Seoul verschärft den Konflikt mit der Ukraine | Vitaly Portnikov. 29.09.2026.

Der Leiter der ukrainischen Botschaft in Südkorea, Andriy Vieshkin, wurde ins Außenministerium des Landes einbestellt, um ihm die harte Haltung mitzuteilen, die die südkoreanische Regierung in dem Konflikt weiterhin einnimmt, der mit einem Austausch von Erklärungen zwischen den Präsidenten der Ukraine und Südkoreas, Volodymyr Zelensky und Lee Jae-myung, auf der Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen begonnen hatte.

Wie bekannt ist, teilte der ukrainische Präsident mit, dass zwei Soldaten der Demokratischen Volksrepublik Korea, die gemeinsam mit russischen Truppen gekämpft hatten und von den ukrainischen Verteidigungskräften gefangen genommen worden waren, an Seoul übergeben wurden. Der Präsident Südkoreas beschuldigte Kyiv, Informationen offengelegt und sogar Verrat begangen zu haben, und sprach von schwerwiegenden Folgen solcher Äußerungen des ukrainischen Präsidenten.

Es wurde darüber gesprochen, Volodymyr Zelensky habe beschlossen, eine Vertraulichkeitsvereinbarung mit Südkorea um der PR willen zu verletzen. Wobei nicht ganz klar ist, worin hier die PR bestehen soll, wenn die ukrainische Regierung Kriegsgefangene aus Pjöngjang an Seoul übergibt, ohne dass diese Übergabe für die Ukraine selbst irgendwelche realen Ergebnisse bringt. Das könnte man eher als eine Art Wohltätigkeit bezeichnen.

Gleichzeitig wissen wir natürlich nicht, in welcher Form eine südkoreanisch-ukrainische Vereinbarung überhaupt bestand – oder ob es sie überhaupt gab. Man darf nicht vergessen, dass Informationen darüber, dass Bürger der DVRK nach Südkorea übersiedeln wollten, sowohl in ukrainischen als auch in südkoreanischen Medien kursierten. Unbekannt war lediglich die Tatsache selbst, dass diese Menschen an Seoul übergeben worden waren.

Viele sagen, dadurch könne eine Gefahr sowohl für die ehemaligen Soldaten selbst als auch, was noch wichtiger sei, für ihre Angehörigen in Nordkorea entstehen. Auch diese Behauptung hält keinerlei Kritik stand.

  • Erstens verfügt die nordkoreanische Agentur über andere Möglichkeiten, von der Übergabe eigener Staatsbürger an Seoul zu erfahren, als durch die Rede des ukrainischen Präsidenten auf der Sitzung der UN-Generalversammlung.
  • Zweitens haben Menschen, die von der ukrainischen Armee gefangen genommen wurden, aus Sicht des offiziellen Pjöngjang bereits Verrat begangen. Sie haben keinerlei Recht, sich dem Feind zu ergeben.

Daher ist die Annahme, dass es derzeit Angehörige dieser ehemaligen Kriegsgefangenen gibt, die sich noch in Freiheit befinden oder überhaupt noch am Leben sind, gelinde gesagt naiv. Das entspricht nicht der Logik des Verhaltens des nordkoreanischen Regimes seit dem ersten Tag seiner Gründung. Und heute ist dieses Regime möglicherweise sogar noch härter als zu Zeiten des Begründers der nordkoreanischen kommunistischen Diktatur, Kim Il-sung.

Warum äußert Lee Jae-myung dann derart scharfe Vorwürfe gegenüber Volodymyr Zelensky, und hätte Kyiv auf diese Vorwürfe so reagieren sollen? Nun, zunächst einmal müssen wir eine wichtige Sache verstehen.

In Südkorea herrscht praktisch seit den ersten Tagen der Gründung dieses Staates ein erbitterter innenpolitischer Kampf zwischen zwei gegensätzlichen Lagern. 

