Trump zieht sich aus Korea zurück | Vitaly Portnikov. 17.08.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat eine deutliche Reduzierung der Beteiligung amerikanischer Streitkräfte an gemeinsamen Militärübungen mit der südkoreanischen Armee angekündigt. Er begründete dies mit seinen guten Beziehungen zum nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un sowie damit, dass Südkorea den Vereinigten Staaten während des Krieges gegen den Iran nicht die gebotene Unterstützung geleistet habe.

Damit wendet sich Trump demonstrativ von den Verpflichtungen gegenüber einem weiteren wichtigen Verbündeten der Vereinigten Staaten ab. Denn seit dem Ende des Koreakrieges waren es gerade die Vereinigten Staaten, die als tatsächlicher Garant der Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel fungierten und verhinderten, dass sich das von der Volksrepublik China und der Sowjetunion unterstützte kommunistische Regime auf die gesamte koreanische Halbinsel ausbreiten konnte.

Nun hat sich die Situation, wie wir sehen, verändert – und das, obwohl die guten Beziehungen zu Kim Jong-un nur im Kopf Donald Trumps existieren. Bekanntlich erlitt Trump während seiner ersten Amtszeit im Weißen Haus eine vernichtende Niederlage bei seinen Versuchen, eine Einigung über den Verzicht Nordkoreas auf sein Atomprogramm im Austausch für amerikanische Finanz- und Wirtschaftshilfe zu erzielen. Man kann sagen, dass der nordkoreanische Diktator Donald Trump zynisch ausgenutzt hat – ungefähr so, wie Putin oder Xi Jinping heute die Sympathien des amerikanischen Präsidenten nutzen, um ihren internationalen Status aufzuwerten.

Denn vor Trump hatte sich kein amtierender Präsident der Vereinigten Staaten jemals dazu herabgelassen, sich mit dem Mann zu treffen, der in der Herrscherresidenz in Pjöngjang sitzt. Trump war der Erste. Und dank dieser Politik des amerikanischen Präsidenten hat sich Nordkorea tatsächlich zu einer Atommacht entwickelt, die amerikanische Verbündete bedroht.

Doch es scheint, als kümmere Trump das nicht. Vielleicht, weil er sich weiterhin von seinen Sympathien für autoritäre Führer leiten lässt. Vielleicht, weil er vom nordkoreanischen Regime tatsächlich keine reale Bedrohung ausgehen sieht. Oder vielleicht auch deshalb, weil er machtlos wäre, sollte diese Bedrohung Realität werden.

Denn man sollte daran erinnern, dass der Krieg der Vereinigten Staaten gegen den Iran keineswegs nur für unser Land im Hinblick auf die Lieferung von Flugabwehrraketen zu einem ernsthaften Problem geworden ist. Er stellt auch für Südkorea ein ernstes Problem dar, denn Luftverteidigungssysteme und insbesondere Raketen für Patriot-Systeme mussten vom amerikanischen Militär von der koreanischen Halbinsel in den Nahen Osten verlegt werden.

Und wenn wir davon sprechen, dass den Amerikanern die eigenen Raketen für ihre Patriot-Batterien ausgehen, müssen wir verstehen, dass die Streitkräfte der Vereinigten Staaten nicht nur im Nahen Osten, sondern auch auf der koreanischen Halbinsel schutzlos dastehen könnten, falls in Peking und Pjöngjang die Entscheidung getroffen wird, einen großen Krieg in dieser Region zu beginnen. Und dann würden wir nicht nur das Scheitern von Donald Trumps Iran-Plänen erleben, sondern auch ein schwerwiegendes Fiasko der Vereinigten Staaten auf der koreanischen Halbinsel – also gerade dort, wo die Vereinigten Staaten in den 1940er- und 1950er-Jahren ihren Status als Großmacht unter Beweis stellten und wo sie diesen Status nun endgültig verlieren könnten.

Und Trump könnte trotz seines bekannten Zynismus eine solche Entwicklung fürchten und deshalb versuchen, alles zu tun, um Kim Jong-un nicht zu einem möglichen Angriff auf das Nachbarland zu provozieren.

Meiner Ansicht nach ist das jedoch eine falsche Position, die einmal mehr zeigt, wie kurzsichtig und naiv der außenpolitische Ansatz des amtierenden amerikanischen Präsidenten und seiner Administration ist. Denn wenn man in Moskau, Peking und Pjöngjang sieht, wie Trump zurückweicht, steigert das nur den Appetit der autoritären Machthaber, die zunehmend zu der Überzeugung gelangen, dass von den Vereinigten Staaten keine ernsthafte Reaktion auf ihre Handlungen zu erwarten ist.

Das heißt: Wenn die Amerikaner selbst demonstrieren, dass sie nicht bereit sind, ihren Verbündeten zu helfen, hören diese Verbündeten in den Augen ihrer Feinde auf, Freunde Amerikas zu sein, und werden zu Zielen für weitere aggressive Schritte.

Natürlich bedeutet das nicht, dass morgen ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel ausbrechen wird. Dass er jedoch noch während Donald Trumps Amtszeit im Weißen Haus beginnen könnte, ist durchaus wahrscheinlich. Denn gerade diese Präsidentschaft ist, wie wir sehen, zum Anstoß für immer neue Kriege und für eine faktische Stärkung der Positionen von Diktatoren geworden.

Derjenige, der den Amerikanern und der Welt Frieden versprochen hat, hat in Wirklichkeit – wie es in der Politik so häufig geschieht – die Voraussetzungen für eine Ausweitung von Kriegen in aller Welt geschaffen. Denn diese Kriege begannen gerade deshalb nicht, weil man Amerika fürchtete und davon ausging, dass es in der Lage sei, seinen Willen mit Gewalt durchzusetzen. Eine solche Sicht auf die Vereinigten Staaten scheint es inzwischen bei kaum einem ihrer Gegner noch zu geben.

Für die Ukraine sollte daraus eine durchaus ernsthafte Schlussfolgerung folgen. Zumindest solange Donald Trump im Weißen Haus sitzt und wir es nicht mit einem Präsidenten zu tun haben, der die Bedeutung von Werten für die Wahrung der nationalen Interessen der Vereinigten Staaten selbst versteht, können Trumps Vereinigte Staaten die Interessen jedes beliebigen Verbündeten mit größter Leichtigkeit aufgeben – selbst die eines Verbündeten, mit dem die USA jahrzehntelange Interessen verbinden –, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten der Ansicht ist, dass die Unterstützung dieses Verbündeten keine Priorität hat oder dass sie die Schwäche Amerikas selbst offenbaren würde.

Und dies ist nicht nur die Zeit, diese einfache Wahrheit über Trump und sein Umfeld zu begreifen, sondern auch die Zeit, nach neuen Bündnissen zu suchen, die Ländern wie der Ukraine oder Südkorea dabei helfen könnten, in unserem schwierigen 21. Jahrhundert überhaupt auf der politischen Landkarte der Welt zu bleiben – einem Jahrhundert der Krisen, Kriege und des Verrats.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп тікає з Кореї | Віталій Портников. 17.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 17.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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