Friedensverhandlungen: Trump sucht Schuldige | Vitaly Portnikov. 13.09.2026.

Wie sieht der Verhandlungsprozess zwischen Russland und der Ukraine aus, welche realen Perspektiven hat er, und was kann infolge der amerikanischen Vermittlung geschehen? Genau diese Fragen stellten sich, nachdem bekannt geworden war, dass es gelungen ist, die lang erwartete Reise der amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner nach Moskau und Kyiv zu organisieren, dass es ihnen gelungen ist, Gespräche mit dem Präsidenten der Russischen Föderation Putin zu führen. Und von Moskau aus reisten sie nach Kyiv weiter und führten Gespräche mit dem Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky.

All das schuf im Prinzip zumindest eine Atmosphäre, unter deren Bedingungen wir auf einen realen Verhandlungsprozess hoffen konnten, der, wenn er schon nicht zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges führt, so doch zumindest erkennen lässt, inwieweit Russland zu wenigstens einer teilweisen, sagen wir, Waffenruhe im Energiebereich vor der Wintersaison bereit ist. Ganz zu schweigen davon, dass vor der Ankunft Witkoffs und Kushners in der russischen und in der ukrainischen Hauptstadt der Direktor der Central Intelligence Agency, John Ratcliffe, Moskau besucht hatte. Und obwohl keinerlei reale Informationen über seine Reise bekanntgegeben wurden, tauchte eine ganze Reihe von Verschwörungstheorien auf, die damit zusammenhingen, dass der CIA-Direktor mit seinen russischen Gesprächspartnern – wir wissen bis heute nicht, ob Putin darunter war – in einem härteren und ernsteren Ton gesprochen haben könnte als Witkoff und Kushner und nicht über Geschäfte.

Aber ich habe von Anfang an versucht zu erklären, dass wir es nicht so sehr mit einem Verhandlungsprozess als vielmehr mit einem Wahlkampfprozess zu tun haben. Und dass der Versuch, die Handlungen der jetzigen Administration ausgehend von der Logik früherer Administrationen zu analysieren, ein völlig falscher und unproduktiver Ansatz ist, weil das bedeutet, mit politischen Motiven etwas zu erklären, was ausschließlich mit Geschäften zusammenhängt. Und dass wir, wenn wir über irgendwelche realen politischen Absichten und über eine reale Möglichkeit von Verhandlungen sprechen und davon ausgehen, dass die Administration Donald Trumps sich gerade auf den russisch-ukrainischen Krieg konzentriert und nicht auf die innenpolitische Situation in den Vereinigten Staaten, zwangsläufig einen schweren Fehler hinsichtlich der Handlungen der Administration und hinsichtlich ihrer Absichten machen werden. 

Und ich habe dazu aufgerufen und rufe weiterhin dazu auf, darauf zu achten, dass wir vor den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress stehen, bei denen das gesamte Repräsentantenhaus und ein Teil des amerikanischen Senats gewählt werden. Und die Republikaner haben alle Chancen, die Kontrolle über das Repräsentantenhaus zu verlieren, die sie derzeit haben. Und es bestehen sogar gewisse Chancen, dass sie die Kontrolle über den Senat verlieren, was bereits eine echte politische Katastrophe für Donald Trump und seine Administration wäre.

Sowohl Trump selbst als auch seine engsten Mitstreiter sagen ständig, dass die Demokraten, wenn sie die Mehrheit im Repräsentantenhaus erhalten, dieses in ein regelrechtes Untersuchungsorgan verwandeln werden. Sie werden sich mit Missbräuchen befassen, die möglicherweise vom Präsidenten, von Mitgliedern seiner Familie und von seinem engsten Umfeld begangen wurden, und das dürfe nicht zugelassen werden, weil die Demokraten Amerika sonst zurückwerfen würden. Das bedeutet, dass in Wirklichkeit die Trump-Administration zurückgeworfen würde und dass die gesamte Aufmerksamkeit des Präsidenten der Vereinigten Staaten derzeit nur auf die Zwischenwahlen gerichtet ist.

Der Sommer ist vorbei, die heiße politische Saison in den Vereinigten Staaten hat begonnen. Und das Wichtigste ist, dass die Kraftstoffpreise zu Beginn dieser Saison weiterhin Rekordwerte erreichen. Wir sehen Aufnahmen davon, wie Amerikaner mit geradezu weit aufgerissenen Augen auf diese Zahlen an den Tankstellen schauen. Und jeder solche Blick kann Donald Trump bei den Zwischenwahlen Stimmen kosten. Deshalb ist es für den Präsidenten der Vereinigten Staaten unglaublich wichtig, zumindest irgendwelche Ergebnisse im Zusammenhang mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu erzielen, möglicherweise auch nur Zwischenergebnisse.

Und die heutige Erklärung Trumps, er habe Zelensky gesagt, nicht gegen russischen Dieselkraftstoff vorzugehen, weil dies zu einem Mangel führe, demonstriert im Prinzip eine völlig offensichtliche Reaktion des amerikanischen Präsidenten darauf, wie der russisch-ukrainische Verhandlungsprozess ablaufen wird, falls er überhaupt stattfinden wird.

Trump braucht zwei wichtige Dinge.

  • Erstens muss er zeigen, dass er seine friedensstiftenden Aktivitäten fortsetzt und dabei gewisse Erfolge erzielt.
  • Zweitens muss er Verantwortliche für den Anstieg des Ölpreises und des Benzinpreises finden und betonen, dass diese Verantwortlichen sich weder im Weißen Haus noch im Pentagon befinden und dass dieser schwindelerregende Anstieg der Kraftstoffpreise nichts mit den unüberlegten Handlungen der Administration während des Krieges im Iran zu tun hat.