  • Das eine orientiert sich vorbehaltlos an den Vereinigten Staaten. 
  • Das andere versucht, eine Verständigung mit Peking und Pjöngjang zu finden.

Der vorherige Präsident Südkoreas, Yoon Suk Yeol, war ein Anhänger eben dieser vorbehaltlosen Orientierung. Deshalb verkaufte Südkorea während seiner Amtszeit, obwohl es keinerlei gesetzliche Möglichkeiten hatte, die Ukraine militärisch zu unterstützen, seine Waffen an die Vereinigten Staaten oder an europäische Länder wie Polen. Und die Vereinigten Staaten übergaben uns dann südkoreanische Artilleriegeschosse, während Polen durch den Kauf koreanischer Militärtechnik die Möglichkeit erhielt, uns Militärtechnik anderer Herkunft zu übergeben.

Südkorea selbst hat der Ukraine nie etwas geliefert und kann dies auch nicht. Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass Yoon Suk Yeol dies nicht nur aus Respekt vor dem ukrainischen Kampf tat, sondern auch deshalb, weil er gute Beziehungen zur Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten Joseph Biden aufbauen wollte, die versuchte, der Ukraine zu helfen. Um gute Beziehungen zur Administration von Präsident Donald Trump aufzubauen, ist es in Südkorea keineswegs notwendig, dies zu tun.

Darüber hinaus ist Yoon Suk Yeols Nachfolger Lee Jae-myung ein Vertreter völlig entgegengesetzter politischer Kräfte. Während sein Vorgänger versuchte, die Beziehungen zu Washington auszubauen und sich faktisch mit Peking überwarf, eine regelrechte diplomatische Blockade Pjöngjangs schuf und betonte, dass jede Verbesserung der Beziehungen erst nach einer Denuklearisierung Nordkoreas möglich sei, versucht Lee Jae-myung, die Beziehungen zum Staatschef der Volksrepublik China, Xi Jinping, zu verbessern – dieser kommt ihm dabei übrigens entgegen – und versucht, sich mit Kim Jong-un zu treffen. Dieser hat es jedoch nach der drastischen Wende seiner eigenen Außenpolitik und der Abkehr von der Idee der sogenannten friedlichen Wiedervereinigung des Vaterlandes nicht besonders eilig, solchen Vorschlägen für ein Treffen mit dem südkoreanischen Staatschef zuzustimmen.

Der Präsident Südkoreas nutzte also die Tribüne der UN-Generalversammlung dazu, die Änderung seines eigenen außenpolitischen Kurses zu legitimieren, und zwar so, dass die Opposition ihm daraus keinen Strick drehen kann. Denn sie wartet nur darauf, dass er dort landet, wo vor ihm praktisch alle früheren südkoreanischen Präsidenten der vergangenen Jahrzehnte gelandet sind: im Gefängnis. Zumal Lee Jae-myung bereits vor seiner Wahl zum Präsidenten Südkoreas Korruptionsermittlungen durchlaufen hat und nur deshalb gewählt werden konnte, weil bestimmte Ermittlungen eingestellt wurden – und es könnte sich herausstellen, dass dies keineswegs für immer der Fall ist.

Seine Politik, die auf dem Versuch beruht, sich wieder Peking und Pjöngjang zuzuwenden, ist für Lee Jae-myung also ziemlich schwierig umzusetzen. Er ist sich vollkommen darüber im Klaren – zumindest kann er das so sehen –, dass Kim Jong-un, wenn er erfährt, dass seine Staatsbürger dank Vereinbarungen zwischen Südkorea und der Ukraine nach Seoul gelangt sind, sehr wütend sein und keine Beziehungen zu ihm aufbauen wollen wird.

Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Kim Jong-un hat ohnehin nicht vor, Beziehungen zu Lee Jae-myung aufzubauen. Lee Jae-myung erinnert mich in dieser Situation gerade an Volodymyr Zelensky im Jahr 2019, der glaubte, er könne sich mit dem Präsidenten der Russischen Föderation Putin treffen und mit ihm tatsächlich irgendetwas vereinbaren. Nein, nein und noch 300.000 Mal nein. Die Wende in der Außenpolitik Nordkoreas hin zur Konfrontation mit dem Süden und dazu, ihn zu einem feindlichen Staat zu erklären, den man, wenn sich die Gelegenheit bietet, vernichten kann, hat bereits stattgefunden.

Und kein Lee Jae-myung wird diese Wende noch ändern können. Zumindest nicht bis zu dem Zeitpunkt, an dem in Pjöngjang in der Residenz des Staatschefs ein neuer Mensch auftaucht. Und darauf kann man noch viele Jahrzehnte warten.

Aber es ist wichtig, das Wesen dieses Ansatzes zu verstehen. Hätten wir dem Präsidenten Südkoreas und seiner Regierung Anlass geben sollen, den Konflikt weiter zu verschärfen? Vielleicht hätten wir ihnen diesen Anlass nicht gegeben, wenn wir nicht gesagt hätten, der Präsident Südkoreas habe die Vertraulichkeitsvereinbarung erfunden. In Seoul wird dies als offene Unterstützung Kyivs für jene südkoreanischen Oppositionskräfte wahrgenommen, die Lee Jae-myung angreifen und darauf hoffen, dass seine Herrschaft und die Herrschaft seiner Partei früher enden als bei den nächsten regulären Wahlen.

Und gerade ein solcher Versuch, am Rande der UN-Generalversammlung die Position des südkoreanischen Präsidenten zu untergraben, könnte die anhaltend harte Reaktion Seouls ausgelöst haben.

Was sollte Kyiv in dieser Situation tun? Nun, zunächst einmal muss man sich darüber im Klaren sein, dass es ohnehin keine ernsthafte militärische Hilfe aus Südkorea geben wird, solange Lee Jae-myung an der Spitze des Landes steht. Es gibt hier also nichts zu riskieren. Und all diese Geschichten darüber, dass wir kurz vor einer neuen Waffenlieferung aus Seoul gestanden hätten, sind eher Wunschdenken als eine reale Situation, die unter dieser Administration entstehen könnte.

Davon sprechen Menschen, die sich schlicht nie ernsthaft mit der südkoreanischen Politik beschäftigt haben. Und wir wissen, dass wir erhebliche Probleme mit außenpolitischer Expertise haben, erst recht, wenn sich damit Amateur-Experten befassen. Daran haben wir uns bereits gewöhnt.

Zweitens ist es offensichtlich, dass man sich mit Südkorea auch in einer Zeit, in der es eine Verständigung entlang der Achse Peking–Moskau–Pjöngjang sucht, nicht überwerfen sollte. So oder so kann die Regierung wechseln, und es können Menschen an die Macht kommen, die bereit sind, uns indirekt zu helfen.

Der Krieg liegt noch vor uns, auch ein Machtwechsel in Südkorea liegt noch vor uns. Und die Situation wieder in Ordnung zu bringen bedeutet, es denjenigen leichter zu machen, die nach dem derzeitigen südkoreanischen Präsidenten und seiner auf Verständigung mit China ausgerichteten Administration kommen werden.

Übrigens ist an dem, was ich sage, nichts sensationell. Denn als Yoon Suk Yeol, der sich heute wegen Machtmissbrauchs und des Versuchs, im Land das Kriegsrecht zu verhängen, im Gefängnis befindet, seine Macht verlor, betonten praktisch alle Experten, die sich mit Südkorea beschäftigten, bereits damals, dass eine neue Administration unter Lee Jae-myung angesichts seiner bekannten Positionen der Ukraine nicht helfen und all jene Programme indirekter Unterstützung zurückfahren werde, die unter der vorherigen Administration bestanden hatten. Ebenso wurde betont, dass sich der neue Präsident Südkoreas, der für seinen Wunsch bekannt ist, die Beziehungen zur Volksrepublik China und zu Nordkorea zu verbessern, in seinen Ansätzen – darunter auch hinsichtlich des russisch-ukrainischen Krieges – diametral von seinem Vorgänger unterscheidet.

