Vitaly Portnikov über die russische Drohne über Litauen: Die Geografie des Krieges hat sich verändert, er ist bereits an den Grenzen der NATO. 24.09.2026.

Виталий Портников о российском дроне над Литвой: география войны изменилась, она уже у границ НАТО. 24.09.26.

Die russische Drohne, die von NATO-Kampfjets über Litauen abgeschossen wurde, mag nur wie eine weitere Episode des großen Krieges erscheinen. Zumal die Drohne nach der vorläufigen Einschätzung der litauischen Behörden keineswegs Litauen angreifen sollte. Sie flog in Richtung Ukraine und kam vom Kurs ab. Doch gerade solche „Zufälle“ zeigen am besten, wie sich die Geografie und das Wesen des Krieges selbst verändern.

Putin begann diesen Krieg in der Überzeugung, dass er ausschließlich ein ukrainisches Problem bleiben würde. Russland würde ukrainische Städte bombardieren, ukrainische Infrastruktur zerstören und ukrainische Gebiete besetzen, während die NATO-Staaten das Geschehen von der Seitenlinie aus beobachten und untereinander darüber streiten würden, wie viele Waffen man Kyiv liefern könne, ohne Moskau zu provozieren.

Doch der Krieg kennt jene politischen Grenzen nicht, die man sich für ihn in Amtsstuben ausdenkt.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine russische Drohne in den Luftraum eines NATO-Staates gelangt. Doch zum ersten Mal wird sie nicht von der ukrainischen Luftverteidigung zerstört, sondern von einem italienischen Kampfjet, der im Rahmen einer Mission der Nordatlantischen Allianz im Einsatz ist. Das ist noch keine Konfrontation zwischen Russland und der NATO. Aber es ist bereits eine Situation, in der die Folgen des russischen Krieges unmittelbar von den Streitkräften der NATO beseitigt werden.

Und hier stellt sich eine einfache Frage: Wie viele solcher Vorfälle müssen noch geschehen, damit die Europäer das Offensichtliche endgültig begreifen?

Man kann so viel man will über die Notwendigkeit sprechen, eine Eskalation zu vermeiden. Man kann sich selbst davon überzeugen, dass der Krieg irgendwo zwischen Charkiw und dem Donbas stattfindet und dass es vor allem darauf ankomme, ihn nicht an die Grenzen der Europäischen Union herankommen zu lassen. Doch russische Raketen und Drohnen sind nicht verpflichtet, sich an diese psychologische Grenze zu halten. Sie können außer Kontrolle geraten, vom Kurs abkommen und über dem Territorium eines Nachbarstaates auftauchen. Und irgendwann kann eine Situation entstehen, in der sich nicht mehr mit Sicherheit sagen lässt, ob die nächste Verletzung des Luftraums ein Zufall war oder ein Test der Bereitschaft der NATO, ihren eigenen Luftraum zu verteidigen.

Genau deshalb liegt die Bedeutung des Vorfalls in Litauen nicht in einer einzigen abgeschossenen Drohne.

Seine Bedeutung liegt darin, dass die NATO das getan hat, was die Bürger der Bündnisstaaten von ihr erwarten sollten: Sie hat eine Bedrohung erkannt und beseitigt. Ohne endlose und sinnlose Diskussionen darüber, ob Russland nicht schon durch die bloße Tatsache des Widerstands verärgert werden könnte.

Putin hat seine Politik viele Jahre lang auf der Angst des Westens vor einer direkten Konfrontation mit Russland aufgebaut. Und diese Angst hat tatsächlich existiert und besteht weiterhin. Doch je länger der Krieg dauert, desto mehr Möglichkeiten für eine solche Konfrontation schafft Russland selbst.

Nicht Litauen hat eine Drohne an die russische Grenze geschickt. Eine russische Drohne befand sich über Litauen.

Nicht die NATO hat einen Krieg in Europa begonnen. Russland hat den Krieg gegen die Ukraine begonnen.

Und mit jedem weiteren Tag des Krieges wird der Abstand zwischen der russischen Aggression gegen die Ukraine und der Notwendigkeit für die NATO-Staaten, bereits ihr eigenes Territorium zu verteidigen, immer geringer.


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Titel des Originals: Виталий Портников о российском дроне над Литвой: география войны изменилась, она уже у границ НАТО. 24.09.26.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 24.09.26.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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