Wenige Stunden vor Beginn des für den russischen Präsidenten Putin wichtigen Petersburger Wirtschaftsforums und vor der Ankunft des russischen Staatschefs bei dieser Veranstaltung steht das Petersburger Ölterminal in Flammen – eines der größten Ölumschlagunternehmen Russlands.
Bewohner von Sankt Petersburg und Gäste des Petersburger Wirtschaftsforums filmen Aufnahmen, auf denen über dem Petersburger Ölterminal und den Gebäuden von Sankt Petersburg Rauchsäulen nach den Einschlägen ukrainischer Drohnen aufsteigen. Dies ist nicht nur ein Schlag gegen eines der wichtigen Ölunternehmen der Russischen Föderation. Es ist auch ein symbolischer Schritt, der daran erinnert, dass ohne die Waffenruhe, die Putin für einige Tage ausschließlich durch die Vermittlung seines amerikanischen Gönners Donald Trump erreicht hatte, keine Parade zum 9. Mai in der russischen Hauptstadt stattgefunden hätte. Und selbst wenn sie stattgefunden hätte, hätten sich Putin und die Gäste dieser Veranstaltung bei einem möglichen Angriff ukrainischer Drohnen auf Moskau oder das Moskauer Gebiet in Luftschutzbunkern verstecken müssen.
Die russischen Luftverteidigungssysteme werden mit den Angriffen ukrainischer Drohnen nicht fertig. Und man kann sich nur vorstellen, was mit dem Luftraum der Russischen Föderation geschehen wäre, wenn die westlichen Verbündeten Russlands nicht nach Wegen zu Vereinbarungen mit Putin gesucht hätten und der Ukraine erlaubt hätten, mit weitreichenden Raketen das Ölraffinerie- und militärisch-industrielle Potenzial der Russischen Föderation sowie die russischen Ölhäfen zu zerstören, um damit dem Funktionieren der russischen Wirtschaft ein Ende zu setzen und Russland zusammen mit seiner Wirtschaft ins Mittelalter zurückzuwerfen.
Und das wäre logisch, denn ein Staat, der selbst versucht, alle um sich herum in die Vergangenheit zurückzuversetzen – sowohl politisch als auch wirtschaftlich –, sollte selbst nicht in der Gegenwart existieren und seine Zukunft auf dem Unglück anderer aufbauen. Und es scheint, dass genau ein solcher Ansatz gegenüber der russischen Wirtschaft die Führung der Russischen Föderation dazu bringen würde, über die Perspektiven einer Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine nachzudenken.
Natürlich sind nun nicht nur die russischen Führer, sondern auch die Gäste des Petersburger Wirtschaftsforums, all diese Schmeichler und Unternehmer aus verschiedenen Ländern, die immer noch über Investitionen in Russland nachdenken, gezwungen, über die Sicherheit ihres Geldes und übrigens auch über ihre persönliche Sicherheit nachzudenken. Der Schlag gegen Petersburg gerade am 3. Juni 2026 ist eine weitere Erinnerung daran, was tatsächlich mit der Sicherheit in Russland geschieht, wie die Luftverteidigung der Russischen Föderation tatsächlich aufgebaut ist, wenn sie nicht einmal am Tag der Ankunft des russischen Präsidenten und anderer hochrangiger Gäste des Forums in Sankt Petersburg das Potenzial besitzt, den Angriff ukrainischer Drohnen abzuwehren und das Ölterminal zu schützen.
Mehr noch: Sie besitzt nicht einmal die Möglichkeit, den Luftraum über Sankt Petersburg zu schützen. So musste auch der internationale Flughafen Pulkowo seinen Betrieb einstellen und Flüge auf Ausweichflughäfen in Russland umleiten, darunter vor allem auf die Flughäfen eben jenes Moskaus, aus dem die Gäste des Petersburger Wirtschaftsforums nach Sankt Petersburg anreisen wollten. Welch ein bitteres Paradox.
Und natürlich sollte daran erinnert werden, dass sich die heutige Drohnenattacke keineswegs nur gegen Sankt Petersburg und seine Ölanlagen richtete. Einer der Angriffe ukrainischer Drohnen erfolgte auch in der Oblast Tambow, wo eines der wichtigsten Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation tätig ist, das Waffen für die Tötung friedlicher Bewohner der Ukraine herstellt. Über diesen Schlag berichtet lediglich der Gouverneur der Region Tambow, während sich das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation mit Mitteilungen darüber zurückhält, jedoch von Angriffen auf eine ganze Reihe von Föderationssubjekten Russlands spricht und betont, dass es den Russen gelungen sei, diesen Angriff abzuwehren.
Doch wir wissen sehr gut, dass das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation in den meisten Fällen schlicht lügt. Und übrigens lügt es nicht nur uns gegenüber, sondern auch Präsident Putin. Doch diesmal wird es Putin nicht gelingen, weder die Lügen seiner eigenen Militärs noch die Realität zu ignorieren, in der er sich dank seines aggressiven Krieges gegen die Ukraine befindet.
Wenn der Präsident der Russischen Föderation in seine Heimatstadt kommt, um auf dem Petersburger Wirtschaftsforum bedeutungslose aggressive Reden zu halten, wird er die Brände über Sankt Petersburg nicht übersehen können. Sie werden zu einem der Symbole seiner ruhmlosen und grausamen Herrschaft in der Russischen Föderation werden, die vor allem auf Krieg, Mord und die Plünderung fremder Gebiete ausgerichtet ist.
Einst zwang ein russischer Monarch die Ukrainer, die nach der Entscheidung Peters I., die ukrainischen Gebiete endgültig dem Imperium zu unterwerfen, für die Freiheit ihres Landes kämpften, seine neue Hauptstadt zu bauen. Eine Hauptstadt, errichtet auf den Gebeinen ihrer Erbauer. Heute zerstören die Nachfahren jener Menschen, die den Russen diese Stadt errichteten, ihre wirtschaftlichen Kapazitäten, um die Zeit näherzubringen, in der die Nachfahren eines der abscheulichsten Imperien der Geschichte darüber nachdenken müssen, die Vernichtung der Ukraine zu beenden.
Darüber sollte der Präsident der Russischen Föderation nachdenken, wenn er in seinem Konvoi zum Petersburger Wirtschaftsforum fährt und unterwegs auf das Denkmal Peters des Großen blickt, das bis heute eines der Symbole des alten Russlands und seiner Verbrechen bleibt – Verbrechen, die im Laufe der gesamten Weltgeschichte buchstäblich niemals aufgehört haben.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Удар по Петербургу перед приїздом
Путіна | Віталій Портников. 03.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:
Original ansehen
Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.
Vielen Dank für die Übersetzung dieses Beitrags. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine ist eine Realität, die nicht relativiert werden darf. Gleichzeitig sollte zwischen belegbaren Tatsachen, politischen Bewertungen und persönlichen Schlussfolgerungen unterschieden werden.
Der Text enthält neben nachvollziehbaren Beobachtungen zahlreiche pauschale Urteile über Russland, seine Geschichte und seine Gesellschaft. Solche Verallgemeinerungen erschweren aus meiner Sicht eine sachliche Analyse. Auch historische Ereignisse über Jahrhunderte hinweg zu einer durchgehenden Schuldlinie zu verbinden, erscheint problematisch.
Gerade in Kriegszeiten ist es wichtig, Informationen kritisch zu prüfen und unterschiedliche Perspektiven zuzulassen. Eine überzeugende Analyse gewinnt nicht durch schärfere Formulierungen, sondern durch Fakten, Differenzierung und intellektuelle Fairness.
LikeLike