Trump will Sanktionen gegen Freunde Russlands | Vitaly Portnikov. 17.11.2025.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, sprach über mögliche Sanktionen gegen Länder, die weiterhin Geschäfte mit der Russischen Föderation machen.

Solche Sanktionen – Trump erinnert an einen Gesetzentwurf, der von den Republikanern eingebracht und entsprechend vom amerikanischen Kongress verabschiedet werden könnte – könnten jedes Land betreffen, das weiterhin Geschäfte mit der Russischen Föderation macht.

Donald Trump erwähnt dabei insbesondere Iran, das auch ohne zusätzliche Maßnahmen erheblichem Sanktionsdruck sowohl der Vereinigten Staaten als auch anderer westlicher Staaten ausgesetzt ist. Doch offensichtlich gibt es außer Iran noch eine ganze Reihe von Staaten des Globalen Südens, die weiterhin eine fruchtbare wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation pflegen und damit Möglichkeiten zur Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges schaffen.

Schon die Androhung von Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil hat eine ganze Reihe von Erdöl verarbeitenden Unternehmen in Ländern wie Indien, der Türkei und sogar der Volksrepublik China dazu veranlasst, auf neue Käufe von russischem Öl zu verzichten, was natürlich ernste Probleme für die Erdölindustrie der Russischen Föderation schaffen und die Einnahmen des russischen Haushaltes infrage stellen kann.

Und wenn deutlich wird, dass die Sanktionsbeschränkungen auch auf andere mit der Russischen Föderation verbundene Geschäftsbereiche ausgeweitet werden können, dann werden auch andere Länder des Globalen Südens – insbesondere um sowohl Sanktionen als auch hohe US-Zölle zu vermeiden – gezwungen sein, ihren Handel mit der Russischen Föderation einzustellen und damit diesen verbrecherischen Staat vor die Notwendigkeit zu stellen, zwischen der Fortsetzung des Krieges und dem Überleben zu wählen.

Es musste bereits mehrfach erklärt werden, dass westliche Sanktionen gegen die Russische Föderation in Wirklichkeit wesentlich wirksamer wären, wenn dieselben Sanktionen – das heißt dieselben Werte – auch von den Staaten des sogenannten Globalen Südens eingehalten würden. Wenn das Bewusstsein vorhanden wäre, dass die Verletzung internationalen Rechts und die Tötung unschuldiger Menschen zu einer Verringerung des Handels mit dem verbrecherischen Staat und zur Schaffung der Voraussetzungen für dessen wirtschaftlichen Niedergang führen müssen, hätte die Russische Föderation unter Führung Putins den Krieg gegen die Ukraine längst beendet und würde sich auf jegliche Bedingungen der zivilisierten Welt einlassen – bis hin zur Veränderung ihres tsch­eki­stischen Regimes.

Denn die Verwandlung eines aggressiven Staates in ein wirtschaftliches Protektorat des Westens ist der beste Weg, ihm jene Bedingungen zu diktieren, unter denen er in den kommenden Jahrzehnten existieren wird. Und genau auf die Verwandlung Russlands in ein solches Protektorat müssen die Anstrengungen gerichtet sein, um die aggressiven Ambitionen der russischen politischen Führung und des russischen Volkes zu begrenzen.

Damit die Russen sich damit abfinden, dass die Bedingungen der zivilisierten Welt richtig sind, muss man ihnen nicht erklären, worin sich Gut und Böse unterscheiden – denn die Bürger der Russischen Föderation werden niemals mit der biblischen Auslegung einverstanden sein. Man muss die Bewohner des verbrecherischen Staates – wie ich bereits sagte – vor die Wahl zwischen Krieg und Überleben stellen und später vor die Wahl zwischen der Bereitschaft, dem Bösen und einer menschenfeindlichen Politik zu dienen, und der Bereitschaft, nach Regeln in der zivilisierten Welt zu leben.

In dieser Situation sind Sanktionen gegen jene Länder, die weiterhin Geschäfte mit Russland machen, also ein absolut richtiger und rationaler Weg aus dem Krieg.

Natürlich wird dies das russische politische Führungspersonal nicht sofort dazu bringen, auch nur darüber nachzudenken, Gespräche über wenigstens eine Feuerpause an der russisch-ukrainischen Front aufzunehmen. Doch es wird Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Präsident der Russischen Föderation, die russische politische Führung und die russische Militärführung verstehen, dass es ihnen nicht gelingen wird, die Ukraine zu erobern und dass es ihnen nicht gelingen wird, zur von den Tschekisten erträumten Existenzweise des russischen Staatswesens und Einflussbereichs in den Grenzen der Sowjetunion von 1991 zurückzukehren.

Wenn wir also der Meinung sind, dass der erste Schritt zum Druck auf Putin neue Ölsanktionen sein werden und eine genaue Überwachung, wie diese Sanktionen von den Ländern des Globalen Südens umgesetzt werden, und wenn später auch Sanktionen gegen eben diese Länder beginnen, damit sie den Handel mit der Russischen Föderation einstellen – dann sind dies zwei einfachste Wege, um den russischen Haushalt, die soziale Stabilität Russlands, die Position der russischen Regierung und ihre Möglichkeiten zur Fortsetzung des Angriffskriegs zu zerstören. Und genau dies ist es, was theoretisch den Präsidenten der Russischen Föderation dazu bringen sollte, in den kommenden Jahren an den Verhandlungstisch zu kommen.

Das gilt jedoch selbstverständlich nur unter der Voraussetzung, dass erstens der Westen Entschlossenheit bei seinem Druck auf die Russische Föderation zeigt und bereit ist, den russischen Öl- und Ölverarbeitungssektor zu zerstören – auch mithilfe ukrainischer Fernschläge auf Öl- und Raffinerieanlagen der terroristischen Föderation.

Zweitens, dass sorgfältig überwacht wird, wie die Sanktionen umgesetzt werden, und dass Erdölverarbeitungsbetriebe in Ländern des Globalen Südens vor die Drohung ihrer Schließung gestellt werden, falls sie weiterhin Öl von der Russischen Föderation kaufen.

Drittens, dass tatsächlich wirksame Sanktionen gegen jene Länder eingeführt werden, die weiterhin Geschäfte mit der Russischen Föderation machen, ohne irgendwelche ernsthaften Ausnahmen. Einschränkungen sind nur für den Zeitraum möglich, der notwendig ist, um sich von russischen Produkten auf Produkte anderer Länder umzustellen – wie dies derzeit etwa in Bulgariens Ölindustrie und auch bei den Raffinerien Ungarns geschieht.

Viertens, dass man erkennt, dass es keinerlei Kompromisse mit der russischen politischen Führung geben kann. Die einzig realistische Position muss die sein, die auf den Abbau des russischen politischen Regimes abzielt und darauf, die Unfähigkeit der Führungsriege dieses Regimes zu demonstrieren, eigene Entscheidungen zu treffen, wenn diese dem internationalen Recht und dem Verhalten in der zivilisierten Welt widersprechen. Das heißt: die Regeln eines Protektorats. Sollen sie doch Trump-Hähnchenschenkel kaufen, die ihnen dann die Bush-Hähnchenschenkel ersetzen.

Und fünftens die Erkenntnis, dass die Vermögenswerte der Russischen Föderation, die heute im Westen eingefroren sind, das Geld sein müssen, das für den Wiederaufbau der ukrainischen Infrastruktur und für die Unterstützung der Ukraine im Krieg verwendet wird – und dass die Bürger der Russischen Föderation als Teilnehmer an dem Angriffskrieg ihres verbrecherischen Staates gegen die Ukraine dieses Geld niemals sehen werden, selbst wenn man sich vorstellt, dass sie dem Ende des Krieges und dem Abbau des verbrecherischen tsch­eki­stischen Regimes zustimmen würden, das in ihrem chauvinistischen Namen handelt.

Nur all diese Bestandteile zusammen können es ermöglichen, davon zu sprechen, dass wir in den kommenden Jahren mit Gesprächen über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges beginnen können. Und je schneller, natürlich, desto besser – sowohl für uns als auch für den Westen, der vor der Gefahr einer Ausweitung dieses Krieges und eines großen Konflikts mit Russland steht, bei dem solche Staaten bereit wären, Atomwaffen einzusetzen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп хоче санкції проти друзів Росії | Віталій Портников. 17.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 17.11.2025
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Die USA versprechen keine neuen Sanktionen | Vitaly Portnikov. 13.11.2025.

Der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, betonte, dass sein Land das Sanktionspotenzial, das mit dem Druck auf die Russische Föderation zur Beendigung des Krieges gegen die Ukraine verbunden sein könnte, praktisch ausgeschöpft habe.

Der Leiter des amerikanischen Außenministeriums sagte nach dem Treffen der Außenminister der G7, dass die Partner die Vereinigten Staaten gebeten hätten, Sanktionen gegen die größten Ölunternehmen der Russischen Föderation zu verhängen – und dies sei getan worden. Nun, so betonte Rubio, müsse man sich darauf konzentrieren, dass jene Sanktionen auch umgesetzt werden, die bereits von den Vereinigten Staaten und ihren Partnern verhängt worden seien.

In dieser Erklärung des US-Außenministers steckt insofern eine gewisse Wahrheit, als es der Russischen Föderation bisher gelungen war, den Löwenanteil der mit der Energie verbundenen Sanktionen zu umgehen – vor allem mithilfe der sogenannten Schattenflotte und durch den Verkauf von Öl über Unternehmen, die nicht direkt mit den größten Ölkonzernen der Russischen Föderation verbunden waren. Doch nun könnte sich auch diese Praxis ändern, zumindest weil die Vereinigten Staaten kürzlich einem mit dem dem Putin nahestehenden Oligarchen Timtschenko verbundenen Unternehmen nicht erlaubten, Aktien des russischen Unternehmens Lukoil zu kaufen, das bekanntlich in die neue Sanktionsliste der Vereinigten Staaten aufgenommen wurde.

Zugleich ist offensichtlich, dass eine solche Erklärung des US-Außenministers ein weiteres Signal an den Kreml darstellt. Russlands Präsident Putin wird gleichsam zu Verhandlungen eingeladen – mit dem Hinweis, dass Donald Trump wohl kaum neue Sanktionen gegen die russische Wirtschaft verhängen werde. Obwohl wir sehr wohl verstehen, dass solche Sanktionen im amerikanischen Arsenal vorhanden sind.

Die Erklärung kann auch ein Signal an die europäischen Partner der Vereinigten Staaten sein, die Rubio in seinen Äußerungen erwähnte – insbesondere indem er an die Möglichkeit erinnerte, die Einhaltung jener Sanktionen zu kontrollieren, die bereits verhängt worden sind.

Und natürlich könnten die Vereinigten Staaten die Europäer auch an die Notwendigkeit erinnern, die russischen Vermögenswerte zu konfiszieren, die auf den Bilanzen europäischer Finanzinstitute liegen. Bisher ist es der Europäischen Kommission nicht gelungen, Belgien – wo sich der Löwenanteil solcher Vermögenswerte befindet – von deren Konfiszierung zu überzeugen. Und Norwegen, auf das man gehofft hatte, weil es einen Teil seines Staatsfonds als Garantie für einen neuen Kredit an die Ukraine bereitstellen könnte, hat diese Option nach einer Erklärung des norwegischen Finanzministers Jens Stoltenberg kategorisch abgelehnt.

Damit bleiben der Europäischen Union faktisch keine wirksamen finanziellen Instrumente, um die Ukraine in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges zu unterstützen. Und der US-Außenminister könnte mit seiner Erklärung über das begrenzte Sanktionspotenzial die Länder der Europäischen Union dazu bewegen, nach solchen Instrumenten zu suchen.

Doch offen bleibt, inwieweit all diese Erklärungen und der gesamte Sanktionsdruck den russischen Präsidenten Putin beeinflussen und ihn zwingen können, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden.

Rubios Aussagen zufolge befinden wir uns erneut in einer Situation, in der die Amerikaner glauben, dass die Hauptbedingung des russischen Präsidenten für die Beendigung des Krieges die Besetzung jenes Teils des Donezker Gebiets durch russische Streitkräfte sei, der derzeit unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung steht. Dabei betonte der US-Außenminister, dass solche Bedingungen für die Ukraine unannehmbar seien. Und damit wird die Verantwortung für die weitere Fortsetzung des Krieges Russlands gegen die Ukraine schon nicht mehr den Amerikanern zugeschoben, die alle Sanktionen verhängt hätten, zu denen sie in der Lage gewesen seien – und auch nicht den Europäern –, sondern der ukrainischen Führung, die nicht bereit sei, einen Teil ihres Territoriums zugunsten einer Kriegsbeendigung aufzugeben.

Wir verstehen jedoch, dass dies rein mythologische Bedingungen Putins sind, denn

  • Erstens wünscht der russische Präsident kaum, den Krieg allein durch die Besetzung jenes Teils der Donezker Region zu beenden, der unter der Kontrolle der ukrainischen Verteidigungskräfte steht.
  • Zweitens wäre dies ohnehin kein Kriegsende, sondern nur ein Einfrieren des Konflikts, da Russland nicht vorhat, auf jene Teile der Regionen Saporischschja und Cherson zu verzichten, die unter Kontrolle der ukrainischen Regierung stehen, und sie als besetzte Teile seines konstitutionellen Territoriums betrachtet. Damit könnte der Krieg um diese Gebiete jederzeit wieder aufflammen, sobald der Kreml entscheidet, dass er genug Möglichkeiten dazu habe – und Kiew würde dann beschuldigt, diese Zwischen-Friedensabkommen verletzt zu haben.
  • Drittens ist meiner Meinung nach der Präsident der Russischen Föderation auch an diesen Bedingungen zur Beendigung des Krieges nicht interessiert. Er hofft vielmehr, dass der langanhaltende Kampf mit der Ukraine zur Zerstörung des ukrainischen Staates und zur Übernahme des gesamten ukrainischen Territoriums durch Moskau führt.

Doch für die Trump-Administration, wie wir verstehen, ist nicht entscheidend, was sich in einigen Jahren des zermürbenden Kampfes zwischen russischen und ukrainischen Streitkräften an der russisch-ukrainischen Front ereignen wird. Für die Trump-Administration ist es wichtig, einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu erreichen, damit der Präsident der Vereinigten Staaten sich selbst als Friedensstifter präsentieren und auf die so dringend von ihm angestrebte Verleihung des Friedensnobelpreises hoffen kann. Und das muss in den nächsten Monaten geschehen, denn bereits im Januar wird die Shortlist der Kandidaten für den Nobelpreis geschlossen. Und wenn es Donald Trump nicht gelingt, ernsthafte Fortschritte im Friedensprozess zu erzielen, wird er auch 2026 nicht in die Liste der Nobelpreisträger gelangen.

So werden Eitelkeit und mangelndes Verständnis der realen Situation zum Hauptmotiv der Handlungen der amerikanischen Administration in der russisch-ukrainischen Frage – und veranlassen Marco Rubio und andere amerikanische Beamte, widersprüchliche Signale an Moskau zu senden. So hat, wie wir uns erinnern, der US-Finanzminister Scott Besant über die Möglichkeit gesprochen, den Sanktionsdruck auf Russland weiter fortzusetzen, und keineswegs neue Sanktionen der Administration gegen den Kreml ausgeschlossen. Und der US-Außenminister sagt buchstäblich wenige Wochen später, dass neue Sanktionen kaum zu erwarten seien, da die Vereinigten Staaten nicht wüssten, wie diese aussehen könnten.

Und natürlich bleibt Putin – ungeachtet aller Probleme, die in Moskau im Zusammenhang mit der Einführung der Energiesanktionen gegen Lukoil und Rosneft entstanden sind (übrigens müssen sie erst noch vollständig in Kraft treten; es ist noch eine Woche bis zu ihrer endgültigen Umsetzung) – nur übrig, still über Donald Trump zu schmunzeln. Denn er weiß sehr genau, dass für den amtierenden Präsidenten die Suche nach Kompromissen mit dem Kreml weiterhin ein Prioritätsziel in der Außenpolitik bleibt.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: США не обіцяють нових санкцій | Віталій Портников. 13.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 13.11.2025
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Die ersten Ergebnisse von Trumps Sanktionen | Vitaly Portnikov. 03.11.2025.

In dieser Livesendung sprechen wir darüber, wie sich die ersten Sanktionen der Ära Donald Trump tatsächlich auf den russisch-ukrainischen Krieg auswirken können. Ich erinnere Sie daran, dass Donald Trump in den zehn Monaten seiner Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten keine neuen Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängt hat. Erst als klar wurde, dass das Treffen der amerikanischen und russischen Präsidenten in Budapest höchstwahrscheinlich nicht stattfinden wird – weil Russland auf keiner seiner Forderungen im Zusammenhang mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges verzichtet und weiterhin auf die Kapitulation des Nachbarstaates mit anschließender Eingliederung seines Territoriums in die Russische Föderation drängt –, entschied Donald Trump, dass es an der Zeit sei zu handeln, dass es an der Zeit sei, Putin daran zu erinnern, dass die gegenwärtige amerikanische Administration nicht nur großzügige Vorschläge für einen Waffenstillstand unterbreiten kann, sondern auch reale Sanktionen, die sich auf den Zustand der russischen Wirtschaft auswirken können. Und die ersten derartigen Sanktionen richteten sich gegen die russischen Ölkonzerne Lukoil und Rosneft. 

In Moskau nahm man diese Entscheidungen übrigens recht gelassen und, ich würde sogar sagen, sarkastisch auf. In Washington hingegen betonte man, Putin werde schon sehen, welche Folgen diese Sanktionen haben, und schon in wenigen Monaten werde der russische Präsident in einem ganz anderen Ton sprechen. Nun – wer hat in einer solchen Situation recht? Wer wird am Ende wirklich lachen? Werden die US-Sanktionen gegen den russischen Ölsektor dem russischen Staatschef tatsächlich nicht erlauben, den Krieg gegen die Ukraine so lange fortzusetzen, wie Putin es braucht, um unseren Staat zu zerstören und die ehemaligen ukrainischen Gebiete als Pseudosubjekte einer Pseudoföderation an Russland anzuschließen? Wir verstehen ja selbst, dass genau dies die strategischen politischen Ziele des russischen Präsidenten für die nächsten Jahre des russisch-ukrainischen Krieges sind.

