Putins Auftritt beim Waldai-Forum: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 01.10.2026.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden terroristischen Angriffe der Russischen Föderation auf die ukrainische Hauptstadt und andere Städte und Ortschaften unseres Landes, vor dem Hintergrund des offensichtlichen Bestrebens, die Eskalation im Krieg gegen die Ukraine weiter zu verschärfen, und neuer Drohungen gegen den Westen tritt Präsident Putin bei einer Sitzung des Waldai-Diskussionsklubs auf – einer eigens veranstalteten Zusammenkunft von Experten sowohl aus der Russischen Föderation selbst als auch aus westlichen Ländern, die bereit sind, dem russischen Präsidenten und seinen Drohungen zuzuhören. Ein sorgfältig ausgewähltes Publikum, das eher als Expertenkulisse für den selbstverliebten russischen Diktator dient.

Schon vor Putins Auftritt sagte sein Pressesprecher Peskow, die ganze Welt warte auf diese Rede. Und es ist schwer zu sagen, inwieweit er hinsichtlich der Erwartungen der Welt damit recht hat. Aber ich bin bereit, Peskow darin zuzustimmen, dass diese Rede des Präsidenten der Russischen Föderation tatsächlich historisch ist, weil sie die Welt, selbst unabhängig vom Kontext der Ereignisse im russisch-ukrainischen Krieg, dem tatsächlichen Einsatz von Atomwaffen durch die Russische Föderation näher bringt. Und wir müssen feststellen, dass Moskau sich darauf vorbereitet. Das ist eine völlig neue außenpolitische Konzeption, die Putin in dieser Rede formuliert hat.

Früher sprachen sowohl sowjetische als auch russische Staatschefs davon, dass der Einsatz von Atomwaffen in jedem Krieg unmöglich sei, dass es in einem Atomkrieg keine Sieger geben werde und dass man alle Anstrengungen unternehmen müsse, damit es zu einem solchen Krieg nicht kommen könne. Eine solche Wende in der sowjetischen Außenpolitik, die die Russische Föderation später erbte, vollzog sich faktisch unmittelbar nach dem Tod des sowjetischen Diktators Josef Stalin, der bekanntlich für Putin und die Putinisten ein Vorbild ist.

Stalin zog grundsätzlich die Möglichkeit eines Atomkriegs mit dem Westen in Betracht, weil er von der Vernichtung der westlichen Zivilisation träumte. Nun, natürlich hatte er sich gerade deshalb in den 1930er-Jahren mit seinem Verbündeten Adolf Hitler über ein gemeinsames Vorgehen gegen die zivilisierte Welt verständigt und war sehr unzufrieden darüber, dass Hitler ihn hinterging. Doch nach Stalins Tod entstand die Konzeption der friedlichen Koexistenz von Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaftssystemen.

Und man kann sagen, dass diese Konzeption bis zum 1. Oktober 2026 Bestand hatte, denn nun spricht der Präsident der Russischen Föderation, einer der größten Atommächte der heutigen Welt, die in der Lage ist, die gesamte Menschheit zu vernichten, ebenso wie dies etwa die Volksrepublik China könnte. Ein Land, das dafür größere Möglichkeiten besitzt als andere Atommächte. Denn selbst wenn man sich vorstellt, dass Frankreich oder Großbritannien an einem Atomkrieg teilnehmen und ihre gesamten Atomwaffen bereits eingesetzt haben, werden Russland und die Vereinigten Staaten noch eine beträchtliche Menge davon besitzen. China inzwischen ebenfalls. Und der Staatschef eines solchen Landes sagt bei einem Treffen mit Experten öffentlich, es könne dazu kommen, dass das Gewehr, das an der Wand hängt, auch abgefeuert werden müsse, womit er faktisch die Unvermeidlichkeit des Einsatzes von Atomwaffen in modernen Kriegen anerkennt. Das ist natürlich eine regelrechte zivilisatorische Katastrophe.

Und ich möchte, dass wir uns dieses Datum als den Tag merken, an dem diese Katastrophe aus dem Kreml angekündigt wurde. Wenn es uns in den nächsten Jahren nicht gelingt, die derzeitige Führung der Russischen Föderation dazu zu zwingen, auf sämtliche aggressiven Pläne zu verzichten, wird die Menschheit nicht an künstlicher Intelligenz zugrunde gehen, über deren Gefahren Putin heute bei der Sitzung des Waldai-Klubs ebenfalls gesprochen hat. Die Menschheit wird an Putin zugrunde gehen, und wir werden Zeugen dieser – wie der Präsident der Russischen Föderation selbst sagt – unvermeidlichen Katastrophe sein, sofern wir natürlich überleben.

Nun, ich werde diese Worte des russischen Präsidenten zitieren, damit wir verstehen, worauf sie sich beziehen. Es ist die Antwort auf eine Frage, die der Kreml-nahe Experte Fjodor Lukjanow zu einer Warnung des Außenministeriums der Russischen Föderation an die westlichen Länder stellte, die das russische Gebiet Kaliningrad betraf, eine Enklave, die zwischen zwei Mitgliedern der NATO und der Europäischen Union liegt, Polen und der Republik Litauen. Auch das ist inzwischen ein nicht mehr ganz neuer, ich würde sagen, propagandistischer Trick. Zuerst gibt Lawrows Außenministerium Warnungen heraus, anschließend wendet man sich an Putin, damit er seine Diplomaten gewissermaßen beruhigt. Doch dann geschieht etwas völlig anderes, vom Kreml Geplantes.

„Wir schüchtern niemanden ein“, sagt Putin. „Und das, was Sie gerade angesprochen haben, die Erklärungen des Außenministeriums und die Schreiben, die das Außenministerium an einige Länder geschickt hat, das ist keine Einschüchterung, sondern eine Antwort auf den Versuch, uns einzuschüchtern. Denn diese Äußerungen westlicher Politiker, europäischer Politiker über die Notwendigkeit, die Möglichkeit und die Vorbereitung eines Krieges mit Russland in den Jahren 2029 bis 2030 stammen doch nicht von uns. Wir hören das von der anderen Seite, und zwar ständig. Und jetzt kommen auch konkrete Handlungen hinzu. Eine Militärübung nach der anderen in der Ostsee und anschließend Versuche, unsere Schiffe festzuhalten. Aber all das ist die Eskalation, von der ich gerade in meiner Rede gesprochen habe. Und dann hörten wir Äußerungen zum Kaliningrader Gebiet. Und alles, was in der Erklärung des Außenministeriums und in den verschickten Schreiben steht, ist richtig. Sollte es zu einem direkten Angriff auf die Russische Föderation kommen – in diesem Fall ist sowohl Kaliningrad als möglicherweise auch anderes Territorium gemeint –, wird selbstverständlich unvermeidlich und unverzüglich die Frage des Einsatzes sämtlicher Waffen auf die Tagesordnung kommen, über die unser Land verfügt.“

Das heißt, Putin kann jede beliebige Provokation inszenieren, wie Hitler oder Stalin dies seinerzeit taten, und unter dem Vorwand dieser Provokation Waffen gegen jedes beliebige Land im Westen einsetzen, das er zum Ziel seiner Handlungen erklärt. Und das kann, wie Sie verstehen, keineswegs nur die Situation mit dem Kaliningrader Gebiet betreffen. Putin sagte heute ganz klar, dass er die Hilfe für die Ukraine weiterhin aufmerksam beobachtet und dass derzeit zwar nicht von Angriffen auf jene Rüstungsbetriebe die Rede sei, die der Ukraine helfen und Produkte für die ukrainische Armee herstellen, Russland diese Arbeit jedoch beobachte.

Das ist also ebenfalls eine Drohung. Es ist die Drohung mit dem Einsatz von Instrumenten hybrider Kriegsführung durch die Russische Föderation. Wie Sie verstehen, werden diese Bedrohungen in nächster Zeit auf dem gesamten europäischen Kontinent zunehmen. Und es sind möglicherweise Drohungen mit dem Beginn eines Krieges gegen europäische Länder. Denn vielleicht versuchte Putin am 1. Oktober 2026 seinen westlichen Partnern zu signalisieren, dass die Entscheidung über den Beginn eines Krieges auf dem europäischen Kontinent, eines Krieges, der zu einem wirklichen Dritten Weltkrieg werden könnte, im Kreml bereits getroffen wurde und nur noch der endgültige Befehl des Oberbefehlshabers der russischen Streitkräfte erforderlich ist, damit dieser Krieg beginnt.

Wir wissen nicht, auf welche Weise Russland angesichts des Mangels an Ressourcen, der aufgrund des fortdauernden endlosen russisch-ukrainischen Krieges derzeit zu beobachten ist, einen solchen Krieg führen würde. Aber dass Putin mit solchen möglichen Raketenangriffen, vielleicht mit dem Einsatz strahlgetriebener Drohnen droht, ist angesichts dieser Rede ebenfalls eine völlig offensichtliche Tatsache.

Was die Ukraine betrifft, denke ich, dass wir uns ebenfalls keinerlei Illusionen darüber gemacht haben, was Putin sagen würde. Es ist offensichtlich, dass er den russisch-ukrainischen Krieg nicht beenden will. Es ist offensichtlich, dass er keinerlei Möglichkeiten für Friedensverhandlungen zustimmen will, die zu einer tatsächlichen Unterbrechung, geschweige denn zu einer Beendigung der Kampfhandlungen führen würden. Wichtig ist aber auch, was er über die Ukraine sagte und wie er seine Aggression gegen unseren Staat erklärte. Putin trat mit friedensstiftenden Erklärungen auf, sprach davon, wie wichtig Frieden sei, und beantwortete selbst eine Frage, die sich sogar im Kreis der loyalen Experten von Waldai aufdrängte.

„Russland spricht also vom Frieden, hat aber selbst den Krieg begonnen. Nun, ich habe mich zu diesem Thema schon oft geäußert: Wo liegt die Wahrheit? Die Wahrheit ist, dass nicht wir kämpfen wollten und nicht wir den Krieg begonnen haben, sondern dass man begonnen hat, gegen uns Krieg zu führen“, sagt der russische Diktator. „Man hätte nicht jahrelang aggressiven Nationalismus und Russophobie in der Ukraine fördern dürfen, um sie zu einem Instrument des Kampfes gegen Russland zu machen. Die NATO hätte nicht mit der militärischen Erschließung beginnen dürfen.“ Und hier kommt der wichtigste Satz, der uns im Grunde die gesamte endlose Perspektive des russisch-ukrainischen Krieges für die kommenden Jahre und Jahrzehnte vor Augen führt: „Die NATO hätte nicht mit der militärischen Erschließung unserer historischen Gebiete im Interesse der Organisation selbst beginnen und dort ihre Stützpunkte planen dürfen.“

Das bedeutet, dass das Territorium der Ukraine als historisches Territorium der Russischen Föderation betrachtet wird und Russland diesen erbarmungslosen Krieg um Territorium, um das, was es als sein Eigentum betrachtet, führt und weiter führen wird. Natürlich interessiert die Russen in dieser Situation überhaupt nicht, welche Bevölkerung auf diesem Gebiet lebt, das historisch russisch sein und an Russland zurückgegeben werden soll. Putin hat das laut ausgesprochen. Man muss es einfach hören. Es ist ein Krieg um Territorium, um russisches Territorium.

„Man hätte die Radikalen in Kyiv nicht zu einem Staatsstreich drängen und das auf diese Weise geschaffene illegale Regime anschließend mit verschiedensten Offensivwaffen vollpumpen dürfen. Man hätte keine Pläne ausarbeiten dürfen“ – Achtung – „Konzentrationslager für die Bewohner des Donbas und der Krim einzurichten. Man hätte unbewaffnete Menschen nicht mit Panzern niederwalzen, mit Raketen beschießen, aus Flugzeugen unter Feuer nehmen und bei lebendigem Leib töten dürfen“ – er spricht hier nicht über russische Handlungen – „nur weil sie ihrer Nationalität und ihrem Geist nach Russen sind. Russland wurde bewusst in eine Situation gebracht, in der es schlicht gezwungen war, als Antwort auf diese aggressive Aggression zu den Waffen zu greifen. Man hat uns bewusst an diese Grenze gebracht. Man hätte Russophobie, die Unterdrückung und Ermordung von Russen und die Vernichtung Russlands nicht zur Staatsideologie machen und sich nicht die strategische Niederlage Russlands zum Ziel setzen dürfen. Ja, das wurde gesagt, nicht wahr? Niemand hat das vergessen. Wenn wir freundschaftlich miteinander leben wollen, dann lasst uns gemeinsam nach Wegen suchen, wie das möglich ist.“

Oder glauben Sie, Putin sagt nicht, welcher Weg das sein soll? Doch, sagt er. Er sagt ganz klar, dass es überhaupt keine Ukraine geben könne, dass „die Ukraine – ich weiß das, und alle wissen es sehr gut – nicht selbstständig existieren kann. Sie verliert zunehmend die Elemente ihrer Staatlichkeit. Meiner Ansicht nach ist das eine offensichtliche Tatsache. Sie wird von außen gesteuert. Und wenn jemand mit fremden Händen gegen uns Krieg führen will, in diesem Fall mit den Händen des ukrainischen Regimes, das seine Menschen, die es nicht einmal als die eigenen betrachtet, unter die Kugeln und faktisch in die Vernichtung schickt – wenn also jemand beginnt, mit fremden Händen gegen uns Krieg zu führen, dann ist das natürlich eine Bedrohung.“

Das heißt, alles ist sehr einfach: „Wenn ihr eine Normalisierung der Beziehungen zu Russland wollt“ – das ist ein klares Signal an den Westen –, „dann überlasst Russland die Ukraine, setzt gemeinsam mit Moskau, gemeinsam mit Putin, gemeinsam mit den von chauvinistischer Galle erfüllten Russen einen Schlusspunkt unter die ukrainische Staatlichkeit. Und das ist das Einzige, was euch vor einem Atomkrieg bewahren wird. Denn die Alternative zu einer solchen Kapitulation der Ukraine vor Russland und zu gemeinsamen Anstrengungen zur Vernichtung der ukrainischen Staatlichkeit ist ein Atomkrieg.“ Das ist der Kern dieser Rede, einer sehr wichtigen, sehr aggressiven Rede, erfüllt von dem unverhohlenen Wunsch, die Gewalt fortzusetzen und auszuweiten.

Wie ich schon mehrfach gesagt habe, ist die Ausweitung des russisch-ukrainischen Krieges auf andere Länder, auf andere Gebiete und die Steigerung seines Eskalationsniveaus unvermeidlich. Putin hatte darauf gesetzt, dass die Wahlen 2024 in den Vereinigten Staaten von Amerika und Donald Trumps Machtantritt mit seinem Programm zur Einstellung der direkten Hilfe für die Ukraine einen Schlusspunkt unter den russisch-ukrainischen Krieg setzen und es Russland ermöglichen würden, sämtliche ukrainischen Gebiete, die heute nicht von Russland kontrolliert werden, als Regionen der Russischen Föderation an Russland anzuschließen, wie es in jedem politischen Plan steht, der seit Anfang der 2000er-Jahre auf Putins Tisch liegt. All das wird seit damals ausgearbeitet. Da dies nicht geschehen ist, besteht die Hauptaufgabe nun darin, die Europäer dazu zu zwingen, die Hilfe für die Ukraine einzustellen, selbst wenn dafür Massenvernichtungswaffen eingesetzt werden müssen. Das ist alles. Was muss man da noch erklären? Mir scheint, dass man genau das in dieser Rede, in dieser Strategie mit bloßem Auge erkennen kann, wenn Sie so wollen.

Natürlich versucht Putin dabei – und auch das ist eine sehr wichtige Tatsache –, die warmen Beziehungen zu Trump aufrechtzuerhalten. Er versteht, dass er dem amerikanischen Präsidenten weiterhin seine Zuneigung vorspielen muss, und auch während dieser Rede tut er das weiter. „Ich habe mit Präsident Trump“, sagt Putin, „seit vielen Jahren recht gute Beziehungen. Ich bin ihm dankbar dafür, dass er sich um eine Lösung, sagen wir, der Ukraine-Krise bemüht. Ich bin davon überzeugt, dass er das aufrichtig tut. Wir sind der First Lady der USA für ihre Arbeit im humanitären Bereich dankbar. Das sage ich vollkommen aufrichtig, ohne jede Ironie. Aber wie dem auch sei: Alles, was unsere Beziehungen zu den Staaten überschattet, jene Faktoren, die unsere Beziehungen verdunkeln und zerstören, sind nicht gestern und nicht heute entstanden. Sie sind über Jahrzehnte entstanden. Wir würden uns sehr wünschen, dass diese Faktoren, die uns trennen, der Vergangenheit angehören und sich neue Perspektiven für eine für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit eröffnen.“

Da haben Sie es ganz einfach. Einerseits wird betont, dass keinerlei reale Möglichkeiten zur Verbesserung der amerikanisch-russischen Beziehungen bestehen. Andererseits wird alles gesagt, was Trump später in seinen eigenen Reden verwenden kann, wenn er erzählt, wie unglaublich stark Putin ihn liebt. Putin geht hier also mit Trump vollkommen geschickt um. Ohne irgendwelche politischen Zugeständnisse, ohne jeden Wunsch, einem Ende des russisch-ukrainischen Krieges zuzustimmen, möglicherweise über einen Angriff auf Europa und den Einsatz von Atomwaffen zum Sieg über den Westen nachdenkend, macht Putin nur eines: Er macht Trump Komplimente.

Und wiederum können wir hier von einer Revision der Weltordnung sprechen. Und sie ist, würde ich sagen, keineswegs nur für einen Tag gedacht. Putin sagt ganz klar, dass sich die Weltordnung verändert, dass der Westen seine Rolle verliert und dass die Bedeutung der westlichen Staaten überschätzt werde. Nun, er meint dabei vor allem die G7, obwohl man feststellen kann, dass diese Gruppe bei aller angeblichen Überschätzung praktisch über den größten Teil der Ressourcen der Weltwirtschaft verfügt, was auch immer mit China oder anderen Ländern des Globalen Südens sein mag. Und das müsse historisch neu bewertet werden.

Putin griff sogar auf Gorbatschows politisches Erbe zurück, um zu zeigen, wie falsch dessen Versuch gewesen sei, die Sowjetunion zu reformieren: „Ich möchte auf eine gewisse Naivität, einen gewissen Edelmut und vielleicht sogar eine gewisse Sorglosigkeit jener Menschen hinweisen, die den Staat in den letzten Jahren der Sowjetära führten. Blindes Vertrauen in die westlichen Partner, die Überzeugung, dass gewisse Gentlemen’s Agreements möglich seien.“ Damit meint er die erfundene Behauptung, der Westen habe Gorbatschow versprochen, die NATO nicht zu erweitern. „Eine gewisse Naivität, als reiche es aus, sich auf das Wort anderer zu verlassen und zu glauben, man könne sich über etwas einigen – genau das hat der Sowjetunion einen so bösen Streich gespielt. Rückblickend wird deutlich, welch zerstörerische Rolle dies nicht nur für das Schicksal der UdSSR, sondern auch für die Gewährleistung langfristiger globaler Stabilität gespielt hat. Die sowjetischen Führer wollten dem Westen gefallen, der Westen dagegen wollte die Welt nach seinen Vorstellungen umgestalten. Das ist der ganze Kern dessen, was geschieht.“

Und natürlich kommt Putin in dieser Situation nach seiner Rede erneut auf das Thema Atomwaffen zurück. „Die These, Russland drohe mit Atomwaffen, soll davon ablenken, dass sie selbst eine aggressive Politik gegen Russland betreiben und ihre Bürger in der Konfrontation mit uns an eine gefährliche Grenze heranführen und treiben – das ist, würde ich sagen, eine instrumentelle Vorgehensweise westlicher Politiker. Aber wenn wir mit einer Aggression konfrontiert werden – wir selbst haben nicht vor, irgendjemanden anzugreifen –, werden wir gezwungen sein zu antworten. Und die Bürger der europäischen Länder müssen unsere Position und die Position der amtierenden politischen Führung dieser Länder klar verstehen und voneinander unterscheiden.“

Und hier kommt das Wichtigste: womit sich die Russische Föderation in den nächsten Jahren beschäftigen wird. Mir scheint, dieses Verständnis ist vorhanden, und wir sehen das unter anderem an den Wahlergebnissen und den Stimmungen in den größten europäischen Ländern. Genau das möchte ich kommentieren. Die Russische Föderation arbeitet ganz bewusst darauf hin, dass in europäischen Ländern – und nicht nur in europäischen, sondern auch in nordamerikanischen Ländern – Politiker an die Macht kommen, die bereit sind, vor dem Kreml zu Kreuze zu kriechen, sich mit Putin zu verständigen, Russlands Recht auf vollständige Kontrolle über den postsowjetischen Raum durch die Eingliederung der Gebiete ehemaliger Sowjetrepubliken in die Russische Föderation anzuerkennen und ihm indirekte Kontrolle beziehungsweise eine Einflusssphäre in den Staaten Mitteleuropas zuzugestehen.

Und Putin sagt ganz klar, dass er die Wahlergebnisse als förderlich für die Interessen der Russischen Föderation betrachtet. Welche Wahlen? Gemeint ist vor allem der jüngste Erfolg der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland bei den Landtagswahlen in Deutschland, deren Führung ihre Sympathien für Putin nicht verbirgt. Denn wie könnten Menschen, die einer ultrarechten Ideologie anhängen, die faschistische Ideologie des heutigen Russlands nicht schätzen, das sich im Grunde in eine Neuauflage des Hitler-Reichs verwandelt hat, in ein Viertes Reich unter Putin? Und Sie verstehen doch, dass dieses Feuerwerk an Sabotageakten, das sich in der Bundesrepublik vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ereignete, jetzt nicht mehr in dieser Form stattfindet, nicht wahr? Es war gerade darauf abgestimmt, dass die Stimmung in den europäischen Gesellschaften diesen Zielen des Präsidenten der Russischen Föderation, der russischen Führung und der russischen Gesellschaft entspricht.

Und natürlich erwartet man in Russland genau so, dass im kommenden Jahr bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich die Vorsitzende des rechtsextremen Rassemblement National, Marine Le Pen, gewinnt, die zwar die Politik der Russischen Föderation verbal verurteilen kann, in der Praxis jedoch die Hilfe für die Ukraine einstellen und bestimmte Initiativen zur Unterstützung der Ukraine in der Europäischen Union blockieren könnte, während sie demonstrativ und deklarativ eine Gegnerin der Russischen Föderation bleibt.

So wird die Politik der Russischen Föderation aussehen. Dazu dient diese Einschüchterung mit Atomwaffen: damit die Europäer richtig wählen, damit man Europa ohne Atomwaffen erobern kann. Genau das haben sie in unserem Land immer versucht, als sie 1994 prorussischen Politikern zur Macht verhalfen, es 2004 versuchten, 2010 versuchten und anschließend nach 2014 die Revanche vorbereiteten. Das alles ist Moskau. Alles Moskau. Und jetzt tun sie in Europa genau dasselbe und geben dafür Milliarden aus und werden weiter Milliarden dafür ausgeben, weil sie sicher sein können, dass das sogar effektiver ist, als Geld für die Armee auszugeben: Die anderen kommen selbst und bringen ihnen alles.

Nun, mir scheint, das alles ist verständlich, ebenso wie klar ist, dass Russlands Aggression gegen die Ukraine weitergehen wird und die Ukraine ständig beschuldigt werden wird, Russland zu provozieren. Unter anderem sagte Putin während dieser Rede: „Die Ukraine hat angefangen, russische Ölraffinerien anzugreifen, aber das macht nichts, das ist nicht schlimm. Russland hat durch diese Angriffe nur ein Prozent seines BIP verloren.“ Tatsächlich ist das eine sehr große Zahl. Ich hoffe, dass wir die Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation auch weiterhin zerstören werden, um dieses räuberische, aggressive Land auf die Knie zu zwingen, von denen es sich in den kommenden schwarzen Jahrzehnten der Armut, der inneren Konflikte, der Katastrophen und der internen Kämpfe nicht wieder erheben soll. In einen solchen Zustand muss dieses Land gebracht werden – natürlich vorsichtig, damit seine inneren Konflikte nicht über die Grenzen der Russischen Föderation hinausgreifen und sämtliche Nachbarländer überfluten und sie neben einem brennenden Russland in eine dann nicht mehr zu bewältigende Katastrophe stürzen.