Sehen Sie sich einmal an, was heute tatsächlich mit diesem Kraftstoff geschieht. Der Iran kontrolliert faktisch weiterhin die Straße von Hormus. Durch sie fährt nur eine sehr geringe Zahl von Schiffen. Der Kraftstoffpreis sinkt auf diese Weise nicht, sondern steigt, ungeachtet der optimistischen Erklärungen Donald Trumps, die Lage sei geregelt und die Straße von Hormus werde in Wirklichkeit von den Vereinigten Staaten kontrolliert, was überhaupt nichts mit der Realität zu tun hat.

Aber die größten Überraschungen für Donald Trump liegen in Wirklichkeit noch vor ihm, denn die jemenitischen Huthi, die eine effektive Stellvertretermacht des Iran sind, nähern sich inzwischen der Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab. Sie haben buchstäblich in diesen Tagen einen der wichtigsten Häfen des Jemen erobert, der zuvor von der legitimen, von Saudi-Arabien unterstützten Regierung dieses Landes kontrolliert wurde, und damit im Prinzip ernsthafte Voraussetzungen für Probleme beim weiteren saudischen Ölexport und sogar bei der saudischen Ölförderung geschaffen. Das heißt, zu den erheblichen Problemen Saudi-Arabiens mit der Lieferung von Öl durch die Straße von Hormus kommt nun tatsächlich ein Problem hinzu, das mit der Lieferung von Öl durch die Meerenge Bab al-Mandab zusammenhängt.

Dass so etwas geschehen könnte, wurde seit den ersten Tagen des Krieges gesagt. Es wurde gesagt, dass die jemenitischen Huthi von Ansar Allah eine ziemlich mächtige Kraft bleiben. Und Trump muss schlicht begreifen, dass der Iran dieses Instrument möglicherweise nicht einsetzt, weil er auf einen günstigen Moment für die Entstehung einer groß angelegten Ölkrise wartet. 

Und wann ist dieser Moment günstig? Im September und Oktober 2026, damit die Amerikaner zum Zeitpunkt der Wahlen schlicht keine reale Möglichkeit mehr haben, ihre Autos zu betanken. Für eine enorme Zahl von Menschen, die in den Vereinigten Staaten leben, für die amerikanische Provinz, wäre das eine echte wirtschaftliche und logistische Katastrophe. Wenn man die amerikanischen Entfernungen und die Abhängigkeit der Menschen von ihrem eigenen Verkehrsmittel allein für die gewöhnliche Bewegung im Dreieck Zuhause, Arbeit, Schule der Kinder und Supermärkte berücksichtigt. Wenn man kein Auto hat oder es mit Kraftstoff zum Goldpreis betanken muss, verliert man schlicht die Möglichkeit, sich tatsächlich fortzubewegen. Das ist eine solche objektive Realität. Natürlich beeinflusst sie die Wahlen. Genau das geschieht jetzt.

Was hören wir von Trump selbst, von seinem Finanzminister Bessent, von seinem Energieminister Wright? Dass der Hauptgrund für den Anstieg der Ölpreise die Ukraine sei, die entschieden habe, dass sie die russische Ölverarbeitung und den russischen Dieselkraftstoff angreifen könne. Und das, obwohl Russland früher ein Mehrfaches dessen an Dieselkraftstoff produzierte, was es selbst auf seinem Binnenmarkt brauchte, und auch heute noch keineswegs wenig davon produziert. Auch das muss man verstehen: Russland hat Probleme mit der Ölverarbeitung, mit Benzin, aber nicht mit Dieselkraftstoff.

Aber Trump ist das vollkommen egal, weil er braucht, dass der amerikanische Wähler glaubt, die Ukraine nehme ihm mit ihren Angriffen auf Russland die Möglichkeit, sein Auto zu betanken, weil sie die Folgen ihres Handelns nicht versteht. Das ist die ganze Geschichte. Und was braucht es, damit die Ukraine aufhört, Russland anzugreifen? Nun, natürlich kann Trump Zelensky sagen, man solle irgendwelche anderen Objekte angreifen. Obwohl wir verstehen, dass es ohne Angriffe auf den russischen Ölverarbeitungs- und Ölsektor keinen ernsthaften Einbruch der russischen Wirtschaft geben wird. Und Putin wird weiterhin Geld für den Krieg erhalten. Und wenn Trump sagt: „Soll sie andere Objekte angreifen und Putin nicht daran hindern, Geld für den Krieg zu bekommen“, dann wird er faktisch zu Putins Verbündetem.

Aber es gibt noch eine andere wichtige Frage. Vielleicht ist das reale Instrument dafür, dass die Angriffe auf russisches Öl und die russische Ölverarbeitung aufhören, der Frieden? Wenn es gelingt, Frieden zu erreichen, dann wird Russland die Ukraine nicht angreifen und die Ukraine Russland nicht angreifen. Und hier hören wir Trumps Vertreter Jared Kushner, der sagt, dass das Friedensabkommen, wie sich herausstellt, bereits vorbereitet sei, die Ukraine sich aber nicht auf die von Präsident Putin gezogene Linie zurückziehen wolle. Also auf diese berühmten administrativen Grenzen der Oblaste Donezk und Luhansk, die die russische Armee gemäß Putins Plänen bereits 2022 hätte erreichen sollen und die sie 2026 noch immer nicht erreichen kann. Und Putin denkt, wie wir sehen, die ganze Zeit darüber nach, wie er Trumps Zeit im Weißen Haus dafür nutzen kann, von der Ukraine den Rückzug bis zu diesen administrativen Grenzen zu erreichen, um schnell die vollständige Kontrolle über die befestigten ukrainischen Städte zu erlangen und eine Offensive gegen andere ukrainische Regionen zu entfalten, die an die Oblaste Donezk und Luhansk grenzen. Auch das muss man klar begreifen.

