Wer kann Xi Jinping überzeugen? Vitaly Portnikov. 29.09.2026.

Хто переконає Сі Цзіньпіна. Віталій Портников. 29.09.2026.

Treffen zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem chinesischen Staatschef werden stets mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt, obwohl bei diesen Treffen schon seit vielen Jahren praktisch nichts geschieht und die wichtigste Aufgabe ihrer Teilnehmer darin besteht, sich nicht völlig zu zerstreiten.

In der Ukraine versucht man jedoch in den letzten Jahren jedes Mal, wenn der amerikanische und der chinesische Staatschef zusammentreffen, zu verstehen, ob Donald Trump – und vor ihm Joseph Biden – Xi Jinping so beeinflussen kann, dass dieser Putin „befiehlt“, den Krieg zu beenden. Und jedes Mal ist man enttäuscht, wenn sich herausstellt, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine nicht einmal zu den wichtigsten Themen der amerikanisch-chinesischen Gespräche gehörte.

Ja, natürlich haben die USA und China eine Vielzahl eigener Probleme, über die man wochenlang sprechen könnte. Taiwan, die Ansprüche Chinas gegenüber den Philippinen, wirtschaftliche Fragen, die Reduzierung der Atomwaffen und inzwischen auch noch die „künstliche Intelligenz“. Und bei keinem dieser Themen zeichnet sich irgendeine Verständigung ab – allenfalls herrscht ein „kalter Frieden“. Und im Rahmen dieses „kalten Friedens“ ist es sogar schwer vorstellbar, wie der Präsident der USA die Bestimmungen des gerade erst verabschiedeten und unterzeichneten „Graham-Gesetzes“ in der Praxis gegen China anwenden soll – zumal sich amerikanische und chinesische Regierungsvertreter unmittelbar vor dem Besuch des chinesischen Staatschefs erneut auf einen wirtschaftlichen Waffenstillstand für die kommenden Monate geeinigt haben. Wie also kann der amerikanische Präsident seinen chinesischen Gast beeinflussen, und lohnt es sich für ihn überhaupt, das Thema Ukraine anzusprechen?

Aber selbst wenn man sich vorstellt, dass Trump und Xi ausführlich über die Ukraine gesprochen haben – können sie sich auf irgendetwas Konkretes einigen? Trump ist an einem Ende des Krieges interessiert, aber nicht am Verschwinden der Ukraine. Xi ist vor allem daran interessiert, dass Russland nicht verliert, und muss sich dabei auf Putins Vorstellung von Erfolg verlassen. Trump will – zumindest öffentlich – nicht, dass Russland die Sanktionen umgeht und Öl an China verkauft. Xi ist daran interessiert, dass Russland dieses Öl an China verkauft, und vor dem Hintergrund der Krise in der Straße von Hormus ist das derzeit nicht bloß eine Laune.

Und schließlich überschätzt auch derjenige, der glaubt, Xi könne Putin irgendetwas befehlen, die Möglichkeiten des chinesischen Staatschefs. Ja, der russische Präsident kann den Standpunkt seines chinesischen Amtskollegen nicht außer Acht lassen. Doch Russland ist für China sowohl der Partner mit dem größten Atomwaffenpotenzial als auch ein Lieferant billigen Öls und – was am wichtigsten ist – ein Instrument zur Destabilisierung des Westens. Und der russisch-ukrainische Krieg ist Teil dieses Destabilisierungsprozesses. Warum sollte China zu seiner Beendigung beitragen, wenn die Fortsetzung des Krieges sowohl den Westen als auch Russland schwächt?

Deshalb sollte man von Treffen amerikanischer und chinesischer Staatschefs keine ernsthaften Ergebnisse erwarten. Nicht nur im Hinblick auf den russisch-ukrainischen Krieg, sondern auch bei anderen grundsätzlichen Fragen. Die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China befinden sich heute – auch wenn der amerikanische Präsident und sein chinesischer Amtskollege nach Trumps Auffassung ausgezeichnete persönliche Beziehungen haben – dennoch an unterschiedlichen Polen der heutigen Welt. Und die Probleme der beiden größten Volkswirtschaften der Welt sind unterschiedlich. Selbst die persönlichen Probleme von Trump und Xi Jinping sind unterschiedlich. Trump denkt über den Erfolg seiner Partei bei den Wahlen und über seinen Nachfolger nach. Xi hingegen ist mit Parteisäuberungen beschäftigt und will sich für eine vierte Amtszeit wiederwählen lassen.

Aber kann man die Haltung des chinesischen Staatschefs zum russisch-ukrainischen Krieg verändern? Ja, das kann man – und das haben die jüngsten Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs des „Globalen Südens“ bestätigt, bei denen sowohl Xi als auch der indische Ministerpräsident Narendra Modi gegenüber Putin von der Notwendigkeit sprachen, eine politische Lösung für den Konflikt zu finden. Aber warum?

Keineswegs aus übertriebener Friedfertigkeit. Sondern vor allem deshalb, weil China kein Interesse an der Zerstörung der russischen Ölverarbeitungsindustrie und an einem Rückgang der Ölförderung hat – der zwangsläufig eintreten wird, wenn die Raffinerien stillstehen. China braucht russisches Öl – und wenn Putin es nicht retten kann, sollte er vielleicht darüber nachdenken, die Eskalation zu beenden?

Deshalb ist derjenige, der Xi tatsächlich überzeugen kann, der ukrainische Soldat.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Хто переконає Сі Цзіньпіна. Віталій
Портников. 29.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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