Auch das kann geschehen. So war es in den Jahren 1917 bis 1920 des 20. Jahrhunderts. Wir müssen diese Erfahrung im 21. Jahrhundert nicht wiederholen, aber ein starkes Russland bedeutet den Tod für die Ukraine und den Tod für Mitteleuropa. Den physischen Tod von Millionen Menschen, die hier leben. „Faschist, hier kommt die Granate – vom Sowjetsoldaten.“ Das sagte Putin, als er darüber sprach, dass Russland die ukrainische Metallurgie faktisch zerstört habe. Er verbirgt nicht einmal seinen Wunsch, zivile Branchen der ukrainischen Wirtschaft zu zerstören. Man muss das also nicht einmal übertreiben. Diese seine Absichten sind alle offensichtlich.

Und natürlich Komplimente an China. Hier kann Putin selbstverständlich nichts anderes tun, als sich vor Xi Jinping in den Staub zu werfen. Und hier ist die Linie seines Verhaltens, würde ich sagen, noch viel ernster als gegenüber Trump, weil sie familiär ist. Putin sagt, seine Enkel lernten Chinesisch und könnten, wie Sie verstehen, bei Treffen zwischen Putin und Xi Jinping als Dolmetscher arbeiten. Das ist, wie Sie verstehen, etwas anderes als bei Trump, mit dem er gute Beziehungen hat. Es ist der Versuch, alles dafür zu tun, dass Xi Jinping erkennt, wie groß die Ergebenheit des russischen Präsidenten ist.

Das heißt, trotz all dieser Drohungen, trotz all dieser Gefahren versucht Putin weiterhin, dem chinesischen Staatschef zu gefallen, weil er offensichtlich versteht, dass gerade davon die Zukunft der russischen Wirtschaft abhängt. Wenn China aufhört, russisches Öl zu kaufen, dann sind all diese selbstverliebten Erklärungen vorbei. Dann wird man seine eigenen Zähne vom Boden aufsammeln müssen, die einem mangels Parodontosebehandlung ausfallen werden, statt über einen globalen Atomkrieg zu erzählen.

Und nun zum globalen Atomkrieg. „Wir entwickeln unsere Nuklearstreitkräfte weiter. Wir haben strategische Raketentruppen. Fast 98 Prozent davon sind modern. Einen solchen Modernisierungsgrad gibt es bei keiner anderen Atommacht. Neue moderne Mittel, das sind völlig neue Systeme zur Überwindung von Luftverteidigungssystemen, hochmoderne Mittelstreckenwaffen, die modernsten überhaupt. Alle Atommächte sind Hochtechnologieländer. Irgendwann werden alle so etwas ebenfalls besitzen, aber bislang haben nur wir es.“ Das ist also, wenn Sie so wollen, bereits eine direkte Drohung auch an die Vereinigten Staaten von Amerika. Das ist der Anspruch darauf, dass Russland die wichtigste, die führende Atommacht der heutigen Welt sei, weil alle anderen Staaten in dieser Hinsicht anachronistisch seien. Da haben Sie Putins historische Antwort hinsichtlich seiner Möglichkeiten.

Und wenn wir natürlich wieder an die Liebe zu Trump denken, gibt es noch eine andere Liebe, die Trump ebenfalls bemerken müsste. „Die ganze Welt ist beeindruckt vom Mut und Heldentum des iranischen Volkes und von seiner Standhaftigkeit“, sagt Putin. Da haben Sie seine Haltung gegenüber einem Land, das Krieg gegen die Vereinigten Staaten führt und amerikanische Soldaten tötet. Ich denke, damit ist alles klar. Und natürlich betont Putin ausdrücklich, er hoffe, dass die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben würden und dann die Straße von Hormus geöffnet werde. Das ist alles.

Und noch einen Krieg bereitet Putin vor – auf dem Balkan. Auch das muss man klar verstehen. In dieser Rede gab es vieles, was uns bereits erlaubt zu sagen, dass Russland an vielen Fronten in die Offensive übergeht. „Die Serben“, sagt Putin, „sind eine geteilte Nation in Europa, mit Gewalt geteilt. Das ist ungerecht.“ Das heißt, Russland wird nun neue Anstrengungen zur territorialen Aufteilung Bosnien und Herzegowinas unternehmen. Und natürlich könnte das einen neuen Balkankrieg auslösen, den europäischen Perspektiven sowohl Serbiens als auch Bosnien und Herzegowinas ein Ende setzen und zum Hintergrund für den Beginn eines neuen Konflikts im Kosovo werden. Zu all dem könnte Putin nun den ehemaligen serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić anstacheln, der sich darauf vorbereitet, neuer Ministerpräsident dieses Landes zu werden.

Und wenn es den Serben natürlich nicht gelingt, proeuropäische, vernünftig denkende Politiker an die Macht zu bringen, die einen Schlusspunkt unter die Beziehungen ihres Landes zu dem widerwärtigen Putin-Staat setzen, werden sie erneut zu einem Instrument von Putins Krieg in Europa. Sie werden sehen, welche enormen Ausmaße dieser Krieg annehmen wird, wie der Balkan in den kommenden schweren Jahren brennen wird, wenn das nicht jetzt gestoppt wird. Denn, noch einmal, Putin sagt solche Dinge nicht einfach so. Das bedeutet, dass es bereits irgendwelche Dokumente gibt, die aus Sicht des Kremls vollkommen realistisch sind. Der Plan ist bereits von Putin gebilligt. Und genau das wird geschehen.

Und was wird nicht geschehen? Es wird kein trilaterales Treffen der Präsidenten Russlands, der Ukraine und der Vereinigten Staaten geben, ebenso wie es, denke ich, niemals zu einem Treffen zwischen Putin und Zelensky kommen wird. „Wir brauchen eine Tagesordnung für ein trilaterales Treffen“, sagt Putin auf die Frage nach einem solchen Treffen. „Wir müssen verstehen, wie diese aussehen könnte, worüber wir überhaupt sprechen werden.“ Das heißt, Putin hat nichts zu besprechen. Auch das muss man klar begreifen, wenn wir all diese Möglichkeiten irgendwelcher Verhandlungen, irgendwelcher Entscheidungen im Zusammenhang mit einem künftigen Verhandlungsprozess erörtern. In Putins Kopf gibt es keinen Verhandlungsprozess. In seinem Kopf gibt es nur die Ausweitung des Krieges. Wir glauben, er denke darüber nach, wie er den russisch-ukrainischen Krieg beenden kann. Er denkt nicht einmal 30 Sekunden darüber nach. Er denkt darüber nach, wie er diesen Krieg vergrößern, wie er ihn ausweiten und wo er Atomwaffen einsetzen kann. Darüber denkt er nach. Das sind die wirklichen Probleme.

Natürlich hat niemand vor, auf die besetzten Gebiete zu verzichten. „Russland“, sagt Putin, „wird bei der Wiederherstellung der historischen Regionen“ – Achtung, der historischen Regionen! – „davon ausgehen, dass dort russische Bürger leben und ihr Lebensstandard verbessert werden muss. Russland errichtet neue Betriebe des militärisch-industriellen Komplexes in möglichst sicheren Gebieten. Der Bau wird fortgesetzt.“ Das heißt, ja, inzwischen ist klar, dass ukrainische Shahed-Drohnen russische Rüstungsbetriebe erreichen können. Nun wird der militärisch-industrielle Komplex Russlands im Fernen Osten und in Sibirien jenseits des Urals im Eiltempo ausgebaut werden. Das ist ganz sicher kein Hinweis darauf, dass Putin den Krieg beenden will.

Übrigens noch ein Seitenhieb gegen Donald Trump, der ständig sagt, dass es weltweit an Dieselkraftstoff fehle, weil die Ukraine die Ölraffinerien der Russischen Föderation angreife und nicht etwa, weil die Straße von Hormus blockiert sei. „Nein“, sagt Putin zu Trump, „Russland hat genügend Dieselkraftstoff, aber aufgrund der Sanktionen gelangt er nicht auf die Weltmärkte.“ Das ist also ebenfalls ein sehr einfacher Appell sowohl an Trump als auch an die amerikanische Gesellschaft: „Wollt ihr die Preise an den Tankstellen senken?“ Sie werden nicht sinken – Spoiler –, weil das mit dem, was tatsächlich geschieht, überhaupt nichts zu tun hat. „Wollt ihr die Preise an den Tankstellen senken, dann hebt bitte die Sanktionen gegen Putins Regime auf und schafft ihm komfortable Bedingungen, damit es die Ukraine vernichten und ihre Bevölkerung auslöschen kann.“ Das ist der ganze Kern dieser Aussagen.

„Russland wird selbst entscheiden, welche Betriebe in den neuen Gebieten nach der militärischen Spezialoperation wiederaufgebaut und welche aus wirtschaftlicher Notwendigkeit verlagert werden.“ Was bedeutet das? Nun, erstens, dass Putin sich darüber im Klaren ist, dass er nicht das gesamte Territorium der Ukraine erobern kann, und deshalb hier so viel zerstören will. Er versteht, dass er früher oder später möglicherweise gezwungen sein wird, Halt zu machen. Aber das bedeutet hier etwas sehr Wichtiges. Er hat nicht vor, diesen Krieg zu beenden, selbst wenn irgendwann Bedingungen für seine Unterbrechung entstehen. Wenn er nicht vorhat, Betriebe in den besetzten Gebieten aufzubauen, die er als seine eigenen betrachtet und über die er die Kontrolle behalten will, bedeutet das, dass er diese besetzten Gebiete künftig als Brückenköpfe für einen neuen Angriff auf die Ukraine nutzen will. Genau deshalb braucht er sie. Warum sonst sollte er dieses Thema ansprechen?

Ein weiterer Mensch, dem er, sagen wir, nahestehen möchte, ist Narendra Modi, der indische Ministerpräsident, der zusammen mit Xi Jinping ein wichtiger energetischer Sponsor der Russischen Föderation bleibt. Es stellte sich heraus, dass Narendra Modi sehr gute Ideen für die Suche nach den notwendigen Lösungen für die Ukraine hat, aber absolut niemand weiß, was das für Ideen sein sollen und was Narendra Modi Putin vorgeschlagen haben könnte, das ihm so gut gefallen hat.

Und die wichtigste These dieser ganzen Geschichte, würde ich sagen, die zusätzlich verdeutlicht, was Putin will, lautet, dass die Welt nicht bipolar, sondern nur multipolar sein könne. Dieser Krieg um die Eroberung ukrainischer Gebiete, die Putin für historisch russisch hält, und die Einschüchterung Europas, das aus Putins Sicht jederzeit Angst vor einem russischen Angriff haben soll – all das ist Teil des Versuchs Russlands, ein Akteur der Weltpolitik zu bleiben. Und angesichts seines tatsächlichen wirtschaftlichen Potenzials kann Russland diese Rolle nur mithilfe von Gewalt bewahren. Andere Möglichkeiten, diese Stellung zu bewahren, hat die Russische Föderation, wie wir sehr gut verstehen, nicht.

Nun, das sind die ersten Randnotizen zu dieser historischen Rede des russischen Präsidenten, einer Rede, die das Gewehr der Atomwaffen und der Vernichtung der Menschheit von der Wand nimmt.

Ich werde einige Fragen beantworten, die bereits vorliegen.

Frage: Sie haben davon gesprochen, dass eine Normalisierung des Krieges nicht hingenommen werden darf. Russland erfindet inzwischen nicht einmal mehr Rechtfertigungen für seine Angriffe, und der Westen verurteilt sie nicht einmal mehr demonstrativ. Ist das nicht die Akzeptanz der Vorstellung einer Ukraine im ewigen Krieg durch den Westen?

Portnikov: Nun, mir scheint, dass der Westen sie durchaus verurteilt. Und als das Gebäude der Nationalen Akademie der Wissenschaften getroffen wurde, stand das auf den Titelseiten aller westlichen Medien. Westliche Politiker sprachen darüber. Ja, Präsident Trump hat sich nicht dazu geäußert. Aber wir verstehen doch sehr gut, welche Gefühle der Präsident der Vereinigten Staaten empfindet, wenn es um den Präsidenten der Russischen Föderation geht. Das verstehen wir sehr gut. Aber dass bis zu einem gewissen Grad eine Normalisierung des Krieges stattgefunden hat, ist ebenfalls eine Tatsache. Das ist nach vier Jahren Krieg ein völlig normaler Prozess. Und wir haben wiederholt gesagt: Ein Krieg, der nicht nach vier Monaten endet, kann dann auch acht oder zehn Jahre dauern.

Deshalb erkläre ich immer wieder, dass wir uns erst in der ersten Phase dieses grausamen und unerbittlichen Krieges befinden. Wir haben noch nicht einmal die Hälfte erreicht, von der aus wir sagen könnten, dass sich irgendwo ein Tunnel abzeichnet, an dessen Ende irgendwann – hoffentlich nicht erst in den 2030er-, sondern noch in den 2020er-Jahren des 21. Jahrhunderts – ein schwacher Lichtstrahl des Friedens erscheinen wird.

Ja, der Westen ist gezwungen, das hinzunehmen, aber stimmen Sie mir zu, dass er alles Mögliche tut, damit die Ukraine diesen langen Zermürbungskrieg gegen die Russische Föderation durchsteht und standhält. Ich möchte Sie daran erinnern, dass die Russische Föderation trotz dieser brutalen Angriffe auf Kyiv und andere ukrainische Städte diese Angriffe gerade deshalb durchführt, weil ihre militärischen Ziele nicht erreicht werden. Und solange die militärischen Ziele nicht erreicht sind, gibt es bislang keinen Grund anzunehmen, dass der Krieg endet oder dass Russland ihn gewinnen kann.

Frage: Gegen wen wäre es für Putin in seiner verdrehten Logik folgerichtig, Atomwaffen einzusetzen?

Portnikov: Nun, wissen Sie, ich weiß nicht gegen wen, aber wenn es um das Kaliningrader Gebiet geht, könnten natürlich Atomwaffen gegen Polen oder Litauen oder gegen irgendwelche militärischen Einrichtungen auf deren Territorium eingesetzt werden. Wir verstehen doch, dass, wenn man tatsächlich die Kaliningrad-Frage ins Zentrum stellt, man sich auf irgendetwas vorbereitet, sagen wir auf den Suwałki-Korridor, auf irgendeine provokative Entsendung von Truppen auf das Territorium Polens oder Litauens. Und als Antwort darauf, dass sie sich verteidigen, könnte man Atomwaffen einsetzen und schauen, wie die NATO darauf reagiert. Sollte sich herausstellen, dass die Amerikaner darauf überhaupt nicht reagieren, wird Russland zum König Mitteleuropas. Eine solche Idee könnte dahinterstehen: zu sehen, ob die NATO bereit ist zu reagieren, sie auf die Probe zu stellen.

Frage: Ich habe nur eine Frage: Was wäre gewesen, wenn Russland damals in die NATO aufgenommen worden wäre, als es darum gebeten hat?

Portnikov: Russland hat niemals darum gebeten, in die NATO aufgenommen zu werden. Das ist ein weiterer Unsinn, den Putin erzählt. Auch Stalin schlug vor, ihn in die NATO aufzunehmen, nachdem das Bündnis gegründet worden war. Es gab niemals einen ernsthaften Antrag Russlands auf eine NATO-Mitgliedschaft. Wiederholen Sie diese Propagandafloskeln nicht, denn wenn Russland der NATO hätte beitreten wollen, hätte es einen Antrag stellen müssen, wie alle Länder das getan haben, und mit Reformen beginnen müssen, damit seine Streitkräfte den NATO-Standards und der Staat selbst demokratischen Kriterien entsprechen. Was heißt „in die NATO aufgenommen“? In die NATO wird man nicht einfach aufgenommen. Der Staat muss demokratisch sein und die Kriterien erfüllen, und die Streitkräfte müssen die Kriterien erfüllen. Haben wir jemals etwas davon gehört? Gab es jemals auch nur einen einzigen offiziellen Antrag der Russischen Föderation auf NATO-Mitgliedschaft?

Frage: Wird der Westen die Ukraine nach dieser Erklärung Putins wirklich ihrem Schicksal überlassen, allein mit Russland?

Portnikov: Danke. Ich denke, diese Frage beschäftigt alle. Nein, der Westen wird die Ukraine nicht ihrem Schicksal überlassen und sie nicht allein mit Russland lassen, weil man im Westen sehr gut versteht, dass ein solches Vorgehen dazu führen würde, dass Russland den Westen anschließend von ukrainischem Territorium aus angreift. Deshalb teilen sich die westlichen Politiker in zwei Gruppen. Die eine Gruppe ist der Ansicht, dass die Ukraine ihre Souveränität verteidigen, das militärische Potenzial der Russischen Föderation verringern und für sich und ihre Nachbarn Sicherheit schaffen muss. Die andere Gruppe ist der Ansicht, dass die Ukraine ein Pufferstaat sein muss. Und darüber könne man sich dann ebenfalls mit dem Kreml verständigen. Aber Menschen, die sagen würden: „Lasst uns die Ukraine ihrem Schicksal überlassen, soll sie eben verschwinden, und die Russen sollen von Uschhorod aus mit Atomwaffen auf uns schießen“, solche Menschen gibt es nicht. Solche Idioten gibt es nicht, nicht einmal unter denen, die Geld vom Kreml bekommen. Das sind die beiden unterschiedlichen Positionen.

Frage: War die Welt während des Kalten Krieges an derselben Eskalationsgrenze wie heute? Wann war es Ihrer Meinung nach gefährlicher, heute oder damals?

Portnikov: Die Welt befand sich während des Kalten Krieges an derselben Eskalationsgrenze wie heute. Einen solchen Moment gab es beispielsweise während der Herrschaft Josef Stalins in der Sowjetunion. Einen solchen Moment gab es während der Kubakrise. Mit der Zeit, als das sowjetische Regime, würde ich sagen, zu degenerieren begann, verschwand diese unmittelbare Gefahr. Aber zweifeln Sie nicht daran, dass während des Kalten Krieges jederzeit die Möglichkeit bestand, dass ein Dritter Weltkrieg unter Einsatz von Atomwaffen beginnt.

Frage: Warum stimmen unsere Abgeordneten nicht für Gesetze, die es der Ukraine ermöglichen würden, europäische Unterstützung zu erhalten?

Portnikov: Ich selbst würde gern eine Antwort auf diese Frage bekommen. Aber ich denke, indirekt liegt die Antwort darin, dass ein großer Teil dieser Gesetze gerade deshalb verzögert wird, weil im Land eine Machtvertikale sowjetischen Typs aufgebaut wurde und der Mensch an der Spitze dieser Vertikale seine Befugnisse nicht verlieren will, wenn man es einfach ausdrückt. Und ich möchte Sie daran erinnern, dass die Ukrainer, die postsowjetisch geprägte Menschen sind, 2019 gerade für diese Machtvertikale gestimmt haben, weil der Glaube daran, dass wir einen guten Präsidenten haben werden, der alles für uns regelt, in den vernebelten Köpfen vieler unserer Landsleute erhalten geblieben war. Deshalb wollten sie nicht einmal besonders, dass die Macht geteilt wird, denn für uns ist es, wie Sie ebenfalls sehr gut wissen, immer ein negatives Element des politischen Lebens, wenn die Macht geteilt ist oder wenn es eine Position des Parlaments und eine Position der Regierung gibt, die sich von der Position des Präsidenten unterscheidet. In der ukrainischen politischen Sprache nennt man das Streit und Gezänk. Die Ukrainer verstehen nicht, was Kompromiss bedeutet, was Interessenausgleich bedeutet, was eine Koalition bedeutet, weil sie alle – nun, die meisten Menschen – aus dem Prokrustesbett der Sowjetunion hervorgegangen sind und ihre Kinder entsprechend erzogen haben. Und solange bei den Ukrainern kein europäisches politisches Denken entsteht, wird natürlich niemand solche europäischen Gesetze verabschieden wollen, die eine solche Gewaltenteilung garantieren.

Frage: Ich möchte Sie nach dem Zeitpunkt von Putins Erklärung fragen. Es ist doch kein Zufall, dass sie gerade jetzt, mitten in Trumps Präsidentschaft, erfolgt. Bedeutet das, dass es in den nächsten zwei Jahren Krieg geben wird?

Portnikov: Nun, ich glaube, ich habe auch in diesen Sendungen schon gesagt, dass Putin bis 2028 ein Zeitfenster zum Handeln hat. Denn wenn bis 2028 kein Krieg in Europa beginnt, könnte der neue Präsident der Vereinigten Staaten, der 2029 ins Amt kommt, ganz anders reagieren als Trump, selbst wenn es ein Republikaner sein sollte. Aber grundsätzlich steuern die Republikaner dank Donald Trumps Politik auf eine vernichtende, ich würde sagen endgültige Niederlage zu. Was ihnen eigentlich bereits zuvor, noch vor dem Auftauchen Trumps, hätte widerfahren sollen, nämlich der Zusammenbruch als politische Kraft infolge der demografischen Gesetzmäßigkeiten in den Vereinigten Staaten, könnte 2028 unausweichlich eintreten.

Vielleicht hat ihnen also die Umgestaltung von einer konservativen zu einer ultrarechten Partei nicht geholfen. Vielleicht hat das Entstehen der MAGA-Bewegung nicht geholfen. Vielleicht hat gerade das den Niedergang beschleunigt. Und deshalb könnte ein neuer Präsident der Vereinigten Staaten Putin große Angst machen. Andererseits müssen Sie verstehen, dass Putin erkennt, dass er den Krieg gegen die Ukraine nicht gewinnt, wirtschaftliches Potenzial verliert und darüber wütend ist. Und in seiner Wut versucht er, die Europäer einzuschüchtern, in denen er derzeit die wichtigsten Förderer seiner in einer solchen Situation unvermeidlichen Niederlage sieht. Insofern kann darin grundsätzlich eine gewisse Logik liegen. Und deshalb bereitet er, wie Sie verstehen, in dieser Lage, die sich in der Welt entwickelt hat, neue Kriege vor.

Und da haben Sie noch eine wunderbare Antwort auf eine Frage. Putin wurde in Waldai vorgeschlagen, die Europäische Union auseinanderbrechen zu lassen. Und er sagte: „Das ist gar nicht nötig, sie wird von selbst auseinanderbrechen.“ Da haben Sie einen weiteren Teil der russischen Politik gegenüber den Europäern. Russland stellt keinerlei Bedingungen für eine Wiederherstellung der Beziehungen zu Europa insgesamt oder zu irgendwelchen konkreten Ländern. Aber Russland hofft darauf, dass die Europäische Union von selbst auseinanderfällt.

Nun, während dieser Diskussion wird noch vieles gesagt werden. Wir sprechen ja miteinander, während Putin diese Diskussion in Waldai fortsetzt, deshalb wird er noch vieles sagen, was außerhalb unserer heutigen Sendung liegt. Mir scheint, auch das ist eine völlig offensichtliche Tatsache. Aber grundsätzlich verstehen wir sehr gut, wie gefährlich ein Mensch ist, der seine Ziele nicht erreicht, darüber wütend wird, alle einschüchtert und tobt. Und in den Händen dieses schrecklichen Menschen befinden sich Atomwaffen.

Da haben Sie die ganze Antwort auf die Frage, wozu diese Rede diente. Und hier stellt sich immer die Frage, ob Putin tatsächlich endgültig den Verstand verloren hat, was unter den Bedingungen, dass er sich bereits seit viereinhalb Jahren in einem großen Krieg befindet und nichts von dem eingetreten ist, worauf er gehofft hatte, ebenfalls durchaus möglich ist. Oder ob dieser Widerling nur den Wahnsinnigen spielt, um daraus Vorteile zu ziehen, damit alle glauben, er sei verrückt. Er folgt damit einem Rezept Trumps: „Sollen sie glauben, dass ich verrückt bin, dann werden sie mir zustimmen.“ Die Menschen sollen glauben, dass er verrückt ist, und ihm dann Zugeständnisse machen, insbesondere aufhören, uns zu unterstützen.