Diejenigen, die sagen: „Lasst uns ihnen die Oblaste Donezk und Luhansk geben, damit der Krieg aufhört“, müssen begreifen, dass kein Krieg aufhören wird, dass sie einfach weitergehen werden. Und vielleicht werden Sie zu den Opfern dieser neuen Offensive gehören, wenn Sie in einer ukrainischen Oblast leben, die an die Oblast Donezk oder Luhansk grenzt. Man muss einfach klar begreifen, warum. Weil die Worte Kushners, könnte man sagen, vom Berater des Präsidenten der Russischen Föderation Juri Uschakow widerlegt werden, der sagt, die Lösung der territorialen Frage werde Möglichkeiten für ein schnelleres Vorankommen bei den anderen Artikeln des sogenannten Friedensabkommens eröffnen. Das heißt, in Wirklichkeit existiert keinerlei vorbereitetes Friedensabkommen, es existiert keinerlei Konsens darüber. Kushner erfindet das genauso, wie Trump erfindet, dass die Probleme auf dem Weltölmarkt und an den amerikanischen Tankstellen mit ukrainischen Angriffen auf Russland zusammenhängen.

Russland hat die Territorialfrage gegenüber den amerikanischen Vermittlern schlicht absichtlich an die erste Stelle gesetzt, weil es sehr gut versteht, dass dies die schmerzhafteste und schwierigste Frage für die ukrainische Präsidialadministration ist und dass jede Antwort auf diese Frage Voraussetzungen für Destabilisierung in einem feindlichen Staat schafft, den Russland vernichten will. Ganz einfach. Wenn Zelensky „Nein“ sagt, kann man ihn beschuldigen, den Krieg nicht beenden zu wollen. Im Grunde hat Kushner das mit seinen Äußerungen während des Forums der Yalta European Strategy bereits getan. Wenn Zelensky „Ja“ sagt, kann man natürlich Voraussetzungen dafür schaffen, dass in Zukunft die Frage der Beschuldigung Zelenskys aufkommt, ukrainisches Territorium preiszugeben. So oder so wirkt die Situation destabilisierend. Warum also sollte Russland diese Destabilisierung nicht für seine Ziele nutzen?

Das ist also ein ziemlich einfaches Schema, nach dem der Kreml vorgeht, wenn er die Frage des Abzugs ukrainischer Truppen aus den Oblasten Donezk und Luhansk ins Spiel bringt. Kein einziger russischer Funktionär, beachten Sie das einfach, hat auch nur ein einziges Mal gesagt, dass ein Abzug der ukrainischen Truppen aus den Oblasten Donezk und Luhansk zumindest einen Waffenstillstand bedeuten würde. Nein. Sie sagen die ganze Zeit, dass dies eine effektivere Durchführung der Verhandlungen bedeuten würde, was ebenfalls keinerlei Realität entspricht.

Ich möchte Sie noch einmal daran erinnern, dass Putin, als der Krieg im Iran begann und er bemerkte, dass Trump keine Zeit für Friedensverhandlungen über die Ukraine hatte und er damit schlicht weder Energie noch die Zeit seiner Mitarbeiter für Gespräche über Frieden aufwenden musste und dass Witkoff und Kushner, die mit dem Nahost-Dossier beschäftigt waren, sich kaum ernsthaft mit der Frage des russisch-ukrainischen Krieges befassen würden, aus den Verhandlungen ausstieg und betonte, Russland werde nur dann an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn die ukrainischen Truppen die Gebiete der Oblaste Donezk und Luhansk verlassen. Das war eine offizielle Erklärung Russlands, bestätigt vom Leiter seines Außenministeriums Sergej Lawrow.

Und wie Sie sehen, ist daraus für Moskau nichts geworden. Sie sind schließlich an den Verhandlungstisch zurückgekehrt. Putin hat Witkoff und Kushner erneut in die russische Hauptstadt eingeladen. Putin erklärte sich erneut bereit, über eine Friedensregelung zu sprechen, sobald es ihm nützlich wurde und sobald er begriff, dass Trump zumindest die Imitation eines solchen Gesprächs braucht.

Man sollte also nicht denken, dass die territoriale Frage für den russischen Staatschef etwas besonders Grundsätzliches ist. Nein, grundlegend sind ganz andere Dinge, die mit der Fortsetzung des russischen Krieges gegen die Ukraine und mit dem Versuch zusammenhängen, Russlands Verluste in diesem Krieg, die wirtschaftlichen Verluste, zu verringern. Und wie wir sehen, beginnt Putin Trump dafür zu benutzen, dass wir tatsächlich nicht gegen russische Energieanlagen vorgehen können, so wie Putin Trump benutzt hat, um die Parade am 9. Mai abzuhalten. Nun, wenn Trump sich benutzen lässt, warum sollte man ihn nicht benutzen? Und in dieser Situation werden wir, wie Sie verstehen, tatsächlich Zeugen eines solchen Drucks sein.

