Kreml-Szenarien der Zukunft | Vitaly Portnikov. 03.06.2026

Noch vor dem Auftritt von Präsident Putin auf dem Petersburger Wirtschaftsforum präsentierten ihm nahestehende Oligarchen und Ideologen, unter denen man den Sponsor der sogenannten Volksrepubliken, den Milliardär Malofejew, sowie den bekannten reaktionären Pseudophilosophen Dugin sehen konnte, den Teilnehmern des Treffens ihre – also die Kremlschen – Vorstellungen möglicher Szenarien der künftigen Entwicklung der Welt sowie des Endes des russisch-ukrainischen Krieges.

Das gute Szenario für diese Finsterlinge ist mit dem Sieg im Krieg gegen die Ukraine verbunden und mit der Schaffung eines sogenannten „Siegesbildes“ als zentralem ideologischen Pfeiler der weiteren Existenz des reaktionären Tschekistenregimes. Der größte Teil der Ukraine schließt sich der Russischen Föderation an. Kyiv, Odesa und Charkiw werden russische Städte.

Auf dem Gebiet der Ukraine wird ein Pufferstaat geschaffen, oder aber das gesamte Land wird Teil der Russischen Föderation, oder es entsteht ein Staat der drei slawischen Völker – der Russen, Ukrainer und Belarussen. Wobei wir verstehen, dass der ukrainischen Identität in einem solchen Staat die Existenzberechtigung abgesprochen würde.

Russland wird zum Führer bei der Gewährleistung von Weltsicherheit und Gerechtigkeit. Die Welt wird multipolar sein. Russland wird Eurasien dominieren, und die Staaten des Westens werden ein Fiasko erleben.

Als Trägheitsszenario betrachten die Kreml-Oligarchen und -Ideologen eine Situation, in der Atomwaffen eingesetzt werden müssten. Und damit würde der Krieg gegen die Ukraine selbst unter solchen Bedingungen keine wirkliche Priorität für die weitere Entwicklung Russlands darstellen, und ein Sieg in diesem Krieg wäre nicht zu erreichen. Der Konflikt mit der Ukraine würde eingefroren und auf unbestimmte Zeit verlängert werden, was ebenfalls ein ernstes Problem für die Zukunft wäre. Die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen würde gesenkt werden. Und damit würde sich das fortsetzen, was die Autoren dieses Projekts als amerikanische Hegemonie bezeichnen. Zudem würde der Einfluss der künstlichen Intelligenz zunehmen, und China könnte den Norden der Vereinigten Staaten sowie den Arktischen Ozean erobern.

Was ist nun aus Sicht der Autoren dieser Pläne das schlechte Szenario, wenn sie das vorherige als Trägheitsszenario bezeichnen?

Russland erleidet eine Niederlage im Krieg. Die Ukraine wird Mitglied der NATO. Die Bedrohungen für die territoriale Integrität der Russischen Föderation nehmen zu, und Russland verliert vollständig seinen Einfluss im postsowjetischen Raum. Die regionale Souveränität Russlands bliebe nur noch in bedingter Form erhalten, und das Land selbst würde vom Westen kolonisiert werden – als ein Staat, der den Krieg verloren hat. Auf der Grundlage der Europäischen Union würde ein neuer Militärblock geschaffen.

So erkennen wir, dass aus dieser Perspektive gerade das als schlechtestes bezeichnete Szenario tatsächlich das beste für die moderne zivilisierte Welt ist. Denn der Zusammenbruch der imperialistischen Ambitionen der Russischen Föderation unter Führung Putins und anderer Tschekisten, die Möglichkeit für die Völker Russlands, eigene Staaten zu gründen und ihr Recht auf Selbstbestimmung wahrzunehmen, sowie der Verlust der russischen Fähigkeit, mit Atomwaffen zu drohen – all dies wäre das beste Szenario nicht nur für die Menschheit, sondern auch für das russische Volk selbst. Es ist faktisch zur Geisel der Fantasien von Putin, Dugin, Malofejew und anderen Vertretern des tschekistisch-kriminellen Milieus geworden, das nicht nur die Ukraine besetzt hält, sondern auch Russland selbst den Interessen seiner räuberischen Machtpolitik unterordnet.