So sieht also dieser Auftritt des Präsidenten der Russischen Föderation in Waldai aus. Ich sage noch einmal, dass dies eine wichtige Rede ist, keine nebensächliche Rede, die von einer zunehmenden Aggressivität in Putins Handeln zeugt, von seinem Versuch, nicht nur die NATO, sondern inzwischen auch den Westen einzuschüchtern. Auch das ist meines Erachtens völlig offensichtlich.

Zum Abschluss unseres Gesprächs möchte ich Sie dazu aufrufen, die Streitkräfte der Ukraine zu unterstützen. Ich möchte daran erinnern, dass in den kommenden schwierigen Jahren der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation und auch dann, wenn die heiße Phase des Krieges in eine Phase ausgesetzter Kampfhandlungen übergeht, und in den kommenden schwierigen Jahrzehnten lediglich der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine fortbesteht, die Streitkräfte der Ukraine die wichtigste Garantie für den Erhalt der ukrainischen Staatlichkeit und dafür bleiben werden, dass das ukrainische Volk auf dem Land leben kann, das der Feind für historisches Territorium Russlands hält. Vergessen Sie das niemals.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Виступ Путіна на Валдаї: головне | Віталій Портников. 01.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 01.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Hysterie der Fanatiker: In Russland wird wieder mit der „Atombombe“ gedroht | Vitaly Portnikov. 30.08.2026.

Der Abgeordnete der Staatsduma der Russischen Föderation und Vorsitzende der faschistischen Partei Rodina, Alexej Schurawljow, hat den Kreml dazu aufgerufen, im Krieg gegen die Ukraine taktische Atomwaffen einzusetzen.

Der russische Abgeordnete betonte, der Einsatz solcher Waffen sei eine Pflicht der Russischen Föderation, und führte als positives Beispiel die japanisch-amerikanischen Beziehungen an: Japan sei nach den Atombombenabwürfen zu einem treuen Verbündeten der Vereinigten Staaten geworden. Den Ukrainern warf Schurawljow dagegen vor, undankbar für all das zu sein, was die Russen während der Existenz der unheilvollen Sowjetunion für sie getan hätten.

Wie wir also sehen, werden die Einschüchterung der ukrainischen Zivilbevölkerung und die Drohung mit Atomschlägen zu einem wichtigen Bestandteil des russischen Wahlkampfs. Ich möchte Sie daran erinnern, dass diese Leute gerade Wahlen haben und mit ihren menschenverachtenden, kannibalistischen Äußerungen versuchen, nicht nur die Aufmerksamkeit ihrer Kuratoren im Kreml, sondern auch die potenzieller Wähler auf sich zu ziehen.

Gestern rief der Abgeordnete der Staatsduma der Russischen Föderation und sogar Vizepräsident der Staatsduma von der Partei Einiges Russland, Pjotr Tolstoi, zu Angriffen auf die Zivilbevölkerung auf, um die Ukrainer einzuschüchtern und sie zur Kapitulation vor Russland zu zwingen. Er betonte, auf dem Territorium der Ukraine gebe es keine Unschuldigen mehr. Angriffe der russischen Armee auf Zivilisten und Wohnviertel seien somit aus der Sicht der Fortsetzung des Krieges völlig richtige Maßnahmen.

Nun aber spricht der Abgeordnete einer anderen russischen politischen Partei, Schurawljow, der in der Staatsduma Gerechtes Russland vertritt, davon, dass taktische Atomwaffen eingesetzt werden müssten und dass auch dies ein logischer Schritt zur Fortsetzung des Krieges sein müsse.

Und hier stellt sich eine durchaus naheliegende Frage: Was geschieht eigentlich mit der russischen Gesellschaft, wenn Kandidaten für die Staatsduma der Russischen Föderation hoffen, ihren Wählern zu gefallen, indem sie menschenverachtende, kannibalistische Parolen verkünden, zum Einsatz von Atomwaffen aufrufen und vorschlagen, die Zivilbevölkerung von Kyiv und anderen ukrainischen Städten anzugreifen – und wenn all das beim Wähler gut ankommen soll?

Was ist also mit diesem Wähler los und was übrigens mit den russischen Oppositionellen? Ich möchte daran erinnern, dass einige von ihnen die absurde Parole von Julia Nawalnaja unterstützt haben, für jeden beliebigen Kandidaten zu stimmen, solange er kein Vertreter von Einiges Russland ist. Was bedeutet das also? Dass man, wenn man oppositionell eingestellt ist, in Russland nun für einen solchen Kannibalen wie Schurawljow stimmen soll, der vorschlägt, die Ukrainer mit taktischen Atomwaffen anzugreifen?

Aber das ist wohl eher eine rhetorische Frage. Wir haben uns bereits davon überzeugen können, dass viele Vertreter der russischen Opposition im Ausland die Realität, in der sich ihr eigener Staat befindet, schlicht nicht begreifen. Vielleicht wollen sie auf diese Weise aber auch potenziellen Wählern gefallen, indem sie Kandidaten unterstützen, die zwar formal nicht die Partei der Macht vertreten, im Grunde aber in den Medien all die schrecklichen Narrative Putins wiederholen.

Natürlich verstehen wir sehr gut, dass all diese kannibalistischen Äußerungen, die sowohl Putin als auch der Präsidialverwaltung der Russischen Föderation gefallen sollen, zugleich eine Demonstration der Verzweiflung sind. Russlands Krieg gegen die Ukraine dauert seit viereinhalb Jahren an. Inzwischen ist er auch auf das Territorium der Russischen Föderation gekommen und verursacht ernsthafte Probleme für das Funktionieren der Wirtschaft des feindlichen Staates und für das Leben jedes einzelnen Bürgers, der bei den Wahlen zur Staatsduma für die nächsten vom Kreml aufgestellten Gauner stimmen wird.

Und die Menschen, die die russische Staatsmacht vertreten, bieten ihrer Gesellschaft keinen Frieden an. Statt ehrlich zu sagen, dass der Angriff der Russischen Föderation auf die Ukraine 2014 und später 2022 ein nationales Verbrechen, eine Schande für die Russische Föderation und eine Schande für jeden ihrer Bürger war, der sich seiner Verantwortung für das Handeln des eigenen Staates bewusst ist, schlägt ein solcher Pseudopolitiker vor, den Krieg fortzusetzen, die Eskalation zu verschärfen und die Zivilbevölkerung niederzumachen.

Für die Ukrainer sollte dies ebenfalls ein ziemlich wichtiges Signal sein, vielleicht sogar ein noch bedeutenderes als für die Bürger der Russischen Föderation. Denn wir sehen, mit wem wir es tatsächlich zu tun haben, wenn wir Vorschläge hören, sich mit Putin oder mit der russischen Führung als solcher zu verständigen, wenn wir zu glauben beginnen, dass wir einfach nicht genügend diplomatische Anstrengungen unternehmen, um den Russen das anzubieten, was sie brauchen, damit sie uns endlich in Ruhe lassen.

Nach solchen Äußerungen von Schurawljow und Tolstoi müssen wir begreifen, dass sie sich mit niemandem verständigen wollen, sondern nur töten wollen, dass sie zu jedem Verbrechen bereit sind, nur um ihre vermeintliche Größe unter Beweis zu stellen. Dass sie sich nicht selbst als Verbrecher, Mörder, Vergewaltiger und Menschenfresser betrachten, sondern die Ukrainer für undankbar halten – undankbar für all das, was sie Ukraine angetan haben und was sie mithilfe von Atomwaffen noch zu tun versuchen werden.

Diese unglaubliche Schande und diese unglaubliche Katastrophe des russischen politischen und gesellschaftlichen Denkens müssen uns noch einmal daran erinnern, dass die Ukraine, um zu überleben und ihre Bürger zu schützen, diesen schwarzen Ansturm zurückschlagen und diesen schrecklichen Menschen die Möglichkeit nehmen muss, ihre Absichten in die Tat umzusetzen: mithilfe der ukrainischen Armee, die diese Menschenfresser aufhält, mithilfe der internationalen Gemeinschaft, die ihren Druck auf Russland bis hin zur endgültigen Zerstörung der Möglichkeiten der russischen Wirtschaft verstärken muss, und mithilfe unseres eigenen gesunden Menschenverstands, der nach solchen Äußerungen erneut aktiviert werden muss.

Wir müssen uns noch einmal darüber klar werden, dass man mit einem Wahnsinnigen nicht verhandeln kann, damit er einen nicht umbringt, und dass dies für ihn das grundlegende Handlungsmuster und die Grundlage seiner Vorstellung davon ist, wie man sich in diesem Leben verhalten sollte. Und wie wir sehen, gibt es keine rote Linie, die die Russen in ihrem Kampf für die Wiederherstellung ihres eigenen Pseudoimperiums und für die Zerstörung der ukrainischen Staatlichkeit und der ukrainischen Identität nicht zu überschreiten bereit wären.

Die Aufrufe des Vorsitzenden einer faschistischen Partei, der weiterhin in der Staatsduma sitzt und natürlich hofft, auf Beschluss des Kremls wieder dorthin gewählt zu werden, sind ein weiterer offensichtlicher Beleg für diese Haltung des heutigen Russlands gegenüber der Ukraine, der zivilisierten Welt und dem menschlichen Leben selbst.


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Titel des Originals: Істерика маніяків: у Росії знову погрожують «ядеркою»| Віталій Портников. 30.08.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Kreml-Szenarien der Zukunft | Vitaly Portnikov. 03.06.2026

Noch vor dem Auftritt von Präsident Putin auf dem Petersburger Wirtschaftsforum präsentierten ihm nahestehende Oligarchen und Ideologen, unter denen man den Sponsor der sogenannten Volksrepubliken, den Milliardär Malofejew, sowie den bekannten reaktionären Pseudophilosophen Dugin sehen konnte, den Teilnehmern des Treffens ihre – also die Kremlschen – Vorstellungen möglicher Szenarien der künftigen Entwicklung der Welt sowie des Endes des russisch-ukrainischen Krieges.

Das gute Szenario für diese Finsterlinge ist mit dem Sieg im Krieg gegen die Ukraine verbunden und mit der Schaffung eines sogenannten „Siegesbildes“ als zentralem ideologischen Pfeiler der weiteren Existenz des reaktionären Tschekistenregimes. Der größte Teil der Ukraine schließt sich der Russischen Föderation an. Kyiv, Odesa und Charkiw werden russische Städte.

Auf dem Gebiet der Ukraine wird ein Pufferstaat geschaffen, oder aber das gesamte Land wird Teil der Russischen Föderation, oder es entsteht ein Staat der drei slawischen Völker – der Russen, Ukrainer und Belarussen. Wobei wir verstehen, dass der ukrainischen Identität in einem solchen Staat die Existenzberechtigung abgesprochen würde.

Russland wird zum Führer bei der Gewährleistung von Weltsicherheit und Gerechtigkeit. Die Welt wird multipolar sein. Russland wird Eurasien dominieren, und die Staaten des Westens werden ein Fiasko erleben.

Als Trägheitsszenario betrachten die Kreml-Oligarchen und -Ideologen eine Situation, in der Atomwaffen eingesetzt werden müssten. Und damit würde der Krieg gegen die Ukraine selbst unter solchen Bedingungen keine wirkliche Priorität für die weitere Entwicklung Russlands darstellen, und ein Sieg in diesem Krieg wäre nicht zu erreichen. Der Konflikt mit der Ukraine würde eingefroren und auf unbestimmte Zeit verlängert werden, was ebenfalls ein ernstes Problem für die Zukunft wäre. Die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen würde gesenkt werden. Und damit würde sich das fortsetzen, was die Autoren dieses Projekts als amerikanische Hegemonie bezeichnen. Zudem würde der Einfluss der künstlichen Intelligenz zunehmen, und China könnte den Norden der Vereinigten Staaten sowie den Arktischen Ozean erobern.

Was ist nun aus Sicht der Autoren dieser Pläne das schlechte Szenario, wenn sie das vorherige als Trägheitsszenario bezeichnen?

Russland erleidet eine Niederlage im Krieg. Die Ukraine wird Mitglied der NATO. Die Bedrohungen für die territoriale Integrität der Russischen Föderation nehmen zu, und Russland verliert vollständig seinen Einfluss im postsowjetischen Raum. Die regionale Souveränität Russlands bliebe nur noch in bedingter Form erhalten, und das Land selbst würde vom Westen kolonisiert werden – als ein Staat, der den Krieg verloren hat. Auf der Grundlage der Europäischen Union würde ein neuer Militärblock geschaffen.

So erkennen wir, dass aus dieser Perspektive gerade das als schlechtestes bezeichnete Szenario tatsächlich das beste für die moderne zivilisierte Welt ist. Denn der Zusammenbruch der imperialistischen Ambitionen der Russischen Föderation unter Führung Putins und anderer Tschekisten, die Möglichkeit für die Völker Russlands, eigene Staaten zu gründen und ihr Recht auf Selbstbestimmung wahrzunehmen, sowie der Verlust der russischen Fähigkeit, mit Atomwaffen zu drohen – all dies wäre das beste Szenario nicht nur für die Menschheit, sondern auch für das russische Volk selbst. Es ist faktisch zur Geisel der Fantasien von Putin, Dugin, Malofejew und anderen Vertretern des tschekistisch-kriminellen Milieus geworden, das nicht nur die Ukraine besetzt hält, sondern auch Russland selbst den Interessen seiner räuberischen Machtpolitik unterordnet.

Und wie wir sehen, ist das schlimmste Szenario für diese ganze Gesellschaft jenes, in dem sie ukrainisches Territorium nicht erobern kann. Das ist bis zu einem gewissen Grad ein regelrechter Minderwertigkeitskomplex. Während all der Jahrzehnte ihrer Staatlichkeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991 denken diese Menschen nur an eines: nicht an die Entwicklung ihres eigenen Staates, nicht an die Entwicklung ihrer Wirtschaft, nicht an die Entwicklung ihrer Kultur. Nein, sie denken ausschließlich daran, wie sie die Ukraine erobern können, wie sie die Kontrolle über alle anderen ehemaligen Sowjetrepubliken gewinnen können, wie sie die Kontrolle über den postsowjetischen Raum erlangen können, wie sie Einflusszonen in Europa erhalten können.

Man kann all diese Menschen nur eines fragen:

„Und was ist mit Russland selbst? Warum interessiert es euch überhaupt nicht? Warum betreffen all eure guten, trägen oder schlechten Szenarien ausschließlich andere Staaten? Warum ist das Wesen eurer gesamten Zivilisation mit Krieg, Tod, Diebstahl und dem Einsatz von Atomwaffen verbunden? Wie kommt es, dass keiner von euch, obwohl ihr euch Russen nennt, überhaupt über Russland nachdenkt?

Warum nehmt ihr Russland ausschließlich als Instrument für irgendeine Rolle wahr – entweder als ein Land, das vom Westen kolonisiert wird, oder als ein Land, das selbst andere Länder und andere Völker kolonisiert? Und was wird mit Russland selbst geschehen? Was geschieht überhaupt auf dem Territorium des Landes, das ihr selbst als das flächenmäßig größte der Welt bezeichnet?

Warum will letztlich auf dem größten Teil eures Staatsgebietes überhaupt niemand leben? Wie kommt es, dass ihr in hundert Jahren nicht einmal den größten Teil des heutigen Russlands erschließen konntet? Dass jeder russische Durchschnittsbürger nicht darüber nachdenkt, wie man Sibirien oder den Fernen Osten entwickelt, sondern darüber, wie man in Butscha eine Toilette stiehlt oder die Möglichkeit erhält, sich bei Poltawa niederzulassen.

Was seid ihr für ein Volk? Welche nationale Katastrophe, welche moralische Katastrophe hat euch getroffen, dass auf euren Wirtschaftsforen überhaupt nicht über Russland gesprochen wird, sondern ausschließlich darüber, wie man die Ukraine erobern kann und welches schreckliche Szenario eintreten würde, wenn eure widerwärtige Bande nicht stehlen, töten, vergewaltigen und annektieren kann?“

Einen besseren Beweis für ihren eigenen Zustand als das, was diese Leute auf ihren Wirtschaftsforen selbst von sich geben, kann man sich kaum vorstellen. Man kann sich nur davon überzeugen, dass diese ganze Phantasmagorie auf staatlicher Ebene wiederholt werden wird, wenn Putin von der Tribüne dieses Forums sprechen wird.

Er wird in diesen Tagen sprechen, in denen seine Heimatstadt von ukrainischen Drohnen angegriffen wurde und in Kronstadt eines der Schiffe der russischen Marine getroffen worden ist. Und unter diesen Bedingungen reden diese Menschen weiterhin über ihre Tankstelle, als wäre sie der wirtschaftliche und ideologische Führer der Welt.

Erstaunlich.


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Titel des Originals: Кремлівські сценарії майбутнього | Віталій
Портников. 03.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.06.2026.
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Die USA fahren den Krieg zurück | Vitaly Portnikov. 14.04.2026.

Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, der die amerikanische Delegation bei den erfolglosen Verhandlungen mit der Führung Irans leitete, erklärt, dass die Vereinigten Staaten ihre Ziele im Iran bereits erreicht hätten und die militärische Operation, die vor mehr als einem Monat begonnen hat, zurückfahren könnten.

Vance, der nach den Gesprächen mit dem Iran festgestellt hatte, dass es den Parteien nicht gelungen sei, sich in grundlegenden Fragen zu einigen, betont nun, dass bei diesen Verhandlungen erhebliche Fortschritte erzielt worden seien, und hofft auf eine Fortsetzung der Konsultationen. Bereits jetzt gibt es Informationen, dass sich die amerikanische und die iranische Delegation erneut treffen könnten.

All dies deutet in erster Linie auf den Unwillen des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hin, die Angriffe auf den Iran wieder aufzunehmen, mit denen er der Islamischen Republik gedroht hatte, um die Straße von Hormus freizubekommen, deren Blockade durch den Iran ernsthafte Probleme für die Weltwirtschaft verursacht und zu einer groß angelegten wirtschaftlichen und energiepolitischen Krise führen kann. Anstatt zu versuchen, die Führung Irans durch Schläge gegen strategische Objekte der Islamischen Republik zu beeinflussen, wie Trump selbst wiederholt erklärt hatte, hat sich der amerikanische Präsident nun entschieden, eine doppelte Blockade der Straße von Hormus zu schaffen. Das heißt, neben den iranischen Kräften werden auch die Amerikaner selbst sie blockieren, indem sie Tanker anhalten, die nach Abstimmung mit der Führung der Islamischen Republik die Straße von Hormus passieren.

Damit ist ein wirklicher Ausweg aus der Situation vorerst nicht erkennbar. Zu behaupten, dass Donald Trump tatsächlich die wichtigsten Ziele im Iran erreicht habe, kann natürlich nur J. D. Vance. Denn wir wissen, dass das Hauptziel der amerikanischen Operation der Sturz des Regimes der Islamischen Republik und dessen Ersetzung durch ein aus zumindest weniger aggressiver Sicht adäquateres war – von Demokratie ganz zu schweigen. Das ist nicht geschehen. Stattdessen ist die tatsächliche Macht im Iran an Fanatiker aus dem Korps der Islamischen Revolutionsgarden übergegangen, die bereit sind, die Konfrontation mit den Vereinigten Staaten und Israel selbst um den Preis einer Verschlechterung der eigenen wirtschaftlichen Lage fortzusetzen.

Die Vereinigten Staaten versuchten auch, das iranische Atomprogramm zu zerstören. Und das, nachdem Donald Trump nach dem vorherigen zwölftägigen Krieg berichtet hatte, dass der Iran keine Atomwaffen mehr besitzen könne. Nun werden die Möglichkeiten Irans in den Vereinigten Staaten ebenfalls negativ eingeschätzt, aber niemand weiß, über welchen Umfang an angereichertem Uran die Führung der Islamischen Republik verfügt und ob sie tatsächlich die Fähigkeit verloren hat, in naher Zukunft Atomwaffen herzustellen.

Ein weiteres wichtiges Ziel der Vereinigten Staaten und Israels war die Zerstörung des ballistischen Programms Irans. Offensichtlich ist auch das nicht gelungen. In den letzten Tagen intensiver Kampfhandlungen der Vereinigten Staaten und Israels gegen die Islamische Republik wurde berichtet, dass es den Iranern gelungen sei, die amerikanischen Geheimdienste zu täuschen und ihnen statt realer Ziele Attrappen als Ziele zu liefern. Somit verbleibt ein erheblicher Teil der ballistischen Raketen und Startanlagen im Besitz der iranischen Führung, die bekanntlich bereit ist, nicht nur den jüdischen Staat, sondern auch die Nachbarländer am Persischen Golf anzugreifen und damit im Falle einer erneuten Eskalation ebenfalls ernsthafte Probleme für die globale Energieversorgung zu schaffen.

Und Trump erkennt diese Bedrohungen offensichtlich, weiß aber zugleich nicht, wie er darauf reagieren soll. Zu glauben, dass sich Amerikaner und Iraner in der nächsten Verhandlungsrunde einigen werden, erscheint mir ziemlich naiv. Denn das Ziel der iranischen Führung ist weniger eine Einigung mit den Vereinigten Staaten als vielmehr, Donald Trump und sein Umfeld in ein tiefes politisches Grab zu treiben. Solche Chancen können nur durch eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in der Welt sowie in den Vereinigten Staaten selbst noch vor den Wahlen zum amerikanischen Kongress geschaffen werden. Somit liegt es im Interesse der Führung der Revolutionsgarden, einfach Zeit zu gewinnen und die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Amerika sowie die Nervosität Donald Trumps zu genießen.

Trump ist – wenn man die Worte von Vizepräsident J. D. Vance richtig bewertet – der Ansicht, dass eine weitere Eskalation und zusätzliche Angriffe auf den Iran nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen und die wirtschaftliche Lage nicht verbessern werden, schon allein deshalb, weil kaum jemand die Folgen neuer iranischer Angriffe auf die Länder des Persischen Golfs berechnen kann. Zudem muss man sich darüber im Klaren sein, dass auch eine doppelte Blockade der Straße von Hormus faktisch nicht den Interessen der Verbündeten der Vereinigten Staaten entspricht. Bereits jetzt wird berichtet, dass Saudi-Arabien darauf besteht, dass die Amerikaner ihre eigene Blockade einstellen.

So können wir eine klassische Sackgasse in den Bemühungen Donald Trumps feststellen, die Folgen seiner unvorbereiteten Operation gegen das iranische Regime zu korrigieren. Und genau darüber müssen wir sprechen, wenn wir analysieren, was in der Welt geschehen ist, nachdem die Vereinigten Staaten und Israel ihre Operation gegen das Regime der Ajatollahs begonnen haben.

Die Frage ist nicht einmal, wie rechtzeitig diese Operation angesichts der Aggressivität Irans und seiner Bereitschaft war, die Lage im Nahen Osten jederzeit zu destabilisieren. Die Frage ist auch nicht, ob es den Vereinigten Staaten und Israel tatsächlich gelungen ist, dem Regime der Ajatollahs beim Erwerb von Atomwaffen zuvorzukommen. Die Frage ist, dass der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump und der Ministerpräsident Israels Benjamin Netanyahu bei der Planung dieser Operation von völlig unrealistischen Zielen und von Informationen der Geheimdienste ausgegangen sind, die weit von der Realität entfernt waren.