Dabei muss man sofort sagen, dass unsere Angriffe tatsächlich Wirkung zeigen, dass sie nicht nur Trump beunruhigen, sondern auch Xi Jinping, der sehr gut versteht, dass die Zerstörung der russischen Ölverarbeitung und infolgedessen die Verringerung der russischen Ölförderung auch Probleme für die chinesische Wirtschaft schaffen kann. Und der Staatschef der Volksrepublik China braucht eine solche Situation überhaupt nicht, wie Sie sehr gut verstehen, weil ein großer Teil der chinesischen Wirtschaft und übrigens auch der indischen Wirtschaft auf billigem russischem Öl beruht, auf der Möglichkeit, dieses Öl, das für Yuan oder Rupien gekauft wird, zu Ölprodukten zu verarbeiten, die wiederum bereits für Dollar und Euro verkauft werden. Und wenn Russland weniger Möglichkeiten hat, solches Öl an China und Indien zu liefern, sagen wir, wenn es nach dem Krieg physisch nicht mehr vorhanden ist, dann liegt das ganz sicher nicht im Interesse Pekings und Neu-Delhis.

Und genau deshalb begann Putin unmittelbar nach seinem Treffen mit Xi Jinping in Bischkek über Verhandlungen zu sprechen. Genau damals sagte er, Russland sei bereit, zu diesen Verhandlungen zurückzukehren. Er lud Witkoff und Kushner öffentlich nach Moskau ein. Das war möglicherweise nicht nur eine Reaktion auf Trumps Wunsch, bei den Zwischenwahlen irgendein Ergebnis vorweisen zu können, sondern auch eine Reaktion auf das Treffen mit Xi. Genau deshalb war Putin nach dem BRICS-Gipfel in Indien ebenfalls gezwungen, zumindest sagt das sein Pressesprecher Peskow, dem Vorschlag Xi Jinpings und Narendra Modis zuzustimmen, dass sie bereit seien, bei der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges als Vermittler aufzutreten.

Das heißt, davon, dass der Krieg beendet werden muss, spricht man inzwischen nicht nur im Westen, sondern auch im Globalen Süden. Aber ich wiederhole: Wenn der Staatschef der Volksrepublik China und der Ministerpräsident Indiens darüber sprechen, gehen sie nicht von unseren Problemen aus, sondern von den Problemen ihres eigenen Energiesektors. Und wenn wir auf Trumps Erklärung reagieren und auf diese Weise aufhören, die Ölverarbeitung der Russischen Föderation anzugreifen, dann kann auf diese Weise auch der Enthusiasmus des Staatschefs der Volksrepublik China Xi Jinping und des indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi verschwinden. Bei ihnen kann sich die Frage stellen, warum sie sich überhaupt in den russisch-ukrainischen Krieg einmischen sollen, wenn er keine Bedrohung für ihre Ölverarbeitungsindustrie darstellt. Das ist ziemlich einfach und ziemlich zynisch.

Deshalb stellt sich die Frage: Was wird als Nächstes mit diesen Verhandlungen geschehen, auf die wir uns nach den Worten des Leiters des Präsidialamtes Kyrylo Budanow im Oktober vorbereiten? Übrigens: Warum im Oktober? Was wird in den nächsten zwei Wochen, im September, geschehen, wenn Russland so an Verhandlungen interessiert ist? Warum müssen wir bis Oktober warten, und wie ernst kann die Erklärung sein, Russland warte die Wahlen zur Staatsduma der Russischen Föderation ab, um danach Verhandlungen zu führen? Das ist, wie Sie verstehen, ebenfalls reine Demagogie, weil die Ergebnisse dieser Wahlen längst bekannt sind. Und im Prinzip wäre es für Putin vorteilhaft, vor den Wahlen seine Friedfertigkeit zu demonstrieren, wenn man bedenkt, dass die Mehrheit der Russen vor dem Hintergrund dieser Angriffe solche Friedensverhandlungen derzeit begrüßen würde.

Wenn Witkoff und Kushner also sagen, Russland sei bereit, nach den Wahlen darauf zurückzukommen, geraten sie erneut in die nächste Putin-Falle, weil Putin mit aller Kraft auf Zeit spielt, um, ohne sich mit Trump zu zerstreiten, die Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen abzuwarten, die Verwandlung des amerikanischen Präsidenten in eine lahme Ente der amerikanischen Politik, und erst danach darüber nachzudenken, was man mit ihm macht, worüber man mit ihm spricht und ob man überhaupt noch mit ihm über irgendetwas sprechen muss.

Im Prinzip haben wir also gesehen, dass sich dieser gesamte Verhandlungsprozess in eine Suche der Administration der Vereinigten Staaten nach Schuldigen dafür verwandelt hat, dass es nicht gelingt, sich auf Frieden zu einigen und das Problem der hohen Ölpreise zu lösen. Und diese Schuldigen haben sie in Kyiv gefunden. Nicht Russland will den Krieg nicht beenden. Russland will das, es hat ausgezeichnete Bedingungen, nun, oder nicht ausgezeichnete. Wir wollen nicht etwas zitieren, was Kushner nicht gesagt hat. Aber die Ukraine will einfach nicht zu der von Jared Kushner umrissenen Linie gehen. Und daraus ergibt sich eine solche bedauerliche Situation. Nicht Russland erweist sich als schuldig daran, dass kein realer Friedensprozess stattfindet, sondern die Ukraine mit ihrer Unnachgiebigkeit, wie wir das bereits mehrfach gehört haben. Nicht die Vereinigten Staaten müssen nun nach Möglichkeiten suchen, die Probleme mit dem Iran zu lösen. Und nicht der Iran ist daran schuld, dass er die Meerengen blockiert und damit alle Voraussetzungen für eine groß angelegte Energiekrise in der Welt geschaffen hat, die sich entwickelt und verschärft.

Erinnern Sie sich, ich sagte vor einigen Monaten, dass wir uns schlicht einer Krise unglaublichen Ausmaßes nähern, deren tatsächliches Ausmaß erst dann bekannt sein wird, wenn die westlichen Länder ihre strategischen Ölreserven aufgebraucht haben. Dann werden Sie alles sehen. Genau darauf bewegen wir uns zu, gerade vor den Zwischenwahlen. Und gerade der Iran will diese gesamte Krise noch dadurch verschärfen, dass er auch die Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab erlangt und eine Krisensituation um Saudi-Arabien schafft.