Viele Beobachter im Energiesektor reagierten ebenfalls ziemlich gelassen auf Trumps Sanktionen gegen russisches Öl, mit dem Hinweis, dass bislang keine US-Sanktionen die Stimmung der russischen politischen Führung in Bezug auf die Fortsetzung des Krieges in der Ukraine verändert hätten. Mehr noch: Man kann sagen, Russland habe ein wirksames System zur Umgehung amerikanischer Sanktionen geschaffen, das der ganzen Welt die Hilflosigkeit Washingtons vor Augen geführt habe, wenn es um Länder wie die Russische Föderation geht, die beabsichtigen, Krieg zu führen und gleichzeitig Handel zu treiben – vor allem mit Ländern des Globalen Südens, von denen es der Mehrheit egal ist, was westliche Werte und die territoriale Unversehrtheit europäischer Staaten bedeuten.

Denn es sei daran erinnert, dass man im Globalen Süden – in Asien, Lateinamerika, Afrika – die Fragen der territorialen Unversehrtheit und der Unverletzlichkeit von Grenzen immer ganz anders betrachtet hat als in Europa. Und auch in Europa existiert die Idee der Unverletzlichkeit der Grenzen als Dogma faktisch erst seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie fand ihren Niederschlag in den Helsinkier Dokumenten von 1975 – übrigens auf Vorschlag sowjetischer Diplomaten, die überzeugt waren, dass gerade die Idee der Unverletzlichkeit der Grenzen sowohl die ewige Existenz des geteilten Deutschland als auch die Existenz der souveränen Deutschen Demokratischen Republik festschreiben würde, die, wie ich erinnere, damals ein echter Satellit der Sowjetunion war. Um ihre kolonialen Besitztümer in Europa zu bewahren, setzte die Sowjetunion also die Idee der Unverletzlichkeit der Grenzen durch, die dem Westen damals nicht gefiel. Denn im Westen hofften viele, noch die Wiedervereinigung Deutschlands zu erleben. Und, wie wir sehen, konnte kein Helsinkier Akt die historischen Prozesse aufhalten. Nicht von ungefähr gab es in diesem Helsinkier Akt die Norm der freiwilligen Vereinigung von Staaten – ein Punkt, mit dem die Russische Föderation jetzt spielen kann, falls, sagen wir, ihre Truppen unser ganzes Land besetzen und ein Ende der ukrainische Staatlichkeit setzen, wovon Putin zusammen mit Millionen seiner chauvinistisch gesinnten und zu einem langen Krieg bereiten Landsleute weiterhin entgegen der Realität träumt.

Kehren wir aber zu den Ölsanktionen zurück. Wie Sie verstehen, wirkt die Situation mit den Ölsanktionen nicht besonders neuartig, denn es sind nicht die ersten Sanktionen gegen russische Ölunternehmen. Man hat inzwischen fast vergessen, dass die letzten Sanktionen der Administration von Joseph Biden gegen Russland im Januar 2025 – buchstäblich wenige Tage bevor Präsident Biden das Weiße Haus verließ und der triumphierende und selbstsichere Donald Trump ins Oval Office zurückkehrte – sich genau gegen russische Ölunternehmen richteten: gegen Surgutneftegas und Gazpromneft, ebenfalls ziemlich große Ölkonzerne der Russischen Föderation, die einen wichtigen Teil des russischen Haushalts sicherten, der auf die Fortsetzung des endlosen Krieges gegen unseren Staat gerichtet war. Viele sagten damals im Januar 2025: „Da hat Biden sich zu diesen Sanktionen durchgerungen. Sie werden sich ernsthaft auf den russischen Haushalt auswirken. Putin wird bald keine Möglichkeiten zu kämpfen haben, kein Geld für den Krieg – und alle Lorbeeren des Mannes, der den Krieg beendet, werden natürlich Donald Trump zufallen.“ Nichts davon ist auch nur im Geringsten eingetreten. Erstens spürte Putin keine ernsthaften Budgetprobleme, denn buchstäblich wenige Monate nach Einführung der Biden-Sanktionen begannen Surgutneftegas und Gazpromneft das Öl an die Käuferländer über Scheinfirmen zu liefern, mithilfe einer Schattenflotte, ebenfalls mit Hilfe von Zwischenhändlern in diesem Geschäft – und manchmal sogar unter eigenem Namen, manchmal ohne überhaupt zu verbergen, dass es sich um ihre Ware handelt. 

Wie kann so etwas passieren? Sehr einfach. Wir müssen uns der Natur der amerikanischen Sanktionen bewusst werden. Warum bekommen diese Sanktionen überhaupt internationalen Charakter? Weil die Vereinigten Staaten, wenn sie Sanktionen verhängen, diese, man kann sagen, auf die gesamte Palette ihrer Finanzdienstleistungen anwenden. Und in dieser Palette gibt es den US-Dollar. Wenn Sie in US-Dollar für Waren von Unternehmen bezahlen, die unter US-Sanktionen stehen, geraten Sie selbst unter Sanktionen. Deshalb können Sie den Dollar in diesem Handel nicht verwenden, was die gesamte Situation natürlich erheblich erschwert. Und viele scheuen überhaupt den Kontakt zu sanktionierten Unternehmen, um nicht unter Sanktionen zu fallen – selbst wenn der Dollar in den Abrechnungen nicht verwendet wird –, weil es eine ganze Reihe von Möglichkeiten gibt, mit denen die Vereinigten Staaten den Welthandel kontrollieren können. Das funktionierte jedoch effektiv damals, als unter den Sanktionen der Vereinigten Staaten nicht sehr große Länder mit begrenzter Wirtschaft standen. Als jedoch die Russische Föderation mit ihren Öllieferungen und ihren Wirtschaftsbeziehungen mit Dutzenden Ländern des Globalen Südens unter US-Sanktionen geriet, wurde klar, dass zum einen viele die amerikanischen Sanktionen ignorieren, weil der Gewinn aus dem Sanktionshandel viel wichtiger und gewichtiger ist als mögliche Sanktionen seitens der USA. Und zum anderen ist ein solcher Handelsumfang überhaupt nicht zu kontrollieren. Daher besteht das Wesen der amerikanischen Sanktionen nicht in der Strenge ihrer Durchsetzung, sondern in der Nicht-Strenge ihrer Nichtbefolgung – so wie es in autoritären Ländern immer war, so wie wir immer sagten, dass die Strenge der russischen Gesetze dadurch kompensiert wird, dass sie in der Regel nicht besonders befolgt werden oder durch eine ganze Reihe korrupter Mechanismen umgangen werden können. Diese Fähigkeit, mit Hilfe von Korruption idiotische Gesetze zu umgehen, wurde zu einem großen Teil des Lebens in allen postsowjetischen Gesellschaften und machte sie total korrupt. Denn die reale Ursache der Korruption ist in der Regel nicht nur der Wunsch der Menschen, ihre Probleme außerhalb des Gesetzes zu lösen, sondern das idiotisch geschriebene Gesetz, gegen das es kein anderes Mittel gibt, als demjenigen, der dieses Gesetz durchsetzen will, ein Bestechungsgeld zu geben. Das ist, würde ich sagen, eine bekannte Geschichte.

Mit den US-Sanktionen gegen Russland ist nun etwas sehr Ähnliches passiert. Deshalb sagten viele: „Vielleicht hätte Donald Trump keine neuen Sanktionen verhängen sollen, sondern daran arbeiten, dass die alten wirklich funktionieren.“ Aber Donald Trump musste natürlich Putin ein Signal senden, dass er in die Offensive gegangen ist. Und da begannen alle sofort zu sagen: „Na gut, wenn diese Offensive beginnt – welche Probleme werden Rosneft und Lukoil haben, selbst nach massiven Sanktionen gegen eine ganze Reihe ihrer Unternehmen, um die US-Sanktionen zu umgehen, wenn die vorherigen Ölkonzerne sie doch bestens umgangen haben und es einen ganzen Mechanismus gibt, wie man mit diesen Sanktionen umgeht?“

Jetzt verstehen wir, dass nicht alles so einfach ist. Und dafür gibt es mehrere Gründe. Der erste Grund sind die kurzfristigen Folgen der US-Sanktionen gegen Russland, über die ich versuche, Ihnen täglich zu berichten. Derzeit lehnen tatsächlich sowohl indische als auch türkische Raffinerien russisches Öl ab. Und sogar – was ziemlich unerwartet war – Raffinerien der Volksrepublik China. Da mag die Frage aufkommen: Warum ist das so? Auf den indischen Premierminister Narendra Modi, auf Indien, hat Donald Trump beträchtlichen Druck ausgeübt, das wissen wir alle. Er meinte, er könne durch den Vorwurf, Indien finanziere faktisch den russisch-ukrainischen Krieg – was der Wahrheit entspricht –, auch das Handelsungleichgewicht mit Neu-Delhi beseitigen. Aber auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, und erst recht auf den Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, wurde kein wirklicher Druck ausgeübt. Und dennoch beginnt man sowohl in der Türkei als auch in China, auf russisches Öl zu verzichten. Es heißt sogar, China könnte auf 40 % dieses Öls verzichten, das aus Russland an die Raffinerien der VR China geliefert wird. Warum? Weil neben politischen Aspekten die Gesetze des Marktes zu wirken beginnen. Große Unternehmen in der Türkei und in der VR China – von Indien ganz zu schweigen – erwiesen sich als hinreichend in den großen Markt integriert. Diese Integration in den großen Markt hat natürlich reale Probleme für sie im Zusammenhang mit jeglichen US-Sanktionen gegen Russland geschaffen. Denn diese Unternehmen wollen absolut nicht auf US-Sanktionslisten geraten, um später darum kämpfen zu müssen, von dort wieder gestrichen zu werden, und nachzuweisen, dass sie kein russisches Öl mehr kaufen. Auf eine Sanktionsliste zu geraten ist viel einfacher als wieder herunterzukommen, denn das ist eine ganze bürokratische Maschinerie, ein Gang durch die Instanzen. Wenn wir von Unternehmen mit Milliardenerlösen sprechen, ist es für sie, wie Sie verstehen, viel einfacher, russisches Öl durch Öl anderer Herkunft zu ersetzen – selbst wenn man damit einen nicht sehr großen Teil des Gewinns riskiert –, als dann in Washington Lobbyisten für ihre Interessen zu finden, in den amerikanischen Behörden. Daher war schon unmittelbar nach Trumps Verhängung von Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil zu verstehen, dass es reale kurzfristige Verluste für die Russische Föderation geben wird.

Viele sagen, dass Russland infolge dieser Sanktionen in jedem Fall etwa 15–20 % seiner Einnahmen verlieren wird. Aber eben nicht 50 %, stimmt’s? Worauf beruhen diese 15–20 %? Darauf, dass dies jetzt die erste Anpassungsphase an diese Sanktionen ist. Übrigens sind sie noch nicht in Kraft. Sie sollen ab dem 21. November dieses Jahres gelten – es sei denn, Putin macht dem amerikanischen Präsidenten erhebliche Zugeständnisse und stimmt einem Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu. Und jedem ist klar, dass das nicht passieren wird, dass Putin überhaupt nicht bereit ist, irgendwelche Zugeständnisse zu machen, dass er fest entschlossen ist, den jahrelangen Krieg ohne jede Aussicht auf Aussetzung fortzusetzen. Also wird es Sanktionen geben. Natürlich. Aber in der Zeit bis zum 21. November und auch nach dem 21. November, wenn diese Sanktionen bereits gelten, werden Rosneft und Lukoil in ernsthaften Konsultationen mit Spezialisten von Surgutneftegas und Gazpromneft Mechanismen zur Umgehung der US-Sanktionen erörtern, so dass indische, türkische und chinesische Unternehmen, die ihr Öl kaufen, keine Sanktionen riskieren und das Volumen der Abnahme von russischem Öl soweit erhöhen können, wie sie es benötigen.

Natürlich sind das ebenfalls Verluste, denn sowohl in Neu-Delhi als auch in Ankara und Peking wird man den russischen Ölmanagern sagen: „Hören Sie, es ist trotzdem ein Risiko. Wir werden weiterhin riskieren, dass die Amerikaner nach Verstößen gegen ihre Sanktionen suchen. Wir können unter sekundäre Sanktionen fallen, also bitte gewähren Sie einen größeren Rabatt, und das Volumen können Sie erhöhen, wenn wir es brauchen, aber der Rabatt muss offensichtlich größer sein als bisher.“ Und selbstverständlich werden alle diese Lieferungen nun ausschließlich in Rupien, Yuan und türkischen Lira abgewickelt. US-Dollar können auf keiner Stufe verwendet werden, denn das wäre das Ende. Selbst das Öl, das über die sogenannte Schattenflotte in indische, türkische und chinesische Häfen gelangt, kann jetzt nicht mehr für Dollar verkauft werden, denn das birgt das Risiko der völligen Stilllegung all dieser Unternehmen, ihrer internationalen Beziehungen und natürlich die Unmöglichkeit des Verkaufs russischer Erdölprodukte.

Und nun gibt es die Idee, dass, wenn Lukoil und Rosneft in dieser Zeit die entsprechenden Entscheidungen treffen, wie sie mit dem Öl verfahren, das nach Indien, nach China und in die Türkei gehen wird – in einigen Monaten, so wie es bei Surgutneftegas und Gazpromneft war –, der russische Export in die Länder des Globalen Südens in dem Umfang erhalten bleibt, in dem er vor den Trump-Sanktionen war, und Putin Trump eine Nase drehen die wird. Aber so einfach ist es nicht. Bidens Sanktionen wurden von der überwiegenden Mehrheit der politischen Führer der Länder des Globalen Südens genau als Bidens Sanktionen wahrgenommen. Allen war klar, dass die Vereinigten Staaten nicht besonders darüber nachdenken, dass diese Sanktionen umgangen werden könnten. Trump sagte die ganze Zeit, das sei Bidens Krieg, das interessiere ihn überhaupt nicht. Ja, er hob die gegen die Russische Föderation von der vorherigen Administration verhängten Sanktionen nicht auf, aber er schenkte ihnen auch nicht viel Aufmerksamkeit und sprach ständig davon, wie er von der Wiederaufnahme fruchtbarer Wirtschaftsbeziehungen mit der Russischen Föderation träume. Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten selbst von der Wiederaufnahme fruchtbarer Wirtschaftsbeziehungen mit Russland spricht, dann wird in ein paar Monaten alles so sein wie vor 2022 – oder sogar besser –, dann kann man natürlich riskieren und diese Sanktionen nicht befolgen. Aber nachdem Donald Trump seine eigenen Sanktionen gegen Russland verhängt hat, nachdem klar wurde, dass seine Beziehungen zum Präsidenten der Russischen Föderation zu wünschen übrig lassen, verwandelt sich Bidens Krieg mit jedem neuen Monat dieses Krieges in Trumps Krieg. Ich rede schon gar nicht von der Möglichkeit, der Ukraine weitreichende Waffen zu liefern, mit denen wichtige Objekte auf dem Territorium der Russischen Föderation zerstört werden. Selbst wenn es britische Waffen sind, wird dieser Krieg Trumps Krieg sein – und es wird natürlich im Interesse der russischen Führung liegen, bereits gegen Trump zu kämpfen und nicht gegen Biden, wie wir verstehen. Und im Interesse der Länder des Globalen Südens wird es sein, sich nicht mit Trump zu überwerfen, denn alle werden sehr gut verstehen, dass, wenn die Sanktionen demonstrativ umgangen werden, dies eine Herausforderung an den amtierenden amerikanischen Präsidenten ist. Und sein Finanzminister Scott Bessent, der auf den energetischen Zusammenbruch der Russischen Föderation erpicht ist, wird Trump natürlich berichten, was die Länder tun, die weiterhin trotz der amerikanischen Wünsche russisches Öl kaufen. Sie respektieren Trump nicht – also muss man ihnen antworten. Das passt in drei Logiken nicht hinein.

Die erste Logik ist das Bemühen des indischen Premierministers Narendra Modi, Wege zur Aufhebung der US-Zölle gegen Indien zu suchen, die sich natürlich in der indischen Wirtschaft bemerkbar machen. So oder so wird Narendra Modi versuchen, sich in dieser Richtung mit Trump zu verständigen. Verstöße gegen die von Trump verhängten Sanktionen – genau diese, ich denke, bei Surgutneftegas und Gazpromneft könnte man sogar weniger genau hinschauen – genau diese Sanktionen, wenn sie in Kraft sind, werden als persönliche Beleidigung Trumps wahrgenommen. Und dann wird man das Thema Zollaufhebung kaum noch zurückdrehen können.

Für Recep Tayyip Erdoğan ist das ebenfalls völlig unnötig, denn er ist Trumps Freund. Er sieht, wie wohlwollend der amerikanische Präsident ihm gegenübersteht, aber er kennt zugleich alle Charaktereigenschaften Trumps und versteht, dass Trump einfach beleidigt sein kann, wenn er sich nicht an dessen Sanktionen gegen Russland beteiligt.

Xi Jinping mag jetzt denken – und im Prinzip findet sich das auch in Äußerungen chinesischer Beamter nach dem Treffen des Präsidenten der Vereinigten Staaten und des Vorsitzenden der VR China in Busan –, dass er in der Logik dieses einjährigen Waffenstillstands bleiben muss, um keine neuen Zölle gegen die VR China zu provozieren. Ja, China kann darauf mit Gegenzöllen antworten, aber all das trifft, wie wir verstehen, nicht nur die amerikanische, sondern auch die chinesische Wirtschaft. Daher kann auch Xi Jinping daran interessiert sein, dass seine Raffinerien zumindest während dieses einjährigen Waffenstillstands vorsichtig agieren, in dem amerikanisch-chinesische Verhandlungen zur Normalisierung des Handels stattfinden. Zumal die Amerikaner den Chinesen bereits während der Handelsgespräche die Frage gestellt haben, dass China russisches Öl kauft. Ja, Donald Trump mag dieses Thema mit Xi Jinping nicht besprochen haben, aber jetzt geht es nicht einfach um den Ankauf von russischem Öl durch chinesische Raffinerien, sondern um den Verstoß gegen amerikanische Sanktionen.