Oder aber beide führenden Politiker haben die realen Informationen der Geheimdienste ignoriert und wollten genau das sehen, was sie in der Situation im Nahen Osten sehen wollten. In diesem Jahr stehen für Benjamin Netanyahu Wahlen zum israelischen Parlament an. Für Donald Trump stehen Wahlen zum amerikanischen Kongress bevor. Und es entsteht der Eindruck, dass beide ehrgeizigen Politiker bei der Planung dieser Operation gegen das Regime der iranischen Ajatollahs nicht von den Interessen der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten und Israels geleitet wurden, sondern ausschließlich von ihren eigenen politischen Interessen. Und so erwiesen sie sich schlicht als unfähig, sich der komplexen Situation im Kampf gegen ein aggressives Regime, das morgen oder übermorgen Atomwaffen besitzen könnte, mit professionellen Einschätzungen zu nähern – statt mit Einschätzungen, die mit ihrer eigenen Zukunft verbunden sind, die für Trump und Netanyahu nicht nur von Parlamentswahlen, sondern auch von zahlreichen Gerichtsverfahren abhängt, in denen beide Politiker als Angeklagte auftreten.

Und das ist eine hervorragende Illustration dessen, was mit der Welt geschieht, wenn führende politische Akteure bereits im Stadium ihres Wahlkampfes kompromittiert sind und den Hauptzweck ihres politischen Überlebens in Handlungen sehen, die ihnen helfen sollen, an der Macht zu bleiben und nicht auf der Anklagebank zu landen. Am Ende landen jedoch die Staaten selbst auf der Anklagebank, die ihre Unfähigkeit demonstrieren, die Sicherheitsprobleme zu lösen, vor denen sie stehen. Und staatliche Systeme, die einst als makellos effizient und fähig galten, die Folgen ihrer Handlungen zu berechnen, verwandeln sich vor unseren Augen in Systeme, die Wunschdenken für Realität ausgeben und die Sicherheit der Amerikaner und Israelis infrage stellen.


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Titel des Originals: США згортають війну | Віталій Портников. 14.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 14.04.2026.
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Putin erfindet Kapitulationsbedingungen | Vitaly Portnikov. 06.02.2026.

Korrespondentin: Heute ging eine weitere Verhandlungsrunde in Abu Dhabi zu Ende. Und wenn man der Erklärung des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, zuhört, sagte er, dass Ukraine und Russland einer Friedensvereinbarung sehr nahe seien. „Wir haben es fast erreicht.“ Präsident Donald Trump ist wie immer ziemlich optimistisch, aber oft wissen wir, dass diese Aussagen vorerst nur Worte bleiben.

Zelensky sagte während einer Pressekonferenz mit dem polnischen Premierminister Donald Tusk, der heute die Ukraine besuchte, als man ihn fragte, welche Fortschritte es in diesen Verhandlungen gebe und welche Informationen er habe. Und genau in diesem Moment ertönte während der Pressekonferenz eine Luftalarmsirene. Er sagte: „Nun, hören Sie es? Wenn der Alarm weiter ertönt, bedeutet das, dass man sich nicht auf einen Waffenstillstand einigen konnte.“

Derzeit gibt es Informationen, dass die Verhandlungen fortgesetzt werden. Wahrscheinlich könnte die nächste Runde sogar ein Treffen in den Vereinigten Staaten von Amerika sein. In dieser Zeit – und aus dem, was wir gesehen haben, denn es gab gestern Verhandlungen und auch heute – wie sehr hat uns das einer Lösung des russisch-ukrainischen Krieges nähergebracht?

Portnikov: Ich habe wiederholt versucht zu erklären, dass das Ende des russisch-ukrainischen Krieges ausschließlich mit dem politischen Willen des Staatsoberhaupts zusammenhängen kann – der Person, die diesen Krieg begonnen hat, nämlich des russischen Präsidenten Putin. Wenn Präsident Putin keinen klaren politischen Willen hat, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, dann werden jegliche Verhandlungen, egal wie lange sie dauern, ausschließlich eine Verzögerungstaktik zur Fortsetzung des Krieges sein.

Was die Verhandlungen betrifft, die wir in Abu Dhabi beobachten, so konzentrieren sie sich wie zuvor auf die Diskussion technischer Details. Das verstehen wir sogar aus der Erklärung des Sekretärs des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates Umerov, der sagt, dass Fragen im Zusammenhang mit einem Waffenstillstand und mit Parametern zur Überwachung der Kampfhandlungen diskutiert werden, also damit diese nicht wieder aufgenommen werden. Aber die wichtigste Frage ist: Wann kann dieser Waffenstillstand stattfinden? Denn aus russischer Sicht soll der Waffenstillstand die Kulmination des Friedensprozesses sein, also die Folge der Unterzeichnung eines Friedensvertrags. Und die Parameter eines Friedensvertrags, wie Sie verstehen, werden bislang nur diskutiert.

Ich habe ebenfalls wiederholt erklärt, dass, wenn ein Waffenstillstand vor der Ausarbeitung eines Friedensvertrags ausgerufen worden wäre, wir diesen Prozess eher als Zuschauer hätten verfolgen können. Es gäbe einen Waffenstillstand, die Truppen stünden an der Kontaktlinie, es gäbe keine Bombardierungen, und die Seiten träfen sich zu Verhandlungen – sagen wir – während der 2020er oder vielleicht sogar der 2030er Jahre dieses Jahrhunderts. Das wäre ein völlig logischer Prozess, wenn die Seiten tatsächlich den Wunsch hätten, den Krieg zu beenden.

Doch all diese Verhandlungen finden vor dem Hintergrund eines fortgesetzten Krieges statt, was Sie vollkommen zutreffend mit Zelenskys Worten während der erneuten Luftalarmsirene illustriert haben. Das heißt, die Bombardierungen der Ukraine gehen weiter, die Kampfhandlungen an der Frontlinie gehen weiter, und Russlands Vorbereitung auf neue großangelegte Offensiven im Frühling und Sommer kann ebenfalls weitergehen.

Dass wir derzeit einen weiteren Moment des Austauschs von Kriegsgefangenen beobachten, ist ein großes Glück für diese Menschen und ihre Angehörigen. Zugleich ist es ein weiterer Beleg dafür, dass Putin erneut versucht, den fehlenden Willen zur Beendigung des Krieges und das Fehlen konkreter Entscheidungen durch einen humanitären Track zu ersetzen. Wenn während Verhandlungen über ein Kriegsende ein Gefangenenaustausch stattfindet, ist das ein klares Indiz dafür, dass man kein baldiges Ende des Krieges erwarten sollte, und dass Putin auf diese Weise Trump seine Friedfertigkeit demonstriert, um Trump die Möglichkeit zu geben zu sagen, dass sich alles in Richtung Frieden bewege.

Denn wenn es einen echten Frieden gäbe, könnte man einfach alle Kriegsgefangenen im Rahmen eines „alle gegen alle“-Austauschs freilassen und dieses Thema abschließen. Doch wenn Putin weiterhin ukrainische Soldaten als Tauschmasse benutzt, um Trump seine Friedfertigkeit zu demonstrieren, ist das ein weiteres Zeugnis dafür, dass es keine echten Verhandlungen als solche gibt. Nicht fehlenden Fortschritt in Verhandlungen – sondern das Fehlen von Verhandlungen an sich.

Deshalb sind die Menschen, die an diesem Prozess beteiligt sind, deutlich vorsichtiger als Trump. Steve Witkoff spricht von konstruktiven Ergebnissen. Und übrigens nennt er als eines der konstruktiven Ergebnisse die Wiederaufnahme militärischer Kontakte zwischen den Vereinigten Staaten und Russland in Europa. Das heißt, die Amerikaner nutzen den russisch-ukrainischen Track faktisch weiter zur Legitimierung ihrer Beziehungen zu Moskau.

Zelensky spricht vom Wunsch, den Krieg noch in diesem Jahr auf diplomatischem Wege zu beenden, obwohl wir Anfang Februar sprechen, was bedeutet, dass der Verhandlungsprozess nach Ansicht des ukrainischen Präsidenten fast ein Jahr dauern wird – sofern er nicht in einem schönen Moment scheitert. Und die Russen treten derweil weiterhin mit immer neuen Forderungen auf.

Übrigens, haben Sie gesehen, dass eine neue Forderung aufgetaucht ist? Nicht nur der Abzug ukrainischer Truppen aus jenem Teil der Oblast Donezk, der nicht von Russland kontrolliert wird, sondern auch die internationale Anerkennung der russischen Souveränität über die Oblast Donezk – durch alle Länder, wie sie sagen. Was bedeutet das überhaupt? Das heißt, die Ukraine soll die Oblast Donezk als Teil der Russischen Föderation anerkennen, und alle anderen Länder sollen ebenfalls zustimmen, dass die annektierten Gebiete Teil Russlands sind. Und bis zu dem Moment, an dem es diese Anerkennung gibt – möglicherweise durch die Vereinigten Staaten und die europäischen Länder – weigert sich Russland, den Krieg zu beenden. Sie verstehen, dass dies eine weitere Illustration dafür ist, dass bei diesen Verhandlungen von einem Kriegsende überhaupt keine Rede ist.

Korrespondentin: Das heißt, zumindest von Seiten der Russischen Föderation sehen wir lediglich ein weiteres Hochziehen der Einsätze und das erneute Vorlegen zusätzlicher Forderungen, so wie sie sich das vorstellen. Jetzt wollen sie die internationale Anerkennung des Donbas, faktisch also, dass andere Länder das bestätigen. Und heute, erneut bei derselben Pressekonferenz mit Tusk, als Zelensky darüber sprach, sagte Tusk: „Also, wir werden das auf keinen Fall anerkennen, Polen wird das unter keinen Umständen anerkennen.“ Das ist natürlich gut, aber die Frage ist, dass es europäische Länder geben könnte, die eine solche Entscheidung treffen könnten. Wir wissen, dass es welche gibt, die uns nicht besonders wohlgesonnen sind. Die andere Frage ist, ob wir dem überhaupt große Bedeutung beimessen sollten, denn das ist doch nur eine weitere Laune Putins, der Russischen Föderation. Hat das für uns irgendeine Bedeutung? Wir sind doch ein unabhängiger Staat, wir wissen selbst, welche unsere Territorien sind. Und wenn sie derzeit vorübergehend besetzt sind, verstehen wir das ebenfalls. Müssen wir diese Bedingungen überhaupt berücksichtigen?

Portnikov: Aber was, wenn das eine klare Bedingung eines Friedensvertrags wird? „Unterschreibt nicht – der Krieg geht weiter, die Bombardierungen der Ukraine gehen weiter. Das ist euer Problem. Es gibt klare russische Bedingungen. Entweder ihr erfüllt sie und beendet den Krieg, oder ihr erfüllt sie nicht und der Krieg geht weiter. Und fertig. Und warum geht der Krieg weiter? Weil die Ukraine keinen Friedenswillen zeigt. Wir haben wunderbare Bedingungen angeboten. Erkennt die Territorien an, die in der russischen Verfassung als Teil Russlands festgeschrieben sind. Erkennt den Willen der Menschen an, die Referenden über den Anschluss an Russland abgehalten haben. Wollt ihr nicht? Dann werden wir euch weiter bombardieren, bis ihr wollt.“

Es geht nicht um die Unabhängigkeit des Staates, sondern um den Versuch Russlands, diesen Staat zu zerstören und ihn in eine menschenleere Wüste zu verwandeln. Und um das Angebot einer Alternative: „Wollt ihr nicht, dass diese Wüste für euch zu einem verschneiten Grab wird? Dann erkennt alles an, was Putin will. Ihr habt keine Wahl.“ Das ist der russische Ansatz. Eine Situation zu schaffen, in der es keine andere Wahl gibt, als der bedingungslosen Kapitulation der Ukraine vor Russland zuzustimmen – und dass diese Kapitulation von den Verbündeten der Ukraine gebilligt wird.

Wichtig ist, dass es eine gemeinsame Kapitulation ist. Nicht nur die Ukraine kapituliert, und die ukrainische Frage wird geschlossen, und die Ukraine verwandelt sich für immer in einen Satelliten Russlands – selbst wenn man sich vorstellt, dass ein Teil des ukrainischen Territoriums von den Russen als formal unabhängiger Staat erhalten bleibt, wie ein großes Belarus. Sondern auch die Vereinigten Staaten und die europäischen Länder müssen anerkennen, dass die Ukraine ein russischer Satellit ist. Und damit wäre der Krieg für beendet erklärt. Das ist es, was sie wollen.

Korrespondentin: Uns bleibt nur zu hoffen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und Donald Trump auf – nun ja, nicht unbedingt auf unserer Seite bleiben, auch wenn wir wollen, dass er auf unserer Seite ist – aber uns zumindest nicht zu irgendwelchen derart zynischen Forderungen unseres Feindes, der Russischen Föderation, drängen werden.

Und was Donald Trump betrifft: Diese Woche und auch die vorige haben wir über dieses „Energie-Waffenstillstands“-Thema gesprochen, das eine Woche lang gelten sollte. Aber es hielt keine Woche. Ich weiß nicht, wie alle gezählt haben, insbesondre im Weißen Haus und im Oval Office, denn als Donald Trump gefragt wurde, wie das denn sei – weil Putin ja nach ein paar Tagen trotzdem die Ukraine beschossen hat; vielleicht, wie Volodymyr Zelensky sagte, nicht auf kritische Energie-Infrastrukturobjekte, aber dennoch auf Infrastruktur. Am Ende wurden auch Zivilisten getroffen, viele Menschen starben. Und Donald Trump sagt: „Nein, Putin hat sich daran gehalten. Eine Woche gab es diesen Waffenstillstand, den ich ausgehandelt habe.“

Worum geht es da? Warum will er eine Realität nicht sehen? Oder läuft er vor ihr davon? Ist das ein bewusster Schritt, damit dieser Verhandlungsprozess einfach weitergeht und man sozusagen nicht eskaliert?

Portnikov: Trump möchte zeigen, dass er realen Einfluss auf die Ereignisse hat und dass, wenn er Putin um einen Waffenstillstand bittet, dieser Waffenstillstand auch stattfindet. Er nimmt den Hörer ab, will Menschen helfen, die unter Kälte leiden, bittet Putin darum – und Putin kommt ihm natürlich entgegen. Wenn man anerkennen würde, dass Putin auf ihn spuckt, wäre das ein Schlag gegen Trumps eigene Reputation. Deshalb wird Trump in der Realität leben, in der es für ihn vorteilhaft ist zu leben.

Ich glaube nicht, dass das eine Frage des Verhandlungsprozesses oder des Nicht-Zuspitzens der Lage ist. Es ist einfach eine bestimmte Wahrnehmung der Realität. Und wir verstehen sehr gut, dass es nicht einmal um diese sieben Tage geht. Schließlich sagte Moskau die ganze Zeit, dass dieser Waffenstillstand bis zum 1. Februar gelten solle. Sie haben sich an dieses Datum gehalten, das sie sich selbst gesetzt hatten. Wir wissen nicht, wann es einen Kontakt zwischen Trump und Putin gab und ob es ihn überhaupt gab. Wir wissen nicht, ab welchem Datum sie alle gezählt haben. Es ist durchaus möglich, dass sie ab dem Datum gezählt haben, an dem es irgendeinen Kontakt zwischen Trump und Putin gab, und dass danach eine Woche verging.

Aber es geht nicht darum, sondern darum, dass Trump Putin gebeten hat, die Ukraine an den kältesten Tagen nicht zu treffen – und der letzte massive Angriff fand genau in einer Periode brutaler Kälte statt. Und das hat bei Trump, wie wir sehen, keinerlei Eindruck hinterlassen.

Das heißt, all dieses Gerede, er habe Empathie, es tue ihm leid um die Menschen – im Gegenteil, er sagte völlig zynisch, das sei großartig, dass Putin diese Woche nicht geschlagen habe, weil es sehr kalt sei. Sehr kalt. Er hat diese Schläge nicht einmal verurteilt. Darin liegt die Besonderheit dieses Moments. Er hält es nicht für nötig, Putin für Angriffe auf Zivilisten zu verurteilen – als ob er diese Angriffe für legitim hielte, weil in seinem Weltbild er, Putin und Xi Jinping die Führer der Welt sind und alles tun können, was sie wollen.

Sie erinnern sich doch: Als Putin ihm von dem angeblichen Beschuss seiner Residenz in Waldai erzählte, war Trump sehr wütend. Obwohl ich nicht verstehe, warum man wütend sein sollte, wenn in einem Krieg die Streitkräfte des Landes, das angegriffen wird, die Residenz des Oberbefehlshabers der Streitkräfte des Aggressorstaates angreifen. Wenn sie diesen Oberbefehlshaber, der am Krieg teilnimmt, tatsächlich zerstören wollen und den Gegner so enthaupten – das ist doch Logik des Krieges. Nein, Trump ärgert das, weil man ihn oder Putin nicht antasten dürfe.

Aber wenn Putin auf Zivilisten schlägt – auf Frauen, auf Kinder, auf ältere Menschen – dann kümmert Trump das nicht besonders, weil es ja nicht Putin ist, sondern ganz gewöhnliche Menschen, die aus Sicht eines Menschen, der sich als Führer der Erdkugel sieht, keine große Bedeutung haben, sondern nur ein Instrument zur Selbstverherrlichung Trumps sind. Das ist das Wesen dieser Moral, die heute in den Köpfen der Anführer ultrarechter politischer Kräfte präsent ist, die weltweit an die Macht zu kommen versuchen und den Planeten in eine Art Lager zur Verwirklichung ihrer unmenschlichen Ambitionen verwandeln wollen. Und es ist sehr traurig, dass der Präsident der Vereinigten Staaten so mit gewöhnlichen Menschen, mit ihrer Sicherheit, mit ihrer Zukunft umgeht – und zugleich so mit Putins Sicherheit umgeht.

Korrespondentin: Es stellt sich heraus, dass die Russische Föderation eine sehr bequeme Position eingenommen hat. Sie sind angeblich im Verhandlungsprozess, aber gleichzeitig schlagen sie weiter auf Zivilisten, auf Infrastruktur, auf das, was sie treffen wollen – weil sie eine große Anzahl, wie dieses Mal, ballistischer Raketen einsetzen. Das heißt: solange sie haben, was sie haben, setzen sie es ein, sie schlagen zu. Und wiederum gab es keine Reaktion Trumps. Und im Grunde gab es auch keine Reaktion der Welt als solche darauf, dass das etwas Außergewöhnliches wäre, dass in einem so riesigen…

Portnikov: Das nennt man doch den Geist von Anchorage. Den Geist von Anchorage. Vor dem Treffen mit Putin in Anchorage hoffte Trump, er könne den russischen Präsidenten überreden, das Feuer an der Frontlinie und die Bombardierungen der Ukraine einzustellen und einen Friedensprozess zu beginnen, Friedensverhandlungen, in denen er übrigens bereit war zu vermitteln – so, dass Putin komfortabel aus diesem Krieg herauskäme, zumindest indem er die Kontrolle über die besetzten ukrainischen Territorien behält, vielleicht sogar sein Kontrollgebiet vergrößert, indem ukrainische Truppen aus den Gebieten Donezk und Luhansk abgezogen werden – aus dem Teil, der nicht unter Moskaus Kontrolle steht.

Doch Putin zeigte während des Treffens in Alaska, dass er dem nicht zustimmen wird. Endgültig, könnte man sagen, zeigte er es. Und Trump stimmte im Grunde Putins Vorschlag zu, Friedensverhandlungen während des Beschusses und der Kampfhandlungen zu führen – das ist genau Putins Szenario: Zeit zu schinden, bis Donald Trump das Oval Office verlässt. Putin hat also einen einfachen Plan. Wir wissen sogar, wann dieser Plan enden soll: im Januar 2029.

Und danach wird der russische Präsident entscheiden, wie er über die Zukunft des Krieges und der Ukraine mit dem neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten verhandelt – je nachdem, wer der neue Präsident sein wird. Und dieser Präsident wird von ihm ausschließlich als eine Person wahrgenommen, mit der man Zeit schinden kann. Und er schindet Zeit. Es passiert nichts besonders Überraschendes. Wir sollten nicht über 2026 diskutieren oder darüber, was 2026 sein wird, sondern schon über 2029. Politisch gesehen befinden wir uns, aus Putins Sicht, faktisch schon darin. Das Einzige ist, dass ihm vielleicht die Ressourcen nicht reichen – dafür müssen wir kämpfen, damit er diesen Krieg nicht bis 2029 durchziehen kann.

Aber die Position ist zweifellos bequem, und ich bin der Meinung, dass Trumps Verzicht auf sein erstes Konzept nicht einmal ein Verbrechen ist, sondern ein Fehler. Mehr als ein Verbrechen: ein grober politischer Fehler. Aber von solchen Fehlern hat sich im ersten Jahr von Donald Trumps Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten schon so viel angesammelt, dass es nichts mehr zu kommentieren gibt.

Korrespondentin: Und versteht Trump wirklich, dass Putin ihn so benutzen kann, diese Zeit hinausziehen kann, im Bewusstsein, dass Trump nicht wieder Präsident sein wird und möglicherweise auch seine Partei nicht gewinnt? Oder glaubt er tatsächlich an das, was er sagt: „Alles wird bald enden, wir werden das schaffen, wir werden durchdrücken, und ich werde der sein, der noch einen Krieg beendet hat“?

Portnikov: Ich denke, Trump glaubte gerade nach Anchorage, dass Putin, wenn er Trumps Zustimmung zu Putins Idee erhielt – dass nicht ein Waffenstillstand, sondern Friedensverhandlungen den Krieg beenden sollen – dann auch einem schnellen Prozess zur Einigung über diesen Friedensvertrag zustimmen würde. In diesem Punkt haben Sie zweifellos recht. Das ist die Divergenz in den Positionen Putins und Trumps. Putin spielt auf Zeit, damit es überhaupt keine Friedensvereinbarung gibt. Und Trump meint, dass es ihm, nachdem er von seinem Konzept „erst Waffenstillstand, dann Friedensvertrag“ abgerückt ist, gelingen werde, Putin zu einer schnellen Friedensvereinbarung zu drängen. Darin liegt der Hauptkonflikt.

Korrespondentin: Noch etwas, das ich mit Ihnen besprechen wollte, ist die Geschichte, dass heute, am 5. Februar, die Wirkung des Vertrags zwischen den USA und Russland über die Reduzierung und Begrenzung strategischer offensiver Waffen offiziell beendet wurde. Und hier ist es wichtig zu verstehen, was das für die Welt bedeutet, denn dieser Vertrag wurde mehrfach neu geschlossen, verlängert – aber Stand jetzt befinden wir uns in der Zeit, in der er nicht mehr gilt. Wie kann uns das bedrohen? Denn hier geht es um nukleare Sicherheit. Lassen Sie uns darüber ein bisschen mehr sprechen.

Portnikov: Es gibt keine nukleare Sicherheit. Die Welt ist in eine neue Phase des nuklearen Wettrüstens eingetreten. Sie ist faktisch 50 Jahre zurückgekehrt. Aber man muss verstehen: Es geht hier nicht um ein amerikanisch-russisches Abkommen, es geht um China. Das ist eine Fortsetzung der Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten und China. Die Vereinigten Staaten betrachteten sich als durch dieses Abkommen gebunden und konnten daher weder ihr nukleares Potenzial erhöhen noch modernisieren. Während China – aus Sicht amerikanischer Analysten, Militärs und Politiker – sein nukleares Potenzial in den nächsten Jahren um ein Vielfaches erhöhen kann.

Die Vereinigten Staaten haben der Volksrepublik China wiederholt vorgeschlagen, sich dem amerikanisch-russischen Abkommen anzuschließen. Sowohl Amerika als auch Russland waren bereit, es zu erhalten. China lehnte mehrfach ab und sagte: „Hört zu, ihr habt ein riesiges nukleares Potenzial, wir können damit nicht gleichziehen. Wenn ihr euer nukleares Potenzial auf unseres reduziert, dann schließen wir uns an.“ Sie verstehen, dass weder die Vereinigten Staaten noch Russland einer solchen Formulierung zugestimmt haben.