Aber schuld ist nicht der Iran, schuld sind nicht die Huthi, schuld ist nicht Trump, der dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman Angriffe auf die Huthi verweigert hat, weil er derzeit jede militärische Eskalation und jegliche Angriffe auf amerikanische Militärobjekte sehr fürchtet. Schuld ist die Ukraine, die Russland daran hindert, seinen Dieselkraftstoff auf den Weltmarkt zu liefern. Wenn amerikanische Funktionäre sagen, gerade die Anstrengungen der Ukraine hätten zu einem Anstieg des Ölpreises geführt, dann ist das aus fachlicher Sicht eine offene Lüge, aus politischer Sicht eine offene Lüge und aus moralischer Sicht offener Zynismus.

Genau deshalb rufe ich dazu auf, sich keinerlei Illusionen zu machen und nicht zu glauben, dass wir uns tatsächlich in irgendeinem Verhandlungsprozess befinden. Nein, unser Verhandlungsprozess sind unsere Streitkräfte, die mit ukrainischen Anstrengungen die russischen wirtschaftlichen Möglichkeiten zerstören müssen, ungeachtet all dieser Erklärungen Trumps, weil die Verwandlung der Ukraine in das schuldige Land – ganz abgesehen davon, dass ich der Ansicht bin, dass unsere Führung über die realen Verhandlungen und darüber berichten müsste, was mit der Ankunft Witkoffs und Kushners tatsächlich geschieht, was sie unseren Führungspersonen tatsächlich gesagt haben. Ich meine damit keine geheime Information, sondern den Rahmen der Vereinbarungen und worauf wir uns einigen können, worauf wir uns nicht einigen können, damit die Bürger zumindest Informationen über all diese Verhandlungen nicht von Kushner hören, sondern von Zelensky und anderen Teilnehmern dieser Verhandlungen, wenn sie schon begonnen haben, ausführlich darüber zu berichten.

Nun, das ist eine, würde ich sagen, allgemeine Rahmung dieses Verhandlungsprozesses, der nun wieder gleichsam begonnen hat und zu Folgen geführt hat, die für mich absolut vorhersehbar waren.

Ich werde auf einige Fragen antworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Wie wird sich eine mögliche Niederlage Trumps bei den Wahlen auf die Ukraine auswirken?

Portnikov. Nun, ich hoffe im Prinzip, dass das Auftreten eines Kongresses, der in Opposition zum amerikanischen Präsidenten steht – wobei das ebenfalls davon abhängt, ob das nur das Repräsentantenhaus oder das Repräsentantenhaus und der Senat sein werden –, Voraussetzungen für eine effektivere Hilfe für die Ukraine schaffen wird. Sie wissen beispielsweise, dass das Repräsentantenhaus für ein Gesetz zur Unterstützung der Ukraine gestimmt hat.

Das ist nicht das Gesetz von Lindsey Graham. Sie haben wahrscheinlich bereits begriffen, dass dieses Gesetz von Lindsey Graham nicht funktionieren wird. Wenn dieses Gesetz Trump erlaubt, Zölle auf Waren aus Ländern zu erheben, die russisches Öl kaufen, und Trump uns zugleich vorwirft, dass wir die russische Ölverarbeitung angreifen und die Preise erhöhen, dann stellen Sie sich vor, was geschieht, wenn er China oder Indien nicht erlaubt, russisches Öl zu kaufen. Nehmen wir an, sie stimmen dem sogar zu. Wie werden die Preise steigen? Das Gesetz von Lindsey Graham ist also von Anfang an eine Totgeburt. Weil Trump sich erstens keine Handlungen leisten kann, mit denen er die Ölpreise eigenhändig noch weiter erhöht, und zweitens den Zollkrieg gegen China verlieren wird, wenn er ihn wieder beginnt.

Aber es gibt ein nicht totgeborenes Gesetz, das mit finanzieller und militärischer Hilfe für die Ukraine zusammenhängt. Dieses Gesetz wurde vom Repräsentantenhaus verabschiedet, trotz des aktiven Widerstands von Trumps wichtigstem Verbündeten Mike Johnson, der mit Sicherheit dadurch in die ukrainische Geschichte eingehen wird, dass er einmal auf Trumps Befehl hin die Hilfe für die Ukraine ein halbes Jahr lang blockierte, als Trump noch gar nicht Präsident der Vereinigten Staaten war, und jetzt nicht wollte, dass dieses Gesetz verabschiedet wird. Aber es ist im Senat stecken geblieben.

Wenn zumindest das Repräsentantenhaus von den amerikanischen Demokraten kontrolliert wird, werden sie Möglichkeiten haben, die Verabschiedung dieses Gesetzes im Senat und Trumps Unterschrift gegen irgendwelche für den amerikanischen Präsidenten selbst wichtigen Entscheidungen des Repräsentantenhauses einzutauschen. So war es immer. Ich glaube, dass es eine absolute hundertprozentige Konfrontation, bei der das Repräsentantenhaus nichts verabschiedet, was Trump vorschlägt, und Trump nichts unterschreibt, was das Repräsentantenhaus vorschlägt, wahrscheinlich nicht geben wird. Obwohl wiederum in der Ära Trump alles möglich ist. Wir könnten eine Erhöhung der Hilfe für die Ukraine bekommen. Zumindest bestehen Chancen dafür.

Frage. Braucht die Ukraine solche Plünderer als Vermittler? Kushner zur Persona non grata erklären. Es reicht doch, Trump entgegenzukommen. Mit einem solchen Amerika hat die Ukraine keinen gemeinsamen Weg.