So kann es also sein, dass die mit Bidens Sanktionen funktionierenden Umgehungsschemata bei Trumps Sanktionen zumindest nicht vollständig funktionieren. Und damit können sich die Hoffnungen, dass Russland ausschließlich 15–20 % seiner Einnahmen verliert – diese Zahl kursiert heute in Moskau –, nur teilweise bewahrheiten; es könnte sich um unberechtigten Optimismus russischer Aggressoren handeln, die in Wirklichkeit viel mehr verlieren könnten, als sie für das laufende Jahr planen. Auch das ist eine völlig realistische Entwicklung, über die wir sprechen, wenn wir diese Geschichten erörtern.

Dann gibt es noch einen weiteren Punkt, den wir im Prinzip die Eskalationsleiter nennen. Zwei große Staaten befinden sich jetzt in einer Situation der Eskalation gegeneinander, weil es zwischen ihnen tatsächlich keine Plattform für Verständigung gibt. Somit ist die Eskalation zwischen ihnen, die Verschärfung der Beziehungen, möglicherweise sogar bis hin zu einer militärischen Komponente, in den 2020er–2030er Jahren des 21. Jahrhunderts unvermeidlich. Auf diese Explosion muss man sich zumindest psychologisch vorbereiten, wenn es physisch nicht gelingt, ihr zu entgehen. Ich meine damit, dass Donald Trump faktisch weiterhin glaubt, Putin müsse an einer Normalisierung der Beziehungen mit den Vereinigten Staaten und an einem fruchtbaren Handel mit den Vereinigten Staaten interessiert sein. Denn Donald Trump ist ein Mensch, der alles am Geld misst. Und er ist rational, dieser Mensch. Ja, er kann in seiner, ich würde sagen, Unbildung, in seinem Unverständnis vieler Prozesse der modernen Welt wunderlich erscheinen. Aber aus der Perspektive, dass es besser ist zu verdienen als zu verlieren, ist das ein absolut rationaler Ansatz. Putin hält sich nicht an diesen Ansatz. Sie sehen ja, dass für Putin die Fragen des Geldes, des Verdienstes, des wirtschaftlichen Erfolgs drittrangig sind. Das Wichtigste ist die Wiederherstellung des Imperiums.

Wir sprechen jetzt über Pokrowsk. Jeden Tag verlieren die Russen Tausende Menschen, Technik, alles Mögliche, nur um in die Ruinen einer faktisch zerstörten Stadt im Donbass einzudringen. Der Donbass selbst ist ein marginalisiertes Kohlebecken, das bereits Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre des vergangenen Jahrhunderts im Vergleich zu den Kohlebecken der Russischen Föderation marginalisiert wurde – die vor unseren Augen jetzt ebenfalls faktisch sterben, weil Russland im wirtschaftlichen Wettbewerb mit China im Bereich der Kohleindustrie verloren hat. Das alles ist also keine Geschichte über Wirtschaft. Selbst wenn Putin die ganze zerstörte Ukraine besetzt, wird es keine Geschichte über Profit sein, denn er bleibt der Chef eines Staates, der unter Sanktionen steht und zudem die Ruinen eines zerstörten großen Territoriums wiederaufbauen muss. Wie Sie sehen, haben die Russen überhaupt keine realen Möglichkeiten, irgendetwas wiederaufzubauen – und keinen Wunsch dazu. Das Fehlen der Wasserversorgung in Donezk ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was die Russen in Wirklichkeit können. Erinnern Sie sich einfach an Donezk vor der Besetzung durch die Russen: Es war eine der am schnellsten wachsenden Städte Europas, und von Boryspil nach Donezk flogen fast stündlich Flugzeuge – was, wie Sie verstehen, ein Indikator für wirtschaftliche Entwicklung ist. Und schauen Sie auf das von diesen Schurken verschandelte Donezk heute.

Einst gab es den König Midas, alles, was er berührte, verwandelte sich in Gold. Und es gibt den Zar Putin, alles, was er berührt, verwandelt sich in Scheiße. Und Trump kann das nicht verstehen, offenbar. Wie soll er es verstehen? Wenn Putin also für sein sowjetisches Imperium kämpfen will, das unbedingt wiederhergestellt werden muss – selbst wenn 30–40 Millionen Russen gabei sterben, „na und?“ –, dann ist das die eine Position. Und die andere lautet: „Hört auf mit eurer sinnlosen Tätigkeit, lasst uns Handel treiben.“ Was bedeutet das? Das bedeutet: Nachdem die Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil zu wirken beginnen und Trump sieht, dass Putin immer noch nichts begriffen hat, nichts wissen und verstehen will, kann er völlig gelassen neue Sanktionen verhängen.

Die Beziehungen zu Putin werden nun nicht mehr in die Zuständigkeit von Steve Witkoff fallen, der nach Moskau reiste und dort irgendetwas mit Dmitriew und anderen russischen Gaunern auskungelte. Das wird die Zuständigkeit von Scott Bessent sein. Und wie wir gesehen haben: All diese Monate haben Bessent förmlich die Hände gezittert und gejuckt, um so schnell wie möglich Sanktionen gegen die Russische Föderation zu starten. Warum? Weil Bessent als Geschäftsmann versteht, dass, wenn man unter dem Vorwand des russisch-ukrainischen Krieges die russische Wirtschaft und die russische Energiewirtschaft zerstört, es den amerikanischen Öl- und Gasunternehmen besser geht. Je mehr Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängt werden, je mehr russische Ölunternehmen bankrottgehen, je mehr russische Ölquellen geschlossen werden, je mehr die Ölindustrie der Russischen Föderation degradiert, Ressourcen und Arbeitskräfte verliert, desto besser für das amerikanische Geschäft. Die amerikanische Wirtschaft ist natürlich bereit, mit der Russischen Föderation zusammenzuarbeiten, aber wenn sich die Russische Föderation einfach in ein Territorium der Marginalisierung verwandelt, nun gut – das sind die Probleme der Russischen Föderation. Was ist daran schlecht? Das ist gut. Aus Sicht des Geschäfts ist das gut. Man kann handeln, oder man kann unter politischem Vorwand den Konkurrenten zerstören. Natürlich lässt ein normaler Konkurrent niemals zu, sich unter politischem Vorwand zerstören zu lassen. Aber wenn Putin so ist – nun gut. Also wird eine Sanktion auf die andere folgen.

Was kann Putin dem entgegnen? Eine militärische Eskalation. Klar ist, dass Putins Wunsch, die Ukraine einzufrieren, die ukrainische Wärmeinfrastruktur zu zerstören, die Ukrainer zur Kapitulation vor Russland zu bringen, damit sie die ganze Macht des Weißen Zaren verstehen – all das wird auf Trump keinen Eindruck machen. Und Trump kann damit in seinem Kopf bestens umgehen, wenn er sagt: „Sollen sie noch ein bisschen weiterkämpfen.“ Putin versteht sehr gut, dass das Trump nicht beeindrucken wird, dass, wenn er auf die Sanktionen der Vereinigten Staaten mit Schlägen gegen die Ukraine antwortet, das auf nichts Besonderes Einfluss haben wird. Dann ist die Frage: Was soll Putin mit Trump machen? Er muss die gewaltsame Eskalation verstärken. Auf jedes Sanktionspaket Möglichkeiten der militärischen Eskalation schaffen. Das meine ich, wenn ich von einer Eskalationsleiter spreche. Über Armeen von Drohnen in Europa haben wir schon mehrfach gesprochen. Und das kann sich nur verstärken – verstärken hinsichtlich der Situation in Europa, verstärken hinsichtlich der Drohnenarmeen im Zusammenhang mit dem russischen Wunsch, den Kontinent zu destabilisieren. Vielleicht wird es irgendwelche Schläge gegen militärische Objekte geben. All das kann schon 2026 Realität werden. Ich nenne dieses Jahr das Jahr der Skalierung des russisch-ukrainischen Krieges. Oder Putin wird gezwungen sein, Zugeständnisse zu machen – zumindest teilweise – gegenüber Trump, damit keine neuen Sanktionen verhängt werden. Aber Stand heute ist Putin dazu offensichtlich nicht bereit.

Ich beantworte die Fragen, die während dieser Sendung schon gestellt wurden.

Frage. Glauben Sie wirklich, dass China seine Ölimporte aus Russland begrenzen wird? Oder ist das ein Bild für die Vereinigten Staaten, während die Käufe über andere Kanäle laufen?

Portnikov. Ich habe Ihnen das, scheint mir, schon im ersten Teil unseres Gesprächs gesagt. Erstens bin ich nicht gewohnt, an irgendetwas zu glauben. Ich bin gewohnt, Fakten zu vertrauen. Stand heute haben die größten chinesischen Unternehmen und auch die kleineren nachweislich in den Dokumenten ihre Bestellungen für russisches Öl reduziert. Und das, noch bevor die Sanktionen in Kraft getreten sind. Das heißt: Dieses Öl wird es Stand heute nicht geben. Werden sie Umgehungswege suchen? Ja. Das habe ich bereits gesagt. Der kurzfristige Effekt wird ernsthaft sein. Und wie der langfristige Effekt aussehen wird, hängt von zwei Dingen ab. Erstens davon, wie leicht sich diese Umgehungswege finden lassen und ob sie jetzt nicht strenger vom Westen kontrolliert werden als nach Januar 2025. Zweitens davon, inwieweit die Führer dieser Länder und all diese Geschäftsleute in der gegebenen Situation bereit sind, sich mit den Vereinigten Staaten anzulegen, in dem Bewusstsein, dass die Reaktion Donald Trumps auf die Verletzung der von ihm verhängten amerikanischen Sanktionen sich von der Reaktion auf die Verletzung der Bidenschen Sanktionen unterscheiden kann.

Frage. Wenn man sich vorstellt, dass Europa spiegelbildlich Drohnen auf russische Ziele – militärische oder Infrastruktur – startet: Wie sehen Sie Putins Reaktion, würde das bei ihm keinen ernsthaften Dissonanz auslösen?

Portnikov. Ich garantiere Ihnen, dass Europa keine Drohnen auf russisches Territorium starten wird, also müssen Sie nicht über Putins Reaktion auf etwas nachdenken, was niemals geschehen wird. Wenn Putin jedoch Europa weiter terrorisiert, können wir eine Erhöhung der militärischen Hilfe für die Ukraine voraussehen, damit die Ukraine die Infrastruktur Objekte Russlands zerstört – und so demonstriert, dass man sich nicht in Europa einmischen sollte. Aber die Europäer selbst werden sich einer direkten Konfrontation mit der Russischen Föderation so lange enthalten, wie es ihnen möglich ist. Als Erste den russischen Luftraum zu verletzen – selbst wenn Russland weiterhin Drohnen zu ihnen schickt – werden sie nicht, zumal Russland die Verantwortung für das Auftauchen solcher Drohnen nicht übernimmt.

Frage. Halten Europäer den Krieg in der Ukraine für die Norm und das Leiden der Ukrainer für die Norm, während sie selbst unter dem NATO-Schirm eine komfortable Welt, Unterhaltung und Wohlstand haben?

Portnikov. Ich denke, das ist nicht nur die Vorstellung der Europäer, das ist die Vorstellung jedes Menschen, der versteht, welche Wahl sein Land zu treffen hat. Seit 1997 versuchten die Länder Mitteleuropas, die die Gefahr Russlands erkannten, alles Mögliche zu tun, um in die NATO zu kommen. Die ukrainische Gesellschaft lebte damals – es war 1997, die erste Amtszeit Leonid Kutschmas – weiterhin in Multivektoralität, hoffte weiter auf billiges russisches Gas, glaubte, dass der Bezug von billigem russischem Gas viel wichtiger sei als die Zusammenarbeit mit dem Westen. Die Ukrainer trafen die Wahl zugunsten der Gefahr und ernten jetzt faktisch die Früchte ihrer politischen Entscheidung über Jahrzehnte. Warum sollten die Europäer nicht glauben, dass sie unter dem Schirm der NATO Schutz genießen, wenn sie eine solche Wahl getroffen haben? Sie haben dafür hart gearbeitet. Sie versuchten, alles zu tun, damit ihre Armeen den NATO-Standards entsprechen. Danach klopften sie an die Tür der Europäischen Union. In der Slowakei fand 1997 ein Referendum statt, bei dem die Befürworter des NATO-Beitritts verloren. Nun, sie unternahmen einen weiteren Versuch. In der Ukraine hingegen war die Mehrheit der Menschen faktisch bis 2014 – bis zu dem Zeitpunkt, als es schon keinen Ausweg mehr gab – gegen den NATO-Beitritt. Und Sie können sehen, dass selbst heute ein großer Teil der Ukrainer dagegen ist, insbesondere in den Regionen, die am meisten unter dem russischen Angriff leiden. Daher sollten nicht nur die Europäer, sondern auch wir selbst eine solche Vorstellung haben, denn das ist eine logische Vorstellung. Die Länder, die wollten, haben gemeinsame Verpflichtungen zur Verteidigung übernommen. Vergessen Sie nicht, dass dies gemeinsame Verpflichtungen sind. Wäre die Ukraine Mitglied der NATO gewesen und wäre die NATO angegriffen worden – sagen wir, nicht von Russland –, dann hätten ukrainische Soldaten die NATO verteidigen und auf anderen Schlachtfeldern sterben müssen. Das ist normal. Da wir all das nie wollten, da wir bei NATO-Operationen auf der Seite nicht der NATO standen, sondern derjenigen, gegen die diese Operationen durchgeführt wurden, sagen wir der serbischen Seite unter Slobodan Milošević – entschuldigen Sie, die Augen sahen, was sie kauften. Dieser „Wohlstand und Unterhaltung“, wie Sie sagen, ist eine verdiente Welt. Eine Welt der Reformen, in der die Menschen während dieser Reformen lange Zeit ziemlich schwer lebten. In der Ukraine gab es eine solche Welt nicht. Die 1990er Jahre vergingen für die ukrainische Staatlichkeit fast erfolglos. Und das war die Wahl des ukrainischen Volkes, insbesondere 1994. Für die Mehrheit der Ukrainer ist Leonid Kutschma mit seinem Verständnis von Außenpolitik bis heute der beste Präsident der Ukraine. Nun, großartig. Großartig. Dann werden wir weiter in der Welt des „besten Präsidenten“ unter Bomben und Raketen Russlands leben. Kutschma selbst hat sich inzwischen geändert, doch eine große Zahl jener Menschen, die 1994 für ihn gestimmt haben, hat bis heute nichts verstanden.

Frage. Unter welchen Umständen wird die Welt vom Populismus geheilt? Trump hat während seiner ersten Amtszeit die überwiegende Mehrheit seiner damaligen Versprechen nicht erfüllt, aber er wurde trotzdem ein zweites Mal gewählt.

Portnikov. Ich sehe überhaupt keine Grundlage zu glauben, dass die Welt vom Populismus geheilt werden kann. Das Vorhandensein neuer Informationstechnologien verurteilt die Welt im Prinzip dazu, einfache Antworten auf komplexe Fragen zu suchen. Wenn die überwiegende Mehrheit der Wähler heute TikTok nutzt und nicht irgendwelche Zeitungen liest, in denen sie vor 30–40 Jahren die Programme der politischen Führer lasen, für die sie stimmen wollten; wenn es eine solche Degradierung des Bewusstseins gegeben hat – von Parteiprogrammen in der Zeitung oder Reden in der Zeitung über Reden im Radio und TV-Debatten hin zum TikTok-Clip –, dann sind demokratische Prozesse in diesem Sinne quasi zum Scheitern verurteilt, und die Demokratie hält sich nur in wenigen Ländern der Welt. Das ist eine objektive Realität, verbunden mit Veränderungen der Informationstechnologien. Das ist normal. Als es die Möglichkeit entstand, Bücher abzuschreiben, entstand das Christentum. Als Gutenbergs Druckerpresse erschien, kam es zur Großen Französischen Revolution. Als das Fernsehen aufkam, gewann John F. Kennedy gegen Richard Nixon. Als TikTok aufkam, wurde Donald Trump zum zweiten Mal Präsident der Vereinigten Staaten. So wird es weitergehen. Erfinden Sie nichts. Die Welt, in der Sie lebten, wird es nie wieder geben, denn das ist die Welt nach Gutenbergs Presse, als die Guillotinen erschienen und man begann, Köpfe abzuschlagen. Zuerst die Druckerpresse, dann die Guillotine. So ist es. Anders ist es nicht. Sie müssen also einfach darüber nachdenken, wie Sie in einer solchen Welt überleben. Das ist die erste Frage: Wie überlebe ich in einer solchen Welt? Vielleicht gar nicht. Die zweite Frage: Wie überlebt mein Volk und mein Land in einer solchen Welt? Wenn es viele solcher Menschen gibt, dann finden sie entweder Möglichkeiten, diese politischen Prozesse zu beeinflussen, oder sie führen eine Diktatur ein, oder sie gehen zugrunde. Entweder Demokratie, oder Diktatur, oder Untergang. Nun, das ist der normale historische Prozess in der Welt dieser Informationstechnologien. Ich möchte, dass die Ukraine trotz all dieser neuen Informationstechnologien nach dem Krieg als demokratische Gemeinschaft erhalten bleibt, aber die Chancen sind nicht so groß, wie Sie denken.

Frage. Wie sehen Sie die Stimmung in den Grenzstädten der Russischen Föderation?

Portnikov. Daran denke ich überhaupt nicht, ehrlich gesagt. Was macht es für einen Unterschied, welche Stimmung in den Grenzstädten der Russischen Föderation herrscht? Worauf hätte das Einfluss? Sagen wir, sie hätten schlechte Laune. Nun, wir haben übrigens die Stimmung in Belgorod gesehen, als es dort einen Blackout gab und die Belgoroder in den sozialen Netzwerken fragten: „Warum erfüllt die Regierung ihre Verpflichtungen nicht und besetzt nicht ein noch größeres Gebiet der Ukraine, damit nicht auf uns geschossen wird?“ Das ist im Prinzip ein Stimmungsindikator. „Die Ukraine muss vernichtet werden, damit wir sicher leben.“ Je intensiver die Aktionen der Ukraine gegen Russland sein werden, desto mehr wird die russische Gesellschaft von den Behörden härtere und entschlossenere Maßnahmen gegenüber der Ukraine verlangen. Nicht Frieden, sondern eine Intensivierung des Krieges. Man muss das einfach verstehen. Ein Blackout in Moskau wird dazu führen, dass die Moskauer auf die Straße gehen und von Putin verlangen werden, Kyiv zu bombardieren. Glauben Sie etwa, sie werden auf die Straße gehen und rufen: „Wir brauchen Frieden!“? Menschen, die Frieden wollen, verstehen auch ohne Blackout und ohne all das, dass das alles Idiotie ist. Und Menschen, die den Krieg unterstützen, finden in Schlägen gegen Russland nur die Bestätigung, dass „diese ganzen Ukrainer noch nicht ausreichend zurechtgewiesen wurden. Man muss ernster sein. Wir sind bereit zu leiden. Wladimir Wladimirowitsch, vernichte sie alle.“ Da haben Sie alle Stimmungen.

