Neue Äußerungen Putins: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 02.09.2026.

Der russische Präsident Putin hat nach dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Bischkek eine ganze Reihe von Erklärungen abgegeben, die vor allem mit seinen Vorstellungen über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges zusammenhingen.

Diese Erklärungen sind schon deshalb wichtig, weil Putin sie kurz nach seinem Treffen in der kirgisischen Hauptstadt mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping und dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi abgab, die bekanntlich die wichtigsten Sponsoren der russischen Wirtschaft sind, weil sie russisches Öl kaufen. Und diese Äußerungen erfolgten auch nur wenige Tage nach dem sensationellen Besuch des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten, John Ratcliffe, in der russischen Hauptstadt – einem Besuch, um den weiterhin Verschwörungstheorien kreisen und zu dem unterschiedliche Versionen darüber geäußert werden, warum dieser Besuch überhaupt stattgefunden hat.

Deshalb sollte man Putins Erklärungen durchaus ernst nehmen, denn sie sind eine Mischung aus Propaganda und realen Absichten, die mit Moskaus Beziehungen vor allem zu Washington zusammenhängen, aber offenbar nicht nur zu Washington. Putin betonte, wie immer in seinen Erklärungen zum russisch-ukrainischen Krieg, dass er nicht an einem Waffenstillstand, sondern an einem dauerhaften Frieden interessiert sei. Aber Verhandlungen über diesen Frieden ist Russland bereit, mit jedem zu führen.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass Russland früher immer davon sprach, dass Verhandlungen gerade mit den Vereinigten Staaten stattfinden würden und dass man nur mit den Amerikanern reden müsse. Sowohl die Ukrainer als auch die Europäer wurden von der russischen politischen Führung ignoriert, persönlich von Putin, der sich weiterhin für den wichtigsten Partner des amerikanischen Präsidenten Donald Trump hält. Und nun stellt sich heraus, dass der Kreis der Verhandlungsteilnehmer erweitert werden kann.

Das ist genau das, wovon ich immer spreche, wenn ich betone, dass man in Russland nur die Sprache der Stärke versteht und nicht die Sprache der Diplomaten. Putin ging mehrmals auf die Angriffe ein, die gegen den russischen Ölraffineriekomplex und gegen russische Häfen geführt wurden. Er versuchte die ganze Zeit, die Schäden herunterzuspielen, die der Russischen Föderation durch diese Angriffe zugefügt wurden. Als er insbesondere über die Angriffe auf russische Häfen sprach, sagte er, Russland habe nur 1 Prozent des BIP verloren, aber auch das sei ein Schaden.

Aber wir wissen sehr gut, dass die Realität weitaus ernster ist, denn Putin kann die Tatsache nicht ignorieren, dass in Russland derzeit 50 Prozent der Ölraffineriekapazitäten nicht funktionieren, was natürlich die Voraussetzungen für eine massive krisenhafte Entwicklung in der russischen Wirtschaft bereits in naher Zukunft schafft. Ganz zu schweigen von der massiven Krise der russischen Landwirtschaft, deren Grundlagen gerade durch ukrainische Angriffe auf die Hafeninfrastruktur der Russischen Föderation gelegt werden.

Natürlich können wir sagen, dass auch die Ukraine durch die Angriffe der russischen Luftwaffe auf ukrainische Objekte zahlreiche Schäden erleidet, aber die Schäden der Ukraine bedeuten in einer solchen Situation keine Gewinne für Russland. Und übrigens, was die Schäden der Ukraine betrifft: Putin äußerte während dieser Pressekonferenz eine enorme Zahl unterschiedlichster Drohungen, völlig unterschiedlicher Art, aber sie bezogen sich auch darauf, dass die Ukraine von der Möglichkeit einer faktischen Stilllegung des Ölraffineriekomplexes der Russischen Föderation und des Luftraums der Russischen Föderation gesprochen hatte.

Und hier sehen wir eine unglaubliche, ich würde sagen, Demonstration von Doppelstandards. Putin erzählte, er habe erfahren, dass eine große Zahl von Drohnen erneut versucht habe, die Luftverteidigung Moskaus und Sankt Petersburgs zu durchbrechen, zivile Objekte angegriffen und versucht habe, drei Ölraffinerien zu treffen. Und nun seien die Streitkräfte der Russischen Föderation angewiesen worden, massive Angriffe auf Objekte der ukrainischen Energieinfrastruktur vorzubereiten und durchzuführen. „Sie greifen uns an und bekommen eine Antwort“, sagte Putin.