Portnikov. Nun, auch das ist, würde ich sagen, keine politische Entscheidung, weil Amerika die wichtigste führende Kraft der demokratischen Welt bleibt. Und genauso, wie wir kein anderes Europa haben, haben wir keine anderen Vereinigten Staaten. Und die Ukraine kann im Krieg mit Russland in den kommenden schweren Jahren der Prüfungen und in den kommenden Jahrzehnten der großen Krise, die danach kommen wird, selbst wenn es gelingt, die große Phase der Kampfhandlungen irgendwie zu beenden, nur im Bündnis mit der demokratischen Welt überleben. Deshalb müssen wir uns ganz sicher nicht mit den Vereinigten Staaten zerstreiten, wir müssen niemanden zur Persona non grata erklären.

Zumal Kushner selbst betont hat, dass er nicht mehr in die Ukraine kommen wolle und kommen werde, wenn Frieden herrsche. Sie wissen also, Sie drohen ihm mit etwas, das ihm überhaupt keine Angst macht. Er kommt überhaupt nicht auf eigene Initiative hierher, sondern auf Anweisung Trumps. Er hat überhaupt keine Lust, hierherzukommen, wie Sie verstehen, weil er keinerlei ernsthafte Interessen in der Ukraine hat. In Russland wahrscheinlich schon. Aber dort wird man ihn nicht zur Persona non grata erklären.

Man sollte also mit solchen emotionalen Bewertungen nicht vorschnell sein. Man muss einen ernsthaften, ausgewogenen Kurs verfolgen, der mit der Notwendigkeit zusammenhängt, den ukrainischen Staat und das ukrainische Volk in den kommenden schwierigen Etappen der russisch-ukrainischen Konfrontation zu retten und sich bewusst zu machen, dass die Vereinigten Staaten in jedem Fall ein Land bleiben, das der Ukraine weiterhin helfen wird, möglicherweise sogar gegen den Willen eines Teils seiner politischen Eliten. Auch das ist ein wichtiger Faktor, wenn wir all das analysieren. Wir erhalten noch immer Geheimdienstinformationen von den Vereinigten Staaten. Wir erhalten noch immer Waffen aus den Vereinigten Staaten, die auf die eine oder andere Weise von den Europäern für uns gekauft werden. Seien Sie also mit Schlussfolgerungen nicht vorschnell.

Frage. Kann man von einer Dominanz Chinas über den Westen in fast allen Bereichen sprechen? Zumindest demütigt China die Vereinigten Staaten bereits offen und unverhohlen und bekommt keinerlei Antwort.

Portnikov. Ich glaube nicht, dass man von einer Dominanz Chinas über den Westen in allen Bereichen sprechen kann. Auch das ist eine enorme Übertreibung. Der Westen bleibt für China ein Absatzmarkt für seine Produkte. China ist es nach wie vor nicht gelungen, das eigene Land in einen Absatzmarkt für das zu verwandeln, was in China produziert wird. So oder so beginnt in China, wenn China seine Produkte nicht verkaufen kann, wenn irgendeine scharfe Krise in seinen Beziehungen zu europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten beginnt, eine viel ernstere Wirtschaftskrise, als wir gewöhnlich denken. Und in Peking versteht man das sehr gut und will deshalb in den Beziehungen zum Westen gewisse rote Linien nicht überschreiten.

Die Möglichkeiten Chinas werden schlicht dann deutlich, wenn der Westen selbst, sagen wir in Person von Präsident Trump, die Spielregeln verletzt, indem er beispielsweise unglaubliche Zölle auf chinesische Produkte verhängt und so weiter. Es kann nicht um Dominanz gehen, sondern darum, dass der Westen keine Instrumente hat, China dazu zu zwingen, nach seinen Regeln zu handeln. Weil das wirtschaftliche Potenzial Chinas es China erlaubt, nicht nur irgendwelche Zollentscheidungen des amerikanischen Präsidenten zu ignorieren, sondern auch Länder zu unterstützen, die unter westlichen Sanktionen stehen. Das ist das Wichtigste.

Das ist etwas, woran wir immer denken müssen. Keine westlichen Sanktionen werden jetzt noch so funktionieren können, wie sie früher funktioniert haben, weil es in der Welt zwei Volkswirtschaften gibt, die nach völlig anderen Regeln hinsichtlich der Werte und der Haltung zum Völkerrecht leben. Und übrigens wurden in der BRICS-Erklärung während des letzten Gipfels erneut einseitige Sanktionen verurteilt, die außerhalb des Willens des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen beschlossen werden. Und auch das ist die Position der Länder des Globalen Südens, die wollen, dass es, wenn sie gegen Sanktionen gegen Russland sind, diese Sanktionen nicht gibt. Wenn sie gegen Sanktionen gegen den Iran sind, soll es diese Sanktionen nicht geben.

Wie dem auch sei, sowohl die Russische Föderation als auch der Iran und Nordkorea können sich unter sogenannten höllischen westlichen Sanktionen befinden und dabei effektive Produzenten militärischer Erzeugnisse sein, Kriege fortsetzen, die Produktion ihrer Raketentechnik wiederaufnehmen, selbst unter Bedingungen, unter denen die Sanktionen vom UN-Sicherheitsrat verhängt werden, wie es bei Nordkorea und dem Iran der Fall war. Und der Westen hat keinerlei reale Möglichkeiten, solche Länder mit wirtschaftlichen Instrumenten zu einer Änderung ihrer Politik zu zwingen.