Was bereits in jenen Tagen offensichtlich war, als die Opposition in Südkorea den Versuch eines Militärputsches durch Yoon Suk Yeol und seine Mitstreiter vereitelte, wurde auf der Sitzung der UN-Generalversammlung vollkommen offensichtlich, transparent und verständlich.

Hätte Volodymyr Zelensky dem Präsidenten Südkoreas keinen Anlass gegeben, wäre die Einstellung der Hilfe einfach ohne Skandal erfolgt, und es wäre schwieriger gewesen, sie gegenüber der südkoreanischen Opposition zu erklären. Aber das ist ganz sicher kein Problem der ukrainischen, sondern der südkoreanischen Innenpolitik und jenes ewigen Kampfes, der jeden Präsidenten ins Gefängnis bringt oder ihn unter der Last der von seinen Gegnern erhobenen Vorwürfe dazu zwingt, sein Leben durch Selbstmord zu beenden.


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Titel des Originals: Сеул загострює конфлікт з Україною | Віталій Портников. 29.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump zieht sich aus Korea zurück | Vitaly Portnikov. 17.08.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat eine deutliche Reduzierung der Beteiligung amerikanischer Streitkräfte an gemeinsamen Militärübungen mit der südkoreanischen Armee angekündigt. Er begründete dies mit seinen guten Beziehungen zum nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un sowie damit, dass Südkorea den Vereinigten Staaten während des Krieges gegen den Iran nicht die gebotene Unterstützung geleistet habe.

Damit wendet sich Trump demonstrativ von den Verpflichtungen gegenüber einem weiteren wichtigen Verbündeten der Vereinigten Staaten ab. Denn seit dem Ende des Koreakrieges waren es gerade die Vereinigten Staaten, die als tatsächlicher Garant der Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel fungierten und verhinderten, dass sich das von der Volksrepublik China und der Sowjetunion unterstützte kommunistische Regime auf die gesamte koreanische Halbinsel ausbreiten konnte.

Nun hat sich die Situation, wie wir sehen, verändert – und das, obwohl die guten Beziehungen zu Kim Jong-un nur im Kopf Donald Trumps existieren. Bekanntlich erlitt Trump während seiner ersten Amtszeit im Weißen Haus eine vernichtende Niederlage bei seinen Versuchen, eine Einigung über den Verzicht Nordkoreas auf sein Atomprogramm im Austausch für amerikanische Finanz- und Wirtschaftshilfe zu erzielen. Man kann sagen, dass der nordkoreanische Diktator Donald Trump zynisch ausgenutzt hat – ungefähr so, wie Putin oder Xi Jinping heute die Sympathien des amerikanischen Präsidenten nutzen, um ihren internationalen Status aufzuwerten.

Denn vor Trump hatte sich kein amtierender Präsident der Vereinigten Staaten jemals dazu herabgelassen, sich mit dem Mann zu treffen, der in der Herrscherresidenz in Pjöngjang sitzt. Trump war der Erste. Und dank dieser Politik des amerikanischen Präsidenten hat sich Nordkorea tatsächlich zu einer Atommacht entwickelt, die amerikanische Verbündete bedroht.

Doch es scheint, als kümmere Trump das nicht. Vielleicht, weil er sich weiterhin von seinen Sympathien für autoritäre Führer leiten lässt. Vielleicht, weil er vom nordkoreanischen Regime tatsächlich keine reale Bedrohung ausgehen sieht. Oder vielleicht auch deshalb, weil er machtlos wäre, sollte diese Bedrohung Realität werden.

