Zelensky: Trump drängt die Ukraine zur Kapitulation | Vitaly Portnikov. 19.10.2026.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky sagt in seinem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass er den Eindruck habe, die amerikanischen Partner würden die Ukraine auf eine Kapitulation vorbereiten. Zu diesen Schlussfolgerungen kommt der ukrainische Präsident aufgrund der zahlreichen Verzögerungen bei amerikanischen Waffenlieferungen, die bereits in der Ukraine hätten eintreffen sollen. Dazu gehören auch die von den Verbündeten bereits bezahlten Raketen für die Patriot-Batterien, die sich im Pentagon befinden und für deren Versand der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, Pete Hegseth, einer der engsten Vertrauten Donald Trumps, keine Genehmigung erteilt.

Und wir wissen natürlich nicht, ob er sich dabei von der Notwendigkeit leiten lässt, Flugabwehrraketen für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten zurückzuhalten, die möglicherweise auf eine Entscheidung des Präsidenten warten, die Angriffe auf den Iran nach den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress wieder aufzunehmen, oder ob man der Ukraine auf diese Weise tatsächlich zu verstehen gibt, dass sie, wenn schon nicht auf die Bedingungen Donald Trumps, so doch zumindest auf jene Bedingungen eingehen müsse, die als Zwischenlösung für die Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen der Russischen Föderation, der Ukraine und den Vereinigten Staaten dienen sollen. Und das ist, wie wir heute wissen, nicht einmal der Abzug ukrainischer Truppen aus dem Gebiet Donezk, sondern vor allem die Einstellung ukrainischer Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation. Und meiner Meinung nach geht es dabei nicht einmal um die Dieselpreise an amerikanischen Tankstellen, sondern darum, dass Trump am Erhalt des russischen Ölraffineriesektors interessiert sein könnte, und zwar keineswegs nur für die Bedürfnisse von Lukoil.

Eine weitere Person, die am Erhalt des Ölraffineriesektors der Russischen Föderation interessiert sein könnte, ist der Staatspräsident der Volksrepublik China, Xi Jinping. Auch das vergessen wir. Wir vergessen, dass Trump seine Forderungen nach einer Einstellung der Angriffe auf den russischen Ölraffineriesektor gerade nach seinem eigenen Treffen mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China verstärkt hat.

Zumindest aus den offiziellen Mitteilungen des chinesischen Außenministeriums wissen wir, dass der Präsident der Vereinigten Staaten und der chinesische Staatspräsident die Situation im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine besprochen haben. Aber was bedeutet das? Dabei könnte es gerade um eine Diskussion der beiden Staatschefs darüber gegangen sein, dass die Zerstörung der Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation durch die Ukraine weder im Interesse Washingtons noch im Interesse Pekings liegt. Denn für Peking, das Putins Russland immer zielstrebiger in seinen eigenen Satelliten verwandelt, ist es natürlich wichtig, dass Russland eine Art Tankstelle ohne Zukunftsperspektiven bleibt. Und wenn Russland keine Ölraffinerie- und erst recht keine Ölförderindustrie mehr hat, wenn es aufgrund der Tatsache, dass Russland mehr Öl fördern wird, als es verkaufen und verarbeiten kann, seine Bohrlöcher stilllegen muss, dann ist das für China auf lange Sicht überhaupt nicht interessant.

Und das könnte auch eine gemeinsame Vorstellung des Präsidenten der Vereinigten Staaten und des Staatspräsidenten der Volksrepublik China gewesen sein: „Sie können die Ukrainer nicht grundsätzlich davon abhalten, Russland anzugreifen, aber zumindest müssen Sie dafür sorgen, dass sie nicht den wichtigsten Wert der russischen Wirtschaft angreifen: die Ölraffinerien, die Ölförderung und die Häfen, über die Öl transportiert wird, auch in die Volksrepublik China. Denn damit schaden Sie nicht nur uns, sondern auch sich selbst. Sie treiben die Ölpreise, die Benzin- und Dieselpreise in die Höhe, und das alles vor den Zwischenwahlen in Ihrem Land.“

Könnte das der Kontext des Gesprächs zwischen Trump und Xi Jinping gewesen sein? Natürlich könnte es so gewesen sein. Und übrigens könnte Putin gerade im Bewusstsein dieses Zusammenhangs einen trilateralen Gipfel der Vereinigten Staaten, Russlands und Chinas im chinesischen Shenzhen vom 17. bis 19. November anregen, wenn dort das Gipfeltreffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft stattfindet. Es wäre ein sehr seltener Fall, dass alle drei Präsidenten gemeinsam zusammentreffen, und das auch noch in China.

Und das ist tatsächlich ein interessanter Punkt. Offensichtlich könnte Putin bei seinem letzten Telefongespräch mit Trump, bei dem die Vereinbarungen über Diesel getroffen wurden, auch über ein solches trilaterales Treffen gesprochen haben. Als durch Trump bekannt wurde, dass sie die Lieferung dieser Menge an Tonnen Dieselkraftstoff vereinbart hatten, habe ich Ihnen hier auf diesem Kanal von Anfang an unter anderem gesagt, dass sie offensichtlich nicht darüber gesprochen haben. Dass Menschen nicht anderthalb Stunden oder wie lange sie dort gesprochen haben und sich nicht verabschieden wollten, über die Lieferung von lächerlichen 300 Tonnen Dieselkraftstoff sprechen können, die auf dem Weltmarkt bis zu den Zwischenwahlen überhaupt nichts verändern und auch die Haltung der amerikanischen Wähler gegenüber Donald Trump in keiner Weise beeinflussen werden. Ganz zu schweigen davon, dass es sich um Dieselkraftstoff handelt, den die Vereinigten Staaten selbst gar nicht von Russland kaufen dürfen.

Sie müssen noch über etwas anderes gesprochen haben. Und wenn nun diese Idee eines trilateralen Gipfels auftaucht, ist das ein sehr wichtiger Punkt. Und wir beginnen zu sagen: „Ein neues Jalta.“ Putin will die Welt so aufteilen, wie Franklin Roosevelt, Winston Churchill und Josef Stalin sie auf der Krim aufgeteilt haben. „Ein neues München.“ Putin will von Trump das erreichen, was Hitler von Chamberlain erreicht hat.

Das alles sind sehr interessante Szenarien. Aber man sollte an eine sehr wichtige Sache erinnern. Der Gipfel von Jalta war ein Gipfel der Sieger, die das Hitlerreich zu diesem Zeitpunkt faktisch bereits fast vernichtet hatten und die Gebiete, auf denen sich noch deutsche Truppen befanden, untereinander in Einflusszonen aufteilten. Es war klar, dass auf diesen Gebieten die Truppen der Alliierten stehen würden, und sie mussten vereinbaren, wie diese Truppen verteilt werden sollten, damit sich die Verbündeten am Ende des Krieges nicht untereinander zerstritten und damit es nicht zu einem Kampf zwischen ihnen kam. Und im Prinzip ist es ihnen gelungen, dieses Ziel zu erreichen.

Selbst wenn der Gipfel in Shenzhen stattfindet, wird es ein Gipfel Putins sein, der sich in der Ukraine festgefahren hat und in viereinhalb Jahren nicht die Ziele erreichen konnte, die er buchstäblich innerhalb weniger Monate erreichen wollte. Es wird ein Gipfel Trumps sein, der sich im Grunde im Iran festgefahren hat und nicht weiß, wie er aus dieser Situation herauskommen soll. Und der übrigens sowohl bei Putin als auch bei Xi Jinping Unterstützung dafür sucht. Und es wird ein Gipfel Xi Jinpings sein, der sich von diesen beiden Teilnehmern nur dadurch unterscheidet, dass er noch keine Schritte unternommen hat, die dazu führen könnten, dass auch er sich irgendwo festfährt. Vielleicht wird er damit auch gar nicht anfangen. Das bestreite ich nicht.

Aber das ist nicht die Situation, entschuldigen Sie, in der russische, amerikanische und chinesische Truppen auf dem Territorium der Ukraine stehen und sie unter sich aufteilen oder Europa oder irgendwelche anderen mittelgroßen Staaten aufteilen. Im Gegenteil: Die Russische Föderation und die Vereinigten Staaten haben durch ihr Handeln in der Ukraine und im Nahen Osten gezeigt, dass sich heute vieles nicht mit Gewalt entscheiden lässt. Und alle verstehen sehr gut, dass Putins terroristische, brutale Angriffe auf unser Land Angriffe aus Ohnmacht sind. Auch das ist eine vollkommen offensichtliche Sache.

Und mir scheint, dass Putin das ebenfalls sehr gut versteht. Dass er von einem trilateralen Gipfel, selbst wenn es ihm gelingt, ihn durchzuführen, keine wirklichen Vereinbarungen erwartet. Dass für Putin das Foto dieses Gipfels wichtig ist: er, Trump und Xi Jinping. Drei Staatschefs, die über das Schicksal der heutigen Welt entscheiden. Und Sie sehen ja, dass in der heutigen Politik die sogenannte PR viel mehr bedeutet als die Realität selbst. PR ist PR. Ein schönes Foto zu zeigen, ist manchmal wichtiger, als tatsächlich etwas zu tun.

Und entwickelt sich die ukrainische Politik letztlich nicht nach denselben Regeln? Ich erinnere Sie an das berühmte Friedensforum in der Schweiz. Ein wirklich prächtiges Foto. Wer darauf nicht alles zu sehen war! Es gab einen feierlichen Empfang, bei dem Zelensky gemeinsam mit der damaligen Schweizer Bundespräsidentin die Gäste begrüßte. Hatte das irgendeinen tatsächlichen Bezug zu einem wirklichen Ende des Krieges oder wenigstens dazu, dass Russland diesem Forum Aufmerksamkeit schenkte? Nein, aber es war ein diplomatischer Sieg, ein diplomatischer Sieg, der nichts mit dem tatsächlichen Kriegsverlauf zu tun hatte, denn wenn die Kanonen sprechen, schweigen die Diplomaten. Aber sie treffen sich und lassen sich fotografieren. Und auch das ist ein Merkmal unseres heutigen Lebens. Und wir sind längst diesen Weg einer solchen repräsentativen Politik gegangen, bei der die Demonstration von Möglichkeiten mehr wiegt als die Möglichkeiten selbst.

In diesem Zusammenhang habe ich an eine Äußerung von Maria Sacharowa gedacht. Als sie gefragt wurde, ob Russland ein Forum veranstalten werde, das mit der ukrainischen Krim-Plattform vergleichbar sei, sagte Maria Sacharowa meiner Meinung nach etwas ziemlich Logisches: „Wozu sollten wir ein Forum wie die Krim-Plattform veranstalten, wenn wir die Krim unter unserer Kontrolle haben?“ Nun, tatsächlich: Wenn du ein Gebiet unter deiner Kontrolle hast, über das du wirksam herrschst und das du dir sogar angeeignet und zu deinem eigenen erklärt hast, dann kann dein Feind 150.000 Foren veranstalten und alle Politiker der Welt dazu einladen. Aber wenn er dich nicht aus diesem Gebiet vertreiben kann, dann kann es dir völlig gleichgültig sein, welche Reden andere dort halten.

Und wenn Putin nun diesen Weg geht, den Weg der Demonstration von Möglichkeiten, dann zeigt das gerade, dass er keinen wirklichen Einfluss hat, sondern den Wunsch, zu zeigen, dass er auf Augenhöhe mit Trump und Xi Jinping, die immerhin Staaten mit den größten Volkswirtschaften der Welt führen, über die Probleme der Welt entscheidet. Ausschließlich durch Angst. Ausschließlich dadurch, dass alle befürchten, Putin werde nach dem Krieg in der Ukraine Europa mit strahlgetriebenen Drohnen und Raketen überziehen. Europa, das ungeachtet dessen, was Donald Trump uns erzählt, weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Sicherheit der Vereinigten Staaten selbst bleibt. Und niemand kann heute mit Sicherheit sagen, dass die Vereinigten Staaten sich aus einem Krieg in Europa heraushalten könnten. Nicht einmal Putin, nicht einmal Trump kann das, denn es gibt die öffentliche Meinung, Verpflichtungen und so weiter.

Versuchen wir einfach zu verstehen, wie die Situation im Hinblick auf die Ziele der Beteiligten aussieht, selbst wenn wir uns vorstellen, dass dieser trilaterale Gipfel stattfindet. Welche Ziele verfolgen die Vereinigten Staaten von Amerika? Wenn wir sogar mit Zelenskys Worten sagen, dass unsere Partner versuchen, uns zur Kapitulation zu drängen.

Was bedeutet Kapitulation in Trumps Sprache oder in Zelenskys Sprache? Offensichtlich, den Bedingungen Putins hinsichtlich des Abzugs ukrainischer Truppen aus dem Gebiet Donezk zuzustimmen, möglicherweise auch der Anerkennung der Gebiete Cherson und Saporischschja als russisch, wenn sie bereits in der russischen Verfassung stehen. Und dann die ideologischen Forderungen, etwa die Anerkennung des Status der russischen Sprache und der russischen Kirche auf ukrainischem Boden und so weiter.

Aber ich glaube nicht, dass es Putin darum geht. Für Putin bedeutet die Kapitulation der Ukraine ihre Beseitigung. Ich werde nicht müde, immer wieder daran zu erinnern, dass das ukrainische Volk und der ukrainische Staat nicht die Wahl zwischen Krieg und Kapitulation haben, sondern die Wahl zwischen Krieg und Vernichtung. Denn wenn die andere Konfliktpartei dein Recht, überhaupt auf diesem Gebiet zu existieren, das sie als ihr eigenes betrachtet, nicht anerkennt, von welcher Kapitulation kann dann überhaupt die Rede sein?

Nun, ich würde diesen Vergleich lieber nicht ziehen, aber ich werde ihn ziehen. Die selbsternannte Republik Bergkarabach, die während des Zerfalls der Sowjetunion ihre Unabhängigkeit von Aserbaidschan erklärte und deren Anhänger gemeinsam mit armenischen Truppen gegen Aserbaidschan kämpften, brachte nicht nur das Gebiet dieser Republik selbst unter ihre Kontrolle, sondern auch die umliegenden Bezirke. Und später, während des Zweiten Karabachkrieges, verlor sie zunächst die Kontrolle über diese Bezirke und dann auch über Karabach selbst.

Und ich erinnere mich sogar daran, wie ich in Sendungen mit aserbaidschanischen Experten und Politologen sprach, die sagten, die Armenier würden einfach als gewöhnliche Bürger Aserbaidschans in Karabach weiterleben. Sie würden dort leben und alle Rechte als Bürger Aserbaidschans haben. Nur könne es dort keine Republik geben, weil das Aserbaidschan sei, Karabach und nicht Arzach.

Und wie viele Armenier blieben auf dem Gebiet dieser ehemaligen selbsternannten Republik, als Aserbaidschan die Kontrolle über seine territoriale Integrität wiederhergestellt hatte? Null. Und ich sagte diesen Experten: „Sie werden dort nicht leben. Sie können jetzt sagen, was Sie wollen, aber es ist offensichtlich, dass das Ausmaß des Konflikts zwischen Ihnen so groß ist, dass Sie erstens nicht wollen, dass sie dort weiterleben. Denn Sie betrachten sie als Agenten fremden Einflusses auf aserbaidschanischem Boden. Und sie werden nicht unter Ihrer Herrschaft bleiben, weil das Ausmaß Ihres Konflikts, ich würde sagen, Ihrer gegenseitigen Grausamkeit, der Grausamkeit eines Volkes gegenüber dem anderen, so groß ist, dass man selbstmörderisch sein müsste, um darauf zu hoffen, dass alles gut wird.“ „Wir bleiben alle hier. Und wir sind einfach Bürger Aserbaidschans.“ Wie viel Blut ist vergossen worden, wie viel ist gesagt worden. Wie viele Menschen aserbaidschanischer Herkunft wurden während des ersten Karabachkrieges vertrieben. Vielleicht wird zwischen Ihnen irgendwann nach Jahrzehnten eine Art kalter Frieden herrschen, aber das wird ganz sicher nicht für jene Menschen gelten, die in Karabach lebten.

Und ja, es gab während des Karabachkrieges und der darauffolgenden Phase ein Treffen zwischen der Führung dieser selbsternannten Republik und der aserbaidschanischen Führung. Aber worüber wurde gesprochen? Über die Ausreise. Die überwältigende Mehrheit der Menschen, praktisch alle, nahezu 100 Prozent der Menschen armenischer Herkunft, die in Karabach lebten, reisten nach Armenien aus. Vielleicht sind einige später noch irgendwo anders hingegangen. Alle, mit Ausnahme des Letzten, der über die Ausreise verhandelte, des Präsidenten der selbsternannten Republik Bergkarabach, der zusammen mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten, der im Grunde in der letzten Phase ihres Bestehens aus Moskau dorthin geschickt worden war und ein russischer Oligarch war, von aserbaidschanischen Geheimdiensten verhaftet wurde. Sie kamen vor Gericht und erhielten Urteile wegen separatistischer Aktivitäten.

Warum erzähle ich das so ausführlich? Weil es eine sehr ähnliche Analogie ist. Vielleicht verstehen die Ukrainer das nicht, weil sie sagen könnten: „Wir sind doch nicht irgendeine selbsternannte Republik und auch nicht irgendein autonomes Gebiet, das sich zur Republik erklärt hat. Wir sind ein Staat.“ Nun, das ist unsere Sichtweise. Aus russischer Sicht unterscheiden wir uns durch nichts von Karabach oder Tschetschenien. Eine separatistische Gruppierung auf historischem russischem Boden, deren Bewohner sich irgendetwas über sich selbst ausgedacht haben.

Deshalb ist das Schicksal der Ukraine, wenn sie diesen Krieg verliert, für Putin klar. Ein großer Teil der Bevölkerung, die Träger ukrainischer Überzeugungen, einer ukrainischen, ich würde sagen, Mentalität, werden vernichtet oder vertrieben. Diejenigen, die nicht im Verdacht stehen, solche ukrainischen Überzeugungen zu haben oder am bewaffneten Kampf gegen die russische Armee beteiligt gewesen zu sein, durchlaufen ein Filtrationsverfahren, um ihre Loyalität und ihre Bereitschaft, Russen zu werden, zu bestätigen, und werden größtenteils in den Fernen Osten und nach Sibirien geschickt. Menschen, die gegen die Russen zu den Waffen gegriffen haben, kommen in Konzentrationslager. Sie bilden die Grundlage für die Lagerwirtschaft der Russischen Föderation. Und die ehemaligen Gebiete der Ukraine werden Russland angeschlossen. Das bedeutet, sie werden Russland als Gebiete angeschlossen, so wie die Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja sowie die Krim. Genau das ist Kapitulation in der Vorstellung Putins und der überwältigenden Mehrheit der Russen.

Und das muss jeder Ukrainer verstehen. Ein anderes Szenario hat es in Russland nicht gegeben, gibt es nicht und wird es niemals geben. Machen Sie sich keine Hoffnungen. Das wäre so, als würde man in Stepanakert leben, entschuldigen Sie, und glauben, dass man dort eine Republik innerhalb Aserbaidschans haben werde. Nein, das ist einfach Aserbaidschan. Und euch gibt es dort einfach nicht mehr, weil ihr Armenier seid und dort jetzt Aserbaidschaner leben.

Das bedeutet, dass Putins Sichtweise in dieser Situation nicht nur von unserer abweicht, sondern auch von der Sichtweise Trumps, der glauben könnte, Putin müsse sich in diesem Krieg mit der riesigen Menge an Zugeständnissen zufriedengeben, die man ihm anbietet. Die Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja, sagen wir, die Krim, die Anerkennung dieser Gebiete als Teil der Russischen Föderation, ein neutraler Status der Ukraine, ihre Entwaffnung und die Kontrolle dieser Entwaffnung durch Russland, die russische Sprache und die russische Kirche, das klare Versprechen, dass die Ukraine niemals der NATO beitreten wird. Und all dem stimmen die Ukrainer und Europäer zu. Was soll daran schlecht sein? Die Sanktionen gegen die Russische Föderation werden aufgehoben und ihre Auslandsvermögen zurückgegeben, und Russland wird zum Energiezentrum Europas, es handelt mit Europa mit Gas und Öl. Die Amerikaner beteiligen sich daran als Garanten. Ist das etwa zu wenig?

