Administration von Präsident Donald Trump um eine Wiederaufnahme solcher Verhandlungen bislang zu keinen konkreten Ergebnissen geführt hätten. Nach Ansicht des ukrainischen Staatschefs ist der russische Präsident Putin weder an irgendwelchen Friedensverhandlungen noch auch nur an einer Diskussion über einen Waffenstillstand im Bereich der Energieinfrastruktur interessiert.

Diese Worte Zelenskys werden auch durch die Äußerungen Putins selbst bestätigt, der bei seinem Auftritt beim Waldai-Klub bereits die Vorschläge für eine Energiewaffenruhe als absurd bezeichnete und damit jegliche Bemühungen der amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner zurückwies, die vor Kurzem Moskau und Kyiv besucht hatten – mit einem Besuch, der im Hinblick auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges ergebnislos blieb.

Im Grunde wird gerade jetzt deutlich, worin der eigentliche Sinn dieser Reise bestand. Wie sich herausstellt, führen die Vereinigten Staaten mit der Russischen Föderation Verhandlungen über den Verkauf von Vermögenswerten des russischen Ölkonzerns Lukoil in aller Welt. Bekanntlich ist dieses Unternehmen von amerikanischen Sanktionen betroffen. Und zu den Unternehmen, die an einem solchen Kauf interessiert sind, gehören auch solche, die unmittelbar mit dem Schwiegersohn von Präsident Trump, Jared Kushner, und Trumps Sondergesandtem und engem Freund Steve Witkoff verbunden sind. Angeblich war es Putin selbst, der Witkoff und Kushner bei ihrem jüngsten Treffen im Kreml ein solches Angebot machte.

Dann wird verständlich, worüber die amerikanischen Vertreter mit dem russischen Präsidenten tatsächlich sprechen und wie sehr sie der Friedensprozess selbst wirklich interessiert angesichts der Gewinne, die sich durch den Kauf von Vermögenswerten eines der größten russischen Ölkonzerne erzielen ließen.

Somit können wir feststellen, dass der einzige Ansatz der ukrainischen Führung für die nächste Phase der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation weiterhin darin besteht, das russische Energiepotenzial zu verringern.

Gleichzeitig kann die Ukraine natürlich aus mehreren Gründen nicht zu Angriffen in einem solchen Ausmaß greifen, wie sie die Russische Föderation gegen unser Land führt.

  • Erstens verfügt die Ukraine bislang nicht über eigene ballistische Waffen. Ein wichtiger Punkt ist dabei, dass Zelensky in seinem Reuters-Interview bereits über die Perspektiven der Entwicklung ballistischer Waffen spricht.
  • Zweitens verfügt die Ukraine nicht über jenes Zeitfenster, das Russland heute für seine ballistischen Angriffe und für Angriffe mit Raketen hat, die im Grunde strahlgetriebene „Shaheds“ sind.
  • Drittens kann die Ukraine schon aus Gründen ihrer eigenen Selbstachtung nicht so barbarisch Krieg führen wie Russland. Hinzu kommt, dass ein Krieg gegen den zivilen Sektor der russischen Wirtschaft und gegen Wohnviertel russischer Städte die Unterstützung für die Ukraine im Westen infrage stellen und die Position derjenigen stärken könnte, die für ein Ende dieser Unterstützung eintreten.

Das versteht auch Putin sehr gut. Gerade deshalb verstärkt er seine Angriffe auf die Ukraine, um die ukrainische Gesellschaft zu der Überzeugung zu bringen, dass sie vor der Russischen Föderation und ihren verbrecherischen Angriffen kapitulieren müsse. Und das ist ein klassischer historischer Moment, in dem eine barbarische Zivilisation, die vor massiven Angriffen auf Wohnviertel nicht zurückschreckt und deren Vertreter sich faktisch über die Tötung von Zivilisten freuen und dies als Vergeltung bezeichnen, darauf hofft, einen Vorteil gegenüber Zivilisationen zu erlangen, die an Menschlichkeit und am Respekt vor dem Leben festhalten – selbst vor dem Leben der Bürger jenes Landes, das sich in eine regelrechte terroristische Organisation verwandelt hat, die sich als Staat tarnt. Und darin liegt natürlich der eigentliche Kern jener Konfrontation, die wir im russisch-ukrainischen Krieg beobachten.

Deshalb bleiben die Wirksamkeit der Angriffe auf die russische Wirtschaft, die Zerstörung des Erdölverarbeitungssektors der Russischen Föderation, die Verringerung der russischen Ölförderung und der Nachweis, dass die russischen Streitkräfte nicht in der Lage sind, weitere Teile des ukrainischen Territoriums zu erobern, tatsächlich wichtige Instrumente, um die russische Aggression zu stoppen und Putin und sein Umfeld davon zu überzeugen, dass selbst derart brutale Mittel im Krieg gegen unser Land weder zur Kapitulation der Ukraine noch zu dem von Putin ersehnten Verschwinden des ukrainischen Staates von der politischen Landkarte der modernen Welt führen können. Und wir verstehen sehr gut, dass genau dies das Ziel sowohl von Putins Offensive als auch von Putins Angriffen auf Kyiv und andere ukrainische Städte und Ortschaften ist. 


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Titel des Originals: інтервʼю Зеленського: головне | Віталій Портников. 03.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 03.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Trumps neuer Plan | Vitaly Portnikov. 29.09.2026.

In den Medien erscheinen Berichte darüber, dass die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, ein mögliches trilaterales Treffen auf neutralem Boden vorbereiten – derzeit ist von arabischen Hauptstädten die Rede – zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und der Ukraine. Das Hauptziel dieses Treffens ist es, eine Energiewaffenruhe zu erreichen. Dabei sehen wir, dass man in der russischen Hauptstadt keinerlei wirkliche Bereitschaft zeigt, einer solchen Energiewaffenruhe zuzustimmen.

Und hier stellt sich die Frage: Was treibt die Vereinigten Staaten, was treibt die Administration Donald Trumps an, wenn sie tatsächlich versucht, diese Energiewaffenruhe zu erreichen? Hofft man in Washington tatsächlich auf eine solche Entwicklung? Und wie vorteilhaft wäre eine solche Energiewaffenruhe derzeit für die Russische Föderation selbst?

Man könnte sagen, dass Russland tatsächlich ernsthaft unter dem leidet, was mit seiner Ölverarbeitungsindustrie geschieht. Die Ukraine greift weiterhin Ölraffinerien der Russischen Föderation an, ungeachtet der bekannten Haltung Washingtons. Und bislang gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass Kyiv bereit wäre, diese Angriffe einzustellen. Auch Russland verstärkt seine Angriffe auf die Ukraine und versucht, die ukrainische Infrastruktur vor dem Winter zu zerstören.

Und hier liegt meines Erachtens eine wichtige Antwort auf die Frage, warum es so schwierig ist, diese Energiewaffenruhe zu erreichen.Wir haben wiederholt darüber gesprochen, dass die Armeen beider Länder an der Front faktisch feststecken. Und man kann sagen, dass die russische Armee derzeit bei Lyman sogar die Angriffe des Gegners abwehren muss, Stellungen verliert, die von den Besatzern bereits eingenommen worden waren, und Soldaten verliert, die getötet, verwundet oder gefangen genommen werden. All das geschieht tatsächlich.

Und dann stellt sich die Frage: Welche realen Druckmittel hat die Russische Föderation gegenüber der Ukraine noch? Außer Angriffen auf die Energieinfrastruktur, außer dem Versuch, die Ukrainer in diesem Winter frieren zu lassen, außer dem Glauben daran, dass aus dem Gleichgewicht gebrachte und enttäuschte Ukrainer selbst von ihrer Regierung eine Kapitulation vor Russland zu Putins Bedingungen verlangen werden.

Stellen wir uns also vor, es käme zu einer Energiewaffenruhe. Welche Trümpfe könnte Russland in der weiteren Konfrontation mit der Ukraine noch haben? Nun, natürlich besteht noch die Möglichkeit einer Blockade der Handelswege, aber auch hier wird erheblicher Druck auf Russland ausgeübt, weil eine Unterbrechung der Getreidelieferungen aus der Ukraine den Ländern des Globalen Südens tatsächlich mit einer wirtschaftlichen und humanitären Katastrophe droht, die zu Aufständen, Revolutionen und zum Zusammenbruch von Regimen führen könnte, die absolut nicht bereit sind, sich als Opfer dieser möglichen Hungersnot zu sehen.

Und es ist klar, dass selbst Verbündete Russlands wie der Staatschef der Volksrepublik China Xi Jinping, wie der indische Ministerpräsident Narendra Modi und wie die Staats- und Regierungschefs von Ländern des Globalen Südens wie Ägypten und der Türkei versuchen werden, alles dafür zu tun, diesen Korridor zu öffnen. Das heißt, auch hier gibt es nicht viele Möglichkeiten, diesen Korridor weiterhin zu blockieren.

Es gibt also keine wirklichen Trümpfe außer diesem terroristischen Angriff, den wir in den letzten Tagen, den letzten Wochen, den letzten Monaten beobachten. Nun, wenn Sie so wollen, in den letzten Jahren. Gerade jetzt, in diesen Wochen schrecklicher Angriffe auf Kyiv, möchte ich die Gelegenheit nutzen, denjenigen, die unter diesen Angriffen gelitten haben, den Angehörigen der Getöteten und den Angehörigen der Verletzten mein aufrichtiges Mitgefühl auszusprechen. Das ist zum Hauptargument, zum wichtigsten Trumpf geworden.

