Die britische Zeitung Financial Times hat Einzelheiten über den geheimen Besuch des amerikanischen Vertreters Rodney Cook, des Vorsitzenden der US-Kommission für Kunst, in der Russischen Föderation erfahren. Cook, der zugleich den Bau von Donald Trumps berühmtem Ballsaal betreut, reiste nach Russland, um zu versuchen, den amerikanisch-russischen Dialog über ein Ende des Krieges in der Ukraine wiederzubeleben.
Das Erstaunlichste daran ist, dass Cooks Reise gar nicht verheimlicht wurde, denn er war Gast des St. Petersburger Wirtschaftsforums und damit der erste US-Beamte, der diese russische Veranstaltung besuchte, nachdem amerikanische Vertreter russische Foren seit 2018 boykottiert hatten. Als Cook jedoch im Sitzungssaal des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg erschien, begannen amerikanische Regierungsvertreter so zu tun, als wüssten sie nichts über seine Mission. Und US-Außenminister Marco Rubio versuchte den Eindruck zu erwecken, die Reise nach St. Petersburg sei eine private Initiative des Vorsitzenden der Kunstkommission gewesen.
Jetzt wissen wir, dass alles ganz anders war. Cook führte im Vorfeld des St. Petersburger Wirtschaftsforums Gespräche mit hochrangigen russischen Regierungsvertretern und hoffte auf eine Belebung der Kontakte zwischen der Russischen Föderation und den Vereinigten Staaten. Die Liste von Cooks Gesprächspartnern wird nicht veröffentlicht. Doch gerade heute betonte der außenpolitische Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow, dass die Vereinigten Staaten und Russland die sogenannte stille Diplomatie fortsetzen.
Und man muss sich darüber im Klaren sein, dass diese stille Diplomatie genau das ist, was der russische Präsident Putin braucht, um bis zum Ende von Donald Trumps Amtszeit Zeit zu schinden. Denn offensichtlich hat Putin zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht die Absicht, mit diesem amerikanischen Präsidenten ernsthafte Vereinbarungen über irgendetwas zu treffen. Gleichzeitig hofft er jedoch, mithilfe dieser stillen Diplomatie neue ernsthafte amerikanische Sanktionen gegen die russische Wirtschaft zu verhindern.
Und was ist mit Cook? Seine Reise nach Russland war ein anschauliches Beispiel für den Dilettantismus und das mangelnde Verständnis der politischen Lage in der Welt, die Donald Trumps Administration seit der Rückkehr des Republikaners ins Oval Office generell an den Tag legt. Cook versuchte, seine russischen Gesprächspartner davon zu überzeugen, dass man mithilfe der Kunst einen Dialog aufbauen könne. Er wollte sie dazu bewegen, für ihn privat Dmitri Schostakowitschs Leningrader Symphonie aufführen zu lassen, die der berühmte russische Komponist während der Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg geschrieben hatte.
Wir wissen nicht, was Cooks russische Gesprächspartner ihm antworteten, doch offensichtlich waren auch sie von der Megalomanie des Ballsaal-Bauleiters überrascht. Jedenfalls kamen die 150 Musiker, die Cook sehen wollte, um sich diese Symphonie im Konzertsaal anzuhören, letztlich nicht zusammen, um den kulturellen Appetit des amerikanischen Vertreters zu befriedigen.
Was die tatsächlichen politischen Folgen des Besuchs betrifft, wissen wir nur eines: Infolge dieser Reise des Vorsitzenden der US-Kunstkommission gab es keinerlei Veränderungen im Verhandlungsprozess zwischen der Ukraine und Russland. Auch Cooks Kompliment an den russischen Präsidenten Putin zeigte keine Wirkung. Direkt im Sitzungssaal des Internationalen Wirtschaftsforums übermittelte der Ballsaal-Bauleiter Putin Grüße von dessen Freund Donald Trump.