Nun ja. Jedes andere Land, das gegen ein anderes Land Krieg führt und es viereinhalb Jahre lang nicht besiegen kann, würde das für einen geradezu unglaublichen Gewinn halten. „Wir quälen uns hier seit viereinhalb Jahren. Wir haben bereits Hunderttausende unserer Landsleute begraben. Unsere Ölraffinerien werden zerstört. Und jetzt bietet man uns so etwas an. Ein vollständiger, eindeutiger Sieg.“ Wenn du gegen ein anderes Land Krieg führst. Aber wenn du Krieg führst, um deine historischen Gebiete zurückzuholen, und ohne diese historischen Gebiete kein geopolitischer Akteur in Europa sein kannst, zumindest glaubst du das, und wenn du die „Gerechtigkeit“ wiederherstellen, die „Fehler“ von 1991 korrigieren und für dein Volk die Gebiete wieder zusammenführen willst. Und plötzlich sagt man dir: „Wladimir, statt all dessen bekommst du die Aufhebung der Sanktionen. Und irgendwelche vier läppischen Gebiete.“

„Wofür habe ich denn gekämpft? Habe ich so viele Menschen für diese läppischen vier Gebiete unter die Erde gebracht, dafür, dass ihr die Sanktionen gegen mich aufhebt und mir mein Geld zurückgebt? Ertrage ich all diese Schläge gegen die Wirtschaft etwa dafür, dass ich Donezk bekomme? Bist du verrückt geworden, alter Knacker? Verstehst du nicht, was ich brauche?“ 

Putin braucht also etwas, das Trump ihm nicht geben kann. Putin braucht die ehemalige Ukraine. Nur so: nicht eine Ukraine, die er kontrollieren wird, sondern die ehemalige Ukraine. Das Wort selbst soll abgeschafft werden, man soll sie Kleinrussland nennen. Südrussischer Föderationskreis. Neurussischer Föderationskreis. Westrussischer Föderationskreis. Das ist alles.

Wenn Trump das nicht anbietet, ist er für niemanden interessant. Trump glaubt also, dass er Putin zu solchen Vereinbarungen bewegen kann, während das für Putin einfach eine Beleidigung ist, eine Respektlosigkeit. Und er versucht ständig, Trump das zu erklären. Im Grunde ganz offen. „Wenn Sie wirklich irgendwelche Beziehungen zu uns haben wollen, dann klammern wir die Ukraine aus unseren Beziehungen aus“, sagt Sergej Lawrow, „und arbeiten normal miteinander zusammen. Wenn Sie die Ukraine aber nicht ausklammern wollen, geht es nicht einmal darum, ob Sie ihr helfen oder nicht. Wenn Sie auf ihrer Existenz bestehen, sind Sie bereits unsere Feinde. Denn das gehört uns. Wir müssen es zurückholen“. Das ist die einfache Logik.

Und jetzt betrachten wir Chinas Position in dieser Situation. China hat eine sehr einfache Position. Es braucht die Fortsetzung des Krieges. Denn dieser Krieg:

  • bringt China erstens Gewinne.
  • verschafft China zweitens geopolitischen Einfluss.
  • schwächt drittens Russland, sowohl wirtschaftlich als auch politisch.
  • schwächt viertens den Westen, ebenfalls wirtschaftlich und politisch.

Wozu sollte Xi Jinping irgendwelche Vereinbarungen treffen? Zumal Xi Jinping offensichtlich kein Interesse daran hat, dass Russland durch diesen Krieg um ukrainisches Territorium stärker wird. Er hat wiederum absolut nichts dagegen, dass der Krieg zu Trumps Bedingungen endet, wenn er denn endet, und die Ukraine zu einem gegenüber Russland loyalen Staat wird, so wie Belarus. Und China würde zum Garanten ihrer Souveränität, nun, nicht ihrer Souveränität, ich würde sagen, ihrer Unabhängigkeit, wie im Fall von Belarus. Aber Putin braucht das nicht. China braucht allerdings auch keine vollständige Niederlage Russlands in diesem Krieg. Denn eine Niederlage Russlands würde eine Stärkung des Westens und der Vereinigten Staaten bedeuten, und auch das braucht China nicht.

Deshalb kann China in der gegenwärtigen Situation, die wir beobachten, einfach den Status quo bewahren und versuchen, diese Situation in ihrer jetzigen Form fortzusetzen, in der niemand gewinnt und alle nur schwächer werden und verfallen. China beteiligt sich daran nicht, hält sich selbst aus bewaffneten Konflikten heraus und bleibt faktisch der einzige, ich würde sagen, stabile Pol in der heutigen Welt, was den Verzicht auf den aktiven Einsatz von Gewalt betrifft.

Stellen wir uns nun vor, dass diese drei Männer tatsächlich in Shenzhen zusammentreffen. Nun, sie lassen sich fotografieren, und dann beginnen sie zu sprechen. Trump beginnt, Putin alle seine Bedingungen darzulegen, in der Überzeugung, dass Putin sie akzeptieren müsse. Davon ist er schon lange überzeugt, seit anderthalb Jahren bietet er ihm das alles an. Nichts Neues, keine neuen Ideen hat er. Was sollte er ihm denn noch geben können? Putin lehnt diese Bedingungen erneut ab. 

Xi Jinping beobachtet das einfach. Er kann sich, würde ich sagen, auf seine üblichen Formulierungen beschränken, dass der Westen die Sicherheitsbedenken der Russischen Föderation berücksichtigen müsse. Trump sagt, dass er bereit sei, sie zu berücksichtigen. Er sei bereit zu garantieren, dass die Ukraine niemals NATO-Mitglied werde. Er sei sogar bereit, Waffen aus den Ländern Mitteleuropas abzuziehen. 

Xi Jinping sagt zu Putin: „Siehst du, der Präsident ist bereits bereit, über diese ernsten Themen zu sprechen.“ Was sagt Putin? „Ich werde diese Vorschläge prüfen. Wir brauchen Garantien.“ Dann zeigt er mit dem Finger auf Trump. „Und wer wird mir diese Garantien geben, wenn Sie nicht mehr Präsident der Vereinigten Staaten sind? Wir sprechen Ende 2026 miteinander. Sie haben gerade die Kongresswahlen verloren. Im Jahr 2029 wird Amerika einen neuen Präsidenten haben. Wer kann mir Garantien geben, wenn ich Ihrem Vorschlag zustimme?“, sagt Putin lächelnd. „Wenn diese Entscheidung vom Kongress als Gesetz verabschiedet und auf einem NATO-Gipfel von allen Ihren Verbündeten gebilligt wird. Sie müssen schließlich zu unserer Forderung nach Garantien zurückkehren, dass ehemalige Sowjetrepubliken nicht in die NATO aufgenommen werden und moderne Waffensysteme aus den Ländern Mitteleuropas abgezogen werden. Und das muss ein Gipfelbeschluss sein.“

Der erschrockene Trump sagt Putin, dass er das nicht tun könne, weil nicht alle Verbündeten damit einverstanden wären und weil das die NATO auseinanderbrechen ließe. Xi Jinping sagt Trump, dass Putins Argumentation logisch sei. Trump könne dem Präsidenten der Russischen Föderation, der dazu neige, über die langfristige Sicherheit seines Landes nachzudenken, keine Garantien für die Zeit bis Februar 2029 geben, wenn wir bereits November 2026 haben. Xi Jinping und Putin denken im Gegensatz zu Trump, und das sagen sie ihm ganz deutlich, nicht in Zweijahreszeiträumen. Sie wollen ihre Länder noch Jahrzehnte lang regieren, und sie wollen für diese Jahrzehnte entsprechende Sicherheit. Das ist nur eine Veranschaulichung des Verhandlungsprozesses.

Und hier zeigt sich dieses, ich würde sagen, erstaunliche unausgesprochene Missverständnis, das damit zusammenhängt, dass die Situation des russisch-ukrainischen Krieges von allen Beteiligten völlig unterschiedlich wahrgenommen wird. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sie eine gemeinsame Sprache finden werden. Deshalb sage ich noch einmal: Ich verstehe vollkommen, wozu Putin ein Treffen zu dritt in Shenzhen braucht. Ich verstehe nicht, wozu Trump und Xi Jinping es brauchen, die sich ganz ruhig zu zweit ohne Putin unterhalten können. Aber ich halte es für möglich, dass Trumps Eitelkeit, die es ihm erlauben würde, sich als Anführer dieses Dreiecks zu sehen, tatsächlich Putins Idee eines solchen Treffens begünstigen wird, das zu nichts führen wird. Das wollte ich erklären.

Ich werde einige Fragen beantworten, die bereits während dieser Sendung eingegangen sind.

Frage: Wenn die Russische Föderation keine Atomwaffen hätte, würde die NATO dann Moskau bombardieren, wie seinerzeit Belgrad?

Portnikov: Wissen Sie, es ist sehr leicht, sich vorzustellen, was wäre, wenn es irgendetwas nicht gäbe. Aber offensichtlich wäre es so, dass, wenn Russland keine Atomwaffen hätte, auch die Vereinigten Staaten keine hätten. Länder von der Größenordnung der Sowjetunion hätten zwangsläufig Atomwaffen entwickelt, weil sie über die dafür notwendigen Ressourcen verfügten, sowohl nachrichtendienstliche als auch wissenschaftlich-technische und so weiter. Alle Länder dieser Größenordnung können, wenn sie wollen, Atomwaffen entwickeln. So wie nicht nur die Sowjetunion sie entwickelt hat, sondern beispielsweise auch Indien und Pakistan. Was also wäre, wenn etwas anders wäre, wissen wir nicht. Angesichts der Größe der Russischen Föderation und so weiter glaube ich nicht, dass sie zwangsläufig ein Land geworden wäre, das man so einfach bombardieren würde.

Frage: Kann Trump die Ukraine nach dem Gipfel buchstäblich vollständig preisgeben?

Portnikov: Erstens wissen wir nicht, ob der Gipfel stattfinden wird. Wie ich bereits gesagt habe, können Trump, Putin und Xi Jinping während des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft zusammentreffen, aber dann kann sich herausstellen, dass eine Vereinbarung über ein trilaterales Treffen gar nicht zustande gekommen ist. Denn niemand bestätigt grundsätzlich, dass dieses Treffen stattfinden wird. Bestätigt wird lediglich, dass Putin sich ein solches Treffen wünschen würde. Wir sehen weder irgendwelche konkreten amerikanischen noch irgendwelche konkreten chinesischen Stellungnahmen.

Und ich erkläre Ihnen noch einmal: Trump kann die Ukraine weder nach dem Gipfel noch vor dem Gipfel vollständig preisgeben. Wie Sie sehen, übernimmt selbst jetzt, da Zelensky offen sagt, dass die Vereinigten Staaten die Unterstützung der Ukraine bremsen, keine Patriots liefern, Starlink nicht freigeschaltet haben, Starshield nicht freigeschaltet haben und nicht über Raketenangriffe informieren, niemand in den Vereinigten Staaten die Verantwortung dafür. Nun, das ist doch auch ein wichtiger Punkt, geben Sie es zu. Darüber muss man nachdenken.

Wenn Trump also selbst jetzt nicht den Mut aufbringt, zu sagen, dass er der Ukraine jede Unterstützung verweigert, so wie er es nach dem vorherigen Skandal mit Zelensky bei dessen persönlichem Besuch im Oval Office ganz gelassen getan hat, dann bedeutet das, dass seine Position nicht so stark ist. Und es bedeutet, dass seine Position darin besteht, sich um die Beendigung des Krieges zu bemühen und nicht um die Beseitigung der Ukraine.

Frage: Warum weisen Sie die Erklärung kategorisch zurück, dass Putin kompromittierendes Material über Trump besitzt und die beiden nicht einfach gemeinsame Ansichten haben?

Portnikov: Weil ich glaube, dass sie gemeinsame Ansichten haben. Und ich glaube, dass gemeinsame Ansichten in der politischen Welt viel mehr Gewicht haben als kompromittierendes Material. In der Welt von Menschen, die nicht eine solche Verantwortung tragen wie der Präsident der Vereinigten Staaten und der Präsident der Russischen Föderation, entscheidet, würde ich sagen, kompromittierendes Material über alles. Wenn Ihnen jemand androht, öffentlich zu machen, dass Sie Ihre Frau betrügen, und Sie noch nicht so weit sind, sich scheiden lassen zu wollen, dann könnten Sie diesem Erpresser entgegenkommen und einige seiner Wünsche erfüllen. Aber wenn Sie mit diesem Erpresser etwas gemeinsam haben, dann werden Sie sich eher mit ihm einigen, selbst wenn er kein Foto Ihres Seitensprungs besitzt.

Ich analysiere gerade die Gemeinsamkeit der Ansichten Trumps und Putins. Ich verstehe nicht, warum Sie das nicht glauben wollen. Das ist doch das Wichtigste, diese einfache Sache zu verstehen. Wenn der nächste Präsident der Vereinigten Staaten ein Mensch mit denselben Ansichten wie Trump sein wird, über den Putin kein kompromittierendes Material besitzt, selbst wenn Sie glauben, dass er solches Material über Trump hat, dann wird die Zusammenarbeit zwischen der Russischen Föderation und den Vereinigten Staaten genauso verlaufen wie jetzt. Was ist daran unverständlich? Staatschefs werden durch gemeinsame Prioritäten verbunden und nicht durch kompromittierendes Material. Kompromittierendes Material kann ein zusätzlicher Faktor sein, wie beispielsweise in Putins Beziehungen zu Janukowytsch, aber sie waren hinsichtlich der Zukunft Gleichgesinnte.

Frage: Glauben Sie nicht, dass alle gegen die Ukraine gerichteten Handlungen Trumps eine banale Rache an Zelensky und der Ukraine für das vom Kongress am 18. Dezember 2019 eingeleitete Amtsenthebungsverfahren sind?

Portnikov: Nein, das glaube ich nicht. Ich glaube, dass Sie die Situation ständig vereinfachen wollen, damit sie für Sie irgendwie verständlicher wird. Ich glaube, dass Trump eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation wollte. Schon bevor das Amtsenthebungsverfahren gegen ihn eingeleitet wurde und bevor er versuchte, Zelensky davon zu überzeugen, kompromittierendes Material über Biden zu finden. Da ging es übrigens tatsächlich um kompromittierendes Material.

Und er verstand sehr gut, dass die Ukraine allein durch ihre Existenz als souveräner Staat dieser Zusammenarbeit im Wege steht. Deshalb ärgerte sie ihn vom ersten Tag seiner politischen Tätigkeit an. Das beobachten wir bereits seit zehn Jahren. Warum denken Sie sich irgendwelche kindischen Gründe aus, verstehen Sie, kompromittierendes Material, Rache? Als würde das alles in irgendeiner Krimiserie stattfinden.

Trump betrachtet Putin als einen Menschen, der ihm ideologisch nahesteht. Trump glaubt, dass die Welt zwischen drei starken Staatschefs aufgeteilt werden sollte. Trump glaubt, ich habe das gestern, glaube ich, ausführlich erklärt, dass all diese mittleren und kleinen Staaten den Großen nicht ständig im Weg stehen sollten. Und das Verhalten der Ukraine selbst erscheint ihm vollkommen ungeheuerlich und idiotisch. Und Länder mit einem derart idiotischen Verhalten muss man erziehen, damit sie schließlich verstehen, wer im Haus das Sagen hat.

Und die Tatsache, dass er gezwungen ist, die Ukraine gegen Russland zu verteidigen, kann ihn schon allein deshalb rasend machen, nicht wegen Zelensky oder des Amtsenthebungsverfahrens. Und im Grunde tut er das seit zehn Jahren immer nur unter Zwang. Und so wird es weitergehen. Denn die Haltung des amerikanischen Staates als solchen, das Wesen des amerikanischen Staates und der amerikanischen Gesellschaft, unterscheidet sich von Trumps Haltung. Das ist alles.

Frage: Wird es Trump gelingen, die Macht an sich zu reißen, den Kongress geschickt zu blockieren und Putin in den nächsten zwei Jahren weiter in die Hände zu spielen? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Vereinigten Staaten als Verbündeten endgültig verloren haben?

Portnikov: Es ist sehr wahrscheinlich, dass Trump versuchen wird, Putin weiter in die Hände zu spielen. Wie gut ihm das gelingen wird, wissen wir nicht, denn Putin selbst könnte gar nicht wollen, dass Trump ihm in die Hände spielt. Trump muss auf jeden Fall irgendetwas von Putin bekommen, um zeigen zu können, dass seine Politik tatsächlich Wirkung zeigt, dass sich etwas verändert, dass irgendwelche Waffenstillstände erreicht werden. Dass irgendwelche wirtschaftlichen Kontakte mit Russland zustande kommen, dass das funktioniert.

Aber ich glaube, dass Putin nichts davon tun wird. Putin schindet einfach ganz plump Zeit bis 2029, wie ich Ihnen schon mehrfach gesagt habe. Putin will diesen russisch-ukrainischen Krieg bis Ende 2028 hinziehen, um danach zu entscheiden, falls er überhaupt zu dem Schluss kommt, dass man den Krieg bereits beenden oder aussetzen könnte, mit wem er über diese Aussetzung verhandeln soll und ob er überhaupt verhandeln soll: mit Trump oder mit Trumps Nachfolger.

Das heißt, wenn es uns nicht gelingt, das wirtschaftliche Potenzial Russlands so weit zu zerstören, dass es den Krieg nicht mehr fortsetzen kann, dann wird Putin das nächste Mal Ende 2028 entscheiden, wie es mit dem Krieg weitergehen soll. Deshalb rate ich allen, die diese Sendung verfolgen, einfach, sich für zwei Jahre darauf einzustellen und zu lernen, im Krieg zu leben, statt auf sein Ende zu warten. Ende 2028 können wir darüber sprechen, welche Aussichten es auf eine Aussetzung des Krieges gibt. Nicht früher. Jetzt sprechen wir einfach über den Prozess.

So sieht es auf dem Kalender aus. Und übrigens sollte man nicht die Augen schließen und denken: „Mein Gott, wie lange ist das denn noch?“ Das ist nicht lange. Die heiße Phase begann 2022. Und jetzt haben wir 2026. Nicht zwei Jahre, sondern viereinhalb Jahre sind seit Beginn dieser heißen Phase bereits vergangen. Nicht zwei Jahre. Und der russisch-ukrainische Konflikt dauert in dieser Phase seit dem Eindringen russischer Truppen auf unser Territorium bereits zwölf Jahre. Und Trump kam bei den Wahlen schon vor zehn Jahren an die Macht.

Nun, warum können Sie, wenn Sie sehen, dass das alles Prozesse sind, zwölf Jahre, zehn Jahre, viereinhalb Jahre, warum können Sie nicht lernen, in Jahren statt in Monaten zu denken? Das ist keine Geschichte von Monaten. Das ist, so Gott will, so Gott will, ein optimistisches Szenario. Hoffen wir, dass es eine Geschichte von Jahren und nicht von Jahrzehnten ist. Dann hätten wir einfach Glück. Es gibt schlicht keinen Grund anzunehmen, dass es um Jahre und nicht um Jahrzehnte geht. Aber hoffen wir, dass wir Glück haben.

Frage: Kann man sagen, dass die Ukraine mit ihren Angriffen auf die russische Ölindustrie wie auf einem entwickelten Film all jene Mächtigen dieser Welt sichtbar gemacht hat, die an russischem Öl interessiert sind?

Portnikov: Bis zu einem gewissen Grad ja. Aber mir scheint, dass es nicht um ein unmittelbares Interesse an russischem Öl geht, denn russisches Öl spielt auf dem Markt keine so große Rolle. Vielmehr hängt das, was geschehen ist, vor allem mit der Straße von Hormus zusammen. Es fiel einfach in die Zeit von Trumps faktischer Niederlage und der Situation in der Straße von Hormus. Dazu kamen die Befürchtung einer großen Energiekrise und die Angst vor einer Wahlniederlage. Alles kam zusammen. Die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten, die Blockade der Straße von Hormus und der Krieg in der Ukraine.

Wenn es den Krieg im Iran nicht gäbe – Sie haben doch immer gefragt, was ein schwarzer Schwan für den russisch-ukrainischen Krieg wäre. Genau das ist der schwarze Schwan. Sie verstehen doch sehr gut, dass die Situation beim Öl, bei den Patriots und überhaupt in jeder Hinsicht heute völlig anders wäre, wenn Trump nicht beschlossen hätte, den Iran anzugreifen.

Und das ist eine Situation, die durch das Zusammentreffen all dieser Faktoren entstanden ist. Deshalb braucht Trump jetzt tatsächlich die russischen Ölraffinerien, zumindest weil er über Lukoil-Aktien nachdenken könnte und darüber, dass Russland irgendwie Öl auf den Markt liefern muss, weil jedes zusätzliche Barrel wichtig ist. Und Xi Jinping braucht dieses Öl, ebenso wie Narendra Modi. Aber sie brauchten es nicht in diesem Maße, solange billiges Öl ungehindert durch die Straße von Hormus floss.

Frage: Sie haben ein optimistisches Szenario für den Gipfel beschrieben. Aber wenn Trump diese Wahlen verliert, was wird ihn dann antreiben, in welcher Stimmung wird er sein? Vielleicht braucht er einen großen Krieg, um an der Macht zu bleiben, und wird die NATO zerstören?

Portnikov: Nun, ich glaube nicht, dass Trump in solchen Kategorien denkt. Auch nach den Zwischenwahlen wird er seine Erfolge vorweisen müssen. Denn verstehen Sie, nach den Zwischenwahlen, sofern ihre Ergebnisse überhaupt anerkannt werden – denn wenn sie nicht anerkannt werden, weiß niemand, wohin Trump reisen wird und was geschehen wird. Es könnte ein solches Ausmaß an Chaos geben, dass Trump tatsächlich nicht am Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Gemeinschaft teilnehmen wird, sondern beispielsweise Vizepräsident Vance dorthin fliegt.

