Putin bereitet ein neues München vor | Vitaly Portnikov. 19.10.2026.

Das Wall Street Journal berichtet, dass der Kreml vorgeschlagen habe, während des Gipfeltreffens der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) am 18. und 19. November im chinesischen Shenzhen ein trilaterales Treffen zwischen den Präsidenten Russlands und der Vereinigten Staaten sowie dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China abzuhalten, um unter anderem darüber zu entscheiden, wie der russisch-ukrainische Krieg beendet werden könnte.

Der Präsident der Russischen Föderation, Putin, schlägt vor, den ukrainischen Präsidenten Zelensky nicht zu diesem Treffen einzuladen. Auch die europäischen Staats- und Regierungschefs sollen nicht daran teilnehmen. 

Viele vergleichen Putins Wunsch, einen solchen Gipfel mit Trump und Xi Jinping in Shenzhen abzuhalten, mit einer sogenannten neuen Konferenz von Jalta. Dabei wird an das Treffen der Staats- und Regierungschefs der Sowjetunion, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert, bei dem darüber entschieden wurde, wie die Grenzen Europas nach dem endgültigen Zusammenbruch des Hitlerreichs aussehen sollten.

Doch Putins Idee erinnert weniger an ein neues Jalta als vielmehr an ein neues München. An das Jahr 1938, als die Premierminister Großbritanniens und Frankreichs, Chamberlain und Daladier, der Übergabe des Sudetenlandes der Tschechoslowakei an das Deutsche Reich zustimmten. 

Hitler wurde bei diesem Treffen mit Chamberlain und Daladier vom italienischen Diktator Mussolini unterstützt, der formal als Vermittler auftrat, tatsächlich aber ein Verbündeter des deutschen Diktators war. Und genau dieses Gipfelformat schwebt Putin nun für Shenzhen vor.

Natürlich ist klar, wozu der russische Präsident ein solches Treffen braucht. Selbst wenn Trump und Xi Jinping nicht allen seinen Vorschlägen für die künftige Weltordnung zustimmen sollten, würde Putin allein durch seine Teilnahme in den Kreis der führenden Staatsmänner der Welt aufgenommen. 

Dabei lässt sich die Wirtschaftsleistung der Russischen Föderation selbst in den kühnsten Träumen nicht mit der Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China vergleichen. Man könnte sagen, dass Putin beim Gipfel in Shenzhen ausschließlich auf dem schwarzen Pferd der Angst vor seiner Bereitschaft, Krieg zu führen und Menschen zu töten, in den exklusiven Kreis der wichtigsten Staats- und Regierungschefs der heutigen Welt einreiten würde.

Xi Jinping könnte einem solchen Treffen zustimmen, auch wenn bislang keineswegs feststeht, dass es tatsächlich vereinbart wird. Denn er versteht, dass er gemeinsam mit Putin bei diesem Treffen gegenüber dem amerikanischen Präsidenten in der Mehrheit wäre. Trump würde noch einmal vor Augen geführt, dass sämtliche amerikanischen Hirngespinste, wonach sich die Russische Föderation von der Volksrepublik China lösen ließe, abenteuerlich sind und in der Realität nicht verwirklicht werden können. Damit müsste der amerikanische Präsident nicht nur den wirtschaftlichen Einfluss des chinesischen Staatspräsidenten berücksichtigen, sondern auch dessen offensichtlichen Einfluss auf Moskau.

Die Frage, wozu Trump ein solches Treffen braucht, bleibt offen. Aus Sicht der Realpolitik und des Gewichts der Vereinigten Staaten dürfte ein solcher Gipfel eigentlich gar nicht stattfinden, zumindest nicht vor dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges. Doch Trumps besondere Vorstellung von der Weltpolitik, in der es nur ihn selbst, Xi Jinping und Putin gibt, sowie seine Eitelkeit und Gier könnten dazu führen, dass der amerikanische Präsident einem solchen Format zustimmt und dabei übersieht, dass ein Treffen ohne Beteiligung des Landes, über dessen Schicksal drei Staatschefs entscheiden wollen, von denen einer der Aggressor ist, von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Trumps gesamtes Verhalten in den vergangenen Wochen deutet darauf hin, dass in Washington die Möglichkeit eines trilateralen Gipfels erörtert werden könnte und dass Trump möglicherweise darauf hofft, gerade bei seinem Treffen mit Putin und Xi Jinping eine Lösung ausarbeiten zu können, die anschließend uns und den Europäern aufgezwungen werden soll. Selbst der jüngste Beitrag des amerikanischen Präsidenten in den sozialen Medien zeigt, dass er sich auf die Seite des russischen Präsidenten schlägt.