Aber hier gibt es einen ziemlich wichtigen Punkt, über den vor allem die Ukrainer nachdenken müssen. Und vor allem jene Ukrainer, die sagen, wir sollten keine derart schweren Angriffe auf Russland führen, weil Russland auf diese Angriffe antworte und die ukrainische Energieinfrastruktur zerstören könne.

Aber was war, als die Ukraine zuvor keine Angriffe auf die Russische Föderation führte? Denn wenn wir von massiven ukrainischen Angriffen auf russische Stellungen sprechen, begann das vor allem in diesem Jahr. Gab es damals etwa keine Angriffe auf die Infrastruktur der Ukraine? Haben wir nicht jeden Winter mit russischen Angriffen gerechnet?

Ja, diese Angriffe können sich verstärken, weil sich die technologische Ausstattung des Krieges verändert. An die Stelle alter sowjetischer Raketen, an die Stelle von Drohnen des Typs Shahed treten strahlgetriebene Drohnen. All das sind reale Drohungen und Gefahren. Aber das hat überhaupt nichts mit Vergeltungsschlägen zu tun.

Es hängt damit zusammen, dass Putin bereits 2022 Kurs auf die Zerstörung der ukrainischen Infrastruktur genommen hat. Denn russische Flugzeuge griffen bereits 2022 Objekte der zivilen ukrainischen Infrastruktur an. Erinnern Sie sich daran, wie wir davon sprachen, dass der Luftraum über der Ukraine geschlossen werden müsse.

Und hier noch eine Demonstration solcher Doppelstandards. Wenn Putin über Zelenskys Äußerungen zu einer möglichen faktischen Schließung des russischen Luftraums spricht, bezeichnet er das als einen Akt des Staatsterrorismus. Aber hier stellt sich die Frage: Und was ist mit den Angriffen auf den ukrainischen Luftraum, jenen Angriffen, die ebenfalls bereits 2022 begannen, mit den Angriffen auf zivile ukrainische Flughäfen, mit der Schaffung von Bedingungen, unter denen die Ukraine ihre zivile Luftfahrt nicht wieder aufnehmen kann? Was für ein Akt ist das?

Warum ist es Terrorismus, wenn die Ukraine den russischen Luftraum schließt, aber eine militärische Spezialoperation, wenn Russland den ukrainischen Luftraum schließt? Und ich sage Ihnen, warum Putin so denkt. Weil er sich weiterhin für den Machthaber irgendeines einheitlichen Staates hält, der in seinem Kopf existiert, von Uschhorod bis Aschgabat. Und natürlich kann er als Machthaber dieses Staates beliebige Entscheidungen über Angriffe auf Städte in diesem Staat treffen. Schließlich zerstörten die Russen beispielsweise den internationalen Flughafen von Grosny und hielten das für völlig normale Maßnahmen zur Erziehung der Tschetschenen, die damals für den Austritt aus der Russischen Föderation kämpften.

Wir konnten glauben, dass sich die Haltung gegenüber der Ukraine von der Haltung gegenüber Tschetschenien unterscheidet, weil Tschetschenien noch zu Zeiten der UdSSR formal eine Republik innerhalb Sowjetrusslands war, während wir eine Unionsrepublik waren, die nominell das Recht hatte, aus der Sowjetunion auszutreten – ein Recht, das, wie wir verstehen, in der Praxis niemals verwirklicht worden wäre, wenn es nicht zum faktisch raschen Zerfall des Imperiums infolge des Konflikts zwischen den beiden russischen Machtzentren in Moskau gekommen wäre, der sich 1991 manifestierte. Aber das ist unsere Sichtweise.

Aus russischer Sicht gibt es zwischen einer Unionsrepublik und einer russischen Republik keinerlei Unterschied. Russland konnte sich vorübergehend mit der Unabhängigkeit der Ukraine und anderer ehemaliger Sowjetrepubliken abfinden, die gerade infolge des Konflikts zwischen diesen beiden Machtzentren zustande kam – dem Unionszentrum einerseits und dem russischen Zentrum andererseits –, betrachtete dies aber immer als eine vorübergehende Situation.