Hier gibt es noch einen weiteren sehr wichtigen Punkt. Und die Ukraine? Wenn wir aufhören, die Ölraffinerien der Russischen Föderation anzugreifen, und uns bewusst machen, dass Russland sein Potenzial ausbaut, dass der Krieg nicht beendet ist, dass die russische Armee beispielsweise in der Region Donezk weiterhin in der Offensive ist. Putin aber bekommt dadurch, dass wir die Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation einstellen, zusätzliches Geld. Zusätzliches, sagen wir, Geld für den Krieg, mehr Geld für den Krieg, mehr Geld für die Armee, mehr Geld für Vertragssoldaten, die für einen weiteren Vormarsch der russischen Armee auf ukrainischem Territorium mobilisiert werden können.

Das heißt, einerseits retten wir uns vor einem kalten Winter, vor Stromabschaltungen, vor der Notwendigkeit, Menschen aus jenen Städten und Orten zu evakuieren, wo die Lage am schwierigsten sein wird. Andererseits programmieren wir gewissermaßen die Fortsetzung des russischen Krieges gegen die Ukraine auf unbestimmte Zeit vor, weil wir Russland die Möglichkeit geben, Geld für die Fortsetzung dieses Putin-Abenteuers zu verdienen. Genau das ist tatsächlich das Problem dieser Energiewaffenruhe.

Eine weitere wichtige Frage ist, warum die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten diese Waffenruhe überhaupt so vorantreibt. Man könnte sagen, dass es dafür keine wirklichen Gründe gibt außer Donald Trumps Suche nach Wegen, den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu beenden. Das ist eines seiner konkreten Versprechen. Wie Sie sich erinnern, wurde dieses Versprechen auch während des Wahlkampfs gegeben. Trump sagt weiterhin, der Krieg werde jeden Moment enden, und selbst wenn es ihm gelänge, wenigstens eine Energiewaffenruhe zu erreichen, wäre das bereits ein ernstzunehmendes Ergebnis im Hinblick auf das, was im russisch-ukrainischen Krieg geschieht. Er könnte sich dann bereits als Friedensstifter darstellen. Ein teilweiser Frieden zwar, aber Frieden. Friedliche Städte werden nicht beschossen, Zivilisten werden nicht getötet. Und all das wäre Trumps Verdienst.

Doch in Wirklichkeit finden all diese Gespräche über eine Energiewaffenruhe vor dem Hintergrund von Berichten statt, wonach Trump nach Möglichkeiten sucht, die Sanktionen gegen Russland zu lockern, und wonach einer der Mitarbeiter des Weißen Hauses, Coale, der bekanntlich mehrfach mit Alexander Lukaschenko zusammengetroffen ist und mit ihm über die Freilassung politischer Gefangener im Gegenzug für eine Lockerung der Sanktionen gegen Belarus verhandelt hat, dem amerikanischen Präsidenten dasselbe Modell für Russland vorgeschlagen hat.

Ich sage gleich, dass ich nicht weiß, wie dieses Modell in der Praxis umgesetzt werden soll. Was eine mögliche Lockerung der Sanktionen gegen Belarus betrifft, hatte Trump keinerlei Probleme mit einer solchen Entscheidung. Die Verabschiedung des Graham-Gesetzes macht es grundsätzlich unmöglich, Sanktionen gegen die Russische Föderation ohne Zustimmung des Kongresses zu lockern oder aufzuheben, wo sich dafür möglicherweise schlicht nicht die notwendige Zahl an Stimmen finden wird, insbesondere nach den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress im November.

Trump könnte jedoch darauf hoffen, dass er das Gesetz, das er gerade erst unterzeichnet hat, irgendwie umgehen kann, dass er den Kongressabgeordneten die Notwendigkeit einer Lockerung der Sanktionen gegen die Russische Föderation mit Fragen der nationalen Sicherheit erklären kann. Nun, letztlich: „Wollen Sie, dass Menschen, die seit Jahren in Gefängnissen der Russischen Föderation sitzen, weil sie für Frieden und Demokratie gekämpft haben, freikommen? Dann erlauben Sie dem Präsidenten, die Sanktionen gegen die Russische Föderation teilweise zu lockern.“ Und dieser Trumpf könnte grundsätzlich bei jedem Kongress funktionieren, denn für jeden Kongressabgeordneten wäre es sehr schwierig zu erklären, warum er einer Variante nicht zugestimmt hat, die es ihm ermöglichen würde zu sagen, dass Menschen aus russischen Gefängnissen gerettet wurden.

Wenn wir also als Axiom annehmen, dass Trump nach Möglichkeiten sucht, die Wirtschaftsbeziehungen zu Russland wiederherzustellen, und dass der Sondergesandte des Präsidenten der Russischen Föderation Kirill Dmitrijew sowohl Witkoff als auch Kushner ständig davon erzählt, welche riesigen Summen sich mit gemeinsamen russisch-amerikanischen Kontakten und Verträgen verdienen ließen, dann erscheint all das vollkommen folgerichtig. Eine Energiewaffenruhe wird erreicht. Russland beginnt, seine politischen Gefangenen gegen die Aufhebung von Sanktionen einzutauschen, und alle verdienen Geld. Ein guter Plan.

Nur stellt sich die Frage, inwieweit Russland bereit ist, diesem Plan zuzustimmen, inwieweit Russland tatsächlich bereit ist, irgendjemanden freizulassen, inwieweit Trump diese Sanktionen tatsächlich aufheben kann und inwieweit diese Energiewaffenruhe tatsächlich funktionieren kann. Das wissen wir wirklich überhaupt nicht und können es uns auch nicht vorstellen. Dass Trump es jedoch ernst meint, lässt sich zumindest daran erkennen, dass das Weiße Haus heute Coale, der, wie Sie sich erinnern, eine völlig untergeordnete Rolle im Apparat des Weißen Hauses spielte und eher Stellvertreter von Keith Kellogg war, der seinerseits in der Administration keinen großen Einfluss hatte, für das Amt des Sondergesandten für Geiselfragen im Rang eines Botschafters der Vereinigten Staaten nominiert hat.

Das heißt, faktisch können wir davon sprechen, dass diese Mission zur Freilassung von Gefangenen zu einem wichtigen Bestandteil von Donald Trumps Tätigkeit in den russisch-amerikanischen Beziehungen wird und dass genau dies in Wirklichkeit sein eigentlicher Friedensplan ist: die Beziehungen zu Putin, vor allem die Wirtschaftsbeziehungen, um jeden Preis wiederherzustellen, dabei aber einen solchen Vorwand zu finden, der Trumps eigener Reputation nicht schadet und es nicht erlaubt zu sagen, dass er Putin faktisch nachgibt, denn „was kann man schon gegen einen Menschen einwenden, der politische Gefangene freibekommt?“

Und erinnern Sie sich übrigens daran, wie viele politische Gefangene aus Belarus tatsächlich freigelassen wurden. Unter ihnen waren etwa der Nobelpreisträger Ales Bjaljazki und der Blogger Tichanovski, dessen Frau gezwungen war, für das Präsidentenamt in Belarus zu kandidieren, gerade weil er inhaftiert war und nicht am Wahlkampf teilnehmen konnte. Viele entweder prominente oder im Hinblick auf ihr Vermächtnis wichtige Menschen. Babaryka, derselbe, der als Lukaschenkos wichtigster Konkurrent bei der Präsidentschaftswahl galt, bis er ins Gefängnis kam.

In dieser Hinsicht ist also völlig offensichtlich, dass es reale Gründe für die Annahme gibt, dass Trump eine solche Variante grundsätzlich gefallen könnte. Schließlich macht Washington kaum jemand die Kontakte zu Belarus zum Vorwurf, wenn dabei politische Gefangene freigelassen werden. Dass dort bestimmte Wirtschaftssanktionen aufgehoben werden, dass die Vereinigten Staaten beabsichtigen, kanadisches Kali auf schwer nachvollziehbare Weise durch belarussisches zu ersetzen, obwohl die Größenordnungen überhaupt nicht vergleichbar sind – darüber spricht fast niemand, weil es jedem unangenehm wäre, als jemand aufzutreten, der gegen die Möglichkeit kämpft, denjenigen die Freiheit zu verschaffen, die für sie kämpfen.

Und das ist eine neue, ich würde sagen, Variante der weiteren Entwicklung. Sie wird das Ende des russisch-ukrainischen Krieges nicht näher bringen, aber sie wird Trumps Ruf als Friedensstifter verbessern. Und sie wird es erschweren zu sagen, dass Trump in Wirklichkeit einfach nur nach Wirtschaftsbeziehungen mit Putin und nach wirtschaftlichen Vorteilen sucht und das Thema der politischen Gefangenen lediglich zynisch benutzt, um seine eigenen Interessen voranzutreiben. Solche Vermutungen könnten den Präsidenten der Vereinigten Staaten nur empören, sollten sie überhaupt geäußert werden.

Aber nach diesen anderthalb Jahren können wir bereits zu dem Schluss kommen, dass gerade die Rückkehr zu wirtschaftlichen Beziehungen mit der Russischen Föderation grundsätzlich eines der wichtigen Ziele Trumps ist.

  • Erstens spricht er ständig darüber.
  • Zweitens betrachtet er den russisch-ukrainischen Krieg als ein, ich würde sagen, Problem, das die Wiederherstellung dieser Beziehungen verhindert.
  • Drittens tritt er jedes Mal mit einer neuen Initiative auf.

