Geheime Mission in Moskau: Wie geht es weiter? | Vitaly Portnikov. 26.08.2026.

Der überraschende Besuch des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten, John Ratcliffe, in der russischen Hauptstadt bleibt selbst am Tag nach dieser Reise eines der Hauptthemen der Diskussion – unter Ukrainern, unter Amerikanern und übrigens auch unter Russen, deren Medien diesen Aufenthalt Ratcliffes in Moskau kommentieren.

Auch unser Interesse daran ist verständlich, denn in der Regel nehmen wir jede Reise eines hochrangigen amerikanischen Beamten nach Russland als Zeichen dafür wahr, dass sich Möglichkeiten zur Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses eröffnen könnten. Gleichzeitig sollte man sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die Ziele dieser Reise völlig andere gewesen sein müssten als die zuvor öffentlich genannten.

Auch der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump äußerte sich heute zu dieser Reise, allerdings deutlich vorsichtiger, als er sich früher zu den Aussichten auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges geäußert hatte. Trump sagte, der Direktor der Central Intelligence Agency habe in der russischen Hauptstadt Routinearbeit erledigt und er wolle den Menschen keine überflüssigen Hoffnungen machen; mit der Iran-Krise habe sich der CIA-Direktor nicht befasst. Was das Ende des russisch-ukrainischen Krieges angeht, würden die Vereinigten Staaten sehr gern sehen, dass dieser Krieg endet. Und wäre Trump Präsident gewesen, hätte er gar nicht erst begonnen. Nun, diese Platte hören wir schon seit 2025, wenn nicht länger. Und wie wir sehen, führt eine weitere Aufführung der Arie von dieser Platte zu keinerlei realen Ergebnissen.

Hier ist nun wichtig zu verstehen: Kann man die Reise des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten nach Moskau tatsächlich als Routine bezeichnen? Eine solche Reise als Routine? Nein, kann man nicht. 2021 war zuletzt ein Direktor der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten in Moskau. Das war John Ratcliffes Vorgänger William Burns, der im Auftrag des damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten Joseph Biden in die russische Hauptstadt gereist war, um Putin davon zu überzeugen, keinen Krieg gegen die Ukraine zu beginnen.

Der damalige CIA-Direktor hoffte, persönlich mit dem Präsidenten Russlands zusammenzutreffen. Dafür war er im Grunde nach Moskau gekommen. Doch treffen konnte er sich nur mit seinen Kollegen aus den Geheimdiensten. Soweit ich mich erinnere, gab es dort einen Kontakt mit Nikolai Patruschew, dem damaligen Sekretär des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, sowie mit Sergej Naryschkin, dem Direktor des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation.

Burns hoffte auf ein Gespräch mit Putin, das schließlich telefonisch stattfand, weil der russische Präsident nach Sotschi gereist war. Vielleicht geschah das demonstrativ, um dem amerikanischen CIA-Direktor zu zeigen, welchen Platz ihm der russische Präsident in seiner Wahrnehmung der Realität zuwies. Das Gespräch zwischen Burns und Putin führte zu keinerlei realen Ergebnissen, ebenso wenig wie die späteren Verhandlungen Bidens mit Putin.

Wie bekannt ist, gab es ein virtuelles Treffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem Präsidenten der Russischen Föderation, das aus Sicht des Präsidenten der Vereinigten Staaten ebenfalls einen russischen Angriff auf die Ukraine verhindern sollte. Biden warnte Putin vor den möglichen Folgen eines solchen Angriffs, doch Putin hatte nicht vor, auf irgendjemanden zu hören. Das war eine außergewöhnliche Situation, die mit den Informationen zusammenhing, welche die amerikanischen Geheimdienste erhalten hatten.

Nun reist der CIA-Direktor fünf Jahre später wieder nach Moskau. Hätte er sich tatsächlich nur mit seinen Amtskollegen in der russischen Hauptstadt treffen wollen, hätte er die Möglichkeit gehabt, ein solches Treffen auf neutralem Boden abzuhalten. Wie bekannt ist, treffen sich die Leiter der Nachrichtendienstgemeinschaften der Vereinigten Staaten und Russlands in der Regel auf neutralem Territorium. Und übrigens selbst damals, als die amerikanischen Geheimdienste davon erfuhren, dass in der Russischen Föderation über den möglichen Einsatz von Atomwaffen im russisch-ukrainischen Krieg gesprochen wurde – es handelte sich um ein abgefangenes Gespräch von General Surowikin –, flog William Burns trotzdem nicht nach Moskau, sondern traf sich mit dem Direktor des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation Sergej Naryschkin auf neutralem Boden.

Allerdings ist die Situation zwischen den Vereinigten Staaten und Russland heute eine andere. Sie erinnern sich, dass Präsident Biden nach dem Angriff auf die Ukraine beschlossen hatte, Präsident Putin zu boykottieren. Deshalb konnte damals kein Treffen hochrangiger russischer und amerikanischer Beamter in Moskau stattfinden. Selbst wenn es um eine so grundsätzliche Angelegenheit wie den möglichen Einsatz von Atomwaffen ging.

Donald Trump hat diese Politik entschieden verändert – hin zu einem Dialog auf höchster Ebene, zu einem Dialog zwischen Beamten. Deshalb wirkt die Reise des Direktors der Central Intelligence Agency nach Moskau in dieser Situation vielleicht nicht ganz so unglaublich und auch nicht unbedingt wie etwas völlig Außergewöhnliches. Aber alle Fragen, die nicht grundsätzlicher Natur sind, lassen sich über andere Kanäle, mit anderen Beamten und nicht in Moskau klären. Das betrifft auch die Freilassung amerikanischer Staatsbürger aus russischen Gefängnissen. Die Amerikaner arbeiten hier schon lange mit den Russen und den Belarussen zusammen. Wie Sie sehen, ist es überhaupt nicht nötig, den CIA-Direktor dorthin zu schicken, um Ergebnisse zu erzielen. Und was den Verhandlungsprozess zwischen Russland und der Ukraine betrifft: Es ist schon ziemlich merkwürdig, dass die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Steve Witkoff und Jared Kushner, die sich im Grunde mit dieser Angelegenheit befassen, nicht nach Moskau reisen, während der Direktor der Central Intelligence Agency fährt und dort über irgendetwas spricht.

Wofür also war diese ganze Reise tatsächlich geplant? Erstens muss man sich darüber im Klaren sein, dass wir praktisch keine Möglichkeit haben zu wissen, was dort tatsächlich geschah und worüber gesprochen wurde. Uns bleibt nur, verschiedene Versionen zu diskutieren. Wenn der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation Peskow sagt, der CIA-Direktor habe Putin nicht getroffen, bedeutet das nicht, dass er ihn nicht getroffen hat. Oder jedenfalls bedeutet es nicht, dass es keinen Kontakt gab. Der CIA-Direktor könnte genau dasselbe Telefongespräch mit dem russischen Präsidenten geführt haben wie sein Vorgänger Burns. Und auch das könnte für die Erfüllung dieser Mission, die mit einem Auftrag Präsident Trumps verbunden war, völlig ausgereicht haben.

Zweitens: Worum könnte es bei diesem Auftrag gegangen sein? Jetzt heißt es, Putin habe mit Ratcliffe seine Forderungen hinsichtlich eines Endes des russisch-ukrainischen Krieges besprochen. Es ist völlig unklar, warum der russische Präsident all diese Forderungen ausgerechnet mit dem CIA-Direktor hätte besprechen sollen, wenn all diese Forderungen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Außenministerium längst bekannt waren. Putin hatte dem Direktor hier nichts Neues zu erzählen.

Was konnte der Chef der Central Intelligence Agency vom Präsidenten Russlands und von den Leitern der russischen Geheimdienste tatsächlich erreichen wollen? Das Erste, was für die Vereinigten Staaten wichtig sein könnte, ist die Verhinderung einer weiteren Eskalation. Wir sprechen ständig darüber, dass der Krieg seine geografischen Grenzen überschreiten könnte. Nach und nach tut er das bereits. Der Raketeneinschlag auf polnischem Territorium, den man natürlich als zufällig bezeichnen kann, der aber nicht zufällig war. Das ständige Eindringen russischer Drohnen in den Luftraum von Nachbarstaaten der Ukraine. Die Gespräche darüber, dass Russland unter falscher, also ukrainischer Flagge einen Drohnenangriff auf Polen oder ein anderes NATO-Land vorbereiten könnte. All das zeigt, dass man sich im Kreml darauf vorbereitet, die Europäer einzuschüchtern. Vielleicht vorerst nicht anzugreifen, aber eine entsprechende Atmosphäre in den europäischen Gesellschaften zu schaffen. Wie es im hybriden Krieg immer ist: Wenn man beginnt, um den russischen Ausdruck zu verwenden, ein bisschen Benzin ins Feuer zu gießen, kann man fatale Fehler machen, die zu einem echten Krieg führen und die Vereinigten Staaten vor die Notwendigkeit stellen, entweder in diesen Krieg einzugreifen oder den Schutz ihrer Verbündeten zu verweigern.

Beide Varianten der weiteren Entwicklung sind für Donald Trump inakzeptabel. Donald Trump will sich in keinerlei Ereignisse in Europa einmischen. Das hat er wiederholt bewiesen, wenn er über die Rolle der Vereinigten Staaten im Nordatlantischen Bündnis sprach. Donald Trump will aber auch, und das ist ebenfalls offensichtlich, keine Schwäche der Vereinigten Staaten demonstrieren, erst recht nicht nach dem, was infolge des Krieges mit Iran geschehen ist. Das heißt, er will weder kämpfen noch demonstrieren, dass die Vereinigten Staaten Europa im Falle eines russischen Angriffs nicht verteidigen würden. Der einzige reale Ausweg aus dieser Situation besteht darin, eine weitere Eskalation auf europäisches Territorium zu verhindern. Und darüber könnte der CIA-Direktor im Grunde mit seinen Amtskollegen gesprochen haben. Auch das könnte ein wichtiges Gesprächsthema gewesen sein.

Kann man dabei irgendwelche Ergebnisse erzielen? Nein. Wenn in Russland die Entscheidung für einen hybriden oder echten Krieg mit den europäischen Nachbarstaaten der Ukraine getroffen wurde, dann geschieht das nicht, weil es Russland so gut geht, sondern weil es nach Wegen sucht, die europäische Unterstützung für die Ukraine zu stoppen. Russland befindet sich hier tatsächlich in einer schwierigen Situation. Putin möchte den Krieg gegen die Ukraine so schnell wie möglich beenden, aber mit seinem Sieg: mit der Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit, mit der Vertreibung von Millionen Ukrainern aus Gebieten, die die Russen zu russischen Gebieten erklären wollen. Wie soll das gelingen, wenn Russland weiterhin gegen ein Land kämpft, das westliche Unterstützung erhält?

Und übrigens ist es absolut kein Zufall, dass die russische Propaganda jeden Angriff auf einen Marktplatz, eine Ölraffinerie oder andere Infrastrukturobjekte der Russischen Föderation als Angriff des Westens, als Angriff Europas charakterisiert. Denn aus russischer Sicht hätte die Ukraine längst aufgehört, als Staat zu existieren, wenn der Westen ihr nicht helfen würde. Und aus russischer Sicht geht es darum, dass der Westen gegen Russland kämpft, damit Russland seine Kontrolle über sein natürliches Territorium nicht wiederherstellt. Genau das geschieht aus Sicht Moskaus tatsächlich.

Gehen wir weiter. Inwieweit können die Vereinigten Staaten Putin mit den Folgen einer solchen Eskalation einschüchtern? Ungefähr so wie 2022. Große Instrumente, mit denen Washington heute Einfluss auf die Russische Föderation nehmen könnte, gibt es nicht. Die meisten Energiesanktionen sind bereits verhängt. Auf Länder, die heute russisches Öl kaufen, können die Vereinigten Staaten real kaum Einfluss nehmen. Den Zollkrieg mit der Volksrepublik China hat Trump noch vor dem heißen Krieg mit Iran verloren. Sich vorzustellen, dass Trump selbst nach Verabschiedung des berühmten Graham-Blumenthal-Gesetzes vernichtende Sanktionen gegen die chinesische Ölverarbeitungsindustrie verhängen würde – und hier müsste es gerade gegen die chinesische Industrie gehen –, fällt schwer.

Außerdem wissen wir überhaupt nicht, was in diesem Herbst mit dem Öl geschehen wird, falls die Straße von Hormus nicht geöffnet wird. Und damit kommen wir zum zweiten Teil der möglichen Aufgaben des Direktors der Central Intelligence Agency. Hormus. Das ist derzeit tatsächlich das Hauptproblem der Administration Donald Trumps, ein wesentlich wichtigeres Problem als die Geschichte des russisch-ukrainischen Krieges. Der russisch-ukrainische Krieg ist für Trump und sein Umfeld ausschließlich ein Reputationsproblem. Trump hatte versprochen, diesen Krieg zu beenden. Er konnte sich mit Putin über nichts einigen. Er lehnt weiterhin eine reale, ernsthafte Hilfe für die Ukraine ab und betrachtet diese Hilfe im Gegenteil als einen der größten politischen und finanziellen Fehler Präsident Bidens.

Dadurch, dass es diese Hilfe nicht gibt, verbessert sich die wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten bekanntlich nicht. Die Staatsverschuldung wächst, das Leben der Menschen verschlechtert sich, die Zustimmungswerte sinken. Dadurch, dass der Ukraine Waffen geliefert wurden, haben die amerikanischen Arsenale nicht besonders stark gelitten; durch die Handlungen des amerikanischen Militärs im Iran-Krieg dagegen so erheblich, dass die Vereinigten Staaten Gefahr laufen, ohne wirkliche Mittel zur Selbstverteidigung dazustehen, falls mehrere weltweite Konflikte gleichzeitig ausbrechen. All diese Erklärungen darüber, dass die Vereinigten Staaten irgendeinen Wirtschaftskrieg gegen Iran führen würden, sind, wenn Sie so wollen, bloßes Luftschütteln sowohl von Trump als auch von seinem Finanzminister Bessent. Rein propagandistische Erklärungen. Iran steht seit Langem unter Sanktionen der Vereinigten Staaten und anderer Länder der zivilisierten Welt. Er stand sogar unter Sanktionen des UN-Sicherheitsrates, nur damit er keine Atomwaffen entwickelt. Das hindert das iranische Regime nicht daran, die Gesellschaft weiter zu kontrollieren. Es hindert die iranische Gesellschaft nicht daran, selbst nach der Vernichtung des Obersten Führers Ali Khamenei und seines Umfelds zu überleben. Es hindert Iran nicht daran, Shahed-Drohnen zu produzieren. Ich erinnere daran, dass Iran genau das Land war, das begann, diese neue Waffe massenhaft gerade auf ukrainischem Boden zu erproben. Und es hindert Iran nicht daran, ballistische Raketen zu produzieren und diese anschließend auf Israel und die Länder des Persischen Golfs abzufeuern.

Wie hoch müsste der wirtschaftliche Druck auf Iran noch werden, damit Iran überhaupt darauf achtet, dass es sich mit Trump einigen soll? Nun, ich sage Ihnen, wie: Auch hier müsste man die Volksrepublik China, wie schon im Falle Russlands, dazu bringen, kein iranisches Öl mehr zu kaufen. 80 Prozent des iranischen Öls kauft China. Ich erinnere Sie daran, dass das sogar größere Mengen sind als die Menge an Öl, die China von Russland kauft, weil Russland Öl auch an Indien und andere Länder des Globalen Südens verkauft. Beim iranischen Öl dagegen ist China der offensichtliche Monopolabnehmer. Es hilft dem Regime der Islamischen Republik zu überleben. Aber ich wiederhole: Die Vereinigten Staaten verfügen über keine realen Druckmittel gegen Iran außer militärischen. Und militärische Schläge will Trump nicht führen, weil er bereits erkannt hat, dass sie hinsichtlich einer realen Veränderung der iranischen Politik völlig wirkungslos sind. Wie Sie bemerken, spricht der Präsident der Vereinigten Staaten nicht einmal mehr über das iranische Atomprogramm, das gerade in diesem Moment, während wir sprechen, fortgesetzt werden könnte. Er spricht ausschließlich über die Öffnung der Straße von Hormus. Und wie man das erreichen soll, weiß ich nicht. Alle propagandistischen Erklärungen darüber, dass heute 50 Prozent der früheren Zahl von Schiffen durch Hormus fahren, dass eine Route organisiert worden sei, werden bislang nicht durch die Realität bestätigt. Die Kraftstoffpreise steigen weiter, und die Probleme der Amerikaner mit ihrem Lebensstandard verschärfen sich weiter.

Trump muss diese Situation vor den Zwischenwahlen korrigieren. Er versteht sehr gut, was geschehen wird, wenn die Demokraten auch nur die Kontrolle über das Repräsentantenhaus gewinnen, das sich dann in einen Untersuchungsausschuss zu all den Handlungen verwandeln wird, die Trump 2025 und 2026 vorgenommen hat. Und dabei geht es nicht um Politik, sondern um Bereicherung, um die Nutzung des Amtes zur eigenen Bereicherung und zur Bereicherung von Mitgliedern seiner Familie. Trump wird dann einfach in einer enormen Zahl innenpolitischer Probleme versinken.

Die Frage ist: Kann man darüber mit Putin sprechen? Ja, denn die Russen verkaufen den Amerikanern völlig grundlos die Möglichkeit eines in Wirklichkeit gar nicht existierenden russischen Einflusses auf die iranische Politik und auf Teheran. Wirklich tun können sie nichts, aber der Direktor der Central Intelligence Agency kann mit ihnen darüber sprechen, dass man irgendwelche Zugeständnisse an Russland gegen russische Versuche eintauschen könnte, Hormus zu öffnen. Und die Russen werden Hormus nicht öffnen, und die Amerikaner werden am Ende keine Zugeständnisse machen, weil sie kein konkretes Ergebnis erhalten werden. Aber was Trump auch erzählen mag darüber, dass sein CIA-Direktor mit den Russen nicht über das Iran-Problem gesprochen habe: Trump braucht offensichtlich irgendeine reale Unterstützung bei der Öffnung der Straße von Hormus.

Und ich sage Ihnen: Wir selbst müssten sehr daran interessiert sein, dass diese Öffnung erfolgt, denn die Öffnung der Straße von Hormus nimmt dem Kreml seine heutigen Übergewinne aus dem Ölgeschäft. Heute kann der Brent-Preis in bestimmten Regionen und zu bestimmten Zeiten faktisch niedriger sein als der Preis für Urals, also russisches Öl, weil Länder des Globalen Südens infolge des Mangels an Brent, das durch Hormus gehen müsste, begonnen haben, russisches Öl ohne jenen, ich würde sagen, entgegenkommenden Rabatt zu kaufen, den ihnen die Russische Föderation früher gewährte. Für die Ukraine sind die Öffnung der Straße von Hormus und sinkende Ölpreise eine der wichtigen Voraussetzungen dafür, dass Russland zumindest in den kommenden Jahren beginnt, über die Möglichkeit eines Kompromisses im Krieg nachzudenken.

Nun sagen Sie mir bitte: Warum sollte Putin Trump bei der Öffnung der Straße von Hormus helfen? Putin ist gerade am Gegenteil interessiert: daran, dass die Meerenge geschlossen bleibt, dass die Demokraten die Wahlen gewinnen, dass Trump sich in endlose Diskussionen über seine finanziellen Interessen im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten verstrickt, dass es in Amerika keine starke Regierung gibt, die Putin mit Friedensverhandlungen auf die Nerven geht, dass es keine neuen Sanktionen gegen Russland gibt und dass Putin in der Ukraine freie Hand hat, zumindest bis zum Ende der Amtszeit Donald Trumps.

Ich versuche ständig daran zu erinnern. Putins diplomatisches Ziel besteht tatsächlich darin, Zeit bis 2028 zu gewinnen. Zumindest 2028 wird klar sein, wer für die Demokraten für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten kandidiert, wer für die Republikaner kandidiert und wie das Kräfteverhältnis aussieht. Und im November 2028 wird man im Kreml anhand des Ergebnisses der amerikanischen Präsidentschaftswahlen entscheiden, was man weiter mit dem russisch-ukrainischen Krieg tun will. Ungefähr dann, im Januar 2029, werden wir darüber sprechen können, wie die realen russischen Absichten aussehen. Jetzt besteht die Absicht darin, so lange wie möglich Zeit zu schinden, soweit es die russischen Ressourcen erlauben.

Und wenn wir nicht wollen, dass es im Januar 2029 nicht etwa um das Ende des Krieges geht, sondern darum, dass Russland im Januar 2029 seine neuen Absichten für den Krieg festlegt – zumal Sie verstehen, dass 2029 in Wirklichkeit gar nicht mehr so weit entfernt ist, wir sind bereits im August 2026. Das ist weniger Zeit, als der große russisch-ukrainische Krieg bereits dauert. Es sind weniger als viereinhalb Jahre. Dann besteht unsere Aufgabe darin, Putins Ressourcenpotenzial so weit zu verringern, dass in seinem Kopf andere Daten auftauchen.