Deshalb sage ich immer, dass man daraus Schlussfolgerungen ziehen muss. Als Barack Obama 2014 über den kumulativen Effekt der Sanktionen gegen Russland sprach, sah er eine Welt, die längst aufgehört hatte zu existieren. Und wir konnten das gemeinsam mit Obama nicht verstehen. Aber inzwischen muss man es verstehen. Man muss verstehen, dass es keinerlei reale Möglichkeit gibt, Russland in seinem Versuch, die Ukraine zu verschlingen, mit westlichen wirtschaftlichen Instrumenten aufzuhalten. Ukrainische Angriffe dagegen schaffen tatsächlich solche Möglichkeiten, weil sie das zerstören, wofür China bezahlt. Deshalb sind Trumps Erklärungen so gefährlich.

Frage. Werden die Wähler der Vereinigten Staaten Trump wirklich glauben? Und was kann geschehen, wenn wir Trumps Aufforderungen ignorieren?

Portnikov. Nun, ein Teil der amerikanischen Wähler wird Trump natürlich glauben, weil der amerikanische Präsident einen Kern seiner Basis hat, der jede seiner Erklärungen glaubt und der gemeinsam mit ihm nach Schuldigen für das suchen will, was ihnen widerfahren ist, und natürlich nicht will, dass Donald Trump dieser Schuldige ist. Und warum wundern Sie sich darüber? Leben wir etwa nicht in genau so einem Land?

Aber ein Teil der Wähler, der sich derzeit entscheidet, für welche Partei, für welche politische Kraft er stimmen soll, kann das natürlich völlig anders sehen. Und auch das versteht Trump sehr gut. In diesem Sinne stellt sich also natürlich die Frage, wie die Wähler auf diese Erklärungen reagieren werden und wie stark sie sie beeinflussen.

Was kann geschehen, wenn wir Trumps Aufforderungen ignorieren? Nun, das ist eine gute Frage. Es ist die Frage, wo Aufforderungen in offenen Druck übergehen und ob unser Ignorieren dazu führt, dass jene Elemente der Unterstützung eingestellt werden, die noch geblieben sind. Eine gute Frage.

Frage. China versteht, dass die Vereinigten Staaten Atomwaffen nur als Antwort auf eine unmittelbare Aggression gegen sie einsetzen werden. In allen anderen Fällen kann man konventionell gegen sie Krieg führen. Worin liegt dann der Sinn der Atomwaffen der Vereinigten Staaten?

Portnikov. Ich glaube, dass die Volksrepublik China davon ausgehen kann, dass sie, wenn sie in eine direkte Konfrontation mit den Vereinigten Staaten gerät, sagen wir wegen Taiwan, nicht einfach das Territorium der Vereinigten Staaten, sondern bestimmte amerikanische militärische Objekte angreifen müsste. Und niemand weiß, inwieweit massive Angriffe auf solche Objekte nicht eine Reaktion der Vereinigten Staaten hervorrufen würden, einschließlich einer nuklearen Reaktion.

Aber mir scheint, dass China weniger die Atomwaffen der Vereinigten Staaten fürchtet als vielmehr die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten, weil sie Atomwaffen besitzen, etwa Angriffe auf chinesisches Territorium selbst führen könnten, ohne die chinesische Reaktion hinsichtlich der Atomwaffen und überhaupt die chinesische Reaktion zu fürchten. China muss nicht fürchten, dass die Vereinigten Staaten Atomwaffen gegen es einsetzen. China kann fürchten, dass die Vereinigten Staaten konventionelle Waffen gegen es auf dem Territorium Chinas selbst einsetzen können und China den Vereinigten Staaten nicht antworten kann. Auch eine solche Sichtweise kann existieren, und sie ist absolut realistisch.

Frage. Was denken Sie, wird die Ukraine aufhören, Ölraffinerien anzugreifen? Denn Trump tut alles Mögliche, damit die Ukraine nicht gewinnt. Und wie kann man weiter russische Ölraffinerien angreifen, ohne die Beziehungen zur amtierenden Regierung im Weißen Haus zu verschärfen?

Portnikov. Ich weiß nicht, wie. Ich glaube, gar nicht. Ohne eine Verschärfung wird es nicht gehen. Deshalb denke ich, dass unsere Administration mit der amerikanischen Administration arbeiten muss, ihr erklären muss, worin unser Interesse liegt, zumindest einen Tausch anbieten muss: „Wenn ihr wollt, dass wir russische Ölraffinerien nicht angreifen, und ihr uns zugleich keine Raketen für Patriot liefert und uns im Winter schutzlos lasst, warum sollten wir dann auf eure Erklärungen Rücksicht nehmen?“ Das heißt, selbst die Möglichkeit, die Angriffe auf Ölverarbeitungsbetriebe der Russischen Föderation zu reduzieren, muss gegen Handlungen der amerikanischen Administration eingetauscht werden, die uns helfen, uns gegen entsprechende Angriffe Russlands selbst zu schützen.

Denn stimmen Sie zu, dass das sehr merkwürdig aussieht: „Wir haben keinerlei Möglichkeiten, euch mit Waffen zu helfen. Unsere Patriot-Bestände gehen zur Neige. Wir werden euch niemals Tomahawks geben, ganz gleich, was ihr angreifen wollt. Aber ihr müsst aufhören, das anzugreifen, was für die russische Wirtschaft von grundlegender Bedeutung ist.“ Aber das ist Politik. Ich weiß nicht, inwieweit wir überhaupt in der Lage sind, diese Politik zu spielen und zu verstehen, wo die Ebene des Austauschs liegt und wo die Notwendigkeit, schlicht gute Beziehungen zur Administration aufrechtzuerhalten.

