Die Russen haben die Waffenruhe gebrochen | Vitaly Portnikov. 05.09.2026.

Die von der Ukraine verkündete Waffenruhe hielt nicht einmal einige Stunden und reiht sich damit in die lange Liste einseitiger Feuerpausen von ukrainischer Seite ein, die von Moskau nicht unterstützt wurden.

Aber dass man in Russland keinerlei Waffenruhe im Krieg gegen die Ukraine will, sollte uns meines Erachtens nach viereinhalb Jahren des großen Krieges und zwölf Jahren des Konflikts zwischen Moskau und Kyiv nicht mehr überraschen. Zumal die ukrainische Waffenruhe offensichtlich weniger auf Russland ausgerichtet war als darauf, den amerikanischen Vermittlern Steve Witkoff und Jared Kushner zu demonstrieren, dass sie sicher in die russische und die ukrainische Hauptstadt reisen können, um den Verhandlungsprozess wiederzubeleben, der perspektivisch, wenn schon nicht zur Beendigung, so doch zumindest zu einer Unterbrechung des russisch-ukrainischen Krieges führen sollte.

Doch dass man in Moskau der Entscheidung Kyivs keinerlei Beachtung schenkte, erinnert noch einmal daran, dass man in der russischen Hauptstadt derzeit weder über eine Beendigung noch über eine Unterbrechung des Krieges nachdenkt, sondern über eine Fortsetzung der Eskalation an der russisch-ukrainischen Front sowie über weitere Angriffe auf friedliche ukrainische Städte.

Aus dieser Sicht wirkt die Reise der amerikanischen Vermittler merkwürdig. Obwohl – warum eigentlich merkwürdig? Wir sind es gewohnt, politische Ereignisse von jener Logik ausgehend zu analysieren, die in den vergangenen Jahrzehnten oder, ich würde sagen, Jahrhunderten in der Politik galt.

Doch in der Ära Donald Trumps läuft alles völlig anders ab. Bestimmte Entscheidungen werden nicht deshalb getroffen, weil sie mit der Suche nach irgendwelchen konkreten Handlungsmöglichkeiten verbunden wären. Und nicht einmal deshalb, weil Donald Trump irgendwelche Lösungen für wichtige Probleme erwartet, sondern weil er weniger die militärische Realität als vielmehr, sagen wir, die Auswirkungen seiner jeweiligen Handlungen auf sein Image berücksichtigt.

Viele Entscheidungen werden einfach deshalb getroffen, weil im Kopf des Präsidenten der Vereinigten Staaten eine Realität existiert, die nicht mit den Realitäten der heutigen Welt übereinstimmt – mit der Welt, in der wir alle leben. Und damit das nicht wie eine bloße Behauptung klingt, möchte ich daran erinnern, dass Trump bereits mehrmals vor den Reisen Steve Witkoffs in die russische Hauptstadt versichert hatte, es gebe Chancen auf eine Verständigung und seine hervorragenden Beziehungen zu Putin ließen auf ein Ende des Krieges hoffen. Doch Witkoffs Missionen waren schon zum Scheitern verurteilt, bevor der amerikanische Vermittler überhaupt in die russische Hauptstadt aufbrach – selbst damals, als sich Trumps Schwiegersohn Kushner ihnen noch nicht angeschlossen hatte.

Jetzt ist die Situation ungefähr dieselbe. Trump sagt, es gebe Chancen, betont jedoch, dass es keinerlei neue Vorschläge gebe. Und wir hoffen einfach auf die Logik des gesunden Menschenverstands, darauf, dass der amerikanische Präsident seine Vertreter in die russische Hauptstadt geschickt hat, weil er Informationen über Putins Bereitschaft zu konstruktivem Handeln hatte, oder darauf, dass dieses konstruktive Handeln inzwischen nicht mehr mit Trump, sondern mit jenem Dialog zusammenhängt, den der Präsident der Russischen Föderation mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping geführt hat.

Und tatsächlich sind es nur noch wenige Wochen bis zum Treffen Trumps mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China. Und warum sollten der Präsident der Vereinigten Staaten und der Staatspräsident der Volksrepublik China nicht vor ihrem nächsten Gipfeltreffen eine Möglichkeit finden, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden? Aber das sind ausschließlich unsere Hoffnungen, die sich auf keinerlei Fakten stützen, sondern einzig und allein auf Vermutungen und auf unseren Wunsch, dass Russlands grausamer Krieg gegen die Ukraine endlich endet.