Wenn Trump nach einer vernichtenden Niederlage bei den Zwischenwahlen dorthin reist, falls es überhaupt zu einer solchen Niederlage kommt, denn das wissen wir ja nicht. Wenn die Republikaner den Senat gewinnen, wäre das, wie Sie verstehen, nur eine halbe Niederlage. Dann wird er an etwas ganz anderes denken. Daran, zu zeigen, dass er ein Friedensstifter ist, dass er ein Mensch ist, der bestimmte Ergebnisse erzielen kann, dass er ein Führer der Welt ist.

Im Jahr 2027 werden die Vereinigten Staaten in eine neue Phase des Wahlkampfs eintreten, die bereits mit den Wahlen von 2028 zusammenhängt. Nach Weihnachten 2027, wenn der neue Kongress seine Arbeit aufnimmt, werden die Menschen sowohl in der Republikanischen als auch in der Demokratischen Partei bereits beginnen, darauf zu schauen, wer die Vereinigten Staaten tatsächlich führen wird, wer um die Nominierung der Demokratischen und der Republikanischen Partei kämpfen wird.

Und Trump wird, wie Sie verstehen, ein existenzielles Interesse daran haben, seinen Einfluss auf das Verfahren zur Vorstellung der Bewerber zumindest innerhalb der Republikanischen Partei zu bewahren. Seine Autorität wird jedoch untergraben sein, wenn die Republikaner bei den Zwischenwahlen eine krachende Niederlage erleiden. Er wird diese Autorität also wiederherstellen müssen, und zwar bereits beginnend mit diesem Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft. Und der Wunsch, den Krieg in der Ukraine zu beenden, könnte ein Bestandteil der Wiederherstellung dieser Autorität sein. Das ist die ganze Geschichte, über die man sprechen kann.


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Titel des Originals: Зеленський: Трамп схиляє Україну до капітуляції | Віталій Портников. 19.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 19.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Putin bereitet ein neues München vor | Vitaly Portnikov. 19.10.2026.

Das Wall Street Journal berichtet, dass der Kreml vorgeschlagen habe, während des Gipfeltreffens der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) am 18. und 19. November im chinesischen Shenzhen ein trilaterales Treffen zwischen den Präsidenten Russlands und der Vereinigten Staaten sowie dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China abzuhalten, um unter anderem darüber zu entscheiden, wie der russisch-ukrainische Krieg beendet werden könnte.

Der Präsident der Russischen Föderation, Putin, schlägt vor, den ukrainischen Präsidenten Zelensky nicht zu diesem Treffen einzuladen. Auch die europäischen Staats- und Regierungschefs sollen nicht daran teilnehmen. 

Viele vergleichen Putins Wunsch, einen solchen Gipfel mit Trump und Xi Jinping in Shenzhen abzuhalten, mit einer sogenannten neuen Konferenz von Jalta. Dabei wird an das Treffen der Staats- und Regierungschefs der Sowjetunion, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert, bei dem darüber entschieden wurde, wie die Grenzen Europas nach dem endgültigen Zusammenbruch des Hitlerreichs aussehen sollten.

Doch Putins Idee erinnert weniger an ein neues Jalta als vielmehr an ein neues München. An das Jahr 1938, als die Premierminister Großbritanniens und Frankreichs, Chamberlain und Daladier, der Übergabe des Sudetenlandes der Tschechoslowakei an das Deutsche Reich zustimmten. 

Hitler wurde bei diesem Treffen mit Chamberlain und Daladier vom italienischen Diktator Mussolini unterstützt, der formal als Vermittler auftrat, tatsächlich aber ein Verbündeter des deutschen Diktators war. Und genau dieses Gipfelformat schwebt Putin nun für Shenzhen vor.

Natürlich ist klar, wozu der russische Präsident ein solches Treffen braucht. Selbst wenn Trump und Xi Jinping nicht allen seinen Vorschlägen für die künftige Weltordnung zustimmen sollten, würde Putin allein durch seine Teilnahme in den Kreis der führenden Staatsmänner der Welt aufgenommen. 

Dabei lässt sich die Wirtschaftsleistung der Russischen Föderation selbst in den kühnsten Träumen nicht mit der Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China vergleichen. Man könnte sagen, dass Putin beim Gipfel in Shenzhen ausschließlich auf dem schwarzen Pferd der Angst vor seiner Bereitschaft, Krieg zu führen und Menschen zu töten, in den exklusiven Kreis der wichtigsten Staats- und Regierungschefs der heutigen Welt einreiten würde.

Xi Jinping könnte einem solchen Treffen zustimmen, auch wenn bislang keineswegs feststeht, dass es tatsächlich vereinbart wird. Denn er versteht, dass er gemeinsam mit Putin bei diesem Treffen gegenüber dem amerikanischen Präsidenten in der Mehrheit wäre. Trump würde noch einmal vor Augen geführt, dass sämtliche amerikanischen Hirngespinste, wonach sich die Russische Föderation von der Volksrepublik China lösen ließe, abenteuerlich sind und in der Realität nicht verwirklicht werden können. Damit müsste der amerikanische Präsident nicht nur den wirtschaftlichen Einfluss des chinesischen Staatspräsidenten berücksichtigen, sondern auch dessen offensichtlichen Einfluss auf Moskau.

Die Frage, wozu Trump ein solches Treffen braucht, bleibt offen. Aus Sicht der Realpolitik und des Gewichts der Vereinigten Staaten dürfte ein solcher Gipfel eigentlich gar nicht stattfinden, zumindest nicht vor dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges. Doch Trumps besondere Vorstellung von der Weltpolitik, in der es nur ihn selbst, Xi Jinping und Putin gibt, sowie seine Eitelkeit und Gier könnten dazu führen, dass der amerikanische Präsident einem solchen Format zustimmt und dabei übersieht, dass ein Treffen ohne Beteiligung des Landes, über dessen Schicksal drei Staatschefs entscheiden wollen, von denen einer der Aggressor ist, von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Trumps gesamtes Verhalten in den vergangenen Wochen deutet darauf hin, dass in Washington die Möglichkeit eines trilateralen Gipfels erörtert werden könnte und dass Trump möglicherweise darauf hofft, gerade bei seinem Treffen mit Putin und Xi Jinping eine Lösung ausarbeiten zu können, die anschließend uns und den Europäern aufgezwungen werden soll. Selbst der jüngste Beitrag des amerikanischen Präsidenten in den sozialen Medien zeigt, dass er sich auf die Seite des russischen Präsidenten schlägt.

Denn in diesem dreisten Beitrag gibt es Putin, der trotz der ukrainischen Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation weiterhin Millionen Tonnen Dieselkraftstoff auf den Weltmarkt liefert und damit zur Stabilisierung der Weltwirtschaft beiträgt. Ich möchte gleich daran erinnern, dass dies eine Lüge ist, denn solche Millionen Tonnen russischen Dieselkraftstoffs gibt es auf dem Weltmarkt schon seit Langem nicht mehr. 

Und dann gibt es die Ukraine, gibt es Zelensky, der den Krieg nicht beenden will und nicht zur Stabilisierung des weltweiten Kraftstoffmarktes beiträgt, weil er die Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation angreift, was zu ernsthaften Problemen für amerikanische Landwirte und Arbeiter führt. Ich möchte noch einmal daran erinnern, dass auch dies eine Lüge ist. Denn die amerikanischen Landwirte und Arbeiter leiden unter der inkompetenten Politik des amerikanischen Präsidenten und seiner Regierung während des Irankrieges, unter dem mangelnden Verständnis für die Bedrohungen und Herausforderungen, die mit diesem Krieg verbunden sind. Und die unmittelbare Verantwortung dafür trägt nicht Volodymyr Zelensky, sondern Donald Trump.

Allerdings können solche Äußerungen in den sozialen Medien, wie wir verstehen, sowohl mit den Wahlkampfinteressen des amerikanischen Präsidenten zusammenhängen, der seiner eigenen Partei helfen will, die Zwischenwahlen zum Kongress nicht zu verlieren, als auch mit den außenpolitischen Absichten des Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Ich möchte daran erinnern, dass das Thema eines trilateralen Gipfels in Shenzhen während des letzten aufsehenerregenden Telefongesprächs zwischen Putin und Trump erörtert worden sein könnte, bei dem auch die Vereinbarung über die Lieferung von Dieselkraftstoff aus der Russischen Föderation auf den Weltmarkt getroffen wurde. Schon damals wurde darauf hingewiesen, dass es bei diesem Gespräch keineswegs um die 300 Tonnen Dieselkraftstoff ging, die an der Lage auf dem weltweiten Kraftstoffmarkt überhaupt nichts ändern und den Republikanern auch nicht helfen würden, die Preise an amerikanischen Tankstellen zu senken und dadurch ihre Chancen im Wettbewerb mit den Demokraten zu verbessern. Vielmehr könnte es beim Dialog des amerikanischen Präsidenten mit seinem russischen Amtskollegen um weitaus grundlegendere Vereinbarungen zwischen Moskau und Washington gegangen sein.

Und gerade zur Bestätigung dieser grundlegenden Vereinbarungen, die es den Vereinigten Staaten ermöglichen könnten, den Kreis der demokratischen Staaten der Welt zu verlassen und sich stattdessen dem Kreis der Autokratien anzuschließen, könnten beim Gipfel in Shenzhen am 18. und 19. November entsprechende Absprachen getroffen werden.

Sollte ein solcher Gipfel stattfinden, wäre er zweifellos ein historisches Ereignis für die gesamte Menschheit. Denn er würde eine direkte Schnellstraße in den Dritten Weltkrieg eröffnen, zum Zusammenbruch der gemeinsamen Solidarität des Westens, zur Verstärkung der aggressiven Begehrlichkeiten autoritärer Staaten und zum Tod von Millionen Menschen in all diesem Grauen – bereits in den kommenden schwierigen Jahren und Jahrzehnten.


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Titel des Originals: Путін готує новий Мюнхен | Віталій
Портников. 19.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 19.10.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Wer kann Xi Jinping überzeugen? Vitaly Portnikov. 29.09.2026.

Хто переконає Сі Цзіньпіна. Віталій Портников. 29.09.2026.

Treffen zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem chinesischen Staatschef werden stets mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt, obwohl bei diesen Treffen schon seit vielen Jahren praktisch nichts geschieht und die wichtigste Aufgabe ihrer Teilnehmer darin besteht, sich nicht völlig zu zerstreiten.

In der Ukraine versucht man jedoch in den letzten Jahren jedes Mal, wenn der amerikanische und der chinesische Staatschef zusammentreffen, zu verstehen, ob Donald Trump – und vor ihm Joseph Biden – Xi Jinping so beeinflussen kann, dass dieser Putin „befiehlt“, den Krieg zu beenden. Und jedes Mal ist man enttäuscht, wenn sich herausstellt, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine nicht einmal zu den wichtigsten Themen der amerikanisch-chinesischen Gespräche gehörte.

Ja, natürlich haben die USA und China eine Vielzahl eigener Probleme, über die man wochenlang sprechen könnte. Taiwan, die Ansprüche Chinas gegenüber den Philippinen, wirtschaftliche Fragen, die Reduzierung der Atomwaffen und inzwischen auch noch die „künstliche Intelligenz“. Und bei keinem dieser Themen zeichnet sich irgendeine Verständigung ab – allenfalls herrscht ein „kalter Frieden“. Und im Rahmen dieses „kalten Friedens“ ist es sogar schwer vorstellbar, wie der Präsident der USA die Bestimmungen des gerade erst verabschiedeten und unterzeichneten „Graham-Gesetzes“ in der Praxis gegen China anwenden soll – zumal sich amerikanische und chinesische Regierungsvertreter unmittelbar vor dem Besuch des chinesischen Staatschefs erneut auf einen wirtschaftlichen Waffenstillstand für die kommenden Monate geeinigt haben. Wie also kann der amerikanische Präsident seinen chinesischen Gast beeinflussen, und lohnt es sich für ihn überhaupt, das Thema Ukraine anzusprechen?

Aber selbst wenn man sich vorstellt, dass Trump und Xi ausführlich über die Ukraine gesprochen haben – können sie sich auf irgendetwas Konkretes einigen? Trump ist an einem Ende des Krieges interessiert, aber nicht am Verschwinden der Ukraine. Xi ist vor allem daran interessiert, dass Russland nicht verliert, und muss sich dabei auf Putins Vorstellung von Erfolg verlassen. Trump will – zumindest öffentlich – nicht, dass Russland die Sanktionen umgeht und Öl an China verkauft. Xi ist daran interessiert, dass Russland dieses Öl an China verkauft, und vor dem Hintergrund der Krise in der Straße von Hormus ist das derzeit nicht bloß eine Laune.

Und schließlich überschätzt auch derjenige, der glaubt, Xi könne Putin irgendetwas befehlen, die Möglichkeiten des chinesischen Staatschefs. Ja, der russische Präsident kann den Standpunkt seines chinesischen Amtskollegen nicht außer Acht lassen. Doch Russland ist für China sowohl der Partner mit dem größten Atomwaffenpotenzial als auch ein Lieferant billigen Öls und – was am wichtigsten ist – ein Instrument zur Destabilisierung des Westens. Und der russisch-ukrainische Krieg ist Teil dieses Destabilisierungsprozesses. Warum sollte China zu seiner Beendigung beitragen, wenn die Fortsetzung des Krieges sowohl den Westen als auch Russland schwächt?

Deshalb sollte man von Treffen amerikanischer und chinesischer Staatschefs keine ernsthaften Ergebnisse erwarten. Nicht nur im Hinblick auf den russisch-ukrainischen Krieg, sondern auch bei anderen grundsätzlichen Fragen. Die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China befinden sich heute – auch wenn der amerikanische Präsident und sein chinesischer Amtskollege nach Trumps Auffassung ausgezeichnete persönliche Beziehungen haben – dennoch an unterschiedlichen Polen der heutigen Welt. Und die Probleme der beiden größten Volkswirtschaften der Welt sind unterschiedlich. Selbst die persönlichen Probleme von Trump und Xi Jinping sind unterschiedlich. Trump denkt über den Erfolg seiner Partei bei den Wahlen und über seinen Nachfolger nach. Xi hingegen ist mit Parteisäuberungen beschäftigt und will sich für eine vierte Amtszeit wiederwählen lassen.

Aber kann man die Haltung des chinesischen Staatschefs zum russisch-ukrainischen Krieg verändern? Ja, das kann man – und das haben die jüngsten Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs des „Globalen Südens“ bestätigt, bei denen sowohl Xi als auch der indische Ministerpräsident Narendra Modi gegenüber Putin von der Notwendigkeit sprachen, eine politische Lösung für den Konflikt zu finden. Aber warum?

Keineswegs aus übertriebener Friedfertigkeit. Sondern vor allem deshalb, weil China kein Interesse an der Zerstörung der russischen Ölverarbeitungsindustrie und an einem Rückgang der Ölförderung hat – der zwangsläufig eintreten wird, wenn die Raffinerien stillstehen. China braucht russisches Öl – und wenn Putin es nicht retten kann, sollte er vielleicht darüber nachdenken, die Eskalation zu beenden?

Deshalb ist derjenige, der Xi tatsächlich überzeugen kann, der ukrainische Soldat.


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Titel des Originals: Хто переконає Сі Цзіньпіна. Віталій
Портников. 29.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.09.2026.
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Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Friedensverhandlungen: Trump sucht Schuldige | Vitaly Portnikov. 13.09.2026.

Wie sieht der Verhandlungsprozess zwischen Russland und der Ukraine aus, welche realen Perspektiven hat er, und was kann infolge der amerikanischen Vermittlung geschehen? Genau diese Fragen stellten sich, nachdem bekannt geworden war, dass es gelungen ist, die lang erwartete Reise der amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner nach Moskau und Kyiv zu organisieren, dass es ihnen gelungen ist, Gespräche mit dem Präsidenten der Russischen Föderation Putin zu führen. Und von Moskau aus reisten sie nach Kyiv weiter und führten Gespräche mit dem Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky.

All das schuf im Prinzip zumindest eine Atmosphäre, unter deren Bedingungen wir auf einen realen Verhandlungsprozess hoffen konnten, der, wenn er schon nicht zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges führt, so doch zumindest erkennen lässt, inwieweit Russland zu wenigstens einer teilweisen, sagen wir, Waffenruhe im Energiebereich vor der Wintersaison bereit ist. Ganz zu schweigen davon, dass vor der Ankunft Witkoffs und Kushners in der russischen und in der ukrainischen Hauptstadt der Direktor der Central Intelligence Agency, John Ratcliffe, Moskau besucht hatte. Und obwohl keinerlei reale Informationen über seine Reise bekanntgegeben wurden, tauchte eine ganze Reihe von Verschwörungstheorien auf, die damit zusammenhingen, dass der CIA-Direktor mit seinen russischen Gesprächspartnern – wir wissen bis heute nicht, ob Putin darunter war – in einem härteren und ernsteren Ton gesprochen haben könnte als Witkoff und Kushner und nicht über Geschäfte.

Aber ich habe von Anfang an versucht zu erklären, dass wir es nicht so sehr mit einem Verhandlungsprozess als vielmehr mit einem Wahlkampfprozess zu tun haben. Und dass der Versuch, die Handlungen der jetzigen Administration ausgehend von der Logik früherer Administrationen zu analysieren, ein völlig falscher und unproduktiver Ansatz ist, weil das bedeutet, mit politischen Motiven etwas zu erklären, was ausschließlich mit Geschäften zusammenhängt. Und dass wir, wenn wir über irgendwelche realen politischen Absichten und über eine reale Möglichkeit von Verhandlungen sprechen und davon ausgehen, dass die Administration Donald Trumps sich gerade auf den russisch-ukrainischen Krieg konzentriert und nicht auf die innenpolitische Situation in den Vereinigten Staaten, zwangsläufig einen schweren Fehler hinsichtlich der Handlungen der Administration und hinsichtlich ihrer Absichten machen werden. 

Und ich habe dazu aufgerufen und rufe weiterhin dazu auf, darauf zu achten, dass wir vor den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress stehen, bei denen das gesamte Repräsentantenhaus und ein Teil des amerikanischen Senats gewählt werden. Und die Republikaner haben alle Chancen, die Kontrolle über das Repräsentantenhaus zu verlieren, die sie derzeit haben. Und es bestehen sogar gewisse Chancen, dass sie die Kontrolle über den Senat verlieren, was bereits eine echte politische Katastrophe für Donald Trump und seine Administration wäre.

Sowohl Trump selbst als auch seine engsten Mitstreiter sagen ständig, dass die Demokraten, wenn sie die Mehrheit im Repräsentantenhaus erhalten, dieses in ein regelrechtes Untersuchungsorgan verwandeln werden. Sie werden sich mit Missbräuchen befassen, die möglicherweise vom Präsidenten, von Mitgliedern seiner Familie und von seinem engsten Umfeld begangen wurden, und das dürfe nicht zugelassen werden, weil die Demokraten Amerika sonst zurückwerfen würden. Das bedeutet, dass in Wirklichkeit die Trump-Administration zurückgeworfen würde und dass die gesamte Aufmerksamkeit des Präsidenten der Vereinigten Staaten derzeit nur auf die Zwischenwahlen gerichtet ist.

Der Sommer ist vorbei, die heiße politische Saison in den Vereinigten Staaten hat begonnen. Und das Wichtigste ist, dass die Kraftstoffpreise zu Beginn dieser Saison weiterhin Rekordwerte erreichen. Wir sehen Aufnahmen davon, wie Amerikaner mit geradezu weit aufgerissenen Augen auf diese Zahlen an den Tankstellen schauen. Und jeder solche Blick kann Donald Trump bei den Zwischenwahlen Stimmen kosten. Deshalb ist es für den Präsidenten der Vereinigten Staaten unglaublich wichtig, zumindest irgendwelche Ergebnisse im Zusammenhang mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu erzielen, möglicherweise auch nur Zwischenergebnisse.

Und die heutige Erklärung Trumps, er habe Zelensky gesagt, nicht gegen russischen Dieselkraftstoff vorzugehen, weil dies zu einem Mangel führe, demonstriert im Prinzip eine völlig offensichtliche Reaktion des amerikanischen Präsidenten darauf, wie der russisch-ukrainische Verhandlungsprozess ablaufen wird, falls er überhaupt stattfinden wird.

Trump braucht zwei wichtige Dinge.

  • Erstens muss er zeigen, dass er seine friedensstiftenden Aktivitäten fortsetzt und dabei gewisse Erfolge erzielt.
  • Zweitens muss er Verantwortliche für den Anstieg des Ölpreises und des Benzinpreises finden und betonen, dass diese Verantwortlichen sich weder im Weißen Haus noch im Pentagon befinden und dass dieser schwindelerregende Anstieg der Kraftstoffpreise nichts mit den unüberlegten Handlungen der Administration während des Krieges im Iran zu tun hat.