Dann muss man tatsächlich berechnen: Welche Folgen hat es, wenn wir auf diese Erklärungen nicht hören? Was verlieren wir? Geheimdienstinformationen, Starlink, Waffenverkäufe? Das heißt, jede Entscheidung muss ihr eigenes Gewicht haben. Und natürlich müssen wir hier ebenfalls mit einem Verständnis für die Folgen jeder ukrainischen Entscheidung umgehen, die mit diesen Erklärungen Trumps zusammenhängt.

Ganz abgesehen davon, dass all diese Erklärungen Trumps schlicht Worte sein können. Auch das muss man abwägen. Trump macht eine enorme Zahl von Erklärungen, die zu keinerlei konkreten Ergebnissen führen. Die überwältigende Mehrheit dessen, was wir im Informationsraum vom Präsidenten der Vereinigten Staaten hören, ist in der Regel weißes Rauschen. Und auch hier ist es wichtig zu begreifen, wo reale Worte und wo reale Absichten sind.

Und hier braucht man einen Dialog nicht so sehr mit Trump, der nach einigen Stunden vergisst, was er gesagt hat, sondern mit seinen Ministern, mit Bessent, mit Wright. Mit ihnen muss man sprechen, um zu begreifen, inwieweit sie praktisch an einer Einstellung unserer Angriffe interessiert sind. Denn sie wissen ganz genau, dass sich durch diese Einstellung nichts ändern wird. Genau darin liegt der Punkt.

Stellen Sie sich vor, wir hätten die Angriffe auf russische Ölraffinerien eingestellt. Wir greifen sie nicht an, und das Öl steigt trotzdem weiter, wodurch die politischen Chancen Trumps und seiner Minister faktisch zerstört werden. Und dann stellt sich die Frage: Die Ukraine hat auf euch gehört, aber die Ölpreise steigen weiter. Warum? Selbst ein Mensch, der bereit ist, all diesen Reden zu glauben, die wir vom Präsidenten der Vereinigten Staaten und seinen Energie- und Finanzministern hören, wird begreifen, dass die Sache überhaupt nicht an der Ukraine und nicht an Russland liegt, weil der Anteil Russlands an diesem Markt keine reale Rolle in der Weltwirtschaft spielt.

Ich sage es noch einmal: All diese Ölprodukte, die China und Indien aus russischem Öl erhalten, sind Premium-Ölprodukte nach dem Schema „Rupien und Yuan für russisches Öl, Dollar und Euro für unsere Ölprodukte“. Aber wie ernsthaft beeinflusst das den Weltmarkt? Den Weltmarkt beeinflusst tatsächlich die Schließung der Straße von Hormus und die wahrscheinliche Erwartung einer Schließung der Meerenge Bab al-Mandab sowie mögliche Probleme mit der Ölförderung und Ölverarbeitung Saudi-Arabiens, die sich gerade vor unseren Augen entfalten. Und so kann es zu einem Energie-Tsunami unbekannten Ausmaßes kommen, den man in Teheran natürlich für die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten von Amerika vorbereitet hat. Wenn Trump begreift, dass gegen ihn eine solche spezielle Öloperation entfaltet wird, dann ist er natürlich wütend. Das kann er schließlich verstehen.

Aber das Entscheidende ist hier nicht das. Entscheidend ist, dass wir realistisch auf den Verhandlungsprozess schauen. Denn die Erwartung von Verhandlungen in einer Situation, in der keinerlei realer Prozess stattfindet, sondern ausschließlich eine Kulisse existiert, ist das faktische Scheitern der Mission Witkoffs und Kushners, das sie mit Anschuldigungen gegen uns zu kaschieren versuchen. Das ist wichtig.

Denn wenn die ukrainische Gesellschaft mit ungerechtfertigten Erwartungen an irgendeinen Frieden destabilisiert wird, von dem es, würde ich sagen, nicht einmal Andeutungen während der Gespräche Witkoffs und Kushners in Moskau gibt, dann ist das wiederum ein Weg zur Destabilisierung der Ukraine, zum Verschwinden des ukrainischen Staates von der politischen Landkarte der Welt und zum diplomatischen, politischen und wirtschaftlichen Triumph der Russischen Föderation unter Putin. Genau das braucht Putin.

Wenn wir dagegen begreifen, dass der Diktator in Russland keinerlei Verhandlungen will, sondern unsere Vernichtung, und dass der einzige Weg, ihn heute aufzuhalten, darin besteht, seine Wirtschaft zu zerstören, damit sein Regime infolge dieser Angriffe fällt, dann ist das zumindest ein realistischer Blick auf die Dinge, selbst wenn die Zerstörung der russischen Wirtschaft eine viel schwierigere und viele Jahre dauernde Aufgabe sein wird, als es vielen vor dem Hintergrund ukrainischer Angriffe erscheinen mag.

Aber eine andere Wahl hat die Ukraine leider nicht, nachdem wir in diesen Clinch des großen Krieges geraten sind. Sie hat sie heute nicht und, glauben Sie mir, sie wird sie auch nicht haben. Und mit diesem realistischen Verständnis der Welt muss man leben. Es ist viel besser als die Erfindungen von Funktionären, die nach Kyiv kommen und danach bei uns Schuldige dafür suchen, dass ihnen nichts gelingt, weil die Russen schlicht auf sie pfeifen.

Kommentieren Sie bitte, was Sie über die Perspektiven des Verhandlungsprozesses und über Trumps Anschuldigungen gegen uns denken. Und helfen Sie unbedingt den Streitkräften der Ukraine, die in den kommenden schwierigen Jahren der wichtigste Garant der ukrainischen Souveränität, des ukrainischen Sieges und des ukrainischen Überlebens bleiben werden.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини про мир: Трамп шукає винних | Віталій Портников. 13.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 13.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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