Putin zeigt mit seiner Haltung gegenüber den ukrainischen Handlungen gerade, wie dieses Denken eines chauvinistischen Führers funktioniert, der seine Angriffe auf jedes beliebige Gebiet innerhalb der ehemaligen Sowjetunion für sein Recht hält, Gegenangriffe auf Russland dagegen für Terror. Genau wie bei Tschetschenien: Wenn die Tschetschenen zurückschlagen, ist das Terror. Wenn die Russen tschetschenische Aule zerstören, ist das eine spezielle Antiterroroperation.

Interessant ist, dass Putin sofort betonte, er werde keine Angriffe auf die ukrainische Führung führen, weil man Verhandlungspartner brauche, die alle Probleme in den russisch-ukrainischen Beziehungen auf friedlichem Wege lösen und den russisch-ukrainischen Krieg beenden wollten, „die Fragen auf friedlichem Wege lösen wollen und nicht einfach in 40 Tagen unsere Wirtschaft zerstören, Russland in die Knie zwingen und uns einen weiteren strategischen Schlag versetzen wollen“.

Und Sie können ebenfalls fragen: „Woher kommt plötzlich diese Friedfertigkeit des russischen Präsidenten?“ Das ist keine Friedfertigkeit, das ist wiederum ein Gefühl der Bedrohung. Denn Putin kann verstehen, dass wiederum mit der Veränderung der technologischen Ausstattung des Krieges, falls er Angriffe auf die ukrainische Führung durchführen lässt, ein Gegenschlag erfolgen kann.

Erinnern wir uns daran, wie sich der russische Präsident vor seinem amerikanischen Amtskollegen erniedrigte, als es um die Durchführung der Parade auf dem Roten Platz in der russischen Hauptstadt ging. Das heißt, in Russland gab es ein klares Verständnis dafür, dass tatsächlich eine Situation entstehen könnte, in der der Luftraum über Moskau die Durchführung dieser Parade nicht zulassen würde.

Und wenn man die Umgebung Moskaus angreifen und Probleme für die Durchführung der Parade schaffen kann, warum sollte man dann als Antwort auf Angriffe gegen die ukrainische Führung nicht Putins eigene Residenz angreifen können? Wer wird ihn dann schützen? Trump? Trump kann ihn schützen, solange ein gegenseitiges Verständnis darüber besteht, dass man die Entscheidungszentren nicht angreift. Wenn auch diese roten Linien überschritten werden, könnte Putins Leben in Gefahr geraten.

Bekanntlich schätzt Putin nichts so sehr wie sein eigenes Leben. Erinnern wir uns an diesen langen weißen Tisch. Vielleicht wird er noch zu irgendeiner historischen Randnotiz werden, aber inzwischen ist er in den Hintergrund gerückt. Doch das war der Tisch aus der Zeit der Coronavirus-Pandemie. Und er zeigte, wie Putin tatsächlich zu seinem eigenen Leben steht. All diese Quarantänen, die Menschen durchlaufen mussten, die sich mit ihm treffen sollten. All das zeigt, dass Putin tatsächlich in erster Linie an sich selbst denkt, ausschließlich an sich selbst, wenn er über irgendwelche Fragen des russisch-ukrainischen Krieges spricht.

Übrigens zu den Amerikanern. Auch das ist ein ziemlich interessantes Thema dieser Pressekonferenz des russischen Machthabers, denn er sagte nichts Konkretes über den Besuch des CIA-Direktors, obwohl er nach diesem Besuch gefragt wurde. Er sagte, dass zwischen den Leitern der Geheimdienste direkte Kontakte aufrechterhalten würden und dass es für die Russen in Wirklichkeit angenehm sei, mit jenen Menschen zusammenzuarbeiten, die sie gut kennen und denen sie vertrauen. Gemeint sind Witkoff und Kushner. „Das sind Trump nahestehende Menschen, aufrichtige Menschen, die versuchen, unsere Arbeit mit konkretem Inhalt zu füllen, Menschen, die das Vertrauen des Präsidenten der Vereinigten Staaten genießen. Und ohne das ist es überhaupt unmöglich, irgendwelche Verhandlungen zu führen, denn wenn sie sich mit uns auf etwas einigen und die erste Person das anschließend alles filtert, durch 1000 oder mehr teilt, dann wird das sinnlos.“ Und deshalb sind Herr Kushner und Herr Witkoff gern gesehene Gäste in der russischen Hauptstadt.