Sehen Sie sich einmal an, was heute tatsächlich mit diesem Kraftstoff geschieht. Der Iran kontrolliert faktisch weiterhin die Straße von Hormus. Durch sie fährt nur eine sehr geringe Zahl von Schiffen. Der Kraftstoffpreis sinkt auf diese Weise nicht, sondern steigt, ungeachtet der optimistischen Erklärungen Donald Trumps, die Lage sei geregelt und die Straße von Hormus werde in Wirklichkeit von den Vereinigten Staaten kontrolliert, was überhaupt nichts mit der Realität zu tun hat.

Aber die größten Überraschungen für Donald Trump liegen in Wirklichkeit noch vor ihm, denn die jemenitischen Huthi, die eine effektive Stellvertretermacht des Iran sind, nähern sich inzwischen der Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab. Sie haben buchstäblich in diesen Tagen einen der wichtigsten Häfen des Jemen erobert, der zuvor von der legitimen, von Saudi-Arabien unterstützten Regierung dieses Landes kontrolliert wurde, und damit im Prinzip ernsthafte Voraussetzungen für Probleme beim weiteren saudischen Ölexport und sogar bei der saudischen Ölförderung geschaffen. Das heißt, zu den erheblichen Problemen Saudi-Arabiens mit der Lieferung von Öl durch die Straße von Hormus kommt nun tatsächlich ein Problem hinzu, das mit der Lieferung von Öl durch die Meerenge Bab al-Mandab zusammenhängt.

Dass so etwas geschehen könnte, wurde seit den ersten Tagen des Krieges gesagt. Es wurde gesagt, dass die jemenitischen Huthi von Ansar Allah eine ziemlich mächtige Kraft bleiben. Und Trump muss schlicht begreifen, dass der Iran dieses Instrument möglicherweise nicht einsetzt, weil er auf einen günstigen Moment für die Entstehung einer groß angelegten Ölkrise wartet. 

Und wann ist dieser Moment günstig? Im September und Oktober 2026, damit die Amerikaner zum Zeitpunkt der Wahlen schlicht keine reale Möglichkeit mehr haben, ihre Autos zu betanken. Für eine enorme Zahl von Menschen, die in den Vereinigten Staaten leben, für die amerikanische Provinz, wäre das eine echte wirtschaftliche und logistische Katastrophe. Wenn man die amerikanischen Entfernungen und die Abhängigkeit der Menschen von ihrem eigenen Verkehrsmittel allein für die gewöhnliche Bewegung im Dreieck Zuhause, Arbeit, Schule der Kinder und Supermärkte berücksichtigt. Wenn man kein Auto hat oder es mit Kraftstoff zum Goldpreis betanken muss, verliert man schlicht die Möglichkeit, sich tatsächlich fortzubewegen. Das ist eine solche objektive Realität. Natürlich beeinflusst sie die Wahlen. Genau das geschieht jetzt.

Was hören wir von Trump selbst, von seinem Finanzminister Bessent, von seinem Energieminister Wright? Dass der Hauptgrund für den Anstieg der Ölpreise die Ukraine sei, die entschieden habe, dass sie die russische Ölverarbeitung und den russischen Dieselkraftstoff angreifen könne. Und das, obwohl Russland früher ein Mehrfaches dessen an Dieselkraftstoff produzierte, was es selbst auf seinem Binnenmarkt brauchte, und auch heute noch keineswegs wenig davon produziert. Auch das muss man verstehen: Russland hat Probleme mit der Ölverarbeitung, mit Benzin, aber nicht mit Dieselkraftstoff.

Aber Trump ist das vollkommen egal, weil er braucht, dass der amerikanische Wähler glaubt, die Ukraine nehme ihm mit ihren Angriffen auf Russland die Möglichkeit, sein Auto zu betanken, weil sie die Folgen ihres Handelns nicht versteht. Das ist die ganze Geschichte. Und was braucht es, damit die Ukraine aufhört, Russland anzugreifen? Nun, natürlich kann Trump Zelensky sagen, man solle irgendwelche anderen Objekte angreifen. Obwohl wir verstehen, dass es ohne Angriffe auf den russischen Ölverarbeitungs- und Ölsektor keinen ernsthaften Einbruch der russischen Wirtschaft geben wird. Und Putin wird weiterhin Geld für den Krieg erhalten. Und wenn Trump sagt: „Soll sie andere Objekte angreifen und Putin nicht daran hindern, Geld für den Krieg zu bekommen“, dann wird er faktisch zu Putins Verbündetem.

Aber es gibt noch eine andere wichtige Frage. Vielleicht ist das reale Instrument dafür, dass die Angriffe auf russisches Öl und die russische Ölverarbeitung aufhören, der Frieden? Wenn es gelingt, Frieden zu erreichen, dann wird Russland die Ukraine nicht angreifen und die Ukraine Russland nicht angreifen. Und hier hören wir Trumps Vertreter Jared Kushner, der sagt, dass das Friedensabkommen, wie sich herausstellt, bereits vorbereitet sei, die Ukraine sich aber nicht auf die von Präsident Putin gezogene Linie zurückziehen wolle. Also auf diese berühmten administrativen Grenzen der Oblaste Donezk und Luhansk, die die russische Armee gemäß Putins Plänen bereits 2022 hätte erreichen sollen und die sie 2026 noch immer nicht erreichen kann. Und Putin denkt, wie wir sehen, die ganze Zeit darüber nach, wie er Trumps Zeit im Weißen Haus dafür nutzen kann, von der Ukraine den Rückzug bis zu diesen administrativen Grenzen zu erreichen, um schnell die vollständige Kontrolle über die befestigten ukrainischen Städte zu erlangen und eine Offensive gegen andere ukrainische Regionen zu entfalten, die an die Oblaste Donezk und Luhansk grenzen. Auch das muss man klar begreifen.

Diejenigen, die sagen: „Lasst uns ihnen die Oblaste Donezk und Luhansk geben, damit der Krieg aufhört“, müssen begreifen, dass kein Krieg aufhören wird, dass sie einfach weitergehen werden. Und vielleicht werden Sie zu den Opfern dieser neuen Offensive gehören, wenn Sie in einer ukrainischen Oblast leben, die an die Oblast Donezk oder Luhansk grenzt. Man muss einfach klar begreifen, warum. Weil die Worte Kushners, könnte man sagen, vom Berater des Präsidenten der Russischen Föderation Juri Uschakow widerlegt werden, der sagt, die Lösung der territorialen Frage werde Möglichkeiten für ein schnelleres Vorankommen bei den anderen Artikeln des sogenannten Friedensabkommens eröffnen. Das heißt, in Wirklichkeit existiert keinerlei vorbereitetes Friedensabkommen, es existiert keinerlei Konsens darüber. Kushner erfindet das genauso, wie Trump erfindet, dass die Probleme auf dem Weltölmarkt und an den amerikanischen Tankstellen mit ukrainischen Angriffen auf Russland zusammenhängen.

Russland hat die Territorialfrage gegenüber den amerikanischen Vermittlern schlicht absichtlich an die erste Stelle gesetzt, weil es sehr gut versteht, dass dies die schmerzhafteste und schwierigste Frage für die ukrainische Präsidialadministration ist und dass jede Antwort auf diese Frage Voraussetzungen für Destabilisierung in einem feindlichen Staat schafft, den Russland vernichten will. Ganz einfach. Wenn Zelensky „Nein“ sagt, kann man ihn beschuldigen, den Krieg nicht beenden zu wollen. Im Grunde hat Kushner das mit seinen Äußerungen während des Forums der Yalta European Strategy bereits getan. Wenn Zelensky „Ja“ sagt, kann man natürlich Voraussetzungen dafür schaffen, dass in Zukunft die Frage der Beschuldigung Zelenskys aufkommt, ukrainisches Territorium preiszugeben. So oder so wirkt die Situation destabilisierend. Warum also sollte Russland diese Destabilisierung nicht für seine Ziele nutzen?

Das ist also ein ziemlich einfaches Schema, nach dem der Kreml vorgeht, wenn er die Frage des Abzugs ukrainischer Truppen aus den Oblasten Donezk und Luhansk ins Spiel bringt. Kein einziger russischer Funktionär, beachten Sie das einfach, hat auch nur ein einziges Mal gesagt, dass ein Abzug der ukrainischen Truppen aus den Oblasten Donezk und Luhansk zumindest einen Waffenstillstand bedeuten würde. Nein. Sie sagen die ganze Zeit, dass dies eine effektivere Durchführung der Verhandlungen bedeuten würde, was ebenfalls keinerlei Realität entspricht.

Ich möchte Sie noch einmal daran erinnern, dass Putin, als der Krieg im Iran begann und er bemerkte, dass Trump keine Zeit für Friedensverhandlungen über die Ukraine hatte und er damit schlicht weder Energie noch die Zeit seiner Mitarbeiter für Gespräche über Frieden aufwenden musste und dass Witkoff und Kushner, die mit dem Nahost-Dossier beschäftigt waren, sich kaum ernsthaft mit der Frage des russisch-ukrainischen Krieges befassen würden, aus den Verhandlungen ausstieg und betonte, Russland werde nur dann an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn die ukrainischen Truppen die Gebiete der Oblaste Donezk und Luhansk verlassen. Das war eine offizielle Erklärung Russlands, bestätigt vom Leiter seines Außenministeriums Sergej Lawrow.

Und wie Sie sehen, ist daraus für Moskau nichts geworden. Sie sind schließlich an den Verhandlungstisch zurückgekehrt. Putin hat Witkoff und Kushner erneut in die russische Hauptstadt eingeladen. Putin erklärte sich erneut bereit, über eine Friedensregelung zu sprechen, sobald es ihm nützlich wurde und sobald er begriff, dass Trump zumindest die Imitation eines solchen Gesprächs braucht.

Man sollte also nicht denken, dass die territoriale Frage für den russischen Staatschef etwas besonders Grundsätzliches ist. Nein, grundlegend sind ganz andere Dinge, die mit der Fortsetzung des russischen Krieges gegen die Ukraine und mit dem Versuch zusammenhängen, Russlands Verluste in diesem Krieg, die wirtschaftlichen Verluste, zu verringern. Und wie wir sehen, beginnt Putin Trump dafür zu benutzen, dass wir tatsächlich nicht gegen russische Energieanlagen vorgehen können, so wie Putin Trump benutzt hat, um die Parade am 9. Mai abzuhalten. Nun, wenn Trump sich benutzen lässt, warum sollte man ihn nicht benutzen? Und in dieser Situation werden wir, wie Sie verstehen, tatsächlich Zeugen eines solchen Drucks sein.

Dabei muss man sofort sagen, dass unsere Angriffe tatsächlich Wirkung zeigen, dass sie nicht nur Trump beunruhigen, sondern auch Xi Jinping, der sehr gut versteht, dass die Zerstörung der russischen Ölverarbeitung und infolgedessen die Verringerung der russischen Ölförderung auch Probleme für die chinesische Wirtschaft schaffen kann. Und der Staatschef der Volksrepublik China braucht eine solche Situation überhaupt nicht, wie Sie sehr gut verstehen, weil ein großer Teil der chinesischen Wirtschaft und übrigens auch der indischen Wirtschaft auf billigem russischem Öl beruht, auf der Möglichkeit, dieses Öl, das für Yuan oder Rupien gekauft wird, zu Ölprodukten zu verarbeiten, die wiederum bereits für Dollar und Euro verkauft werden. Und wenn Russland weniger Möglichkeiten hat, solches Öl an China und Indien zu liefern, sagen wir, wenn es nach dem Krieg physisch nicht mehr vorhanden ist, dann liegt das ganz sicher nicht im Interesse Pekings und Neu-Delhis.

Und genau deshalb begann Putin unmittelbar nach seinem Treffen mit Xi Jinping in Bischkek über Verhandlungen zu sprechen. Genau damals sagte er, Russland sei bereit, zu diesen Verhandlungen zurückzukehren. Er lud Witkoff und Kushner öffentlich nach Moskau ein. Das war möglicherweise nicht nur eine Reaktion auf Trumps Wunsch, bei den Zwischenwahlen irgendein Ergebnis vorweisen zu können, sondern auch eine Reaktion auf das Treffen mit Xi. Genau deshalb war Putin nach dem BRICS-Gipfel in Indien ebenfalls gezwungen, zumindest sagt das sein Pressesprecher Peskow, dem Vorschlag Xi Jinpings und Narendra Modis zuzustimmen, dass sie bereit seien, bei der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges als Vermittler aufzutreten.

Das heißt, davon, dass der Krieg beendet werden muss, spricht man inzwischen nicht nur im Westen, sondern auch im Globalen Süden. Aber ich wiederhole: Wenn der Staatschef der Volksrepublik China und der Ministerpräsident Indiens darüber sprechen, gehen sie nicht von unseren Problemen aus, sondern von den Problemen ihres eigenen Energiesektors. Und wenn wir auf Trumps Erklärung reagieren und auf diese Weise aufhören, die Ölverarbeitung der Russischen Föderation anzugreifen, dann kann auf diese Weise auch der Enthusiasmus des Staatschefs der Volksrepublik China Xi Jinping und des indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi verschwinden. Bei ihnen kann sich die Frage stellen, warum sie sich überhaupt in den russisch-ukrainischen Krieg einmischen sollen, wenn er keine Bedrohung für ihre Ölverarbeitungsindustrie darstellt. Das ist ziemlich einfach und ziemlich zynisch.

Deshalb stellt sich die Frage: Was wird als Nächstes mit diesen Verhandlungen geschehen, auf die wir uns nach den Worten des Leiters des Präsidialamtes Kyrylo Budanow im Oktober vorbereiten? Übrigens: Warum im Oktober? Was wird in den nächsten zwei Wochen, im September, geschehen, wenn Russland so an Verhandlungen interessiert ist? Warum müssen wir bis Oktober warten, und wie ernst kann die Erklärung sein, Russland warte die Wahlen zur Staatsduma der Russischen Föderation ab, um danach Verhandlungen zu führen? Das ist, wie Sie verstehen, ebenfalls reine Demagogie, weil die Ergebnisse dieser Wahlen längst bekannt sind. Und im Prinzip wäre es für Putin vorteilhaft, vor den Wahlen seine Friedfertigkeit zu demonstrieren, wenn man bedenkt, dass die Mehrheit der Russen vor dem Hintergrund dieser Angriffe solche Friedensverhandlungen derzeit begrüßen würde.

Wenn Witkoff und Kushner also sagen, Russland sei bereit, nach den Wahlen darauf zurückzukommen, geraten sie erneut in die nächste Putin-Falle, weil Putin mit aller Kraft auf Zeit spielt, um, ohne sich mit Trump zu zerstreiten, die Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen abzuwarten, die Verwandlung des amerikanischen Präsidenten in eine lahme Ente der amerikanischen Politik, und erst danach darüber nachzudenken, was man mit ihm macht, worüber man mit ihm spricht und ob man überhaupt noch mit ihm über irgendetwas sprechen muss.

Im Prinzip haben wir also gesehen, dass sich dieser gesamte Verhandlungsprozess in eine Suche der Administration der Vereinigten Staaten nach Schuldigen dafür verwandelt hat, dass es nicht gelingt, sich auf Frieden zu einigen und das Problem der hohen Ölpreise zu lösen. Und diese Schuldigen haben sie in Kyiv gefunden. Nicht Russland will den Krieg nicht beenden. Russland will das, es hat ausgezeichnete Bedingungen, nun, oder nicht ausgezeichnete. Wir wollen nicht etwas zitieren, was Kushner nicht gesagt hat. Aber die Ukraine will einfach nicht zu der von Jared Kushner umrissenen Linie gehen. Und daraus ergibt sich eine solche bedauerliche Situation. Nicht Russland erweist sich als schuldig daran, dass kein realer Friedensprozess stattfindet, sondern die Ukraine mit ihrer Unnachgiebigkeit, wie wir das bereits mehrfach gehört haben. Nicht die Vereinigten Staaten müssen nun nach Möglichkeiten suchen, die Probleme mit dem Iran zu lösen. Und nicht der Iran ist daran schuld, dass er die Meerengen blockiert und damit alle Voraussetzungen für eine groß angelegte Energiekrise in der Welt geschaffen hat, die sich entwickelt und verschärft.

Erinnern Sie sich, ich sagte vor einigen Monaten, dass wir uns schlicht einer Krise unglaublichen Ausmaßes nähern, deren tatsächliches Ausmaß erst dann bekannt sein wird, wenn die westlichen Länder ihre strategischen Ölreserven aufgebraucht haben. Dann werden Sie alles sehen. Genau darauf bewegen wir uns zu, gerade vor den Zwischenwahlen. Und gerade der Iran will diese gesamte Krise noch dadurch verschärfen, dass er auch die Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab erlangt und eine Krisensituation um Saudi-Arabien schafft.

Aber schuld ist nicht der Iran, schuld sind nicht die Huthi, schuld ist nicht Trump, der dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman Angriffe auf die Huthi verweigert hat, weil er derzeit jede militärische Eskalation und jegliche Angriffe auf amerikanische Militärobjekte sehr fürchtet. Schuld ist die Ukraine, die Russland daran hindert, seinen Dieselkraftstoff auf den Weltmarkt zu liefern. Wenn amerikanische Funktionäre sagen, gerade die Anstrengungen der Ukraine hätten zu einem Anstieg des Ölpreises geführt, dann ist das aus fachlicher Sicht eine offene Lüge, aus politischer Sicht eine offene Lüge und aus moralischer Sicht offener Zynismus.

Genau deshalb rufe ich dazu auf, sich keinerlei Illusionen zu machen und nicht zu glauben, dass wir uns tatsächlich in irgendeinem Verhandlungsprozess befinden. Nein, unser Verhandlungsprozess sind unsere Streitkräfte, die mit ukrainischen Anstrengungen die russischen wirtschaftlichen Möglichkeiten zerstören müssen, ungeachtet all dieser Erklärungen Trumps, weil die Verwandlung der Ukraine in das schuldige Land – ganz abgesehen davon, dass ich der Ansicht bin, dass unsere Führung über die realen Verhandlungen und darüber berichten müsste, was mit der Ankunft Witkoffs und Kushners tatsächlich geschieht, was sie unseren Führungspersonen tatsächlich gesagt haben. Ich meine damit keine geheime Information, sondern den Rahmen der Vereinbarungen und worauf wir uns einigen können, worauf wir uns nicht einigen können, damit die Bürger zumindest Informationen über all diese Verhandlungen nicht von Kushner hören, sondern von Zelensky und anderen Teilnehmern dieser Verhandlungen, wenn sie schon begonnen haben, ausführlich darüber zu berichten.

Nun, das ist eine, würde ich sagen, allgemeine Rahmung dieses Verhandlungsprozesses, der nun wieder gleichsam begonnen hat und zu Folgen geführt hat, die für mich absolut vorhersehbar waren.

Ich werde auf einige Fragen antworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Wie wird sich eine mögliche Niederlage Trumps bei den Wahlen auf die Ukraine auswirken?

Portnikov. Nun, ich hoffe im Prinzip, dass das Auftreten eines Kongresses, der in Opposition zum amerikanischen Präsidenten steht – wobei das ebenfalls davon abhängt, ob das nur das Repräsentantenhaus oder das Repräsentantenhaus und der Senat sein werden –, Voraussetzungen für eine effektivere Hilfe für die Ukraine schaffen wird. Sie wissen beispielsweise, dass das Repräsentantenhaus für ein Gesetz zur Unterstützung der Ukraine gestimmt hat.

Das ist nicht das Gesetz von Lindsey Graham. Sie haben wahrscheinlich bereits begriffen, dass dieses Gesetz von Lindsey Graham nicht funktionieren wird. Wenn dieses Gesetz Trump erlaubt, Zölle auf Waren aus Ländern zu erheben, die russisches Öl kaufen, und Trump uns zugleich vorwirft, dass wir die russische Ölverarbeitung angreifen und die Preise erhöhen, dann stellen Sie sich vor, was geschieht, wenn er China oder Indien nicht erlaubt, russisches Öl zu kaufen. Nehmen wir an, sie stimmen dem sogar zu. Wie werden die Preise steigen? Das Gesetz von Lindsey Graham ist also von Anfang an eine Totgeburt. Weil Trump sich erstens keine Handlungen leisten kann, mit denen er die Ölpreise eigenhändig noch weiter erhöht, und zweitens den Zollkrieg gegen China verlieren wird, wenn er ihn wieder beginnt.

Aber es gibt ein nicht totgeborenes Gesetz, das mit finanzieller und militärischer Hilfe für die Ukraine zusammenhängt. Dieses Gesetz wurde vom Repräsentantenhaus verabschiedet, trotz des aktiven Widerstands von Trumps wichtigstem Verbündeten Mike Johnson, der mit Sicherheit dadurch in die ukrainische Geschichte eingehen wird, dass er einmal auf Trumps Befehl hin die Hilfe für die Ukraine ein halbes Jahr lang blockierte, als Trump noch gar nicht Präsident der Vereinigten Staaten war, und jetzt nicht wollte, dass dieses Gesetz verabschiedet wird. Aber es ist im Senat stecken geblieben.