Wie kann man das tun? Das ist bereits eine Frage an die Streitkräfte, an die Armee, an die Gesellschaft. Die Streitkräfte müssen den Feind an den Linien aufhalten, an denen er vorrückt, ihm zumindest nicht erlauben, im Rahmen der von Putin gewählten Salamitaktik, nachdem sein Blitzkrieg gescheitert war, immer neue ukrainische Gebiete zu erobern. Die Produktion offensiver Waffen, Raketen und Drohnen muss gesteigert werden. Sie müssen in Russland dessen Ressourcen zerstören, die Wiederherstellung von Ölraffinerien verhindern, Rüstungsbetriebe zerstören, Infrastruktur zerstören, damit Russland seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur einstellt, die Energieinfrastruktur der Russischen Föderation zerstören und diesen Staat faktisch in Dunkelheit versinken lassen. Zumal das Klima in dieser Hinsicht eher auf unserer Seite ist. Bei uns kann es einen warmen Winter geben, für Russland ist das eher eine Ausnahme, denn schon das Klima in der Russischen Föderation macht Heizung und Strom im Winter zu einer Notwendigkeit. Und auch die Russen müssen begreifen, dass man das Spiel „Lasst uns das feindliche Land einfrieren und seine Bevölkerung zur Kapitulation zwingen“ zu zweit spielen kann.

Und natürlich muss die ukrainische Gesellschaft selbst eine sehr einfache Frage beantworten: Ist sie bereit, vor Russland zu kapitulieren, oder ist sie bereit, all diese Lasten des Krieges weiter zu ertragen und zu begreifen, dass es zwischen diesen beiden Fragen, zwischen diesen beiden Begriffen leider keine Mitte gibt? Obwohl ich einräume, dass irgendein amerikanischer Beamter, selbst der Direktor der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten, diese goldene Mitte weiterhin sucht, im Geiste des Siegers der letzten Präsidentschaftswahlen in der Ukraine, der bekanntlich vorgeschlagen hatte, sich in der Mitte zu treffen. Nun, wir haben uns getroffen. So sieht es aus.

Was für mich aufschlussreicher ist als dieser Besuch in der russischen Hauptstadt, ist etwas ganz anderes. Wie Sie sehen, eilen die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Steve Witkoff und Jared Kushner weder nach Moskau noch nach Kyiv. Ihre Reisen werden ständig verschoben. Mal werden sie von ukrainischen, mal von russischen Beamten angekündigt, aber Witkoff und Kushner reisen weder in die Ukraine noch nach Russland. Aus einem einfachen Grund: Trump hat bereits verstanden, dass ergebnislose Reisen keinen Sinn mehr haben. Er braucht eine Reise, die ein reales Ergebnis bringt, eine Reise, nach der er sagen könnte, dass etwas geschehen ist: dass ein Waffenstillstand zustande gekommen ist, dass es eine Energie-Waffenruhe geben wird, dass es eine Waffenruhe auf See geben wird, wenigstens irgendetwas, worüber man sich einigen konnte. Doch es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass man sich mit Russland in absehbarer Zukunft über irgendetwas einigen kann.

Ich spreche gar nicht erst davon, dass dieser Krieg für Donald Trump tatsächlich auf den zweiten oder dritten Platz gerückt ist – vor dem Hintergrund des Krieges im Nahen Osten, den er nicht gewinnen kann, und vor dem Hintergrund des Zollkrieges, den er nicht gewinnen kann und den er weiterführt. Gerade in diesen Tagen beginnt die nächste Runde des Zollkrieges mit dem benachbarten Kanada. Das sind enorme Probleme für die amerikanische Wirtschaft, glauben Sie mir. Für Trump ist das heute eine wesentlich ernstere Geschichte als der russisch-ukrainische Krieg, eine Geschichte mit unmittelbarer Bedeutung für die Wahlen, denn Trump und sein Umfeld kämpfen jetzt einfach darum, bei den Zwischenwahlen zum Kongress wenigstens irgendwelche Positionen zu halten. Dazu gehört auch der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten, der versucht, die Briefwahl zu verbieten, was nach Ansicht Trumps und seiner Anhänger die Zahl demokratischer Wähler bei den Kongresswahlen reduzieren könnte.

Und das Wichtigste: Sowohl Witkoff als auch Kushner müssen sich mit den wichtigsten außenpolitischen Richtungen befassen, die Fragen des politischen Überlebens Donald Trumps sind. Da ist die Iran-Frage, die Witkoff noch immer nicht lösen kann, egal wie viele Verhandlungsrunden er führt und egal wie oft Trump verspricht, Iran werde schon morgen irgendein Abkommen mit den Vereinigten Staaten unterzeichnen und schon morgen die Meerenge öffnen. Iran handelt genauso, wie Russland im russisch-ukrainischen Krieg gehandelt hat. Es schindet Zeit, zumindest bis zu den Zwischenwahlen. Und dann gibt es noch den Verhandlungsprozess im Gazastreifen, der für Trump ebenfalls sehr wichtig ist vor den Zwischenwahlen. Auch dort funktioniert nichts, weil Trump ständig große Siege verkündet und erklärt, die Entwaffnung der Terrororganisation Hamas stehe unmittelbar bevor und der Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen ebenfalls. Aber nichts geschieht, obwohl Trumps Schwiegersohn kürzlich den Nahen Osten besuchte, sogar mit einem Hamas-Führer zusammentraf und mit ihm über irgendetwas sprach. Im Ergebnis gibt es nichts.

Zumal auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einen Wahlkampf führt, und dieser ist für ihn riskanter als für Donald Trump. Denn Netanjahu ist sich darüber im Klaren, dass er, wenn er die Parlamentswahlen verliert und nicht mehr Ministerpräsident Israels ist, juristisch ernsthaft unter Beschuss geraten könnte. Er weiß das, und für ihn ist es eine Frage des politischen Überlebens, an der Macht zu bleiben. Für ihn ist das wichtiger, als Trump zu unterstützen. In dieser Situation gehen ihre Interessen radikal auseinander, weil jeder an sein eigenes politisches Überleben und an die Folgen eines Scheiterns denkt.

Wo ist da Platz für den russisch-ukrainischen Krieg? Er ist ausschließlich für uns von entscheidender Bedeutung, nicht für die Amerikaner. Und mit „uns“ meine ich jetzt nicht einmal nur die Ukrainer, sondern die Europäer. Dass europäische Staats- und Regierungschefs am Unabhängigkeitstag die ukrainische Hauptstadt besuchten, sich mit Zelensky trafen und eine Sitzung der Koalition der Willigen abhielten, dass uns mitgeteilt wurde, man werde uns Storm-Shadow-Technologien zur Verfügung stellen – all das sind Zeichen dafür, dass Europa nicht vorhat, uns ohne Unterstützung durch sein Handeln zu lassen. Das sind Signale, die weitaus wichtiger sind als Reisen amerikanischer Beamter.

Putin ging eigentlich davon aus – und auch hier hat er sich wieder verrechnet –, dass nach Donald Trumps Rückkehr ins Oval Office die Frage des russisch-ukrainischen Krieges sich von selbst lösen würde, einfach weil die Amerikaner aus der umfassenden Unterstützung der Ukraine aussteigen würden. Und genau das haben sie getan. Denn von Bidens Politik ist bei Trump nicht einmal ein Schatten geblieben. Es gibt dieses Hilfspaket nicht, das es geben könnte, obwohl Sie sehen, dass das Repräsentantenhaus den Ukraine-Hilfsakt mit einer ziemlich großen finanziellen Ausstattung verabschiedet hat. Das heißt, das Geld ist vorhanden. Trump will es nur nicht geben.

Und Putin dachte, wenn diese Hilfe endet, endet auch der ukrainische Widerstand. Das ist nicht geschehen. Es ist nicht geschehen, weil die Europäer begriffen haben, dass die Unterstützung der Ukraine für sie eine Frage des eigenen Überlebens ist. Und wie Sie sehen, wird diese Unterstützung ausgeweitet, weil uns heute niemand mehr bei weitreichenden Angriffen beschränkt. Unsere Angriffe auf das Territorium der Russischen Föderation, auf Infrastrukturobjekte, werden unterstützt.

All das ist meiner Ansicht nach der wichtigste Punkt, der uns so oder so dabei helfen muss, diesem russischen Druck auch künftig zu widerstehen. Gleichzeitig steckt darin aber auch die Frage einer realen, wenn Sie so wollen, Ausweitung des Konflikts, möglicher realer russischer Handlungen in Europa. Und genau das, räume ich ein, könnte ebenfalls Thema dieser Reise des CIA-Direktors in die russische Hauptstadt gewesen sein. Das sind meine ersten Einschätzungen nach diesen zwei Tagen der Diskussion über diese Reise, einer meiner Ansicht nach wichtigen Diskussion.

Ich werde einige Fragen beantworten, die in dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Erwarten Sie, dass Iran Trump gerade vor den Wahlen einen heißen Krieg beschert? Der Logik nach müssten sie genau das jetzt planen. Andererseits ist interessant, dass Russland Trump als Präsidenten gerade braucht.

Portnikov. Ich denke, Russland braucht nicht Trump als Präsidenten, sondern einen schwachen amerikanischen Präsidenten. Einen Präsidenten, der in einen Krieg mit dem Kongress verwickelt ist – genau den braucht Russland. Und genau das könnten die Ergebnisse der Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten bewirken. Russland braucht die Konfrontation Trumps mit dem Kongress. Denn sie verstehen, dass Trump in dieser Situation bereits 2027 zur lahmen Ente wird. Obwohl alle Vorrechte bei der Gestaltung der Außenpolitik in seinen Händen bleiben werden, wird er zugleich mit völlig anderen Fragen beschäftigt sein.

Was die Frage angeht, ob Iran Trump einen heißen Krieg bescheren wird: Ich glaube nicht, dass Iran Trump gerade vor den Wahlen einen heißen Krieg bescheren will. Das braucht Iran nicht. Es muss nur die Straße von Hormus geschlossen halten. Die andere Frage lautet: Wird Trump bereit sein, Iran eine weitere Runde heißen Krieges zu erklären, falls die Meerenge geschlossen bleibt?

Aber Sie müssen eine einfache Sache verstehen. Die Kontrolle des Luftraums allein ist kein ausreichend wirksames Mittel mehr, um einem feindlichen Land die eigenen Bedingungen oder Frieden aufzuzwingen. Die Situation hat sich verändert. Russland besitzt keine Luftherrschaft über der Ukraine. Wie Sie verstehen, kann es uns mit Raketen angreifen, es kann Drohnen schicken, aber das ist keine Luftherrschaft, weil wir weiterhin Flugabwehrsysteme besitzen. Ja, ballistische Raketen können wir nicht abschießen, aber alles andere können wir neutralisieren. Und über unseren Köpfen fliegen keine russischen Flugzeuge. Die Vereinigten Staaten dagegen besitzen im Grunde Luftherrschaft über Iran. Und? Nichts.

Um im Iran-Krieg tatsächlich irgendwelche Ergebnisse zu erzielen, müssten die Vereinigten Staaten sich darauf einlassen, dort ein Militärkontingent einzusetzen. Vielleicht nicht, um Iran zu besetzen, das iranische Regime zu vernichten und den Iranern einen Übergang zur Demokratie zu ermöglichen. Nein, zumindest aber für eine teilweise Kontrolle des Territoriums, die es erlauben würde, Hormus zu entsperren. Trump versteht jedoch sehr gut alle Risiken einer solchen Operation, die Zahl der Opfer, und wird sich zumindest bis zu den Zwischenwahlen ganz sicher nicht dazu entschließen. Das ist die ganze Antwort auf die Frage.

Frage. Wie kann es mit einer solchen Politik der Vereinigten Staaten weitergehen? Erwarten Sie, dass der herrliche Ozean die Feinde möglicherweise nicht daran hindern wird, das Territorium der Vereinigten Staaten selbst anzugreifen? Sehen Sie eine solche Logik der Ereignisse?

Portnikov. Ich sehe absolut, dass wir uns genau in Richtung einer solchen Entwicklung der Ereignisse in der Welt bewegen. Die Amerikaner haben schlicht nicht verstanden, dass die Welt sehr viel kleiner geworden ist und grundsätzlich Waffen entstehen können, die Angriffe auf das Territorium der Vereinigten Staaten ermöglichen, gegen die kein Ozean helfen wird. Es kann noch eine weitere Situation entstehen, verbunden mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz und neuer Waffen, in der es nicht mehr ausreichen wird, beim Schutz strategisch wichtiger Objekte der Vereinigten Staaten einfach davon auszugehen, der Ozean werde Amerika schützen. Diese Angriffe können vom Territorium Amerikas selbst ausgehen. Die berühmte Operation „Spinnennetz“ der ukrainischen Geheimdienste ist im Grunde ein Passierschein in eine neue Welt, in der die Zerstörung irgendeiner Militärbasis oder ein Angriff auf ein Atomkraftwerk vom Territorium Amerikas selbst aus erfolgen kann.

Sie verstehen ja, dass sich die Welt mitunter sehr schnell verändert und wir mit ihren Veränderungen nicht einmal Schritt halten. Auch der 11. September war eine Demonstration dafür, wie man innerhalb der Vereinigten Staaten selbst einen groß angelegten Terroranschlag durchführen kann, der im Grunde als Aggression charakterisiert werden könnte. Dieses Unglück kam ja nicht aus irgendeinem anderen Territorium in die Vereinigten Staaten. Terroristen entführten amerikanische Flugzeuge auf amerikanischem Territorium. Ja, seither wurden Sicherheitsregeln und Protokolle geändert, es wurden Schläge gegen Länder geführt, die Terroristen als Stützpunkte dienten. Aber heute verändern sich die technologischen Möglichkeiten erneut. Das kann also zu einem realen Problem für die Vereinigten Staaten werden.

Außerdem verstehen Sie, dass die Vereinigten Staaten überall auf der Welt Einrichtungen haben. Reale, ernsthafte militärische Einrichtungen. Und wenn gleichzeitig etwa ein Krieg im Nahen Osten, auf der koreanischen Halbinsel und in Europa ausbricht, werden die Vereinigten Staaten schlicht keinerlei reale technologischen Möglichkeiten haben, all diesen Gefahren entgegenzutreten und ihre Stützpunkte zu 100 Prozent zu schützen.

Kommentar. Zumindest war die Reise des CIA-Direktors ein Fehler. Putin hat verstanden, dass ihre Position schwach ist, und wird einfach so weitermachen. Sie hätten sein Flugzeug auf dem Rückweg sogar abschießen können.

Portnikov. Nein, hätten sie nicht. Flugzeuge von Direktoren der Central Intelligence Agency werden ebenso wenig abgeschossen wie das Flugzeug des Präsidenten der Russischen Föderation oder des Direktors des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands. Es gibt bestimmte Verhaltensregeln in der Weltpolitik, die weiterhin völlig offensichtlich sind, wenn es um das Verhalten der mächtigsten Atommächte der heutigen Welt geht. Präsident Putin hätte also kein Flugzeug abgeschossen. Der Direktor der Central Intelligence Agency riskierte nichts.

Übrigens die beliebte verschwörungstheoretische Frage: Warum flog er dort mit einem Frachtflugzeug hin? Weil er sein eigenes Auto mitbrachte. Wiederum wollte er aus Sicherheitsgründen aus irgendeinem Grund nicht den diplomatischen Transport der Vereinigten Staaten nutzen, der in der russischen Hauptstadt vorhanden ist. Ich muss sagen, dass ich ihn sehr gut verstehe. Wenn ich in der heutigen Situation als Direktor der Central Intelligence Agency nach Moskau fliegen würde, würde ich ebenfalls versuchen, mich mit meiner eigenen Limousine fortzubewegen und am besten mit geschlossenen Fenstern.

War dieser Besuch ein Fehler? Das kann ich Ihnen aus einem einfachen Grund nicht sagen. Ich weiß nicht, über welche konkreten Fragen der CIA-Direktor mit seinen russischen Gesprächspartnern gesprochen hat. Warum sollten wir etwas erfinden?

Frage. Warum ist Putin überzeugt, dass eine Verstärkung der Angriffe auf ukrainische Städte zur Kapitulation führen kann? All diese Kriegsjahre haben doch gezeigt, dass er keinen Sieg errungen hat.

Portnikov. Vielleicht glaubt Putin, dass die bisherigen Angriffe nicht ausgereicht haben, um die Ukrainer dazu zu bringen zu begreifen, dass es für sie nur einen einzigen Ausweg zum Überleben gibt: die Kapitulation. Wenn Sie übrigens die enorme Zahl russischer Bots in sozialen Netzwerken sehen und auch unsere nützlichen Idioten, von denen es ebenfalls nicht wenige gibt, dann sehen Sie, dass sie ständig sagen: „Warum sollen wir ohne Wasser, ohne Strom, ohne Wärme leben? Wie sollen wir den Winter überstehen? Wir müssen uns mit Putin einigen, wir müssen diesen Krieg endlich beenden. Unsere Regierung kann das nicht. Sie ist ineffektiv, sie kann sich nicht einigen.“ Das heißt, faktisch wird dieselbe Platte wieder aufgelegt, die wir 2019 vom heutigen Präsidenten und von seinen Anhängern gehört haben. Die Regierung bereichert sich am Krieg, Korruption.

Natürlich werde ich nicht bestreiten, dass es heute Korruption in der Staatsführung gibt. Ich werde nicht einmal bestreiten, dass es sie 2019 gab. Und ich werde, meine Freunde, auch nicht bestreiten, dass es sie 2029 oder 2034 geben wird. Korruption ist eine ernste Krankheit der Ukraine. Besonders Korruption auf hoher Ebene, die wir noch jahrzehntelang überwinden müssen. Wenn Sie in der Ukraine leben wollen, werden Sie noch sehr, sehr lange in einem korrupten Staat leben. Das wissen Sie sehr gut. Man braucht keinen Zynismus.

In einer Gesellschaft, in der jeder etwas „regeln“ will, aber Korruption auf hoher Ebene verurteilt, findet sich immer jemand, der diesen Wunsch, Dinge zu regeln, zu seinem eigenen Vorteil nutzt. Seien wir also nicht zynisch. Machen wir uns die Abhängigkeit der ukrainischen Gesellschaft, wie übrigens der Gesellschaft jedes orthodox geprägten Landes, vom Aufbau einer korrupten vertikalen und horizontalen Machtstruktur bewusst. Das ist historisch bedingt, und dagegen zu kämpfen wird nicht einfach sein, obwohl man es tun muss.

Aber wir verstehen doch, dass das nicht der Kern des Problems ist. Wenn man Sie mit ballistischen Raketen angreift, ist das keine Frage der Korruption. Eine Frage der Korruption ist, dass wir in all dieser Zeit kein eigenes System gegen ballistische Raketen geschaffen haben, dass wir irgendwann sämtliche Militärprogramme gestoppt haben, die dazu hätten führen sollen. Aber das ist eher eine Frage politischer Korruption.

Dass Putin die Ukraine vernichten will, ist keine Frage der Korruption in der ukrainischen Staatsführung. Das Problem besteht darin, dass wir alle – anständige Menschen, Idioten, Korrupte und Antikorruptionskämpfer – auf demselben Schiff gelandet sind, das Russland zusammen mit uns allen versenken will, damit niemand hinausschwimmt, niemand überlebt und anschließend nur noch die Leichen auftreiben. Eine andere Sache ist, dass sich die Besatzung dieses Schiffes idiotisch verhält. Das ist eine Tatsache. Aber diese Tatsache besteht bereits seit vielen Jahren. Putin hofft jedoch, dass die Zeit für ihn arbeiten wird. Deshalb verhält er sich so. Er glaubt, dass die Zeit ihm helfen wird.

Frage. Ich verstehe nicht, warum die Vereinigten Staaten keinen wirtschaftlichen Einfluss auf Iran haben. Wenn Trump Hormus für alle schließt, einschließlich chinesischer Schiffe, kann China faktisch nicht mehr für iranisches Öl bezahlen, oder?

Portnikov. Nun, das ist eine gute Frage. Aber Iran hat offenbar die Möglichkeit, sein Öl irgendwie durch Hormus und weiter zu transportieren. Trump behauptet, Iran vollständig blockiert zu haben, aber dann ist Hormus offenbar doch nicht vollständig blockiert. Iranische Schiffe können ihn weiterhin passieren. Und irgendwie kann er dieses Öl illegal weiter nach China schicken.