Frage. Worauf weist die massenhafte Verteilung von Geld durch die ukrainische Regierung hin, verschiedene populistische Sozialprogramme? Ist das eine Vorbereitung auf Wahlen oder ein naiver Versuch, die Bürger mit ein paar Groschen zu unterstützen?

Portnikov. Wir sprachen gerade über Populismus. Natürlich ist das eine Vorbereitung auf Wahlen, zweifeln Sie nicht im Geringsten. Warum, weiß ich nicht, aber ein großer Teil der herrschenden politischen Klasse lebt mit der Idee, dass der Krieg bald endet und es Wahlen geben wird – darauf müsse man sich vorbereiten. Woher diese Irrationalität kommt, kann ich nicht sagen. Aber war vorher denn alles rational? War seit 2019 alles unfassbar rational, und jetzt begann die Irrationalität? „Wie gefahren, so getroffen.“ Heute ist Abend der Sprichwörter.

Frage. Wenn es Putin dennoch gelingt, den Herbst 2026 auszusitzen, hat Trump dann keinen Grund mehr, zu versuchen, den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu regeln?

Portnikov. Warum sollte er keinen haben? Er wird einen haben. 2028 finden Wahlen statt, und er wird auch dann nicht wollen, dass das gegen ihn ausgespielt wird. Außerdem wird es schon im Herbst 2026 eine völlig andere politische Situation geben, glauben Sie mir. Denn wenn Trump diesen Krieg bis Herbst 2026 regeln will, wird das ein maximales Konfrontationsniveau bedeuten. Vielleicht wird es bis zu den Wahlen in Amerika bereits einen Dritten Weltkrieg geben. Glauben Sie etwa, es wird immer so – zack, zack – vor sich hin gehen? Alles wird sich die ganze Zeit entwickeln. Das ist nicht „und täglich grüßt das Murmeltier“. Ich wiederhole: Es ist eine Straße der Eskalation. Im Krieg gibt es keinen Murmeltiertag. Jeder Tag bringt neue Eskalation, neue, größere Prüfungen. Sie vergessen einfach, was früher war. Wenn ich sage, dass noch nichts begonnen hat, sage ich Ihnen das völlig ehrlich, weil viele Dinge, die Ihnen als Horror erschienen, Ihnen in einem Jahr nicht mehr als Horror erscheinen werden. Denn es wird viel größere Dimensionen des Horrors geben, die hier auftreten, wenn das nicht geregelt wird. Mit jedem Jahr eines großen Krieges wächst das Unglück. Das ist ein Gesetz der Geschichte. Deshalb würde ich Trump raten, das früher zu regeln. Nicht nur wegen der Wahlen, sondern weil es wie Teig ist. Haben Sie jemals Teig angesetzt? Hefe. Sie geben Hefe in den Teig, stellen ihn zum Aufgehen. Zack, kommen Sie – und er ist schon übergelaufen. Der Krieg ist solcher Teig, das sind Hefen der Aggression. Verstehen Sie? Glauben Sie etwa, die Ukraine wird sitzen und zuschauen? „Oh, man tötet uns.“ Nein, Sie haben doch die Operation „Spinnennetz“ gesehen, die die Sicherheitslage in der ganzen Welt faktisch verändert hat. Und Sie werden bald die Früchte dieser Operation sehen – Schläge sogar von den Russen gegen westliche Objekte. Und es wird weitere ukrainische Operationen geben, denn wenn ein Land kleiner ist als ein größeres, nutzt es viele Möglichkeiten, um die Chancen mit diesem größeren Land auszugleichen – es erfindet sehr viel. Der Fortschritt ist in erster Linie der Krieg. Das heißt, der Krieg erzeugt den wissenschaftlich-technischen Fortschritt vor allem durch jene Länder, die sich verteidigen. Verstehen Sie, ein kleines Tierchen muss sehr schlau sein, um einem Elefanten etwas Wichtiges abzubeißen, sodass er es nicht zertrampeln kann. Und all das wird schon in ein paar Monaten so ablaufen. Es wird neue technologische Lösungen geben. Daher beneide ich Trump nicht sehr. So wie ich übrigens 2019 Zelensky nicht beneidet habe.

Frage. Haben die Vereinigten Staaten die Chance, genau das gleiche Schema mit dem gleichen Ergebnis wie im Falle der UdSSR durchzuziehen, als ein Ölembargo verhängt wurde?

Portnikov. Nein, haben sie nicht. Als die USA Ölembargos verhängten – nicht nur gegen die Sowjetunion –, waren sie die einzige konkurrenzlose Wirtschaft der Welt. Diese Zeit ist lange vorbei. In der Welt gibt es mindestens zwei große Volkswirtschaften: die amerikanische und die chinesische. Und die indische holt auf. Und die Wertorientierungen der G7 und des Globalen Südens sind unterschiedlich. Das alles wird nie wieder so funktionieren. Die Welt hat sich für immer verändert. Die Amerikaner selbst haben sie verändert. Man hätte nicht in die chinesische Falle tappen dürfen.

Frage. Was würden Sie jetzt an der Stelle dreier Personen tun: Trump, Putin und Zelensky? Ist es aus russischer Sicht nicht logisch, die privilegierten Bedingungen anzunehmen, die die USA anbieten, und bis 2029 die NATO noch weiter zu korrumpieren?

Portnikov. Sie denken rational wie Trump, aber Putin denkt irrational. Das ist Putins Wesen – er will keine privilegierten Bedingungen. Er will die Ukraine. Die Ukraine. Er will die Ukraine zerstören. Wenn ich an Putins Stelle wäre, würde ich so handeln wie Putin. Mir ist völlig klar, wie Putin handelt: Wenn es Geld für den Krieg gibt, wenn es Technik gibt, die produziert wird, wenn es Soldaten gibt, die bereit sind zu kämpfen – sagen Sie mir bitte, warum sollte ich das stoppen, wenn ich Putin wäre? Wenn ich Trump wäre, würde ich mehr Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängen, den Druck erhöhen, der Ukraine mehr Waffen geben. Ich finde, Trump ist doch weniger logisch als Putin. In Putins Logik sehe ich nichts Unlogisches, wenn man in Putins Interesse denkt. Und in Trumps Interesse denke ich, dass man uns effektiver helfen sollte, denn je schneller wir die russische Wirtschaft zerstören und je mehr wir russische Invasoren außer Gefecht setzen, desto eher kann bei Putin die Idee entstehen, auf diese privilegierten Bedingungen einzugehen – weil er dann keine Wahl mehr hat. Wenn Putin irgendwelchen Bedingungen Trumps zustimmt, bedeutet das, dass er keine Wahl hat. Sobald Putin die kleinste, allerkleinste Wahl hat, wird er töten, besetzen, bombardieren, zerstören. Damit Putin den Krieg beendet, darf er überhaupt keine andere Wahl haben. Bei jeder anderen Option wird der Krieg so lange weitergehen, wie er es will. Selbst wenn es die 2030er Jahre des 21. Jahrhunderts sind – es wird Krieg geben. Zweifeln Sie keine Minute. Daher: Je schneller man sein wirtschaftliches Potenzial zerstört, desto schneller wird das enden. Das ist einfach. Und an Zelenskys Stelle, an der Stelle der ukrainischen Führung, würde ich um eine Erhöhung der Waffenlieferungen kämpfen. Ich würde versuchen, aus einem ineffizienten Staat einen effizienten zu machen – in den er sich in den letzten Jahren zu verwandeln begann. Aber wissen Sie, ich würde versuchen, die demokratischen Institutionen des Staates und das Vertrauen der Bürger in die staatlichen Institutionen zu bewahren. Vieles ließe sich effizient machen, aber das ist, verzeihen Sie …

Frage. Was wählen Sie: Bidens Taktik mit einem stabilen Waffenfluss, der Isolation Putins, oder Trumps mit schwächerer Unterstützung der Ukraine, aber mit Bereitschaft, Risiken einzugehen und die Einsätze zu erhöhen?

Portnikov. Nun, Biden hat jedes Mal ebenfalls die Einsätze erhöht. Nur vorsichtiger als Trump. Ich würde einen stabilen Waffenfluss, die Isolation Putins und gleichzeitig die Bereitschaft, die Einsätze zu erhöhen, wählen. Das ist die optimale Politik. Helfen, isolieren, erhöhen. Das ist die ganze Logik. Und ich hoffe, dass genau das in den nächsten Monaten zu wirken beginnt. Denn, noch einmal, mir scheint, dass Trump, wenn man nach seinen jüngsten Äußerungen und Interviews urteilt, immer noch hofft, dass die Vernunft siegt, dass Putin versteht, dass es keinen Sinn hat, den Krieg fortzusetzen. Aber ich bin sicher, dass die Vernunft niemals siegen wird. Und deshalb wird Trump, wenn Putin auf keine seiner Positionen eingeht und nicht den Beschuss einstellt, keine andere Möglichkeit haben, als neue Sanktionen zu verhängen und für uns mehr Waffen zu suchen. Und schließlich wird er zur Isolation Putins kommen. Nicht, weil er ihn isolieren will, sondern weil er mit Putin nichts zu besprechen haben wird. Und übrigens: Denken Sie doch einmal nach – was haben die Amerikaner und die Russen in diesen zehn Monaten überhaupt erreicht? Ich meine nicht einmal den russisch-ukrainischen Krieg. Erinnern Sie sich: Eines der ersten Gesprächsthemen war die Wiederherstellung der normalen Arbeit der US-Botschaften in Moskau und der russischen in Washington. Und die Russen schickten sogar ihren neuen Botschafter nach Washington – um zu zeigen, dass sie bereit seien zur Zusammenarbeit mit Trump. Erinnern Sie sich, sie haben solche Spielchen mit uns schon mehrfach gemacht. Der russische Botschafter in der Ukraine, Michail Surabow, kam nicht nach Kyiv, bis i Juschtschenko die Macht an ihren Agenten, den abscheulichen Viktor Janukowytsch, übergeben hatte. So. Das sind ihre Lieblingssignale. Aber es sind zehn Monate vergangen. Es gab mehrere Treffen auf diplomatischer Ebene. Marco Rubio traf Sergej Lawrow. Sie sprachen mehrfach auf der Ebene niedrigerer Diplomaten. Nichts konnte erreicht werden. Man könnte meinen, beim russisch-ukrainischen Krieg gibt es offensichtliche Probleme. Über die habe ich in dieser Sendung gesprochen – es sind völlig unterschiedliche Ansätze. Aber was ist mit den Botschaften? Ich sage Ihnen was: Russland hat überhaupt nicht vor, irgendwelche Kompromisse mit Trump einzugehen. Aus Putins Sicht ist Trump ein Schwächling, ein nicht ganz zurechnungsfähiger Mensch, dem man nur Komplimente machen muss, dem man erzählen muss, was für eine wunderbare Frau er hat und was für ein genialer Friedensstifter er ist. Und das ist alles – das ist eine psychiatrische Sitzung. Eine psychiatrische. Und wahrscheinlich versteht Putin nur nicht, warum es ihm während dieser „psychiatrischen Sitzung“ jetzt nicht gelingt, Ergebnisse zu erzielen. Er hat doch alles so gut gemacht wie immer. Er sagte zu Trump: „Wie genial du bist, Donald.“ Und es klappte nicht. Was ist das? Warum ist das so? Die einfache Antwort ist: Trump wird gezwungen sein, die Kommunikation mit Putin aufzugeben, sobald er erkennt, dass man von Putin überhaupt nichts erreichen kann, dass es nichts zu holen ist. Und sie bewegen sich allmählich auf diese Situation zu – die für mich ebenfalls völlig programmiert war. Erinnern Sie sich: Jede US-Administration – seit George W. Bush, dann Barack Obama, dann Donald Trump erstmals, dann Joseph Biden – suchte Wege zur Normalisierung der Beziehungen mit Putin. Und jedes Mal endete alles genau so, wie jetzt. Hillary Clinton brachte Lawrow sogar einen Knopf mit der Aufschrift „Reset“, auf dem sich herausstellte, dass sie „Overload“ (Überlastung) statt „Reset“ geschrieben hatten. Und das war eine genaue Metapher für die Beziehungen zwischen der Russischen Föderation und den Vereinigten Staaten von Amerika. Verstehen Sie? Und Trump ging genau denselben Weg. Erinnern Sie sich, dass Biden zu Beginn seiner Präsidentschaft ebenfalls versuchte, mit Putin zu sprechen, ihm zu erklären, er solle nicht die Ukraine angreifen, suchte Wege zur Verständigung. Nichts davon hat funktioniert. Weder bei Obama noch bei Trump (trotz mehrfacher Treffen mit Putin) noch bei Biden. Und jetzt geht Trump genau denselben Weg, weil die Interessen der Russischen Föderation darin bestehen, die russische Staatlichkeit in den Grenzen der Sowjetunion von 1991 wiederherzustellen – durch die Besetzung der Länder, die zum Widerstand bereit sind, und die weiche Integration derer, die Russland fürchten. Putin will als Präsident eines völlig anderen Staates ins Grab steigen – eines Staates, der von Uschhorod bis Aşgabat reicht. Bis Aşgabat. Natürlich wird es einen solchen Staat nicht geben, denn ihn will nicht nur Trump nicht, auch Xi Jinping will ihn nicht. Nichtsdestoweniger: Wenn das sein Interesse ist, worüber kann er mit den Amerikanern verhandeln, die überhaupt nicht erkennen, was sein Wunsch ist, sondern denken, er wolle besser handeln, oder er brauche Salz aus Bachmut? Dann kann er diese Salzberge Trump auf alle Straßen streuen, auf denen Trump fahren wird. Er braucht so etwas nicht. Er braucht einen Ort, an dem er Raketen stationieren kann. So brauchte er die Krim nicht deshalb, weil sie „sakral“ ist, sondern weil man in Sewastopol mehr Schiffe stationieren konnte. Und die Ukraine braucht er, um eine Burewestnik-Rakete in Uschhorod zu stationieren. Wozu sonst? Für Menschen, die ihr ganzes Leben in den Sicherheitsstrukturen, im FSB, im KGB, in der Armee gearbeitet haben, ist jedes Land einfach eine Militärbasis. Und für Trump ist jedes Land eine Handelsbasis. Verstehen Sie – wie im alten sowjetischen Witz über Iwanow und Rabinowitsch: Sie wissen schon. So ist Trump in diesem Fall der typische Rabinowitsch, der auf einer Handelsbasis arbeitet, und Putin kommt von einer Militärbasis. Und was können sie gemeinsam haben, wenn der eine handeln und der andere kämpfen will? Da haben Sie die Antwort.

Also werden wir diese Ereignisse weiter beobachten. Schauen wir, was mit diesem russischen Öl weiter geschieht. Es ist keine Frage des Glaubens, sondern ich denke einfach, dass Russlands Einnahmen um einige Hunderttausend Dollar sinken werden. Das wird sich bereits auf den Krieg auswirken. Reagiert Russland auf diese Sanktionen in keiner Weise, wird es neue Sanktionen geben. Gibt es neue Sanktionen, gibt es neue Bedingungen. Für Putin wird die Welt also nicht mehr so einfach sein, wie sie in den ersten zehn Monaten von Trumps Präsidentschaft war. Es beginnt eine neue, ich würde sagen, operative Lage.

Die Ukraine zerschlägt Russlands Ölindustrie | Vitaly Portnikov. 04.11.2025.

Die ukrainischen Streitkräfte setzen ihre Angriffe auf den Öl- und Raffineriekomplex des Feindes fort. In der vergangenen Nacht wurde über Brände in der Stadt Sterlitamak in Baschkortostan und in Kstowo in der Region Nischni Nowgorod berichtet. Im ersten Fall wurde eine Werkhalle einer der Raffinerien auf russischem Territorium zerstört, im zweiten brannte ein Öllager von Lukoil. Damit hat sich die Ukraine symbolisch den Sanktionen des US-Präsidenten Donald Trump gegen diesen russischen Ölkonzern angeschlossen – noch bevor diese Sanktionen offiziell in Kraft getreten sind.

Man kann sagen, dass Angriffe auf den Öl- und Raffineriekomplex der Russischen Föderation inzwischen zur alltäglichen Routine geworden sind und nahezu täglich neue Probleme für die russische Wirtschaft verursachen. Wenn man bedenkt, dass diese Angriffe derzeit parallel zur Einführung neuer Sanktionen gegen die russischen Ölriesen Rosneft und Lukoil erfolgen, wird klar, dass Russland mit zusätzlichen Schwierigkeiten infolge der Beschussfolgen konfrontiert sein wird.

Früher, als die Kapazitäten der russischen Raffinerieindustrie abnahmen, schickten die Ölkonzerne die Rohölmengen, die nicht mehr in Russland verarbeitet werden konnten, nach Indien, in die Türkei oder nach China. Doch heute ist von zusätzlichen Käufen russischen Öls durch diese Länder keine Rede mehr.

Denn sowohl in Neu-Delhi als auch in Ankara und Peking denkt man nun darüber nach, wie die Raffinerien dieser Länder die US-Sanktionen umgehen können, ohne selbst unter neue Verbote zu fallen. Dafür braucht es Zeit – und eine neue Preispolitik seitens der Russischen Föderation.