Und das entspricht tatsächlich unserem heutigen Verständnis davon, wie die Administration der Vereinigten Staaten ihre Herangehensweise an den Krieg Russlands gegen die Ukraine gestaltet.. Es ist unklar, zu welchen praktischen Folgen dies führen wird. Es ist unklar, inwieweit der Präsident der Vereinigten Staaten grundsätzlich Einfluss auf den Präsidenten der Russischen Föderation nehmen kann, sodass dieser tatsächlich zumindest einer teilweisen Waffenruhe im russisch-ukrainischen Krieg zustimmt. Es ist unklar, wozu Putin das braucht. Es ist unklar, wozu Trump das braucht.

Gleichzeitig können wir jedoch sagen, dass sich die Ereignisse weiterentwickeln und dass wir noch diese Wochen bis zu den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress haben. Trump hat das Gefühl, dass er diese Wahlen verliert. Er sucht verzweifelt nach Themen, mit denen er punkten könnte. Das Thema einer russisch-ukrainischen Friedensregelung sollte eines dieser Themen sein.

Nicht zufällig erwähnt er ständig die Ukraine, wenn es um den Anstieg der Dieselpreise geht, und bezeichnet sie als das Land, das für diese Situation verantwortlich sei. Zuletzt geschah das buchstäblich innerhalb der vergangenen 24 Stunden, als er ausdrücklich sagte, er habe Präsident Volodymyr Zelensky sogar gesagt, dass die Angriffe auf russische Ölraffinerien eingestellt werden müssten, und der ukrainische Präsident habe ihm angeblich geantwortet, er verstehe, dass dies der ganzen Welt Probleme bereite, und müsse darüber nachdenken.

Das entspricht überhaupt nicht der Realität. In Wirklichkeit werden die Angriffe auf die Ölraffinerien fortgesetzt. In Wirklichkeit sagt Zelensky, dass für die Ukrainer das Leben ihrer Landsleute weitaus wichtiger ist als Öl. Trump hält jedoch zumindest gegenüber seinem eigenen Publikum weiterhin ein Bild der Realität aufrecht, das diesem Publikum, sagen wir so, zugänglich ist. Nur wird dieses Publikum zusammen mit den Zustimmungswerten des amerikanischen Präsidenten kleiner, und das kann Trump nur beunruhigen.

Was kann also tatsächlich geschehen? Nun, grundsätzlich könnte es überhaupt keine wirkliche Entwicklung geben. Russland wird einer Energiewaffenruhe nur in einer Situation zustimmen, in der es tatsächlich den Löwenanteil seines Ölverarbeitungskomplexes verloren hat und der Kauf von Ölprodukten gegen Devisen oder aufgrund irgendwelcher Vereinbarungen mit Indien oder China – der Tausch von Öl gegen Ölprodukte, allerdings in anderen Mengen und zu anderen Preisen – zu einer wirtschaftlichen Realität für die Russische Föderation wird. Von dieser Realität werden sie wegkommen wollen. Aber wiederum: Wenn jemand aus einer Realität herauskommen will, in der er sich wiederfindet, muss dieser Jemand nicht unbedingt Putin sein, denn Putin lebt, wie wir sehen, in seiner eigenen Realität.

Ich bin überzeugt, dass all diese trilateralen Treffen, all diese Einladungen zum G20-Treffen den russischen Präsidenten nur darin bestärken, dass er auf dem richtigen Weg ist und dass die Vereinigten Staaten ihn ohnehin nicht daran hindern können, die Ukraine zu vernichten, selbst wenn sie versuchen sollten, die Wiederaufnahme wirtschaftlicher Kontakte an Bedingungen wie ein Ende des Krieges zu knüpfen. Es ist bereits offensichtlich, dass für Putin die Fortsetzung des Krieges wichtiger und dringlicher ist als irgendwelche Verträge mit den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Ländern und dass er sich der wirtschaftlichen Folgen der ukrainischen Angriffe möglicherweise nicht einmal bewusst ist.

Es ist natürlich merkwürdig, dass wir im viereinhalbten Jahr des Krieges darüber diskutieren, ob Putin zu einem Treffen der G20 kommen kann, bei dem die überwiegende Mehrheit der westlichen Politiker natürlich nicht mit ihm sprechen wird. Es ist natürlich merkwürdig, dass die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten nach viereinhalb Jahren Krieg nach Möglichkeiten sucht, während des Krieges die Wirtschaftsbeziehungen mit der Russischen Föderation wiederherzustellen, während Putin keinen einzigen Vorschlag Trumps für eine Waffenruhe beachtet. Aber in einer solchen Welt leben wir. Und diese Welt entspricht, wie wir sehen, vollkommen den Vorstellungen, die Menschen wie Trump und Putin von ihr haben. Zumindest versuchen beide, diese Welt jeweils in ihrem eigenen Land entsprechend ihren Möglichkeiten umzugestalten.

Für Trump ist das viel schwieriger als für Putin, weil Trump immerhin Präsident eines demokratischen Landes ist, in dem die Menschen die Erfüllung von Versprechen erwarten und völlig anders wählen, wenn diese Versprechen nicht erfüllt werden. Putin dagegen kann sich problemlos in seine eigene Realität zurückziehen, weil er sehr gut versteht, dass es keine andere Entwicklung geben wird und dass seine Gesellschaft ihn ganz sicher nicht daran hindern wird, all das zu tun. Auch das sehen wir bereits.

Der einzige Weg zu dieser Energiewaffenruhe besteht also tatsächlich in den Möglichkeiten der ukrainischen Streitkräfte, russische Ölraffinerien in einem solchen Umfang anzugreifen, dass die Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation tatsächlich ausgeschaltet wird und Bohrlöcher stillgelegt werden müssen. Im Grunde ist das eine sehr einfache Erfolgsformel. Man muss die wirtschaftlichen Verluste der Russischen Föderation für die russische Führung zu einem größeren Problem machen als Putins Wunsch, den Krieg bis zum endgültigen Verschwinden der Ukraine von der politischen Landkarte der Welt fortzusetzen.

Paradox ist in dieser Situation auch, dass wir sehr gut verstehen, dass Putin den ukrainischen Staat nicht vernichten kann und dass selbst seine terroristischen, brutalen Angriffe auf ukrainische Städte, vor allem auf Kyiv, die Vernichtung dieses Staates und den Wunsch der ukrainischen Gesellschaft nach Kapitulation nicht näher bringen. Wir verstehen ebenfalls, dass wir den Ölverarbeitungskomplex der Russischen Föderation nicht vollständig ausschalten können. So oder so wird er weiterarbeiten.

Aber das Modell besteht darin, dass jeder etwas erreichen will, was er nicht vollständig erreichen kann. Obwohl ich Ihnen ganz offen sage: Die Möglichkeiten, die Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation zu zerstören, sind wesentlich größer als die Möglichkeiten, den Zusammenbruch des ukrainischen Staates herbeizuführen. Und genau das beunruhigt diejenigen, die die Beziehungen zur Russischen Föderation durch das Prisma des Geldes betrachten. Denn eine Russische Föderation, die aufhört, eine Art Tankstelle zu sein, ist nicht nur für Donald Trump uninteressant, sie ist auch für den Staatschef der Volksrepublik China Xi Jinping uninteressant, der sehr gut versteht, dass die Zerstörung der russischen Ölverarbeitungsindustrie erstens zu sozialer Instabilität führen und zweitens zur Stilllegung von Bohrlöchern führen könnte, sodass China weniger Öl kaufen könnte.

Nun, ich denke, genau das hat dazu geführt, dass der Staatschef der Volksrepublik China und der indische Ministerpräsident bei ihren jüngsten Treffen mit Putin über die Notwendigkeit politischer Ansätze zur Beendigung des Krieges gesprochen haben. Früher interessierte sie das irgendwie nicht besonders. Und grundsätzlich verstehen wir sehr gut, dass in dieser Situation die Staats- und Regierungschefs der Länder des Globalen Südens umso mehr Anlass haben werden, Putin daran zu erinnern, dass ein solcher Krieg beendet werden muss, je stärker wir russische Ressourcen angreifen.

Das ist im Grunde alles, was man zu all diesen Plänen sagen kann. Trumps Pläne werden wohl kaum umgesetzt werden, weil völlig unklar ist, welche rechtliche Möglichkeit der amerikanische Präsident nach der Verabschiedung des Graham-Gesetzes überhaupt noch hat, die Sanktionen gegen die Russische Föderation zu lockern. Manchmal hat man den Eindruck, dass in dieser Wahlkampfphase im Weißen Haus die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut. Trump bringt ein Gesetz durch den Senat und das Repräsentantenhaus, das seine Möglichkeiten zur Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation faktisch zunichtemacht, und unterzeichnet dieses Gesetz feierlich. Gleichzeitig kann sein Sondergesandter, der jetzt für den Posten des Sonderbeauftragten für Geiselfragen nominiert wurde, den amerikanischen Präsidenten davon zu überzeugen versuchen, dass der Weg zur Überwindung der schwierigen Beziehungen mit Russland und die Möglichkeit, mit Russland Geld zu verdienen, darin besteht, die Aufhebung eines Teils der Sanktionen gegen die Freilassung von Geiseln einzutauschen.