Das heißt, die Amerikaner haben bislang weder die Möglichkeit, Hormus zu öffnen, noch Iran vollständig zu blockieren. Also bezahlt China auf irgendeine Weise für iranisches Öl. Vielleicht handelt es sich nicht um dieselbe Menge wie vor dem Krieg, aber um eine Menge, die für das iranische Regime ausreicht. Vielleicht. Deshalb hoffen die Vereinigten Staaten darauf, mit irgendwelchen Sekundärsanktionen gegen China tatsächlich auf diese Situation Einfluss nehmen zu können. Aber ich sehe bislang keinerlei Möglichkeit, dass das so schnell geschieht.

Frage. Fürchtet China eine unkontrollierte Eskalation, die durch die Fortsetzung des Krieges ausgelöst werden könnte?

Portnikov. Wenn es um den Einsatz von Atomwaffen geht, wahrscheinlich ja. Wenn es um einen ernsthafteren Krieg geht, dann nicht, weil ein solcher Krieg China vollkommen in die Hände spielt. Die beiden wichtigsten Atommächte der Welt haben bereits ihre Unfähigkeit demonstriert, eine Frage zu lösen, die sie mit Gewalt lösen wollten. Das ist der Niedergang der geopolitischen Rolle der Russischen Föderation dort, wo sie vorhanden war – im postsowjetischen Raum, im Osten Europas. Und das ist der Niedergang der geopolitischen Rolle der Vereinigten Staaten.

China hält sich bislang erfolgreich von der Versuchung zurück, selbst die Fähigkeit demonstrieren zu wollen, schwierige Probleme mit Gewalt zu lösen. Wenn Xi Jinping dieser Versuchung etwa nicht widersteht und einen Konflikt mit Taiwan, Japan oder den Philippinen beginnt und verliert, wird das den Beginn eines vollständigen Chaos in der Welt bedeuten.

Sie können sich überhaupt nicht vorstellen, was für eine Welt das sein wird. Vollständiges, völlig unkontrolliertes Chaos. Wir werden in der Matrix leben. Sie können sich die Folgen nicht einmal vorstellen, wenn auch China diesem Klub von Ländern beitritt, die versucht haben, Gewalt einzusetzen und gezeigt haben, dass sie in Wahrheit gar nicht über genügend Kraft verfügen, um alles zu lösen.

Solange China darauf verzichtet, befindet es sich in einer vorteilhaften Lage, bei ihm ist alles in Ordnung. Verstehen Sie? Denn die Stärke einer Großmacht liegt nicht im Einsatz von Gewalt, sondern in der Androhung von Gewalt, in der sogenannten Soft Power und in der Furcht davor, dass eine Großmacht Gewalt einsetzen könnte. Wenn aber eine Großmacht Gewalt einsetzt und das gewünschte Ergebnis nicht erreicht, hört sie auf, eine Großmacht zu sein. Selbst wenn sie Atomraketen besitzt, die die gesamte Menschheit vernichten könnten.

Das ist mit Putins Russland geschehen und das ist mit Trumps Amerika geschehen. Mit Xi Jinpings China ist es noch nicht geschehen, aber es kann geschehen, weil wir uns im Grunde auf eine Welt unkontrollierten Chaos zubewegen. Das 21. Jahrhundert wird höchstwahrscheinlich das Jahrhundert unkontrollierten Chaos sein. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie interessant es hier für diejenigen sein wird, die überleben.

Frage. Derzeit zeichnet sich in den Vereinigten Staaten ein parteiübergreifender gesellschaftlicher Konsens zugunsten einer Isolation von äußeren Kriegen ab. Wenn das ganze Volk die Rolle des Weltpolizisten ablehnt, wer kann es daran hindern?

Portnikov. Nun, eine so mächtige Kraft wie die Geschichte. In den Vereinigten Staaten gab es immer wieder Situationen, in denen sie irgendwann die Rolle des Weltpolizisten ablehnten und dann versetzte ihnen Madame Geschichte einen Schlag in den Rücken. Und das wird natürlich auch jetzt geschehen, wenn die Vereinigten Staaten auf ihre Rolle als Weltpolizist verzichten.

Und wenn dann dieser Schlag erfolgt – und er wird unweigerlich erfolgen, weil die Autokratien diese gesellschaftliche Ablehnung der Rolle des Weltpolizisten als Schwäche wahrnehmen werden –, dann könnte das amerikanische Volk auf den Leichen seiner Landsleute, auf ihren Gräbern, und es können viele sein, gezwungen werden, zu einem anderen Konsens überzugehen: zum Konsens der Selbstverteidigung. Und es wird begreifen, dass der Konsens der Selbstverteidigung in der Wiederherstellung der Rolle des Weltpolizisten, in der Sicherheit Europas und in der Sicherheit des asiatisch-pazifischen Raums besteht.

Dafür braucht es lediglich diesen Schlag, der erfolgen wird. Ich verspreche ihn Ihnen nicht, ich garantiere ihn. Sie können sich seine Folgen gar nicht vorstellen. Wenn Sie in den Vereinigten Staaten leben, werden Sie Zeuge von etwas werden, das Sie sich heute nicht einmal vorstellen können. Ich beneide Sie als Journalist; ich würde in diesem Moment gern bei Ihnen sein, denn in solchen Momenten muss man immer Zeuge sein. Sie wissen, Journalismus ist die Poesie der Katastrophen. Sie werden also sehen, wie es sein wird.

Aber ich glaube nicht, dass dieser Rückzug so vollständig stattfinden wird, denn schon jetzt ist klar, dass es für die Vereinigten Staaten in der Zeit nach Trump nicht so einfach sein wird, aus dieser Rolle auszusteigen.

Frage. Wenn in Frankreich oder Deutschland die Rechte an die Macht kommt, wird die Unterstützung für die Ukraine bestehen bleiben?

Portnikov. Ich denke, das ist ein ernstes Problem, wenn Sie mit „der Rechten“ Marine Le Pen oder die Partei Alternative für Deutschland meinen. Aber noch einmal: Wir müssen sagen, dass wir erst einmal die Zeit bis dahin überstehen müssen. Die Ukraine muss bis dahin erhalten bleiben.

Die Alternative für Deutschland wird in den nächsten Jahren kaum Anspruch auf die Macht in Deutschland erheben können, denn selbst wenn sie die populärste Partei in der Bundesrepublik sein sollte, wird sie kaum mit jemandem eine funktionsfähige Koalition bilden können.

Was Marine Le Pen angeht: Wie Sie sehen, entwickeln sich auch ihre Positionen gegenüber der Ukraine weiter. Wenn sie Präsidentin Frankreichs wird, könnte sie sich ebenfalls von einer völlig unerwarteten Seite zeigen, wenn sie ihre eigenen Interessen als politische Führungsfigur berücksichtigt.

Schließlich sind in Italien die Ultrarechten an die Macht gekommen. Giorgia Meloni ist die Führerin einer, würde ich sagen, sogar radikaler ultrarechten Partei als Marine Le Pen. Solche Parteien wurden noch vor Kurzem wegen ihrer Ideologie nicht einfach postfaschistisch, sondern faschistisch genannt, und man lag damit nicht falsch.

Und sie kam an der Spitze einer Koalition an die Macht, in der politische Akteure vertreten sind, die sich an Moskau orientierten: Matteo Salvini, der für seine Verbindungen zum Kreml bekannt war, sowie die politischen Erben des inzwischen verstorbenen ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Und ist diese Koalition prorussisch geworden? Nein.

Weder Meloni noch Salvini noch Tajani erlauben sich ein solches Verhalten. Salvini versucht es, gerät dabei aber in Konflikt mit seinen Koalitionspartnern. So einfach ist es also nicht.

Und noch einmal: Sie schauen zu weit voraus. Ich sage nicht, dass man nicht in die Zukunft schauen und nicht über strategische Fragen nachdenken soll. Aber für uns ist jetzt wichtig, die Jahre 2026 bis 2028 zu überstehen, Putin keine Hoffnung darauf zu geben, dass sich durch Veränderungen der innenpolitischen Landschaft in den Vereinigten Staaten etwas zu seinen Gunsten verändern wird.

Putin darf auch nicht die Hoffnung bekommen, dass die Reisen des Direktors der Central Intelligence Agency nach Moskau ein Zeichen der Hilflosigkeit Washingtons gerade in der Ukraine-Frage sind und dass die Ukraine bereit sein wird, ihre Prinzipien und Interessen zugunsten der Befriedigung von Putins chauvinistischen Ambitionen aufzugeben.


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Titel des Originals: Секретна місія у Москві: що далі | Віталій Портников. 26.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 26.08.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Trump und Musk verraten die Ukraine | Vitaly Portnikov. 21.08.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump und der exzentrische Milliardär Elon Musk haben es nicht eilig, der Ukraine bei der Abwehr ballistischer Angriffe der Russischen Föderation zu helfen. Weder gibt es neue Raketen für die Patriot-Batterien, die nach Angaben internationaler Medien während der verheerendsten Angriffe der Russischen Föderation ungenutzt bleiben, noch die Erlaubnis, Starlink für Angriffe auf Abschussvorrichtungen ballistischer Raketen einzusetzen.

Während seines letzten Besuchs in den Vereinigten Staaten schlug der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky vor, den Einsatzbereich von Starlink so zu erweitern, dass die Ukraine die Möglichkeit erhält, Abschussvorrichtungen der Russischen Föderation im Moment des Starts ballistischer Raketen anzugreifen. Dafür müsste Donald Trump mit Elon Musk sprechen, der eine solche Entscheidung offensichtlich nicht ohne Zustimmung des Weißen Hauses treffen wird und auch selbst keine Eile zeigt, einem solchen Plan zuzustimmen.

Doch der Präsident der Vereinigten Staaten billigte Zelenskys Vorschlag nicht. Und das, obwohl daran erinnert werden muss, dass sowohl die Lieferung zusätzlicher Raketen für die Patriot-Batterien als auch die Ausweitung der Starlink-Dienste keineswegs kostenlos wären und kein Geschenk darstellen würden.

Doch offenbar sind weder Trump noch Musk an solchen Einnahmen interessiert. Das erinnert einmal mehr daran, dass sich alle Vorstellungen, wonach der Präsident der Vereinigten Staaten und der Eigentümer des Unternehmens SpaceX ausschließlich in finanziellen Kategorien denken, als unbegründet erweisen, wenn es um ihre Kontakte mit dem Kreml oder Peking geht.

Allerdings könnte Trumps Ablehnung ukrainischer Angriffe auf Abschussvorrichtungen ballistischer Raketen weniger mit ideologischen Präferenzen und Sympathien für Diktatoren zusammenhängen als vielmehr mit dem Verständnis des Präsidenten der Vereinigten Staaten für die einfache Tatsache, dass Amerika nach dem Krieg mit Iran einen großen Teil jener früheren Stärke eingebüßt hat, die es Washington erlaubte, in jeder militärischen Konfrontation mit einem Erfolg zu rechnen.

Donald Trumps tragischer Fehler hat zur Erschöpfung der Vorräte an einigen der für die Vereinigten Staaten wichtigsten Waffentypen geführt. Dazu gehören Raketen für die Patriot-Batterien und die THAAD-Raketenabwehrsysteme, deren Bestände während der Konfrontation mit Iran ebenfalls aufgebraucht wurden. Dazu gehören auch Tomahawk-Raketen und eine ganze Reihe weiterer Waffen.

Militäranalysten sprechen sogar davon, dass den Vereinigten Staaten derzeit nicht mehr als 800 Raketen für die Patriot-Batterien verblieben seien und dass die Produktion neuer Raketen zwar gesteigert werde, jedoch keineswegs in dem Tempo, auf das man in Washington hoffen könnte. Eine tatsächliche Steigerung der Produktion von Abfangraketen kann Jahre dauern, während den Vereinigten Staaten feindlich gesinnte Regime ihre Produktion ballistischer Raketen in einem noch höheren Tempo steigern. Und nun liegen uns bereits Informationen darüber vor, dass Nordkorea sich darauf vorbereitet, der Russischen Föderation eigene ballistische Raketen zu liefern, deren Sprengkraft fünfmal so hoch ist wie die der russischen ballistischen Iskander-Raketen.

Die Realität erweist sich für den amerikanischen Präsidenten also als ziemlich schwierig. Es ist völlig unklar, ob die Vereinigten Staaten ihre Verbündeten schützen können, wenn sie es gleichzeitig mit mehreren Konflikten zu tun bekommen. Und die möglichen Konfliktzonen drängen sich geradezu von selbst auf.

  • Da ist der Krieg Russlands gegen die Ukraine, den Präsident Wladimir Putin nicht zu beenden gedenkt.
  • Da ist eine mögliche Fortsetzung des Krieges im Nahen Osten.

Die Trump-Regierung versucht alles Mögliche zu tun, um eine neue Runde der Konfrontation zu vermeiden, und begründet diese Angst mit Wirtschaftssanktionen gegen Iran, die angeblich Wirkung zeigen sollen. Und das, obwohl die Islamische Republik bereits seit Jahrzehnten unter verheerenden Sanktionen der gesamten zivilisierten Welt steht und sogar Sanktionen des UN-Sicherheitsrates unterlag, was Iran nicht daran hindert, modernste Waffen zu produzieren.

  • Hinzu kommt die Möglichkeit eines Konflikts auf der koreanischen Halbinsel.

Denn Kim Jong-un schickt seine Soldaten keineswegs zufällig an die Front des russischen Krieges gegen die Ukraine und ist bereit, an dieser Front seine neuen ballistischen Raketen zu erproben.

  • Und schließlich könnten wir, wenn China einen Krieg gegen Taiwan beginnt, im Grunde in eine Situation geraten, in der sowohl Südkorea als auch Taiwan ohne den Schutz der amerikanischen Militärmacht dastehen und gezwungen sein werden, den Gegner aus eigener Kraft zu bekämpfen.

Und natürlich würde dies die Welt einmal mehr daran erinnern, dass die Rolle der Vereinigten Staaten als Supermacht gerade während Donald Trumps Amtszeit im Oval Office endgültig zu Ende gegangen ist. Auf die Vereinigten Staaten als eine Art Schutzschirm kann man dann nicht mehr zählen. Und in einer Situation, in der es um einen Konflikt geht, an dem Atommächte beteiligt sind, beispielsweise die Russische Föderation, die Volksrepublik China oder die Demokratische Volksrepublik Korea, erweist sich natürlich auch der nukleare Schutzschirm der Vereinigten Staaten als löchrig, denn der amerikanischen Nuklearmacht steht die Nuklearmacht der Staaten der totalitären Welt gegenüber.

Donald Trump kann lediglich so tun, als sei er ein Mensch, der das ganze Ausmaß der Katastrophe nicht begreift, die nach dem jüngsten Konflikt im Nahen Osten eingetreten ist. Er kann, einfach gesagt, auf Zeit spielen, um zumindest einen Teil der amerikanischen Ressourcen wiederherzustellen und wieder die Möglichkeit zu haben, mit der übrigen Welt aus einer Position der Stärke zu sprechen, ohne befürchten zu müssen, dass diese Position durch den nächsten Konflikt erneut widerlegt wird.

Und deshalb müssen jene Länder, die sich heute im Strudel von Prüfungen befinden, die ihre Sicherheit betreffen, mit der hartnäckigen Weigerung des amerikanischen Präsidenten und seines Umfelds rechnen, ihnen auf eine Weise zu helfen, die tatsächlich dazu beitragen würde, russische und andere Angriffe abzuwehren.

  • Deshalb verweigert Donald Trump der Ukraine Raketen für Patriot und sogar Starlink-Systeme, weil er befürchtet, damit den Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin zu verärgern.
  • Deshalb reduziert Donald Trump die Beteiligung amerikanischer Soldaten an Militärübungen auf der koreanischen Halbinsel, weil er befürchtet, dass eine solche Beteiligung den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un verärgern könnte.
  • Deshalb setzt er in der Konfrontation mit Iran auf Wirtschaftssanktionen, um Angriffe der Islamischen Republik auf amerikanische Militärstützpunkte in der Region und auf strategische Einrichtungen der Verbündeten der Vereinigten Staaten zu vermeiden.
  • Deshalb könnte er äußerst vorsichtig agieren, falls die Volksrepublik China eigene militärische Operationen beginnt, beispielsweise gegen Taiwan oder gegen die Philippinen.

Das alles ist durchaus logisch und zugleich äußerst tragisch, weil es vorhersehbar ist. Denn jedes politische Fehlverständnis, das auf dem Glauben an die eigenen Kräfte beruht, ohne zu überprüfen, wie diese eigenen Kräfte in der heutigen Welt tatsächlich funktionieren können, endet stets in einem solchen Fiasko.

Wenn dies für Donald Trump lediglich Reputationsverluste und eine mögliche Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen zum Kongress bedeutet, dann ist es für die Menschen in der Ukraine, die täglich den Angriffen der Russischen Föderation ausgesetzt sind und unter den Trümmern ihrer eigenen Häuser sterben, eine ganz reale Tragödie demonstrativ zur Schau gestellten Dilettantismus.


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Titel des Originals: Трамп и Маск предают Украину | Виталий Портников. 21.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 21.08.2026.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Geheime Verhandlungen zwischen Russland und den USA | Vitaly Portnikov. 18.08.2026.

Die britische Zeitung Financial Times hat Einzelheiten über den geheimen Besuch des amerikanischen Vertreters Rodney Cook, des Vorsitzenden der US-Kommission für Kunst, in der Russischen Föderation erfahren. Cook, der zugleich den Bau von Donald Trumps berühmtem Ballsaal betreut, reiste nach Russland, um zu versuchen, den amerikanisch-russischen Dialog über ein Ende des Krieges in der Ukraine wiederzubeleben.

Das Erstaunlichste daran ist, dass Cooks Reise gar nicht verheimlicht wurde, denn er war Gast des St. Petersburger Wirtschaftsforums und damit der erste US-Beamte, der diese russische Veranstaltung besuchte, nachdem amerikanische Vertreter russische Foren seit 2018 boykottiert hatten. Als Cook jedoch im Sitzungssaal des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg erschien, begannen amerikanische Regierungsvertreter so zu tun, als wüssten sie nichts über seine Mission. Und US-Außenminister Marco Rubio versuchte den Eindruck zu erwecken, die Reise nach St. Petersburg sei eine private Initiative des Vorsitzenden der Kunstkommission gewesen.

Jetzt wissen wir, dass alles ganz anders war. Cook führte im Vorfeld des St. Petersburger Wirtschaftsforums Gespräche mit hochrangigen russischen Regierungsvertretern und hoffte auf eine Belebung der Kontakte zwischen der Russischen Föderation und den Vereinigten Staaten. Die Liste von Cooks Gesprächspartnern wird nicht veröffentlicht. Doch gerade heute betonte der außenpolitische Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow, dass die Vereinigten Staaten und Russland die sogenannte stille Diplomatie fortsetzen.

Und man muss sich darüber im Klaren sein, dass diese stille Diplomatie genau das ist, was der russische Präsident Putin braucht, um bis zum Ende von Donald Trumps Amtszeit Zeit zu schinden. Denn offensichtlich hat Putin zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht die Absicht, mit diesem amerikanischen Präsidenten ernsthafte Vereinbarungen über irgendetwas zu treffen. Gleichzeitig hofft er jedoch, mithilfe dieser stillen Diplomatie neue ernsthafte amerikanische Sanktionen gegen die russische Wirtschaft zu verhindern.

Und was ist mit Cook? Seine Reise nach Russland war ein anschauliches Beispiel für den Dilettantismus und das mangelnde Verständnis der politischen Lage in der Welt, die Donald Trumps Administration seit der Rückkehr des Republikaners ins Oval Office generell an den Tag legt. Cook versuchte, seine russischen Gesprächspartner davon zu überzeugen, dass man mithilfe der Kunst einen Dialog aufbauen könne. Er wollte sie dazu bewegen, für ihn privat Dmitri Schostakowitschs Leningrader Symphonie aufführen zu lassen, die der berühmte russische Komponist während der Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg geschrieben hatte.

Wir wissen nicht, was Cooks russische Gesprächspartner ihm antworteten, doch offensichtlich waren auch sie von der Megalomanie des Ballsaal-Bauleiters überrascht. Jedenfalls kamen die 150 Musiker, die Cook sehen wollte, um sich diese Symphonie im Konzertsaal anzuhören, letztlich nicht zusammen, um den kulturellen Appetit des amerikanischen Vertreters zu befriedigen.

Was die tatsächlichen politischen Folgen des Besuchs betrifft, wissen wir nur eines: Infolge dieser Reise des Vorsitzenden der US-Kunstkommission gab es keinerlei Veränderungen im Verhandlungsprozess zwischen der Ukraine und Russland. Auch Cooks Kompliment an den russischen Präsidenten Putin zeigte keine Wirkung. Direkt im Sitzungssaal des Internationalen Wirtschaftsforums übermittelte der Ballsaal-Bauleiter Putin Grüße von dessen Freund Donald Trump.

Der russische Präsident blieb seiner Politik der Eskalation und des Zeitgewinns in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation hinsichtlich der Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges treu. Aber wir verstehen, dass all diese Ereignisse immer einen doppelten Boden haben.