Tatsächlich erhalten wir fast täglich Meldungen von großen Raffineriekonzernen in China, Indien oder der Türkei, dass sie auf den Kauf zusätzlicher Mengen russischen Öls verzichten und in den kommenden Monaten keine Käufe planen. Beobachter sind der Ansicht, dass die Länder des globalen Südens Zeit benötigen, um sich an die US-Sanktionen anzupassen – Zeit, in der Rosneft und Lukoil Vorschläge entwickeln müssen, wie ihre Öllieferungen gekauft werden können, ohne unter die Sanktionen der Vereinigten Staaten zu fallen.

Doch selbst wenn es den russischen Ölunternehmen gelingt, ein vorteilhaftes Angebot für diese Länder zu formulieren, wird in dieser Zeit von zusätzlichen Mengen russischen Öls keine Rede sein. Damit ist ein allmählicher Zusammenbruch nicht nur der russischen Raffinerieindustrie, sondern auch der Ölförderung selbst zu erwarten. Denn wenn sich herausstellt, dass das Öl keinen Absatzmarkt mehr findet, werden russische Konzerne gezwungen sein, Bohrlöcher stillzulegen. Das könnte der erste Schritt zu einer ernsten Degradierung der russischen Ölindustrie werden – ähnlich wie in Venezuela, wo der populistische Führer und Moskauer Verbündete Hugo Chávez, später auch sein Nachfolger Nicolás Maduro, die Verstaatlichung der Ölindustrie beschlossen und sie in staatliche Konzerne überführt hatten.

Sie konnten sich nicht vorstellen, dass venezolanisches Öl unter US-Sanktionen geraten und somit die zuvor geförderten Mengen schlicht niemand mehr brauchen würde. So begann die Stilllegung der Förderstellen. Selbst wenn Venezuela heute aus politischen Gründen wieder zur tatsächlichen Ölförderung und zur Privatisierung des Energiesektors zurückkehren könnte, wären dafür Jahre, wenn nicht Jahrzehnte nötig, um wieder frühere Produktionsmengen zu erreichen. Und Russland, falls der russisch-ukrainische Krieg andauert, steht wohl ein ähnliches Schicksal bevor.

Der Kreml wird sich dann die Frage stellen müssen: Wodurch sollen die Öleinnahmen ersetzt werden, wenn Russland das Öl nicht mehr wie früher verkaufen kann? Zumal die US-Sanktionen gegen den russischen Energiesektor nicht nur eingeführt, sondern von Monat zu Monat verschärft werden – jedes Mal, wenn klarer wird, dass Präsident Putin weder bereit ist, über ein Ende des Krieges zu sprechen, noch überhaupt daran denkt, ihn zu beenden.

Sollten zu den Drohnenangriffen auf Raffinerien und Öllager auch noch Schläge mit Langstreckenraketen hinzukommen, dann kann sich Russland wohl von einem großen Teil seiner Raffinerieanlagen, Öllager und möglicherweise auch seiner Förderkapazitäten endgültig verabschieden.

Die Frage, wie ein Land wirtschaftlich überleben soll, das sich in den Jahrzehnten der Putin-Herrschaft faktisch in eine „reine Tankstelle“ verwandelt hat – unfähig, die Einnahmen aus Öl und Raffinerieproduktion durch andere Quellen zu ersetzen –, wird dann wichtiger sein als alle Fragen über aggressive Kriege oder die Wiedererrichtung des Russischen Imperiums.

Man kann daher sagen: Jeder Brand in einer russischen Raffinerie, jeder Schlag auf ein russisches Öllager bringt objektiv das Ende des russisch-ukrainischen Krieges näher – und zugleich die russische Wirtschaft an den Rand der Degradierung und des irreversiblen Verlusts ihrer früheren Stellung in der globalen Energiewirtschaft, die Russland vor Beginn von Putins Abenteuer gegen die Ukraine innehatte.

Heute ist es kaum vorstellbar, dass Russland einst die Hauptrolle in der europäischen Energieversorgung spielte, insbesondere mit Gaslieferungen, und dass Gazprom in offizieller Werbung als „der wichtigste Schatz der Russischen Föderation“ bezeichnet wurde. Jetzt ist dieses Unternehmen ein Nachzügler, das in harter Konkurrenz und unter Sanktionen ums Überleben kämpft. Und man darf hoffen, dass die russische Ölindustrie dasselbe Schicksal ereilt.

Gemeinsam mit dem russischen Gassektor und der Öl- und Raffineriebranche wird schließlich die gesamte russische Wirtschaft dieses Schicksal teilen. Sollte es so kommen, wären zumindest für eine gewisse Zeit die Ukraine und andere Nachbarstaaten vor einer erneuten Aggression der Russischen Föderation und vor dem Versuch geschützt, das normale Leben dort zu zerstören, wo es mühsam aufgebaut wurde.

Xi ließ Putin fallen | Vitaly Portnikov. 03.11.2025.

Obwohl bei dem Treffen zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, laut Trump selbst die Frage der Lieferungen russischen Erdöls nach China nicht erörtert wurde, wurde bekannt, dass chinesische Raffinerien – sowohl staatliche als auch private – begonnen haben, den Import russischen Öls zu reduzieren. Der Grund dafür ist, dass Unternehmen der beiden größten russischen Ölkonzerne, Rosneft und Lukoil, von neuen möglichen US-Sanktionen betroffen sind.

Beobachter stellen fest, dass bis zu 45 % des russischen Ölexports in die Volksrepublik China unter den möglichen Einfluss dieser Sanktionen fallen könnten – das entspricht etwa 400.000 Barrel pro Tag. Inzwischen wurde bekannt, dass selbst so große Unternehmen wie Sinopec und PetroChina den Kauf russischen Öls einstellen – ebenso wie kleinere Raffinerien.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Sowohl die Verwaltung der staatlichen chinesischen Unternehmen als auch die kleineren privaten Raffinerien möchten vermeiden, auf Sanktionslisten zu geraten, Kontenverluste zu riskieren oder Probleme mit dem Export ihrer Produkte auf den internationalen Markt zu bekommen. Mit den chinesischen Unternehmen geschieht also praktisch dasselbe, was bereits mit den indischen und türkischen Ölkonzernen geschehen ist.

Sowohl aus Neu-Delhi als auch aus Ankara kommen immer neue Meldungen über die Weigerung indischer und türkischer Ölunternehmen, russisches Öl zu kaufen. Aus denselben Gründen entwickeln sich die Ereignisse nun auch in der Volksrepublik China.

Obwohl für Peking die Unterstützung Russlands ein weit wichtigerer politischer Faktor ist als für Neu-Delhi oder Ankara, kann selbst das Politbüro der Kommunistischen Partei Chinas nicht gegen die Gesetze des Marktes ankämpfen. Genau darin liegt die Falle, in die die chinesische Führung gerät, wenn sie versucht, die Macht der Kommunisten über den Staat mit den Mechanismen einer Marktwirtschaft zu verbinden.

Ja, einerseits ist der Westen stark von chinesischen Lieferungen abhängig – und, wie wir nun sehen, auch von chinesischen Einkäufen, etwa beim Import amerikanischer Sojabohnen für den chinesischen Markt. Andererseits stützt sich das gesamte System auf die Zusammenarbeit mit dem westlichen Finanzsystem. Dadurch können selbst chinesische Ölkonzerne die Tatsache neuer amerikanischer Sanktionen gegen russische Ölunternehmen nicht ignorieren.

All dies mag vorübergehend sein – solange, bis Russland Mechanismen entwickelt, um die US-Sanktionen zu umgehen, seine Ölladungen auf die sogenannten Schattentanker umlädt und seinen chinesischen Käufern beweist, dass beim Kauf von Öl „nicht von Rosneft“ und „nicht von Lukoil“ kein Risiko besteht. Mit anderen Worten: dass beide Unternehmen denselben Weg gehen werden wie Surgutneftegas und Gazpromneft, die bereits zu Zeiten von Präsident Joseph Biden unter Sanktionen geraten waren. Dennoch muss man verstehen, dass Russland erhebliche Verluste im Staatshaushalt erleiden wird – schon jetzt, da es kein Geld für Öllieferungen erhält, die theoretisch an chinesische, indische und türkische Raffinerien hätten verkauft werden sollen.

Klar ist, dass Peking nun von Russland wesentlich höhere Preisnachlässe für die Lieferung russischen Erdöls fordern wird. Dabei handelt es sich um ein deutlich größeres Risiko als damals, als China Öl kleinerer russischer Firmen kaufte, die unter US-Sanktionen standen. In dieser Situation wird Russland längere Zeit nicht in der Lage sein, dieselben Mengen Öl auf den chinesischen Markt zu verkaufen wie zuvor. Daher werden die chinesischen Raffinerien gezwungen sein, russisches Öl durch Lieferungen aus anderen Ländern zu ersetzen. Und wenn dies geschieht und entsprechende Verträge abgeschlossen werden, werden sie kaum kurzfristig sein.

Das heißt: Selbst wenn Russland irgendwann seine Öllieferungen „legalisieren“ kann, wird es dennoch nicht mehr in dem Umfang auf den chinesischen Raffineriemarkt zurückkehren können, in dem Moskau dort vor der Einführung der US-Sanktionen vertreten war. Donald Trump zeigt dem Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, damit deutlich, dass übermäßige Selbstsicherheit fehl am Platz ist und dass die Verluste für den russischen Staatshaushalt unvermeidlich bleiben.

Genau das meinte der amerikanische Präsident, als er die Behauptungen russischer Beamter zurückwies, Sanktionen würden Russland in keiner Weise treffen, und vorschlug, ein paar Monate abzuwarten, um die konkreten Ergebnisse zu sehen. Schon jetzt lässt sich sagen, dass der Schaden – trotz aller russischen Bemühungen, die Wirkung der Sanktionen zu minimieren – erheblich sein wird.

Erstens wird es erhebliche kurzfristige Verluste geben, da derzeit niemand bereit ist, direkt Öl von Lukoil oder Rosneft zu kaufen und sich damit sofort in das Sanktionssystem hineinzubegeben.

Zweitens wird es spürbare langfristige Verluste geben – vielleicht nicht so groß wie die kurzfristigen, aber dennoch bedeutend –, weil keine illegalen Umgehungsmechanismen, und seien sie noch so kreativ, die legalen Strukturen ersetzen können. 

Man kann annehmen, dass dies keineswegs die letzten US-Sanktionen sind, die darauf abzielen, die russische Wirtschaft zu schwächen oder gar zusammenbrechen zu lassen – und damit möglicherweise auch den russischen Staat, infolge des Zerfalls seiner wirtschaftlichen Maschinerie.

Trumps Finanzminister Scott Besant hat, wie bekannt, große Ambitionen, diese wirtschaftliche Maschinerie nicht nur aus politischer, sondern auch aus wirtschaftlicher Konkurrenzsicht zu zerstören – um Russland vom Energiemarkt zu verdrängen. Dies könnte eintreten, wenn die russische Wirtschaft zusammenbricht und die russische Ölindustrie kollabiert, da dann Bohrlöcher geschlossen und die Förderung reduziert werden müsste. Probleme mit der Verarbeitung könnten, wie wir sehen, erfolgreich durch ukrainische Langstreckenraketen gelöst werden, die Kiew derzeit von seinen Verbündeten erhält.

All dies wird die einstige „außer Kontrolle geratene Tankstelle“ letztlich in eine marginale Formation am Rande der zivilisierten Welt verwandeln – eine Formation, die selbst für China kaum noch von Interesse ist, sobald sich zeigt, dass Peking kein ausreichendes Volumen billigen Öls mehr aus russischen Quellen beziehen kann.

Erdogan lässt Putin im Stich | Vitaly Portnikov. 02.11.2025.

Die größten türkischen Raffinerien beginnen, den Kauf russischen Öls einzustellen, nachdem die Vereinigten Staaten Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil verhängt haben.

Die Türkei ist, sogar noch stärker als Indien, in die westliche Wirtschaft integriert. Und deshalb können sich diese Unternehmen nicht leisten, offen russisches Öl zu kaufen, aus Angst vor Sekundärsanktionen und davor, dass ihre Konten nicht nur bei amerikanischen, sondern auch bei europäischen Banken gesperrt werden. Denn, wie bekannt, können US-Sanktionen gegen ein bestimmtes Unternehmen ernsthafte internationale Wirkung haben und das Geschäft eines solchen Unternehmens weltweit blockieren.

Man kann also sagen, dass in einer Situation, in der man zwischen Donald Trump und Putin wählen muss, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan natürlich Trump wählt. Und selbst wenn der türkische Präsident andere Wünsche hätte, könnte er den marktprägenden Charakter der Wirtschaft seines Landes nicht beeinflussen, in der die Eigentümer der Konzerne an den Profit denken und kaum daran interessiert wären, ihr Geschäft wegen der Beschaffung sanktionierter Öle zu gefährden.

Die Frage ist natürlich nur, wie lange türkische Unternehmen den Kauf von Öl aus der Russischen Föderation ablehnen werden. Hier besteht ungefähr das gleiche Problem wie mit Indien. Die Entscheidung, anderes Öl zu beschaffen, wird genau dann getroffen, wenn klar wird, dass es offen nicht mehr möglich ist, Öl von Lukoil und Rosneft zu kaufen, weil dies mit ernsthaften Sanktionsbeschränkungen und Risiken für das Geschäft verbunden sein kann.

Ähnlich war die Lage damals, als die Vereinigten Staaten Sanktionen gegen andere russische Ölgesellschaften — Surgutneftegaz und Gazpromneft — verhängten. Und was ist? Diese Unternehmen arbeiten weiterhin auf dem Weltölmarkt, aber so, dass ihre Käufer nicht unter Sanktionen geraten und keine Angst haben müssen, russische Rohstoffe zu verwenden.

Daraus stammt die Geschichte von der Schattenflotte. Daraus stammen verschiedene illegale Schemata zur Lieferung russischen Öls, das in den Häfen zum Beispiel Indiens oder der Türkei dann angeblich nicht mehr russisch ist.

Bis dahin war es einfach deutlich sicherer, Öl von Lukoil oder Rosneft zu kaufen als von Surgutneftegaz oder Gazpromneft. Sicherer heißt jedoch nicht billiger. Jetzt können sowohl türkische als auch indische Raffinerien von diesen russischen Firmen erstens Rabatte wegen möglicher Sanktionsrisiken fordern und zweitens die Ausarbeitung solcher Konstruktionen verlangen, die es auch diesen Unternehmen erlauben, ohne große Probleme Öl auf die Märkte der Türkei und Indiens zu liefern.

Von China rede ich gar nicht. Wie bekannt, erwähnte der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, während der Verhandlungen mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, nicht einmal das Thema der Lieferung russischen Öls nach China, obwohl er zuvor angedeutet hatte, Zölle gegen all jene Länder einzuführen, die weiterhin russisches Öl kaufen und damit den Krieg Russlands gegen die Ukraine finanzieren.

Offensichtlich erkannte Donald Trump bei dem Treffen in Busan, Südkorea, das gesamte Ausmaß der wirtschaftlichen Abhängigkeit bzw. gegenseitigen Verflechtung der Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China, das es dem amerikanischen Präsidenten nicht erlaubt, gegenüber Peking irgendwelche scharfen Schritte zu unternehmen — zumindest nicht in dem für Donald Trump entscheidenden Wahljahr in den Vereinigten Staaten, in dem bei den Kongresswahlen das politische Schicksal des amerikanischen Präsidenten und der Republikanischen Partei für die kommenden Jahre entschieden wird.

Mit der Türkei und mit Indien ist es natürlich viel einfacher. Druck auf diese Länder kann ernster sein; die Befürchtungen der Raffinerien in diesen Ländern um das Schicksal ihres Geschäfts, falls sie die legale Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation fortsetzen, sind weitaus größer als in der Volksrepublik China. Interessant ist, dass Trump Indien offen unter Druck setzte. Gegenüber der Türkei äußerte er praktisch keine Vorwürfe; im Gegenteil, er überhäufte den Präsidenten dieses Landes, Recep Tayyip Erdoğan, mit Komplimenten, trotz der engen Beziehungen zwischen türkischem und russischem Geschäft in all den Jahren des russisch-ukrainischen Krieges.

Aber die Gesetze des Marktes erwiesen sich für Erdoğan und die Türkei als weit überzeugender als irgendwelche Erklärungen und Komplimente von Donald Trump. Nur erinnern uns diese gleichen Gesetze des Marktes daran, dass es eine gewaltige Verlockung ist, Öl aus Russland mit Rabatt zu erhalten und daraus dann Premium-Kraftstoffe zu produzieren. Und so können wir eine Situation erwarten, in der in der Türkei darüber nachgedacht wird, welche Kooperationsschemata zwischen Ankara und Moskau für die illegale Lieferung russischen Öls möglich wären, sodass die Unternehmen, die dieses Öl künftig kaufen, keine Angst vor Verantwortung und Sanktionen haben müssen.

Aber in jedem Fall braucht es Zeit, um solche Schemata zu formen, damit auch Rosneft und Lukoil sich der Schattenflotte anschließen. Und all diese Zeit wird Russland Verluste tragen für das Öl, das nicht an türkische Raffinerien geliefert werden konnte.

Und natürlich bleibt die Hoffnung, dass der Westen erkennt, dass es nicht ausreicht, einfach nur Sanktionen gegen die Russische Föderation zu verhängen. Das Wichtigste bei Sanktionen ist, zu überwachen, wie sie umgesetzt werden, in einer Situation, in der die Länder des globalen Südens motiviert sind, diese Sanktionen zu umgehen und so gemeinsam mit Russland vorteilhafte finanzielle Möglichkeiten zu entwickeln, damit Öl und Gas geliefert werden und keine Verantwortung besteht.

Und während des russisch-ukrainischen Krieges sind bereits viele solche Schemata geschaffen worden. Ganz zu schweigen davon, wie westliche Sanktionen seit Jahrzehnten von Ländern wie Iran oder Venezuela umgangen werden, die von manchen Staaten auch als alternative Lieferquellen für russisches Öl betrachtet werden, weil die Schemata dort effektiver funktionieren und von westlichen Regierungen nicht so genau überwacht werden. Und das kann ebenfalls einen ziemlich ernsthaften Beitrag dazu leisten, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden: dafür zu sorgen, dass die Sanktionen wirken.

Trump bereitet neue Sanktionen vor | Vitaly Portnikov. 28.10.2025.