Und übrigens möchte ich Sie daran erinnern, dass genau das den Interessen der Russischen Föderation entspricht. Jetzt wird verständlich, warum der russische Außenminister Sergej Lawrow auf seiner abschließenden Pressekonferenz am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung in New York sagte, dass man die Ukraine aus diesem Verhandlungsprozess ausklammern müsse, um die russisch-amerikanischen Beziehungen zu verbessern und damit jene Ergebnisse zu erreichen, auf die Donald Trump hofft. Genau dieses Rezept hören wir ständig von Putin. Das ist der Geist von Anchorage: „Lasst uns übers Geld reden. Lasst uns nach für beide Seiten vorteilhaften Formen der Zusammenarbeit suchen. Ihnen wird es gut gehen, uns wird es gut gehen, Sie werden sehr viel Geld verdienen. Aber es gibt eine Bedingung: Vergessen Sie die Ukraine. Geben Sie mir die Möglichkeit, mit ihr fertigzuwerden.“

Wenn Sie fragen, was der Geist von Anchorage ist, dann ist genau das Putins Vorstellung von diesem Geist: „Trump hat mir die Ukraine überlassen und gesagt, dass er sich nicht mehr einmischen wird.“ Das Paradoxe ist jedoch, dass Trump sich das mit Blick auf die öffentliche Meinung nicht erlauben kann. Natürlich könnte sein Wunsch, diese Beziehungen zu Moskau wiederherzustellen, sogar größer sein als sein Wunsch, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Aber das lässt sich nicht umsetzen. Und deshalb erscheint auch sein neuer Plan, Geiseln gegen Sanktionen einzutauschen, ziemlich unrealistisch.

Ich beantworte einige Fragen, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Trump zeigt also Schwäche, indem er Putin zum G20-Gipfel einlädt. Woher kommt Trumps Entscheidung, den Handel noch vor Kriegsende wieder aufzunehmen?

Portnikov: Nun, mir scheint, ich erkläre das während dieser gesamten Sendung: Das ist keine Frage der Schwäche, sondern eine Frage des Interesses. Es geht darum, dass für Trump die Möglichkeit, Geld zu verdienen, wesentlich wichtiger ist als die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges. Natürlich wäre es für ihn nicht schlecht, wenn Putin zumindest teilweise einer Waffenruhe im russisch-ukrainischen Krieg zustimmen würde und Trump selbst nicht wie jemand aussähe, der mit einem Kriegsverbrecher Handel treibt. Wie Sie jedoch sehen, ist Trump in Wirklichkeit sogar bereit, Putin zu einem prestigeträchtigen Gipfel einzuladen, obwohl gerade jetzt eine weitere Runde der Eskalation des russisch-ukrainischen Krieges stattfindet. Was soll man dazu sagen? Wir verstehen das alles sehr gut: In Wirklichkeit steht in diesen Beziehungen die Idee des eigenen Interesses im Mittelpunkt. Und das ist keine Schwäche.

Frage: Die Alternative für Deutschland gewinnt in Deutschland die Wahlen mit dem Slogan „billiges Gas aus Russland“. Könnten das Graham-Gesetz und die entsprechenden Zölle im Falle einer Wiederaufnahme der Lieferungen auch auf Deutschland angewendet werden? Warum sagt man das den Wählern nicht?

Portnikov: Nun, vielleicht deshalb, weil die Führung der Alternative für Deutschland davon ausgeht, dass gegen ein Deutschland, das von politischen Gesinnungsgenossen Trumps regiert wird, keine Sanktionen verhängt werden. Zweitens müsste Deutschland, um unter Sanktionen der Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit dem Kauf russischer Energieträger zu fallen, zu den fünf Ländern gehören, die die größten Mengen dieser Energieträger kaufen. Bislang gibt es keinerlei Grundlage für die Annahme, dass Deutschland tatsächlich zu diesen fünf Ländern gehören wird. Drittens muss man nicht eigens erklären, dass die Alternative für Deutschland derzeit keine Möglichkeit hat, die Bundestagswahl in Deutschland zu gewinnen.

Ja, sie ist heute die populärste der deutschen Parteien. Das stimmt, aber ihre Popularität ist zwischen den ost- und westdeutschen Bundesländern ungleich verteilt. Am populärsten ist diese Partei mit ihrer eindeutig rechtsextremen Ausrichtung auf dem Gebiet der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, wo es, wie wir sehen, keine wirkliche Entnazifizierung gab, sondern die Entnazifizierung durch Kommunisierung ersetzt wurde. Und das macht sich bis heute, 35 Jahre nach dem Zusammenbruch des deutschen Kommunismus, bemerkbar und wird sich noch viele Jahrzehnte bemerkbar machen. Im westlichen Teil Deutschlands ist die Alternative dagegen keineswegs so populär. Selbst wenn wir uns vorstellen, dass sie im nächsten Bundestag eine große Fraktion haben wird, bedeutet das nicht, dass andere politische Parteien mit ihr eine Koalition eingehen werden.

Das ist das eigentliche Problem, über das man sprechen muss. Gerade gegenüber der Alternative für Deutschland gilt derzeit eine Regel, die keine der politischen Kräfte des Landes einen Dialog mit dieser extremistischen Organisation führen lässt. Aber niemand hat gesagt, dass das ewig so bleiben wird. Und gerade der Fall dieser Barriere ist heute eine der Hauptaufgaben im Zusammenhang mit der deutschen Alternative. Man muss verstehen, dass gerade eine Situation, in der alle Parteien demokratischer Ausrichtung nicht mit der Alternative für Deutschland zusammenarbeiten wollen, sie zu einer marginalen politischen Kraft machen kann, selbst wenn sie die größte Fraktion im Parlament stellen sollte. Sich allerdings vorzustellen, dass die Alternative für Deutschland unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen in Deutschland eine absolute Mehrheit erringen könnte, ist, gelinde gesagt, unrealistisch.

Andererseits erinnern wir uns sehr gut daran, wie Extremisten in Deutschland zur Zeit des Reiches an die Macht kamen, wie sie eine marginale Partei waren, wie sie bei jeder neuen Wahl – damals waren es vorgezogene Wahlen, in Deutschland herrschte eine schwere politische Krise – immer mehr Einfluss gewannen, der es Adolf Hitler später ermöglichte, Reichskanzler Deutschlands zu werden. Und das, obwohl seine Partei damals keine Mehrheit im Reichstag hatte, und später das deutsche Mehrparteiensystem abzuschaffen und durch das Einparteiensystem der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei mit ihm selbst an der Spitze zu ersetzen. In jedem Fall sind das zweifellos sehr gefährliche und sehr ernste Signale, über die ebenfalls gesprochen werden muss, wenn wir die Situation im Zusammenhang mit der Alternative diskutieren.

Frage: Auf wie viel Prozent schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit eines russischen Angriffs auf die baltischen Staaten in diesem Jahr? Nicht unbedingt eine Bodeninvasion, möglicherweise gerade massive Luftangriffe.

Portnikov: Ich sehe bislang keinerlei Grundlage für die Annahme, dass Russland zu irgendwelchen massiven Luftangriffen auf europäische Länder übergehen wird. Ich glaube, Russland wird keine amerikanische Reaktion riskieren und nicht das Risiko eingehen, dass es zu einer tatsächlichen militärischen Konfrontation mit NATO-Staaten kommen könnte. Ich denke, dass all diese Geschichten mit europäischen Ländern in Wirklichkeit im Rahmen eines hybriden Krieges weitergehen werden, gerade um ihre Gesellschaften dazu zu bringen, der Ukraine nicht mehr zu helfen.

Für die nächsten Jahre ist Putins Hauptziel, das Hauptziel des russischen Staates und der russischen Armee, gerade der Kampf gegen die Ukraine mit dem Ziel, die Staatlichkeit unseres Landes zu vernichten. Das ist Aufgabe Nummer eins. Ja, eine Ausweitung des Krieges ist bei der Verfolgung eines solchen Ziels unvermeidlich, aber diese Ausweitung muss keineswegs mit massiven Bombardierungen und Ähnlichem verbunden sein. Es kann einfach ein hybrider Krieg sein. Es kann darum gehen, die europäischen Gesellschaften davon zu überzeugen, für Politiker zu stimmen – wie wir gerade darüber gesprochen haben –, die bereit sind, sich mit Russland zu verständigen und die Hilfe für die Ukraine einzustellen.

Und das sind nicht einfach irgendwelche Worte. Sie haben gehört, dass Marine Le Pen trotz all ihrer Verurteilung des russischen Vorgehens in der Ukraine bereits jetzt dafür eintritt, die ohnehin nicht besonders umfangreiche Militärhilfe Frankreichs für die Ukraine zu kürzen, mit den Worten: „Wir brauchen sie selbst.“ Und ich schließe keineswegs aus, dass genau dasselbe auch in jenen europäischen Ländern geschehen wird, in denen entweder rechtspopulistische oder linkspopulistische Kräfte an die Macht kommen.

Und die Destabilisierung der Lage in Europa durch einen hybriden Krieg, wie wir nach dem Feuerwerk russischer Sabotageakte in Deutschland gesehen haben, kann genau eine solche Situation sein, die dem Präsidenten der Russischen Föderation nützt. Und das werden keineswegs massive Angriffe sein. Massive Angriffe wird es in den kommenden Jahren der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation gegen die Ukraine geben. Und das muss jeder verstehen, der die Perspektiven des Krieges und des Konflikts beurteilt, die auch nach einem möglichen Ende seiner heißen Phase irgendwann weiterbestehen werden.

Frage: Wie beurteilen Sie die Situation mit Südkorea?

Portnikov: Ich habe heute ausführlich über die Situation mit Südkorea gesprochen. Ich werde mich nicht wiederholen. Ich möchte nur eines sagen: Mich erstaunt, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen, die in der Regel nichts von den Besonderheiten der südkoreanischen Politik verstehen, ausgerechnet die ukrainische Führung, Präsident Zelensky, für die Reaktion Seouls verantwortlich gemacht hat.