Wenn zumindest das Repräsentantenhaus von den amerikanischen Demokraten kontrolliert wird, werden sie Möglichkeiten haben, die Verabschiedung dieses Gesetzes im Senat und Trumps Unterschrift gegen irgendwelche für den amerikanischen Präsidenten selbst wichtigen Entscheidungen des Repräsentantenhauses einzutauschen. So war es immer. Ich glaube, dass es eine absolute hundertprozentige Konfrontation, bei der das Repräsentantenhaus nichts verabschiedet, was Trump vorschlägt, und Trump nichts unterschreibt, was das Repräsentantenhaus vorschlägt, wahrscheinlich nicht geben wird. Obwohl wiederum in der Ära Trump alles möglich ist. Wir könnten eine Erhöhung der Hilfe für die Ukraine bekommen. Zumindest bestehen Chancen dafür.

Frage. Braucht die Ukraine solche Plünderer als Vermittler? Kushner zur Persona non grata erklären. Es reicht doch, Trump entgegenzukommen. Mit einem solchen Amerika hat die Ukraine keinen gemeinsamen Weg.

Portnikov. Nun, auch das ist, würde ich sagen, keine politische Entscheidung, weil Amerika die wichtigste führende Kraft der demokratischen Welt bleibt. Und genauso, wie wir kein anderes Europa haben, haben wir keine anderen Vereinigten Staaten. Und die Ukraine kann im Krieg mit Russland in den kommenden schweren Jahren der Prüfungen und in den kommenden Jahrzehnten der großen Krise, die danach kommen wird, selbst wenn es gelingt, die große Phase der Kampfhandlungen irgendwie zu beenden, nur im Bündnis mit der demokratischen Welt überleben. Deshalb müssen wir uns ganz sicher nicht mit den Vereinigten Staaten zerstreiten, wir müssen niemanden zur Persona non grata erklären.

Zumal Kushner selbst betont hat, dass er nicht mehr in die Ukraine kommen wolle und kommen werde, wenn Frieden herrsche. Sie wissen also, Sie drohen ihm mit etwas, das ihm überhaupt keine Angst macht. Er kommt überhaupt nicht auf eigene Initiative hierher, sondern auf Anweisung Trumps. Er hat überhaupt keine Lust, hierherzukommen, wie Sie verstehen, weil er keinerlei ernsthafte Interessen in der Ukraine hat. In Russland wahrscheinlich schon. Aber dort wird man ihn nicht zur Persona non grata erklären.

Man sollte also mit solchen emotionalen Bewertungen nicht vorschnell sein. Man muss einen ernsthaften, ausgewogenen Kurs verfolgen, der mit der Notwendigkeit zusammenhängt, den ukrainischen Staat und das ukrainische Volk in den kommenden schwierigen Etappen der russisch-ukrainischen Konfrontation zu retten und sich bewusst zu machen, dass die Vereinigten Staaten in jedem Fall ein Land bleiben, das der Ukraine weiterhin helfen wird, möglicherweise sogar gegen den Willen eines Teils seiner politischen Eliten. Auch das ist ein wichtiger Faktor, wenn wir all das analysieren. Wir erhalten noch immer Geheimdienstinformationen von den Vereinigten Staaten. Wir erhalten noch immer Waffen aus den Vereinigten Staaten, die auf die eine oder andere Weise von den Europäern für uns gekauft werden. Seien Sie also mit Schlussfolgerungen nicht vorschnell.

Frage. Kann man von einer Dominanz Chinas über den Westen in fast allen Bereichen sprechen? Zumindest demütigt China die Vereinigten Staaten bereits offen und unverhohlen und bekommt keinerlei Antwort.

Portnikov. Ich glaube nicht, dass man von einer Dominanz Chinas über den Westen in allen Bereichen sprechen kann. Auch das ist eine enorme Übertreibung. Der Westen bleibt für China ein Absatzmarkt für seine Produkte. China ist es nach wie vor nicht gelungen, das eigene Land in einen Absatzmarkt für das zu verwandeln, was in China produziert wird. So oder so beginnt in China, wenn China seine Produkte nicht verkaufen kann, wenn irgendeine scharfe Krise in seinen Beziehungen zu europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten beginnt, eine viel ernstere Wirtschaftskrise, als wir gewöhnlich denken. Und in Peking versteht man das sehr gut und will deshalb in den Beziehungen zum Westen gewisse rote Linien nicht überschreiten.

Die Möglichkeiten Chinas werden schlicht dann deutlich, wenn der Westen selbst, sagen wir in Person von Präsident Trump, die Spielregeln verletzt, indem er beispielsweise unglaubliche Zölle auf chinesische Produkte verhängt und so weiter. Es kann nicht um Dominanz gehen, sondern darum, dass der Westen keine Instrumente hat, China dazu zu zwingen, nach seinen Regeln zu handeln. Weil das wirtschaftliche Potenzial Chinas es China erlaubt, nicht nur irgendwelche Zollentscheidungen des amerikanischen Präsidenten zu ignorieren, sondern auch Länder zu unterstützen, die unter westlichen Sanktionen stehen. Das ist das Wichtigste.

Das ist etwas, woran wir immer denken müssen. Keine westlichen Sanktionen werden jetzt noch so funktionieren können, wie sie früher funktioniert haben, weil es in der Welt zwei Volkswirtschaften gibt, die nach völlig anderen Regeln hinsichtlich der Werte und der Haltung zum Völkerrecht leben. Und übrigens wurden in der BRICS-Erklärung während des letzten Gipfels erneut einseitige Sanktionen verurteilt, die außerhalb des Willens des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen beschlossen werden. Und auch das ist die Position der Länder des Globalen Südens, die wollen, dass es, wenn sie gegen Sanktionen gegen Russland sind, diese Sanktionen nicht gibt. Wenn sie gegen Sanktionen gegen den Iran sind, soll es diese Sanktionen nicht geben.

Wie dem auch sei, sowohl die Russische Föderation als auch der Iran und Nordkorea können sich unter sogenannten höllischen westlichen Sanktionen befinden und dabei effektive Produzenten militärischer Erzeugnisse sein, Kriege fortsetzen, die Produktion ihrer Raketentechnik wiederaufnehmen, selbst unter Bedingungen, unter denen die Sanktionen vom UN-Sicherheitsrat verhängt werden, wie es bei Nordkorea und dem Iran der Fall war. Und der Westen hat keinerlei reale Möglichkeiten, solche Länder mit wirtschaftlichen Instrumenten zu einer Änderung ihrer Politik zu zwingen.

Deshalb sage ich immer, dass man daraus Schlussfolgerungen ziehen muss. Als Barack Obama 2014 über den kumulativen Effekt der Sanktionen gegen Russland sprach, sah er eine Welt, die längst aufgehört hatte zu existieren. Und wir konnten das gemeinsam mit Obama nicht verstehen. Aber inzwischen muss man es verstehen. Man muss verstehen, dass es keinerlei reale Möglichkeit gibt, Russland in seinem Versuch, die Ukraine zu verschlingen, mit westlichen wirtschaftlichen Instrumenten aufzuhalten. Ukrainische Angriffe dagegen schaffen tatsächlich solche Möglichkeiten, weil sie das zerstören, wofür China bezahlt. Deshalb sind Trumps Erklärungen so gefährlich.

Frage. Werden die Wähler der Vereinigten Staaten Trump wirklich glauben? Und was kann geschehen, wenn wir Trumps Aufforderungen ignorieren?

Portnikov. Nun, ein Teil der amerikanischen Wähler wird Trump natürlich glauben, weil der amerikanische Präsident einen Kern seiner Basis hat, der jede seiner Erklärungen glaubt und der gemeinsam mit ihm nach Schuldigen für das suchen will, was ihnen widerfahren ist, und natürlich nicht will, dass Donald Trump dieser Schuldige ist. Und warum wundern Sie sich darüber? Leben wir etwa nicht in genau so einem Land?

Aber ein Teil der Wähler, der sich derzeit entscheidet, für welche Partei, für welche politische Kraft er stimmen soll, kann das natürlich völlig anders sehen. Und auch das versteht Trump sehr gut. In diesem Sinne stellt sich also natürlich die Frage, wie die Wähler auf diese Erklärungen reagieren werden und wie stark sie sie beeinflussen.

Was kann geschehen, wenn wir Trumps Aufforderungen ignorieren? Nun, das ist eine gute Frage. Es ist die Frage, wo Aufforderungen in offenen Druck übergehen und ob unser Ignorieren dazu führt, dass jene Elemente der Unterstützung eingestellt werden, die noch geblieben sind. Eine gute Frage.

Frage. China versteht, dass die Vereinigten Staaten Atomwaffen nur als Antwort auf eine unmittelbare Aggression gegen sie einsetzen werden. In allen anderen Fällen kann man konventionell gegen sie Krieg führen. Worin liegt dann der Sinn der Atomwaffen der Vereinigten Staaten?

Portnikov. Ich glaube, dass die Volksrepublik China davon ausgehen kann, dass sie, wenn sie in eine direkte Konfrontation mit den Vereinigten Staaten gerät, sagen wir wegen Taiwan, nicht einfach das Territorium der Vereinigten Staaten, sondern bestimmte amerikanische militärische Objekte angreifen müsste. Und niemand weiß, inwieweit massive Angriffe auf solche Objekte nicht eine Reaktion der Vereinigten Staaten hervorrufen würden, einschließlich einer nuklearen Reaktion.

Aber mir scheint, dass China weniger die Atomwaffen der Vereinigten Staaten fürchtet als vielmehr die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten, weil sie Atomwaffen besitzen, etwa Angriffe auf chinesisches Territorium selbst führen könnten, ohne die chinesische Reaktion hinsichtlich der Atomwaffen und überhaupt die chinesische Reaktion zu fürchten. China muss nicht fürchten, dass die Vereinigten Staaten Atomwaffen gegen es einsetzen. China kann fürchten, dass die Vereinigten Staaten konventionelle Waffen gegen es auf dem Territorium Chinas selbst einsetzen können und China den Vereinigten Staaten nicht antworten kann. Auch eine solche Sichtweise kann existieren, und sie ist absolut realistisch.

Frage. Was denken Sie, wird die Ukraine aufhören, Ölraffinerien anzugreifen? Denn Trump tut alles Mögliche, damit die Ukraine nicht gewinnt. Und wie kann man weiter russische Ölraffinerien angreifen, ohne die Beziehungen zur amtierenden Regierung im Weißen Haus zu verschärfen?

Portnikov. Ich weiß nicht, wie. Ich glaube, gar nicht. Ohne eine Verschärfung wird es nicht gehen. Deshalb denke ich, dass unsere Administration mit der amerikanischen Administration arbeiten muss, ihr erklären muss, worin unser Interesse liegt, zumindest einen Tausch anbieten muss: „Wenn ihr wollt, dass wir russische Ölraffinerien nicht angreifen, und ihr uns zugleich keine Raketen für Patriot liefert und uns im Winter schutzlos lasst, warum sollten wir dann auf eure Erklärungen Rücksicht nehmen?“ Das heißt, selbst die Möglichkeit, die Angriffe auf Ölverarbeitungsbetriebe der Russischen Föderation zu reduzieren, muss gegen Handlungen der amerikanischen Administration eingetauscht werden, die uns helfen, uns gegen entsprechende Angriffe Russlands selbst zu schützen.

Denn stimmen Sie zu, dass das sehr merkwürdig aussieht: „Wir haben keinerlei Möglichkeiten, euch mit Waffen zu helfen. Unsere Patriot-Bestände gehen zur Neige. Wir werden euch niemals Tomahawks geben, ganz gleich, was ihr angreifen wollt. Aber ihr müsst aufhören, das anzugreifen, was für die russische Wirtschaft von grundlegender Bedeutung ist.“ Aber das ist Politik. Ich weiß nicht, inwieweit wir überhaupt in der Lage sind, diese Politik zu spielen und zu verstehen, wo die Ebene des Austauschs liegt und wo die Notwendigkeit, schlicht gute Beziehungen zur Administration aufrechtzuerhalten.

Dann muss man tatsächlich berechnen: Welche Folgen hat es, wenn wir auf diese Erklärungen nicht hören? Was verlieren wir? Geheimdienstinformationen, Starlink, Waffenverkäufe? Das heißt, jede Entscheidung muss ihr eigenes Gewicht haben. Und natürlich müssen wir hier ebenfalls mit einem Verständnis für die Folgen jeder ukrainischen Entscheidung umgehen, die mit diesen Erklärungen Trumps zusammenhängt.

Ganz abgesehen davon, dass all diese Erklärungen Trumps schlicht Worte sein können. Auch das muss man abwägen. Trump macht eine enorme Zahl von Erklärungen, die zu keinerlei konkreten Ergebnissen führen. Die überwältigende Mehrheit dessen, was wir im Informationsraum vom Präsidenten der Vereinigten Staaten hören, ist in der Regel weißes Rauschen. Und auch hier ist es wichtig zu begreifen, wo reale Worte und wo reale Absichten sind.

Und hier braucht man einen Dialog nicht so sehr mit Trump, der nach einigen Stunden vergisst, was er gesagt hat, sondern mit seinen Ministern, mit Bessent, mit Wright. Mit ihnen muss man sprechen, um zu begreifen, inwieweit sie praktisch an einer Einstellung unserer Angriffe interessiert sind. Denn sie wissen ganz genau, dass sich durch diese Einstellung nichts ändern wird. Genau darin liegt der Punkt.

Stellen Sie sich vor, wir hätten die Angriffe auf russische Ölraffinerien eingestellt. Wir greifen sie nicht an, und das Öl steigt trotzdem weiter, wodurch die politischen Chancen Trumps und seiner Minister faktisch zerstört werden. Und dann stellt sich die Frage: Die Ukraine hat auf euch gehört, aber die Ölpreise steigen weiter. Warum? Selbst ein Mensch, der bereit ist, all diesen Reden zu glauben, die wir vom Präsidenten der Vereinigten Staaten und seinen Energie- und Finanzministern hören, wird begreifen, dass die Sache überhaupt nicht an der Ukraine und nicht an Russland liegt, weil der Anteil Russlands an diesem Markt keine reale Rolle in der Weltwirtschaft spielt.

Ich sage es noch einmal: All diese Ölprodukte, die China und Indien aus russischem Öl erhalten, sind Premium-Ölprodukte nach dem Schema „Rupien und Yuan für russisches Öl, Dollar und Euro für unsere Ölprodukte“. Aber wie ernsthaft beeinflusst das den Weltmarkt? Den Weltmarkt beeinflusst tatsächlich die Schließung der Straße von Hormus und die wahrscheinliche Erwartung einer Schließung der Meerenge Bab al-Mandab sowie mögliche Probleme mit der Ölförderung und Ölverarbeitung Saudi-Arabiens, die sich gerade vor unseren Augen entfalten. Und so kann es zu einem Energie-Tsunami unbekannten Ausmaßes kommen, den man in Teheran natürlich für die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten von Amerika vorbereitet hat. Wenn Trump begreift, dass gegen ihn eine solche spezielle Öloperation entfaltet wird, dann ist er natürlich wütend. Das kann er schließlich verstehen.

Aber das Entscheidende ist hier nicht das. Entscheidend ist, dass wir realistisch auf den Verhandlungsprozess schauen. Denn die Erwartung von Verhandlungen in einer Situation, in der keinerlei realer Prozess stattfindet, sondern ausschließlich eine Kulisse existiert, ist das faktische Scheitern der Mission Witkoffs und Kushners, das sie mit Anschuldigungen gegen uns zu kaschieren versuchen. Das ist wichtig.

Denn wenn die ukrainische Gesellschaft mit ungerechtfertigten Erwartungen an irgendeinen Frieden destabilisiert wird, von dem es, würde ich sagen, nicht einmal Andeutungen während der Gespräche Witkoffs und Kushners in Moskau gibt, dann ist das wiederum ein Weg zur Destabilisierung der Ukraine, zum Verschwinden des ukrainischen Staates von der politischen Landkarte der Welt und zum diplomatischen, politischen und wirtschaftlichen Triumph der Russischen Föderation unter Putin. Genau das braucht Putin.

Wenn wir dagegen begreifen, dass der Diktator in Russland keinerlei Verhandlungen will, sondern unsere Vernichtung, und dass der einzige Weg, ihn heute aufzuhalten, darin besteht, seine Wirtschaft zu zerstören, damit sein Regime infolge dieser Angriffe fällt, dann ist das zumindest ein realistischer Blick auf die Dinge, selbst wenn die Zerstörung der russischen Wirtschaft eine viel schwierigere und viele Jahre dauernde Aufgabe sein wird, als es vielen vor dem Hintergrund ukrainischer Angriffe erscheinen mag.

Aber eine andere Wahl hat die Ukraine leider nicht, nachdem wir in diesen Clinch des großen Krieges geraten sind. Sie hat sie heute nicht und, glauben Sie mir, sie wird sie auch nicht haben. Und mit diesem realistischen Verständnis der Welt muss man leben. Es ist viel besser als die Erfindungen von Funktionären, die nach Kyiv kommen und danach bei uns Schuldige dafür suchen, dass ihnen nichts gelingt, weil die Russen schlicht auf sie pfeifen.

Kommentieren Sie bitte, was Sie über die Perspektiven des Verhandlungsprozesses und über Trumps Anschuldigungen gegen uns denken. Und helfen Sie unbedingt den Streitkräften der Ukraine, die in den kommenden schwierigen Jahren der wichtigste Garant der ukrainischen Souveränität, des ukrainischen Sieges und des ukrainischen Überlebens bleiben werden.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини про мир: Трамп шукає винних | Віталій Портников. 13.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 13.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Gipfel in Bischkek: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 01.09.2026.

Wladimir Putin auf dem Familienfoto des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Bischkek ist eine gute Illustration dafür, wie unterschiedlich man im Westen und im Globalen Süden auf die Welt blicken kann.

Putin traf in Bischkek ausgerechnet in jenen Tagen ein, als die strahlgetriebenen Shahed-Drohnen der russischen Armee Jagd auf friedliche Ukrainer machten und den ukrainischen Schulkindern faktisch den ersten Schultag verdarben. Doch in Bischkek dachte niemand auch nur daran, den russischen Präsidenten dafür zu verurteilen. Lediglich der indische Ministerpräsident Narendra Modi erklärte, der russisch-ukrainische Krieg müsse beendet werden.

Allerdings hatte der Chef der indischen Regierung eine ähnliche Erklärung bereits 2022 auf dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Samarkand abgegeben. Putin schenkte seinen Worten keine besondere Beachtung. Und das ist nicht verwunderlich, denn für den Präsidenten der Russischen Föderation ist es weitaus wichtiger, dass Indien russisches Öl kauft, als das, was Ministerpräsident Narendra Modi ihm über den Krieg sagt.

Ein weiterer ziemlich offensichtlicher Faktor, der zeigt, wie weit der Westen und der Globale Süden auseinanderliegen, ist die Tatsache, dass neben Putin auch der iranische Präsident Massud Peseschkian am Gipfel in Bischkek teilnahm. Und das in einer Situation des Krieges der Vereinigten Staaten gegen den Iran. Und das in einer Situation, in der der Iran noch vor Kurzem die benachbarten Staaten am Persischen Golf beschossen hat, von denen viele gute Freunde der Teilnehmer des Gipfels in Bischkek und sogar deren wirtschaftliche Sponsoren sind. Und das, obwohl der Iran weiterhin Schritte unternimmt, um die Straße von Hormus weiter zu blockieren und damit eine Energiekrise in der Welt herbeizuführen, die sich auf jedes der Länder auswirken könnte, deren Staats- und Regierungschefs in Kirgisistan vertreten waren.

Doch wie wir sehen, ist politische Solidarität hier weitaus wichtiger als irgendwelche wirtschaftlichen Probleme. Und wir konnten beobachten, wie freundschaftlich die Teilnehmer dieses Gipfels mit dem iranischen Präsidenten umgingen – ebenso übrigens wie mit dem Präsidenten der Russischen Föderation. Putin traf sich auf diesem Gipfel sowohl mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan als auch mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi, mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping und sogar mit dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev – trotz der offensichtlichen Spannungen in den Beziehungen zwischen Baku und Moskau.

Was der Gipfel in Bischkek also definitiv bewiesen hat, ist, dass weder Russland noch der Iran im Globalen Süden isoliert sind und dass weder Kriege noch das Streben nach Atomwaffen noch Drohungen mit Atomwaffen Anlass für eine Isolation sind – ja nicht einmal für ernsthafte Äußerungen oder Schritte, die eine Verurteilung eines solchen Vorgehens erkennen ließen. Nein. Die anderen Gipfelteilnehmer gingen mit Wladimir Putin und Massud Peseschkian so um, als gäbe es im Grunde überhaupt keine Kriege und als wäre all dies kein Problem für die Zukunft.

Die Teilnehmer des Gipfels in Bischkek weigerten sich also hartnäckig, den sprichwörtlichen Elefanten im Raum zu bemerken, dessen Anwesenheit das Schicksal jedes einzelnen dieser Staats- und Regierungschefs und jedes ihrer Landsleute beeinflussen kann, und beschränkten sich bei den schwierigsten Fragen der heutigen Welt eher auf deklarative Erklärungen.