Der US-Botschafter bei der NATO, Matthew Tucker, warnte, dass die neuen Sanktionen, die von der Administration Donald Trumps gegen die russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil verhängt werden sollen, nur den Beginn des Drucks der US-Regierung auf den russischen Präsidenten Putin darstellen, um ihn zum Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu zwingen. Der Diplomat betonte, dass Donald Trump streng darauf achten werde, dass die neuen Sanktionen gegen die russischen Energieriesen konsequent eingehalten werden. Und dies sei nur der Anfang, denn Trump habe noch viele andere, weitaus ernstere Mittel, um auf die russische Wirtschaft einzuwirken und Putin zu mehr Kompromissbereitschaft zu bewegen.

Damit erleben wir den Beginn einer neuen Sanktionsoffensive der Vereinigten Staaten gegen die Russische Föderation. Nachdem bekannt wurde, dass die USA bereit sind, neue Sanktionen zu verhängen, gab Trump Putin einige Wochen Zeit, um die möglichen Folgen des wirtschaftlichen Drucks zu verstehen und sich auf die Möglichkeit eines Waffenstillstands an der russisch-ukrainischen Front einzulassen. Wie wir sehen, ist der Kreml bislang nicht bereit, auf diese Vorschläge des amerikanischen Präsidenten einzugehen, da Putin von Anfang an völlig andere Ziele hatte. Er wollte Trumps Amtszeit im Oval Office nutzen, um die Vereinigten Staaten dazu zu bringen, die militärische Unterstützung für die Ukraine einzustellen und keine neuen Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Als Einflussmittel plante der russische Präsident, dem US-Präsidenten Schmeicheleien zu machen und Friedensverhandlungen mit der Ukraine zu versprechen.

Doch die Zeit, in der Putin durch Worte und Versprechen neue Sanktionen gegen die russische Wirtschaft verhindern konnte, ist offenbar vorbei. Und die kommenden Wochen werden die letzten vor einer unausweichlichen wirtschaftlichen Konfrontation zwischen der neuen US-Regierung und dem Kreml sein.

Es stellt sich natürlich die Frage, was der russische Präsident tatsächlich zu tun gedenkt, um neue Sanktionen zu verhindern. Im Kreml versucht man, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, und betont, dass die neuen Sanktionen den Zustand der russischen Wirtschaft nicht beeinflussen würden. Dies erklärte insbesondere Putins Vertreter Kirill Dmitrijew, der während seines Aufenthalts in Washington hervorhob, dass sich die neuen US-Sanktionen weniger auf die amerikanische Haltung zum Ende des Krieges in der Ukraine auswirken würden als auf die US-Wirtschaft selbst, da sie zu einem erheblichen Anstieg der Benzinpreise in den Vereinigten Staaten führen würden. 

Doch auch diese Prognose erscheint bisher zweifelhaft, da der Markt die Ernsthaftigkeit der Absichten des amerikanischen Präsidenten noch nicht erkannt hat. Selbst der Preisanstieg für Erdöl, der unmittelbar nach der Ankündigung der neuen Sanktionen einsetzte, hat sich inzwischen gestoppt, weil viele glauben, dass Donald Trump diese wirtschaftliche Waffe nicht wirklich einsetzen und jederzeit auf die Sanktionen gegen Russland verzichten könnte – so wie er früher auch mehrfach auf Zölle, etwa gegen die Volksrepublik China, verzichtet hatte.

Diese Zweifel des Marktes an Trumps Entschlossenheit könnten sich jedoch bald in echte Panik verwandeln, wenn klar wird, dass die Sanktionen tatsächlich Wirkung zeigen und bald neue US-Maßnahmen gegen den russischen Energiesektor folgen könnten. Darüber hinaus raten die Vereinigten Staaten auch den Europäern, den Sanktionsdruck auf Russland zu verstärken, um Putin zum Frieden zu zwingen.

Entscheidend ist nun, wie ernst Putin selbst die Pläne Trumps nimmt. Die jüngsten Schritte des russischen Präsidenten zeigen, dass er auf Eskalation und Einschüchterung setzt. So sollten die Tests der Rakete Burewestnik dem amerikanischen Präsidenten demonstrieren, dass Russland über die Fähigkeit zur militärischen Konfrontation mit den Vereinigten Staaten verfügt – insbesondere über Waffen, gegen die das amerikanische Raketenabwehrsystem machtlos sein könnte.

Trump reagierte auf diese Drohungen auf seine eigene Weise und betonte, dass die Vereinigten Staaten über ein atomar bewaffnetes U-Boot in unmittelbarer Nähe der russischen Grenzen verfügten. Die Amerikaner, so sagte er sinngemäß, müssten also nicht einmal irgendwohin fahren.

Dieser Austausch von Drohungen unterstreicht erneut, dass derzeit keine Rede von einem Kompromiss im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg sein kann. Washington und Moskau steuern auf eine ernste Konfrontation zu – möglicherweise nicht nur auf wirtschaftlicher, sondern auch auf militärischer Ebene.

Hier stellt sich die wichtigste Frage: Inwieweit kann diese Konfrontation, die bisher nur aus Absichten und Worten besteht, in reale Handlungen übergehen? Und werden sich diese Handlungen ausschließlich auf Angriffe gegen die russische Wirtschaft sowie auf entsprechende Machtdemonstrationen Russlands auf Testgeländen beschränken?

Wie sich die Situation in den russisch-amerikanischen Beziehungen entwickeln wird und ob sie tatsächlich Einfluss auf den russisch-ukrainischen Krieg hat, werden wir bereits in den kommenden Wochen und Monaten sehen. Denn Situationen militärischer Konfrontation zwischen Großmächten entwickeln sich in der Regel schnell und führen oft zu unvorhersehbaren Folgen – für beide Seiten. Das beste Beispiel dafür ist die berühmte Kubakrise, als die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion buchstäblich am Rande einer Konfrontation standen, die zum Dritten Weltkrieg hätte führen können – mit dem Einsatz von Atomwaffen durch beide Supermächte.

Heute sind wir natürlich noch weit von einer solchen Situation entfernt, vor allem wegen der wirtschaftlichen Verwundbarkeit des putinschen Russlands. Doch es bleibt unklar, inwieweit Putin selbst sich dieser wirtschaftlichen Verwundbarkeit bewusst ist – und ob er, selbst wenn er sie erkennt, bereit ist, seine begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten durch militärischen Druck auf die Vereinigten Staaten und andere NATO-Staaten zu ersetzen.

Das Entscheidende, was wir derzeit nicht wissen, ist, wie Putin tatsächlich handeln wird, wenn er erkennt, dass seine Worte und Komplimente auf Donald Trump keine Wirkung mehr haben – wenn also aus dem einst angenehmen Gesprächspartner ein echter Gegner seiner Bestrebungen wird, die imperiale Macht Russlands in den Grenzen der ehemaligen Sowjetunion wiederherzustellen.

Dann wird der russische Präsident tatsächlich vor einer Wahl stehen: Entweder einem Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zuzustimmen – oder eine Eskalation in Kauf zu nehmen, die die Sicherheit der gesamten Bevölkerung der Russischen Föderation gefährden und sie zu Geiseln von Putins großem Krieg gegen den Westen machen würde.

Der Fehlschlag Putins und Trumps Beleidigung | Vitaly Portnikow @gvlua. 24.10.2025.

Korrespondentin: Also, der amerikanische Präsident Donald Trump erklärte, dass er zunächst das Treffen abgesagt habe, das mit Wladimir Putin in Budapest geplant war. Letzte Woche hatte er das angekündigt. Es gab dort keine konkreten Daten, aber wir haben ja auch mit Ihnen darüber gesprochen, was daraus werden könnte. Und er kündigte neue US-Sanktionen gegen die beiden größten russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil an. Ich zitiere jetzt kurz, was der Präsident der USA sagte: „Immer wenn ich mit Wladimir spreche, haben wir gute Gespräche, aber sie führen zu nichts, sie führen einfach zu nichts“ — sagte Präsident Donald Trump nach einem Treffen mit dem NATO-Generalsekretär Mark Rutte, bei dem unter anderem auch Friedensverhandlungen besprochen wurden. Über die Verkündung der Sanktionen wurde am Tag danach bekannt, nachdem Trump erklärt hatte, das für Budapest geplante Treffen mit dem Präsidenten Russlands Wladimir Putin auf unbestimmte Zeit verschoben zu haben. Und — nun, früher, am Mittwoch, führte Russland diese intensive Bombardierung der Ukraine durch, infolge derer mindestens sieben Menschen ums Leben kamen, darunter Kinder. Uns alle erschütterten die Aufnahmen des Bombardements eines Kindergartens in Charkiw, in dem Kinder später in den Armen herausgetragen wurden. Und wir hoffen, dass die Reaktion der Welt darauf ebenso schockiert ist, obwohl dieser Krieg nun schon so viele Jahre andauert. Sind diese Sanktionen, die Donald Trump jetzt angekündigt hat, ein wirklich gewichtiger Schritt? Denn wir haben ja zweifellos immer gesagt, dass wirtschaftlicher Druck das ist, was wir am meisten brauchen.

Portnikov: Mir scheint, wir haben nicht zum ersten Mal darüber gesprochen, dass Donald Trump früher oder später erkennen muss, dass es kein anderes Instrument gibt, um auf Putin einzuwirken, außer Druck. Und Putin wird früher oder später seinen — ich würde sagen — Vorrat an Worten erschöpfen, mit denen er irgendwelche harten Maßnahmen des Präsidenten der Vereinigten Staaten verhindern kann. Man kann sagen, dass Putin neun Monate lang mit Worten Trump davon abgehalten hat, gegenüber der Russischen Föderation harte Maßnahmen zu ergreifen. Geben Sie zu, das ist ein echter diplomatischer Rekord, denn Trump hoffte die ganze Zeit, dass Putin früher oder später ihm entgegenkommen, einem Ende der Feindseligkeiten an der russisch-ukrainischen Front zustimmen und man so zumindest vorübergehend das Ende des Krieges erklären und sich irgendeinen wirtschaftlichen Projekten widmen könne. 

Und die Wahrheit ist, dass die Bedingungen, die Putin von Trump angeboten wurden, einfach großzügig waren für eine Person, die einen Angriffskrieg gegen ein Nachbarland begonnen hat. Erinnern Sie sich — es waren nicht nur wirtschaftliche Projekte vorgesehen und nicht nur die Zustimmung dazu, dass Putin die Kontrolle über die von ihm erbeuteten Territorien behält. Es war auch die Anerkennung des russischen Status der Krim, die Aufhebung aller Sanktionen, die Rückgabe von Vermögenswerten vorgesehen. Trump hatte allen Grund zu glauben, dass das rationale Bedingungen für den Präsidenten eines Landes sind, das seit vier Jahren nicht vorankommt bei der Vernichtung seines Nachbarn — das wäre hervorragend. 

Aber er hat sich überzeugt, dass Putin eine völlig andere Sicht hat, dass Putin auf einen langen Krieg eingestellt ist und dass alles, was Putin braucht, darin besteht, mit Reden Trump von scharfen Reaktionen abzuhalten. Und jetzt hat Trump gesagt, die Zeit sei gekommen, und es hat eine solche Situation mit einer russisch-amerikanischen Eskalation begonnen. Denn wenn Sie die heutige Rede des Präsidenten Russlands gesehen haben, in der er die amerikanischen und europäischen Sanktionen kommentierte, dann war das eine harte und offensichtliche Herausforderung sowohl an den Präsidenten der Vereinigten Staaten als auch an die europäischen Führer.

Korrespondentin: Meinen Sie Putins Worte als direkte Antwort bezüglich Tomahawks, dass das eine ernste Reaktion sein werde, falls die USA sich doch trauen sollten, uns Langstreckenwaffen dieses Formats zu geben?

Portnikov: Sowohl die Tomahawks als auch die Aussage, dass die Europäer sehr bald Toiletten brauchen werden — weil es umsonst sei, dass sie auf russische (Produkte) verzichten — das ist ebenfalls eine herablassende Reaktion im Stil Putins. Erinnern Sie sich überhaupt, womit Putin angefangen hat? „In die Toilette totprügeln“ — und er kann sich, wie man sieht, nach 25 Jahren Herrschaft einfach nicht von diesem Toilettenhumor befreien. Ich erkenne keinen Fortschritt. Er bewegt sich ständig innerhalb dieses Klosetts. Der Gebrauch dieser, ich würde sagen, obszönen Sprache ist ein Zeugnis seiner unglaublichen Erregung, denn er, als Offizier der Staatssicherheit, hat den Auftrag nicht erfüllt. Er hatte eine konkrete Aufgabe: mit Komplimenten, Erklärungen, Worten, durch überlegte Handlungen das Objekt — also Trump — davon abzuhalten, Maßnahmen zu ergreifen, die den staatlichen Interessen der Russischen Föderation ernsthaften Schaden zufügen könnten. Neun Monate lang hat er das geschafft, aber jetzt ist er gescheitert. Übrigens verstehen wir nun, warum er in der Sowjetunion kein Oberst geworden ist. Er kann einfach nichts zu Ende bringen.

Korrespondentin: Wenn ich Ihnen zuhöre, dann verstehe ich einfach, dass es für uns natürlich besser gewesen wäre, wenn Trump früher zu dieser Entscheidung gekommen wäre und die Vereinigten Staaten diese Sanktionen viel früher verkündet hätten. Warum hat Trump das nicht früher getan?

Portnikov: Es gab die Hoffnung, dass ein rationaler Ansatz doch der logischere Weg aus der entstandenen Situation sein könne, dass es besser sei, sich auf großzügige Bedingungen zu einigen, als die Eskalation fortzusetzen. Das ist der eine Punkt. Ein anderer, nicht minder wichtiger Punkt, scheint mir, ist: In Washington — sowohl in den Zeiten Bidens als auch in den Zeiten Trumps — könnte die Frage aufkommen: „Was, wenn weiterer Druck nicht zu spürbaren Ergebnissen führt?“ Nehmen wir an, neue Sanktionen werden verhängt, Indien und China reduzieren zumindest formal die Käufe russischen Öls — und Putin setzt den Krieg fort. Die Russen sind schlicht bereit, die Gürtel enger zu schnallen und den Krieg so lange weiterzuführen, wie es nach Ansicht ihres Präsidenten nötig sein wird, um die Ukraine zu zerstören und das Nachbarland von der politischen und, ich denke, ethnographischen Landkarte der Welt verschwinden zu lassen. Was sollen dann die Vereinigten Staaten tun? Trump hat heute bereits gesagt, dass er es immer vermutet habe. Übrigens ist das interessant — das zeigt, dass er besser versteht, was geschieht, als viele unserer Mitbürger. Er hat immer vermutet, dass Putin die ganze Ukraine braucht. Aber er wird nicht zulassen, dass ganzes Gebiet der Ukraine in Putins Hände fällt. Wie oft am Tag wiederhole ich, dass Putin die ganze Ukraine will? Wie viele Leute stehen dieser Aussage skeptisch gegenüber, nicht wahr? Wie viele Leute haben uns überzeugt, dass, wenn man Putin die Krim, den ganzen Donbass, vielleicht Odessa, Charkiw gebe, er sich sofort beruhigen und uns in Ruhe lassen werde? Und ich habe immer gesagt: „Nein. Die Hauptidee dieser Geschichte ist, dass die Truppen in Užhorod stehen sollen, dass sie über die Karpaten hinwegdringen sollen, und nicht in Charkiw, Donezk oder Sewastopol.“ Und es stellt sich heraus, dass Trump dasselbe weiß wie ich. Ich lese keine geheimen Dokumente, und Trump liest sie. Ich versichere Ihnen: Es ist nicht nur eine Vermutung, sondern das, was ihm die Geheimdienste geben, es steht, ich würde sagen, auf den Formularen des russischen Sicherheitsrates. Dort steht, seien Sie sicher, dass das Ziel des Krieges die Neutralisierung des ukrainischen nationalistischen Regimes ist, die Eingliederung der Gebiete des heutigen ukrainischen Staates in die Russische Föderation. Und es ist Jahren in voraus geplant, mit Karten der Militärbezirke, die auf dem Territorium des ehemaligen ukrainischen Staates eingerichtet werden sollen. Und natürlich können die Vereinigten Staaten das nicht zulassen, weil das ihre schwerste geopolitische Niederlage im 20. Jahrhundert wäre. Das ist selbstverständlich nicht genau dasselbe wie die Aufgabe Israels an die Hamas, aber sehr ähnlich.

Aber dann stellt sich die ernste Frage: Was ist zu tun, damit Putin das nicht erreichen kann? Wann werden die Vereinigten Staaten in den Konflikt eingreifen müssen — wenn nicht direkt, so doch durch Lieferung all jener Waffen, die von der Russischen Föderation als potenziell mit Kernwaffen bestückbar charakterisiert werden könnten und deren Einsatz sogar durch die Ukraine einen entsprechenden zielgerichteten Schlag mit nuklearem Anteil gegen US-Militäranlagen, beispielsweise in Europa, auslösen könnte? Das weiß niemand. Das ist noch nicht geschehen. Das ist eine Frage der kommenden Jahre dieses Krieges. Falls es den Vereinigten Staaten nicht gelingt, Putin wirtschaftlich zum Frieden zu zwingen. Aber jetzt sehen wir, dass der Präsident der Russischen Föderation vorhersehbar reagiert, indem er die Eskalation und die Konfrontation mit dem Westen verstärkt, die sich, wie ich in dieser Sendung auch sagte, mit jeder neuen Woche, jedem Monat und jedem Jahr des russisch-ukrainischen Krieges nur vertiefen wird. Der Krieg wird eskalieren, auf neue Territorien übergehen, neue Formen annehmen und eine neue Gefährdung von uns bisher unbekanntem Ausmaß und Charakter schaffen. So wird es sein.

Korrespondentin: Und wer steht Ihrer Meinung nach jetzt unter der größten Bedrohung? Ich dachte gerade daran, dass es auch bei uns unter unseren Bürgern tatsächlich Leute gibt, die denken, wenn wir Russland treffen, wenn wir unsere Raketen dorthin schicken, provoziert das nur Putin und er wird dann dort wieder unsere Kindergärten treffen. Aber das ist ja nicht so, weil seine Eskalation schon seit Kriegsbeginn andauert, schon seit 2014. Und das, was wir tun, beeinflusst das nicht wirklich. Wir müssen definitiv mehr tun, wenn wir nur die Waffen hätten.