Ich werde jetzt nicht die Frage nach der Professionalität der Menschen erörtern, die Präsident Zelenskys Rede geschrieben haben, und auch nicht darüber sprechen, inwieweit der ukrainische Präsident diese Rede grundsätzlich selbst vorbereitet hat oder ob sie für ihn geschrieben wurde, und wie ernst die Stimmung in Seoul hinsichtlich der Geheimhaltung der Information über die Übergabe nordkoreanischer Soldaten, die auf der Seite Russlands gekämpft hatten, an Südkorea war.

Nein, ich möchte einfach etwas anderes sagen: In Südkorea sind in Wirklichkeit Menschen von der Demokratischen Partei an die Macht gekommen, die für ihren Wunsch bekannt sind, gute Beziehungen zur Volksrepublik China wiederherzustellen und die Beziehungen zu Nordkorea zu normalisieren, die von ihren Vorgängern blockiert worden waren, weil diese sich in erster Linie an den Vereinigten Staaten orientierten. Das sind unterschiedliche außenpolitische Kurse. Und auch das muss man ganz klar verstehen.

Und der derzeitige Präsident Südkoreas sucht schlicht nach einem Vorwand, um selbst die indirekte Hilfe für die Ukraine zu blockieren – denn direkte Hilfe für die Ukraine darf nach koreanischem Recht nicht geleistet werden – und gleichzeitig nicht in die scharfe Kritik der Opposition zu geraten, die nichts sehnlicher wünscht, als diesen Präsidenten im Gefängnis zu sehen, dort, wo sich sein Vorgänger befindet. Und das sind keine bloßen Redewendungen, denn auch der derzeitige Präsident hat bereits eine ganze Reihe von Antikorruptionsermittlungen durchlaufen.

In dieser Situation können wir also, wie Sie verstehen, davon sprechen, dass Zelenskys Erklärung über die Übergabe der Kriegsgefangenen an Seoul vom südkoreanischen Präsidenten lediglich dazu genutzt wurde, seine Ziele hinsichtlich einer Verbesserung der Beziehungen entlang der Achse Seoul–Peking–Moskau zu verfolgen. Und hätte es diese Rede Zelenskys nicht gegeben, hätte Seoul einen anderen Vorwand gefunden. Man kann sagen, man sollte keine zusätzlichen Vorwände liefern – vielleicht. Aber das ist nicht der Kern der Situation. Und auch die Behauptungen, wir hätten irgendwelche vorteilhaften Rüstungsverträge verloren, Korea hätte uns dieses oder jenes geliefert, zeugen wiederum von einem völligen Unverständnis der innenpolitischen Realitäten Südkoreas und dessen, was dort hinsichtlich der Unterstützung unseres Landes überhaupt geschehen kann.

Frage: Die Türkei führt täglich Dutzende Flüge über NATO-Staaten nach Russland durch und unterhält zudem wirtschaftliche Beziehungen mit Russland. Welche Rolle wird sie in einem möglichen Krieg zwischen der NATO und Russland spielen?

Portnikov: Die Türkei ist Mitglied der NATO. Und erstens sehe ich keinerlei Grundlage für die Annahme, dass es einen Krieg zwischen der NATO und Russland geben wird. Der Krieg wird zwischen der Ukraine und Russland weitergehen, gerade weil die Ukraine kein NATO-Mitglied ist. Menschen, die glauben, dass es einen Krieg zwischen Russland und der NATO geben wird, werden mit ihren Prognosen danebenliegen. Einen hybriden Krieg wird es gerade deshalb geben, weil die Vereinigten Staaten nicht bereit sind, sich in die Situation in Europa einzuschalten. Die Türkei wird ihre Verpflichtungen gegenüber der NATO erfüllen, zugleich aber in diesem hybriden Krieg ein Land bleiben, das eine neutrale Position einnimmt. Zumal Präsident Erdoğan bereits gezeigt hat, dass er in einer schwierigen Situation sogar ein russisches Flugzeug abschießen kann, was sich kein europäisches Land erlauben kann. Auch daran kann man erinnern.

Frage: Wenn Putin unerwartet stirbt, wen bereitet er als seinen Nachfolger vor?

Portnikov: Was heißt „unerwartet stirbt“? Jeder Mensch stirbt irgendwann, das ist ein Naturgesetz, und Putin ist nicht unsterblich. Aber er bereitet keinen Nachfolger für sich vor. Nachdem der Präsident der Russischen Föderation auf die eine oder andere Weise von der politischen Bühne verschwunden ist, kann es im Rahmen jenes tschekistischen Regimes, das auch ohne Putin in der Russischen Föderation weiter herrschen wird, zu einem ernsthaften Machtkampf kommen. Und glauben Sie mir, dieses Regime wird an der Idee festhalten, den Fehler von 1991 zu korrigieren, also das Territorium des russischen Staates bis zu den Grenzen der ehemaligen Sowjetunion wiederherzustellen. Zweifeln Sie nicht daran, dass Putins Abgang von der politischen Bühne nichts an den russischen Absichten ändern wird.

Der Machtkampf und ein vorsichtigerer Umgang mit solchen Dingen könnten jedoch für eine gewisse Zeit den Krieg Russlands gegen die Ukraine von einem realen Krieg, wie wir ihn heute erleben, in einen hybriden Krieg oder in wirtschaftlichen Druck und so weiter und so fort überführen. Und wir werden diese wenigen Jahre nutzen müssen, um uns ernsthaft auf eine neue erbitterte Konfrontation mit Russland vorzubereiten. Obwohl unsere Gesellschaft dann sagen wird, alles sei vorbei, Putin sei weg, jetzt müsse man erst einmal leben – und später wieder leiden, wenn dann nicht mehr Putin, sondern jemand nach ihm ein neues blutiges Gemetzel unter den Ukrainern anrichtet.

Und sagen Sie nicht, dass es nicht so kommen wird, denn gerade nach 2014 entstand jenes Meme, das zeigte, wie verzerrt eine enorme Zahl unserer Landsleute die Realität wahrnahm: „Sonst greift Putin noch an.“ Ich muss Sie daran wohl nicht erinnern. Sie erinnern sich selbst sehr gut daran. In dieser Hinsicht können wir also keinen Zweifel daran haben, dass es zu einer solchen Entwicklung kommen kann.

Frage: Könnte Russland einer Energiewaffenruhe zustimmen, in Wirklichkeit aber weiterhin die ukrainische Infrastruktur beschießen und im Falle ukrainischer Vorwürfe behaupten, es handele sich um eine Provokation?

Portnikov: Nein. Wenn irgendwelche Vereinbarungen über eine Energiewaffenruhe geschlossen werden sollten – wofür ich bislang überhaupt keine Grundlage sehe –, könnte es einzelne sporadische Angriffe geben, aber solche massiven Angriffe der Ukraine gegen Russland und Russlands gegen die Ukraine wird es nicht geben. Zweifeln Sie nicht daran: Bestimmte Angriffe wird es geben. Selbst wenn der russisch-ukrainische Krieg abflaut, werden wir in einer Welt sporadischer Angriffe und Zusammenstöße an der Kontaktlinie der Truppen leben. Das ist alles unsere Zukunft. In absehbarer Zeit wird sie einfach nicht mehr anders sein. Aber einen solchen Krieg, wie wir ihn jetzt erleben, genau in diesen Minuten, in denen wir miteinander sprechen, könnte es eine gewisse Zeit lang nicht geben. Es könnte eine Unterbrechung des Krieges geben.

Ich habe immer gesagt, dass wir – und ich möchte das am Ende dieses Gesprächs noch einmal wiederholen – vor einer einfachen Wahl stehen. Entweder die Formel: langer Krieg und kurze Friedensperiode. Das ist die Formel, nach der wir in den 20er- bis 40er-Jahren des 21. Jahrhunderts höchstwahrscheinlich leben werden. Oder die Formel: kurze Kriege und langer Frieden. Diese Formel müssen wir erreichen. Dafür müssen wir uns jedoch die Illusion aus dem Kopf schlagen, dass es Frieden als solchen geben kann. Ein langer Frieden mit kurzen blutigen Kriegen ist für die Ukraine in den kommenden Jahrzehnten die beste Existenzform. Die Alternative sind kurze Friedensperioden und lange Kriege. Und genau in dieser Realität leben wir jetzt. Und leider sehen wir bislang nicht einmal den Ansatz eines politischen Auswegs aus ihr.

Hoffen wir, dass dieser Ausweg dank der Anstrengungen unserer Streitkräfte gefunden wird und nicht dank Trump und Coale. Und ich möchte Sie daran erinnern: Bitte unterstützen Sie die Streitkräfte, unterstützen Sie vertrauenswürdige Spendenaktionen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Новий план Трампа | Віталій Портников. 29.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump verspricht erneut eine Vereinbarung | Vitaly Portnikov. 26.09.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, sagt erneut, dass die Staatschefs Russlands und der Ukraine einer möglichen Vereinbarung über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zustimmen und noch vor Einbruch des strengen Winters ein Abkommen unterzeichnen könnten.

Eine durchaus ermutigende Aussage, bei der allerdings nicht ganz klar ist, worauf sie sich tatsächlich stützt. Gerade zu dem Zeitpunkt, als Trump in seinen Antworten auf Fragen zur Weltpolitik ein neues Abkommen zwischen Moskau und Kyiv in Aussicht stellte, rief der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky den amerikanischen Präsidenten dazu auf, das Gesetz von Lindsey Graham gegen die Energiesponsoren der Russischen Föderation anzuwenden, und die Länder der Europäischen Union dazu, härtere Sanktionen gegen Moskau zu verhängen.