Wieder stellt sich die Frage: Woher kommt diese Gesprächsbereitschaft? Putin sagt, der Verhandlungsprozess sei eingefroren, aber wir erinnern uns doch daran, dass er es war, der ihn eingefroren hat. Er selbst, als er die Entscheidung traf, Russland aus den Verhandlungen zurückzuziehen, bis die ukrainischen Truppen das Gebiet der Oblast Donezk verlassen. Somit kann man sagen, dass Witkoff und Kushner – möglicherweise im Gegensatz zum Direktor der Central Intelligence Agency, Herrn Ratcliffe, der sich als konkreter und härter erwiesen hat – gern gesehene Gäste sind, weil man mit ihnen über Geld sprechen kann. Und man kann ihnen wiederum einen Bären aufbinden. Man kann von all diesen Milliarden und Billionen erzählen, die im Falle einer Verbesserung der russisch-amerikanischen Beziehungen verdient werden könnten. Und wie verbessert man die russisch-amerikanischen Beziehungen? Indem man die Ukraine preisgibt.

Und wir haben bereits mehrfach gesehen, dass Steve Witkoff zumindest nach Verhandlungen mit Putin die Ukraine zu Zugeständnissen drängte, die grundsätzlich nicht nur zur Demütigung der Ukraine als Staat, sondern auch zu einer drastischen Destabilisierung der inneren Lage in unserem Land hätten führen können, was grundsätzlich eine der wichtigen Aufgaben des russischen Präsidenten ist: diese drastische Destabilisierung zu erreichen und dafür zu sorgen, dass die Situation in der Ukraine den Vormarsch der russischen Truppen begünstigt.

Über den Vormarsch sprach Putin sehr viel und nannte geografische Namen. Ich werde darauf nicht näher eingehen, weil Putin wiederum mehrfach Namen von Städten und Ortschaften genannt hat, die sich später offensichtlich unter der Kontrolle der ukrainischen Armee befanden. Und wir verstehen, dass all diese Namen für das eigene Publikum und zur Demoralisierung der ukrainischen Gesellschaft bestimmt sind. Denn wiederum: Selbst wenn russische Truppen tatsächlich irgendwelche Ortschaften auf dem Gebiet der Ukraine besetzen, hat das in jedem Fall keinen Einfluss auf das Hauptziel des russischen Präsidenten – die Eroberung unseres gesamten Landes und die Vernichtung seiner Staatlichkeit. Und das weiß er sehr gut.

Deshalb wirkt diese Pressekonferenz auch so eigentümlich – als Mischung aus Drohungen und gleichzeitig dem Angebot, miteinander zu reden. Und ich sage wiederum, dass ich es für möglich halte, dass diese Mischung aus Drohungen an die Ukraine gerichtet ist, während das Angebot, miteinander zu reden, nicht nur an Trump, sondern auch an Xi Jinping gerichtet ist, der während seines Aufenthalts in Bischkek ebenfalls von einer verstärkten Koordinierung zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges sprach. Und wir wissen nicht, was er Putin tatsächlich gesagt hat. Vielleicht sprach auch er von der Notwendigkeit, den Krieg zu beenden und irgendwie einen Ausweg aus dieser Situation zu finden. Vielleicht waren das Andeutungen des chinesischen Staatschefs. Aber wir verstehen, dass Xi Jinping gerade nicht derjenige ist, mit dem der russische Präsident zu streiten bereit ist, weil das Überleben des Putin-Regimes von chinesischem Geld abhängt.

Russland befindet sich jetzt genau in einer solchen Situation. Putin kann die Bedeutung der, ich würde sagen, Rolle, die China für Russlands Überleben spielt, so sehr herunterspielen, wie er will, und er kann das Ausmaß der Verluste herunterspielen, die Russland infolge der ukrainischen Angriffe erlitten hat. Aber all das sind objektive Tatsachen, die er ignorieren kann, die dadurch jedoch nicht weniger wichtig für sein politisches und wirtschaftliches Überleben werden.