  • Erstens wissen wir nicht, worüber Donald Trumps Vertreter bei seinen Gesprächen tatsächlich gesprochen hat. Wenn man sich im Weißen Haus nichts von seiner Reise versprochen hätte, hätte man Cook keinen Diplomatenpass ausgestellt und ihm keine detaillierten Anweisungen für seinen Aufenthalt in den russischen Hauptstädten gegeben.
  • Zweitens sehen wir erneut, dass die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht auf Professionalität, sondern auf Dilettantismus setzt. In dieser Hinsicht ähnelt sie leider auch den ukrainischen Unterhändlern bei den Verhandlungen über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges, die ebenfalls nicht begreifen können, dass nur ein professioneller Umgang mit Politik und Diplomatie überhaupt konkrete Ergebnisse bringen kann, wenn auch vielleicht erst in Zukunft.

Trump hat schon früher auf Dilettanten gesetzt, etwa auf seinen Geschäftspartner aus dem Immobilienhandel Steve Witkoff, der weiterhin als informeller Außenminister der Vereinigten Staaten fungiert und die wichtigsten Verhandlungen im Namen des US-Präsidenten führt. Oder auf seinen Schwiegersohn Jared Kushner, der ebenfalls vor allem in den Verhandlungsprozess im Nahen Osten eingebunden ist und dort keine Ergebnisse erzielen kann, die auf reale Chancen für eine langfristige Beilegung der Krisen in der Region hindeuten würden.

Dass neben diesen beiden Personen, die offensichtlich weder etwas von den Regionen verstehen, mit denen sie sich befassen, noch von Diplomatie als solcher, nun auch noch der Vorsitzende der Kunstkommission auftaucht, der für Kultur zuständig sein und sich um den Ballsaal kümmern sollte, falls dieser überhaupt gebaut werden darf, statt mit Putins Regierungsvertretern zu sprechen, ist eine Fortsetzung derselben Logik, die nur dazu führen kann, dass Putins Appetit auf eine Fortsetzung der Kampfhandlungen und der Konfrontation mit dem Westen weiter wächst.

  • Drittens, und auch das ist ein wichtiger Punkt, muss sich die Administration darüber klar werden, was sie tatsächlich will: den Präsidenten der Russischen Föderation dazu zu bewegen, den Dialog wieder aufzunehmen, der letztlich zu nichts führen wird, solange der russisch-ukrainische Krieg nicht beendet ist, oder tatsächlich ein Ende dieses Krieges zu erreichen.

Denn es entsteht der Eindruck, dass das Hauptziel der amerikanischen Vertreter, die sich in Russland aufhalten, darin besteht, herauszufinden, was sich in den Wirtschaftsbeziehungen mit der Russischen Föderation verdienen ließe, wenn der Krieg einmal beendet ist. Sie hören sich die Versprechen russischer Regierungsvertreter an, die den amerikanischen Dilettanten unglaubliche Bilder eines gemeinsamen wirtschaftlichen Erfolgs ausmalen. Doch die Antwort auf die entscheidende Frage – wie und wann der russisch-ukrainische Krieg überhaupt enden wird und ob dies während Donald Trumps Amtszeit im Weißen Haus geschehen kann – bleibt weiterhin ohne jedes konkrete Ergebnis.

Und dann stellt sich die Frage: Warum sollten Witkoff oder Cook mit russischen Regierungsvertretern über Geld sprechen, wenn sie bis zum Ende des Krieges keinen Zugang zu diesem Geld haben werden? Und was dieses Ende des Krieges betrifft, können sie nicht einmal den Hauch eines Fortschritts erzielen.


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Titel des Originals: Таємні переговори Росіі і США | Віталій Портников. 18.08.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 18.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Trump zieht sich aus Korea zurück | Vitaly Portnikov. 17.08.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat eine deutliche Reduzierung der Beteiligung amerikanischer Streitkräfte an gemeinsamen Militärübungen mit der südkoreanischen Armee angekündigt. Er begründete dies mit seinen guten Beziehungen zum nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un sowie damit, dass Südkorea den Vereinigten Staaten während des Krieges gegen den Iran nicht die gebotene Unterstützung geleistet habe.

Damit wendet sich Trump demonstrativ von den Verpflichtungen gegenüber einem weiteren wichtigen Verbündeten der Vereinigten Staaten ab. Denn seit dem Ende des Koreakrieges waren es gerade die Vereinigten Staaten, die als tatsächlicher Garant der Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel fungierten und verhinderten, dass sich das von der Volksrepublik China und der Sowjetunion unterstützte kommunistische Regime auf die gesamte koreanische Halbinsel ausbreiten konnte.

Nun hat sich die Situation, wie wir sehen, verändert – und das, obwohl die guten Beziehungen zu Kim Jong-un nur im Kopf Donald Trumps existieren. Bekanntlich erlitt Trump während seiner ersten Amtszeit im Weißen Haus eine vernichtende Niederlage bei seinen Versuchen, eine Einigung über den Verzicht Nordkoreas auf sein Atomprogramm im Austausch für amerikanische Finanz- und Wirtschaftshilfe zu erzielen. Man kann sagen, dass der nordkoreanische Diktator Donald Trump zynisch ausgenutzt hat – ungefähr so, wie Putin oder Xi Jinping heute die Sympathien des amerikanischen Präsidenten nutzen, um ihren internationalen Status aufzuwerten.

Denn vor Trump hatte sich kein amtierender Präsident der Vereinigten Staaten jemals dazu herabgelassen, sich mit dem Mann zu treffen, der in der Herrscherresidenz in Pjöngjang sitzt. Trump war der Erste. Und dank dieser Politik des amerikanischen Präsidenten hat sich Nordkorea tatsächlich zu einer Atommacht entwickelt, die amerikanische Verbündete bedroht.

Doch es scheint, als kümmere Trump das nicht. Vielleicht, weil er sich weiterhin von seinen Sympathien für autoritäre Führer leiten lässt. Vielleicht, weil er vom nordkoreanischen Regime tatsächlich keine reale Bedrohung ausgehen sieht. Oder vielleicht auch deshalb, weil er machtlos wäre, sollte diese Bedrohung Realität werden.

Denn man sollte daran erinnern, dass der Krieg der Vereinigten Staaten gegen den Iran keineswegs nur für unser Land im Hinblick auf die Lieferung von Flugabwehrraketen zu einem ernsthaften Problem geworden ist. Er stellt auch für Südkorea ein ernstes Problem dar, denn Luftverteidigungssysteme und insbesondere Raketen für Patriot-Systeme mussten vom amerikanischen Militär von der koreanischen Halbinsel in den Nahen Osten verlegt werden.

Und wenn wir davon sprechen, dass den Amerikanern die eigenen Raketen für ihre Patriot-Batterien ausgehen, müssen wir verstehen, dass die Streitkräfte der Vereinigten Staaten nicht nur im Nahen Osten, sondern auch auf der koreanischen Halbinsel schutzlos dastehen könnten, falls in Peking und Pjöngjang die Entscheidung getroffen wird, einen großen Krieg in dieser Region zu beginnen. Und dann würden wir nicht nur das Scheitern von Donald Trumps Iran-Plänen erleben, sondern auch ein schwerwiegendes Fiasko der Vereinigten Staaten auf der koreanischen Halbinsel – also gerade dort, wo die Vereinigten Staaten in den 1940er- und 1950er-Jahren ihren Status als Großmacht unter Beweis stellten und wo sie diesen Status nun endgültig verlieren könnten.

Und Trump könnte trotz seines bekannten Zynismus eine solche Entwicklung fürchten und deshalb versuchen, alles zu tun, um Kim Jong-un nicht zu einem möglichen Angriff auf das Nachbarland zu provozieren.

Meiner Ansicht nach ist das jedoch eine falsche Position, die einmal mehr zeigt, wie kurzsichtig und naiv der außenpolitische Ansatz des amtierenden amerikanischen Präsidenten und seiner Administration ist. Denn wenn man in Moskau, Peking und Pjöngjang sieht, wie Trump zurückweicht, steigert das nur den Appetit der autoritären Machthaber, die zunehmend zu der Überzeugung gelangen, dass von den Vereinigten Staaten keine ernsthafte Reaktion auf ihre Handlungen zu erwarten ist.

Das heißt: Wenn die Amerikaner selbst demonstrieren, dass sie nicht bereit sind, ihren Verbündeten zu helfen, hören diese Verbündeten in den Augen ihrer Feinde auf, Freunde Amerikas zu sein, und werden zu Zielen für weitere aggressive Schritte.

Natürlich bedeutet das nicht, dass morgen ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel ausbrechen wird. Dass er jedoch noch während Donald Trumps Amtszeit im Weißen Haus beginnen könnte, ist durchaus wahrscheinlich. Denn gerade diese Präsidentschaft ist, wie wir sehen, zum Anstoß für immer neue Kriege und für eine faktische Stärkung der Positionen von Diktatoren geworden.

Derjenige, der den Amerikanern und der Welt Frieden versprochen hat, hat in Wirklichkeit – wie es in der Politik so häufig geschieht – die Voraussetzungen für eine Ausweitung von Kriegen in aller Welt geschaffen. Denn diese Kriege begannen gerade deshalb nicht, weil man Amerika fürchtete und davon ausging, dass es in der Lage sei, seinen Willen mit Gewalt durchzusetzen. Eine solche Sicht auf die Vereinigten Staaten scheint es inzwischen bei kaum einem ihrer Gegner noch zu geben.

Für die Ukraine sollte daraus eine durchaus ernsthafte Schlussfolgerung folgen. Zumindest solange Donald Trump im Weißen Haus sitzt und wir es nicht mit einem Präsidenten zu tun haben, der die Bedeutung von Werten für die Wahrung der nationalen Interessen der Vereinigten Staaten selbst versteht, können Trumps Vereinigte Staaten die Interessen jedes beliebigen Verbündeten mit größter Leichtigkeit aufgeben – selbst die eines Verbündeten, mit dem die USA jahrzehntelange Interessen verbinden –, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten der Ansicht ist, dass die Unterstützung dieses Verbündeten keine Priorität hat oder dass sie die Schwäche Amerikas selbst offenbaren würde.

Und dies ist nicht nur die Zeit, diese einfache Wahrheit über Trump und sein Umfeld zu begreifen, sondern auch die Zeit, nach neuen Bündnissen zu suchen, die Ländern wie der Ukraine oder Südkorea dabei helfen könnten, in unserem schwierigen 21. Jahrhundert überhaupt auf der politischen Landkarte der Welt zu bleiben – einem Jahrhundert der Krisen, Kriege und des Verrats.


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Titel des Originals: Трамп тікає з Кореї | Віталій Портников. 17.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 17.08.2026.
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Angriff auf Noworossijsk | Vitaly Portnikov. 12.08.2026.

Ukrainische Drohnen und Raketen haben Noworossijsk angegriffen, den wichtigsten Marine- und Energiestützpunkt der Russischen Föderation am Schwarzen Meer. Die Angriffe galten dem Hafen von Noworossijsk, der Hafeninfrastruktur sowie der Luftverteidigung, die die Sicherheit von Noworossijsk gewährleisten sollte.

Darüber berichtete der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky. Angriffe auf mehrere Städte auf dem Territorium Russlands bestätigte auch der Gouverneur der Region Krasnodar, Weniamin Kondratjew.

Somit kann man feststellen, dass Noworossijsk, wohin ein erheblicher Teil der Schiffe der Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation verlegt wurde, nachdem diese Flotte faktisch die Möglichkeit verloren hatte, sich ungestraft im ukrainischen Sewastopol aufzuhalten, und das weiterhin der wichtigste Stützpunkt für die Lieferung russischen Erdöls auf die Weltmärkte ist, für die Russen nicht mehr als sicherer Hafen gelten kann. Und es bleibt zu hoffen, dass der Hafen von Noworossijsk in den kommenden Monaten gezwungen sein wird, wenn schon nicht seinen Betrieb einzustellen, so doch zumindest erheblich einzuschränken.

Zugleich muss man jedoch bedenken, dass die ukrainischen Verteidigungskräfte im Fall von Noworossijsk nahezu chirurgische Präzisionsarbeit leisten müssen. Das hängt, so paradox es klingen mag, weniger mit den Russen als vielmehr mit den Amerikanern zusammen. Ausgerechnet heute, als wir von einem weiteren Angriff auf Noworossijsk erfuhren, wurde bekannt, dass die Regierung der Vereinigten Staaten die ukrainische Führung dazu gedrängt hat, keine Angriffe auf jene amerikanischen Interessen durchzuführen, die mit dem Transport kasachischen Erdöls über Noworossijsk verbunden sind, also auf die Tanker, die den Interessen des Kaspischen Pipeline-Konsortiums dienen.

Wir erinnern uns an das jüngste Gespräch des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, mit dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky. Einzelheiten dieses Gesprächs wurden nicht bekannt gegeben; es hieß lediglich, es habe sich um einen weiteren sogenannten guten Dialog des ukrainischen Präsidenten mit einem Vertreter der Regierung des Präsidenten der Vereinigten Staaten nach dem jüngsten Treffen zwischen Volodymyr Zelensky und Donald Trump gehandelt.

Doch nun wird deutlich, dass J. D. Vance mit Volodymyr Zelensky keineswegs darüber gesprochen hat, wie die russische Aggression gegen die Ukraine gestoppt und der Ukraine im Kampf gegen den Aggressor geholfen werden kann. Er sprach darüber, wie amerikanische Geschäftsinteressen mithilfe des Transits über das Territorium der Russischen Föderation gesichert werden können.

Bekanntlich sind einige amerikanische Unternehmen Investoren des Kaspischen Pipeline-Konsortiums. Und als sich herausstellte, dass ihre Interessen infolge ukrainischer Angriffe auf Tanker im Schwarzen Meer gefährdet sein könnten, wandten sich die Führungskräfte dieser Unternehmen, die persönliche Beziehungen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, unterhalten, mit der Bitte an das Weiße Haus, ihre Interessen zu schützen, die für diese Menschen und ihre Lobbyisten in der Regierung natürlich weitaus wichtiger sind als das Leben und die Sicherheit ukrainischer Bürger und die Lage im russisch-ukrainischen Krieg.

Und wie wir sehen, wurde diese Lobbykampagne auf einem derart hohen Niveau betrieben, dass sogar der Vizepräsident der Vereinigten Staaten als Lobbyist für die Interessen dieser amerikanischen Energieunternehmen auftrat, anstatt deren Führungskräften vorzuschlagen, auf Interessen zu verzichten, die auf diese Weise dem Aggressorstaat dabei helfen, sein Erdöl über das Schwarze Meer zu transportieren. Denn wir verstehen sehr gut, dass unter dem Deckmantel der Interessen des Kaspischen Pipeline-Konsortiums weiterhin auch russisches Erdöl geliefert wird und die Russische Föderation zugleich destabilisierende Aktivitäten im Schwarzen Meer betreibt.

Doch die derzeitige amerikanische Regierung denkt, wie wir wissen, in erster Linie in finanziellen Interessen und nicht in den Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten, wovon wir uns seit dem Einzug von Donald Trump und J. D. Vance ins Weiße Haus wiederholt überzeugen konnten. Und wie nun aus Einzelheiten dieses Gesprächs zwischen dem Präsidenten der Ukraine und dem Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten berichtet wird, hat man sich in Kyiv mit den Forderungen der Amerikaner einverstanden erklärt, weil man die Beziehungen zu Washington nicht belasten will und darauf hofft, dass die amerikanische Regierung letztlich doch eine Lizenz für die Produktion von Patriot-Raketen erteilen wird und dass die Ukraine vor der Wintersaison zumindest eine gewisse Anzahl von Flugabwehrraketen erwerben kann, um der russischen Aggression entgegenzutreten.

Obwohl ich, offen gesagt, nicht recht verstehe, worauf solche Hoffnungen angesichts des offensichtlichen Mangels an Luftverteidigungssystemen in den Vereinigten Staaten selbst und der Befürchtungen von Präsident Donald Trump beruhen, dass die Vereinigten Staaten im Falle einer weiteren Runde der Auseinandersetzung mit Iran schlicht schutzlos dastehen könnten – nicht nur gegenüber iranischen Angriffen, sondern auch gegenüber potenziellen Angriffen anderer Gegner in der Welt.

Aber natürlich kann man in einer Situation, in der der amerikanische Präsident auf keinen Fall Krieg mit Iran führen will und zugleich nicht weiß, wie er einen Ausweg aus der geopolitischen Falle finden soll, in die er aufgrund seiner eigenen Kurzsichtigkeit und Inkompetenz geraten ist, darauf hoffen, dass es gelingt, ihn dazu zu bewegen, der Ukraine zumindest eine gewisse Anzahl von Patriot-Raketen zur Verfügung zu stellen.

Zugleich schaffen all diese Hoffnungen und Versprechen eine ganz besondere Atmosphäre rund um den Hafen von Noworossijsk. Einerseits ist offensichtlich, dass der Hafen außer Betrieb gesetzt werden muss. Der russische Handel im Schwarzen Meer muss unterbunden werden. Die Tätigkeit der Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation muss unterbunden werden. Noworossijsk muss so zum Stillstand gebracht werden, wie die Russen Odesa zum Stillstand gebracht haben.

Andererseits müssen die Lobbyinteressen amerikanischer Milliardäre berücksichtigt werden, die unbestreitbaren Einfluss auf Präsident Donald Trump haben und deren Interessen dem amerikanischen Präsidenten weitaus näher stehen als das Interesse an einem Sieg der Ukraine im russisch-ukrainischen Krieg und sogar als die Interessen der potenziellen Sicherheit seines eigenen Staates, der sich in einer offensichtlichen Konfrontation mit autoritären Regimen befindet. Nur will Donald Trump dies angesichts seiner offen bekundeten Sympathien für den Präsidenten der Russischen Föderation Putin und den Staatschef der Volksrepublik China Xi Jinping partout nicht wahrhaben. Und deshalb ist jeder ukrainische Angriff auf Noworossijsk, wie ich bereits bei der Erläuterung all dieser Umstände betont habe, echte Präzisionsarbeit.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Russen früher oder später selbst gezwungen sein werden, den Betrieb des Hafens von Noworossijsk einzustellen. Und damit würde auch der Betrieb des Kaspischen Pipeline-Konsortiums zum Erliegen kommen, zumindest auf seiner russischen Route.


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Titel des Originals: Удар по Новоросійську | Віталій Портников. 12.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 12.08.2026.
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Portnikov: „Die junge Generation muss sich darauf vorbereiten, in Kriegen zu sterben.“ 07.08.2026.

Hans Luik. Wir wollten uns eigentlich schon der Rente nähern, aber man lässt uns nicht. Sie sind ja jünger als ich. Also mussten wir zurückkehren. Wieder Imperialisten, wieder die Islamische Revolution, die Revolutionsgarden. Wird das für immer mit uns bleiben?

Portnikov. Ja, solange Sie leben, ja.

Hans Luik. Nun, dann natürlich auch solange Sie leben, Sie sind sechs Jahre jünger. Und was sagen wir der jungen Generation? Dass Imperialismus immer bleiben wird?

Portnikov. Der jungen Generation muss man einfach sagen, dass sie sich darauf vorbereiten soll, in Kriegen zu sterben. Was soll man da sagen. Und wir beide werden das beschreiben.

Hans Luik. Ja: „Begreif, mein Sohn, dass bald wieder die Imperialisten kommen werden. Der Oreschnik fliegt und signalisiert der ganzen Welt, verkündet allen Völkern: ‚Wir sind für Freundschaft, wir sind für Frieden.‘“ Und gestern habe ich Sie in einem Stream mit Yuri Rashkin gesehen, da waren Sie so: „Ich habe so gelacht.“

Portnikov (Zitat aus einem anderen Video). Und das, was die Iraner sagen, ist genau das, was wir schon gehört haben.