Wir verstehen, dass diese Appelle des ukrainischen Präsidenten wohl kaum Gehör finden werden, vor dem Hintergrund, dass Trump sich kürzlich mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, traf, während Washington und Peking sich auf eine weitere Handelswaffenruhe geeinigt hatten. Und die Atmosphäre dieses Treffens vermittelte keineswegs den Eindruck, als bestünde die Möglichkeit, neue Zölle gegen die Wirtschaft jenes Landes zu verhängen, das der wichtigste und bedeutendste Energiesponsor der Russischen Föderation bleibt.

Nicht nur Zelenskys Äußerungen zeigen, dass Kyiv heute wohl kaum irgendwelche Möglichkeiten für eine Einigung mit Moskau gefunden hat. Auch aus der russischen Hauptstadt sind nicht weniger kriegerische Äußerungen zu hören als vor einigen Monaten oder Jahren. Wir sehen, dass der russische Präsident Putin keineswegs versucht, von seinen Maximalforderungen im russisch-ukrainischen Krieg abzurücken.

Worauf also stützt sich der Präsident der Vereinigten Staaten, wenn er sagt, dass es schon bald zu einer Vereinbarung kommen könnte? Vielleicht lässt sich Trump weniger von realen Fakten im Zusammenhang mit der Außenpolitik der Vereinigten Staaten leiten als vielmehr von innenpolitischen Fragen. Denn die Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress rücken näher, und Trump versucht, bei allen sensiblen Fragen eine möglichst klare Position einzunehmen, die den Republikanern zumindest einige Stimmen jener Wähler einbringen könnte, die noch nicht entschieden haben, wen sie wählen werden.

In der Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten weiß man sehr genau, dass es in der Frage der Unterstützung der Ukraine und der Ablehnung irgendwelcher guten Beziehungen zur Russischen Föderation sowohl unter demokratischen als auch unter republikanischen Wählern einen Konsens gibt. Und so könnten Versprechen, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, bei denjenigen Anklang finden, die bei diesen für den amerikanischen Präsidenten so wichtigen Zwischenwahlen über Kongressabgeordnete und Senatoren abstimmen werden.

Ich möchte jedoch auf den Kontext der Antwort des Präsidenten der Vereinigten Staaten aufmerksam machen, der meines Erachtens nicht weniger wichtig ist als die Tatsache selbst, dass er über die Beendigung des Krieges spricht. Trump wurde nach den Patriots gefragt, genauer gesagt nach Lizenzen für Patriots. Der amerikanische Präsident hätte also nicht darauf antworten sollen, ob Zelensky und Putin sich einigen werden, sondern darauf, ob die Vereinigten Staaten der Ukraine Lizenzen für die Produktion von Raketen für die Luftverteidigung erteilen werden – eine Frage, die bereits seit mehreren Monaten diskutiert wird und bis heute zu keiner konkreten Lösung geführt hat.

Man kann über Versprechen sprechen, aber man kann nicht davon sprechen, dass es Garantien dafür gibt, dass diese Lizenzen erteilt werden, die es uns erst in einigen Jahren ermöglichen würden, Raketen für die Luftverteidigung zu produzieren, wobei es sich möglicherweise nicht um moderne Raketen, sondern um Raketen älterer Produktionsvarianten handeln würde. Man kann sagen, dass all das bis heute in der Schwebe hängt. Und das jüngste Treffen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine hat die Frage, ob diese Lizenzen erteilt werden, nicht beantwortet. Es hat lediglich gezeigt, dass Trump bereit ist, dies zu prüfen, obwohl der ukrainische Präsident erneut davon sprach, dass sein amerikanischer Amtskollege zugestimmt habe.

Statt also konkret auf die Frage nach den Lizenzen für Patriots zu antworten, sagte Trump den Journalisten, Zelensky und Putin seien bereit, sich zu einigen. Das bedeutet, dass die Vereinigten Staaten dies, insbesondere die Frage der Lizenzen, möglicherweise gar nicht weiter prüfen müssen. Denn wozu braucht die Ukraine Lizenzen für die Produktion von Luftabwehrraketen, wenn sie schon vor Beginn des nächsten strengen Winters in diesem schrecklichen Krieg nicht mehr bombardiert werden wird?

Das ist möglicherweise der Kern dessen, was Donald Trump seinen Zuhörern vermitteln wollte. Es geht nicht um Frieden, sondern darum, dass man die mit der Luftverteidigung verbundene Hilfe noch weiter hinauszögern kann. Denn bei jener finanziellen Hilfe, die wir vom Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten erhalten haben, gibt es derzeit Geld, könnte man sagen, für alles Mögliche, nur nicht für Luftabwehrraketen, die die Amerikaner offensichtlich selbst benötigen, wenn sie sich auf neue militärische Aktionen gegen den Iran vorbereiten und sich darüber im Klaren sind, dass sie dabei auch Raketen aus ihren eigenen Arsenalen verbrauchen werden.

Das ist der Kern dieser Situation, die wir beobachten können, wenn wir über Donald Trumps Versprechen sprechen. Deshalb muss man diesen ständigen Äußerungen mit erheblicher Vorsicht begegnen und sich darüber im Klaren sein, wozu sie in Wirklichkeit gemacht werden.

Und natürlich wäre auch der Kontext interessant, ob der amerikanische Präsident seinen ukrainischen Amtskollegen bei ihrem jüngsten Treffen tatsächlich dazu aufgefordert hat, in die russische Hauptstadt zu reisen, um den Verhandlungsprozess wiederzubeleben. Diese Meldung der Agentur Bloomberg wurde zu einer echten Sensation, die sowohl russische als auch chinesische Propagandisten für ihre Absicht nutzten, zu demonstrieren, dass Trump die Idee einer Reise des ukrainischen Präsidenten in die russische Hauptstadt als einen legitimen Schritt betrachtet, der die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges ermöglichen könnte.

Und in dieser Situation verstehen wir sehr gut, wie gefährlich und unangebracht eine mögliche Unterstützung des Präsidenten der Vereinigten Staaten für Ideen aus dem Kreml erscheint, die im Grunde eine offene Verhöhnung des ukrainischen Präsidenten und der Ukrainer darstellen: der Vorschlag, nach Moskau zu reisen, damit die Ukraine vor Russland kapituliert.

Doch im Büro des Präsidenten der Ukraine wurde die Meldung dementiert, wonach Trump mit Zelensky über die Möglichkeit einer solchen Reise gesprochen habe. Und ich schließe nicht aus, dass es hier weniger darum geht, dass Trump Zelensky tatsächlich vorgeschlagen hat, für Verhandlungen mit Putin nach Russland zu reisen, als vielmehr darum, dass die Russen einen weiteren gezielten Informationsvorstoß genutzt haben, um Putins Idee einer Reise in die russische Hauptstadt als eine Idee zu legitimieren, die auch in den Vereinigten Staaten unterstützt werde und der man sich nicht werde entziehen können, wenn man in Kyiv tatsächlich über eine Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nachdenkt.

Mit anderen Worten: Eine solche Beendigung könne nur zu Moskauer Bedingungen erfolgen. Und selbst Trump erkenne und unterstütze dies, wenn er dem ukrainischen Präsidenten als Reaktion auf die ständigen Aufforderungen des russischen Staatschefs und anderer Moskauer Funktionäre vorschlage, die russische Hauptstadt zu besuchen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп знову обіцяє угоду | Віталій
Портников. 26.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 26.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Neue Forderungen von Donald Trump. Vitaly Portnikov. 14.09.2026.

Нові вимоги Дональда Трампа. Віталій Портников. 14.09.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten betonte, er habe dem Präsidenten der Ukraine gesagt, die Angriffe auf den Ölraffineriekomplex der Russischen Föderation einzustellen, weil dies angeblich zu einem Anstieg des Dieselpreises führe. Vor dieser Erklärung hatten sich bereits die Finanz- und Energieminister der Vereinigten Staaten mit ähnlichen Erklärungen zum Preisanstieg geäußert.

Auf den ersten Blick sieht das seltsam aus. Es geht nicht einmal nur darum, dass die russischen Lieferungen den Weltmarkt für Öl und Ölprodukte nicht in dem Maße beeinflussen wie die blockierten Öllieferungen aus den Ländern des Persischen Golfs durch die Straße von Hormus. Entscheidend ist, dass die Vereinigten Staaten beharrlich gegen die Lieferung von Öl und Ölprodukten aus der Russischen Föderation als Reaktion auf Russlands Invasion in die Ukraine vorgegangen sind. Sie taten dies unter der Biden-Regierung und setzten es unter der Trump-Regierung fort. Die jüngsten Sanktionen gegen die wichtigsten russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil hat Trump selbst unterzeichnet. Und es war Trump selbst, der Zölle auf indische Waren verhängte, weil er vom indischen Premierminister Narendra Modi verlangte, den Kauf russischen Öls einzustellen. Ja, nach Beginn der iranischen Blockade der Straße von Hormus erteilte das US-Finanzministerium mehrmals eine Genehmigung, die es indischen Ölraffinerien erlaubte, russisches Öl von Tankern zu kaufen. Doch derzeit wird diese Genehmigung nicht verlängert, und Öl russischer Herkunft kann nur unter Verstoß gegen die amerikanischen Sanktionen gekauft werden. Es würde also naheliegen: Wenn Donald Trump so sehr an einer Senkung des Dieselpreises interessiert ist, wäre das Erste, was er tun könnte, die Sanktionen gegen Russland aufzuheben, anstatt von der Ukraine zu verlangen, die Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen. Aber wir verstehen, dass der amerikanische Präsident die Sanktionen nicht aufheben wird, weil er schlicht keine anderen Instrumente hat, um Druck auf Putin auszuüben. Dafür wird er aber die Ukraine und ihre angebliche Mitverantwortung für den Preisanstieg an den Tankstellen ins Spiel bringen.