Denn man sollte daran erinnern, dass der Krieg der Vereinigten Staaten gegen den Iran keineswegs nur für unser Land im Hinblick auf die Lieferung von Flugabwehrraketen zu einem ernsthaften Problem geworden ist. Er stellt auch für Südkorea ein ernstes Problem dar, denn Luftverteidigungssysteme und insbesondere Raketen für Patriot-Systeme mussten vom amerikanischen Militär von der koreanischen Halbinsel in den Nahen Osten verlegt werden.

Und wenn wir davon sprechen, dass den Amerikanern die eigenen Raketen für ihre Patriot-Batterien ausgehen, müssen wir verstehen, dass die Streitkräfte der Vereinigten Staaten nicht nur im Nahen Osten, sondern auch auf der koreanischen Halbinsel schutzlos dastehen könnten, falls in Peking und Pjöngjang die Entscheidung getroffen wird, einen großen Krieg in dieser Region zu beginnen. Und dann würden wir nicht nur das Scheitern von Donald Trumps Iran-Plänen erleben, sondern auch ein schwerwiegendes Fiasko der Vereinigten Staaten auf der koreanischen Halbinsel – also gerade dort, wo die Vereinigten Staaten in den 1940er- und 1950er-Jahren ihren Status als Großmacht unter Beweis stellten und wo sie diesen Status nun endgültig verlieren könnten.

Und Trump könnte trotz seines bekannten Zynismus eine solche Entwicklung fürchten und deshalb versuchen, alles zu tun, um Kim Jong-un nicht zu einem möglichen Angriff auf das Nachbarland zu provozieren.

Meiner Ansicht nach ist das jedoch eine falsche Position, die einmal mehr zeigt, wie kurzsichtig und naiv der außenpolitische Ansatz des amtierenden amerikanischen Präsidenten und seiner Administration ist. Denn wenn man in Moskau, Peking und Pjöngjang sieht, wie Trump zurückweicht, steigert das nur den Appetit der autoritären Machthaber, die zunehmend zu der Überzeugung gelangen, dass von den Vereinigten Staaten keine ernsthafte Reaktion auf ihre Handlungen zu erwarten ist.

Das heißt: Wenn die Amerikaner selbst demonstrieren, dass sie nicht bereit sind, ihren Verbündeten zu helfen, hören diese Verbündeten in den Augen ihrer Feinde auf, Freunde Amerikas zu sein, und werden zu Zielen für weitere aggressive Schritte.

Natürlich bedeutet das nicht, dass morgen ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel ausbrechen wird. Dass er jedoch noch während Donald Trumps Amtszeit im Weißen Haus beginnen könnte, ist durchaus wahrscheinlich. Denn gerade diese Präsidentschaft ist, wie wir sehen, zum Anstoß für immer neue Kriege und für eine faktische Stärkung der Positionen von Diktatoren geworden.

Derjenige, der den Amerikanern und der Welt Frieden versprochen hat, hat in Wirklichkeit – wie es in der Politik so häufig geschieht – die Voraussetzungen für eine Ausweitung von Kriegen in aller Welt geschaffen. Denn diese Kriege begannen gerade deshalb nicht, weil man Amerika fürchtete und davon ausging, dass es in der Lage sei, seinen Willen mit Gewalt durchzusetzen. Eine solche Sicht auf die Vereinigten Staaten scheint es inzwischen bei kaum einem ihrer Gegner noch zu geben.

Für die Ukraine sollte daraus eine durchaus ernsthafte Schlussfolgerung folgen. Zumindest solange Donald Trump im Weißen Haus sitzt und wir es nicht mit einem Präsidenten zu tun haben, der die Bedeutung von Werten für die Wahrung der nationalen Interessen der Vereinigten Staaten selbst versteht, können Trumps Vereinigte Staaten die Interessen jedes beliebigen Verbündeten mit größter Leichtigkeit aufgeben – selbst die eines Verbündeten, mit dem die USA jahrzehntelange Interessen verbinden –, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten der Ansicht ist, dass die Unterstützung dieses Verbündeten keine Priorität hat oder dass sie die Schwäche Amerikas selbst offenbaren würde.