Und wie wir sehen, ist das schlimmste Szenario für diese ganze Gesellschaft jenes, in dem sie ukrainisches Territorium nicht erobern kann. Das ist bis zu einem gewissen Grad ein regelrechter Minderwertigkeitskomplex. Während all der Jahrzehnte ihrer Staatlichkeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991 denken diese Menschen nur an eines: nicht an die Entwicklung ihres eigenen Staates, nicht an die Entwicklung ihrer Wirtschaft, nicht an die Entwicklung ihrer Kultur. Nein, sie denken ausschließlich daran, wie sie die Ukraine erobern können, wie sie die Kontrolle über alle anderen ehemaligen Sowjetrepubliken gewinnen können, wie sie die Kontrolle über den postsowjetischen Raum erlangen können, wie sie Einflusszonen in Europa erhalten können.

Man kann all diese Menschen nur eines fragen:

„Und was ist mit Russland selbst? Warum interessiert es euch überhaupt nicht? Warum betreffen all eure guten, trägen oder schlechten Szenarien ausschließlich andere Staaten? Warum ist das Wesen eurer gesamten Zivilisation mit Krieg, Tod, Diebstahl und dem Einsatz von Atomwaffen verbunden? Wie kommt es, dass keiner von euch, obwohl ihr euch Russen nennt, überhaupt über Russland nachdenkt?

Warum nehmt ihr Russland ausschließlich als Instrument für irgendeine Rolle wahr – entweder als ein Land, das vom Westen kolonisiert wird, oder als ein Land, das selbst andere Länder und andere Völker kolonisiert? Und was wird mit Russland selbst geschehen? Was geschieht überhaupt auf dem Territorium des Landes, das ihr selbst als das flächenmäßig größte der Welt bezeichnet?

Warum will letztlich auf dem größten Teil eures Staatsgebietes überhaupt niemand leben? Wie kommt es, dass ihr in hundert Jahren nicht einmal den größten Teil des heutigen Russlands erschließen konntet? Dass jeder russische Durchschnittsbürger nicht darüber nachdenkt, wie man Sibirien oder den Fernen Osten entwickelt, sondern darüber, wie man in Butscha eine Toilette stiehlt oder die Möglichkeit erhält, sich bei Poltawa niederzulassen.

Was seid ihr für ein Volk? Welche nationale Katastrophe, welche moralische Katastrophe hat euch getroffen, dass auf euren Wirtschaftsforen überhaupt nicht über Russland gesprochen wird, sondern ausschließlich darüber, wie man die Ukraine erobern kann und welches schreckliche Szenario eintreten würde, wenn eure widerwärtige Bande nicht stehlen, töten, vergewaltigen und annektieren kann?“

Einen besseren Beweis für ihren eigenen Zustand als das, was diese Leute auf ihren Wirtschaftsforen selbst von sich geben, kann man sich kaum vorstellen. Man kann sich nur davon überzeugen, dass diese ganze Phantasmagorie auf staatlicher Ebene wiederholt werden wird, wenn Putin von der Tribüne dieses Forums sprechen wird.

Er wird in diesen Tagen sprechen, in denen seine Heimatstadt von ukrainischen Drohnen angegriffen wurde und in Kronstadt eines der Schiffe der russischen Marine getroffen worden ist. Und unter diesen Bedingungen reden diese Menschen weiterhin über ihre Tankstelle, als wäre sie der wirtschaftliche und ideologische Führer der Welt.

Erstaunlich.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Кремлівські сценарії майбутнього | Віталій
Портников. 03.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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