Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, betonte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Ukraine ihre Angriffe auf die Erdölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation als Reaktion auf die Intensivierung neuer russischer Angriffe auf die Ukraine verstärken, dabei jedoch keine zivilen Objekte angreifen werde.
Zelensky sagt, der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, habe eine neue Doktrin beschlossen, in der es keinerlei Beschränkungen mehr hinsichtlich der Ziele gebe, auf die russische Raketen und unbemannte Luftfahrzeuge gerichtet werden könnten.
Meiner Ansicht nach ist der Grund für diese neue Doktrin jedoch nicht Putins Wut, die seit 2022 unvermindert anhält, sondern die Möglichkeit, die Ukraine ungestraft mit Raketen und Drohnen anzugreifen, solange es nicht genügend Raketen für die Patriot-Luftverteidigungsbatterien und auch keine ausreichenden Möglichkeiten gibt, strahlgetriebene Drohnen abzuschießen. Und wenn sich dieses Zeitfenster der russischen Möglichkeiten schließt, werden natürlich auch die Angriffe zurückgehen, die heute gegen zivile Objekte in der Ukraine geführt werden.
Die Worte, dass die Ukraine ihre Angriffe auf die Erdölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation fortsetzen werde, sind im Grunde nicht nur eine Antwort an Putin, sondern auch an den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der die Ukraine wiederholt dazu aufgerufen hat, diese Angriffe einzustellen. Er begründete dies damit, dass gerade infolge dieser Angriffe die Dieselpreise weltweit und auch an den amerikanischen Tankstellen rapide zu steigen begonnen hätten.
Übrigens stimmt, so seltsam es klingen mag, nicht nur Zelensky dieser Erklärung Trumps nicht zu, mit der dieser die Situation um die Blockade der Straße von Hormus zu kaschieren versucht, sondern auch der russische Präsident Putin. Dieser betonte bei seinem Auftritt auf einer Diskussionsrunde des Waldai-Klubs, dass sein Land über genügend Kraftstoff verfüge, westliche Sanktionen jedoch verhinderten, dass dieser Dieselkraftstoff auf den Weltmarkt gelange.
Als Zelensky über die Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges sprach, zeigte er sich keineswegs optimistisch. Er betonte, dass die Bemühungen der Administration von Präsident Donald Trump um eine Wiederaufnahme solcher Verhandlungen bislang zu keinen konkreten Ergebnissen geführt hätten. Nach Ansicht des ukrainischen Staatschefs ist der russische Präsident Putin weder an irgendwelchen Friedensverhandlungen noch auch nur an einer Diskussion über einen Waffenstillstand im Bereich der Energieinfrastruktur interessiert.
Diese Worte Zelenskys werden auch durch die Äußerungen Putins selbst bestätigt, der bei seinem Auftritt beim Waldai-Klub bereits die Vorschläge für eine Energiewaffenruhe als absurd bezeichnete und damit jegliche Bemühungen der amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner zurückwies, die vor Kurzem Moskau und Kyiv besucht hatten – mit einem Besuch, der im Hinblick auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges ergebnislos blieb.
Im Grunde wird gerade jetzt deutlich, worin der eigentliche Sinn dieser Reise bestand. Wie sich herausstellt, führen die Vereinigten Staaten mit der Russischen Föderation Verhandlungen über den Verkauf von Vermögenswerten des russischen Ölkonzerns Lukoil in aller Welt. Bekanntlich ist dieses Unternehmen von amerikanischen Sanktionen betroffen. Und zu den Unternehmen, die an einem solchen Kauf interessiert sind, gehören auch solche, die unmittelbar mit dem Schwiegersohn von Präsident Trump, Jared Kushner, und Trumps Sondergesandtem und engem Freund Steve Witkoff verbunden sind. Angeblich war es Putin selbst, der Witkoff und Kushner bei ihrem jüngsten Treffen im Kreml ein solches Angebot machte.
Dann wird verständlich, worüber die amerikanischen Vertreter mit dem russischen Präsidenten tatsächlich sprechen und wie sehr sie der Friedensprozess selbst wirklich interessiert angesichts der Gewinne, die sich durch den Kauf von Vermögenswerten eines der größten russischen Ölkonzerne erzielen ließen.
Somit können wir feststellen, dass der einzige Ansatz der ukrainischen Führung für die nächste Phase der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation weiterhin darin besteht, das russische Energiepotenzial zu verringern.
Gleichzeitig kann die Ukraine natürlich aus mehreren Gründen nicht zu Angriffen in einem solchen Ausmaß greifen, wie sie die Russische Föderation gegen unser Land führt.
- Erstens verfügt die Ukraine bislang nicht über eigene ballistische Waffen. Ein wichtiger Punkt ist dabei, dass Zelensky in seinem Reuters-Interview bereits über die Perspektiven der Entwicklung ballistischer Waffen spricht.
- Zweitens verfügt die Ukraine nicht über jenes Zeitfenster, das Russland heute für seine ballistischen Angriffe und für Angriffe mit Raketen hat, die im Grunde strahlgetriebene „Shaheds“ sind.
- Drittens kann die Ukraine schon aus Gründen ihrer eigenen Selbstachtung nicht so barbarisch Krieg führen wie Russland. Hinzu kommt, dass ein Krieg gegen den zivilen Sektor der russischen Wirtschaft und gegen Wohnviertel russischer Städte die Unterstützung für die Ukraine im Westen infrage stellen und die Position derjenigen stärken könnte, die für ein Ende dieser Unterstützung eintreten.
Das versteht auch Putin sehr gut. Gerade deshalb verstärkt er seine Angriffe auf die Ukraine, um die ukrainische Gesellschaft zu der Überzeugung zu bringen, dass sie vor der Russischen Föderation und ihren verbrecherischen Angriffen kapitulieren müsse. Und das ist ein klassischer historischer Moment, in dem eine barbarische Zivilisation, die vor massiven Angriffen auf Wohnviertel nicht zurückschreckt und deren Vertreter sich faktisch über die Tötung von Zivilisten freuen und dies als Vergeltung bezeichnen, darauf hofft, einen Vorteil gegenüber Zivilisationen zu erlangen, die an Menschlichkeit und am Respekt vor dem Leben festhalten – selbst vor dem Leben der Bürger jenes Landes, das sich in eine regelrechte terroristische Organisation verwandelt hat, die sich als Staat tarnt. Und darin liegt natürlich der eigentliche Kern jener Konfrontation, die wir im russisch-ukrainischen Krieg beobachten.
Deshalb bleiben die Wirksamkeit der Angriffe auf die russische Wirtschaft, die Zerstörung des Erdölverarbeitungssektors der Russischen Föderation, die Verringerung der russischen Ölförderung und der Nachweis, dass die russischen Streitkräfte nicht in der Lage sind, weitere Teile des ukrainischen Territoriums zu erobern, tatsächlich wichtige Instrumente, um die russische Aggression zu stoppen und Putin und sein Umfeld davon zu überzeugen, dass selbst derart brutale Mittel im Krieg gegen unser Land weder zur Kapitulation der Ukraine noch zu dem von Putin ersehnten Verschwinden des ukrainischen Staates von der politischen Landkarte der modernen Welt führen können. Und wir verstehen sehr gut, dass genau dies das Ziel sowohl von Putins Offensive als auch von Putins Angriffen auf Kyiv und andere ukrainische Städte und Ortschaften ist.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: інтервʼю Зеленського: головне | Віталій Портников. 03.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 03.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.