Und dies ist nicht nur die Zeit, diese einfache Wahrheit über Trump und sein Umfeld zu begreifen, sondern auch die Zeit, nach neuen Bündnissen zu suchen, die Ländern wie der Ukraine oder Südkorea dabei helfen könnten, in unserem schwierigen 21. Jahrhundert überhaupt auf der politischen Landkarte der Welt zu bleiben – einem Jahrhundert der Krisen, Kriege und des Verrats.


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Titel des Originals: Трамп тікає з Кореї | Віталій Портников. 17.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 17.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Ein Volk. Vitaly Portnikov. 20.10.24.

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Der südkoreanische Präsident hält eine Sondersitzung über die Beteiligung des nordkoreanischen Militärs am Krieg Russlands gegen die Ukraine ab. Die Besorgnis Seouls ist leicht zu erklären. Wenn nordkoreanische Truppen an die Kontaktlinie zwischen russischen und ukrainischen Truppen geschickt werden können, könnte dies bedeuten, dass russische Truppen an die Demarkationslinie zwischen den beiden Koreas geschickt werden können, wenn Kim Jong-un mit dem Süden „die Situation klären“ will?

Aber diese unterschiedlichen Positionen der beiden Koreas (das eine hilft der Ukraine, das andere Russland, das eine schickt Waffen und Militär an die Russen, das andere versorgt uns mit Granaten) erinnern uns einmal mehr nicht nur an die verschiedenen Staaten, die auf der koreanischen Halbinsel existieren, sondern auch an die verschiedenen Völker, die dort leben.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs war es definitiv ein Volk, das die schrecklichen Jahrzehnte der Besatzung überlebt hatte und voller Inspiration war, seine eigene Staatlichkeit wiederzubeleben. Die Sowjetunion und das kommunistische China rissen jedoch gewaltsam einen Teil der koreanischen Halbinsel vom anderen ab und schufen auf dem eroberten Teil einen kommunistischen Staat, der sich schließlich in eine Parodie einer mittelalterlichen Monarchie verwandelte. In gewisser Weise hat in beiden Koreas eine Evolution stattgefunden. Doch während der Süden von einer Diktatur zu Demokratie und einer entwickelten Wirtschaft überging, entwickelte sich der Norden von der kommunistischen Diktatur zu Tyrannei und Armut.

Vor 35 Jahren versuchte mich ein Freund, ein Student aus Nordkorea, der in Moskau studierte bei einem Spaziergang auf dem Arbat zu überzeugen, dass sich die beiden Koreas auf jeden Fall vereinigen würden und dass ich den Wunsch der Koreaner nach Wiederherstellung eines gemeinsamen Landes einfach nicht verstehe. Er war ein kluger Kopf und verachtete offen das Regime, das durch Stalins Bemühungen entstanden war. Ich würde ihn jedoch gerne heute sehen und ihn fragen, ob er seine Meinung geändert hat, nachdem das Oberhaupt seines Staates die Idee der Wiedervereinigung feierlich aufgegeben und alle wenigen verbliebenen Wege, die noch von Norden nach Süden führten, zerstört hat. Kim Jong-un bezeichnete die Südkoreaner als „ein anderes Volk“, und ich denke, er liegt damit nahe an der Wahrheit: Jahrzehnte des Lebens unter radikal unterschiedlichen politischen und sozialen Bedingungen können nicht durch eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames historisches Erbe ausgeglichen werden. Und mit der Zeit werden auch Sprache, Kultur und Wahrnehmung des historischen Erbes so unterschiedlich, dass die Landsleute von gestern sich schließlich nicht mehr verstehen.