Denn in diesem dreisten Beitrag gibt es Putin, der trotz der ukrainischen Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation weiterhin Millionen Tonnen Dieselkraftstoff auf den Weltmarkt liefert und damit zur Stabilisierung der Weltwirtschaft beiträgt. Ich möchte gleich daran erinnern, dass dies eine Lüge ist, denn solche Millionen Tonnen russischen Dieselkraftstoffs gibt es auf dem Weltmarkt schon seit Langem nicht mehr. 

Und dann gibt es die Ukraine, gibt es Zelensky, der den Krieg nicht beenden will und nicht zur Stabilisierung des weltweiten Kraftstoffmarktes beiträgt, weil er die Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation angreift, was zu ernsthaften Problemen für amerikanische Landwirte und Arbeiter führt. Ich möchte noch einmal daran erinnern, dass auch dies eine Lüge ist. Denn die amerikanischen Landwirte und Arbeiter leiden unter der inkompetenten Politik des amerikanischen Präsidenten und seiner Regierung während des Irankrieges, unter dem mangelnden Verständnis für die Bedrohungen und Herausforderungen, die mit diesem Krieg verbunden sind. Und die unmittelbare Verantwortung dafür trägt nicht Volodymyr Zelensky, sondern Donald Trump.

Allerdings können solche Äußerungen in den sozialen Medien, wie wir verstehen, sowohl mit den Wahlkampfinteressen des amerikanischen Präsidenten zusammenhängen, der seiner eigenen Partei helfen will, die Zwischenwahlen zum Kongress nicht zu verlieren, als auch mit den außenpolitischen Absichten des Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Ich möchte daran erinnern, dass das Thema eines trilateralen Gipfels in Shenzhen während des letzten aufsehenerregenden Telefongesprächs zwischen Putin und Trump erörtert worden sein könnte, bei dem auch die Vereinbarung über die Lieferung von Dieselkraftstoff aus der Russischen Föderation auf den Weltmarkt getroffen wurde. Schon damals wurde darauf hingewiesen, dass es bei diesem Gespräch keineswegs um die 300 Tonnen Dieselkraftstoff ging, die an der Lage auf dem weltweiten Kraftstoffmarkt überhaupt nichts ändern und den Republikanern auch nicht helfen würden, die Preise an amerikanischen Tankstellen zu senken und dadurch ihre Chancen im Wettbewerb mit den Demokraten zu verbessern. Vielmehr könnte es beim Dialog des amerikanischen Präsidenten mit seinem russischen Amtskollegen um weitaus grundlegendere Vereinbarungen zwischen Moskau und Washington gegangen sein.

Und gerade zur Bestätigung dieser grundlegenden Vereinbarungen, die es den Vereinigten Staaten ermöglichen könnten, den Kreis der demokratischen Staaten der Welt zu verlassen und sich stattdessen dem Kreis der Autokratien anzuschließen, könnten beim Gipfel in Shenzhen am 18. und 19. November entsprechende Absprachen getroffen werden.

Sollte ein solcher Gipfel stattfinden, wäre er zweifellos ein historisches Ereignis für die gesamte Menschheit. Denn er würde eine direkte Schnellstraße in den Dritten Weltkrieg eröffnen, zum Zusammenbruch der gemeinsamen Solidarität des Westens, zur Verstärkung der aggressiven Begehrlichkeiten autoritärer Staaten und zum Tod von Millionen Menschen in all diesem Grauen – bereits in den kommenden schwierigen Jahren und Jahrzehnten.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін готує новий Мюнхен | Віталій
Портников. 19.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 19.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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