Obwohl Putin wiederum weiterhin versichert, dass die sogenannte „militärische Spezialoperation“ so weitergehe wie bisher, dass die russischen Truppen das Tempo ihres Vormarsches steigerten und dass alle Aufgaben erfüllt würden, sagt er nie bis zum Ende, worin eigentlich der Sinn dieser Aufgaben besteht. Wie sollen sie überhaupt weitergeführt werden, wie sollen sie umgesetzt werden, was kann in diesem russisch-ukrainischen Krieg tatsächlich geschehen, das für Putin bedeuten würde, dass er ein wirklich siegreiches Ergebnis erreicht hat?

Auf diese, ich würde sagen, wichtige Konstante haben wir weder vom russischen Präsidenten noch von anderen russischen Funktionären jemals irgendeine Antwort gehört. Ja, wir haben die Vorstellung gehört, dass die Ukraine verschwinden müsse, aber wir haben nie eine Erklärung dafür gehört, wie das geschehen soll, wie Russland dies bei dem Tempo erreichen kann, das die russischen Truppen bei ihrem Vormarsch auf ukrainischem Boden angeblich steigern.

Und noch ein interessanter Punkt dieses Treffens mit Journalisten, über den ebenfalls gesprochen werden muss, ist die Mobilmachung. Ins Ukrainische übersetzt sagte Putin, das sei Unsinn, ein Informationsangriff auf Russland. Wenn man genau zitiert, was er sagte, als er gefragt wurde, ob es in der Russischen Föderation eine Mobilmachung geben werde, sagte er: „Hundeblödsinn.“ Und das spiegelt genau seinen Wunsch wider, dass die Russen diese Mobilmachung nicht fürchten sollen.

Offensichtlich hat die Erfahrung der Mobilmachung von 2022, wenn auch nur einer Teilmobilmachung, beim russischen Präsidenten Spuren hinterlassen. Und in dieser Situation können wir faktisch sagen, dass der russische Machthaber so oder so versteht – vielleicht will er es nicht verstehen, aber er versteht –, dass die Situation mit der Mobilmachung zu einer ernsthaften, ich würde sagen, Verschlechterung der Beziehungen zwischen der russischen Gesellschaft und der Staatsmacht führen kann.

Und die Russen haben ohnehin bereits begonnen zu sehen, dass der Krieg zu ihnen kommt. Und sie verstehen ohnehin, dass dies nicht mehr eine so einfache Situation ist wie zuvor beim russisch-ukrainischen Konflikt. All das sind meiner Ansicht nach völlig verständliche Dinge. Aber zugleich können wir eindeutig sagen, dass Putin bei dieser Mobilmachungsaktivität ein Befürworter verdeckter Maßnahmen sein kann.

Schließlich ist sein Mobilmachungsdekret nicht aufgehoben worden. Es gilt. Die russische Führung kann derzeit, wie viele Beobachter meinen, von den Leitern der russischen Föderationssubjekte, der Gebiete, Regionen und Republiken verlangen, dass sie sich mit dieser verdeckten Mobilmachung befassen, irgendwelche Menschen suchen, die in der Lage sind, an einer weiteren Eskalation der Situation teilzunehmen, sich auf Vertragsbasis für die russische Armee verpflichten, und die Summen dieser Verträge erhöhen, weil viele russische Regionen schlicht nicht mehr genug Geld haben, um solche Vertragsmaßnahmen durchzuführen. Vielleicht wird man ihnen sagen, dass sie wegen fehlender Haushaltsmittel irgendwelche Grenzen überschreiten und soziale Programme kürzen müssen, aber Geld für die Mörder finden sollen.

Wenn Putin also „Hundeblödsinn“ sagt, bedeutet das, dass er einfach keine lautstarke Erklärung über eine Mobilmachung abgeben wird. Aber es bedeutet nicht, dass es die Mobilmachung selbst als verdeckten Faktor – als einen sogar vor der russischen Gesellschaft verborgenen Faktor – nicht geben wird.