Wie sonst sollte man die Worte des Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping über die Notwendigkeit politischer Koordinierung zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nennen? Politische Koordinierung mit wem, zwischen wem? Mit Russland? Mit der Ukraine? Mit dem Westen? Wie möchte China überhaupt Einfluss auf die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges oder beispielsweise auf die Beendigung der Krise im Nahen Osten nehmen, wenn es der wichtigste Käufer sowohl russischen als auch amerikanischen Öls war und bleibt und damit beiden Regimen die Möglichkeit gibt zu glauben, sie könnten ihren Kampf gegen den Westen einfach deshalb fortsetzen, weil sie über Geld verfügen? Und wie lassen sich die Worte über politische Koordinierung mit der Erklärung Pekings vereinbaren, dass es jederzeit bereit sei, auf jegliche amerikanischen Sanktionen gegen chinesische Unternehmen zu reagieren, die im Energiesektor mit Moskau und Teheran zusammenarbeiten?

Doch all das sind rhetorische Fragen. Wie wir verstehen, sind die Menschen, die sich in Bischkek versammelt haben – zumindest wenn wir von den wichtigsten Akteuren sprechen –, derzeit an keiner Beendigung der Kriege interessiert, weil sie der Auffassung sind, dass sich sowohl die Vereinigten Staaten als auch der kollektive Westen als solcher in diesen Kriegen aufreiben. Und das kann sowohl Peking als auch, so paradox es klingen mag, Neu-Delhi durchaus gelegen kommen. Obwohl man meinen sollte, Indien müsste daran interessiert sein, dass die Vereinigten Staaten ihre Position als alternative Macht gegenüber China bewahren.

Doch wenn es um gemeinsame Vorstellungen und Möglichkeiten geht, steht Narendra Modi Xi Jinping und Wladimir Putin wesentlich näher als beispielsweise Donald Trump. Obwohl ich nicht ausschließe, dass Donald Trump selbst gerne eine Einladung in einen solchen Klub erhalten würde.

Man kann auch über die Widersprüche sprechen, und auch das ist ein wichtiges Thema, denn auf dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit sehen wir sowohl den aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev als auch den armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan, die noch vor Kurzem in Trumps Amtszimmer eine Vereinbarung über die Öffnung der Handelswege unterzeichnet haben und sich nun auf dem Forum in Bischkek erneut, wenn auch nur kurz, miteinander treffen. Wir sehen die Staats- und Regierungschefs der zentralasiatischen Länder, die noch vor Kurzem zum Gipfel USA–Zentralasien nach Washington gereist waren.

Und all dies müsste eigentlich auf einen offensichtlichen Rückgang des russischen Einflusses im postsowjetischen Raum hindeuten. Aber machen wir uns nichts vor: Alle diese Länder sind auch an besonderen Beziehungen zur Volksrepublik China interessiert. Und sie verstehen sehr gut, dass eine wichtige Voraussetzung für derartige Beziehungen in gewissem Sinne darin besteht, zumindest keine feindseligen Beziehungen zur Russischen Föderation aufzubauen.

Das beste Modell für China – und dieses Modell war übrigens ebenfalls auf dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit vertreten, wobei unklar ist, in welcher regionalen Eigenschaft – ist Belarus, ist Alexander Lukaschenko, der auf dem Familienfoto dieses Forums ebenfalls zu den formellen Ausgestoßenen des Westens gehörte. Man kann also im Westen ein Ausgestoßener sein und im Globalen Süden dennoch zu den Eigenen gehören. Das ist wohl der zentrale Punkt der politischen Philosophie, zu der sich die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit bekennt.

Man muss nicht einmal Mitglied dieser Organisation sein. Man kann Gast des Gipfels sein, auf dem gemeinsamen Foto erscheinen, seine Verbundenheit mit anderen Mächtigen dieser Welt demonstrieren und auf diese Weise keine Angst vor dem Abbau demokratischer Institutionen haben, die es in vielen Ländern, deren Staats- und Regierungschefs auf diesem Gipfel vertreten waren, in der einen oder anderen Form gibt, die aber zweitrangig werden, sobald es um die Beziehungen zu Autokratien geht.

Autokratien, die Demokratien selbst im Globalen Süden ihr Modell des Zusammenlebens aufzwingen, schaffen Voraussetzungen dafür, dass auch der Sinn demokratischer Willensbekundung irgendwo gegenüber der Konfrontation mit der zivilisierten Welt verloren geht. Und hier haben wir ein gutes Beispiel dafür, wie Staats- und Regierungschefs von Ländern, die ein Mandat ihrer Völker besitzen – etwa Indien, Pakistan oder Armenien –, neben jenen stehen, die ihr Mandat von Zentralkomitees oder einfach von sich selbst haben, die Scheinwahlen abhalten und sich gerade deshalb zu beliebigen militärischen Aktionen und beliebigen Verbrechen entschließen und beliebige Fehler begehen können, weil sie keine Konsequenzen fürchten müssen.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen jener Koalition, die wir in Bischkek sehen, auch wenn sie bislang noch informell ist, und den Treffen, die auf der westlichen Seite organisiert werden und die vor dem Hintergrund der offensichtlichen Weigerung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, sein Land als Beschützer und untrennbaren Bestandteil der zivilisierten Welt zu betrachten, immer hilfloser wirken.


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Titel des Originals: Саммит в Бишкеке: главное | Виталий Портников. 01.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 01.09.2026.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Putin bereitet einen neuen Krieg vor | Vitaly Portnikov. 13.08.2026.

Putin hat zum ersten Mal in den 27 Jahren, in denen er die Ämter des Präsidenten und des Regierungschefs der Russischen Föderation bekleidet, die Kurilen besucht, die bekanntlich bis heute ein umstrittenes Gebiet zwischen Russland und Japan bleiben und beide Länder daran hindern, eine Entscheidung über den Abschluss eines Friedensvertrags nach dem Zweiten Weltkrieg zu treffen.

Putin ist nicht der erste russische Präsident oder Regierungschef, der die Kurilen besucht. Während seiner Amtszeit als Oberhaupt des russischen Staates besuchte Putins Vorgänger Medwedew die Kurilen. Auch der amtierende Ministerpräsident der Russischen Föderation, Mischustin, hat die Kurilen besucht.

Aber wir verstehen sehr gut, wie man in Tokio gerade den Besuch Putins wahrnimmt, den man in der japanischen Hauptstadt, wie übrigens auch in der gesamten übrigen Welt, praktisch seit dem Moment, als Putin amtierender Präsident der Russischen Föderation wurde, stets als den tatsächlichen Machthaber der Russischen Föderation wahrgenommen hat. Und das geschah, daran möchte ich erinnern, bereits am 1. Januar 2000.

Somit haben wir es mit einer offenen und scharfen Provokation zu tun. Und Japans Premierministerin Sanae Takaichi reagierte ebenso wie andere hochrangige Vertreter der Regierung in Tokio umgehend auf diesen Besuch des russischen Präsidenten und betonte, dass er die Haltung der Japaner gegenüber Russland nur verschlechtere.

Es kann sich die Frage stellen: Warum brauchte Putin diese Reise, wenn er während seiner 27 Jahre an der Macht von einem solchen Besuch abgesehen hatte? Und warum fand sie unmittelbar statt, nachdem Putin während seines Auftritts bei einer Übung der Pazifikflotte der Russischen Föderation betont hatte, Russland drohe Japan in keiner Weise, vielmehr habe Japan aggressive Pläne gegenüber der Russischen Föderation?

Hier spielen gleich mehrere Faktoren eine Rolle.

  • Erstens müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass man in Moskau weiter am endgültigen Abbau des Völkerrechts als solchem und an dessen Ersetzung durch das Recht des Stärkeren arbeitet. Was derzeit während des russisch-ukrainischen Krieges in Europa geschieht, soll aus Sicht der Strategen im Kreml auch in Asien geschehen.

Somit ist Moskau nicht mehr an einem Friedensvertrag mit Tokio interessiert. Es ist nicht an einer Normalisierung der bilateralen Beziehungen interessiert, nicht an den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Japan und der Russischen Föderation. Zumal sich Japan vielen Sanktionen der zivilisierten Welt angeschlossen hat, die nach Beginn der russischen Aggression gegen unseren Staat gegen die Russische Föderation verhängt wurden.

Und in dieser Situation demonstriert Putin Japan, dass Russland bereit ist, seine Ansprüche auf die Kurilen weiterzuverfolgen und dass keinerlei Kompromisse in den bilateralen Beziehungen, auf die man in Tokio noch vor einigen Jahren so sehr gehofft hatte, in Betracht gezogen werden.

  • Zweitens, und das ist möglicherweise noch wichtiger als der erste Punkt, versucht Putin, sich bei demjenigen beliebt zu machen, der heute der wichtigste Energiesponsor der Russischen Föderation ist. Bei demjenigen, der russisches Erdöl kauft, der dem russischen Machthaber die Möglichkeit gibt, eine Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine in den kommenden schwierigen Jahren in Betracht zu ziehen. Das ist der Staatspräsident der Volksrepublik China und Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas, Xi Jinping.

Bekanntlich ist Peking in den vergangenen Monaten zu einem offenen Angriff auf Tokio übergegangen, und der Leiter der außenpolitischen Kommission des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas und Außenminister der Volksrepublik China, Wang Yi, erlaubte sich sogar, Tokio von der Tribüne der renommierten Münchner Sicherheitskonferenz offen zu drohen, was viele als mögliche Vorbereitung auf eine große Krise, vielleicht sogar auf einen Krieg im asiatisch-pazifischen Raum werteten.

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass angesichts der offensichtlichen Schwächung des internationalen Einflusses der Vereinigten Staaten während der Präsidentschaft Donald Trumps ein solcher Krieg zwar nicht unvermeidlich, aber durchaus wahrscheinlich ist, weil man in Peking möglicherweise sehen möchte, inwieweit die Vereinigten Staaten tatsächlich bereit sind, ihre Verbündeten in Asien zu verteidigen.

Und Donald Trumps Verhalten im russisch-ukrainischen Krieg, seine offenkundige Abneigung dagegen, sich mit Putin anzulegen, sowie die Komplimente, die wir vom Präsidenten der Vereinigten Staaten an die Adresse des Präsidenten der Russischen Föderation gehört haben, bestärken die Führung der Kommunistischen Partei Chinas natürlich nur in der Überzeugung, dass Donald Trump auch im Falle Japans schlicht Angst davor haben wird, Xi Jinping selbst herauszufordern.

Putin versteht all das sehr gut, und man kann sagen, dass er, wenn er die Japaner provoziert, sich zugleich bei den Chinesen einschmeichelt und versucht, seinen Status als Lieblingsvasall des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei Chinas zu verteidigen.

Und all das ist natürlich sehr, sehr gefährlich, denn Putin, der in der Sackgasse des Ukraine-Krieges feststeckt, muss seiner chauvinistisch eingestellten Bevölkerung immer neue Fälle von Eskalation und immer neue Demonstrationen der Bereitschaft Russlands präsentieren, seine Interessen gerade mit Gewalt und nicht auf diplomatischem Wege zu verteidigen. Und wenn es nicht gelingt, die Ukraine zu verschlingen und der Existenz unseres Staates ein Ende zu setzen, wenn in Russland selbst ernsthafte wirtschaftliche Probleme beginnen, die mit den Angriffen der ukrainischen Verteidigungskräfte auf die russische Erdölverarbeitung, den militärisch-industriellen Komplex und andere strategische Infrastruktur der terroristischen Föderation zusammenhängen, entsteht natürlich die Versuchung, noch einen weiteren, vielleicht kleinen Krieg zu entfesseln, zu versuchen, die Japaner zu provozieren und sie anschließend zu beschuldigen, nach den russischen Kurilen zu greifen.

Nun, wie ein Szenario russischer Provokationen aussehen kann, wissen wir sehr gut aus jenem schrecklichen Krieg, der bereits 2014 im ukrainischen Donbas begann und uns die ganze Amoralität der russischen Propaganda und die Bereitschaft der russischen Führung zu jeglichen Provokationen im Stil des Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion vor Augen geführt hat.

Der Besuch des Präsidenten der Russischen Föderation auf den Kurilen ist also kein zufälliges Ereignis. Dieser Besuch riecht geradezu nach einem neuen schrecklichen Krieg.


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Titel des Originals: Путін готує нову війну | Віталій Портников. 13.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 13.08.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Lukaschenko fuhr nach China, um sich über Russland und die Ukraine zu beklagen | Vitaly Portnikov. 30.06.2026.

Alexander Lukaschenko reiste unmittelbar nach dem zuvor nicht angekündigten Treffen mit dem russischen Präsidenten, über dessen Ergebnisse bis heute im Grunde nichts bekannt ist, nach Peking zu Gesprächen mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping. Er hält sich bereits seit mehreren Tagen in China auf und betont, dass er sich unter den chinesischen Kommunisten wie zu Hause fühle. Tatsächlich erhielt sogar Lukaschenkos jüngster Sohn in Anwesenheit seines Vaters ein chinesisches Diplom.

Doch offensichtlich hat der Besuch in China für Lukaschenko derzeit grundsätzliche Bedeutung. Wir wissen übrigens nicht einmal, ob diese Reise im Voraus geplant war, denn vor Lukaschenkos Abreise in die Volksrepublik China wurde über seine Absicht, Xi Jinping – bereits zum 17. Mal übrigens – zu besuchen, nichts bekannt gegeben.

Wir verstehen jedoch, warum Lukaschenko heute mit dem chinesischen Staatschef sprechen wollte. Üblicherweise verbinden wir seine Reisen mit dem Versuch, zumindest ein gewisses Gleichgewicht in seinen Beziehungen zum russischen Präsidenten herzustellen, von dem Lukaschenko sowohl finanziell als auch hinsichtlich möglicher Unterstützung abhängig ist, falls die Belarussen erneut versuchen sollten, dieses anachronistische Regime loszuwerden.

Doch in einer Situation, in der Putin versucht, Lukaschenko in den Krieg gegen die Ukraine hineinzuziehen, könnte der belarussische Machthaber doppelten Schutz benötigen – sowohl vor Putin als auch vor Zelensky. Denn die Drohungen des ukrainischen Präsidenten gegenüber dem offiziellen Minsk, seine Unterstützung der russischen Armee einzustellen, stellen für den belarussischen Staatschef inzwischen eine ebenso große Gefahr dar wie Moskaus offensichtlicher Wunsch, das Territorium Belarus erneut für einen Angriff auf unser Land zu nutzen.

Lukaschenko könnte daher hoffen, dass Xi Jinpings Unterstützung für die Unabhängigkeit und Souveränität von Belarus, die während des Aufenthalts des belarussischen Diktators in der chinesischen Hauptstadt erneut bekräftigt wurde, sowohl ein Signal an Putin sein könnte, Belarus nicht in den Krieg gegen die Ukraine hineinzuziehen, als auch ein Signal an Zelensky hinsichtlich möglicher Schritte zur Verringerung der belarussischen Beteiligung an der russischen Aggression gegen unser Land. Offensichtlich ist Lukaschenko genau aus diesem Grund nach China gereist. Und selbstverständlich hörte er dort genau das, was er hören wollte.

Doch hier stellt sich eine andere Frage: Was kann die Volksrepublik China tatsächlich tun, wenn Putin und Zelensky Lukaschenko weiterhin wie einen Fußball über die ukrainisch-belarussische Grenze hin- und herspielen?

Tatsächlich sind Chinas Möglichkeiten, Belarus sowohl vor russischen Absichten als auch vor einer ukrainischen Reaktion zu schützen, eher begrenzt.

Ja, Xi Jinping kann Erklärungen abgeben. Doch offensichtlich wird er seine Unterstützung für Russland nicht tatsächlich verringern, falls Putin entscheidet, dass er belarussisches Territorium für den Krieg benötigt. Von Moskau ist Lukaschenko weit stärker abhängig als von Peking, denn er versteht sehr gut, dass er im Falle eines Scheiterns seiner Sicherheitskräfte gegenüber dem belarussischen Volk Hilfe von Putin erwarten müsste – und keineswegs von Xi Jinping.

Und selbst diese Hilfe ist ihm keineswegs garantiert, nachdem Putin bereits mehrfach entweder seinen Unwillen oder seine Unfähigkeit gezeigt hat, seine treuen Verbündeten zu schützen, die sich schließlich vor dem Zorn ihres eigenen Volkes nach Russland flüchten mussten – von Viktor Janukowytsch bis Bashar al-Assad.

Und wenn die Ukraine tatsächlich beschließen sollte, beispielsweise russische Relaisstationen auf belarussischem Gebiet anzugreifen oder den Betrieb der Raffinerien von Nawapolazk oder Masyr infrage zu stellen – was könnte China für die Ukraine tun, wenn in der Ukraine jeder genau versteht, dass die Volksrepublik China ein unmittelbarer Verbündeter der Russischen Föderation bei der Zerstörung der ukrainischen Souveränität ist?

Keine der chinesischen Erklärungen über die Notwendigkeit von Verhandlungen hebt diese einfache Wahrheit auf. Denn selbst in diesen Erklärungen hören wir von chinesischen Diplomaten immer wieder das russische Narrativ von der Notwendigkeit, die „Ursachen des Konflikts“ zu beseitigen. Tatsächlich unterstützt Peking damit die russischen Handlungen gegen die Ukraine, indem es behauptet, es gebe bestimmte Ursachen. Welche Ursachen dies aus russischer Sicht sind, wissen wir ebenfalls sehr genau.

Deshalb kann man eindeutig sagen, dass Lukaschenkos Reise in die Volksrepublik China eher der Selbstberuhigung dient. Es ist die Hoffnung, dass Xi Jinping den russischen Präsidenten davon abhalten kann, belarussische Ressourcen für den Krieg gegen die Ukraine zu nutzen. Es ist die Hoffnung, dass Xi Jinping – wenn er Zelensky schon keine direkten Signale hinsichtlich möglicher Angriffe auf belarussisches Territorium senden wird – den ukrainischen Präsidenten zumindest durch seine Erklärungen zur Unterstützung der belarussischen Souveränität davon abhalten könnte, den Befehl zur Zerstörung eben jener Relaisstationen oder jener belarussischen Unternehmen zu erteilen, die von der russischen Armee für ihre Aggression gegen unseren Staat genutzt werden.

Doch wie bekannt, ist Selbstberuhigung ebenfalls eine große Sache. Sie kann Lukaschenko neue Trümpfe verschaffen – wenn schon nicht im Dialog mit dem ukrainischen Präsidenten, dann zumindest im Gespräch mit dem russischen.

Putin versteht sehr gut, dass Belarus für China heute eine der wenigen Routen für den Transport chinesischer Waren in den Westen darstellt. Jede Destabilisierung des belarussischen Territoriums würde China dieser für Xi Jinping wirtschaftlich wichtigen Möglichkeiten berauben.

Und vor dem Hintergrund der weiterhin unklaren Lage rund um die Straße von Hormus könnte China inzwischen der Sicherheit seiner Exporte und damit auch der Sicherheit in Belarus wesentlich größere Aufmerksamkeit widmen als zu einem Zeitpunkt, als der amerikanisch-iranische Krieg noch nicht begonnen hatte.

In einer solchen Situation wird Lukaschenko zumindest bessere Möglichkeiten haben, Putin davon zu überzeugen, dass das Territorium von Belarus nicht für den Krieg genutzt werden sollte. Nicht nur deshalb, weil dieses Gebiet für Putin selbst als eine Art Fenster für die Fortsetzung eines möglichen Dialogs mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, wichtig ist, sondern auch deshalb, weil die Verwandlung dieses Territoriums in einen Kriegsschauplatz bei der Führung der Volksrepublik China ganz sicher keinen positiven Eindruck hinterlassen würde.

So könnte Lukaschenko aus den Klagen, die er nach Peking mitgebracht hat, durchaus gewisse politische Dividenden ziehen – selbst wenn er von Xi Jinping keine konkreten Sicherheitsgarantien erhalten hat.

Und dass es solche konkreten Garantien nicht gegeben hat – weil dies nicht den Traditionen der chinesischen Politik entspricht –, das kann ich Ihnen mit absoluter Sicherheit sagen, selbst ohne Zeuge dieses Gesprächs zwischen dem belarussischen und dem chinesischen Staatschef gewesen zu sein.


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Titel des Originals: Лукашенко поїхав жалітися на Росію і
Україну | Віталій Портников. 30.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Trump, Xi und der Krieg in der Ukraine. Vitaly Portnikov. 21.05.2026.

Трамп, Сі і війна в Україні. Віталій Портников. 21.05.2026.

Der Besuch Donald Trumps in der chinesischen Hauptstadt und seine Verhandlungen mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China Xi Jinping haben die Frage erneut aufgeworfen, inwieweit Peking an der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges interessiert ist und bereit ist, Einfluss auf die Position des russischen Präsidenten Putin zu nehmen. Umso mehr, als Putin Trump nach China hinterherreist und buchstäblich nur wenige Tage nach der Abreise des amerikanischen Präsidenten aus Peking Gespräche mit dem chinesischen Staatschef führt.