Portnikov: Das ist eine sehr kluge Bemerkung, denn die Idee an sich, dass wenn man einem Aggressor antwortet, man ihn damit erzürnen könne, ist praktisch, wissen Sie, der Weg in die Gaskammer, den man selbst beschreitet; niemand zwingt einen dazu. Und ich erinnere mich an all diese Ideen, dass man Putin in keinem Fall durch Taten oder sogar Worte beleidigen dürfe. Erinnern Sie sich, unser amtierender Präsident hat den Namen Putin jahrelang nicht erwähnt, um ihn ja nicht zu beleidigen. Trump wollte kürzlich auch keine Schritte unternehmen, nur um Putin nicht zu kränken. Und Putin — nun, er ist so konzipiert, würde ich sagen, dass er jeden Versuch, ihn nicht zu beleidigen, ausschließlich als Zeichen der Schwäche wahrnimmt. Das ist nicht einmal nur Putins Konstruktion, sondern die Philosophie der russischen politischen-militärischen Kultur, eine Art Banditenphilosophie: „Wenn man nicht beleidigt, wenn nicht geantwortet wird, heißt das, sie haben Angst, also erdrücken wir sie, die Schweine.“ Das habe ich in Russland von alltäglichen Situationen bis zu politischen gesehen. Nicht nur dutzende, sondern hunderte Male. Wenn du stehenbleibst und nicht auf Beleidigungen oder körperliche Aktionen reagierst, wirst du mit Füßen getreten. Und dafür muss man nicht einmal in Russland leben. Man kann sich einen Film ansehen oder ein Buch lesen und zu demselben Schluss kommen. Das ist kein Geheimnis. Warum wir uns, als Menschen, die im Nachbarverhältnis zur Russischen Föderation leben, russisch sprechen können, viele russische Filme gesehen und Bücher gelesen haben, immer wieder täuschen lassen, obwohl dort alles unmissverständlich auf Russisch steht? Was ist das? Autosuggestion?

Korrespondentin: Wer ist jetzt am stärksten bedroht? Sie sagen, der Krieg könnte sich ausweiten und es könnte neue Opfer in Form von Ländern geben, die Putin auch ins Visier nehmen und auf die er seine Waffen richten könnte.

Portnikov: Nun, die ersten Kandidaten für eine Eskalation sind Länder Mitteleuropas und die Baltischen Staaten. Vor unserer Sendung wurde, nebenbei gesagt, bekannt, dass russische Militärflugzeuge den Luftraum der Republik Litauen aus dem Gebiet der Oblast Kaliningrad verletzt haben. Ein Vorfall lag nur wenige Minuten vor unserem Gespräch zurück. Aber wie viele solche Episoden gab es in den letzten Wochen schon? Es gab Drohnenarmeen im Luftraum Polens, Dänemarks oder anderer europäischer Länder. Flugzeuge im Luftraum Estlands. Ich denke, hybride Kriegsformen werden verfeinert und verstärkt, prorussische Stimmungen werden sich in Ländern verstärken, wo man das herbeiführen kann — sowohl durch Kräfte, die extrem rechts sind und bereit, Putins Taten zu verstehen, als auch durch offen prorussische Kräfte in den kompliziertesten und risikoreichsten Regionen Europas. Es geschehen Ereignisse, die wir hier nicht so sehr verfolgen, aber die für mich sehr aufschlussreich sind. Sagen Sie mir, waren die Kommunalwahlen in Estland für irgendjemanden in unserem Land interessant? Natürlich verfolgte die Mainstream-Presse sie nicht, aber diese Wahlen waren interessant zum Beispiel, weil in der Stadt Narwa, über die wir so oft sprechen, wenn wir darüber nachdenken, wo russische Saboteure auftauchen könnten — in diesem Ort mit überwiegend russischsprachiger und ethnisch russischer Bevölkerung — ein Block eines offen prorussischen Politikers Stolnuchin gewann, der für Aussagen bekannt ist, die, gelinde gesagt, weit von den Interessen des estnischen Staates entfernt sind. Eine große Anzahl der Einwohner von Narwa — natürlich weniger als die Hälfte, weil die Zusammensetzung des lokalen Rates gespalten ist — stimmte für diese Person und für die Politiker, die er für die Lokalregierung empfahl. Gleich vor meinem inneren Auge taucht das Jahr 1940 auf, als Moskau mithilfe von Politikern/Kollaborateuren in den baltischen Ländern Pseudoparlamente organisieren konnte, die Entscheidungen über den Anschluss dieser Länder an die Sowjetunion trafen, also die Besatzung legitimierten. Das ist eine kleine, kaum bemerkte Illustration — aber aus solchen kleinen Illustrationen kann sich ein Plan weiterer russischer Sabotageaktionen abzeichnen. Nicht unbedingt in Form eines offenen Krieges.

Korrespondentin: Und was müsste geschehen — oder was könnte geschehen — damit diese Sanktionen, auf die die Vereinigten Staaten jetzt so hoffen und die sie so lautstark eingeführt haben — wofür wir ihnen dankbar sind — tatsächlich Wirkung zeigen? Wir sagen: Wird das Russland beeinflussen oder nicht — das muss man perspektivisch betrachten. Aber was könnte das verstärken? Die Erwartungen sind groß. US-Finanzminister Scott Bessent sagte, sie seien notwendig wegen Putins Weigerung, diesen sinnlosen Krieg zu beenden, denn diese Ölgesellschaften finanzieren die Kremlin-Kriegmaschine. Und jetzt sei die Zeit gekommen, die Tötungen zu beenden und unverzüglich die Einstellung der Feindseligkeiten zu verkünden. Das heißt, man stellt ihm Bedingungen, aber Putin, wie wir bereits erwähnt haben, lacht und spricht von Toiletten und sagt, Sanktionen seien schädlich für ihre Wirtschaft, aber sie würden sie nicht stark treffen. Nun, klar, er muss so sprechen. Aber wieder sehen die Vereinigten Staaten und der Präsident die Dokumente. Sie verstehen, worauf sie sich stützen. Und in nächster Zeit soll Trump den chinesischen Führer Xi Jinping treffen. Vielleicht hängt das zusammen, denn auch Xi hofft in seinen Erklärungen, dass China sich anschließen und irgendwie helfen werde, dieses Problem — wie er sagt — in Bezug auf die Ukraine und Russland zu regulieren.

Portnikov: Wissen Sie, ich lese morgens indische Medien, denn Worte sind das eine, aber sehr wichtig ist zu verstehen, wie die Reaktion des indischen Öl- und Raffineriekonzerns auf Trumps Entscheidung wirklich aussieht. Und ich muss Ihnen sagen, Trump hat recht, wenn er über die Reaktion Indiens spricht, dass Indien den Einkauf russischen Öls einstellen könnte. Das ist heute eine politische Realität, denn die Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil sind, nebenbei gesagt, auch ein sehr ernster Schlag gegen Putin — und symbolisch, weil Rosneft eine Gesellschaft ist, die durch die Zerstörung der Firma Yukos geschaffen wurde; Rosneft ist eine staatliche Gesellschaft. Und diese Rosneft, die faktisch auf gestohlenem Eigentum aufgebaut wurde, wurde von Putins engstem Gefährten aus St. Petersburg, Igor Setschin, geleitet. Das ist Putins Geldbörse. Das ist nicht zufällig. Lukoil teilt lediglich die Gewinne mit den Herrschenden. Rosneft ist quasi deren Eldorado. Nun werden indische Firmen einfach kein Öl von Rosneft und Lukoil kaufen können, weil sie sonst unter ernste US-Sanktionen geraten könnten, mit Kontosperrungen und dem möglichen Verschwinden ihrer Firmen. Und in Indien erklären verantwortliche Manager bereits in Interviews, die ich gelesen habe, dass sie die Einkäufe russischen Öls gemäß den Anweisungen der indischen Regierung umstrukturieren werden. So klingt diese Form. Im indischen Regierungssitz ist man schockiert über das, was geschieht. Vielleicht wissen Sie, dass Premierminister Narendra Modi seine Reise zum ASEAN-Gipfel nach Malaysia abgesagt hat, wo er Trump hätte treffen können, aber in Neu-Delhi hofft man weiter, ein Handelsabkommen mit den USA unter neuen Umständen abzuschließen. Also Indien kann die Käufe russischen Öls tatsächlich erheblich zurückfahren. Für Russland ist das schmerzhaft. Was China angeht, glaube ich nicht, dass alles so einfach sein wird, aber offenkundig wird das Thema Russlands und der chinesischen Unterstützung für Russland und wie dies die Handelsbeziehungen zu den USA beeinflusst, eines der Hauptthemen des Gesprächs zwischen Trump und Xi in Malaysia sein, falls dieses Treffen überhaupt stattfindet. Xi versteht sehr gut, dass, wenn er ein Gleichgewicht mit den Vereinigten Staaten suchen will, er nicht weiter russisches Öl kaufen kann, als ob nichts passierte. Er wird auch Instrumente suchen müssen, die zumindest das legale Niveau der Einkäufe verringern. Das bedeutet nicht, dass der Krieg schnell enden wird. Nein. Aber Russland wird in jedem Fall immer weniger Geld für diesen Krieg haben. Und das ist noch nicht das Ende, verstehen Sie? 

Bisher gab es keine neuen Sanktionen von Trumps Administration. Trump ist offenbar als Politiker und als Person beleidigt, denn neun Monate lang hat er faktisch versucht, mit Putin zu besseren Bedingungen zu verhandeln. Man hat ihn erniedrigt, man hat ihn vor seinen Landsleuten als Verlierer bloßgestellt — zuerst in Anchorage, dann während eines Telefonats mit Putin, das ein Treffen in Budapest arrangieren sollte. Denn Putin hatte Trump selbst angerufen. Und als Putin selbst anrief, dachte Trump, angesichts seiner Drohungen und Vorschläge habe Putin schließlich die Notwendigkeit realistischerer Maßnahmen erkannt. Und es hat sich herausgestellt, dass Putin ihn wieder betrogen hat — dass er umsonst Druck auf die ukrainische Delegation ausgeübt hat. Für Trump sah das sehr unangenehm aus, zumal er sein, wie er meint, nahes Triumphgefühl verloren hatte. Und der Druck auf Russland wird nun mit jeder Woche zunehmen, falls es nicht konkrete Schritte zum Ende des russisch-ukrainischen Krieges gibt, in der Hoffnung, dass Russland die Lage erkennt und dem zustimmt, wovon alle amerikanischen Beamten sprechen: einem Waffenstillstand, einer Zustimmung zu Trumps Initiative. Russland wird hingegen seinerseits nur neue Schritte zur Eskalation der Lage unternehmen — hier wie in Europa.

Korrespondentin: Also meinen Sie, das wird Russland überhaupt nicht beeinflussen? Die Russische Föderation und ihre Machthaber?

Portnikov: Solange sie wenigstens ein bisschen Geld haben, werden sie versuchen, den Krieg in der Ukraine durch Eskalation und Ausweitung zu beenden, nicht durch Verhandlungen. Wie heute ganz klar geschrieben wurde vom ehemaligen Präsidenten Russlands, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Sicherheitsrates der Russischen Föderation Dmitri Medwedew: Man müsse auf dem Schlachtfeld siegen, nicht am Schreibtisch. Und wir kennen die Dimensionen dieses Schlachtfelds in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nicht. Die einzige Möglichkeit, dem vorzubeugen, ist, Russland die wirtschaftlichen Möglichkeiten zu nehmen, den Krieg fortzuführen. Es gibt keine anderen Möglichkeiten in der Natur, damit der Krieg endet und nicht zu einem großen europäischen Krieg wird.

Korrespondentin: Ein großes Sanktionspaket hat auch die Europäische Union eingeführt. Es betrifft ebenfalls den Kauf russischer Ölprodukte, aber soweit ich gelesen habe, bezieht es sich erst auf das Jahr 2027.

Portnikov: Mir scheint, der Kauf russischen Gases sollte generell Ende 2026 aufhören.

Korrespondentin: Vielleicht bezieht sich ein Punkt auf 2027.

Portnikov: Was verflüssigtes Gas betrifft. Und wie Sie verstehen, falls Europa weder Rohrleitungs- noch verflüssigtes russisches Gas kauft, weiß man nicht, was Gazprom dann tun wird.

Korrespondentin: Wir in der Ukraine würden gern sehen, dass das sofort geschieht. Wir stehen am Ende des Jahres 2025. Warum nicht schon Anfang 2026 damit beginnen?

Portnikov: Weil das Gleichgewicht der Energieinteressen Europas so ist, dass, wenn man das nicht durchdacht macht, es Europa in einen energetischen Bankrott treiben könnte. So einfach sieht das Gasrisiko aus. Und dann hätten wir keinen Ort, an dem wir Gas kaufen können, wenn die Ukraine selbst vor ernsten Schwierigkeiten in diesem Winter stehen wird. Man kann die Äste absägen, auf denen man selbst sitzt, oder sich an ihnen festklammern.

Korrespondentin: Also ist es nicht so einfach, wenn wir sagen, wir müssen den Fluss stoppen.

Portnikov: Es ist unglaublich, dass Europa überhaupt in eine solche energetische Abhängigkeit von Russland geraten ist. Und Donald Trump hatte sie bereits in seiner ersten Amtszeit gewarnt. Aber ich denke, Europa hat sich in rekordverdächtiger Zeit vom russischen Pipeline-Gas verabschiedet. Erinnern Sie sich, alle sagten, das würde erst 2027, 2028, 2029 geschehen. Man hat diese Pipelines nach Europa schon vergessen — diese ganzen Nord Streams und so weiter. Wir erinnern uns an sie nur noch, wenn vom Sabotieren die Rede ist. Und jetzt ist die Zeit gekommen, sich endgültig vom russischen LNG zu trennen. Aber hier gibt es ein weiteres Problem: Die wichtigste Alternative zu Russland auf diesem Markt ist Katar, das, wie Sie verstehen, mit diesem Geld terroristische Organisationen im Nahen Osten finanziert. Das ist eine sehr vielschichtige Problemlage.

Korrespondentin: Ich sehe gerade parallel, dass die Sprecherin des Weißen Hauses erklärt hat, das Treffen zwischen Trump und Xi finden wird. Es wird nächsten Mittwoch, den 30. Oktober, stattfinden. Aber wir wissen, dass vieles verschoben oder abgesagt werden kann. Man berichtet, dass Trump die Möglichkeit in Betracht gezogen hat — und er werde das mit Xi besprechen —, mit China eine Vereinbarung über Atomwaffen zu schließen, wobei er anmerkte, dass Wladimir Putin zuvor die Idee einer bilateralen Reduktion der Atomwaffen vorgebracht habe und die VR China sich diesem Prozess anschließen könne. Was könnte das konkret für uns bedeuten?

Portnikov: Nichts. China wird sich an dieser Idee Trumps nicht beteiligen, weil die Atomarsenale der Volksrepublik China nicht im Verhältnis zu den Atomarsenalen der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation stehen. Gerade die Vereinigten Staaten und Russland sind die größten nuklearen Großmächte der modernen Welt des 20. und 21. Jahrhunderts. Und China, jedenfalls nach den Zahlen, die es selbst veröffentlicht, hat noch viel zu tun, um sich diesen führenden atomaren Staaten wenigstens ein wenig anzunähern. Daher wird Xi Trump sagen: „Zuerst sollt ihr und Russland den Atompotential reduzieren. Und wenn ihr reduziert, können wir über Parität sprechen. Bis dahin kann China nicht einmal von atomarer Parität träumen.“ Eben deshalb ist, nebenbei gesagt, Putins Russland so etwas wie ein nuklearer Schirm für das nukleare China, weil China mit seinem Arsenal nicht in der Lage ist, sich gegen Amerika zu behaupten.

Korrespondentin: Und wie werden sich die Ereignisse Ihrer Meinung nach weiterentwickeln? Ich erinnere mich schon, dass ich sagen wollte, dass die EU ihren 18. Paket an Sanktionen hat, und bis vor kurzem gab es in Europa Länder, die das blockierten. Sie haben erst kürzlich endgültig dafür gestimmt.

Portnikov: Ich glaube, es ist mittlerweile das 19. Paket.

Korrespondentin: Und Österreich war da auch mit dabei. Aber jetzt haben sie ihre Meinung geändert. Denn es gab ja auch ein Sanktionspaket der Vereinigten Staaten; Amerika hat sich sozusagen solidarisch gezeigt.

Portnikov: Ich denke, die amerikanische Haltung zu Sanktionen und Waffenlieferungen beeinflusst die Stimmung europäischer Führer stark, selbst die, die Donald Trump sehr negativ gegenüberstehen. Schauen Sie, Trump hat Spanien scharf kritisiert wegen seines Beitrags zum Militärhaushalt. Und buchstäblich in diesen Tagen — vielleicht heute oder gestern — hat Spaniens Premierminister Pedro Sánchez mitgeteilt, dass Spanien sich dem Programm zum Erwerb europäischer Waffen für die Ukraine anschließt. Jetzt werden viele Schritte unternommen, um die Ukraine zu unterstützen und Druck auf Russland auszuüben, in Anbetracht von Trumps Position. Und solchen Trumps-Freunden, die zugleich Putin-Freunde sind wie Viktor Orbán oder Robert Fico, wird es sehr schwerfallen, auf zwei Stühlen zu sitzen in einem Moment scharfer Auseinandersetzung zwischen Trump und Putin. Also wird uns dieser Konflikt auch insofern helfen, als diese Leute, die Putins Verbündete in Europa sind, viel abhängiger von Trump sind als von Putin.