Wir sind in eine sehr gefährliche Phase eingetreten. Jeder Amerikaner kann das verstehen, wenn er auf den Kalender und auf die Preisanzeigen an den Tankstellen schaut. Die Zwischenwahlen zum Kongress, bei denen sich ein Sieg der Demokraten abzeichnet, rücken rasch näher. Und die Preise an den Tankstellen fallen nicht, sondern steigen. Und der amerikanische Präsident muss dringend Schuldige für diesen Anstieg finden.

Den Iran – den tatsächlichen Verursacher der Energiekrise, der nicht nur weiterhin die Straße von Hormus blockiert, sondern mithilfe seiner „Proxys“ auch Möglichkeiten für eine Blockade der Meerenge Bab al-Mandab schafft, also für eine vollständige Einstellung der Ölexporte aus dem Persischen Golf – zu beschuldigen, würde bedeuten einzugestehen, dass man mit Teheran keine Einigung erzielen und auf seine neue Führung keinen Einfluss ausüben kann. Und dann würden unangenehme Fragen darüber aufkommen, wie durchdacht die amerikanischen Angriffe auf den Iran waren, ob man in der Lage ist, Energiesicherheit zu gewährleisten und Versuchen entgegenzutreten, durch die Blockade von Ölrouten Druck auf Amerika und die ganze Welt auszuüben. Und die Antworten auf diese Fragen dürften den Ruf derjenigen kaum verbessern, die auf einen schnellen Sieg über das Regime der Ayatollahs gehofft hatten.

Dann bleibt die Ukraine, die bereits nicht zum ersten Mal im amerikanischen Wahlkampf benutzt wird. Denn zu behaupten, gerade die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien führten zu steigenden Preisen, ist wesentlich bequemer, als an die tatsächlichen Ursachen der Zahlen auf den Preisanzeigen zu erinnern.

Was soll die Ukraine in dieser Situation tun? Meiner Ansicht nach ihre Position beibehalten und zugleich in diesen für sie kritischen Zeiten keinen Streit mit der Administration des US-Präsidenten anfangen. Die Angriffe auf Ölraffinerien sind eines der wichtigsten Instrumente, um Russland zum Frieden zu zwingen. Das muss sowohl dem Präsidenten der Vereinigten Staaten als auch seinen Ministern erklärt werden. Und gleichzeitig muss man sich daran erinnern, dass Trump nicht allzu viele Hebel hat, um nicht nur auf Russland, sondern auch auf die Ukraine Einfluss auszuüben. Wenn man also tatsächlich bestimmte Angriffe einstellt, muss man die Möglichkeit haben, andere durchzuführen, gegen die Trump nichts einzuwenden hat. Aber sie mit wirksamerer amerikanischer Unterstützung durchzuführen. Wo sind denn unsere „Tomahawks“?

Und das Wichtigste: Was auch immer der amerikanische Präsident jetzt von seinem ukrainischen Amtskollegen verlangen mag, es geht um einen Zeitraum von wenigen Wochen. Nach dem 3. November 2026 werden wir uns in einer völlig neuen Welt wiederfinden – einer Welt, in der die ukrainischen Angriffe auf russische Ölraffinerien wohl kaum Donald Trumps größtes Problem sein werden.


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Titel des Originals: Нові вимоги Дональда Трампа. Віталій Портников. 14.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 14.09.2026.
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Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Putin pfeift auf Trumps Waffenruhe | Vitaly Portnikov. 15.09.2026.

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat sich mit seiner Erklärung über die sogenannte Waffenruhe im Energiebereich zwischen Russland und der Ukraine offensichtlich voreilig geäußert.

Wie bekannt ist, betonte das amerikanische Staatsoberhaupt gestern, Russland und die Ukraine hätten vereinbart, keine Angriffe auf die Energieinfrastruktur durchzuführen, untermauerte diese seine Worte jedoch mit keinerlei Mitteilungen über irgendwelche Verhandlungen oder konkrete Vereinbarungen zwischen Moskau und Kyiv unter Vermittlung Washingtons.

Irgendwelche Bestätigungen für Trumps Worte haben wir weder aus der russischen noch aus der ukrainischen Hauptstadt gehört. Im Büro des Präsidenten der Ukraine wurde lediglich vorsichtig mitgeteilt, dass bestimmte Parameter einer Waffenruhe im Energiebereich tatsächlich erörtert würden, bislang jedoch keinerlei Anzeichen dafür vorlägen, dass es den Seiten gelungen sei, zu einer Verständigung zu gelangen.

Die Financial Times betont unterdessen, dass der russische Präsident Putin zu einer Waffenruhe im Energiebereich nicht bereit sei, zumindest nicht vor dem Winter, weil er auf erfolgreiche Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine hoffe und darauf, dass diese Angriffe die ukrainische Führung zur Kapitulation vor der Russischen Föderation zwingen werden.

Wie bekannt ist, bleibt Putin in einer Situation, in der es der russischen Armee nicht gelingt, jene Aufgaben zu erfüllen, die Putin den Militärs bereits im Februar 2022 gestellt hat, und wenigstens die Verwaltungsgrenzen der Gebiete Donezk und Luhansk zu erreichen, nur noch die Hoffnung auf Terror gegen das ukrainische Hinterland. Und auf diesen Terror zu verzichten, hat er es, wie wir sehen, nicht eilig.

Dann stellt sich eine ziemlich einfache Frage: Wozu gibt Trump solche Erklärungen ab, die anschließend durch keinerlei konkrete Fakten bestätigt werden können? Nun, auch auf diese Frage gibt es eine ziemlich einfache Antwort. Donald Trumps Erklärung über eine Verständigung im Energiebereich zwischen Russland und der Ukraine richtet sich gerade an die innenpolitischen Adressaten der Erklärungen des amerikanischen Präsidenten.

Denn wie bereits mehrfach gesagt werden musste, sind für Donald Trump derzeit die Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress die wichtigste Frage. Ein möglicher Sieg der Demokraten bei diesen Wahlen könnte sowohl für den amerikanischen Präsidenten selbst als auch für seine Familienangehörigen ernsthafte Probleme schaffen. Nun, wir verstehen bereits, dass angesichts der jüngsten journalistischen Recherchen darüber, dass sogar die Hochzeit von Trumps Sohn Donald Jr. möglicherweise von Putin nahestehenden Geschäftsleuten mit krimineller Vergangenheit finanziert worden sein könnte, selbst dies davon überzeugt, dass die Demokraten im Falle eines Sieges genug zu tun haben werden.

Und so versucht Trump, diesen Sieg irgendwie, wenn schon nicht vollständig zu verhindern, dann zumindest die Zahl der Mandate zu verringern, die die Demokratische Partei erhalten wird, und natürlich einen Sieg der Demokraten zu verhindern, bei dem sie sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat unter ihre Kontrolle bringen würden, denn das wäre ein wahrer Albtraum für den amerikanischen Präsidenten, seine Familienangehörigen und sein engstes Umfeld.

Die wichtigste Frage der amerikanischen Wahlen ist derzeit aber keineswegs der russisch-ukrainische Krieg, sondern der Preis an den Tankstellen für eine Gallone Diesel, der bereits bei etwa sechs US-Dollar liegt, was nicht nur für den amerikanischen Bürger, sondern auch für den amerikanischen Wähler eine erschütternde Zahl ist. Und so versucht Trump, seinen Landsleuten zu demonstrieren, dass er arbeitet. Erstens versucht er, die Bedeutung des Krieges mit dem Iran herunterzuspielen, infolge dessen die Straße von Hormus geschlossen wurde und die Welt sich nun einer möglichen Blockade der Meerenge Bab al-Mandab nähert.

Und natürlich muss Trump, wenn er die Bedeutung der ukrainischen Angriffe auf Russland für den Preis von Dieselkraftstoff übertreibt, zumindest seinen eigenen Wählern zeigen, dass er damit fertigwerden kann. Und in dieser Situation eine Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine zu erreichen, bedeutet, nach einem Weg zur Senkung der Kraftstoffpreise zu suchen. Nicht mehr als das. Und wenn sich herausstellt, dass keine Waffenruhe erreicht werden konnte, wird die Ukraine an den Angriffen auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation schuld sein, während Trump der Friedensstifter bleiben wird, der versucht, den Preis zu senken.

Natürlich verstehen wir sehr gut, dass sich die ukrainischen Angriffe auf die Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation auf dem Markt nicht annähernd so stark ausgewirkt haben wie die Schließung der Straße von Hormus. Russland war vor diesen Angriffen tatsächlich ein Land, das Diesel exportierte. Jetzt kauft es Diesel ein. Das sind ernsthafte Veränderungen in der russischen Energiewirtschaft. Allerdings ist die Menge russischen Dieselkraftstoffs, die vor den ukrainischen Angriffen auf die russische Ölverarbeitungsindustrie auf den Weltmarkt gelangte, zweimal geringer als die Menge an Kraftstoff, die in der Straße von Hormus feststeckt und von den Staaten am Persischen Golf nicht auf den Weltmarkt geliefert wird.

Selbst wenn man sich also vorstellt, dass die russischen Exporte wiederhergestellt würden – wobei sich noch die Frage stellt, inwieweit sie angesichts derselben amerikanischen Sanktionen überhaupt legal wären –, würde dies die Preise an den amerikanischen Tankstellen nicht wesentlich verändern, denn die Preise werden den Vereinigten Staaten von der Islamischen Republik Iran diktiert und nicht von der Ukraine mit ihren Angriffen auf die Russische Föderation. Aber das ist etwas, was Trump als Allerletztes eingestehen wird.