Dass das Thema des russisch-ukrainischen Krieges von den amerikanischen und chinesischen Staatschefs besprochen wurde, wurde sowohl von Vertretern der USA als auch von Vertretern Chinas bestätigt. Bereits nach Abschluss von Trumps Besuch betonte der chinesische Außenminister Wang Yi, dass China daran interessiert sei, dass dieser Krieg beendet werde und dass die Friedensbemühungen intensiviert würden.

Die Frage besteht nur darin, wie man in Washington, Peking, Moskau und Kyiv das Ende dieses Krieges und die Verhandlungen sieht. Denn aus Sicht des gesunden Menschenverstands wäre es logisch, dass Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine erst nach Erreichen eines Waffenstillstands stattfinden. Genau dafür trat man in der Ukraine immer ein, genau dagegen trat man in Russland immer auf. Präsident Trump trat zu Beginn seiner Präsidentschaft ebenfalls für Verhandlungen nach einem Waffenstillstand ein, rückte später jedoch von seiner Position ab und stimmte Putins Konzept von Verhandlungen während des Krieges zu – einem Konzept, das bislang zu keinerlei realen Ergebnissen geführt hat, außer zur bewussten Verzögerung der Zeit durch den russischen Präsidenten. Aber wir haben bis heute nicht gehört, wie China zum realen Modell von Verhandlungen steht.

Auch hinsichtlich der Ergebnisse des Krieges unterscheiden sich die Positionen. Die Ukraine strebt danach, ihre Souveränität, territoriale Integrität und das Recht zu bewahren, ihre eigene Zukunft zu bestimmen. Und dabei wird sie vom kollektiven Westen unterstützt. Die Vereinigten Staaten sind bereit, einem Waffenstillstand entlang der Frontlinie und der Nichtwiederherstellung der territorialen Integrität der Ukraine mit militärischen Mitteln zuzustimmen, treten gleichzeitig jedoch für die Bewahrung der ukrainischen Souveränität ein. Moskau hat, verständlicherweise, andere Ziele. Putin ist bereit zu kämpfen bis zur Zerstörung der ukrainischen Staatlichkeit und kann nur dann aufhören, wenn ihm die Ressourcen zur Erreichung dieses Ziels ausgehen.

Und China? Natürlich hat Peking kein besonderes Interesse daran, dass die Ukraine von der politischen Weltkarte verschwindet, zugleich aber auch kein Interesse daran, dass die Ukraine ein Staat bleibt, der Teil des Westens wird. Peking würden zwei Varianten passen – der Anschluss ehemaliger ukrainischer Gebiete an Russland oder die Erhaltung der Ukraine als unabhängiger Staat, jedoch in Russlands Einflusssphäre und unter bedeutender chinesischer Kuratel. Das Modell einer solchen Staatlichkeit existiert neben der Ukraine bereits – das ist Lukashenkos Belarus. Der belarussische Diktator sitzt auf russischen Bajonetten, blickt zugleich aber ständig nach Peking, weil ihm bewusst ist, dass gerade der chinesische Führer Garant dafür ist, dass Putin Belarus nicht eines schönen Tages einfach gebietsweise Russland einverleibt.

Worüber also könnten Trump und Xi sprechen, wenn es um die Beendigung des Krieges geht? In Wirklichkeit – praktisch über nichts, ebenso wie über die meisten anderen Fragen der amerikanisch-chinesischen Tagesordnung. Aber der amerikanische Präsident könnte Einfluss auf die chinesische Führung hinsichtlich jener offensichtlichen Hilfe nehmen, die China Russland gewährt, damit dieses im Krieg widerstandsfähig bleibt und die Folgen westlicher Sanktionen überwindet. Je weniger chinesische Hilfe es gibt, desto schneller wird der Krieg enden. Aber hat der Präsident der Vereinigten Staaten gerade heute überhaupt die Möglichkeit, mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China darüber zu sprechen, wenn seine eigene Administration Russland erlaubt, im Umfeld der Krise um die Straße von Hormus an Öl zu verdienen? Wenn du selbst faktisch die Sanktionen gegen Russland schwächst – wie kannst du dann von jemand anderem verlangen, dass er den Druck verstärkt?

Und hier stoßen wir erneut auf eine einfache und offensichtliche Wahrheit. Die Frage ist nicht die Position Chinas. Die Frage sind die Möglichkeiten Amerikas.


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Titel des Originals: Трамп, Сі і війна в Україні. Віталій Портников. 21.05.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 21.05.2026.
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Plattform / Quelle: Zeitung
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Besuch Putins in China: Bilanz | Vitaly Portnikov. 20.05.2026.

Der Besuch des Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, in der chinesischen Hauptstadt lässt sich in seiner Bilanz mit dem Besuch des Präsidenten der Vereinigten Staaten vergleichen, der nur wenige Tage vor Putins Aufenthalt in China stattfand.

Über die Ergebnisse des Besuchs von Donald Trump sagte man: „Sie haben sich nicht zerstritten – und das ist schon gut.“ Was die Ergebnisse von Putins Besuch betrifft, kann man sagen: Man hat sich auf nichts Ernsthafteres geeinigt – und das kann bereits als unser gemeinsamer Erfolg gelten. Putin ist aus der chinesischen Hauptstadt abgereist, aber selbst russische propagandistische Kommentatoren können nicht klar formulieren, warum er überhaupt dorthin gereist ist.

Die Liste der Dokumente, die im Beisein des Präsidenten der Russischen Föderation und des Vorsitzenden der Volksrepublik China unterzeichnet wurden, besteht eher aus Memoranden und Absichtserklärungen. Von irgendwelchen neuen konkreten Vereinbarungen zwischen Moskau und Peking kann überhaupt keine Rede sein.

Und Putins Pressesprecher musste vor dem Besuch erneut erklären, dass Fragen im Zusammenhang mit der Gaspipeline „Kraft Sibiriens 2“ – möglicherweise Putins wichtigstes wirtschaftliches Interesse – grundsätzlich bereits abgestimmt seien. Es müsse nur noch über Details verhandelt werden. Dabei spricht man in Moskau über das Schicksal dieser Pipeline bereits seit vielen Jahren.

Da kann die Frage entstehen: Warum ist Putin überhaupt in die chinesische Hauptstadt gereist?

Der Besuch hatte vor allem zeremoniellen Charakter, und über ihn war bereits vor der Anreise des amerikanischen Präsidenten nach Peking entschieden worden. Vor allem wollte der Vorsitzende der Volksrepublik China, Xi Jinping, demonstrieren, dass seine Beziehungen zur Russischen Föderation den Beziehungen zu den Vereinigten Staaten gleichwertig sind – und dass gerade er, Xi Jinping, heute der geopolitische Führer der Welt ist, zu dem sowohl der Präsident der Vereinigten Staaten als auch der Präsident der Russischen Föderation reisen. Und das alles innerhalb nur eines Monats.

Übrigens werden die Chinesen jetzt sogar versuchen, ein trilaterales Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation sowie des Vorsitzenden der Volksrepublik China in China zu organisieren. Ein weiterer wichtiger Bestandteil dieses Treffens wäre die Erinnerung daran, dass sich die Vereinigten Staaten und Russland nicht in den besten Beziehungen befinden, aber jeder ihrer Führer gute Beziehungen zu Peking haben möchte. Und dann könnte Xi Jinping als Vermittler zwischen Trump und Putin auftreten.

Das entspricht allerdings nicht der Realität. Denn wir sehen, dass der amerikanische Präsident den Kontakt zu seinem russischen Kollegen sucht und ihn bereits nach Anchorage eingeladen hat. Somit hat die Rolle, die Xi Jinping während der vorherigen Präsidentschaft – der Präsidentschaft von Joseph Biden – hätte spielen können, während Donald Trump im Oval Office sitzt, überhaupt keine Bedeutung mehr.

Aber der Vorsitzende der Volksrepublik China möchte natürlich anders erscheinen. Und Putin kann ihm diesen Wunsch einfach nicht abschlagen, denn die wirtschaftliche Abhängigkeit der Russischen Föderation von der Volksrepublik China wächst weiter – besonders vor dem Hintergrund des russisch-ukrainischen Krieges und der westlichen Sanktionen gegen Russland. Und russische Führungspersönlichkeiten werden nicht müde zu betonen, wie ernst sie ihre Beziehungen zu China nehmen und welche wichtige zivilisatorische Rolle China in ihrem eigenen Leben spielt.

Erinnern Sie sich daran, wie Putin einst erzählte, dass seine Enkel Chinesisch lernen und sogar seine Tochter Chinesisch studiere? Während des Aufenthalts des russischen Präsidenten in der chinesischen Hauptstadt prahlte nun ein anderer russischer Beamter damit – Putins Pressesprecher Peskow. Das Bedürfnis, den chinesischen Gastgebern zu gefallen, wird unter den Bedingungen, in denen sich heute der russische Staat und seine Wirtschaft befinden, zu einer Frage des Überlebens.

Gleichzeitig ist Xi Jinping jedoch nicht bereit, neue Schritte auf diesen Staat und diese Wirtschaft zuzugehen, weil er deren Abhängigkeit von chinesischer Hilfe sehr gut versteht: von Chinas Ölkäufen, von Lieferungen jener Komponenten, die für die Produktion russischer Raketen und Drohnen benötigt werden, und von Chinas Möglichkeiten, die Folgen der für die russische Wirtschaft zerstörerischen westlichen Sanktionen abzumildern.

So kam Putin in erster Linie nach Peking, um das geopolitische Gewicht Xi Jinpings zu unterstreichen und chinesischen Kommentatoren die Möglichkeit zu geben, daran zu erinnern, wie bedeutend die außenpolitischen Möglichkeiten des Vorsitzenden der Volksrepublik China und Generalsekretärs der Kommunistischen Partei derzeit sind. Xi Jinping muss das jeden Tag beweisen, weil er seine Parteigenossen daran erinnern muss, dass sie ihn nicht umsonst für eine dritte Amtszeit zu ihrem Führer gewählt haben.

Und übrigens – zu dieser dritten Amtszeit. Putin feierte in China auch seinen 25. Besuch in der Volksrepublik China. Für Putin wie für Xi Jinping ist das ein echter Sieg. Putin gelang es nämlich, die russische Verfassung zu brechen, die grundsätzlich vorsieht, dass der Präsident des Landes nur für zwei Amtszeiten gewählt werden kann.

Putin gelang es in seinen 26 Jahren an der Macht, diese zwei Amtszeiten in eine lebenslange Präsidentschaft zu verwandeln. Und wir verstehen sehr gut, dass der Präsident der Russischen Föderation plant, lebenslang auf diesem Posten zu bleiben.

Dasselbe gilt für Xi Jinping, den Vorsitzenden der Volksrepublik China. Auch er hat die Tradition gebrochen, nach der der Staats- und Parteichef nur zwei Amtszeiten im hohen und verantwortungsvollen Amt bleibt und danach die Macht an einen Nachfolger übergibt. Xi Jinping, wie wir verstehen, hat ebenfalls nicht die Absicht, sich von den Ämtern des Vorsitzenden der Volksrepublik China und des Generalsekretärs des Zentralkomitees der Partei zu trennen.

Und jetzt feierten in Peking sowohl Putin als auch Xi Jinping gewissermaßen ihren Sieg über beide Machtsysteme – das russische wie das chinesische. Und möglicherweise war dieser demonstrative und selbstbewusste Triumph der Autokraten, noch dazu vor dem Hintergrund des jüngsten Besuchs Trumps und der Bereitschaft des amerikanischen Präsidenten, sowohl mit Xi als auch mit Putin zu sprechen, für sie viel wichtiger als konkrete wirtschaftliche und politische Vereinbarungen, die sie letztlich gar nicht erzielt haben.


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Titel des Originals: Візит Путіна до Китаю: підсумки | Віталій Портников. 20.05.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 20.05.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Putin entvölkert die Ukraine. Vitaly Portnikov @bestradioisrael. 18.05.2026.

Korrespondent. Erstens wäre es interessant, Ihre Sicht dazu zu erfahren, dass die nukleare Thematik wieder in die Rhetorik des Kremls zurückgekehrt ist. Sie haben wieder angefangen, über Atomwaffen zu sprechen. Sogar Budanov hat darauf reagiert und gesagt, dass er es im Voraus wissen werde, falls Russland irgendetwas vorbereiten sollte. Ist das ein Ausdruck von Ohnmacht – dass ihnen, wie Donald Trump sagt, keine Karten mehr geblieben sind?

Portnikov. Nun, über Atomwaffen sprechen sie, wie mir scheint, seit den ersten Tagen des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine, wie Sie wissen. Ich bin mir hier nicht sicher, dass das ein Ausdruck von Ohnmacht ist. Ich denke, das sind immer Versuche, die Einsätze zu erhöhen und jene Zugeständnisse zu erreichen, auf die sie Anspruch erheben, wenn es um eine Pause im russisch-ukrainischen Krieg geht.

Korrespondent. Das heißt, das ist eine solche Eskalation der Eskalation.

Portnikov. Nun, erst nur eine verbale, denke ich. Eine nicht verbale Eskalation – das war jener Angriff auf Kyiv, den wir gesehen haben. Das war praktisch vielleicht der größte solche Angriff seit 2022. Wenn man sich ansieht, wie viele Raketen und Drohnen eingesetzt wurden, wie groß die Schäden sind und wie viele Zivilisten bei diesem Angriff getötet wurden, wird klar: Sie werden die Einsätze auf unterschiedliche Weise erhöhen. Denn wir haben schon mehrfach gesagt: Wenn sie an der Front keinen entscheidenden Vormarsch erzielen können, werden sie Infrastruktur und Wohnviertel angreifen.

Denn tatsächlich vergessen wir das immer. Das ist doch nicht nur ein Krieg, sondern mehrere Kriege. Das ist ein territorialer Krieg, ein Infrastrukturkrieg, ein ideologischer Krieg und ein demografischer Krieg. Und die Angriffe auf Wohnviertel mit dem Ziel, den Menschen zu demonstrieren, dass es unsicher ist, sich im Land aufzuhalten – das ist Teil des demografischen Krieges. Denn es geht nicht einfach nur darum, wie man sagt: „Sie werden die Menschen nicht dazu bringen können, das Land zu verlassen.“ Einige werden übrigens vielleicht doch gehen – vielleicht keine große Zahl mehr. Aber noch viel mehr Menschen könnten einfach nicht zurückkehren, verstehen Sie?

Korrespondent. Ja.

Portnikov. Das ist ebenfalls sehr wichtig: dass Menschen, die vor dem Krieg aus der Ukraine geflohen sind, sich davon überzeugen, dass es hier unsicher ist, und dadurch ihre Rückkehr aufschieben und stattdessen ihre Zukunftspläne in anderen Ländern aufbauen.

Ich möchte Sie übrigens daran erinnern, dass ungefähr derselbe Krieg auch gegen Israel geführt wird. Das ist doch nicht nur ein Krieg um Territorien. Dieser Krieg ist ebenfalls ein demografischer und ideologischer Krieg: Juden soll vermittelt werden, dass es unsicher ist, im jüdischen Staat zu leben, dass man besser von hier weggeht und erst recht nicht hierher repatriiert oder zurückkehrt.

Korrespondent. Ja, das stimmt, aber das ideologische Narrativ Putins lautet doch, dass die Ukrainer eine Art ideologische Verirrung seien. Dass das eigentlich dieselben Russen seien, denen nur das Gehirn gewaschen wurde und aus denen Ukrainer gemacht wurden. Und dass das überhaupt ein Volk sei. Und jetzt sagen sie plötzlich, dass sie die Ukrainer mit einer Atombombe angreifen werden. Das passt meiner Meinung nach irgendwie nicht zusammen, oder? Sie können Malaja Tokmatschka nicht einnehmen, oder? Den Donbas, Malaja Tokmatschka – und dann mit Atomwaffen zuschlagen? In welcher Logik leben sie überhaupt?

Portnikov. Ich denke, dass wir diese Station längst hinter uns gelassen haben. Wir haben sie schon 2022 hinter uns gelassen. Denn tatsächlich hatte die russische Führung im Jahr 2022 eine klare Vorstellung, die keinerlei Beziehung zur Realität hatte: dass Ukrainer und Russen tatsächlich ein Volk seien, dass Ukrainer verdorbene Russen seien, Kleinrussen, dass sie sozusagen einfach durch eine fremde Ideologie verwirrt worden seien, dass sie aber eigentlich wüssten, wer sie wirklich seien, dass sie Russisch sprächen. Deshalb müsse nur der russische Befreiungssoldat auf ukrainischem Boden erscheinen – und vor ihm würden, ich zitiere jetzt Putin etwa aus dem Jahr 2024 oder 2025, ukrainische Frauen und Kinder stellen, um nicht zuzulassen, dass auf ihn, den lieben Verwandten, geschossen wird.

Und übrigens: In den ursprünglichen Plänen, die vom Generalstab der Streitkräfte der Russischen Föderation zur Besetzung und Kontrolle des Territoriums der Ukraine vorbereitet wurden, war keine Besetzung der westlichen Gebiete des Landes vorgesehen. Alles sollte besetzt werden. Aber im Westen, so glaubte man, lebten tatsächlich schon irgendwelche völlig unzuverlässigen Menschen, die immerhin nicht ganz Russen oder ganz von Gehirnwäsche verdorbene Russen seien. Deshalb wurde der Westen nicht als ein Territorium betrachtet, über das russische militärische Kontrolle errichtet werden sollte. Das sollten die Ukrainer selbst tun – ihre Marionettenregierung.

Doch seit 2022 hat sich etwas verändert, weil man in Russland zu der Überzeugung gelangte, dass alle Ukrainer, bedingt gesagt, von Uzhhorod bis Kharkiv illoyal seien. Einfach gesagt: Egal welche Sprache sie sprechen, egal welche politischen Ansichten sie vertreten, selbst prorussische – sie betrachten sich nicht als Russen.

Deshalb findet jetzt ein Krieg zur Verdrängung dieser unzuverlässigen und nichtrussischen Bevölkerung statt, jedenfalls einer Bevölkerung, die sich nicht als russisch betrachtet, vom Territorium der Ukraine. Und in dieser Logik ist ein Atomschlag nichts Unlogisches, denn er würde nur helfen, das Territorium von der unzuverlässigen Bevölkerung zu säubern. Deshalb sehe ich nichts Neues in dem, was sie sagen und womit sie drohen.

Für sie sind die Ukrainer einfach keine Russen mehr. Das ist tatsächlich eine neue Verschiebung in ihrer Psychologie, die eintrat, nachdem sie gesehen hatten, wie die Bürger der Ukraine praktisch in allen Regionen des Landes zu den Besatzern standen.

Korrespondent. Ja. Aber wenn sie Territorien erobern wollen und auf diese Territorien Atomschläge ausführen, dann werden diese Territorien doch für nichts mehr geeignet sein. Das wird eine radioaktiv verseuchte Zone sein. Außerdem könnte die radioaktive Wolke auch in eine andere Richtung ausbreiten. Wer sagt denn, dass sie nicht Krasnodar, Rostow oder sogar Brjansk oder Kursk erreicht?

Portnikov. Nun, ein taktischer Atomschlag wird meiner Meinung nach nicht zu solchen Folgen führen. Das sind Folgen eines strategischen Atomschlags. Ich glaube, über einen strategischen Atomschlag denken sie пока noch nicht nach, sie drohen nicht einmal damit. Aber was die Tatsache betrifft, dass ein taktischer Atomschlag tatsächlich zu einer Verseuchung des Territoriums führen würde, dazu, dass es weder zum Besiedeln noch für wirtschaftliche Aktivität geeignet wäre – da haben Sie völlig recht. Deshalb müssen wir Schlussfolgerungen in zwei Richtungen ziehen.

Die erste Richtung: Sie haben in Wirklichkeit gar nicht vor, dieses Territorium zu besetzen. Sie verstehen, dass sie dieses Territorium nicht besetzen werden, und wollen es einfach von der Bevölkerung säubern, damit die Ukraine, die weiter existieren wird, menschenleer wird. Das entspricht völlig Putins Geisteshaltung.

Die zweite Schlussfolgerung: Sie haben in Wirklichkeit gar nicht vor, einen Atomschlag auszuführen, weil sie dieses Territorium künftig besetzen wollen.

Es gibt zwei Varianten. Entweder brauchen sie eine Ukraine ohne Menschen. Sie verstehen, dass sie das Territorium nicht erobern werden, aber wenn auf dem Territorium der Ukraine viel weniger Menschen leben als heute, dann reicht ihnen das. Oder sie drohen einfach mit Atomschlägen, weil sie hoffen, das Territorium zu besetzen, ohne einen Atomschlag darauf auszuführen. Das ist alles. Also ist das alles im Grunde ziemlich einfach.