  • Als Trump den Waffenstillstand ankündigte, saßen wir alle hier und gingen davon aus, dass nun der von Trump angekündigte Untergang der Zivilisation eintreten würde. Eine Katastrophe.
  • Und der Iran sagte: „Macht nichts, wir werden die Straße von Hormus trotzdem nicht öffnen. Mehr noch, dann greifen wir die Staaten am Persischen Golf an, ihre Entsalzungsanlagen. Wir greifen ihre Ölfelder an, und dann werdet ihr alle euer blaues Wunder erleben.“ Und alle saßen da und warteten darauf, wohin das führen würde.
  • Dann trat Trump ganz in Weiß auf und sagte, er verkünde einen Waffenstillstand. Alle atmeten auf.
  • Dann hieß es, der Waffenstillstand gelte nicht nur für den Iran, sondern auch für den Libanon.
  • Dann sagten Trump und Netanyahu: „Nein, für die Hisbollah gilt das nicht.“
  • Dann sagte der Iran: „Ach, wenn das nicht gilt, dann wird die Straße von Hormus auch nicht geöffnet.“
  • Dann sagte Trump: „Wenn die Straße von Hormus nicht geöffnet wird, gibt es auch keinen Waffenstillstand.“
  • Der Iran sagte: „Dann werden wir die Straße von Hormus nicht öffnen.“
  • Trump sagte: „Gut, ich habe Israel befohlen, im Libanon nicht zu schießen.“
  • Der Iran sagte: „Gut, wir öffnen die Straße von Hermuss.“
  • Trump sagte: „Aha, dann werde ich sie selbst für eure Schiffe sperren, solange ihr die übrigen Bedingungen nicht akzeptiert.“
  • Der Iran sagte: „Ach so, dann schließen wir die Straße von Hormus.“
  • Trump sagte: „Ach so, dann schicke ich Vance zu Verhandlungen nach Islamabad.“
  • Der Iran sagte: „Ach so, dann schicken wir niemanden zu Verhandlungen, solange ihr die Meerenge nicht öffnet.“
  • An diesem Punkt befinden wir uns. Und Trump sagt: „Ach so, dann richte ich den Untergang an.“ Nun, er sagt nicht mehr „Untergang der Zivilisation“. „Dann bombardiere ich alles in Grund und Boden.“
  • Und was wird der Iran sagen? „Na gut, dann bombardiert eben. Wenn ihr bombardieren wollt, dann bombardiert. Wir haben uns während des Waffenstillstands sehr viel besser vorbereitet.“

Hans Luik. Was ist das für ein Absurdistan? Da ist der Egomane Trump mit Raketenmangel. Er schlägt zu, und Iran, reagierst so? „Wenn du so, dann wir so.“ Das war ein interessanter Ansatz. Können Sie für unser Publikum noch einmal erklären, wie diese Logik funktioniert? Also: Entweder wir schließen Hormus oder nicht, ich schließe es selbst, nein, ich werde bombardieren, und dann ihr so, und wir dann Dubai oder …

Portnikov. Das ist doch das natürliche Verhalten kriegführender Seiten. Ich verstehe nicht, was Sie daran ungewöhnlich finden. Die Vereinigten Staaten waren offenbar einfach nicht auf eine Schließung der Straße von Hormus und auf iranische Angriffe gegen die Staaten am Persischen Golf vorbereitet. Aber es ist eine völlig verständliche Formel, wenn ein schwächerer Staat die verwundbaren Punkte eines stärkeren ausnutzt, um auf diese Weise unter den Bedingungen eines totalen Krieges irgendwie seine Existenz zu sichern. Der Iran tut im Krieg mit den Vereinigten Staaten genau dasselbe wie die Ukraine im Krieg mit Russland.

Hans Luik. Was wird mit ihrer Atomwaffe?

Portnikov. Nun, sie verfügten nicht über die Fähigkeit zur Herstellung von Atomwaffen, aber sie haben weiterhin Material zur Herstellung einer Atomwaffe. Soweit ich weiß, wird das in den Vereinigten Staaten von niemandem bestritten.

Hans Luik. Interessant, ist von dort nicht irgendein Mordechai Vanunu geflohen, der uns genauer erklären könnte, wo in den Bergen diese Zentrifugen stehen?

Portnikov. Bislang sehen wir nichts Derartiges.

Hans Luik. Ein Direktor eines amerikanischen Nachrichtendienstzweigs ist zurückgetreten und sagt, das sei alles eine Provokation, dort gebe es nichts.

Portnikov. Nein, das war nicht der Direktor der CIA. Ich glaube, das sagte die Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard, als sie zurücktrat. Sie leitet nicht die CIA. Aber Zweifel daran, dass der Iran angereichertes Uran besitzt, hat meines Wissens niemand geäußert.

Hans Luik. Aber bei den Verhandlungen, die mit Witkoff, mit Kushner gescheitert sind, soll Araghchi, der iranische Minister, oder jemand aus der Delegation gesagt haben: „Wir werden bald elf Atomsprengköpfe haben, und dann werdet ihr noch euer blaues Wunder erleben.“

Portnikov. Wir wissen nicht, wie sehr man irgendwelchen Informationen dieser Art trauen kann, die aus Teheran kommen.

Hans Luik. Genau. Gut. Sie waren während der Perestroika und der Befreiung Lettlands in Lettland, ja? Haben Sie dort gearbeitet?

Portnikov. Nun, ich war während der Perestroika mehrfach in Lettland.

Hans Luik. Haben Sie in deren Zeitschriften geschrieben?

Portnikov. Ja, ich schrieb Texte für die lettische Zeitung „Padomju Jaunatne“, als ihr die Akkreditierung in Moskau entzogen wurde.

Hans Luik. Was meinen Sie: Wie lange muss eine freie lettische Republik bestehen, damit ihre russischsprachige Bevölkerung – von der es in Daugavpils, Riga, Liepāja, Ventspils ja nicht wenige gibt – ihren Imperialismus vergisst?

Portnikov. Wir haben es mit unterschiedlichen ethnischen Gruppen zu tun, die sich nur sehr schwer zu einer gemeinsamen politischen Nation zusammenfügen. Denn einerseits gibt es das Konzept des Nationalstaates, und die Republik Lettland ist ein solcher.

Andererseits leben dort Menschen, ethnische Russen. Sie sind ja keine russischsprachigen Letten, sagen wir, wie es in der Ukraine bei Ukrainern häufig vorkommt. Das sind Menschen, die ethnische Russen sind, sehr häufig selbst aus Russland stammen oder deren Eltern aus Russland stammen. Und sie haben ein anderes ethnisches und nationales Bewusstsein. Sie haben eine andere Muttersprache, andere kulturelle Wurzeln.

In diesem Sinne ist das ein ziemlich schwieriges Problem, das mit der Existenz zweier Gemeinschaften innerhalb einer politischen Nation und mit der Frage verbunden ist, ob diese politische Nation effektiv existieren kann.

Entschuldigen Sie, das ist dasselbe, was in Israel passiert. Es gibt israelische Juden und israelische Araber. Sie wollen doch nicht sagen, dass man aus einem Araber in Israel einen Juden machen kann. Genauso wenig kann man aus einem Russen in Lettland einen Letten machen.

Wenn wir von einer politischen Nation der Einwohner Lettlands sprechen, ja, die kann entstehen. Aber das wird sehr schwer sein, denn die Schaffung einer solchen politischen Nation setzt gerade nicht voraus, dass alle in einem einzigen ethnischen Pol aufgehen. Deshalb wird dieses Problem sowohl in Lettland als auch in Estland immer bestehen.

Hans Luik. Ja, aber Russischsprachigkeit bedeutet nicht zwangsläufig Imperialismus.

Portnikov. Wir sprechen vom russischen Volk, nicht von Russischsprachigen. Diese Menschen sind ethnische Russen. Für sie ist Russisch die Muttersprache und russische Kultur ihre eigene Kultur. Und alles, was mit russischer Kultur verbunden ist, ist ihnen auf die eine oder andere Weise verständlich und zugänglich. Natürlich muss das nicht automatisch mit Imperialismus zusammenhängen. Aber wenn der Imperialismus, wenn Sie so wollen, sowohl der politischen als auch der künstlerischen Kultur zugrunde liegt – wo soll er dann hin?

Hans Luik. Imperialismus, ja, Entschuldigung, das ist ein philologischer Aspekt. Sie sagten Russentum, ja?

Portnikov. Ich erinnere noch einmal daran, dass diese Menschen ethnische Russen sind. Sie haben unterschiedliche politische Ansichten, aber dennoch verbindet sie ihre Zugehörigkeit zu diesem kulturellen Raum, nicht zum lettischen. Sie können Lettisch können, lettische Bücher lesen, aber deshalb werden sie trotzdem keine Letten. Sie werden Einwohner Lettlands, Bürger Lettlands, Letten im staatsbürgerlichen Sinn sein, aber keine ethnischen Letten. Ja, ja. Deshalb wird diese Verschmelzung höchstwahrscheinlich überhaupt nicht stattfinden.

Hans Luik. Überhaupt nicht? Dreißig Jahre, eine neue Generation.

Portnikov. Hören Sie, ich bin jüdischer Herkunft. Ich brauche weder 30 noch 40 noch 100 Jahre. Wir leben seit Jahrtausenden auf dem Gebiet der Ukraine und bleiben trotzdem Juden.

Hans Luik. Ich habe hier in Tallinn den Schriftsteller Michail Schischkin interviewt, und seltsamerweise musste ich ihn irgendwie trösten. Er sagte, das Prestige der russischen Sprache sei inzwischen völlig abgestürzt, stehe sehr niedrig. Ich sagte: „Das stimmt nicht. Zum Beispiel spreche ich doch hier mit Ihnen mein mehr oder weniger brauchbares Russisch.“

Portnikov. Ich glaube, dass Herr Schischkin völlig recht hat, denn jene Wahrnehmung der russischen Kultur und der russischen Zivilisation, die es vor Beginn des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine gab, ist unwiderruflich verschwunden. Aber das besagt nichts weiter, das ist an sich nichts Besonderes.

Hans Luik. Mir tut unsere junge Generation trotzdem leid, insbesondere meine Söhne, die kein Russisch verstehen.

Portnikov. Wissen Sie, offen gesagt tut es mir nicht besonders leid, dass Ihre Kinder kein Russisch verstehen, weil ich mir schon zu Sowjetzeiten immer die Frage gestellt habe, warum sie es überhaupt verstehen sollten. Die Menschen leben in Estland, ihnen sind, sagen wir, der finnische, deutsche oder englische Kulturraum viel näher. Sie künstlich an etwas heranzuführen, das für sie keine zivilisatorische Wahl darstellt – wozu? Sie können russische Schriftsteller auf Estnisch lesen, um Gottes willen. Aber was hat die Sprache damit zu tun?

Hans Luik. Diesen Dialog werde ich mit meinen Kindern führen, mit meinen Töchtern und Söhnen. Gut, und wie werden die Russen, also die Bürger Russlands, später, wenn dieser schreckliche Krieg mit der Ukraine irgendwann endet, daran zurückdenken? „Ewiger Ruhm, wir vergessen nichts, wir können es wiederholen“ – wie wird das aussehen?

Portnikov. Das hängt vom Ergebnis ab. Aber höchstwahrscheinlich wird es, wenn auch nur irgendein Teil ukrainischen Territoriums unter russischer Kontrolle bleibt und ein großer Teil des ukrainischen Territoriums in ein zum Leben ungeeignetes Gebiet verwandelt wird, als Sieg wahrgenommen werden: Man habe einen Teil des Territoriums, auf dem russische Menschen leben, zurückholen können, und einen großen Teil des Territoriums, von dem aus der Westen Russland angegriffen habe, in eine Pufferzone verwandelt. Wenn ihnen das alles gelingt, werden sie es als Sieg betrachten.

Wenn sich dagegen herausstellt, dass sie die Kontrolle über die eroberten Gebiete nicht halten können und die Ukraine beginnt, sich nach dem Krieg zu erholen, dann werden sie es anders deuten: Der Westen habe Russland erobern und vernichten wollen, aber es sei ihm nicht gelungen, und Russland existiere weiterhin in seinen, wie sie sagen werden, natürlichen Grenzen, die es gegen die westliche und nationalsozialistische Invasion verteidigen konnte. Das heißt, sie werden in jedem Fall über diesen Krieg als Sieg sprechen.

Hans Luik. Und dann wird es dort eine Statue für den Helden, den Vertragssoldaten geben, eine Pionierorganisation …

Portnikov. Entschuldigen Sie, es gibt doch Denkmäler für Veteranen des Afghanistan-Krieges. Gibt es solche bei Ihnen in Estland?

Hans Luik. Bei uns nicht mehr.

Portnikov. Bei uns in der Ukraine gibt es sie. Und niemand zweifelt auch nur daran, dass sie existieren sollen. Deshalb, entschuldigen Sie, ist das eine sehr einfache Illustration. Hier haben Sie ein Beispiel für einen Krieg, in dem bis zu einer Million Zivilisten ums Leben kamen und in dem der sowjetische Soldat ein Besatzungssoldat war, selbst wenn nicht aus eigenem Willen, sondern auf Befehl der sowjetischen Regierung. Trotzdem ehren wir das Andenken dieser Soldaten als unsere eigenen und erinnern uns nicht an ihre Opfer. Wenn das also selbst heute in der Ukraine geschieht, während der Krieg mit Russland weitergeht, warum zweifeln Sie dann daran, dass man in Russland der Soldaten gedenken wird, die im Krieg in der Ukraine gefallen sind? Ja, das wird so sein.

Hans Luik. Julija Latynina hat mich einmal in so einen Teufelskreis hineingezogen. Es ging übrigens darum, wie TV Rain aus Riga verdrängt wurde. Wir stritten darüber, und sie sagte: „Manche behaupten, wir, also die Russen, seien ein Volk von Sklaven.“ Sie fragte mich – das war noch die vegetarische Julija Latynina, nicht jene, mit der Sie sich später gestritten haben –: „Wie war es denn bei euch mit dem Afghanistan-Krieg? Das war doch überhaupt kein baltischer Krieg. Ihr wurdet eingezogen. Habt ihr Wehrämter angezündet, seid ihr demonstrieren gegangen, haben sich Soldatenmütter versammelt?“ Ich sagte: „Eigentlich nicht.“ „Was seid ihr denn, ein Volk von Sklaven?“ Was würden Sie darauf antworten?

Portnikov. Ich glaube, das war eine völlig andere Zeit, in der die Sowjetunion eine effektive Repressionsmaschine mit einer eingeschüchterten Bevölkerung war, und Estland war darüber hinaus ein besetztes Gebiet. Deshalb verstehe ich überhaupt nicht, warum wir hier von einem Volk von Sklaven oder Nicht-Sklaven sprechen.

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine findet nicht deshalb statt, weil das russische Volk ein Volk von Sklaven ist, sondern weil es die Bedeutung des imperialen Projekts für die Existenz seines Staates und seines Volkes versteht. Das ist objektiv. Ich habe nie gesagt, dass sie diesen Krieg hinnehmen, weil sie ein Volk von Sklaven seien. Das haben vermutlich Sie Frau Latynina gesagt. Ich dagegen glaube, dass der Präsident der Russischen Föderation mit seinem Bestreben, ukrainische Gebiete Russland einzuverleiben, auf eine natürliche Nachfrage der russischen Gesellschaft antwortet, die immer in Kategorien der Expansion gelebt hat.

Deshalb ist das Problem viel schlimmer. Ein Sklave kann frei werden, aber ein Imperialist kann kein Vegetarier werden. Der Präsident Russlands, die russische Armee und das russische Volk handeln gemeinsam mit dem Ziel, die ukrainische Staatlichkeit zu vernichten, ebenso möglicherweise die Staatlichkeit anderer ehemaliger Sowjetrepubliken. Das ist alles so.

Das Problem ist natürlich, dass bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten und bei fehlender Möglichkeit eines militärischen Sieges die Frage des Preises entsteht. Und für einen gewöhnlichen Menschen kann die Frage des Preises größere Probleme verursachen als für den Präsidenten, weil der Präsident die Folgen dieses Preises nicht am eigenen Leib spürt. Aber ein gewöhnlicher Mensch, dessen Verwandter an der Front gefallen ist oder dessen Warenlager explodiert ist und der sein Geschäft verloren hat, für den ist das eine Frage des Preises. Er kann denken: „Vielleicht sollten wir die Eroberung der Ukraine verschieben, damit ich erst einmal normal leben kann. Vielleicht sollen meine Kinder die Ukraine erobern?“ Aber das, was Putin tut, ist ihm nah und verständlich. Das ist keine Frage von Sklaverei.

Hans Luik. Und nehmen wir Belarus. Das ist ihr Land, sie haben dort einen Kartoffelpräsidenten und ein ziemlich hartes Regime. Es gibt dort Foltergefängnisse, sogar einen KGB, einen Staatssicherheitskomitee. Wir haben darüber einfach keine Informationen, und ich bedaure das. Zum Beispiel: Wie lässt sich das Leben im besetzten Mariupol mit dem Leben auf heimischem Boden in Belarus für belarussische Bürger vergleichen?

Portnikov. Hören Sie, Belarus ist ein Staat, in dem nach 2020 endgültig ein Polizeiregime etabliert wurde. Das wissen Sie sehr gut. Darüber muss man gar nicht diskutieren. Tausende Menschen kamen ins Gefängnis. Jetzt tauschen die Amerikaner sie gegen irgendwelche Versprechen, gegen eine teilweise Aufhebung von Sanktionen.

Hans Luik. Und Lukaschenko nimmt gleich neue politische Gefangene.

Portnikov. Deshalb ist klar, dass das Leben in Minsk und das Leben in Mariupol im Großen und Ganzen vergleichbar sind. In Mariupol gibt es eine Form des Besatzungsregimes, in Minsk eine andere.

Hans Luik. Das Internet ist dort frei, man kann im Internet Kanäle auswählen.

Portnikov. Ich glaube, die Frage des Internets hat überhaupt keine besondere Bedeutung. Sie überschätzen die Bedeutung des Zugangs zu Informationen. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass selbst in den 1990er-Jahren, wenn ich in Belarus war und dort die Schrauben immer weiter angezogen wurden, in den Kiosken keine oppositionelle Presse mehr lag und das Internet noch kaum verbreitet war, es aber Internetcafés gab. Man konnte in jedes beliebige Postamt in Belarus gehen und dort völlig problemlos jede oppositionelle Website lesen. Aber Menschen, die das tun wollten, habe ich irgendwie nicht gesehen. Es ist eben keine Frage des Zugangs, sondern der Bedeutung für die Gesellschaft.

Hans Luik. Ich glaube nicht, dass die Leute Ihnen applaudieren würden, wenn Sie sagen, ich überschätze das Interesse am Internetzugang. Die Russen würden Ihnen da nicht zustimmen.

Portnikov. Die Russen würden, glaube ich, gerade deshalb nicht zustimmen, weil Einschränkungen des Internetzugangs ihnen gewöhnliche Alltagsdienstleistungen nehmen und nicht den Zugang zu politischen Informationen. Einschränkungen des Internets schaffen ganz andere Probleme. Zum Beispiel ein Taxi rufen, Essen nach Hause bestellen – all das, was wir beide tun, ohne überhaupt zu bemerken, dass es Internet ist. Ich versichere Ihnen: Wenn es Russland gelänge, ein kontrolliertes Internet wie in China zu schaffen, mit dem gesamten Spektrum an Dienstleistungen, aber ohne Zugang zu politischen Websites, würden 90 Prozent der russischen Bevölkerung das nicht einmal bemerken.

Hans Luik. Ja, wir alle haben beobachtet, wie ukrainische Raketen oder Drohnen Wildberries-Lager zerstört haben. Interessant ist doch: Funktioniert das Internet noch so weit, dass alle darüber klagen können? „Ich kann mein Geschäft nicht betreiben, meine Waren nicht verkaufen.“

Portnikov. Ja, aber im Großen und Ganzen spricht niemand über die Probleme, die entstanden sind, im Hinblick auf ihre Ursache. Die meisten Menschen, die ihr Geschäft bedauern, erwähnen den Krieg nicht, wie den Elefanten im Raum, wissen Sie? Deshalb noch einmal: Welche Bedeutung hat das Internet? Nun, ein Lager ist abgebrannt, dein Geschäft ist explodiert, aber du sagst nicht zu anderen Leuten: „Vielleicht sollten wir den Krieg beenden?“ Die überwältigende Mehrheit der Menschen umgeht dieses Thema. Und vor allem: Wenn Menschen sagen „den Krieg beenden“, wissen wir nie, was sie meinen: den Krieg stoppen oder ihn intensivieren, um die Ukraine endgültig zu zerschlagen und all diese mit ihr verbundenen Risiken, wie sie sagen würden, zu beseitigen. Man muss also immer nachfragen: Wenn Sie sagen, den Krieg beenden – wie?

Hans Luik. Was glauben Sie, wie denken die Russen? Wie viel Prozent sagen: „Lasst uns die Ukraine endlich erledigen“, und wie viel Prozent sagen: „Alles stoppen“?

Portnikov. Ich denke, die Mehrheit der Menschen wäre bereit, den Krieg in seinem jetzigen Zustand zu beenden. Aber ich glaube, es gibt auch genügend Menschen, die meinen, Putin sei nicht effektiv genug und man müsse härter vorgehen.

Hans Luik. Einer von ihnen ist natürlich Oberst Girkin, der im Gefängnis sitzt.

Portnikov. Nein, Oberst Girkin wirkt durchaus realistisch. Aber ich glaube, irgendwelche einzelnen Personen spielen in diesem Fall überhaupt keine Rolle.