Russland und die Vereinigten Staaten haben jeweils около 1500 stationierte Raketen. Insgesamt gibt es etwa 4500 Raketen in den Arsenalen. Ein bisschen mehr in Russland als in den Vereinigten Staaten, soweit ich mich an die realen Zahlen erinnere. Wir wissen nicht, wie viele dieser Raketen tatsächlich einsatzfähig sind – von diesen jeweils anderthalb Tausend stationierten und den 4500 in den Arsenalen. Bei China sind es weniger, aber wir wissen nicht, wie viele. Wir wissen nicht, wie viele es in 10 Jahren oder früher sein werden.

Jetzt werden die Vereinigten Staaten ihr nukleares Arsenal ziemlich umfassend modernisieren. Und dafür wollen sie rund eine Billion Dollar ausgeben. Fast eine Billion Dollar. Was Russland betrifft: Russland hat dieses Geld nicht. Das ist zweifellos so, obwohl seine früheren neuen Entwicklungen wie Poseidon, Oreshnik – sie fielen bereits nicht mehr unter dieses Abkommen. Das muss man verstehen. Und natürlich kann Russland meinen, es müsse den Weg der Entwicklung solcher Systeme gehen, statt den Weg der Vergrößerung seines nuklearen Arsenals oder его weiterer Erneuerung, wie es die Vereinigten Staaten tun.

Aber für Russland liegt das Problem darin, dass Russland einfach keine zusätzlichen Ressourcen hat. Die Vereinigten Staaten können es sich leisten, eine Billion Dollar für eine Umgestaltung des nuklearen Arsenals auszugeben. Russland hat, wie Sie verstehen, physisch keine Billion. Und das wären genau die Gelder, die man vom russisch-ukrainischen Krieg abziehen müsste.

Aber wenn man nachdenkt, hat Russland auch keinen Ausweg. Es kann in diesem nuklearen Wettbewerb nicht zurückbleiben, sonst verliert es den für ihm wichtigen Status als wichtigste nukleare Großmacht der heutigen Welt neben den Vereinigten Staaten. Und auf wen würde dieser Status übergehen? Auf China – was Russland nicht vorteilhaft ist.

In jedem Fall jedoch: Wenn es dieses nukleare Wettrüsten ohne Kontrolle gibt, ohne Überprüfungen, ohne Inspektionen, wenn die Seiten nicht wissen, was der andere Teilnehmer dieses Wettrüstens macht, dann steigt die Möglichkeit eines Nuklearkrieges mit Einsatz taktischer oder strategischer Kernwaffen um ein Vielfaches. Zweifeln Sie nicht daran, dass das so ist. Viele werden sagen: „Na und, was hat sich geändert?“

Nun: Als es keine gegenseitige Kontrolle gab, fand die Kuba-Krise statt. Sie erinnern sich, das ist ein historischer Fakt: Als die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten nahe am Dritten Weltkrieg waren. Die Vereinigten Staaten wollten ракeten in der Türkei stationieren, die Sowjetunion auf Kuba, direkt vor der Küste der Vereinigten Staaten. Als die Amerikaner das aus Geheimdienstinformationen erfuhren, weil es keine Kontrolle und Überprüfungen gab, begannen sie faktisch, sich auf einen Schlag vorzubereiten. Dieser Schlag hätte eine Reaktion der Sowjetunion und einen Dritten Weltkrieg auslösen können, in dem eine enorme Zahl sowohl sowjetischer Bürger als auch amerikanischer Bürger natürlich gestorben wäre. Es wäre von Millionen die Rede gewesen, wenn nicht von Dutzenden Millionen.

Dem damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten John Kennedy und dem sowjetischen Ersten Sekretär des ZK der KPdSU Nikita Chruschtschow gelang es im letzten Moment, eine Einigung zu erzielen, aber das war einfach grausam. Wir lasen später die Memoiren von Mitgliedern der sowjetischen Parteiführung, die berichteten, dass Chruschtschow buchstäblich weinte und sagte: „Wir können den Dritten Weltkrieg verlieren. Wir haben nicht so viele Kräfte wie Amerika, wenn wir gegen sie kämpfen.“

Das heißt, all das stand physisch an der Schwelle einer echten Katastrophe, als die Sowjetunion vielleicht nicht gegen die Vereinigten Staaten Krieg führen wollte – aber auch nicht nicht konnte. Und wir nähern uns heute mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 60–70 km/h genau einer solchen Situation. Aber bald wird die Geschwindigkeit auf 100–120 km steigen.

Korrespondentin: Und warum wird sie steigen?

Portnikov: Weil das Wettrüsten beginnen wird. Es hat ja noch nicht begonnen.

Korrespondentin: Also hat es nicht begonnen, weil dieses Abkommen galt.

Portnikov: Das Abkommen galt, und jetzt wird es beginnen. Gegenseitige Verdächtigungen werden beginnen, Befürchtungen. Es werden amerikanische Fragen beginnen: „Und wie arbeitet China hier mit Russland zusammen? Und bereiten sie nicht irgendeine Waffe vor, die die Vereinigten Staaten nicht haben werden?“ Und umgekehrt. Sie verstehen doch, worin die Hauptidee besteht: Wenn der Gegner eine Waffe erhält, gegen die Sie keine Antwort haben, und er Ihnen so einen nuklearen Schlag versetzen kann, ohne dass Sie antworten können, dann müssen Sie dem Erwerb dieser Waffe zuvorkommen und sie eliminieren, bevor Sie faktisch schutzlos werden. Denn derjenige, der diese Waffe zuerst bekommt – wie bei Kernwaffen oder Trägersystemen oder etwas anderem – wird den anderen seine Bedingungen diktieren, und die anderen müssen diese Waffe im Moment ihres Auftauchens vernichten. Das kann Science-Fiction sein, aber Sie verstehen doch, was die moderne Welt ist. Schon der bloße Verdacht ist eine solche Katastrophe wert.

Korrespondentin: Zum Thema der Kuba-Krise gibt es das Buch „Nukleares Wahnsinn“ von Serhii Plokhy. Von dem Letzten, was ich gelesen habe, wäre es vielleicht für unser Publikum interessant, sich daran zu erinnern: Das ist genau die Geschichte, wie das alles verlief, wie man sich einigte, wer wem was sagte – mit echten Briefen, Gesprächen, Protokollen jener Ereignisse. Und was ist überhaupt die Realität? Gibt es sie, dass sie sich doch hinsetzen und über etwas verhandeln und vielleicht dieses Abkommen verlängern? Oder hat das schon keinen Sinn mehr?

Portnikov: Worin liegt das Problem? Hier müssen schon drei Seiten verhandeln, nicht zwei. Einigen können sich nur China und die Vereinigten Staaten. Russland wird bereit sein, sich zu einigen. Putin hat absolut keine Lust, zusätzliche Milliarden für die Umrüstung des nuklearen Arsenals auszugeben. Umso mehr, wie ich noch einmal sage: Er konnte im Rahmen des bestehenden Abkommens seine Oreshniks mit Poseidon entwickeln. Das passte ihm alles. Aber die Frage ist, ob die Amerikaner sich mit den Chinesen einigen. Wenn nicht – dann wird es nichts geben.

Das heißt: Die Amerikaner haben nicht vor, sich mit den Russen zu einigen, weil mit den Russen in Bezug auf genau dieses Abkommen – so seltsam es auch klingt – alles geklärt ist. Sie haben keine Vereinbarung mit den Chinesen. Sie brauchen ein Abkommen, das die Entwicklung des chinesischen nuklearen Arsenals blockieren würde oder zumindest die Möglichkeit von Überprüfungen gäbe.

Hier liegt ja auch noch das Problem: Sie haben keinen Zugang zum chinesischen nuklearen Arsenal, wie sie ihn zu einem gewissen Grad zum russischen hatten. Dort sind die Überprüfungen übrigens längst eingestellt worden, aber formal waren sie da. Ich sehe daher leider keine realen Möglichkeiten, hier eine gemeinsame Sprache zu finden, bis zu dem Moment, in dem das nukleare Arsenal Chinas dem nuklearen Arsenal der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation gleich sein wird.

Korrespondentin: Es gab Informationen, dass ein Vertreter Frankreichs, ein Vertreter des französischen Präsidenten Macron, sich in der Russischen Föderation mit Ushakov getroffen hat. Und Bloomberg schreibt, dass Macrons Vertreter mit einer Botschaft nach Moskau gefahren sei, dass die Europäer einer Kapitulation der Ukraine nicht zustimmen werden. Könnte das wirklich Gegenstand ihres Gesprächs gewesen sein, oder könnten sie über etwas anderes sprechen?

Portnikov: Nein, ich denke, sie sprachen darüber. Warum nicht? Macron kann in Kontakten mit Putin wünschen, als Vertreter eines vereinten Europas aufzutreten, das klar sagt: „Selbst wenn du mit Trump über etwas verhandeln wirst, wird es dir nicht gelingen, uns zu umgehen, weil wir der Ukraine helfen werden, selbst wenn Trump auf diese Hilfe verzichtet. Und deshalb musst du dich mit uns einigen und nicht mit ihm. Ohne uns wird dir nichts gelingen. Du wirst die Ukraine nicht bekommen, und komfortable Bedingungen für ein Kriegsende wirst du auch nicht bekommen.“

Das wäre also ein absolut logisches Gespräch. „Und wenn du dich auf unsere Weise einigst, aufhörst zu kämpfen, dann könnten es dort solche und solche Sanktionserleichterungen geben.“ Ich denke, das ist absolut real.

Korrespondentin: Wie wird Russland wahrscheinlich darauf reagieren?

Portnikov: Das können wir nicht wissen. Das hängt, wie immer, vom wirtschaftlichen Potenzial Russlands und von Putins Bereitschaft ab, die Realität zu verstehen.

Korrespondentin: Und wie stark kann der Einfluss Frankreichs auf die Russische Föderation sein – auf ihre Entscheidungen, auf Putin?

Portnikov: Das ist ja nicht nur Frankreich, das ist Europa als solches. Ich sage noch einmal: Ich denke, Macrons Idee ist, dass er im Namen Europas spricht; dass dies ein Gespräch über Sanktionen ist, über SWIFT, über eingefrorene Vermögenswerte, über Geld für die Ukraine, über europäische Waffen für die Ukraine – über alles. Andere europäische Führer sprechen aktuell nicht mit Putin, das bedeutet, dass Macron faktisch über dieses gesamte Problemfeld sprechen kann.

Korrespondentin: Die nächste Verhandlungsphase, von der Volodymyr Zelensky sagte, sie könne in den Vereinigten Staaten von Amerika stattfinden – was können wir davon erwarten? Also werden es wieder Gespräche darüber sein, dass man weiter verhandeln wird, oder könnte es endlich zu einem Durchbruch kommen?

Portnikov: Ich wiederhole noch einmal: Jeder Durchbruch hängt vom politischen Willen ab, den Krieg zu beenden. Unter Bedingungen eines fehlenden politischen Willens, den Krieg zu beenden, spielen keine Runden von Verhandlungen irgendeine Rolle. Wenn es eine politische Entscheidung gibt, den Krieg zu beenden, wird das völlig anders aussehen.


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Titel des Originals: Путін вигадує умови капітуляції | Віталій Портников. 06.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 06.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Die Gespräche in Abu Dhabi: Ergebnisse | Vitaly Portnikov. 05.02.2026.

Der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, bezeichnet die jüngste Runde der russisch-ukrainisch-amerikanischen Verhandlungen als konstruktiv. Der Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, Rustem Umjerow, betont, dass die Seiten über Parameter eines Waffenstillstands und über die Kontrolle der Kampfhandlungen gesprochen hätten. Auch der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, unterstreicht, dass es bald zu neuen Treffen kommen könne – diesmal in den Vereinigten Staaten. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse jener Verhandlungsrunde, die zwischen den russischen, ukrainischen und amerikanischen Delegationen stattgefunden hat.

Natürlich war für jene Menschen, die ihre Angehörigen aus russischer Gefangenschaft zurückerwartet haben, genau dies das tatsächliche Ergebnis der Gespräche. Zum ersten Mal seit langer Zeit fand ein solcher Austausch statt, und man möchte jene beglückwünschen, die aus russischen Gefängnissen freigekommen sind, ebenso wie ihre Familien und Freunde, die die Freiheit ihrer Angehörigen erleben durften. Zugleich verstehen wir jedoch sehr gut, dass ein Gefangenenaustausch während laufender Verhandlungen auch ein Zeichen dafür ist, dass der Präsident Russlands keinerlei konkrete politische Entscheidungen zu treffen beabsichtigt und – für ihn bereits typisch – das Fehlen eines echten politischen Prozesses durch eine humanitäre Schiene ersetzt.

Selbstverständlich können die Seiten auch Details im Zusammenhang mit einem Waffenstillstand erörtern. Doch man sollte sich daran erinnern, dass ein Waffenstillstand im Sinne des sogenannten „Geistes von Anchorage“, als Trump faktisch auf die Idee verzichtete, zuerst einen Waffenstillstand und danach einen Friedensprozess einzuleiten und stattdessen Putins Variante akzeptierte – nämlich dass „Friedensverhandlungen während des Krieges stattfinden können“ – die Krönung einer bereits vereinbarten Friedensregelung sein müsste. Doch es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Seiten eine Friedensvereinbarung ausgehandelt oder sich auf deren Parameter geeinigt hätten. Das ist nicht der Fall.

Aus den Verhandlungen dringen vielmehr recht seltsame Gerüchte nach außen. So heißt es etwa, dass die Russische Föderation nun nicht nur den Abzug der ukrainischen Truppen aus jenen Teilen der Gebiete Donezk und Luhansk fordere, die unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung stehen, sondern auch die internationale Anerkennung der Zugehörigkeit des Donbass zur Russischen Föderation verlange. Wir verstehen, dass es für westliche Staaten, insbesondere für die Vereinigten Staaten, äußerst schwierig wäre, einer solchen Entscheidung zuzustimmen, da sie die Normen des internationalen Rechts untergraben würde. Es ist eine Sache, sich auf eine faktische Kontrolle Russlands über bestimmte ukrainische Gebiete zu verständigen. Eine völlig andere ist es jedoch, einer internationalen Anerkennung der Tatsache zuzustimmen, dass ein Staat sich das Territorium eines anderen Staates angeeignet hat.

Doch genau das will Russland. Denn wenn die Vereinigten Staaten und die NATO-Staaten anerkennen würden, dass die Gebiete Donezk und Luhansk der Ukraine tatsächlich Subjekte der Russischen Föderation seien, würde dies in Zukunft die Anwendung der sogenannten Salami-Taktik ermöglichen: die Annexion von Regionen benachbarter Staaten mit anschließender Forderung nach internationaler Anerkennung ihrer Zugehörigkeit zu Russland. Der Präzedenzfall wäre geschaffen – der Donbass wäre anerkannt – und dies wäre ein bedeutender diplomatischer Erfolg für den russischen Präsidenten.

Es stellt sich jedoch die Frage: Ist Putin wirklich so naiv und erkennt nicht, dass dem niemand zustimmen wird, wenn selbst die Unabhängigkeit Abchasiens und Südossetiens von kaum einem Staat der Welt anerkannt wurde? Selbst einige der wenigen Staaten, mit denen Russland entsprechende Anerkennungen vereinbart hatte, zogen diese später zurück. 

Nein, Putin dürfte das sehr wohl verstehen, geht jedoch möglicherweise von einer anderen Logik aus. Wenn sich etwa eine reale Kompromisslösung zur Präsenz ukrainischer Truppen im Gebiet Donezk abzeichnen sollte – etwa wenn ernsthaft über den von Jared Kushner und Steve Witkoff vorgeschlagenen Plan einer Freihandelszone gesprochen würde –, dann würde dies bedeuten, dass man einem Kriegsende zustimmen müsste.

Genau das ist jedoch nicht Teil von Putins Plänen. Sein Plan besteht darin, den Krieg so lange hinauszuzögern, bis Donald Trump das Oval Office verlässt – also bis Januar 2029, nicht etwa bis Februar 2026, Gott bewahre. Und deshalb muss Putin eine neue Bedingung erfinden, über die die Verhandlungsteilnehmer diskutieren sollen. Eine solche Bedingung könnte die internationale Anerkennung des russischen Status der Gebiete Donezk und Luhansk der Ukraine sein. Interessant ist dabei, warum nur der Donbass genannt wird und nicht auch die Krim.

Da der russische Präsident sehr gut versteht, dass dem niemand zustimmen wird – oder zumindest viele Staaten nicht –, kann er die Verhandlungen ruhig fortsetzen und hoffen, dass sie sich weiter in die Länge ziehen. Die einzige Frage ist, inwieweit der Präsident der Vereinigten Staaten an einem solchen Hinauszögern interessiert ist, nachdem er nach dieser Runde in Abu Dhabi erneut erklärte, Russland und die Ukraine stünden kurz vor dem Ende des Krieges.

Zwar hat Trump solche optimistischen Aussagen bereits mehrfach gemacht, doch inzwischen klingen sie aus seinem Mund deutlich lauter und überzeugender als noch vor einigen Wochen. Er erklärt, er habe nie mit einer solchen Zuversicht über die Möglichkeit eines Kriegsendes gesprochen. Das bedeutet, dass er auf reale Kompromisse von Putin hofft. Doch bislang sehen wir keinerlei solcher Kompromisse.

Daher kann auch das Bestreben der Amerikaner, die Treffen in die Vereinigten Staaten zu verlegen, als Zeichen dafür gewertet werden, dass sie sich aktiver in diesen Friedensprozess einbringen und ernsthafter mit Russland über ein tatsächliches Ende der Kampfhandlungen zwischen Russland und der Ukraine sprechen wollen. Umso mehr, als diese letzte Verhandlungsrunde auch vor dem Hintergrund des Auslaufens des russisch-amerikanischen Abkommens zur Reduzierung nuklearer Waffen stattfand.

De facto sind Russland und die Vereinigten Staaten – gemeinsam mit China – an einen Punkt gelangt, an dem ein echter Wettbewerb im Bereich der nuklearen Rüstung beginnt. Für Russland bedeutet dies die Suche nach konkreten Milliardenbeträgen für den Ausbau und die Modernisierung seines Nukleararsenals, wozu die Russische Föderation derzeit offensichtlich nicht bereit ist. Und deshalb könnte Trump annehmen, dass Putin vor dem Hintergrund dieser Situation – in der Amerika über ausreichende finanzielle Mittel zur Erweiterung seiner nuklearen Fähigkeiten verfügt, Russland jedoch nicht – ebenfalls an einer Verständigung mit den Vereinigten Staaten interessiert sein könnte.

Doch erneut könnten Trumps Hoffnungen auf rationales Denken Putins – sowohl im Kontext des russisch-ukrainischen Krieges als auch im Hinblick auf das nukleare Potenzial – mit der Realität kollidieren, in der wir keinerlei Rationalität in den Entscheidungen Putins erkennen können.


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Titel des Originals: Перемовини в Абу-Дабі: підсумки | Віталій Портников. 05.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 05.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Eine neue nukleare Eskalation hat begonnen | Vitaly Portnikov. 05.02.2026.

Heute ist offiziell das Abkommen über die Begrenzung nuklearer Rüstungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation außer Kraft getreten. Der Hauptinitiator der Nichtverlängerung dieses Abkommens waren gerade die Vereinigten Staaten. Und der Grund dafür liegt nicht in Russland, sondern in der Volksrepublik China. In Washington befürchtet man, dass China in den kommenden Jahren sein nukleares Potenzial um ein Vielfaches ausbauen wird, während die Vereinigten Staaten nicht in der Lage sein werden, mit einer Modernisierung und Vergrößerung ihres eigenen Nukleararsenals zu reagieren – schlicht deshalb, weil sie durch die Bestimmungen des Abkommens mit der Russischen Föderation eingeschränkt wären, das noch von den Präsidenten Barack Obama und Dmitri Medwedew unterzeichnet worden war.

Die Vereinigten Staaten haben der Volksrepublik China wiederholt vorgeschlagen, dem Abkommen beizutreten. Peking antwortete jedoch stets mit einer Ablehnung und betonte, dass sein nukleares Potenzial nicht einmal annähernd mit dem der Vereinigten Staaten und Russlands vergleichbar sei – diese sollten also ihre nuklearen Waffen reduzieren.

In Wirklichkeit aber kennt niemand genau das tatsächliche Ausmaß des chinesischen Nukleararsenals, ebenso wenig wie das Tempo, mit dem Peking – an keinerlei internationale Abkommen gebunden – sein Arsenal in den kommenden Jahren und Jahrzehnten ausbauen kann. Damit ist die Welt heute in die gefährlichsten Zeiten des Kalten Krieges zurückgekehrt, an die wir uns bereits gewöhnt hatten, nicht mehr zu denken.

Nun kann jeder Nuklearstaat sein Potenzial ohne jegliche Kontrolle durch andere erhöhen und ausbauen. Niemand wird den nuklearen Bestand der Vereinigten Staaten oder den der Russischen Föderation überprüfen können. Bereits jetzt ist offensichtlich, dass die Vereinigten Staaten unverzüglich mit der Modernisierung und Erweiterung ihres Nukleararsenals beginnen werden. Experten schätzen die dafür notwendigen Kosten bereits auf nahezu eine Billion Dollar.

In Russland ist die Situation natürlich eine andere. Trotz der Drohungen des ehemaligen Präsidenten und heutigen stellvertretenden Vorsitzenden des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, Dmitri Medwedew, der der Welt mit einem nuklearen Winter droht, ist offensichtlich, dass Russland nur über sehr begrenzte Ressourcen verfügt, um sein nukleares Potenzial auszubauen. Das Geld dafür ist derzeit schlicht nicht vorhanden.

Derzeit verfügen die Russische Föderation und die Vereinigten Staaten über die gleiche Anzahl einsatzbereiter nuklearer Raketen, und hinsichtlich der Gesamtzahl der im Arsenal vorhandenen Nuklearraketen liegt Russland sogar geringfügig vor den Vereinigten Staaten. Allerdings weiß natürlich niemand, welche dieser Raketen – sowohl auf russischer als auch auf amerikanischer Seite – im Falle eines nuklearen Krieges zwischen zwei Supermächten tatsächlich einsatzfähig wären.

Die Vereinigten Staaten haben jedoch deutlich größere Möglichkeiten, die Zahl ihrer Raketen zu erhöhen, da sie über reale finanzielle Mittel verfügen. Russland hat solche Mittel nicht, aber auch keine Alternative. Russland wird ebenfalls gezwungen sein, Milliarden Dollar in die Modernisierung und den Ausbau seines Nukleararsenals zu investieren, wenn es nicht hinter die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China zurückfallen will.

Darüber hinaus muss man verstehen, dass neue russische Systeme wie „Poseidon“ oder „Oreschnik“ ohnehin nicht unter das inzwischen nicht mehr existierende Abkommen fielen. Nun erhält die Russische Föderation eine rechtliche Möglichkeit, diese Systeme weiterzuentwickeln und ihre Zahl zu erhöhen – ebenso wie den nuklearen Erpressungsdruck im russisch-ukrainischen Krieg zu verstärken.

Selbstverständlich wird ein solches nukleares Wettrüsten auch andere Staaten mit Nuklearwaffen dazu anregen, ihre Arsenale auszubauen und zu modernisieren. So besteht etwa in nuklear bewaffneten Ländern wie Großbritannien und Frankreich zunehmend Zweifel daran, dass die Vereinigten Staaten im Falle eines möglichen Konflikts mit Russland oder sogar mit der Volksrepublik China ein verlässlicher Schutzgarant sein werden. Damit wird die strategische Autonomie Europas zu einer wichtigen Aufgabe für die kommenden Jahre und Jahrzehnte.

Wir verstehen, dass europäische Länder in dieser Situation ebenfalls ihre Anstrengungen bündeln müssen, um ihr eigenes nukleares Potenzial zu erhöhen. Und wie immer in solchen Situationen können Misstrauen gegenüber den Absichten des Gegners – insbesondere bei fehlender klarer und verlässlicher Information – die Welt jederzeit an den Rand eines realen nuklearen Konflikts zwischen Supermächten bringen, mit der Perspektive der Vernichtung von Milliarden Menschen und der Bombardierung sowohl militärischer Objekte als auch der Hauptstädte der verfeindeten Staaten.