Die Fakten sprechen von etwas völlig anderem. Davon, dass Russland keinerlei Waffenruhe will, davon, dass Präsident Putin, der von Verhandlungen spricht, gleichzeitig an seiner gewohnten Sprache der Drohungen festhält.

Worauf also können wir im Zusammenhang mit der Reise Steve Witkoffs und Jared Kushners nach Moskau hoffen?

Nun, zunächst einmal darauf, dass diese Reise die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine nicht verschlechtert. Praktisch alle unsere Bemühungen im Zusammenhang mit diesem Verhandlungsprozess sind keine Bemühungen, die auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges abzielen, denn die Vereinigten Staaten verfügen derzeit über keinerlei reales zusätzliches Instrument, um auf die Russische Föderation Einfluss zu nehmen.

Und jene Instrumente, die eingesetzt werden könnten – sagen wir, das vom Repräsentantenhaus verabschiedete Gesetz zur Unterstützung der Ukraine oder das vom Senat verabschiedete Graham-Gesetz –, stecken derzeit jeweils in der anderen Kammer des amerikanischen Kongresses fest. Und wir wissen nicht, ob sie künftig verabschiedet werden. Und vor allem wissen wir nicht, wie real die Unterstützung dieser Gesetzentwürfe durch Präsident Donald Trump ist, selbst wenn sie irgendwann tatsächlich zu Gesetzen werden sollten.

Unsere Aufgabe besteht also nicht darin, darauf zu hoffen, dass Witkoff und Kushner den dreisten russischen Präsidenten, der davon träumt, sein eigenes Imperium um den Preis ukrainischer Menschenleben wiederherzustellen, von irgendetwas überzeugen können. Unsere Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass die Amerikaner der Ukraine nicht vorwerfen können, sie bringe Trumps Verhandlungsprozess zum Scheitern, und uns auf dieser Grundlage beispielsweise die Weitergabe von Geheimdienstinformationen oder den Verkauf amerikanischer Waffen an die Europäer verweigern.

Zumal wir sehen, dass sowohl Trump als auch seine Minister ständig versuchen, für das, was geschieht, nicht den Aggressor, sondern das Opfer verantwortlich zu machen. Wie es übrigens erst vor Kurzem der Finanzminister der Vereinigten Staaten Bessent getan hat, der sagte, der Anstieg des Ölpreises auf dem Weltmarkt, der eine direkte Folge der ungeschickten Entscheidungen der amerikanischen Administration im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Iran war, sei, wie sich herausstellt, darauf zurückzuführen, dass die Ukraine das Ölverarbeitungspotenzial der Russischen Föderation zerstört.

In jedem solchen Vorwurf steckt, wie wir verstehen, das Potenzial für eine Verweigerung der Unterstützung unseres Landes. Und obwohl diese Unterstützung der Vereinigten Staaten derzeit nicht kritisch erscheint, bleibt sie dennoch wichtig. Wir werden also Trumps Spiel mitspielen müssen, auch wenn wir beide sehr gut verstehen, dass es hier nicht um Frieden geht, sondern um die Positionen, die die amerikanische Administration einnimmt.

Wenn Putin Trump bis zum Ende der Amtszeit des amerikanischen Präsidenten im Jahr 2029 aussitzen will, müssen auch wir diese Administration aussitzen und darauf hoffen, dass der nächste Präsident der Vereinigten Staaten ein Mensch sein wird, dessen Wahrnehmung der Realität mit der Realität der heutigen Welt übereinstimmt. Und wir müssen auf diese Weise Bedingungen schaffen, unter denen die Administration des amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten der Ukraine nicht vorwerfen kann, dass wir keinen Frieden wollen. Zumal wir auf eine Veränderung der politischen Realitäten in den Vereinigten Staaten möglicherweise nicht Jahre, sondern nur Monate warten müssen.

Bereits nach den Kongresswahlen, die in diesem Herbst stattfinden werden, könnte sich die gesamte politische Infrastruktur der Vereinigten Staaten und auch der Welt als solcher bis zur Unkenntlichkeit verändern. Und wir werden tatsächlich in einem völlig neuen politischen Klima leben. Aber auch dieses politische Klima müssen wir erst erleben, ohne die Beziehungen zur gegenwärtigen amerikanischen Administration zu beschädigen und indem wir ein Fundament für die weitere Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten schaffen.

Und aus dieser Sicht kann man sogar eine Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front verkünden – in dem Bewusstsein, dass die russische Seite nicht nur keinerlei Interesse an einer solchen Feuerpause hat, sondern nicht einmal daran interessiert ist, überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, dass solche Waffenruhen verkündet werden.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росіяни зірвали перемирʼя | Віталій Портников. 05.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 05.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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