Der russische Präsident blieb seiner Politik der Eskalation und des Zeitgewinns in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation hinsichtlich der Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges treu. Aber wir verstehen, dass all diese Ereignisse immer einen doppelten Boden haben.
- Erstens wissen wir nicht, worüber Donald Trumps Vertreter bei seinen Gesprächen tatsächlich gesprochen hat. Wenn man sich im Weißen Haus nichts von seiner Reise versprochen hätte, hätte man Cook keinen Diplomatenpass ausgestellt und ihm keine detaillierten Anweisungen für seinen Aufenthalt in den russischen Hauptstädten gegeben.
- Zweitens sehen wir erneut, dass die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht auf Professionalität, sondern auf Dilettantismus setzt. In dieser Hinsicht ähnelt sie leider auch den ukrainischen Unterhändlern bei den Verhandlungen über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges, die ebenfalls nicht begreifen können, dass nur ein professioneller Umgang mit Politik und Diplomatie überhaupt konkrete Ergebnisse bringen kann, wenn auch vielleicht erst in Zukunft.
Trump hat schon früher auf Dilettanten gesetzt, etwa auf seinen Geschäftspartner aus dem Immobilienhandel Steve Witkoff, der weiterhin als informeller Außenminister der Vereinigten Staaten fungiert und die wichtigsten Verhandlungen im Namen des US-Präsidenten führt. Oder auf seinen Schwiegersohn Jared Kushner, der ebenfalls vor allem in den Verhandlungsprozess im Nahen Osten eingebunden ist und dort keine Ergebnisse erzielen kann, die auf reale Chancen für eine langfristige Beilegung der Krisen in der Region hindeuten würden.
Dass neben diesen beiden Personen, die offensichtlich weder etwas von den Regionen verstehen, mit denen sie sich befassen, noch von Diplomatie als solcher, nun auch noch der Vorsitzende der Kunstkommission auftaucht, der für Kultur zuständig sein und sich um den Ballsaal kümmern sollte, falls dieser überhaupt gebaut werden darf, statt mit Putins Regierungsvertretern zu sprechen, ist eine Fortsetzung derselben Logik, die nur dazu führen kann, dass Putins Appetit auf eine Fortsetzung der Kampfhandlungen und der Konfrontation mit dem Westen weiter wächst.
- Drittens, und auch das ist ein wichtiger Punkt, muss sich die Administration darüber klar werden, was sie tatsächlich will: den Präsidenten der Russischen Föderation dazu zu bewegen, den Dialog wieder aufzunehmen, der letztlich zu nichts führen wird, solange der russisch-ukrainische Krieg nicht beendet ist, oder tatsächlich ein Ende dieses Krieges zu erreichen.
Denn es entsteht der Eindruck, dass das Hauptziel der amerikanischen Vertreter, die sich in Russland aufhalten, darin besteht, herauszufinden, was sich in den Wirtschaftsbeziehungen mit der Russischen Föderation verdienen ließe, wenn der Krieg einmal beendet ist. Sie hören sich die Versprechen russischer Regierungsvertreter an, die den amerikanischen Dilettanten unglaubliche Bilder eines gemeinsamen wirtschaftlichen Erfolgs ausmalen. Doch die Antwort auf die entscheidende Frage – wie und wann der russisch-ukrainische Krieg überhaupt enden wird und ob dies während Donald Trumps Amtszeit im Weißen Haus geschehen kann – bleibt weiterhin ohne jedes konkrete Ergebnis.
Und dann stellt sich die Frage: Warum sollten Witkoff oder Cook mit russischen Regierungsvertretern über Geld sprechen, wenn sie bis zum Ende des Krieges keinen Zugang zu diesem Geld haben werden? Und was dieses Ende des Krieges betrifft, können sie nicht einmal den Hauch eines Fortschritts erzielen.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Таємні переговори Росіі і США | Віталій Портников. 18.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 18.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.