Hans Luik. Sagen Sie bitte noch einmal etwas zu Lettland. Sie haben dort TV Rain hinausgedrängt. Ich habe beobachtet, dass Sie sehr vorsichtig waren, keine Position bezogen haben. Das ist schließlich das lettische Volk, ihre Demokratie. Aber meiner Meinung nach haben nicht alle bemerkt, worin der eigentliche Kern des Konflikts bestand. Es ging doch nicht nur darum, dass TV Rain ein mehr oder weniger demokratischer Sender war. Ich habe ihn früher auch verfolgt und kenne einige dieser Leute. Gut, sie hatten dort irgendeine Sammlung angekündigt, ich weiß nicht, Kleidung für „unsere Jungs, die in der Ukraine kämpfen“. Aber haben Sie gesehen, dass Ekaterina Kotrikadze in einem Interview den Bürgermeister von Riga, einen Letten, gefragt hat: „Warum reißen Sie die Denkmäler für die Befreier ab?“ Und der lettische Bürgermeister musste ihr erklären, dass das nicht ganz solche Befreier waren.

Ekaterina Kotrikadze (Zitat aus einer anderen Sendung). Gleichzeitig stellt dieses Denkmal offensichtlich einen erheblichen Wert für Tausende, Zehntausende Einwohner Ihrer Stadt dar. Und natürlich stellt sich die Frage, warum man vor dem Hintergrund der enormen Unzufriedenheit, sagen wir, der russischsprachigen Einwohner Rigas diese Eskalation provoziert?

Portnikov. Nun, warum wundern Sie sich darüber? Ein großer Teil der Menschen, die im sowjetischen oder russischen Schul- und Hochschulsystem ausgebildet wurden, versteht überhaupt nicht, wie die Welt funktioniert und was die wirklichen historischen Wahrheiten in den Beziehungen Russlands zu seinen Nachbarn sind.

Für mich ist daran nichts überraschend, denn ich habe 2014 mit einer Journalistin von TV Rain, Frau Taratuta, gesprochen. Sie ist übrigens ethnische Ukrainerin. Sie wurde in der Ukraine geboren und begann ihre Karriere in Russland bereits zu einer Zeit, als die Ukraine ein unabhängiger Staat war. Eine solche zivilisatorische Entscheidung fand ich geradezu verblüffend. Aber das ist das Recht jedes Einzelnen. Vielleicht identifizierte sie sich als Russin.

Und in unserem Gespräch 2014 wiederholte sie auf TV Rain sämtliche russischen Narrative. Im Grunde war es ein Interview mit einem Menschen, der Träger russischer, ich würde sagen, zivilisatorischer Narrative war. Und TV Rain selbst ist ein deutliches Beispiel für einen Träger russischer zivilisatorischer Narrative, sagen wir, in demokratisch-imperialer Form.

Deshalb überrascht mich weder Taratuta noch Kotrikadze noch irgendein anderer Vertreter dieser professionellen Gemeinschaft. Denn so ist es. Wenn diese Menschen die russische Zivilisation wählen – Kotrikadze ist Georgierin, Taratuta Ukrainerin –, dann wählen sie eine Zivilisation der Expansion und verzichten damit faktisch auf jene Werte und Ideale, die bei ihren eigenen Völkern existieren. Was sollen sie dann sonst tun?

Hans Luik. Nein, wenn das einfach gewöhnlicher alltäglicher Imperialismus wäre, wäre daran nichts Interessantes. Aber ich glaube, ich vermute – obwohl ich kein Psychopathologe bin –, dass das Unterbewusstsein ist.

Portnikov. Noch einmal: Sie liegen völlig falsch damit, dass das Unterbewusstsein sei, denn Kotrikadze oder Taratuta könnten durchaus eine andere Muttersprache haben. Russisch könnte für sie, sagen wir, eine erlernte Sprache sein oder eine Sprache, die sie seit der Kindheit auf regionaler Ebene kennen.

Hans Luik. Ich sage nicht, dass Russisch die Muttersprache von Frau Kotrikadze ist.

Portnikov. Nein, da stimme ich nicht zu, denn Herzen schrieb ebenfalls auf Russisch. Alles, was Herzen über den polnischen Aufstand sagte, wurde auf Russisch gesagt, nicht auf Polnisch, Englisch oder Französisch. Alles, was Novodvorskaya sagte, wurde auf Russisch gesagt. Deshalb muss man nichts erfinden.

Hans Luik. Ich habe übrigens vor Kurzem zwei seltene Bände mit der originalen diplomatischen Korrespondenz Iwans des Schrecklichen gelesen. Und obwohl das nicht jenes Russisch ist, das man mir hier in der Tallinner Schule beigebracht hat, halte ich es doch für dasselbe. Vor 500 Jahren genau dasselbe. „Ihr habt dort nicht den richtigen Glauben, ihr Livländer, Polen.“

Portnikov. Ganz genau, denn damals standen russische Soldaten tatsächlich vor Tallinn. Man musste irgendwie erklären, warum sie dort standen. Übrigens bot das Konzept der Angliederung der ukrainischen Gebiete Kyivs hervorragende Möglichkeiten, russische Expansion zu erklären. Denn wenn du deine Staatlichkeit nicht mit dem Zeitpunkt beginnen lässt, als in Wladimir und Susdal die ersten Großfürsten auftauchten, sondern mit dem Moment, als ein Staat mit Zentrum in Kyiv entstand, dann haben Sie ja Jahrtausende mit Feldzügen, Erwerbungen und Verlusten zur Verfügung. Auf diese Weise können Sie bis nach Konstantinopel gehen, wohin die Kyiver Fürsten zogen, und sagen, auch das sei Russland.

Hans Luik. Nicht ganz ohne. Ja. Wissen Sie, Iwan der Schreckliche schrieb nur einer einzigen Frau? Alle anderen waren natürlich der eine Orden, der andere Orden, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation.

Portnikov. Sehen Sie, Sie kennen das immerhin auf Deutsch und nicht auf Russisch. Und behaupten trotzdem, die russische Sprache verbinde uns.

Hans Luik. Nein, ich provoziere. Entschuldigen Sie, wir sind beide Journalisten. Wer war diese einzige Frau? Er machte ihr sogar einen Heiratsantrag.

Portnikov. Sie meinen die englische Königin Elisabeth I.?

Hans Luik. Ja. Elisabeth I. Das ist eine interessante Parallele, denn ähnlich wie Wladimir Putin schrieb Iwan der Schreckliche vor 500 Jahren ebenfalls: „Hier sind diese lokalen Europäer, Livländer, Polen, irgendwie nicht richtig. Sie haben keine Moral, keinen Gott. Kommen Sie doch mit Ihrer Flotte her, und dann schauen wir mal, was wir mit ihnen machen. Ich und Sie.“ Und er war sehr beleidigt, weil Elisabeth es irgendwie schaffte, ihn nicht sofort dahin zu schicken, wohin man ihn hätte schicken müssen. Dann ging es um irgendwelche Kaufleute. Und damals gab es, glaube ich, die erste Blockade europäischer Waren. Iwan der Schreckliche schrieb: „Alle Freibriefe und Zollbefreiungen, die ich euch Engländern, euren Kaufleuten gegeben habe, werden annulliert. Das russische Volk brauchte nie irgendwelche englischen Waren. Wir kommen auch so gut zurecht. Nur unsere Militärspezialisten sollen die Livländer mit ihren Kanonen durchlassen.“ Dasselbe. Gut.

Darf ich Sie zur Politik fragen? Demonstrationen, der Wechsel des Oberbefehlshabers, zuvor Minister Fedorov. Wie sieht das aus? Ich beobachte im ukrainischen russischsprachigen Internet, dass sofort Verschwörungstheorien auftauchten: Das sei wegen Drohnenlieferungen, wegen Aufträgen, es gehe um großes Geld, das seien alles Clowns, Schauspieler, das sei keine echte Demonstration. So etwas gab es.

Portnikov. Ich interessiere mich nicht besonders für das russischsprachige Internet und glaube, dass es in der Ukraine ein ukrainischsprachiges Internet gibt und alles andere sozusagen die Nachhut ist. Aber wenn wir ernsthaft sprechen, denke ich, dass es schlicht eine Frage des Zusammenhangs zwischen Macht und Gesellschaft ist. Bei uns funktioniert das so. Unter Kriegsbedingungen, unter Bedingungen, in denen unser Parlament kein eigenständiges Subjekt ist, erweist sich die Gesellschaft faktisch als einziger Mechanismus zur Korrektur staatlicher Entscheidungen. Mehr kann man dazu nicht sagen.

Hans Luik. Und der Staatshaushalt? Alfred Gove sagte, und Ursula von der Leyen sprach beim G7-Treffen davon, dass Geld für Raketen und Drohnen fehlt, dass man trotzdem kaufen müsse, auch aus ukrainischen Fabriken, aber das Geld fehlt. Dieses großartige Feuerwerk, das wir mit großer Freude beobachten, endet bald, und dann werden zig Milliarden fehlen. Ursula von der Leyen bat die nichteuropäischen G7-Mitglieder, Japan, die Vereinigten Staaten, Großbritannien. Und die lehnten ab und sagten: „Das ist eine europäische Angelegenheit. Findet das Geld selbst.“ Und nun entsteht diese Situation, dass die Europäer, also die Europäische Union, inzwischen auch für amerikanische Waffen bezahlen. Und zusätzlich gibt es dieses große Loch im ukrainischen Haushalt. Dieser Winter wird hart.

Portnikov. Wir sprechen jedes Mal über Schwierigkeiten im Winter und jedes Mal überstehen wir den Winter. Schauen wir, wie es diesmal wird. Das ist schließlich nicht der erste und nicht der letzte Winter des Krieges.

Hans Luik. Kommentieren Sie das bitte etwas ausführlicher. Dieser letzte Winter war nicht wie der vorletzte. Das war eine Grausamkeit mit Heizwerken, Kraftwerken.

Portnikov. Wir wissen nicht, wie die Ukraine jetzt auf den kommenden Winter vorbereitet ist, wie sich die Wärmeenergieversorgung verändert hat, wie stark sie dezentralisiert wurde. Wir haben diese Informationen nicht. Deshalb können wir keinerlei Prognosen abgeben.

Hans Luik. Und vermutlich lohnt es sich nicht einmal zu fragen, ob der Kreml, Moskowien, im Herbst wenigstens irgendeinen Waffenstillstand schließen will?

Portnikov. Nein, bei Russland ist keinerlei Wunsch zu erkennen, überhaupt einen Waffenstillstand zu schließen.

Hans Luik. Sie sind ein geborener Optimist, Vitaly.

Portnikov. Ich bin weder Optimist noch Pessimist. Ich stelle einfach Tatsachen fest.

Hans Luik. Und was sagen Sie zu dem viel gelesenen und zitierten Artikel von General Zaluzhny vom 8. Juli im Londoner Telegraph?

Portnikov. Ja, auf die Texte von General Valery Zaluzhny wird bei uns immer geachtet, weil sie konzeptionell sind.

Hans Luik. Aber meiner Meinung nach sagt er, dieses Feuerwerk sehe gut aus – Ölhäfen, Ölraffinerien –, aber das bedeute noch nicht, dass wir gewinnen.

Portnikov. Genau das sage ich auch. Ich sage Ihnen, dass die Verringerung des wirtschaftlichen Potenzials Russlands der richtige Weg zum Ende des Krieges ist. Aber wann dieser Weg zu einem Ergebnis führt, weiß niemand. Es ist Krieg. Sie wollen ständig irgendwelche Prognosen, aber im Krieg gibt es keine Prognosen. Im Krieg gibt es nur eine Bewegung, die zur Erschöpfung der Seiten führen kann. Das ist Erschöpfung. Ein Abnutzungskrieg. Wie viele Jahre oder Monate braucht es, um Russland zu erschöpfen? Weder Sie wissen das noch ich.

Die Ukraine ist schwerer zu erschöpfen, weil sie, wie Sie richtig gesagt haben, vom Europäischen Union getragen wird. Das hängt allein von unseren europäischen Verbündeten, von unseren westlichen Verbündeten insgesamt ab. Diese beiden Dinge wissen wir. Und mit ihnen arbeiten wir in den kommenden Jahren. Eine Prognose kann niemand erstellen. Einen solchen Menschen gibt es nicht.

Hans Luik. Ich muss Ihnen gestehen, dass ich mich für unser Brüssel, für unsere Europäische Union schäme. Denn während der Finanzkrise nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers sammelte die Europäische Union für ihre eigenen Mitgliedstaaten Kredite und Garantien, subventionierte nationale Banken und so weiter. Was glauben Sie, wie groß war der gesamte Umfang? Man bereitete das vor, verteilte Geld und erklärte Garantien.

Portnikov. Ja, ich erinnere mich an diese Situation, aber es ist immer so. Das eigene Hemd ist einem näher als der Rock. Das ist eine bekannte Tatsache.

Hans Luik. Nein, aber wenn man es quantifiziert: Es waren 4,3 Billionen. Und ich glaube, dass wir, die Europäische Union, der Ukraine bis zu diesem Frühjahr – und das ist weder Militärhilfe noch Waffen – 150 Milliarden gegeben haben, also 30-mal weniger. Damals wurden auf dem europäischen Kontinent aber keine Menschen getötet.

Portnikov. Ja. Aber damals wurde das als Gefahr für die europäische Wirtschaft wahrgenommen. Heute wird das eben nicht so wahrgenommen. Es ist eine Frage der Wahrnehmung.

Hans Luik. Mir ist dieser Maßstab trotzdem peinlich.

Portnikov. Ich verstehe Sie sehr gut. Wir arbeiten eben mit den Realitäten, die wir haben.

Hans Luik. Sprechen wir über Demokratie in der Ukraine. Ich glaube nicht, dass Sie widersprechen werden, dass ein Indikator für Demokratie die effektive Unabhängigkeit des Richters ist, dass das Gericht als Institution unabhängig sein muss. Bei Ihnen wird Roman Chervinsky vor Gericht gestellt, ein Oberst der Spezialoperationen, Poroschenko, Kolomojskyj, ich weiß nicht, Andriy Yermak ist verhaftet, wartet …

Portnikov. Nein, er steht unter Ermittlungen, ist aber nicht verhaftet.

Hans Luik. Nun, die Anklage wird vorbereitet, so verstehe ich es, ja? Und wurde jemand von ihnen verurteilt?

Portnikov. Warum glauben Sie, dass Poroschenko verurteilt werden müsste, wenn die Sanktionen gegen ihn beispielsweise wie ein offensichtlicher politischer Auftrag der derzeitigen Regierung aussehen? Gerade das Verhalten des Obersten Gerichtshofs in dieser Situation zeugt eher von der politischen Abhängigkeit der Justiz als von ihrer Unabhängigkeit.

Hans Luik. Dem ehemaligen Präsidenten Petro Poroschenko erlaubt man also weiterhin nicht, die Ukraine zu verlassen, nicht einmal für Konferenzen?

Portnikov. Nun, das ist eine Frage, die immer punktuell entschieden wird. Aber offensichtlich kann die Frage der Sanktionen gegen den ehemaligen Präsidenten früher oder später zu einem ernsthaften politischen Problem für unsere europäische Integration und für die derzeitige Regierung als solche werden.

Der Fairness halber muss man allerdings sagen, dass wir schon ziemlich lange an einer Reform der Justiz arbeiten, seit dem Maidan 2013–2014. Diese Reform geht weiter. So oder so denke ich, dass schon die Logik der europäischen Integration dazu zwingen wird, sie fortzusetzen. Und außerdem darf man nicht vergessen, dass wir Teil des europäischen Rechtssystems sind. Entscheidungen, die der Oberste Gerichtshof der Ukraine nicht treffen kann, wird früher oder später der Gerichtshof in Straßburg treffen. Und das ist wichtig.

Was die allgemeine Situation betrifft, verstehen Sie ja, dass sich das in einer ehemaligen Sowjetrepublik nicht so einfach machen lässt, wie man es gerne hätte. Und dennoch haben Sie gesehen, dass die Menschen bei uns im vergangenen Jahr gerade deshalb protestierten, weil sie die Unabhängigkeit der Antikorruptionsstrukturen forderten, die übrigens über eine eigene gerichtliche Vertikale verfügen.

Hans Luik. Jetzt habe ich Sie beim Optimismus erwischt. Ich stimme Ihnen sehr zu. Das freut mich.

Portnikov. Es ist einfach ein schwieriger Prozess, der ebenfalls nicht schnell endet, aber gesellschaftliche Unterstützung hat.

Hans Luik. Zu Beginn des Krieges gab es bei Ihnen diese Situation: Der ukrainische Staat wurde in die Zange genommen. Auf der einen Seite waren die Asow-Kämpfer in russischen Foltergefängnissen. Schreckliche Folter, und außerdem wurde noch ihre Baracke bombardiert.

Portnikov. Ja. In der Strafkolonie Oleniwka.

Hans Luik. Auf der anderen Seite fingen Ihre Geheimdienstler Medwedtschuk, der einen Putsch vorbereitet hatte, und er sagte aus und sprach in Videos. Ich habe Ukrainer gefragt, und alle sagten, er habe alles ausgepackt, weil er nicht wusste, ob man ihn wegen Hochverrats hängen würde oder nicht.

Portnikov. Ich glaube nicht, dass irgendjemand dachte, Medwedtschuk könne gehängt werden oder Ähnliches, denn auch hier handelt es sich um ein zivilisiertes Rechtssystem. Wenn man ihn nicht nach Russland ausgetauscht hätte, wäre er genauso vor Gericht gestellt worden wie jeder andere ukrainische Staatsbürger.

Hans Luik. Und wenn man ihn nicht ausgetauscht hätte?

Portnikov. Wenn man ihn nicht ausgetauscht hätte, hätte es einen Prozess gegeben, in dem man die Beteiligung Viktor Medwedtschuks an all den Verbrechen hätte beweisen müssen, die ihm vorgeworfen wurden.

Hans Luik. Angenommen. Mir scheint, ihm wäre nur geblieben, selbst ein Geständnis abzulegen.

Portnikov. Das ist eine sehr große Frage. Wir haben genügend Politiker, die aktiv mit Moskau zusammengearbeitet haben und Abgeordnete der Werchowna Rada sind, zu Sitzungen kommen und abstimmen. Diese Menschen standen mit demselben Medwedtschuk in engen Beziehungen, und ihnen ist nichts passiert.

Hans Luik. Wenn wir uns aber das Beste vorstellen, was hätte passieren können: Dass die Asow-Leute irgendwie anders freigekommen oder ausgetauscht worden wären und Medwedtschuk bei Ihnen geblieben wäre und öffentlich gestanden hätte: „Ja, ich habe den Putsch vorbereitet. Ich habe heimlich im Auftrag aus Moskau gearbeitet, im Auftrag des Paten meiner Tochter, Wladimir Wladimirowitsch.“ Und all das wäre irgendwie dokumentiert worden. Die Frage ist: Wäre Wladimir Putin danach noch jemand gewesen, dem man die Hand reicht?

Portnikov. Ja, natürlich, nichts hätte sich geändert. Im Westen zweifelt niemand daran, dass Putin die Zerstörung der ukrainischen Staatsmacht vorbereitet hat. Das ist für niemanden ein Geheimnis. Und übrigens hat man das in Moskau auch nie verheimlicht. In Moskau sagte man immer, 2014 habe in der Ukraine ein Staatsstreich stattgefunden und an der Macht befinde sich ein illegales, vom Westen eingesetztes Regime. Mal sprechen sie mit unseren Präsidenten, mal erklären sie sie wieder für illegitim. Deshalb sehe ich überhaupt keinen besonderen Effekt, den Medwedtschuks Aussagen gehabt hätten. Sie hätten überhaupt nichts verändert.

Hans Luik. Nun, es gibt einen Unterschied, wenn es ein Gerichtsverfahren und Beweise gibt.

Portnikov. Mir scheint, dass die Tatsache, dass Russland friedliche ukrainische Städte bombardiert, Raketen auf Kinderkrankenhäuser abfeuert und Regierungsgebäude angreift, ein wesentlich schwerwiegenderer Beweis ist als die Beteiligung irgendeines ukrainischen Politikers an der Vorbereitung eines Staatsstreichs in Kyiv. Ganz zu schweigen davon, dass einer der Beteiligten an solcher Agententätigkeit, Andriy Derkach, ehemaliger Abgeordneter der Werchowna Rada der Ukraine, heute Mitglied des Föderationsrates der Föderalen Versammlung Russlands ist. Wen hat das beeinflusst?

Hans Luik. Ja, sie sind eben Legalisten. Trump sagt auch: Putin sagt nichts. Demokratisch gewählter Präsident, dieser sogenannte Putin oder nicht. Aber über Zelensky sagt er: „Es gab keine Wahlen, die Amtszeit ist abgelaufen.“

Portnikov. Menschen sagen das, was ihnen gerade nützt. Wie Sie sehen, sagt Trump über Venezuela nichts. Noch vor Kurzem galt Nicolás Maduro als illegitimer Präsident und Machtusurpator, während seine Nachfolgerin Delcy Rodríguez, die auf ebenso usurpatorische Weise an die Macht kam, als legitime Führerin Venezuelas betrachtet wird.