Und noch ein wichtiger Punkt ist, dass er die Europäer weiterhin einschüchtert. Das ist auch deshalb wichtig, weil Deutschland gerade heute erstmals offiziell erklärt hat, Russland der Vorbereitung eines Sabotageakts am Flughafen Leipzig unter Einsatz von Drohnen zu beschuldigen. Und das ist tatsächlich, anders als alles, was Putin sagt, gewöhnlicher, echter Staatsterrorismus, denn deutsche Minister sagen eindeutig, dass die Organisatoren dieses Terroranschlags im Auftrag staatlicher Strukturen der Russischen Föderation gehandelt hätten. Nicht einfach so.

Was sagt Putin in dieser Situation? Deutschland erwähnt er nicht, sondern konzentriert sich auf Großbritannien und betont, dass alle Objekte auf dem Gebiet der Ukraine, militärische Objekte, darunter auch britische, zu legitimen Zielen der russischen Armee werden können. Doch der Journalist fragt den russischen Präsidenten an dieser Stelle: „Und was ist mit Objekten, die in Großbritannien selbst für die Bedürfnisse der ukrainischen Armee genutzt werden?“ Und Putin beantwortete diese Frage nicht, sondern sagte, genau das sei ein militärisches Geheimnis.

Und das ist eine gezielte Antwort, die erstens demonstrieren soll, dass Russland Sabotageakte auf dem Gebiet europäischer Länder vorbereitet. Und wir haben bereits erste Anzeichen solcher Sabotageakte gesehen. Und zweitens – und das ist ebenfalls eine sehr wichtige Tatsache –, dass es keine Verantwortung für solche Sabotageakte übernehmen will. Auch das ist, wie mir scheint, ein offensichtlicher Punkt, über den wir sprechen müssen, wenn wir diese Äußerungen Putins in der kirgisischen Hauptstadt diskutieren.

Und wenn wir nicht nur über den russisch-ukrainischen Krieg sprechen, sondern allgemein über das, was im postsowjetischen Raum geschieht und was Putin kommentieren muss, dann hat er im Grunde selbst die Schwächung des russischen Einflusses im postsowjetischen Raum festgestellt. Und zwar als er den armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan angriff, der einer der Teilnehmer dieses Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit war, und sagte, eine gleichzeitige Mitgliedschaft in der Eurasischen Union und in der Europäischen Union sei nicht möglich. Obwohl Armenien im Grunde bislang nicht einmal einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union gestellt hat, während es bereits Mitglied der Eurasischen Union ist. Aber auch das ist ein solcher Erpressungsversuch.

Und übrigens möchte ich daran erinnern, dass Armenien damals in die Eurasische Wirtschaftsunion gelangte, als Putin das Land, den damaligen Präsidenten Sersch Sargsjan, buchstäblich dazu zwang, auf eine künftige Mitgliedschaft oder zumindest irgendeine Form von Partnerschaft und Assoziierung mit der Europäischen Union zu verzichten. Damals war für Armenien bereits ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union vorbereitet worden, ein solches, wie wir es vorbereitet hatten. Und Sargsjan verzichtete praktisch gleichzeitig mit Janukowitsch auf die Unterzeichnung dieses Dokuments. Und damals zwang Putin ihn im Grunde zum Beitritt zur Eurasischen Wirtschaftsunion.

Ich denke, uns hätte, wenn Janukowitsch an der Spitze des ukrainischen Staates geblieben wäre, dasselbe Schicksal erwartet. Da sagen manche: „Janukowitsch hätte eben weiterregiert, wäre dann gegangen und hätte die Wahlen verloren.“ Nichts davon wäre geschehen. Es wäre einfach zur Verwandlung der Ukraine in Belarus Nummer zwei gekommen. Und dann wäre von unserem Territorium aus bereits Polen angegriffen worden. So wäre es gewesen. Nun, das ist eine Zukunft, die nicht eingetreten ist. Wir sprechen jetzt über etwas anderes.

Wenn wir also über etwas anderes sprechen, dann ist ein weiteres Element von Putins Erpressung, dass er sagt: Wenn die russische Militärbasis in Armenien nicht gebraucht werde, könne Russland Armenien schon morgen verlassen. Mich würde interessieren, ob die Russen tatsächlich bereit wären, schon morgen abzuziehen, wenn Jerewan ihnen die Bedingung stellen würde, dies in nächster Zeit zu tun. Putin glaubt, Armenien könne das Fehlen einer russischen Basis fürchten, weil deren Abwesenheit zu einer neuen Eskalation im Südkaukasus, zu einer erneuten Verschlechterung der Beziehungen zwischen Armenien und Aserbaidschan führen könnte, wenn die Russen nicht mehr da wären, die Armenien angeblich zu schützen bereit sind.