Korrespondentin: Und was wird als Nächstes passieren? Sie sagen, Putin wird weiter eskalieren. Denn, wie Sie wissen, beide Seiten — nun, das sagt auch Trump — hoffen, dass „ich erwarte, diese Sanktionen, aber sie sind nicht für lange, Putin wird uns hören, er wird einlenken und wir werden uns wieder zusammensetzen. Aber im Moment gibt es nichts, worüber man mit ihm sprechen könnte, also ist das Treffen in Budapest unangebracht.“

Portnikov: Das Treffen in Budapest wird abgesagt und man hofft, dass diese Sanktionen erhebliche Probleme für Russland schaffen und Putin sich ergibt. Der Druck auf Russland wird erhöht werden. Russland wird seinerseits die Eskalationsstufen und die Ausdehnung des Krieges erhöhen. Das wird die Lage in den nächsten Monaten bestimmen. Und wenn Putin in dieser Situation wirklich nicht mehr die wirtschaftlichen Mittel hat, könnte er zu einem vorübergehenden Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front geneigt sein. Aber bisher bestehen keine objektiven Bedingungen dafür, dass dies in absehbarer Zukunft geschieht. Der Druck wird von beiden Seiten kommen: wirtschaftlich und möglicher militärischer Druck seitens der Vereinigten Staaten durch die Belieferung und Erhöhung der Lieferungen an Waffen für die Ukraine — und verschiedene Formen der Eskalation seitens der Russischen Föderation. Fehler auf beiden Seiten können schon in den kommenden Monaten und Jahren zu einem großen Krieg führen. Auf diesen großen Krieg in Europa muss man sich vorbereiten und ihn ernst nehmen, denn gerade diese Bereitschaft Trumps, auf Putin hart zu drücken, und Putins Bereitschaft, jedem Druck zu widerstehen — weil das sein Markenzeichen ist — schafft die reale Gefahr eines großen Krieges in naher Zukunft. Das ist einfach eine Diagnose. Das ist nicht einmal eine Diskussionsfrage. Also hoffen wir, dass Putins wirtschaftliches Potenzial früher zerstört wird, als dass ein dritter Weltkrieg mit Einsatz von Kernwaffen beginnt. Das ist auch ein legitimer Wunsch, eine Hoffnung am Leben zu bleiben.

Korrespondentin: Können wir diese Perspektive irgendwie messen, ihre Absehbarkeit?

Portnikov: Die Absehbarkeit in Jahren messen?

Korrespondentin: Nun, in Monaten würde ich gern.

Portnikov: Nein, das ist keine Frage von Monaten.

Korrespondentin: Ich meine die Verringerung ihres Potenzials. Es geht nicht um Monate. Das wird nicht plötzlich geschehen.

Portnikov: Das wird nicht in Monaten geschehen, aber es kann bis zum Ende von Trumps Präsidentschaft alles eintreten.

Korrespondentin: Also bleibt wirklich nicht mehr viel Zeit. Es ist also nicht Jahrzehnte.

Portnikov: Nicht Jahrzehnte. Aber dafür ist intensiver, ernster Druck nötig — und gleichzeitig ein Risiko. Denn je mehr Putins wirtschaftliches Potenzial schrumpft, desto mehr wird er den Wunsch haben, Europa mit in sein Grab zu reißen.

US-Militärs bereits in Belarus | Vitaly Portnikov. 15.09.2025.

Unerwartet tauchten amerikanische Soldaten bei den russisch-belarussischen Militärübungen auf, die auf dem Territorium der Republik Belarus stattfinden, und schüttelten dem lukaschenkistischen Verteidigungsminister Viktor Chrenin die Hand. Es war offensichtlich, dass das Erscheinen der Amerikaner sowohl für Chrenin als auch für andere belarussische Politiker und Militärs, die sich auf dem Übungsgelände versammelt hatten, tatsächlich eine Überraschung war. Zumal Beobachter bei diesen Übungen nur Vertreter solcher Länder waren, die entweder – sagen wir es so – besondere Beziehungen zur Russischen Föderation und zur Republik Belarus unterhalten oder versuchen, ihre neutrale Position im russisch-ukrainischen Krieg zu demonstrieren.

Die Amerikaner reihten sich damit in die Reihen der Militärs aus der Türkei oder aus Ungarn ein, die bereits an diesen Übungen teilnahmen. Und das ist zweifellos eine weitere Geste der Administration Donald Trumps gegenüber Alexander Lukaschenko, der sich in letzter Zeit ständig mit Vertretern des amerikanischen Präsidenten trifft, politische Gefangene freilässt und im Gegenzug die Aufhebung der Sanktionen gegen seine staatliche Fluggesellschaft erhält. Und es ist offensichtlich, dass dies nur der Anfang ist. Wenn man all die Komplimente in Erinnerung ruft, die Donald Trump bereits an Alexander Lukaschenko gerichtet hat, ist gar nicht so einfach zu verstehen, welche wahren Ziele der amerikanische Präsident in Bezug auf seinen belarussischen Kollegen eigentlich verfolgt.

Man könnte natürlich annehmen, dass Trump tatsächlich hofft, Belarus von Russland loszulösen, so wie er früher dachte, Russland von China loslösen zu können. Doch wir alle verstehen sehr gut, dass es auch nicht die geringste Aussicht auf eine solche Entwicklung gibt. Das Regime Lukaschenkos ist von Russland sogar in noch größerem Maße abhängig, als Russland von China. Schon allein deshalb, weil Alexander Lukaschenko schlicht und ergreifend auf russischen Bajonetten sitzt und nicht nur von der wirtschaftlichen, sondern auch von der politischen Unterstützung des Kremls profitiert – sowie von der Bereitschaft des russischen Sicherheitsapparats, das Marionettenregime in Minsk zu verteidigen, falls sich die eigenen Sicherheitskräfte als nicht effizient genug erweisen. Und das ist genau die Art von Dienstleistung, die Lukaschenko vom amerikanischen Präsidenten gar nicht erhalten kann.

Aber es gibt auch ein viel klareres und bodenständigeres Ziel Donald Trumps, das durchaus mit den Zielen Wladimir Putins übereinstimmen und Thema der Diskussion zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten während des Gipfels in Anchorage gewesen sein könnte. Nun, über den russisch-ukrainischen Krieg haben sie dort ja schließlich nicht gesprochen. Dieses Ziel ist die Nutzung von Belarus als Sanktionsfenster, das zur Normalisierung der amerikanisch-russischen Beziehungen beitragen würde – ohne dass Donald Trump persönlich für die Unterstützung des russischen Regimes verantwortlich gemacht werden könnte.

Das deutlichste Beispiel ist die Entscheidung, die Sanktionen gegen die Fluggesellschaft Belavia aufzuheben. Erstens eröffnet das Russland den Zugang zu Ersatzteilen für seine eigenen Fluggesellschaften, die unter den Sanktionen der westlichen Staaten stehen. Hier sehen wir: offiziell gibt es keinen amerikanischen Sanktionsverzicht, aber Russlands Möglichkeiten nehmen zu. Und damit wachsen auch die Chancen zur Entwicklung der russischen Zivil- und – was am wichtigsten ist – der Militärluftfahrt. Denn unter dem Deckmantel des Bezugs von Ersatzteilen für zivile Flugzeuge kann Belarus natürlich auch Güter mit doppeltem Verwendungszweck erhalten und diese großzügig mit der Russischen Föderation teilen – mit Produkten, die nötig sind, um dann Kyiv oder Lwiw zu bombardieren.

Der zweite wichtige Punkt in diesem Sanktionsmanöver sind die ständigen Bitten russischer Beamter um die Wiederaufnahme des direkten Flugverkehrs zwischen der Russischen Föderation und den Vereinigten Staaten. Dies liegt im Interesse hochrangiger Funktionäre und Oligarchen, deren Familien bekanntlich Eigentum in den USA besitzen und die gerne problemlos in dieses Land einreisen würden. Das liegt natürlich auch im Interesse des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB und des Auslandsnachrichtendienstes SWR, die mithilfe direkter Flüge effektive Spionagenetzwerke auf amerikanischem Boden aufbauen und erneuern könnten.

Wenn man bedenkt, dass eines der wichtigsten Ziele der Russischen Föderation und der Volksrepublik China die Destabilisierung der politischen Situation in Amerika während der Amtszeit Donald Trumps ist – weil man in Moskau und in Peking überzeugt ist, dass der amtierende Präsident dieser Destabilisierung keinen wirksamen Widerstand entgegensetzen kann, da er selbst eine Atmosphäre des Hasses um sich herum erzeugt –, dann kommt man ohne direkte Flüge gar nicht aus. Und in dieser Situation könnte genau Belavia jene Fluggesellschaft sein, die Flüge von Moskau nach Washington aufnimmt – nicht jedoch nach Europa, wo man selbstverständlich nicht daran denkt, irgendwelche Sanktionen gegen die belarussische Fluggesellschaft aufzuheben.

So wird also der direkte Flugverkehr zwischen Russland und den Vereinigten Staaten offiziell nicht wieder aufgenommen, und er entsteht de facto, ohne dass der amerikanische Präsident scheinbar daran beteiligt ist. Und Trump selbst sowie seine Vertreter werden uns politische Märchen erzählen, wonach sie diesen Preis für die Freilassung belarussischer politischer Gefangener gezahlt hätten.

Dieses Ausspielen von Menschen als Verhandlungsmasse, um das Fehlen von Sanktionsdruck auf diktatorische Regime zu rechtfertigen, ist übrigens nichts Neues. Als Trump im Mai 2025 die abgestimmten Sanktionen der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union gegen Moskau vermied, bestand er ebenfalls auf der Anwesenheit einer ukrainischen Delegation bei den Verhandlungen mit Russland. Und diese Gespräche, die zu keinerlei realen Ergebnissen in Bezug auf ein baldiges Ende des russisch-ukrainischen Krieges führten, wurden dennoch von der Freilassung ukrainischer Kriegsgefangener begleitet. So konnte Putin Trump gegenüber seine vermeintliche Konstruktivität demonstrieren und dem amerikanischen Präsidenten helfen, Sanktionsdruck gegen sein Land zu vermeiden.

Die Methodologie der gemeinsamen Handlungen der Administration von Präsident Trump und der Administration von Präsident Putin ist also bereits offensichtlich. Und auch die Rolle, die die Administration von Präsident Lukaschenko in dieser Methodologie spielt, wird klar – besonders vor dem Hintergrund der Anwesenheit amerikanischer Soldaten bei den Übungen in der Republik Belarus, genau jenen Übungen, die 2022 von der Russischen Föderation genutzt wurden, um einen Brückenkopf für den Vormarsch auf Kyiv und andere ukrainische Städte von belarussischem Gebiet aus vorzubereiten.

Nun, übrigens könnten die amerikanischen Soldaten bei diesen Übungen vielleicht bemerkt haben, dass die russischen Truppen, die auf Kyiv vorrückten, doch auf der Autobahn marschierten und nicht durch irgendein sumpfiges Gelände – und dies Donald Trump erzählen. So könnten sie dem amerikanischen Präsidenten helfen, sich ein adäquateres und realistischeres Bild der Welt zu machen als jenes, das sich in seinem Kopf eingenistet hat und ihn daran hindert, zu verstehen, was tatsächlich geschieht – auch an der russisch-ukrainischen Front.

Der Kreml hat Trump eiskalt abserviert. Vitaly Portnikov. 29.07.2025.

Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, betonte, dass der Kreml die Erklärung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zur Kenntnis genommen habe, wonach er das zuvor gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gesetzte Ultimatum von 50 auf acht oder zehn Tage verkürze. Wie Russland konkret auf Trumps Erklärung zu reagieren gedenkt und ob eine Reaktion Putins selbst möglich sei, dazu äußerte sich Peskow nicht.

Man sollte daran erinnern, dass Peskow, nachdem Trump seine Aussage über die 50 Tage gemacht hatte – die er Russland für Friedensverhandlungen und einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front eingeräumt hatte – betonte, dass Präsident Putin selbst auf diese Worte Trumps reagieren werde. Doch seither sind zwei Wochen vergangen, und der russische Präsident hat die Äußerungen seines amerikanischen Kollegen überhaupt nicht kommentiert.

Nun sehen wir, dass der Kreml nach einem Standardmuster auf Trumps Erklärungen reagiert. Der ehemalige russische Präsident und stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, Dmitri Medwedew, betont, dass sich amerikanische Führungskräfte besser um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern und an die Interessen Amerikas denken sollten. Der russische Außenminister Sergej Lawrow nimmt die Aussagen seiner amerikanischen Kollegen nicht ernst, und der Pressesprecher des Präsidenten erklärt, dass man Trumps Aussage zur Kenntnis genommen habe und erinnert an die Wichtigkeit, die Ziele der sogenannten „militärischen Spezialoperation“ zu erreichen, die Putin bereits am 24. Februar 2022 begonnen hat.

Man muss sich vergegenwärtigen: Am 24. Februar 2022 befahl der russische Präsident seinen Streitkräften, die vollständige Kontrolle über das gesamte Territorium der Regionen Donezk und Luhansk zu übernehmen, deren Pseudo-Unabhängigkeit einen Tag vor Beginn dieses schändlichen und ungerechten Krieges anerkannt worden war. Und bis heute sind die russischen Streitkräfte nicht in der Lage, diesen Befehl ihres unfähigen Oberbefehlshabers auszuführen.

Warum also reagiert Putin selbst nicht auf die Erklärungen von Donald Trump? Weil er dem amerikanischen Präsidenten praktisch nichts zu entgegnen hat. Das Vertrauenslimit, das Trump ihm offenbar einst eingeräumt hatte, hat Putin bereits ausgeschöpft. Der russische Präsident nutzte ganze sechs Telefonate mit seinem amerikanischen Amtskollegen, um Donald Trump von seinem Wunsch zu überzeugen, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Doch kein einziges Mal stimmte er der zentralen Initiative Trumps zu, nämlich einem Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front. Obwohl Trump diese Idee hartnäckig bereits im allerersten Gespräch mit Putin ansprach und sogar, man kann sagen, nach diesem ersten Gespräch Zugeständnisse an seinen russischen Kollegen machte.

Diese Zugeständnisse kennt jeder ukrainische Bürger ganz genau – sie müssen nicht aufgezählt werden. Allein die Tatsache jedoch, dass Trump überhaupt in einen Dialog mit dem russischen Präsidenten trat und dessen diplomatische Isolation beendete, war ein Erfolg für Putin. Ein Erfolg, den er für Propagandazwecke nutzte – nicht für konkrete Schritte.

Die Aufnahme von Gesprächen zwischen russischen und amerikanischen Delegationen, Gespräche über gemeinsame Wirtschaftsprojekte zwischen den USA und Russland, die Anwesenheit von Wirtschaftsvertretern, die über für beide Seiten vorteilhafte Geschäfte verhandeln sollten – für Trump wie für Putin. Schließlich das Aussetzen der militärischen Hilfe für die Ukraine vor dem sechsten Telefonat zwischen dem US-Präsidenten und seinem russischen Kollegen. All dies hätte aus Trumps Sicht Putin zu konstruktivem Handeln bewegen sollen.

Doch Putin entschied sich offenbar, dass er Trump unbegrenzt schmeichelhafte Dinge erzählen könne, ohne irgendeine Entscheidung zu treffen, die das Ende des russisch-ukrainischen Kriegs betreffen würde. Und genau das bemerkte Trump selbst, der offen sagt, dass die Telefonate mit Putin angenehm seien – offensichtlich deshalb, weil der russische Präsident bereit ist, eine unbegrenzte Menge an Zucker in diese Gespräche zu streuen –, aber Trump keinerlei reale Ergebnisse erzielt. Und das fällt nicht nur seinen engen Mitarbeitern auf, nicht nur seiner Ehefrau, sondern auch Trump selbst.

Um also angemessen auf die neuen Erklärungen des US-Präsidenten und dessen offensichtliche Verärgerung über die Unwilligkeit des russischen Kollegen, den Krieg zu beenden, zu reagieren, müsste Putin entscheiden, was er tatsächlich tun kann, um die Drohungen Trumps zu entschärfen. Doch zu echten Handlungen ist der auf diesen Krieg fixierte russische Führer nicht bereit.

Es gibt aber auch eine andere Erklärung dafür, warum Putin nicht auf Trumps Erklärungen reagiert, sondern stattdessen Peskow oder Medwedew vorschickt. Welche? Putin will verstehen, was Trump tatsächlich zu tun imstande ist, nachdem die einst 50, nun auf 10 Tage verkürzten Fristen des US-Ultimatums abgelaufen sind. Und seine Reaktion könnte davon abhängen, wie konkret und bedrohlich Trumps Maßnahmen für sein Regime sind. Wird es Trump tatsächlich gelingen, Fortschritte bei den sogenannten sekundären Sanktionen gegen die Energiepartner der Russischen Föderation zu erzielen? Werden wirklich die meisten dieser Energiepartner auf den Kauf von russischem Öl verzichten, was dem russischen Haushalt echte Probleme bereiten würde? Werden nicht nur Indien – dessen Energieminister bereits jetzt im Falle amerikanischer Sanktionen von einem Verzicht auf russisches Öl spricht –, sondern auch die Volksrepublik China, der Hauptsponsor des russisch-ukrainischen Kriegs und wichtigster Verbündeter Russlands im Konflikt zwischen dem Kreml-Regime und dem Westen, zu Gesprächen mit den Vereinigten Staaten über russische Energieimporte bereit sein?

Putin wird auch verstehen müssen, in welchem Ausmaß die militärische Unterstützung für die Ukraine wachsen könnte, falls er nicht auf Trumps Ultimatum reagiert. Erst wenn Putin erkennt, dass Trumps Drohungen mit konkreten und gefährlichen Schritten gegen sein Regime verbunden sind, könnte er zu einer Reaktion auf Trumps Erklärungen übergehen und tatsächlich Schritte auf den US-Präsidenten zugehen. 

Sollte sich jedoch zeigen, dass Trumps Drohungen für den russischen Präsidenten keine ernsthafte Gefahr darstellen, dass Putin den Krieg zumindest für eine gewisse Zeit fortsetzen kann, dass er hoffen darf, mit seiner Taktik der Erschöpfung der Ukraine noch gewisse Ergebnisse zu erzielen – dann stellt sich die Frage: Warum reagieren, wenn sich alle davon überzeugen können, dass die Warnungen des US-Präsidenten keinerlei Einfluss auf die militärisch-aggressiven Pläne seines russischen Kollegen haben?

Und genau durch diese Haltung des russischen Präsidenten gegenüber den möglichen Maßnahmen seines amerikanischen Amtskollegen lässt sich das Schweigen Putins zu Trumps Worten erklären.