Man möchte nur hoffen, dass der amerikanische Präsident dennoch Anstrengungen unternehmen wird, und zwar nicht nur für lautstarke Erklärungen, hinter denen nichts anderes steht als seine Hoffnung, dass es irgendwie gelingen werde, eine Situation zu lösen, die sich nicht lösen lässt, sondern dass er auch konkrete Anstrengungen unternehmen wird, um vom russischen Präsidenten ebenjene Waffenruhe im Energiebereich und überhaupt eine Feuereinstellung an der russisch-ukrainischen Front zu erreichen.

Vielleicht wird wenigstens der Dieselpreis Donald Trump vor Augen führen, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine bereits sein Krieg ist und dass kein wunderbarer Ozean, hinter dem er sich so hervorragend versteckt hat, weder ihn selbst noch die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika vor zweistelligen Preisen schützen wird. Und die werden wir bald sehen – an den Tankstellen der Vereinigten Staaten.


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Titel des Originals: Путін плює на перемирʼя Трампа | Віталій Портников. 15.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 15.09.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Trump verkündet eine Waffenruhe im Energiebereich | Vitaly Portnikov. 14.09.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump betonte, dass die Ukraine und Russland vereinbart hätten, die Angriffe auf die Energieinfrastruktur einzustellen.

Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten erfolgte kurz nachdem Trump betont hatte, dass die ukrainischen Angriffe auf die Ölverarbeitungsinfrastruktur der Russischen Föderation zum Anstieg der Preise für Dieselkraftstoff beitrügen und er sich an den Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky mit dem Vorschlag gewandt habe, solche Angriffe einzustellen und stattdessen andere Ziele in der Russischen Föderation anzugreifen.

Man kann davon ausgehen, dass sich diese Erklärungen Donald Trumps in die Logik des amerikanischen Wahlkampfs vor den Zwischenwahlen zum US-Kongress einfügen. Bekanntlich gehen Meinungsforscher derzeit davon aus, dass die Republikaner bei diesen Wahlen auf eine vernichtende Niederlage zusteuern, die Donald Trump offensichtlich nicht gelegen kommt. Und einer der Gründe für diese Niederlage könnten die hohen Preise an den amerikanischen Tankstellen sein.

Allerdings muss man sofort sagen, dass die ukrainischen Angriffe auf die Infrastruktur der Russischen Föderation die amerikanischen Preise kaum ernsthaft beeinflussen. Der Hauptgrund sind die Folgen des Krieges der Vereinigten Staaten mit dem Iran sowie Teherans Bemühungen, die Blockade der Straße von Hormus aufrechtzuerhalten und mithilfe seiner Stellvertreterkräfte im Jemen mit der Blockade der Meerenge Bab al-Mandab zu beginnen.

Wenn diese jüngste Spezialoperation des Iran tatsächlich umgesetzt wird, werden die Ölpreise vor den Zwischenwahlen somit erneut und in einem weitaus größeren Ausmaß als jetzt nach oben klettern, was wiederum neue Probleme für die Stimmabgabe zugunsten der Republikaner schaffen wird. Und Donald Trump sucht in der für ihn typischen Manier nach jemandem, dem man diese Probleme des amerikanischen Wählers anlasten kann.

Wie es bereits traditionell vor allen amerikanischen Wahlen geschieht, erweisen sich die Ukrainer als schuld, die versuchen, dem Aggressor die Ressourcen für die Fortsetzung des Krieges zu entziehen. Das Interessanteste ist, dass sich selbst eine Einstellung der ukrainischen Angriffe auf die Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation möglicherweise nicht wesentlich auf die Preise für Dieselkraftstoff auswirken würde. Aber das ist bereits eine andere Geschichte, denn dann kann der amerikanische Präsident nach anderen Schuldigen für das Geschehen suchen.

Heute befinden wir uns jedoch in einer Situation, in der von der Ukraine verlangt wird, die Angriffe auf die Ölverarbeitungsinfrastruktur der Russischen Föderation einzustellen, und man uns versichert, dass Russland dasselbe tun werde. Obwohl wir aus dem Kreml keinerlei Kommentare zu diesem Thema sehen. Aus Kyiv dagegen schon.

Der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky betonte, dass die Ukraine ihren Partnern vorgeschlagen habe, eine solche Vereinbarung mit der Russischen Föderation sicherzustellen, die die Zerstörung kritischer Infrastruktur beendet. Dabei geht es nicht nur um den Energiesektor, sondern auch um Lebensmittel und andere Elemente der grundlegenden Sicherung des Lebens. Das ist übrigens ein weitaus realistischerer Ansatz, auch deshalb, weil die faktische Einstellung der Getreidelieferungen aus den Häfen der Russischen Föderation und der Ukraine bereits in den kommenden Jahren beinahe garantiert zu Hunger im Globalen Süden und zu solchen Krisenfolgen führen würde, die für den Westen zu einer nicht weniger erschütternden Erkenntnis werden könnten als die Folgen des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran.

Aber Zelensky hat recht, wenn er sagt, er sei nicht sicher, ob Russland den Wunsch habe, sich an irgendeine solche Vereinbarung zu halten. Zelenskys Worte kann man als Reaktion sowohl auf die Erklärungen Donald Trumps als auch auf die anderer amerikanischer Funktionäre betrachten. Wir verstehen sehr gut, dass die Ukraine vor dem Winter ebenfalls daran interessiert ist, dass Russland seine ständigen Angriffe auf die ukrainische kritische Infrastruktur und Energieinfrastruktur einstellt.

Donald Trump ist, wie wir sehen, jetzt vor den Zwischenwahlen tatsächlich daran interessiert, dass die Angriffe auf die Ölverarbeitungsinfrastruktur der Russischen Föderation eingestellt werden. Ich vermute, dass auch Putin selbst daran interessiert sein könnte, der sich bewusst ist, welche Mengen an Ölverarbeitungskapazitäten die Russische Föderation infolge jedes solchen Angriffs verliert.

Denn inzwischen muss man in Russland nicht nur die Ölverarbeitungsbetriebe reparieren, die von Kyiv angegriffen werden, sondern auch Ölförderbohrungen stilllegen, mit der Aussicht, dass diese Bohrungen möglicherweise nie wieder in Betrieb genommen werden. Und auf diese Weise schrumpft nicht nur der Umfang der Ölverarbeitungsindustrie, sondern auch der Ölindustrie der Russischen Föderation. Und das vor dem Hintergrund westlicher Sanktionen, die Donald Trump trotz seiner Vorwürfe gegenüber Kyiv nicht eilig hat aufzuheben.

Aber hier lautet die wichtigste Frage: Was ist für Putin wichtiger – die Rettung seiner eigenen Ölverarbeitungs- und Ölförderindustrie oder weitere Angriffe auf die Ukraine mit dem Ziel, die Kapitulation des feindlichen Staates und sein Verschwinden von der politischen Landkarte der Welt zu erreichen? Wie wir sehen, hat Putin sich in den vergangenen Jahren stets für die Angriffe auf die Ukraine entschieden und nicht für die Rettung seiner eigenen Wirtschaft.

Wir wissen nicht, worauf sich der Präsident der Vereinigten Staaten stützt, wenn er sagt, sowohl die Ukraine als auch Russland hätten sich darauf geeinigt, keine Angriffe auf den Energiesektor zu führen. Und möglicherweise werden wir es auch nicht erfahren, bis es nicht einmal Erklärungen aus dem Kreml gibt. Ich persönlich warte, offen gesagt, nicht auf Erklärungen, sondern auf die Handlungen der russischen Führung.

Das heißt, Putin, Peskow und Lawrow können sagen, was immer sie wollen. Sie können sagen, dass sie keiner Waffenruhe im Energiebereich zustimmen, weil sie davon ausgehen, dass Kyiv sie verletzen werde, oder sie können umgekehrt sagen, dass sie zustimmen. Aber die Handlungen des Kremls unterscheiden sich, wie wir uns in den vergangenen Jahren bereits mehrfach überzeugen konnten – und warum nur in den vergangenen Jahren, in den vergangenen Jahrhunderten –, stets von den Worten des Kremls. Genau deshalb kann man Putin, wie auch jedem anderen früheren russischen Machthaber, nicht einfach beim Wort nehmen.

Wenn die russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine tatsächlich aufhören, wird das bedeuten, dass Trump bestimmte Worte oder Instrumente gefunden hat, die Putin dazu gezwungen haben, zumindest bis zu den Zwischenwahlen – und genau das muss man im Gedächtnis behalten – von Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur abzusehen.

Wenn diese Angriffe dagegen ungeachtet aller Erklärungen des russischen Präsidenten oder irgendeines anderen russischen Funktionärs fortgesetzt werden, wird das bedeuten, dass die Vereinigten Staaten über keine solchen Instrumente verfügen und dass Putin nicht vorhat, Donald Trump irgendwelche Wahlgeschenke zu machen, oder dass er der Ansicht ist, Trump müsse dafür sorgen, dass ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien ausbleiben, unabhängig davon, wie die russische Armee in dieser Situation handeln wird und ob sie ihre Angriffe auf die kritische Infrastruktur der Ukraine selbst einstellt oder nicht. 


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Titel des Originals: Трамп оголосив енергетичне перемир’я |Віталій Портников. 14.9.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 14.09.2026.
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