Korrespondent. Lassen Sie uns einen     harten Themenwechsel machen. Wir versuchen, uns so wenig wie möglich in ukrainische Innenangelegenheiten einzumischen, aber Veronika Feng Shui hat auf uns einen sehr starken Eindruck gemacht. Also wir …

Portnikov. Gab es bei israelischen Politikern und gesellschaftlichen Persönlichkeiten nie eine Leidenschaft für Handleserei und Sterndeuter? Gehen die Vorsitzenden israelischer Parteien nicht zu ihren spirituellen Mentoren, um herauszufinden, wie sie in der Knesset abstimmen sollen? Haben die Parteien der israelischen Regierungskoalition keinen Rat der Tora-Weisen, wo Menschen einfach anhand von Büchern wahrsagen? Das letzte Land, in dem das Interesse ukrainischer Politiker an Astrologen und Wahrsagern Verwunderung oder Aufregung hervorrufen sollte, ist, verzeihen Sie, Israel. Denn bei Ihnen ist das institutionell organisiert. Rabbi Ovadia Yosef, zu dessen Beerdigung Hunderttausende, vielleicht eine Million Menschen kamen, oder Rabbi Schach – das sind doch genau dieselben Astrologen, nur in die Gewänder von Tora-Gelehrten gekleidet. Denn wenn man versucht, in den Zeilen eines alten Folianten ein Rezept dafür zu lesen, wie die eigene Parlamentsfraktion abstimmen soll – welches Instrument benutzt man dabei überhaupt?

Korrespondent. Ja, ich stimme Ihnen zu, aber bei uns ging man zu ihnen um des Segens willen, sogar Shimon Peres ging erstaunlicherweise zu ihnen.

Portnikov. Ein Segen und politische Beratung auf Grundlage der Auslegung bestimmter Kapitel der Tora sowie Abstimmungen im Rat der Tora-Weisen – das ist im Grunde dasselbe

Korrespondent. Aber sie beeinflussten keine Ernennungen. Bei uns gab es Probleme, Bibi wurde angegriffen, weil seine Frau Sara Vorstellungsgespräche führte und konkrete Ernennungen beeinflusste.

Portnikov. Das ist nicht dasselbe. Wenn die Ehefrau Ernennungen durchführt, ist das Nepotismus. Aber wenn der Rat der Tora-Weisen entscheidet, welche Partei der Regierungskoalition welchen Minister vorschlägt – bei Schas oder „Jahadut ha-Tora“ –, worüber reden wir denn? Was heißt bei Ihnen „sie beeinflussten keine Ernennungen“? So ist die Regierung doch aufgebaut. Warum wollen Sie die Situation nicht realistisch betrachten?

Korrespondent. Nein, natürlich stellt die politische Partei ihre Kandidaten für Ministerposten auf.

Portnikov. Und wer hat das entscheidende Wort – der Rat der Tora-Weisen oder das Zentralkomitee der Partei? Stellen Sie sich vor – Sie haben doch in der Sowjetunion gelebt –, stellen Sie sich vor, über dem Zentralkomitee der Partei gäbe es eine Gruppe von Personen, die Fragen der Ernennung in den Ministerrat nicht nach ideologischer Loyalität entscheidet, sondern danach, wie die Sterne am Himmel stehen. Ein Rat der Weisen des Marxismus. Wie würden Sie dazu stehen?

Korrespondent. Nein, aber der Rat der Weisen kann jedes seiner Entscheidungen mit der Tora erklären, doch in Wirklichkeit steckt dort derselbe Nepotismus, dieselben politischen Interessen dahinter.

Portnikov. Und Veronika Feng Shui – ist das nicht derselbe Nepotismus, dasselbe politische Interesse? Das ist doch alles dasselbe. Politische Interessen und Nepotismus, die entweder in die Gewänder von Rabbinern oder in die Blusen von Astrologinnen gekleidet werden. Deshalb sage ich Ihnen noch einmal: Da es bei Ihnen institutionalisiert ist und Sie akzeptieren, dass Ihre Regierung so funktioniert – die heutige Regierung funktioniert genau so –, welche Vorwürfe haben Sie dann gegen Andriy Jermak?

Korrespondent. Nein, ich habe keine Vorwürfe . Ich wollte einfach Ihre Meinung hören.

Portnikov. Ihm ist, wie vielen anderen Vertretern der postsowjetischen politischen Klasse, mystisches Denken eigen. In der Präsidialadministration Russlands, in der Staatsduma der Russischen Föderation und in anderen russischen Institutionen sind Astrologen und Sterndeuter sogar offiziell angestellt.

Korrespondent. Mhm. Ja.

Portnikov. Und wir haben ganze Untersuchungen darüber gelesen, wie Nikolai Patruschew einen fest angestellten Astrologen konsultierte, der den Rang eines Obersts des Föderalen Sicherheitsdienstes hatte, wie dieser irgendwelche Weissagungen machte und sich dabei auf irgendwelche dubiosen Dinge stützte, wenn er Ratschläge gab; wie Wladimir Putin sich an tuwinische Schamanen wandte. Wie das geschieht, ist ebenfalls klar. Das sind wenig gebildete Menschen. Sie verstehen doch, dass ein Diplom der Universität Sankt Petersburg oder irgendeines Moskauer Instituts für internationale Beziehungen oder der Fakultät für internationale Beziehungen der Universität Kyiv, die Andriy Jermak, glaube ich, abgeschlossen hat, überhaupt keine Bildung bedeutet, sondern einfach nur ein Büchlein ist. Denn diese Menschen haben keine Bildungstradition. Das sind alles Menschen – ein Ergebnis des Oktoberputsches –, die im Grunde aus Familien stammen, in denen vielleicht erst die erste oder zweite Generation eine höhere Bildung erhalten hat. Aber es sind gewöhnliche einfache Menschen aus Familien, in denen man immer an Mystik und etwas Überirdisches glaubte und offensichtliche Dinge nicht mit kritischem Denken erklären konnte.

Und all diese Leute binden sich, verzeihen Sie, diese roten Fäden um, wenn sie nach Jerusalem kommen. Tragen Sie einen roten Faden?

Korrespondent. Nein.

Portnikov. Sie tragen ihn aber.

Korrespondent. Ich trage keinen roten Faden.

Portnikov. Nun sehen Sie, Ihnen wäre das sogar näher. Sie könnten schneller an einen roten Faden kommen. Aber ich habe eine enorme Zahl von Menschen gesehen, die selbst dann, wenn sie keine Juden waren – von Juden ganz zu schweigen –, sich unbedingt diese roten Fäden umbunden und damit sogar auf Regierungsempfängen prahlten. Ja, ja. Gegen den bösen Blick.

Korrespondent. Gegen den bösen Blick. Ja.

Portnikov. Gegen den bösen Blick.

Korrespondent. Ja. So etwas gibt es.

Portnikov. Nun, weil das eben, ich sage es noch einmal, einfache Menschen sind. Aber aus diesen einfachen Menschen besteht der gesamte postsowjetische Raum. Alles Nicht-Einfache wurde vor hundert Jahren ausgerottet. Und jetzt ist es sehr wichtig, dass die neuen Generationen eine Tradition des kritischen Denkens und der Bildung entwickeln. Dafür werden noch hundert Jahre nötig sein.

Korrespondent. Am zwanzigsten soll Putin in Peking erscheinen. Was ist das Ihrer Meinung nach für ein Besuch? Hat er etwas mit Trumps jüngstem Besuch bei Genossen Xi zu tun? Und welche Perspektiven, welche Erwartungen gibt es überhaupt? Welche Position könnte China hinsichtlich der Fortsetzung dieses Krieges einnehmen?

Portnikov. Natürlich hat dieser Besuch direkt mit Trumps Besuch zu tun, denn schon vor Trumps Reise wurde gesagt, dass Putin China unmittelbar nach Trump besuchen werde. Das geschieht demonstrativ: Nachdem der Feind gekommen ist, besprechen die Freunde untereinander, wie sie weiter handeln, im Einklang mit den Ergebnissen des Aufenthalts des Präsidenten der Vereinigten Staaten in der chinesischen Hauptstadt. Deshalb erwarte ich von Putins Besuch keine besonderen Ergebnisse – einfach deshalb, weil wir auch von Trumps Besuch keine besonderen Ergebnisse gesehen haben.

Trump kam in der geopolitischen Situation, in der er sich vor allem im Nahen Osten befindet, mit leeren Händen nach China und fuhr mit leeren Händen wieder ab. Wenn man nicht die 200 Boeing-Flugzeuge mitzählt, die China angeblich kaufen soll. Aber das ist bei weitem nicht die Größenordnung wirtschaftlicher Vereinbarungen, die irgendeine wesentliche Bedeutung hätte.

Trump kam nach China nach dem verlorenen Zollkrieg und vor dem Hintergrund des nicht gewonnenen Krieges um die Straße von Hormus. Deshalb reist Putin jetzt ausschließlich aus demonstrativen Gründen nach China. Und klar ist, dass dieser Besuch keinerlei Auswirkungen auf seine Absichten hinsichtlich des russisch-ukrainischen Krieges haben wird – aus einem einfachen Grund: Peking wird weder die Hilfe für Russland einstellen noch diese Hilfe besonders verstärken, um Putin größere Ressourcenmöglichkeiten zu verschaffen. Es bleibt einfach so, wie es ist. Und für Putin ist selbst das schon gut, wenn man bedenkt, dass er irgendwie sein Öl verkaufen muss.

Korrespondent. Und wie viel Aufmerksamkeit widmete Trump während seines Besuchs in Peking überhaupt dem Krieg Russlands gegen die Ukraine? Mir scheint doch, dass die Hauptaufmerksamkeit auf andere Themen konzentriert war.

Portnikov. Natürlich. Ich glaube überhaupt nicht, dass dort viel darüber gesprochen wurde. Offiziell sprach man darüber. Und die Chinesen sagten sogar, dass sie wollen, dass der Krieg möglichst bald endet und Russland und die Ukraine am Verhandlungstisch sitzen.

Aber die Frage ist doch, wie sie das Ende dieses Krieges sehen. Man muss doch immer fragen: „Wie sehen Sie das Ende des Krieges zwischen Russland und der Ukraine?“ Während für uns das Ende des Krieges die Bewahrung von Souveränität, territorialer Integrität und das Recht bedeutet, die eigene Zukunft zu wählen, während für die Vereinigten Staaten territoriale Zugeständnisse an Russland bei Erhalt ukrainischer Souveränität das Ziel sind – dann kann das chinesische Verständnis des Kriegsendes völlig anders sein.

Und ich kann es mir übrigens vorstellen. China könnte völlig ruhig auf die Angliederung ehemaliger ukrainischer Gebiete an Russland reagieren. Für China wäre das ein völlig normales Ergebnis des Krieges, weil das einfach zusätzliches Territorium für Investitionen wäre. Oder – und vielleicht passt das China sogar besser – die Verwandlung der Ukraine in ein neues Belarus. Denn es gibt ein klares Modell von Souveränität, mit dem China einverstanden ist: das Modell der belarussischen Souveränität. Ein Land, das sich unter vollständigem russischem wirtschaftlichem und politischem Einfluss befindet und dessen Staatschef auf russischen Bajonetten sitzt.

Gleichzeitig hängt aber die Erhaltung der Staatlichkeit dieses Landes von der chinesischen Position ab. Deshalb reist der Führer dieses Landes ständig zu Vasallenbesuchen nach China. Eine solche Ukraine würde China durchaus passen. Aber den Ukrainern selbst würde sie wohl kaum passen.

Korrespondent. Ja. Und was den Iran betrifft – Sie sprechen von der Straße von Hormus. China hängt sehr stark von der Straße von Hormus ab, die Vereinigten Staaten dagegen überhaupt nicht. Im Gegenteil, das ist doch ein starker Punkt, ein Trumpf für Trump zu sagen: „Hilf mir, ich werde Ordnung in der Straße von Hormus schaffen. Das liegt doch in deinem Interesse.“ Und tatsächlich …

Portnikov. Nun, erstens kann China dort kaum jemandem wirklich helfen. Zweitens sind all diese Gespräche darüber, dass die Vereinigten Staaten nicht von der Straße von Hormus abhängen, verzeihen Sie, trumpistische Propaganda, die auf fehlendem Verständnis wirtschaftlicher Mechanismen beruht. Die Vereinigten Staaten hängen in weit größerem Maße von der Straße von Hormus ab als China. Wissen Sie warum?

Korrespondent. Warum?

Portnikov. Die Bereitschaft der amerikanischen Bevölkerung, wirtschaftliche Härten zu ertragen, ist dutzende, wenn nicht hunderte Male geringer als die der Chinesen. Als die Politik der Null-Toleranz gegenüber dem Coronavirus beendet wurde, gab es in China eine solche humanitäre Katastrophe, dass es in den Vereinigten Staaten in einer solchen Situation einfach keine Regierung und keinen Kongress mehr gegeben hätte, verstehen Sie – als Menschen stapelweise aus den Krankenhäusern abtransportiert wurden. Das war schlicht unbeschreiblich. Und der Stabilität des Regimes schadete das nicht.

Wenn die Menschen in China deutlich schlechter leben werden, wird das für Xi Jinping natürlich unangenehm sein, aber ich denke nicht, dass ihm etwas passieren wird. Und das Wichtigste: Der Kommunistischen Partei wird nichts passieren. Denn die Chinesen wissen erstens, was es heißt, schlecht zu leben, und zweitens ist der Repressionsapparat dort viel effektiver als in irgendeinem demokratischen Land – ich würde sogar sagen, in allen demokratischen Ländern zusammen.

In den Vereinigten Staaten aber werden die Benzinpreise steigen, wenn – wie Sie verstehen – die Straße von Hormus geschlossen wird; die Preise für Grundnahrungsmittel und grundlegende Waren werden steigen, der Lebensstandard der Menschen wird sinken. Das ist unvermeidlich, weil das der Markt ist.

Wenn ein Öldefizit in der Welt beginnt, werden die Preise umso stärker steigen, denn amerikanische Ölgesellschaften sind Marktunternehmen, dort gibt es keine staatliche Marktregulierung, und selbst Trump kann das nicht ändern. Und so werden die Republikaner zu den Zwischenwahlen zum Kongress ohne jede Hoffnung auf Erfolg antreten und könnten sogar verlieren, was sie noch nie verloren haben. Deshalb muss Trump diese Probleme lösen – um seines politischen Überlebens willen, denn schon im Herbst 2026 beginnt seine Fahrt vom Jahrmarkt. Sie beginnt in jedem Fall. Die Frage ist nur das Ausmaß der Niederlage.

Xi Jinping dagegen hat nichts Vergleichbares – außer wirtschaftlichen Problemen. Das ist natürlich unangenehm, aber das kann man überstehen und aushalten. Zumal es sich lohnt, dies zugunsten des wirtschaftlichen Zusammenbruchs der Vereinigten Staaten von Amerika auszuhalten. Und dieser Zusammenbruch zusammen mit dem gesamten Wirtschaftssystem des kollektiven Westens ist praktisch nicht mehr zu vermeiden.

Korrespondent. Dennoch schloss sich China Trump an und erklärte, dass der Iran niemals Atomwaffen besitzen dürfe. Halten Sie das für einen Erfolg?

Portnikov. Ich denke, das hat keinerlei Bedeutung, weil es Worte sind. China hat das immer gesagt und immer an irgendwelchen Vereinbarungen mit dem Iran teilgenommen, damit dieser auf Atomwaffen verzichtet. Und überhaupt – haben Sie das in offiziellen Dokumenten gesehen und nicht in Mitteilungen des Weißen Hauses? Haben die Chinesen das gesagt oder die Amerikaner?

Korrespondent. Das heißt, die Chinesen haben das nicht gesagt?

Portnikov. Die Chinesen haben das nicht gesagt. Deshalb denke ich, dass man alles, was die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten den Chinesen zuschreibt, mit Vorsicht genießen sollte. Wichtig ist, was die Chinesen selbst gesagt haben.

Korrespondent. Trump nahm eine riesige Delegation großer Unternehmen mit dorthin – ich glaube, ihre gesamte Kapitalisierung beträgt 13 Billionen Dollar. Messen Sie dem Bedeutung bei? Ist das ein Anreiz für China, die Zusammenarbeit mit den USA auszubauen, um den Zug bei künstlicher Intelligenz oder Quantencomputern nicht zu verpassen und zusätzlichen Zugang zu modernen Technologien zu erhalten? Ist das für China ein Anreiz, etwas Attraktives?

Portnikov. Ich denke, für chinesische Geschäftsleute, die mit ihren amerikanischen Kollegen zusammenarbeiten, ist das ein Anreiz. Und wir haben gesehen, wie sie versuchen, mit Elon Musk und anderen amerikanischen Großkapitalisten Kontakt aufzunehmen. Aber für das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas bedeutet das nicht besonders viel. Und diese Geschäftsleute hängen vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas ab. Ganz zu schweigen davon, dass für viele von ihnen die finanziellen Interessen in China gewöhnlich viel wichtiger sind als das nationale Interesse der Vereinigten Staaten. Auch das verstehen wir doch.

Deshalb denke ich, dass die Tatsache, dass Trump all diese, wie ich sagen würde, Supermilliardäre mitgebracht hat, eher eine Demonstration ihrer Bereitschaft ist, chinesische Interessen zu berücksichtigen. Sie selbst streben eine Zusammenarbeit mit China an, das für sie trotz aller Verlagerungen weiterhin eine wichtige Werkbank bleibt. Denn immer wieder stellt sich die Frage: Wenn Sie die gesamte Produktion aus China verlagern wollen, wenn Sie verstehen, dass China Ihr Hauptkonkurrent ist, dass es Sie bald auf dem Weltmarkt völlig erdrücken wird – warum reisen Sie dann in solcher Zahl dorthin und verbeugen sich vor Xi Jinping?

Nein, ich denke, das ist eine ganz andere Geschichte. Es ist die Geschichte davon, dass Trump einfach nicht verstehen kann, dass er im Klub der Diktatoren keinen Platz hat. Nicht weil er persönlich nicht zu diesem Klub passen würde – seinem Charakterbau nach passt er sogar sehr gut dazu. Sein großes Problem ist, dass er Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist. Und dieses Land ist ein direkter Konkurrent der Volksrepublik China und der Russischen Föderation im Kampf um Welteinfluss. Nicht einmal deshalb, weil es demokratisch ist. Ich glaube, Putin oder Xi Jinping interessiert das gerade nicht, sondern vielmehr, dass sie Amerika als Emporkömmling betrachten, der in traditionelle Einflusszonen des Russischen Reiches und dieses ehemaligen chinesischen Imperiums eingedrungen ist, das seinen Welteinfluss zurückerlangen will.

Amerika hat keinen Platz in Europa, Amerika hat keinen Platz im Nahen Osten. Amerika soll hinter seinem wunderbaren Ozean sitzen und sich nicht zeigen. Und solange Donald Trump nicht versteht, dass genau dies die verächtliche Haltung Chinas und der Russischen Föderation ihm und seinem Land gegenüber ist, werden er und all diese halbgebildeten Milliardäre einen Fehler nach dem anderen machen und ihr eigenes Land sowie ihre eigenen Unternehmen in einen unvermeidlichen Zusammenbruch treiben.

Korrespondent. Vitaly, Sie erwähnten Belarus. In letzter Zeit hören wir wieder Gespräche darüber, dass Putin Lukaschenko doch in eine aktive Teilnahme an diesem Krieg hineinziehen wolle. Belarus ist faktisch seit Beginn dieses Krieges beteiligt, aber jetzt wolle man Lukaschenko zu einer aktiven Teilnahme bewegen. Fünftes Kriegsjahr – und Lukaschenko hat sich bisher gehalten, doch jetzt wolle man ihn offenbar doch in diesen Krieg hineinziehen. Wie sehen Sie diese Perspektive politisch? Wird es gelingen, Lukaschenko hineinzuziehen?

Portnikov. Es ergibt überhaupt keinen Sinn, Lukaschenko hineinzuziehen, weil die belarussische Armee kein Schlüsselinstrument in einem solchen Krieg ist, besonders jetzt nicht. Um über Belarus zu sprechen, müsste sich auf dem Territorium von Belarus eine bedeutende militärische Gruppierung befinden, die in der Lage wäre, einen Angriff auf die bereits befestigten nördlichen Regionen der Ukraine durchzuführen. Es gäbe also nicht mehr den Überraschungseffekt und den Unglauben daran, dass von Belarus aus angegriffen wird, wie es 2022 der Fall war. Noch sehe ich keinerlei Gründe, über etwas Derartiges zu sprechen – einfach weil wir dort keine russischen Truppen sehen.

Korrespondent. Ja, zumal Russland bereits alles aus der belarussischen Armee herausgesaugt hat, was möglich war. Alles wurde von dort weggenommen. Aber trotzdem spricht Lukaschenko plötzlich davon, dass man Reservisten vorbereiten müsse. Seine Rhetorik ist also entsprechend.

Portnikov. Krieg sind überhaupt nicht Worte. Das wissen wir vom Nahen Osten. Trump hat schon so viel gesagt – aber wenn er Entscheidungen über Handlungen trifft, sehen wir das. Nicht wahr?

Korrespondent. Ja.

Portnikov. Und wenn er nur redet – nun, dann können auch Sie reden, wie eben geredet wird.


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Titel des Originals: Путин опустошает Украину. Виталий Портников @bestradioisrael. 18.05.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 18.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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uebersetzungenzuukraine.data.blog
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