Das ist keine Übertreibung, denn Ähnliches hat es bereits im 20. Jahrhundert gegeben. Die berühmte Kubakrise entstand, weil die Sowjetunion die Stärkung des nuklearen Potenzials der Vereinigten Staaten und deren Möglichkeiten im Zusammenhang mit der möglichen Stationierung amerikanischer Raketen in der Türkei fürchtete. Die Vereinigten Staaten wiederum waren weit mehr über die Möglichkeit besorgt, sowjetische Raketen auf Kuba zu stationieren. Wie bekannt ist, führte die Entscheidung des Ersten Sekretärs des Zentralkomitees der KPdSU, Nikita Chruschtschow, solche Raketen zu stationieren – potenzielle Träger von Nuklearwaffen – beinahe zu einem echten bewaffneten Konflikt zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten.

Mit großen Schwierigkeiten gelang es Nikita Chruschtschow und dem jungen amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, der noch kein erfahrener Meister der großen Politik war, diesen Konflikt zu entschärfen – einen Konflikt, den viele Beobachter bereits als reale und unmittelbare Vorstufe eines Dritten Weltkriegs unter Einsatz strategischer Nuklearwaffen betrachteten. Und genau einer solchen Entwicklung nähern wir uns heute erneut sehr rasch.

Doch diesmal werden es nicht zwei, sondern höchstwahrscheinlich drei Supermächte sein – die Vereinigten Staaten, die Russische Föderation und die Volksrepublik China. Denn unter den Bedingungen des Auslaufens des russisch-amerikanischen Abkommens wird China dies zweifellos als Bedrohung seiner eigenen Sicherheit betrachten und sein nukleares Potenzial in weit größerem Tempo ausbauen als bisher.

Angesichts der Art von Menschen, die heute die drei größten Nuklearmächte der Welt regieren, lassen sich praktisch alle Szenarien einer realen Eskalation der nuklearen Bedrohung prognostizieren. In dieser Situation ist uns selbstverständlich bewusst, dass auch der russisch-ukrainische Krieg – für den es derzeit keine objektiven Voraussetzungen für ein Ende gibt – einer der Auslöser für das rasche Abrutschen der Nuklearstaaten in einen direkten Konflikt miteinander ist. Schon deshalb müssten die Vereinigten Staaten ein Interesse daran haben, den russisch-ukrainischen Konflikt in den kommenden Jahren zu regeln, selbst wenn Donald Trump und Vertreter seiner Administration den Zusammenhang dieses Krieges mit der nuklearen Bedrohung für die Vereinigten Staaten selbst nicht erkennen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Почалася нова ядерна ескалація | Віталій Портников. 05.02.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 05.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump: Putin will nicht aufhören | Vitaly Portnikov. 07.11.2025.

Während der heutigen Gespräche mit seinem Lieblingsschützling, dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, sagte der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, dass das Treffen mit Putin in Budapest gerade deshalb abgesagt worden sei, weil der russische Präsident nicht vorhabe, seinen Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Für Donald Trump ist das, man könnte sagen, eine echte politische Entdeckung. Denn sowohl während seines Wahlkampfs als auch in den ersten Wochen seiner Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten war Donald Trump gerade davon überzeugt, dass das Aufhören im Krieg ein wichtiges Anliegen des russischen Präsidenten sei und seine Hauptaufgabe darin bestehe, Putin so wunderbare Bedingungen anzubieten, unter denen der russische Führer diesen Krieg beenden könnte.

Trump behauptet weiterhin, dies sei Bidens Krieg, obwohl dieser Krieg nie Bidens Krieg war. Mehr noch: Der vorherige Präsident der Vereinigten Staaten versuchte gerade, sich mit Putin so zu einigen, dass der russische Präsident seinen Angriff auf die Ukraine gar nicht erst beginne. Und zwar fanden die Versuche, Wege der Verständigung zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation auf Präsidentenebene zu finden, sogar dann statt, als die amerikanischen Geheimdienste genaue Informationen über Russlands Absicht hatten, die gesamte Ukraine anzugreifen und die Regierung unseres Landes durch eine Marionettenverwaltung unter der Führung der Verräter Wiktor Janukowytsch und Wiktor Medwedtschuk zu ersetzen.

Trump redete sich jedoch weiter selbst und anderen ein, dass Biden mit seiner Weigerung, mit Putin zu sprechen, die Sache bis zu einem großen Krieg getrieben habe, dass Biden mit Putin auch nach dem tragischen Angriff Russlands auf die Ukraine hätte weiterreden müssen, dass gerade das Fehlen von Bedingungen, unter denen Putin den Krieg beenden sollte, zu seiner Verschleppung auf fast vier Jahre ununterbrochener Kampfhandlungen an der russisch-ukrainischen Front geführt habe. Wir erinnern uns, dass Trump Putin aus Sicht des amerikanischen Präsidenten prestigeträchtige Bedingungen für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges vorgeschlagen hat. Dazu gehörten die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland, die Rückgabe der in westlichen Banken eingefrorenen russischen Vermögenswerte und die Zustimmung dazu, dass Russland die Kontrolle über jene Gebiete behält, die es seit 2014 besetzt hat. Mehr noch: Der Präsident der Vereinigten Staaten war faktisch damit einverstanden, zusammen mit dem Präsidenten der Russischen Föderation an der Zerstörung der Weltordnung mitzuwirken, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Denn wir verstehen: Hätten die Vereinigten Staaten den russischen Status der Krim anerkannt, könnte man einen Punkt hinter die Nachkriegsgeschichte der Menschheit setzen und wir hätten uns im Eiltempo auf den Dritten Weltkrieg zubewegt. Obwohl vielleicht Trump selbst sowie sein inkompetentes Umfeld und allerlei professionelle Anpasser, die glauben, dass man für die Macht nicht einmal die Prinzipien – wobei ich gar nicht denke, dass Anpasser überhaupt Prinzipien haben – sondern den gesunden Menschenverstand verraten kann, das anders sehen mögen.

Zu Trumps Erstaunen jedoch ging Putin auf diese Bedingungen nicht ein – schlicht deshalb, weil es ihn überhaupt nicht interessiert, den Krieg auf irgendwelchen Territorien zu beenden, auf denen sich seine Banditenarmee befindet und die er (diese Territorien) bereits in marginale Regionen verwandelt hat, die ihm weder wirtschaftlichen noch politischen Nutzen bringen werden. Der russische Präsident braucht die ganze Ukraine. Und nur unter der Bedingung der vollständigen Übertragung der Kontrolle über alle ukrainischen Territorien auf ihn ist er bereit, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Mir scheint, dass dies eine offensichtliche Wahrheit ist, die jeder begreifen muss, der es mit dem russisch-ukrainischen Krieg zu tun hat. Das ist kein Krieg um Pokrowsk, Slowjansk, Kramatorsk – das ist ein Krieg um Uschhorod, Lwiw, Kowyl, andere Grenzstädte. Genau dort soll die russische Armee stehen. Genau dort sollen die russischen Trikoloren wehen. Genau dort sollen russische Raketen auf Europa gerichtet sein. Das ist es, was in Putins Vorstellung das wahre Finale des Krieges ist – eines, das des russischen Soldaten würdig ist, des russischen Präsidenten würdig, des russischen Volkes würdig.

Und eben das war der Präsident der Vereinigten Staaten nicht imstande zu verstehen, als er dem russischen Präsidenten aus Putins Sicht demütigende Bedingungen für die Beendigung des Krieges anbot. „Nimm dir Donezk mit Luhansk und beruhige dich.“ Putin verstand allerdings sehr gut, dass Trump nicht vorhatte, ihn zu demütigen. Er stimmte den Vorschlägen nicht zu, die vom völligen Unverständnis des Präsidenten der Vereinigten Staaten für die Welt zeugten, in der er sich nach seiner Rückkehr ins Oval Office wiederfand. Zugleich jedoch machte Putin bei jedem Telefongespräch mit Trump mit der Meisterschaft eines Tscheka-Verhörers, der weiß, mit was für einem Kunden er es diesmal zu tun hat, und mit der Gewandtheit eines Hütchenspielers, der einem misstrauischen Passanten neue Spielmöglichkeiten zu verkaufen vermag, Trump Komplimente, erzählte, welch wichtige Dinge der amerikanische Präsident-Friedensstifter tue, und wie gerührt Putin von den Briefen seiner Frau sei – kurz, er tat alles, um den Präsidenten der Vereinigten Staaten zumindest von neuen Sanktionen gegen die Russische Föderation und von neuer Militärhilfe für die Ukraine abzuhalten. Dass es Putin gelang, Trump zehn Monate lang von neuen Sanktionen abzuhalten, kann man als glänzenden diplomatischen Sieg des russischen Präsidenten über den amerikanischen ansehen. Doch das konnte am Ende auch nicht ewig so weitergehen. Dass die Vereinigten Staaten der Ukraine bis heute mit Waffen mithilfe europäischen Geldes zu helfen gedenken und nicht mit eigener Beteiligung, ist eine Fortsetzung von Putins glänzenden diplomatischen Siegen über Trump. Ja, er nutzt, kann man sagen, Trumps Geiz und seine absolut hundertprozentige Inkompetenz in der Politik aus. Aber deswegen hört Putins Sieg nicht auf, ein Sieg zu sein.

Gleichzeitig aber können wir nicht übersehen, dass Trump beginnt, der Wahrheit ins Auge zu blicken. Zehn Monate sind vergangen, und er erkennt, dass Putin den Krieg nicht deshalb nicht beendet, weil man ihm irgendwelche falschen Bedingungen angeboten hat, sondern weil der russische Präsident einfach nicht aufhören will. Und damit – wenn Trump als Friedensstifter erscheinen will, und das ist für ihn dringend nötig, denn das Bild des Friedensstifters ist erstens mit der Selbsteinschätzung des amerikanischen Präsidenten verbunden, der weiter von einem Friedensnobelpreis träumt, und zweitens mit dem Wunsch, die Nachwahlen zum amerikanischen Kongress zu gewinnen. Dabei verstehen wir, dass sich die Lage der Vereinigten Staaten mit jedem Tag des Tauziehens zwischen Demokraten und Republikanern, mit jedem Tag des Shutdowns, mit jedem Tag der absolut inkompetenten Zölle dieser Administration wirtschaftlichen Problemen nähert. Somit wird Trump seine Reputation zumindest mit einem außenpolitischen Sieg untermauern müssen.

Wir haben immer gesagt, dass es einen Endtermin gibt, bis zu dem Trump wenigstens das Feuer an der russisch-ukrainischen Front beenden möchte – das ist der November 2026, die Nachwahlen zum Kongress. Gelingt es den Demokraten, die Kontrolle über beide Kongresskammern zu übernehmen, dann ist das erste, was sie tun werden: ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump vorbereiten, in der Hoffnung, ihn nach seiner Entlassung aus dem Präsidentenamt ins Gefängnis zu schicken. In Amerika tobt jetzt ein Kampf auf Leben und Tod. Man versteht dort sehr wohl, dass er, wenn er die Kontrolle über den Kongress verliert und danach der demokratische Kandidat die Präsidentschaftswahl gewinnt, seine Tage nicht in Mar-a-Lago, sondern in einer schmutzigen Gefängniszelle beenden wird. Und das ist keine Übertreibung. Das ist das, was wir im Falle seiner Niederlage sehen werden. Daher muss Trump gewinnen – oder eine Diktatur errichten, die der amerikanischen Demokratie ein für alle Mal ein Ende setzt. Aber gewinnen ist einfacher, als eine Diktatur zu errichten.

Es gibt noch einen Termin, den Januar 2026. Was ist das für ein Datum, werden Sie fragen? Das ist die Zeit, in der die sogenannte Shortlist der Kandidaten für den Nobelpreis in allen Disziplinen erstellt wird, auch die Shortlist der Kandidaten für den Friedensnobelpreis. Wenn man nicht auf diese Shortlist kommt, kann man den Nobelpreis im Oktober 2026 nicht erhalten. Deshalb hat es mich so gewundert, als es die Rede davon war, dass Trump im Oktober 2025 den Nobelpreis bekommen könne. Warum um Himmels willen? Um den Friedensnobelpreis im Oktober 2025 zu erhalten, hätte Donald Trump im Januar 2025 – also im Monat seiner Amtseinführung als Präsident der Vereinigten Staaten – auf die Shortlist der Aspiranten für den Nobelpreis kommen müssen. Können Sie sich das vorstellen? Sie fragen vielleicht, warum Donald Trump überhaupt hoffte, dort zu landen, wenn er genau wusste, dass er im Januar 2025 keinerlei Chancen hatte, auf eine solche Liste zu kommen? Er hatte ja überhaupt noch nichts geschafft. Nicht einmal diese seine „acht Kriege“, mit denen er bei jeder Gelegenheit prahlt, hatte er beenden können, einfach weil er noch nicht Präsident der Vereinigten Staaten war. Ich kann Ihnen diese Frage beantworten. Barack Obama kam seinerzeit im Januar – dem Monat seiner Amtseinführung in die erste Amtszeit als US-Präsident – irgendwie auf diese Shortlist und erhielt im Oktober den Preis. Und Trump hat in dem, ich würde sagen, kognitiven Zustand, in dem er sich befindet, nur eine Frage: „Wenn Obama den Preis bekommen hat, als er faktisch noch gar nicht Präsident war, warum kann ich ihn dann nicht bekommen?“ Die Antwort ist einfach. Erstens ist Trump nicht Obama, er hat keinerlei Popularität in den akademischen Kreisen Norwegens, die den Laureaten des Nobelpreises bestimmen, und die meisten Mitglieder des Nobelkomitees stehen dem amtierenden amerikanischen Präsidenten mit unverhohlener Abneigung gegenüber. Zweitens hat das Nobelkomitee im Unterschied zu Obama, der damals seine Tätigkeit als Präsident der Vereinigten Staaten erst begann, bei Trump, dem für eine zweite Amtszeit gewählten Präsidenten, ein klares Verständnis seiner Friedensbemühungen und Möglichkeiten aus seiner vorigen Zeit im Weißen Haus. Und wenn man ihm bereits nicht den Preis für sein offensichtliches Verdienst in Form der Abraham-Abkommen und der Normalisierung der Beziehungen Israels mit einer Reihe arabischer Länder – wichtigen arabischen Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, wie Marokko – verliehen hat, dann hätte natürlich niemand Trump auf die Shortlist der Nobelpreiskandidaten gesetzt, als er gerade seine zweite Amtszeit antrat. Aber gut, das ist so ein Punkt, der erklären kann, warum Trump es eilig hatte, warum er dieses Treffen in Budapest so nötig hatte und warum er hoffte, dass Putin schließlich verstehen würde, warum er da eilt.

Warum bleiben wir überhaupt bei diesen Worten Donald Trumps stehen, dass er begriffen habe, Putin wolle den Krieg nicht beenden? Weil nun der Ansatz zum Krieg seitens des amerikanischen Präsidenten ein anderer sein wird als bisher. Und das sahen wir übrigens an den ersten Sanktionen Trumps, die nach zehn Monaten schändlichen Zauderns gegen die Russische Föderation verhängt wurden. Es sind Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil. Das sind ernsthafte Sanktionen. Dass heute im Weißen Haus Viktor Orbán aufgetaucht ist, um Trump zu überreden, dem amerikanischen Präsidenten in bester Tradition des ungarischen Ministerpräsidenten ganz verlogen zu erklären, dass Ungarn Öl auf keine andere Weise beziehen könne – das ist eine Lüge. Es kann, vielleicht nicht über die Druschba-Pipeline, aber über die Adria-Pipeline. Doch warum, werden Sie fragen, interessierten Orbán Sanktionen gegen andere russische Unternehmen wie Surgutneftegas und Gazpromneft nicht, während ihn die Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil so sehr interessierten, dass er begann, Trump zu bitten, die Beschränkungen für Ungarn aufzuheben? Ich kann Ihnen sagen, warum. Weil jene die letzten Sanktionen Bidens waren und dies die ersten Sanktionen Trumps sind. Und Orbán, als erfahrener, starker Politiker, versteht sehr gut, dass es Trump völlig gleichgültig war, wie die Sanktionen Bidens umgesetzt werden. Und er konnte Sanktionen Bidens insgesamt als Problem für seine eigenen Absprachen mit Putin betrachten und es vorziehen, wenn Russland sie umgeht. So tobt Putin nicht gegen ihn und ist bereit, seine prestigeträchtigen Friedensbedingungen anzunehmen. Was jedoch die eigenen Sanktionen betrifft, kann Trump natürlich darauf achten, wie sie umgesetzt werden. Und wenn Ungarn die Sanktionen Trumps demonstrativ – selbst mithilfe verdeckter Mechanismen – umgehen wird, könnte das Orbán die Gunst des amerikanischen Präsidenten kosten. Und die Gunst des amerikanischen Präsidenten braucht der ungarische Ministerpräsident, der alle Chancen hat, bei den Parlamentswahlen 2026 die Macht zu verlieren. Und ich sage Ihnen klipp und klar: Wenn Orbán die Macht in Ungarn verliert, erwartet ihn dasselbe Schicksal, das Trump erwartet, wenn er die Macht in Amerika verliert: Antikorruptionsprozesse, Gefängnis. Orbán wird seine Tage nicht als Oppositionsführer beschließen – ich meine politische Tage –, er wird sie in einer Gefängniszelle beenden. Dorthin will Orbán nicht. Orbán will Ungarn so lange regieren, bis er sicher ist, dass ihm nichts Schlimmes passiert. Und genau deshalb ist er zu Trump gekommen, damit der Präsident der Vereinigten Staaten offiziell diese Sanktionen aufhebt, die für die wirtschaftliche Lage in Ungarn durchaus schwerwiegend sein könnten. Vor allem deshalb, weil die Umstellung auf die kroatische Pipeline die Umstellung auf teureres Öl als das russische bedeutet – mit entsprechenden wirtschaftlichen Folgen vor den Wahlen. Orbán könnte den bescheidenen Wunsch haben, dass Trump ihm eine Übergangszeit einräumt, damit er nach den Parlamentswahlen ruhig auf russisches Öl verzichten und den Ungarn, die für ihn stimmen, die lange Nase drehen kann. Ich weiß nicht, was Trump entscheiden wird, aber ich erzähle von diesem Besuch Orbáns ausschließlich unter dem Gesichtspunkt, dass die Furcht vor diesen Sanktionen weitaus größer ist als vor den vorherigen.

Obwohl auch diese Sanktionen Bidens als recht ernst für die Zukunft der russischen Wirtschaft galten. Doch wie Sie sehen, hat Russland alle Möglichkeiten und Ressourcen gefunden – sowohl mithilfe einer Schattenflotte als auch mit Hilfe von Zwischenfirmen –, Öl so weiter zu liefern, wie es nötig war. Bereits nach einem Monat oder zwei waren all diese Probleme gelöst. Die Sanktionen Bidens haben sich weder ernsthaft auf den russischen Haushalt noch auf Putins Wunsch ausgewirkt, den Krieg bis zur vollständigen Liquidierung der Ukraine und der Ukrainer fortzusetzen. Mit diesen Sanktionen könnte es anders sein. Trump sagt weiterhin, er hoffe, dass Putin den Wunsch haben werde, anzuhalten, doch dem amerikanischen Präsidenten ist bereits klar, dass dieser Wunsch nur infolge von Druck entstehen kann. Druck nicht auf die Ukraine, Druck auf Russland. Und in dieser Situation scheint mir völlig offensichtlich, dass der Präsident der Vereinigten Staaten seinen Sanktionsdruck auf Moskau, auf den Präsidenten der Russischen Föderation, fortsetzen wird. Erstens werden eben diese Sanktionen im November verhängt, wenn Putin keine neuen Ideen anbietet. Zweitens habe ich keinen Zweifel daran, dass neue Sanktionen folgen werden, wenn es keinerlei Fortschritt gibt. Drittens wird Trump tatsächlich versuchen, Putin bis Januar zu einem Waffenstillstand zu zwingen – um auf die Shortlist zu kommen. Und wenn das bis Januar nicht geschieht, könnte der Druck nach Januar noch stärker werden, weil es dann nicht mehr um ein Spielzeug, sondern um Machterhalt, das heißt um Freiheit, geht. Verstehen Sie den Unterschied zwischen einem Spielzeug und der Freiheit? Und das könnte für den Präsidenten der Vereinigten Staaten eine ziemlich ernsthafte Motivation sein.

Allerdings sage ich gleich, dass ich grundsätzlich nicht weiß, inwieweit der Präsident der Vereinigten Staaten überhaupt über ein wirtschaftliches Instrument verfügt, das den Präsidenten der Russischen Föderation zwingen könnte, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Und möglicherweise ist sich Trump dessen bewusst. Und möglicherweise stellt er sich ebenfalls die Frage: „Was wird sein, wenn der ganze Welt klar wird, dass keine amerikanischen Sanktionen den politischen Willen des russischen Präsidenten und die russische Wirtschaft beeinflussen können? Dass bereits alle Sanktionen, die die Vereinigten Staaten verhängen konnten, verhängt sind, und Putin Trump und die Vereinigten Staaten ignoriert, weil er weiterhin wirtschaftliche Unterstützung von der Volksrepublik China erhält und die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Ländern des globalen Südens fortsetzt?“ Wenn das so weitergeht… Ich sage es noch einmal, denn ich gestehe zu, dass auch chinesische und indische Unternehmen – ungeachtet des Wunsches ihrer eigenen Regierungen, die Zusammenarbeit mit Russland fortzusetzen – einfach Angst haben werden, auf die Sanktionsliste zu geraten. Und damit könnte die wirtschaftliche Zusammenarbeit Chinas und Indiens mit Russland nicht deshalb enden, weil es der politische Wille des Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping (ich denke, nicht), und des indischen Premierministers Narendra Modi (ich denke, ebenfalls nicht), wäre, sondern weil die Gesetze des Marktes zu wirken beginnen. Ich habe wiederholt gesagt, dass der jetzige politische Moment überhaupt damit zusammenhängt, dass Marktdiktaturen gegen Marktdemokratien kämpfen.

Und auf der einen Seite haben Marktdemokratien ziemlich ernsthafte Instrumente, auf Marktdiktaturen einzuwirken – einfach, weil diese ganze Wirtschaft integriert ist und an den Dollar gebunden. Auf der anderen Seite sehe ich keinerlei Chance, den Konflikt zwischen Marktdemokratien und Marktdiktaturen zu lösen, zumal für Marktdiktaturen die Demokratie als solche eine Gefahr ist, und die gegenseitige Abhängigkeit viel größer ist als zwischen Marktdemokratien und Plan-Diktaturen. Ich sehe also keine andere Möglichkeit, diese Widersprüche zu lösen, außer durch Krieg. Es gibt hier nichts zu verhandeln. Das bloße Dasein von Marktdiktaturen hängt damit zusammen, dass sie von Marktdemokratien bedroht sind, die eine Alternative schaffen: Es kann einen Markt geben, und zugleich können die Menschen über ihren Willen und ihr Schicksal selbst verfügen. Deshalb brauchen Marktdiktaturen, dass Marktdemokratien entweder selbst zu autoritären Regimen werden – alle Voraussetzungen dafür gibt es derzeit in der Welt, wie Sie sehen – oder dass sie diese Marktdemokratien auf dem Schlachtfeldern besiegen und ihnen ein diktatorisches Regime aufzwingen. Daher war es im Grunde, als das autoritäre Russland die demokratische Ukraine überfiel, um deren Regierung durch eine Marionettenregierung zu ersetzen – also autoritär, also Moskau unterstellt, also nicht mit Wahlen und dem Willen des ukrainischen Volkes verbunden –, nur die erste Schwalbe jener todbringenden Rotte, die bald versuchen wird, die Demokratie als solche überall zu vernichten, wo man sie vernichten kann. Und dort, wo man sie nicht mit militärischen Mitteln vernichten kann, eben politisch – mithilfe unfähiger populistischer Politiker, die der unbeholfenen Bevölkerung so gefallen. 