Hans Luik. Gut. Warum hören wir eigentlich nichts mehr von Nordkorea? Haben wir es vergessen? Hat der Kreml es vergessen?

Portnikov. Warum? Vielleicht verfolgen Sie es einfach nicht? Vor Kurzem war der Vorsitzende der Volksrepublik China, Xi Jinping, in Pjöngjang. Er führte dort recht ernsthafte Gespräche. Es war sein erster Besuch seit vielen Jahren, ich glaube seit Jahrzehnten. Ich verfolge die nordkoreanische Politik also aufmerksam.

Als Sie früher viel von Nordkorea hörten, verfügte Nordkorea über enorme Waffenbestände in seinen Lagern. Diese Bestände sind aufgebraucht. Und heute kann Russland nur noch das kaufen, was Nordkorea laufend produziert. Und es produziert nicht besonders schnell. Der ganze Effekt der russischen Beziehungen zu Nordkorea bestand darin, dass Moskau angesichts des Mangels an eigener Waffenproduktion eine gewisse Zeit lang auf qualitativ schlechtere, aber in großer Menge vorhandene nordkoreanische Waffen zurückgreifen konnte.

Inzwischen wurde auch in Moskau die Waffenproduktion hochgefahren, und die nordkoreanischen Arsenale sind in dem Umfang erschöpft, der für Russland interessant sein könnte. Deshalb hören Sie davon im Zusammenhang mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine nichts mehr. Aber als die Kursk-Operation stattfand, sahen Sie, dass Russland, das damals nicht über genügend Soldaten für operative Einsätze entlang der gesamten Frontlinie verfügte, nordkoreanische Soldaten auf dem Gebiet der Region Kursk einsetzte. Das war der letzte solche Moment. Ich versichere Ihnen: Wenn ukrainische Truppen erneut auf dem auftauchen, was wir als souveränes Territorium Russlands bezeichnen, könnten auch nordkoreanische Soldaten wieder auftauchen.

Hans Luik. Der Krieg endet. Ist das irgendwann realistisch?

Portnikov. Wenn der Krieg endet, werden wir sehen, in welchem Zustand sich die Ukraine befindet, in welchem Zustand Russland ist und in welchem Zustand der Westen ist. Das ist keine Frage von heute oder morgen.

Hans Luik. Müssen wir ernst nehmen, was sowohl Ilham Aliyev als auch Kanzler Merz festgestellt haben, dass in Baku geheime Verhandlungen stattfanden?

Portnikov. Nicht ernst nehmen. Das ist, glaube ich, bereits das dritte oder vierte solche Treffen in den letzten Monaten. Diese Treffen haben nie zu etwas geführt.

Hans Luik. Das heißt, irgendwelche substanzielleren Verhandlungen, die zu Frieden führen könnten …

Portnikov. Ich glaube überhaupt, dass die Gespräche, die ehemalige deutsche und ehemalige russische Politiker führen, nicht den Krieg betreffen, sondern die Energiewirtschaft. Die Anwesenheit Viktor Subkows, des Vorsitzenden des Aufsichtsrats von Gazprom, bei diesen Gesprächen zeigt im Grunde, dass dort nicht über den Krieg als solchen gesprochen wird, sondern über Perspektiven einer Zusammenarbeit im Energiebereich, falls es irgendwann gelingen sollte, sich über ein Ende des Krieges zu einigen.

Hans Luik. Das heißt, es gibt keine Verhandlungen, die Leute treffen sich nicht, es gibt nicht einmal einen Kanal, meiner Meinung nach, ja?

Portnikov. Selbst wenn es einen Kanal gibt, spielt das keine Rolle. Wenn der Präsident Russlands nicht auf ein Ende des Krieges eingestellt ist, haben Verhandlungen keinen Sinn.

Hans Luik. Was würden Sie Geldgebern aus der Europäischen Union, aus Brüssel, hinsichtlich ihres Einflusses auf die ukrainische Demokratie raten?

Portnikov. Ich glaube, wir verstehen sehr gut: Wenn wir die Ukraine künftig in Europa sehen wollen, selbst wenn erst in 10 oder 15 Jahren, muss diese Ukraine den Kopenhagener Kriterien entsprechen und somit ein demokratisches Land mit Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung sein. All das muss erst noch aufgebaut werden.

Hans Luik. Aber 1946, nach dem Zweiten Weltkrieg, kam in der Sowjetunion eine Hungersnot, weil die Lend-Lease-Konserven ausgingen, die Hilfe endete. Stalin beendete, glaube ich, das Kartensystem, und dann kam die Hungersnot. Damals bat man den Westen um Hilfe. Der Westen hätte doch verlangen können: „Gut, wir helfen euch, aber schafft bitte die Kolchosen ab, dann bekommt ihr Hilfe.“

Portnikov. Das sind wieder politische Märchen. Niemand hätte jemals etwas Derartiges gefordert. Die Sowjetunion war ein Siegerstaat des Zweiten Weltkriegs, kontrollierte die Hälfte Europas. Und wie Sie sehen, gelang es nicht einmal, ihren Einfluss deswegen zu reduzieren. Außerdem sagen Sie über die Hungersnot merkwürdige Dinge. Für die sowjetische Führung war es leichter, zehn Millionen Menschen zu opfern, die verhungern würden, als die Grundlagen des Regimes abzubauen. Warum glauben Sie überhaupt, dass der Tod irgendwelcher Menschen durch Hunger für Stalin einen besonderen Wert dargestellt hätte?

Hans Luik. Nun, man bat trotzdem um Hilfe, man will schließlich essen.

Portnikov. Um Hilfe zu bitten bedeutet nicht, Zugeständnisse zu machen. Und noch einmal: Es baten jene Menschen darum, die selbst keine Probleme mit Lebensmitteln hatten, die ihrerseits Lebensmittel für diejenigen finden wollten, die keine hatten – aber nicht um den Preis von Zugeständnissen, die für ein solches System grundlegend gewesen wären.

Hans Luik. Erinnern Sie sich, als in Riga eine Dame, nämlich die Botschafterin der Vereinigten Staaten, sagte: „Kein Wort mehr davon. Ihr habt diesen state capture, eure Oligarchen, ihr verteilt ihre Organisationen, Parteien, sonst wird es schlimm, dann habt ihr keinen Staat mehr.“ Sie sagte das sehr hart, sehr unkonventionell.

Portnikov. Aber sie verlangte doch keine Zugeständnisse. Sie charakterisierte lediglich die politische Lage in Lettland zu der Zeit, als sie die diplomatische Vertretung leitete. Das entspricht durchaus dem Stil amerikanischer Botschafter. Das tun sie nicht nur in Lettland.

Hans Luik. Und wenn die Europäische Kommission bei der nächsten Unterstützung sagen würde: „Übrigens, mobilisiert eure vier Millionen jungen Männer aus Europa, dann helfen wir weiter“?

Portnikov. Entschuldigen Sie, meiner Meinung nach ist es nicht Sache der Europäischen Kommission, der Ukraine so etwas zu sagen. Sie reden gerade offensichtlichen Unsinn. Diese Menschen genießen den Schutz der jeweiligen europäischen Staaten. Die Ukraine kann Bürger auf dem Territorium anderer Staaten nicht mobilisieren. Und diese Bürger wiederum stehen unter europäischem humanitärem Recht. Ich verstehe überhaupt nicht, wovon Sie sprechen und in welcher Welt Sie leben.

Hans Luik. Ich kritisiere die Situation, ja, ich kritisiere die Situation. Finden Sie das normal?

Portnikov. Ich denke, wir müssen sowohl die Besonderheiten des europäischen humanitären Rechts als auch den Mobilisierungsbedarf der Ukraine berücksichtigen. Schließlich gibt es auch in der Ukraine selbst noch Millionen Menschen, die mobilisiert werden könnten. Wir sprechen ständig über die Notwendigkeit einer Mobilisierungsreform. Diese Menschen sind viel zahlreicher als jene, die sich in Europa befinden.

Hans Luik. Da Sie sowohl die Lage in Europa als auch in Paris und Berlin beobachten, die Alternative für Deutschland, die Partei Le Pens: Wie viel Zeit bleibt Ihrer Meinung nach noch, bis die entschlossene Unterstützung für die Ukraine endet?

Portnikov. Das weiß ich nicht, weil ich die Ergebnisse künftiger europäischer Wahlen nicht kenne.

Hans Luik. Aber sie sind doch populär, sogar die populärsten.

Portnikov. Nun, Popularität bedeutet noch keinen Wahlsieg. Deshalb werden wir die Prozesse beobachten. Sie können unterschiedlich verlaufen.

Hans Luik. Dann danke ich Ihnen, Vitaly. Optimismus haben wir genug. Es wird also alles so bleiben wie bisher. Nichts verändert sich.

Portnikov. Ich habe nicht gesagt, dass alles so bleiben wird wie bisher. Ich habe gesagt, dass ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien, auf Marktplätze und andere wichtige wirtschaftliche Objekte Bedingungen dafür schaffen, dass der Krieg irgendwann beendet wird. Aber ich kann Ihnen nicht sagen, wann das geschieht.

Hans Luik. Uh, provoziert, provoziert. Ich hoffe es. Vielen Dank. Ich hoffe, Sie haben unrecht, aber ich fürchte, Sie haben recht.


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Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Портников: «Молодому поколению надо готовиться гибнуть на войнах». 07.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 07.08.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Musk verweigert der Ukraine den Zugang | Vitaly Portnikov. 08.08.2026.

Der amerikanische Milliardär Elon Musk verweigert der Ukraine bislang den Zugang zum Starlink-System für Angriffe auf das souveräne Territorium der Russischen Föderation. Stattdessen betont Musk, dass die Zeit gekommen sei, ein Friedensabkommen mit Russland zu schließen.

Diese Aussagen des exzentrischen Milliardärs mögen vor dem Hintergrund der offensichtlichen Weigerung des russischen Präsidenten Putin, überhaupt über die Möglichkeit eines Friedens zu verhandeln, seltsam erscheinen. Doch die Worte und Handlungen Musks wirken deutlich logischer, wenn wir uns sozusagen die Struktur seines Eigentums vor Augen führen.

Denn ein erheblicher Teil der Einnahmen von Musks Unternehmen hängt von seinen besonderen Beziehungen zum amerikanischen Staat ab. In der heutigen Welt ist Musk eher ein Oligarch als ein Unternehmer. Und er ist gezwungen, die Stimmung an der Spitze der amerikanischen Macht zu berücksichtigen – unabhängig davon, wer diese Macht ausübt und in welchem Verhältnis Elon Musk gerade zum jeweiligen amerikanischen Präsidenten steht. Denn seine Beziehungen zur amerikanischen Führung sind sein Geld. Nicht Millionen, sondern Milliarden an Gewinnen.

Als der amerikanische Staat noch unter Joseph Biden beschloss, die Ukraine auf dem Schlachtfeld mit der Starlink-Technologie zu unterstützen, kam Musk dem Weißen Haus selbstverständlich entgegen. Aus dieser Perspektive lässt sich auch verstehen, warum er der Bitte der ukrainischen Führung nachkam, als Mykhailo Fedorov Verteidigungsminister unseres Landes war, die Russen von Starlink abzuschalten. Denn die Nutzung von Starlink durch die russische Armee war im Grunde genommen illegal und gehörte nicht zu seinen Verpflichtungen gegenüber der Präsidialverwaltung.

Gegen den Einsatz von Starlink auf dem souveränen Territorium Russlands hat sich Musk jedoch immer ausgesprochen – sowohl unter Biden als auch unter Trump. Dabei deckte sich seine Sichtweise in der Regel mit der Position des Weißen Hauses, das eine übermäßige Eskalation des russisch-ukrainischen Krieges aus Angst vor einer nuklearen Bedrohung vermeiden wollte. Zumindest so erklärte Musk die Abschaltung von Starlink für die ukrainische Armee, als es um mögliche Angriffe auf russische Schiffe im Schwarzen Meer ging.

Man kann also sagen, dass Musk in seiner Position, sein System nicht auf russischem Territorium einsetzen zu lassen, konsequent geblieben ist. Hier sehen wir, dass seine Interessen mit seiner unternehmerischen Sichtweise übereinstimmen. Einerseits stellt er der Regierung des Präsidenten der Vereinigten Staaten weiterhin Dienstleistungen zur Verfügung – allerdings nur in dem Umfang, der der Position der amerikanischen Präsidialverwaltung entspricht. Andererseits überschreitet er weder seine eigene Kompetenz noch seine eigene Initiative in einer Weise, die in Moskau und damit auch in Peking Unverständnis hervorrufen könnte. Denn auch zur Führung der Volksrepublik China unterhält Elon Musk besondere Beziehungen, die mit den geschäftlichen Interessen des Milliardärs zusammenhängen.

Wenn Musk sagt, es sei an der Zeit, sich mit der Russischen Föderation zu einigen, könnte er damit nicht nur seine eigene Meinung äußern, sondern auch die Ansichten des Mannes, von dem der Einsatz von Starlink abhängt – des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump.

Und die Position des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky, der wollte, dass gerade Trump die Möglichkeit des Einsatzes von Starlink auf dem souveränen Territorium Russlands ermöglicht, ist vollkommen logisch. Ohne eine solche Genehmigung Trumps, ohne seine entsprechende Bitte, wird Musk seine Haltung nicht ändern, weil er eine solche Änderung als private Initiative betrachten würde. Unterstützen kann er in einer für ihn so grundsätzlichen Frage nur den Willen des Staates.

Dass Trump Musk zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht empfehlen wird, seine Position zu ändern, ist ebenfalls nachvollziehbar. Denn das Verbot des Einsatzes von Starlink auf dem Territorium der Russischen Föderation ist für den amerikanischen Präsidenten eine legale Form des Drucks auf die Ukraine.

Trump hat bereits erkannt, dass er Kyiv nicht dazu zwingen kann, auf eigenes Territorium zu verzichten und dem russischen Präsidenten Zugeständnisse zu machen. Ohne solche Zugeständnisse aber will der Präsident der Russischen Föderation nicht einmal über das Ende des russisch-ukrainischen Krieges nachdenken – geschweige denn über die Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses.

Somit könnten sowohl der amerikanische Präsident als auch der amerikanische Oligarch die anhaltende Bedrohung durch ballistische Raketen, ohne Möglichkeit, sie wirksam zu beseitigen, als ein reales Druckmittel gegen die Ukraine betrachten – mit dem Ziel, Kyiv zur Anerkennung der Realität der russischen Überlegenheit in diesem Krieg und zur Einsicht in die notwendigen Zugeständnisse zu bewegen, um zumindest den Beginn eines Verhandlungsprozesses mit Moskau zu erreichen.

Einerseits erklärt Donald Trump, die Ukraine unterstützen zu wollen, äußert sich wohlwollend über Präsident Volodymyr Zelensky und spricht mit den Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitgliedstaaten über weitere Hilfe für die Ukraine. Andererseits unternimmt er nichts, um die Möglichkeiten zum Einsatz von Starlink auszuweiten oder der Ukraine angesichts der steigenden Produktion ballistischer Raketen in Russland einen Schutz vor ballistischen Raketen bereitzustellen.

Das ist ein legaler Druck, ohne dass es wie Druck aussieht. Für die Ablehnung bleibt Elon Musk verantwortlich, während das Weiße Haus scheinbar nichts mit der Entscheidung des amerikanischen Milliardärs zu tun hat.

Deshalb messen wir in unserer eigenen Mythologie dem persönlichen Faktor viel zu große Bedeutung bei. Da gibt es angeblich die hervorragenden Beziehungen zwischen dem ehemaligen Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov, den Elon Musk schätzt, und deshalb könne Fedorov eine solche Entscheidung von ihm erreichen. Und wenn Fedorov auf den Posten des Verteidigungsministers zurückkehren würde, dann würde ihm das ganz sicher gelingen. Mit Zelensky hingegen wolle Musk sich nicht treffen.

Musk wird sich nicht mit Zelensky treffen, weil Trump ihm davon abrät. Irgendeine persönliche Initiative gegenüber dem ukrainischen Präsidenten wird Musk selbstverständlich nicht ergreifen. Ebenso wenig wird Musk sich mit Fedorov einigen, weil er dafür keine entsprechende Entscheidung der Regierung des Präsidenten der Vereinigten Staaten sieht.

Wenn die amerikanische Regierung kein Interesse daran hat, den Einsatz von Starlink auf dem souveränen Territorium der Russischen Föderation zu erlauben, dann spielt Fedorovs Rolle im Leben Musks buchstäblich überhaupt keine Rolle – gleich null. Sollte Donald Trump jedoch seine Position ändern, dann wird Musk sich mit jeder beliebigen Person über die Möglichkeit des Einsatzes von Starlink auf russischem Territorium verständigen.

Wenn er entscheidet, dass es für ihn von Vorteil ist, sich mit Mykhailo Fedorov zu einigen, um die politischen Chancen des ehemaligen ukrainischen Verteidigungsministers für die Zukunft zu stärken, wird er sich mit ihm einigen. Wenn er entscheidet, dass Fedorov ihn nicht interessiert und er eine entsprechende Anweisung jedem beliebigen Vertreter der derzeitigen ukrainischen Regierung übermitteln kann, dann wird er sie eben diesem Beamten übermitteln.

Das Wesentliche bleibt dabei völlig offensichtlich. Weder Fedorov noch Zelensky und nicht einmal Musk werden solche grundsätzlichen Entscheidungen treffen. Die Initiative liegt hier bei Donald Trump – und der ist bislang nicht bereit, sie zu ergreifen.


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Titel des Originals: Маск відмовляє Україні | Віталій Портников. 08.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 08.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Die Ukraine setzt die Zerstörung russischer Raffinerien fort | Vitaly Portnikov. 08.08.2026.

Die Ölraffinerie Syzran in der Region Samara sowie die Ölraffinerie Ilsky im Krasnodarer Gebiet wurden heute von ukrainischen Drohnen angegriffen.

Damit lässt sich feststellen, dass die Ukraine ihre systematischen Bemühungen zur Zerstörung der russischen Erdölverarbeitungsindustrie fortsetzt. Dies bleibt – ebenso wie die Angriffe auf russische Marktplätze und die Versuche, den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation außer Gefecht zu setzen – nahezu der einzige Weg, den russisch-ukrainischen Krieg in den kommenden Jahren zumindest auszusetzen oder sogar zu beenden.

Meiner Ansicht nach ist inzwischen offensichtlich geworden, dass die diplomatischen Bemühungen, die nach der Rückkehr Donald Trumps ins Oval Office erneut aufgenommen wurden, mit einem vorhersehbaren Fiasko geendet haben. Der russische Präsident will den russisch-ukrainischen Krieg erst dann beenden, wenn die ukrainische Staatlichkeit zerstört und der größte Teil der Bevölkerung der Ukraine aus den angestammten Siedlungsgebieten der Ukrainer vertrieben worden ist. Sämtliche diplomatischen Prozesse und Verhandlungen werden von Putin genutzt, um die Kampfhandlungen fortzusetzen und Zeit zu gewinnen – vermutlich bis zum Ende der Amtszeit Donald Trumps im Weißen Haus.

Damit liegt die Frage, wie und wann der russisch-ukrainische Krieg enden soll, genau im Bereich ukrainischer Angriffe auf die russische Wirtschaft – auf Ölraffinerien, auf Marktplätze und vor allem auf Betriebe des militärisch-industriellen Komplexes. Im Grunde geht es also um dieselben weitreichenden Sanktionen, die sich in der Praxis als weitaus wirksamer erweisen als die vom Westen verhängten Sanktionen.

Denn in den Jahren dieses Krieges sind wir noch zu einer weiteren wichtigen Erkenntnis gelangt. Es gibt in der Welt zwei wirtschaftliche Pole, die erbittert um die Führungsrolle konkurrieren. Die Sanktionen der Vereinigten Staaten, Donald Trumps Zölle, die Entscheidungen der Europäer zur Blockierung russischer Vermögenswerte – all diese wichtigen Maßnahmen funktionieren nicht und werden auch künftig nicht funktionieren, weil Russland ein organischer Bestandteil der Wirtschaften der Länder des Globalen Südens ist. Länder, die westliche Vorstellungen von Werten und internationalem Recht überhaupt nicht teilen. Länder, die jedes Handeln Amerikas und Europas als Diktat betrachten. Länder, die nicht nur die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation fortsetzen wollen, sondern Russland auch nicht fallen lassen möchten, weil ein Zusammenbruch Russlands für diese Staaten einen Sieg des Westens bedeuten würde. Und genau das können diese Staaten – allen voran natürlich die Volksrepublik China, in der weiterhin ein kommunistisches Regime herrscht – nicht zulassen.

So kann der Westen auf russisches Öl und russisches Gas verzichten und russische Vermögenswerte blockieren, während gleichzeitig die Volksrepublik China, Indien und andere Länder des Globalen Südens weiterhin russisches Öl und russisches Gas kaufen und darauf sogar noch stolz sind.