Aber wir haben doch etwas Offensichtliches gesehen: Erstens haben die Russen überhaupt nicht vor, irgendjemanden vor irgendjemandem zu schützen, wenn das nicht ihren momentanen Interessen entspricht. Und zweitens hat der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev die sogenannten russischen Friedenstruppen einfach aus Karabach entfernt, die dort eine eigene Basis errichten wollten. Sie dachten natürlich nicht an die Interessen Karabachs, sondern an Putins Interessen. Sogar jemand von ihnen kam dort ums Leben, und nichts geschah.

Warum sollten die Armenier glauben, dass eine russische Basis eine Garantie für irgendetwas ist? Sie sehen doch, dass inzwischen praktisch alle ehemaligen Sowjetrepubliken nach neuen Garanten ihrer Sicherheit suchen, weil sie verstehen, dass Russland definitiv kein Garant für Sicherheit mehr ist, sondern eher ein Garant für Gefahren. Deshalb ist diese Basis in Gjumri zweifellos Teil dieser Erpressung Putins gegenüber Armenien, aber diese Erpressung könnte nicht funktionieren.

Und was die Lüge betrifft, dass nur noch 10 Prozent der Ölraffinerien repariert werden müssten: Das stimmt nicht. Dass das Dekret zum Schutz von Objekten der kritischen Infrastruktur, das der russischen Regierung das Recht gibt, bei solchen Objekten eine vorübergehende Verwaltung einzuführen, nicht deren Verstaatlichung bedeutet, stimmt ebenfalls nicht. Putins Dekret zeigt eindeutig, dass diese Anlagen verstaatlicht werden können. Ich denke, dass dies tatsächlich geschehen wird.

Die Anschuldigung Deutschlands gegen Russland, den Angriff auf den Flughafen Leipzig organisiert zu haben, sei ein innenpolitisches Problem. Russland habe das nicht getan. Es gebe keinerlei Beweise für eine russische Beteiligung. Die Verschlechterung der Beziehungen zwischen Moskau und Tokio sei ausschließlich ein Problem der japanischen Führung. Sie seien es, die die russisch-japanischen Beziehungen verschlechterten, und nicht Russland.

Nun, wir verstehen, dass Putin sich auf diese Weise wiederum bei ebenjenem Xi Jinping einschmeichelt, mit dem er sich in Bischkek getroffen hat.

Und noch ein letzter Punkt, über den ich sprechen möchte. Ich habe ihn nicht erwähnt, als ich davon erzählte, dass Putin verschiedene angeblich eingenommene Orte nennt. Aber was Putin tatsächlich eingeräumt hat, ist, dass sich Russland praktisch von Sumy zurückzieht. Denn Putin sagte, Russland müsse noch 12 Kilometer bis zur Ringstraße von Sumy überwinden. Ende Juni hatte Putin jedoch gesagt, Russland müsse noch 10,5 Kilometer überwinden.

Dabei sagen Experten, dass Russland in Wirklichkeit 17 Kilometer von Sumy entfernt ist. Ganz zu schweigen davon, dass es in Sumy gar keine solche Ringstraße gibt. Nun, sie existiert nicht.

Aber darum geht es uns nicht. Es geht darum, dass Putin mit dieser Erzählung einräumt, dass die russische Armee nicht vorwärts, sondern rückwärts vorrückt. Wissen Sie, das ist so eine negative Offensive, wie man in der Russischen Föderation gerne sagt. Und Swjatohirsk, dessen Einnahme Putin verkündet hat, befindet sich nach Angaben aller Beobachter derzeit nicht unter der Kontrolle der russischen Armee. Sie befindet sich nicht besonders weit von der Stadt entfernt, etwa zehn Kilometer, aber diese zehn Kilometer kann man, wie Sie verstehen, auch in die entgegengesetzte Richtung zurücklegen.

Das war also eine erste Analyse von Putins Äußerungen. Danke, Freunde, dass Sie zugehört haben.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Нові заяви Путіна: головне | Віталій
Портников. 02.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 02.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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