Dies geschieht mit den Koreanern direkt vor unseren Augen. Und wenn wir diesen Prozess genau verfolgen, werden wir weitere Argumente finden, die den russischen Mythos von „einem Volk“ widerlegen. Denn die Frage ist nicht einmal, ob die Bewohner von beispielsweise den Fürstentümern Kyiv, Tschernihiw und Susdal aus einem gemeinsamen Staat stammen. Es geht darum, dass die Bewohner der nördlichen Fürstentümer Russlands schon in der vormongolischen Zeit mit echter Tyrannei Bekanntschaft gemacht haben und die Goldene Horde ihren Fürsten eine „wirksame Vertikale“ zur Aufrechterhaltung einer solchen Tyrannei demonstriert hat, eine Vertikale, die trotz aller Wendungen der Geschichte auch heute noch funktioniert. Und diejenigen, die später den ukrainischen Staat gründeten, lebten weiterhin in der Welt der Stadtrechte, der Freiheit der Adel und der Kosakenanarchie. Also ja, in der Ukraine geht es nicht nur um Sprache, Kultur oder darum, wer die Fürsten Jaroslaw der Weise oder Juri Dolgoruky wirklich waren. Es geht auch um Freiheit.

Es ist nur so, dass diese Zäsur zwischen den zukünftigen Russen und den zukünftigen Ukrainern schon so lange zurückliegt, dass es uns schwer fällt, die Mechanismen der Trennung nachzuvollziehen, die auch ein Jahrhundert nach dem Perejaslaw-Rat noch nicht überwunden sind. Die Wiedervereinigung der Ukraine mit Galizien hat jedoch deutlich gezeigt, wie unterschiedlich die Ukrainer sein können, welche Narben mehrere Jahrhunderte des Lebens in einem rückständigen autoritären Staat in der Seele eines freien Volkes hinterlassen, und wie schwierig es ist, diese Wunden zu heilen, nachdem man mit der Versklavung geimpft wurde.

Wenn selbst unter ein und demselben Volk – Koreanern, Festlandchinesen und Taiwanesen sowie Deutschen nach der Wiedervereinigung von Deutschland und der DDR so eklatante Unterschiede bestehen, nachdem ein Teil der Nation mit diesem „Versklavungsimpfstoff“ geimpft wurde, was kann man dann über Russen und Ukrainer sagen, die jahrhundertelang durch Freiheit und Sklaverei getrennt waren. Es geht also nicht einmal um Verwandtschaft, sondern um die Tatsache, dass ein freier Mensch kaum etwas mit einem Sklaven oder einem Sklavenhalter gemeinsam hat, selbst wenn er oder sie verwandt ist. 

Freie Menschen. Vitaly Portnikov. 13.10.24.

https://zbruc.eu/node/119663?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR1rNGTMiam–D13moIxtJ57cCz9WmOtqGZnf0dpkcRsQS7Tphb-xaqq6Kg_aem_CzT2p85pWxSge97LLDHEnQ

Die Verleihung des Literaturnobelpreises an die südkoreanische Schriftstellerin Han Kang gibt uns die Gelegenheit, an einen ihrer wichtigsten Romane, Human Deeds, zu erinnern. Dieses Buch, das vor zehn Jahren erschien, begründete den Ruf der Schriftstellerin als „Gewissen der südkoreanischen Literatur“ und machte sie zu einer der angesehensten Autorinnen im westlichen Kulturkreis. Denn um einen solchen Roman zu schreiben, brauchte es mehr als nur das Talent, das Han Kang in vielen anderen Büchern, die vor Human Deeds veröffentlicht wurden, bewiesen hatte. Es erforderte auch Mut.