Warum ist die Bevölkerung unbeholfen? Weil sie auf TikTok sitzt. Weil sie mit ihren schwachen Gehirnen mit dem Informationsschwall, der aus allen sozialen Netzwerken, die von dümmlichen Milliardären kontrolliert werden, auf sie niedergeht, nicht fertig wird. Nun, manchmal von dümmlichen Milliardären, manchmal von der Kommunistischen Partei Chinas. Wen ich nicht „dümmlich“ nennen würde, das ist die Kommunistische Partei Chinas. Diese Leute wissen ganz genau, was sie kontrollieren, welche Algorithmen sie aushecken. Und die Milliardäre sind dümmlich, weil sie mit solchen Algorithmen sich selbst den Strick drehen, an dem man sie alle bald aufhängen wird – wie es ihnen Genosse Lenin versprochen hat. Aber das ist eine alte Geschichte, die sich wiederholen wird. Und wir alle werden Zeugen sein, wie sie angenommen wurden diesem Strick zappeln werden.

Und dennoch gibt es Hoffnung. Hoffnung darauf, dass Trump jetzt anders auf Putins Absichten blickt. Dass er bereits verstanden hat, dass Putin nicht aufhört, weil er weiter Krieg führen will, und nicht, weil Biden ihm keine guten Bedingungen angeboten habe; dass all das nun artikuliert wird und sich folglich im Kopf Trumps gewisse ernsthafte Veränderungen hinsichtlich des Verständnisses dessen vollziehen, was künftig zu erwarten ist. Und es ist klar, dass kein Viktor Orbán, der mit Ideen zu ihm gekommen ist, wie das alles aussehen werde, seine wirklichen Pläne und Absichten ändern kann – aus dem einfachen Grund, dass Orbán nichts anzubieten hat in Bezug auf die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges. Er will einfach, dass Trump zu ihm nach Budapest kommt. Und er versteht, dass Trump kaum „einfach so“ nach Budapest fahren wird, wenn es keinen Anlass gibt. Zumal Orbán, kann man sagen, als er Trump offenbar ein Treffen in Budapest vorschlug, für sich selbst eine echte Falle stellte. Verstehen Sie? Nun, wenn Trump jetzt ohne Putin nach Budapest fährt, um Orbán im Wahlkampf zu unterstützen, und er ist dort allein. Dann erinnert er alle noch einmal daran, dass er im Grunde hier Putin hätte treffen sollen, Putin aber nicht gekommen ist. Und so wandelt Trump allein durch Budapest und sucht unter jedem Baum nach Putin – und Putin ist nicht da. Dann wird Trump in Budapest einfach wie ein gewöhnlicher hochrangiger Agitator Orbáns aussehen. Für einen Präsidenten der Vereinigten Staaten ist es unangemessen, für irgendeinen ungarischen Politiker Wahlkampf zu machen, selbst für einen so geliebten und für ihn so wichtigen wie Viktor Orbán. Und mir scheint, das ist ebenfalls eine völlig verständliche Sache, die man nicht erklären muss.

Im Grunde denke ich also, wenn Trump sagt, dass ein Treffen mit Putin noch stattfinden könne, dann meint er ausschließlich, dass Putin Zugeständnisse machen werde. Ich sehe keinerlei hoffnungsvolle Anzeichen dafür, dass Putin in nächster Zeit Zugeständnisse machen wird. Im Gegenteil, ich sehe alle Anzeichen dafür, dass Putin den Krieg so lange fortzusetzen gedenkt, wie seine Kräfte reichen. Folglich muss man dafür sorgen, dass er diese Kräfte nicht hat. Und übrigens – noch eine heutige Meldung, die ebenfalls ein wichtiges Thema unseres Gesprächs hätte sein können – die Vereinigten Staaten haben nichts gegen eine europäische Konfiskation russischer Vermögenswerte einzuwenden. Das zeigt ebenfalls, dass die Seiten bereit sind, immer weiter rote Linien zu überschreiten. Und dass die Vereinigten Staaten, die früher nicht einmal in Richtung Konfiskation russischer Vermögenswerte dachten, jetzt beginnen, darüber nachzudenken. Und das ist ein ziemlich wichtiger Punkt dessen, wie das alles aussieht.

Nun, das sind sozusagen die heutigen Nachrichten, die jetzt mit dem Geschehen um das Treffen von Trump und Putin und Trumps Sicht darauf zusammenhängen, was überhaupt aus seinen Kontakten mit Putin werden kann.

Wir beantworten die Fragen, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Ist Ihnen aufgefallen, dass der Westen – diejenigen, die uns unterstützen – dies aufgrund ihrer persönlichen Weltvorstellungen tun und nicht aufgrund des Völkerrechts? Und viele haben nicht einmal eine Ahnung, was das ist.

Portnikov. Nein, es ist mir nicht aufgefallen. Mir ist vielmehr aufgefallen, dass diejenigen, die uns unterstützen, Vorstellungen vom Völkerrecht haben. Ich glaube, dass diejenigen, die uns nicht unterstützen – oder die uns nur unterstützen, weil es keinen anderen Ausweg gibt – keinerlei Vorstellung vom Völkerrecht haben. Sagen wir, Donald Trump denkt tatsächlich überhaupt nichts über das Völkerrecht. Er will einfach den Krieg stoppen, damit die Menschen aufhören zu sterben. Übrigens hat er das wiederholt gesagt. Ich denke, das sind Dinge, die man Menschen glauben sollte, wenn sie so etwas sagen. Denn wenn Trump an das Völkerrecht dächte, würde er nicht irgendetwas über den Anschluss Kanadas als neuen US-Bundesstaat faseln, darüber, dass die Vereinigten Staaten ein Recht auf Grönland hätten. Ja, in letzter Zeit spricht er darüber überhaupt nicht, weil man ihm offenbar rechtzeitig erklärt hat, dass das alles zu nichts Gutem führen kann und dass er, wenn er Kanada und Grönland wirklich haben will, Krieg führen muss – und zwar in der NATO, mit NATO-Verbündeten. Aber er hat es schon gesagt, und genau das zeigt, dass das Völkerrecht für ihn keinerlei Bedeutung hat. Bedeutung hat, dass der starke Putin, der – wie er sagte – die Ukraine in vier Wochen hätte besiegen sollen, dies seit vier Jahren nicht schafft; also sei es an der Zeit, aufzuhören. Die westlichen Führer jedoch, die Vorstellungen von Völkerrecht und Gesetz haben, haben die ganze Zeit genau darüber gesprochen. Deshalb unterstützt die Welt übrigens weder die Annexion der Krim noch ihren russischen Status. Und Trump war bereit, das anzuerkennen. Deshalb unterstützt die Welt nicht die Annexion der Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja. Ich glaube vielmehr, dass die Sache gerade darin liegt, dass alle verstehen: Wenn ein Land Gebiete eines anderen annektiert und ihm das durchgeht, kann es eine ähnliche Reaktion in ganz Europa geben.

Frage. Derzeit gibt es nur wenige Anzeichen dafür, dass die Ukraine nach dem Einfrieren des Krieges ein liberal-demokratisches Land sein wird. Wie kann sich das auf die Beziehungen zum Westen auswirken, auf dessen Hilfe beim Wiederaufbau, wenn der Druck des Krieges wegfällt?

Portnikov. Erstens verstehe ich nicht, warum Sie glauben, es gebe wenige Anzeichen dafür, dass die Ukraine nach einem Einfrieren des Krieges liberal-demokratisch sein werde. Zurzeit gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass es in naher Zeit zu einem Einfrieren kommt. Vielleicht werden in den kommenden Jahren Bedingungen für ein Einfrieren des Krieges entstehen. Dazu bedarf es einer erheblichen Schwächung des Potenzials des russischen Staates und der russischen Armee. Hoffen wir, dass dies nicht in den 30er-, sondern in den 20er-Jahren des 21. Jahrhunderts geschieht. Darauf kann man hoffen – auch wenn es dafür keine objektiven Voraussetzungen gibt, hoffen kann man. Wie die Welt dann aussehen wird und ob die Ukraine liberal-demokratisch sein wird oder nicht, weiß ich nicht. Ich möchte Sie daran erinnern, dass in einer solchen Ukraine die Wahlen wiederaufgenommen werden. Und wir wissen nicht, wie die ukrainische Gesellschaft dann aussehen wird. Wir wissen überhaupt nicht, wie das Territorium des Staates aussehen wird, das am Ende erhalten bleibt, und wie groß die Zahl der Bevölkerung sein wird, die bereit ist, auf dem Gebiet dieses Staates zu leben. Ich erinnere Sie daran, dass dann die Zeit des vorübergehenden Schutzes für diejenigen Bürger der Ukraine abläuft, die das Land im Zusammenhang mit dem Beginn intensiver Kriegshandlungen verlassen haben. Zu uns werden Menschen zurückkehren, die für sich im Westen keinen Platz und keine Arbeit finden. Dort werden die Initiativenreichen bleiben, zu denen sich andere Initiativenreiche gesellen können, die ihren Platz in der Nachkriegsukraine nicht finden. Es kann vieles passieren. Wir wissen weder Territorium noch Qualität der Bevölkerung. Wir wissen nichts. Wir können nur hoffen, dass der ukrainische Staat nicht von der politischen Weltkarte verschwindet, als hätte es ihn nie gegeben. 

Übrigens möchte ich Sie warnen, dass das die letzte Chance sein wird. Warum die letzte Chance? Weil während die Ukrainer bereits zu dem Schluss gekommen sind, dass die Russen kein „brüderliches“ Volk für sie sind, sondern einfach Mörder, die sie vernichten wollen, kamen die Russen gleichermaßen zu dem logischen Schluss, dass die Existenz der Ukrainer auf den ukrainischen ethnischen Gebieten die Existenz des Russischen Imperiums unmöglich macht. Jedes Volk wird versuchen, die Präsenz des anderen loszuwerden. Wenn die Russen siegen, wird es hier keine Ukrainer mehr geben. Das garantiere ich Ihnen zu 100 %. Rechnen Sie nicht damit, am Leben zu bleiben. Wenn Sie Ukrainer bleiben wollen, werden Sie getötet, vertreiben, enteignet. Eigentum wird auch denen weggenommen, die sogar bereit sind Russen zu werden. Das verspreche ich Ihnen ebenfalls. Es wird also alles schlecht sein, aber ich hoffe, dass es nicht so weit kommt. 

Nun zu den Beziehungen zum Westen. Niemand weiß, wie der Westen zu diesem Zeitpunkt sein wird. Wiederum wissen wir nicht, in welchem Jahrzehnt das enden wird – in diesem oder im nächsten. Was ich Ihnen genau versprechen kann: Bis zu meinem 70. Geburtstag wird es enden. Wie die Welt in dieser Situation aussehen wird, weiß ich nicht. Sie kann selbst aufhören, liberal-demokratisch zu sein. Alle Voraussetzungen für den Sieg ultrarechter und ultralinker Parteien in den Ländern Europas sind gegeben. Vielleicht erlebt die liberale Demokratie in Nordamerika und auf dem europäischen Kontinent ihre letzten Jahre und verschwindet noch vor dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges. Verstehen Sie? Vielleicht ist bis dahin das europäische Projekt Vergangenheit. Alles ist möglich. Wir leben jetzt in einer sehr fragilen Welt. 

Wenn Sie fragen, wie es wird, falls der Westen so bleibt, wie er ist – was wird dann aus der Ukraine? Die Ukraine wird, einfach weil sie sich wirtschaftlich mindestens 15–20 Jahre nicht erholen wird, von westlichem Geld abhängig sein und gezwungen sein, liberal-demokratisch zu sein, denn die Alternative wäre der Tod durch Hunger und Kälte. Es wird keine Investitionen geben, kein Geld für eine solche Ukraine. Oder eine andere Alternative wäre die Vereinigung mit Russland zu einem Staat, denn Russland wird keinerlei liberale Demokratie verlangen und bereit sein, mit uns gemeinsam die Energieversorgung wiederherzustellen. Nun, falls die Ukrainer sich nach der Niederlage Russlands im Krieg mit Russland vereinigen wollten. Verstehen Sie – Russland verliert den Krieg, die Ukraine bleibt auf der Karte, und wir sagen: „Wissen Sie, uns ist ein diktatorisches, autoritäres Regime lieber, also lasst uns mit euch vereinigen. Europa interessiert uns nicht.“ Sie verstehen doch, dass das nicht passieren wird. Also werden die Ukrainer trotz ihres Unwillens tun, was der Westen ihnen sagt. Die Nachkriegsukraine wird ein solcher Protektorat des Westens sein, wie die Kriegsukraine militärisch ein Protektorat ist. Das ist doch offensichtlich. Ich verstehe nicht, woher Ihre Illusionen kommen, es könne anders sein. Umsonst gibt es nichts. Es wird also keinen Kriegsdruck geben, sondern Friedensdruck.

Frage. Sie sagten, Russland befinde sich bereits im Zerfall als Imperium. Gibt es ein Szenario, in dem es nicht zerfällt und noch viele Jahre ein Imperium bleibt?

Portnikov. Natürlich gibt es das. Wenn die Ukraine diesen Krieg verliert und Russland in diesem Krieg siegt, wird höchstwahrscheinlich der russische imperiale Raum wiederhergestellt. Die Unionsrepubliken – ich meine die ehemaligen Sowjetrepubliken – werden verängstigt sein. Die GUS wird sich nur verstärken. Die Führer der ehemaligen Sowjetrepubliken, die jetzt nach Washington fahren – heute gab es ja gerade das Treffen Amerika–Zentralasien; Trump traf sich mit allen zentralasiatischen Präsidenten, eine sehr wichtige Sache,– die werden viel mehr Angst vor Putin haben als jetzt. Dasselbe wird im Südkaukasus passieren. Und das kann sich durchaus ernsthaft verstetigen, das Gewicht der Eurasischen Union wird zunehmen, die Russifizierung der Völker Russlands wird verstärkt. Das hängt davon ab, wer den russisch-ukrainischen Krieg gewinnt: Moskau oder Kyiv? Sieg Kyivs – Zusammenbruch des Imperiums; Sieg Moskaus – Triumph des Imperiums. Alles sehr einfach. Und das kann ein langer Prozess sein, denn kontinentale Imperien geben nicht einfach so auf. Sie sind keine Übersee-Imperien, sie suchen ohnehin nach traditionellen Einflusszonen. Selbst die Erinnerung an kontinentale Imperien zwingt ihre ehemaligen Territorien, in einem zivilisatorischen Vektor zusammenzubleiben. Ungarn, die Slowakei, jetzt vielleicht die Tschechen und Österreich, wo die Ultranationalen die größte Popularität seit jeher haben – das ist das ehemalige Österreich-Ungarn. Die Türkei, die versucht, die Kontrolle über die ehemaligen Gebiete des Osmanischen Reiches zu erringen, zumindest Einfluss auf sie. Russland ist da keine Ausnahme. Es handelt völlig nach historischen Standards.

Frage. Man hört oft, Trump habe vor diesem Angst, Putin vor jenem, die europäischen Führer noch vor etwas anderem. Ist es überhaupt sinnvoll anzunehmen, dass Menschen in solchen Ämtern vor irgendetwas Angst haben?

Portnikov. Natürlich ist es sinnvoll, besonders wenn es um Menschen in Wahl-Demokratien geht. Das Erste, wovor Menschen in Wahl-Demokratien Angst haben, ist, Wahlen zu verlieren. Das Zweite, wovor Menschen in Wahl-Demokratien Angst haben, ist die Verantwortung für den Tod ihrer Mitbürger, wenn ihre verfehlte Politik zu einem großen Krieg führt. Das Dritte, wovor Menschen in Wahl-Demokratien Angst haben, ist, kein Vermächtnis zu hinterlassen. Wie Sie hören, ist ständig vom politischen Vermächtnis die Rede. Das ist immer eine Katastrophe, wenn du lange an der Macht bist und kein echtes politisches Vermächtnis hast. Schauen Sie auf Angela Merkel, was da passiert. Menschen wie Putin oder Xi Jinping haben ebenfalls vor vielem Angst. Erstens davor, die Macht durch einen Putsch zu verlieren, damit man nicht entscheidet, dass sie schwache Führer sind. Denn schwache Führer können totalitäre Staaten nicht regieren. Man kann sie einfach töten oder durch einen Putsch stürzen, wie es mehrmals in der Sowjetunion war – und auch in der Volksrepublik China. Zweitens haben diese Menschen Angst, einen Krieg zu verlieren, wenn er beginnt, denn das ist ebenfalls ein Weg zum Putsch. Drittens haben diese Menschen Angst – vor demselben, wovor die Führer demokratischer Länder Angst haben: das politische Vermächtnis; sie denken, seltsamerweise, auch daran. Nur anders als die Führer der Demokratien. Glauben Sie mir also: Diese Menschen leben, so würde ich sagen, in der Furcht vor Verantwortung, vor dem Urteil der Geschichte und vor einer Kriegsniederlage. Nur unterscheiden sich die Motive: Für demokratische Politiker bedeutet eine Kriegsniederlage Tod von Menschen, Zerstörungen, solche Katastrophen. Für autoritäre Politiker bedeutet eine Kriegsniederlage ihre persönliche Verantwortung und die Dauer ihrer Herrschaft. Verschiedene Motive, aber dieselbe Angst.

Frage. Bei dem tiefen Volk Russlands herrschen sehr knechtische Lebensbedingungen. Und Sie sagten, ihr Imperialismus sei eine Kompensation dafür; deshalb zieht sie die Demokratie nicht an, die dieses knechtische Problem schrittweise lösen würde.

Portnikov. Weil Demokratie Verantwortung bedeutet. Und Verantwortung ist eine schwere Last. Wie Sie sehen, will die Mehrheit unserer Landsleute, selbst wenn sie wählen, keine Verantwortung für die Folgen ihres Willensausdrucks tragen. Das ist ebenfalls ein sowjetisches Relikt. Und alle sagen: „Na ja, wir haben gewählt, na ja, wir haben uns geirrt, was hab ich damit zu tun? Ich gehe jetzt irgendwohin. Oh, er entpuppte sich als derselbe wie alle.“ Unterscheidet sich das von der russischen Logik? Die Russen wählen einfach nicht, damit sie darüber nicht nachdenken müssen. Ich denke also, wenn eine Gesellschaft jahrzehntelang in Bedingungen ohne Verantwortung erzogen wird – wozu braucht sie dann Demokratie? Fragen Sie überhaupt einmal: Wann gab es in Russland jemals Demokratie? Der erste echte russische Diktator ist noch der Wladimir-Susdal-Fürst Andrei Bogoljubski. Dann kam die mongolische Invasion, und alle nachfolgenden Fürsten herrschten bereits wie echte Diktatoren, die vom Khan die Jarlyk-Urkunde erhielten, den man als allmächtigen Zaren in diesem Gebiet wahrnahm. Dann kamen die Romanows, eine nicht-konstitutionelle Monarchie, dann ein paar Monate Versuche des Übergangs zu irgendeiner Verfassung und der bolschewistische Umsturz, Terror, Bürgerkrieg, Repressionen, Hunger, Kälte. Die ersten bedingt freien Wahlen in Russland fanden 1990 oder 1991 statt, als der Präsident der Russischen Föderation gewählt wurde – konkurrenzfähig, real. Und ich meine, das waren die letzten solchen Wahlen, denn die nächsten Wahlen zum Präsidenten der Russischen Föderation fanden faktisch bereits unter Nutzung administrativer Ressourcen statt, unter dem Vorwand der Angst vor einer Rückkehr der Kommunisten an die Macht. Real konnten die Kommunisten zurückkehren. Das sagt ebenfalls etwas über die russische Verantwortung. Und das war’s. Selbst wenn wir annehmen, es habe zwischen 1991 und 2000 mehr oder weniger ehrliche Wahlen gegeben – was ist ein Jahrzehnt im Vergleich zu Jahrhunderten völligen Fehlens eines elektoralen Bedarfs? Sie werden sagen, bei den Ukrainern sei es ähnlich. Bis zu einem gewissen Grad ja. Aber das ist nicht wahr. Die Ukrainer hatten die Kyiver Rus mit Volksversammlung-Traditionen und einer Rolle der Bevölkerung. Das gab es – und diese Tradition blieb sowohl in den Kyiver Landen erhalten als auch ging sie über in die Tradition der galizischen Lande des Großfürstentums Litauen und der Adelsrepublik Polen-Litauen mit ihren Sejms, Sejmiks, Abstimmungen des Adels, dem Magdeburger Stadtrecht. Das müssen Sie auch begreifen. Das ist eine lange historische Entwicklung. Auf unserem Gebiet gab es zahlreiche freie Städte. Auf dem Gebiet des russischen Staates gab es nie eine einzige. Wie entwickelte sich Europa? Warum gibt es überhaupt Demokratie in Europa? Weil es in Europa freie Städte gab – und Dörfer, die von Feudalherren abhängig waren. Aber wenn du in die Stadt kamst, wurdest du zu einen freien Menschen. In Russland gab es so etwas nicht. Die Stadt war genauso leibeigen und abhängig wie das Dorf. Das heißt, die Zivilisation entwickelte sich in dieser Hinsicht einfach nicht. Nein, die Russen haben das Phänomen der „leibeigenen Stadt“ erfunden, obwohl Städte, wenn Sie sich erinnern, seit den Zeiten Athens frei waren. Nun, die Russen sind ein großer Erfinder in Europa – wenn das überhaupt Europa ist, denn das ist eigentlich ein asiatisches Modell. In Asien gab es auch keine freien Städte. Nun, da haben Sie die Antwort. Deshalb haben die Ukrainer eine tief verwurzelte Erinnerung daran, dass sie frei sein können. Die Kosakenrepublik – die gab es doch. Und die Russen haben die tief verwurzelte Erinnerung daran, dass sie nie etwas entschieden haben. Ach, Väterchen, Väterchen, Väterchen Zar. Deshalb pfeifen sie auf die Demokratie. Und das ist ihnen recht. Väterchen hat gesagt, dass man den benachbarten Stamm ausplündern darf. Sie haben ihn ausgeraubt, Kloschüsseln herausgetragen. So ein Leben.

Frage. Bei uns wünschen viele, dass Trump in einem Jahr den Kongress verliert. Wird es in diesem Fall für uns nicht noch schlimmer als jetzt, wenn Amerika in politische Fehde versinkt?

Portnikov. Erstens geht es nicht darum, wer was wünscht, verstehen Sie? Wir legen ja keine Karten und wünschen, oder wünschen nicht. Trump ist keine Voodoo-Puppe, in die wir irgendwelche Nadeln stecken. Wir sagen einfach, dass es eine solche Möglichkeit gibt. Wir erklären Trumps Motive. Sie können wünschen oder nicht wünschen. Merken Sie sich: Von Ihren Wünschen hängt nichts ab, sondern von historischen Tendenzen. Wenn Sie nicht wünschen, dass Trump den Kongress verliert, heißt das nicht, dass er gewinnt. Wir sagen einfach: „Eine solche Wahrscheinlichkeit besteht.“ Ja, Amerika wird noch tiefer in politische Feindschaft versinken. Bedeutet das, dass es für uns schlimmer wird? Da bin ich mir nicht sicher. Der Kongress könnte mehr Hilfe für die Ukraine verlangen. Trump könnte zeigen, dass er der Ukraine mehr hilft als der Kongress, um seinem Nachfolger die Möglichkeit zu geben, nicht als jemand dazustehen, dem man vorwirft, sie hätten der Ukraine nicht geholfen und sie habe deshalb den Krieg verloren. Zumal, wenn dieser Nachfolger Vizepräsident J. D. Vance sein sollte. Das wäre eine direkte Verantwortung der amtierenden Administration. Unklar, wie es sein wird. Es kann so kommen, es kann so kommen, aber die Niederlage der Republikaner im Kongress hängt nicht von unseren Wünschen ab.

Frage. Wie weit müssen die Russen kommen, damit die Vereinigten Staaten und andere unserer Verbündeten mit der vollen Unterstützung der Ukraine überhaupt und ihrer Armee im Besonderen beginnen?