Erst vor Kurzem habe ich eine Äußerung des Energieministers der Republik Türkei gesehen, dessen Nachname – Bayraktar – ich als durchaus bezeichnend bezeichnen würde. Er warf den Europäern vor, auf die Gaslieferungen über Nord Stream verzichtet zu haben, und sprach von der Weisheit der türkischen Politik, die auf dem Ausbau von TurkStream und der Fortsetzung der Öl- und Gaslieferungen aus der Russischen Föderation für die Bedürfnisse der türkischen Wirtschaft beruhe. Und wie wir sehen, kümmert es keinen einzigen Regierungsvertreter in Ankara – angefangen natürlich beim Präsidenten des Landes, Recep Tayyip Erdoğan –, dass türkisches Geld vom Präsidenten der Russischen Föderation für die Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine verwendet wird.

Es stellt sich heraus, dass man gleichzeitig russisches Öl und russisches Gas kaufen, den russischen Staatshaushalt finanzieren und lautstark die territoriale Integrität der Ukraine sowie die Notwendigkeit eines Kriegsendes unterstützen kann – obwohl man genau weiß, dass solche Erklärungen in Moskau niemanden interessieren, während sich buchstäblich jeder dort für das türkische Geld interessiert, das für russisches Öl und Gas gezahlt wird.

Und genau eine solche Politik verfolgen praktisch alle Länder des Globalen Südens. Natürlich lässt sich der türkische Beitrag zu dem finanziellen Polster Russlands, das Putin hilft, den Krieg fortzusetzen, nicht einmal annähernd mit dem chinesischen Beitrag vergleichen.     

Den Zollkrieg gegen die Volksrepublik China hat Donald Trump, so kann man sagen, in Rekordzeit verloren. Deshalb könnte selbst das Lindsey-Graham-Gesetz, das vom amerikanischen Senat verabschiedet wurde und offensichtlich für ein tatsächliches Vorgehen der Vereinigten Staaten gegenüber den Ländern des Globalen Südens von erheblicher Bedeutung ist, keinerlei Rolle bei der Fortsetzung der Käufe russischen Öls spielen, weil der amerikanische Präsident sich möglicherweise nicht dazu entschließen wird, neue Zölle gegen die Volksrepublik China zu verhängen.

Was also tun in dieser Situation wirtschaftlicher Ausweglosigkeit? Den Ausweg finden, den die Ukraine bereits gefunden hat.

Die Zerstörung der Ölraffinerien der Russischen Föderation führt dazu, dass mehr Rohöl für den Binnenmarkt bereitgestellt werden muss – doch es gibt keine Kapazitäten mehr, dieses Öl zu verarbeiten. Soll man es stattdessen über den Seeweg exportieren und hoffen, ausländische Käufer zu finden? Doch deren Zahl wird immer kleiner, weil – mit Ausnahme Chinas – alle anderen vermeiden müssen, amerikanische Sanktionen zu riskieren, die heute vielleicht noch unrealistisch erscheinen, künftig aber durchaus möglich sind. Und wenn sich herausstellt, dass das Öl weder verarbeitet noch verkauft werden kann, bleibt nichts anderes übrig, als die Förderquellen stillzulegen. Genau das ist der Weg zur Degradierung der russischen Erdölindustrie, zur Schließung der Tankstelle. 

Der andere Weg sind Angriffe auf Marktplätze, die Unternehmen in der Russischen Föderation zerstören und die Zahl derjenigen verringern, die tatsächlich auf eine weitere wirtschaftliche Entwicklung und damit auf neue Steuereinnahmen für den russischen Staatshaushalt hoffen können. Auch das schafft Probleme für die Zukunft, denn ein Krieg kostet gewaltige Summen.

Und noch ein weiterer wichtiger Weg – neben diesen beiden – ist tatsächlich der Versuch, Abschussanlagen für ballistische Raketen zu zerstören. Ich würde zudem darüber nachdenken, die Fabriken zu zerstören, in denen diese ballistischen Raketen hergestellt werden.

Genau auf diesen Feldern kann man nach einem Weg suchen, diesen endlosen Krieg auszusetzen und vielleicht in den kommenden Jahren sogar zu beenden. Ohne Angriffe auf Russland wird dieser Krieg noch viele schwierige Jahre andauern.


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Titel des Originals: Україна продовжує знищувати НПЗ |Віталій Портников. 08.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 08.08.2026.
Originalsprache: uk
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Trump verweigert Zelensky Patriot-Raketen | Vitaly Portnikov. 05.08.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat seinem ukrainischen Amtskollegen Volodymyr Zelensky die Lieferung weiterer Raketen für die Luftverteidigungsbatterien Patriot verweigert. Die britische Zeitung Financial Times berichtete darüber in ihrem Kommentar zu den Ergebnissen des jüngsten Treffens zwischen dem amerikanischen und dem ukrainischen Präsidenten in Washington.

Ich erinnere daran, dass Volodymyr Zelensky dieses Treffen selbst als sehr gut bezeichnet hat. Trump erklärte während des Treffens mit Zelensky, er könne diese Raketen nicht liefern, weil auch die Vereinigten Staaten selbst zusätzliche Bestände benötigten.

Später bestätigte der amerikanische Präsident übrigens in einem Gespräch mit US-Journalisten, dass er keine Patriot-Raketen liefern werde. Man kann also sagen, dass die britische Zeitung lediglich Tatsachen festgestellt hat, die vom amerikanischen Präsidenten selbst bestätigt wurden.

Die Befürchtungen Donald Trumps haben ihre eigene Logik. Wie bekannt ist, wurde das Problem des Mangels an Luftabwehrraketen in den Vereinigten Staaten selbst seit den ersten Wochen des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran wiederholt in den amerikanischen Medien thematisiert. 

Auch der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky sprach darüber. Er erklärte, dass die Vereinigten Staaten an einem der ersten Tage dieser groß angelegten Militäroperation gezwungen gewesen seien, rund 800 Raketen einzusetzen, um die Angriffe des Iran abzuwehren. Und das zu einem Zeitpunkt, als die amerikanischen Unternehmen pro Jahr nur rund 665 Raketen für Patriot-Batterien herstellen.

Nach verschiedenen Schätzungen verfügen die Vereinigten Staaten derzeit über rund 800 Raketen. Gleichzeitig betonte Volodymyr Zelensky, dass die Ukraine zur Abwehr der russischen ballistischen Bedrohung etwa 300 zusätzliche Raketen benötige.

Und so stellt sich die Frage, wie Donald Trump Zelensky entgegenkommen soll, wenn er seine Haltung zu den künftigen Perspektiven des Konflikts mit dem Iran buchstäblich jeden Tag ändert.

In den amerikanischen Medien erschienen Berichte, wonach Trump bereits neuen schweren Angriffen auf die iranische Militär- und Energieinfrastruktur zugestimmt habe, jedoch von seinen Militärs gestoppt worden sei. Diese hätten darauf hingewiesen, dass ein solcher Angriff und eine iranische Antwort gegen amerikanische Militärstützpunkte sowie gegen strategische Einrichtungen der Verbündeten der Vereinigten Staaten am Persischen Golf zur Erschöpfung des amerikanischen Luftverteidigungssystems führen würden. Die Amerikaner könnten dann für eine gewisse Zeit buchstäblich schutzlos einer neuen Bedrohung ausgeliefert sein – ähnlich wie die Ukrainer jetzt den russischen ballistischen Angriffen schutzlos gegenüberstehen.

Doch hier gibt es ein bemerkenswertes Paradox. Einerseits will die Regierung des Präsidenten der Vereinigten Staaten uns keine Raketen liefern, weil sie selbst ein Defizit bei ihrer eigenen Sicherheit im Bereich der Luftverteidigung hat. Andererseits will sie dies entschieden nicht eingestehen.

Nachdem der Bericht der Financial Times erschienen war, betonte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, dieser entspreche nicht der Wahrheit und die Vereinigten Staaten verfügten über genügend Luftabwehrraketen für den eigenen Bedarf. Auch in dieser Erklärung des Verteidigungsministers von Donald Trump steckt eine gewisse Logik. Das Pentagon möchte auf keinen Fall, dass die Gegner der Vereinigten Staaten erkennen, wie fragil die Sicherheit des Landes angesichts der neuen Herausforderungen derzeit ist.

Einzugestehen, dass die Vereinigten Staaten ein Problem bei der Produktion von Patriot-Raketen haben und die amerikanische Armee nicht über genügend dieser Raketen verfügt, käme praktisch einer Aufforderung an den Iran und andere Gegner der Vereinigten Staaten gleich, neue Angriffe auf amerikanische Militärstützpunkte oder strategische Einrichtungen der Verbündeten Amerikas zu starten – mit einem einfachen Ziel: die amerikanischen Streitkräfte schon jetzt zum Verbrauch ihrer Luftabwehrraketen zu zwingen, um die Möglichkeiten der US-Armee auf ein tatsächliches Minimum zu reduzieren.

Und danach könnte der Iran, wie wir verstehen, seine Bedingungen nicht nur den Vereinigten Staaten diktieren, sondern vor allem den Staaten am Persischen Golf, die sich tatsächlich den iranischen Angriffen schutzlos ausgeliefert sehen könnten. Man denke nur an ihre Öl- und Gasanlagen, ihre Raffinerien und Ölfelder. Man kann sich vorstellen, welches Ausmaß die Krise der Weltwirtschaft annehmen würde, wenn der Iran all dies bombardieren könnte, ohne dass die Amerikaner darauf reagieren könnten, weil ihnen schlicht die Mittel dazu fehlten.

Wenn das Pentagon jedoch nicht eingestehen will, dass ihm Raketen fehlen, dann stellt sich die nächste Frage: Warum werden diese Raketen dann nicht an die Ukraine geliefert, wenn es keinen Mangel gibt? Worin besteht das Problem?

Gerade auf diese Frage werden Trump und Hegseth kaum eine logische Antwort geben können. Denn sie müssten entweder eingestehen, dass ihnen infolge der Fehlentscheidungen des amerikanischen Militärkommandos während des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran tatsächlich Raketen fehlen und sie sich in einer für sie höchst ungewöhnlichen Lage befinden – was sie auf keinen Fall zugeben wollen –, oder der Ukraine zumindest eine gewisse Anzahl von Raketen zur Verfügung stellen, damit wir wenigstens einen Teil der russischen Angriffe abwehren können.

Genau an diesem Punkt lässt sich in den Beziehungen zu dieser Regierung ansetzen. Denn die Lieferung zumindest eines Teils der Abfangraketen für die Patriot-Batterien an die Ukraine wäre bis zu einem gewissen Grad eine Rettung für das Ansehen des Präsidenten der Vereinigten Staaten und seines Verteidigungsministers. Wenn die Vereinigten Staaten der Ukraine zusätzliche Raketen für Patriot-Batterien liefern würden, könnten sie damit demonstrieren, dass sie selbst keinen Mangel an Luftverteidigungsmitteln haben.

Und möglicherweise würde dies auch der amerikanischen Sicherheit dienen. Denn wenn die Iraner davon überzeugt wären, würden sie keine zusätzlichen Angriffe auf amerikanische Militärstützpunkte am Persischen Golf durchführen. Amerikanische Soldaten würden nicht sterben, und es würden keine Voraussetzungen für eine umfassende Energiekrise entstehen, die – sollte sie vor den Wahlen im Herbst 2026 eintreten – unter den Trümmern der Weltwirtschaft nicht nur die politische Karriere Donald Trumps, sondern auch die eines möglichen republikanischen Nachfolgers im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten begraben könnte. Denn eine solche Krise würde die Republikanische Partei selbst zugrunde richten.

Und wenn man den Versuch, eine solche politische Katastrophe und Untersuchungen gegen den Präsidenten selbst sowie gegen Mitglieder seiner Familie zu vermeiden, mit wenigstens einigen Dutzend Abfangraketen bezahlen müsste, dann sollte Donald Trump dies vielleicht tun, um zumindest den unbändigen Wunsch des Iran zu zügeln, den amtierenden amerikanischen Präsidenten in eine politische Falle zu locken, aus der er sich dann nicht mehr befreien könnte.


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Titel des Originals: Трамп відмовив Зеленському | Віталій Портников. 05.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 05.08.2026.
Originalsprache: uk
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Zaluzhny sieht die Ukraine nicht in der NATO | Vitaly Portnikov. 05.08.2026.

Der ukrainische Botschafter im Vereinigten Königreich und ehemalige Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, Valery Zaluzhny, hat Zweifel sowohl an der Möglichkeit als auch an der Notwendigkeit eines Beitritts der Ukraine zur Nordatlantischen Allianz geäußert.

Diese Aussage Zaluzhnys spiegelt gewissermaßen die tiefe Enttäuschung wider, die sich derzeit im Zusammenhang mit den Perspektiven der NATO sowohl in den europäischen Ländern als auch in Kanada ausbreitet, nachdem der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, die Wirksamkeit dieser Organisation infrage gestellt hat.

Im Fall der Ukraine kommt hinzu, dass Trump entschieden gegen einen Beitritt der Ukraine zur Nordatlantischen Allianz auftritt. Dem stimmen führende Vertreter seiner Regierung zu, die aus unverständlichen Gründen hoffen, dass ein Verzicht der Ukraine auf die euro-atlantische Integration eine gute Voraussetzung für einen Kompromiss mit der Russischen Föderation sein könnte. Einen Kompromiss, den, wie wir wissen, in Moskau niemand erwartet.

Zaluzhny geht noch weiter. Er ist der Ansicht, dass die Ukraine über eine moderne Armee verfügt, die die NATO schlicht nicht benötigen werde. Dagegen könnten neue Militärbündnisse, die während oder nach dem russisch-ukrainischen Krieg entstehen, die Ukraine mit ihren modernen Ansätzen der Kriegsführung benötigen.

All dies sind natürlich durchaus wichtige Thesen, sie bewegen sich jedoch eher im Bereich dessen, was sein könnte. Die Welt verändert sich derzeit so schnell, dass mir scheint, Einschätzungen, die bei Beratungen ukrainischer Diplomaten am Montag geäußert werden, hätten bereits am Donnerstag nichts mehr mit der Realität zu tun.

Deshalb ist es meines Erachtens ein großer Fehler, heute zu behaupten, ein bestimmtes Land werde sich niemals einem bestimmten Militärbündnis anschließen. Wir wissen nicht, wie die NATO schon in wenigen Jahren aussehen wird. Wir wissen nicht, wie die Außenpolitik der Vereinigten Staaten aussehen wird, nachdem Donald Trumps politische Karriere beendet ist. Gleichzeitig wird die Ukraine auch dann Sicherheitsgarantien benötigen.

Wir wissen nicht einmal, ob der russisch-ukrainische Krieg vor dem Ende von Donald Trumps Amtszeit beendet sein wird. Bislang gibt es keinerlei Voraussetzungen für eine solche Annahme. Genauso wenig gibt es Voraussetzungen für die Behauptung, die Ukraine werde der NATO nicht beitreten.

Ich wäre sehr vorsichtig damit, die Bedeutung der NATO zu unterschätzen. Schließlich sind wir tatsächlich kein NATO-Mitglied und führen Krieg gegen die größte nukleare Supermacht des 20. und 21. Jahrhunderts. Da könnte die Frage aufkommen: Warum nutzt diese Supermacht, die der Existenz der Ukraine mit ihren Atomwaffen buchstäblich innerhalb weniger Tage ein Ende setzen könnte, diese Waffen nicht? Warum unternimmt sie nicht einmal den Versuch, neue Atomtests durchzuführen oder aus militärisch-technischer Sicht mit ihrem Einsatz zu drohen, sondern beschränkt sich ausschließlich auf kriegerische Erklärungen oder auf die mögliche Verlegung eines Teils der russischen Atomwaffen auf das Territorium der Republik Belarus?

Vielleicht vor allem deshalb, weil Russland Rücksicht auf die NATO und auf die Vereinigten Staaten als den führenden Staat dieses Bündnisses nimmt – einen Staat, der ebenfalls über ein ungefähr gleich großes nukleares Potenzial verfügt. Und die NATO bleibt ein Abschreckungsbündnis selbst für Länder, die nicht ihre Mitglieder sind. Denn die gesamte Hilfe, die die Ukraine während des russisch-ukrainischen Krieges erhält, hängt in erster Linie ebenfalls mit der Wirksamkeit der euro-atlantischen Gemeinschaft zusammen.

Nun zur Frage, ob die Ukraine nach dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges Teil neuer Militärbündnisse werden kann. Ja, niemand bezweifelt, dass die ukrainische Armee heute eine Armee des modernen Krieges ist, während andere Länder, die diesen modernen Krieg bisher nicht erlebt haben, ihn aber möglicherweise bald erleben werden, sich – wie General Zaluzhny sagt – noch immer an der Logik des Zweiten Weltkriegs orientieren. Das haben wir schließlich am Beispiel des Krieges der Vereinigten Staaten gegen den Iran gesehen.

Gleichzeitig darf jedoch nicht vergessen werden, dass man in Europa die Verpflichtungen der Vereinigten Staaten zum Schutz der europäischen Länder, insbesondere Artikel 5, bislang sehr ernst nimmt. Damit europäische Staaten auf diese Sicherheitsgarantien verzichten, müsste etwas Außergewöhnliches geschehen. Russland oder ein anderes Land müsste ein NATO-Mitglied angreifen, möglicherweise sogar unter Einsatz von Atomwaffen, und die Vereinigten Staaten müssten sich weigern, dieses Land mit ihren eigenen Waffen zu verteidigen.

Kann eine solche Weigerung eintreten? In der Politik ist alles möglich. Doch solange sie nicht eingetreten ist, werden alle NATO-Mitglieder an ihrer Mitgliedschaft in diesem Bündnis als ihrer wichtigsten Sicherheitsgarantie festhalten und sie selbstverständlich nicht für neue Militärbündnisse mit einem Staat aufs Spiel setzen, der sich bereits in einem Konflikt mit einer anderen nuklearen Supermacht befindet. Auch das muss man sich bewusst machen. Jedes Militärbündnis, dem die Ukraine künftig beitreten könnte, wäre in erster Linie ein Bündnis ohne Garantien.

Da stellt sich die Frage: Was sollen wir dann tun?

Zumindest sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass es in der Welt praktisch keine neutralen Staaten mehr gibt und dass sich die Welt heute in einer Konfrontation zwischen einem westlichen und einem östlichen Sicherheitspol befindet. Der westliche Sicherheitspol ist die NATO, die Nordatlantische Allianz, und die Vereinigten Staaten mit ihrem nuklearen Potenzial – einem Potenzial, das mit dem der europäischen Atommächte wie Großbritannien oder Frankreich nicht vergleichbar ist.

Der östliche Sicherheitspol besteht aus der Russischen Föderation und der Volksrepublik China. Wer seinen Platz im westlichen Sicherheitspol nicht findet, wird zwangsläufig entweder seinen Platz im östlichen suchen müssen oder von diesem östlichen Sicherheitspol unterworfen werden.

Angesichts der Tatsache, dass wir im Osten keinen Nachbarstaat haben, der unsere Staatlichkeit respektiert, und dass die Russische Föderation die Ukraine als untrennbaren Teil ihres historischen Territoriums betrachtet, bedeutet dies für die Ukraine einen recht einfachen Sachverhalt. Sollte die Ukraine Teil des östlichen Sicherheitspols werden, würde sie bestenfalls zu einem Satellitenstaat der Russischen Föderation werden oder ihre Gebiete würden – oblastweise – an die Russische Föderation angeschlossen, so wie Präsident Putin es sich wünscht und wie die Bürger der Russischen Föderation dies unterstützen.

Ja, wir können für unsere Souveränität kämpfen. Aber wenn wir nicht Teil dieses internationalen Sicherheitssystems mit seiner Ausrichtung auf den Westen werden, wird eine solche Eingliederung früher oder später stattfinden. Sie wäre schlicht unvermeidlich.

Was muss die Ukraine also tun, um auf der politischen Landkarte der Welt erhalten zu bleiben? Was muss das ukrainische Volk tun, um nicht von seinen ethnischen Gebieten verdrängt zu werden? Was muss jeder Ukrainer tun, wenn er Ukrainer bleiben möchte?

Die Antwort auf diese Frage ist recht einfach: Die Möglichkeit der euro-atlantischen Integration nicht vergessen. Nicht vergessen, dass sich die Weltlage verändert, und bereit sein, auf jede Herausforderung zu reagieren, die mit diesen Veränderungen verbunden ist. Niemals „niemals“ sagen, wenn es um grundlegende Fragen geht, die den Erhalt des ukrainischen Volkes und des ukrainischen Staates betreffen. Denn der Weg der euro-atlantischen Integration ist ein Teil dieser Strategie des Überlebens.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Залужний не бачить Україну в НАТО | Віталій Портников. 05.08.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 05.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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