Han Kang wurde 1970 in Gwangju geboren. Als sie fast 10 Jahre alt war, fand in dieser Stadt der größte und blutigste Aufstand in der Geschichte Südkoreas statt. Der Aufstand war eine Reaktion auf die De-facto-Machtübernahme durch General Jeong Doo-hwan, der die Proteste natürlich als „kommunistischen Aufstand“ bezeichnete. Und erst nach dem endgültigen Zusammenbruch der autoritären Regime und der Etablierung der Demokratie konnten die südkoreanischen Künstler das Thema Gwangju wieder aufgreifen. So ist Han Kangs Roman über den Aufstand und den Tod in ihrer Heimatstadt natürlich nicht das erste Werk über Gwangju. Aber es ist das erste Werk, das diesem Schmerz eine epische Qualität verleiht und den Aufstand zu einem der Themen der Weltliteratur macht. Es ist eine Geschichte über freie Menschen, die bereit sind, die Diktatur herauszufordern und zu sterben – wie es in der ukrainischen Geschichte schon oft geschehen ist.

Die Bedeutung eines solchen Ansatzes spiegelt sich natürlich in der Entscheidung des Nobelkomitees wider, den Preis an den ersten koreanischen Schriftsteller zu vergeben, dessen Prosa sich mit einem historischen Trauma auseinandersetzt.

Aber das historische Trauma ist nicht nur ein kreatives Verdikt gegen das Böse, das die Freiheitswilligen vernichtet. Es ist auch eine ehrliche Antwort auf die Frage: Kann das Böse seine Taten rechtfertigen, indem es das Land vor einem noch größeren Übel bewahrt?

Jeong Doo-hwan hat, wie andere südkoreanische Generäle, die das Land jahrzehntelang geführt haben, seine Landsleute nicht belogen. Es gab tatsächlich ein nordkoreanisches Regime gegenüber Südkorea. Dessen Führer machten aus ihren aggressiven Absichten nie einen Hehl. Seine Truppen drangen fast unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in den Süden ein und besetzten fast das gesamte Gebiet der koreanischen Halbinsel. Selbst nach seiner Niederlage im Koreakrieg träumte Kim Il Sung weiter von der „Wiedervereinigung des Vaterlandes“, d. h. von seinem eigenen Thron in Seoul. Gleichzeitig zögerte das Regime in Pjöngjang, das selbst im sozialistischen Lager zu den brutalsten und dümmsten gehört, nicht, die Befürworter der Demokratie in Südkorea zu unterstützen. So konnten die Diktatoren erzählen, dass sie den Kommunismus wirksam bekämpften, und den Koreanern Angst machen, dass eine Schwächung ihrer Macht zu einem Sieg der Kims führen würde. Die brutale Niederschlagung des Gwangju-Aufstandes passte natürlich perfekt in dieses Bild.

Aber die Diktatur brach zusammen. Südkorea ist seit vielen Jahren ein demokratischer Staat, in dem ein harter politischer Kampf und Wettbewerb herrscht. Hat dies die Effektivität des Landes beim Widerstand gegen die Expansion aus dem Norden geschwächt? Ganz im Gegenteil. Ein erfolgreicher demokratischer Staat, der von einem brutalen totalitären Regime bedroht wird, ist nicht dasselbe wie eine Konfrontation zwischen den Diktatoren, nicht wahr? Und genau das ist es, was viele Menschen in der Welt heute als die Bedeutung der Konfrontation zwischen der Ukraine und Russland sehen. Es handelt sich nicht nur um einen Kampf zwischen zwei Ländern, sondern um einen Kampf zwischen Freiheit und Unfreiheit.

Ein Krieg führt jedoch oft zum Abbau von Freiheit und Gesellschaft, zur Stärkung von Regierung und Armee und zur Festigung autoritärer Tendenzen. Unsere Aufgabe besteht also nicht nur darin, zu überleben, sondern auch darin, nicht zum Südkorea der Zeit von General Chung Doo-hwan zu werden, einem Land, in dem jede Dummheit, Inkompetenz und Willkür mit der Notwendigkeit erklärt wird, der russischen Aggression zu begegnen. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass eine kleine Diktatur niemals gegen einer großen Diktatur gewinnen kann.

Nur freie Menschen können gewinnen.