Portnikov. Es spielt keine Rolle, wie weit sie kommen müssen. Diese Frage der „vollen Unterstützung“ – ich verstehe nicht recht, was unter voller Unterstützung gemeint ist. Präsident Trump hat ein klares Konzept: Er will den russisch-ukrainischen Krieg nicht bezahlen. Ich bin nicht sicher, dass sich dieses Konzept ändert, selbst wenn die Russen in Lwiw stünden. Verzeihen Sie. Was die Verbündeten betrifft: Sie tun ohnehin sehr viel. Das ist bereits eine enorme Unterstützung. Ohne diese Unterstützung wäre der ukrainische Staat seit vier Jahren Geschichte und nicht Geografie. Verstehen Sie? Natürlich möchte man, dass diese Unterstützung intensiver wäre. Natürlich möchte man, dass man uns ermöglicht, mehr Langstreckenraketen zu haben und Ziele auf dem Gebiet der Russischen Föderation zu treffen. Aber die nukleare Option ist nicht abgeschafft. Und mit jedem Tag des russisch-ukrainischen Krieges rückt sie näher und näher. Das ist die Logik des Krieges. Je länger ein solcher aussichtsloser Krieg dauert, desto größer die Möglichkeit seiner Eskalation und des Einsatzes anderer Waffenarten für einen schnellen Sieg. Umso mehr, als dieser Aggressor der Staat mit der größten nuklearen Schlagkraft in der modernen Welt ist. Die Vereinigten Staaten haben einen ungefähr gleichen Bestand, aber es sind nicht die Vereinigten Staaten, die mit uns Krieg führen, und auch nicht die Vereinigten Staaten, die mit Europa Krieg führen werden. Deshalb denke ich, dass die Frage der Unterstützung der Ukraine nicht damit zusammenhängt, wie weit die russischen Truppen vorstoßen. Die Frage der Unterstützung der Ukraine hängt in erster Linie mit der Unwilligkeit Europas und der Vereinigten Staaten zusammen, in einen Krieg hineingezogen zu werden, der zur nuklearen Eskalation führt. Das ist die Formel. Und übrigens, wenn wir die Situationen immer mit dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg vergleichen und sagen, dies könne nach diesem oder jenem Szenario sein, berücksichtigen wir stets nicht die einfache Tatsache, dass es im Ersten und Zweiten Weltkrieg keine Atomwaffen gab. Übrigens führte ihr einmaliger Einsatz zu einer schnellen Kapitulation. Das erinnert man sich ebenfalls. Und das ist ein Gewehr, das an der Wand hängt. Und die Wand steht im Kreml, und der Kreml in Moskau, und Moskau in Russland. Und Russland hat die Ukraine überfallen. Ukrainer, die sich bereits im Krieg befinden und die Risiken des eigenen Todes wie den der Familienmitglieder verstehen, denn der Aufenthalt eines Menschen auf dem Gebiet der Ukraine – im Hinterland oder an der Front – bedeutet die Bereitschaft, den Tod zu akzeptieren. Ein Mensch in einem Kriegsland ist psychologisch bereit, den Tod sofort zu akzeptieren. Verstehen Sie? Selbst wenn Sie nicht daran denken – der Tod ist der Nachbar eines jeden Menschen, der in einem Kriegsland lebt. Daher wirkt Putins nukleare Erpressung auf uns psychologisch möglicherweise nicht so, wie sie auf diejenigen wirkt, die nicht wollen, dass der Tod ihr ewiger Nachbar wird. Darin liegt das Problem. Und Putin versteht das als erfahrener Tschekist bestens. Er exploitiert diese Angst. Übrigens: Dass die Atomwaffe in den letzten vier Jahren endgültig von einer Abschreckungswaffe zu einer Waffe der Erpressung des Gegners geworden ist – was es nie gab, zumindest nicht seit Stalins Tod, also seit 70 Jahren –, das ist bereits eine Tatsache unseres Lebens. Und diese Erpressung wird mittlerweile nicht nur von Putin betrieben, wie wir sehen; auch Trump hat begonnen, sie zu betreiben. Das heißt, der Westen hat diese Spielregeln mit der Atomwaffe akzeptiert: dass es nicht ein Gewehr ist, das einfach existiert, damit alle sich der Kriegsgefahr erinnern, sondern ein Gewehr an der Wand, das in einem bestimmten Moment losgehen kann, wenn die Umstände so liegen. Und das ist die Antwort auf die Frage, warum die Hilfe so gering ist. Biden versuchte im Übrigen, diese russische „Kröte“ so langsam wie möglich im Kessel des russisch-ukrainischen Krieges zu kochen, weil er gerade den möglichen Einsatz von Atomwaffen zumindest gegen die Ukraine befürchtete. Ich erinnere Sie an eine einfache Sache: Niemand weiß, was als Nächstes passieren wird. Denn die Ukrainer können weitere 155 Illusionen haben – „sie werden uns mit Atomwaffen treffen, und dann bekommen sie so eins auf die Mütze“. Und stellen Sie sich ein realeres Szenario vor: Russland setzt Atomwaffen gegen die Ukraine ein – und am nächsten Tag passiert nichts? Nun, man verurteilt, gibt Erklärungen ab. Nun, Trump würde eine Erklärung abgeben, sagen, dass „Putin dafür zur Verantwortung gezogen wird, wir werden die Sanktionen noch weiter verschärfen. Menschen dürfen nicht sterben. Das muss aufhören.“ Macron und Merz werden Erklärungen abgeben, sie werden verängstigter sein als Trump. Verstehen Sie? Denn Macron sagt die ganze Zeit, er sei auch der Führer einer Atommacht. Das ist Fakt. Aber fragen Sie den Führer einer Atommacht, wo er seinen Testgelände für Atomwaffen hat. Er hat keins. Frankreich hat alle seine Testgelände zerstört. Deshalb sieht das alles hübsch aus – bis zu dem Moment, in dem es passiert. Und ich sage Ihnen gleich: Das Szenario, dass nach dem Einsatz von Atomwaffen durch Russland – zumindest in der Zeit der Präsidentschaft Trumps – nichts passiert, ist ebenfalls völlig real. Es wird eingesetzt, und die Ukraine kapituliert in dieser Situation nicht, der Krieg geht weiter. Nun, irgendwann gibt es noch einen Atomschlag, vielleicht nicht mehr gegen die Ukraine – und wieder passiert nichts, verstehen Sie? Und das wird bereits eine völlig andere Kriegsnorm sein. Oder das schlimmste Szenario: Nach dem Einsatz von Atomwaffen endet der Krieg zu russischen Bedingungen, den realen russischen Bedingungen, die Dmitri Medwedew formuliert hat: Anschluss der Ukraine an die Russische Föderation. Es ist doch besser, Teil der Russischen Föderation zu sein, als ein Gebiet, auf das man Atombomben abwirft? Nein, nicht besser? Nun, man wird uns nicht fragen. Warum gehe ich so detailliert darauf ein? Damit Sie die Stimmung der Europäer und Amerikaner und ihre reale Angst verstehen. Und damit Sie noch etwas verstehen, das Sie als Menschen, die in der Sowjetunion gelebt haben, vielleicht nicht verstehen: Der Westen hatte ständig Angst, dass die Sowjetunion Atomwaffen einsetzen würde. Generationen von Menschen im Westen wuchsen in der Angst auf, dass daneben die furchtbare Sowjetunion steht, die jederzeit Atomwaffen einsetzen könnte. Und diese Angst begann erst – grob gesagt – 1991 zu verschwinden. Deshalb war der Wunsch so groß, Russland irgendwie einzubinden. Und 2022 – nicht früher, sondern als die Ukraine vollumfänglich angegriffen wurde – kehrte diese Angst zurück. Sie wurde zur Neuigkeit für junge Menschen. Und sie kehrte zu denen zurück, die ihr ganzes Leben mit dieser Angst gelebt haben und heute 50, 60, 70 Jahre alt sind. Und diese Menschen bilden den Kern jeder politischen Elite und jedes politischen Apparates sowie der Vollzugsbeamten auf hoher Verwaltungsebene. Verstehen Sie? Und ich wiederhole: Putin weiß das auch. Wenn ich das weiß, weiß es auch Putin. Dafür muss man kein großer Analytiker sein, um solche einfachen Dinge zu verstehen. Und ich erzähle das so detailliert, damit wir, wenn wir über die Hilfe für die Ukraine sprechen, verstehen, dass da ein Gewehr an der Wand hängt – und Putin ständig so tut, als wollte er jeden Moment den Knopf drücken. Und die Menschen haben Angst. Angst, zu der alten Angst zurückzukehren. Und gerade deshalb sind politische Instrumente der Zusammenarbeit mit dem Westen so wichtig: Angesichts dieser Angst zu versuchen, sie gemeinsam mit den westlichen Partnern zu überwinden, denn im Krieg ist die Angst, wie wir wissen, ein schlechter Verbündeter.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп: Путін не бажає зупинятися | Віталій Портников. 07.11.2025.
Autor / Verfasser / Kanal: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 07.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Putin droht Trump mit Atomwaffen | Vitaly Portnikov. 05.11.2025.

Nach der Erklärung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, dass sein Land bereit sei, Atomtests wieder aufzunehmen, beschloss der russische Präsident Putin, seinem amerikanischen Kollegen ebenfalls mit atomarer Rhetorik und Einschüchterung zu antworten. Diese Einschüchterungen waren im Grunde wie eine schlecht inszenierte Show organisiert.

Bei der heutigen Sitzung des Sicherheitsrats der Russischen Föderation, auf der eigentlich infrastrukturelle Probleme besprochen werden sollten, die keinerlei Bezug zu Atomwaffen haben, fragte der Sprecher der Staatsduma der Russischen Föderation, Wjatscheslaw Wolodin, Putin, wie man auf die nuklearen Drohungen der Amerikaner reagieren solle.

Daraufhin traten sofort der russische Verteidigungsminister Beloussow und der Generalstabschef der Streitkräfte Russlands, General Gerassimow, mit bereits vorbereiteten Berichten auf, in denen sie die Vereinigten Staaten beschuldigten, sich auf die Wiederaufnahme von Atomtests vorzubereiten. Daher, so sagten sie, müsse Russland unverzüglich zu eigenen Atomwaffentests übergehen.

Putin hat allerdings bislang keinen Befehl gegeben, solche Tests zu beginnen. Er wies jedoch alle zuständigen Behörden an, Vorschläge zur möglichen Wiederaufnahme von Atomtests der Russischen Föderation vorzulegen. Somit kann man sagen, dass der russische Präsident beschlossen hat, mit einer sogenannten „spiegelnden Reaktion“ auf die Äußerungen seines amerikanischen Kollegen zu antworten.

Doch um ehrlich zu sein: Der Provokateur ist hier keineswegs Trump, sondern Putin selbst. Denn es sind die Russen, die in den letzten Monaten Interkontinentalraketen getestet haben, die als Träger nuklearer Sprengköpfe dienen und Entfernungen zurücklegen können, die ausreichen, um Ziele auf dem Territorium der Vereinigten Staaten von Amerika zu treffen. Putin selbst war es, der sich mit der neuen modernen Rakete Burewestnik und dem System Poseidon brüstete. Putin ist derjenige, der seit den ersten Wochen des großen russisch-ukrainischen Krieges die nukleare Rhetorik als eine Art Erpressungswaffe benutzt.

Und vielleicht war es für den russischen Präsidenten unerwartet, dass jemand beginnen würde, mit ihm in seiner eigenen Sprache zu sprechen und zu betonen, dass man auf die nuklearen Drohungen der Russischen Föderation mit eigenen nuklearen Drohungen antworten könne. Im Moment ist jedoch unklar, wie sich die tatsächliche Situation entwickeln wird. Was die nukleare Gefahr betrifft, haben wir es derzeit mit einer Eskalation der Worte zu tun.

Es sei daran erinnert, dass die Russische Föderation in ihrer gesamten Geschichte niemals vollwertige Atomtests durchgeführt hat. Die letzten Atomtests wurden noch von der Sowjetunion im Jahr 1990 durchgeführt, woraufhin ein Moratorium für solche Tests verkündet wurde. Und auch die letzten atomar bewaffneten Staaten, die bereit waren, solche Tests legal durchzuführen – gemeint sind die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich – taten dies in den 1990er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Daher hat die Russische Föderation im Grunde keine wirkliche Erfahrung mit Atomtests. Der Übergang zu solchen Tests wäre ein ernsthafter Schritt – nicht mehr auf der Ebene der Worteskalation, sondern auf der Ebene der tatsächlichen Handlungen – in den Beziehungen zwischen den beiden nuklearen Supermächten der Gegenwart.

Und wir wissen alle sehr genau, dass es für Russland in diesem Fall ziemlich schwierig wäre, mit den Vereinigten Staaten zu konkurrieren. Denn Atomtests und die Modernisierung des nuklearen Potenzials sind eine ausgesprochen kostspielige Angelegenheit – und auch das muss man sich vor Augen führen.

Man kann also mit Sicherheit sagen, dass sowohl der amerikanische als auch der russische Präsident derzeit in erster Linie daran interessiert sein könnten, ihre Fähigkeiten zu demonstrieren – und keineswegs daran, in naher Zukunft tatsächliche Atomtests durchzuführen.

Aber auch die Eskalation der Worte, wie wir wissen, birgt eine ernsthafte Gefahr. Wir haben das zumindest an der Vorbereitung Russlands auf den Krieg gegen unser Land gesehen: Auch dieser begann mit einer Eskalation der Worte – und glitt dann fast unmerklich in den größten Krieg auf dem europäischen Kontinent seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ab.

Daher stellt sich die Frage, wie sich die Situation weiter entwickeln wird. Trump will mit seinen Drohungen und seinen Anordnungen Putin einerseits zwingen, auf die aggressive Rhetorik gegenüber den Vereinigten Staaten und auf die Zurschaustellung von Raketen, die Ziele auf amerikanischem Territorium vernichten können, zu verzichten, und andererseits – offensichtlich – zu einem Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front bewegen.

Für Putin hingegen ist die Demonstration von Aggression ein wichtiges Instrument in der Kommunikation mit der eigenen Gesellschaft, die von Hass auf die erfolgreicheren und wohlhabenderen Länder dieser Welt erfüllt ist.

Und den Krieg gegen die Ukraine – das wissen wir nur zu gut – beabsichtigt der russische Präsident nicht zu beenden, solange er nicht überzeugt ist, dass die Frage der Existenz des ukrainischen Staates gelöst ist und Russland die ehemaligen ukrainischen Gebiete an die Russische Föderation anschließen kann.

Die Alternative dazu ist, dass Putin schlicht nicht über die Kräfte und Möglichkeiten verfügt, den russisch-ukrainischen Krieg fortzusetzen. Doch dafür ist realer – nicht nur verbaler – Druck auf den Präsidenten der Russischen Föderation nötig. Hoffen wir, dass dieser Druck bereits mit den amerikanischen Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil begonnen hat und mit weiteren und weiteren Schlägen gegen die russische Wirtschaft fortgesetzt wird. Doch all das liegt noch in der Zukunft.

Könnten tatsächlich reale Atomtests stattfinden? Natürlich wird das davon abhängen, wie sich die Situation in den kommenden – ja, nicht einmal Monaten, sondern Wochen – entwickelt.

Die Amerikaner und Russen könnten selbstverständlich zu bestimmten Konsultationen untereinander übergehen, die nicht nur die Aussicht auf eine Wiederaufnahme der Atomtests stoppen würden, sondern auch die Tests ballistischer Interkontinentalraketen, die in der Lage sind, Ziele sowohl auf dem Territorium der Vereinigten Staaten von Amerika als auch auf dem der Russischen Föderation zu treffen.

Aber es kann auch zu einer Situation kommen, in der die Eskalation weitergeht – und Atomtests für Moskau und Washington im 21. Jahrhundert tatsächlich wieder aufgenommen werden. Und mit der Wiederaufnahme dieser Atomtests würde eine völlig neue Ära und eine neue Atmosphäre in den Beziehungen Moskaus zu Washington und zum Westen insgesamt beginnen.

Polen will „Atomwaffen“ | Vitaly Portnikov. 17.09.2025.

Polen sollte an der nuklearen Teilenhabe beteiligt sein und über eigene zivile und militärische Kernkapazitäten verfügen, erklärte Präsident Karol Nawrocki. Diese Aussage des polnischen Präsidenten erfolgte kurz nach einem beispiellosen Angriff russischer Drohnen auf Polen. Und obwohl es sich diesmal bei Dutzenden Drohnen um Aufklärungsdrohnen handelte, die keine unmittelbare militärische Bedrohung darstellten, fürchten viele in Warschau weiterhin, dass der Angriff sich wiederholen könnte — und dass es beim nächsten Mal bereits Kampfdrohnen sein könnten.

Daher ist es verständlich, dass die Führung Polens nach Wegen sucht, wie das Land gegen russischen Druck gesichert werden kann. Früher hatte bereits Ministerpräsident Donald Tusk gesagt, Polen wäre sicherer, wenn es über eigenes nukleares Potenzial verfügte. Wir können also feststellen, dass in der polnischen Führung Einigkeit herrscht.

Interessant ist, dass die Äußerung von Karol Nawrocki als Antwort auf die Frage kam, wie Warschau zur Initiative des französischen Präsidenten Emmanuel Macron steht, der zuvor über die Möglichkeit gesprochen hatte, Elemente des französischen Atomarsenals in verbündeten Ländern zu stationieren. Somit können die Worte des polnischen Präsidenten nicht nur als Antwort an Moskau, sondern auch an Washington verstanden werden — als Antwort auf die Sorge, dass im Falle einer Verschärfung des Drucks der Russischen Föderation auf die Länder Mittelosteuropas US-Präsident Donald Trump Polen und andere Staaten, die an die Russische Föderation grenzen und die in diesem Sinne naturgemäß am verletzlichsten wären, nicht verteidigen werde, falls die Eskalation im russisch-ukrainischen Krieg zunimmt.

Die Tatsache, dass Donald Trump den russischen Angriff auf Polen praktisch nicht zur Kenntnis nahm und lieber erklärte, es sei wahrscheinlich ein Irrtum gewesen, sowie die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten schon seit geraumer Zeit keine klare politische Bewertung dieses Angriffs der Russischen Föderation abgeben und erklären, man müsse die Untersuchung der Umstände abschließen, kann natürlich in Warschau, in den Hauptstädten der baltischen Länder und generell in den NATO-Staaten Besorgnis hervorrufen. Dort fragt man sich in zunehmendem Maße, inwieweit die Vereinigten Staaten tatsächlich — und nicht nur in Worten — bereit sind, an dem vielzitierten Artikel 5 festzuhalten, der noch vor kurzem als zentraler Eckpfeiler der Sicherheit auf dem gesamten europäischen Kontinent galt.

Und so stellt sich die Frage: Wenn die Vereinigten Staaten als das ernsthafteste Risiko ein direktes Aufeinandertreffen mit der Russischen Föderation sehen, inwieweit können sich die Länder Mittelosteuropas sicher fühlen, wenn Trumps Hauptaufgabe darin bestünde, eben dieses Aufeinandertreffen zu vermeiden, anstatt sie vor russischer Aggression zu schützen, die, wie wir sehen, in völlig unerwarteten Formen auftreten kann?

Und wenn es nicht um eine direkte Invasion geht, nicht um Panzerarmeen und Artillerie, sondern zum Beispiel um einen Raketenangriff oder um Drohnenangriffe — was würden die Vereinigten Staaten dann unternehmen, um Moskau dazu zu bringen, von seinen aggressiven Absichten abzusehen? Angesichts der Haltung des amerikanischen Präsidenten zum russisch-ukrainischen Krieg und seiner ständigen Versuche, die Schuld vom Aggressor auf das Opfer zu schieben, ist dies eine in der Tat sehr aktuelle Sicherheitsfrage. Und hier geht es nicht um gute Beziehungen zu Trump oder um politische Überzeugungen. Es ist eine Frage des Überlebens.

In dieser Situation wirkt natürlich der Vorschlag von Präsident Emmanuel Macron ziemlich attraktiv. Aber wiederum stellt sich eine einfache Frage: Wie realistisch ist dieser Vorschlag und wie viel Zeit würde seine Umsetzung erfordern? Derzeit beginnen erst Beratungen zwischen Paris und Berlin über nukleare Zusammenarbeit. Man sollte sich daran erinnern, dass Deutschland früher diese Idee stets abgelehnt hat. Nur die neue Regierung unter Friedrich Merz hat sich bereit erklärt, Konsultationen mit der französischen Führung zu beginnen. Aber klar ist auch, dass diese Konsultationen nicht an einem Tag und wahrscheinlich nicht in einem Jahr abgeschlossen sein werden. Es ist gut möglich, dass diese Konsultationen erst vom Nachfolger Emmanuel Macrons auf dem Präsidentenamt abgeschlossen werden.

Unmittelbar stellt sich dann die Frage, wer dieser Nachfolger sein wird und ob dieser neue Präsident, falls er aus dem ultrarechten Lager kommt, Trumps Auffassung von Sicherheit teilen und meinen wird, Frankreich müsse vor allem sich selbst schützen und nicht seine Nachbarn auf dem Kontinent. Dann bliebe Macrons Initiative wohl bestenfalls ein Beispiel für gesunden Menschenverstand in einer Zeit, in der die Politik diesen gesunden Menschenverstand allmählich verliert.

Und selbstverständlich kann die Frage der sogenannten nuklearen Teilhabe erst dann auf der NATO-Agenda auftauchen, wenn Frankreich und Deutschland zu einem gegenseitigen Verständnis gelangen. Von Großbritannien ist in dieser Hinsicht keine besondere Vorreiterrolle zu erwarten, schon allein deshalb nicht, weil das nukleare Potenzial Londons mit den Vereinigten Staaten verbunden ist. Damit die britische Regierung dieses Potenzial im europäischen Interesse frei nutzen könnte, müsste sie, nun ja, zumindest einen Machtwechsel in den Vereinigten Staaten abwarten. Und wenn in den Vereinigten Staaten die Macht wechselt, ist es durchaus möglich, dass ein neuer Präsident die politische Linie Donald Trumps zugunsten der europäischen und weltweiten Sicherheit verwirft und sich gegen Isolationismus ausspricht — eine Politik, die offenbar den Interessen der Vereinigten Staaten selbst widerspricht.

Dass in Polen Überlegungen aufkommen, sich an der Beschaffung von Atomwaffen über Bündnispartner zu beteiligen, zeigt das Ausmaß der Besorgnis, das in den Ländern Mittelosteuropas im Zusammenhang mit dem anhaltenden russisch-ukrainischen Krieg besteht und das Unverständnis bei westlichen Führungspersönlichkeiten, wie sie diesen Krieg in absehbarer Zeit stoppen und den russischen Ambitionen begegnen sollen — Ambitionen, die aktiv aus Peking unterstützt werden.

Es entsteht die Erkenntnis, dass, falls Putins Bestreben, den Krieg gegen die Ukraine über unbestimmte Zeit fortzusetzen, nicht durch westliche Anstrengungen gestoppt wird — und auf Donald Trump ist hier kaum Verlass —, dieser Krieg immer neue Formen annehmen wird und schließlich auch über die Grenzen der Ukraine hinaustragen kann, wie wir es während des jüngsten Angriffs der Russischen Föderation auf Polen gesehen haben, und durch das ständige Auftauchen russischer Drohnen im Luftraum der NATO-Mitgliedstaaten. Ich bezweifle nicht, dass dieses Auftreten sich mit jedem Monat und jedem Jahr des russisch-ukrainischen Konflikts nur verschärfen wird.

Deshalb ist das Auftauchen von Elementen nuklearer Bewaffnung in Ländern, die das nächste Ziel russischen destabilisierenden Drucks — selbst wenn er hybrid ist — werden könnten, durchaus eine logische Reaktion auf die entstehende Bedrohung. Es bleibt jedoch eine wichtige Frage: Wird sich diese Antwort in der Praxis umsetzen lassen, oder wird sie nur in den Erklärungen von Politikern verbleiben, die darauf hoffen, dass der gesunde Menschenverstand siegen wird?